Leserbriefe

Stand: 10. 12. 17

 

„Das Auto problematisieren

Nur die Grünen stellen in dem Artikel „Neue Parkplätze für Flensburg?“ den motorisierten Individualverkehr in Frage.  Um diese Position, der ich zustimme,  verständlich zu machen, ergänze  ich mit einigen Argumenten und Fragen:

Aus dem Auspuff  strömen nicht Milch und Honig, sondern Gifte, die die Qualität der Stadtluft massiv verschlechtern,  den Klimawandel beschleunigen, das Wohnen an viel befahrenen Straßen unzumutbar werden lassen und  die Städte insgesamt unwirtlicher  machen.  Jede Autofahrt hat diese Folgen. Ich verstehe nicht, wie man diese Folgen verdrängen kann und mit Bequemlichkeit, Lust  und Zeitmangel rationalisiert. Ich vermute eher, dass hier Angst, Identitätsmangel, krasser  Egoismus und mangelnder Mut zu eigenen körperlichen Fähigkeiten eine entscheidende  Rolle spielen. Und: Die Werbung bestimmt das Kaufverhalten stärker als die Vernunft. Nicht Autofahrer beherrschen das Auto, sondern umgekehrt, das Auto beherrscht sie, was sie aber nicht erkennen bzw. erkennen wollen.“ (für Flensburger Tageblatt)

 

 

 

„Bevormundung oder demokratischer Diskurs?

Der Verkehrsminister und Landesgruppenchef der CSU, Alexander Dobrindt,  „will nach oben“ (Flensburger Tageblatt vom 17. 11. 17). Diesem Aufstieg dient auch sein Argument „Wer das Auto kritisiert, bevormundet den Bürger“. Ich bestreite, dass diejenigen, die die Frage nach den Ursachen des Klimawandels stellen,  zu denen auch der motorisierte Individualverkehr gehört,  bevormunden. Nein, dieses Thema, das  unsere Kanzlerin (CDU) als  „Schicksalsfrage“ für die Menschheit begreift (Flensburger Tageblatt vom 16. 11. 17), darf nicht einem universellen Kritiktabu unterworfen werden. Genau das wäre undemokratisch.”

 

 

„Gedanken zum Klimawandel

Auch wenn man den Sturm vom vergangenen Wochenende nicht direkt auf den Klimawandel zurückführen kann, ist es angesichts der Häufigkeit der Abweichungen  notwendig, nachhaltige Lösungen zu finden und zu realisieren. Deshalb müssen alle Politikfelder und Konsumgewohnheiten auf Ökologieverträglichkeit geprüft und ggf. geändert werden. Das könnte heißen: weniger Autofahrten, weniger Fernreisen, weniger Großevents, weniger Konsum um des Konsum willens,  sondern Rückbesinnung auf die Schönheit und Reichtum der näheren Wirklichkeit,  auf Intensivierung von realen Sozialbeziehungen, auf Selbstbildung.“ (für Flensburger Tageblatt v. 29. 10. 17, erschienen am 1. 11. 17)

 

 

 

„Peelwatt als Standort

Vieles spricht dafür, dass das Motiv für den Neubau eines Krankenhauses primär nicht Argumente sind, die die Diskussion beherrschen. Das eigentliche, aber ungesagte  Motiv besteht darin,  die Möglichkeit zu schaffen, problemlos mit dem Auto diesen Neubau zu erreichen und in dessen unmittelbarer Nähe zu parken. Nur so kann ich mir erklären, dass das Votum einstimmig, ohne Diskussion ausfiel. Das Ergebnis: Wieder wird ein Stück Natur dem motorisierten Individualverkehr geopfert, dem Normgeber der Gegenwart.“  (für Flensburger Tageblatt am 13. 10. 17, erschienen am 1. 11. 17)

 

 

„Kein Opfer

Wird der Fehmarnbelttunnel nicht gebaut, wäre das kein Opfer, sondern eine kostenlose Zukunftsinvestition. Für den weiteren Ausbau des motorisierten Individualverkehrs gibt es  angesichts des Klimawandels, des Landschaftsverbrauchs und der zunehmenden Unwirtlichkeit der Städte kein vernünftiges Argument mehr.  Die Nutzung von Autos ist in bestimmten Situationen ein notwendiges Übel, mehr nicht. Zusätzliche Autofahrten aus Bequemlichkeit oder gar als  Selbstdarstellung sind nicht mehr zeitgemäß.“ (für shz vom 28. 9. 17)

 

 

 

 

„Ein lebenswichtiges Thema

Die Einsicht, dass wichtige Informationen nicht immer  ausführlich im Mittelpunkt  stehen, fand ich gestern in unserem Tageblatt bestätigt. In  der Spalte „Seitenblick“ erfuhr der Leser immerhin, dass Radfahren und Zufußgehen (sowie die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, füge ich hinzu)  Leben retten und dafür sorgen, dass „den Städten nicht die Puste ausgeht“. Wenn Vernunft Einsicht in die Notwendigkeit ist, dann wäre der Bundestagswahlkaampf genau der Ort gewesen, dieses lebenswichtige Thema mit in den Mittelpunkt zu stellen. Das sollte man auf verschiedenen Ebenen nachholen.“ (für shz, nicht erschienen).

 

 

 

 

„Notwendige Gedanken

Weitermachen um jeden Preis, aber auch sofortiges Umschwenken auf neue Impulse sind beides keine Königswege. Ich denke zwar, dass die Überlegungen, Einwände und die Schlussfolgerungen von Prof. Ulf Hahne nicht ein  fertiger Königsweg sind, aber  in die richtige Richtung weisen. Mit wünschenswerter und  mutiger Klarheit formuliert er, dass Urbanität nur durch eine drastische Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs möglich wird (Vorbild Kopenhagen). Das Zeitalter der absoluten Vorfahrt des Autos ist vorbei. Das klingt sicherlich in vielen Ohren als Sünde gegenüber Fortschritt und Lebensqualität schlechthin.  Die Forderung, mit dem Auto von Haustür zu Haustür zu fahren, mag dem Wunsch nach unbegrenzter Bequemlichkeit entsprechen, dient aber letztlich nicht den Autoinsassen und auch nicht einer lebendigen Stadt. Es stimmt ja leider, dass in den Städten und Dörfern Geschäfte massiv aufgeben müssen. Diese Entwicklung findet aber auch dann statt, wenn dem Individualverkehr keinerlei Einschränkungen auferlegt werden.   Die Autos durchqueren  die Stadt, ihr Ziel sind aber die Einkaufszentren an der Peripherie. Es wäre ein demokratisches Missverständnis und Denkfaulheit, sich nur  diesem Trend anzupassen.“ (erschienen am 14. 7. 17 im Lokalteil des Flensburger Tageblatts)

 

 

Goldenes Kalb

Von der Hudtwalcker U-Bahn-Station durch den Leinpfad und an der Außenalster entlang zum Dammtorbahnhof ist für meine Frau und mich nach einem einwöchigen, beglückenden Einhüten unserer Enkelkinder Schönheit pur. Was diesen Spaziergang selbst bei Nieselregen angenehm macht, liegt auch daran, dass Autos auf diesem Weg nicht massiv in Erscheinung treten. Warum kann das nicht überall so sein? Der Motor und seine Infrastrukturen sind das goldene Kalb der Gegenwart.

Boje Maaßen, Flensburg  (Hamburger Abendblatt, erschienen am 5. 8. 17)

 

 

„Eine Entscheidung der Vernunft?

Jürgen Muhl attestiert dem Diesel-Gipfel eine Entscheidung der Vernunft. Sicherlich im Sinne des Wirtschaftswachstums, aber nicht im Sinne einer ökologischen Vernunft der Nachhaltigkeit. Die Motorennutzung zu reduzieren ist die einzige Möglichkeit, den Prozess der Klimaverschlechterung zu stoppen.  In diesem Zusammenhang von einem „sauberen Diesel“ zu sprechen, ist entweder der Verzicht auf Klarheit in der Sprache oder Ausdruck einer ideologischen Haltung.

Die gegenwärtige Debatte um die Fälschungen ist eine Stellvertreterdiskussion, die die Autofahrer als Opfer stilisiert. Autos müssen grundsätzlich problematisiert werden. Denn auch ohne die durchgeführten  Manipulationen ist der motorisierte Individualverkehr destruktiv genug.“ (für shz´)

„Den Stillstand überwinden

Der CDU, FDP und deren effektivem Wahlhelfer,  dem Flensburger Tageblatt, verdanke ich die Erkenntnis, dass unsere Gesellschaft sich im Zustand des Stillstandes befindet:   Damit sind  nicht Probleme wie der Klimawandel,  die zunehmende Auflösung  realer sozialer Beziehungen,  die Verrohung in bestimmten Teilbereichen unserer Gesellschaft, die Ersetzung der Wirklichkeit durch Unterhaltungsmedien  gemeint, sondern – und das war mir neu – die Modernisierung der Gesellschaft in den Bereichen Mobilität, genauer Autoverkehr mit dem Ziel, dieser Mobilität endlich den notwendigen Raum zu verschaffen. Das macht Sinn: In den Städten fehlen zumindest vierspurige Stadtautobahnen. Die Zentralisierung von Krankenhäusern, Einkaufszentren, überhaupt von öffentlichen Gebäuden  mit ausreichenden, auf Zuwachs ausgelegten Parkflächen ist bei weitem nicht abgeschlossen. Dazu gehört auch der konsequente Ausbau des Internets, um den Onlinehandel effektiver zu machen.  Dieser notwendige Umbau verlangt alle Anstrengungen der gesamten Gesellschaft. Packen wir es an!“ (für shz)

„Klimawandel und Motor

Ein Gedanke zum aktuellen „Sommer“: Die Möglichkeit, eines von Menschen verursachten Klimawandels zu leugnen, entspringt der Haltung, nur nicht den motorisierten Lebensstil ein Stück zu stabilisieren oder gar zurückfahren zu müssen. Der Motor einschließlich seiner materiellen und geistigen Infrastrukturen ist das Heilige Kalb der Gegenwart.” (für shz)

 "Zukunft ermöglichen

Ein sinnvoller, weil notwendiger  Vorschlag zur Beendigung der Diskussion um die Fertigstellung der A20 und zur Sechsspurigkeit der Rader Hochbrücke:  Auf diese Projekte aus klimapolitischen Gründen verzichten. Stattdessen Strukturen schaffen, die den Einsatz von Energie und Motoren verringern.  Nicht Anpassungspolitik, sondern eine Zukunft ermöglichende Politik ist die Aufgabe."

 

 „Versteckte Zustimmung

Trumps Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen ist nicht nur ein „Sieg“ Trumps und seiner amerikanischen Unterstützer, sondern weltweit auch ein „Sieg“ großer Teile der Wirtschaft und der Konsumenten, die beide auf Handlungsebene der Logik des privaten und volkswirtschaftlichen Wirtschaftswachstums folgen.   Im Gegensatz zum energieaufwendigen Wirtschaftswachstum  wären ein nachhaltiges Wachstum in Form von Wissen und Reflektionsfähigkeit, technische Kompetenz in Form von Energiereduzierung, soziales Wachstum in Form von Solidarität und Liebe, ein Wachstum der Mobilität  in Form von Stärkung der Eigenbewegung und der Ersetzung des motorisierten Individualverkehrs durch öffentliche Verkehrsmittel, eine Stärkung der Natur im Erdzeitalter des Anthropozäns als eine reale Option für die Zukunft der Erde und der Menschheit.“

 

 

 

„Ein Schleichweg in Gefahr

Zu den Argumenten,  die aus ökologischen und sozialen Gründen  für den Erhalt der Kleingartensiedlung   Mummsche Koppel  plädieren, füge ich noch ein Argument hinzu. Als Taruper ist mir der Fuß- und Radweg am Campus vorbei durch die Kleingärten  hin zur Schulze-Delitzsch-Straße und weiter zur Kanzleistraße sehr wichtig, um abgasfrei und naturnah  in unsere zauberhafte  Innenstadt zu gelangen.  Verschwindet diese Route, hieße das auch: ein Schleichweg weniger.“ (für Flensburger Tageblatt, erschienen)

 

 

 

„Unterstützung unter Bedingungen

Als Taruper bin ich nicht glücklich über die Zerstörung von Naturlandschaften durch die Schaffung von Neubaugebieten um

Tarup. Aus diesem Grunde liegen meine Sympathien auf Seiten von Bauer Knop, sein Land nicht für den Ausbau K8 zur Verfügung zu stellen. Aber auch nur dann, wenn das dem Naturschutz oder aus traditionellen Gründen dem Erhalt seines Bauernhofes dient.

Wenn das primäre Motiv allerdings die Erzielung eines höheren Verkaufspreises ist, sich also innerhalb des dominierenden Wertes unserer Gesellschaft befindet, dann unterstütze ich vorbehaltlos die Position der Stadt Flensburg.“ (21. 7.17 im Fl. Tageblatt)

 

 

„Ein Minderheitsvotum?

Viele meiner Bekannten meckern auf die Bahn, obwohl sie  diese – so mein Verdacht - gar nicht benutzen. Ich bin da ganz anderer Meinung: Das Bahnhofsgebäude finde ich sowohl von Außen als auch von Innen ansprechend. Die Buchhandlung und das kleine Cafe belebend. Ein  Tunnel zu  Gleisen ist nie ein Augenschmaus, aber ich wüsste nichts, was man an unserem verbessern könnte. Fahrstühle erleichtern den Zugang. Die stündlich nach Hamburg, fast geräuschlos fahrenden Doppeldecker sind pünktlich, sauber und  in Flensburg nie überbelegt. Das sind zumindest meine Erfahrungen.“ (am 31. 5. 17 im Flensburger Tageblatt erschienen).


„Notwendig ist eine nachhaltige Vision

Der Beitrag „Schleswig-Holstein braucht Visionen“ von Stephan Richter im Schleswig-Holstein Journal formuliert eine notwendige Aufgabe, zu deren Lösung  er  interessante  Gedanken beisteuert. Insbesondere dem Schlusssatz „Zentralismus war gestern“ stimme ich uneingeschränkt zu. Dezentralität verlangt aber– und hier beginnt meine Kritik der Kritik -  zumindest heute den autonomen Menschen, der  nicht Funktionär des immer noch vorherrschenden Wirtschaftswachstums ist. So dient z. B.  der von ihm mehrfach  zitierte Bau der A 20 nicht der Revitalisierung Schleswig-Holsteins, sondern dem weiteren

 

 

 

 

 

 

 

Sterben der Dörfer bzw. der kleinen und mittleren Städte. Die steigenden Pensionen dienen überwiegend nicht der Abwehr von Not, sondern dem Kauf von  und schädlichen Konsumgütern und Dienstleistungen. Das reicht von überdimensionierten Autos und Wohnwagen über  bewusstlose Fernreisen bis hin zu Erdbeeren an Weihnachten. Meine Lösung: Wir brauchen keine einheitliche Vision, sondern jeder muss seine eigene Vision entwickeln und realisieren. Allerdings müssen sich diese innerhalb ökologischer Grenzen  und dem sozial Zumutbaren  halten: Grenzenloser Konsum-Individualismus war gestern.“  (shz)




„Wie reagieren?

Die stetig anwachsende Autolawine ist das Hauptproblem der Gegenwart, diese zu reduzieren die Hauptaufgabe von Politik und Individualverhalten. Um die notorischen Autofahrer zum Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen, sind  allerdings  nicht  rationale Argumente wie Fahrpreise, Taktzeiten usw., sondern Psychologie angesagt. Selbst wenn der Bus wie in der Schweiz  fast vor der Tür hält und nahezu kostenlos ist, sind viele  Urlauber nicht bereit, umzusteigen. Falsch verstandener Individualismus speist sich, wie übrigens der massive Medienkonsum, aus Angst, aus Unsicherheit, aus Bequemlichkeit, aus Egoismus  aus dem Verlust des Schönheitssinns und aus einer am Auto ausgerichteten Strukturpolitik.

Wir müssen unsere Lebenswirklichkeit selbst gestalten und nicht von unverantwortlichen wirtschaftlichen Interessen gestalten lassen.“ (shz)

 

 

 

"Auch an Fußgänger denken

Die Anwohner am Heinz-Krey-Hof stehen mit ihrer Forderung nach Fußwegen nicht allein. Eine ähnliche Situation gibt es bei uns in Tarup. Nicht durch ein Verbot, sondern durch die Errichtung eines Zaunes ist es nicht mehr möglich, zu Fuß von der Kreuzkoppel aus über den Weißen Hof zur Taruper Hauptstraße zu gelangen. Diese Maßnahme ist sicherlich rechtens, ist aber doch ein Verlust alltäglicher Lebensqualität: Der  Weg zu den dortigen Geschäften und Einrichtungen wird nun beträchtlich länger und durch den zunehmenden Autoverkehr auf der Taruper Hauptstraße fast unzumutbar. Ich denke, dass die Stadt systematisch zumutbare Fuß- und Radwege überall einrichten muss, u. U. auch nachträglich. Diese Forderung finde ich übrigens bereits im Gebiet von der Beek zur Ringstraße vorbildlich realisiert."

 

 

 

“Die wesentliche Aufgabe der Grünen

Die Grünen haben in der Saarland-Wahl enttäuschende vier Prozent erreicht. Ich erkläre mir dieses Ergebnis damit, dass sich die Grünen  nach ihrer Gründung ziemlich schnell  zu einem politischen Gemischtwarenladen entwickelt haben, der u. a. auch Ökologie anbietet. Aber  die Lösung der ökologischen Frage ist die entscheidende, vor der die Menschheit steht. Die  ökologische Verträglichkeit der produzierten Waren und Dienstleistungen muss im Mittelpunkt stehen und nicht die Verteilungsfrage. Allein das zu begründen und zu fördern, wäre eine Herkulesaufgabe für die Grünen“  (erschienen am 30. 3. 17 im shz).

 

 

Prüfstand umfasst mehr!

Dass Flensburg sich als  Klimastadt versteht, ist  die  notwendige Antwort auf ein Riesenproblem, vielleicht das größte, vor dem wir stehen. Dazu gehört mit Sicherheit auch eine kritische Aufarbeitung der gegenwärtigen Mobilität in unserer Stadt einschließlich des Aufzeigens von Alternativen. Aber das reicht nicht, man muss tiefer analysieren: Warum leugnen noch immer viele Mitbürger den Klimawandel, der auch mit dieser Mobilität zusammenhängt? Warum berücksichtigen sie ihn nicht in ihrem Denken und Handeln? Warum sehen sie nicht die großen Vorteile eines ökologisch orientierten Lebensstils?  Eine mögliche Erklärung wäre: Das  eigentlich Fatale des Klimawandels besteht darin, dass immer mehr Menschen die Folgen dieses Wandels nicht als existenziellen Verlust empfinden: Unterhaltungsmedien, Komfort und Bequemlichkeit, große Autos, Fernreisen, Einkaufszentren und Eventangebote bieten einen Ersatz, der als höherwertig bewertet wird als eine  lebendige Wirklichkeit“ (erschienen im Flensburger Tageblatt am 21. 2. 17).

 

 

 

„Täuschung mit  Zustimmung?

Die duale Rollenverteilung im Abgasskandal von VW erinnert mich stark an die Vergangenheitsbewältigung  in der Bundesrepublik Ende der vierziger und fünfziger Jahre: Die große Mehrheit der Deutschen sei damals von einer verbrecherischen Clique  ohne eigene Zustimmung und damit ohne Schuld verführt worden. Strukturell gleich wird im Abgasskandal argumentiert: Auch hier sei  die Mehrheit der Autobesitzer von einer Minderheit getäuscht worden. Die gezinkten Zahlen mögen in dem einen oder anderen Fall den Kauf erleichtert haben. Dazu ein Gedankenexperiment: Hätten die Käufer von SUVs, Kleinbussen und Großlimousinen auf den Kauf verzichtet, wenn sie von den realen Emissionen gewusst hätten? Die gegenwärtigen Verkaufszahlen sprechen nicht dafür“  (für FAZ).

 

 

 

„Ständige Müdigkeit

Ich würde lügen, wenn ich behaupte, das Wort „müde“ wäre in meinem Wortschatz eine Seltenheit. Mehr oder weniger bin ich schon immer müde gewesen, aber momentan nimmt meine Müdigkeit überhand. Woran liegt das? Schlafe ich zu wenig oder zu viel? Ist meine Ernährung angemessen in Bezug auf Vitamine, Ballaststoffe usw.? Bin ich zu wenig an der frischen Luft? Oder gibt es gar einen Müdigkeitsvirus? Also offene Fragen über offene Fragen, für die ich bisher noch keine Antwort gefunden habe“ (für eine Kolumne).


„Wie schlafen Pferde?

Ich wollte schon immer gerne wissen, ob  Pferde im Stehen schlafen. Zuständig für eine Antwort ist nur meine  älteste Enkeltochter, die nichts anderes als Pferde im Kopf hat. Was sie dazu sagte, klang sehr plausibel: „Pferde schlafen in der Regel im Stehen, weil in ihnen  noch viel vom Wildpferd steckt. So sind sie jederzeit fluchtbereit. Nur wenn sie sich absolut sicher fühlen, legen sie sich hin.“ Nun wurde mir auch klar, warum  mein Bruder bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit es sich auf dem Sofa hingestreckt gemütlich macht: Ihm  ist jegliche Wildheit abhanden gekommen“  (für eine Kolumne).

 

 

„An wen wenden?

Am 3. Januar dieses Jahres stand in Westerland der Autoverkehr einschließlich der öffentlichen Busse für Stunden still (das Flensburger Tageblatt berichtete). Der Grund war ein  Rückstau von Privatautos, die in diesen Massen nicht sofort abtransportiert werden konnten. Zu dieser Zeit wollten wir von Hörnum mit dem Bus nach Westerland, um mit dem Zug die Insel zu verlassen. Die Autofahrer waren eindeutig die Ursache dafür, dass wir fast zwei Stunden warten  mussten, bis der Bus kam. Meine Frage lautet  nun: Wo kann ich direkt von den Autofahrern bzw. von ihren Organisationen meinen  Schadenersatz einfordern?”  (shz, 21. 1. 17)

 

 

 

Urbanität und Schönheit

Der Artikel „Hafencity wächst – Planer blicken 150 Jahre voraus“ (Flensburger  Tageblatts v. 21. 1. 17)  enthält eine  Computersimulation eines geplanten  Wohnquartiers in der Hamburger Hafencity. Die Betrachter sehen darauf  Wasser, moderne Häuser, flanierende Menschen,  Begrünung, aber kein einziges parkendes oder fahrendes Auto. Die Botschaft ist eindeutig: Die autogerechte Stadt fördert massiv die Hässlichkeit in ihr. Es mag ja  noch sein,  dass ein Auto allein in unberührter Natur oder vor einem Edelhotel hübsch anzusehen ist, aber massenhaft sind sie mit Sicherheit hässlich. Für die Bequemlichkeit, die das Auto  bietet, dürfen und sollten  wir nicht die Zukunft der Erde, die Schönheit unserer Stadt und unsere  Gesundheit opfern.  Zu hoffen ist nur, dass es keiner 150 Jahre bedarf, bis sich  Schönheit und  Vernunft  auch an der Flensburger Schiffbrücke durchgesetzt haben.“ (Flensburger Tageblatt, 21. 1. 17)

 

"Eine Neuentdeckung

Am 21. August informierte das Forum Tarup in dem Artikel „Es kann wieder  spaziert werden“, dass der Naturpfad zwischen Gärtnerwinkel, der vom Schmiedeweg abbiegt, nun wieder begehbar sei.  Am Sonntagnachmittag sind wir dieser Einladung  gefolgt – und es hat sich gelohnt: Der  zeitlich nicht aufwendige und sehr interessante Weg führt durch eine nahezu unberührte Landschaft, wie ich sie noch aus meiner Jugendzeit kenne. Damals  gab es noch viele solche  Wege, die zwar keine Premiumqualität hatten, aber umso vielfältiger waren.

Von den kleinen Beschwerlichkeiten kann man sich dann auf dem bequemen und landschaftlich ebenfalls reizvollen Fuß- und Radweg westlich des Bahndamms erholen. Als Belohnung empfehle ich zusätzlich  ein Stück leckere Torte, das man sonntags im nahe gelegenen „Grünschnabel“  von der Inhaberin Annette selbst gebacken, günstig zum Mitnehmen erwerben oder, was noch interessanter ist, dort  mit einem kleinen Schnack mit echten Tarupern  verzehren kann."

 

 

„Etwas verlangsamt

Meine Mutter hat mehr als einmal gesagt, dass ich ein sehr plietscher Junge. sei, was aber zumindest in Bezug auf schnelles Begreifen  nicht  stimmt. Gestern war ich mit meinem Neffen in der Stadt zu einem Großeinkauf. Als wir nach Hause wollten, sagte er: „Ich stehe auf der Exe.“ Ich begriff es nicht, denn mein Neffe stand ja hier auf dem Holm leibhaftig vor mir. Doch dann ging mir langsam ein Licht auf: Er meinte gar nicht sich selbst, sondern sein Auto.“

 

 

(erschienen in der FAZ unter "Nur so wird uns verziehen" vom 12. 9. 16




 

Schönheit und Distanz

An der Beek befindet sich ein kleines Überlaufbecken, dessen Ufer dicht bewachsen ist. Nur zwei oder drei kleine Pfade führen zu ihm hin, die ich aber zumindest zu dieser Jahreszeit nie mehr betreten werde. Warum nicht? Auf dem kleinen See haben sich nämlich Seerosen angesiedelt. Das erste Mal sah ich sie durch eine kleine Lichtung direkt vom Weg. Eingerahmt von grünen Bäumen und Büschen wirkten sie auf mich wie ein zauberhaftes Gemälde. Darauf betrat ich einen dieser kleinen Pfade, um sie mir von Nahem anzusehen. Natürlich waren sie immer noch hübsch, aber irgendwie hatten sie für mich ihre Faszination verloren. Ich denke, dass es für jedes Ding eine optimale Distanz der Wahrnehmung gibt, nicht zu nah, aber auch nicht zu weit. Und das gilt auch für Seerosen (erschienen im "Forum Tarup").

 

 

 

Ein  Artikel der sich auf  „Massiver Widerstand gegen Ostsee-Tunnel“  vom 27. August 16 im shz bezieht.

„Notwendige Abkehr vom Auto

Widerstand gegen zerstörerische Verkehrsprojekte in Form von Klagen ist demokratisches Recht und im Interesse des Klima- und Landschaftsschutzes Pflicht. Aber die nachhaltigste  Form des Widerstands ist das eigene Handeln, in diesem Fall:  So wenig wie möglich das Auto in Anspruch nehmen oder noch konsequenter, auf das Auto ganz  verzichten, wie wir es tun.  Füße, Fahrräder und öffentliche Verkehrsmittel sind  die angemessenen Mittel der  Mobilität - übrigens gleichzeitig ein Gewinn und nicht Verlust von Lebensqualität. Je weiter der Ausbau des motorisierten Individualverkehrs vorangetrieben wird, desto schwieriger wird der notwendige Wandel, denn der motorisierte Individualverkehr hat nicht einmal theoretisch eine Zukunftsperspektive. Verkehrspolitik und Autobefürworter  müssen  das endlich zur Kenntnis nehmen“ (erschienen am 30. 8. 16).

 

 

Zum Artikel „Polizei kämpft gegen PS-Protzer“ v. 1. Sept. 2016 für das Hamburger Abendblatt
„Gesellschaftsimmanent?
Hoffentlich hat die Polizei Erfolg gegen die PS-Protzer, die mit ihren schnellen und lauten Fahrzeugen Beachtung und Statuserhöhung erreichen wollen. Dieses Modell wird ihnen durch die populären Formel-1-Rennen vermittelt, aber auch durch die zunehmende Zahl von SUVs, Sportwagen und Luxuslimousinen der „Normalbürger“ auf unseren Straßen täglich vorgeführt. Erst wenn hier ein Wandel eintritt – und das ist meine These – eröffnet sich die realistische Möglichkeit, dass dieser Wahnsinn auf den Straßen abklingt" (erschienen am 3. 9. 16).

 

 

„Auch Herr Engeland irrt

Wenn Herr Engeland mit seiner Formulierung, Tante Maaß nehme wohl nicht mehr aktiv am Straßenverkehr teil, meint, sie führe kein Auto mehr, dann ist er Opfer der gegenwärtigen Sprachverhexung geworden: Autofahren ist  das  Gegenteil von Aktivität, denn weder nennenswerte muskulär-köperliche noch neurologisch-geistige Anstrengungen sind beim Autofahren vonnöten:  Man sitzt ausschließlich und bewegt minimal Füße und Hände. Das Denken beschränkt sich primär auf andere Verkehrsteilnehmer und Straßenbedingungen.  Aktiv im Straßenverkehr sind dagegen Fußgänger, Radfahrer, Jogger und Menschen, die zu Haltestellen von öffentlichen Verkehrsmitteln laufen.  Deshalb empfehle ich  Herrn Engeland, zuerst die Tatsachen wahrzunehmen und richtig zu benennen, bevor man anfängt, ideologieanfällige Begriffe wie „aktiv“ zu benutzen. Das gilt übrigens nicht nur für Begriffe, sondern auch für die Interpretationen von Bildern, denn die können auch – wie der  Neffe und Herr Engeland - irren.“ (bis jetzt nicht erschienen)

 


 

"Sport ist nicht die große Lösung
Auf das Bevölkerungsganze gesehen ist und bleibt Sport  aus nachvollziehbaren Gründen nur eine Teilmenge  der Eigenbewegung  Aber zwischen sportlich Aktiven und Sportmuffeln gibt es eine dritte Position, die problemlos von allen Bürgern, seien sie jung oder alt, verwirklicht werden kann:   Im Alltag zu Fuß oder mit dem Rad sich bewegen, sei es einkaufen, den Arbeitplatz erreichen, Freunde besuchen oder ins Kino oder Theater gehen. Das Auto muss dann stehen bleiben. Das ist kein Rückschritt, sondern wortwörtlich ein Fortschritt. Das fällt leicht, weil hier Bewegungen eine notwendige und  selbstverständliche Funktion haben. Nebenbei  dienen diese Bewegungsarten dem Klima, aber machen Klima auch erfahrbar,  kostet nichts, erhöhen die Zahl der Augen-blicke, stärken  die Identität und öffnen die Augen für die Schönheit der normalen Umgebung. Dass das gut für Geist und Körper ist, weiß ich nicht nur aus theoretischen Überlegungen, sondern aus jahrelangen Erfahrungen." (v. 14. 4. 16 an shz, noch nicht erschienen

 

Fahrrad schieben

"Nach der Einsicht, dass grundsätzlich Autos schneller und damit gefährlicher sind als Fahrräder und diese wiederum gefährlicher als Fußgänger, kann es ethisch und muss es rechtlich nur heißen: Auf der Hafenpromenade müssen Radler ihr Gefährt schieben.” (9. 4. 16 im Flensburger Tageblatt)

 

 

 „Einseitig

Leider erfüllt  der Artikel „Die Verschandelung der Landschaft“ in dem von mir so geschätzten „Schleswig-Holstein Journal“ (Ausgabe 12) bei weitem nicht die Erwartungen, die der Titel erweckt. Dem Autor ist ohne Einschränkung  zuzustimmen, wenn er in diesem Zusammenhang  Windkraftanlagen kritisiert, aber weitere offensichtliche Ursachen der Verschandelung nicht benennt:  das ständig „wachsende“ Straßennetz, Industrieanlagen und Einkaufszentren in ehemals schöner Landschaft und  die großen Neubaugebiete, die sich in die Landschaft hineinfressen. Diese und andere Ursachen sollte und kann man redlicherweise bei  diesem Thema nicht ausblenden. Tut man es trotzdem, schreibt man Ideologie“ (für shz, bis auf den letzten Satz am 2. 4. 16 erschienen).

 

 

 

 

„Die verpasste Chance!

               In dem Artikel „Angst vor der neuen Freiheit“(v. 9. 3. 16) wird der innerhalb der Grünen dominierende Dualismus statt wie bisher üblich mit Fundamentalos und Realos hier mit Linken  und Realos beschrieben. Gewonnen ist damit ein „halber Inhalt“, denn der Begriff „links“ ist inhaltlich gefüllt, während  die Begriffe „fundamental“ und „real“ verschiedene Grade der Kompromissbereitschaft mit dem jeweils Bestehenden anzeigen.

               In den heftigen Auseinandersetzungen   in der Gründungsphase der Grünen war die Trennungslinie dagegen eindeutig, weil beide Positionen inhaltlich mit  „Ökologie vs. Sozialismus“ bestimmt waren. Das kann ich insofern beurteilen, da ich von 1978 - 82 für die Grüne Liste im Kreistag Nordfriesland saß, Spitzenkandidat der Grünen in der Landtagswahl Schleswig-Holstein 1983 war und  an allen Gründungsparteitagen der Grünen aktiv teilgenommen habe. 1983 bin ich aus der Partei, aber nicht aus dem Thema ausgetreten.

               Ökologie wurde von ihren Vertretern, aber auch von ihren parteiinternen Widersachern als eine Position verstanden, die vom Primat der Ökologie ausging. Ökologische Politik verstand sich als  jenseits des Dualismus von links und rechts, nicht revolutionär, sondern pragmatisch-evolutionär. Die Reichweite ökologischer Werte wurde zwar auch als begrenzt gesehen, reichte aber, um sinnvoll zu leben, viel weiter als  konventionell gedacht.

               Der „Sieg“ der  orthodoxen  Marxisten und nichtökologischen Gruppierungen  in der Anfangsphase der Grünen führte aber dazu, dass die Position des Primats der Ökologie zuerst durch die Bezeichnung „Realos“ ersetzt und schließlich ganz zum Verstummen gebracht wurde, während kommunistische und sozialistische Positionen längere Zeit unbehelligt blieben, allerdings  dann auch an Einfluss verloren. Fortan nahmen  die Realos außerhalb von marxistischen und rein ökologischen Positionen inhaltlich beliebig jede Position innerhalb des linksliberalen Spektrums ein, so dass sie inhaltlich nicht mehr bestimmt werden konnten.

               Ich bin der Auffassung, dass durch diese Fehlentwicklung eine alles entscheidende Zukunftsperspektive verpasst wurde, an der  ein großer Teil der Bevölkerung und Menschen wie Herbert Gruhl über  Rudolf Bahro bis  Rudi Dutschke  mitwirkten. Unwiederbringlich?“ (erschienen in der FAZ am 22. 3. 16)


„Muss das sein?

An schönen Sommertagen frage ich mich, ob die Osttangente zur Entlastung der Verkehrsbelastung der Stadt oder als  Rennstrecke für Motorräder geschaffen wurde. Deshalb lautet mein Tipp für Krach-Biker: Entsorgt Eure Maschinen umweltfreundlich, und Ihr tut  Euch und der Umwelt etwas Gutes.“ (für das Flensburger Tageblatt, nicht erschienen)

"Moderne Zeiten!

Meine gleichaltrige Cousine ist konsequent fortschrittlich. So freut sie sich schon darauf, wenn alle Lebensmittel im Online-Handel erhältlich sind. „Dann  brauche ich  nicht mehr einzukaufen“. Mein vorsichtiger Einwand, dadurch hätte sie ja nur noch wenige menschliche Kontakte, pariert sie lächelnd: „Mir reichen die Menschen im Fernsehen“. Nun frage ich mich, ob die Fernsehwelt die wirkliche Welt ersetzen kann.“

 

 

“Pro Schienenverkehr

Dass seit 2013 Busanbieter der Bahn Konkurrenz machen dürfen, ist für  Mensch und Umwelt  keine gute Entscheidung. Natürlich hat der Grünen-Fraktionschef im Bundestag, Anton Hofreiter, recht, wenn er einen voll besetzten Fernbus als eine ökologische Alternative zum Auto bewertet. Vollkommen „ent-grünt“ wäre seine Argumentation allerdings, wenn er  den Vergleich von Fernbus und Bahn, von Straße und Schiene aus ökologischer Perspektive fortsetzen würde.”  (für shz)

 

„Zukunftsweisend

Die Ergebnisse des Pariser Klimagipfels taugen nur dann etwas, wenn die Nationen und deren Kommunen und Bürger  Worten entsprechende Taten folgen lassen.  Es ist aus klimapolitischen Gründen  bereits unverantwortlich, das Auto zu benutzen, wenn gleichzeitig für diese Strecke ein Angebot eines öffentlichen Transportmittels besteht, so erst recht, wenn dieses elektrisch betrieben wird und der Strom aus Wind, Sonne und Wasser gewonnen wurde. Ich hoffe nur, dass in Flensburg diese Idealsituation entsteht und die Bürger dieses Zukunft ermöglichende  Angebot  annehmen. Zumindest spätere Generationen werden dafür dankbar sein.“ (Flensburger Tageblatt am 15. 12. 15)

 

 

„Loslassen!

Meine Freundin Martha fragte mich beiläufig, wo eigentlich die Sachen meiner verstorbenen Mutter abgeblieben wären. Das Beiläufige war raffiniert, denn sie wusste von meinem Tick, alles aufzubewahren. „Im Keller, für schlechte Zeiten“, war meine Antwort. „Auf schlechte Zeiten müssen wir nicht warten, es gibt im Bahnhof genug Leute, die sie gerade erleben“. Sie duldete keine Widerrede. Alles, was entbehrlich war, packten wir in Kartons und fuhren es in ihrem Auto zum Bahnhof. Nicht nur die Bedürftigen und die Helfer freuten sich, sondern  auch ich - und sicherlich meine Mutter  oben (für eine Kolumne, erschienen). 

 

 

 

 „Der eigentliche Skandal     

 

Es ist gutes Recht der Konsumenten, sich darauf verlassen zu können, nicht betrogen zu werden. Die Aufdeckung der Täuschung der Abgaswerte bei und durch VW - und wahrscheinlich nicht nur dort - hat deshalb für berechtigte Empörung gesorgt. Trotzdem muss gefragt werden, warum die Autobauer sich auf diesen schrägen Weg eingelassen haben. Der Widerspruch zwischen der Forderung nach geringeren Abgaswerten und den zunehmend größer werdenden Autos war offensichtlich technisch nicht lösbar. Es war eine Aufgabe, die nicht nur von der Politik, sondern auch von Nutzern eingefordert wurde, um ihre schweren Limousinen, SUVs und Kleinbusse vor sich und anderen  zu rechtfertigen. Aber nicht die Täuschung durch manipulierte Werte ist der eigentliche Skandal, sondern das Einverständnis der Gesellschaft zum motorisierten Individualverkehr. Denn selbst, wenn die angegebenen Werte gestimmt hätten, sind die Emissionen und die dazu kommenden Zerstörungen durch diese Art von Mobilität viel zu groß, um akzeptiert werden zu können. Auch ist mir nicht bekannt, dass auch nur ein Autofahrer wegen der falschen Zahlen sein Auto abgeschafft hat. Wäre es nicht an der Zeit, die aktuellen Fälschungen  zum Anlass zu nehmen, die Destruktivität des motorisierten Individualverkehrs ins Bewusstsein zu heben und nach Alternativen zu suchen?“ (an die FAZ, noch? nicht erschienen).

 

 

„Autos verbinden?

Mobilität ist der Oberbegriff für unterschiedliche Mobilitätsformen. Holger Appel wäre zuzustimmen, wenn er in seinem ausführlichen Kommentar „Mobilität verbindet“ (v. 15. 9. 15 in der FAZ) Fußgänger, Radfahrer und Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel gemeint hätte. Aber er spricht ausschließlich vom Auto. Die soziologische Einsicht, dass gerade das Auto Kontakte zur jeweiligen sozialen, natürlichen und kulturellen Umwelt  verhindert, widerspricht  empirisch entschieden der These von dem Verbindungspotential des  motorisierten Individualverkehrs. Die wahre Verbindung besteht zwischen Auto und Mensch – und die  reicht zumindest mir nicht aus.“ (erscheint wohl nicht mehr).

 

 

„E-Bike - ein trojanisches Pferd

Der  Artikel „Das ändert sich mit dem E-Motor“ (v. 18. 8. 15) erschien genau in dem Teil der von mir so  geschätzten Frankfurter Allgemeinen, wo er hingehört, nämlich in die Abteilung „Technik und Motor“. Das E-Bike ist kein Fahrrad,  sondern ein momentan noch  partielles, aber in seiner Entwicklungslogik angelegtes Motorrad. Schon jetzt  erreicht es eine Geschwindigkeit von 45km/h  und wird  zunehmend  als Motorrad einsetzbar sein. Wer will und kann hier die weitere Entwicklung aufhalten?

Das Wesen des Fahrrads ist der Einsatz von körperlicher und geistiger  Eigenenergie (Ivan Illich spricht hier präziser von metabolischer Energie). Die Nutzung des Fahrrades setzt massiv menschliches Potential frei. Am Ende steht das für den Mensch so wichtige Identität stiftende Moment „Das habe ich geschafft“. Zudem ist das Fahrrad umweltkompatibel. Es ist nicht auf externe Energie mit all ihren Problematiken angewiesen. Die Hinwendung zum aktiven Menschen und die Sorge um die Umwelt sind übrigens die Gründe, aus denen  sich die Renaissance des Fahrrads speist.

Ich bin ohne Einschränkung für technische Verbesserungen am Fahrrad, aber vehement gegen seine Umwandlung in ein Motorrad. Das trojanische Pferd beherbergt ein Motorrad, kein Fahrrad. Leider wird diese tief greifende Täuschung von vielen Käufern und Medien  nicht reflektiert (übrigens auch nicht vom ADFC).“ Erschienen am 2. 9. 15 in der  FAZ

 

 

 

„Urbanität statt Zersiedlung

 

Elmar Westphals großes Werk, einen zusammenhängenden Wanderweg durch das Lautrupstal zum Osbektal durchgesetzt zu haben, verdient uneingeschränkte  Anerkennung. Dadurch hat er Flensburg reicher gemacht. Diese Wertschätzung, die auch dem Menschen Elmar Westphal gilt, schließt aber nicht Kritik an zwei  Positionen aus, die er in der Öffentlichkeit vertritt. Damit ist sein Plädoyer für die Erhaltung der Vierspurigkeit des  Kielsengs  und sein Vorschlag zur Verlegung des Bahnhofs in Richtung Weiche gemeint. Beide Positionen widersprechen einer menschengerechten und ökologischen Stadtentwicklung. Die Zersiedelung des Umlands, die nur durch die massive Ausweitung des motorisierten Individualverkehrs ermöglicht wurde, muss gestoppt werden.  Denn sie  hat zur Folge, dass keine teilautonomen neuen Stadtteile entstehen und funktionierende ihre Autonomie verlieren. Diese Entwicklung kann nur durch eine Verdichtung der innerstädtischen Bebauung aufgehalten werden,  die allerdings nur dann Lebensqualität erlangt, wenn der  motorisierte Individualverkehr in ihr merkbar vermindert wird. Von daher ist es sinnvoll, den Bahnhof nicht an die Peripherie Flensburgs zu bauen, sondern die Stadt an den Bahnhof heranzubauen, wie es in Ansätzen bereits geschieht.  Was sich für viele Bürger als unzumutbarer Verlust anhört, wird sich auf Dauer als Gewinn erweisen.

Die Forderung nach einer zukunftsweisenden Stadtentwicklung muss “radikal” ausfallen, denn die Umformung der Stadt in eine autogerechte wurde und wird – wie überall - mit äußerster Radikalität durchgeführt. Ökologische Nischenpolitik, wie sie offensichtlich von Elmar Westphal favorisiert wird, hat  ihren großen Wert. Sie setzt reale Verbesserungen durch, aber sie greift  langfristig zu kurz.“ (Flensburger Tageblatt, 24. 7. 15)

 

 

„Gebot der Vernunft

Welche Aufgaben hat ein Umweltminister?  Umwelt- und Naturschutz nur dann, wenn die Wirtschaft nicht beeinträchtigt wird, also Nischenpolitik?  Aber auch die Wirtschaft, wie alle gesellschaftlichen Systeme, muss Grenzen anerkennen – letztlich aus Gründen ihrer Selbsterhaltung. Wirtschaft ist im Kern der Stoffwechsel des Menschen mit der Natur. Natur wird für die Bedürfnisse der Menschen umgewandelt. Dieser Umwandlungsprozess hat inzwischen eine Größe erreicht, dass man von einem neuen Erdzeitalter, nämlich der von Menschen „gestalteten“  Erdoberfläche (Anthropozän)  spricht. „Dann leben wir eben auf einer industriell geformten Erdoberfläche“ könnte man einwenden. Aber! Alle  materiellen Waren und Produkte landen  mehr oder weniger schnell auf dem Müll. Das heißt, verschiedene Energieniveaus werden beseitigt und  als notwendige Bedingung für zukünftige Arbeit entzogen. Auf diese grundlegende Problematik mit Einsicht  in Notwendigkeiten einzugehen und  nicht blind weiterzumachen,  ist das Gebot der Stunde.“ Erschienen im shz am 26. 6. 15)

 

 

 

 

Ein Leserbrief, der sich auf den Artikel „Einspruch gegen Habecks Natur-Inventur v. 3. 6. 15  bezieht.

„Gegen Denkbarrieren

Die möglichst genaue Bestimmung eines  jeweiligen Ist-Zustandes ist die Grundlage jeglichen  Denkens, nicht zuletzt auch von wissenschaftlichen Arbeiten und politischen Entscheidungen. Natürlich kann und soll man darüber streiten, welcher Ist-Zustand festzustellen ist. So  macht es keinen Sinn, die Sandkörner des Amrumer Strandes zu zählen.  Aber man darf  nicht eine Bestimmung, wie jetzt aktuell die Biotop-Kartierung, mit dem Argument ablehnen, sie könne mögliche wirtschaftliche Aktivitäten einschränken oder verhindern. Mit dieser Logik  könnte man auch  die Messung von schädlichen Strahlen, die Belastung von Nahrungsmitteln oder die Erstellung von Roten Listen  untersagen.  Nein: Wir dürfen  nicht das Barometer, das den Sturm ankündigt, zerstören, sondern müssen überlegen, wie wir auf den Sturm vernünftig reagieren. Und: Auch die Wirtschaft, wie alle gesellschaftlichen Systeme, muss Grenzen anerkennen – letztlich aus Gründen ihrer Selbsterhaltung. Tut sie es nicht, ist sie auf dem Weg zu einem totalitären System“ (für shz).

 

 

 

Notwendige Wertekritik

Die Aussagen des griechischen Außenministers Nikos Kotzias (in dem Interview „Früher waren Griechenland und Deutschland ein Liebespaar“) zu den Folgen der dekretierten  Sparpolitik  und seine Kritik an der Mathematisierung  des Menschen haben  mich stark berührt. Allerdings kann ich seiner Kritik nur dann folgen, wenn das griechische Volk und seine Politiker sich kritisch zu dem verhalten, was heute nahezu  global materiell verengt als Lebensqualität definiert wird. Damit meine ich die den motorisierten Individualverkehr ermöglichenden Strukturen, Menschen ersetzende unnötige Technologien, Modernisierungen um ihrer selbst willen bis hin zu Großbauten für olympische Spiele. Eine Wertekritik ist aus meiner Sicht die erste Aufgabe der Griechen, aber nicht nur der Griechen, sondern aller  Völker einschließlich der Deutschen. Dann gewänne die griechische Politik beträchtlich an Plausibilität, weil nun widerspruchsfrei (für die FAZ, erschienen am 9. 6. 15).

 

 

„Den  Streik bestreiken?

 Aus Gründen des Umweltschutzes und vieler Vorzüge haben wir unser Auto abgeschafft und nutzen  für größere Reisen ausschließlich die Bahn. Nun streikt die Lokführergesellschaft GDL erneut. Ihre Forderungen halten wir für überzogen, deswegen auch keine Solidarität mit ihr.  Unser Dilemma besteht darin, dass es aus unserer Sicht keine Alternative zur Bahn gibt. Wir können nicht ausweichen, und wir können den Streik nicht bestreiken. Die Möglichkeit zu reisen, gibt es für uns erst wieder nach Beendigung des Streiks, falls die Bahn diesen ohne großen Schaden übersteht. Ich befürchte, dass die Verkehrssysteme Auto, Fernbus und Flugzeug die eigentlichen  Gewinner dieses Streiks  sein werden. Mit anderen Worten: Die GDL sägt an dem wunderschönen Ast, auf dem sie sitzt, und wir gerne nutzen“ (erschienen in der FAZ am 5. 5. 15).

„Plädoyer für die Innenstadt

„In seinem Leserbrief „Einfach einkaufen am Stadtrand“ stellt  Ralf Friedrich die Frage, was  Förde-Park und Citti-Park haben, was die Innenstadt nicht hat. Meine vielleicht bedenkenswerte Antwort darauf lautet: Sie haben Hässlichkeit in Form  riesiger  Parkplätze und  autobahnähnlicher Zufahrtsstraßen, sie haben  eintönige  Betonbauten, sie haben viel imitierte Urbanität, sie haben die Eindimensionalität des Kaufs, und sie haben trotz ihres Namensanteils „Park“ keinerlei Natur. All das dient genau besehen  der Bequemlichkeit, dem dominierenden  Wert der Gegenwart. Menschen aus allen Schichten  sind sofort bereit, der Bequemlichkeit alles zu opfern:  Gesundheit, Schönheit, Vielfalt Geschichte, Sozialkontakte,  Bildungsmöglichkeiten,  also das, was die Innenstadt hat. Die Anstrengung, die die Innenstadt vom Bürger verlangt, ist eine produktive und letztlich auch genussvolle. Auch wenn der dressierte Konsumbürger davon nichts wissen will: Zumutbare Anstrengung und nicht Bequemlichkeit macht den Menschen zum Menschen.“ (Flensburger Tageblatt am 15. 4. 15)

 

 

 

 

“Als ökologisch denkender Mensch teile ich die von   Slavoj Žižek und Byung- Chul Han entwickelte Kapitalismuskritik nur dann,   wenn  zum Wesen des Kapitals untrennbar Wirtschaftswachstum gehört. Aber danach hören die Gemeinsamkeiten auf. Auf völliges Unverständnis trifft bei mir die Kritik an der liberalen Demokratie:   Freiheit schätzen sollten vor allem doch diejenigen, die in der Freiheit die Freiheit kritisieren, denn erst die bestehende Freiheit ermöglicht  Kritik – und  persönliche Unverletzlichkeit. Aber auch der  Forderung nach Revolution kann ich weder aus theoretischen noch aus historischen Gründen folgen: In einer Demokratie ist allein der evolutionäre Weg für Veränderungen begehbar.  Die von Han diagnostizierten Phänomene der Erschöpfung und sozialen Kälte sehe ich tagtäglich bei anderen und bei mir selbst und denke auch, dass der von der Wirtschaft durchgesetzte  Konsumismus die Subjektivität der Bürger derart beschädigt, dass die große Mehrzahl keinen Widerstand gegen diese Entwicklung leistet. Dass das möglich ist, liegt aber nicht direkt in der liberalen Demokratie begründet, sondern in der zunehmenden Motorisierung von individuellen Lebensvollzügen. Um das zu verstehen, muss man sich mit Heideggers Technikkritik auseinandersetzen. Aber sowohl gegen Heidegger als übrigens auch Marx ist Vorsicht geboten, denn beide Denker hatten kein Organ  für die Notwendigkeit des  institutionalisierten  Liberalismus  und der persönlichen Freiheit. Gegen den Totalitarismus linker und rechter Ideologien, aber auch gegen den der Warengesellschaft gibt es meiner Überzeugung  nach nur ein legitimes, aber auch riskantes Gegenmittel: die Stärkung des Subjekts – und die ist nur im Medium der Freiheit nachhaltig möglich” (an die FAZ).

 

 

„Leserbriefschreiber Klaus Krych meint, Flensburg würde mit der Reduzierung von Kielseng auf zwei Autospuren ins Kleinstadtmilieu wechseln. Das mag stimmen, denn gerade Klein- und Mittelstädte meinen immer noch, die autogerechte Stadt sei das Ziel von Verkehrspolitik schlechthin. Aber zunehmend fordert  Bevölkerung und entwickelt Politik in großen und größten  Großstädten wie Boston, New York  oder London alternative Verkehrsprojekte, die den motorisierten Individualverkehr zurückdrängen.

Solange in Flensburg so lautstark auch gegen  kleinste Maßnahmen in  Richtung Verkehrsvernunft protestiert wird, ist Flensburg nicht nur von der Größe, sondern auch vom Bewusstsein weit entfernt, eine Großstadt zu werden. Eine zusätzliche Bemerkung:  Herr Krych sieht auf der Straße Kielseng aus dem Auto heraus nahezu keine Menschen. Das ist nicht verwunderlich. Wer geht und wohnt gerne an viel befahrenen  Autostraßen? Diese  werden nur von Autofahrern geliebt, von Fußgängern und Radfahrern gemieden“ ( Flensburger Tageblatt am 27. 2. 15).

 

 


„Ganzheitlich denken und fordern

Wirtschaften ist im Kern der Stoffwechsel des Menschen mit der Natur. Die Stoffe, die leiblich konsumiert werden, landen nach einer gewissen Zeit bekanntlich im Klärwerk, die anderen Stoffe letztlich auf der Müllhalde.   Die gegenwärtige Wirtschaftskraft durch zusätzliche Investitionen anzukurbeln, heißt, diesen Prozess zu beschleunigen. Zur Solidarität gehört aber nicht nur der Einsatz für unsere benachteiligten Mitmenschen, sondern auch Solidarität mit den zukünftigen Generationen und mit der Natur. 
Ehrliche verantwortungsvolle  Politik sieht diese drei  Bereiche als ein untrennbares Ganzes, populistische Politik unterschlägt  dagegen die  langfristigen negativen Folgen.“ (29. 12. 14 für shz, der nicht erschien)

 

“Die zeitgemäße Analyse

Wirtschaften ist im Kern der Stoffwechsel des Menschen mit der Natur. Die Stoffe, die leiblich konsumiert werden, landen nach einer gewissen Zeit bekanntlich im Klärwerk, die anderen  letztlich auf der Müllhalde.   Die gegenwärtige Wirtschaftskraft durch zusätzliche Investitionen anzukurbeln, heißt, diesen Prozess zu beschleunigen. Deswegen muss die öffentliche Diskussion  zuallererst die Frage nach dem Gebrauchswert von Waren und Dienstleistungen stellen. Die Verteilungsfrage darf nicht auf Kosten der uns nachfolgenden Generationen und der Natur verabsolutiert werden."  (Verbesserte bzw. Verschlechterte Modifikation der vorherigen Leserbriefs vom 30. 12. 14, die ebenfalls nicht erschien.)


"Sinnvoll?
Sich für Schulen, Krankenhäuser, Armenspeisung und zusätzlichen Hilfen in Gambia  zu engagieren, ist ohne Einschränkungen lobenswert. Das mit einer Rallye von Dresden bis dorthin zu verbinden, ist vom Zweck her gesehen kontraproduktiv.  Der Wert der versteigerten Autos nach 7400 Kilometer strapaziöser Fahrt vermindert sich,  von der Energieverschwendung und unnötiger Klimabelastung gar nicht zu reden Die Kosten für Benzin und sonstige Kosten hätte man sich durch eine schlichte Überweisung ersparen, die Hilfsgüter verschicken können.. Auch sehe ich in dieser aufwendigen, letztlich gewalttätigen Aktion  keinen Respekt vor fremden Landschaften und Kulturen – auch wenn eine Ministergattin nun ihren Wagenpark vergrößern konnte" (für  shz, der sich auf den Artikel   "Diesel, Schweiß und Abenteuer" vom 17. 12. 14 bezieht).

Ideen


In de School haln wii een Düütschleehrer, dee weer in miin Oogen goorni slecht, bloots een Utsprucht fun em much ik goornich und dee weer: „Die schlimmsten Menschen sind die Idealisten“. Ik weer nemli sülbst fuller Ideen, um die Welt to verbeedern. Mi de Jooren meen ik awers, dat hee verlicht garni so falsch leegen hed. Dat zeicht uns een Blick in alle Tiiden wo uk jümmers:  Ideen, egool ob rassisch, national, religiös begründ, neigt gau dortu, alle Minschen toodtohaun,  wat ni to see passt. Awers ik meen trotzdeem, un door häv ik min nii ännert, dat tum Minschsiin Ideen gehöörn. Sik bloots antupassen, kann ünner Umständen böös verkeert siin, ik denk bloots an de Nazitiid. Deswegen: Ideen mööt immer kritisierboor siin un diskuteer warn. Wat verännert warn mut, mööt dee Minschen inseen. Und dat bruuk tiid, dat heed uk Evolutschion un nii  Revoluschion. Avers dat gift noch keen twiifelsfriie  Seekerheit, dat gerood düsse Idee wohrhaftich good is. Grootet Weedn und een goode Geweetn hülpt - meer awers nii. Ab hier mut man verlicht God um Hölp beedn" (für shz, nicht erschienen.

 

Verzicht aufs Auto ist möglich
Am Freitag hatten sich mehrere Leserbriefschreiber vehement gegen jegliche Einschränkungen des Autoverkehrs in Flensburg ausgesprochen. Gegen diese Position einige Argumente:
 - Das Auto macht eine Stadt unwirtlich. Autogerechte Städte wirken immer heruntergekommen. Dagegen sind autofreie  Plätze und Straßen  immer schön
- Die Ursache  der Leerstände sind nicht die mangelnden Parkplätze, sondern das verantwortungslose, egoistische und  überbequeme Verhalten der Autofahrer. Autos fördern einen pathologischen Individualismus.
- Den vorgebrachten Ideologievorwurf gegen die Kritiker könnte man ebenso gut  umkehren.
-„Ich fahre so gerne Auto“ ist kein hinreichendes Argument.
- Der Ausbau des Autostraßennetzes ist Steuerverschwendung. Motorisierter   Individualverkehr hat wegen der Energieverschwendung und der negativen Auswirkungen auf Klima, Städte, Landschaften und auf den Menschen selbst keine Zukunftsperspektive. Zeitgemäß wäre, mit dem Rückbau dieser Strukturen des motorisierten Individualverkehrs zu beginnen.
- Aber es geht auch anders:  Am Sonnabend war die  Innenstadt  voller Fußgänger und nicht voller Autos! Offensichtlich gibt es immer noch genug Menschen, die die Schönheit der Innenstadt erleben wollen, auch wenn sie   mit dem Auto nicht direkt erreichbar ist. Übrigens halte ich einen  kurzen Fußweg beispielsweise  von der Exe für durchaus zumutbar und für einen Gewinn. Auch ist es entspannend,  von zu Hause aus  zu Fuß in die Innenstadt zu laufen, dort einzukaufen und mit dem Bus zurückzufahren. Das ist gesund, minimiert die negativen Folgen für das Klima  und dient dem Stadtbild. Sportliche Aktivitäten werden überflüssig. Einige Amerikaner formulieren  es so:  „Move your ass und not your car“.  Aber so drastisch drücke ich mich natürlich nicht aus“ (Flensburger Tageblatt am 9. 12. 14 erschienen).

 "Eine notwendige Ergänzung
Eine kritische  Anmerkung  zu dem  gehaltvollen und notwendigen Beitrag „Warum sich Bewegung und Geist nur zusammen denken lassen“ von Peter Thier (FAZ v. 10. 12. 14): Sie bezieht sich  auf die vom Autor undifferenziert verwendeten Begriffe „Bewegung“ und „Sport“, die so zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen führen können. Warum?  Bewegung muss differenziert werden  in aktive Eigenbewegung, wie sie nur Lebewesen möglich ist, und passive Fremdbewegung, in der die Energie von Tieren, Naturkräften oder Motoren eingesetzt wird. Nur die Eigenbewegung ist konstitutiv für die Entwicklung aller höheren geistigen, seelischen und körperlichen Fähigkeiten. Diese Bewegung mit einer Autofahrt im Sinne von „Ich bin beweglich bzw. mobil“ gleichzusetzen, verfehlt vollkommen die Bedeutung der Eigenbewegung. Eigenbewegung ihrerseits  muss differenziert werden  in Eigenbewegung im  Alltag, in Mannschafts- und Individualsport. Die reine Eigenbewegung, wie sie im Individualsport oder gar auf dem Hometrainer  realisiert wird, nimmt „idealiter“ nichts von der jeweiligen Umwelt wahr. Im Mannschaftssport dagegen ist die soziale Situation eine wichtige und produktive Komponente. Gleiches gilt für die Eigenbewegung im Alltag, wo zur sozialen die natürliche und kulturelle Umwelt hinzukommt, sei es das Lächeln während einer Begegnung, der Gesang einer Amsel oder die ästhetische Jugendstilvilla. Fazit: Nicht nur Bewegung und Geist bilden eine untrennbare Einheit, sondern ebenso sollte zu dieser Einheit  eine aktiv, d. h. mit Eigenenergie  angeeignete Umwelt gehören."




"Bewegung und Sport
"Langsam, aber doch in die richtige Richtung setzt die Vernunft  sich durch. Ich beziehe mich damit auf die Überschrift „Prävention durch Sport und Bewegung“ in der Verlagsbeilage „Gemeinsam gegen Krebs“ vom 7. 11. 14. Jetzt bleibt noch  zweierlei zu  tun: die Reihenfolge in Bewegung und Sport umzuändern und den  Begriff  Bewegung  in „Bewegung im Alltag“ zu vervollständigen. Damit wäre das große Potential der Eigenbewegung für die Gesundheit und Umwelt angemessen ins Bewusstsein gehoben." (für FAZ, nicht erschienen)


“Nicht die Bahn beschädigen
Meine Frau und ich   haben mit der Bahn fast ausnahmslos positive Erfahrungen gemacht. Das gilt auch  für das freundliche und hilfsbereite Personal. Für uns ist dieses Verkehrsmittel für längere Distanzen aus ökologischen,  aber auch aus Gründen der Bequemlichkeit  und der vielfältigen sozialen Erfahrungen die einzige Wahl.
Ich halte den jetzigen Streik der Eisenbahner in der für die Bahn schwierigen Zeit für inakzeptabel. Zudem unterstützt er  objektiv den motorisierten Individualverkehr  und Fernbusse, die wiederum unsere überfüllten Straßen noch zusätzlichen belasten.  Nein, es  muss  diesmal andere Lösungen gefunden werden für  berechtigte Forderungen des Bahnpersonals” (am 21. 10. 14 im shz).  

„Warum nicht?
Ministerpräsident Albigs Vorschlag, die Mineralölsteuer anstelle der PKW-Maut zu erhöhen, scheint mir vernünftig zu sein: Wer  viel mit LKWs, Personenwagen und Motorrädern fährt, macht entsprechend viel kaputt – im Gegensatz zu Fußgängern und Radfahrern. Deswegen muss das Ziel sein, unnötige Fahrten über den Preis zu reduzieren. Zudem käme es nicht zu der äußerst problematischen Unterscheidung   Trennung zwischen deutschen und ausländischen Fahrern (Für shz am 6. 10. 14)

„Plädoyer für partiellen VerzichtEs spricht doch einiges für die Annahme, dass nicht Fußgänger und Radfahrer, sondern allein der Autoverkehr Ursache für den maroden Zustand unserer Straßen und Autobrücken ist. Wenn das stimmt, dann wäre  der Verzicht auf unnötige Autofahrten ein Akt der Vernunft.“

 

Zu einem Brennpunkt der Verkehrspolitik in Flensburg

„Es ist für einige  Lokalpolitiker sonnenklar: Die Heinrichstraße unter der Bahnbrücke ist weder ein Engpass noch ein Problem: „Das Problem sind unvernünftige Fußgänger“, so  SSW-Ratsherr Edgar Möller und der planungspolitische Sprecher der CDU, Arne Rüstmeier. Die Frage, ob Fußgänger, Radfahrer oder Autos den Engpass verursachen, wird  gar nicht erst gestellt. Die Dominanz des Autoverkehrs ist naturwüchsig. Fußgänger und Radfahrer haben sich den Anforderungen der autogerechten Stadt anzupassen. Und  viele  Bewohner, ich spreche hier bewusst nicht von verantwortungsvollen Bürgern,  empfinden und bewerten diese Situation  nicht als Zwang, sondern als eine Zunahme von Lebensqualität.  Problemlos nehmen sie  bei jeder Ortsveränderung über hundert Meter ohne Not  ihr Auto in Anspruch. Dass eine solche Lebensweise  auf Kosten von Klima, wertvoller Energie, städtischen Strukturen und Gesundheit, letztlich auch ihrer eigenen geht, kommt ihnen nicht in den Sinn. Stabilisiert wird dieses falsche Bewusstsein nicht nur durch Werbung und einem unreflektierten Bequemlichkeitsbegriff, sondern auch durch das bestehende Verkehrsrecht, das  unbegründbar  von der Gleichheit aller Verkehrsteilnehmer ausgeht. Dieser Auffassung liegt unterschwellig  folgender Grundirrtum zugrunde: Das Gleichheitsprinzip, das uneingeschränkt für Menschen gilt, wird auf Dinge übertragen. Bloß weil ein Mensch in einem Auto sitzt, ist es verkehrspolitisch, ökologisch und gesundheitspolitisch falsch, ihn mit dem Fußgänger und Radfahrer rechtlich gleich zu setzen. Es ist ein Kategorienfehler, den Unterschied von Mensch und Ding zu übersehen. Erst wenn diese Einschätzung sich durchsetzt, wird es möglich werden, Kommunalpolitik mit dem Ziel einer menschen- und nicht autogerechten Stadt zu verwirklichen.“ 

 

"E-Bikes: Ein trojanisches Pferd
Die unaufhaltbare Entwicklung von E-Bikes (schon jetzt 45km/h und zunehmend über längere  Zeiten einsetzbar) führt  letztlich zu einer unbemerkten Umwandlung vom Fahrrad zum Motorrad. E-Bikes funktionieren nach der Weise von Dopingmittel: Man bemerkt nicht bzw.will nicht bemerken, dass Eigenenergie durch Fremdenergie ersetzt wird" (Für die Radwelt des adfc, erschient nicht).

 

 

„Warum hat Heimat es so schwer? 

Karl-Heinz Groth verteidigt in dem Artikel „Eine Verunglimpfung der Arbeit unzähliger Grundschullehrer“  fundiert und vielseitig  Begriff und Sache der Heimat. Dafür Dank. Aber es geht in dieser Diskussion nicht nur um ein Schulfach, sondern um viel mehr. Tatsache ist, dass es der Heimat faktisch und im Bewusstsein nicht gut geht. Wenn wir das nicht wollen,  müssen wir uns fragen, worin die Ursachen ihres Niedergangs liegen. Sie liegen in der konsumorientierten Industriegesellschaft (ich nenne es die Ökonomisierung der Lebenswelt), die die Konzentration möglichst vieler Institutionen verlangt. Das betrifft Schulen, Ärzte, Geschäfte aller Art,  kulturelle und sportliche Veranstaltungen usw., die  wiederum  ein voll ausgebautes Verkehrsnetz verlangen. So, verstärkt durch elektronische Unterhaltungsmedien, verdunstet Heimat faktisch und im Bewusstsein zu einem reinen Namen. Das gilt übrigens auch für das Plattdeutsche.  Obwohl diese Entwicklung häufig beklagt wird, ist sie letztlich von den Bürgern verursacht und wohl auch gewollt. Vermittelt durch  Prinzipien wie Schnelligkeit, Billigkeit, Bequemlichkeit mit hohem  Eventcharakter wird aus einer ganzheitlichen Lebenswelt ein technischer Ort, von dem aus die warenförmigen Bedürfnisse  ohne soziale Kontakte befriedigt werden. Was soll da noch Heimat?  Frau Prof. Dr. Beate Blaseio ist also nicht die Ursache des faktischen Niedergangs der Heimat. Aber sie  nimmt diesen Prozess  ohne Trauer zur Kenntnis und fordert im Kleide des Fortschritts Anpassungen. Sie sieht in der Verteidigung der  Heimat nicht ein berechtigtes Anliegen, in bestimmten Feldern Widerstand zu leisten.“

 

„Für eine andere Verkehrspolitik

Als Radfahrer aus Überzeugung begrüße ich das „Millionen-Ding für die Radfahrer“. Aber diese Investition ist   sehr klein, wenn man sie mit den Investitionen für die Infrastruktur des Individualverkehrs vergleicht. Die Bevorzugung  des Autos  ergibt sich paradoxerweise aus der formalen Gleichwertigkeit  aller Verkehrsteilnehmer, die ich für ungerecht halte. Deshalb  plädiere ich für eine Umkehrung der herrschenden Rangfolge. Die Bevorzugung von  Fußgängern und Radfahrern gegenüber dem Auto begründe ich  mit den  Auswirkungen, die die drei Verkehrssysteme jeweils auf die Umwelt und deren Benutzer haben:

Fußgänger haben keine negativen Auswirkungen auf die natürliche Umwelt, aber positive auf die soziale und die eigene Gesundheit. Fahrräder stoßen keine schädlichen Emissionen aus, sie fördern die Gesundheit, sind aber ein Gefahrenpotenzial, wenn sie zu schnell und unachtsam in unmittelbarer Nähe von Fußgängern gesteuert werden. Dass das Auto katastrophale Folgen auf das Makro- aber auch Mikroklima hat, zeigt deutlich ein Auto mit laufendem Motor in der Garage. Mehr dazu zu sagen, ist überflüssig. Autos haben zusätzlich massive negative Einflüsse auf Landschaften und Siedlungen, auf das Zusammenleben der Bürger und letztlich auch auf die Menschen selbst, sei es in leichten bis tödlichen Unfällen oder Krankheiten mangels körperlicher Bewegung. Öffentliche Verkehrsmittel sind so gesehen problematisch wie Autos, was aber durch den hohen Auslastungsgrad erheblich gemildert wird. Ein Gewinn besteht auch in der Möglichkeit sozialer Erfahrungen.“

 

 

„Freiheit auf drei Rädern

Jetzt weiß ich endgültig, dass es Sinn macht, die  Erde auf der Suche nach Energie   wie eine Zitrone bis auf den letzten Tropfen auszuquetschen  - so auch durch Fracking. Täte man es nicht, wären  beispielsweise Veranstaltungen,  wie  die Motorrad-Gottesdienste mit Pastor Uwe Stiller  oder  spannende Formel-1-Rennen bald nicht mehr möglich. Wie öde wäre dann die Welt.“

„Quo vadis Flensburg? 

Der Bürger entscheidet in der Demokratie. Das ist gut so. Der Bürger entscheidet, was und wo er einkauft. Auch das ist gut. Aber was nicht heißt,   dass die jeweilige Entscheidung immer die beste und vernünftigste ist.  So halte ich beispielsweise die Entscheidung,  im neuen Citti-Park einzukaufen, für inakzeptabel, denn sie geht auf Kosten der historisch gewachsenen Innenstadt sowie  auf Kosten der Bewohner und des Klimas durch den steigenden  Autoverkehr.  Den Geschäften der Innenstadt und der Kommunalpolitik die alleinige Verantwortung für diese fatale Entwicklung zu geben, ist irreführend. Meine Aufgeschlossenheit für die  Schönheit der Innenstadt ohne Auto hat jedenfalls dazu geführt, dass ich noch nie die oben genannten Einkaufszentren betreten habe, was ich absolut nicht als Verlust von Lebensqualität empfinde – im Gegenteil.“

neuen Citti-Park einzukaufen, für inakzeptabel, denn sie geht auf Kosten der historisch gewachsenen Innenstadt sowie  auf Kosten der Bewohner und des Klimas durch den steigenden  Autoverkehr.  Den Geschäften der Innenstadt und der Kommunalpolitik die alleinige Verantwortung für diese fatale Entwicklung zu geben, ist irreführend. Meine Aufgeschlossenheit für die  Schönheit der Innenstadt ohne Auto hat jedenfalls dazu geführt, dass ich noch nie die oben genannten Einkaufszentren betreten habe, was ich absolut nicht als Verlust von Lebensqualität empfinde – im Gegenteil.“


Marcel Reich-Ranicki

Dank für den Dank von Frank Schirrmacher an Marcel Reich-Ranicki. Dieser Humanist hat uns Deutschen den Blick für das geöffnet, was an uns und anderen wertvoll ist. Man hätte ihn das Amt des Bundespräsidenten antragen sollen. 


„Vom rechten Lernen 

Bildung kann man nicht kaufen und auch nicht geschenkt  bekommen. Bildung kann man weder  implantieren noch über Tabletten erzeugen.  Nur die Bedingungen des Erwerbs in Form von Unterrichtsmedien, Freiräumen, Einrichtungen, Zuwendungen, Ermunterungen können beigesteuert werden. Danach  hören die Möglichkeiten der privaten und gesellschaftlichen Hilfen auf. Im Kern kann  allein der Lernende den zumeist anstrengenden Prozess der Bildungsaneignung  übernehmen.  Ablenkungen durch Unterhaltungsmedien und Konsumangebote  haben auch hier sehr wohl Raum und  Platz, dürfen aber nicht zum Lebensmittelpunkt und erst recht nicht als Bildung missverstanden werden. Wenn das begriffen und befolgt wird, reduziert sich die Überforderung auf eine natürliche Größe. Als einer, der die Hauptschule mit mäßigem Erfolg abschloss  und eine Aufnahmeprüfung zur Mittelschule nicht bestand, weil er nur Fußballspielen  im Kopf hatte, weiß ich, wovon ich spreche.“ 

Der Ausbau von Autobahnen

Wir haben nicht  zu wenige Autobahnen, sondern  zu viele  unnötige Autofahrten. Unnötige Fahrten sind die  aus Langeweile, aus Bequemlichkeit, aus Unverantwortlichkeit, aus Ich-Schwäche, aus Angst vor unbekannten Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln, aus falsch verstandener Modernität. Aber unnötiges Fahren zu problematisieren, ist ein  gegenwärtiges gesellschaftliches Tabu.

Kulturexperten 

Dr. Jörg Pauli fordert in seinem Leserbrief vom 27. 4. 13 in der FAZ, dass Europa keine Finanz- und Wirtschaftsexperten, sondern Kulturexperten bräuchte. Dem stimme ich unter der Bedingung zu, dass folgende Analyse und Einschätzung im Grundsatz geteilt wird.
Die von Pauli kritisierte Politik beinhaltet heute die möglichst konsequente Durchsetzung von wirtschaftlichen Imperativen. Man muss zugeben, dass dieser politische Ansatz den maximalen Output von Waren und Dienstleistungen ermöglicht. Die berechtigte  soziale bis sozialistische, ökologische und wertkonservative Kritik wird allerdings mit der Behauptung unredlich, man könne substantielle gesellschaftliche Korrekturen vornehmen, ohne den jetzigen Output der Wirtschaft einzuschränken. Man bräuchte nur die Kaufkraft stärken oder durch ständig neue Schulden auf Kosten  nachfolgender Generationen die notwendigen Einschnitte umgehen. Redlich hingegen wäre es, im gemeinsamen Diskurs alle gesellschaftlichen Felder auf Reduktionsmöglichkeiten hin zu überprüfen und sich auf  eine Prioritätenliste zu einigen, auf was verzichtet, was eingeschränkt werden könnte und was unverzichtbar sei. Denn nicht alle Faktoren sind optimierbar,  und jede Änderung in einem System kann absehbare sowie nicht absehbare Folgen haben.
In unserem privaten Haushalt haben wir bisher folgende Veränderungen vorgenommen: Verzicht auf ein Auto,  Flugreisen, exotische Nahrungsmittel, materialaufwendigen Hobbys. Dafür eine Hinwendung zu nichtmateriellen Werten wie Bildung, Kultur, Kommunikation, Eigenbewegung, zu Region und Stadtteil. Das gelingt nicht immer  und ist sicherlich nicht  ausreichend, aber ein Anfang, um aus dem Gefängnis der Alternativlosigkeit zu kommen.  Und immer die Position  von Robert Spaemann im Hinterkopf: Das dritt- oder viertwichtigste zu unterlassen, weil das wichtigste nicht realisiert wird, wäre das Ende aller Kultur.“

Landwirtschaft

"Landwirtschaft als Kulturleistung (lat. colere „bauen“, „bebauen“) war immer eine  Einheit von Natur und Technik – und bis jetzt  war man  vom Wachsen der Natur (Leben) und  vom Können der Menschen (Technik) gleichermaßen fasziniert. Diese Symmetrie löst sich gegenwärtig sowohl im Bewusstsein als auch in der Praxis  in allen Bereichen mit großer Geschwindigkeit zugunsten motorisierter Technik auf. Das anrührende Titelbild der gestrigen Ausgabe,  ein kleiner Jungen mit Vater vor High-Tech,  verdeutlicht genau diesen Prozess. Ob das ein guter Fortschritt  ist, bezweifele ich."

"Die Grenzen der Systeme

Im Wirtschaftsteil der FAZ schätze ich insbesondere die Beiträge von Heike Göbel. Sie thematisiert ohne Drumherumreden die entscheidenden Beziehungen zwischen Sozialsystemen und Wirtschaft. So  macht sie unmissverständlich deutlich, dass das System Wirtschaft nur die  Waren und Dienstleistungen verteilen kann, die vorher erwirtschaftet wurden. Die Sozialsysteme sind auf materieller Ebene ein Teilsystem der Wirtschaft. Eine Umkehrung ist nicht möglich. Eigentümlich scheint mir zu sein, dass keines dieser Systeme seine Begrenzung zum nächst höheren konsequent wahrhaben will.  So ist auch  die Wirtschaft, der Stoffwechsel der Gesellschaft mit der Natur, als ein Teilsystem der Erde  nicht grenzenlos. Diese Grenzen nicht zu berücksichtigen, führt zu katastrophalen Folgen: Die  Erde wird  in einem immer umfassenderen Transformationsprozess in  Waren verwandelt, die wiederum ihr materielles Sein schließlich als Müll beenden. Diesen Prozess nennen die Physiker Entropie. In den Anfängen der Grünen war diese Einsicht unter den  Ökologen Konsens, ist nun aber selbst in dieser Partei, obwohl aktueller denn je, aus dem   Bewusstsein verschwunden, um Platz für andere  Themen zu machen. Nicht nur  grüne Politik  bräuchte dringend eine ökologische Heike Göbel, die die wesentlichen Beziehungen zwischen Wirtschaft und Erde auf den Punkt bringt.“  

„Die neue Wüste wächst

„Wir haben“, zitiert Freddy Langer im Reisblatt der FAZ Robert Adams, „die Freiheit des Westens bekommen. Aber die  Verantwortung nicht übernommen, die sich darin verbirgt.“ Aber nicht nur dort. Zumindest Europa bestand  bis in die Fünfziger des letzten Jahrhunderts überwiegend aus Kulturlandschaften, in denen insbesondere auf den Straßen Menschen, nicht Autos,  sicht- und ansprechbar waren. Der danach massiv sich durchsetzende Individualverkehr, den man treffender als Vereinzelungsverkehr bezeichnen sollte, war dann und ist immer noch die Hauptursache und Hauptbedingung für die Transformation der Kulturlandschaft in eine Zivilisationswüste.“

„Der Palimpsest ist die Wahrheit 

Nationalstaaten beschreiben ihre  Entstehung  immer von einem Ursprung aus, sei es ein Geschlecht, eine Rasse, eine Sprache oder die Schöpfung einer transzendenten Instanz. Dadurch entstehen Einheit und tendenziell auch Reinheit – höchst explosive  Fiktionen, die jederzeit in Gewalt umschlagen können. Die Gegenposition wäre,  Geschichte in Analogie eines Palimpsets zu interpretieren: Ein Palimpsest ist etwas Wertvolles, weil auf derselben Manuskriptseite mehrere, sich überlagernde  Texte vorhanden sind, die heute mit Hilfe der Fluoreszenzfotografie wieder lesbar gemacht werden können. In dieser Sicht ist es eine hochwahrscheinliche und erfreuliche Tatsache, dass Angela Merkel einen polnischen Großvater hat oder  in Schleswig-Holstein sich die Erkenntnis durchsetzt, dass die Sprachen  Deutsch, Plattdeutsch, Friesisch und Dänisch in verschiedenen Stärken immer präsent waren. Diese Vielfalt ist nicht eine Auszumerzende, wie pathologischer Nationalismus es will, sondern  bedeutet  Reichtum.  Diese Einsicht sich anzueignen, verlangt Offenheit, mehr Wissen, Bildung, vielleicht auch Anstrengung. Deshalb dieses  Plädoyer für gelebte Vielfalt und nicht für Vergessen und Verdrängen, was übrigens wiederum Einheit schafft.
Die Verluste durch den Nationalismus in Schleswig-Holstein werden übrigens sehr deutlich im Buch „Riß durchs Festland“ von Uwe Pörksen (2011), das das leidvolle deutsch-dänische Verhältnis insbesondere im 19. bis Anfang des 20 Jahrhunderts beschreibt. Die Gewinne kommen überzeugend in „Stimmenvielfalt. Gedichte aus Schleswig-Holstein“ von Peter Nicolaisen (2012) zum Ausdruck.“

 

"Notwendige Fragen

Mir,  und ich vermute vielen anderen auch, war  die Tragweite der von Edward Snowden beschriebenen Datenproblematik nicht in diesem Ausmaße bewusst. Sein Verdienst  besteht  also darin, dass er auf die  unkalkulierbaren und von den Bürgern unkontrollierbaren Risiken der Datenausspähung, die sicherlich immer größer und gefährlicher werden, aufmerksam gemacht hat. Das gelingt ihm, indem er die gegenwärtige Praxis beschreibt, die ich aber angesichts von 11. 7. 01 und der NSU-Morden nachvollziehen kann, obwohl erste Anzeichen bestehen, dass diese Grenze überschritten wird. Viele Fragen tun sich auf wie:  Machen Snowden und die Medien  auf diesen alles entscheidenden Unterschied von vertretbarem  Sinn und Missbrauch aufmerksam?  Wo soll die Grenze gezogen werden? Ist das Problem allein technologisch lösbar? Sollte man vielleicht die nichtelektronische Kommunikation stärken?“

„Rückenleiden – unvermeidlich?

Die Aussage des Präventivexperten Michael Tiemann, dass „körperliche Belastungen den Rücken stärken, während Schonung ihn schwäche“ ist die entscheidende Ursache der zunehmenden Rückenleiden. Im Schnitt läuft ein Bundesbürger täglich nur noch 650 Meter außerhalb von Gebäuden und sitzt drei Stunden vor dem Fernsehapparat.  Wir sind zu einer sitzenden Gesellschaft geworden, teilweise unvermeidlich, teilweise ohne Notwendigkeit. Die Therapie? Eigenbewegungen im Alltag: mit dem Rad zur Arbeit und zum Einkaufen fahren, zur nächsten Busstation laufen, abends zu Fuß ins Theater oder Kino gehen, einen Spaziergang machen und Kindern die Chance geben, draußen zu spielen.“

 

 
„Autos und Gewehre 

In Amerika löst die Einschränkung des Waffenbesitzes, in Deutschland die Einschränkung des Autofahrens massive Proteste aus. Dass diese Gleichsetzung nicht absurd ist, ergibt sich aus der vorurteilsfreien Analyse der Folgen und der Argumente der Befürworter beider Systeme. Ein Unterschied besteht allerdings: In Amerika unterstützt ein großer Teil der Bevölkerung massiv eine  Einschränkung, während in Deutschland entsprechende Forderungen lautstark abgewehrt oder als wenig sinnvoll bewertet werden.  Aber alle Ängste in Deutschland sind unbegründet:  Die bescheidene und längst überfällige Forderung nach einem Tempolimit auf Autobahnen ist keine generelle Kritik des Autos durch ökologische und am Menschen orientierte Politik. Dahinter steht die Einsicht, dass die Fixierung auf das Auto viel mehr mit Zwang als mit Freiheit zu tun hat. Auch mit indirektem Zwang, denn inzwischen sind weit entfernte Einkaufszentren, Outlets, Dienstleistungen usw.  sind nur noch mit dem Auto erreichbar.  Aber es wird verdrängt, dass diese Strukturen das Resultat unzähliger Kaufentscheidungen sind. Zur Kritik des Autos gehört deswegen untrennbar die Kritik der von Bürgern geschaffenen Strukturen. Die Forderung nach einem Tempolimit auf Autobahnen ist nicht mehr als der erste notwendige Schritt in eine bessere Zukunft.“

„Schöne neue Welt
Keine Weltgegend ohne Autobahnen,  fünftausend Fernsehprogramme, in drei Stunden um die Welt, Erdbeeren im November, immer größere  Autos, zwanzig Kilo abnehmen in einer Woche, Kaufen ohne die Wohnung zu verlassen. Diese Aufzählung ist nur eine kleine Auswahl  der modernen Fortschrittswelle, an der wir teilnehmen dürfen.  Alles ist möglich, alles muss anders werden. Auch die Architektur ist davon erfasst. Hochhäuser  bekommen nun einzigartige Individualität, indem man sie – wie jetzt in Hamburg - innovativ tanzen lässt. Aber man muss diesen Prozess noch vorantreiben, indem man nicht nur die Dinge, sondern auch die Sprache zum Tanzen bringt. Statt „tanzen“ schlage ich deswegen das Verb “uboafo“ vor.  Mit dieser längst fälligen Neuschöpfung  wäre nun auch auf der Ebene des Sprechens und Schreibens das Tor für den Fortschritt aufgestoßen. Übrigens ist hier die Regel – wie ja  bei allen modernen  Neuerungen - ganz einfach: Man nimmt den jeweils nächstfolgenden  Buchstaben im Alphabet.“

 

„Wirkwelt und Merkwelt – ein entscheidender Unterschied

 Fakt ist: Die Macht der Bilder wird immer größer. Was der zeitgenössische Mensch  auf stehenden oder laufenden Fotos sieht, ist für ihn zunehmend alleinige Wirklichkeit. Warum noch nach draußen gehen?  Das nicht zu tun, ist  gefährlich, weil die Ersetzung der Wirklichkeit durch Bilder, wenn einmal vollzogen, von den Betroffenen nicht mehr  kritisiert werden kann. Dadurch ist  der Mensch zunehmend nicht mehr in der Lage, die jeweils positiven oder negativen Wirkungen einer bestimmten Umwelt zu analysieren und zu bestimmen. Die entstandenen  Defizite können – so die hier vertretene Auffassung - nur durch die Arbeit am Begriff, also Denken, überwunden werden. Hilfreich ist dabei  die von Jakob von Uexküll entwickelte Unterscheidung zwischen  Wirkwelt und Merkwelt.  Die Wirkwelt wird durch objektive  Umwelteinflüsse verursacht, die von den einzelnen Betroffenen, wenn überhaupt, nur bedingt verändert werden können (den Motor ausschalten). Die Merkwelt entsteht durch  die  subjektive Verarbeitung oder Verdrängung  der Wirkwelt.   Die Merkwelt ist eine Teilmenge der Wirkwelt. Umfang und Intensität der Merkwelt sind keine Konstante, sie schwankt je nach Konditionierung,  Interessen, aktuellen Handlungszielen und Befindlichkeiten.

Warum ist diese Unterscheidung hilfreich. Dazu ein Beispiel: Ich sehe durch ein Fenster in die Landschaft. Worin besteht der Unterschied zwischen Wirkwelt und Merkwelt? In beiden Fällen sehe ich die Landschaft, aber abgegrenzt durch  die Scheibe spüre ich nicht den Wind, die Intensität der Sonnenstrahlen, aber auch nicht die Nässe des Regens und den kalten Ostwind; rieche nicht die Blumen, die Pferde, aber auch nicht die Autoabgase; höre nicht den Gesang der Vögel, das Murmeln des Baches, die Stimmen von Menschen,  aber auch  nicht den Verkehrslärm; vor der Scheibe schmecke nicht die frisch gepflückte Brombeere und von der  Atmosphäre dieser Landschaft bekomme ich  nichts mit. Auf den Punkt gebracht: Es gibt Situationen, wo eine Scheibe sinnvoll ist, aber ein Leben ausschließlich „hinter der Scheibe“ ermöglicht keine Erfahrungen, die diesen Namen verdienen.“ 

Friends oder Freunde? 

Sascha Lobo geht in dem von ihm verfassten Artikel „Vom Genre des Besserhalbwisserei“  im Gegensatz zu Günter Grass  davon aus, dass der durchschnittliche Nutzer zwischen „friends“ im Facebook und Freunden in der traditionellen Definition unterscheiden kann. Dazu eine Beobachtung im Zug:  Zwei junge Männer betreten gemeinsam das Abteil, setzen sich
gegenüber hin, es folgt ein kurzer Wortwechsel, dann holen sie ihre
Handys raus und verlieren sich in ihnen. Beim nächsten Halt betreten zwei junge Frauen das Abteil, setzen sich gegenüber hin, zeigen sich kurz gegenseitig etwas, holen ihre Handys raus und verlieren sich in ihnen. Beim übernächsten Halt betreten ein bildhübsches Mädchen und ein sympathischer Junge das Abteil, setzen sich nebeneinander hin, lächeln sich kurz verliebt an, holen ihre Handys raus und verlieren sich in ihnen. Ich  stelle mir nach dieser Beobachtung die Frage „Sind  auf Handlungsebene,  nicht im Bewusstsein,  doch aus Freunden „friends“ geworden?


Politische Ökologie
In unserer Gesellschaft sehe ich (wortwörtlich) wesentlich mehr Probleme des Zuviels als des Zuwenigs. Beispiele: Fernsehkonsum, Autofahren, Kinderzimmer, Überangebote, Markenkleidung, Fernreisen ohne Bewusstsein, Energiebedarf, Bewegungsmangel. Das Zuviel hat eine subjektive Seite (körperliche und psychische Gesundheit) und eine objektive Seite (Erdzerstörung). Dieses Zuviel wird weder von der Linken (wegen der Gleichheit) noch von der Rechten (wegen des  Wirtschaftswachstums) kritisiert. Dieses Zuviel zu thematisieren und zu problematisieren wäre die historisch wichtige und  genuine Aufgabe der Grünen, denn das Zuviel entsteht durch maßloses Wirtschaften und Konsumieren mit den unheilvollen Auswirkungen auf die Umwelten der Erde.
Die hier skizzierte Position speist sich insbesondere aus Texten von Herbert Marcuse (Der Eindimensionale Mensch, Kritik der  Repressiven Toleranz), Erich Fromm (Haben und Sein), Ernst Friedrich Schumacher (Small is beautiful)  und Adorno (Minima Moralia).  Geht aber auch auf Thoreau und Rousseau zurück. Glücklicher Weise gibt es auch ein große Zahl zeitgenössiger Autoren, die an dieser Position arbeiten. So z. B. der

genden Leserbriefs, der sich auf einen wichtigen Aspekt des G20-Gipfels bezieht, von dem Sie  ausführlich berichteten

französische Philosoph und Praktiker Pierre Rabhi. 
Politische Ökologie i. w. S. ist das Kerngebiet der Grünen, hier liegt die eigentliche Kompetenz und Sinnhaftigkeit ihres Engagements, hier sind sie authentisch und überzeugend.   Weit mehr als die Hälfte aller politischen Entscheidungen sind aus dieser Sicht öko-logisch begründbar.
Aber nicht alle politischen Felder haben eine bestimmende ökologische Dimension, das Gegenteil zu behaupten wäre ökologische Ideologie. Wie verhält sich grüne Politik zu diesen Feldern? Da man nicht nicht kommunizieren kann, ist Stimmenlogikeit keine Option. Begründete Übernahme oder das Bemühen, das jeweilige Problem selbst zu durchdringen, wären Wege. Wichtig wäre, diese Andersartigkeit deutlich herauszustellen „Wir haben in diesem Feld nicht die Sicherheit wie in ökologischen Feldern“.


„Ein bedingtes Ja zu Preiserhöhungen
Grundsätzlich gegen jede Art von  Preisanstieg zu sein, wie sie stereotyp von der Wirtschaft und von linkspopulistischen Kreisen vertreten wird,  ist dann inakzeptabel, wenn die Gegnerschaft nicht argumentativ abwägend vertreten wird. Diese dogmatische Haltung wird gegenwärtig besonders deutlich in dem Für und Wider der Generierung von Ökostrom: Zwar wird Ökostrom  in zumutbaren Grenzen teurer, aber dafür bekommen wir eine Zukunftsperspektive. Gleiches gilt für die nachvollziehbare Einführung eines Mindestlohnes. Ebenso nachvollziehbar ist für mich, wenn dann die betroffenen Produkte und Dienstleistungen teurer werden. Diese zwei Beispiele verallgemeinert: Für eine human-ökologische Politik sind Preiserhöhungen gegebenenfalls unverzichtbar. Dazu  gehört auch, diese Erhöhungen  mit seinem eigenen Geld angemessen und ohne den üblichen Aufschrei aus Einsicht in die Notwendigkeit mitzutragen.“


„Ein realistisches Ja zu Preiserhöhungen
Grundsätzlich gegen jede Art von  Preisanstieg zu sein, wie von der Wirtschaft und von linkspopulistischen Kreisen vertreten,  ist dogmatisch. Man muß von Fall zu Fall abwägen. So  wird Ökostrom zwar in zumutbaren Grenzen teurer, aber dafür bekommen wir eine Zukunftsperspektive. Gleiches gilt für die  Einführung von Mindestlöhnen. Dass die davon abhängigen  Produkte und Dienstleistungen teurer werden, ist grundsätzlich unvermeidlich.  Dazu  gehört auch, diese Erhöhungen  mit seinem eigenen Geld aus Einsicht in die Notwendigkeit mitzutragen.“


„Bezahlbare Energie – ein trojanisches Pferd
Die überall zu hörende Forderung, dass Energie – nicht  Brot! - bezahlbar sein müsse, ist  genau das falsche Signal, um die das Klima schonenden  Maßnahmen fortzuführen. Stattdessen wird die Option Atomenergie als billige und unbegrenzte Alternative wieder aktuell. Auch   der zunehmende Individualverkehr und der  Ausbau von entsprechenden Infrastrukturen auf Kosten von Landschaft und Lebensqualität werden  den Energieverbrauch weiterhin erhöhen. Die grundlegende  Entscheidung, Wirtschaftswachstum als Selbstzweck, bleibt damit eine quasi naturwüchsige, d. h. unterhinterfragbare  Aufgabe.  Die Folge:  Der gegenwärtige individuelle und kollektive Energieverbrauch wird damit erneut zementiert - business as usual.“

„Gegen einseitige Kritik
Vor einigen Tage habe  ich den Aufruf „Die Demokratie verteidigen im digitalen Zeitalter“ unterschrieben, allerdings folgende Anmerkung  hinzugefügt:  Ich bin der USA mein Leben lang dankbar, dass sie uns vom nationalsozialistischen Totalitarismus (auch innerlich) befreit und die Bundesrepublik Deutschland auf den Weg  zur Demokratie geführt  hat. Ich verstehe auch  einige Argumente der  Amerikaner nach dem Angriff auf das World Trade Center sowie    deutscher Unterstützer nach den NSU-Morden.  Verstehen heiß aber nicht Akzeptieren. Man stelle sich nur vor, undemokratisch  regierte Staaten  hätten über diese Mittel verfügt bzw. verfügen über sie.  Dass die  digitale Ausspähung  nur der Verhinderung von Terror dient, sondern wohl  auch ökonomisch motiviert ist und zur Absicherung des ungeheuren Energie- und Rohstoffbedarfs nicht nur der amerikanischen Wirtschaft dient,  kommt hinzu. Ich denke,  momentan gleicht der Gewinn an Sicherheit nicht den potentiellen Verlust an Freiheit aus.“ (in der FAZ v. 14. 12. 13)

"Die Aktualität der Geschichte
„Dass ein Tageblatt auch dann interessant sein kann,  wenn es gerade nicht von ausschließlich Gegenwärtigem berichtet, belegt die im Kleide der Aktualität erscheinende  Kolumne  „1864  Der Krieg um Schleswig-Holstein“.  Was im Bewusstsein oft als einfaches Resultat erscheint, erweist sich bei näherem Hinsehen als ein viele Dimensionen  umfassender Prozess von  Möglichkeiten und unterschiedlichen Positionen. Von der Komplexität dieses geschichtlichen Ereignisses zu wissen, dient nicht nur dem  besseren Verständnis des  deutsch-dänischen Verhältnisses, sondern hilft, Konflikte generell besser verstehen zu können.“ (im shz vom 14. 12. 13)

„Halbierte Rationalität?
Der ADAC konstatiert, dass es auf deutschen Autobahnen   im Jahr 2013 rund 415 000  Staus mit einer Gesamtlänge von 830 000 Kilometern gab (FAZ v, 31. 12. 13). Der Ausbaubedarf des Straßennetzes sei dringend. Aber ist der Ausbau logisch zwingend? Ersetzt   hier  nicht die normative Kraft des Faktischen (Jellinek) das Bedenken logischer Möglichkeitsräume?  Müssten nicht die Ursachen des zunehmend motorisierten Individualverkehrs   ebenfalls hinterfragt werden?  Viele Staus entstehen durch unnötige Nutzung des Autos. Unnötig, weil kurze Strecken  nicht zu Fuß oder mit dem Rad bewältigt und öffentliche Verkehrsmittel von zu vielen Autofahrern  prinzipiell nicht in Anspruch genommen werden. Dass es mit weniger Autonutzung oder gar ohne Auto nicht nur gut, sondern besser geht, ist meine langjährige Erfahrung. Ich möchte jedenfalls nicht dazu beitragen, dass durch den forcierten Ausbau des Straßennetzes die Versiegelung  von Landschaften fortschreitet und unsere Städte ihren urbanen Charakter endgültig verlieren - von klimatischen Verschlechterungen gar nicht zu sprechen.“

 

"Plädoyer für die Zeit
Sicherlich ist für bestimmte Betriebe und Personen ein  Glasfaser-Anschluss eine lebenswichtige Infrastruktur, aber  bestimmt nicht für jeden Bürger eine Notwendigkeit. Hinter dieser Forderung liegt  eine tiefer liegende psychische Struktur: Wir haben keine Geduld mehr. Alle Wünsche und Bedürfnisse müssen in kürzester Zeit befriedigt werden. Allgemein gesagt: Der Zeitaufwand für jegliches Handeln wird auf das technisch mögliche Minimum  beschränkt. Heinrich Heine sprach von der Ermordung des Raumes durch die Eisenbahn, jetzt ist die Ermordung der Zeit dran.“ (im shz v. 30. 1. 14)


„Einseitige Logik

Die unterstützungswürdige  Forderung  „Leben ist angesagt“ in dem gleichnamigen Artikel von Michael Braun ist faktenreich und zeigt interessante Querverbindungen. Trotzdem drängen sich  zusätzliche Fragen auf: Gilt die Gleichung: „Leben = Konsum“ wirklich? Kann es nicht sein, dass bestimmte Formen und Größen des Konsums Leben einschränken, ja ersetzen? Dass viele menschliche Bedürfnisse nicht im Konsum aufgehen, Verzicht nicht auch Gewinn ist? Hat erhöhter Konsum nicht auch etwas mit unnötigem Ressourcenverbrauch und  Umweltzerstörung zu tun?  Wenn ich mir die gehetzten Konsumbürger ansehe, kommen mir Zweifel auf, ob der Besitz eines Mercedes der  A-Klasse und  das Tragen von italienischen Schuhen das Glück erhöhen. Das Thema Konsum muss ganzheitlich betrachtet und diskutiert werden.” (für den shz v. 12. 3. 14, aber bis jetzt nicht erschienen).

„Sprachliche Konfusion
Der Artikel in der FAZ v. 25. 3. 2014 „Mehr Bewegungsmuffel in Europa“ zitiert Ergebnisse einer Eurobarometer-Umfrage, die sich allein auf sportliche Aktivitäten beziehen. Überschrift und Inhalt des Artikels zusammen suggerieren die häufig vertretene Reduzierung  von Eigenbewegung auf  Sport. Das ist falsch. Menschen, die im Alltag zu Fuß Einkaufen gehen,  mit dem Rad zur Arbeit fahren und im Urlaub wandern sind mitnichten Bewegungsmuffel. Sie praktizieren alle eine alternative Lebensform, die Verantwortung für die  Umwelt und für sich übernimmt. Die Frage bleibt, wer  an dieser sprachlichen Konfusion Interesse hat. Die Wirtschaft und die Sportverbände? Eigenbewegung im Alltag hat keine wirtschaftlich ausgerichtete Lobby, sondern lebt allein aus der individuellen und kollektiven Vernunft.“ (für die FAZ, nicht bis jetzt erschienen) . 

 

„Auf den Verzicht verzichten?
Die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks ruft zu einem klimaverträglichen Lebenswandel auf,  was von der Unionsfraktion  als „Verzichtsumweltschutz“ interpretiert und abgewiesen wird. Kann es nicht sein, dass bestimmte Formen und Größen des Konsums Leben einschränken, ja ersetzen? Dass viele menschliche Bedürfnisse nicht im Konsum aufgehen, Verzicht sich sogar als Gewinn entpuppt? Hat erhöhter Konsum nicht auch etwas mit unnötigem Ressourcenverbrauch und  Umweltzerstörung zu tun?  Wenn ich mir einerseits die gehetzten Konsumbürger, andererseits die Ergebnisse des Weltklimaberichts ansehe, sollten wir uns zuallererst mit den Bedürfnissen des Menschen auseinandersetzen: Alles kann zum Bedürfnis werden. Das wäre die qualitative Dimension. Da Bedürfnisse  grundsätzlich  keine selbstverständlichen Grenzen kennen, vermehren sie sich ständig. Das wäre die quantitative Dimension. Die uneingeschränkte Logik der Bedürfnisse führt zu guter oder schlechter Maßlosigkeit. Beispiel für eine gute Maßlosigkeit wäre das Streben nach Bildung, für eine schlechte der ständig  zunehmende Motoreneinsatz, der auch nicht durch technische Verbesserungen zu kompensieren ist. Permanentes Wirtschaftswachstum und  technische Innovationen schaffen in der Mehrheit der Bevölkerung die Möglichkeit, in immer größer werdendem  Umfang  Maßlosigkeit zu realisieren. Wer  daran nicht teilnimmt,  wird ohne Umschweife zu den Opfern gezählt.
Falsch wäre es, diese Maßlosigkeit allein aus dem Wesen  der kapitalistisch verfassten Wirtschaft abzuleiten. Vielmehr ist sie in der gegenwärtig dominierenden Form von Geld und Technik  im Wesen des Menschen angelegt und kann jederzeit unter bestimmten Bedingungen die Oberhand über das Denken und Handeln von Individuen und Kollektiven gewinnen. Das ist übrigens auch die negative Möglichkeit von Freiheit. Hierin liegt meiner Meinung nach der tiefe  Grund, uns mit dem Verzicht auf Maßlosigkeit (wortwörtlich) auseinandersetzen zu müssen. Die Position, auf die Diskussion über den Verzicht zu verzichten, ist eine antirationale Position, die  letztlich die Menschheit zu Lemmingen macht, die unkritisch und ohne Reflektion sich nicht vom Weg in den offensichtlichen Abgrund abbringen lassen.
Dass eine auf Demokratie und Freiheit beruhende ökologische Politik, die diesen Namen verdient, eine Riesenaufgabe ist, die auch Schuld auf sich laden würde, ist unzweifelhaft. Aber aus meiner Sicht gibt es keine Alternative zu ihr. Als ein Beitrag dazu verstehen sich die hier dargelegten Gedanken.“ (in  FAZ nicht erschienen).


„Für eine Kursänderung
„Die Deutschen wollen nicht auf ihr Auto verzichten“. Aber die Erderwärmung, die Unwirtlichkeit der Städte, die Erfahrungslosigkeit der Menschen, die Krankheiten durch Bewegungsmangel sind starke Argumente für eine alternative Lebensweise durch Einschränkung des motorisierten Individualverkehrs. Gleichzeitig sollten wir uns auf unsere körperlichen Potenzen in Form von Gehen und Radfahren im Alltag besinnen und energiesparende öffentliche Verkehrsmittel benutzen.
Vernunft wird als Einsicht in die Notwendigkeit bestimmt: Seien wir also keine Lemminge, die einen einmal eingeschlagenen Weg nicht verlassen, auch wenn er in den Untergang führt. Es geht nämlich auch  gut ohne Auto. Viele Menschen, auch wir, praktizieren  es bereits.“ (in shz erschienen)

„Andere Präferenzen (Die Differenz)  
Für Autofahrer, ob aus Lust oder Notwendigkeit, ist der Ausbau der A 20 eine Herzensangelegenheit, für mich ist der Erhalt der Erde, aktuell die Eindämmung ihre Erwärmung,  wichtiger.“ (in shz 16. 4. 14)


„Die Schönheit der Innenstadt  (geändert in: Einkaufen lebt vom Augen-Blick)
Das informative Photo vom Holm und der Text „Händler gegen
Online-Konkurrenz“ (v. 22. 4. 14) machen zweierlei deutlich: Wir haben einerseits eine der schönsten  Innenstädte  Deutschlands, andererseits wird sie von vielen Bürgern zumindest im Alltag gemieden. Die Ursache für diese Nichtbeachtung liegt nur scheinbar in den zumeist gehörten Argumenten. Ihre Ursache  liegt tiefer, nämlich in  einer dramatischen Reduktion hin zum zweckrationalen Denken und Handeln in allen Bereichen. Einkaufen ist aber mehr, als nur in den Besitz einer Ware zu gelangen. Zum Einkaufen gehört auch Schönheit, Augen-Blicke, Vielfältigkeit, Begegnungen, Überraschungen, Spontaneität, Selbstbestimmung sowie  sich
körperlich und geistig bewegen. Auch ist die Innenstadt  problemlos zu Fuß, mit dem Rad oder Bus erreichbar, was  Flexibilität im Denken und Handeln sowie Rücksichtsnahme gegenüber gewachsenen Stadtstrukturen verlangt. Wem es allerdings genügt, möglichst schnell, bequem und isoliert seinen Einkauf zu erledigen, der ist in den großen Zentren am Stadtrand und noch besser im Internet aufgehoben. Da jeder Kaufakt  zumindest auch ein kommunalpolitischer ist, steht jeder Bürger vor der Entscheidung: „Wohin gehst Du?““  (im Flensburger Tageblatt, 24. . 4. 14)

“Eigenbewegung im Alltag
Die zunehmende Anzahl von informativen Beiträgen im Flensburger Tageblatt zum Thema Bewegung, genauer Eigenbewegung zu Fuß oder mit dem Rad, ist  hilfreich,  notwendig und  begrüßenswert.  Das noch zu leistende ökologische Sahnehäubchen wäre, den Zusammenhang von Eigenbewegung im Alltag und Klima- bzw. Umweltschutz noch stärker herauszustellen. Denn: Jede  motorisierte Fahrt belastet die Umwelt. Es gibt viele Ziele, sei es  zum Einkauf, zur Arbeitsstelle, in Restaurants oder Sportstätten, die man aus gesundem Egoismus zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen kann. Die Formulierung „Eigenbewegung im Alltag“ enthält die sinnvolle Einheit von Gesundheit und Klimaschutz.”  (am 8. 5. 14 an shz abgesendet, nicht erschienen)

„Wer sind die Raubritter?
In  seinem Leserbrief (v. 6. 6. 14)  bezeichnet Horst Panier die seiner Meinung nach zu hohen Parkgebühren in der Innenstadt als ein Akt des  Raubrittertums.
Mir stellt sich  allerdings  die Frage, wer  die wirklichen  Raubritter sind. Die Stadtverwaltung, wie er meint, oder sind es nicht gerade die Autofahrer selbst,
die der Innenstadt ihre Schönheit, ihre gute Luft, ihre Urbanität rauben?“   (am 6. 5. 14 an das Flensburger Tageblatt gesendet, aber nicht erschienen).

 

„Staubehebung
Staus sind kein Naturereignis, sondern entstehen durch sinnvolles oder gedankenloses  Handeln. Gedankenlos ist,  für jede  Ortsveränderung allein  das Auto in Anspruch zu nehmen  und  die Nutzung  öffentlicher Verkehrsmittel,  des Fahrrades oder gar der eigenen Füße als unzumutbar  auszuschließen. Auf Staus mechanisch mit dem weiteren Ausbau des Straßennetzes zu reagieren, ist  auch eine Form von Gedankenlosigkeit.” (im shz am 11. 7. 14 erschienen)

 

"Die Frage der Schikane

Wer schikaniert eigentlich wen? Der Senat die Autofahrer oder die Autofahrer  die Stadt und ihre Bewohner?" 

Zum Artikel "Straßen für Radfahrer - Senat schikaniert Autofahrer. CDU wirft der SPD ideologische Politik vor" (erschienen im Hamburger Abendblatt v. 23. 7. 14)


“Zumutbar

Ein Appell an die Venunft der Falschparker  beim Ostseeman: Zumindest bei Sportveranstaltungen sind Fußmärsche von zwei Kilometer und Radwege von fünf Kilometer Entfernung zum Ort des Geschehens zumutbar, aus meiner Sicht sogar wünschenswert. Eine reale Sportveranstaltung darf sehr  wohl ein Minimum an körperlicher Anstrengung verlangen. Das macht übrigens ihre einzigartige Qualität im Gegensatz zum passiven Sportkonsum vor dem Fernsehapparat aus.” (am 15. 8. 14 erschienen im Flensburger Tageblatt) 

   

 



 „Ein Nahversorger in Tarup  hat Zukunft  (Tarup ist ein Stadtteil von Flensburg, bm)
Obwohl die engagierte Bürgerinitiative „Treffpunkt Tarup“ aus meiner Sicht über ein überzeugendes Nutzungskonzept verfügt und bereitwillige Investoren gefunden hat, gibt es beträchtliche Hindernisse. Die Nospa, der dänische Insolvenzverwalter und offensichtlich auch die Politik scheinen in dem vorgelegten Projekt keine wirtschaftlich vertretbare Lösung zu sehen, obwohl sich  die Situation inzwischen positiv für den Standort Tarup verändert hat, was aber von den drei Institutionen bisher  nicht wahrgenommen wurde.
A.     Die  Schließung des Edeka-Marktes vor nun fast zwei Jahren hat  bei vielen Bürgern zur  Einsicht geführt, dass sie zu dessen Schließung beigetragen haben, weil sie dort nur selten einkauften. Häufig höre ich inzwischen den Satz „Das würde ich nun anders machen.“ Auch erkennen viele,  dass die  Fahrten  zu den bekannten Einkaufszentren unterm
Strich nicht billig sind  und dass ein übergroßes Angebot gar nicht so lebensnotwendig ist.
B.     Bürgermeister Henning Brüggemann, Vorsitzender des Klimapakts, hat mit Recht kein Verständnis dafür, wenn man mit dem Auto zum Brötchenholen fährt. Das verallgemeinert: Nahversorger, die ohne größeren Aufwand zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar sind, sind auch ein Beitrag zum Klimaschutz.
C.     Immer mehr Taruper Bürgern wird bewusst, dass sie in einem
Stadtteil ohne  Mittelpunkt wohnen.  Ein Einkaufszentrum in Tarup gäbe diesem Stadtteil wieder ein  sichtbares und ansprechendes  Zentrum, wo man sich trifft, austauscht und  kennen lernt, kurz: ein Ort, an dem eine lebendige Öffentlichkeit sich entwickeln kann.
D.     Das Bewusstsein für eine nachhaltige und zukunftorientierte
Entwicklung steigt. Das bisherige Konzept der Ausweitung des
Individualverkehrs erreicht Grenzen: Einerseits werden die Energiekosten    notwendigerweise weiter steigen, andererseits werden die krankmachenden Folgen durch den Verzicht auf Eigenbewegung in Alltagssituationen  immer offensichtlicher. Das Ende der Bequemlichkeit naht. Eine Entwicklung zu kleinteiligen Strukturen mit gut erreichbaren    Einrichtungen wird notwendigerweise die Folge sein.  Nahstrukturen sind nachhaltiger und letztlich zukunftssicherer.

Ich appelliere deshalb an die  Nospa, den Insolvenzverwalter und die Stadt Flensburg, nicht von Verhältnissen von vor zwei Jahren auf
zukünftige zu schließen, denn das wäre Denkfaulheit zum Nachteil der Zukunft.  Gleichzeitig fordere ich alle Taruper Bürger auf, sich ihrer Verantwortung gegenüber ihrem Stadtteil zu öffnen, diesen nicht nur als reinen Platzhalter für ihr Wohnen zu betrachten, sondern sich aktiv in die dortige soziale Situation zu integrieren– und das hieße auch, dort in Zukunft so viel wie möglich einzukaufen – wenn wir endlich wieder einen Nahversorger haben.“