Über mich

Geb. 1939, Volksschule, Fleischerlehre, Abendabitur, Lehrerstudium, Lehrer auf Föhr,  Dozent an der Universität Flensburg, nun freischaffender "Sucher".  Promotion über Naturerleben. Schwerpunkte:  Handlungstheorie, Bild und Wort, Theorie der Eigenbewegung, ökologische Bildung. Ehemaliges Mitglied und Mitbegründer der Grünen. Zu Veröffentlichungen siehe in Wikipedia  unter „Boje Maaßen“.

Boje Maaßen


Über diese Homepage

Zur Orientierung: Der Schwerpunkt (auch quantitativ) meiner Notate liegt in „Zeitdiagnose“, „Kritik des Autos“, „Eigenbewegung“, "Kritik der Unterhaltungsmedien" und „Miszellaneen“.

 

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Die von mir bislang entwickelte Theorie der Eigenbewegung soll einerseits helfen, unser Mobilitätsverhalten zu ändern, andererseits eine Theorie bereitstellen, die die bereits formulierten und praktizierten, aber isolierten Alternativen  in  der Medizin, Sport- und Freizeitwissenschaften,  Kommunikation und Interaktion, Stadt- und Siedlungsentwicklung, Umwelt- und Klimaschutz,  neuen Wanderbewegung, steady-state-economy als Ausdruck eines gemeinsamen Ansatzes versteht.
Anders ausgedrückt: Die hier entwickelte Position zeigt  einerseits Wege, wie der individuell verursachte carbon footprint durch Eigenbewegung  beträchtlich verkleinert wird, andererseits begründet sie, dass die damit zusammenhängenden Veränderungen nicht  - wie allgemein behauptet - eine Minderung, sondern eine Vermehrung der Lebensqualität nach sich zieht.

DIE POSITION:

Unter “Eigenbewegung” werden hier Ortsveränderungen verstanden, die mit eigener Muskelkraft durchgeführt werden. Gehen und Fahrradfahren sind deren Hauptformen.

Der Mensch wird bewegt bzw. bewegt sich auf drei verschiedenen Weisen: a) im Modus der Fremdbewegung (Auto, Zug, Flugzeug usw.), b) im Modus der Scheinbewegung (Filme, Fernsehaufzeichnungen usw.), c) im Modus der Eigenbewegung.

Klimawandel und Fremdbewegung bedingen einander. Ein Lösungssegment heißt Eigenbewegung.

Maxime: So viele Aufgaben und Funktionen wie möglich im Modus der Eigenbewegung durchführen, wo wenig wie nötig im Modus der Fremdbewegung.

Ziel ist zu helfen, das reale Leben gegen ein Leben im Scheine, zu stärken. Ein Leben im Passivum ist ein Widerspruch. Ein Leben in virtuellen Welten, sei es in der Werbung und im Second Lift, ist kein Muß. Das reale Leben ist ein positiver Wert, den es zu verwirklichen gilt.

Nach Aristoteles ist ein Freund jemand, der das Bessere und Gesündere im anderen befördert. Das kann auch Kritik beinhalten. In diesem Sinne verstehe ich meine Aussagen.

Das mögliche Verdienst vorliegender Gedanken besteht zum einen darin, Helligkeit in Bereiche und Verbindungen zu bringen, die wichtig für die Zukunft sind, zum anderen zu zeigen, dass Nachhaltigkeit fördernde Verhaltensbewegungen wie Eigenbewegung in natürlichen, sozialen und kulturellen Alltagswelten ohne persönliche Verluste realisierbar sind, ja ein Mehr an Lebensqualität zur Folge haben. Letzteres wird nicht abstrakt behauptet, sondern von mir in Alltagssituationen quasi experimentell gelebt. Leben ist nur dann erfüllt und gestaltet sich nur dann nachhaltig, wenn ein Leben auf anderes Leben trifft, sei es Mitmensch, Tier oder Wald. Deswegen lebt ein Mensch im Umgang mit dem Auto, Fernseher oder Konsumartikel nur kurzfristig auf - nach anfänglicher Begeisterung folgt die oft nicht eingestandene Langeweile, weil Täuschung vorliegt. Zuallererst also finden die Leser Analysen, Gedanken und Vorschläge, die erfülltes Leben erst ermöglichen. Negativ ausgedrückt: Es werden die Bedingungen benannt, die erfülltes Leben verhindern, ja zerstören.
Mein Ansatz verlangt letztlich Änderungen im habitualisierten Handeln. Aber Gewohnheiten infrage zu stellen oder gar zu ändern, fällt uns Menschen offensichtlich sehr schwer. Deswegen trifft diese Position, obwohl sie ein Mehr an Lebensqualität bietet, auf sehr viel Widerstand bzw. wird nicht zur Kenntnis genommen.

Blitzlichtartige Einführung in die Thematik:

In der Alltagspraxis wird die Eigenbewegung immer häufiger und umfangreicher durch die Fremdbewegung ersetzt. Zum Kaufmann geht man nicht zu Fuß oder benutzt das Rad, sondern fährt mit dem Auto. Diese Transformation der Alltagsbewegung ist aber nicht nur eine private Angelegenheit, sondern im Gesamt ihrer Auswirkungen auf den Menschen selbst und auf seine natürliche, soziale und kulturelle Umwelt höchst destruktiv. Destruktionen, die im individuellen und kollektiven Bewusstsein nicht nur verdrängt bzw. vergessen, sondern als Fortschritt begrüßt werden. Es gibt für diese Abläufe nahezu kein kritisches Bewusstsein und keine Abwehr. Sie haben global alle Gesellschaften in allen Schichten in ihren kulturellen und politischen Ausprägungen erfasst.

Orientierende Aussagen zur hier vertretenen Position:

  1. Meine Theorie der Eigenbewegung umfasst  zugespitzt: a)  Erst durch Eigenbewegung wird der Mensch zum Menschen und b) Erst durch Eigenbewegung wird der destruktive Druck auf die Erde zurückgedrängt.

  2. Es geht um die Stärkung des Lebens, der Vita activa, der Selbstkonstruktion, der Aneignung von “wirklicher Wirklichkeit” - es geht um eine angestrebte geglückte Einheit von Mensch und Umwelt.
  3. In der Eigenbewegung ist ein hohes Potenzial an Freiheit enthalten.
  4. Nur in der Eigenbewegung entstehen und erhalten sich Landschaft, Dörfer und Städte, Heimat und Urbanität. Wer geht oder Rad fährt, nimmt wahr und wird wahrgenommen, d. h. ist sichtbarer Teil des Ganzen.
  5. Fernsehen und Buch lesen sind wie das Auto Kontaktvernichter - aber mit jeweils anderen Verlusten und Gewinnen.
  6. Eigenbewegung fällt leichter, wenn sie mit Sinnhaftigkeit und Bedeutungen verknüpft wird.
  7. Wirklichkeit und Wirklichkeit als Zahl sind nicht identisch. Gleiches gilt für Eigenbewegung und Fremdbewegung.
  8. Eigenbewegung stärkt die körperliche Kondition und psychische Stabilität.
  9. Eigenbewegung legt Grundstrukturen für das Denken.
  10. Das Verschwinden der Eigenbewegung ist nicht ohne Rekurs auf die warenproduzierende Gesellschaft zu erklären.
  11. Ohne unterstützende “Auswilderungsprogramme” wird die Transformation von Fremd- zur Eigenbewegung nicht gelingen.

Physiologische Grundlagen für eine Theorie der Eigen- und Fremdbewegung

Die Schwierigkeit, die Struktur dieses  Buch zu verstehen,  besteht darin, dass so verschiedene Dimensionen und Aussagen wie Übergewicht, Unwirtlichkeit der Städte, Vereinzelung der Menschen, Konsumorientierung, Landschaftszerstörung, aber auch Glück, Gesundheit, Funktionieren usw. nicht isoliert dargestellt, sondern auf  das Zusammenspiel von Muskeln mit Nerven zurückgeführt, neu bestimmt und bewertet werden. Diese  neuartige Auffassung  entsteht dadurch, dass die Muskeln im Handeln und insbesondere in psychischen Prozessen des Fühlens, Wertens, Wahrnehmens, Erinnerns und Denkens entschieden aufgewertet werden. Muskeln und Nerven sind konkret, jeder Mensch hat sie und kennt sie, sie sind also  gar nicht „theoretisch“.  Die Verstehensschwierigkeiten des Buchinhaltes liegen wohl nicht am Stil, sondern in den ungewohnten Verknüpfungen, wenn beispielsweise  die  Unwirtlichkeit der Städte auf  unsere Muskeln und Nerven zurückgeführt werden. Das nachzuvollziehen verlangt Offenheit und Unvoreingenommenheit. Denn ich behaupte, dass viele,  nicht alle! Probleme der Gegenwart und viele, aber nicht alle Momente der Zufriedenheit und des Glücks vom gelingenden oder nicht gelingenden Zusammenspiel der Muskeln und Nerven abhängen.

Man unterscheidet beim menschlichen Gewebe zwischen Deck-, Binde-, Muskel- und Nervengewebe. Insbesondere Muskel- und Nervengewebe sind für die Aneignung von Welt konstituierend. Das Nervengewebe ermöglicht Vernunft, Verstand, Gedächtnis, Gefühl, sinnliche Wahrnehmung und Wollen, kurz: Orientierung. Das Muskelgewebe ermöglicht interne und externe Körperbewegungen und Ortsveränderungen.
In welchem Verhältnis stehen das Nerven- und Muskelsystem zueinander? Auf der Ebene der Zellen lassen sich beide Systeme, die durch einen Hiatus, einen unüberwindbaren Graben getrennt sind, eindeutig unterscheiden. Zwischen ihnen gibt es keine substanzielle, aber eine funktionale Einheit durch wechselseitige Beeinflussungen und Bestimmungen. Denn der Organismus ist auf eine gelingende Zusammenarbeit beider Systeme existenziell angewiesen - zumindest auf minimaler Ebene: Selbst der Fußballstürmer (hier Betonung auf Muskeln) muss wissen, welche Funktion ein Tor hat und wo es steht, selbst der Philosoph (hier Betonung auf Nerven) muss zumindest seine Augen bewegen und die Seiten des Buches umschlagen bzw. die Knöpfe seines Computers bedienen.
Wahrnehmung ist auf Bewegung und umgekehrt Bewegung auf Wahrnehmung angewiesen. Als vereinfachtes Bild: Die Muskeln “tragen” die Nerven, die Nerven “verstehen” die Muskeln. Jeweils auf sich allein gestellt, vermögen sie bezüglich der Erkenntnis nichts auszurichten.

Muskuläre und neuronale Kultur

Trotz der lebenserhaltenden und damit notwendigen Zusammenarbeit von Muskelsystem und Nervensystem, die eine funktionale Einheit bilden, ja bilden müssen, behaupte ich, dass beide Gewebe idealtypisch in Theorie und Praxis zwei verschiedene Lebensorientierungen, ja Kulturen hervorgebracht haben: eine neuronal und eine muskulär orientierte Kultur. Im Alltag dominiert die neuronale Kultur, während die muskuläre Kultur überwiegend durch sportliche Aktivitäten realisiert wird.
Die gegenwärtig dominierende Aneignung von Welt ohne muskuläre Tätigkeit stellt eine große Gefahr dar, bis hin zur möglichen Abschaffung des Menschen im Sinne bisheriger Menschenbilder. Der Mensch wird antiquiert. Es kann also gar nicht intensiv genug betont werden: Beim Gehen und beim Autofahren entstehen zwei verschiedene “Welten” und zwei verschiedene “Menschen”: Im Auto haben die Fahrenden, von reduzierten visuellen Außenkontakten abgesehen, nur Kontakt mit der Autoinnenwelt. Das Auto hat mit der Umwelt lediglich substanziellen Kontakt über vier dynamische Punkte, d. h. mit den vier Rädern, die in der Drehung den Untergrund berühren. Für den Menschen entsteht insbesondere kein taktiler Kontakt mit der Außenwelt - der ersten und tiefsten unverzichtbaren Grundlegung jeglicher Bewegung. Der Verlust besteht in zweierlei: Der Mensch verliert sich selbst, und er verliert Welterfahrung.

Bedeutung der Energie im Vermittlungsprozess 

Eigenbewegung, im Wesentlichen auf Muskel- und Nervengewebe angewiesen, funktioniert nur, wenn ihr Energie zur Verfügung steht. Diese Energie bewirkt, dass aus Strukturen ( Gewebe) Prozesse (Bewegungen) werden. Als Muskelenergie ist sie keine neutrale, entqualifizierte, homogene Energie, sondern von inneren Anlagen und äußeren Bedingungen geformt und gerichtet. Bei den inneren Anlagen stellt sich die Frage, ob diese Formung und das Gerichtetsein den muskulären und neuronalen Strukturen, gewissermaßen dem “Energiebett” (den physiologischen Strukturen) zuzuordnen sind, oder ob die spezifischen Qualitäten bereits in der jeweiligen Energie vorhanden sind oder zwischen beiden eine konstituierende Wechselbeziehung besteht. Diese metaphysischen Fragen bleiben hier unberücksichtigt, was aber nicht heißen muss, dass diese Dimension nicht existiere oder unwichtig sei. Es geht “nur” um die äußeren Formungsprozesse, die durch unterschiedliche Elemente der Umwelt über muskuläre Tätigkeiten im Körper und in der Psyche des Menschen in Gang gesetzt werden. Ein Beispiel: Ich gehe eine Treppe mit hohen Stufen hinauf. Diese Treppe bildet sich in mir ab, denn die äußere Situation formt über muskuläre Tätigkeit die Körperenergie und - das ist das Entscheidende - sie beeinflusst den Geist direkt. Wahrscheinlich stellt sie in diesem Fall die strukturelle Grundlage des geistigen Inhalts dar. Zugespitzt gedacht: Die Körperenergie ist der Geist. Erst in ihr und aus ihr konstituieren sich Körper, Geist und Seele, ja existenzielles Selbstbewusstsein.
Deutlicher und verständlicher wird diese zentrale Position, wenn man ihr Gegenteil, die in Maschinen und Motoren wirkende Fremdenergie analysiert. Ihr Wirken verändert im Falle des Autos die Insassen nicht direkt. Die Energie, die das Auto bewegt, fließt nämlich an den Fahrenden vorbei, berührt sie nicht. Diese Energie macht keinen Unterschied in den Fahrenden, egal ob sie in einem kleinen oder in einem großen Auto fahren. Aber das hat, paradox formuliert, zumeist unbewusste, indirekte Wirkungen. Es wird fatalerweise gelernt: Du kannst Welt erfahren ohne wirkliche, taktile Begegnung, ohne körperliche Anstrengung. Eigenbewegungen sind überflüssig. Eine Autofahrt ist in Bezug auf Wahrnehmungen letztlich eine Bewegung ohne Weg. Eine Bewegung ohne Weg ist idiotisch (grch. idiotes “Privatmann, Stümper”).

Hinweise:

Die Einträge in diese Homepage erfolgen chronologisch. Ea handelt sich also um abgeschlossene Notate, Aphorismen, Gedanken, Zitate, die nicht systematisch  geordnet wurden, was aber in einer zukünftigen Arbeit geleistet werden soll. 


In "Radio-Flensburg"  ist unter "Salonfähig" eine informative und amüsante Sendung von Richard Wester u. a. zu meinem Buch enthalten, die als Podcast abgehört werden kann (mein Part beginnt 28.51 min.).

In dem unabhängigen Onlinemagazin http://iley.de findet man mehrere  Artikel  von mir u. a. mit dem Titel "Nostalgischer Rückblick in konstruktiver Absicht", "Sich bilden und aneignen". "Zum Wesen des Gartens", "Bewegung im Alltag macht die Fahrt ins Fitness-Studio überflüssig"  "Welcher Lebenstandard ist wünschenswert?" und  "Der Tod des Autos wäre das Ende vieler Krankheiten".


Inhaltlicher Ausgangspunkt dieser Beiträge ist:  Maaßen, Boje: geht los. Argumente für Eigenbewegung in Alltagswelten und eine Kritik des Autos. 

Ergänzungen, Kritik und Lob erwünscht: "boje.maassen@t-online.de".