Kritik der Nutzung des Autos im Besonderen und der Anwendung von Fremdbewegung im Allgemeinen (Technik)

Stand:3. 9. 10

Die Kritik des Autos beinhaltet auch eine Kritik der Fremdbewegung bzw. der gewaltsam durchgesetzten Nicht-Bewegungen. Es wäre fast alles erreicht, wenn Auto und Mensch nicht mehr als eine untrennbare, naturwüchsige Einheit aufgefasst würden. Das Auto ist lediglich eine (1!) Möglichkeit zur Ortsveränderung. Es gilt, im Interesse der Umwelt, des Klimas, aber auch der Autofahrer selbst, das zutiefst emotionale äVerhältnis zum Auto durch ein rationales zu ersetzen. Das Auto darf nicht ein Teil der Identität sein.

Das Auto (obwohl es natürlich auch wiederum bedingt) steht im Zentrum der Kritik , weil es in immer stärker werdendem Umfange die Eigenbewegung ersetzt. Die Verwendung des Autos ist nahezu universell geworden und das aus zwei Gründen: Zum einen realisiert und symbolisiert das Auto das gesamtgesellschaftliche Wollen, Wünschen und Handeln, es verkörpert die Logik unserer Gesellschaft (the primary driving force). Das Auto ist Selbstzweck, aber auch Mittel für nahezu alles, was der auf Konsum reduzierte Mensch erreichen will. Es ist der materielle und emotionale Mittelpunkt des individuellen Lebens und der gesellschaftlichen Prozesse. Zum anderen - auch als Folge - ist jede Ortsveränderung mit Hilfe des Autos zur nahezu habitualisierten Selbstverständlichkeit geworden. Die Einschränkung “nahezu” soll auf den verbliebenen Raum für Alternativen, wie sie momentan in der Neuendeckung des Wanderns und Gehens sich äußern, hinweisen. Ein Raum, der - so hofft und versteht der Autor seinen Beitrag - sich in Zukunft zu einem menschlichen Lebensraum erweitern wird, ja erweitern muss.

Es gibt inzwischen viele ermutigende Initiativen und Menschen, die sich für das Gehen und Radfahren einsetzen - aber allen ist gemeinsam, dass sie nicht substanziell und systematisch eine Kritik des Autos entwickeln. Dieses Defizit soll der Inhalt meines Buches und dieser Homepage ein Stück beheben.

Die Kritik beschränkt sich nicht nur auf Autos, sondern gilt  generell dem zunehmenden Einsatz von Motoren,  wenn  er  überflüssig ist, d. h. Not nicht vermindert, sondern vergrößert. Und diese Überlegungen beziehen sich primär auf den konsumtiven Bereich, deswegen, weil die Ersetzung harter körperlicher Arbeit durch motorangetriebene Maschinen eine Errungenschaft ist, die als letzte problematisiert werden sollte. Also ein Ja zu öffentlichen Verkehrsmitteln, wenn sie sinnvollen Fahrten dienen, ein Nein zum Auto, wenn Alternativen vorhanden sind.



  1. Autos  und Massenmedien  sichern zur Hauptsache die Reproduktion der kapitalistischen Warenwelt, d. h. die unersetzliche Gier nach Waren.
  2. Individualverkehr in der heutigen Form und Umfang ist zumindest mit historischen Städten und Stadteilen absolut inkompatibel.
  3. Wer noch über ein Minimum an ästhetischer Urteilskraft für öffentliche Räume verfügt, müsste  ein Gegner des Individualverkehrs sein. 
  4. Es gibt wohl keine Wohnstraße auf dem ganzen Erdball, die nicht unter  heftigsten Widerstand der Einwohner in eine autofreie umgewidmet werden könnte.
  5. Aus einem Nachruf: "Er galt als einer der größten Talente der USA, liebte den Rausch der Geschwindigkeit schon als kleiner Jungen - und starb mit nur 13 Jahren auf der legendären Rennstrecke von Indianapolis. Mit elf Jahren wurde er der jüngste Lizenzfahrer der US-Motorradvereinigung." Sein Vater schrieb: "Die Welt hat einen ihrer hellsten Lichter verloren."
  6. Meine Beobachtung: Oft sind Autofans, unabhängig von Schicht und Ausbildung, oberflächliche Menschen.
  7. Im Auto kulminiert das gesamte Streben und Logik des gegenwärtigen Zeitgeistes. Im Auto schafft der Zeitgeist seine ideale materielle Gestalt.
  8. Es hat doch lange gedauert, bis auch mein Gefühl habituelles Autofahren und Fernsehen als unerträgliche Beschneidung meiner Lebenskraft und Neugierde begriff.  Beide Tätigkeiten verengen drastisch die körperlichen und geistigen Möglichkeiten eines Menschen.
  9. Ich geht durch unser Stadtviertel. Ca. 90 Prozent der an mir vorbeifahrenden Autos haben das Kennzeichen unserer Stadt.
  10. Meine Empfehlung: Liebe keine Motoren, sehe in ihnen keinen Selbstzweck, sondern nutze sie ggf. aus Notwendigkeit. 
  11. In einer lauen Sommernacht erntet der Bauer in unserer Nachbarschaft mit lauten Maschinen das Kornfeld. Das ist notwendig und für mich in akustischer Hinsicht kein Problem. Der Verwaltungsangestellte mäht mit einem Motorrasenmäher, den lautesten in unserem Viertel,  jeden Freitag seinen Hausrasen. Das ist schon ein Problem.
  12. In der Fremdbewegung ist der Mensch von sich selbst entfremdet.
  13. Im Auto ist man ein Transportgut.
  14. Das Auto ist ein mobiles Gefängnis. Wann beginnen die Insassen damit, sich aus diesem selbst gewählten Gefängnis zu befreien?
  15. Die Angst vor ungeplant Neuem und vor dem Versagen des eigenen Körpers sind Hauptfaktoren, die die Attraktivität des Autos plausibel machen.
  16. Wer die  Stadt liebt, lässt sein Auto stehen.
  17. Beim Autofahren fokussiert sich nahezu die gesamte Sinnlichkeit auf das Auto: Fühlen, Riechen, Hören und der Großteil des Sehens.
  18. Wir sollten Verkehrssysteme entwickeln, die nicht von Autos dominiert werden. 
  19. Wann beginnen wir endlich, Autostraßen zurückzubauen? Warum muß jeder Ort problemlos mit dem Auto erreichbar sein?
  20. Es gibt in Mecklenburg-Vorpommern einen Ort (den Namen verrate ich nicht), der nur über zwei  Plattenwege zugänglich ist. Nur wenige Autofahrer nehmen diese aus der Sicht des Autos große Strapaze auf sich. Welch ein Paradies.
  21. Die prinzipiellen Autofahrer meinen frei zu sein, sind es aber nicht, denn ihr Bewusstsein ist von Fremdinteressen vermittelt. Sie wissen nicht, was sie tun und bewirken.
  22. Nutze ich Technik, macht die jeweilige Technik die "Erfahrungen", nicht ich: Das Schiff durchpflügt die See, ich erfahre vom Wasser, vom Visuellen aus der Distanz abgesehen, nichts. 
  23. Fahre ich mit dem Auto, habe ich die größte Chance, kein ungeplantes Neues kennen zu lernen - abgesehen davon, wenn ich in einem Unfall verwickelt bin.
  24. Wir sitzen bequem im Zug der Usedomer Bäderbahn. Auf der parallel verlaufenden Autostraße sehen wir auf einen kilometerlangen Autostau. Arme Autofahrer und arme Insel.  
  25. Motorradfahren als Selbstzweck - und das ist es ja in den meisten Fällen - ist, auch wenn es zur Entladung innerer Spannungen dient, eine minimale Aktivität, eine Unterforderung des Körpers und des Geistes.
  26. Aufheulende Motoren gehören zur Geräuschkulisse des Krieges. 
  27. Ein Rasen mag ja in bestimmten Fällen ästehtisch sein, aber im Interesse der  Abwesenheit von Krach und Lärm wäre viel gewonnen, er verschwände aus den Hausgärten.
  28. Das Auto ist das reale Zentrum gegenwärtiger materieller und geistiger Wirklichkeit in ihrer Gesamtheit. In einem Bild: Das Auto entspricht der Spinne, die Gesellschaft das mehrdimensionale Spinnennetz. 
  29. Technik ist eine dominierende Erfahrungsdimension und prägt damit einen entsprechenden Vernunfttypus.
  30. Natürlich ist jedes einzelne  Auto nur eine relativ kleine Dreckschleuder, aber die Summe aller Autos ist das Problem. Ich halte es für  ein demokratisches Mißverständnis und Rationalisierung von Fehlverhalten, von der relativ geringen Belastung durch mein Auto zu schließen, dass diese vernachlässigenswert sei, statt in Richtung Addition zu denken.
  31. In Analogie zur Passivrauchen kann man nur bedingt von „Passivfahren“ sprechen, da die Autoinsassen dank der Auspuffrohre nicht den beim Fahren entstehenden Abgasen ausgesetzt sind. In den „Genuss“ dieser Abgase kommen nur Menschen (und Lebewesen), die sich im Freien bewegen.
  32. Der Motor ist eine Methode, ein „Wie“, private und berufliche Handlungen zu verrichten. Immer mehr menschliche Handlungen werden durch motorenbetriebene Maschinen ersetzt. Wer das für übertrieben hält, analysiere nur seinen eigenen Tagesablauf. Gibt es für diese Entwicklung ein Optimum oder ist die totale Motorisierung der Welt das Ziel?    

  33. Nahezu alle Werkzeuge und Werkzeuge, die im Einsatz sind, werden inzwischen von Motoren angetrieben. Der Motor ist allgegenwärtig und bestimmt unserer Leben - viel mehr, als wir die Motoren bestimmen. 
  34. Geschwindigkeit an sich zu geießen, schafft Leere und  ist Ausdruck von Leere.
  35. In einem informationsreichen Artikel im Flensburger Tageblatt setzte sich der Journalist Friederich Mielke für eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung auf Deutschlands Straßen ein. Bereits einen Tag nach der Veröffentlichung äußerten mehrer Leserbriefschreiber heftigsten Protest gegen dieses Plädoyer. Diese Reaktion zeigt die große emotionale Verbindung zum Auto, die durch kein noch so gutes Argument gefährdet ist. Selbst die kleinste  Einschränkung des Autos wird als Anschlag auf Leben und Freiheit bewertet.
  36. Das System Auto ist  konkurrenzlos das materielle und geistige Zentrum aller Gesellschaften und nahezu aller Individuen. in der globalisierten Welt.
  37. Dank des zunehmenden Autoverkehrs und des vermehrten Einsatzes von Verbrennungsmotoren sind fürs erste Energieengpässe beseitigt. Warum? Durch den  damit verursachten Klimawandel schmelzen die Eismassen der Arktis dahin, was wiederum die Bedingung für die Ausbeutung von Rohstoffen- und Energiereserven ist.
  38. Fremdbewegung ist eine "schlechte"  Abstraktion. Sie reduziert in actu  den Mensch und die jeweilige Umwelt.
  39. Die Technik ist sicherlich in einigen Fällen von großer Nützlichkeit, aber Tatsache ist auch, dass sie  (z. B. ein Auto) sich  zwischen Mensch und Umwelt, zwischen innerer und äußerer Natur schiebt, so dass das Leben bestenfalls zu einem indirekten wird.  
  40. Es gibt Theorien, die besagen, der Mensch erweitere sich in der moderne Industrie- und Informationsgesellschaft zu einem Mensch-Technik-Hybrid, d. h. die Technik sei ununterscheidbar zu einem  Teil des Menschen  bzw. der Mensch zu einem ununterscheidbaren Teil der Technik geworden. Genauer analysiert: Auf materieller Ebene bleiben  Mensch und (das Beispiel) Auto, obwohl räumlich sehr nahe stehend, zwei eindeutig unterscheidbare Einheiten. Auf Bewußtseinsebene ist der Auto fahrende Mensch in der meisten Zeit tatsächlich ein Mensch-Auto-Hybrid.
  41. Das Auto entzieht dem Spiel von Sehen und Gesehenwerden massenhaft Menschen. Sehen und Gesehenwerden ist  das urbane Prinzip schlechthin. Sich in  Autos zu verstecken, verstösst gegen dieses Prinzip. 
  42. Ein Ort lebt durch seine Menschen, die man sieht, und  er stirbt an Autos,  in denen sich Menschen verstecken.
  43. Neben selbstzerstörerischer Faulheit fällt mir nur noch die übergroße Angst vor dem Anderen ein, die die nahezu pathologische Permanent-Fixierung vieler Mitmenschen auf das Auto erklären.
  44. Elektroautos gehören zu den systemimmanenten Lösungen, da die Emissionen nur verlagert werden. Die Atomisierung der Gesellschaft, der Verfall der Öffentlichkeit, der Tod der Städte, um nur die wichtigsten Folgen des Individualverkehrs zu nennen, bleiben bestehen. Zudem ersetzt und verdrängt diese Technologie die existenziell wichtige Eigenbewegung. Ich kann übrigens nicht nachvollziehen, dass selbst die GRÜNEN  mit  der  Forderung und Förderung nach dem "Green Car" meinen, dass damit das  Autoproblem gelöst sei und sie nun auf der Seite des ökologischen Fortschritts ständen.
  45. Schon ein kurzer Blick in die Etymologie zeigt, dass es vielleicht eines der größten Selbsttäuschungen der Gegenwart ist, wenn der Autofahrer, meint, er sei beweglich. In "Automobil" sind gr. autos (selbst) und lat. mobilis (beweglich) enthalten, beides bezieht sich auf das Auto, nicht auf den Autofahrer.
  46. Wenn eine Stadt in sich funktioniert, verliert das Auto seine Bedeutsamkeit und Macht.
  47. "Denn sie (die Motor"sportler" und habituellen Autofahrer) wissen nicht, was sie tun" - oder ihnen sind die Folgen ihres Tuns egal. Wenn sie es nicht wissen, hängt das mit der Unfähigkeit, auf Metaebene zu denken (oder zu fühlen), zusammen. 
  48. Technik ersetzt menschliche Bewegungen, so dass der Mensch bewegungslos wird. Es ist genau zu überlegen, wo für uns Menschen die Grenze der Technik liegt, wo ihr Einsatz kontraproduktiv, d. h. inhuman wird.
  49. Wie noch in meiner Kindheit Stille das dominierende "Geräusch" war, ist es heute flächendeckender Lärm. Wann und wo  sind  menschliche Stimmen und  Lachen, wo noch menschliche Schritte, wo noch  `handgemachte´ Geräusche zu hören? Und wenn aus Kindergärten Kinderlachen zu hören ist, beschweren sich die Auto fahrenden und mit Motorrasenmäher ausgestatteten  Anrainer. 
  50. Von der Wohnung der Familie unseres Sohnes gibt es  zwei Radwege in die Innenstadt: Der direkte Weg verläuft  ein Stück  durch einen schönen Stadtwald, überquert   zwei hochfrequentierte Autostraßen und führt dann über eine Zubringerstraße in die Innenstadt. Der zweite Weg ist  um ein Drittel länger, schlängelt sich  an einem Fluss durch urwaldartiges Gelände bis hin zur Innenstadt, wobei die genannten Autostraßen "unterfahren" werden. Den zweiten Weg zu fahren, beruhigt ungemein, während der erste am Ende als Ausgeliefertsein an Krach und Gestank erlitten wird. Fuß- und Radwege der ersten Art müßte es in jeder Stadt geben. 
  51. Motore sind eine Teilmenge von Maschinen. Nur Motore ersetzen Eigenbewegung. Ihre  zunehmende Zahl und Anwendungsbereiche im Alltag sind das tabuierte Problem der warenorientierten Industriegesellschaft.
  52. Das `esse est percipi´ (Sein ist Wahrgenommenwerden) von George Berkeley (1685 - 1753) muss zeitgemäß modifiziert werden: `Wahrnehmungen der Umwelt sind tendenziell  nur noch aus dem  Auto möglich´. Das muss zumindest aus der Aufhebung des Durchfahrverbotes einer Straße in Flensburg mit der Begründung "Wir müssen die Angelburger Straße aus der Vergessenheit holen" geschlossen werden. 
  53. Wenn Barbarei für Zerstörung steht, dann ist der Autoverkehr Barbarei. Die Autofahrer sehen nicht das ganze System ´Auto´, das zur Zerstörung führt, sondern nur ihren individuellen Anteil, der relativ klein ist und für sie nicht zu Buche schlägt.
  54. Ein Mensch ist nur dann Autofahrer, wenn er aktuell Auto fährt oder in Gedanken beim Autofahren ist. Auch der größte Autofan geht nicht in Autofahren auf, es bleibt immer ein Stück Mensch mit anderen Interessen und Bedürfnissen. Aber als Autofahrer  hat außerhalb des Autosystems keinen  Sinn und kein Interess für Mitmenschen und Mitlebewesen, für Ethik, für Schönheit, für Kommunikation, für Klima (wenn es nicht die Sicht mindert), für seine Fähigkeiten. 
  55. Alles spricht für die Vermutung, dass das Auto als Symbol und Sache bereits für Kleinkinder, Kinder und Jugendliche  zumindest so zentral ist wie Vater, ja Mutter. Alltagshandeln, Alltagssprache, Allgegenwart, Medien und Werbung sind hier die wirksamsten Vermittlungsinstanzen. 
  56. In vielen Mensch-Technik-Hybriden herrscht eine hierarchische Struktur – aber nicht, wie viele Menschen und die Werbung denken, dass der Mensch absoluter Herrscher sei, sondern eher umgekehrt.
  57. Wann werden wir es müde und überdrüssig, vollkommen in der Technik eingeschlossen zu sein?
  58. Der modernisierte Spießbürger ist aus dem Urlaub zurück. Waran merkt man das? Noch am selben Tag wird der Rasenmäher angeschmissen, obwohl das Gras wegen der großen Hitze nicht gewachsen  und verbrannt ist. Da hat sich doch irgendetwas verselbständig.
  59. Ich glaube nicht, dass konstruierte Objekte (Artefakte) jemals das Niveau  von lebendigen Organismen erreichen werden.
  60. E-bikes gehören zu den systemimmanenten Lösungen, da die Emissionen nur verlagert werden. Gleiches gilt  für Elektroautos. Beide Technologien ersetzen und verdrängen die existenziell wichtige Eigenbewegung. 
  61. Was nützt alle Technik, wenn das Leben eines Menschen dadurch still gestellt wird?  Man erkenne endlich: Technisch erzeugte Bewegungen sind keine lebendigen Bewegungen.
  62. Am meisten stören mich am Auto die von ihm verursachten visuellen Zumutungen: die großen Parkplätze, die vielen landschaftszerschneidenden Autostraßen, die mit Autos zugestellten Gassen und Plätze  in der Altstadt.
  63. Für viele Menschen sind Orte, die  mit dem Auto nicht direkt erreichbar sind, Unorte, d. h. sie existieren für sie nicht, sodass die weißen Flächen im Bewusstsein immer größer werden. Aber der Mensch will und braucht Orte. Mit dieser Konstellation ist meiner Ansicht nach die ungeheuer große Faszination von Bildern im Allgemeinen und Fernsehen im Besonderen erklärt:  Sie füllen die Leerstellen im Scheine mit virtuellen Orten, die ohne Aufwand und Anstrengungen im Wohnzimmer zu den in Sesseln sitzenden Menschen kommen.  Sie erkennen nicht, dass diese Scheinorte auch zu der Kategorie der Unorte gehören.  
  64. Die Technik ist nicht neutral. Die heutige Ideologie bzw. das falsche Bewusstsein besteht darin, dass die Nutzung von Technik  den Menschen nicht selbst verändere, sondern Technik verändere  nur die äußere Situation des Menschen im Sinne des angestrebten Zieles. Aber der Mensch selbst sei im Kern unveränderbar. Genau das erkennt und anerkennt der Technik nutzende Mensch nicht.
  65. Die Absicht, Jugendlichen bereits mit 15 Jahren Moped und mit 17 Jahren Personenkraftwagen fahren zu lassen, wird das Projekt der totalen Motorisierung weiter vorantreiben.
  66. Wie bei allen negativen Dingen wird auch das Auto häufig erst recht nervig, wenn es in Massen auftritt
  67. Ich drücke Deutschland während der Fußballweltmeisterschaft den Daumen, dass sie weiter kommen, denn dann sind auch die Straßen nahezu autofrei - aber auch menschenleer.
  68. Autofahren ist bezüglich der Außenkontakte nahezu ständig ein Zustand der Indifferenz.
  69. Autonutzung aus Prinzip ist Ausdruck der Somatisierung der sozialen Herrschaftsverhältnisse
  70. Der Ausbau von Autostraßen ist Rückschritt, der Rückbau  Fortschritt.
  71. Autofahrer aus Prinzip merken nicht, dass sie hier fremdgesteuert sind, im Gegenteil, sie interpretieren sich im Zustand des Autofahrens als frei.
  72. Wenn ich Slavoy Žižek richtig verstanden habe, trifft seine  Formulierung "körperlose Organe"  den Zustand der Fremdbewegung: Die Organe funktionieren als isolierte, bedürfen aber nicht mehr eines ganzheitlichen Körpers, der auch Seele und Geist umfasst.
  73. Formulierungen wie "ganz in der Nähe" oder "nur wenige Minuten von unserem Hotel" sind Ausdruck einer als selbstverständlich vorausgesetzten Autowelt.
  74. Im Auto befindet man sich in einem hermetisch abgeschlossenen Binnenraum und  nicht im Draußen. 
  75. Krach bzw. Lärm besteht zu über 90 % aus Motorenlärm und nicht aus krähenden Hähnen, bellenden Hunden, juchzenden Kindern oder lachenden Erwachsenen. 
  76. Wann und wo wird noch Technik kritisiert? Höchstens in ihren Großformen wie AKW oder Gen-Technologie.
  77. Der große Widerstand gegen eine Kritik des Autos (genitivus objektivus) liegt darin begründet, dass so viele Menschen das Auto gleichzeitig  als Symbol und als Realgegenstand lieben - und damit es zum Teil ihrer Persönlichkeit und Praxis machen.
  78. Die Abwesenheit von Autos ist notwendige, wenn auch nicht hinreichende Bedingung für Schönheit. Jede viel befahrene Straße - und wenn noch so herrliche Bauwerke an ihr stehen - ist dafür ein Beleg.
  79. Die Dominanz der visuellen Wahrnehmung erklärt vielleicht die relative Unempfindlichkeit gegen Lärm.
  80. Wer den Lärm kritisiert, kritisiert fast immer Motore.
  81. Der moderne Freiheitsbegriff im Zusammenhang von  Fahrverboten als Strafe für Diebstahl: "Ein befristetes Fahrverbot ist deutlich spürbar, weil es die in unserer Gesellschaft so wichtige Bewegungsfreiheit einschränkt und dadurch auch eine Art Freiheitsentzug darstellt" (Niedersachsens Justizminister Bernd Busemann). Übrigens ist meine Sichtweise von Freiheit genau die umgekehrte.
  82. Das Auto ist letztlich ein dynamisches Haus, das während der Fahrt nicht verlassen wird. 
  83. Bilder und Filme vermitteln Welten, die nicht betreten werden.
  84. Modernes Leben ist ein Von-Haus-zu-Haus-Leben - vermittelt durch Autos. 
  85. Ständig wird die Heckklappe der Limousine geöffnet oder zugeschlagen, um neue Waren auszuladen und alte zu entsorgen.
  86. Google maps berücksichtigen nur die Straßen und Wege, die mit Autos befahrbar sind. Welch eine Reduktion! Welch eine Stärkung des Autos?
  87. These: Wer prinzipiell  das Auto als Fortbewegungsmittel wählt, ist ein ängstlicher, nicht neugieriger Mensch.
  88. Wir besuchen Verwandte in einer dieser typischen Vorstadtsiedlungen bestehend aus Eigenheimen mit Garten. In etwa hundert Meter Entfernung führt eine Ausfallstraße vorbei, deren Lärm man ständig hört, außerdem befindet sich das Haus in einer Einflugsschneise.  Dieser "externe Lärm" wird  durch zusätzlichen, im Wohnviertel selbst verursachten   Lärm  potenziert. Dieser kommt von Motorrasenmähern, Heckensägen, Rasenkantentrimmer, Vertikutierer, Zuschlagen von  Autotüren.  Menschliche Laute haben Seltenheitswert. 
  89. "Junge Menschen sehen das Auto nicht mehr als Statussymbol an. Obwohl drei Viertel der 20 - bis 29-jährigen in Deutschland den Führerschein besitzen, fahren 45 Prozent von ihnen kaum Auto. Zudem glauben 40 Prozent der Befragten, dass Autos heute nicht mehr angesagt sind. 45 Prozent finden  "Leute in dicken Autos" unsympathisch, und 80 Prozent sind  der Meinung, in der Stadt brauche man kein Auto" (Jugendtrendstudie Timescout).
  90. Autoinsassen  und Menschen vor dem Fernsehapparat haben die meiste Zeit einen leeren Gesichtsausdruck. Warum? Sie sind  nicht aktiv, sie haben ihr Leben bzw. ihre Lebenskraft an Motore abgegeben - und interpretieren das in der Regel als Gewinn von Lebensqualität, obwohl das Gegenteil der Fall ist.
  91.  Zwei Motorräder mit aufheulendem Motor durchrasen eine breite Straße. Einem gelingt es sogar, für eine kurze Zeit, indem er das Steuer hochreißt, allein auf dem Hinterrad zu fahren. Was findet hier psychologisch statt? Ist dieses Verhalten eine Aggression gegen die Maschinen? Wird geliehene Kraft mit der eigenen verwechselt? Will man Angst verbreiten? Ist es Lebensübermut? Drücken die Fahrer unbewusst ihre Frustration über ihre eigene reale Ohnmacht aus? Oder?
  92. Autostraßen sind im Gegensatz zu Fuß- und Radwegen ambivalent: Einerseits verbinden sie, andererseits unterbrechen bzw. im Fall von Autobahnen verhindern sie Verbindungen zwischen dem, was auf beiden Seiten liegt. .
  93. Die in dieser Homepage geleistete Kritik des Autos ist   eindeutig und  einseitig als genitivus obiectivus gemeint. Betrachtet man das reale Verhalten der allermeisten seiner Mitbürger, ist diese Kritik nahezu unwirksam. Mächtig auf symbolischer, psychologischer   und insbesondere auf faktischer Ebene  ist  dagegen  die Kritik des Autos als genitivus subiectivus. Auf symbolischer Ebene als  Werbung, direkte und indirekte Beiträge in den Medien, in Alltagsgespräche, auf psychologischer Ebene als Veränderung der Werte, des Denkens und der Wahrnehmung,  auf faktischer Ebene als Vermehrung und Vergrößerung der Autos, Ausbau der Straßen, autoangepasste Strukturen des Konsums und Produktion.
  94. Mit mehr als 40 OOO Fahrzeugen werden in der Stadt Flensburg (88 718 E.) derzeit jährlich rund 54 Millionen Liter Benzin oder Diesel verbraucht. Das sind in etwa 225 000 Tonnen CO2. Zwei Drittel der Emissionen werden vom motorisierten Individualverkehr verursacht. 
  95. "Die neue Autobahnbrücke wird das Wahrzeichen der Kreisstadt Itzehoe. Und für einen (1!) Tag wird  sie auch für Fußgänger geöffnet." Da wird das gegenwärtige Verhältnis zwischen Autofahrern und Fußgängern angemessen ausgedrückt.
  96. In dieser Straßen findet auch ein Verteilungskampf statt, aber nicht um Energien oder Wasser, sondern um Stellplätze für die vielen Autos.
  97. Der Energieverbrauch der Summe aller Motoren auf der Welt  bestimmt wesentlich politische Entscheidungen auf allen Ebenen.
  98. Ich kann es mir nicht anders erklären: Um viele Häuser meiner Umgebung muss es einen gefährlich Streifen von zwei Kilometer Durchmesser geben, der gefahrenlos nur mit dem Auto durchquert werden kann. In dieser Beziehung scheine ich unverwundbar zu sein.
  99. An sonnigen Nachmittagen, insbesondere an Sonnabenden, laufen überall Rasenmäher. Das ist aber heute für die meisten Menschen kein Problem mehr, weil sie, wenn sie nicht gerade selbst mähen, nur noch selten in ihren Gärten sind.
  100. Intensive Techniknutzung reduziert das Leben, seine Spontaneität und Schönheit. Wird dadurch auch der Kern des Menschen verändert? Und wenn ja, werden die Veränderungen so tief sein, dass am Horizont dieser Entwicklung Maschinenwesen zu erkennen sind?
  101. Die Technik Internet hat bemerkenswerte Vorteile, wenn man es sinnvoll nutzt: Es ist ein "Buch", das potenziell alle existierenden Bücher i. W. S.  einschließt. Es besteht so aus Milliarden von Seiten, die stets präsent und zugänglich sind. Es wiegt nahezu nichts und hat nahezu keine realen Ausdehnungen. Es ist sozial, weil jeder Nutzer, egal. wo er sich befindet,  problemlos und billig an jede hier vorhandene Information herankommt.
  102. Man sehe in eine x-beliebige Landkarte: Nahezu jeder Fluss ist beidseitig  und jeder größere See ist von Autostraßen eingeschlossen - und damit zumindest ästhetisch stark reduziert.
  103. "Fahren zum Bäcker ist so teuer wie acht Brötchen. Der Berechnung liegt eine Entfernung von zwei Kilometer zugrunde.  Den Angaben der Hamburger Verbraucherzentrale zufolge nutzen die Deutschen pro Jahr rund acht Milliarden  Mal das Auto für Kurzstrecken von weniger als einem Kilometer" (Flensburger Tageblatt v. 26. 5.10).
  104. Eine Vermutung, als ich gerade einen sehr dicken Mann sah, der sich aus dem Auto quälte: Der physische und psychische Gesundheitszustand der Mitglieder einer gegebenen Gesellschaft wäre statistisch gesehen viel höher, wenn die Nutzung des Autos drastisch vermindert  werden würden. Konkret: Dieser  Mann wäre vernünftigerweise  die drei Straßen zu Fuß zum Friseur gelaufen.  
  105. These: Wer tagtäglich im Beruf und Freizeit von motorenbetriebene  Maschinen abhängig ist und sie einsetzt, hat keine Problem, zu diesem Maschinenpark ständig neue hinzufügen.
  106. Der zunehmende Einsatz von motorenbetriebenen Maschinen im privaten Bereich macht aus Wohngebieten tendenziell Industriegebiete.
  107. Wer denkt, er werde umso glücklicher, je mehr motorenbetriebene Maschinen für ihn Leistungen vollbringen, denkt falsch.
  108. Ich meine, begründen zu können, dass die Nachteile des Individualverkehrs (mit Autos) wesentlich größer sind als die Vorteile. Wenn das zutrifft, sind unnötige Fahrten unakzeptbabel. 
  109. Er hat einen sehr schön gelegenen Bauernhof, der jetzt einer Umgehungsstraße weichen soll. Vor längerer Zeit erzählte er mir, dass er mit seinem Wagen nach Berlin führe, dass aber nicht teuer sei, weil sein Auto wenig Benzin verbrauche und damit wenig die Umwelt belaste.  Diese Überlegung stimmt vielleicht, aber er überlegt nicht, wie viele Bauernhöfe bereits wegen der bestehenden Autobahnen, die er selbst nutzt,  abgerissen wurden.
  110. Gegen die unkritische Faszination der Technik insbesondere in der "kleinen, alltäglichen  Form": Die Griechen wussten, dass in mechanike techne (Motoren kannten sie noch nicht)   auch Täuschung enthalten ist. Gegen die Nutzung von Technik ist, wenn notwendig und vertretbar, nichts einzuwenden, aber, wenn wie heute, dass kritische Moment ihr gegenüber  ausgeschaltet ist, dann müssen die Alarmglocken anspringen. Ist nicht das Bewusstsein, dass Günther Anders bereits in den vierziger Jahren als die Antiquiertheit des Menschen beschrieb, nicht bereits allgemeines?
  111. Nahtloser Übergang: "One reason the Nazis´s adopted the autobahn was its potential for propaganda.  Although pre-Nazi lobbies hat suggested such roads, Hitler claimed to have invented the idea und took part in ground-breaking ceromonies  broadcast on radio" (BBC).
  112. Die Wahrheit der Aussage von der  normativen Kraft des Faktischen (Jellinek), auch wenn das Faktische  Unrecht ist wird besonders deutlich im dominierenden  Kritiktabu  am Individualverkehr. 
  113. Der Übergang zum massenhaften Individualverkehr Anfang der fünfziger Jahre fand schleichend und deshalb fast unbemerkt statt.  Das lag auch daran, dass das Auto bereits bestehende Infrastrukturen, insbesondere die Straßen,  problemlos nutzen konnte. Es musste, von Autobahnen abgesehen, nicht  Neues geschaffen werden.
  114. Da beißt die  Maus keinen Faden ab: Das Auto ist  noch freiheitseinschränkender als eine mobilde Gefängniszelle, denn man ist zusätzlich noch gefesselt.
  115. Ausnahmsweise fährt er zu unserem Kaufmann und hält acht Meter vor dem Eingang. Nachdem er die vergessene Milch erworben hat, fährt er 23 Meter zu der auf der gegenüberliegenden Seite liegenden Apotheke, wo er nur noch fünf Meter laufen muss. Durch dieses raffinierte Arrangement hat er achtzehn Meter Fußmarsch gespart. Da kritisiere  einer noch das Auto.  
  116. Im Radio kann man sich genau darüber orientieren, wo und wann geblitzt wird. Warum eigentlich nicht in  Analogie dazu, die Einsatzpläne von Sicherheitsdienste wie Wach- und Schließgesellschaften zu veröffentlichen, um das Risiko, bei Straftaten erwischt zu werden, drastisch zu vermindern?
  117. Es gibt inzwischen keine Stadt auf der Erde mehr, die nicht massiv von der Autokrankheit, die man wohl als Autopest bezeichnen muss, befallen ist. 
  118. Auf dem Gelände des Gottorfer Schlosses in Schleswig findet jährlich ein Landmarkt statt. An den vielen Ständen und kulturellen Angeboten drängen sich Tausende von Menschen. Nur Menschen, keine Autos. Letztere findet man dafür massiv fahrend und parkend auf den Straßen und Plätzen mit wundervollen Gebäuden vor dem Schloss. Diese Autos  transformieren unbarmherzig Schönheit in Hässlichkeit. Bemerkt es denn keiner?  
  119. "Nach oben ist immer noch Platz: Porsche bringt nun sein stärkstes Straßenmodell aller Zeiten auf den Markt. Es ist in nur 3,5 Sekunden auf Tempo 100, die 200 km/h-Grenze ist nach 9,8 Sekunden erreicht, maximal sind 330 km/h möglich." Ist das  beeindruckend oder muss es traurig stimmen?
  120. Ein weiterer Beleg für die Vermenschlichung des Autos: Car-Wellness.
  121. Jede unnötige Autofahrt ist inakzeptabel.
  122. Das Auto ist gegenwärtig die wichtigste Sache in den  Bewusstseinen und in der Politik. Es ist die heilige Kuh in unserer Gesellschaft. Wem das übertrieben vorkommt, möge mir eine Sache  nennen, die höher bewertet wird. Wer diese Macht einschränkt, erntet Sturm.  
  123. In der Grammatik vermittelt das Verb zwischen Subjekt und Objekt, so dass sich  beide je nach Stärke gegenseitig beeinflussen können. In dem Satz "Ich fahre ein Auto" findet genau diese Wechselwirkung statt. Aber abgesehen davon, dass das Auto mich zwingt, mich selbst anzuschnallen, d. h. zu fesseln, beherrscht es mich viel stärker als  ich es beeinflusse. Das Auto ist also mitnichten ein passives Objekt - wie die meisten Autofahrer annehmen. Der Autofahrer ist weit mehr Beherrschter als Beherrscher. 
  124. "En ny undersøgelse viser, at der er sammenhæng mellem tæt trafik og forekomsten af lungekræft" (Berlingske Tidende v. 7. 5. 10). Conclusion: The study showed a modest association between air pollution from
    traffic and the risk for lung cancer. Impact: This study points at traffic as a source of carcinogenic air
    pollution and stresses the importance of strategies for reduction of  population exposure to traffic-related air pollution.   
  125. Es gibt Kommunalpolitiker, die sehr wohl die Belastungen durch das Auto erkennen. Aber sie kritisieren nicht das Auto, sondern fordern Umgehungsstraßen.
  126. Goethe schrieb "Das Maschinenwesen wird kommen und treffen". Der massive und zunehmende Maschineneinsatz in der Lebenswelt macht diese Entwicklung meiner Ansicht nach unvermeidbar. 
  127. Nach Arnold Gehlen ist die Hand ein  Universalwerkzeug. Das stimmt heute auch noch, aber sie wird fast nicht mehr gebraucht und eingesetzt. 
  128. Begreift es doch: Das Auto bewegt sich, aber seine Insassen selbst sind nahezu bewegungslos. Sie  verfügen über die Bewegungsfreiheit von Gefesselten.
  129. Jede Deiner Autofahrten  erhöht den globalen Energiebedarf und damit die Notwendigkeit, immer riskantere Formen der Energiegewinnung (das reicht von Tschernobyl im Jahre 1986 bis zur explodierten Ölplattform vor der Küste Louisianas im Jahre 2010) durchführen zu müssen. Überlege, welche Fahrten  notwendig sind  und welche nicht! Zu diesen Überlegungen gehören auch die Strukturen, die längst nicht alle begründet sind.
  130. Da Autofahrer die Qualität einer Straße nach möglichst wenigen Hindernissen, also nach freier Fahrt positiv bewerten, ist ihnen die Schönheit des Gebietes, den die Straßen durchschneiden, im Kern gleichgültig.  
  131. Wolfsburg nennt sich bereits Autostadt, wann wird sich  Deutschland Autoland nennen? Dazu die Frage: Gab und gibt es in Wolfsburg gegen diese Selbstbenennung   von freien Bürgern  Widerstand? 
  132. Wir befinden uns in der vorletzten  Phase des gigantischen Umbauprozesses von der Eigenbewegung  zur Fremdbewegung: Nicht nur in der Produktion, sondern auch die Bewältigung des  Lebensalltags beruht auf Technik, genauer: die meisten Menschen sind davon überzeugt, dass die Sicherung der alltäglichen Selbsterhaltung  nur noch auf Basis einer technisierten Infrastruktur, in dessen Zentrum das Auto steht,  möglich ist. „Vorletzte Phase“ deswegen, weil es objektiv immer noch möglich ist, diese technische Infrastruktur nur begrenzt in Anspruch nehmen zu müssen, insbesondere auf das Auto verzichten zu können. Die Endphase wäre: Auch objektiv nicht mehr ohne diese technischen Strukturen auskommen zu können, sie in Anspruch nehmen zu müssen.

  133. Prognose: Es wird  zu Benzin-Aufständen kommen, wenn  die Autostrukturen nicht mehr aufrechterhalten werden können.   

  134. Trotz Zersiedelung der Landschaft erhöht sich  die Anzahl der schalldichten Fenster ständig. Ich fürchte, dass der Zeitpunkt naht, wo die Tatsache, dass man über Ohren verfügt, mehr Nachteile als Vorteile nach sich ziehen wird. 
  135. Selbst Freizeitaktivitäten sind heute zunehmend an hohem Energieverbrauch gebunden, so dass dieser  Bereich für immer mehr Menschen ohne die Nutzung von Fremdenergie nicht mehr denkbar ist. Wer verbringt  das Wochenende ausschließlich in eigenem Garten mit Lesen, Spielen und Gespräch? Wer besucht Freunde zu Fuß?
  136. Über das Moseltal ist eine 160 Meter hohe und 1,7 Kilometer lange Autobahnbrücke geplant. Nach der sogenannten Waldschlößchenbrücke ein weiteres Indiz  für  Barbarentum pur. Wie lange wird dieser Wahnsinn noch anhalten?
  137. Jetzt hat man objektivierbare Kriterien für gutes Auto-Design gefunden FAZ v. 20. 4. 10). So kann  zwischen der Front eines Autos und dem Gesichtsausdruck eines Kleinkindes - für den Normalbürger unbemerkt - Ähnlichkeit bestehen. Damit wird eine (!) Erklärung für die unkritische Auto-Leidenschaft  geliefert.
  138. "Ein Foto von einer brennenden Zigarette löst in Rauchern einen geradezu unwiderstehlichen Drang aus, sich ebenfalls einen Glimmstängel anzustecken. Umgekehrt funktioniert das offensichtlich auch: Das Bild einer ausgedrückten Zigarette hemmt das Suchtzentrum im Gehirn und damit die Lust auf Tabak."  Solange also die Auto-Werbung mit Hochglanzfotos die Medien beherrscht, wird es die Kritik des Autos sehr schwer haben.
  139. Aus sozialer Perspektive betrachtet  verursacht das Auto für einen Ort oder eine Region einen Staubsaugereffekt, d. h. er entfernt die dort lebenden Menschen für immer länger werdende Zeitphasen. 
  140. Die Haupttätigkeit von immer mehr Menschen wird: Auto fahren.
  141. Fußgänger, und seien es noch so viele, beeinträchtigen nicht die Funktionsfähigkeit der  Autos, aber Autos, und seien es wenige, beeinträchtigen die Gesundheit der Fußgänger. 
  142. Technik eliminiert alles das, was ich unbedingt zur Selbstbewältigung meines Lebens brauche: spezifische Willens- und  Könnensleistungen.
  143. Die Angst vor fremdverursachten Krach ist angeboren, die Fähigkeit, selbst Krach zu machen, um andere zu erschrecken und/oder den Eindruck von Stärke zu vermitteln, ist erlernt.
  144. Beim Autofahren existiert (ex-sistere) man wortwörtlich neben sich, außerhalb seines Kerns - man führt ein bewegungsloses Leben. 
  145. Es gibt nur Wechselwirkungen, so bestimmt der Mensch die Technik und umgekehrt die Technik den Menschen, aber in jeweils verschiedenen Intensitäten. Dass die Technik den Menschen bestimmt, wird in der Alltagspraxis maßlos unterschätzt.
  146. Inzwischen sind autokompatible materielle und geistige Strukturen universal geworden, so dass sie naturwüchsigen Charakter angenommen haben. Das erklärt, warum es die notwendige Kritik so schwer hat.
  147. Die Nachteile des Autos werden in unserer Gesellschaft von allen Schichten und Parteien massiv verdrängt.
  148. "In einer Zeit, in der Kunst, Religion und moralische Ernsthaftigkeit im Westen aus der Mode gekommen sind, ist die Technik zum Opium des Volkes geworden" (David Gelernter).
  149. Es gibt sicherlich viele Situationen, in denen man mit dem Auto fahren muss. Ich verstehe allerdings nicht, wie man diese Tätigkeit ideologisch als Erlebnis verbrämt.
  150. Wenn ich mit dem Auto durch Hamburg fahre, besteht  meine direkte Beziehung aus einem Verhältnis zur Innenausstattung des Autos,  nicht zu Hamburg.
  151. Technik schafft ein indirektes Verhältnis des Benutzers zu sich selbst und zur jeweils behandelten Welt. 
  152. Jede, aber auch jede Autofahrt erhöht den Druck auf  Siedlungen und Landschaften und erzwingt Ventile in Form von gigantischen Brücken und Autobahnerweiterungen. Letztlich ist jeder Autofahrer Ursache für die so genannte "Waldschlößchenbrücke" oder  die Brücke über das Tal der Mosel - um die schlimmsten Auswirkungen zu benennen. 
  153. Der Einsatz von Technik verhindert Bezug zum eigenen und fremdem Leben.
  154. Aus einem Leserbrief zu einem Artikel, in dem begrüßt wird, dass eine bestimmte Straße in Flensburg nach rund neun Monaten wieder für der Verkehr freigegeben wurde: "Es ist jedoch vielmehr so, dass meine Familie nach einem dreiviertel Jahr mit herrlicher Nachtruhe und frischer Luft wieder damit leben muss, dass unser Schlaf von Autolärm gestört wird, die Fensterscheiben verrußen und das Lüften zur Straßenseite lediglich Abgase in die Wohnung treibt. ... Der Wert "freier Fahrt" wird leider maßlos überschätzt. Verkehrsberuhigte und autofreie Straßen, Fahrradwege und gut ausgebauter, übersichtlicher Nahverkehr würden dagegen echten Atem- und Lebensraum bieten und die Innenstadt von Flensburg nicht nur für uns Anwohnerinnen und Anwohner, sondern auch touristisch nachhaltig attraktiver machen." Dem ist nichts hinzuzufügen.
  155. autofrei leben! e.V. ist Plattform und Sprachrohr für autofreie Menschen. Ich gehöre dieser äußerst wichtigen Organisation an. Denke aber, dass das kritische Potenzial  der Names noch stärker hervortritt, wenn man von der Gleichung "autofrei = leben" ausgeht. 
  156. Das Auto kann man von der Form her als eine Art Burka interpretieren, denn beide verhindern den Anblick von Menschen.  
  157. Es ist zu hoffen, dass sich der gegenwärtige Autowahn ebenso auflösen wird wie der Tulpenwahn, der als Spekulationsblase die Ökonomie der Niederlande im 17. Jahrhundert stark prägte. 
  158. Wann wehren sich zumindest kleinere Städte und Dörfer, die vom Durchgangsverkehr buchstäblich stranguliert werden?
  159. Heute fast Normalbiographie: Ein Leben für das Auto.
  160. In der Steinzeit musste ein Jäger, um den Energiebedarf seiner Sippe zu decken, jeden Tag über dreißig Kilometer zu Fuß zurücklegen. Auf diese Aufgabe hin war sein Körper ausgerichtet, und dieser Körper  hat sich bis in die Gegenwart  nicht wesentlich verändert. Der Gewohnheits-Autofahrer läuft am Tag ca. sechshundert Meter außerhalb von Gebäuden, d. h. er geht zu Fuß aus dem  Gebäude A hin zu seinem Auto, fährt dann mit diesem vor das Gebäude B und geht zu Fuß ins Innere.  So kommen täglich  sechshundert Meter zusammen. Setzt man die Entfernung zwischen Auto und jeweiligem Gebäude mit dreißig Meter an, wären das täglich zehn Fahrten. Durch  Erweiterungen autofreundlicher Strukturen, die das mühsame Gehen weiter reduzieren könnten, ließen sich die die noch zu gehenden Reststrecken, wie in Amerika, auf vierhundert Meter verkürzen. Packen wir diese Zukunftsaufgabe an!
  161. Das Auto in großer Zahl verdreckt Städte und Landschaften. Zumindest Feriengebiete sind gut beraten, das Auto zurückzudrängen.
  162. Früherziehung: Der vierjährige Junge hat einen kompletten Motorraddress bekommen und trägt ihn stolz. Er will übrigens Motorradrennfahrer werden.
  163. Mehr als eine Vermutung: In Afghanistan und Irak geht es auch um die Existenz des Autos, nämlich um Benzin
  164. Der FDP-Bundestagsfraktionsvize Patrick Döring setzt Brot mit Benzin gleich, wenn er eine eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes für  Benzin fordert. In Analogie müßte die Fürbitte "Unser täglich Brot gib uns heute" durch "Unser täglich Benzin gib uns heute" erweitert werden.
  165. "Macht verdummt" (Nietzsche). Der Herr hatte Macht über menschliche Sklaven, heute hat er Macht über technische Sklaven.
  166. "Einkaufen" heißt heute mit größter Selbstverständlichkeit "mit dem Auto einkaufen": Man geht nicht, sondern man fährt zum Einkaufen. 
  167. Ein Leserbrief: Solange die Hälfte aller Autofahrten unter drei Kilometer liegen, solange Einkaufen mit größter Selbstverständlichkeit gleichgesetzt wird mit  „Einkaufen mit dem Auto“, solange an jedem wärmeren Tag aufheulende Motoren ganze Stadt- und Landschaftsteile mit einem Lärmteppich überziehen, solange so genannter Motorsport zu Lande und  Wasser in großem Umfange durchgeführt wird, solange eine beträchtliche Anzahl von Menschen ihre Identität über ihr Auto definieren, solange  scheint der Benzinpreis für viele Menschen immer noch nicht hoch genug zu sein. Und da es  keine sauberen Verbrennungsmotoren  gibt, haben wir, einschließlich  Bundespräsident Köhler,  das Recht und die Pflicht, darüber nachzudenken und zu diskutieren, wo es sinnvoll ist, Autos trotzdem zu nutzen und wo andererseits deren Nutzung nicht mehr vertretbar ist.
  168. Es gibt verschiedene Gründe, das Auto zu nutzen. Ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren, dass eine nicht geringe Anzahl von Fahrern schlicht ihr Auto ihren Mitmenschen zeigen wollen, insbesondere wenn es sich um große und teure Wagen handelt. Um dieses  Interesse entgegenzukommen und zu befriedigen, schlage ich vor, Buttons, auf denen mit großen Lettern steht  "Ich fahre einen xy" anzufertigen, die getragen den gleichen Informationswert haben wie das gefahrene Auto. 
  169. Bei einem Unfall wird die Destruktionskraft des Autos im Singular sichtbar. Mir kommt es primär darauf an, die Zerstörungen des Autos im Plural deutlich zu machen, die in der Regel ideologisch verdrängt werden.  Ein Beispiel: Eine (1) Fahrt mit dem Auto durch den Stadtwald ist vernachlässigenswert, tausende Fahrten zerstören ihn.
  170. Der Ausdruck "saubere Motoren"  ist ein Widerspruch in sich.
  171. Seitdem wir kein Auto haben, haben wir mehr Zeit und weniger Sorgen. Das klingt in Auto-Ohren sicherlich paradox.
  172. Weil Autos omnipräsent sind, können ernsthaft keine Alternativen mehr gedacht werden.
  173. Wer naturnah (innerlich und äußerlich) leben will, muss auf das Auto verzichten.
  174. Kommunalpolitik, die den Individualverkehr nicht zurückdrängt, versagt.
  175. Die Effekte des Autos sind in der Regel genau das Gegenteil von dem, was es verspricht bzw. was von ihm erwartet wird.
  176. Wer Auto fährt, unterwirft sich primär der Logik, den "Bedürfnissen und Fähigkeiten" des Autos - und nicht umgekehrt. Gleiches gilt für Wahrnehmungen und Bedeutungen, die beim Fahren entstehen. Darüber mache man sich keine Illusionen.  
  177. Eine Landschaft und eine Stadt werden allein durch pure Abwesenheit schön, nämlich durch die Abwesenheit von Autos.
  178. Die Ressentiments gegen die Bahn bezüglich Pünktlichkeit, Komfort, Preis) speisen sich aus dem unbewussten Schuldgefühl der Autofahrer: Es geht um die Rationalisierung der ungeheuren Schäden durch den Autoverkehr. 
  179. Wenn man den Wert eines Ortes danach definiert, wie man von ihm schnell zu anderen Ort kommt, entwertet man ihn.
  180. Wie kann man das Auto und Fernsehen lieben, die so viel Eigenes (und Fremdes) wegnehmen?
  181. Wo Autos dominieren, ist Wüste
  182. Mit dem Auto in den Urlaub zu fahren, halte ich auch ökologischen Gründen für inakzeptabel und für  genuß- und lustfeindlich, im Urlaubsgebiet täglich herumzufahren, um z. B. Brötchen zu holen, halte ich für eine Schweinerei. 
  183. "Sie  reisten per Bahn, weil Konrad der Meinung war, daß so die Ferien schon mit der Bahn anfangen" (aus "Small World" von Martin Sauter).
  184. Zug und Auto unterscheiden sich fundamental in Sozialerfahrungen und etwas in Bewegungsfreiheit.
  185. fahren = ein Werden ohne ein Subjekt, letztlich ohne mich.
  186. Autofahrer sind bezüglich ihrer sozialen, kulturellen und natürlichen Umwelt nicht neugierig.
  187. Hoffnung: 59 Prozent der St. Galler wollen den Individualverkehr nicht mehr weiter wachsen lassen.
  188. Bedenkenswert: Die Grünliberale Partei des Kantons Zürich spricht sich klar gegen neue Umfahrungen aus. Weil Quell- und Zielverkehr einen erheblichen Anteil an den Problemen hätten, seien Umfahrungen "Scheinlösungen". 
  189. Wir leben in einem Autoland
  190. Alle Städte der Welt sind massiv vor der Autokrankheit in ihrer schwersten Form befallen.
  191. Und wenn noch so viele Autos die Straßen und Plätze  befahren, es entsteht keine Öffentlichkeit.
  192. Im Auto ist man fast vollständig von der Umwelt  geschieden. Es gibt hier  nur noch Welt als  Autoinnenwelt.
  193. Bürger gehen in ihrer Stadt, Bewohner fahren  durch die Stadt. Brauchen wir eigentlich noch Bürgersteige?
  194. Der Soziologe und Maler Arthur Kühn findet Straßen faszinierend. In dieser Auffassung steckt Wahrheit. Denn was wäre ein Leben ohne Wege und Straßen?  Der Umschlag in die Hässlichkeit muss hier ergründet werden.
  195. Das Auto ist nicht das einzige und auch nicht das ganze, aber das zentrale Problem der Gegenwart.  
  196. Mehrere Male am Tag verursacht sie, dass fast 2 OOO Kilogramm Auto sich bewegen, um ihre 62 Kilogramm nicht zu bewegen. 
  197. Die Formulierung "Ich lebe autofrei" kann  ich ohne Einschränkung akzeptieren.  Nicht aber, wenn "autofrei" sich auf ein Gebiet bezieht, weil dann  bei mir unweigerlich die Assoziation "judenfrei" aufsteigt. 
  198. Der Umfang der notwendigen Strukturen für den Individualverkehr (Straßen, Parkplätze, Beseitigung von Hindernissen jeglicher Art) ist räumlich in der Zeit wesentlich größer als die jeweilige Inanspruchnahme durch den Autoverkehr. Das kann man nur noch erfahren, wenn man morgens um vier Uhr durch die Straßen geht - aber wahrscheinlich nicht mehr lange.   
  199. Das konnte nur gelingen mit Hilfe eines riesigen individuellen und kollektiven Verdrängungsprozess.  Entstanden ist falsches Bewusstsein in seiner reinsten Form. Und nahezu alle beteiligen sich an diesem "Werk" der  Transformation  in eine  Autogesellschaft, die  wohl nur vergleichbar ist mit dem Ausmaß von  Veränderungen von nomadischen zu sesshaften Lebensformen. Wo sind die Wissenschaftler, wo die Künstler, die diese Transformation zum Thema machen?
  200. Vor dem Zeitalter der Autogesellschaft war jede Straße, ein Genuss zu begehen. Heute kommt man in diesen Genuss nur noch über Schleichwege, d. h. autofreie, zumindest wenig befahrenen Straßen und Wege.   
  201.   Natürlich ist auch Autofahren nicht körper- und bewegungslos, aber minimiert.
  202. Die notwendigen Bedingungen für erfolgreiches Autofahren werden zunehmend zu ästhetischen Kategorien: Asphalt ist schön, Schnee ist nicht schön.  Natürlich spricht nicht das Auto, aber der Autofahrer übersetzt umstandslos die Bedürfnisse des Autos in seine eigenen - und bemerkt diesen Umsetzungsprozess in der Regel nicht: "Ich mag keinen Schnee". 
  203. Wir leben immer in Beziehungsnetzen. Beim Autofahren wird das Netz sehr dünn (Lenker, Ampeln, "Mitautos"). Gleiches gilt für den Fernseher, dort wird die Wirklichkeit auf farbige Flächen reduziert.
  204. Der schneereiche Winter macht die universale Hässlichkeit des Autoverkehrs für alle deutlich sichtbar. Man vergleiche deshalb den Schnee an Autostraßen mit dem auf einem Fußweg.
  205. Es ist misslich, dass die deutsche Sprache die Bewegung des Autos mit "fahren" bezeichnet, während im Begriff "Erfahrung" "fahren" im Sinne von  "gehen" erhalten geblieben ist. Denn beim Autofahren macht man in der Regel keine substantiellen Erfahrungen.
  206. Wer Auto fährt, geht nicht zu Fuß bzw. bewegt sich nicht mit dem Rad.
  207. Die erste Haut des Menschen ist eine biologische, die zweite besteht aus seiner Kleidung, die dritte ist das Haus, in dem er sich aufhält. Zu dieser dritten Haut gehört auch das Auto, was wiederum seine hohe Wertschätzung erklärt. 
  208. "Experten glauben, dass das ´erotische Verhältnis`zum Fetisch Auto bald der Vergangenheit angehören wird." Hoffentlich.
  209. Die drastische Zurückdrängung des Autos aus den Städten ist notwendige, wenn natürlich auch nicht hinreichende Bedingung für Urbanität, für städtisches Leben. 
  210. Trotz heftiger Schneefälle mit Verwehungen fahren die Autos heldenhaft ihre normalen Touren, ja es kommt eine sportliche Atmosphäre auf: statt Dakar-Rallye zumindest eine Schnee-Rallye
  211. Fernsehen und Autofahren kommen beide ohne Einsatz des Körpers aus, beides  sind quasi körperlose Tätigkeiten bei minimalem geistigem Einsatz. "Ich fahre Auto" gaukelt  eine eigene Aktivität vor, die nicht stattfindet. 
  212. Es hat in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend stark geschneit, zudem haben Windböen Schneeverwehungen geschaffen. Obwohl die Nachbarn heute nicht arbeiten müssen, sind sie fast existenziell aufgeregt, denn sie kommen nicht mit ihren Autos in die weit entfernten Einkaufszentren, obwohl wir immer noch einen größeren Lebensmittelhändler in unserer unmittelbaren Umgebung haben. 
  213. Über Schnee kann man sich heute  nicht mehr direkt unterhalten, sondern nur noch indirekt als Störfaktor für das Auto. So verschwindet die Schönheit des Schnees bzw. von den von ihm geschaffenen Formen  aus den Bewusstseinen der Konsummenschen.
  214. Nicht wenige Autofahrer hassen den Schnee an sich, weil er die Bewegungsmöglichkeiten ihres Lieblingsgegenstandes einschränkt. Die Einschränkung des Autos ist aus dieser Perspektive immer eine Todsünde. Es ist zu vermuten, dass seit Beginn der  systematischen Vorrratswirtschaft  vor 17.000 Jahren  nie  wieder so viel über Schnee gestöhnt wurde wie jetzt im Autozeitalter. 
  215. Wenn in so genannten Kraftorten reger Autoverkehr herrscht, verliert dieser Ort seine Kraft. Warum das so ist, weiß ich nicht, aber es ist so.
  216. Zeitgemäßes Bewusstsein: Mein Auto ist kaputt, ich bin nicht mehr mobil.
  217. Das Auto  verhindert bei weitem mehr Kontakt als es ermöglicht. 
  218. In Deutschland werden jährlich etwa 35.000 Kinder durch Verkehrsunfälle verletzt. Mehr als 10% der Opfer entwickeln posttraumatische Belastungsstörungen - in der Mehrheit gleichzeitig mit ihren Müttern (Dr. Miriam Tubetti, Jena).
  219. Wann wird es endlich begriffen?  Das Automobil, das sich selbst Bewegende, ist nur und allein das Auto. Der oder die  Fahrende und die Mitfahrenden bewegen sich nicht, sie sind in dieser Situation das Gegenteil von mobil, nämlich wortwörtlich festgeschnallt.
  220. Warum fahren die meisten Menschen lieber mit dem Auto als zu Fuß zu gehen? Das Auto ist eine mobiles Haus, wer also fährt, muss nicht sein "zweites Haus" verlassen und braucht sich nicht zu verändern. Wer aber geht, muss sich freiwillig oder gezwungen anpassen und damit ändern.   
  221. Wer Auto fährt, sieht wenig - je schneller, desto weniger.
  222. Die Rallye Dakar ist eine Variante des Kolonialismus in neuem Gewande - Zerstörung pur. 
  223. Seit der intensiven Nutzung der Kinderwagen sind diese selbst nach drei "Babyleben"  wie neu, weil nur noch selten genutzt. 
  224. Vernünftig ist, grundsätzlich auf Fahrten innerhalb einer Stadt zu verzichten, zumindest wenn sie unterhalb von hundert Tausend Einwohnern liegt, sondern zu Fuß gehen, das Rad nehmen oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen.  
  225. Nach einem Schneefall wird der Schmutz erzeugende Charakter des Autofahrens sichtbar. Ich vermute, dass der Schrei nach Streusalz nicht so sehr der Fahrsicherheit, sondern primär der Beseitigung der  schmutzigen Folgen und  Zeugnisses des Autofahrens dient. Diese negative Offenbarung muss beseitigt werden.
  226. Ein stehendes Auto täuscht. Denn das Wesen des Autos ist Fahren. in dem sein destruktives Potenzial frei gesetzt wird. So gesehen ist ein stehendes Auto eine nicht gezündete Bombe.
  227. Durch das Internet verbessern sich die Chancen und Möglichkeiten der Öffentlichen Verkehrsmittel beträchtlich, da man nun schnell und ohne Aufwand die Fahrtzeiten und Anschlüsse herausbekommen kann. 
  228. Seit zehn Tage liegt eine dicke Schneedecke über dem Land. Auf der langen Auffahrt zu seinem Haus haben die Fahrspuren seines Autos  inzwischen ein beträchtliche Breite erreicht, Fußspuren sieht man allerdings nicht.
  229. Die Emissionen von Zigaretten und Autos haben den gleichen negativen Effekt auf die Atmungsorgane.

  230. Rasen ist zumindest objektiv eine Aggression gegen die Umwelt und gegen sich selbst.
  231. Wer meint, er müsse an seinem Urlaubsort sein eigenes oder ein am Flughafen  gemietetes Auto haben, um "beweglich zu sein", hat nichts, aber auch  gar nichts verstanden, denn er beteiligt sich aktiv am Zerstörungswerk.
  232. Sie fahren und fahren von einem Ort zu anderen und merken nicht, dass ihr Geist immer schwächer wird, so dass von keinem der vielen Orte eine tiefere Spur hinterlässt. Kurz: Autofahren frisst Möglichkeiten des Geistes. 
  233. Für die Entwicklung eines zeitgemäßen Mobilitätsbewusstseins halte ich die  Rückkehr von Schumacher in die Formel 1 für höchst bedauerlich, denn auf unseren Straßen wird  die Zahl der Amateur-Rennfahrersicherlich drastisch zunehmen.
  234. Im Zug kann man einerseits viele eigenwillige Menschen sehen, die lesen, sich lieben, keine Statussymbole zur Schau tragen, andererseits gelangweilte Menschen, die  mit mobilen Telefonen in den Händen lustlos spielen  und über Ohrenstöpsel an Musikautomaten  angeschlossen sind. Wie auch immer, es ist ein Geschenk des Zuges, Menschen  beobachten zu können , ohne dass es auffällt.
  235. Erst sei einigen Jahren schlagen die kulturellen, physischen und psychischen Veränderungen durch das Auto voll durch: Das Auto ist inzwischen für fast alle Menschen wie ihre Hände und Augen  untrennbarer Teil von ihnen geworden -  es ist in ihrem Bewusstsein und in der realen Welt allgegenwärtig. Sie leiden nicht, dass sie während des Fahrens von der Landschaft, von den Städten, von anderen Menschen und schließlich auch von sich selbst getrennt sind.
  236. Bestimmte Techniken reduzieren den Menschen zu einem rein wahrnehmenden Wesen.
  237. "Der Mangel der amerikanischen Landschaft ist nicht sowohl, wie die romantische Illusion es möchte, die Absenz historischer Erinnerungen, als daß in ihr die Hand keine Spuren hinterlassen hat. Das bezieht sich nicht bloß auf das Fehlen von Äckern, die ungerodeten und oft buschwerkhaft niedrigen Wälder, sondern vor allem auf die Straßen. Diese sind allemal unvermittelt in die Landschaft gesprengt, und je glatter und breiter sie gelungen sind, um so beziehungsloser und gewalttätiger steht ihre schimmernde Bahn gegen die allzu wild verwachsene Umgebung. Sie tragen keinen Ausdruck (Th. Adorno). 
  238. Beim Autofahren ist die sinnliche Erfahrung der jeweiligen Umwelt drastisch reduziert. Der  Höhepunkt der gegenwärtigen  Trennung von  der Umwelt entsteht durch die Nutzung eines Navigators. Nicht mehr der Blick nach draußen, sondern der Blick auf den Navigator,  unabhängig von der jeweiligen Umwelt,  bestimmt entscheidend das Verhalten des Fahrers. Wenn das Steuer von Technik übernommen wird, ist der Prozess abgeschlossen.
  239. Empirisch gesehen hat die Technik bereits in vielen Fällen die Macht über den freien Willen übernommen.
  240. Es hat heftig geschneit, Felder, Wege, Häuser sind von einem wunderschönen Weiß überzogen - auch die Straßen, aber nur für kurze Zeit,  denn es dauert nicht lange, bis die Autos dafür gesorgt haben, dass aus dem Schnee schmutziger Matsch wird. Es ist offensichtlich, wo viele Autos sind, herrscht  Hässlichkeit. 
  241. Wenn die Massenmedien ihre zumeist unberechtigte Kritik an der Deutschen Bahn endlich durch eine berechtigte Kritik am den Autoverkehr ersetzten, wäre viel gegen das falsche Bewusstsein bezüglich des Mobilitätsverhaltens getan. Wir  fahren sehr viel mit der Bahn und haben fast nur gute Erfahrungen, jedenfalls viel bessere als die, die wir  früher hatten, als wir  noch ab und zu mit dem Auto fuhren.
  242. "Man muß sagen ..., daß Automobilismus eine Krankheit ist, eines Geisteskrankheit. Die Krankheit hat einen hübschen Namen: Geschwindigkeit ...(Der Mensch) kann nicht länger stillstehen, er zittert, die Nerven angespannt wie Sprungfedern, ungeduldig, sich wieder auf den 'Weg zu machen, sobald er irgendwo angekommen ist, weil es nicht woanders ist, woanders, immer irgendwo anders....(Octave Mirbeau, La 628 E-8, 1910 aus Philipp Blom "DerTaumelnde Kontinent entnommen). 
  243. Zitat aus einem Gespräch: "Ich für meine Person bin jedenfalls froh, dass es dank des Klimawandels keine Winter mehr gibt. So kann ich jedenfalls problemlos in meine Garage fahren und vielleicht kann man bald ganz auf Winterreifen verzichten."
  244. Motoren im Allgemeinen und Automotoren im Besonderen belasten die Umwelt. Diese Belastungen müssen in Form von Gebühren und Steuern berechnet nach Intensität und Dauer zusätzlich zu den bestehenden eingefordert werden.
  245. Keine technische Erfindung hat in der menschlichen Geschichte auf globaler Ebene größere  Veränderungen in den gesellschaftlichen Strukturen und individuellem Verhalten nach sich gezogen wie die des Automobils. 
  246. Auf die Nutzung von Autos sollte wegen ihrer großen Destruktivität immer, von begründeten Ausnahmen abgesehen,  verzichtet werden. 
  247. Eine anspruchsvolle Maschine zu bedienen,  erfordert hohe Konzentration, so dass kein Raum mehr bleibt für die noch anspruchsvollere Aufgabe, sich von dieser Arbeit  im Bewusstsein zu distanzieren und sie kritisch zu durchdenken. Diese Denkfigur, die Heidegger meines Erachtens nach mit "zuhanden" beschreibt, hilft, die  offensichtliche Kritikresistenz  gegenüber dem Auto zu erklären. Eine andere Erklärung wäre: Wenn die Autofahren sich mit ihrem Auto sehr stark identifizieren, hieße Autokritik gleichzeitig Selbstkritik. Aber Selbstkritik ist offenbar die am schwersten zu leistende Kritik. 
  248. Wenn auf einer gegebenen  Fläche  die Anzahl der dort "beheimateten" und "besuchenden" Autos eine bestimmte Größe überschreitet, und das ist heute fast überall der Fall, dann ist dieses Gebiet unwirtlich, unbewohnbar, ja unbetretbar geworden.  
  249. Da beißt keine Maus einen Faden ab: Wer mit dem Auto in ein Erholungsgebiet fährt, mindert objektiv den Wert dieses Gebietes.
  250. Der größte Irrtum entsteht durch die Bescheidenheit, durch die vornehme Unterschlagung der eignen Verdienste der Technik selbst, denn sie lässt den Nutzer in dem Glauben, er selbst mache die Arbeit und nicht sie, die Technik. "Ich fahre Auto" statt "Das Auto fährt mich".   Das Ich schätzt sich durch diese Täuschung als ein sehr starkes ein, wird aber real immer schwächer.  Übrigens sagt man von einem Verstorbenen ja auch nicht,  dass er zum Friedhof führe, obwohl er  beim Transport sich genau so wenig  anstrengen muss wie ein Lebender.  Nur der Techniker selbst darf mit Recht sagen: "Ich mache die Technik".
  251. Ich verstehe es nicht: Wie kann man ohne Notwendigkeit Auto fahren wollen.
  252. Es gibt offensichtlich immer mehr Menschen, die ihr Auto für ihr eigentliches Ich halten, auch ihre Haupteigenschaften. 
  253. Jede Autostraße ist, von Fußgängerüberquerungen abgesehen, menschenfrei - für Autobahnen gilt das absolut. Hitler soll übrigens zu Beginn des Autobahnbaus auf Menschen schießen gelassen haben, die die Autobahn überquerten - heute übernehmen Autos selbst diese "Aufgabe".
  254. Schon wieder ein junger Mensch aus unserem Dorf in einem Autounfall gestorben. 
  255. Der Unterschied zwischen Auto und Fußgänger?  Ersterer ist eine Dreckschleuder. Letzterer ist es nicht. 
  256. In Ästhetik ist aisthesis enthalten, d. h. "sinnlich wahrnehmen". Wenn etwas die Sinne beleidigt, z. B., weil es stinkt, kann es nach meiner Meinung nie ästhetisch sein. 
  257. Insbesondere bei den Autoemissionen ist die Merkwelt des Menschen wesentlich eingeschränkter als die Wirkwelt des Autos. Nur wenn man sich dem Auspuffrohr des Autos nähert, bekommt man einen "Eindruck" der schädlichen Abgase. Der Mensch, der  bei laufendem Motor in der abgeschlossenen Garage sich selbst tötete, wusste genau  darum.
  258. Die wenigstens wissen oder zumindest riechen, wie groß und wie schnell sich eine stinkende Abgaswolke ein laufender Automotor bildet, insbesondere wenn das Auto steht.
  259. Sie bewältigen jede größere Ortsveränderung  nur in  ihren  Autos. Ihre Garage ist mit Dingen und Waren ausgefüllt, so dass die Autos dort nicht abgestellt werden können. Wenn es nachts friert, wird der Motor  minutenlang vor der Fahrt angeschmissen, um in dieser Zeit die Fenster vom Frost zu befreien. Der Vorteil besteht darin, dass, wenn man losfährt, es im Auto gleich so kuschelig warm ist. Als Leserbrief:  In Anbetracht der zunehmenden Erderwärmung sollte man  sich bemühen, unnötige  Kohlendioxid-Emissionen zu vermeiden.  Mit Sicherheit ist es unnötig, wie leider immer wieder zu beobachten ist, in kalter Jahreszeit hochgefrorene Autoscheiben minutenlang bei laufendem Motor eisfrei zu machen. Abgesehen davon, dass es gesetzlich verboten ist, sollten Vernunft,  Verantwortung und Moral ausreichen,  das Argument der Bequemlichkeit und des sofortigen Warm-haben-Wollens nicht in Anspruch zu nehmen. Auch wäre es möglich, die für das Auto bestimmte Garage  leer zu räumen oder die Autoscheiben mit Hilfe von Pappe vor Frost zu schützen.“       
  260. Für mich nicht nachvollziehbar, dass so viele Menschen ihre Gesundheit, ihre Schönheit, ihre Kommunikations- und Erfahrungsmöglichkeiten, ihre Umwelt nicht nur ohne Widerstand, sondern freudig dem Götzen "Auto" opfern.
  261. Man erkennt nur, wenn ein Unterschied vorhanden ist. Deshalb riecht man am Tage nicht die Abgase, wenn sie  einen ganzen Stadtteil gleichmäßig überlagern und durchdringen. Nur am frühen Sonntagmorgen, wenn die ersten Autos starten, bemerkt der Nicht-Autofahrer den Gestank in der Nase und auf der Zunge, übrigens auch, wenn ein Auto überproportional schnell beschleunigt. Aber ich vermute, dass die Autofahrer in der Regel nicht wissen, was sie tun. Deswegen schlage ich vor, dass ein Teil der Abgase, der in etwas der Belastung eines Fußgängers an einer Autostraße entspricht, direkt in die Autos gelenkt wird. Dann gäbe es dieses Nichtwissen bzw. dessen Verdrängung nicht mehr, vielleicht würde das Auto gelegentlich nicht  in Anspruch genommen werden.    
  262. Habituelles Autofahren ist Reduktion der körperlichen Potenz, habituelles Fernsehen ist  Reduktion  der geistigen Potenz. Beide versetzen den Menschen in einer Art permanenten  Dämmerzustand. 
  263. Modifiziertes Drei-Stadien-Gesetz: Erstes Stadium:  das menschliche Tier  ist Teil der Natur, zweites Stadium:  die Entwicklung zum Menschen durch die Erlangung von inneren  und  äußeren Techniken führt zur relativen Autonomie gegenüber der Natur, c) Entmachtung des Menschen durch die unreflektierte Nutzung aller bestehenden Techniken, was aber nicht  bemerkt  bzw. verdrängt  bzw. rationalisiert wird. Menschliches Leben fortan dient im Kern allein dem Erhalt und und Weiterentwicklung der technischen Prothesen.                                                                                                                                                              ..
  264. Die Analyse zeigt, dass das System Auto die zentrale unabhängige Variable der momentanen Veränderungen zumindest in den Feldern Stadt- und Landschaftsstrukturen, Konsumverhalten und  Klimawandel ist.  
  265. Die Hoffnung, dass zumindest die Spitze des Auto-Wahnsinns, das Formel-1-Rennen, sich auflöst, scheint sich nun doch nicht zu erfüllen.
  266. "Als 1904 der Salon de l´automobile im gläsernen Pariser Grand Palais sein Pforten eröffnete, kamen allein am ersten Tag 40 000 Menschen (verglichen mit 10 000 Besuchern, die während eines Jahres im Salon de la peinture gewesen waren)" (aus Blom, Philipp:  Der taumelnde Kontinent).
  267. Die richtige Richtung: In den Niederlanden, wenn ich es richtig verstanden habe, wird die Kraftfahrzeug- und Bezinsteuer abgeschafft und allein auf die gefahrenen Kilometer übertragen. Statt all-inclusive nun Bezug zum realen Verhalten. So kann Verantwortung entstehen. 
  268. "Selbst hier (Südtoskana, bm) in diesem abgeschiedenen Landstrich war der Luftraum manchmal erfüllt von Explosionen. (Die Explosion, das eigentliche Kennzeichen dieses Jahrhunderts?) Flugzeuge waren zu hören und hoch am Himmel zu sehen, manchmal fauchten Düsenjäger des Militärs im Tiefflug über die Hügel, von der Paßstraße herunter, Personenkraftwagen, Lastautos, Motorräder. Von Gello herüber verweht Motorsägen und Traktoren. Jeder beeinträchtigte jeden, also akzeptierte jeden diese Lärmplagen - die die meisten gar nicht als solche empfanden" (Walter Kappacher in "Selina oder Das andere Leben"). 
  269. Der ständig Technik einsetzende Mensch verhält, als ob er ständig krank wäre.
  270. Der realisierte technische Fortschritt ist meistens ein gewonnener Krieg gegen die Natur.
  271. Wie viele Gestaltungsmöglichkeiten hätten Stadtplanung und Kommunalpolitik, wenn das Auto wesentlich zurück gedrängt werden würde.
  272. Bilder aus dem tagtäglichen Wahnsinn: Herr A. sieht  zehn Stunden am Tag fern, Frau B. fährt mindestens fünfmal am Tag irgendwelche Schnäppchen einkaufen und Herr C.  mäht, wenn es nicht Winter ist, wöchentlich den Rasen.- dazu fällt mir nichts mehr ein oder ist es der verzweifelte Versuch, Sinn in das Leben zu bekommen? 
  273.  Jedes Einkaufen mit dem Auto, und sei es nur eine Kleinigkeit, dauert mindestens eine Stunde: Hinfahrt, Einparken, durch die Hallen laufen, zur Kasse, zurück zum Parkplatz, Rückfahrt, vor dem Haus einparken.  Dazu brauche ich höchstens ein Drittel der Zeit, wenn ich zu unserem Kaufmann um die Ecke gehe. 
  274. Der realisierte technische Fortschritt ist meistens ein gewonnener Krieg gegen die Natur.
  275. Wie viele Gestaltungsmöglichkeiten hätten Stadtplanung und Kommunalpolitik, wenn das Auto wesentlich zurück gedrängt werden würde.
  276. Herr A. sieht  zehn Stunden am Tag fern, Frau B. fährt mindestens fünfmal am Tag irgendwelche Schnäppchen einkaufen, Herr C.  mäht, wenn es nicht Winter ist, wöchentlich den Rasen.- dazu fällt mir nichts mehr ein oder ist der verzweifelte, aber einfache Versuch, Sinn in das Leben zu bekommen?
  277. Heute fahren sie jeden Meter  mit dem Auto, obwohl sie gesund sind und laufen können. Morgen haben sie keine Wahl mehr, denn dann müssen sie Transportmittel in Anspruch nehmen.
  278. Kommen gerade von einem Abendspaziergang durch eine der typischen Vorstadtsiedlungen zurück. Eine Stunde waren wir unterwegs  und haben keinen einzige Menschen gesehen, allerdings viele Autos. 
  279. 1905 errechnete man, wieviel "größer" Menschen durch technologische Hilfsmittel geworden waren, wenn man die erreichten Geschwindigkeiten mit der Beinlände und Geschwindigkeit eines normalen Fußgängers verglich. Ein Radrennfahrer erreichte die hypothetische Größe von 15 Metern, während ein Reisender in einem Schnellzug 51 Meter groß war und der Fahrer eines Rennwagens mit seiner effektiven Größe sogar den Turm von Notre-Dame in Paris in den Schatten stellte. Die Technologie hatte eine neue Spezies von Giganten geschaffen.... (aus "Der taumelnde Kontinent" von Philipp Blom).  Ich vermute, dass in solchen Überlegungen ein wesentlicher Grund für das Faszinosum "Auto" liegt, denn in der Geschwindigkeit ist der unscheinbarste Mensch einGigant.
  280. Der Kardinalfehler in der Mobilitätsdebatte besteht darin, dass eine Autofahrt oder eine Ortsveränderung zu Fuß, um den extremen Pol der Umweltbelastung und den der Umweltschonung zu nennen, als gleichwertig und gleichberechtigt bewertet und bedacht werden.  Da Autofahrten derartig viele Schäden nach sich ziehen, ist die Gleichsetzung von Fußgängern und Radfahrern, selbst mit Nutzern von öffentlichen Verkehrsmitteln absolut unzulässig.
  281. Wenn Freiheit nicht an Moral gebunden ist, kann sie verheerend wirken. So ist der so genannte freie Autofahrer ein belastender,denn  ihm fehlt die Moral. 
  282. Lichtblick: Wie es wider Erwarten gelungen ist, das Rauchen in bestimmten Räumen zurückzudrängen, so vielleicht auch die Nutzung des Autos. 
  283. Ein Navigator ist z. B. für Ärzte oder Klempner sinnvoll, wird er allerdings bei jeder Gelegenheit eingesetzt, ist das die Ausblendung der Wahrnehmung vieler Zwischenräume, also Verlust. 
  284. Autostraßen homogenisieren und geometrisieren große Teile der Landschaft und machen sie zu gefährlichen Orten für Tiere und Menschen.    
  285. Schönen Landschaften darf man sich nur mit leichtem Gepäck nähern, sonst beeinträchtigt man sie, wobei die Summe der individuellen Beeinträchtigungen ihre Zerstörung zur Folge hat.
  286. Wenn man die Menschen in den Autos nicht berücksichtigt, sind die Straßen in den Dörfern, Vorstadtsiedlungen und Städten in der Regel menschenfrei.
  287. Wenn ich krank bin, aber nur dann, gibt es Situationen, wo ich ein eigenes Auto manchmal vermisse.
  288. Die technischen Prothesen der Menschen wachsen beständig, sie werden schneller, stärker, umfassender, elaborierter, ..., aber der Mensch selbst wächst nicht - im Gegenteil.
  289. Viel befahrene Autostraßen sind Einrichtungen, die ständig schädliche Emissionen aussenden. Einrichtungen, die man möglichst meiden sollte, wenn man nicht selbst in einem Auto sitzt.
  290. Wer ist der Herrscher? Wenn jemand jeden Tag stundenlang vor dem Fernseher sitzt, wenn jemand jede Ortsveränderung über dreizig Meter nur noch mit dem Auto zurücklegen kann, möge er nicht mehr behaupten,  dass er diese Techniken beherrsche, nein, diese Techniken beherrschen unzweifelhaft ihn. 
  291.  Die technisch hoch aufgerüsteten  Lastwagen auf der Loveparade nerven mich, weil die primäre Kraft  eben von der  Technik kommt und nicht von den Menschen, denn ihre Kraft ist nur noch Anhängsel, Ornament.
  292. Kein Grund zur Besorgnis, denn es handelt sich um ein Nullsummenspiel: Einerseits werden Städte  im Sinne von Urbanität durch autofreundliche Siedlungen ersetzt,  andererseits entstehen ausgleichend schwimmende Städte in Gestalt von Riesenschiffen.
  293. Der Motor des Strukturwandels, der zumindest um 1900 massiv einsetzte, basiert auf motorisierten Maschinen. Übrigens kann man Motor und Maschine analytisch trennen, aber faktisch bilden sie eine Einheit: Eine Maschine hat einen Motor oder wird von tierischer bzw. menschlicher Kraft bewegt. Diese motorisierten Maschinen bedürfen einer riesigen materiellen und geistigen Infrastruktur.  
  294. Fakt ist: Jede Fahrt mit dem Auto ist ein Beitrag zur Klimaverschlechterung. Deswegen sind folgende Fragen schon notwendig: War diese Fahrt nötig? Hätte man nicht auch zu Fuß gehen, mit dem Rad fahren oder öffentliche Verkehrsmittel in Anspruch nehmen können?
  295. Die Parole "Freie Fahrt für freie Bürger" war schon immer problematisch, aber in Angesicht der kommenden Klimakatastrophe ist sie jenseits aller Vernunft - um nicht härtere Formulierung zu verwenden.
  296. Mit den automatischen Elektrotüren ist ein Feld, Höflichkeit zu zeigen und einzuüben, verloren gegangen.
  297. Dem Auto ist es gelungen,  ganze Stadtteile und Dörfer  optisch menschenleer zu machen. Man sieht auf den Straßen nur noch Autos. 
  298. Ich vermute, dass der Hauptgrund, dass nahezu jeder jeden Meter mit dem Auto zurücklegt, darin liegt, dass alle es tun. Individualität kann sich nur noch in verschiedenen Marken zeigen. 
  299. Man kann  den Blick "auf  das Auto", aber auch den Blick "aus dem Auto heraus" analysieren. Der erste Blick ist nicht zuletzt durch die intensive Werbung hinlänglich bekannt, der zweite Blick dagegen ist von einigen allgemeinen  Klischees wie "Ich sehe die Welt" merkwürdig unbestimmt. Das muss so sein, denn die Analyse dieses Blicks würde nur  auf Reduktion, Unschärfen und Konturenlosigkeit der wahrgenommenen Dinge stoßen.
  300. Das Wort „Automobil“ ist etymologisch korrekt gebildet, aber falsch interpretiert, wenn ich sage: „Ich fahre“.
  301. Wie kam es  dazu, dass die gesamte Menschheit, wenn immer es geht, die sitzende Lebensweise bevorzugt und frenetisch begrüßt?
  302. Es ist unvertretbar, Abkürzungen zu fahren, wenn dabei Schönheit zerstört wird.
  303. Die Zahl der durch den Individulverkehr  unbewohnbar geworden Straßen  nimmt weltweit ständig zu. Hier liegt ein Hauptgrund des zunehmenden Landschaftsverbrauchs, der wiederum das Verkehrsaufkommen vergrößert. Ein Teufelskreis, der nur Verlierer kennt - aber offensichtlich von keinem bemerk wird, zumindest hört man keinen Aufschrei. 
  304. Bomben sind zwar ständig eine Gefahrenquelle, sind aber,  solange sie nicht explodieren, unschädlich. Autos unterscheiden sich von Bomben derart, dass sie ihre destruktive Aggression ständig freisetzen - zumindest, wenn sie fahren.    
  305. Sie wohnen in einer dieser typisch reinen Wohnsiedlungen und haben wohl deswegen  kein Ziel, das nicht mindestens drei Kilometer von ihrem Haus entfernt ist. Aus welchen Gründen immer,  realisieren  sie jede, aber auch jede Ortsveränderung, die außerhalb ihrer Hausgrenze stattfindet, mit dem Auto - ohne jeglichen Anflug eines Problembewusstseins.  

  306. Das System Auto ist offensicht primär im Stammhirn verortet und damit resistent gegenüber jeglichen kritischen Argumenten.
  307. "Der Panamera (Porsche, bm) ist ein kraftvoller Sportler, der zu langen Reisen einlädt. Mit viel Gepäck und viel Komfort. Und mit  mit Sportwagengefühl. Eigentlich fährt man um anzukommen. Aber man reist, um zu fahren"  (aus einer Werbebroschüre).  
  308. Sie haben ihrem studierenden Sohn eine schwere Großlimousine vermacht mit der Begründung, dass er ein sicheres Auto haben solle. Die Frage nach der Klimabelastung wird total ausgeklammert. 
  309. Ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren, dass die irrationale Fixierung ans Auto unabhängig vom formalen Bildungsstand ist.
  310. Lichtblick: Etwa drei Viertel der Deutschen sollen künftig klimafreundlicher unterwegs sein. Danach beabsichtigen 40 Prozent, ein Auto mit geringerem Spritverbrauch zu fahren, 35 Prozent wollen öfter Fahrrad fahren, 19 Prozent auf vom Auto auf Busse umsteigen. 31 Prozent planten einen häufigeren, acht Prozent einen vollständigen Autoverzicht. Bei vier Kilometer langen Strecken werde das Fahrrad ebenso häufig benutzt wie das Auto.  (aus einer Prognos-Studie).  Vielleicht  ist die Stahlhärte der Autoideologie doch noch in Teilen zu erschüttern.
  311. In immer mehr Teile der Erde werden aufgrund des Klimawandels zu Dürregebieten. Warum soll  nicht für jeden gefahrenen Kilometer mit dem Auto fünf Cent als Hilfe für diese Gebiete erhoben werden? Das wäre eine spürbare Hilfe für die dort leidenden Menschen und zugleich ein Stück Aufklärung über den Zusammenhang von Konsum und Klimaverschlechterung, ein Zusammenhang, der ja permanent im  Bewusstsein  verdrängt wird. 
  312. Für Autoinsassen sind nur noch die Hinweisschilder und die extra für Autos aufgestellten Werbeplakate deutlich wahrnehmbar, während die restliche Umgebung, seien es Menschen, Gebäude oder Landschaften nur noch als Schatten und Schemen erkennbar sind.
  313. In den Straßen der Vororte und in den Seitenstraßen sieht man keine Menschen mehr, aber sie sind stellvertretend als Zeichen präsent, nämlich in den Anfangsbuchstaben der Kennzeichenschilder der Autos
  314. Wir leben seit Jahrzehnten ohne einen Fernseher und seit kurzer Zeit ohne Auto. Das hat unsere Lebensweise geändert. Ein Beispiel: Wir mussten  heute in das Gewerbegebiet unserer Stadt fahren, das - wie in allen Städten - wegen der absoluten Dominanz der Autos und der damit zusammenhängenden ästhetischen Verwüstungen zumindest als Vorstufe der Hölle bezeichnet werden muss. Hinfahrt und Aufenthalt dort sind eine wirkliche Zumutung. Diese Zumutung haben wir nun minimiert, indem  wir einen Schleichweg dorthin entdeckt haben, der autofrei und  naturnah uns direkt zu unserem Ziel, einem der großen Baumärkte brachte. Als Autobesitzer hätten wir diesen Weg nicht entdeckt. Und vielleicht - wie wir  vermuten - sind wir überhaupt sensibler geworden gegenüber destruktiver Alltäglichkeit. Wir haben unsere Lebensweise entschleunigt, und doch mehr Zeit gewonnen sowie unsere Erfahrungsmöglichkeiten beträchtlich erweitert.
  315. In den Begriffen  Mechanik und Technik soll etymologisch gesehen auch "Täuschung" mitschwingen. Das gibt Sinn, denn die Nutzer von motorenbetriebener Mechanik und Technik denken zumeist, sie selbst seien es, die die Arbeit verrichten. Die Aussage "Ich fahre das Auto" ist weniger realistische als die Umkehrung "Das Auto fährt mich". 
  316. Eine moderne Form der Sebstgewissheit: Ich fahre Auto, also bin ich.
  317. Die Schwierigkeit der Kritik des Autos besteht in zweierlei: a) ein Teil der kurzen Wege, d. h. die mit dem Fuß oder Rad erreichbaren Infrastrukturen sind verschwunden und b) die noch real existierenden Strukturen sind den meisten  Bewohnern nicht mehr bekannt.
  318. Seit vier Stunden hat sich keines der Autos unseres Nachbarn mehr bewegt. Muss man sich da nicht Sorgen machen?
  319. Was haben Seepocken und Menschen gemeinsam, was unterscheidet sie? Beide frönen einer sessilen (sitzende) Lebensweise, aber Seepocken  sitzen auf festen Untergründen, während die des Menschen teilweise unbeweglich, teilweise beweglich sind, wobei  die "beweglichen Untergründe"  über Räderverfügen,  die ohne Dazutun der Menschen sich bewegen.
  320. So genannte Traumstraßen sind technisch gesehen sicherlich traumhafte Leistungen, ansonsten sind sie Albträume, die sich erbarmungslos in die Landschaft hineinfressen.
  321. Es ist sicherlich nur noch eine Frage der Zeit, bis die großen Einkaufszentren und Discounter endlich jedem Kunden unentgeltlich ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug zur Verfügung stellen, das zwar nach der Art eines Rollstuhls funktioniert, aber vom Design her keinerlei Ähnlichkeit mit diesem aufwweist. Mit diesem Gefährt, an dem ein großer Einkaufskorb befestigt  ist, könnte der Kunde bequem zwischen den langen Warenregalen hin- und herflitzen. Er bräuchte dann nicht mehr zu laufen.
  322. Die Abschaffung des Gehens ist das große, aber uneingestandene Ziel des technischen Fortschritts.
  323. Ich kenne keine Groß-, Mittel- oder Kleinstadt, die nicht massiv unter dem Autoverkehr leidet.  Es gibt zwar viele Bürgerinitiativen, die eine Verlagerung des Autoverkehrs in andere Gebiete der Stadt verlangen, aber meines Wissens gibt es keine Bürgerinitiative, die die Ursache dieser Belastungen infrage stellt: Das Auto ist schlechthin das Tabuthema  in unserer Gesellschaft. Um wie viel unwirtlicher als bis jetzt schon müssen unsere Städte  werden, bis  eine lebensbejahende Vernunft sich durchsetzt?
  324. Wer aus Bequemlichkeit möglichst alle seine Tätigkeiten durch Maschinen ersetzt, schadet die Umwelt und sich selbst. Das wäre also  kein Opfer, sondern Gewinn. 
  325. In der heutigen Zeit wäre bereits viel gewonnen, wenn auf überflüssige Fahrten mit dem Auto verzichtet werden würde.
  326. Eine Vermutung: Je technisierter ein Haushalt ist, desto weniger Zeit haben seine Mitglieder. Das müsste man empirisch untersuchen. Übrigens geht es nicht um die Negation, sondern um ein Optimum des Einsatzes von Technik. 
  327. Durch eine "normale" Wohnstraße meiner Stadt, wo auch viele Kinder wohnen, fahren täglich 37 000 Autos. Wie viele dieser Fahrten ließen sich wohl ohne Probleme vermeiden?
  328. "Der Fleiß der Menschen, ihre Bereitwilligkeit, den Autos zu dienen, krustet den Weg eine Strecke mit Asphalt ...Jetzt entreißt  der Weg sich endgültig den Menschenhänden und eilt, da er sich bald im Schutz der Weite und der Einsamkeit weiß, die sich seiner als ihres Eigentums bemächtigten" (das schrieb Wilhelm Lehmann bereits in den zwanziger Jahren, und ich verstehe, warum ich es gar nicht mag,  wenn die Wege zunehmend versiegelt werden).
  329. Die "Verautomobilisierung" der Welt bedingt auch ihre "Verasphaltierung".
  330. Der Trend der Entwicklung geht zum Auto-Leben und  Auto-Welt. Bereits realisierte Elemente  dieser ­Welt sind  Mc-Drives, Wohnmobile, Spielscheunen, Einkaufszentren, Beerdigungen mit Zufahrt zur Grabstätte, Navigatoren, Fernsehapparate im Auto, ...
  331. Etwas zugespitzt: Habituelles Autofahren  schafft ein dynamisches, der ständig laufende Fernsehapparat ein immaterielles statisches Gefängnis.
  332. Das „grüne Auto“ ist  eine Reduktion von schädlichen Abgasen nicht mehr, denn die Zerstörungen von Landschaften, Siedlungen, Kommunikation und Gesundheit bleibt unangetastet. 
  333. Es ist absurd zu meinen, man könne Ortsveränderungen über hundert Meter nur noch mit Hilfe des Autos bewältigen. 
  334. Miami setzt auf den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, damit die Bürger Miamis ihre Autos öfter stehen lassen und weniger Treibhausgase verursachen. 

  335. Seit einem Jahr bin ich kein Auto gefahren.  Waren eine Woche im Ort B. Die viel befahrenen Straßen machte mir sofort deutlich, welch  ein Wahnsinn auch hier herrscht, welchen  Entfremdungen und  Beschädigungen  das Auto mit sich bringt. Nun musste ich eine Woche als Fahrdienst einspringen, um Enkelkinder zu verschiedenen Schulen zu bringen, da die Mutter aus Krankheitsgründen ausfiel.  Am ersten Tag machte es mir fast körperliche Schmerzen, diese Konzentration von Autos vor und um die Schulen beobachten zu müssen – und selbst Teil  dieses Wahnsinns  zu sein. Am dritten Tag legten sich die Einwände und nahmen gewissermaßen theoretischen Charakter an.  Ich vermute, dass hier Heideggers Zuhandenheit am Werke war, die offensichtlich Zeit braucht, um wirksam zu werden, weil die  Einwände und kritischen Reflexionen zunehmend zurückgedrängt werden

  336. Wir müssen die Kosten, die durch die Inanspruchnahme von Fremdbewegung entstehen, ins Bewusstsein  und in die Gefühlswelten bringen.
  337. Man mache sich keine Illusionen: Wenn man mit dem Auto oder Zug fährt bzw. das Flugzeug in Anspruch nimmt, bewegt man sich nicht, man sitzt, man ist statisch. 
  338. Wie  Wilhelm II. auf seine Flotte von  Schlachtschiffen dümmlich stolz  war, so auch Familienväter auf ihre Großlimousinen und Farmerwagen einschließlich der ihrer Kinder stolz sind, insbesondere wenn all diese "Schlachtschiffe" anlässlich einer Festlichkeit vor dem Hause stehen. 
  339. Laute Mähmaschinen werden eben vor Mitternacht auf dem Feld hinter unserem  Haus eingesetzt. Das stört mich nicht, weil dahinter ein Sinn, eine Notwendigkeit steht.  
  340. Früher begleitete man den Sarg vom Haus des Verstorbenen bis zur Grabstätte. Heute, zumindest in den USA, fährt man bequem mit dem Auto auf den Friedhof so nah wie möglich an das Grab heran. Eigentlich bräuchte man gar nicht mehr aussteigen, aber hier scheinen doch noch Restbestände von Pietät wirksam zu sein.    
  341. Ein Argument, dass Technik im Sinne von Können eine  wesentliche Dimension des Menschen sein könnte, wäre, wenn man das gleichmäßige Schlagen des Herzens mit dem eines Motors gleichsetzt. Beide haben allerdings keine Freiheit, die wiederum eine wesentliche Dimension des Menschen ist. 
  342. "Banning smoking in public places has had a bigger impact on reducing heart disease than expected, studies claim" (BBC News). Ich erwarte ähnliche Effekte durch eine Reduzierung des  Autoverkehrs. 
  343. Wo viele Autos fahren, ist es vorbei mit der Lebensqualität.  Metaphorisch ausgerückt: Jede vielberfahrene Autostraße durch ein besiedeltes Gebiet ist faktisch ein Giftstrang. 
  344. Ein Navigator sucht - soweit ich weiß - immer den kürzesten Weg aus, nicht den schönsten. Ist das ein Zeichen für die unbewusste Einsicht, dass es im Auto eine ästhetische Qualität der Fahrstrecke nicht gibt? 
  345. Im Auto verwirklichen und verkörpern sich grundsätzlich die niederen, d. h. Humanität und Wachstum  verhindernden Eigenschaften und Wünsche des Menschen. 
  346. "Staatshilfe verhindert den notwendigen Abbau von Überkapazitäten".
  347. Hinter seinem Haus führt ein kleiner Feldweg vorbei, den er noch nie begangen hat, dafür kennt er alle wichtigen Autobahnen in Mitteleuropa und weiß auf  Mallorca gut Bescheid.
  348. Ein Auto, das 6,3 Liter Benzin auf 100 gefahrene Kilometer verbraucht, stößt pro Kilometer 150 Gramm Kohlendioxid aus Bei einer jährlichen Fahrleistung von 10 000 Kilometern ergib das 1,5 Tonnen Kohlendioxid.
  349. Wege mit homogensierten Oberflächen (Asphalt) und scharfen, geometrisierten Rändern  sind auf Dauer unästhetisch und nur schwer zu ertragen.  Dass es anders geht, sieht man an Waldwegen und an einigen Wiesenwegen, wie ich sie im Hinterland von Usedom kennen lernte.
  350. Es ist falsch zu sagen "Ich fahre das Auto", denn das Ich in dieser Aussage gibt es nicht, es ist eine Täuschung. Richtig wäre zu sagen: "Das Auto fährt mich", denn dieses "Mich" ist grammatisch gesehen ein Objekt und genau n diesem Zustand befindet sich der Autofahrer: Es ist ein passives Objekt, nicht ein aktives Subjekt.   
  351. Wer in  naturnahen oder gar natürlichen Gebieten gebaut hat oder bauen will, müsste sich zumindest dazu verpflichten, auf Motoren wie Autos und Rasenmäher und flächenhafte Versiegelung außerhalb des Gebäudes konsequent zu verzichten. Ebenso müssten die zukünftigen Bewohner eine Neubaugebietes vorher entscheiden, ob sie laut oder leise wohnen wollen, was wiederum hieße, so weit wie möglich auf Motoren im Außenbereich zu verzichten. Autos gäbe es auf einen gemeinsamen Parkplatz außerhalb der Siedlung. Es entständen so leise oder laute Siedlungen.   
  352. Wir haben faktisch und formal kein Auto mehr. Die Abschaffung war ein Akt der Befreiung, den wir bisher nicht einmal bedeauerten - im Gegenteil, mein Leben ist reicher geworden: Ich sehe mehr, ich erlebe intensiver, die Zahl der Begegnungen und Gespräche hat sich beträchtlich erhöht.
  353. Für den  Autofahrer hat nur das Ziel reale Existenz ("Ich fahre nach Hamburg zu meinem Freund oder zur Ausstellung nach Paris"). Der Raum zu dem Ziel reduziert sich tendenziell zu einer Linie und verliert seinen Raumcharakter. Der Zwischenraum wird,  in Analogie zu Heinrich Heines Bemerkung zur Eröffnung der Eisenbahnlinie zwischen Paris und Rouen,  ermordet - buchstäblich und im Bewusstsein. 
  354. "Auf dem Flugplatz unserer Ferieninsel wird für uns ein Leihauto bereitstehen, damit wir Touren machen können." Daraus kann man realistisch die Gleichung   "Auto = Urlaub" ableiten. 
  355. Wir werden von vielen Maschinen beherrscht, wobei eine der Maschinen blinken kann. Ihr Blinken erzeugt in den Zuschauern die Illusion, dass dieses Blinken Welt sei.
  
Der folgende Teil ist abgeschlossen, so dass sich ab hier die jeweilige Nummerierung nicht mehr ändert.

  1. Es ist falsch zu sagen "Ich fahre das Auto", denn das Ich in dieser Aussage gibt es nicht, es ist eine Täsuchung. Richtig wäre zu sagen: "Das Auo fährt mich", denn dieses "Mich" ist grammatisch gesehen ein Objekt und genau n diesem Zustand befindet sich der Autofahrer: Es ist ein passives Objekt, nicht ein aktives Subjekt.     
  2. ds Auto einschließlich seiner Infrastrukturen und Haltungen 
  3. Man mache sich nichsts vor: das Auto ist  gekaufte Kraft, es vermittelt  illusorische Stärke, wenn man meint, man führe selbst.
  4. Zur Freiheit des Autofahrens: Beim Autofahren wird der Körper bis auf die Hände am Lenkrad,  gelegentliche Bewegungen der Füße auf Bremse und Gangschaltung und leichtes Drehen des Kopfes fest-gestell. Die Geist muss sich auf das Fahren konzentrieren, hat aber die Gelegenheit, von dieser Tätigkeit abzuschweifen. Entscheidungen beschränken sich auf das endgültige Ziel (sofern es mit dem Auto erreichbar ist) und Bestimmung des Tempos.
  5. Was passiert in den Köpfen der Kinder, wenn sie ihre Eltern überwiegend autofahrend und fernsehend "erleben"(. denn die  Kinder haben noch Leben in sich)?
  6. Mit dem Auto kann man zwar durch eine Landschaft fahren, aber man macht keine Erfahrungen in ihr.
  7. Straßen reduzieren Zufälle und schränken die Spontaneität ein. 
  8. Über das Kamener Kreuz fahren täglich 160 000 Autos. 
  9. Der Nachbar startet sein Auto. Eine stark riechbare Abgaswolke dringt durch unsere offene Verandatür. 
  10. Heute bewegen sich nur noch Maschinen, Motoren, technische Apparaturen - bestaunt von bewegungslosen Menschen, die ihren eigenen Niedergang nicht bemerken.
  11. Gegen unnötige Prothesen. Die habituelle Nutzung des Autos ist eine unnötige Prothese, die aus gesunden Menschen Kranke macht. Unnötige Ersetzung von Fähigkeiten und Fertigkeiten durch technische Prothesen ist teuer, ökologisch unverträglich und gesundheitsschädlich.
  12. Spätestens nach einer Stunde, in der Regel aber sofort, bemerken Kinder den unüberbrückbar großen Unterschied zwischen einem elektrisch hoch aufgerüsteten "Kunsthund"  und einem lebendigen Hund. Gleicher Unterschied besteht natürlich zwischen Bildern und Wirklichkeit, aber dieser Unterschied scheint nicht mehr bemerkt zu werden, denn anders  kann man sich den mehrstündigen täglichen Fernsehkonsum nicht erklären. 
  13. Insbesondere Städte mit alten Stadtstrukturen müssten  mutiger und konsequenter sein, die Autos vollkommen aus ihren Mauern zu verbannen. Ich bin mir sicher, mit der Zeit würden neue Bewegungsstrukturen entstehen. Beispiel: die Insel Hydra vor Athen. Das wäre auch im Interesse von bewegungsfaulen Menschen, denn sie hätten keine andere Wahl als zu laufen. Das würde ihre "Last", sich bewegen zu müssen,  erleichtern.    
  14. Aus sozialen, gesundheitspolitischen, psychologischen, ökologischen und  politischen (reale Atomisierung  der Gesellschaft) ist das Auto eine durch und durch rückständige Technik. 
  15. Wer bei jeder denkbaren Gelegenheit ins Auto steigt, bekämpft direkt seine Lebendigkeit und indirekt über die Emissionen seine Lebensqualität - von den Belastungen auf die Umwelt gar nicht zu reden.
  16. Wer Technik an sich liebt, liebt ein Nichts.
  17. Seitdem wir unser Auto abgeschafft haben, bin ich mir endgültig sicher, dass das System Auto nicht dem Menschen dient, sondern ihn beherrscht.
  18. Seitdem ihr Hund tot ist, hat sie viel zugenommen. 
  19. Wer mit dem Auto wegfährt, verlässt zwar sein Haus, aber nicht das Haus schlechthin, d. h. es gibt gute Gründe, Haus und Auto strukturell gleichzusetzen: Das Auto ist eine spezifische Ausprägung des Hauses.
  20. Ist an dem folgenden Vergleich etwas dran? Wie der Fuß im Schuh, so ist der Mensch im Auto eingezwängt.
  21. Wer ständig ohne Notwendigkeit und Not Auto fährt, verhält sich gegen sich selbst und der Umwelt gegenüber ständig  destruktiv.
  22. ...we are already almost entirely dependent on our cars, computers, and mobile phones, and we do many things just to please the machines, not we want to" (Pfeifer, R., Bongrd J.: how the body shapes the way we think). Es ist wohl die Zeit gekommen, dass wir uns individuell und kollektiv überlegen, ob der motorenbetriebene Maschineneinsatz uns das wiedergibt, was wir uns von ihm versprechen. Zu fragen, ob der Deal mit den Maschinen  in vielen Fällen inzwischen nicht für uns und für die Umwelt einen negativen Wert angenommen hat. 
  23. Welch ein großer Gewinn wäre es für jede Ferienregion, wenn  die Touristen ihre Autos zu Hause ließen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit.
  24. Selbstzweifel: Oder ist die ständige Vergrößerung der Automobile in Richtung Großlimousinen, Kleinbusse, Kleinlastwagen doch sinnvoll? Wie soll man sonst die zunehmenden Mengen materiellen Konsums transportieren können?
  25. Es ist meiner Ansicht unbegründet zu behaupten, man wohne im Grünen oder sogar mit und in der Natur, wenn alle gegenwärtigen Infrastrukturen wie Straßenanschluss, breite Auffahrt für das Auto und Garage für zwei und mehr Autos vorhanden sind.
  26. Was lernt das Kind, das ständig von einem Ort zum anderen transportiert wird? "Bei Ortsveränderungen braucht man sich nicht anzustrengen." Wenn es diese Lektion gelernt hat, verallgemeinert es sie in "Wenn ich Maschinen einsetze, brauche ich mich niemals wieder anzustrengen" und "Jede Anstrengung ist überflüssig".
  27. Beim Autofahren beschränkt sich der Kontakt  mit  dem Untergrund auf vier Punkte, die zeitlich durch das ständige Drehen der Räder gegen Null gehen. Das nur zum Thema Erfahrung im Auto. 
  28. Prozessphasen:  Beim langen Autofahren entleert sich das Gehirn - das Gehirn bemerkt diese Entleerung - man  fährt weiter in der Hoffnung, das ultimative Erlebnis doch noch zu erwischen.
  29. Auf der Elbterrasse des Jakobs-Hotels sitzend, deren Wesen Max Liebermann in seinem Gemälde erfasst hat, wird man nur durch den  relativ gedämpften Geräuschpegel des ständigen Autoverkehrs auf der Elbchaussee leicht irritiert, erkennt aber gleichzeitig in diesem Kontrast das barbarische Moment dieses überall dominierenden Verkehrssystems. 
  30. Extrem sind nicht die hier geäußerten Gedanken, sondern  die relative Bewegungslosigkeit der großen Mehrheit der Bevölkerung.
  31. Hypothese: In der alltäglichen Kommunikation ist das Wort "Auto" das am häufigste in Anspruch genommene.
  32. Das Auto erzeugt viele unnötige Fahrten wie das Fernsehen viel  sinnloses Schauen.
  33. Mit dem Auto quer durch Deutschland ist - von der Abfahrt und Ankunft und eventuellen Störungen abgesehen - vollkommen ereignislos. 
  34. Hypothese: Vier Autos in einer vierköpfigen Familie "fressen" zwanzig Prozent der wachen Nichtsarbeitszeit.
  35. Es gibt ein Verkehrskonzept  "Mehr Sicherheit durch Ablenkung". Warum? In einem  monotonen Umfeld führen die Autofahrer schneller, weil sie unterfordert seien.  Deshalb müsse man dem Autofahrer schönere Lärmschutzwände und Brücken bieten. Ich bezweifle, dass diese Unterforderung aufhebbar ist. Die Lösung ist: Das Auto stehen lassen und stattdessen  zu Fuß gehen, auf das Fahrrad steigen oder im Zug ein anspruchsvolles Buch lesen.   
  36. Wer unnötig mit dem Auto fährt, belastet unnötig die Umwelt und damit die Lebensqualität der Bewohner.
  37. Wie mag die innere Begründung des sympathischen und intelligenten Sportlehrers für sein Verhalten sein, jede Ortsveränderung über zehn Meter mit dem Auto zurückzulegen? Fühlt er sich als Freiheitsheld oder hat er Gewissensbisse, dass er gegen seine Bequemlichkeit nicht ankommt,  oder ....?
  38. Der Modus der Fremdbewegung ist grundsätzlich immer mit einem Verlust menschlicher Fähigkeiten verbunden.
  39. Habituelle Autofahrer fahren im  Urlaub oder am Wochenende nicht weniger als im  Alltag.
  40. Die Behauptung, der Mensch sei heute ein "moderner Nomade", stimmt nur halb: Er verändert zwar ständig seine Position des Ortes, aber diese Veränderungen finden im Modus der Kontaktlosigkeit mit der durchfahrenen Welt statt.
  41. Wer allein im Auto fährt, hat während der Fahrzeit keine Kontakte zu anderen Menschen. 
  42. Man mache sich nichts vor: Das Auto ist das eigentliche Subjekt, Mensch und Umwelt sind nur noch Funktionen von ihm. 
  43. Um sich vom Auto zu befreien, rate ich, basierend auf eigenen Erfahrungen, zu folgendem Verfahren:  Erste Phase: die gefahrenen Kilometer pro Jahr zunehmend kürzen. Zweite Phase: auf Zeit das Auto abmelden, c) Dritte Phase: das Auto endgültig abmelden. 
  44. Im Auto zu neuen Ufern aufbrechen ist kein Aufbrechen. 
  45. Der sitzende Mensch, egal ob er am Schreibtisch, vor dem Fernsehapparat oder im Auto sitzt, ist vom bewegungsphysiologischen Standpunkt bewegungslos und damit körperlos. 
  46. Eine begrüßenswerte Entscheidung: "BMW steigt aus der Formel 1 aus" - und damit aus dem absoluten Wahnsinn.
  47. Nahziel ist, den Gebrauch des Autos auf Fahrten zu beschränken, zu denen es keine Alternativen (zu Fuß, Fahrrad, öffentliche Verkehrsmittel) gibt. 
  48. Habituelles Autofahren und Fernsehen machen dumm, weil  sie in der Regel zu den repetitiven Tätigkeiten gehören, die keiner neuen Verknüpfungen bedürfen. 
  49. Wo ist die Stadt oder der Stadtteil, wo die  Bürger die Autos aus ihren Mauern verbannen?
  50. Der Verzicht auf das Auto ist gleichzeitig Freiheit für die Fahrenden, für spielende Kinder, für die Natur, für Schönheit, für das Klima, für...
  51. Habituelle Autofahrer sind die eigentlichen Spießer der Gegenwart.   
  52. Der Satz "Der Weg ist das Ziel" macht heute keinen Sinn mehr,  weil alle Wege zu sinnenlosen Autostraßen umgewandelt wurden.
  53. Ein bayrischer Sender sendet offensichtlich ausschließlich  Oldies und Staumeldungen. Kilometerlange Autoschlangen im Feriengebiet
  54. Ist das nicht ein Widerspruch?Auch die  absolute Dominanz des Autos erklärt, dass alle Städte der Welt gleich geworden sind.
  55. Die Insassen eines Autos bewegen sich nicht, ihre Geschwindigkeit ist Null. Die Geschwindigkeit des Autos ist nicht die der Insassen. 
  56. Alle vernünftigen Gründe sprechen dafür,  zumindest im Urlaub auf das Auto  zu verzichten.
  57. Aus meiner Sicht verhalten sich 90% der Bevölkerung bezüglich ihres Mobilitätsverhaltens pathologisch.  
  58. Wer in einem naturnahen  Gebiet wohnen will, müsste auf sein Auto und entsprechende Infrastrukturen verzichten, denn  Auto und Natur sind inkompatibel. Wer am Berghang wohnen will, müsste in Kauf nehmen, Treppen zu steigen.  
  59. "Die SPD in Oberursel will auch auf Betreiben besorgter Bürger einen Antrag stellen, die kurvenreichen Straßen rund um den Feldberg versuchsweise an Wochenenden zur motorradfreien Zone zu erklären. Begründung:  Viele Fahrer, darunter mit steigernder Tendenz ältere Semester, die sich das teure Hobby leisten können, unterschätzen die Geschwindigkeit (bis zu mehr als 300 Stundenkilometer) ihrer Maschinen" (aus der FAZ).  Diese Initiative muss erweitert werden, denn inzwischen ist überall   "Feldberg". Mir ist jedenfalls keine Region bekannt, die insbesondere an Wochenenden nicht von aufheulenden Motorenlärm überschallt wird.  Ich sehe übrigens schlicht nicht ein, dass Menschen mit - so vermute ich -  biologischen Potenzreduktionen diese durch motorisierte Potenz ersetzen und das auf Kosten der Allgemeinheit.  
  60. Eine Einschätzung, die ich nicht teile: "Porsche, der für sein zeitloses Design und perfekte Technik renommiertesten Autobauer der Welt". Auch wenn alle Autos der Welt Porsches wären, was wäre damit gewonnen?
  61. Gehe durch einen x-beliebigen Vorort und Du wirst sofort bemerken, dass der Bedarf an Autos mehr als gedeckt ist.
  62. "Dies ist eines der größten Werke des Jahrhunderts: ein Weg von 1200 Kilometern durch den Urwald, über Schneeschluchten, Flüsse, Bäche, Sümpfe und a n d e r e  H i n d e r n i s s e." General Pinochet, beí der Einweihung einer Autobahn, 1988 (diesen Hinweis verdanke ich Ulrich Grober)
  63. Wer in seiner jeweiligen Analyse gesellschaftlicher Teilbereiche das Auto ausspart, verpasst das Thema. 
  64. Es gibt keine neutralen Verkehrsmittel. Die Kutsche beeinflusst Umwelt, Mensch und Gesellschaftt anders als Auto, Zug oder Flugzeug. Ohne Zweifel hat das Auto mit Abstand  die größten und weitreichendsten  Veränderungen hervorgebracht. 
  65. Ab eines bestimmten Umfanges schafft die Technik mehr Probleme als sie löst. 
  66. Motoren beherrschen ungehindert die Natur, aber gleichzeitig wird der Mensch entmündigt. 
  67. Wie es eine Online-Sucht gibt, die zur Kommunikationslosigkeit und zum Verlust von sozialer Kompetenz führt, so auch eine Autosucht mit gleichen Folgen.
  68. Die habituelle Nutzung des Autos ist gleichzeitig ein Stück Weltverzicht
  69. Im Moment der Nutzung von Motoren ist der Mensch, der für die Nutzung der Motorenarbeit verantwortlich ist, eine Funktion des Motors, d. h. der Motor ersetzt den Menschen, der in dieser Zeit seine Spontaneität und  Lebendigkeit verliert - so z. B. der Autofahrer. Es  besteht die Gefahr, dass im Stadium der Motorennutzung der Mensch nicht nur auf seinen Körper durch Nichtstun verzichtet, sondern auch seinen Geist und seine Seele der Maschine übergibt. Der Geist reduziert sich auf die Aufgabe, den Bewegungsablauf der Maschine zu registrieren. 
  70. "Was das Zerstörungswerk der  Bomben in Dresden nicht geschafft hat, wird nun im Namen des heiligen Autos erfolgreich fortgesetzt. Das Dresdener Elbtal ist überall:  Ständig wird Schönheit vernichtet, da ständig  neue Straßen gebaut und benutzt werden. Warum schweigt hierzu das Lager der selbsternannten Konservativen?" Aus einem Leserbrief: "Ich begrüße ohne Einschränkungen, dass Dresden der Status des Weltkulturerbes abgesprochen wurde. Der Bau dieser Brücke ist nur als barbarisch zu bewerten. Der verniedlichende Name "Waldschlößchenbrücke" ist ein Hohn. Meine Empfehlung: Stoppt den Bau, verringert das Autoaufkommen, zumindest schaltet auf Untertunnelung um. Ich wäre sofort bereit, mit einer Spende diese Korrektur zu unterstützen. 
  71. Ein Vorschlag: Standorte von sogenannten Radarfallen werden von aufmerksamen und freiheitsliebenden  Autofahrern  dem RSH (Radiosender) gemeldet und dort veröffentlicht. Das scheint bei den Hörern und Hörerinnen gut anzukommen. Ich schlage deshalb vor, dieses Angebot auf Warnanlagen und Diebstahlssicherungen in Häusern, Betrieben und sonstigen Anlagen auszuweiten.  Diebstahl würde dadurch wesentlich erleichtert und risikoloser gemacht.
  72. 692 000 Verkehrstote und 24,3 Mill. Verletzte in 50 Jahren - das war die Bilanz des Statistischen Bundesamtes für Deutschland im Jahre 2003.
  73. Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz sprach einmal etwas provokativ von der Verhausschweinung des Menschen, heute müsste er wohl eher von der "Verautoschweinung" sprechen. 
  74. Die Wahrheit: "Es ist ein Leichtes, die vereinzelt vorbeihuschenden Mietwagen in ihren klimatisierten Fahrgastzellen zu bemitleiden. ... Auf ihren Autositzen festgeschnallt, sehen und riechen die doch all das kaum. Sie hören das rasselnde Zirpen der Grillen nicht, das Bimmeln der Glöckchen am Hals der Schafe, die sich in den Schatten verdrücken, wo sie nur können. Sie können die edlen Ferienhäuschen und die halb verfallenen Gehöfte gar nicht richtig betrachten, deren Zeit vielleicht mal wieder kommt. Wie wollen sie diese malerische mallorquinische Gesamtkomposition denn richtig erfahren, wenn sie nicht einmal in die laute Stille hineinhorchen können?" (Alex Westhoff in der FAZ von einem Urlaub auf Mallorca)
  75. Der teuerste Parkplatz von Paris kostet 470 000 Euro. Jemand kommt von einem Besuch aus einer süddeutschen Großstadt zurück. Gefragt, wie es war, antwortet er: "Klasse, aber zu laut wegen des  vielen Glockengeläuts.
  76. Aus einer Tageszeitung: "Nach einem schweren Motorrad-Unfall änderte sich das Leben von Ludwig Ketelsen und seiner Frau Anne komplett: Berufsunfähigkeit, Schwerbehinderung, Pflegefall. Doch jetzt ist Ketelsen erstmals wieder mit dem Motorrad unterwegs gewesen - im Beiwagen und auf Initiative des Biker-Pastors Uwe Stiller." Dazu fällt mir nichts mehr ein.  
  77. Das Fextal im Engadin strahlt sehr große Schönheit aus, es ist ein begnadeter Ort. Im letzten Winter hatte es besonders viel geschneit, die Schneedeck war sicherlich zwei Meter dick. Obwohl formal autofrei, was nicht ganz stimmt, rückt nach einigen Tagen schweres Räumgerät ein, um die Straßen mehr als frei zu machen. Schmutz ergießt sich über den Schnee, Lärm erfüllt das ansonsten stille Tal, die Bohlen der vielen Holzbrücken sind teilweise aufgerissen.  Wer hat diesen Blödsinn angeordnet?
  78. In der Fremdbewegung wird der Mensch zumindest körperlich-sinnlich dramatisch reduziert, und im Bild wird die Welt dramatisch redziert. 
  79. Wer mit dem Auto in eine Ferienlandschaft fährt,  zerstört diese, denn es wäre falsches Bewusstsein zu denken, dass durch mein (zusätzliches) Auto der Reiz dieser Region  nicht beeinträchtigt werde. 
  80. Auch ein Standpunkt: "Wenn es tatsächlich mit dem Klimawandel stimmt, was ich ja nicht glaube, kratzt mich das nicht weiter, denn ich habe ja ein Auto und einen Fernsehapparat.
  81. "Die Daten, die einen bedrohlichen Klimawandel anzeigen, werden immer deutlicher erkennbar, aber gleichzeitig nimmt der Einsatz von Motoren jeglicher Art ständig zu.  Da spreche noch einer vom Menschen als animal rationale oder zoon logikon. Die Vernunft gebietet heute einen kulturellen Wandel (cultural change) - insbesondere im individuellen Denken und Handeln.  
  82. Ich kenne viele Menschen, für die die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel schlicht ein Anschlag auf ihre Würde bedeutet. Dazu ein Zitat: "Mit dem Bus fahren ist unter meiner Würde". 
  83. In Friedenszeiten ist das Auto direkt und indirekt der größte Zerstörer der natürlichen, bebauten und sozialen Umwelt. Jede fünfte Autofahrt liegt in Österreich unter zwei Kilometern.
  84. Die Wortschöpfung „Grünes Auto"  ist eine Kapitulation gegenüber der Autolobby , weil damit  immer noch ein Auto gemeint ist, das zwar weniger umweltschädigend sein kann, aber dadurch nicht grün wird.  Die Forderung nach einem "grünen Auto" ist nicht mehr weit entfernt von der Forderung nach einem "grünen AKW"
  85. .Ich denke, man sollte Schlechtes und Destruktives, seien es Zigaretten,  Mülldeponien, Autos usw. nicht ästhetisieren, selbst wenn  momentan nicht auf sie verzichtet werden kann. 
  86. Inzwischen verbinden immer mehr Menschen trotz gegenteiliger Erfahrungen  das Auto mit Leben, mit  Erregung, mit Eigentlichkeit, so dass die Kritik des Autos sehr schnell in den Geruch der Lebensfeindlichkeit gerät, obwohl sie gerade das Gegenteil anstrebt.  
  87. "Denn was das eilende Auge bloß im Auto gesehen hat, kann es nicht behalten, und es versinkt so spurlos, wie ihm selber die Spuren abgehen" (Theodor W. Adorno).
  88. Kritik des Autos von Robert Walser: "Denn ich begreife nicht und werde niemals begreifen, daß es ein Vergnügen sein kann, so an allen Gebilden, Gegenständen, die unsere schöne Erde aufweist, vorüberzurasen, als wenn man toll geworden sei  und rennen müsse, um nicht elend zu verzweifeln" (Robert Walser).
  89. Als ihr Hund noch lebte, war sie eine ausdauernde Spaziergängerin, heute ist sie eine ausschließliche  Autofahrerin.  
  90. Auf den Straßen finden keine Begegnungen mehr statt. Straßen werden nur noch vermittels motorenangetriebene Räder erfahren,   Füße berühren nicht mehr Straßenoberflächen. Ein Fortschritt? Nein, ein  "Fortrollen". 
  91. Ein Auto ist ein Auto ist ein Auto, auch wenn es ein Porsche ist, der nicht weniger destruktiv ist als die anderen. 
  92. Ökologische und humane Verkehrspolitik kann sich nicht darauf beschränken, stark emittierende Fahrzeuge durch weniger stark emittierende zu ersetzen, auch wenn man letztere mit "umweltfreundlich" oder als "green cars" bezeichnet. 
  93. Langsam, aber unaufhaltsam werden im Bewusstsein aus realen Landschaften und Städten Autostraßenkarten, aus der vierdimensionalen Welt  werden eindimensionale Linien und zweidimensionale Kreise.  
  94. "Wir sehen, daß die Maschinerie, die mit der wundervollen Kraft begabt ist, die menschliche Arbeit zu verringern und fruchtbarer zu machen, sie verkümmern läßt und bis zur Erschöpfung auszehrt. Die neuen Quellen des Reichtums verwandeln sich durch einen seltsamen Zauberbann zu Quellen der Not...All unser Erfinden und unser ganzer Fortschritt scheinen darauf hinauszulaufen, daß sie materielle Kräfte mit geistigem Leben ausstatten und das menschliche Leben zu einer materiellen Kraft verdummen" (Karl Marx). Das ist aber keine Schein, sondern unaufhebbare Folge des technischen Einsatzes: Wo Technik eingesetzt wird, wird der Mensch zu einer Funktion dieser Technik und damit selbst ein Stück Technik. Das kann sinnvoll sein, aber man sollte die damit entstehenden Verluste  sehen und nicht verdrängen bzw. als vermeidbar bewerten. Kurz: Die Analyse von Marx stimmt, wenn man sie von ihren  gesellschaftlichen Paradiesvorstellungen befreit. 
  95. Was ist bloß passiert?  Alle Autos stehen vor der Tür, aber kein Mensch ist zu Hause. Sollten sie tatsächlich zu Fuß gegangen sein?
  96. Während des Autofahrens können keine substantiellen Kontakte hergestellt werden. Im Auto und erst recht beim Fliegen gehen  die Erfahrungen gegen Null. 
  97. "Auf Sylt werden hunderte Biker beim 12. Sylter Harley-Treffen die Insel in ihren Bann ziehen. Im Mittelpunkt steht die Motorrad-Parade morgen ab 10 Uhr  auf der Promenade in Westerland, wo die Maschinen der Kultmarke Harley-Davidson bewundert werden können" (Flensburger Tageblatt v. 5. 6. 09). Als ob  auf Sylt nicht  durch die gegenwärige Autodichte schon genug Krach und Gestank vorherrschen. 
  98. Mit der intensiven  Behandlung des Rasens wird der Frieden und die Schönheit des Gartens zerstört.  Tendenz: Je größer die Rasenfläche, desto flacher das Bewusstsein. 
  99. Welch ein Erfahrungsverlust im Nahbereich erleiden Menschen,  die alle Ortsveränderungen von ihrem Haus aus mit einer Autofahrt beginnen lassen. Übrigens bildet diese Gruppe inzwischen die große Mehrheit der Bevölkerung.
  100. Bei der Durchquerung von Zwischenräumen ersetzt das Auto die körperliche Betätigung, der  dazugehörende Navigator ersetzt  geistige Leistungen  wie das Erinnern, das Finden, die Formulierung von  Fragen usw. Es wird sicherlich bald möglich sein, von A nach B zu fahren, ohne einen Blick nach draußen werfen zu müssen.  Weist man Benutzer auf diese Reduktionen  hin, werden sie in der Regel aggressiv. 
  101. Alle fordern, mit Milliardenhilfen die Autoindustrie zu unterstützen, keiner fragt, ob das überhaupt aus ökologischen, anthropologischen und wirtschaftlichen Gründen Sinn macht. Die berechtigte Sorge um Arbeitsplätze verabsolutiert sich und verhindert die Suche und das Auffinden von nachhaltigen Lösungen. 
  102. Das Ganze ist die Wahrheit: Alle Elemente eines Systems beeinflussen und bestimmen sich wechselseitig. In diesem Prozess verändern sich auch die Elemente selbst. Es gibt kein isoliertes Element, so auch das Auto  in unserem gesellschaftlichen System nicht, aber es ist das wirksamste, Das Auto ist heute die einzige  große unabhängige Variable. Es allein ermöglicht und erzwingt -  zuallererst auf materieller Ebene - die umfassenden und tiefen  gesellschaftlichen Veränderungen. Weiterführende Gesellschaftskritik muss deswegen immer auch fundamentale Autokritik sein. Mit anderen Worten: An diesen riesigen  Veränderungen sind viele Faktoren beteiligt, wobei das Auto der Hauptveränderer ist.  
  103. Folgender Zusammenhang scheint zu bestehen: Je lauter ein Motorrasenmäher ist, desto häufiger wird er eingesetzt. Das wäre dann Herrschaft über Natur und Menschen. 
  104. "Autobahnanbindung" ist ein catching-word, das bei einem Immobilien-Verkauf  unbedingt erscheinen muss, wenn sie erfolgreich sein will. 
  105. "New York has closed sections of Broadway in an effort to reduce traffic and pollution and cut down on pedestrians accidents" (BBC).
  106. Ohne Auto sind einige Vorhaben nicht möglich, aber auch mit Auto ist nicht alles möglich. Meine Erfahrung: Ohne Auto unterlässt man viel Überflüssiges und die Erfahrungen werden intensiver. 
  107. In Analogie zu "Schwerter zu Pflugscharen machen" sollte man heute sagen "Autos überwiegend zu Zügen, Straßenbahnen, Bussen, Fahrrädern, neuen Fortbewegungstechnologien machen". Denn es macht weder ökologisch, ökonomisch oder noch  aus Sicht langfristiger Arbeitsplatzsicherungen Sinn, Autofirmen mit Hilfe von Milliardensubventionen am Leben zu erhalten. 
  108. Man kann nicht nicht handeln. Jede Handlung versucht, ein Ziel zu realisieren und   beeinflusst gleichzeitig den Handelnden. Sich bewegen ist eine Handlung.  Man bewegt sich immer - allerdings in unterschiedlichen  Ausmaßen und  Intensitäten wie z. B. zu Fuß gehen oder Auto fahren. Beide Handlungen verändern das Ich. Beim Autofahren wird das oft rationalisierend übersehen, aber gerade hier ist der Einfluss auf Physis und Psyche der Fahrenden immens, nämlich umfassende  Reduktion. Fazit: Alles kommt also auf den qualitativen und quantitativen Unterschied im Handeln an. 
  109. "What is missing is the constant low thrum of traffic in the background. It's not that cars are completely banned from the city, but most of the center, rather than the odd street, is a pedestrian zone. You pedal or walk to trams or trains. Freiburg can lay claim to being the greenest city in the world, and it's all rather pleasant" (aus "A greener Germany" von Marc Mardell in BBC).
  110. Autofahren und gewohnheitsmäßiges Fernsehen sind physisch und psychisch gesehen Schwundformen des Handelns.
  111. Nach eigenen Angaben geht es ihnen finanziell nicht gut und deswegen können sie sich nur einen Kurzurlaub in der Türkei gönnen. Obwohl die Zuganbindung zum Flughafen vorhanden ist, wollen sie nicht auf die vermeintlich bequemere Fahrt mit dem Auto zum Flughafen verzichten, "obwohl die Parkgebühren  dort unverschämt hoch sind".
  112. Wir sind zwar leiblich in der Welt, aber zunehmend sitzend, d. h. ohne Eigenbewegung, sei es vor Medien, im Auto oder im Flugzeug.
  113. Moderne Welterfahrung: Mit dem Auto zum Flugplatz, mit dem Flugzeug für eine Woche zu einer Mittelmeerinsel, dort steht bereits ein vorbestelltes Mietauto, um diese Insel "erkunden" zu können. 
  114. Wir wohnen in einer Seitenstraße, die zwar oft unnötigerweise befahren wird, aber doch relativ wenig Autoverkehr aufweist. Trotzdem ist unsere ca. fünfzehn Meter von der Straße liegende Veranda von einem ölig-schmierigen Film überdeckt. In unserer Stadt haben wir übrigens Fernwärme, ein Segen, so dass Heizungen als Ursache wegfallen.  
  115. Es gibt keine Stadt und keine Landschaft, die nicht über mehrere Brennpunkte verfügt, wo  Bürger derart unter dem Autoverkehr leiden,  dass sie gegen diese Situation entweder erfolgreich protestieren, indem das Problem  auf andere Stellen hin verschoben wird, oder eben nichts erreichten und  resignierten. Wenn der Individualverkehr nicht prinzipiell hinterfragt wird und nicht entsprechende Eindämmungen vorgenommen werden, wird sich diese Situation in Zukunft wesentlich verschärfen und zwar solange, bis Natur,  Kultur und Mensch vollkommen autokompatibel gemacht worden sind.  
  116. Das Auto und regionale Kriege sind heute die materiell wirkende Hauptursache für Zerstörungen in den Bereichen Landschaft, Siedlungen, Klima,  psychische und physische Gesundheit und  Soziales. Natürlich haben Auto und Kriege wiederum Ursachen, sind keine unerklärlichen Emergenzen und Schicksale, die über die Welt kommen. Tatsache ist aber, dass das Auto und Kriege zwar Ausfluss von sozialen Prozessen sind, aber faktisch Verursacher dieser Zerstörungen sind. Aber diese Analyse bezüglich des Autos ist das eigentliche und große Tabu der Gesellschaft.  Zwar ist im Auto nicht Schopenhauers Weltknoten, aber die gegenwärtige Gesellschaft geschürzt. Denn nahezu alle Lebensbereiche sind vom Auto bestimmt, zumindest beeinflusst.  Pointiert: Alles führt zum Auto und alles geht vom Auto aus - oft werden diese Prozesse nicht bemerkt, weil man es ihnen nicht ansieht. 
  117. Nahezu das gesamte individuelle und gesellschaftliche Denken, Fühlen und Handeln führt direkt oder indirekt zum Auto, und ein großer Teil der gegenwärtigen Probleme wird direkt oder indirekt durch das Auto verursacht. Dazu die These: Jede Gesellschaft hat rationale und irrationale Anteile. Die irrationalen Anteile werden in der Regel rationalisiert und somit der Kritik entzogen. Die gegenwärtige Irrationalität verkörpert das Auto.  
  118. Interessant ist die Tatsache, dass ein Stadtplaner in Oakland, California (an der Bay, gegenüber von San Fancisco) eine Vorstadt unter gleichen Bedingung in Vauban/Freiburg bauen will. Er hat auch durchsetzen können, dass die Häuser rot keine Garagen haben müssen (gegen die amerikanische Vorschrift für alle Neubaugebiete),  denn es ist verboten, Autos über einen längeren Zeitraum auf der Straße stehen zu lassen. Die  Banken verweigern den Käufern die Hypothek mit der Begründung, diese Häuser seien nichts wert, denn der Wiederverkaufswert wegen fehlender Garagen sei zu gering. 
  119. Viele Autofahrer sind bereits zu der Einsicht gekommen, dass der Individualverkehr auch viele negative Folgen nach sich ziehe. Aber wie das Kotieren (tägliche Ausscheidungen)  trotz seiner unangenehmen Seiten unvermeidlich und naturwüchsig  zum Menschen gehöre, so auch das Auto. 
  120. Es kommt wohl kein Mensch auf die Idee, wenn er von Hamburg nach Johannesburg fliegt, zu behaupten, er habe Südeuropa und Afrika kennengelernt. Gleiches gilt aber,  wenn auch  oft heftig bestritten, für jede Auto- und Zugfahrt: Eine Ortsveränderung ohne eigenen Körpereinsatz ist in Bezug auf Erfahrungsgewinn hinsichtlich des Weges folgenlos, verlorene Zeit. 
  121. Es ist meiner Ansicht nach eines gesunden Menschen unwürdig, innerhalb zumutbarer Distanzen beim Gehen Fremdhilfe in Anspruch zu nehmen.  Aus diesem Grund, aber auch aus anderen, habe ich gestern mein Auto abgemeldet. 
  122. Die Summe der Volumina aller Autos, die zu einem bestimmten Haus gehören,  ist  oft  bereits  größer als das Volumen des Hauses selbst. 
  123. Ich vermute, dass die direkten negativen Auswirkungen des Autofahrens auf Nutzer und Umwelt genauso problematisch sind wie die indirekten zerstörerischen Folgen durch den Wandel der Verkehrsstrukturen und des Alltagsverhaltens auf Kosten der Landschaften, Städte und Dörfer. 
  124. Die Autowirtschaft  leidet unter gewaltigen Überkapazitäten. Der Markt ist mehr als gesättigt, er ist übersättigt. Statt nun die Absatzkrise als ein Zeichen für dieses Zuviel zu nehmen und dieses Zuviel einer zweiten Analyse zu unterziehen, um dann zu erkennen, dass es sich hier um einen Widerstand handelt, der von der geschundenen Natur und dem Klima ausgeht,  von den unbewohnbaren Städten, von den stillgestellten Menschen, versucht man mit riesigen Subventionen, den not-wendenden Niedergang des Individualverkehrs aufzuhalten. Es gilt jetzt Abschied zu nehmen von einer überholten Technologie und den Blick zu öffnen für  nachhaltige Entwicklungen.   
  125. K. ist eine typische Kleinstadt in der Größenordnung zwischen fünf- bis zehntausend Einwohnern. Die Innenstadt und jede ihrer Geschäfte, soweit diese nicht bereits in das Industriegebiet oder an die Peripherie ausgelagert sind,  sind  vollkommen nach Maßgabe der Erreichbarkeit mit dem Auto gebaut und gestaltet. Die allgemeine Norm lautet: So autoentgegenkommend, wie es das Auto verlangt und braucht. D. h. das eigentliche Subjekt sind die Bedürfnisse des Autos, die scheinbar mit denen der Menschen identisch sind.
  126. Die gegenwärtig am häufigsten  gehörte und wohl auch zutiefst empfundene  Rechtfertigung für tägliches Autofahren bildet die Einheit von Einkaufen und Autofahren: Einkaufen ohne Auto ist nicht mehr denkbar, in einigen "lebensmittellädenfreien" Städten ist dieses Argument fast überzeugend. Dass diese Entwicklung  aber  aus der Summe individuellen Kaufverhaltens entstanden ist, wird ausgeblendet. 
  127. Grundwahrheit: Jede Autofahrt reduziert bzw. zerstört fremdes Leben und reduziert  das Leben der Insassen, falls es nicht zu tödlichen Unfällen kommt. 
  128. Wir müssen die nahezu vollkommene Identität von Mensch und Auto aufbrechen, d. h.  Landschaften schön und Städte bewohnbar machen, indem wir sie autofrei machen.   
  129. "The late JG Ballard, author of Crash, saw cars as an erotic emblem of modern society: a love affair with speed and violance" (Daily Telegraph). 
  130. Sogenannte Traumstraßen zerstören reale Traumlandschaften. Deswegen müssen diese Straßen konsequent zurückgebaut werden.
  131. Wenn aus Wegen und Straßen und Autobahnen  geworden sind, verlieren sie alles: als Weg im tieferen Sinne, als Ort des Erlebens, als Ausdruck von Sehnsucht. Fazit: Die Autos zerstören das Wesen der Straße. Sie sind die Negation der Straße. 
  132. Autobahnen sind faktisch und rechtlich offensichtlich  das, was heute tendenziell alle Straßen  sind: allein Autostraßen, d. h. auf ihnen haben nur noch Autos etwas zu suchen.
  133. Zwei Irrtümer der Moderne: Je mehr und länger ich Auto fahre und je mehr ich einkaufe, desto intensiver ist mein Leben. 
  134. Wie kann man sich die Gier nach dem Einsatz von Motoren, wann und wo immer es geht,  erklären?  Es ist die Folge und der Ausdruck dafür, dass wir uns selbst nicht mehr trauen, dass das Leben nur noch als reines Selbst ("ich war in Dubai")  wichtig ist, dass das Subjekt im Vollsinn als eine Chimäre aufgefasst wird.
  135. Wir wollen nur noch sitzen bzw. liegen und  ersetzen damit unsere Lebendigkeit durch die Arbeit von Motoren.
  136. Wer nur noch zu exotischen Orten ausschließlich mit Hilfe aufwendiger Technik kommt, sollte lieber auf deren Anblick verzichten.
  137. An ihrem Haus haben sie einen schön anzusehenden Kieselweg. Wenn jemand darauf geht, klingt es schön, wenn ihre Autos auf ihm fahren, was hauptsächlich der Fall ist, knirschen die  Kiesel, als wenn sie sich durch den hohen Druck gequält fühlen.
  138. Die italienische Pädagogin Maria Montessori hat ja den Begriff und die Sache der vorbereiteten Umgebung entwickelt. In dieser pädagogischen Welt sind möglichst alle die Faktoren entfernt, die Lernprozesse hindern oder gar verhindern. Wer gegenüber dem Auto und dem Fernsehen ein suchtartiges Verhältnis hat, und das haben die meisten, sollte von Maria  Montessori lernen, indem er oder sie den Zugang zu diesen Kontaktvernichtern erschwert, so z. b. das Auto nicht direkt am Haus, sondern auf dem 300 Meter entfernten Parkplatz abstellen oder den Fernsehapparat im ungemütlichsten Raum des Hauses, vielleicht im Keller, aufstellen. 
  139. Das Auto bestimmt das Straßennetz und die Breite der Straßen. Diese bestimmen wieder die Dichte und die Verteilung der privaten und öffentlichen Gebäude. D. h. aus kompakten Siedlungen entstehen breiige, ausgedehnte, mit vielen häuserfreien Räumen bestehende Strukturen. Die Autostraßen nehmen der Stadt und der Landschaft unnötig viel Platz ab.
  140. Einige Anmerkungen zur , die ich der höchst informativen Homepage von Markus Heller entnommen habe:  http://www.autofrei-wohnen.de:  + „In keiner anderen deutschen Stadt nimmt der Pkw-Verkehr schneller ab: Die Berliner steigen um - auf Bus und Bahn. Und auch das Fahrrad wird immer beliebter.“ + "Auch immer mehr ältere Leute steigen aufs Rad um", sagt Sarah Stark, Landesvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs. Die Zunahme des Fahrradverkehrs stadtweit um etwa fünf Prozent täusche aber, denn in innerstädtischen Quartieren wachse die Zahl der Umsteiger rasant: In Mitte würden 30 Prozent mehr Menschen als vor acht Jahren aufs Fahrrad steigen. Das liege auch daran, dass Berliner Kiezpflanzen sind: Wohnen, Einkaufen, Abhängen - das macht man meistens im eigenen Quartier.“ + "Wir könnten uns locker ein Auto leisten ... und lassen es lieber. Eine zentrale aber ruhige Wohnlage sowie Arbeitsplätze, die mit dem Fahrrad in einer vertretbaren Zeit erreichbar sind, sind Voraussetzung für diese Entscheidung.“ +  „Demnach kommen in Berlin auf 1000 Einwohner gerade einmal 319 Autos. Das ist der niedrigste Wert in ganz Deutschland. Ähnlich wenig Autos gibt es nur  noch in Bremen (391) und Hamburg (402). In den deutschen Stadtstaaten geht  der Trend also offensichtlich gegen ein eigenes Auto.“
  141. Zumindest vom Ergebnis her hat das Auto seit den 50iger Jahren bis jetzt unsere Lebenswelt umfassend umgestaltet. Deswegen haben alternative Verkehrskonzepte nolens volens wiederum revolutionären Charakter.
  142. "We looked  at fine particles that penetrate deep in the lungs,  those  that are  not caught in the nose and the mouth, and directly  damage the  blood vessels. Most of those  come from combustion, from automobiles, diesel trucks and  power plants. You do have a choice on whether you smoke, drink, exercise or what type of food you eat. But you do not have a choice on what air you breathe. Bruce Hill, a scientist with the Clean Air Task Force,  describes the damage caused by regularly breathing such air as like living with someone who smokes" (aus BBC Health vom 13. 4. 09: City air pollution shortens life).
  143. Die Sonne scheint, auf den Straßen fahren viele Cabrios mit geöffenetem Verdeck.  Die Insassen genießen Natur pur, und sie sind,  neben den schnittigen Morradfahrern,  die einzigen Nonkonformisten auf der Straße. Da sage noch einer, es gäbe keine unangepaßten Bürger mehr.   
  144. Unnötiger Krach in Form von aufheulenden Motoren auf Land, Wasser und Luft müßten sich schlicht von selbst verbieten.
  145.  Autos und Fernsehapparate sind  in der Regel überflüssige Krücken, die aus gesunden kranke Menschen machen.  
  146. In sehr vielen Situationen ist die Abwesenheit des Autos die notwendige Bedingung für wesentliches Leben. Diese Möglichkeit wird vom Mainstream schlicht  für unmöglich gehalten. 
  147. Die einzig denkbare Form der Naturbegegnung besteht für viele Menschen darin, mit dem Auto in das dreißig Kilometer entfernte bekannte Ausflugsgebiet zu fahren.  
  148. Die grundsätzliche  Ausrichtung der Straßensysteme auf kürzeste Wege,  und das ist immer die Gerade, halte ich allein aus ästhetischen und kommunikativen Gründen für falsch.   
  149. Folgender Zusammenhang besteht: Schönes Wetter aktiviert massiv aufheulende Motorräder und krachmachende Rasenmäher.
  150. Wenn ein Mensch sagt "Ich fahre nach Hamburg" wird das Verb "fahren" falsch angewendet; allerdings könnte ein Auto, im Falle, dass es sprechen könnte, diesen Satz korrekter Weise sagen.  
  151. Es gibt immer noch habituelle Autofahrer, die meinen, sie hätten die Freiheit und das Recht, aus Bequemlichkeitsgründen den Motor ihres Autos im Stand laufen zu lassen.  
  152. Die offensichtlichen Nachteile des Autos überwiegen bei weitem dessen Vorteile. Und trotzdem regt sich fast kein Widerstand. Die Inhalte des Mainstreams sind offensichtlich ein Tabubereich für kritisches Denken. 
  153. Bäume, die  direkt am Straßenrand standen, sind in der Regel schon  längst abgeholzt worden. 
  154. Sitzen und Sitzen: Wenn ich auf  einem Stuhl sitze, um zu lesen, gibt es keine grundsätzliche Alternative. Wenn ich mich ins Auto setze, gibt es meistens Alternativen - ,die in der Regel besser sind. 
  155. Am Morgen um sechs im Garten: Noch schaffen es die Vögel mit ihrem Gesang, sich  gegen den Lärm der nahen Umgehungsstraße durchzusetzen, noch schaffen es die  Gerüche der Pflanzen und der Erde, sich gegen den Gestank der startenden Autos zu behaupten. Aber sie haben es verdammt schwer. Der Autofahrer nimmt in dieser Situation eine unsinnliche, neutrale Position ein, denn er nimmt weder den Gesang der Vögel noch den von seinem Auto produzierten Lärm, weder den Geruch  der Blumen noch den Gestank seines fahrenden Autos wahr. 
  156. Nach eigenen Angaben ist er ein begeisterter Vielfahrer und verlässt nur sehr ungern sein Auto; bloß wenn im Fernsehen eom Formel-1-Rennen übertragen wird, lässt er sein Auto vor der Haustür stehen.  "Das ist noch spannender,  und man  kann sich dort für seinen eigenen Fahrstil eine Masse abgucken." 
  157. Immer mehr Häuser haben zur Straßenseite hin Toilettenfenster, kleine Küchenfenster und Türen, während die großen Wohnfenster hinten liegen. Warum? Schaut man auf die Straße, sieht man nur noch vorbeifahrende und parkende Autos. Und ich vermute, dass der Nachbar, wenn er  sein großes Auto vor unserem Wohnzimmer parkt, denkt, er täte uns etwas Gutes. 
  158. Wir waren seit langem wieder in Frankfurts Innenstadt. Gegenüber den sechziger Jahren eine deutliche  Verbesserung. Die Ausweitung der Fußgängerbereiche um die Hauptwache und der Alten Oper hat Urbanität geschaffen.  Die eiserne Autoklammer rechts und links des Mainufers ist gelockert worden.
  159. Wie sieht die automobile Freiheit konkret aus?  Verkehrsstaus, Suche nach Parkplätzen,  Isolierung von der Umwelt,  Fesselung an den Sitzplatz und damit Gesundheitsschäden durch bequeme Unbeweglichkeit,  Verhäßlichung, Klimaverschlechterung - und all das kostet viel Geld. 
  160. Es ist ein Irrtum, von der Kraft seines  Autos auf die eigene zu schließen. 
  161. Obwohl wir in einer ruhigen Straße wohnen, ist unsere Veranda von einer öligen Schmutzschicht überzogen. Diese Emissionen sind auch Teil eines jeden Atemzuges. 
  162. Der Gepäckraum von großen Autos ist heute oft eine modene Hundehütte
  163. Ich kenne Männer, die leben für das Auto, aber nicht nur passiv fahrend, sondern auch reparierend und  pflegend.  
  164. Zwei oder gar drei Großautos in Form von Limousinen, Kleinbussen oder Farmerwagen zu haben, ist mit Sicherheit Trash.
  165. Konditionierung von Kinderseelen: Sie stehen vor dem Wagen und  warten auf ihre Eltern, wie Hunde vor ihrem Herrchen, um ein Leckerli zu bekommen.
  166. Motorrad, Auto, Zug und Flugzeug sind aus der Perspektive der Eigenbewegung Bewegungslosigkeit und körperliche Passivität. Mit ihrer Hilfe durch Landschaften zu brausen heißt a)  mit der Landschaft keinen Kontakt aufnehmen und b) Traurigkeit empfinden, wenn man noch in sich Neugierde und Sehnsucht hat.  
  167. Aus der Perspektive der Erfahrung, kann man das Auto als mobiles Gefängnis interpretieren. Aber warum lieben die Menschen dieses Gefängnis über alle Maßen?
  168. Welche Weltfülle erschließt sich, wenn ich von zu Hause zum Bahnhof laufe, mit dem Zug fahre und vom dortigen Bahnhof durch die Stadt zu den Freunden laufe. Dagegen: Ich steige vor meinem Haus ins Auto und fahre vor das Haus der Freunde.  
  169. Aus der Reklame eines Autoverleihers: "In ihren fruchtbaren Tagen bevorzugen Frauen stürmische Männer. In den unfruchtbaren sanfte. Ein kluger Mann fährt nicht in beiden  Phasen das gleiche Auto". "Stürmisch" und "Sanftheit" äußern sich allein in der Wahl des entsprechenden Autos. Das Auto als einziges und letztes Ausdrucksmedium. Obwohl empirisches einiges dafür spricht, hoffe ich doch, dass die Mehrzahl der Frauen und Männer sich dieser Zuordnung nicht beugt.  
  170. Selbst das Denken wird durch das Auto  zur erstarrten Oberfläche, die auch nicht durch einen  röhrenden Auspuff oder durch Raserei oder durch eine luxuriöse Innenausstattung durchbrochen wird. Der Autofahrer ist, gemessen an seinem Potential, ein banales Fragment. 
  171. Die Auto-Straße schafft eine tabula rasa, die allein aus Asphalt und Autos besteht. Historische Zeugnisse erscheinen dort bestenfalls als Oldtimer.   
  172. Ich vermute, dass habituelles Autofahren und extensiver Fernsehkonsum sehr hoch miteinander korrelieren. Warum? Beide Tätigkeiten verlangen ein Minimum an Anstrengung, die eine Unterforderung zieht die andere nach sich. 
  173. "Mein Auto ist mein Kind" (ein Autobesitzer in einem Zeitungsbericht, der schon über 20 000 Euro für das Tuning seiner Autos investiert hat).
  174. Ich kenne eine Straße, in der offensichtlich alle  Bewohner ihr  Haus nur mit dem Auto verlassen. Hier scheinen alle, wie von einer unsichtbaren Hand gleich geschaltet zu sein. Ist das die Folge der Maxime "Keeping up with the Johsons"? 
  175. Städte, Stadtteile und Straßen, die älter als hundert Jahre sind, kannten vor dieser Zeit keine Autos. Inzwischen zwängen sich diese  mit Gewalt durch diese Städte, Stadtteile und Straßen  mit entsprechenden negativen Folgen: Sie werden unter diesen Bedingungen unbewohnbar. Ist der zeitgenössische  Mensch körperlich denn so schwach, dass ihm ein Fußweg nicht mehr zuzumuten ist?
  176. Ludwig Tieck etwas abgewandelt und modernisiert: Wunderbares liegt oft vor unseren Füßen, aber wir fahren in Windeseile über es hinweg.
  177. Meine Beobachtung: Wer ständig seine körperlichen und geistigen Bewegungen in externe Medien wie  Auto oder Fernsehen stellvertretend auslagert, verliert an Lebenskraft und wird starr
  178. Die schnell sich drehenden Räder eines Autos oder Zuges haben im Gegensatz zu Fußbewegung nur noch ein Minimum Berührung mit der Erde. Die Romantiker sprechen von dem geisttötenden Umtrieb des Rades. Das sollte man nicht ausblenden, wenn man sich entscheiden muß, denn wenn die Räder schnell rollen, vergeht uns Hören und Sehen.  
  179. In diesem Haus wird geraucht, in allen Zimmern hängt - unerträglich - Zigarettenrauch. So geht es mir in vielbefahrenen Straßen - auch nicht weniger zu ertragen, aber offensichtlich wird der Gestank in den Straßen kritiklos akzeptiert oder verdrängt.     
  180. Die im Auto buchstäblich erfahrene Welt  ist  eine drastisch reduzierte. 
  181. Ein auf die schädlichen Auswirkungen des Autos angesprochener Autofahrer antwortet: "Das geht keinem ewas an, das ist absolut meine Privatsache".  Falsch, denn natürlich geht dieses Verhalten  die  Betroffenen etwas an. 
  182. Es ist paradox: Gerade in Sportsendungen ist die Autowerbung am intensivsgten und aggressivsten. wo doch gerade das Auto der größte Verhinderer von Eigenbewegung in Form von Sport ist.  Aber der Widerspruch löst sich schnell auf, wenn man bedenkt, dass Sport im Fernsehen gerade das Gegenteil von Sport ist, nämlich die absolute Bewegungslosigkeit. 
  183. Es gibt immer mehr Bewohner, die die Bürger-steige nicht mehr nutzen. Sie brauchen nur noch Autostraßen. Sind das überhaupt noch Bürger?  In den Einkaufszentren, der letzte Ort, wo noch gegangen wird,  gibt es übrigens keine Bürgersteige. 
  184. Die Produktpalette der Personenkraftwagen  scheint auf vier Grundtypen hinauszulaufen: a)  der busartige Großraumwagen mit fließendem Übergang zu Überlandbussen, b) der großräumige Geländewagen, wie sie auf amerikanischen Farmen üblich sind, c) überlange Limousinen, wie sie Beerdigungsunternehmen bevorzugen und d) kleine, sehr kompakte geschoßartige Sportwagen.
  185. Die Autoindustrie muss Überkapazitäten abbauen. Gehe durch einen x-beliebigen Vorort, und du siehst sofort, dass der Bedarf an Autos mehr als gedeckt ist. 
  186. Es gilt grundsätzlich: Alle Distanzen unter vier Kilometern, die mit dem Auto, statt  zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden, sind ein unnötiger Verletzung des eigenen Körpers, Geists und Seele - von der Umwelt ganz abgesehen.  
  187. Straßen "sind allemal unvermittelt in die Landschaft gesprengt, und je glatter und breiter sie gelungen sind, um so beziehungsloser und gewalttätiger steht ihre schimmernde Bahn gegen die Umgebung. Sie tragen keinen Ausdruck.....Es ist, als wäre niemand der Landschaft übers Haar gefahren" (diese Beobachtung Adornos von amerikanischen Straßen in der Minima Moralia gilt heute nicht weniger für alle Straßen der Welt).
  188. Das Bedürfnis, Auto fahren zu wollen, ist bei vielen Fahrern ein absolutes Argument, d. h. Einwendungen jeglicher Art werden einfach nicht zugelassen. 
  189. Nach sieben Wochen mußte ich das erste Mal wieder Auto fahren und bin der Meinung, dass die Hölle nicht viel schlimmer sein kann: Häßlichkeit pur, Unterforderung total.  Dieser Erkenntnis kann meiner Ansicht nur dann entstehen, zumindest leichter, wenn die Schönheit des Nicht-Auto-Fahrens über einen längeren Zeitraum erlebt wird. 
  190. Autofahren muss viel mit Herrschaft zu tun haben, ansonsten kann ich mir nicht die ungebrochene Faszination für den "Auto-Wahnsinn" (Ausdruck eines Elektroautobesitzers) erklären. Wer früher auf dem Pferd saß oder eine Kutsche bestieg, war mächtig. Grundsätzlich scheint das auch für das Autofahren  (Auto-Kutsche) zu gelten. Man bemerkt es, wenn man den etwas dümmlich-stolzen Gesichtsausdruck der Fahrer beim Einsteigen in ihr  Auto betrachtet. 
  191. Es gibt keinen sachlichen Grund, Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger als gleichwertig aufzufassen. Nur allein die Autos, nicht Radfahrer und Fußgänger sind die Ursache für zahlreiche Krankheiten, ästehtische Verwüstungen und Atomisierung der Gesellschaft. Das müsste genügen, die Rede von der Gleichwertigkeit aller Gruppen von Verkehrsteilnehmern endgültig zu beenden. Eine Stadtplanungsbehörde kommt doch auch nicht auf die Idee, eine Schweinemästerei mit einem Wohlhaus gleichzusetzen. 
  192. Die letzten finanziellen Möglichkeiten des Staates, d. h. die  durch Steuern eingenommenen Gelder, werden zur Aufrechterhaltung einer zukunftslosen Autoindustrie ausgegeben.
  193. Das konnten die Städteplaner und Häuserbauer in den sechziger Jahren wirklich nicht ahnen, dass die Anzahl der erwachsenen Bewohner eines Hauses die gleiche Anzahl von für Autos fordert. So kommt es, dass vor einem normalen Einfamilienhaus ständig vier Autos bewegt werden.
  194. Die Kritik des Autos traut sich immer weniger, direkt und  unverblümt das Auto zu thematisieren. Ausdrücke wie "Postmoderne Mobilität", "Entdeckung der Langsamkeit" sind Beispiele für diese Strategien der Vorsicht. Keine traut sich mehr, hier Tacheles zu reden, wie es der Gegenstand verlangt.   
  195. Eine Zeitungsmeldung: "Die neue Umgehungsstraße entlastet mehrere Stadtteile." In dieser Aussage wird implizit gesagt, was der Autoverkehr ist, nämlich eine Last bzw. Belastung.
  196. Auto fahren oder sich vor den Fernseher zu setzen verlangt die denkbar geringste Kraft und Willensanstrengung. Das mag für kranke Menschen angemessen sein (, was ich übrigens  nicht glaube), aber ist ansonsten eine ständige Unterforderung, die eine ständige physische und psychische Abwärtsspirale in Gang setzt. 
  197. Ohne Zweifel wirkt Technik.  Täuschung entsteht dann, wenn die Leistungen der Technik als die eigenen interpretiert werden.
  198. Das Auto ist ein Ermöglicher - leider bei weitem mehr von zerstörerischen Prozessen. 
  199. Hermann Hesse schreibt 1949 in dem Gedicht "Mit dem Auto über den Julier" u. a.: "Einst Heer- und Pilgerweg, und jetzt Von schnurrenden Maschinen abgewetzt  Mit Menschen darin, die alles hätten, Sich aus dem Lärm ins Sommerglück zu retten, ..." Warum tun sie es nicht?
  200. Vom "umweltfreundlichen" oder "umweltfreundlicheren" Auto zu sprechen, ist sachlich absolut falsch, es gibt bestenfalls nur "weniger umweltschädliche"   Autos. 
  201. Nach Sokrates vollzieht niemand willentlich schlechte Handlungen. Die schlechte Handlung wird immer durch subjektiv "gute" Gründe verfälscht. Das gilt auch für habituelle Autofahrer. Ziel muss sein, diese Rationalisierungen bewusst zu machen und somit zu problematisieren, so dass selbstkritisches Denken zumindest möglich wird.  
  202. Heute sind  alle Städte  autogerecht,  davon  kann ich apriorisch ausgehen.
  203. Steht das Auto vor einer Götzendämmerung?
  204. Drei große Limousinen der Familie stehen vor dem Haus - ein Hauch von Trash  beherrscht die Szene. 
  205. Habituelles Autofahren und Fernsehkonsum weisen auf einen schwachen Willen.
  206. Von meinem Wertesystem aus gesehen halte ich es für unanständig, Mitglied eines Automobilclubs zu sein - von ganz wenigen Situationen abgesehen. 
  207. Was für ein Wahnsinn, für jeden Einkauf eine Autofahrt. 
  208. Das nahezu autofreie Fextal bei Sils Maria in der Schweiz ist ein Beleg dafür, dass man zumindest im Urlaub nun wirklich kein Auto braucht.  Übrigens bleibt hier im Winter der Schnee weiß. Als Formel: Vom autofreien schnee-weißen Fextal in die autoreichen schmutzigen Niederungen. 
  209. Ein halbwegs vernünftiger Umgang mit dem Auto heißt: a) Fahre nie mit dem Auto in den Urlaub, b) gehe bzw. fahre mit dem Rad alle Distanzen unter fünf Kilometer, c) wenn du am Berg wohnen willst, muss du es zu Fuß erreichen. 
  210. Einen Tunnel unter einer verkehrsreichen Straße für Fußgänger und Radfahrer empfinde  ich  so, wie Ratten in Kanalisationen abgedrängt werden. 
  211. Auf einer Forststraße, auf der  normalerweise keine Autos fahren. Nun kommt doch eins: Plötzlich sind wir von einer stinkenden Wolke minutenlang umgeben. In der Stadt riechen wir die Emissionen nicht mehr, übrigens kleine Kinder auch nicht.  Erkenntnis: Du musst erst im Wald einem Auto begegnen, um mitzubekommen, wie sie stinken. 
  212. "Das Skigebiet ist nur 15 Autominuten von unserem Hotel entfernt" steht im Prospekt. Hier handelt es sich um eine Zerstörung von Räumen im Bewusstsein. 
  213. Die Existenz von Autoparteien zeigt auch, dass vom Auto her eine Gesellschaft gedacht werden kann. Ein solches Denken beschränkt sich aber nicht nur auf die Mitglieder genannter Parteien. 
  214. Die Fahrbahn einer Straße ist vielleicht sieben bis zehn Meter breit, aber vom Standpunkt der Bewohnbarkeit  bildet sie eine durch Lärm und Gestank ausgefüllte unbewohnbare zwei- bis dreihundert Meter breite Schneise. 
  215. Autofahren  ist aus sinnlicher Perspektive nahezu sinnenlos, d. h. schlechte Abstraktion.
  216. Es gilt, die Faszination, die das Auto auf viele Menschen ausübt, zu entideologisieren
  217. Wo keine Autos sind, kann Schönheit beginnen. Die Abwesenheit von Autos ist zumindest notwendige, wenn auch nicht hinreichende Bedingung für Schönheit. 
  218. Eigenbewegung ist Leben. Fremdbewegung, wenn auch oft notwendig, ist Lebensersatz. Wenn ich von A nach B mit dem Zug oder Auto fahre, er-lebe ich nicht die Strecke. Vielleicht erlebe ich im Zug eine soziale Situation. 
  219. In der Fremdbewegung nimmt die Umgebung in der Wahrnehmung  traumhaften Charakter an. Diesen Zustand zunehmender Entwirklichung teilt sie  mit Bildern und Filmen. 
  220. Die Verkörperung des Geistes ist ein aktiver Vorgang, d. h. das Geistige setzt sich in körperliche Bewegungen um. 
  221. In Analogie zu "Schwerter zu Pflugscharen machen"  nun  die Maxime ausgeben "Autos zu öffentlichen Verkehrsmitteln  machen".
  222. Das Auto ist ein Krankheitserreger, der verschiedene Krankheiten auslöst. 
  223. Das Auto hat die Schönheit ganzer Landschaften auf kleine und kleinste Inseln reduziert. Deswegen ist das starre, auf eine Perspektive beschränkte Photo so populär. 
  224. Autofahrer setzten ihre Interessen mit der Waffe Auto durch und wollen Welterfahrung ohne Anstrengungen, aber das geht nicht.
  225. Mit dem Auto fahren ist zumindest physiologisch gesehen Lebensverneinung
  226. Eigentlich müßten alle Dresdener, die für den Bau der sogenannten Waldschlößchenbrücke (welch eine Verniedlichung!) gestimmt haben, aus Dresden ausgesiedelt werden, weil sie ihr riesiges Erbe ohne Not verspielen. 
  227. "Immer im Stau und immer wieder auf der Suche nach einem teuren Parkplatz, als wenn das Freiheit bedeutete" (Marten´t Hart).
  228. Zeitgemäßer Urlaub: Sie fahren mit dem Auto zum hiesigen Flugplatz, von dort mit dem Flugzeug in das Feriengebiet. Dort leihen sie sich ein Auto und erkunden dieses Gebiet in einem Radius von dreihundert Kilometern. Selbstverständlich sind sie auch mit der Gondelbahn auf den berühmten Berg gefahren. Sie hatten also viel Bewegung, aber nahezu keine Eigenbewegung. Nur im Hotel mußte man laufen,  allerdings gab es Fahrstühle. 
  229. Das Auto ist in wenigen Fällen notwendig, ansonsten bedient es wie Persönlichkeitsdefizite, Bequemlichkeit, Aggressivität, Wichtigtuerei, körperliche und geistige Faulheit, Prestigebedürfnis, Angstminderung gegenüber der sozialen Umwelt, Machtstreben, Abwehr von Weltbegegnungen.  
  230. Versuch einer Erklärung, warum habituelle Autofahrer derartig kritikresistent gegenüber ihrem Tun sind: Sie sehen das Auto nur aus der Binnenperspektive.  Im Auto sind die Insassen  hermetisch vom Gestank und Krach abgeschlossen, visuell haben sie nur einen kleinen Ausschnitt von der  jeweiligen Verkehrssituation, der zudem durch die Autoscheiben und durch die Flüchtigkeit der Objekte den Zustand einer  merkwürdigen, fast träumerischen  Unwirklichkeit annimmt. Habituelle Autofahrer  haben keine ernsthaften Erfahrungen  mit Autos aus der Außenperspektive, wie man sie von einer Fußgängerbrücke über eine Umgehungsstraße aus bekommt oder erleidet, wenn man eine längere Strecke an einer viel befahrenen Straße läuft. Da die Autofahrer diese Unterschiede nicht machen, müssen sie gegenüber dem Individualverkehr unkritisch werden, denn "Kritik" kommt von krinein, d. h.  trennen, scheiden, urteilen. Zudem ist nach dem Goedelschen Unschärfetheorem  ein hinlänglich komplexes System nicht in der Lage, sich selbst abzubilden bzw. zu reflektieren und das ist genau die Unfähigkeit der habituellen Autofahrer.      
  231. Es gilt: Wenn das Auto vor der Tür steht, dann läuft auch der Fernsehapparat. Und es gilt ebenfalls: Wenn der Fernsehapparat nicht läuft, dann steht auch das Auto nicht vor der Tür. 
  232. Insbesondere die  modernen Vorstädte, die bereits in der Planung   vollkommen autogerecht angelegt worden sind, verhindern fast zwangsläufig eine kritische Einstellung zum Auto. Alles deutet auf Bestätigung, nichts auf eine Alternative hin.
  233. Konzentriert Eure Wahrnehmung und Euer Denken auf den Auspuff eines startenden und fahrenden Autos - und meine Kritiik wird wirksam. Beim Fahren werden ständig große Mengen schädlicher Emissionen aus dem Auspuff  herausgepreßt - Stunde um Stunde. Hier wirkt größte negative Kraft.   
  234. Was oder wer kommt zuerst? Das Auto oder der Mensch?
  235. Dass die großen Straßen und die alten Viertel in den Städten unbewohnbar geworden sind, ist ausschließlich auf das Auto zurückzuführen. Keiner will dort mehr wohnen und zieht sofort weg, wenn es seine wirtschaftliche Lage es erlaubt.               
  236. Die großen Nachteile des automobilen Individualverkehrs (übrigens ein mißverständlicher Ausdruck, deswegen füge ich das Adjektiv "automobil" hinzu)  werden verdrängt, die Vorteile werden  oft ideologisch überhöht.  
  237. Im Urlaub und beim Wohnen bestehen die größten Chancen, dass Menschen sich von der Autoabhängigkeit befreien. 
  238. In dem Kommentar "Der Tod des Autos wäre das Ende vieler Krankheiten" (erschienen in dem Onlinemagazin "Iley")  bestimme ich das Auto als eine Krankheit, genauer: Das Auto ist nicht krank, sondern das Auto ist eine Krankheit. Warum? Wesenhafte Eigenschaften des Autos wie die Produktion von Emissionen,  hohe Geschwindigkeiten,  Verpanzerung  lassen keine andere Wahl zu, als das Auto als eine Krankheit zu bezeichnen.  Die Krankheit "Auto" löst wiederum eine Reihe anderer Krankheiten bei all den Dingen und Lebewesen aus, die mit dem Auto in Berührung kommen. Die Autokrankheit steckt also nicht an, sondern löst andere Krankheiten aus. Zu überlegen wäre, ob die Krankheit "Auto" nicht teilweise Eigenschaften besitzt, die sich auch in den von ihr ausgelösten Krankheiten  zeigen: Verpanzerung und  zunehmende Kommunikationsunfähigkeit, Emissionen und Bronchialkrankheiten, hohe Geschwindigkeit und Hyperaktivität. Mit diesen Bermerkungen versuche ich übrigens  die Schwierigkeiten produktiv zu machen, die grundsätzlich immer dann entstehen, wenn man materielle Dinge mit Lebewesen gleichsetzt, also z. B. dem Auto eine Krankheit  zuschreibt.  
  239. Anthropozän ist die Bezeichnung für dasjenige Erdzeitalter, in dem die Einwirkungen menschlicher Aktivitäten auf die Umwelt eine mit natürlichen Einflüssen vergleichbare Dimension erreicht haben. Ohne das Auto wäre die Endphase dieser Transformation nicht möglich gewesen. 
  240. Auch die Kritik des Autos ist,  richtig verstanden  wie wohl jede Kritik, eine relative, d. h. es geht um ein vernünftiges Verhältnis zu ihm.  Eine vernünftige Maxime wäre hier "So wenig wie möglich". 
  241. Wenn man Menschen nicht zu den Autos zählt, sieht man auf den Straßen der Vorstädte und Dörfer keine Menschen mehr. 
  242. Wer ein Feriengebiet liebt, nimmt im Urlaub nicht sein Auto mit - das ist das wenigste, was man tun kann.  
  243. Ich hole die Enkel mit  dem Zug ab: Eine aus Rußland stammende Mutter erzählt von Omsk, ein älterer Herr, der  seit Geburt blind ist, erstaunt  uns, was er alles kann und zu erzählen weiß, einer Mutter mit Kinderwagen helfen wir beim  Aussteigen, der freundliche Kaffeeanbieter schenkt uns Bornbons  - insgesamt ein kleiner sozialer Kosmos auf Zeit.  
  244. Man stelle sich hinter ein startendes Auto und man  kann problemlos nachvollziehen, wenn es als "Stinker" bezeichnet wirdDie Autofahrer denken, sie befänden sich in einer realen Welt, nein, sie sind  zumindest eine  halbierte Welt in Richtung Scheinwelt
  245. Man stelle sich folgendes Szenario vor: Ab sofort könnten oder dürften keine Autos mehr fahren. Das wäre für viele Menschen fast lebensbedrohend, denn sie kennen nicht den nächsten Kaufmann, wissen nicht, wie man zu ihm kommt, denn ihnen sind nur die großen Hauptstraßen bekannt; auch   kennen sie sie keine Bus- und Zugverbindungen, wissen nicht, wie man zu Karten kommt; sie haben nicht die Kondition, weitere  Wege zu Fuß oder mit dem Rad zurückzulegen.
  246. Für das Auto gibt es keine rationalen Argumente, nur das reine Wollen entscheidet. Hier herrschen die Sucht, der Egoismus, die Vereinzelung, die Aggression, die Leere, die reine Bequemlichkeit, die Angst, die Oberflächlichkeit und die Rationalisierung. Gegen das Auto sprechen alle rationalen Argumente, aber diese Vernunft des Lebens  hat keine reale Macht. 
  247. Das Auto fährt zwar, aber man macht als Fahrer und Mitfahrer keine Erfahrungen von der jeweiligen Umwelt. Nur im Falle eines Unfalls, bekommt man  zu ihr  direkten Kontakt. Fazit: Wer fährt, macht keine Erfahrungen. Er befindet sich, was Außenbeziehungen betrifft, im Zustand der Uneigentlichkeit.   
  248. Beim Autofahren entsteht in der Regel ein falsches Bewusstsein, denn dort wird the  territory  tendenziell zur map (= Umkehrung des Satzes von Alfred Korzyski "the map is not the territory")  Bei Nutzung des Navigators ist diese Transformation vollendet.
  249. Beim Autofahrer werden Muskeln und Knochen kaum aktiviert, so von 639 Muskeln  lediglich 64  mit minimaler Beanspruchung.
  250. Für viele Menschen ist das Auto der Ermöglichungsgrund für die Erfüllung aller Sehnsüchte, die bis in die Sphäre des Religiösen reichen. Deswegen gibt es viele Menschen, die eine fundamentale Kritik des Autos als eine Art Gotteslästerung empfinden. 
  251. Ich kann mich nicht des folgenden Eindrucks erwehren: Je häufiger und weiter  ein Mensch mit dem Auto fährt, um seine Konsuminteressen zu decken, desto weniger Zeit hat er. 
  252. Ein absoluter Indikator für Anwesenheit von Menschen: Wenn sein (oder ihr) Auto  vor der Tür steht, ist er (oder sie) mit Sicherheit zu Hause. 
  253. Ein kürzlich gehörtes Argument zur Verbesserung der Verkehrssituation: "Die Kinder spielen dank neuer Technologien nicht mehr auf den Straßen, ebenfalls sieht man   dort nahezu keine Fußgänger oder Radfahrer mehr. Warum sie nicht konsequent für den Autoverkehr umbauen?
  254. Den religiösen Charakter des Autos thematisiert eindrucksvoll die Dramatikerin und Regisseurin Gesine Danckwart in dem lesenswerten Artikel " "Endlich weg. Fahren!" (Die Zeit, Nr. 3, 2009, auch im Internet).
  255. Das Auto macht einen Großteil der Produktion  aus, hinzu kommt, dass das Auto erst der   Ermöglichungsgrund  vieler anderer Produkte, Strukturen, Verhaltensweisen, Veränderungen  ist, die es ohne die Existenz des Autos gar nicht gäbe.
  256. Das  Auto steht für schlechten, die Eigenbewegung für guten Individualismus. 
  257. Grundsätzlich ist jede Autofahrt gegenüber der  natürlichen und sozialen Umwelt als auch gegen die Autoinsassen selbst schädlich. Man sollte also nur ins Auto steigen, wenn ein überzeugender Grund vorliegt. 
  258. Ein Ferienregion ist langfristig gut beraten, wenn sie ihre Verkehrsstruktur nicht dem Modell der Optimierung des  Individualverkehrs anpasst.  
  259. Ich will keine neuen Straßen und Brücken, sondern höchstens Tunnel, die den Autoverkehr optisch und olfaktorisch verschwinden lassen.  
  260. Die direkten negativen Wirkungen des Autofahrens sind schlimm, aber die indirekten negativen Wirkungen, die das Auto als Möglichkeitsraum eröffnet,  sind noch viel schlimmer: die Veränderung der Wahrnehmung und des Denkens, des Verhältnisses zu Raum und Zeit und zu den Dingen, nicht zuletzt zum Menschen, alles in Richtung schlechter Abstraktion. Kurz: die Umformung der Lebenswelt in eine reale und virtuelle Autowelt. 
  261. Trennt Euch von der falschen Vorstellung, dass Autofahren etwas Schönes sei. Nein, es ist selbst sinnen- und sinnlos.
  262. "Befreiung: Auto abschaffen" (Überschrift eines Interviews mit Ulrich Grober, dem bekannten Autor  des  Bucherfolges "Vom Wandern. Neue Wege zu einer alten Kunst" in den Ruhr-Nachrichten vom 7.1.09)
  263. Die offensichtliche Freude, die Menschen empfinden, wenn das Wummern,  Aufheulen und Donner ihrer Motorräder  ganze Landschaften und Stadtteilen überziehen, kann ich nur als krank empfinden.  
  264. Ein bezaubernder Film über Südtirol mit  hochästhetischen Bildern von Wiesenmatten, Burgen, Stadtdetails, lachenden Menschen, Weingläsern, idyllischen Seen und   Pflanzen. Allerdings sieht man kein Auto, obwohl es auch dort in der Realität allgegenwärtig ist. Drückt sich in diesem Film ein autofreier Traum aus?
  265. Es ist schon paradox: Orte werben nicht mit Vorhandenem, sondern mit Abwesendem, so mit autofrei.
  266. Ein sehr dicker Mann steigt auf dem Parkplatz des Bäckers mit großen Schwierigkeiten aus seiner Limousine, zurück, zum 300 Meter entfernten Wohnhaus die gleiche anstrengende Prozedur. 
  267. Ich kenne viele Leute, die größere Strecken weder zu Fuß oder mit dem Fahrrad noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen. Sie steigen immer ins Auto. 
  268. Ein Nachbar: "Gestern stand ich auf dem Parkplatz xy."  Wer ist wohl in diesem Satz das Ich?
  269. Wie anfangen? Es gibt bereits mehrere autofreie Siedlungen, Inseln und kleinere Ferienorte. Ich vermute, die größte Offenheit  für den Wandel  besteht in der Feriensituation.
  270. An einem frostigen Morgen. Nicht wenige Autofahrer lassen erst einmal ihren Motor im Stehen laufen, "damit es innen schön warm ist" (Zitat eines dieser sensiblen Menschen).  Die Luft ist mit Benzingestank erfüllt, vorbeigehende Schulkinder husten. 
  271. Jede Landschaft, und sei es die schönste, wird zerstört, wenn sie für den normalen Autoverkehr erschlossen ist. 
  272. Wer täglich seine Einkäufe mit dem Auto in den  Einkaufszentren am Rande der Stadt tätigt, schafft Hässlichkeit.
  273. Die Dominanz der Nutzung des Autos hat eine Konzentration aller größere Einrichtungen wie Krankenhäuser, Einkaufszentren, Schulen, Ärztehäuser, Schulen, öffentliche Ämter usw. erzwungen. Damit diese gut erreichbar sind, liegen sie an breiten Straßen und sind mit großen Parkplätzen ausgestattet.  Eine Folge ist, dass es keine kurzen Wege mehr gibt. Die Autofahrer haben sich selbst eine Struktur erschaffen, die ihrer ständigen Fahrerei fast eine gewisse Plausibilität verleiht. Dazu passt auch folgende Beobachtung: Autofahrer meiden konsequent Einrichtungen im Nahbereich, denn ist die mit dem Auto zurückgelegte Strecke zu kurz, scheint selbst ihnen die Idiotie des "Wenn-ich-das-Haus-verlasse, -steige-ich-immer -zuerst-in-mein-Auto" wohl kurz aufzuleuchten. 
  274. Das Wesen des Gefängnisses besteht darin, Kontakte mit der Außenwelt zu minimieren. Aus soziologischer Perspektive sind das Auto und der Fernsehapparat die großen  Kontaktvernichter in der gegenwärtigen Gesellschaft. So gesehen kann man das Auto und den Fernseher als selbstgewählte Gefängnisse interpretieren, in denen sich die meisten Insassen sich wohl fühlen - oder doch nicht? 
  275. Das Auto hat ein großes Zerstörungspotenzial (Klima, Gesundheit, Siedlungsstrukturen, Kommunikation, Ästhetik usw.).  Dieses Faktum nicht zu akzeptieren, ist Ideologie. Deswegen ist es falsch, dass Auto mit dem Fußgänger und Radfahrer ethisch und juristisch gleichzusetzen. 
  276. Nicht der Mensch, sondern die Nutzung des Autos ist eine wesentliche Ursache für die Klimaverschlechterung. 
  277. Alle Autofahrten werden begründet: Das reicht vom Krankentransport bis "Ich fahre so gern", aber es findet so gut wie nie eine Zuordnung zu den Schäden statt. 
  278. Die Leere einer Autobahn und die Fülle des Waldes. 
  279. Ohne Bildung mit dem Auto durch eine Landschaft zu fahren ist ein doppelter Mord, eine Art Overkill.  
  280. Nicht Fußgänger oder Fahrradfahrer bevölkern die Straßen, sondern man sieht nur noch mehr oder weniger große, panzerähnliche Fahrzeuge,  in denen hermetisch von der Umwelt abgeschottete  Menschen gefesselt hocken.  Es gibt keine Kommunikation und Blickkontakte, sondern nur geregeltes Aneinandervorbeifahren von Autos.  
  281. "Bewegungslos, wie tot: Das moderne Moskau droht im Autoverkehr zu ersticken.  Mehr als 400 000 Autos fahren täglich auf Moskaus Straßen; berücksichtigt man den Durchgangsverkehr, sind es deutlich mehr als 600 000" (Flensburger Tageblatt).  Und jeder dieser Autofahrer denkt sicherlich, er sei  nicht Ursache dieses Gesamtstaus, sondern die anderen. Übrigens ist jede Stadt  heute Moskau. 
  282. "Der einzige Luxus, den Gräfin Maria Dönhoff  niemals verbarg: ihre geliebten Automobile, mit denen sie sich schon in ihren Studentenjahren vergnügte, als alle Welt, die Professoren nicht ausgenommen, zu Fuß ging oder sich des Fahrrads bediente" (Klaus Happrecht). Heute hat eine Umkehrung stattgefunden: Alle Welt fährt Auto und nur einige wenige gehen zu Fuß oder fahren mit dem Rad. 
  283. Ein Ausdruck von zeitgemäßer Elternliebe: Sie haben jedem der zwei studierenden Söhne eine große Limousine gekauft und finanzieren zudem deren laufenden Kosten.  
  284. Das Auto ist  das reale und symbolische Zentrum in unserer Gesellschaft. Wenn der notwendige Wandel hier nicht ansetzt, wird nur an der Oberfläche verändert. Mit anderen Worten: Wenn ökologische Politik das Auto in ihrer Kritik ausspart, verzichtet sie auf substanzielle Politik. 
  285. Wer im Auto fährt, erfährt nichts. 
  286. Von einem habituellen Autofahrer zu fordern, er solle doch auch den Bus in Anspruch nehmen oder gar mit dem Rad fahren, würde auf   gleiches Unverständnis stoßen, wenn man zu mir sagte, ich solle die Suppe nicht mit dem Löffel, sondern mit der Gabel einnehmen.
  287. Wir sind permanent von Giftschleudern umgeben, deren Emissionen, wenn in das Wageninnere gelenkt, tödliche Folgen für die Insassen hätte. Nur wenn man in ihnen sitzt, ist man relativ geschützt. 
  288. Es ist Dezember. Auf dem Bürgersteig vor dem Haus stehen zwei Kinder in teuren Markenklamotten, aber ihre Gesichter sind fahl und blass, sie zittern vor Kälte. Es dauert eben, bis die Mutter das Auto aus der Garage geholt hat, um sie  zu irgendeinem Zusatzunterricht in den anderen Stadtteil zu fahren. 
  289. In der Geschichte und in der Gegenwart gab und gibt es Opfer. Opfer leiden unverschuldet existenziell bis hin zum Tod. Davon ist strikt die Opfermentalität zu unterscheiden, die aus jeder Widrigkeit einen unüberwindbaren Schicksalsschlag macht, der  von der Gesellschaft oder von anderen Menschen erzeugt wurde und scheinbar nicht abgestellt werden kann -  schon gar nicht von ihnen selbst, den "Opfern". Dass diese Haltung sich so rasant verbreitet, liegt auch daran, dass immer mehr Menschen in den elementaren Lebensvollzügen passiviert werden bzw. sich selbst passivieren, nämlich Ortsveränderung nur noch mit dem Auto "bewältigen" und ihre Freizeit stundenlang vor dem Fernsehapparat verbringen, kurz: Eigenbewegung durch Fremdbewegung ersetzen.  
  290. Im Auto materialisieren sich alle Ziele und Bestrebungen der modernen konsumorientierten Gesellschaft: Schnelligkeit, Bequemlichkeit, Erreichbarkeit eines jeden Ortes zu jeder Zeit, Anonymität, Individualismus, formale Gleichheit, Verabsolutierung von einer Funktion, Herrschaft, Lebensprozesse in technische Prozesse überführen, Dominanz und Wertschätzung der Makrobereiche,  Grenzenlosigkeit, Tod des Subjekts, Vereinheitlichung der Welt.
  291. Im Wald  festgefahren hat sich ein Busfahrer, weil er seinem Navigationsgerät vertraute - und nicht sich selbst. 
  292. Wäre es nicht schön, wenn auf den Straßen Menschen liefen statt nur von Autos befahren zu werden?
  293. Der Autoinsasse verdinglicht sich selbst bzw. stellt seine Lebendigkeit still. 
  294. Der erste Schnee ist gefallen und der vierjährige Junge ruft freudig aus: "UnserAuto hat Winterreifen".
  295. Die Wiedereinführung der Pendlerpauschale ist ein leicht errungener Sieg über unsere Enkelgeneration.  Ich befürchte, weitere derartige Siege werden folgen. Die nachfolgenden Generationen haben in der Gegenwart keine politische Heimat von Gewicht. 
  296. "Die Grenzen des Automobils!  Wir müssen wohl oder übel erkennen, dass die weltweite Absatzkrise der Automobilindustrie im Kern ein Ausdruck dafür ist, dass das Auto als dominantes Verkehrsmittel  seine absoluten Grenzen erreicht hat. Die Grenzen sind die negativen Auswirkungen auf das Klima, die zunehmenden  Verkehrsinfarkte  in den Städten,  die  Zerschneidung von Landschaften durch immer enger werdende Straßennetze,  die  physischen und psychischen  Belastungen für die menschliche Gesundheit sowie die abnehmenden Energieressourcen. Ich sehe allerdings in dieser sicherlich äußerst schwierigen Situation auch die Chance, andere Formen der Mobilität zu entwickeln, die mit mehr Lebensqualität verbunden sind" (ein Leserbrief).
  297. Autostrukturen sind entweder vollkommen leerer Raum oder vollkommen ausgefüllt mit Autos mit entsprechendem Lärm, Gestank, Häßlichkeit und Gefahren für alle  Lebewesen, wenn sie nicht durch Stahl und Glas, nämlich im Auto teilweise, d. h. ohne Unfälle,  geschützt sind.
  298. Warum fahre ich so leidenschaftlich ungerne Auto? Weil Autofahren in körperlicher, geistiger, sozialer, ästhetischer und ethischer Hinsicht eine unzumutbare Unterforderung ist.  
  299. Wer seine nähere Umgebung nicht begeht, sondern  nur durchfährt, kann eigentlich kein Heimatgefühl entwickeln. Im Begriff der Heimat ist die Grenze virulent. 
  300. Beim Autofahren wird eine Landschaft zu einer Strecke degradiert. 
  301. Eine Landschaft zu Fuß durchwandern oder mit dem Auto  durchfahre verhält sich, wie wenn ich eine Frau in den Arm nehme oder sie auf einem Bild  flüchtig betrachte.
  302. "Sich auf den Weg machen" heißt eben nicht, sich ins Auto setzen. Wer sich da ins Auto setzt, zerstört einen ursprünglich aktiven Impuls, er ist ein Bremser.
  303. Das Auto und die modernen Informationstechnologien sind Ursache für nahezu alle Veränderungen, die die Gegenwart auszeichnen. Das Auto einschließlich seiner notwendigen Infrastrukturen halte ich für eine durch und durch destruktive Entwicklung, während ich Informationstechnologien, wenn sie nicht zum Zwecke der Zerstreuung eingesetzt werden, als sinnvoll einschätze, zumal sie in ihrer Erscheinungsform schon wegen ihrer Größe nicht  massiv Häßlichkeit erzeugt. 
  304. Fremdbewegung  ist nur dann sinnvoll, wenn sie das Ziel hat, Eigenbewegung zu ermöglichen. Fremdbewegung darf nie Selbstzweck sein. 
  305. Wer im Modus der Fremdenergie die Welt befährt, erlebt fast nichts.
  306. Maxime: So wenig Fremdbewegung wie nötig, so viel Eigenbewegung wie möglich. Hier gilt es, beide Bewegungsarten in  Einklang zu bringen,  wie es übrigens auch gilt, äußere Eigenbewegung und  innere Eigenbewegung richtig zu proportionieren. 
  307. Früher hatten Nachbarn und Bekannte ein Gesicht, heute haben sie ein Autokennzeichen mit den Anfangsbuchstaben ihres Vor- und Nachnamens.  
  308. Was ich bisher gelesen und beobachte habe, könnte problemlos auf zwei Drittel der Autofahrten verzichtetet werden, wenn ein Gefühl  der Verantwortung für Natur, Schönheit, Lebendigkeit, Kommunikation, für Stadt und Land  vorhanden wäre, wenn nicht Slogans und Maximen wie "Freie Fahrt für freie Bürger",  "Wo kann ich am billigsten einkaufen",  "Wie komme ich am bequemsten ( d. h. bewegungslos)  nach A",   oder "Mein Ich offenbart sich in meinem Auto"  die Gehirne beherrschen würden  Wegen dieser Irrationalität wird z. B. die sogenannte Waldschlößchenbrücke ("sogenannt", weil verniedlichend)  bei Dresden gebaut. 
  309. Es gibt meiner Ansicht nach kein Ding in der heutigen Gesellschaft, das  wie das Auto die normative Kraft des Faktischen in diesem Ausmaße verkörpert. Nur so kann ich mir erklären, dass die offensichtlich großen Zerstörungen durch das Auto ständig verdrängt, beschönigt, nicht zur Kenntnis genommen werden.  
  310. Nur die Ferienregion, die massiv das Auto zurückdrängt, hat eine Zukunftschance.
  311. Die Umwandlung von Trampelpfaden  zu Autobahnen ist mit großen Verlusten erkauft worden. Hätte sich nicht der Individualverkehr durchgesetzt, wäre manche dieser Umformungen nicht nötig gewesen.  
  312. Jemand, der prinzipiell jede Ortsveränderung mit dem Auto zurücklegt, ist ein Extremist im Sinne eines Verabsolutierens. 
  313. Das Auto wird für immer mehr Menschen eine Art Krücke, ohne die sie sich nicht mehr bewegen können. 
  314. Reduziertes Leben als Norm: Es ist ein regnerischer Spätnachmittag Herbst. Ich gehe durch eine Straßen ohne Bürgersteige. Ein Auto hätte mich fast übersehen, der Fahrer öffnet das Fenster und ruft gegen den Wind: "Jeder vernünftige Mensch sitzt bei diesem Wetter entweder im Auto oder vor dem Fernsehapparat, aber du läufst hier herum, das ist unverantwortlich."Die Widersprüche, die das Auto in der Gegenwart erzeugt, müssen zwangsläufig zum Umdenken und Um-handeln führen - zumindest ist das meine Hoffnung. 
  315. In der Pädagogik spricht man vom "hidden curriculum", dem geheimen Lehrplan. Ich denke deshalb, dass die Autofahrer, die Mitfahrer und die transportierten Kinder einerseits lernen, ich kann von A nach B mit dem Auto fahren, andererseits aber unbewusst die Botschaft aufnehmen, man kann alles ohne Anstrengung erreichen.  Das Davor und das Danach kommt darin nicht vor. 
  316. Was passiert eigentlich mit dem Bewusstsein von Erwachsenen und  erst recht mit dem von Kindern, wenn jede Distanz über hundert Meter mit dem Auto zurücklegen wird?  Was passiert mit deren Ich-Stärke?
  317. Die direkte sinnliche Wahrnehmung der Außenwelt  ist beim Autofahren  minimal. Maximale Welterfahrung  ist aber nur möglich durch die Aktivierung und Intensivierung möglichst aller Sinne.  Findet das nicht statt, verblasst und verschwindet reale Welt.
  318. Weggehen ist nicht  Flüchten, und Weggehen und Bleiben sind anthropologische Konstanten. Der konsumorientierte Mensch ist ein Fluchtwesen, d. h. das Weggehen hat sich nahezu zum Standardverhalten entwickelt. Das Auto ermöglicht das reale Flüchten, der Fernseher das Flüchten in die von der Bewusstseinsindustrie produzierten Imaginationen.  
  319. Das Auto ist allgegenwärtig. Ein Beispiel: Der erste größere Schnellfall in diesem Jahr (ich vermeide das Wort Wintereinbruch, denn in "Einbruch" sind viele negative Konnotationen enthalten) Die Titelseite der Zeitung zeigt einen Schneepflug, der eine Straße für Autos wieder befahrbar macht.  Warum wird keine schöne Winterlandschaft gezeigt?
  320. Zuerst bestimmt der Konstrukteur das Auto, dann bestimmt das Auto seine Benutzer. 
  321. Eine generelle Verminderung des Treibstoffverbrauchs von Autos wäre zu begrüßen, kann aber  nur als eine Teillösung betrachtet werden: die Emissionen  würden reduziert, aber der weitaus größeren Probleme, die durch das Auto geschaffen werden, bleiben unangetastet. So die inzwischen universell gewordenen Strukturen, die ausschließlich auf das Auto ausgerichtet sind: alle Ortsveränderungen sind nur noch mit dem Auto möglich.  Damit auch die unmittelbaren negativen Folgen wie die  Unbewohnbarkeit der Städte, das Ende der direkten, spontanen Kommunikation, die Zunahme von Krankheiten, die psychischen Verwüstungen - um nur einige zu nennen. Übrigens vom grünen bzw. ökologischen Auto zu sprechen, weil es vielleicht nur drei Liter Treibstoff verbraucht,  ist ein  nicht zu rechtfertigender Kategoriensprung, denn es bleiben  Autos mit weniger die Welt und Menschen belastenden Emissionen. Das ist auch etwas durchaus Positives, aber kein Grund, die Logik der Sprache zu verlassen. 
  322. Das ständig habituelle Autofahren ist real eine der entscheidenden Ursachen für den Klimawandel,  aber es kann auch als Symbol unvernünftigen Denkens, Fühlens und Handelns aufgefasst werden.  Argumente wie "Ich fahre gerne Auto" oder  "Ich liebe  dieses neue kleinbusartige Modell  und muss es haben, weil der Nachbar es auch  hat"  haben zumindest heute jegliche Plausibilität und Berechtigung verloren.
  323. Die fast neunzigjährige Dame läuft täglich Tag bei jedem Wetter zu unserem Kaufmann. Ihre Nachbarn, ob jung oder alt, können es offensichtlich nicht mehr.
  324. Ich sitze in einem Cafe gegenüber einem Videoverleih. Ständig kommen und gehen Leute in den Laden, aber alle kommen mit dem Auto. Korrelieren Autofahren und Videokonsum? 
  325. Ich kenne viele Menschen, die jeden Tag mit dem Auto in das weitentfernten Einkaufszentrum fahren, obwohl sie in unmittelbarer Nähe einen "normalen"  Einkaufsmarkt haben. 
  326. Morgens am See: Keine Motorschnellboote, sondern nur ein Angler im  Ruderboot. Es geht doch!
  327. Dass der Autoabsatz stagniert, liegt sicherlich entscheidend daran, dass die  Nachfrage mehr als erfüllt ist. Die Autoindustrie hier zu subventionieren heißt, das Verhältnis von Angebot und Nachfrage massiv zu stören.
  328. Realisierte Neugierde ist immer auch riskant. Die Faszination von Auto und Fernsehen liegt auch darin, dass Neugierde ohne Risiko "ausgelebt" werden kann.  "Ausgelebt" deswegen in Klammern, weil  es kein Leben ist. 
  329. Die Menschen wollen nicht mehr in den Städten wohnen, weil diese durch das Auto unbewohnbar geworden sind.
  330. Die PKWs werden immer mehr und immer größer. Immer mehr  Kinder haben eigene Mopeds, ganze Landstriche werden zunehmend von aufheulenden Motoren beschallt,  Seen und Flüssen  werden zu Verkehrstraßen für Schnellboote und Wasserskijets. Sieht so eine Energiekrise aus?
  331. Es werden immer mehr Straßen gebaut bzw. erweitert und trotzdem nehmen die Staus zu. Irgendwie kennt man diesen Verlauf von der Fabel "Der Igel und der Hase".
  332. Mein Plädoyer für einen kritischen Umgang mit  dem Auto und letztendlich mit  Motoren  ist gleichzeitig ein Plädoyer für das Leben und für Lebendigkeit.
  333. Wenn Städte  und Fremdenverkehrregion überleben wollen, müssen sie ein negatives Verhältnis zum Auto entwickeln. "Negativ" heißt,  so wenig Autoverkehr wie nur irgendwie möglich zuzulassen.
  334. Um einen Blick für die Destruktionen durch das Auto zu gewinnen, muss man - so glaube ich - reale Benutzerdistanz zu ihm gewinnen, d. h. sehr selten oder gar nicht fahren, um so die Perspektive des Ethnologen zu bekommen.
  335. Statt das beschönigende und verfälschende Wort "Parkplatz" zu verwenden, sollte man realistisch von "Autostellplätzen" reden. .
  336. Während der Autofahrt wird die Wirklichkeit in der Wahrnehmung extrem reduziert, wobei die Ursache in der Geschwindigkeit liegt, beim Fernsehen wird die Welt durch Bilder ersetzt. 
  337. Wie viel Quadratkilometer ehemals bewohnter Flächen in jeder  Stadt  sind durch den Autoverkehr unbewohnbar geworden?  Ich vermute mindestens ein Drittel. 
  338. Das Auto macht nicht nur während des Fahrens passiv, sondern diese erzeugte Passivität breitet sich auf  andere psychische und körperliche Gebiete aus. 
  339. Es gibt wohl keine zwanglosen Gespräche auf Festen jeglicher Art, wo nicht kurz oder lang das Gespräch auf Autos kommt.
  340. Man geht nicht mehr zum Kaufmann, sondern fährt nur noch (selbstverständlich mit dem Auto) in das Einkaufszentrum.
  341.  Zwischen Rauchen und Autofahren gibt es wesentliche Gemeinsamkeiten, beide verschmutzen die Außenwelt und das Innere der Menschen, und beide gehen auf die Barrikaden, wenn von ihnen auch nur die kleinsten Einschränkungen verlangt werden. Beide nehmen dann fälschlicherweise den Freiheitsbegriff in Anspruch.
  342. Grünflächen sind gut für die Gesundheit (Kernaussage einer Studie). Wir brauchen also mehr Parks als Parkplätze, mehr Alleen als  Autostraßen, mehr Blumenrabatten als  Autostellplätze. 
  343. Es scheint so zu sein, dass Allgegenwärtiges, sei es Gutes oder Schlechtes, nicht mehr ins Bewusstsein dringt und vor allem nicht mehr kritisch bedacht werden kann. Nur so kann ich mir erklären, dass die Nachteile des Autos  von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung nicht wahrgenommen bzw. verdrängt werden.
  344. Nach Kräften bemüht sich der Schwarzdecken-Unterhaltungsverband unserer Region, die Straßen in Schuss zu halten. Doch diese Aufgabe wird immer schwieriger. Die Verkehrsadern werden zunehmend mehr belastet und die Gelder immer knapper. 
  345. Ich glaube, die große Präferenz für das Auto entsteht entweder aus dem Zustand der "Neugierdelosigkeit" und/oder der Angst, denn im Auto ist man hermetisch von der sozialen, natürlichen und kulturellen Umwelt abgeschirmt, durch den Navigator nahezu absolut.  Die Umwelt wird zu Symbolen und Bildern.
  346. Das Auto ist zu der  dominierenden Bewertungsquelle und Nutzung geworden, wenn es zumindest um alltägliche Infrastrukturen geht: Städte, Stadtteile, Wohnbezirke, einzelne Häuser werden nach dem Grad der Erreichbarkeit mit dem Auto bewertet, andere Qualitäten wie Schönheit, Stille, Belebtheit usw. werden zu sekundären Qualitäten. Die Abwesenheit von Autos kann nicht mehr als reale Möglichkeit gedacht werden.  Die dazugehörige Logik lautet: Wenn etwas nicht autokompatibel ist, seien  es ein  Naturteil, Bebautes oder ein Mensch, bist es schlecht. 
  347. Die nicht mehr mit normalen Denkmitteln zu erklärende und zu verstehende Blindheit gegenüber den unübersehbaren Nachteilen des Autos kann nur durch anspruchsvolle Theorien überwunden  werden. Ich denke, dass der Begriff Diapositiv aus der Diskustheorie von Michel Foucault diesen Anspruch erfüllen könnte.  Unter Diapositiv versteht Foucault "ein entschieden heterogenes Ensemble, das Diskurse, Institutionen,  architektonische  Einrichtungen, reglementierende Entscheidungen, Gesetze, administrative Maßnahmen, wissenschaftliche Aussagen, philosophische, moralische oder philanthropische Lehrsätze, kurz; Gesagtes ebenso wie Ungesagtes umfasst."  Wir müssen dieses Gesamt in Bezug  auf das Auto bestimmen, um zu erkennen, welch ungeheuer stabiles Netz uns daran hindert, die Destruktivität und Armseligkeit des Autos zu erkennen.
  348. Sie sind wirklich keine Reisekoffer, die ständig  in der Welt umherdüsen. Aber wenn man die Summe ihrer täglichen Autofahrten zusammenrechnet, kommt  auch schon eine kleine Weltreise zusammen. 
  349. "Die gemeinste Radarfalle Deutschlands: Ohne Blitz" (Überschrift eines Zeitungsartikels). Wer ist hier eigentlich gemein? Der prominente TV-Moderator, weil er innerhalb von zehn Tagen achtmal erwischt wurde, oder das technische Gerät? Das wäre so, als ob man das Barometer zerschlüge, das den Sturm ankündigt.
  350. Die Waldelefanten wissen es, denn sie haben Angst vor Straßen. 
  351. Gut sechs Stunden mußte eine Familie im Auto ausharren, bis ihr Auto in einer kostenlosen Aktion aufgetankt wurde.
  352. In der Außenperspektive ist die Destruktivität des Autos direkt, sinnlich, wahrnehmbar. Wenn man im Auto sitzt, kann man sich diese Destruktivität fast nur durch Denken erschließen. 
  353. Autostraßen sind von ihrer Funktion gesehen nur mit  Autos bestückt, ansonsten sind diese Verkehrswege (ideologischer Ausdruck, weil verniedlichend)   reduziert, homogenisiert, entleert. Menschen sind Fremdkörper, so dass man ihnen nur einige wenige  für sie  reservierte, auf wenige Sekunden zeitlich begrenzte,  schmale Korridore zugesteht. 
  354. Die Funktion, ja das Wesen einer Straße oder Weges besteht darin, Bewegung zu ermöglichen, da hat Statisches, bis auf den homogenen Untergrund, grundsätzlich keinen Platz. Die in dieser Homepage ausgedrückte und begründete Präferenz für Eigenbewegung und Kritik der Fremdbewegung erzwingen allerdings gegenüber dem dominierenden Auto einschränkende Bedingungen. 
  355. Der Mensch atmet täglich 23 000 Mal ein und aus. Wäre das nicht ein Grund, das Auto so wenig wie möglich in Anspruch zu nehmen? 
  356. Das Ziel der jeweiligen Autofahrt mag ja sinnvoll sein, aber der Weg dorthin hinterlässt eine Spur der Verwüstung. 
  357. Direkt vor dem Kolosseum in Rom befand sich vor der Zeit Mussolinis ein mittelalterliches Stadtviertel, das der Diktator abreißen ließ, so dass ein freier Platz mit breitspurigen Straßen entstehen konnte. Zumindest für das Kolosseum selbst wäre es besser gewesen, wenn dieser Umbau nicht hätte stattgefunden.
  358. Wenn wir Motoren als das betrachten, was sie wirklich sind, nämlich moderne Sklaven, dann müßte zumindest langsam die Einsicht dämmern, dass Sklaven, wenn auch nicht heute, aber so doch in der Zukunft Forderungen für geleistete Arbeit stellen können. Motoren-Sklaven stellen sie  mit hundertprozentiger Sicherheit. 
  359. Ein neues Reich eröffnet sich für Autofahrer: Ein britisches Team will ein blitzschnelles Auto entwickeln, das fast 1700 Stundenkilometer  erreicht.  In einer Sekunde könnte es eine Strecke von vier Fußballfeldern zurücklegen. Jetzt sind also Verkehrsfachleute und  Autobahnbauer  in der Pflicht.
  360. Wenn man mit dem Auto oder Zug fährt, ist man hermetisch von der Umwelt abgeschnitten, daran ändert auch nicht der flüchtige und panoramische Blick aus dem Fenster. Im Zug hat man allerdings eine in der Regel unbekannte, vielfältige soziale Umwelt, die man zudem über einen ungewöhnlich langen  Zeitraum in Ruhe wahrnehmen und reflektieren kann. 
  361. Inzwischen gibt es ja mehrere Städte, die sich als Autostadt bezeichnen. In Analogie dazu gibt es sicherlich viele Männer, die in ihrem Nachnamen das Wort "Auto" integrieren möchten, also statt Hansen  Autosen, statt  Eisenmann Automann, statt Beinlich  Autolich usw.
  362. Die Hauptquelle von Störungen und Häßlichkeit im Urlaub ist direkt das Auto (Lärm, Abgase, Gefahrenquelle)  und indirekt seine notwendigen Infrastrukturen (breite Straßen, Brücken, Tankstellen, die die Bewegungs- und Wahrnehmungsmöglichkeiten massiv einschränken). 
  363. Das Auto vernichtet real und im Bewusstsein Heimat.  
  364. Auto und Bildung sind inkompatibel, denn was soll sich schon während des Autofahrens bilden?
  365. Ist es mangelndes Vertrauen zu seinen eigenen körperlichen und geistigen Fähigkeiten, ist es  mangelnde Neugier und/oder ist es mangelnder Stolz, dass immer mehr Menschen Distanzen über fünfzig Meter nur noch mit dem Auto zurücklegen?
  366. Die Journalistin Kathrin Emse stellt nach einer mehrtägigen Wanderung quer durch Schleswig-Holstein fest,  dass sie nur sehr wenige Menschen getroffen hätte, dass auf dem Lande  Schleswig-Holstein "leer" sei.  Diese Entwicklung ist nur  nur durch das Auto ermöglicht worden. 
  367. Vogelgezwitscher, Wellenbrechungen am Ufer, Sturmgebraus sind kein Lärm, auch nicht, wenn Kinder toben odermenschliche Schritte und Unterhaltungen sind kein Lärm, sondern im schlechten Fall schlechtes Benehmen. Lärm wird von Motoren verursacht, vor allem, wenn er unnötig ist. Das ist die subjektive Komponente der Lärmbestimmung.
  368. Beim Autofahren isoliert sich die Autoinsassen von der Welt und  umgekehrt.
  369. Bei den Griechen war das Sitzen noch  nicht zur vorherrschenden Haltung geworden.
  370. Machen wir uns nichts vor: Jede Stadt ist heute autogerecht. Wenn noch kleinste, autofreie Nischen vorhanden sind, müssen sie von den jeweiligen Verwaltungen mit größtem Kraftaufwand freigehalten werden, denn die große Mehrheit der betroffenen Bürger empfindet die  Zurückdrängung  ihres Autos als größtmöglichen Angriff auf ihre Freiheit. 
  371. Es ist nicht nötig, alle Straßen homogen mit einer Asphaltfläche zu versiegeln. So sollten kleine. übersichtliche Stichstraßen  mit nur zwei festen, relativ schmalen Fahrspuren ausgestattet werden, wenn nötig, mit ein oder zwei kleinen Einbuchten, um ggf. auszuweichen.
  372. "In den USA  kann man mit dem Auto zwischen Grabsteinen herumfahren - ein Zeichen dafür, wie selbstverständlich die Amerikaner ihre Auto nutzen".  Meint die Autorin, die diesen Zeitungsbericht verfaßte, dass wir hier noch zulernen müßten?
  373. Alle stark von Autos befahrenen  Straßen sind schlicht Ort, die man als Nichtautofahrer meidet. Selbst die größten Autoverteidiger wohnen dort nicht, falls sie einigermaßen betucht sind.
  374. Bisher habe ich gegen das Auto und unnötigen Motoreneinsatz primär aus Gründen der physischen und psychischen Gesundheit, aber aus Gründen der Erhaltung und Förderung der direkten menschlichen Kommunikation sowie der Erhaltung und Entwicklung lebenswerter Umwelten argumentiert.  Jetzt kommen massiv Gründe des Klimaschutzes hinzu. Der jeweilige Einsatz der Energie muss schon begründet sein, er  ist mit Sicherheit iin der Produktion begründeter als in der Konsumption. 
  375. Wenn ich zum Kaufmann zu Fuß gehe oder mit dem Rad fahre, bin ich oder fühle ich mich als Hausmann oder Hausfrau, wenn ich mit dem Auto zum Supermarkt fahren, transzendiere ich offensichtlich diesen Status: Der Einkauf bekommt hier den Geruch von Professionalität, Wichtigkeit, Herausragendem.
  376. Die Lebensqualität eines Stadtviertels steigt mit der zunehmenden Verringerung der Autos.
  377. Spätestens 2010 wird die weltweite Ölförderung ihr Maximum erreicht haben. Die Nachfrage nach Öl übersteigt schon jetzt das Angebot - so dass Öl immer teurer wird. Damit ist auch das Ende der Autogesellschaft voraussehbar. Die Gesellschaft und die Individuen, die sich darauf früh einstellen, werden  die sicherlich schwierige Übergangszeit am besten überwinden. 
  378. Wenn ich mit dem Auto fahre, konsumiere ich, wenn ich unnötig mit dem Auto fahre, liegt übersteigerter Konsum vor, wenn ich mit einem großen Auto unnötige Strecken fahre,  liegt überübersteigerter Konsum vor. 
  379. Einerseits  ist jede Ortsveränderung bei ihm eine Fahrt mit dem Auto, andererseits ist er so liebenswürdig, dass er bei jeder Begegnung  mit einem ihm bekannten Autofahrer, Fußgänger oder Radfahrer  anhält und ein freundliches Wort wechselt.
  380. Zuerst will der Mensch nicht mehr laufen, weil  er meint, Autofahren sei schick oder bequem , später kann er nicht mehr laufen, weil sein Körper übergewichtig, steif oder krank geworden ist bzw. er hat es das Laufen schlicht verlernt.  
  381. "Das Auto fährt - nicht ich. Das Auto bewegt sich - nicht ich". Wenn diese offensichtlich schwierige Einsicht wirklich begriffen ist, hört die Faszination des Autos von selbst auf.
  382. Je mehr gefahren wird, desto geringer die Zahl der Begegnungen.
  383. Ferienorte und Urlaubsregionen, die unter Besucherrückgang leiden, hätten eine große Chance, wenn sie autofrei wären: "Unsere Region ist frei von Autos" oder "Aktiv sein in einer autofreien Landschaft" oder "Weil ohne Autos, kommt die Schönheit unserer Stadt erst recht zur Geltung". 
  384. Fast alle Tätigkeiten im Privatbereich werden zunehmend mit und von  Motoren realisiert: bei Ortsveränderungen, beim Heimwerken,  Arbeiten im Haushalt, Garten, bei der Informationsvermittlung und selbst im Sport. 
  385. Mein Freund Ulrich erzählte mir, dass er sehr nette Nachbarn habe, allerdings hätte er sie seit Monaten nicht mehr in voller Größe gesehen, denn sie  führen zwar täglich x-mal mit dem Auto an ihm vorbei - aber das wäre es auch schon gewesen.
  386. Wer mit dem Auto fährt ist davon bewusst oder unbewusst überzeugt, dass er  unabhängig davon, ob Gründe vorhanden sind oder nicht,  im Bereich des Sinnvollen sei. Nur so kann ich mir das prinzipielle Fahren erklären. Ich nehme übrigens die entgegengesetzt Haltung ein: Autofahren ist grundsätzlich sinnlos,  weil destruktiv für Fahrer und Umwelt, und es ist nur dann gerechtfertigt, wenn ein überzeugender Sinn explizit vorhanden ist. 
  387. Kinderzeit = Autozeit. Es soll nicht wenige Kinder geben, die mit ihren Eltern jährlich mehr als 15 OOO Kilometer im Auto zurücklegen. Das wären fast 300 Stunden bzw. 30 Tage je acht Stunden.  Wie kann man das verantworten?
  388. "Aufgrund der schmalen Gassen und der begrenzten Parkmöglichkeiten eignet sich das historische Stadtzentrum  Amsterdams nicht für den Autoverkehr an.  Die Stadt bietet Park-and-Ride-Gelegenheiten zusammen mit vergünstigten Preisen für den öffentlichen Verkehr an." Ob freiheitsliebende Autofahrer sich davon angesprochen fühlen?
  389. Die Behauptung, dass Auto sei ein mobiler Käfig, ist nicht zu widerlegen.
  390. Hoffnungsschimmer: "Wir erleben eine regelrechte Renaissance der Innenstädte. Kurze Verkehrwege zur Schule und Arbeitsstätte, kulturelle Angebote und vielseitige Einkaufs- und Versorgungsmöglichkeiten lassen die Stadt als Wohnraum wieder attraktiver werden" (Klaus J. Beckmann, Leiter des Deutschen Instituts für Urbanistik).
  391. Im Angesicht einer vierspurigen Stadtautobahn: Das Auto verhält sich zur Stadt wie Salzsäure zu den Flügeln eines Schmetterlings.
  392. Beim Gehen und Radfahren werden große Muskelgruppen intensiv, bei Autofahren werden wenige Muskelgruppen minimal beansprucht.  Das ist der Unterschied. 
  393. Die ziellose Auto- oder Motorradfahrt ist vielleicht ein Ausdruck des vollendeten Nihilismus auf individueller Ebene. 
  394. Die Grundbedürfnisse sind wahrscheinlich in etwa gleich geblieben, aber  durch  das Auto hat ihre Art und Weise der Befriedigung eine gänzlich andere Form angenommen. Man betrachte nur die Felder Ortsveränderung, Einkauf, Freizeit.
  395. Zumindest gesellschaftliches Helfen heißt heute primär materielle Unterstützung. Die Gefahr besteht darin, dass  Menschen, denen geholfen wird, auch als eine Art Maschine angesehen werden, die entsprechend "gewartet werden müssen. 
  396. Viele Bewegungen des Autos sind maßlos - in den Worten Hegels: schlechte Unendlichkeit
  397. .Die Journalistin Kathrin Emse in ihrer lesenswerten Beschreibung einer Wanderung durch Schleswig-Holstein: "Auf den Strecken  zwischen den Städten war nichts zu bekommen. Bisweilen nicht einmal frisches Wasser. Zwar durchquere ich kleine Dörfer - kein  der Infrastruktur, die ich noch aus meiner Kindheit kannte und auf die ich gesetzt hatte, ist so gut wie nichts geblieben: Kein Bäcker, kein Dorfkrug. Auch der Kaufmann um die Ecke scheint nicht überlebt zu haben. Diese Dörfer sind Schlaforte geworden." Diese Entwicklung wäre ohne die universale Nutzung des Autos nicht mögliche gewesen.  In diesen Zeilen wird exemplarisch aufgezeigt, in welchen Größendimensionen dieser Eingriff erfolgte, wobei die psychischen Veränderungen noch gar nicht thematisiert sind.
  398. Zwei Nachbarn telefonieren miteinander:  Sie: "Welch´ ein schöner Sonnentag, das hatten wir schon lange nicht mehr", Er: "Deswegen gehe ich gleich in den Garten und werde den Rasen mähen",  Sie: "Eine gute Idee, das werde ich auch tun".  Ende.
  399. Es mag ja sein, dass ein Auto isoliert betrachtet, als schön bewertet wird, aber im Kontext, als dynamischer Teil einer Umwelt ist es destruktiv und damit nicht schön. 
  400. Autofahren zu können, ist keine Kunst, man hat also keinen Grund, sich darauf etwas einzubilden, auch keinen Grund, sich über eigene Schwächen und Defizite in der Eigenbewegung hinwegzutäuschen. 
  401. Das Auto hat geringen Gebrauchswert, der sogar nicht selten im Minusbereich liegt, während der Tauschwert, d. h. die gesellschaftliche Bewertung immer größer wird. Man muss schon eine ziemlich stabile Persönlichkeitsstruktur besitzen, um diesen Sachverhalt zu erkennen und zu durchbrechen. 
  402. Die Faszination und Attraktion des Autos liegt in der Täuschung, mit ihm und durch es  Herrschaft auszuüben. Aber das Gegenteil trifft zu: Der Bürger wird über das Auto beherrscht, und das geschieht massiv. 
  403. In der visuellen Perspektive werden die Städte und Dörfer immer autovoller und gleichzeitig  menschenleerer. 
  404. Man möge versuchen, die während einer längeren Autofahrt sich einstellenden  Wahrnehmungen, Gedanken, Schlußfolgerungen zu rekonstruieren. Man wird dann bemerken, wie groß die Unterforderung ist. Autofahrten mögen in bestimmten Fällen unvermeidbar sein, sie sind zumindest objektiv körperlich und geistig massive Unterforderungen. Bei denen, die gerne Auto fahren, müßten aus Gründen der Selbsterhaltung und Fortentwicklung die Alarmglocken schrillen.   
  405. "Freie Fahrt für freie Bürger"  ist sicherlich einer der Sätze der deutschen Sprache, der idealtypisch, aber auch sinnlich erfahrbar,  den absolut egoistischen menschlichen Willen prägnant, ehrlich, aber auch brutal deutlich  zum Ausdruck gebracht hat. 
  406. Es ist an der Zeit, die "Freiheit" des Autos einzuschränken, denn die durch es verursachten Verwüstungen haben ein unerträgliches Ausmaß erreicht. 
  407. Wer kann mir das erklären? Einerseits steigen die Benzinpreise, andererseits werden die Autos immer größer.
  408. Gibt es für die Geschwindigkeitsliebhaber Grenzen der Geschwindigkeit? Wäre eine Grenze diejenige, hinter der man nichts mehr wahrnimmt?  Will der Geschwindigkeitsliebhaber die Zeit überwinden und damit letztlich den Tod? 
  409. Ein (1!) aufheulender Motor vermag mehr Lärm zu machen als tausend schreiende Menschen (, was allerdings selten vorkommt).
  410. Die Autoräder haben die Füße ersetzt -  und dieser Tausch wird nicht mehr bemerkt (in "Täuschung" steckt bekanntlich "Tausch") und daher nicht kritisiert (in "kritisieren" steckt "unterscheiden"). Die Differenz verschwindet in sprachlichen Ausdrücken wie "Ich muss mal schnell zum Bäcker".
  411. Seit zwei Wochen der erste schöne Sonnentag. Man spürt die Wärme auf der Haut  - und hört den Krach  von drei anspringenden Rasenmähern, davon zwei motorenangetriebene.
  412. Man stelle sich eine junge Hausfrau mit drei kleinen Kindern in einer Wohnsiedlung plötzlich ohne Auto vor: schlicht eine Katastrophe. Diese Katastrophe beruht nicht nur auf eigenem Unvermögen, sondern ist auch den objektiven Strukturen zuzuschreiben, die sich in den letzten Jahrzehnten herausgebildet haben. Wie ein Fisch existenziell auf das Medium Wasser angewiesen ist, so offensichtlich viele Menschen auf das Medium Auto.  
  413. Einige Maßnahmen zur Rückdrängung des Individualverkehrs: Verdünnen, Verlangsamen, Unterscheiden zwischen notwendigem und nicht notwendigem Verkehr, Straßen zurückbauen, gemeinsame Parkplätze außerhalb der Wohnungen schaffen, 
  414. Erkenntnis ist immer abhängig von der angewandten Methode. Der Anteil der Methode an den jeweiligen Erkenntnissen ist verschieden stark. So gesehen ist das Auto im Gegensatz zum Gehen eine äußerst starke Methode.
  415. Eine Hypothese, die noch empirisch bearbeitet werden muss: Je weniger sich Gartenbesitzer genießend  in ihrem Garten aufhalten, desto häufiger mähen sie ihren Rasen.
  416. Geht man davon aus, dass der lebendige (sich bewegende bzw. beseelte) Körper ein Leib ist, dann wird aus dem transportierten Leib während des Transports ein (toter) Körper. Das Auto und nicht der Leib verschmilzt mit der Umwelt zu einer Einheit.
  417. Die Krach-Macher, seien es die Verursacher von aufheulenden Motorrädern,  von sogenannten Sportbooten, von anfahrenden Autos oder von elektrischen bzw.  gar Motorrasenmähern, sie alle  haben kein Unrechtsbewusstsein. Im Gegenteil, oft nehmen sie den von ihnen erzeugten Krach als Ausdruck  eigener Stärke.
  418. Ein hundertzwanzig Kilometer entfernt liegendes Unternehmen wirbt in unserer Heimatzeitung mit Billigstangeboten. Wie viele meiner Mitbürger werden sich wohl auf den Weg machen, zumal  es günstig erreichbar an einer Autobahn liegt?
  419. In "rasen" steckt toben, stürzen, eilen. Wer sehr schnell fährt, also rast, tobt und stürzt - manchmal sogar tödlich.
  420. Für den "ewigen" Autofahrer ist nicht die jeweilige Innenstadt seine "Stadt", sondern das Gewerbegebiet und die auf grüner Wiese erbauten Einkaufszentren. Hier ist das Gehen auf ein denkbar kleinstes Minimum reduziert. 
  421. Eine Sitzheizung im Auto kann die Fortpflanzung gefährden. Die Samenproduktion leidet auch dann, wenn der  Mann längere Zeit im Auto sitzt.
  422. In den meisten Fällen beherrscht das Auto das Denken, Handeln und Fühlen der Nutzer, aber diese meinen, das Gegenteil sei der Fall. Alles, was nicht mit dem Auto erreichbar ist, ist nicht vorhanden.  Das gilt selbst für einen Flugplatz, der nicht mit dem Auto erreichbar wäre.
  423. Wer viel fährt, fährt am Leben vorbei.
  424. Es gibt sie doch, die von Adam Smith behauptete unsichtbare Hand, die aus Chaos rationale Strukturen schafft. Sie wirkt nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch im Alltagsverhalten. So bewirkt diese Kraft  beim Rasenmähen, dass in der Nachbarschaft nie zwei und mehr Rasenmäher gleichzeitig laufen, sondern sauber getrennt zeitlich hintereinander angeworfen werden, so dass man den ganzen Tag über von ihnen gut hat. Die Anwender selbst bemerken übrigens nicht, dass sie unter der Herrschaft dieser unsichtbaren Hand stehen.   
  425. Wann fangen die Kommunen endlich an, Autostraßen zurückzubauen und die Einkaufszentren auf  den grünen Wiesen zu schließen, d. h. den Vorrang des  Menschen vor dem Auto ernst zu nehmen? Auch wenn es  Menschen gibt, die auf ihr Menschsein keinen Wert legen.
  426. Es gibt bei uns viele Bürger, die sich ohne Auto nackt fühlen, weil sie nicht mehr sichtbar ihrer Schicht angehören. 
  427. Ein immer wiederkehrendes Argument: "Im Urlaub bin ich mit dem Auto flexibler."  Das heißt,  das  Freisein vom Auto  wird selbst im  Urlaub eingeschränkt, d. h. mehr Konzentration auf Verkehrsschilder, Ampeln, fahrende Autos, Suche nach Parkplätzen, vorbeihuschende Gebäude, Landschaften und Menschen, kurz: drastisch verringerte substanzielle Begegnungen.
  428. Immer mehr Menschen delegieren ihr Können so weit wie irgendwie möglich an technische Geräte - und interpretieren diese Enteignung als eigentliche Kunst des Lebens. 
  429. Das Lieferauto unseres Bäckers, der zweimal in der Woche seine Köstlichkeiten anbietet, ist inzwischen zumindest vom Volumen  gesehen kleiner als die meisten Privatautos.
  430. Das Kollektivbewusstsein vom Auto hat stark religiöse Züge, die aber nicht als solche wahrgenommen, sondern als real empfunden werden. Dieses falsche Bewusstsein ist deshalb gegenüber Aufklärung und Kritik so resistent, weil es nicht primär sprachlich, sondern über eine Flut hochästhetischer Bilder vermittelt wird.   
  431. Der Mensch hat das Auto geschaffen, das ist unbezweifelbar richtig, aber damit war diese Schöpfung noch nicht beendet: Danach hat  das Auto nämlich den Menschen als Schöpfer abgelöst, indem das Auto  einen neuen Menschen schuf und  die bestehende Welt  nach seinen Auto-Bedürfnissen  umbaute. 
  432. Die Montessori-Pädagogik kennt nur eine einzige  Ausfertigung eines bestimmten Arbeitsmittels. Warum? Damit sollen die Schüler gezwungen werden, bei Interessengleichheit sich zu einigen, wer von ihnen jetzt mit ihm arbeiten darf und wer erst später. Ich frage mich, warum unbedingt jedes erwachsene Mitglied einer Familie unbedingt ein eigenes Auto haben muss. Wäre es nicht sozialkompetenzfördernd, wenn ebenfalls dort nur eine begrenzte Anzahl von Autos zur Verfügung stände? 
  433. Eine implizite Kritik am Auto? Im aufwendig gestalteten Werbeprospekt eines Autoherstellers  dominieren Natur, schöne Bauwerke, selbst Fahrräder.  Das Auto erscheint überwiegend im Singular, "nebenbei".
  434. Wir leben in einem Zeitalter der totalen Motorisierung. Die Motorisierung aller Lebensbereiche ist zu einem Selbstzweck geworden. Wie lange noch?
  435. Jede Autofahrt ist eine drastische Reduktion von Erfahrungs- und Erlebnismöglichkeiten.
  436. Er fährt viel Auto, so dass er sehr oft tanken muss, aber das hat auch wiederum Vorteile: An der Tanke kann er gleichzeitig nahezu  alle seine Grundnahrungsmittel und -bedürfnisse decken. Das spart Zeit. 
  437. Wird das Automobil in wirtschaftlicher Perspektive betrachtet und  analysiert, ist  unbestritten, dass es das Herzstück unserer Wirtschaft sei, dass die Wirtschaft ohne es gar nicht existieren könne. Wird dagegen das Auto in der Perspektive Klima, Energieressourcen, Urbanität,  physische und psychische Gesundheit diskutiert, wird das gleiche Auto plötzlich zu einer Randerscheinung, zu einer vernachlässigenden Größe (quantite  negligeable). Es geht also um denselben materiellen Sachverhalt aus zwei verschiedenen Perspektiven.  
  438. Die gegenwärtige absolute Dominanz des Autos ist sicherlich ein Übergangsphänomen. Je schneller diese Dominanz überwunden wird, desto  besser. Man muss die  vorherrschende kritiklose Bejahung des Autos als Ausdruck einer krankhaften Sucht  verstehen.  
  439. Autofahren ist eine Form der (schlechten) Abstraktion, wonnevoll werden alle Besonderheiten und  alle Phänomene, wenn sie nicht dem Fahren dienen, eingeebnet.  Von Trauer darüber ist nichts zu bemerken, im Gegenteil, am Ziel steigen die Menschen freudig gestimmt aus dem Wagen: Es ist geschafft. 
  440. Es  bereitet nahezu keinerlei Schwierigkeiten, Gebäude, ja ganze Stadtviertel niederzureißen. Aber es ist praktisch unmöglich und theoretisch nicht denkbar, eine genutzte  Autostraße aufzugeben, auch wenn das aus planerischen und ästhetischen Gründen eine Notwendigkeit darstellt. So haben z. B. die drei Kaiserbäder auf Usedom  das große Glück,  nicht vor diesem Problem zu stehen, weil bei ihnen zwischen der ersten Häuserreihe und dem Wasser  keine Straße, sondern lediglich ein kombinierter Fuß- und Fahrradweg führt, der massenhaft frequentiert wird. Das ist aus meiner Sicht neben der Architektur ein  Hauptgrund für die Attraktivität dieser Bäder. Diese "Freiheit vom Auto"  ist ein Modell für alle Fluß-, Seen- und Meeresufer, um ihnen ihre natürlich gegebene  Schönheit zurückzugeben.
  441. Nur konsequent der Logik des Autos gefolgt: "Im Vorwärtsgang schaffte ein fauler Frühschwimmer mit seinem VW Lupo noch den Weg auf die 150 Meter lange und 2,50 Meter breite Ostseebandbrücke. Beim Rückwärtsgang durchbrach er allerdings das Geländer und ging baden" (aus einer Tageszeitung).
  442. Ich vermute, dass heute über 2 Prozent des Benzins für Rangiermanöver verbraucht werden, die die Besitzer von mehreren Autos täglich  auf ihrer Auffahrt durchführen müssen, um die gewünschte Reihenfolge herzustellen.
  443. "Cabrio fahren macht Frauen sexy" (Überschrift eines Zeitungsartikels), physiologisch ist gerade das Gegenteil zu erwarten - zumindest in the long run.
  444. Es wird gemunkelt, dass sich eine Interessengruppe mit dem Ziel gebildet habe, dass zumindest große Teile der Alpen planiert werden, um das Verkehrsproblem Alpen einer vernünftigen und endgültigen Lösung zuzuführen. Das sei auch eine ökologische Lösung, da die Kraftwagen  nicht mehr Steigungen zu bewältigen hätten und die Distanzen zwischen dem Norden und Süden beträchtlich kürzer werden würden. 
  445. Die Kritik des Autos als genitivus objektivus verstanden, wie sie in diesen Notationen und  Aphorismen zum Ausdruck gebracht, wird, wird  in modernen  Gesellschaften ver- und abgedrängt. Die Kritik des Autos als genitivus subjektivus  verstanden als eine Kritik an  Landschaft,  Natur, Urbanität, Klima, gesundem Leben. lebendiger Kommunikation, Tradition, also allem, was der  Expansion des Autos im Wege steht, ist die große, globale  Erfolgsstory der Gegenwart. 
  446. Es ist schon erstaunlich, wie schnell technische Geräte den Status von Naturwüchsigkeit erlangen. So wurde  das Auto erst Ende der fünfziger Jahre zur Massenerscheinung. Vorher lebte der Durchschnittsbürger ohne das Auto. Aus der Sicht des Autofans von heute muss das ein Leben in der Hölle gewesen sein - war es aber nicht.  
  447. Bezüglich des Fahrziels unterscheiden sich Auto und Zug nicht, beide gehören eindeutig zur Fremdbewegung. Aber im Zug kann ich mir einen Kaffee holen, auf die Toilette gehen (ein nicht zu unterschätzender Vorteil) oder mich im Gang ans Fenster stellen. Der Zug lässt  also Eigenbewegungen im Mikkobereich zu. Unvergleich mehr Möglichkeiten der Kommunikation und Interaktion bestehen im Zug. Ich kann  schauen, mit Mitfahrenden sprechen oder ihnen ein Stück Schokolade anbieten. Vielleicht ist der Zug neben dem Cafe der letzte gesellschaftliche Ort, wo Leben herrscht. Leben, das offensichtlich von Autofahrern gemieden wird. Warum eigentlich? Was steckt hinter dieser Scheu, fremden Menschen zu begegnen? Übrigens gibt es eine Poesie der Nebenstrecken, wo Schüler in Dörfern aussteigen, ältere Frauen voneinander Abschied nehmen, wo der Freund auf die Freundin im Auto wartet, um sie zu  bahnhofsfernen Orten zu fahren. All das kann man in Ruhe und mit Zeit beobachten, ohne selbst als  Beobachter wahrgenommen  zu werden.  
  448. Das Auto erreicht sein stärkstes zerstörerisches Potenzial in  der Stadt. Die Stadt sollte sich wehren und die unnötigen Autos aus ihren Mauern verbannen.  In London, Zürich und Paris beginnen sie damit, wenn auch mit kleinsten Schritten. 
  449. Ich frage lieber Menschen nach dem Weg als einen Autonavigator zu kaufen.  Aber was mache ich, wenn keine Menschen mehr auf den Straßen sind?
  450. Die hier zu entscheidende Frage ist, ob die Autofans die blinden oder die Autorkritiker die übersensiblen Don Quichoten sind - oder gibt es noch ein Tertium?
  451.  In Städten wie Paris, London oder Zürich soll  der Individualverkehr und der ungezügelte Warentransport mit Kraftfahrzeugen verdrängt, der öffentliche Nahverkehr gestärkt werden, um eine Verbesserung der Atemluft und die Senkung des Lärmpegels zu erreichen.  Es geht um Lebensqualität. +  Der Mensch -  im Fahrzeug sitzend  - die Sicht auf die Welt verbaut, darauf, wie sie wirklich ist. Was links und rechts an den Fenstern vorbeifliegt, sieht der Kraftfahrer nicht.  + Nicht-Orte sind  unter anderem  fliehende Pole, mobile Behausungen. Das Auto ist ein Nicht-Ort, der vor allem der Stadt zu schaffen macht. Die millionenfache Verbreitung von Nicht-Orten, sprich: Autos, nehme der Stadt ihre poetische Verführung und Identifikation. + Erst die Fußgänger verwandeln die von der Stadtplanung als "Ort" definierte Straße in einem Raum. Autos können das nicht (Auszüge aus dem Artikel "Das Auto ist am Ende" in der FAZ v. 18. 7. 08, in dem sich insbesondere auf Paul Virilio und Marc Auge´ bezogen wird).
  452. Die meisten der vor zehn oder mehr Jahren erbauten Garagen müssen erweitert werden, denn die Autos sind beträchtlich größer geworden.
  453. In den Straßen haben die Autos die  Menschen ersetzt. 
  454. Ein Student: "Diejenigen Menschen, die  aus dem Auto nicht herauskommen, sei es aus Gründen der angeblichen sozialen Anerkennung,  der Identitätsschwäche oder  schlicht aus  Bequemlichkeit, hätten genau genommen die A....karte gezogen - aber das wissen sie nicht."
  455. Die gegenwärtige Moderne besteht aus guten,  weniger guten bis schlechten Elementen und Momenten. Das Auto, wie es jetzt genutzt wird, gehört eindeutig zu den schlechten. 
  456. Es stimmt einfach: Autos sind Dreckschleudern, genauer: Giftschleudern  und  Klimazerstörer. Deswegen sollte man sich jedes Mal genau überlegen, ob man das Auto nutzt . Also hier Abschied von der Ideologie nehmen, dass das Auto  Freiheit, Schönheit, Sportlichkeit, Jugend usw. verkörpere.
  457. Kein Auto, auch nicht das teuerste, kann das Angeblickt-Werden durch einen Hund oder gar durch ein Kind  ersetzen - von einem liebenden Menschen ganz zu schweigen. 
  458. Durch Knopfdruck Erzeugtes ist nicht Eigenes, sondern Gekauftes. So kommt  die laute Musik im Autoradio nicht aus dem Inneren eines lebendigen Menschen, sondern eben aus dem Radio. 
  459. "Die Nekropole Campo-Santo in Orleans, einer der letzten großen mittelalterlichen Friedhöfe, wurde Ende 1978 trotz großer Proteste der Bevölkerung eingeebnet und zu einem Parkplatz umgebaut" (aus einem Kunstführer). 
  460. "Ein Gasstoß, und die Morini (ein Motorrad, bm) brüllt auf wie ein dösender Löwe, dem der Daktari übern Schwanz fährt. Sie arbeitet sich alle Tonleitern des Grollens rauf und runter, ist schon bei Standgas phonisch derart präsent, dass kein Fußgänger sich traut, bei Rotlicht noch schnell vor ihr über die Straßen  zu laufen" (aus einer Besprechung in  der FAZ).  Und dem noch nicht völlig  abgestumpften Bürger bleibt nichts anderes übrig, als sich ins  Haus zurückzuziehen, vorausgesetzt, dieses hat schalldichte Fenster.
  461. Das ständige Anwerfen der Automotoren schafft einen einzigartigen Geruch, dem man sich nicht entziehen kann. Das hat sich geändert, seitdem die Auffahren mit entsprechenden Giften von Pflanzen befreit werden.  Jetzt hat man eine Duftpalette zur Verfügung, die eine eindeutige Zuordnung nicht mehr erlaubt.
  462. Das Auto ersetzt die Beine. 
  463. Welche Entfernungen legst  Du mit dem Auto zurück und wieviel Zeit brauchst Du, um wirklich unter Menschen zu kommen? Einfach aus der Tür rausgehen, klappt nicht mehr, wobei die Distanzen immer größer werden. 
  464. Der Anstieg der Ölpreise lässt die Wirtschaft grübeln, ob es z. b. noch sinnvoll sei, Nordseekrabben nach Marokko zu transportieren, um sie dort pulen zu lassen. Auf individueller Ebene transformiert heißt das, sich zu fragen, ob es noch Sinn macht, mit dem Auto Brötchen zu holen, zur Arbeit zu fahren oder ausschließlich seine Nahrungsmittel im entfernten Einkaufszentrum auf der grünen Wiese zu kaufen. Allgemeiner: Ob es nicht Sinn macht, Arbeitsplatz und Wohnort so nah wie möglich zusammenzulegen oder Naherholungsräume, die mit dem Rad erreichbar sind, wieder attraktiv zu machen. 
  465. Autofahren heißt, Welt in einem stark restringierten Modus zu erfahren. Autofahren und Strukturalismus, d. h. Konzentration auf die objektiv vorliegenden Strukturen, haben sehr viel Gemeinsames. Beide Formen klammern tendenziell den ganzheitlichen Menschen aus.  
  466. Auch beim Autofahren  nehmen die  Dinge der Außenwelt den Charakter  wirklichkeitsentstellenden  Scheins an: Die Dinge werden flüchtig, unscharf in ihren Konturen und verlieren an Substanz. Diese Transformation ist natürlich eine mentale, keine ontologische.   
  467. "Bei  einer Motorsportveranstaltung der Jugendklasse ist in Wächtersbach ein zwölfjähriger Junge ohne Fremdverschulden nach einem Sprung von seinem Bike  ums Leben gekommen." Ohne Fremdverschulden? 
  468. Nur Lebewesen sind zur Eigenbewegung fähig. Eigenbewegungen sind  im Gegensatz zum Auto nicht algorithmisiert: Der Fahrer ist eine Funktion des Autos, wenn nicht grundsätzliche Entscheidungen anstehen. Der Wille des Autofahrers wird immer in die algorithmisierten Bewegungen des Autos überführt. Das ist das "Schicksal" des Autofahrers.
  469. "Wer ihn sieht, sieht nichts anderes" (aus einer Autowerbung für ein neues Modell). Es gibt immer mehr Menschen, die nur noch Autos sehen. 
  470. Ein Hotelbesitzer in einem Dorf: "Wegen jeder Kleinigkeit muss ich elf Kilometer mit dem Auto fahren." Hier argumentiert jemand strukturell gegen die gesamtgesellschaftliche Ausrichtung auf das Auto - vielleicht ohne es zu wissen.
  471. Bewegung als Selbstzweck verkörpert sich am sichtbarsten in Motorradpulks an Wochenenden.
  472. Seen und Flussufer werden sehr oft durch Autostraßen zu Tode stranguliert. In einigen Orten gibt es nicht mal mehr Platz für Fußgänger. Wer dort nicht mit einem Auto bewaffnet ist, hat dort nichts zu suchen. Dass deswegen die Orte und der Fremdenverkehr sterben, wird selbst von den Hotelbesitzern ausgeblendet und verdrängt. 
  473. Autofahrer haben kein Schuldbewusstsein, weil ihre Emissionen weder von ihnen noch von Passanten  bemerkt werden. Nur wenn am Sonntag morgen das erste Auto startet, um Brötchen zu holen, oder wenn ein Auto durch ein gesperrtes Waldstück fährt, bemerkt man die Emissionen, denn  man ist minutenlang in eine Benzinwolke eingesperrt, die nach meiner Einschätzung einen Durchmesser von ca. hundert Meter hat. 
  474. Es ist nicht gänzlich abwegig, ein Auto als schön zum empfinden,  aber nur unter der Bedingung, dass man es isoliert von Umwelt und Nutzern  betrachtet: Millionenfach benutzt schafft es lebensfeindliche Strukturen und kranke Menschen. 
  475. Wenn Du wissen willst, ob Du ein Automensch bist, zähle, wenn du das Haus verlässt, wie oft Du direkt ins Auto steigst und wie oft Du zu Fuß gehst bzw. das Rad nutzt. Wenn Du mehr als in achtzig Prozent der Fälle das Auto nimmst, gehörst Du mit Sicherheit zu der Kategorie der Automenschen. Auto fahren und Lebensqualität stehen in einem umgekehrt proportionalen Verhältnis: Je mehr ich Auto fahre, desto mehr verringert sich meine Lebensqualität und umgekehrt.
  476. Der Autofahrer nimmt die stillgestellte Körperhaltung eines Erkennenden und Empfangenden ein  - allerdings ohne zu erkennen und zu empfangen  (im Gegensatz zum  Lesen oder Hören eines Konzerts). 
  477. Setzt sich die Vernunft doch endlich durch? Die Bahn hat in den letzten vier Monaten drei Prozent mehr Fahrkarten verkauft und führt das auf die steigenden Benzinpreise zurück.
  478. Ich bin dankbar, dass wir über ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrswesen verfügen. Somit bin ich nicht vom Auto abhängig. Es geht auch ohne - und sogar besser - , und es interessanter im Sinne von inter-esse, dazwischen sein. 
  479. Gegen das Auto sprechen  einerseits die Abnahme der Ölvorräte bei gleichzeitigem Steigen der weltweiten Nachfrage, anderseits seine negativen Auswirkungen auf das Klima, auf Landschaften und Siedlungen, auf soziale Strukturen und nicht zuletzt auf die Gesundheit von  Körper, Geist und Seele der Nutzer. 
  480. Mit der Dominanz motorenbetriebener Fortbewegungsapparaturen wie Auto, Zug, Motorrad usw. hat auch ein semantischer Wandel des Begriffs "fahren" stattgefunden, der nämlich ursprünglich Ortswechsel im Modus der Eigenbewegung bedeutete (wie "fahrende Studenten").
  481. In unserem Stadtviertel haben wir einen zwar etwas kleineren, aber gut sortierten  Lebensmittelmarkt. Nach meinen Beobachtungen wird dieser Laden fast von allen Bürgern gemieden, die in seiner Nähe wohnen. Zu diesem merkwürdigen und imgrunde nicht zu verstehenden Phänomen habe ich folgende Vermutung: Einerseits  empfinden sie doch Scham, dass sie diese zwei- oder dreihundert Meter mit den Auto überwinden, andererseits scheint es für sie ein inneres Tabu zu geben, dorthin zu Fuß zu gehen oder das Rad zu nehmen.  Die konfliktfreie Lösung heißt also, jeden Tag mit dem Auto in das weitentfernte Einkaufszentrum zu fahren.  Für diese '"Lösung" gibt es natürlich eine Reihe von Rationalisierungen (im psychoanalytischen Sinne), aber schwerlich Vernunftgründe 
  482. Ich vermute, dass man Entfremdung nur aus der räumlichen und zeitlichen Distanz erkennt:  Seitdem ich im Durchschnitt einmal in vierzehn Tagen Auto fahre, bemerke ich in  aller Eindringlichkeit, welch eine Belastung diese Art der Ortsveränderung für meine Umwelt und für mich ist. 
  483. An einer vielbefahrenen Straße steht eine Mutter mit ihrem kleinen Kind und versucht  minutenlang vergeblich,  diese Straße zu überqueren. Wieviel der schädlichen Autoabgase mag das Kind, das sich ja in "Nasenhöhe" der Auspuffe befindet, wohl einatmen?
  484. Warum ist Autofahrern nicht ein autofreier Sonntag zuzumuten? Auch die habituellen Rasenmäher mußten ja dieses Opfer bringen und haben es bis jetzt - vielleicht zähneknirschend, aber doch tapfer - mitgetragen, einen Tag untätig zu sein.
  485. Ein Blick genügt: Die Straßen in unseren Städten und Dörfer sind  mit fahrenden und parkenden Autos vollkommen "erfüllt", um nicht zu sagen,  vollgemüllt. Woran liegt das? Ich kann es mir nur  damit erklären, dass das vieldimensionale Ich durch das eindimensionale Auto ersetzt wurde, statt Ich-Identität dominiert die  Auto-Identität, nicht das Ich entwickelt sich, sondern das Auto mit seinen Zubehören und Infrastrukturen.
  486. Die Beziehung zwischen Auto und Autofahrer ist eine kausale:  Der Autofahrer wird verändert, aber er trägt selbst nicht zu dieser Veränderung bei. Jede Autofahrt hindert Leben, sich auszudrücken. 
  487. Jede Autofahrt verhindert die Möglichkeit, das Ich zu stärken - im Gegenteil, es wird geschwächt.
  488. Fakt ist: Neue Erfahrungen von Landschaften und Ländern machen wir in der Regel über das Auto und Flugzeug, selten mit öffentlichen Verkehrsmitteln. schon gar nicht mit dem Rad oder gar zu Fuß.
  489. Ein Auto startet an einem windstillen Sommerabend. In zehn Meter Entfernung ist über einen längeren Zeitraum ein intensiver Benzingeruch wahrnehmbar.
  490. Aus ökologischer Perspektive genügt es nicht, zusätzlich zum Autofahren das Rad zu nutzen oder zu  Fuß zu gehen, sondern diese Aktivitäten müssen dazu führen, dass weniger Auto gefahren wird. 
  491. Gewohnheitsmäßiges Autofahren ist wie Fließbandarbeit ohne Muskelkraft und ohne ein sinnvolles Produkt.
  492. Die totale Autowelt hat auch ihre Vorteile, so weiß ich, wenn vor dem Haus alle Autos der Familie stehen, dass mit Sicherheit alle Mitglieder der Familie zu Hause sind.
  493. Das Autosystem ist das dominierende System in unserer Gesellschaft und ihr Paralleluniversum.
  494. Aus einer Rückmeldung: "Leider befürchte ich, dass es die Politik den Autofetischisten mal wieder Recht  machen wird und das (zum großen Teil unnötige) Autofahren weiter auf Kosten der Umwelt – und aller Steuerzahler – subventioniert (z. B. durch Wiedereinführung der vollen Kilometerpauschale) Viele wohnen zu geringen Mieten oder Grundstückpreisen „im Grünen“, möglichst unbehelligt vom Massenverkehr, wohnen. Dann soll aber gefälligst der Staat den längeren Weg zur Arbeit durch reduzierte Einkommenssteuern sponsern!"  
  495. Jeder Kranke, jeder Gefängnisinsasse weiß, welch ein hohes gut die Fähigkeit ist, sich selbst zu bewegen. Wie schafft es das Auto, dass so viele Menschen sich freiwillig und freudig in den Zustand der Bewegungslosigkeit begeben? Die Nutzung des Autos zur Ortsveränderung ist selbstverständlich, zur zweiten Natur geworden. Fuß, Fahrrad, öffentliche Verkehrsmittel werden nur - wenn überhaupt - in Ausnahmefällen benutzt.
  496. Man messe die Breite der Bürgersteige, der (falls vorhanden) Radwege und der Fahrbahn für Autos - und man bekommt in den Proportionen ein Abbild der realen Machtverhältnisse.
  497. Auto und Fernseher sind die beiden großen Kontaktvernichter zur lebendigen Umwelt und zu sich selbst, unabhängig davon, um welche Automodelle oder Fernsehprogramme (von Ausnahmen abgesehen) es sich handelt.
  498. Leserbrief: "Entlastungen für Autofahrer - ein falsches Signal
  499. Befunde sind, dass die weltweite Ölförderung nicht mehr zu steigern ist, sondern in Zukunft sinken wird, andererseits aber der Bedarf nach Erdöl weltweit steigt mit der Folge weiterer Erderwärmung. In dieser Situation wären finanzielle Entlastungen für alle Autofahrer das absolut falsche Signal, denn es wird  weiter unnötig  viel gefahren: Fünfzig Prozent der Autofahrten betreffen Strecken unterhalb von drei Kilometern,  mit dem Rad zur Arbeit zu fahren oder öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, ist offensichtlich  für viele Autofahrer unzumutbar, von den täglichen Autofahrten zu weitentfernten Einkaufszentren gar nicht zu reden. Die Strukturen werden immer autogerechter, was sich in Zukunft bitter rächen wird. Nein, die Politik ist gut beraten, grundsätzlich hier nicht einzugreifen, was nicht ausschließt, in besonderen Härtefällen gezielt zu helfen.
  500. "Es gibt eine Reihe starker Gründe, die darauf hinweisen, dass die Zeit der Dominanz des Individualverkehrs in absehbarer Zeit vorbei sein wird. Der Zenit der irrationalen, weil kritiklosen Autobegeisterung ist überschritten. 
  501. Wir brauchen die Energie für wichtigere Prozesse als  für nichtnotwendige Autofahrten. 
  502. Man ist gut beraten, wenn  man im Verstehen des Steigens der Benzinpreise keine Verschwörungstheorie aktiviert, sondern einen Indikator von Knappheit sieht, der grundsätzlich nicht mehr aufzuheben ist. Deswegen wäre die Volkswirtschaft maßlos überfordert, die Steigerungen durch Subventionen aufzufangen. Notwendig ist, Alternativen zum Individualverkehr zu denken und zu realisieren.   
  503. "Kein Tempolimit - das ist das Baste an Deutschland" (Formel 1 Rennfahrer Rubens Barrichello).
  504. "Mit der Harley am Marien-Altar" (Überschrift eines Zeitungsartikels zum Anlaß des Lübecker Motorrad-Gottesdienst
  505. Mit Motorradfahrern ist die Sache klar, sie  fahren um das Fahrens willen. Dieses Anliegen vertreten sie offen und offensiv. Ich vermute, dass ebenfalls die meisten Autofahrten aus diesem Motiv erfolgen, aber in der Regel wird ein anderer, ein sinnvoller Grund vorgeschoben. Das macht die Diskussionen mit ihnen oft sehr schwierig. 
  506. Autofahrer, die aus Prinzip meinen, jeden Ort anfahren zu müssen, müssen lernen, dass das nicht akzeptiert werden darf. Es gibt nämlich  sensible Landschaften und  Siedlungsstrukturen, die  durch die Summe der  Autos, die sie "besuchen"  zerstört bzw. bis zur Unkenntlichkeit verändert werden.  Beispiele aus der Vergangenheit gibt es dafür genug.
  507. Der TV-Entertainer Stefan Raab will eine Autoball-Europameisterschaft durchführen. "Die Aufgabe besteht darin, auf einem umrandeten Spielfeld mit einem normalen Straßenflitzer einen übergroßen Ball ins gegnerische Netz zu befördern."  Diese innovative  Idee wird von einem Millionenpublikum verfolgt werden. Hat dieser Mensch denn gar kein kritisches Bewusstsein oder ist er eine bloße Funktion bestimmter Interessenverbände? Oder was? 
  508. Daimler Vorstandschef  Daimler Dieter Zetschke: "Unser Weg zu nachhaltiger Mobilität führt über technologische Innovationen, nicht über Verzicht."  Wenn dieses Ziel nicht erreicht wird, was dann?  Den  Verzicht apodiktisch auszuschließen, erscheint mir  techno-logisch  widersinnig, weil technologische Voraussagen - wie wir wissen - eben nicht immer realisiert werden.
  509. Es ist fast nicht zu glauben, mit welcher Chuzpe die große Mehrheit der habituellen Autofahrer offensichtlich nicht einen Meter weniger fährt, obwohl die Medien jeden Tag Informationen zum Klimawandel bringen. 
  510. In Prinzip bietet  das Auto den gleichen Schutz wie das Haus, indem beide sich von der Welt abschotten.  These: Die Faszination des Autos speist sich aus der Angst vor den Weltdingen.
  511. Drei etwa zehnjährige Jungen fahren in unsere Straße hinein. Sagt der eine: "Hier habe ich noch nie einen Menschen  gesehen." Kommentar der zwei anderen: "Stimmt!
  512. "Wer  ausschließlich Ortsveränderungen mit Hilfe von Fremdenergie durchführt, ist nicht in der Lage, seine körperlichen Fähigkeiten real einzuschätzen.  Man bekommt schlicht nicht mit, dass  der körperliche Zustand bereits als kritisch zu bewerten ist.
  513. Immer mehr Menschen wird das Auto zur ersten Natur.
  514. Sie und er sind  sechzig Jahre alt, beide sind nicht schlank. Sie fahren ein ultramodernes Sportauto. Das bestätigt meine These, dass Sportlichkeit und sportliches Auto sich umgekehrt proportional verhalten, dass die Hauptfunktion des Autos ist, nicht von A nach B zu kommen, sondern dass über Größe, Form und Preis Defizite der Fahrer kompensiert werden sollen.
  515. Das Automobil macht mich nicht mobil, sondern unbeweglich.
  516. Er  kommt nach einer zehnstündigen Autofahrt ohne Unterbrechung nach Hause - und fährt gleich wieder los.
  517. Mein Neffe sagt stolz, aber auch mit Ehrfurcht, sein teures Auto stecke voller Technik. Technik ist aber nicht sein Können, sondern gekauftes Können. 
  518. Ist es nicht ein Segen, dass man zumindest in dieses kleine Stück Landschaftsschutzgebiet nicht mit dem Auto fahren darf.
  519. Verhäßlichung der Welt entsteht direkt oder  strukturell durch Fremdbewegung.
  520. Maxime: Je schöner eine Landschaft, je historisch sensibler ein Stadtteil ist, desto weniger dürfen deren Bewohner sich in Autos fortbewegen. In den Zentren der Schönheit und historischen Sensibilität müsste gänzlich auf das Auto verzichtet werden.  
  521. Jede Straße mag ja ihre Bedeutung haben, aber in der Summe zerstören sie Landschaft und - falls es Autostraßen sind - auch die Städte.
  522. Die Asphaltstraße in der Landschaft ist das ganz Andere, das Fremde. das Störende.
  523. Warum müssen sich die Stadt, das Dorf und die Landschaf fast immer  dem Auto anpassen. Warum verschwindet es nicht - zumindest aus bestimmten Situationen?
  524. Es wäre bereits ein Fortschritt, wenn das Auto  nicht als Muß. sondern als Möglichkeit wahrgenommen würde. Also man benutzt es beispielsweise im Falle des Krankseins oder wegen der Unerreichbarkeit  eines Orts mit anderen Verkehrsmitteln. Wer prinzipiell mit dem Auto fährt, hat sich bereits ein Stück vom Leben verabschiedet.
  525. Warum kann  man nicht zumindest auf Usedom oder Sylt seinen Urlaub ohne Auto verbringen? Das wäre das wenigste.
  526. Der Horizont des Autofahrers ist nicht der der Welt.
  527. Worin besteht strukturell der Unterschied zwischen ein Leben im Rollstuhl und eines im Auto? Beide verzichten auf Eigenbewegung. Aber der Rollstuhlfahrer ist zu diesem Leben gezwungen und leidet, der Autofahrer lebt dieses Leben freiwillig und leidet zwar auch, bemerkt dieses aber nicht. 
  528. Jede Autofahrt ist objektiv ein Beitrag für die Klimaverschlechterung. Man sollte sich bei jeder Fahrt die Frage nach der Notwendigkeit stellen.
  529. Von wenigen löblichen Ausnahmen abgesehen, befinden sich alle meine Verwandten, Freunde, Bekannten, Nachbarn und Arbeitskollegen auf dem totalen Auto-Trip -  ob in den Urlaub, ob zum Einkaufen oder selbst zur Sportveranstaltung,  immer mit dem Auto.  
  530. Wenn man Auto fährt, verliert man schnell die desaströsen Folgen auf sich selbst und der Umwelt aus den Augen. Hier scheint es sich um ein generelles Phänomen bei der Nutzung von Technik, ja beim Tun zu handeln: Die ständige Beachtung der negativen Seiten würde die Effektivität massiv beeinträchtigen.
  531. Man stelle sich vor den Auspuff eines anfahrenden Autos,  und man begreift  über Anschauung seine Destruktivität.
  532. "Raucher denken anders als Nichtraucher, sie lassen die Konsequenzen alternativer Handlungen in ihren Entscheidungen unberücksichtigt" fanden US-Forscher heraus. Gleiches gilt für prinzipielle  Autofahrer.  Sie wissen nichts über ihr Bewegungskönnen, über Fahrpläne, über vergleichende Kosten usw. Sie leben bezüglich Ortsveränderungen ein reduziertes Leben in der eindimensionalen Autowelt, ein Leben, das auch Einfluss auf ihre andere Lebenspraxen, ihr Denken, ihre Werte und Gefühle hat. 
  533. Das Können des Autos ist nicht mein Können, sondern das Können des Autos und das seiner  Konstrukteure. Die Bedienung des Autos könnte man als sekundäres Können bezeichnen, aber dieses Können ist  etwas ganz Anderes als das Können des jeweiligen Autos. Ich fahre nicht, sondern das Auto fährt. Darüber sollte man sich keine Illusionen  machen.
  534. Ein Wintersportort in Hochlage. Hier ist noch Schnee. Im Gegensatz zum letzten Jahr haben   die Anzahl der Autos und deren Größe noch zugenommen.
  535. Für immer mehr Menschen wird das Auto zunehmend in funktionaler Hinsicht ein "natürliches" Körperorgan, das ständig emotional und geistig präsent ist.
  536. Fahre ich Auto, reduziert sich meine Wirklichkeitserfahrung auf  ca. fünf Prozent. Der Trend zur Entwirklichung wird immer stärker. In welchem Zustand befindet man sich, wenn Wirklichkeitserfahrung nicht mehr vorhanden ist? Ich empfinde und nenne ihn den Tod des Menschen.
  537. Warum sind so viele Menschen glücklich und stolz, wenn sie Auto fahren, also still gestellt und körperlich enteignet sind?  Bei Rollstuhlfahrern habe ich dieses Hochgefühl noch nicht beobachten können. 
  538. Ich bin seit langem wieder mit dem Auto quer durch die Stadt gefahren. Überall herrschte viel Verkehr.  Schon während der Fahrt, aber noch stärker danach, stellte sich Traurigkeit ein, denn die Seele war wegen der Banalität des Tuns und der Leere des durchkreuzten Raumes enttäuscht und beleidigt.  
  539. Die Bewegungen, die man im Auto  oder vor dem Fernseher erfährt, sind  aus der Perspektive des Wahrnehmenden  Phantombewegungen,  virtuelle Bewegungen, Kopfgeburten  und eben keine Eigenbewegungen.Jeder Ort, sei es ein Gebäude, Stadtgebiet oder Landschaft,  verliert drastisch an Wert, wenn er direkt mit dem Auto zu erreichen ist.
  540. Nach einer Umfrage ist das Auto für Deutsche unverzichtbar, unabhängig davon, ob sie es beruflich benötigen oder  nicht.
  541. Die Vernunft hat noch einen langen Weg vor sich, diesen hohen Grad der  Entfremdung zu überwinden.
  542. Die erste Aufgabe besteht darin, einen freien, unideologischen Blick für die großen Zerstörungen durch das Auto zu erlangen. Das hätte man wenigstens eine objektive Gesprächsgrundlage.
  543. „Autofahren macht frei.“  Man analysiere auf dem Hintergrund dieses Satzes die Situation, einen Parkplatz zu finden. Man ist in dieser Situation – auch zeitlich vollkommen fremdbestimmt – und wird u. U. nicht einmal belohnt.
  544. Wir leben in einem rollenden Zeitalter, wobei Räder  den Kontakt zur Wirklichkeit minimieren, nämlich auf einen Punkt, der ständig durch einen anderen  Punkt ersetzt wird.Beim Autofahren verschmilzt der Körper mit dem Auto, das Bewusstsein mit der Fahrbahn.
  545. Eine (1) mögliche Erklärung der Tatsache, dass trotz Klimawandels unverändert viele Menschen tagtäglich ohne schlechtes Gewissen jede Ortsveränderung mit dem Auto realisieren: Alle Anderen fahren auch, seien es Nachbarn, Verwandte, Arbeitskollegen usw. 
  546. Im Dunkeln und im Sprühregen auf der Autobahn. Tausende Autos kommen einem entgegen, von vielen wird man überholt. Man sieht nur Schatten, keinen Menschen. So stelle ich mir den modernisierten Hades vor- eine vollkommen reduzierte und entmenschlichte Welt, in der ich nur allein, stundenlang gefesselt am Sitz scheinbar existiere. Und das soll  höchste Lebensqualität sein?
  547. Ich vermute, dass mindestens in neunzig Prozent der Haushalte  der Transport alle  Waren, seien es Briefmarken oder Bierkästen,  ausschließlich nur noch per Auto oder Paketdienste geschieht. Sie werden  also nicht  per Fuß oder Rad aus einem Laden geholt.
  548. Eine Untersuchung will  herausbekommen, wie sich die Kieler bewegen. Gemeint sind  mit "bewegen" Ortsveränderungen mit dem Auto, Flugzeug oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Durch ständiges Autofahren entsteht Ortlosigkeit.
  549. Da zumindest in Europa und Nordamerika nahezu jeder Erwachsene ein Auto hat, sind alle Städte  und Dörfer (mehr oder weniger auch die Landschaften) von der gleichen schweren Auto-Krankheit  befallen, so dass sie zunehmend unbewohnbar und hässlicher werden. 
  550. Wie soll in der  Auto-Gesellschaft  lebendige Öffentlichkeiten entstehen? Es finden keine spontanen Begegnungen statt, sondern fährt mit Sicherheit aneinander vorbei. In dieses entstehende soziale Vakuum stoßen die Medien. 
  551. Dass das Auto für  immer mehr Menschen einen höheren Wert einnimmt als die Wohnung oder das Haus, ist  Ausdruck der zunehmenden gesellschaftlich-wirtschaftlichen Dynamik.  
  552. Das geistige und praktische Leben ist weitestgehend konsumorientiert, wobei im Zentrum des dadurch entstehenden Warenkosmos das Auto steht. Es gibt nicht wenige Leute, deren Lebensmittelpunkt das Auto ist: Ein Leben für das Auto.
  553. Wenn zwischen großer "Dreckschleuder" und kleinem Auto mit relativ geringen Emissionen gewählt werden kann, gewinnt wohl immer das große Auto.  
  554. Wenn das Wetter noch schlechter wird, könnte selbst ich auf das Auto umsteigen, wohl wissend, dass ich den Klimawandel damit vorantreibe. 
  555. Im  Verb "rasen"  sind die Bedeutungen von  "sehr schnell fahren" und  von "verwirrt sein" enthalten.  Die Gemeinsamkeit hat  sicherlich einen Grund. 
  556. Um die Lebensqualität in den Städte  wesentlich zu verbessern, muss der Individualverkehr drastisch eingeschränkt werden. Der Bürger muss sich entweder für die Stadt oder für das Auto entscheiden, ein Drittes gibt es nicht.
  557. Nach meinen Beobachtungen fahren diejenigen besonders viel Auto, die in ihrer beruflichen Tätigkeit fast ausschließlich sitzen. Liegt es daran, dass sie die Möglichkeit, sich selbst zu bewegen, verlernt haben?
  558. Ein Bekannter von mir vermutet, dass nicht wenige Autofahrer  jeden Meter mit ihrem Auto zurücklegen, weil sie dafür sorgen wollen, dass demnächst Winterbereifung überflüssig wird. 
  559. Zwei sehr alte Autofahrer haben sind  mit ihren teuren Prestigeautos  (um das Alter zu kaschieren?)  in Menschenansammlungen gefahren. Es gab Tote und Verletzte. Ich meine,  ab 75 Jahren sollte jeder Autofahrer jährlich eine Tauglichkeitsprüfung ablegen müssen. 
  560. Sie fährt mit ihrem großen Wagen  zu ihrer zwei  Kilometer entfernt wohnenden Freundin, joggt mit dieser eine halbe Stunde und fährt dann zurück.
  561. Dumm gelaufen: Das junge Paar hat sich ein Einfamilienhaus gekauft. Zu spät haben sie bemerkt, dass die einzige Haustür und die Autogarage sich links und rechts vom Haus befinden.  Nun müssen sie - und das beklagen sie berechtigt -  nach jeder ihrer vielen Autofahrten jedes Mal  ganz ums Haus gehen. 
  562. Wir haben in unserer Nähe ein sehr schönes Landschaftsgebiet. Viele Autos  fahren mit ihrem  Hund nicht bis an die Grenze, sondern bis ins Zentrum dieses Gebietes, parken und lassen dort ihre Lieblinge laufen. 
  563. Ich habe vor mehreren Jahren die Maxime formuliert "Ich fahre Auto, also bin ich."  Diese Formulierung muss modernisiert werden in "Ich fahre große Autos, also bin ich."
  564. Das Parkhaus kann man als das Paralleluniversum  einer hochgradig technisierten modernen Gesellschaft interpretieren: Dominanz der Künstlichkeit und Technik, vollkommene Geregeltheit, reine Funktionalität, künstliches Licht, Naturunabhängigkeit,  Transformation der Menschen zu  Schatten, Begegnungslosigkeit, Hässlichkeit, ....
  565. Die Haustüren in unserem Viertel öffnen sich nur noch, um ins Auto zu steigen, nicht wegzugehen - von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen. 
  566. Das Wetter wird immer schlechter, und die Zahl der Autofahrten nimmt zu.  Wo ist die Vernunft geblieben?
  567. Das laute Autoradio soll die Leere des Autofahrens überdecken.  Das ist keine langfristige Lösung. 
  568. Zwischen zwanghaftem Autofahren einerseits und  monadischer,  atomistischer bzw. oberflächlich-waagerechter  Lebensweise besteht ein notwendig enger Zusammenhang.
  569. Autofahren ist Beschränkung auf  Asphalt, Verkehrszeichen und  Wahrnehmen anderer Autos (nicht Menschen!). Auf lange Sicht führt die Summe der tagtäglichen Beschränkungen zur Beschränktheit. 
  570. Die Dominanz des Autos in der  Alltagswelt ist wesentliche Ursache dafür, dass das spontane Gespräch mit dem Nachbarn,  mit dem Fremden verschwindet. Das Gespräch ist nach Hölderlin das Wesen des Menschen. Wahrscheinlich wird das Gespräch nur noch als Pseudo-Gespräch ein Nischenleben im Internet führen. 
  571. Die Absage der Rallye Dakar wird mit  Sicherheitsrisiken begründet,  sollte aber aus ökologischen und aus anti-hegemonialen Bestrebungen  erfolgen.  Die Rallye ist reine Fremdherrschaft. 
  572. An die Motor-"sportler":  Selbst  500 Kilometer  mit dem Auto oder Motorrad ersetzen nicht drei Kilometer zu Fuß oder fünfzehn Kilometer mit dem Rad.
  573. Die Zeichen mehren sich, dass das hundertjährige Zeitalter des Autos zu Ende geht. Der größte verkehrspolitische Irrtum, der Individualverkehr, verliert schlicht seine Argumente.
  574. In Los Angeles wird momentan ein Riesenprojekt realisiert, das die Mitte der Metropole wieder zum Glänzen bringen soll. "Das Projekt ist ein Musterbeispiel für eine Bebauung, die auf öffentliche Verkehrsmittel ausgerichtet ist. Es wird all denen eine Alternative bieten, die an einem Ort wohnen, arbeiten und sich vergnügen wollen, ohne in ein Auto zu steigen" (FAZ v. 5. 1. 08 "Auf der Suche nach der verlorenen City"). Das wäre der neue Stadtmensch. Die Formulierung "neuer Stadtmensch" zeigt deutlich, in welchen Tiefen der Gesellschaft und Seelen das Auto gedrungen ist.
  575. Was bedeutet das Wort “Der Weg zerstört das Ziel”? Dazu ein Gedankenspiel: Eine kleine Insel im Ozean mit einer intakten Natur bekommt einen Flugplatz, der einen Drittel der Inselfläche einnimmt. Zusammen mit den entsprechenden Infrastrukturmaßnahmen wird die Natur dermaßen eingeschränkt, dass man sehr wohl von ihrer Zerstörung sprechen kann, ja muss. Die Einrichtung von Straßen (dazu gehören auch Flugplätze) zur touristischen Erschließung führt zur Zerstörung des eigentlichen Ziels, nämlich die unberührte Natur. Grundsätzlich liegt hier die Heisenbergsche Unschärferelation vor, d. h. ein beobachtendes Subjekt beeinflusst das beobachtete Objekt. Bei der Beobachtung gilt es, den Einfluss zu minimieren, wenn das Objekt so weit wie möglich erhalten bleiben soll. Konkret heißt das: möglichst “kleine” und wenige Straßen zum und im Zielgebiet, wobei das Verhalten der Menschen auf den Wegen Ziel schonend sein muss.
  576. Herr K. ist ein begeisterter Autofahrer. Stolz berichtet er, dass er jährlich im Durchschnitt dreißigtausend Kilometer fahre und das schon seit vierzig Jahren. Man müsste einmal die riesige Menge Emissionen ausrechnen, die im Laufe dieser Zeit an die Umwelt “übergeben” hat.
  577. Da von immer mehr Menschen immer kleiner werdende Distanzen allein mit dem Auto zurückgelegt werden und da immer mehr Autos ohne Funktion größer und länger werden, scheint es mir nur sinnvoll zu sein, wenn die Benzinpreise weiter steigen.
  578. Es ist nicht nachvollziehbar, dass jemand längere Strecken lieber mit dem Auto als mit dem Zug fährt - abgesehen von ökologischen Gründen. Im Zug kann er lesen, schlafen, gepflegt essen, sich an seinen Partner kuscheln, mit anderen Menschen ins Gespräch kommen oder sie beobachten.
  579. Der gewohnheitsmäßige Autofahrer und Fernsehkonsument bleibt weit unter seinen Möglichkeiten.
  580. Der moderne Mensch geht nicht mehr, weil er keine Lust, bald geht er nicht mehr, weil er es nicht mehr kann.
  581. Wer nicht geht, verlernt das Gehen.
  582. Ein Aspekt von Lebensqualität besteht darin, nicht Auto fahren zu müssen.
  583. Zukunft: Nachdem im Jahre 2021 endlich die letzten Bürgersteige entfernt wurden, um einen optimalen Verkehrsfluss des Individualverkehrs zu gewährleisten, gibt es immer noch einige Bürger, die sich nicht an bestehende Gesetze halten, indem sie sich ohne Auto auf Straßen aufhalten. Es wird aber gehofft, dass durch strikten Polizeieinsatz und Warnungen in den Medien, diesem unverantwortlichen Verhalten Einhalt geboten wird. Der Autofahrer muss geschützt werden.
  584. Der “natürliche” Feind des Stadterhalters und Stadtplaners ist der Individualverkehr, also das Auto.
  585. Das Auto vereinzelt, öffentliche Verkehrsmittel integrieren. Ich meine, im Zugwaggon finde man viele lebendige Situationen und Lebensformen, von denen der Autofahrer nichts mehr erfährt. Aber man findet das Leben nicht nur dort, sondern man kann an ihm teilnehmen.
  586. Wer Auto fährt, versteckt sich und ersetzt in der Begegnung seinen Leib durch den Autokörper.
  587. Autogerechte Städte und Landschaften sind verschmutzte Städte und Landschaften.
  588. Mein reicher Verwandter schenkt seinen studierenden Kindern nicht irgendein (kleines) Auto, sondern Großraumlimousinen.Wie so häufig bei uns, endet auch sein Nachname auf “-sen” wie Hansen oder Petersen. Ich glaube, er und seine Familie hätten nichts dagegen, “Familie Autosen” genannt zu werden, denn alles dreht sich bei ihnen ums Auto. Sie fahren und fahren, rangieren, tanken, putzen, reparieren ihren Autopark. Ich dachte immer, dass gäbe es nur in Amerika. Abgesehen von dieser wohl pathologisch zu nennenden Fixierung sind übrigens diese Verwandten ganz normale, ja nette Menschen.
  589. Momentan müssen viele Garagen und Carports im Rahmen der Ersetzung von Normalautos in Kleinbusse und Farmerwagen beträchtlich erweitert werden.
  590. Für den überwiegenden Teil der Bevölkerung (selbst für die politische “Linke”) ist die Kritik des Autos sinnlos, überflüssig, rückwärtsgewandt, technikfeindlich usw. Warum? Ich denke, das Auto ist für diese Menschen zur Natur, zum natürlichen Teil ihres Körpers und Bewusstseins geworden. Und wer will und kann schon auf seine Hände, Ohren oder Herz verzichten? In diesem Zusammenhang erkläre ich mir das schon verbissen anmutende Autofahren um jeden Preis aus dem Bestreben, das Auto als einziges Mittel der Fortbewegung zu universalisieren und somit Fakten zu schaffen, die unumkehrbar sind.
  591. Das (fahrende) Auto reduziert drastisch Leben im Auto, nämlich das der Autoinsassen, aber auch Leben außerhalb des Autos, nämlich das der anderen Lebewesen und Lebendigkeit in Form von Kommunikation, schöner Umgebung, sauberer Luft.
  592. Raucher und Nichtraucher handeln in einem Raum verschieden. Als Mensch sind sie grundsätzlich gleichwertig, aber nicht als Raucher bzw. Nichtraucher in Beziehung zu gesundem Leben. Gleicher Unterschied besteht zwischen Autofahrer einerseits und Fußgänger und Radfahrer andererseits. Die kategoriale Täuschung der Autolobby besteht darin, dass sie Autofahrer mit Mensch gleichsetzt und damit die Differenzen wegdefiniert.
  593. Wie bereits früher erwähnt, beabsichtige ich eine Genossenschaft auf Gegenseitigkeit für potentielle Autofahrer zu gründen. Die Spielregel wird einfach sein: Für jede Fahrt im Auto erhält der Genosse 5 Euro Schmerzensgeld, für jede unterlassene Fahrt muss der Genosse die gleiche Summe nun aber einzahlen, nämlich für die Lebensqualität, ja -genuss, die sich bei ihm als Fußgänger oder Fahrradfahrer einstellen wird. Wer öffentliche Verkehrsmittel benutzt, bekommt zwar kein Geld, muss aber auch nichts bezahlen. Ich zögere noch mit der Gründung dieser Genossenschaft, weil ich mir nicht sicher bin, ob sie zumindest eine ausgeglichene Bilanz oder sogar Gewinn ausweisen wird.
  594. Jede Autofahrt verschmutzt die Umwelt. Wer das nicht glaubt, möge seinen Mund und Nase vor den Auspuff eines startenden Autos halten.
  595. Wer ständig ohne Notwendigkeit mit dem Auto fährt, ist auch unachtsam gegen sich selbst.Wenn der Mensch lebt, hat er immer eine Umwelt. Aber Umwelten unterscheiden sich, eine Gefängniszelle ist eine andere als die einer Wohnung. ein Maisfeld eine andere als ein Wald, die Autoinnenwelt eine andere als die der Straße. Auf eben diese Unterschiede kommt es allerdings an, hier muss die ideologiefreie Analyse ansetzen. Natürlich gibt es immer auch eine Umwelt der Umwelt usw., aber die sekundäre ist nicht die entscheidende.
  596. Diskutiert man mit habituellen Autofahrern, die prinzipiell jede Strecke mit dem Auto zurücklegen, die Folgen ihres Tuns auf Klima, Landschaft, Stadt, Kommunikation und auf ihre eigene Gesundheit, bleibt zuletzt immer nur ein vollkommen subjektives, nicht hintergehbares Pro-Argument nach: Es ist bequem. Und für diese Bequemlichkeit gefährden wir die Zukunft der Erde.
  597. Idiot kommt aus dem Griechischen von dem Wort “idiotes” her und bedeutet Privatmann, unkundiger Laie, Stümper. Muss man zumindest im Zustand des Fahrens den Autofahrer nicht als Idioten bezeichnen, weil er hermetisch von der sozialen, natürlichen und kulturellen Umwelt abgeschnitten ist und seine körperliche Kompetenz sich auf das Drehen des Steuers und seine geistige sich auf die Beachtung weniger Verkehrsregeln beschränkt?
  598. Das gegenwärtige Erkenntnis-Apriori sind nicht die Kategorien und Anschauungsformen Kants, auch nicht die Lebenswelt Husserls, sondern die Wahrnehmung, das Denken und Handeln im, aus und vom Auto aus.
  599. Jeden Morgen setzen sich von jedem Haus ein, zwei oder mehr Autos in Bewegung, um nahe oder ferner gelegene Ziele zu erreichen, obwohl es oft Alternativen dazu gibt. Ich setze diese prinzipielle Bewegungsunlust mit Lebensverdruss gleich.
  600. Wolfsburg ist wie alle Städte eine Autostadt und nennt sich auch so. Wo und wann entstehen Menschenstädte?
  601. Die Autokritiker haben die Masse der Autofahrer gegen sich. Die Tatsache der Masse ist für viele Menschen ein hinreichender Grund, selbst zur Masse zu werden, unabhängig davon, was diese vertritt. Das macht die Masse fast unangreifbar. Offenbar birgt die Masse und nimmt ihren Mitgliedern das Denken ab. Das ist vielleicht das Merkmal, dass man, obwohl zur Masse gehörend, über diese Zuordnung nicht glücklich ist.
  602. Montaigne findet, “dass alle bösen Charakterzüge auf Gewohnheiten zurückgehen”. Wie die habituelle Autonutzung ändern? Durch Aufklärung und Vorbild.
  603. Autoschilder mit den Anfangsbuchstaben des Eigennamens haben Konjunktur. Sie haben Sakramentscharakter, d. h., das Auto verschmilzt mit dem Ich, bilden beide  eine gewollte und erwünschte unauflösbare Einheit.
  604. Alle, selbst die Theoretiker und Praktiker der körperlichen Bewegung, des Sports und der Gesundheitserziehung, reden um den heißen Brei, nämlich: Der gegenwärtige Umgang mit dem Auto ist der Hauptproblemverursacher.
  605. Wer fährt, ist still gestellt.
  606. Benzinpreiserhöhungen sind objektiv für das Klima gut, wenn sie zu einer Reduzierung der Autofahrten führen. Obwohl die meisten der habituellen Autofahrer von Abzocke sprechen, hätten Erhöhungen auch eine Verbesserung ihrer Gesundheit zufolge.
  607. Warum wird die Kritik des Autos (genetivus objektivus) so wenig zugelassen? Als genetivus subjektivus ist es übrigens höchst erfolgreich. Mögliche Antworten: Das eigene Auto ist bereits der Kern der Identität. Das Auto ist das Symbol des Wirtschaftswunders und mächtig emotional besetzt.
  608. Die Stadt ist “menschenkonzentriert”. Diese Konzentration wird durch die Autopräferenz aufgelöst, es entsteht Siedlungsbrei. Macht also die Stadt menschengerecht, nicht autogerecht.
  609. Wenn mehr als sechs Millionen Autos pro Jahr durch eine Straße fahren, gilt sie als lärmproblematisch. Möchtest Du, dass dort Dein Kind oder Enkel aufwächst?
  610. Natürlich ist die Bahnfahrt Fremdbewegung. Für mich hat sie aber immer etwas Festliches, vielleicht, weil man mit Menschen in Kontakt kommt.
  611. Die bei vielen Menschen grundsätzliche Präferenz für das Auto kann ich mir am besten noch pathologisch erklären.
  612. Schnelligkeit zerstört den Wert eines Raumes, schon deswegen, weil er nicht mehr wahrgenommen wird. Die Zeit ersetzt den Raum.
  613. Die Zerstörungen durch autofördernde Maßnahmen werden vielleicht deswegen oft nicht bemerkt, weil sie punktuell und schleichend realisiert werden. Langsame Veränderungen verlieren - im Gegensatz zu Kriegszerstörungen, obwohl genauso gravierend - oft den Charakter der Gewalttätigkeit. Zudem ist die Autolandschaft oft eine blitzsaubere bezüglich Abfall.
  614. Beim Rauchen bleibt ein Teil der giftigen Emissionen im Raucher, beim Autofahren werden alle Emissionen in die Umwelt gepufft. Der Fahrer sitzt in der guten Luft, der Spaziergänger, der Radfahrer, die spielenden Kinder atmen die giftigen Emissionen ein.
  615. Habituelles Autofahren schafft keine Heimat, sondern Straßenkarten.
  616. Autos und Fernseher sind Apparate, die dem Seienden die Möglichkeit nehmen, sich zu melden (nach Heidegger).
  617. Meine Cousine dritten Grades fährt täglich mindestens zweimal mit dem Auto in das entfernt liegende Einkaufszentrum. Warum macht sie das? Sind es die Waren oder die Menschen oder die Langeweile oder die Einsamkeit - eine Notwendigkeit besteht jedenfalls nicht.
  618. Mit dem Auto abends bei regnerischem Wetter auf der Kreisstraße. Die entgegenkommenden Fahrzeuge bilden eine ununterbrochene Kette, man sieht nur Scheinwerfer und dunkel Kompaktes. Darin müssen Menschen sitzen: wer, wie viele, welche Gesichter sie haben, all das ist mir verschlossen. So stelle ich mir die Hölle vor - und viele Menschen suchen sie freiwillig auf.
  619. Warum muss eigentlich das Auto direkt am Haus, möglichst am Hauseingang stehen? Warum nicht zwischen Wohnung und Autoparkplatz 300m Abstand schaffen? Damit wäre viel gewonnen.
  620. Im Auto fahren heißt größte Abstraktion im Sinne von “absehen von”. Im Zug auch sinnliche Verluste, aber nicht im sozialen Bereich.
  621. Vermutung: Je kleiner die Vernunft, desto größer das Auto.
  622. Die Autowelt ist eine stark reduzierte Welt. Man spricht immer davon, dass durch das Auto viele Orte erreichbar seien, aber man spricht nicht von den Orten, die mit dem Auto nicht erreichbar sind und schon gar nicht von den Orten, die vom Individualverkehr zerstört wurden.
  623. Immer mehr Männer und Frauen kaufen zu Hause an Computern ein. Diesen neuen Typ von Kunden nennt man Coucher. Von der Couch aus können diese Menschen bewegungslos ihre Konsumbedürfnisse befriedigen. Es entfallen selbst die Minimalbewegungen, zum Auto zu gehen und später auszusteigen. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad einzukaufen, entschwindet gänzlich aus dem Bewusstsein.
  624. Überschrift eines Zeitungsartikels “Die Tankstelle als Ort des Grauens” zur Erhöhung der Benzinpreise. Fängt bereits hier das Grauen an?
  625. Wie auch immer der gegenwärtige (Nov. 07) Streik der Lokführer bewertet wird, objektiv ist das Auto der Gewinner.
  626. Ich vermute, dass in letzter Zeit eine große Anzahl von privaten Busunternehmen gegründet worden sind. Jedenfalls sieht man in unserer Straße zunehmend mehr oder weniger große Busse fahren und parken, während die kleineren Wagen verschwinden.
  627. Warum nicht folgenden Autoaufkleber mit folgendem Text entwickeln: “Ich fahre im Jahr weniger als 3 000 Kilometer!”? Natürlich lassen sich hier auch andere Zahlen einsetzen.
  628. Nach Schätzungen von Fachleuten könnte sich die Nachfrage nach Energie bis 2050 verdoppeln. Und wir lehnen nahezu kategorisch die Sinnhaftigkeit und Schönheit der energiesparenden Eigenbewegung ab.
  629. Wer rastet, der rostet. Autofahren gehört in diesem Kontext zum Rasten und damit zum Rosten.
  630. Natürlich hat jedes Ding Vor- und Nachteile. Die Vorteile des Autos sind gegenüber den Nachteilen sehr gering, denn die negativen Auswirkungen des Autos auf Menschen und Umwelt sind schlicht katastrophal. Merkwürdig ist schon, dass so viele Menschen vor diesen Nachteilen ihre Sinnesorgane verschließen und ihr kritisches Denkpotenzial ausschalten.
  631. Aus einem Zeitungsartikel: Der sechsjährige N. aus R. ist bereits Motorsportler. Er hat ein eigenes kleines Motorrad. Und damit saust er über die Trainingsstrecken in X, Y und Z. An all diesen Orten gibt es nämlich Motorrad- oder Automobilclubs, die für Kinder und Jugendliche Probefahrten anbieten. Er hat schon viele Pokale gewonnen.
  632. “Heidi Klum, Topmodel, verwöhnt Ehemann Seal mit einem Ferrari. Seine Kinder wiederum will der Ehemann mit einer Carrera-Bahn für schnelle Autos begeistern.” Da hat Vernunft wohl keine Chance mehr.
  633. Wenn es stimmt, dass der Mensch zum Naturwesen erzogen wurde bzw. wird und nicht zu einem offenen, mit Freiheit begabten Wesen, dann überrascht es nicht, dass er die Gesellschaft und deren Produktionen als Natur begreift. Sätze wie “Das Auto kann man nicht mehr zurückdrängen” ist ein Beleg für dieses Bewusstsein.
  634. Eine Hypothese: Zwischen Übergewichtigkeit und massive Nutzung von Technik besteht statistisch ein Zusammenhang. Anders formuliert: Je technischer ein Gesellschaft, desto dicker ihre Mitglieder.
  635. Die Wohnzimmer sind nicht mehr zur Straßenseite gelegen, selbst wenn diese südlich liegt. Zur Straßenseite findet man nur noch Toiletten-, Küchen- und Flurfenster.
  636. In der Stadtplanung ist es wichtig, autoneutralisierende Effekte von Beginn an einzubauen. Ist erst einmal die Notwendigkeit, bestimmte Distanzen zu Fuß oder mit dem Rad zu überwinden, habitualisiert, gibt es (fast) keine Widerstände mehr.
  637. In einem Trash-Sender hörte ich vor kurzem permanente Hinweise, wo Geschwindigkeitsmesser installiert sind. Ich denke, dass hier eindeutig Hilfestellung für Raser geliefert wird, ohne Einbußen rasen zu können. In Analogie könnte der Sender ebenfalls Hinweise geben, welche Geschäfte, Banken oder Häuser bewacht werden.
  638. Mein Cousin fährt jeden Kilometer mit dem Auto, zum Ausgleich joggt er zweimal wöchentlich.
  639. Lebensstärkende Maxime: Kauft nicht in Großmärkten auf der grünen Wiese.
  640. Um die riesige Bedeutung des Autos in unserer Gesellschaft zu ermessen, stelle man sich Veränderungen in seiner Heimatstadt vor, wenn es dort keine Autos mehr gäbe. In einem zweiten Gedankenschritt entwickele man dazu eine positive Utopie: Kinder spielten auf der Straße, man begegnete auch in den Seitenstraßen wieder Menschen, man bräuchte nicht viele Kilometer zu fahren, um seine Einkäufe zu tätigen, sondern ginge zu Fuß zu den umgebenden Geschäften, die Luft wäre wesentlich sauberer, man könnte vor der Haustüre sitzen, der homogene Lärmteppich verschwindet, Schönheit wäre präsent, Augen-blicke ständig möglich, die …..
  641. Späte Einsicht! Der zweimalige Formel-1-Weltmeister Mika Häkkinen begründet seinen Rücktritt damit, dass er von der Raserei genug habe. Recht hat er.
  642. Zur Macht des Autos in modernen Gesellschaften: “Russlands Autofahren haben wieder einmal bewiesen, dass sie als einzige gesellschaftliche Gruppe im Land zivilen Widerstand gegen die Willkür der Staatsgewalt zu organisieren vermögen” (Rebellion in Nowosibirsk, FAZ am 1. 11. 07).
  643. Autofahren ist realer Verlust von Welt- und Selbsterfahrung. Man fährt an den Dingen vorbei, seien es Menschen, Tiere, Pflanzen, Berge und Häusern. Im Zug oder Bus hat man allerdings die Möglichkeit, soziale Erfahrungen zu machen.
  644. Ich halte es für falsch und insbesondere gegenüber Kindern unverantwortlich, mit dem Auto nach xy zu fahren, wenn auch andere Möglichkeiten bestehen. Mit dem Kind zur Haltestelle gehen, dort den Zug, Bus oder das Schiff besteigen und dann gemeinsam zum Ziel laufen: Mit welch´ einer Fülle von Eindrücken verschiedenster Art wird es konfrontiert!
  645. Eine Vermutung: Vielleicht liegt die große emotionale Bindung an das Auto in der "Erinnerung" frühkindlicher Erfahrungen im Kinderwagen oder vorgeburtlicher im Mutterleib: Die Ursituation der bewegungslosen Bewegung.
  646. Man versteht etwas nur, wenn man auch dessen Gegenteil kennt, also Freiheit und Unfreiheit, Eigenbewegung und Fremdbewegung. Die erfreuliche Zunahme von Bewegungsthemen in den Medien leidet grundsätzlich daran, dass sie nicht ihre Negation, hier zuallererst das Auto, reflektieren. Hier scheint offensichtlich eine Art Tabu zu herrschen, vielleicht auch deswegen, weil jeder von uns aktiv am Individualverkehr beteiligt ist. Diese "Rücksichtsnahme" ist aber nicht zwingend notwendig, weil es nicht um ein Entweder-Oder, sondern um ein Weniger geht.
  647. Natürlich ist die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln keine Eigenbewegung, zumindest nicht im Makrobereich. Aber sie sind aus Emissionsgründen und aus sozial-kommunikativen Gründen dem Auto weit überlegen.
  648. Wenn alle in der Straße nur noch große Autos besitzen, entsteht ein Druck, dem sich selbst Mittellose schwer entziehen können.
  649. Das Auto ist heute primär ein Symbol und sekundär ein Gebrauchswert. Weil es ein Symbol ist, wird es viel häufiger gefahren als notwendig.
  650. Vielleicht ist es etwas pointiert, wie die junge Russin Mascha Malinowskaja zu behaupten, dass man Männer objektiv wie Autos betrachten könne. Aber mit der nötigen Vorsicht lassen sich schon Schlüsse ziehen wie "Ein dicker Schlitten weist  auf mangelnde Ich-Stärke hin“.
  651. Auf die Frage, warum er praktisch jeden Meter mit dem Auto zurücklege, antwortete er: "Ich lebe doch nicht in der Steinzeit."
  652. Eine junge Angestellte braust mit Höchstgeschwindigkeit auf das Fabrikgelände. Sie wird lauthals von den Anwesenden ob ihrer Schneidigkeit gelobt - aber doch ist bei einigen der Lobenden in den Augen Ambivalenz.
  653. Die Straßen, von Einkaufsstraßen und einigen Spielstraßen abgesehen, befinden sich seit Jahrzehnten in einem Prozess des Niedergangs: sie werden zunehmend hässlicher und gefährlicher, so dass man sich nur ungern in ihnen aufhält. Man meidet sie offensichtlich.
  654. Ich wundere mich oft darüber, dass die Erde (auch im Sinne von Untergrund) überhaupt die vielen schwere Limousinen und Geländewagen tragen und ertragen kann.
  655. Nahezu alle Küsten und Flussufer sind durch breite Autostraßen verschandelt. In der Regel gibt es dort nicht einmal Bürgersteige. Im Moment habe ich die Amalfiküste und den Rhein vor Augen.
  656. Man beobachte Autoinsassen beim Aussteigen: Steife Bewegungen, mürrische Gesichter. Nur noch das laut spielende Autoradio erzeugt den Schein von Lebendigkeit.
  657. Auf der griechischen Insel Hydra sind keine Autos, Motorräder oder Mopeds zugelassen. Man geht zu Fuß. Ich frage mich, wie es der dortigen Verwaltung gelang, diese Regelung durchzusetzen. Bei uns hätte es mit Sicherheit revolutionäre Ausbrüche gegeben.
  658. Ein aus dem Urlaub zurückgekehrter Kollege erzählt mir in einer Mischung aus Stolz und Erschöpfung, dass er nahezu viertausend Kilometer mit dem Auto quer durch Europa gefahren sei.
  659. Bei nicht wenigen Mitbürgern scheint eine Verwechselung vorzuliegen: Nicht jeden Tag Gutes zu tun, sondern jeden Tag mehrer Male mit ohrenbetäubendem Lärm zu erfüllen, sei es mit einem extra lauten Rasenmäher, einem aufheulenden Motorrad oder mit einem schnell beschleunigenden Auto.
  660. Am Straßenrand sitzt ein Spatz, offensichtlich benommen. Es gelingt mir durch Zeichen, zwei vorbeifahrende zum Ausscheren zu bewegen, sie wissen zwar nicht den direkten Anlass, aber sie haben begriffen, dass diese Aktion Sinn macht. Aus der Perspektive eines Autofahrers gibt es keine Spatzen, die Hilfe benötigen.
  661. Warum eigentlich nicht eine deutliche Sprache sprechen? Motorradfahren ist hirnrissig, Autofahren macht dumm und den Körper träge.
  662. Wird irgendwo, was selten geschieht, der Autoverkehr zurückgedrängt, tritt er anderswo massiv als Problem wieder auf.
  663. These: Bei gleichbleibendem Fleiß und Abnahme von lebendiger Bildung steigt der Lärmpegel.
  664. Die Kritik des Autos kann man grammatisch als genitivus objektivus und genitivus subjektivus auffassen. Hier wird die erste Form der Kritik durchgeführt, wohl wissend, dass die zweite Form die wesentlich mächtigere und wirksamere ist.
  665. Zeige mir eine Stadt, die nicht massiv von der Auto-Krankheit befallen ist.
  666. Es ist inhaltlich nicht gerechtfertigt, Autofahren, Radfahrer und Fußgänger als gleichberechtigt zu definieren.
  667. Überall springen Rasenmäher an: Es ist schönes Wetter.
  668. Die materielle Analyse zeigt, dass das Auto Ausgangspunkt unzähliger Zerstörungsprozesse ist. Aber dieser Ausgangspunkt ist von gesellschaftlichen und individualpsychologischen Faktoren vielfältig bedingt.
  669. Ob Luxuslimousine mit oder ohne Verdeck, Rostlaube, Wohnmobil, Moped, Oldie, Motorrad usw., all diese Teile funktionieren nur mit Hilfe von Fremdenergie, was gleichzeitig Verlust von Autonomie beinhaltet.
  670. Die Geschichte des Autos: aus einem Traum wurde ein Albtraum. Ich verstehe nicht, dass man weiterträumt.
  671. Anlässlich der Einrichtung einer Einkaufspassage in der Innenstadt in Flensburg: „Bewohner oder Bürger? Zu einer Stadt gehört eine Innenstadt. Sie ist eine jahrhundertealte Realität und kulturelle Errungenschaft, die seit ca. 15 Jahren zunehmend nicht nur in Flensburg verspielt wird. Der Grund liegt darin, dass aus Bürgern Bewohner werden. Bürger haben ihren Lebensschwerpunkt in ihrer Heimatstadt. Hier kaufen sie ein, genießen das kulturelle Angebot von Cafes, Theater bis hin zur Architektur, nehmen am städtischen Leben teil und versuchen, in ihr Arbeit zu finden. Der Bewohner dagegen reduziert seine Entscheidungen allein auf Billigkeit, Bequemlichkeit, Schnelligkeit und Spektakuläres Dem Bewohner ist es einerlei, wo er diese Bedingungen vorfindet, sei es in sterilen Einkaufszentren auf ehemals grünen Wiesen oder im fernen Oberhausen. Er führt ein ,,verinseltes" Dasein zwischen Einkaufszentren, Arbeitsplatz und Wohnung. Diese ,,lnseln", die sich immer weiter voneinander entfernen, können nur noch durch unzählige Autofahrten am Tag miteinander verbunden werden. Mit dieser Lebensweise eines Bewohners stirbt die Stadt. Ich hoffe, dass dieser zerstörerischen Tendenz mit der Errichtung der Südermarktpassage entgegen gewirkt wird, und das aus den Bewohnern Flensburgs wieder Bürger werden, die diese Passage nicht als Ghetto sehen, sondern die ökonomischen, ästhetischen und sozialen Angebote der gesamten Innenstadt wahrnehmen und nutzen" (aus einem Leserbrief).
  672. Ein repräsentatives, prestigereiches Auto hat ein Außen, und dieses Außen kann man nur von Außen betrachten. Ich vermute, dass viele Fahrten mit einem solchen Gerät dem Zweck dienen, der staunenden Welt sein Auto  vorzuführen. Das perfekte Auto ersetzt und versteckt den imperfekten Menschen.
  673. "Wer Wert auf Geschwindigkeit legt, der kann seine Augen zu Hause lassen" (Wilhelm Genazino).
  674. Es ist Ferienanfang. Ein Radiosprecher: „Seit Wochen haben wir schlechtes Wetter gehabt, deswegen fahren die Deutschen in der großen Mehrheit mit dem Auto oder dem Flugzeug gen Süden." Keine Problematisierung.
  675. Man kann nur hoffen, dass der Liter Benzin bald fünf Euro kosten wird, damit solche städte- und landschaftszerstörende Projekte (ein geplantes Designer Outlet Center in Neumünster, dem geographischen Zentrum Schleswig-Holsteins) mangels Kunden austrocknen. Bis jetzt ging es um Einkaufszentren auf grüner Wiese vor der Heimatstadt, nun um Zentren auf Landesebene, bald nur noch um eine zentrale Super-Konsumeinrichtung für ganz Deutschland z. B. in Oberhausen (aus einem Leserbrief).
  676. Was im alten Rom Brot und Spiele waren, sind heute Auto und Fernsehen.
  677. Das Auto ist der große materielle Wert des globalisierten Konsummenschen. Zwei Beispiele: Benzinaufstände im Iran, die Brücke in Dresden.
  678. Was hängt direkt und indirekt, materiell und psychisch, individuell und gesellschaftlich alles am Auto? Das müsste genau analysiert werden.
  679. Wenn Politiker nicht die Bedürfnisse des Autos befriedigen, entsteht revolutionäre Stimmung. Das Auto ist das zentrale Tabuthema unserer Gesellschaft.
  680. Es ist schon widersprüchlich: Auf der einen Seite wird Selbsttätigkeit, Selbstverantwortung, Autonomie usw. verlangt, auf der anderen Seite hat es die Eigenbewegung in Alltagswelten so schwer.
  681. Ein Vater zu seiner Tochter: Ein Auto ist wichtiger als ein Bett.
  682. Wie ein Schwerkranker oft seinen Gesundheitszustand nicht wahrhaben will, so der gewohnheitsmäßige Autofahrer nicht seine suchtartige Abhängigkeit vom Auto. Deswegen versagt hier der rationale Diskurs.
  683. Autofahren ist massiv körperliche, geistige und emotionale Unterforderung - egal, ob man ein einfaches, teures oder sehr teures Auto fährt.
  684. Wenn ich Auto fahre, bin ich  der Logik und dem Wertesystem des Autos unterworfen. Es bedarf sehr großer Kraft und
  685. verlangt Charakter, sich von diesen Determinationen zu lösen.
  686. In unserer kleinen Stadt gibt es eine Schule, die nicht direkt vom Auto aus einsehbar ist. Unser Nachbar kennt sie nicht, obwohl er hier schon über zwanzig Jahre lebt.
  687. Beim Autofahren werden der Raum und die Landschaft im Bewusstsein "flach" wie eine Landkarte.
  688. Das Auto ist der Ermöglichungsgrund vieler Strukturen, von denen viele eine Verschlechterung des Lebens darstellen.
  689. Das Auto zu kritisieren, ist heute fast nicht mehr anschlussfähig.
  690. Minimalforderung: Mit dem Autofahren sollte es sich wie mit dem Sparen verhalten: Bei gutem Wetter nicht oder nur wenig fahren.
  691. "Auto wichtiger als die Familie. Ohne Auto läuft bei den Deutschen gar nichts - nicht einmal die Suche nach dem Eigenheim. Nach einer Studie rangieren bei der Wunschimmobilie die Kriterien gute Parkmöglichkeiten und eigene Garage noch vor dem familiengerechten Wohnen oder der Nähe zur Schule" (Flensburger Tageblatt v. 9. 7. 07).
  692. Irgendwann muss dem habituellen Autofahrer das Vertrauen und die Freude an der eigenen Lebens- und Körperkraft abhanden gekommen sein. Sie wurde ersetzt durch den Stolz auf das eigene Auto oder durch die Anpassung der Präferenzen und des Verhaltens der Mehrheit.
  693. Zwischen zwanghaftem Autofahren und Vorstadtsiedlungen scheint eine positive Korrelation zu bestehen, während Innenstadtbewohner statistisch gesehen bereitwilliger sind, ihr Auto stehen zu lassen.
  694. Jeder aufgegebene Laden in der Nachbarschaft verstärkt den Individualverkehr.
  695. Aus einer bibliophilen Rarität "Der Odenwald" aus dem Jahre 1967 von Gisela Bergstrasser: "Erst jetzt, da das Auto die Last des Steigens und Bergauftragens übernimmt, nutzt der Mensch die Hanglage mit dem prächtigen Blick und dem warmen Sitzplatz im Freien und baut Wohnhaus und Wochenendhaus" (S. 99). Was damals noch verklärt werden konnte, erweist sich heute als massive Vernichtung von Landschaft. Auch hier zeigt sich die Tragik der Allmende, die aus der isolierten Sicht des Einzelnen entsteht: Ich weiß zwar, dass das Ganze überlastet ist, aber mein geringer Beitrag der Belastung ist eine  zu vernachlässigende Größe. Deshalb mache ich es!
  696. Habituelles Autofahren, also selbst bei sonnigem Wetter zum nahegelegenen Bäcker mit dem Auto Brötchen holen, ist Ursache für Destruktionen, nicht nur an sich selbst, sondern auch am Klima, an natürlicher und sozialer Umwelt. Ursache zu sein für Destruktionen, kann man auch altmodisch mit Schuldigwerden bezeichnen. Autofahren ist nur dann zu akzeptieren, wenn lebensnotwendige Gründe bestehen. Bequemlichkeit und Spaß sind keine Gründe, die von Schuld entlasten.
  697. Habituelles Autofahren und Fernsehen sind - wie der Schlaf - Geschwister des Todes.
  698. Auf der Ebene materieller Veränderungen ist das Auto direkt und indirekt Hauptverursacher der schlechten Seite im Homogenisierungsprozess der Welt.
  699. Die auf uns überkommene Innenstadt ist überfordert: Sie soll auf kleinster Fläche alles anbieten und gleichzeitig genügend Autoparkplätze in nächster Nähe bereitstellen. Das vermag nur das öde Einkaufszentrum auf grüner Wiese zu leisten.
  700. Warum lieben die meisten Menschen nicht mehr die Stille und die reine Luft? Warum müssen sie sich beim schönsten Wetter ins Auto oder auf ein Motorrad setzen oder Rasenmäher anschmeißen?
  701. Jeder Urlaubsort belegt es: Die Ferien mit dem Auto zu verbringen, ist ein nachhaltiger Beitrag zur Zerstörung von ästhetischen und gesundheitsfördernden Qualitäten der befahrenen (nicht aufgesuchten) Landschaften, Städte und Dörfer. Zudem bringen sich die Autourlauber selbst um große Teile ihres Urlaubs - denn Auto und Autostrukturen verlangen kategorisch: Fahr, fahr!
  702. Es gibt wahrscheinlich keine Stadt mehr auf der ganzen Erde, die noch in etwa unseren idealisierten, zumeist ,,vorautomobilen" Vorstellungen von Schönheit und Lebendigkeit entspricht.
  703. Die Zuschauer in einer Sportarena sind körperlich inaktiv, mehr als 200m Fußweg zum Platz der "Teilnahme" gelten als Zumutung.
  704. Die ausschließliche Nutzung des Autos zum Zwecke der Ortsveränderung deute ich als Ausdruck einer partiellen Weltabkehr.
  705. Zum Reisen: Warum nicht das Auto stehen lassen, mit dem Zug nach München und von dort in die Voralpen fahren? 
  706. "Autofixiert. Wieso war der Bau der "Waldschlößchenbrücke" eigentlich ein Gegenstand eines Bürgerentscheids? Es gibt inzwischen wohl keine Baumaßnahme zugunsten des fließenden Autoverkehrs, die nicht eine Mehrheit in der autofixierten Bevölkerung fände (abgesehen von direkt Betroffenen).  Auf diesem Wege hätte man gleich Nägel mit Köpfen machen sollen, nämlich die Elbe zu verrohren und in deren Flußbett eine sechsspurige Autobahn zu verlegen, auch das wäre mehrheitlich durchsetzbar gewesen. In Dresden sollte man also noch einmal "richtig" überlegen" (erschienen in der FAZ vom 3. 4.07).
  707. Wilhelm Worringer unterscheidet zwischen Einfühlung und Abstraktion. Einfühlung sucht Nähe, Abstraktion Ferne. Einfühlung gilt dem Raum als organische Rund-Umwelt, Abstraktion dagegen huldigt der Geometrie. Die Abstraktion hat eine ungeheure Raumscheu, dem religiösen Empfinden für Transzendenz verwandt, flieht den Raum als eine verwirrende, unübersichtliche, verstrickende Große (vgl. Schmolders, C.: Hitlers Gesicht. Eine  physiognomische Biographie. München 2000, S. 111). Autofahren ist angewandte Geometrie, der Raum wird zur entleerten Linie. Und folgende Theorie des Blicks von Simmel: Die Blickrichtung des Herrn auf den Diener von oben nach unten entspricht dem abstrahierenden Blick, während der Blick des Dieners auf den Herrn von unten nach oben die Einfühlung (ebd. S. 112) spiegelt. Beide Theorieansätze zusammengefasst im abstrakten Blick erklären die tiefe Identifikation des Autobesitzers, des Herrn, mit seinem Gefährt. Im Auto ist der Mensch Herr,  zumindest wenn er es sein will. Im Modus der Eigenbewegung ist er (faktisch) mit seiner Umwelt gleichberechtigter Partner.
  708. Enten - eller, entweder Dominanz des Autos oder Leben im Sinne von Spontaneität, Schönheit, Vielfalt, Interaktion und Kommunikation - ein Drittes gibt es nicht. Der Zustand jeder Stadt belegt die Notwendigkeit dieser Entscheidung.
  709. Die habituelle Nutzung von Fremdenergie halte ich für einen Ausdruck von Lebensschwäche. Wie sonst soll man Autofahrten erklären, die nur für kurze Strecken bei schönstem Wetter in Anspruch genommen werden?
  710. Navigationssysteme nehmen die Möglichkeit, eigene Wege zu finden. Sie sind gewissermaßen eine Einschränkung der Einschränkung, denn auch das Auto ist bereits auf bestimmte Wege festgelegt.
  711. Das Auto ist bei vielen Mitbürgern bereits das verlängerte lch.
  712. Inzwischen sind Autos so voluminös in Länge und Höhe geworden, dass man eher vom "Auto mit Haus", statt "Haus mit einem Auto" sprechen muss.
  713. "Der Mensch sei vom Lauftier zum Sitztier geworden und dementsprechend herrschten Bewegungsmangel oder einseitige Belastung, verbunden mit psychischen und sozialen Faktoren, als Ursache vor" (FAZ v. 21. 3. 07), so Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie. Rückenschmerz gilt übrigens als die teuerste Krankheit. Gegenüber dem Wort "Sitztier" habe ich den Einwand, dass es sich hier um eine Lebensweise und nicht um Evolution oder Biologie handelt. "Sitztier" suggeriert Naturwüchsigkeit, die man schlechterdings nicht substanziell ändern kann. Dieser Einwand sagt nichts gegen die inhaltliche Richtigkeit der Aussage.
  714. "Wie jeder richtige Mann, liebt der neue Ministerpräsident Tschetscheniens schöne Frauen und schnelle Autos". Wenn diese Aussage stimmt, bin ich - was Letzteres anbetrifft - kein richtiger Mann.
  715. Durch das Rauchen entstehen direkte, durch das Autofahren indirekte negative Rückwirkungen auf den Menschen.
  716. Er investiert sein ganzes Geld und Freizeit in sein großes Motorrad, weil er – so seine Aussage – nichts anderes habe.
  717. Bei immer mehr Menschen ist das Auto im Bewusstsein und in den habituellen Bewegungsabläufen ein ebenso wichtiger Körperteil wie das Bein.
  718. Autofahren und Zappen im Fernseher sind strukturell gleich: Beide ermöglichen in kürzester Zeit reale und virtuelle Ortswechsel.
  719. Verwandte von mir haben sich für teures Geld eine riesige Limousine gekauft. Angemessen scheint mir das Gefährt nur zu sein, wenn man die Queen zum Besuch abholt, nicht aber, um in das Einkaufszentrum zu fahren oder Tante Lisbeth auf dem Lande zu besuchen. Das wäre wohl nur peinlich.
  720. Autos, Motorräder und Fernsehapparate können stundenlang und ohne geistige Anforderungen in Anspruch genommen werden. Müsste das eigentlich nicht zu denken geben?
  721. Autorennen haben zumindest in den Medien noch immer erhebliche Resonanz. Schade!
  722. Vor jeder Autofahrt sollte gefragt werden, ob sie notwendig oder nicht notwendig ist. "Notwendigkeit" ist nicht - wie oft behauptet - eine rein subjektive Meinung. Eine Fahrt mit dem Krankenauto ist notwendiger als eine Spazierfahrt.
  723. Das Auto ist das substanzielle Subjekt unserer Gesellschaft.
  724. Wenn ich krank bin, ertrage ich das Autofahren noch am ehesten. Mein geschwächter Körper und Geist wehren sich offensichtlich nicht mehr gegen Enteignung und Entfremdung.
  725. Es gibt offenbar sehr viele Menschen, die ihre Identität entscheidend über ihr Auto definieren.
  726. Habituelles Autofahren und Fernsehen ist eine Verschwendung menschlicher Ressourcen. "Habituell" heißt hier, ohne Reflexion alternativer Möglichkeiten mit absoluter Selbstverständlichkeit sich freiwillig in den Modus der Fremdbewegung zu begeben.
  727. Meine Kritik des Autos resultiert letztlich vielleicht aus der Tatsache, dass meine Bronchien relativ störanfällig geworden sind. 
  728. Die Großeltern holen die zweijährige Enkelin immer mit dem Auto von München zu sich nach Hamburg. Während dieser Fahrt sitzt das Kind ca. acht Stunden gefesselt im Kindersitz. Was erlebt es da? Parallel fährt stündlich ein ICE genau diese Strecke. Was hatte das Kind dort erlebt? 
  729. Im Auto habe ich keinen Kontakt zur natürlichen, kulturellen und sozialen Umwelt. Im Zug bin ich ebenfalls von der Natur getrennt, kann aber lesen und bin intensiv in eine soziale Situation eingebunden. Das ist doch was! 
  730. Welche Resignation und Missachtung gegenüber den eigenen Kräften dominieren bei den zwanghaft-habituellen Autofahrern. 
  731. Ich begreife es letztlich nicht, dass ein gesunder Mensch allein aus egoistischen Gründen sich nicht weigert, ständig mit dem Auto zu fahren. 
  732. Das Auto ist entscheidende Ursache für die Entleerung der Dörfer, Vorstädte und der meisten Innenstädte und hat bewirkt, dass Siedlungsstrukturen sich auflösen und durch "Breiiges" in der Landschaft ersetzt werden. 
  733. Es regnet - er fährt mit dem Auto zum nahe gelegenen Bäcker, es scheint die Sonne - er fährt mit dem Auto zum nahe gelegenen Bäcker.
  734. Sich die Fähigkeit und Möglichkeit nehmen zu lassen, Ortsveränderungen im Modus der Eigenbewegung auszuführen, ist eine existentielle Enteignung, ein Verlust eines wesentlichen Teils von Humanität. 
  735. Leider eine Realität: Viele Dinge wie Schrauben bis hin zu Ersatzbirnen bekomme ich nicht mehr in der Innenstadt, sondern nur noch im abseits gelegenen Industrie- und Gewerbegebiet. Für viele Bewohner ist dieses Gebiet nicht Abseits, sondern Zentrum geworden. 
  736. Man zwinge keinen zu seinem Glück, aber auch nicht zu seinem Unglück. Das Auto zum bestandenen Abitur gehört in die zweite Kategorie. 
  737. Das Auto hat heute den Status eines Teils des menschlichen Körpers. Die Sorge um Arme oder Füße entspricht der gleichgewichtigen Sorge um das Auto. Wenn es schneit, sieht der Autofahrer genau so sorgenvoll aus, wie wenn er Schmerzen in seinen Gliedmaßen hätte. 
  738. Das Auto ist immer in unmittelbarer Nähe seines Besitzers: Die Garage ist direkt durch den Flur erreichbar, der Stellplatz befindet sich direkt vor der Eingangstür. Offensichtlich werden mehr als sieben Meter Distanz zum Auto als Abkapselung vom Leben interpretiert. 
  739. Zumindest heute das Auto im Stillstand laufen zu lassen, bis der Innenraum warm oder der Frost der Scheiben abgeschmolzen ist, ist unrechtes Handeln. 
  740. Änderungen im Umgang mit dem Auto werden kategorisch abgelehnt. 
  741. Wenn Sucht im Kern hilfloses Ausgeliefertsein ist, dann ist die Autosucht die dominierende in unserer Gesellschaft. Diese Sucht ist stärker und verbreiteter als Rauch-, Alkohol- oder Drogensucht. 
  742. Nach einer Feier zu Autofahrern zu sagen "Ich laufe lieber nach Hause" wird bereits als bedenklich eingestuft, sage ich sogar "Ich laufe aus Prinzip", dann tritt totales Unverständnis ein. Die wohlwollendste Einschätzung ist "Das ist skurril." 
  743. Alle mittelgroßen und kleinen Städte bestehen heute im Kern aus Einkaufszentren mit riesigen Parkplätzen. 
  744. Das Auto ist heute ein Teil des Menschen geworden. Er kann sich ohne Auto nicht mehr denken und damit auch ohne es nicht mehr leben. Das ist aber nicht nur ein Bewusstseinsproblem, sondern die gesamte gesellschaftliche und materielle Umwelt ist auf das Auto ausgerichtet. Diese Ausrichtung muss noch konkret beschrieben werden. 
  745. "Rechtzeitig auf den Klimawechsel einstellen" (Überschrift eines Zeitungsartikels). 
  746. Äußere und innere Bewegungen stehen in einer Wechselbeziehung und bedingen einander. Konsequent eliminieren wir äußere Eigenbewegungen aus unserem Leben. Das erklärt, falls Wechselbeziehung besteht, die Dominanz von Anspruchslosigkeit zumindest im Freizeitbereich. 
  747. "Der Mensch hat zum Glück die Möglichkeit, das Schlimmste noch abzuwenden. Dazu braucht er ein weiteres Sinnesorgan: das Kohlendioxydauge. Es muss die technisch freigesetzte Treibhauswärme in seine Wahrnehmung einbauen. Es sieht Rot bei einer deutschen Luxuspanzerlimousine, die wenige Kilogramm Mensch mit einer Tonne Metall umhüllt und von einem Motor getrieben wird, dessen Bauplan steinalt ist" (Christian Schwagerl in der FAZ v. 3. 2. 07).
  748. "Ich laufe schnell einmal zum Kaufmann" (300m) oder gar "Wir laufen zum Bahnhof“ (3km) sind als Handlungen nicht mehr vorhanden und als Sätze aus der Sprache verschwunden.
  749. Die Einschätzung von "atmosfair", dass das Fliegen erstens zu den Funktionselementen einer globalisierten Welt gehöre und sich zweitens kaum jemand von seinem Urlaubsflug abbringen ließe, nur weil dieser umweltschädlich sei (vgl. FAZ, 18. 1. 07, S. R 11), halte ich einerseits für falsch, weil gesellschaftliche Prozesse dadurch den Charakter von Naturwüchsigkeit erhalten, andererseits ist die Aktion, eine Klimagasabgabe zu verlangen, eine konstruktive Reaktion auf ein großes Problem. Zu hoffen ist nur, dass die Abgaben, so z. B. 40 Euro nach Teneriffa, tatsächlich in erdgebundene Projekte zur Reduktion der schädlichen Klimagase fließen. Da nach einer Umfrage bereits zwei Drittel der deutschen Fluggäste grundsätzlich bereit wären, einen Klimaaufpreis von zehn Prozent des Ticketpreises zu entrichten, schlage ich vor, dass bei jedem Ticketkauf ein Stichwort oder Knopfdruck genügt, um diese Abgabe automatisch mitberechnet zu bekommen.
  750. Immer mehr Elemente und Strukturen von Städten, Vorstädten und Dörfern sind nach Vorgabe des Autos gebaut bzw. umgebaut. Bauten und Autos sind zu einer sich wechselseitig konstituierenden Einheit verschmolzen und werden so auch wahrgenommen und genutzt. Nur noch in älteren Vierteln wird die Zerstörungswut des Individualverkehrs, wenn noch Restmengen von ästhetischer Urteilskraft vorhanden sind, registriert.
  751. Es gibt immer mehr Menschen, die keinen Kontakt mehr zum Boden außerhalb von Gebäuden haben. Sie fahren mit dem Auto zur Arbeit, zum Einkaufszentrum, .....
  752. Warum leiden die Autofahrer nicht, wenn sie von der Sonne abgeschirmt an den Menschen vorbeifahren, statt ihnen zu begegnen, ja ihnen in die Augen zu schauen.
  753. Hoher Energieverbrauch erzeugt zumindest drei Probleme: den Klimawandel, den Bewusstseinswandel  und den Körperwandel.
  754. Der sich abzeichnende universelle Sieg der Fremdbewegung über die Eigenbewegung ist gleichzeitig eine Niederlage der körperlichen, geistigen und seelischen Gesundheit, der Schönheit und der Kommunikation - vom Klimawandel gar nicht zu reden.
  755. Was ist Chuzpe? Ein aktuelles Beispiel: Durch die überdurchschnittlichen Regenmengen ist sein Keller vollgelaufen. Die Feuerwehr kommt seiner Ansicht nach zu spät. Er beschimpft diese und die Stadtverwaltung. Thematisiert aber nicht sein eigenes Verhalten, ständig im Auto sich auf Schnäppchenjagd zu begeben und jeden Urlaub als Flugurlaub zu konzipieren - stellt also keine Zusammenhänge her.
  756. Aufgabe des Menschen ist, ein Gleichgewicht auf möglichst hohem Niveau zwischen Assimilation und Akkommodation, zwischen Raum und Zeit, zwischen Begriff und dessen Verflüssigung zu finden. Fernsehen und Autofahren sind in dieser Perspektive Unterforderungen, denn meistens muss dort assimiliert werden: Jede Assimilation führt zwar zu einer Veränderung der Begriffsinhalte und -erfahrungen, nicht aber der Definitionsmerkmale, denn dann wäre Akkommodation nötig. Das zwanzigtausendste Auto auf der Straße oder der achtzehntausendste Mord auf dem Bildschirm bringen eben nicht viel weiter. Sinnvoll wäre es heute, die Akkommodation zu fördern.
  757. Wenn der kleine Junge früh und häufig "Auto" statt "Mama" sagt, sollten in Anbetracht des gegenwärtigen und zukünftigen Klimawandels die Alarmglocken läuten.
  758. Zitat: "Schlechtes Wetter? Na und?  Hauptsache ich kann mit meinem Wagen in das Einkaufszentrum und zum Arbeitsplatz fahren und zweimal pro Jahr in die Sonne fliegen."
  759. "Verlaß dich darauf, dass andere deine Schlachten schlagen, und deine eigene Muskulatur verkümmert" (Irvin D. Yalom in "Die Schopenhauer-Kur" - klingt nach Nietzsche).
  760. Fremdbewegung heißt: Nicht in der lebendigen Welt zu sein. 
  761. Sitzen in Form des Kauerns zeigt Unterwerfung an. Der Sitzende ist leichter identifizierbar. 
  762. Zur Autopräferenz gehört die Abwehr des Nahen und die Durchsetzung der "Freiheit von". Diese Freiheit kann zur totalen Isolation führen: Während der  Fahrt von Hamburg nach München mit keinem Menschen gesprochen oder keinem in die Augen geschaut zu haben - wenn es die Tankgröße ermöglicht. 
  763. Autos entsprechen Menschentypen. 
  764. Die körperliche Unbewegtheit oder der unbewegte Körper hat per definitionem kein direkt vermitteltes Bewusstsein oder Gefühl von seinem still gestellten Körper - bestenfalls nur über indirekte Reflexion. 
  765. In körperlichen Bewegungen drückt sich Unbewusstes aus. Von solchen Prozessen hat jeder zumindest eine Ahnung. Vielleicht ist eines der wesentlichen Motive für die Präferenz des Autofahrens, dieses Unbewusste nicht öffentlich zu machen: Man kann sich verstecken, man ist geschützt vor fremden Blicken. Zwar sehnt man sich nach ihnen, aber die Scheu bis Angst vor ihnen überwiegt.
  766. Je teurer das Auto, desto weniger Leben im Besitzer. Leben ist Spontaneität. 
  767. Ich bleibe dabei: Wer gerne raucht oder Auto fährt, hat ein Problem. 
  768. Junge Leute haben vernünftigerweise ihr Auto nach der Feier in der drei Kilometer entfernten Innenstadt stehen gelassen. Gegen Mittag des folgenden Tages organisieren sie ein zweites Auto und kommen getrennt mit beiden Autos zurück. Dann fahren sie wieder mit dem Auto weg, um ihren Hund auszuführen. 
  769. Das Motorboot. Es kippt nicht um und lässt sich im Prinzip wie ein Cabrio fahren. Man dreht den Zündschlüssel, gibt Gas und genießt den Fahrtwind. Mehr Straßenkreuzer auf dem Wasser gab es nie (in der FAZ v. 2. 1. 07). 
  770. Leben ist auf Unterschiede angewiesen. Vom warmen Wohnzimmer in das warme Auto und von dort in das warme Büro oder in das warme Einkaufszentrum ist bezüglich der Temperaturen kein lebensfördernder Unterschied. 
  771. Meine Kritik gilt dem habituellen Autofahrer. "Habituell" meint, jede Ortsveränderung über 100 Meter wird bei gutem oder schlechtem Wetter zwanghaft ausschließlich mit dem Auto zurückgelegt. 
  772. Identität oder gar Stolz auf den Erwerb von Fertigprodukten zu gründen, macht keinen Sinn und lässt auf Dummheit schließen. Fertigprodukte wie ein Auto verlangen keine weitere Auseinandersetzung, die ein Wachstum geistiger oder körperlicher Fertigkeiten zur Folge haben. Im Gegensatz dazu bildet das gekaufte Buch eine notwendige Bedingung für Wachstum, muss aber gelesen werden. Auch wenn ein Weg selbständig begangen wird, findet Wachstum statt. Fazit: Berechtigte Identität und Stolz entwickeln sich nur auf der Basis von Eigenaktivitäten. 
  773. Die Straßen sind menschenleer - wenn man die in den Autos "versteckten" nicht zählt. 
  774. Aus einer zweiseitigen Anzeige zum neuen Jahr als Beleg für die äußere und innere Herrschaft des Autos: "31.536.000 Sekunden neues Fahren. Ein einzigartiges Fahrerlebnis beginnt bei Menschen, die sich nie mit dem Bestehenden zufrieden geben. Es entsteht aus der Leidenschaft: zur Perfektion für jedes Detail eines Autos. Dieser Enthusiasmus treibt uns ständig an und kennt für 2007 nur ein Ziel: jede Sekunde in diesem Auto einzigartig zu machen." 
  775. Nichtverstehen beruht auf dem Mangel an kognitiven Fähigkeiten oder auf der oft unbewussten Ablehnung von Normen und Werten, die in den Argumenten enthalten sind. Deswegen hat es die Kritik am Auto so schwer. 
  776. Die modernen Siedlungsstrukturen, deren Hauptmerkmal "Verdünnung" ist, sind nur durch den Individualverkehr ermöglicht worden - ohne das private Auto gäbe es sie nicht. "Konzentrierte Siedlungsstrukturen" wie ursprünglich in der Stadt verkörpert, sind wegen der gleichzeitigen Konzentration der Autos nicht mehr zumutbar und werden faktisch nicht mehr akzeptiert. Wegen der Autos, nicht wegen der anderen Menschen, will und kann der Mensch nur noch in "verdünnten Auto-Strukturen" leben, d. h. die Menschen wohnen zunehmend in Dörfern und Vororten, die durch ein perfektes Straßennetz mit den Arbeitsplätzen und Konsumzentren verbunden sind.
  777. Es ist nicht rechtens, Raucher und Nichtraucher gleichzusetzen, wenn sie sich in gemeinsamen Räumen aufhalten: Der Raucher beeinträchtigt das Wohlbefinden und die Gesundheit des Nichtrauchers, der Nichtraucher beeinträchtigt zumindest nicht die Gesundheit des Rauchers, wenn dieser in seiner Gegenwart nicht rauchen darf. Gleiches lässt sich vom Verhältnis Autofahrer und Fußgänger bzw. Fahrradfahrer sagen.
  778. Es schneit. Man sieht es auch in den entsetzten Gesichtern der habituellen Autofahrer.
  779. Auf einer der schönsten Inseln Griechenlands, Hydra, sind keine Autos und Motorräder zugelassen. Wer also am Rand oder gar außerhalb der Stadt wohnt, muss entsprechend lange Fußwege auf sich nehmen, so dass die Grenze der Besiedlung identisch ist mit der Fähigkeit und dem Willen, entsprechende Distanzen im Modus der Eigenbewegung zurückzulegen. Das wäre ein Modell für viele Regionen: Wer in naturnahen Landschaften wohnen will, müsste auf motorisierte Fortbewegungsmittel verzichten und zu Fuß gehen, auf das Rad umsteigen oder öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Diese Einschränkung wäre der Preis bzw. die Grenze für den Erhalt von Schönheit. Denn, wer Natur mit Autos will, zerstört Natur.
  780. Je hässlicher unsere autogerechten Städte, Dörfer und Landschaften werden, desto perfekter und ästhetischer werden die Bilder in den Werbebroschüren und Illustrierten. Oder die Hässlichkeit wird dort mit Aggressivität aufgeladen, um Identifikationen zu ermöglichen, auch das kommt gut an.
  781. Der Individualverkehr ebnet massiv Unterschiede ein - und zwar nahezu auf allen Ebenen und in allen Dimensionen. Für diese Einsicht besteht offensichtlich ein Reflexionstabu.
  782. Nicht die Stadt oder die Landschaft und die dort lebenden Menschen sind reale Umwelt der Auto fahrenden Menschen, sondern das Innere des Autos. Deswegen müssen Wagen immer größer und luxuriöser werden, um den Tausch zu ertragen - ja, zu begrüßen.
  783. In  der Regel bemerken die Fahrenden nicht die schädlichen Auswirkungen auf die natürliche, soziale und kulturelle Umwelt, die durch das Auto entstehen. Und erst recht nicht die Schäden an sich selbst. Es ist offensichtlich so, dass der Mensch emotional und kognitiv nur eine (1!) bestimmte normative und wertende Position einnimmt. Erst, wenn das Auto aus den habituellen Zusammenhängen gelöst ist, wird der Blick für die ungeheuren Schäden wieder frei.
  784. Dem habituellen Autofahrer und Fernsehseher war die Natur faktisch schon immer gleichgültig. Erst wird die Natur im Kopf vernichtet, dann in der Realität.
  785. Die Sozialbeziehungen unserer Nachbarn erfahre ich in der Regel nicht mehr direkt im Gespräch, sondern erschließe sie indirekt aus den ankommenden und abfahrenden Autos.
  786. Nicht der Aufenthalt an sich in einem Feriengebiet sagt etwas über Anwesenheit aus, sondern der Modus der Fortbewegung. Mit dem Flugzeug nach xy und dort mit einem Leihwagen herumzufahren, erzeugt keine Präsenz.
  787. Einen Berg wie den Watzmann oder den Wendelstein mit Straßen zu erschließen, heißt, ihn seines Bergseins, seines Wesens als Berg zu berauben.
  788. ,,Ich lehne das ab, die Pkw-Maut ist für mich kein Thema. Die Autofahrer in Deutschland sind bereits hoch belastet", so Bundesverkehrsminister Tiefensee in der aktuellen Debatte. Dagegen: ,,Hundreds of millions people could suffer hunger, water shortages and coastal flooding as the world warms", so der Stern-Review. Wenn dieser kritische Zustand erreicht worden ist, hat der Individualverkehr massiv dazu beigetragen. Es liegt also auch im finanziellen Interesse der Autofahrer, den Individualverkehr teurer zu machen, um sie von Fahrten abzubringen, die nicht notwendig sind - und das sind die meisten.
  789. Ich möchte wirklich wissen, wie schlecht das Wetter werden muss, bis die ersten und letzten habituellen Autofahrer zu sich selbst ein kritisches Bewusstsein bekommen und entdecken, dass sie Füße und Fahrräder haben und dass es öffentliche Verkehrsmittel gibt.
  790. Mein sensibles Organ sind die Bronchien. Vielleicht ist das ein leiblicher Grund meiner autokritischen Haltung - so übrigens auch bezüglich des Rauchens in meiner Nähe.
  791. Je schlechter das Wetter wird, desto mehr dominieren ,,zusätzliche" Innenräume in Form von Wellnesseinrichtungen, überdachten Einkaufszentren und Autos.  
  792. Die einseitige Ausrichtung auf das Auto, um Distanzen zu bewältigen, ist Ausdruck einer schlechten Verabsolutierung von Subjektivität.
  793. Das Auto kommuniziert nicht mit seiner Umwelt - kann und will es auch nicht -, sondern zerstört sie - insbesondere deren ästhetische Dimension. 
  794. Erwünschte Situation: Das Auto steht direkt vor der Haustur, so dass ihm morgens der erste und abends der letzte Blick außerhalb der Wohnung gilt und eben nicht den Nachbarn oder Bäumen.
  795. Wie man nicht auf seine Zigarette stolz sein sollte, so auch nicht auf sein Auto. Beide verpesten die Luft. Der Unterschied besteht darin, dass Rauchen immer unnötig ist, während man bei Autofahrten zwischen notwendigem und nicht notwendigem unterscheiden kann und muss. 
  796. Die Vorstädte, Stadtteile und Dörfer sind heute offenbar nur noch bewohnbar mit Autos. Ansonsten kommt man hier ohne Kommunikation und Kultur angeblich gut klar.  
  797. Merke: Jede Autofahrt ist Verlust an Lebensqualität: Dein Körper, Deine Seele, Deine Fähigkeiten, Deine Mitmenschen und Deine Umwelt leiden. 
  798. Der intensive Gebrauch des Autos ist die potentielle Verabsolutierung des Subjekts in seiner negativen Form. Das Autofahren wird zum Selbstzweck, ein nennenswerter Kontakt mit der Umwelt findet nicht mehr statt. 
  799. Auf einem Abendspaziergang gegen 19 Uhr in einer Vorstadtsiedlung ca. drei Kilometer von der Innenstadt entfernt: Es begegnen uns innerhalb von einige Minuten ca. 30 aus der Stadt kommende imd 25 in die  Stadt fahremde Autos.  Aif der Straße selbst kein Mensch.  
  800. Ein Vater mit seinem Kind fährt vom Parkplatz des Kaufhauses zur 20 Meter gegenüberliegenden Apotheke. Darauf angesprochen erwidert er: Das ist meine Sache. "Einen  weiteren Hinweis auf den Zusammenhang von Klimaerwärmung und Autofahrten quittiert er mit einem Schulterzucken und wendet sich dann beleidigt ab. 
  801. Wo sind die Stadt, das Dorf oder der Stadtteil, in denen die Bürger ihre Wohnbereiche autofrei machen und nur Fußgänger, Radfahrer, Skater und öffentliche Verkehrsmittel schätzen? Wo Bürger, die aus Gründen der Lebensqualität zu einem kommunalen Parkplatz laufen, wenn denn das Auto unverzichtbar ist?
  802. Autos und entsprechende Straßen reduzieren nicht nur real landschaftliche Vielfalt, sondern auch mental. Letzteres hängt damit zusammen, dass Sich-Bewegendes die Aufmerksamkeit auf sich zieht. 
  803. "Die Radkappen nehmen zu, die Polkappen nehmen ab" (FAZ, 3. 11. 06)
  804. Auf Fotos in Bildbänden, so in "Goethes italienische Reise" und in Werbematerialien von Fremdenverkehrsorten, erscheinen oft keine Autos. Ist das ein Ausdruck von tiferer Sehnsucht?
  805. Alle Gesellschaften, die sich für das Auto entscheiden, nehmen nicht nur in der Stadtgestaltung gleiche Gestalt an.
  806. Jährlich sterben 350 000 Menschen an Feinstaub. Die einschränkende Verordnung soll erst 2015 in Kraft treten. 
  807. Das Auto diszipliniert
  808. In der Eigenbewegung entsteht auch Energie.
  809. Eigenbewegung ist auch die Bewegung meines Geistes (als sublimierte Energie). Das Auto als Träger bzw. Nutzer von Fremdbewegung ist der fremde, objektivierte  Geist, der sich auf die Funktion des Autos und seiner Systeme beschränkt.  
  810. Identitäts- und Individualisierungsprozesse laufen häufig über Automarken ab. 
  811. Beim Gehen und Radfahren entsteht ein "Produkt", so die eben zurückgelegte Strecke. Es entsteht ein ständiges positives Feedback: Das hast Du (!) geschafft. 
  812. Der Mensch wird primär über die Bewegung bzw. Nichtbewegung verändert und erzogen, also nicht über das Bewusstsein. Die Hauptwirkung des Fernsehens geschieht über das Sitzen. Das gilt nicht für das Lesen, weil da innere Bewegungen stattfinden müssen - wenn die Lektüre es denn verlangt.
  813. Je schneller  das Bewegungsgefährt ist, desto reduzierter wird real und mental die Umwelt
  814. "Es ist irrwitzig mit wie viel Lärm wir heute konfrontiert werden" (Christoph von Dohnayi).
  815. Autofahren und Fernsehen schaffen grundlose Bilder, weil sie nicht murkulär fundiert sind. 
  816. Verlust von Bodenkontakt ist ein Vorbote von Fallen.
  817. Es wäre schon viel gewonnen, wenn die negativen Folgen des Autofahrens auf die Umwelt und auf das Selbst nicht verdrängt würden.  
  818. Wenn du und ich mit dem Zug nach Dresden führen und uns dort mit mit öffentlichen Verkehrsmitteln, mit dem Rad und zu Buß bewegten, bräuchte nicht die kulutrzerstörende Brücke im dortigen Elbetal gebaut werden. Übrigens soll  diese Autobrücke verniedlichend "Waldschlößchenbrücke" genannt werden. Warum nicht ehrlicher nach einer Auto- oder Benzinmarke? Bei Stadien hat man diese Skrupel.
  819. Der Ausdruck "rasender Stillstand" von Paul Virilio beschreibt exakt das Wesen der  schnellen Fremdbewegung. In den Fernsehprogrammen wird ebenfalls ständig gerast. Im Auto sitze ich "in" der Raserei, beim Fernsehen "vor" ihr.
  820. Das Auto ist faktisch eine Fußfessel.
  821. Bei der Planung von Neubaugebieten sollte man immer einen gemeinsamen Parkplatz jenseits der Wohnungen für alle Bewohner anlegen für den Fall, dass sie vernünftig werden. 
  822. Beim Autofahren verschwinden auf eigentümliche Weise Subjekt und Objekt, beim Sport ist das Subjekt alles, bei der Eigenbewegung sind Subjekt und Objekt existent, gleichwertig und gleichwirkend.
  823. Fremdbewegung heißt, Entfernungen mit Hilfe von Fremdenergie mit dem Auto, Zug oder  Flugzeug zu überwinden.
  824. Das Auto bewegt sich, aber nicht die Menschen, die in ihm sitzen, sie sind still gestellt.
  825. Die Möglichkeit, die Anfangsbuchstaben seines Vor- und Nachnamens in das Autonummernschild zu setzen, erfüllt nun den schon lange bestehenden Wunsche, dezent, aber deutlich öffentlich kundzutun: Dieser Wagen gehört mir! Das dient der Verschmelzung von Auto und Besitzer.
  826. Macht Straßen autofrei - und sie werden wieder bewohnbar und angenommen. Damit sind nicht Einkaufsstraßen gemeint, die früher von allen Bevölkerungsschichten zum Wohnen geschätzt wurden. 
  827. "Kinder sollten zu Fuß gehen" so der Gesundheitsdirektor des Kantons Luzern. "Nach seiner Meinung sollten Schulbusse erst eingesetzt werden, wenn die Kinder mehr als fünf Kilometer von der Schule entfernt wohnen .... Kinder sollten nicht mehr von Eltern zu Schule gefahren werden" (FAZ v. 25.11.06, S. 11).
  828. Warum fahren immer mehr Menschen auch kürzeste Distanzen mit dem Auto? Dazu ein deduktiv-nomologischer Erklärungsversuch (Deduktion = Ableitung, nomos = Gesetz): Für den autoangepassten Bürger ist das Auto das einzige Mittel, Ortsveränderungen über 50 Meter durchzuführen. Das entsprechende Gesetz lautet dann: Wenn Ortsveränderungen über 5o Meter Distanz, dann muss man das Auto nehmen. Der beobachtbare Sachverhalt; Herr A fährt zum 150 Meter  entfernten Bäcker. Warum macht er das? Er hat das oben formulierte Gesetzt verinnerlich und sieht deswegen keine anderen Möglichkeiten, um Ortsveränderungen durchzuführen. 
  829. "Und wenn der Liter Benzin zehn Euro kostet und alle 15 Minuten ein Bus von der Haustür wegfährt, bekommst Du die Autofahrer nicht in die Busse" (ein Mitarbeiter einer Busbetreibergesellschaft).
  830. Disney hat einen Trickfilm "cars" hergestellt. Wie soll man dagegen ankommen)
  831. Die Kritik des Autos als genitivus subjectivus ist heute viel effektiver als die Kritik des Autos als genitivus objectius. Die Welt und die Menschen werden verändert, wie das Auto es will. 
  832. In die breite Einfahrtsschneise des Einkaufszentrums auf der grünen Wiese fährt die hungrige Meute der wolfartig huschenden Autos und verlässt ebenso unerkannt die ungastliche Stätte.
  833. Technik hat Macht. Sie schafft es, dass im Bewusstsein der Nutzer ihre  negativen Auswirkungen ausgeklammert und verdrängt werden. Technik immunisiert und verhüllt sich. Beim Autofahren und Rasenmähen bin ich mir dieser Destruktivität bewusst, beim Zug fahren schon nicht mehr.