Weichenstellung der Grünen um 1980 und Kritik traditioneller linker Politik

 

Stand: 11. 12. 19

(Die Systenatik und der Pflegezustand muss verbessert werden.

 

A. Meine Position

B. Grüne Liste NF1978

C. Die Grünen um 1980ö

D. Marxismus und Ökologie (Theorie)

E  Die gegenwärtigen Grünen aus meiner Sicht

F. Leserbriefe

 

 

A.  Meine Position:

 

B. Grüne Liste NF 1978 und Landtagswahl Schleswig-Holstein 1983:

C. Die Grünen um 1980

D. Marxismus und Ökologie (Theorie)

  1. Ein Essay zum Verhältnis von Marxismus und Ökologie:

    Eckpunkte zu einem ökologischen Manifest

    Grundeinsicht

    Der gegenwärtig von Menschen verursachte Klimawandel ist radikal, weil er  radikal die Lebensbedingungen zumindest für höhere Lebewesen einschließlich die des Menschen unweigerlich zerstört, wenn nicht gegengesteuert wird.

     

    Historischer Rückblick

    Das kommunistische Manifest von 1848 ist kein politisches Programm für die Gegenwart, sondern war es für die Vergangenheit und, falls  modifiziert durch die Kritik der Produktivkräfte, auch aus meiner Sicht für die  Zukunft. Warum? Das Jahrzehnt zwischen 1970 und 1980 war eine  Zeit des  ökologischen Aufbruchs in Praxis und  Theorie jenseits bestehender politischer  Ansätze -  als Formel „Weder rechts noch links“. Vom ökologischen Primat auszugehen, war für die Grünen eine Selbstverständlichkeit. Die Hinwendung zur Natur und Versuche zum eigenverantwortlichen ökologischen Handeln in Richtung Subsistenzwirtschaft waren zumindest auf der Ebene der Ideen dominierend, vielleicht am sichtbarsten in den damals entstehenden Landkommunen.

    Erst nach  den Anfangserfolgen der Grünen Listen und der Grünen begann  mit Einzug marxistischer Gruppierungen (in Norddeutschland der Kommunistische Bund) der Erodierungsprozess des Primats der Ökologie, der von diesen Gruppierungen massiv in Frage gestellt wurde und sich nach harten Auseinandersetzungen schließlich durchsetzte. Die Frage nach  Sinn (Gebrauchswert,  wie er von Wolfgang Haug in seiner „Warenästhetik“ ausbuchstabiert wurde)  bzw. Sinnlosigkeit der produzierten Güter und Dienstleistungen wurde zunehmend zugunsten  der Forderung nach der gleichen  Verteilung  zurückgedrängt. Zurückgedrängt wurde auch - bis auf die Atomtechnologie - eine Kritik der Produktivkräfte. Von sozialistischen Atomkraftwerken hatten diese Gruppierungen  allerdings erst im Laufe der Anti-AKW-Bewegung  überzeugend Abschied genommen.  Ansonsten galt  unangefochten  die Entwicklung der Produktivkräfte als die unverzichtbare Bedingung für das Entstehen und das Gelingen  einer sozialistischen Gesellschaft. Diese Position konnte auch nicht von Persönlichkeiten wie Rudi Dutschke oder Rudolf Bahro  aufgehalten werden.

    Zum ökologischen Primat

    Diese Einschätzung ist in reiner marxistischer  Form gib heute nicht mehr in nennenswertem Umfang vorhanden.  Sie ist  aber nicht verschwunden, sondern  durch eine relativ diffuse Forderung nach materieller Gleichheit ersetzt. „Sozial  und ökologisch“ lautet  nunmehr die  Formel.  Auch ist eine Kritik von bestimmten Produktivkräften heute möglich (die industrielle Landwirtschaft, der motorisierte Individualverkehr, halbherzig, weil nicht zu Ende gedacht, das Wirtschaftswachstum). Die industriell geprägten Produktivkräfte  grundsätzlich zu hinterfragen, ist aber immer noch ein Tabu.

    Die Fehlentwicklung um 1980 ist also nicht behoben, sondern  ungebrochen weiter wirksam. Deswegen ist die von mir  formulierte Kritik nicht historisch interessant, sondern wird von der Gegenwart bestimmt. Es gilt mit aller Deutlichkeit zu betonen, dass ökologische Politik  und soziale Gerechtigkeit nur dann zusammengehen, wenn die soziale Gerechtigkeit sich den ökologischen Notwendigkeiten anpasst, was  nicht für bestehende relative, sondern für reale Armut gilt.  Wenn soziale Gerechtigkeit und Wohlstand allein in Geldgrößen ausgedrückt werden und wenn nicht hinterfragt wird, was für dieses Geld gekauft wird,  dann bekommen wir den Klimawandel und die ökologischen Probleme nicht in den Griff. Allgemein formuliert: Gerade aus ökologischen Überlegungen  muss die Wertefrage vor der Verteilungsfrage gelöst werden - mit Sicherheit kein einfaches Unterfangen  (aktuell die Benzinproteste im Iran). Ein zweites Mal darf der ökologische Primat nicht durch andere Ziele relativiert, verwässert und damit unwirksam gemacht werden. Neben Selbsterhaltung und Kultur müssen alle Kräfte national und global für eine „erträgliche“ Lösung des Klimawandels und der ökologischen Problematik reserviert bleiben. Es ist das große Verdienst von Greta Thunberg und der FfF, dieses ohne Wenn und Aber formuliert  und in den Mittelpunkt gestellt zu  haben.

    Der ökologische Weg

    Nur die Systemfrage zu stellen, ist genau so falsch, wie einseitig die Kritik auf das individuelle Konsumverhalten abzustellen. Ein Entweder-Oder wäre die Antwort auf die Frage, ob erst die Henne oder das Ei da sind. Aber trotzdem meine ich begründet, beim individuellen Konsumverhalten ansetzen zu müssen. Zumindest in der Theorie  ist der Bürger souverän und sollte es auch als  Konsument sein. Also nicht von oben  bestimmen, was der Gebrauchswert sei, jeder Bürger sollte  diese Erkenntnis selbst machen. Erst dann wird die ökologische Revolution sich gewissermaßen „freiwillig“ verwirklichen, ohne überwiegend als Verlust, sondern eher als Gewinn  bewertet zu werden. Eine Einsicht, die ich selbst vollzogen habe: Wollte man mir ein  Auto oder Fernsehapparat schenken, ich nähme sie  nicht. Auch ist es  wohl einfacher, überzeugender  und effektiver,  mit notwendigen Veränderungen erst einmal bei sich anzufangen. Aber diese Gedanken dürfen nicht zu dem Fehlschluss führen, dass die Systemfrage nicht gestellt werden muss.

    Eine ökologische, nachhaltige Wirtschaft ist keine durchgehend industrielle. Eine  ökologische Gesellschaft muss allein aus klimatischen Gründen kritisch  gegenüber dem Motoreneinsatz sein. Maxime: so wenig Motoreneinsatz wie nötig, so viel Eigenbewegung wie möglich und zumutbar.  Motorisierung muss und darf nicht vollständig abgelehnt werden, ist aber ab einer bestimmten Größe der individuellen und/oder kollektiven Nutzung  der ökologische Sündenfall.

     

        Einige konkrete ökologische Ziele

    Das erfordert die  Rücknahme der gegenwärtigen Normen wie  Billigkeit, Schnelligkeit, Größe, Rationalisierung sowie  eine kritische Haltung gegenüber der von allen Parteien favorisierten Digitalisierung und Medialisierung der Lebenswelt. Ökologische Normen wären die Stärkung der geistigen Werte,  der inneren und äußeren Natur,  des Nahbereichs, des Lebens  und der Eigenbewegung im weitesten Sinne, was auch einschließt, sie technisch effektiver zu machen.  Der Weg der Menschheitsgeschichte war in diesem Sinne ein technischer. Aber der   Sündenfall war eben die Universalisierung des Motors, die mit Beginn der industriellen Revolution einsetzte.

     

  2. Der heutige Sozialismus will nicht die kapitalistische Wirtschaft beseitigen, weil sie die am besten und längsten Milch gebende Kuh ist.

  3. Marx hat leider viele seiner wichtigen Einsichten verabsolutiert und damit deren Dialektik festgestellt. So kann es, dass Marx, Engels und Lenin ihr jeweils  eigenes Bewusstsein nicht  als ein nicht-proletarisch entstandenes und fundiertes bestimmten, ja verleugneten. Schließlich gehörte Jenny von Westfalen dem Hochadel an.

  4. 3b. These: Die Frankfurter Schule war im Kern warenkritisch, wie es Wolfgang Haug in seiner Warenästhetik ausbuchstabierte, nicht sozialistisch die Verteilungsfrage im Mittelpunkt.

  5. Bei den Grünen in der Gründungsphase waren die dominierenden Linken Marxisten, also dem marxistischen Sozialismusbegriff verpflichtet, der aus deren Sicht den Charakter eines Naturgesetzes hatte der gesetzmäßig sich durchsetzen wird (kausal). Das war ja die Differenz aus der Sicht von Marx zu anderen sozialistischen Bestrebungen. Heute wohl nicht mehr, sondern Gleichheit als ethische Forderung (final). Das ist die sozialdemokratische Position.

  6. Marx verabsolutiert den Menschen. Das nenne ich schlechten Subjektivismus

  7. Die Bekämpfung von absoluter Armut ist Menschenpflicht und ein unaufhebbares politisches Ziel. Materielle Gleichheit ist nicht immer mit  ökologischen Bedingungen kompatibel.

  8.  Sozialismus darf aus meiner Sicht nicht zur Aufgabe der Selbstfürsorge führen. Gelingende Selbstfürsorge ist ein Teil der Identität.

  9. Nach Marx und der traditionellen Linken kann man alle ökologischen Probleme auf die kapitalistische Wirtschaft, nicht auf die industrielle Wirtschaft zurückführen.

  10. Frage an Linke:  Was ist wichtiger,  Gleichheit oder Ökologie, wenn man nicht das eine auf das andere zurückführen kann?

  11. „Es ging um drei Millionen Quadratkilometer. Russland und China verhindern Schutzgebiete am Südpol.“ Ein weiterer Beleg dafür, dass Linke und Rechte für Ökologen keine natürliche Partner mit gleichem Ziel sind, nämlich Naturschutz als Selbstzweck.

  12. Der grundsätzliche Fehler von Marx: Er bekämpfte den utopischen Sozialismus, der aber Recht hatte: Es gibt für den Sozialismus kein Naturgesetzmäßigkeit, sondern nur als Wunsch und Ziel. Es gibt keinen wissenschaftlich begündeten Sozialismus, das zu meinen, ist Ideologie, die schnell in ungerechtfertigte Herrschaft umschlägt

  13. Marxisten und Nazis reklamieren Naturgesetze im Sinne von Darwin für ihre Theorien.

  14. In dem Moment, wenn Marx angeblich wissenschaftliche Aussagen über zukünftige Entwicklungen macht, ist er kein wissenschaftlich Arbeitender mehr, was er vorher war. Ab dann wird Wissenschaft bei Marx zu einer Ideologie, die viel Schaden angerichtet hat. Hätte er hier bloß den Konjunktiv in Anspruch genommen.

  15. Die Bewegung Fridays for Future  setzt dort fort, wo die Grünen nach 1980  den ökologischen Weg verließen.

  16. Marx war wissenschafts- und technikgläubig (beides ist im Kern identisch). Das muss berücksichtigt werden.

  17.  Marxistische Linke haben bis auf die AKW-Kritik Technik- und Motorenkritik konsequent verhindert. Technikbejahurngist das Herzstück marxistischer Theorie. Am Anfang bezog sich die AKW-Kritik nur auf kapitalistische AKWs

     

  18. Marx hat im Kampf gegen den Manchester Liberalismus das Prinzip „Suvival of the fittest“ im Interesse der Ausgebeuteten bekämpft, dann aber genau mit diesem Prinzip die Diktatur des Proletariats begründet und legitimiert. Bis dahin war er ein guter und glänzender Analytiker, aber dann begann er zu  extrapolieren.

  19. Marx konnte keine Ökologie, autonome Psychologie  und offensichtlich auch keine ständig neue Elitebildung denken.

  20. Ich teile nicht die Auffassung von Marx, dass die Gesellschaft wie materielle bzw. natürliche Prozesse abläuft. Gesellschaft ist Kultur.

  21. Für den Zeithistoriker Axel Schildt wurde in den siebziger Jahren für ihn und für viele andere der Satz „Grün schlägt Rot“ zum politischen Orientierungsmuster (FAZ v. 9. 4. 19). Dieses Muster wurde nach der Gründung der Grünen  durch  fest im Marxismus verankerte und strategisch gewiefte  Mitglieder der K-Gruppen in den Grünen „erfolgreich“ bis zur Unkenntlichkeit aufgeweicht.  Da muss erst eine Greta Thonberg kommen, um die ökologische Priorität wieder ins gesellschaftliche Bewusstsein zu heben - auch in das der Grünen.

  22.  Der spätere Marx ist kein Philosoph, sondern empirischer Naturwissenschaftler. Empiriker sind  immer Materialisten. denn sie messen letztlich immer nur Materielles.

    Marx war auch ein Kind des industriellen Zeitalters, ökologische Probleme wurden zu Beginn der Industrialisierung  und lange Zeit  verdrängt. 

  23. In der DDR sprach man nicht von Tieren, sondern von Produktionseinheiten. Das ist absolute Verabsolutierung der Bedürfnisse des Menschen.

  24. Marx war auch ein Kind des industriellen Zeitalters, ökologische Probleme gab und gibt es im Sozialismus massiv. Marx technischer Traum hat sich zu einem Albtraum entwickelt.

  25. Marx ist als Analytiker des Kapitals sehr wertvoll, in der Beschreibung des technischen Fortschritts leider einseitig positiv. Das erklärt übrigens auch den großen Widerstand der Linken gegen den physischen Begriff der Entropie, die ein absolutes Argument gegen ständiges Wirtschaftwachstum ist. Sie fürchtet Technikkritik wie der Teufel das Weihwasser. Als der Begriff Entropie zur Abstimmung kam (in Bremen?) brach die konservative Linke in schallendes Gelächter aus. Nicht, wie ich dachte aus Unwissenheit, sondern wohl aus politischem Kalkül. Die konservative Linke sah nicht oder wollte nicht die zerstörerischen Momente in der  Dialektik zwischen Mensch und Technik sehen. Für sie war die Technik absolut steuerbar und absolut unselbständig, reine Funktion des Fortschritts.Marx hat die krasse Ausbeutung der Arbeiter seit Beginn der Industrialisierung angemessen beschrieben, aber nur diesen Aspekt der Ausbeutung thematisiert, nicht den der Erde, also nicht die ökologische Problematik. Deswegen sind auch gegenwärtige Marxisten und traditionelle Linke nicht in der Lage, diese Ausbeutung in ihrem Umfange zur Kenntnis zu nehmen.  Mit der sekundären Ausbeutung über den Konsum werden nun die Konsumenten und noch stärker die Natur ausgebeutet. Zumindest ab 1950 wurde die primäre Ausbeutung der Arbeiter durch die sekundäre Ausbeutung über den Konsum der gesamten Gesellschaft ersetzt. In den letzten zwanzig Jahren hat sich dieser Prozess noch massiv verstärkt. Die sekundäre Ausbeutung verläuft heute primär über das Auto, über Unterhaltungsmedien und vielleicht auch über Reisen. Den Ausdruck „Konsum-Kapitalismus“ finde ich für diesen Prozess angemessen.

  26. Marx setzt auf das Pferd  Steigerung der Prodktion, das als solches die gegenwärtige ökologische Katastrophe herbeigeführt hat, nämlich die Transformation der Natur in Rohstoffe für Waren. Er kann materielle Beschränkungen einfach nicht denken, sondern tritt  für die Entfesselung der Produktivkräfte ein. Die Folge: „Eine Kuh ist eine Produktionseinheit“. Aber in  der Analyse kapitalistischer Prozesse bin ich  bei ihm, Begriffe wie Gebrauch- und Tauschwert sind hier entscheidend (Warenästhetik).   

  27. Die Entökologisierung der grünen Bewegung wurde auch mit einem soziologischen Argument vorangetrieben: Mitglieder und Sympathisanten kämen mehrheitlich aus der bürgerlichen Mittelschicht, was stimmte, aber noch nicht über den Wert ihrer Gedanken entscheidet. Zumindest waren – soweit ich mich erinnere – auch die Mitglieder des SDS weitestgehend von bürgerlicher Herkunft, und Marx und Engels hatten ja schließlich auch keine proletarischen Eltern.

  28. ·       Marxisten können nicht bedenken, was dem Menschen als Mensch gut tut, weil es methodisch nicht objektivierbar ist. Sie müssen das Subjekt von der Gesellschaft her bestimmt denken. Dem entspricht Unter- und Oberbau.

  29. ·       Der Ansatz „ökologische Politik“ war  zwischen 1970 bis Anfang der Achtziger die größte Gefahr für das Kapital. Traditionelle Linke haben innerhalb der Grünen und der grünen Bewegung  objektiv diesen Ansatz aufgeweicht und marginalisiert – und damit dem Kapital einen großen Dienst, nämlich die Drecksarbeit,  abgenommen, was das Kapital  nicht allein hätte leisten können.

  30. ·       Um 1980 saß ich auf einer der Gründungsversammlungen neben Rudi Dutschke,  der auf der ökologischen Seite stand. Gesprochen hat er allerdings nicht mit mir.

  31. ·       Der KB vertrat beispielsweise im Arbeiterkampf die Position, dass es kein Energieproblem gäbe, da bereits die auf dem Meeresboden der Ozeane vorhandenen Manganknollen die Nachfrage nach Energie  decken könnten.

  32. ·       Ob die Produktion direkt über das Ziel ständigem Wirtschaftswachstums oder indirekt über die Forderung, die Kaufkraft der Werktätigen ständig zu steigern, ist ökologisch (wahrscheinlich auch sozial und in Bezug auf Bildung) gesehen gleichermaßen fatal.

  33. ·       Jürgen Trittin und seine Anhänger verlängern  ad infinitum den verhängnisvollen Einfluss des KB auf die und in den Grünen. Verhängnisvoll, weil der Primat der Ökologie sich nicht durchsetzen kann.

  34. ·       Ich unterstütze vorbehaltlos linke Politik, wenn es um absolute Armut geht.

  35. ·       Die Destruktion durch  Motorennutzung entsteht nicht durch falsche Nutzung, sondern durch deren Nutzung an sich, wenn eine bestimmte Quantität überschritten wird. Ein sozialistisches AKW  ist auch ein AKW. Motorisierter Individualverkehr im Sozialismus unterscheidet sich nicht von dem in einem kapitalistischen Land.

  36. ·       Sozialismus primär und allein über Ungleichheit zu definieren, ist heute ein uneigentlicher Sozialismus, der sein Ziel verfehlt.

  37. ·       Kapitalisten dürfen wegen des Wirtschaftwachstums nicht ökologisch denken, Linke nicht wegen des Ziels der materiellen Gleichheit aller. Reine Umverteilung bringt fast nichts, denn der Besitz ist hier nicht entscheidend, sondern der private Konsum.

  38. ·       Absolute Armut muss beseitigt werden. Darüber darf es keine Diskussion geben. Aber Ungleichheit ist  nicht das entscheidende Problem. Ich behaupte, dass es heute viele Menschen gibt, die unzufrieden sind, weil es zwar unzweifelhaft Ungleichheit gibt, aber es ihnen trotzdem „objektiv“ gut geht. So steigt die Zahl der "Opfer" ständig.   Das nicht zu sehen, ist der große Fehler der traditionellen  Linken. Sie sind daher gezwungen, ständig neue Ungerechtigkeiten zu finden, die sich aus der Ungleichheit ergeben. 

  39. ·       Fazit: Die Beziehung zwischen linker und ökologischer Politik muss kein Widerspruch sein, ist aber mit Sicherheit kein Automatismus. Hier ist Reflektion und Wertung unverzichtbar.

  40. ·       Rudi Dutschke und Rudolf Bahro waren zur Grünenzeit explizit gegen orthodoxe Marxisten.

  41. ·       Adorno lässt das Individuelle nicht im Stich. Ein Generalist dagegen kennt keine Individuuen - außer sich selbst.

  42. ·       "Die kapitalistische Produktion entwickelt  nur die Technik und die Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde (!) und den Arbeiter". Diese Denkweise führt zu dem impliziten Schluß, dass in einer sozialistischen Produktion gerade das nicht passiert. Das heiß,t nur die kapitalistische Produktion ist ökologisch destruktiv, nicht die sozialistische.

  43. ·       Linke müssen also relativ konkret beschreiben, wie im Sozialismus eine ökologieverträgliche Produktion aussähe. Das ist nämlich kein  Automatismus, auch nicht in einer sozialistischen Gesellschaft.

  44. ·       Im Sozialismus war der Subjektivismus die ausschließliche Orientierung auf den Menschen. Tiere nannte man Produktionseinheiten. Marx ist Technikgläubigkeit + Wirtschaftwachstum + verabsolutierte Humanität, d. h. ohne Ökologie. Da der Mensch sich verabsolutiert hat, ist sein Handeln gegenüber der Natur mörderisch.

  45. ·       Marxisten können nichts Selbständiges wie Gene denken. Deswegen scheiterte auch Lyssenko. Deswegen lehnen sie auch die Systemtheorie Luhmanns ab, die übrigens gar keine Systemtheorie ist. So auch nicht die Natur und ihr Eigenrecht. Deshalb auch kein Verständnis für Adorno: „Mit sichtlichem Behagen marschieren in den Bergen die Kühe auf den breiten Wegen, welche die Menschen angelegt haben, ohne viel Rücksicht auf diese. Modell dafür, wie die Zivilisation, die Natur unterdrückend, der unterdrückten beistehen  könnte.“

  46.  Für Marxisten   ist eine Kuh Materie, reine Kausalität. Als naturwissenschaftlich Orientierter hatten sie  keinen Begriff für das Leben.  Im zukünftigen Sozialismus gibt es keine Unfreiheit, weil alle materiellen, geistigen und sozialen Bedürfnisse befriedigt werden. Das ist das irdische Paradies, ein unpsychologische abstrakte Konstruktion. 

  47. Traditionelle linke Politik ist eine Politik ohne Ökologie.

  48.  Weil man nicht das Ziel (bzw. die Ziele) der Evolution bestimmenkann, so auch nicht die der Geschichte bzw. die der Weltgesellschaft, selbst man diese materiell auffasst. Auch nicht durch Extrapolation. Der Telos kann bestenfalls durch Menschen realisiert werden.

  49. Die ökologische Problematik ist kein Nebenwiderspruch, der sich mit der Überwindung kapitalistischer Produktionsverhältnisse  auflöst, sondern sie ist das Hauptproblem, vor dem alle Gesellschaften stehen.

  50. Die ökologische Problematik ist kein Nebenwiderspruch, der sich mit der Überwindung kapitalistischer Produktionsverhältnisse  auflöst, sondern sie ist das Hauptproblem, vor dem alle Gesellschaften stehen.

  51. Weil man nicht das Ziel (bzw. die Ziele) der Evolution bestimmenkann, so auch nicht die der Geschichte bzw. die der Weltgesellschaft, selbst man diese materiell auffasst. Auch nicht durch Extrapolation. Der Telos kann bestenfalls durch Menschen realisiert werden.

  52. Historisch gesehen ist jetzt der Zeitpunkt für eine zweite ökologische Bewegung gekommen, die erste fand um 1980 statt. In dieser Zeit war sogar der Schlager „Wir steigern das Bruttosozialprodukt“ populär.

  53. Es gilt eine ökologisch nachhaltige und menschenförderliche Wirtschaft zu installieren.

  54. Im Sozialismus war der Subjektivismus, die ausschließliche Orientierung auf den Menschen. Tiere nannte man Produktionseinheiten. Marx ist Technikgläubigkeit + Wirtschaftwachstum + verabsolutierte Humanität, d. h. ohne Ökologie. Da der Mensch sich verabsolutiert hat, ist sein Handeln gegenüber der Natur mörderisch.

  55. Marxisten können nichts Endogenes als Selbständiges wie Gene denken. Deswegen scheiterte auch Lyssenko. Deswegen lehnen sie auch die Systemtheorie Luhmann ab, die übrigens aus meiner Sicht gar keine Systemtheorie ist. Dagegen Adorno „Mit sichtlichem Behagen marschieren in den Bergen die Kühe auf den breiten Wegen, welche die Menschen angelegt haben, ohne viel Rücksicht auf diese. Modell dafür, wie die Zivilisation, die Natur unterdrückte, der unterdrückten beistehen  könnte“.

  56.  Als die Politische Ökologie sich entfalten wollte, wurde sie von den K-Gruppen inhaltlich zermalmt. Damit über diese Gruppen die Arbeit des Kapitals

  57. Autobahnen kann man formal nur mit Menscheninteressen begründen, was nicht stimmt.

  58.  Umverteilung ja, aber nicht Gleicheit durch Wirtschaftswachstum, auch keine absolute Gleichheit.

  59. Gegenwärtige, auch linke Politik beschränkt sich auf Probleme, die man lösen kann, also für die es eine empirische Basis gibt.

  60. -         Linke können keine individuellen Veränderungen denken.

  61. - Bestehende reale Armut und Reichtum zwingen zum Handeln, aber nicht relative Armut auf Basis von Tauschwerten.

  62. - Materielle Ungleichheit ist nicht automatisch Armut.

  63.  Meine Rekonstruktion: Nach 1970 haben sich die Achtundsechziger gespalten in verhärtete orthodoxe Marxisten (KB, KBW usw.) und ökologisch orientierte Suchende wie Dutschke, Bahro, Kretschmann, Fischer, Böll und fast allle kritischen Intellektuellen. In HP

  64.  Marxisten können nicht bedenken, was dem Menschen als Mensch gut tut, weil methodisch nicht objektivierbar. Sie müssen das Subjekt von der Gesellschaft bestimmt denken. Dem entspricht Unter- und Oberbau.

  65. Ich verzeitliche das Verhältnis von Ökologie und Gerechtigkeit.

  66. Linke müssen also relativ konkret beschreiben, wie im Sozialismus eine ökologieverträgliche Produktion aussähe. Das ist nämlich keine Automatismus, auch nicht in einer sozialistischen Gesellschaft.

  67. ·      Adorno lässt das Individuelle nicht im Stich. Ein Generalist dagegen kennt keine

  68. ·    Rude Dutschke und Rudolf Bahro waren zur Gründerzeit der Grünen  explizit gegen orthodoxe Marxisten.

  69. Die Differenz ökologischer Politik zu Marx und herrschender Gegenwart ist das positive Verhältnis zu Naturwissenschaft und Technik (Motorentechnik).

    Genuin grüne Politik war die Fortsetzung der Frankfurter Schule

    Gesellschaft liegt für Marx zwischen Subjekt und Sein. Das macht ihr Verständnis so schwer.

    Marx als Sozialist argumentierte final, d. h. von der von ihm antizipierten Zukunft her.

    Marx hat keinen eigentlichen Seinsbegriff, er ist und will kein Ontologe sein. Das Sein ist deswegen gesellschaftlich, was uns als verkürzt erscheint.

    Marx ist kein „Naturalist“, sondern sieht gerade die Überwindung der Natur zu einer menschlichen das Ziel der Evolution. Aber eine gute Natur muss zur Natur zurückführen und die Natur als Fundament dees Lebens ansehen.

    Im 19 Jh. gab es auch eine konservative Kapitalismuskritik, die im Kern antisemitisch war. So bei Wagner.

    Marx war in seinen empirischen Analysen des Kapitalismus aus meiner Sicht erfolgreich. Er hat viel zum Erkennen des Kapitalismus beigetragen. Aber seine revolutionäre Praxis,  nichtempirischen Schlüsse in die Zukunft zu projizieren, sind desaströs, weil einseitig, unkritisch, weil er nur die Vorteile des Sozialismus sah. Übrigens stehen vor diesem Problem alle empirischen Wissenschaften, auch die Erfahrungen.

    Die Kritik der Atomkraftwerke war die einzige Kritik, die von marxistischen Linken geteilt wurde. Übrigens auch vom Bürgertum. Allerdings gab es am Anfang der Anti-AKW-Bewegung noch Bestrebungen, die sozialistische AKWs nicht dazu rechneten.

    „So wie Hegel die bürgerliche Gesellschaft an den  Idealen der französischen Revolution und Marx das Kapital am Stand der davon freigesetzten Produktivkräfte gemessen haben (Theunissen, S. 31), so muss der Konsum sich an den ökologischen Erforderungen messen lassen,

    Marx konnte das Böse im Menschen nicht denken, überhaupt keine Charaktereigenschaft, denn der Mensch  wird allein von der Gesellschaft geprägt. Marx kann keine Ökologie, autonome Psychologie  und offensichtlich auch keine ständig sich neue Elitebildung denken.

    Marx übernahm unkritische Darwins Suvival of the Fittest“ für das Proletariat, die Nazis übrigens für ihren germanischen Rassebegriff. Die Nazis wollten die Deutschen zu kriegerischen Kämpfern machen. Ich will ihre Fähigkeit zur Autonomie, zu Liebesfähigkeit, zu Bildung, zu Verschiedenheit zumindest zu tolerieren stärken.

    Wie Marx die zukünftige sozialistische Wirtschaft  ohne Ökologie denkt, so ich sicherlich  die Ökologie ohne tiefer liegende Wirtschaftsstrukturen.

    Die Einheit von sozialistischer materieller Gleichheitspolitik und unnötiger Energie- und Materieeinsatz für private Zwecke wird nicht thematisiert.

    Die Verteilungsfrage in den Mittelpunkt zu stellen, war historisch absolut richtig, insbesondere zu Beginn und während der Industrialisierung wie Marx und Engels es taten, aber heute geht es um Wichtigeres.

    Mit Marx ist Philosophie zur Kritik geworden.  Anthropozän und substantielle Technikkritik sind bei vielen Sozialisten  kein Thema - nur im Kapitalismus sind sie Probleme.

    Der Materialismus muss die sinnliche Wahrnehmung, insbesondere den Sehsinn  verabsolutieren, um Plausibilität zu erreichen. Den  so genannten innere Sinn kann  es nicht geben.

     Marx hat dreißig Jahre ökonomische Forschung betrieben und Folgerungen daraus gezogen im Modus der Negation.

    Wirtschaft ist bei Marx der Unterbau, der den Oberbau determiniert.

    Linke können den Menschen nicht als autonomes Innere denken. Umgekehrt können Rechte den Menschen nicht fundamental gesellschaftlich denken.

    Interessant wäre aus meiner Sicht auch ein Vergleich auf Identitäten und Differenzen zwischen Sozialismus und Zunftwesen.

    Der Fehler von Marx bestand darin, dass er nach seiner empirischen Analyse den Klassenkampf in die Sphäre der Wüschbarkeit verlängerte.

    Gedanken zum schwierigen Verhältnis von Teleologie und Kausalität, das auch eng mit der marxistischen Theorie zusammenhängt.

    Handeln ist immer teleologisch, immer ist ein zukünftiges Ziel hier determinierend.

    Das Ziel ist eine Setzung oder eine Vermutung von Prozessen wie das der Evolution oder der Gesellschaft. Aber das Ziel kann man bestenfalls aus den kausalen Prozessen der Vergangenheit erschließen.

    Kausale Prozesse sind nur erkennen in der Vergangenheit bis zur Gegenwart. Nur bei Vorhandensein von absoluter materieller Determination auch in die Zukunft (wie französicher Aufklärer).

    Wie können teleologische und kausale Prozesse sich parallelisieren?

    Grundsätzlich lassen sich keine sicheren Aussagen durch Extrapolieren von kausalen Prozessen für die Zukunft machen, je zeitferner das Ziel liegt. Aber doch einige, so der Klimawandel, wenn der Mensch nicht sein Handeln entscheidend ändert, also materielle Prozesse.

    Für Marx gehört die gesellschaftliche Entwicklung zur Naturwissenschaft, d. h. sie findet ohne Zutun der Menschen statt: Sie muss so und nicht anders verlaufen. Das ist die Verstaatlichung des industriellen Großeigentums. Hier überschätzt Marx aber weit den Einfluß der Besitzer, denn sie sind auch eine Funktion des Marktes, deswegen nützt Enteignung hier nichts.

    Teleologisch ist aus meiner Sicht eine subjektive Setzung, während Marx das für die gesellschaftliche Entwicklung unabhängig vom menschlichen Wollen annimmt. Hier wirkt also eine indirekte, für den Menschen blinde Kausalität. Aber das können wir nicht mehr denken.

    Die Realisierung eines Ziels verlangt kausale Schritte.

    Teleologie: Erst das Ziel, dann A>B>C>das Ziel. Kausalität: A>B>C> das Ziel.

    Bei absoluter Kausalität (Algorithmus) wird das Ziel hundertprozentig erreicht

    Antimarxistische Vermutung: Auch wenn die Geschichte ein Ziel hat, ist sie uns Menschen nicht erkennbar.

    Kant hat Finalität (=Kausalität?) als nicht erkennbar abgelehnt

 

E. Die  gegenwärtigen Grünen aus meiner Sicht

 

 

F. Leserbriefe:

1. „Ein Weckruf, nicht ein Nachruf

Als einer der Gründer der Grünen Listen von 1978 und Spitzenkandidat der Grünen in der Landtagswahl 1983 in Schleswig-Holstein vertrete ich heute wie damals die Position, dass die Grünen idealiter keine linke Partei und erst recht keine rechte, sondern ein ökologische sind: Nur die ökologische Theorie stellt systematisch und zentral das letztlich alles zerstörende Wirtschaftwachstum und damit den Tauschwert infrage. Die wirtschaftsorientierte Rechte unterstützt dagegen Wirtschaftswachstum direkt, die traditionelle indirekt. Rechte begründen das mit der Autonomie der Konsumenten, Linke mit dem Erreichen einer gerechten Verteilung der produzierten Waren und Dienstleistungen unabhängig von ihrem Gebrauchswert. Ich frage mich, ob der SPIEGEL hier nicht ökologisch mit rechts verwechselt“ (erschien im Spiegel)

2.    “Die wesentliche Aufgabe der Grünen

Die Grünen haben in der Saarland-Wahl enttäuschende vier Prozent erreicht. Ich erkläre mir dieses Ergebnis damit, dass sich die Grünen  nach ihrer Gründung ziemlich schnell  zu einem politischen Gemischtwarenladen entwickelt haben, der u. a. auch Ökologie anbietet. Aber  die Lösung der ökologischen Frage ist die entscheidende, vor der die Menschheit steht. Die  ökologische Verträglichkeit der produzierten Waren und Dienstleistungen muss im Mittelpunkt stehen und nicht die Verteilungsfrage. Allein das zu begründen und zu fördern, wäre eine Herkulesaufgabe für die Grünen“  (am 30. 3. 17 im shz. erschienen).

3.    Leserbrief zu Jürgen Trittins Beitrag in der FAZ zu den Superreichen

„Die Forderung, jedem Bürger einen SUV zur Verfügung zu stellen, ist genauso verteilungsgerecht wie die Forderung nach einer gleichmäßigen Verteilung der materiellen Ressourcen im Zeitalter des Anthropozäns. Eine ökologische Wirtschaft ist aber mit Sicherheit die größte Aufgabe, vor der die Menschheit steht. Eine Aufgabe, die nicht wie Jürgen Trittin suggeriert als Nebenwiderspruch durch die Lösung des Hauptwiderspruchs, nämlich die Überwindung des Kapitalismus, sich dann von selbst löst. Typisch für diese Position ist, dass sie sich allein auf die Mehrwertdiskussion kapriziert und nicht mit der Wertediskussion der produzierten Waren und angebotenen Dienstleistungen beginnt. Diese notwendige Wertediskussion fände übrigens auch dann nicht statt, wenn man den viel zitierten 85 Superreichen die Produktionsmittel nähme und diese vergesellschaftete. Der private Konsum dieser Milliardäre ist normativ unakzeptabel, aber volkswirtschaftlich nicht folgenreich. Schwerwiegender könnte ihr Einfluss auf die nationale und internationale Wirtschaftspolitik sein. Das muss gegebenenfalls auch mit drastischen Mitteln verhindert werden“ (erschien nicht in der FAZ).

4. “Verfehlt

„Mir graut vor einer rechtsradikalen Sammlungsbewegung, aber auch eine linke  macht keinen  Sinn. Notwendig ist eine ökologisch orientierte Sammlungsbewegung, die die Sackgasse des Wirtschaftswachstums verlässt und den gegenwärtig dominierenden individuellen und kollektiven Konsum probematisiert. Also wieder anknüpfen an eine  grüne Bewegung, wie sie zwischen 1975 bis 1980 weltweit  den  öffentlichen Diskurs bestimmte. Ich saß übrigens auf einer der grünen Gründungsveranstaltungen neben Rudi Dutschke, wo es darum ging, traditionellen linken Vorstellungen in den Grünen keinen Raum zu lassen, was damals aber scheiterte.“

 

5.    Ein privater Brief  an Robert Habeck: Lieber Robert, Du hast – soweit ich es beurteilen kann – auch deswegen eine hervorragende Arbeit geleistet, weil Du das, was ökologisch unter diesen Bedingungen möglich war, herausgeholt hast. In der Öffentlichkeit giltst Du als ein ehrlicher Umweltschützer und Ökologe. Ein großes Verdienst. Ich halte es für einen Fehler, wenn Du die Grünen nun als eine links-liberale Partei verstehst.  Nein, die Grünen sind eine ökologische Partei, keine linke, keine liberale und erst recht keine rechte.  Das haben wir als Grüne Liste angestrebt und das ist nach wie vor unsere große Aufgabe. Jetzt erscheint das Prädikat ökologisch und grün nicht mehr. Das ist der Verlust des Kernes – denkt Boje.

„Zwei einfache Wahrheiten
So einfach und trotzdem wahr die Einsicht von Greta Thunberg ist, so einfach und trotzdem wahr  ist die Lösung: Einzusehen, dass der Motor der Hauptverursacher des Klimawandels ist. Der Motor ermöglicht erst das grenzenlose Wirtschaftswachstum, das sich gleichzeitig gegen Natur und Mensch richtet. Notwendig ist eine Kritik des Motors statt seiner vorbehaltlosen Bejahung. Auf eine Formel gebracht: Erfolgreicher Klimaschutz kann nur eine Kritik des Motors sein“ (für Die Zeit).

 

 

"Was ist grüne Politik?
Die Zeit stellt eine gute Frage "Wie grün sind die Grünen?", die sofort die Anschlußfrage "Was ist grüne Politik?" auslöst. Meine Antwort: einerseits Motorenkritik, andererseits die Stärkung der Eigenbewegung. In diesem Sinne war die ökologische Bewegung zwischen 1970 und 1980 nicht nur in Deutschland eindeutig grün. Ab 1980 gelang es den K-Gruppen innerhalb der Grünen, diesen Ansatz massiv aufzuweichen, um den Kern, die marxistische Theorie, nicht infrage zu stellen. Wohlgemerkt, es geht um Motorenkritik, nicht um Technikkritik, denn das Tier ist durch die Fähigkeit, sich technisch zu entwickeln, zum Menschen (homo faber) geworden. Erst durch den massiven Einsatz von Motoren entstand der Klimawandel, letztlich die Realisierung des Anthropozäns. Natürlich gibt es auch gute Gründe für den Einsatz von Motoren in bestimmten Situationen, aber - so muss die Zukunft ermöglichende Maxime lauten: So wenig Motoreneinsatz wie möglich" (für Die Zeit).