Zeitdiagnosen und Alternativen

Stand:  3. 9. 10
Wo Menschen sInd, gibt es keine Homogenität. Wenn man von Zeittendenzen spricht, sind es immer Tendenzen, nie alles beherrschende und durchdringende Prozesse. So sind auch die folgenden Äußerungen zur Subjektivität und Objektivität zu verstehen: Insbesondere seit der  Wiederaufbauzeit nach dem 2. Weltkrieg ist die objektivierende Haltung zur Welt und zu sich selbst dominant geworden. Nicht nur die Weltanschauung ist wissenschaftlich-objektiv geworden, sondern ebenfalls der Alltagsblick hat einen weitgehend objektiven Charakter angenommen.

Genau besehen ist die sogenannte objektive Welt eine von einflußreichen Subjekten über Generationen hinweg gemeinsam geteilte konstruierte Welt. Ein in diese Welt "neu" eingeführtes "individuelle Subjekt" erscheint diese konstruierte Welt als vollkommen unabhängig von ihm und anderen Subjekten, eben als falscher Schein objektiv.  Ich unterscheide also zwischen zwei fundamental verschiedenen Begriffen von Subjektivität, der individuellen und der kollektiven. Die Welt, die aus dem individuellen Subjekt herauswächst, ist nicht relevant, ist nicht Wahrheit, ist nicht bebauungsfähig und hat keinen weiterführenden Wert.  Aber das  nicht wegzudiskutierende Manko, dass der Mensch über keinen archimedischen Punkt für die Erkenntnisfundierung verfügt, die notwendige Voraussetzung für substanzielle, nicht nur methodische Objektivität wäre, hat zunehmend (wieder) dem Paradigma der Objektivität zu schaffen gemacht, so dass der erkenntnistheoretische Blick und mit ihm in Gefolge die Geisteswissenschaften  die individuelle Subjektivität wieder als ernstzunehmende Realität reflektiert. Von Roland Barthes mit der Härte Kirkegaards formuliert: "Lieber die Trugbilder der Subjektivität als der Schwindel der Objektivität. Lieber das IMAGINÄRE DES SUBJEKTS als seine Zensur" (Die Vorbereitung des Romans, Frankfurt am Main 2008, S. 30). Im Alltagsleben zeigt sich dieser Schwenk als Abwendung von einem Leben aus zweiter Hand, seien es Bilder oder Fertigprodukte. Die Eigenbewegung , wie in den  Notationen und Aphorismen vorliegender Homepage thematisiert, ist Teil dieser Gesamtbewegung. Hinzugefügt sei, dass dieser Schwenk kein absoluter ist und aus Gründen der Humanität es nicht sein darf, sondern nur als Korrektur der einseitigen Ausrichtung auf die Objektivität zu verstehen ist.

Viele  Aussagen haben deshalb den  Konsumismus,  d. h. den übersteigerten  Konsum zum Gegenstand, weil er sich nicht nur allein  gegen menschliche Möglichkeiten und Lebensqualität richtet, sondern auch  eine wesentliche Ursache und Motor der gegenwärtigen Umweltzerstörungen an verschiedenen Orten und Ebenen.



  1. Wer keine Neugierde (mehr)  hat, die sich letztlich in Bildung verwandelt, verfehlt sich selbst.
  2. Versiegelung der Landschaft: Zwischen 1960 und 1970 wurden nach einer Berechnung des damaligen Münchener Oberbürgermeisters Hans-Jochen Vogel in der damaligen Bundesrepublik zweieinhalb Milliarden Kubikmeter Beton verarbeitet; das entspricht achtmal dem Montblanc-Massiv. Wie viele Montblancs bis jetzt?
  3. Von wenigen Ausnahmen abgesehen verringert sich  in öffentlichen Räumen der Städte und Dörfer drastisch die soziale Dichte. Der Zustand der Menschenleere wird dominant.
  4. Unbestreitbar hat die moderne Lebenswelt zumindest einen  großen Verlust zu verzeichnen: Die drastische qualitative und quantitative Reduktion von Gerüchen. Jeder Bäcker, jeder Kaufmann, jedes Haus (wenn ich mich recht erinnere, jedes Ding) hatte in meiner Jugend seinen besonderen eigenen Geruch.  
  5. Die Reanimation unserer Städte kann nur gelingen, wenn einerseits der Wunsch, die Bereitschaft und Kraft zur Eigenbewegung gestärkt  und andererseits Abschied von der autogerechten Stadt genommen wird. Was das Eine werden soll, muss auch das Andere werden (in Abwandlung von Meister Eckhart).
  6. Kein Event, sondern ein lebendiges Ereignis: Im Flensburger Hafen fand ein Drachenbootrennen mit 82 Booten mit 1800 Aktiven und ca. 20 000 Zuschauern statt. Das war eine gelungene Mischung von Lockerheit und Gewinnenwollen, von Sehen und Gesehenwerden, von relativ wenigem Aufwand und großem Erfolg, von vorgegebener Struktur und kreativer Realisation. Es bestand eine Struktur, die eine starre Trennung zwischen Aktiven und Zuschauern ständig auflöste, man konnte das gut an gegenseitigen Zurufen, Ermunterungen, an flapsigen Bemerkungen ablesen. Jeder war potentiell für einen Moment der Kommunikation der Mittelpunkt. Kurz: Es war lebendig.  
  7. An meinem neuen Ruter ist  kein Ausschaltknopf.  Mein lieber Nachbar, der ein Experte auf diesem Gebiet ist, meinte, daran sei  nichts zu ändern, aber der Stromverbrauch, vielleicht zwei bis vier Watt, wäre  so klein, dass man ihn vernachlässigen könne. Die Aussage stimmt, wenn man sie in Beziehung zu meinem gesamten Stromverbraucht setzt. Multipliziert man diese kleine Menge aber mit der Summe aller Nutzer von PCs, kommt eine Größe heraus, die das Vorhandensein eines  Ausschaltknopfes zum ökologischen Muß macht, wenn dessen Installierung sich energetisch denn rechnet.   Übrigens trat der Niedergang der Allmende, dem Gemeindeeigentum. immer dann ein, wenn der Blick ihrer Mitglieder fürs Ganze aus der Praxis verschwand und allein der  individuell-isolierte dominierte.  Ich denke, es macht Sinn, die Erde als eine Art Allmende aufzufassen.
  8. Immer mehr Menschen werden zu "Bild-Nominalisten", d. h. für sie bilden Bilder, nicht Wörter und Dinge die einzige Wirklichkeit.
  9. Auch für symbolische Umwelten gilt, dass sie entweder den Menschen fördern oder runterziehen.
  10. Wie sieht es mit dem Riß in uns selbst aus, dieses unvermeidbare Inter-esse zwischen zwei Polen: Tod und Leben, Gott und Tier, Vernunft und Gefühl, …? Diese Risse sind von existenzieller Natur, sie können nicht überwunden werden, und man sollte es auch nicht versuchen. Aber von diesen sind streng die nicht notwendigen Risse zu unterscheiden, sie gilt es zu überwinden.
  11. Tätigkeiten wie habituelles Fernsehen, Autofahren und Shopping sind deshalb Süchte, weil sie kategorisch nie zu dem führen, was ersehnt wird. Vom ersehnten Ziel her gesehen finden  diese Tätigkeiten in einem leeren Raum statt. Dieses Leersein wird vom Süchtigen aber nicht erkannt, im Gegenteil, er verstärkt seine "Anstrengungen", weil er ja seiner Meinung oder Gefühl nach ankommen muss. Süchte sind induziert. Sie haben  ihre Existenz in etwas anderem,  als wo sie gesucht werden. 
  12. Massenmedien sichern die Reproduktion der kapitalistischen Warenwelt, d. h. die unersetzliche Gier nach Waren.
  13. Es gibt tendenziell nur noch eine einzige Gegenwart, die von den Massenmedien erzeugt wird (Wolfgang  Hagen).
  14. Die realen Wirklichkeiten verringern sich drastisch, weil es so viele mediale Gegenwarten gibt. Diesen Prozess kann man auch als Gegenwartsverdrängung bezeichnen. 
  15. Fernsehapparate und Autos sind zmindest auch Menschenverstecker.
  16. Ein Roman, sagt Jonathan Franzen, habe nach seiner Ansicht die Aufgabe, uns an einen ruhigen Ort zu führen. Dort könne es kein Multitasking geben: "Entweder du liest ein Buch, oder du liest es nicht." Die Welt der Bücher sei die stille Alternative, eine immer dringender benötigte Alternative (FAZ, 21. 8. 10).
  17. Vor lauter medialer Gegenwart nehmen wir die reale Gegenwart (und auch die reale Vergangenheit sowie die realistisch mögliche Zukunft) nicht mehr wahr. 
  18. Zwischen Wohnung und Einkaufszentrum bzw. Arbeitsplatz herrscht ein soziales Nichts. Jedes kleine Geschäft, das zwischen diesen Polen liegt, schafft soziale Möglichkeiten.
  19. Meine Beobachtung: Hausgärten dienen häufig allein der Repräsentation, man hält sich in ihnen nur noch auf, wenn Gäste da sind.
  20. „Malle“ für Mallorca suggeriert Heimat und Vertrautheit Ist auch ein Beleg dafür, wie heimatlos real der Mensch ist und wie er sich nach ihr sehnt.
  21. Modernes Leben findet immer mehr in Symbol- , Bild- und Phantasiewelten statt, die überwiegend industriell hergestellt werden.
  22. Die jeweilige  Handlung zwingt mich in einen bestimmten Zustand: wenn ich Auto fahre, bin ich Auto, wenn ich im Wald laufe, bin ich Wald, wenn ich eine Boulevard-Zeitung lese,  bin ich Boulevard-Zeitung, wenn ich Thomas Mann lese, bin ich in den Gedanken Manns. Das ist übrigens ein Argument, in seinem Leben zumindest überwiegend das Niveau zu suchen.
  23. Die gegenwärtige dominierende Ethik ist aus den Preisen der Waren abgeleitetet.
  24. Es bedarf sehr viel Charakterstärke, Kraft  und Klugheit, sich gegen die universelle Transformation der Lebenswelt in eine technische Welt zu stellen, wenn sie dem Menschen nicht dient.  Denn es ist eine Revolution gegen die Revolution.
  25. Meine Beobachtung: Zum Discounter fährt man grundsätzlich mit dem Auto, auch wenn er in der Nähe liegt. 
  26. Das Verschwinden der Läden in den Innenstädten kleiner und mittlerer Städte hängt auch damit zusammen, dass die Bürger nicht mehr gehen mögen.
  27. Je abstrakter und kontaktloser die Lebenswelt wird, desto wichtiger wird freundliche Aufmerksamkeit, die man fast ausschließlich nur noch im Kaufakt findet, sei es in der Kleidungsboutique oder im Viersterne-Hotel. Allerdings legen fortgeschrittene moderne Menschen offensichtlich auch darauf keinen Wert mehr zu legen, denn die Onlinekäufe nehmen ja zu.
  28. Am wirklichen (im Sinne von Wirken) Leben sind immer Geist, Seele und Körper konstitutiv beteiligt. Fehlt eine dieser Dimensionen, ist das Leben reduziert.
  29. Die Natur bzw. das Leben in und außer mir vermag, substantielle kritische Impulse und Antworten auszusenden. Deswegen: Sei achtsam ihnen gegenüber, höre auf sie.
  30. Im Namen der Bequemlichkeit wird die Natur zerstört.
  31. Die Unterhaltungsmedien ersetzen Originalbegegnungen. 
  32. Ich habe noch nie gehört, dass Konsumenten niedrige Preise aus ethischen Gründen problematisiert haben.
  33. Man lasse sich nicht täuschen: Der Fernsehkonsum und das Autofahren sind die Hauptursachen für den Verlust von Welterfahrungen. Vor dem Fernseher: Die Welt agiert als  reiner Schein. Im fahrenden Auto: Die Welt wird von dem Fahrenden, wenn überhaupt, in denkbar drastischster  Reduktion wahrgenommen. Aber in beiden Fällen neigt der Mensch zu der Selbsttäuschung, er sei in der Welt. 
  34. Die dominierende Ausrichtung auf die Warenwelt und deren Ausweitung lässt  zunehmend Sätze wie "Ich habe x" und "Ich habe auch y" von Kindern und Erwachsenen vernehmen. 
  35. Die Bedeutung der Natur  als Selbstwert ist  im Schwinden begriffen, sie findet aber noch Aufmerksamkeit, wenn es um ökologische Störungen geht, die das Leben der Menschen beeinträchtigen.
  36. Der Begriff `Natur´ ist auf erkenntnistheoretischer Ebene destruiert, aber ebenso  auf konkreter Handlungsebene wird Natur nur noch als reine Materie und  Rohstoff angesehen, auch wenn die Handelnden in Sonntagsreden noch von einem metaphysischen Naturbegriff ausgehen. 
  37. Die unbewußte oder bewußte Entscheidung, eine Funktion der Warenwelt zu sein, ist gleichzeitig eine Entscheidung gegen das Leben.
  38. Ermunterung für  Menschen, die, sei es im Beruf, in der Kunst, in körperlicher und geistigen Betätigung nicht auf Niveau verzichten: „Haltet durch, Ihr seid auf dem guten Weg“. Übrigens ist "Niveau" keine willkürliche Setzung, sondern eine regulative Idee mit Wahrheitskern. 
  39. Demokratisches Mißverständnis liegt vor, wenn Massen kategorisch nicht kritisiert werden dürfen. 
  40. Unser alltägliches Handeln in der globalen Weltwirtschaft hat fast immer und unvermeidlich eine mehr oder weniger große destruktive Komponente. 
  41. Das Bildungsbemühen einer Gesellschaft kann man gut am Verhältnis zwischen lesenden Augen und verstöpselten Ohren in einem Zugabteil bestimmen.
  42. In Analogie zum Ausdruck "verinselte Kindheit" kann man ebenfalls von einer "verinselte Lebenswelt" der Erwachsenen sprechen: Zwischen den "Inseln" Wohnung, Schwimmbad, Arbeitsplatz, Sparkasse, Einkaufszentrum und Arzt nimmt man zwar nicht ein Boot, aber mit größter Selbstverständlichkeit das Auto. Offensichtlich ein Narr, der das Rad nimmt oder zu Fuß geht.
  43. Warum von berechtigten Forderungen Abstand nehmen, bloß weil sie momentan nicht durchsetztbar sind? So sind beispielsweise die Forderungen von Alexander Mitscherlich in "Die Unwirtlichkeit der Städte" nach wie vor berechtigt. Resignation oder Aufgeben sind in vielen Fällen falsch, langer Atem ist gefragt, der offensichtlich in der medialen Gesellschaft strukturell keinen Platz mehr hat. Es genügt offenbar, dass Forderungen  thematisiert werden, ob sie realisiert werden oder nicht interessiert (später) nicht mehr.
  44. Ein  Beobachter  kann zwar die  geistige Dimension von Tieren, von Pflanzen, ja von Dingen willkürlich  nicht zur Kenntnis nehmen, aber nie verhindern (, was er auch nicht will), dass sein eigener Geist die Bestimmung dieser "Gegenstände" vornimmt. D. h. der Geist des Gegenstandes wird  durch den Geist des Beobachters ersetzt. Damit wird der Gegenstand vom Beobachter (scheinbar) geist-los gemacht und  real entmündigt und beherrscht - und alles das wird skrupellos als wahre Erkenntnis interpretiert.  
  45. Der Geist des Urbanen speist sich nicht aus Stadtautobahnen, Malls, Großevents und einigen Baudenkmälern.
  46. "Alles, was falsch ist, ist zu groß. Größe ist ein Problem, nicht eine Lösung" (Leopold Korsch).
  47. Es geht um leb- und bewohnbare Welten (Donna Haraway) und dazu gehört eigenes und fremdes  Leben.
  48. Eine Einheit von Natur und Kultur. "Die im Stein schlummernden Gestalten zu Leben erwecken" (der Bildhauer Werner Stötzer).
  49. Bedenkenswert: Vielleicht sind Tiere, Pflanzen, ja Dinge Subjekte, die nicht unsere Sprache sprechen und deshalb nicht von uns verstanden werden können. So könnte Widerständigkeit der Dinge, die wir als rein mechanisch erklären, heißen "Ich will das nicht"!
  50. Warum versucht die gegenwärtige Menschheit mit größten Anstrengungen aus toten Dingen Lebendiges zu machen? Fühlt sich der gegenwärtige Mensch überfordert, mit lebenden Wesen umzugehen oder will man sich auf den zukünftigen Zustand ohne größere Mitlebewesen vorbereiten? Oder?
  51. Große“ Geschichten sind heute problematisch, weil immer widersprüchlich. Trotzdem versuche ich es mit einer, allerdings in Kurzform: Technik ist Ausfluss von Subjekten. Technik ersetzt zunehmend Natur und Gott ist bereits eliminiert worden. Nur als Moment der Evolution erweist sich die Natur noch resistent gegenüber subjektivem  Allmachtsstreben.  Die Folge ist zunehmende  Autonomie des Menschen. Er hat tendenziell keinen Bezugspunkt mehr außerhalb seiner selbst. Sein Denken nimmt zwangsweise eine zirkuläre Struktur an. Wenn er das erkennt, führt diese Erkenntnis zu dem, was Nietzsche Nihilismus nennt, nämlich die totale Sinnlosigkeit des individuellen Lebens und der Welt. Um das auszuhalten, bedarf es der ständigen Waren- und Bilderflut, die wiederum den skizzierten `subjektiven Weg´ stabilisiert.
  52. Der Sinn des Lebens besteht zuallererst darin, es zu leben und  nicht zu erkennen oder gar durch Technik zu ersetzen. 
  53. Informationen von Dingen sind nicht die Dinge selbst. 
  54. Reale Zerstörungen haben in der Regel eine lange Vorgeschichte im Denken und Fühlen. Das reicht vom Antisemitismus bis zur Ausrottung von Pflanzen und Tieren.
  55. Das Denken in der Moderne ist abstrakt geworden: in seiner höheren Form als Mathematik, in seiner niedrigen Form als Schnäppchenjagd. 
  56. Die Deutschen hat  man - sicherlich auch ideologisch überhöht - das Volk der Denker und Dichter genannt. Heute könnte man es - natürlich etwas vereinseitigt - das Volk der Autofahrer und Fernsehernutzer  nennen. 
  57. Epistemologisch gesehen ist der moderne Mensch Nominalist, deswegen sind wir gezwungen, uns im Handeln konstruktivistisch zu verhalten. Wir hören nicht mehr hin, vernehmen (Hölderlin, Heidegger) nicht mehr, sondern zwingen unsere Werte und Vorstellungen unserer Umwelt auf.
  58. Wissenserwerb ist gut und unverzichtbar, aber genau so wichtig ist es, dieses Wissen auf Metaebene  z. B. seine Voraussetzungen zu reflektieren. 
  59. Die dominierenden Tätigkeiten modernen Lebens wie Autofahren, Medienkonsum, Unterhaltungsmusik, Kauf von Fertigprodukten und "Fertigurlauben" usw. bilden ein System, deren Elemente  sich auf unterstem Niveau gegenseitig stablisieren.
  60. These: Das konsequente Ausweichen auf Technik und damit der Verzicht auf Leben im eigentlichen Sinne ist letztlich das Ergebnis von Angst, die durch diese Strategien ständig umfassender und tiefer wird.
  61. Wir reduzieren Wachstum einseitig  mit Größerwerden, fassen diesen Begriff nur quantitativ, sehen aber nicht mehr die Möglichkeit des immateriellen qualitativen Wachstums wie Werden, Reifen, Entfaltung.
  62. "Wer aber die Kommunikationstechnik nutzt, verändert sich. Er passt seinen Lebensrhythmus den Geräten an und spürt kaum noch, dass er langsamer und weniger kreativ arbeitet...Es wird immer schwerer, sich auf einen bestimmten Gedanken, einen Aspekt im Leben zu konzentrieren. Die Außenwelt fordert Teilnahme, so sehr, dass die Innenwelt verkümmert" (Susanne Beyer: `Leben im Stand-by-Modus, Spiegel Nr. 29, 2010).
  63. Die ausschließliche Ausrichtung auf Schnäppchen ist auf wissenschaftstheoretischer Ebene dem Positivismus ähnlich.
  64. In der Gegenwart herrscht theoretisch und praktisch eine eindeutige Asymmetrie im Verhältnis von Natur und Kultur (im allgemeinen Sinne).
  65. Zwischen Leben und Tod gibt es noch die Phase des  habituellen Fernsehens. 
  66. Man kommt nicht um die Einsicht herum: Was ich schon immer vermutet und geahnt, selten ausgesprochen habe: Ökologie ist zutiefst konservativ und, wenn man Natur als einen unverzichtbaren Wert für Humanität nimmt, dann auch mit vollem Sinn und mit vollem Recht. Gleiches gilt übrigens  auch für Nachhaltigkeit.
  67. Die Natur ist in der Gegenwart einem bisher nie gekannten Ausmaß von Zerstörung unterworfen. Aber auch in der Theorie wird sie von zwei Positionen hart bedrängt: Die Konstruktivisten behaupten, Welt und Natur seien im Geist gemacht, skeptische Erkenntnistheoretiker wie Derrida oder Luhmann behaupten die prinzipielle Unerkennbarkeit der Welt und damit der Natur.  In beiden Positionen wird die Natur entwertet. 
  68. Im konstruktivistischen  Ansatz wird die Spontaneität im Sinne Kants sehr stark gemacht, während die Rezeptivität stark zurückgedrängt wird. Dass die  Sinnlichkeit bereits Bestimmungen enthalten könne, ist  fast nicht mehr denkbar.
  69. Im  wohlverstandenen Eigeninteresse müssen wir die Natur stärken, nicht schwächen. Ganz pragmatisch kann man hier Natur als Individuenreichtum und   Artenvielfalt verstehen. Natur darf nicht zum Ornament verkommen.
  70. Müssen denn alle Events immer mit großer Technik unterfüttert sein?
  71. Auf Grund der von der EU verhängten Einschränkung im Fischfang, sollen sich die Bestände einiger Arten im Atlantik signifikant erholt haben. Nachhaltiges Wirtschaften ist möglich und sicherlich nicht nur in diesem Bereich. Man braucht sich nur an Hegels Vernunftbegriff erinnern und entsprechend handeln:  Vernunft ist die Einsicht in die Notwendigkeit. 
  72. "Es gibt noch Menschen, denen es nicht nur darum geht, so schnell wie möglich von A nach B zu gelangen" (Rohan Vos).
  73. Gebe nicht (lebendige) Fähigkeiten ohne Notwendigkeiten an die Technik ab!
  74. Ein wesentlicher Unterschied: Habitueller Medienkonsum ist qualitativ etwas ganz anderes als die Arbeit mit Medien.
  75. Technik gehört zum Subjekt. Sie ist vom Menschen geschaffen und ist einerseits Reduktion, andererseits Erweiterung. Ob das eine oder das andere, hängt von der Situation  und der Kraft des Eigensinns des jeweiligen Menschen ab.
  76. Einerseits gelingt es bereits, einfach gebaute Lebewesen mit riesigem Aufwand herzustellen, während man andererseits gleichzeitig Lebewesen in nie gekanntem Ausmaße ausrottet.
  77. Eine hohe Form des Glücks: An einem sonnigen Sommernachmittag auf der Veranda mit der Frau, die man liebt, Erdbeertörtchen mit Schlagsahne zu essen – und, wenn man Glück hat, keine Rasenmäher ertragen zu müssen.
  78. Produzieren und Konsumieren sind Handlungen, die (heute) in einem ethischen Vakuum stattfinden -  in einer Welt, in der es irrational ist, sich von mehr leiten zu lassen als dem eigenen Interesse und dem Kalkül.
  79. Wenn Lebendiges verdinglicht wird, entsteht eine gespenstige Gegenständlichkeit.
  80. Die relative Bedeutungslosigkeit der Natur in der Praxis spiegelt sich auch in der Erkenntnistheorie und umgekehrt. 
  81. Kultur verengt sich zunehmend auf Technik und deren Produkte.
  82. Paradoxon: Je sauberer (nach gegenwärtigen Kriterien) die Bürger in ihren spezifischen Aufenthaltsorten sind, desto mehr verdreckt die Welt.
  83. Lern- und Anwendungsmöglichkeiten von   „Verhalten in sozialen Situation“ (Goffman) verringern sich drastisch.
  84. These: Menschen, die gerne ausgiebig vor dem Fernsehapparat und im Auto sitzen, sind nicht in der Lage, über einen längeren Zeitraum  ihren Garten oder Natur überhaupt zu genießen, weil zu wenig spektakulär und zu statisch.  
  85. Denken und Handeln verlaufen  wie ein Fußballspiel: Es gibt Strukturen und Regeln, die unbedingt eingehalten werden müssen, aber innerhalb dieser Bedingungen kann das Individuum selbst entscheiden. Dieses Modell unterschlägt allerdings die Prägekraft der Bedingungen, die  zu einer (1) Lösung tendieren, die auch von den meisten Menschen angestrebt wird. Das ist die innere Logik der gesetzten Bedingungen, die oft übersehen bzw. verdrängt wird., auch weil sie häufig als naturwüchsig genommen werden.
  86. Unsere inzwischen global gewordene Zivilisation beruht auf einem ungeheuer großen Verschleiß von Energie und Materie. Das zu ändern, muss das primäre Ziel aller individuellen und gesellschaftlichen Anstrengungen sein. Wenn uns das nicht gelingt, werden wir auch nicht keines der anderen drängenden Probleme nachhaltig lösen.
  87. Mein moderner und freiheitsliebender  Nachbar ist engagiert gegen die Regulierungswut in Deutschland und gibt Beispiele: „Wenn ich es für nötig erachte, will ich in meinem Garten Gift spritzen,  will ich auch am Sonntag meinen Rasenmäher anschmeißen,  will ich,  wenn die Straßen es zulassen, auch mit 90 km/h durch die Stadt fahren, will ich im Restaurant nach dem Essen gemütlich Zigaretten rauchen,  aber alles das und viel mehr wird mir in diesem Bürokratenland verboten. Gäbe es in Deutschland eine Deregulierungspartei, ich würde sie sofort wählen."
  88. Der Kapitalismus ist ohne Zweifel in der Konsumdimension einschmeichelnd, aufmerksam, sensibel, ich-stärkend, aber nach dem Kauf herrscht wieder die Neutralität - bis man wieder ein  Käufer wird. Diese positiven Aspekte gilt es zu bewahren,  aufzuheben, zu verallgemeinern. Dazu finde ich heute folgende Aussage, die in die gleich Richtung zielt: "Warenästhetik, die glänzenden verlockenden Oberflächen käuflicher Güter, wurde lang als zentrale Kraft im Rahmen einer Strategie der Manipulation verstanden .... In Erweiterung und Facettierung, mitunter auch Revision etablierter kapitalismus- und konsumkritischer Perspektiven sind in den letzten Jahren aber auch produktive Aspekte des modernen Massenkonsums in den Fokus wissenschaftlicher Aufmerksamkeit gerückt" ("Habenwollen", Reihe zur Warenästhetik des Forschungskollegs Humanwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt).
  89. Anmerkung zur Fußballweltmeisterschaft: Wären Löw und Maradonna während der Pausen, um die Fehlentscheidungen der Schiedsrichter zu korrigieren, in die gegnerischen Kabinen gelaufen und angekündigt, dass ihre Mannschaften sich nach dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit nicht bewegen würden, damit ihre Gegner problemlos ein Tor erzielen, dann hätten Deutschland und Argentinien  auf jeden Fall sportlich gewonnen, wie immer  das Spiel auch  ausgegangen wäre.
  90. Auto fahren, Rasen mähen und fernsehen bildet die Dreieinigkeit bürgerlichen Freizeitverhaltens.
  91. Gelegentlich hat man mir attestiert, ich sei ein Querdenker. Vielleicht stimmt das, aber ich bin es nicht aus Prinzip, sondern nur, wenn ich denke, dass eine Haupttendenz sich gegen den Menschen und die Natur wendet.
  92. Es gibt bis jetzt keine Theorie, die die existenzielle Differenz zwischen Eigenbewegung und Fremdbewegung prägnant herausarbeitet.
  93. These: Die Beseitigung von Dreck schafft letztlich mehr Dreck. Auch ist zu bedenken, dass Schmutz wertfrei betrachtet nichts anderes ist, also Materie an einem falschen Ort. Wer Schmutz definiert, hat die Macht.
  94. Wir brauchen reale Nähe, aber wir schaffen innere und äußere  Bedingungen, die Nähe zunehmend abwesender werden lassen –aber das wird nicht durchschaut.
  95. Blaise Pascal hat Recht: Es fällt dem Menschen - auch mir - über eine längere Zeit schwer,  in seinem Zimmer (Haus) zui verweilen, aber muß es gleich Lanzerote, New York, Honkong oder Dubai sein? Genügt nicht die hiesige Innenstadt, falls es sie  noch gibt?
  96. Die Hauptaufgabe des Menschen besteht darin, seine  Bildung zu erweitern und seine Mitlebewesen  (die Natur) zu unterstützen. Auch sollte er, wenn er es denn vermag, Kunstwerke schaffen, aber in denen nur im Ausnahmefall viel Materie (letztlich Natur) und Energie verarbeitet wird. Ein Grenzfall wäre die neue Elbphilharmonie in Hamburg. Zu Zwecken der Selbsterhaltung sollte er materiell und energetisch sich eher dem Minimal- als dem Maximalprinzip nähern. 
  97. Zwischen einem Erlebnis, das ich  selbst gestalte und durchführe, und einem Event, das ich  kaufe, besteht ein fundamentaler Unterschied, obwohl immer zwischen beiden ein Mischunsverhältnis besteht: Es gibt keine reines Erlebnis und kein reines Event.
  98. Die verhäuslichte Lebensweise und die hermetische Mobilität macht uns unabhängig  von Natur und den Jahreszeiten.
  99. Zwischen dem Menschen  und den Dingen der Welt schieben  sich zunehmend   Symbole und Bilder, die keinerlei Realität enthalten,  oder motorisierte Bewegungen, die mit zunehmender Geschwindigkeit  umgekehrt proportional die Möglichkeit sinnlicher Erfahrungen von Dingen verringern.  Moderne Lebensweise ist mit großen Realitätsverlusten verbunden.
  100. Der Konsumentismus der Betroffenen ist hermetisch vor jeglicher Kritik geschützt. Er ist ein selbstreferentielles System. Er kann weder denkerisch noch praktisch von den Betroffenen durchbrochen werden. Mit dem Rad zum hundert Kilometer entfernten Ziel zu fahren oder mit dem Handrasenmäher zu arbeiten, ist für sie unmöglich, es gehört zum absoluten Das-geht-Nicht. Ein konsumentistisch ausgerichtetes Leben ist eine drastische Reduzierung menschlicher Potenziale.
  101. Wir müssen lernen, in bestimmten Situationen auf deren Gestaltung zu verzichten.
  102. Geldeinheiten müssten gleichzeitig in Energie-Materie-Aufwand ausgedrückt werden.
  103. In natura naturans steckt das Potenzial der Natur, nicht in der getöteten, der natura naturata.
  104. Warum lieben wir den Rasen? Aus Faulheit? Aus Dummheit? Um zu herrschen? Um Motore einzusetzen? Aus Liebe zur Homogenität?  Meinen wir, dadurch die Natur zu verbessern? Oder?
  105. Zweifache  Schönheit oder zwei Formen von Herrschaftsausübung? Er mäht wöchentlich seinen Rasen. Gleichzeitig spritzt er seine Gartengrenze  von Wildkräutern frei, die als braun verbrannte Pflanzenruinen  unregelmäßig umherstehen.
  106. Entfremdete Arbeit erzeugt Realitätsverlust bzw. den Verlust des Gegenstandes (Marx nach Eva Illouz). Dieser Realitätsverlust, der auch als Verschwinden der Wirklichkeit bezeichnet wird,  gilt inzwischen für den gesamten Lebensprozess. In der  sitzenden Lebensweise in Transportmitteln und im Modus des Medienkonsums  findet eben keine Begegnung mit "ganzheitlicher" Realität statt. 
  107. Mit dem Rückgang der  Kultur der klassischen Schriftlichkeit verschwinden Fähigkeiten, die das reflektierte und kritische Selbst ausmachen  (Charles Ess). Ess nennt das moderne Individuum "verschmiert".
  108. "Niemals zuvor ist das private Selbst derart öffentlich inszeniert worden, niemals zuvor ist es so sehr auf die Diskurse und Werte der ökonomischen und politischen Sphäre zugeschnitten worden" (Eva Illouz, Soziologin). Und zu diesem Zuschnitt gehören untrennbar das angemessene Auto und der protzige Fernsehapparat im Wohnzimmer. 
  109. Eva Illouz spricht von einem „emotionalen Kapitalismus“, wo die Subjekte in ihren Gefühlen und Wünschen mehr, als ihnen lieb sei, standardisiert seien: „Ein Champagnerfrühstück ist romantischer als eine Currywurst zu zweit.“  Dazu: Vor kurzem waren wir zu einer "imperfekten" Geburtstagsfeier in einem Schrebergarten eingeladen, die alles beinhaltete, was ein gelungenes Fest ausmacht.   
  110. Man sollte endlich Kapitalismus als beschreibenden Begriff verwenden. Er zeitigt Leistungen und Verluste. Das gilt es zu analysieren. Weder der Kapitalismus noch seine verschiedenen Formen der Negation stellen Paradiese her. Ich halte eine Kapitalismuskritik für absurd, die einerseits die auf dem Markt angebotenen Waren für alle beansprucht, andererseits aber die Waren selbst und ihre Art und Weise der Produktion unkritisiert, gewissermaßen als  Idealform stehen lässt. Aus einer anderen Perspektive: Theodor W. Adorno ist aktueller denn je. 
  111. Im Zeitalter der Durchdringung aller gesellschaftlichen und privaten Bereiche mit kapitalistischen Werten und Prinzipien bedarf es besonders intensiv der Stärkung der Autonomie, z. B. auf  Auto und Fernseher zu verzichten, um die zwei hauptsächlichen  Entfremdungsquellen zu nennen. .   
  112. Wir befinden uns in einem gigantischen Transformationsprozess, in dem die Eigenbewegung durch Motoren angetriebene Systeme ersetzt wird. Dieser Prozess verändert die Welt und den Menschen. Wenn diese Analyse richtig ist, kommt alles darauf an, dass sie öffentlich wird und daraus die richtigen Schlüsse gezogen werden.
  113. Am Hindukusch wird auch für unsere Zweitwagen, für unsere Billigflüge, für unsere großen Häuser, für unsere Autobahnen, für unsere Sportarenen  gekämpft. Inwieweit das den Terrorismus begründet, ist schwer auszumachen.  
  114. Widerspruch: Die Befürworter einer ungezügelten Deregulation werfen nun Barack Oboma vor, er sei zu lasch.
  115. Sonnenschein ist inzwischen absolute Bedingung dafür, sich überhaupt  draußen sinnvoll und mit Freuden  aufzuhalten. Das ist eine drastische Reduktion von Lebenserfahrungen, denn eine Landschaft oder Architektur bei bedecktem Himmel oder selbst bei Regen ist nicht weniger schön. Diese Reduktion, die allein in der Psyche stattfindet,  ist das Ergebnis der Überschwemmung mit "sonnigen"  Bildern in der Werbung und in den Medien. 
  116. Es besteht eine Tendenz zum Maschinenwesen: Die Spontaneität wird zurückgedrängt, selbst die Witze werden mechanisch abgerufen und wiedergegeben.   
  117. Lebenswelt mit der Betonung auf Leben wird zur Konsumwelt, aber sie wird es nicht vollständig werden, denn dagegen steht zumindest der Schmerz bis hin zum Tod.
  118. Auf der konkreten Entstehungsebene sind Abstraktion und Reduktion identisch. Der Unterschied besteht im Resultat: Eine Abstraktion hat zum Ziel, das jeweilige Wesen freizulegen, was bei der  Reduktion nicht unbedingt der Fall ist. Eine nicht das Wesen einer Sache freilegende Reduktion sind isolierte Einkaufszentren, die zumeist an der Peripherie der Städte angesiedelt sind. Sie kann man auch als eine schlechte Abstraktion bezeichnen Sie reduzieren eine Stadt um Wohnen, Spielen, zweckfreies Leben, aber auch um scheinbar oder real Störendes,  und verabsolutieren die Funktion Kaufen bzw. Verkaufen. Es entsteht eine rein monofunktiones Gebilde, das sich dem Schein des Städtischen gibt.
    Inzwischen hat jede Innenstadt eine solche, nahezu virtuelle Parallelstadt.
  119. Die technischen Infrastrukturen, die inzwischen die Erdoberfläche nahezu lückenlos überziehen, sind überall gleich. Wohin also reisen? Warum überhaupt Reisen? 
  120. Fernsehen ist materiell gesehen Nahsehen
  121. Es gibt zu wenig Eigenes und zu viel Uniformiertes, ohne dass das gemerkt wird
  122. Die Natur im Garten ist der absoluten Herrschaft des Menschen unterworfen: Sie darf nur das, was der Besitzer will. Als Rasen wird dieser Herrschaftswille besonders drastisch wirksam. Panik entsteht, wenn etwa eine Katze oder Hund es wagt, diesen Ort zu betreten. 
  123. Auto fahren und Fernsehen haben eine nicht notwendige Reduktion von Wirklichkeit im Bewusstsein zur Folge. Beim Autofahren kommt eine Reduktion der äußerlichen Realität in Form von autogerechten Infrastrukturen hinzu. 
  124. Der Konsumismus ist nicht nur die wohl bedeutendste Kraft, die unsere Lebensumwelt formt, sondern auch ganz entscheidend unsere innere Lebenswelt (Robert Minsk in der TAZ).
  125. Der Hauptwiderspruch der ausschließlich  wirtschaftlich und konsumistisch orientierten Industriegesellschaft:  "Im Katastrophengebiet im Golf von Mexiko regt sich Widerstand gegen Obamas Moratorium, das in den nächsten Monaten  Bohrungen in großer Wassertiefe verbietet. Der Gouverneur von Louisiana warnt vor dem Verlust von mindestens 10 000 Jobs" (FAZ v. 5. 6. 10).  
  126. Der ehemalige Bundespräsident hat Recht, wenn er sagt, dass am Hindukusch (und anderswo) auch wirtschaftliche Interessen durchgesetzt werden, so zum Beispiel, um den riesigen  Energiebedarf (inzwischen) auf globaler Ebene zu decken. 
  127. "Wenn ihr umkehrt, wird euch geholfen" - vielleicht in einigen Situationen eine bedenkenswerte Alternative.
  128. In der normativen Kategorie "billig" steckt ein riesiges destruktives Potential, das bisher weder wahrgenommen wurde noch  systematisch analysiert worden ist.
  129. Subjektivität reduziert sich in der konsumorientierten Industriegesellschaft tendenziell auf das Haben von Waren.
  130. Moderne Voyeure sind Autofahrer und Fernsehende: Sie schauen aus ihrem Versteck, ohne gesehen zu werden.
  131. Simplify and intensify your life (Titel eines Buches). Schaffe Dein Auto und Fernseher ab, und Du bist auf einem guten Weg. 
  132. Ein Gedankenexperiment und eine Frage: Angenommen, es gäbe zwei Sorten von Tankstellen. An der einen ist  Benzin billig, aber es kommt aus Ölquellen, die risikoreich mit wenig Sicherheiten arbeiten; an der anderen ist Benzin beträchtlich teurer, weil hier die Sicherheitsstandards sehr hoch sind und ggf. ganz auf die Ausbeutung verzichtet wird. An welcher  Tankstelle wird wohl die Mehrzahl der Bürger tanken?
  133. In der konsumorientierten Industriegesellschaft gilt generell die Eigenschaft "neu" höherwertig als "alt".  Die Erde ist alt. 
  134. Erst wenn man die Seele eines Menschen schaut, beginnt Liebe.
  135. "Ihr erkennt Unsinn nicht als Unsinn, wenn ihn alle machen" (Gerold Horhan). Es hilft alles nichts, man muss schon selbst denken. Danach kann man u. U. auch das tun, was alle machen.
  136. Es herrscht viel Lärm und Krach in unserer Welt. Lasst zumindest den Garten ein Ort der natürlichen Stille sein.
  137. In meinem Bildungsprozess muss ich nicht die Kunst der Vergangenheit ändern, sondern ich muss mich so weit wie möglich mich dieser Vergangenheit  annähern, damit ich mich erweitere.
  138. Eine Homepage ist ethisch in dem Sinne, dass es bei ihr nicht um das Verkaufen, sondern allein um das Gelesenwerden geht.
  139. Die fundamentale Botschaft der Werbung: Wirkliches und erfülltes Leben ist nur mit diesem angebotenen Produkt möglich, sei es Joghurt oder ein Auto.
  140. Für mich ist Heimat das, was ich erfahren (im ursprüngliche Sinne von Gehen) habe, sei es das Dorf, die überschaubare Insel, die kleine Stadt, das Stadtviertel einschließlich deren näheren Umgebungen. Der Rest ist - in  erweiternden konzentrische Kreisen differenziert - "Ausland". Diese Kreise decken sich nicht mit politischen Grenzen. 
  141. Wenn ich mit dem Auto oder Zug durch die Natur fahren, bin ich nur im Scheine in der Natur, da die reale Natur derartig reduziert, "verdünnt" ist, dass nur noch Schein übrig bleibt. ,
  142. Ich vermute, dass die Menschheit mit der Ölkatastrophe  vor der Küste Louisianas (2010) das erste Mal erkennt, zumindest ahnt, dass solche Vorkommnisse letztlich  unvermeidlich sind, weil ohne solche Risiken einzugehen,   ihr  ungeheurer Energiehunger  nicht gedeckt werden kann.   Ein Hunger, der zur Hauptsache dazu dient, Eigenbewegung durch Fremdbewegung zu ersetzen. Ein wesentlicher Antrieb zur Fremdbewegung besteht in der Sucht nach  Bequemlichkeit und Unbeweglichkeit. 
  143. Wir wohnen in der Nähe einer Sportanlage eines kleinen Fußballvereins. Ein Spiel löst das andere ab. Dabei schreien sich nicht nur die Spieler oft die Lunge aus dem Hals, sondern auch die Zuschauer unterstützen lautstark ihre Spieler bzw. kritisieren die gegnerischen Mannschaften. Das stört nicht nur nicht, sondern es ist schön, unvermittelt, nicht durch technische Geräte verstärkte menschliche Stimmen und leidenschaftliche Ausbrüche zu vernehmen.
  144. Der Konvergenzpunkt der Gesamtentwicklung ist nicht der Mensch, sondern die zunehmende Entfaltung der Technik. Mit anderen Worten: Die Technik ist das eigentliche Subjekt der Entwicklung. Der Mensch wird zunehmend eine Funktion der Technik. Diese Entwicklung wird mit Bequemlichkeit und Macht begründet.  Sie wird in der konsumorientierten Industriegesellschaft verwirklicht.
  145. Er wohnt in der Nähe einer Kirche und beklagt sich häufig über  "das laute Geläute der Glocken". Den Lärm seines Motorrasenmähers hat er noch nie kritisiert.
  146. Liebe Pflanzen, Tiere und Menschen, aber nicht Maschinen!
  147. Es ist eine Konstante: Der Mensch sucht immer auch den spontanen Kontakt zu seinesgleichen - und sei es nur einen Augen-Blick. Wohnt man in einem dieser typischen Vorstädte,  macht es, um dieses Bedürfnis zu befriedigen, keinen Sinn, durch die Fenster zu schauen oder  auf die Straße zu gehen - man sieht oder findet dort keine Menschen. Wo sind sie? Sie fahren entweder mit dem Auto irgendwohin  oder sitzen vor dem Fernseher, um zumindest im Scheine, dort allerdings mit Sicherheit,  "Menschen" zu treffen.  Vor dem Fernseher sowieso, aber auch während der Autofahrt besteht absolut keine Chance, dieses Grundbedürfnis zu befriedigen, also verlorene Zeit.
  148. Die intensive Aufenthaltsdauer in natürlichen bzw. naturnahen Umwelten wird immer kürzer, stattdessen nimmt der Aufenthalt in künstlichen Welten in Form von Arbeitsräumen, Einkaufszentren, Autofahrten, Medienkonsum usw. ständig zu. So wird das in vielerlei Hinsicht insbesondere im Alltag das heilende Potenzial der Natur nicht mehr ausgeschöpft - und das muss keine spektakuläre Natur sein: Just five minutes of exercise in a "green space" such as a park can boost health, reserchers claim. 

  149. Immer mehr Menschen übernehmen die Botschaft der Werbung, dass Lebensfreude nur noch in Verbindung mit Waren, die einen starken technischen Appeal haben, möglich sei.
  150. Der verabsolutierte Konsument reproduziert sich allein in der Sphäre und in den  Imperativen des Konsums. Er ist dort gestellt. Subjektiv erscheint ihm diese Form der Reproduktion als Freiheit. 
  151. Fast alles individuelle und kollektive Wollen,  Denken und Handeln   konvergiert bewusst oder unbewusst auf die Erlangung von mehr Bequemlichkeit hin.
  152. Der Mensch ist die Summe seiner Handlungen. Wenn seine Handlungen überwiegend in Maschinenwelten einschließlich ihrer Infrastrukturen  stattfinden, wird er zwangsläufig Merkmale der Maschine annehmen, falls er nicht über ein großes Potenzial an Freiheit und Widerstandskraft verfügt. Maschinenwesen sind die Nachfolger des Menschen. Meine Frage an Dich lautet deswegen:  Bist Du, wie der überwiegende Teil der Menschheit,  auf dem Wege, ein Maschinenwesen zu werden?
  153. "Klimaschutz oder Energiesicherheit. Die Mehrheit der Amerikaner plädiert für eine Ausweitung der Ölförderung" (FAZ v. 14. 5. 10).  Die Forderungen, die sich aus dem  konsumistischen Lebensstandard ableiten, sind die eigentlichen Normengeneratoren der gegenwärtigen Gesellschaften, sie sind unhinterfragbar und bilden das einzige wirkliche  Tabu der Gegenwart.  Ich befürchte, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die große  Menschheit zu der Auffassung gelangt, dass die Existenz von wildlebenden Pflanzen sowie Tieren  überflüssig und dass ihre Vernichtung notwendig und legitim sei, um die technischen Strukturen einschließlich ihrer in Kauf genommenen Zerstörungen zu realisieren. Es gäbe dann keinen Grund mehr, z. B. eine Ölkatastrophe als Katastrophe zu bewerten.
  154. Die Faszination und Interesse für die Natur hat sich inzwischen  bei den meisten Menschen auf die Technik verschoben: Das technisch generierte Bild fasziniert, nicht das Abgebildete.
  155. Kinder sind zunehmend nicht mehr in der Lage, in ihrem Wohnviertel eine eigene Welt zu schaffen. Dafür gibt es vielfältige objektive und subjektive Gründe.
  156. Das Bild und erst recht der Film sind rein visuell gesehen der Wahrnehmung von Genuß suchenden Menschen überlegen: Sie können problemlos nur die Perspektiven einnehmen, die spektakulär sind und beeindrucken.
  157. Ein Defizit des gegenwärtigen Lebens besteht darin, dass wir keine Pausen mehr zulassen: Unterhaltungsmedien senden und Autos fahren ohne Unterbrechung und verlangen die Aufmerksamkeit,  ohne Unterbrechung bei und in ihnen zu sein. Man schaltet den Fernseher nicht aus oder hält  vor dem Ziel das Auto nicht an, um etwas in Ruhe und konzentriert zu bedenken.  So verkümmert  substanzielle Kritik und wird höchstens ersetzt durch partielle Überlegungen, wie man die bestehenden Systeme noch  stärken kann.  Diese Systeme beherrschen unswährend des gesamten Wachzustandes zeitlich und räumlich lückenlos , nur im Schlaf lockert sich deren Macht.
  158. Wenn das in Bildern Dargesellte nur dazu dient, wiedererkannt zu werden, dann ist die damit verbrachte Zeit, von bestimmten Ausnahmen abgesehen, verlorene Zeit.
  159. Nach Fliegenlogik ist es dort gut, wo viele Fliegen sind - selbst wenn es sich um einen  Kuhfladen handelt. Ist das nicht ein allgemein gültiges und befolgtes Lebensgesetz, das nur nicht von einigen Eigenbrödlern und Querdenkern befolgt wird?
  160. "Die Natur hat viel mehr Möglichkeiten als jede Turnhalle" (Umweltpädagogin Gudrun Perschke-Mallach).
  161. Man kann mit gutem Grund gegen die eine oder andere Sparmaßnahme sein, aber wer gegen jede ist, hat nicht das Ganze im Blick.
  162. Die Wertschätzung, die die regional und saisonal orientierte Küche gegenwärtig erfährt, ist ein Hoffnungsschimmer, dass das Künstliche sich nicht widerstandslos in allen Bereichen durchsetzen wird, dass die auf uns gekommene Welt zu Bildern, Surrogaten und Substitutionen wird. 
  163. "Wir haben es mit einem Wettstreit zwischen Parteien zu tun, die alle die Vorstellung teilen, in der Politik ginge es nur um das Ich des Wählers, darum, was dieser Wähler sich als Individuum wünscht. Und ihm dann genau das zu versprechen. Es geht nur noch um größere Glaubwürdigkeit, nicht um einen Wettstreit der Konzepte. Es gibt keine Visionen eines anderen, besseren Zusammenlebens. Wir sind Komplizen des Konsumismus" (Adam Curtis, englischer Dokumentarfilmer). Die Aussagen dieser vorliegenden Homepage dienen ausschließlich einem Konzept, dessen entscheidendes Merkmal das der Nähe ist.  
  164. Dunkle Vermutung: Der Konsumismus wird seinen Vater, den Kapitalismus, aber auch seine Mutter, die Demokratie, zerstören.
  165. Das Problem der Gegenwart besteht auch darin, dass die Zuwendung zu Lebewesen und Sachen sich auf Waren verlagert haben. 
  166. Maschinenwesen transformieren Liebe in Wartung
  167. Ich befürchte, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis der größere Teil der Menschheit zu der Auffassung gelangt, dass die Existenz von wildlebenden Pflanzen und Tieren  überflüssig sei und dass ihre Vernichtung notwendig und legitim sei, um die technischen Strukturen einschließlich ihrer in Kauf genommenen Zerstörungen zu realisieren. Es gäbe dann keinen Grund mehr, z. B. eine Ölkatastrophe als Katastrophe zu bewerten.
  168. Internet, sagt man, sei Einkaufen ohne Stress, zumindest ist es Einkaufen ohne Kontakt mit Menschen.
  169. Nach Sokrates ist die höchste Tugend die Genügsamkeit. Diese Tugend ist aus unserem Tugendkatalog verschwunden. 
  170. Habituelles Autofahren und Fernsehen sind Vorstufen der Hölle.
  171. Warum wird kein „Cafe Qualität“ oder „Restaurant Qualität“ eröffnet, die nur frische und überwiegend regionale Produkte verarbeiten und deren Angebotspalette relativ klein ist; die es auch nicht als ein Versagen betrachten, wenn das eine oder andere Angebot vor  Geschäftsschluss nicht mehr zur Verfügung steht, weil es bereits verkauft ist?
  172. These:Der Begriff Kapitalismus  umfasst wesentlich mehr und ist tiefer fundiert als  die herkömmlich ökonomisch-politische Bedeutung: Kapitalismus ist ein Prinzip, ja ein anthropologisches Existenzial, das ein großes Gefahrenpotenzial birgt.
  173. Etwas muss nicht billig sein, sondern der Preis einer Ware muss fair sein. "Fair" ist umfassender. Wenn man etwas kauft, das billig ist, aber nicht fair, dann befindet man sich außerhalb der Ethik. 
  174. Wirtschaftliches Wachstum besteht zur Hauptsache  aus der Ausweitung des Einsatzes von Technik und  Realisationen zu deren Ermöglichung. Diese Expansion der Technik wird durch gigantische Schuldenaufnahme ermöglicht.  Je größer übrigens diese Blase wird, desto krisenanfälliger wird sie. Fazit: Wir müssen diese Blase zurückbilden, d. h. die Ausweitung der Technik zurückfahren und die Eigenbewegung und deren Strukturen erhalten bzw. neu entwickeln. So gesehen ist  Eigenbewegung  eine genuin ökonomische Kategorie. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Der Einsatz von Technik ist dann legitim und notwendig, wenn es um die Abschaffung von schwerer oder  menschenunwürdiger Arbeit und Rettung von Menschen geht, aber sie mit dem Argument der Bequemlichkeit, der Machterweiterung, der Besitzvergrößerung  des Prestigegewinns oder der Modernisierung an sich  zu begründen, reicht nicht. 
  175. Inzwischen haben wir mehr Süchte als Bedürfnisse. Für diese Süchte opfern wir die Zukunft der Erde.
  176. Die Verhäßlichung fast aller Landschaften, falls sie nicht unter einem speziellen Schutz stehen, vollzieht sich gegenwärtig nicht mehr linear, sondern exponential.
  177. Der endgültige Durchbruch des Transformationsprozesses von Eigenbewegung in Fremdbewegung ist nahezu abgeschlossen. Insbesondere die Summe der strukturellen Änderungen, die nur auf Basis von Fremdbewegung möglich sind, lassen diesen Prozess für die Masse der Menschen als naturwüchsig erscheinen: die Selbstverständlichkeit des Einkaufs mit dem Auto, die Selbstverständlichkeit der Ferien mit dem Flugzeug „in der Sonne“, die Selbstverständlichkeit der Unterhaltung mit elektronischen Medien, die Selbstverständlichkeit des Einsatzes von motorenbetrieben Maschinen in Alltagsabläufen, Freizeitbetätigungen und natürlich in der Produktion. 
  178. Die geborstene Ölplattform im Golf von Mexiko ist auch Folge des weltweit steigenden Energiebedarfs. Jeder Motoreneinsatz erhöht die Nachfrage nach Energie, die zu immer riskanter werdenden Energieförderungen führt.
  179. Schulden zu machen ist viel gefährlicher, als man gemeinhin denkt.
  180. Es ist notwendig, aber nicht hinreichend, gegen Atomkraftwerke zu sein. Atomkraftwerke sind ein Teil und Ausdruck der heute dominierenden destruktiven Zivilisation. Unter "Zivilisation" verstehe ich die materielle Reproduktion einer Gesellschaft. Wir müssen aber eine Zivilisation der Nachhaltigkeit denken und realisieren.
  181. Die Behauptung, der Fernseher sei ein Fenster zur Welt, ist natürlich eine radikale Täuschung, ein Trompe-l´œil.
  182. Die industriell bestimmte Lebensweise heißt zunehmend sich von der eigenen inneren und der anderen äußeren Natur entfernen. Entweder lebt man nicht mehr mit und in der vorhandenen Natur oder es gibt sie zunehmend nicht mehr, weil sie bereits zerstört ist.
  183. Alle kaufen skrupellos das Billigste, aber reagieren mit Empörung, wenn sie selbst nicht mehr zum "Billigsten" gehören und damit nicht "gekauft" werden, d. h. arbeitslos sind. 
  184. In unserem Garten will offensichtlich ein Stockentenpaar brüten. Ich füttere sie. Erst waren sie sehr  scheu, jetzt stehen sie schon morgens vor der Verandatür und kommen bis auf zwei Meter an mich heran: Etwas Lebendiges vertraut mir! Ein Geschenk in nichtwarenmäßiger Form.
  185. Nach dreißig Jahren wieder beim HSV gewesen: Inhaltlich sind von meiner Begeisterung zum HSV offensichtlich nur die  Signifikanten „HSV“ übrig geblieben, den Rest gibt es nicht mehr für mich.
  186. Menschen, die nur noch ein motorengebundenes Leben führen und von ständigen Bild- und Informationsberieselungen abhängig sind,  können in der Regel  nur noch "grob"  unterhalten werden. 
  187. Es gibt keine absoluten Unterschiede, alle Phänomene, Zustände und Prozesse sind Hybride, d. h. Mischungen mit unterschiedlichen Anteilen. Aber genau auf diese Unterschiede kommt es in der Regel an. So auch im Verhältnis von Eigen- und Fremdbewegung. 
  188. Du bist beim Zahnarzt und hast vergessen, Dir etwas zum Lesen mitzunehmen. Gucke nicht in die ausgelegten Zeitschriften, sondern lehne Dich zurück, schließe die Augen und wende Dich Deinem inneren Leben zu. Dort findest Du eine reiche Welt in Form von Erinnerungen, Erfahrungen, Reflektiertes, aber auch Unverstandenes, das Du nun in Ruhe noch einmal bedenken kannst. .
  189. Technisch vermittelter Genss schwächt sich sehr schnell ab.
  190. Zeichen (zu denen auch die Bilder gehören) und Technik schieben sich immer massiver zwischen uns und  Welt.
  191. Wenn man etwas für schlecht erachtet,  und man hat es, dann sollte man es nicht verschenken oder gar verkaufen. Das gilt für Drogen und aus meiner Sicht auch für Autos und Fernsehapparate, wenn sie denn nicht für eine sinnvolle Aufgabe gebraucht werden. Das ist auch eine Selbstkritik, denn ich habe mein Auto und meinen Fernsehapparat verkauft.
  192. In nationalistischen Phasen konzentriert man sich auf das Trennende und Überbietende, nicht auf das Gemeinsame.
  193. Fast Food, Autofahren,  extreme Mediennutzung und die Überzeugung, dass Technik Selbstzweck sei, sind Ausfluss  eines beschädigten Lebens - ein Leben, das nicht mehr Leben sein will.
  194. Dunkler Gedanke: Erst stirbt die Natur, dann folgen die Kultur und zuletzt die Zivilisation.
  195. Bildung macht und erhöht Gesundheit. Durch Bildung entstehen Zusammenhänge und Sinn.
  196. Aus einem Artikel zur Aufklärung: "Die Demokratie beruht auf dem Streit von Leuten, die einander ihre Meinung ins Gesicht sagen. Die politische Auseinandersetzung wächst doch hervor aus einer alltäglichen Praxis der lebendigen Verständigung auf dem Marktplatz, wo man sich auch ohne Worte artikulieren kann, durch Gestik und Mimik, durch das Aufreißen oder Schließen der Augen." Man mache sich doch nichts vor, diese Art der face-to-face-Öffentlichkeit und -Kommunikation st fast nicht mehr vorhanden, sie stirbt aus wie nahezu alles Lebendige. 
  197. Eine vollständige Ausrichtung auf die Logik der Preise suspendiert von jeglicher Ethik.
  198. Eine schöne Umgebung verschönt (im weiten Sinne) auch die Menschen, die sich in ihr aufhalten.
  199. Die Wirtschaft klagt, dass die Schüler zu schlecht seien. In diesem Prozess liegt Dialektik pur vor: Die Wirtschaft erschafft  den total konsumorientierten Menschen und  damit ihre eigene Negation, nämlich den in der Produktion unfähigen Menschen.
  200. In der Soziologie werden Auto und Fernsehapparat auch als Kontaktvernichter bezeichnet, angemessener wäre "Kontaktverminderer". Zudem handelt es um eine  doppelte Verminderung: einerseits  bezogen auf die jeweilige Umwelt, andererseits auf den Autofahrer bzw. Fernsehender selbst, denn sie haben nahezu keinen Kontakt mehr zu sich selbst. 
  201. Ich sehe die gefährliche Möglichkeit des Aufstiegs eines neuen Faschismus aus der gesellschaftlichen Mitte: Er wird sich an Konsumanforderungen wie z. B. Benzin  festmachen, Forderungen, die schlicht unerfüllbar sein werden. Heute äußert sich das bereits diffus gegenüber Politikern, vielleicht werden später andere "Sündenböcke" gefunden. Es ist nur zu hoffen, dass ich mich hier täusche.
  202. Zumindest abends bis spät in die Nacht werden in den meisten Haushalten die Wohnzimmerlampen ausgemacht und durch fahles, flackerndes Blaulicht ersetzt.
  203. Statt von "Trashkultur" soll man besser von "Trashorientierung" sprechen. 
  204. If right, it´s my country, if  wrong, it´s  not my country.
  205. Bis zur Entscheidung hat das Subjekt die Herrschaft über das Prädikat, nach der Entscheidung übernimmt das Prädikat die Herrschaft, dann herrscht die Logik des Prädikats, egal ob Krieg führen, Auto fahren, zu Fuß gehen oder die Enten füttern.
  206. Das Bewusstsein ist in der Regel kein Entstehungsort, sondern ein Durchgangsstadium. Aber was da durchgeht, das steht in der Verantwortung des Subjekts.
  207. Wir halten uns viel zu wenig direkt in der Natur auf. Zwischen uns und der Natur schieben sich zunehmend Wände verschiedenster Art.   
  208. Es stimmt wohl, dass Solarstrom momentan teuer ist als herkömmlich hergestellte Elektrizität – aber gilt diese Aussage auch  für die Zukunft? Werden nicht die langfristigen Folgekosten der herkömmlichen Stromgewinnung  viel höher sein als der gegenwärtige Preisunterschied? Das ist die Frage, die gestellt werden muss und nicht ausgeblendet werden darf.
  209. Intensive Konsumorientierung kann ein ganzes Leben auffressen. 
  210. Warum ist Shopping so populär? Weil das heute die letzte Möglichkeit ist, auf real existierende Menschen zu treffen.
  211. Verzicht zu fordern, ist die Sünde schlechthin gegen den Zeitgeist. Statt auf Verzicht  reflexartig mit Ablehnung zu reagieren, sollte man hier differenzieren, denn es gibt zweifelsohne Verzichte, die einschränken, aber es gibt auch Verzichte, die das Spektrum der Möglichkeiten des Lebens erweitern und vertiefen. So ist nach unseren Erfahrungen in unseren heutigen Lebensbedingungen der Verzicht auf das Auto und Fernsehapparat Gewinn. Einen Verzicht auf das Internet dagegen würde ich als Verlust einschätzen. 
  212. Es stimmt wohl, dass die globalisierte Wirtschaft mit ihren spezifischen Maximen das Maximum der Warenproduktion ermöglicht. Es ist Ausdruck von  magischem Denken, wenn man meint, man könne dieses Niveau halten, obwohl man den Prozeß mit ökologischen, sozialen oder traditionellen Auflagen beeinflussen will. Wer das will - und ich will das - muß  qualitative und quantitative Abstriche in Kauf nehmen. 
  213. Wir befinden uns in einem gigantischen Transformationsprozess, der weitgend alle anderen Prozesse direkt und indirekt bestimmt: Menschliche Bewegungen werden zunehmend durch technische ersetzt (in meiner Terminologie: Ersetzung von Eigenbewegung  in Fremdbewegung), wobei ein Teil der Energien und Rohstoffe für die Ermöglichung der technischen Bewegungen dient. Gegen diesen Prozeß gibt es punktuelle Gegenwehr, aber es gibt keine wirksame Theorie und keine nennenswerte politische Bewegung, die diese Zusammenhänge ganzheitlich thematisieren.  Selbst die Grünen sind Lichtjahre von dieser "Wahrheit" entfernt. 
  214. Die alleinige Ausrichtung auf die Preise von Waren ermöglicht fast vollständig den Verzicht auf ethische Überlegungen und Entscheidungen. 
  215. Es gibt Berge in den Alpen, die durch Bergbahnen, Sessel- und Schlepplifte und Gondeln "ganzkörperlich" gefesselt sind wie weiland Gulliver von den Zwergen in Liliput.
  216. Nutzt öffentliche Verkehrsmittel - nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus sozialen Gründen. Dort ist man Zuschauer und Akteur. Auf unserer letzten Zugfahrt hatten wir drei beeindruckende Begegnungen: ein sehr ernsthafter und reflektierender  Bundeswehrsoldat mit einem Afghanistaneinsatz,  eine jungen Frau aus Kambodscha und ein cooler, aber in Wirklichkeit arg gerupfter Vater von drei pubertierenden Töchtern. 
  217. Viele Arbeiten  (Sekundärarbeiten) entstehen durch vorgängige Entscheidungen (Primärentscheidungen): Ich muss  zur Tankstelle fahren, weil ich ein Auto habe. Die Sekundärarbeiten sind rational, weil unvermeidbar, während die Primärentscheidungen in Freiheit erfolgen, sie können sinnvoll oder irrational sein. Auf diese Ebene kommt alles an. 
  218. Durch die ständigen technischen Eingriffe in bestehende Zusammenhängende, haben Tiere nicht genug Zeit, sich an die neuen Bedingungen anzupassen. 
  219. Ich kritisiere nicht Menschen, sondern destruktive Verhaltensweisen, die ihr und mein gutes Leben behindern bis verunmöglichen. Ich kritisiere nicht aus Schwäche, sondern aus Stärke, weil ich zumindest ahne, was ein gutes Leben ist, und weil ich die Kraft habe, auf dieses Ziel nicht zu verzichten.  
  220. Wer durch sein Verhalten an der Zerstörung nachhaltiger Strukturen beteiligt ist, macht sich schuldig.
  221. Mein genialer Freund Gian aus dem Engadin sagt, er kenne viele Autofahrer, die, vor die Wahl gestellt, entweder auf ihr Auto zu verzichten oder ihre Füße amputieren zu lassen, sich für Letzteres entscheiden würden.
  222. Vermutung: Habitualisiertes Autofahren und Fernsehen haben die gleiche Funktion wie die Spiele im alten Rom.  Würde man diese Spiele abschaffen, entstände mit Sicherheit eine revolutionäre Situation
  223. "Mensch, werde wesentlich" (Angelus Silesius) ist ein Beitrag zur Lösung vieler Probleme der Gegenwart. Der Mensch kann zwar nicht immer wesentlich sein, aber auch nicht ständig unwesentlich. 
  224. These: Der Kern der Logik der Modernen  besteht in der Ersetzung der Eigenbewegung durch Fremdbewegung ( = Technik).
  225. Es wäre keine ökologische Politik, den Mensch bzw. Menschen auszugrenzen. Übrigens sind Wirtschaft und Ökologie zwei Seiten desselben Prozesses.
  226. Im heutigen Konsumverhalten steckt große, oft unbemerkte Aggressivität
  227. Gute Ideen, vollwertige Kost und viel Eigenbewegung halten gesund.
  228. Welcher Unterschied bezüglich Öffentlichkeit und Ästhetik: eine Autobahntankstelle und vor dem Bahnhof in Basel.
  229. Wir müssen eine Kultur des Nahbereichs entwickeln.
  230. Konsum nach westlichem Muster ist der Klimakiller Nummer eins. Das geht aus dem "State of the World Report 2010 hervor, den das unabhängige Worldwatch Institute verfasst hat. Um eine Zerstörung der weltweiten Ökosysteme zu vermeiden, seien nicht nur umweltfreundlichen Technologien oder staatlichen Maßnahmen erforderlich, sondern vor allem ein Wandel im Konsumverhalten, fordern die Autoren des Reports "Einfach besser leben - Nachhaltigkeit als neuer Lebensstil.  In der Außenwelt  und Innenwelt der Konsumbürger findet  entsprechend eine "Entlebendigung"  und Verhäßlichung statt.
  231. Warum verzichten wir widerstandslos auf Wirklichkeit und Sein zugunsten des Scheins?
  232. Erfahrung verdient nur das genannt zu werden, was mit eigenem Geist, Seele und Körper erlebt wird. 
  233. Ich erweitere den Begriff der Trash"kultur" auf die einseitige Ausrichtung auf materielles Haben. Es gibt und gab immer in diesem Sinne in allen Schichten, also auch weit ins Bürgertum hinein, Trash. 
  234. Wer Knöpfe oder Gaspedalen drückt, führt noch keine vita activa. 
  235. Bei Streiks wie jetzt bei der Lufthansa oder vor kurzem bei Karstadt werden von den Streikenden versagende Manager, raffgierige Investoren und schlafmützige Politiker als die Schuldigen für ihre missliche Lage ausgemacht. Das mag teilweise zutreffen, triff aber nicht den Kern des Problems, das konsequent ausgeblendet wird: Immer mehr Bürger steigen auf Billiglinien um und  immer mehr Käufe werden über Internet und in Einkaufszentren außerhalb der Innenstädte getätigt. Daraus ergibt sich die Doppelfrage, die beantwortet werden muss: Wie können und warum sollen bei diesem änderten   Konsumverhalten die betroffenen Arbeitsplätze erhalten werden?
  236. Jeder von uns hat rein rechnerisch etwa 60 "mechanische Sklaven". Diese Sklaven müssen gebaut, ständig mit Energie gespeist, und es muss für sie entsprechende Infrastrukturen geschaffen werden. 
  237. Die Veränderungen  unseres Mobilitätsverhaltens durch die Dominanz des Autos sind direkt und indirekt derartig groß, dass es Sinn macht, von der Autogesellschaft zu sprechen. Die Veränderungen betreffen den inneren und äußeren Menschen, Kommunikation und Interakationen, Ästhetik der Städte bin hin zu Landschaften und Klima.
  238. Zur Vernunft gehört auch, in rechten Momenten unvernünftig zu sein.
  239. Wir müssen Anstrengungen, u. U. auch Schmerzen nicht prinzipiell ausweichen, sondern lernen, das in ihnen steckende positive Wachstumspotential uns auszueignen.
  240.  Ich mag in  einem Hotel ein "überschaubares" Frühstück am Tisch viel mehr als ein meterlanges Frühstückbuffet.  "Small  is Beautiful"  von Ernst Friedrich Schumacher  aus dem Jahre 1973 ist immer noch sehr lesenswert, weil hilfreich im Urteil.     
  241. In begrenztem Umfange können Bilder das Leben intensivieren, aber sie können  das Leben niemals ersetzen.
  242. In der Presse war zu lesen, dass es kein Unterschichtenfernsehen mehr gäbe, denn unabhängig von der Schichtzugehörigkeit mögen alle Zuschauer Dieter Bohlen usw.  Das ist meiner Ansicht nach falsch gefolgert.  Real ist das Unterschichtenfernsehen für alle zur Normalität geworden.
  243. Nis-Momme Stockmann (28), auf Föhr geborener Theaterautor: "Eines Tages werden die Menschen aber verstehen, dass nicht Kaufen, sondern Zufriedenheit glücklich macht. Dann löst sich der Kapitalismus in Luft auf."  Die   Schäden des totalitären Konsumismus durch Einsicht überwinden - das ist auch meine Grundidee.  
  244. Es stimmt: Die materiellen Zeichen (Signifikanten) werden immer dynamischer, verändern ständig ihre Form, und Größe, wechseln zu jeder Zeit ihre Position im Gesamtgefüge, werden bunter und greller. Aber wird dadurch das Verstehen erleichtert oder sogar erschwert?
  245. Lebensreformbestrebungen beziehen sich heute nicht auf das eigene Selbst und  auf eine nicht ausbeuterische Beziehung zu den Sachen und zur Natur, sondern auf den Erwerb und Anwendung neuer und neuester Technologien.  
  246. Reale zwischenmenschliche Begegnungen, in denen  Augen-blicke austauscht werden,  haben für mich einen gar nicht hoch genug einzustufenden Wert. Deswegen schätze ich das Einkaufen und Bummeln in der Stadt und finde isolierte, nur noch mit dem Auto erreichbare  Einkaufszentren barbarisch,  aber am schlimmsten, weil konstaktärmsten, bewerte  ich Internet-Einkäufe.
  247. Da herrschte noch Vernunft, als der Postbote einmal am Tag die Briefe brachte. Das ist übrigens auch eine Selbstkritik. 
  248. Zum Fußball: Alles kommt auf die Schönheit des Spiels, nicht auf das Ergebnis an (beim Kunstwerk scheint tendenziell alles auf den  Preis anzukommen). Das Ergebnis eines Prozesses ist eine gewaltige  Abkürzung und Komplexitätsreduktion.Etwas Peripheres wird zum Zentrum. Die  Perspektive auf das, was gesellschaftlich als wichtig erscheint,  ist oft falsch. Das Ergebnis muss deshalb einer Epoche unterzogen werden.
  249. Ich glaube, wir tun uns gut, wenn wir in den elementaren Lebensvollzügen wie Tages- und Jahresrhythmen, Nahrungsaufnahme, Fortbewegung, Sexualverhalten usw. an  dem  Natürlichen orientieren und gleichzeitig im Geistigen nach Hohem streben, vielleicht auch alles Elementare geistig überformen, aber  nicht verformen! 
  250. Du bist die Summe Deiner Handlungen. Es gibt kein von seinen Handlungen und von seiner Lebenswelt unabhängiges Ich. Deshalb kommt alles auf die Qualität der Handlungen an. 
  251. "Vierzig Prozent der Amerikaner lesen ein Buch im Jahr oder weniger." Wenn neue Medien Druck, Musik, Video in sich aufnehmen, ist das meiner Ansicht nach  grundsätzlich kein Problem. Alles kommt darauf an, dass geschriebene und gesprochene Begriffe von anspruchsvoller Qualität in zunehmend größerem Umfange verarbeitet werden. In "größerem Umfange" soll heißen, das mehrfache Äquivalent eines Buchs pro Jahr. Ich werde  dem Buch wohl treu bleiben, da man beim Lesen eines Buches nicht nicht so leicht und schnell "zappen" kann und damit abgelenkt wird.    
  252. Das entscheidende "Werk" ist letztlich immer ein inneres. Äußere Werke sind Hilfen, oft auch Voraussetzungen, um am inneren Werk erfolgreich zu arbeiten. Wer im äußeren Werk verbleibt, verpasst Wesentliches. 
  253. Es stimmt, das Ich entscheidet. Die  Frage aber ist, ob  autonom oder fremdbestimmt. Wenn ein Prozess in mir stattfindet,  heißt das noch lange nicht, dass ich als Subjekt diesen Prozess beherrsche, dass die Entscheidung für diesen Prozess die  meinige ist. 
  254. Inzwischen hat der weltweite Energieverbrauch eine Größenordnung erreicht, der nicht mehr allein durch individuelle Verhaltensänderungen in den Griff zu bekommen ist, sondern zusätzlich der strukturellen Veränderungen bedarf.
  255. Es ist ein Irrtum zu meinen, dass es in einer libertär-konsumistischen Gesellschaftsordnung (nahezu) keine Zwänge gäbe. Die Erde bis zur Unkenntlichkeit auszubeuten, ist aber eine Folge dieser Ordnung, die man sehr wohl als Zwang auffassen kann, obwohl er im Kleide der Freiheit auftritt. 
  256. Ein wesentliches Merkmal moderner Lebensweise: Entweder läuft das Auto oder der Fernsehapparat. Tertium non datur.
  257. ich befürchte, wenn die CDU von konservativen Werten spricht, meint sie damit zuallererst den Erhalt der konsumistischen Struktur, insbesondere der Dominanz des Autos.
  258. Es ist wirklich erstaunlich: Es gibt Familien, bei denen mehrmals täglich Paketdienste halten, die aber trotzdem mit lieferwagenähnlichen PKWs  ebenfalls täglich in Großzentren einkaufen fahren. Wo lassen sie bloß die vielen Sachen, zumal sie in der Regel nicht über ein großes Haus oder Wohnung verfügen?
  259. Freiheit ohne Verantwortung ist  verwerflich, Verantwortung ohne Freiheit ist nicht möglich.  Das gilt für jede Handlung, auch für den Erwerb und Gebrauch von Waren.
  260. Es geht nicht um traditionelle oder moderne Formen, sondern um nachhaltige Formen, die mit Leben erfüllt sind.
  261. Die Wirtschaft hat allein die Aufgabe, den Stoffwechsel der  Menschen mit der Natur zu gewährleisten. Sie darf kein Selbstzweck sein oder anderen Zielen dienen. In diesem Prozess ist die Natur gleichwertiger Partner mit eigenen Rechten.
  262. Professionelle Fußballspieler sind heute eine Ware, mit der Profit gemacht werden kann. Aus der Perspektive der Betroffenen ist das aber keine Erniedrigung und Qual - im Gegenteil, denn sie  bekommen Bedeutung, Wert, Aufmerksamkeit, Zuwendung, Sympathien. Aber nur, wenn er sich wie die Ware "Fußballspieler" verhalten.  Diese Reduktion müssen sie internalisieren. Hier liegt ein echtes Problem vor.
  263. Die riesige Produktionssteigerung auf globaler Ebene ist dadurch möglich geworden, dass tendenziell jeder Mensch zu einem homo oeconomicus geworden bzw. gemacht worden ist. Macht man diesen Prozess rückgängig oder modifiziert ihn in Richtung weniger Belastung der Menschen, dann reduziert sich gleichzeitig die Produktivität der Wirtschaft.  Darüber mache man sich keine Illusionen.
  264. Intensität und Umfang des Konsumverhaltens bestimmt wesentliche den Menschen. Das kann bis zur Idenität von Konsum und Mensch reichen.
  265. Zur Kritikfähigkeit gehört, was oft ausgeblendet wird, auch individuelle und kollektive Selbstkritik.
  266. Gegenwärtig (Jan. 2010) haben wir keine Schneekatastrophe, sondern eine Verkehrschaos. Das sind zwei verschiedene Dinge.
  267. Es kommt nicht auf traditionelle oder moderne Formen, sondern auf nachhaltige Formen an, die mit Leben erfüllt sind.
  268. Ein Mensch oder eine Gruppe können andere Menschen oder Natur ausbeuten. Natur hier gemeint als die durch die Evolution auf uns konkret zugekommene Natur, nicht die abstrakte Natur als reine Materie oder als geistiges Prinzip. Heute steht primär die Ausbeutung der Natur im Zentrum der Aktivitäten. Zumindest nahezu alle Mitglieder von entwickelten Industrieländern sind so gesehen Herren und Ausbeuter.  Mit Beginn des Sesshaftwerden  beginnt die Ausbeutung und damit die Umgestaltung der Welt, aber sie nimmt jetzt ein Ausmaß an, dass mit Sicherheit die Natur im obigen Sinne zerstört. Ob es eine Zukunft ohne diese Natur gibt, ist zumindest aus Gründen des Entropiesatzes unwahrscheinlich. 
  269. Der heutige Trend in Praxis und Theorie, die gegenwärtigen Probleme durch Wirtschaftswachstum meinen lösen zu können, verschiebt den Zeitpunkt der Lösung dieser Problem in die Zukunft. Aber je weiter dieser Zeitpunkt in die Zukunft verschoben wird, desto größer, härter und schwieriger werden die unvermeidlichen negativen Folgen.  Diese Strategie erinnert mich an die Mär der Wunderwaffen in Deutschland am Ende des Krieges. 
  270. Ich meine, dass das höchste Hochhaus der Welt in Dubai genau das falsche Signal  für die Gegenwart ist: Es gehört zur Logik des Noch-Mehr, Noch-Größer, Noch-Schneller. Es ist aus ökologischer, aus ästhetischer und aus der Leibperspektive ein Desaster.
  271. Ich meine, wir müssen zumindest unsere individuellen Lebensverhältnisse vereinfachen - das geht.
  272. Bewegt sich doch etwas? "Trotz des Scheiterns in Kopenhagen ist Amerikas Wandlung von kalorienverschlingenden Ernergieverschwender zur umweltbewussten Biokostnation in vollem Gange. Ein gutes Omen für 2010? (Johanna Warda in der FAZ v. 31. 12. 09).  Dazu zwei Erlebnisse: Das erste Mal seit einem Jahrzehnt treffe ich zwei Nachbarn zu Fuß, die ich bisher außerhalb ihrer Häuser nur im Auto kenne. Zuum Rummelpottlaufen geben wir den Kindern statt Schokolade  Apfelsinen - und sie sind offensichtlich ehrlich  begeistert.
  273. "The map is not the territory" - auch nicht das Bild.
  274. Bei Bildern und Filmen gibt es keinen autonomen Blick, sondern nur den der Produzenten. 
  275. Wenn ein Rad sich sehr schnell dreht, scheint es in der Wahrnehmung rückwärts zu laufen. Vielleicht ist das gar keine Täuschung, sondern: zu große Schnelligkeit ist eine Rückwärtsbewegung.
  276. Wenn ein (junger) Mensch sagt, er wolle im Leben so viel Spaß wie möglich haben, verfehlt er es. Gleiches gilt, wenn der Erwerb von Konsumwaren zum einzigen Lebensinhalt und -ziel wird. 
  277. Zynische Bemerkung, die Kritiktabu implizit fordert und fördert: Eigentlicher Verfall besteht immer dann, wenn behauptet wird, es gäbe Verfall.
  278. Spekulative These: Bildung ist ein überindividuelles Projekt.
  279. "Fahren" in heutiger Semantik bedingt  Erfahrungsverlust, "fahren" in vorindustrieller Zeit hatte  Erfahrungsgewinn zur Folge.
  280. Ein alternatives Modell: Es hat geschneit. In Nähe der Siedlung gibt einen kleinen, künstlich aufgeworfenen Hügel. Auf ihm sind ca. dreißig Kinder und halb so viele Eltern. Die Infrastruktur ist nach heutigen Ansprüchen grottenschlecht - und trotzdem haben alle Anwesenden hier  Freude und Spaß. Die Situation besteht nur aus Menschen, Natur und je einen Schlitten. So geht es auch und das gar nicht schlecht!
  281. "Manche Ding müssen einfach bleiben, wie sie sind" (aus einer Bildunterschrift).
  282. Die  technische Entwicklung ist die Hauptursache aller Veränderungen.
  283. Von den vier Kardinaltugenden Gerechtigkeit, Klugheit, Tapferkeit  (= eine Aufgabe durchführen) und Mäßigung hat  Letztere es zumindest heute am schwersten.
  284. Es gibt zwei Gründe, sich für die Freiheit einzusetzen: a) für die Rechte des Menschen, die willkürlich bzw. grundlos eingeschränkt oder gar beseitigt werden oder, b) für die grundsätzliche Freiheit der wirtschaftlichen Produktion und Konsumption und ihrer Produkte, auch wenn sie für Mensch und Erde schädlich sind.  
  285. Peter Sloterdijk/ökologischer Calvinismus: „Verminderung statt Vermehrung, Zurückhaltung statt Explosion, Sparsamkeit statt Verschwendung, Selbstbeschränkung statt Selbstfreisetzung – das soll die Umkehrung der bisherigen Zivilisationsrichtung“ sein. Alle diese Postulate nach einer globalen Ethik der Mäßigung, einem klimatischen Sozialismus gar, seien aber illusorisch: „Sie haben nicht nur die ganze Schubkraft der expressionistischen Zivilisation gegen sich, sie widersprechen auch den Einsichten in die Triebkräfte einer höheren Kulturen. Hoffnung, meint Sloterdijk, Spinozas Etenim, quod corpus possit, nemo hucusque determinavit vor Augen, könne allenfalls von der technischen Entwicklung kommen, die ihr letztes Wort noch nicht gesprochen habe – vom Heer der Kreativen  (FAZ vom 14. 12. 09. Dagegen wende ich ein:  a) Hoffnung durch Technik ist ein ungedeckter Scheck, zumal die energetischen und materiellen Ressourcen auch dann nicht ausreichen, wenn die zukünftige Technik signifikant effizienter arbeitet b) die zitierten ökologischen Forderungen verhindern  nicht nur nicht, sondern ermöglichen erst konkrete Sinnlichkeit, Erotik, Sexualität, Nähe zu sich und zu anderen (FAZ vom 14. 12. 09).  Fazit: Sloterdijk profiliert sich (zunehmend) als Apologet und Verteidiger bestehender Verhältnisse, Prozesse und Tendenzen. 
  286. Bedenkt man, was ein Mensch alles kann und erst recht, was er alles könnte, dann muss man nach  technischen Gesichtspunkten den Menschen als die mit Abstand größte technische "Erfindung" betrachten. Es besteht also absolut kein Grund für ihn, immer mehr seiner Fähigkkeiten an externe Techniken abzugeben.
  287. "Die Philosophen haben bis jetzt versucht, die Welt zu verändern, sie sollen anfangen, sie zu interpretieren - genau das Gegenteil als Marx" (D. Vattimo). 
  288. Der Mensch sehnt sich nach anderen Menschen, deswegen versammeln sie sich auch immer. Je mehr technische Systeme zwischen geschaltet sind, um in diese Versammelungen zu kommen, desto geringer wird die Chance, auf Menschen zu treffen, Augen-blicke auszutauschen und miteinander zu sprechen. 
  289. Produzieren und Konsumieren sind nichts anderes als Stoffwechsel des Menschen mit der Natur, d. h.  aus Natur werden Waren i. w. Sinne.  Wirtschaftswachstum beschleunigt diesen Prozess. Schon bei einer Wachstumsrate von drei Prozent beträgt die Verdoppelungszeit nur 24 Jahre. Dass das die Erde nicht leisten kann, müsste inzwischen jedem klar geworden sein.
  290. Der Vorteil von Städten aller Größenordnungen und Siedlungen bestand darin, dass sie relativ geschlossene Systeme bildeten, so dass alle Bedürfnisse  ihrer Bürger in ihnen befriedigt werden konnten.
  291. Bei vielen Bürgern hat sich der Konsum als reines Haben (Erich Fromm)  verselbständig. Es geht um das Haben der Waren  und nicht um das Sein, d. h. mit den gekauften Waren  produktiv umzugehen. Das Erwerben, die Verwaltung und Entsorgung der Waren absorbiert so viel Kraft und Zeit, so dass ihr Gebrauchswert oft gar nicht mehr ernsthaft in Anspruch genommen wird.  Hinzu kommt, dass keine Zeit für Kontemplation und Reflexion besteht, diese Prozess kritisch zu begleiten. 
  292. Heute ist Sonnabend vor dem dritten Advent. Seit langem ist die  Innenstadt voller Menschen, auch sieht man Bewohner, die sonst nur in den Einkaufszentren an der Peripherie der Stadt einkaufen. Ob letztere sich wohl von der Schönheit, Vielfalt, Geschichtlichkeit, von der Urbanität der Innenstadt anrühren lassen?
  293. Ein Leben  für den Konsum kann zu Verstopfungen derart führen, dass der Input von Konsum auf Dauer größer ist als der Output von Konsum in Form von Müll und Wegwerfen, weil nicht mehr zeitgemäß. Es nähert sich dann zwangsläufig der Zeitpunkt, wo das Haus bzw. die Wohnung  die gekauften Waren einfach nicht mehr aufnehmen kann. Aber dafür gibt es jetzt eine Lösung. Ausgediente Container oder LKW-Aufsätze können heutzutage sehr günstig ersteigert werden, ebenso werden überall im Stadtgebiet oder in umgebenden Landgemeinden günstige  Abstellplätze für diese Behälter angeboten. Danach kann man dort  die nicht direkt gebrauchten Waren lagern und sie ggf. wieder rausholen. Falls das  nicht reicht, kann man problemlos einen  zweiten oder dritten  Container dazu stellen. 
  294. Den Imperativen der Werbung zu folgen kann gut sein, muss es aber nicht und ist es häufig auch nicht.
  295. Ich habe  den Eindruck, dass  gegenwärtiges Reisen häufig und zuallererst eine Zerstreuung oder gar eine Flucht ist und wenig  mit Bildung, Kennenlernen oder Helfen zu tun hat. 
  296. Wenn etwas fundamental schlecht ist, bleibt es schlecht, auch wenn es ästhetisch hoch aufgemotzt ist.
  297. Das Modell ist nicht die Wirklichkeit. Das Fernsehen ist ein Modell - und meistens ein arg reduziertes.
  298. "A third of young people don´t know their neighbours´names" (BBC news).
  299. Vor etwa vierzig Jahren hat die überwiegende Mehrheit der Bürger ihre geistige Autonomie an das Fernsehen abgegeben und vor etwa zwanzig Jahren  ihre körperliche Autonomie  an das Auto - und sie bemerken es nicht. 
  300. Der Grund, dass die notwendigen Grenzen der Klimabelastung nicht verbindlich festgelegt werden, liegt meiner Ansicht nach darin begründet, dass es keine rationale Diskussion und  Festlegung der Hierarchie der dominierenden materiellen (!) Werte innerhalb der Weltgesellschaft gibt. Ideelle Werte wie Humanität, Freiheit, Gleichheit, Religion sind hier nicht gemeint, das ist das andere wichtige  Thema. Folgende materielle Hierarchie ist notwendig (im Sinne von "die Not wendend"): Die   Erhaltung des Klimas und der ökologischen Lebensgrundlagen ist höchster und absoluter Wert. Materielles Wirtschaftswachstum hat sich diesem Ziel unterzuordnen, ebenfalls die Armutskriterien, die sch an dem gegenwärtigen Lebensstandard orientieren.  Für diese "Armut" muss ein anderer Begriff einspringen.  Ein echter Wertekonflikt ist erst dann vorhanden, wenn es um das existenzielle Überleben geht. Beispielsweise ein Auto oder einen Fernsehapparat nicht zu haben, betrifft nicht das Überleben. ist keine Armut im eigentlichen Sinn.
  301. Eine Vermutung: Je höher der Grad individuellen Motorisierung, desto geringer der Vergesellschaftgrad.  In Dörfern. , in kleinen und Mittelstädten und in modernen Vorstadtsiedlungen ist deshalb Öffentlichkeit  nahezu nicht mehr vorhanden. Die größte Chance, sie zu finden, besteht in den traditionellen Stadtvierteln von Großstädten. Ich verstehe hier unter Öffentlichkeit nicht eine medial vermittelte, sondern eine, die durch direkte, lebendige Kommunikation und Interaktionen zwischen Menschen entsteht und sich erhält, wissend, dass auch hier mediale Momente (z. B. Internet) eine Rolle, aber eben nicht die entscheidende spielen.
  302. Die gegenwärtige Verwendung des Worte "life" ist eine Zumutung: Eine Konserve ist eine Konserve, egal ob sie jetzt gerade oder bereits vorher produziert wurde. 
  303. "Der menschliche Egoismus macht uns unfähig zu begreifen, daß Ereignisse, die uns persönlich schadeten, doch um des Wohls des Ganzen gut sein könnten" (Giovanni Battista Vico (1668- 1744).  Das ist ein zentrales Problem nachhaltiger Politik, zumal der "persönliche Schaden" oft ein vermeintlicher ist. 
  304. Eine Vermutung: Indianer im Amazonasgebiet sehen im Fernsehen, wie Europäer vor ihren Fernsehapparaten sitzen und schauen, wie Indianer im Amazonasgebiet scheinbar, d. h.  inszeniert, frei von westlicher Zivilisation leben. 
  305. Ein Beleg für die Preisversessenheit in unserer Gesellschaft: Ein Nachbar hackt mit großer Kunstfertigkeit für seinen Eigenbedarf Holz. Ich bin begeistert und lobe ihn. Auch er ist offensichtlich stolz, nimmt das Lob aber nicht an, sondern entschuldigt sich ständig, dass sich diese Tätigkeit finanziell eigentlich nicht lohne.
  306. Mit der Entwicklung von Konservierungsstoffe und -methoden entfällt zunehmend die Notwendigkeit,  frische Nahrungsmittel zu verzehren. 
  307. Wann fangen die Bürger endlich an, in ihrem Alltagsleben "Experimente" in Richtung Nachhaltigkeit  durchzuführen, d. h. Änderungen in ihrem Lebensstil vorzunehmen? Das könnte mit kleinen Dingen anfangen: Nicht alle Zimmer zu heizen, PC nach Gebrauch sofort auf Sparmodus schalten, das Auto im Urlaub nicht mitzunehmen,  Entfernungen unter drei Kilometer prinzipiell zu Fuß oder mit dem Rad durchführen....
  308. Ein Kollege: "Ich habe einen Lebensstil entwickelt, der mich vom Wetter vollkommen unabhängig macht: Von unsere Wohnung komme ich direkt in die Garage und  fahre von dort entweder in die Tiefgarage meiner Arbeitsstätte oder auf den Parkplatz mit überdachten Gängen in das Einkaufszentrum oder in die neu eröffnete Badelandschaft. Wenn ich wirklich mal Sehnsucht  nach schönem Wetter habe,  dann fliege ich in die Sonne. Kurz: das Klima kann sich wandeln, wohin es will, mich juckt das nicht."  
  309. Schöne Entwicklung: Offensichtlich kommen jetzt viele gute Leute nach Deutschland.
  310. Familie M. feiert offensichtlich  ganzjährlich Geburtstag bzw. Weihnachten, denn jeden Tag bekommen sie mindestens drei Geschenkpakete via Paketdienste.
  311. Wenn Kultur das poietische Medium der Erhaltung, Gestaltung und Steigerung des  Lebens ist (Birgit Recki),  also auch Ansprüche enthält, dann ist es falsch, auf der  jeweiligen kollektiven oder individuellen kulturellen Ist-Analyse stehen zu bleiben, d. h. grundsätzlich . auf  Kulturkritik zu verzichten.
  312. Rationale Einsicht und deren emotionalen Anteile bilden eine Einheit und wollen gleichzeitig ausgedrückt werden. Wenn diese Dimensionen zeitlich auseinander treten, trennt sich die Emotionalität vom Gegenstand und wird durch Kitsch ersetzt.  
  313. An der Überfischung der Weltmeere sieht man vielleicht am deutlichsten, was die Unterlassung von nachhaltigem Wirtschaften für Folgen haben kann.
  314. Soweit ich es beurteilen kann, ist die Produktion einer Fernsehsendung bezüglich des Aufwandes von Intelligenz, Kreativität, Interaktion, Kommunikation, Anstrengung bis zu Konflikten das genaue Gegenteil vom Fernsehkonsum.
  315. "Für Lebensstil, Verkehr und Produktionsmethoden darf es kein ´Business as usual` mehr geben" (Albert II von Monaco anlässlich der Verleihung des Sonderpreises des Bundes der deutschen Arbeitgemeinschaft für Umweltbewußtes Management ). Das ist deswegen so schwer zu verwirklichen, weil diese gesellschaftlichen Segmente a) bestehende Praxis sind und b) im Bewusstsein nahezu aller Gesellschaftsmitglieder das schlechthin anstrebenswertes Ideal bilden. 
  316. Frage: "Lieber Nachbar, warum hast Du so große Augen?" Antwort: " Weil die Bildschirme unserer  Fernseher im Hause so groß sind."
  317. "Nischen-Grüne" nenne ich diejenigen  grünen Politiker, die ökologische Politik auf das beschränken, was politisch möglich und gesellschaftlich zumutbar ist,  ohne deutlich zu machen, dass das viel zu wenig ist, was objektiv notwendig wäre. 
  318. Ein Kennzeichen moderner Lebenswelt ist die Abwesenheit von natürlichen Gerüchen
  319. Nur noch beim Essen spielt Natur als Naturbelassenheit noch eine wesentliche Rolle.
  320. Der große Vorteil und der Zuwachs an Lebensqualität, kein Auto und keinen Fernseher  zu haben,  ist bereits im eigenen Lebensablauf deutlich bemerkbar,  wird aber erst voll wirksam, wenn beide, Auto und Fernseher, in der Gesellschaft drastisch zurückgedrängt worden sind.  
  321. Wer einerseits Wirtschaftswachstum fordert, andererseits sich für die Reduktion von schädliche Klimagasen einsetzt, ist widersprüchlich. In einem Bild: die eine  Hand baut auf, während die andere gleichzeitig das Aufgebaute zerstört. 
  322. Wenn Hegels Bestimmung der Vernunft als die Einsicht in die Notwendigkeit stimmt, und ich denke, dass er Recht hat, dann scheinen mir die Bürger heute ziemlich unvernünftig zu sein.
  323. Welchen Umfang müssen die zerstörerischen  Folgen des Klimawandels erst annehmen, bis die Leute bereit sind, ihre energieaufwendigen Aktivitäten einzuschränken oder gar aufzugeben? Damit meine ich Verhaltensweisen, die nicht unmittelbar der Selbsterhaltung dienen.
  324. Zwei Prozesse, die die industrielle Konsumgesellschaft stärken. Erster  Prozess: Je schneller ein Auto fährt, desto mehr verringern sich die inhaltlichen Wahrnehmungen. Erst verschwinden die kleinen Dingen, dann die größeren  bis am Ende  die Wahrnehmungen von der Umwelt leer werden. Das sind  Prozesse, die sich allein im Bewusstsein abspielen.  Aber dieses tendenziell entleerte Bewusstsein von realen Dingen verändert die Wahrnehmung,  das Denken und  Fühlen selbst, denn es führt zu einem Handeln, das nun im Namen der Logik der Ökonomie, der Verabsolutierung menschlichem Nutzens, der Ästhetik der Geometrie  real die Welt entleert und sie teilweise durch Waren ersetzt.  Zweiter Prozess: Wahrnehmungen in Form von Bildern vollziehen sich im Gegensatz zu Wahrnehmungen der äußeren Umwelt, die je nach Objekt mehr oder weniger große eigene Bewegungen verlangen, ohne jegliche  körperliche und mit wenig geistige Anstrengungen.  Da der Mensch aber nicht auf Wahrnehmungen verzichten will und wohl auch nicht kann, weicht er letztlich aus Gründen der  Bequemlichkeit immer mehr auf Wahrnehmungen von Bildern aus, zumal ihn diese vorgaukeln, in der Welt zu sein und an ihr teilzunehmen. Beide Prozesse, die Entleerung der Welt und die Hinwendung zu Bildern ergänzen und stärken sich gegenseitig in "idealer" Weise, so dass die damit zusammenhängenden  Verluste nicht einmal bemerkt, ja widerstandslos akzeptiert und unterstützt werden. 
  325. Die meisten  Geschäfte und Dienstleistungsbetriebe sind heute über den ganzen Stadtbereich,  insbesondere an den Stadtrand  verteilt. Die Wege sind dadurch bedeutend länger. Notwendige Bedingung für diese Entwicklung ist, dass jeder Käufer im Besitz eines Autos ist. Aber auch der Zeitaufwand für den Konsumerwerb vergrößert sich beträchtlich. Ich vermute, dass durch konsequentes Einkaufen im Nahbereich (so noch möglich) und in der Innenstadt der Zeitaufwand auf ein Drittel gekürzt werden kann.  Verzichtet man zusätzlich auf das Auto, was problemlos möglich ist, spart man noch viel Geld.
  326. Reisen, die ausschließlich in und mit technischen Systemen stattfinden, sind trivial. Beispiele: Mit dem Kleinflugzeug über den Urwald, mit Liften und Bahnen auf den Alpengipfel, sogenanntes "Auto-Wandern", Stadtrundfahrten mit entsprechenden Bussen. 
  327. Sind das noch traditionelle Jagedmethoden? Ein Angehöriger der Inuit in Canada geriet auf der Jagd in Lebensgefahr, weil sein Snowmobil eine Panne hatte.
  328. Hilfreich: "Es sei nicht mehr die Zeit für komplexe Orgelmusik. Aber die Zeit werde einmal wiederkommen" (der Organist Matthias Eisenberg).
  329. "Ich bin nur ein Banker, der Gottes Werk verrichtet" (LLoyd C. Blankfein, Goldman Sachs). Das mag stimmen, aber das kann jeder Beruf von sich behaupten. Mit Sicherheit kann Blankfein aber nicht mit Gott argumentieren, wenn er seine riesigen Einkommen begründet. 
  330. Das Naturgefühl ist die Erinnerung an den Ursprung. Wer es nicht mehr hat, verlor ein Wesensmerkmal.
  331. Die Strategie über Steuersenkungen und Mehrverschuldung die gegenwärtige Wirtschaftskrise über Wirtschaftswachstum zu bewältigen, ist aus mehreren Gründen problematisch: a) dieses Wirtschaftswachstum ist ein zukünftiges, ob es eintritt,  kann man nicht  mit Sicherheit erwarten, wenn das nicht der Fall sein wird, werden die bestehenden  Problem wesentlich größer werden, b) Wirtschaftswachstum, das immer auch eine große materielle Dimension umfasst, ist ökologisch nicht vertretbar. 
  332. Ich wundere mich zutiefst, wie personale verabsolutierte Auto-TV-Konsum-Systeme überleben können.
  333. Der Geist muss sich so entwickeln, dass er komplexe Situationen analysieren und verstehen kann. Das ist Bildung. Bildung entsteht nicht, wenn das symbolisch Dargebotene ständig vereinfacht wird.   
  334. Waren kauft man. Die meisten von ihnen sind Mittel, werden aber fälschlicher Weise meistens als Ziele missverstanden.
  335. Warenbewusstsein ist in dem Sinne fundamental anti-philosophisch, weil es Wirklichkeit allein an der Oberfläche findet. Wer nur an der Oberfläche denkt und fühlt, kann keine vertikalen Warum-Fragen stellen. Sein Fühlen und Denken immunisiert sich gegen Kritik und Alternativen. 
  336. Ich vermute, dass es auf Dauer Sinn macht, auf Qualität zu setzen.  Sender von klassischer Musik, gebildete Menschen,  gut sortierte Buchhandlungen haben es nicht nötig, sich wegzuducken, und sie dürfen nicht an sich selbst zweifeln, denn sie sind schlicht die besseren.  
  337. Inzwischen glaube ich, dass es gar nicht so abwegig ist zu meinen, mehr zu erfahren, wenn man nach Kaufbeuren statt nach Hongkong  fährt.
  338. Selbst das abstrakteste oder reduktionistischste  Leben ist immer real, aber es gibt Unterschiede: Als eine  Realität ohne Realität (Emmanuel Levinas) kann man die dominierende mediale  Welterfahrung bezeichnen. 
  339. Die Hauptfrage und -aufgabe: Wie können wir individuell und kollektiv unser Verhalten in Richtung Nachhaltigkeit verändern? Die Antwort, denke ich, sollte konkret-experimentell gefunden werden.
  340. BBC zeigt momenten einen Werbefilm, in dem Südkorea für industrielle Wirtschaftszonen wirbt, in die es sich lohnt, zu investieren. Eliminiert man den Kommentar, könnte man meinen, einen Naturfilm zu sehen. 
  341. ".... wie kann dann die Flucht einer Reise etwas anderes sein als eine Begegnung mit den allerunglücklichsten Formen unseres eigenen historischen Daseins? Was uns die Reisen zuallerst zeigen, ist daher der Schmutz, mit dem wir das Antlitz der Menschheit besudelt haben" (Claude Lévi-Strauss in Traurige Tropen, bereits 1955 erschienen!)).
  342. "Wer fernsieht, schießt nicht". Das stimmt, aber gibt es nicht ein Drittes?
  343. Gut, dass es Internet gibt, ansonsten würden jetzt Millionen von Autos durch die gesamte Republik gen Fürth düsen, um an die Schnäppchen von Quelle zu kommen.
  344. Bei immer mehr Menschen, nicht zuletzt bei Akademikern, werden Erfolge bei der Schnäppchenjagd zur derjenigen  Lebensaufgabe, die noch allein als sinnvoll betrachtet wird.
  345. Der Wort "Life-Sendung" hat nichts mit Leben, aber viel mit Technik zu tun. Nur  wenn man selbst an einer Sendung teilnimmt, ist man - wenn man denn unbedingt dieses Wort anwenden will - life da bei.
  346. These:  Die gegenwärtige Verabsolutierung der Warenwelt ist die degenerierte Gestalt des wissenschaftlichen Positivismus.
  347. Zweifelsfrei ist in der Tourismusbranche (aber nicht nur dort) ein Foto von einer Landschaft oder von einem Gebäude ökonomisch wirkungsvoller als der dargestellte Gegenstand.  Das Bild ist zunehmend das Fundament für Entscheidungen.
  348. Es ist heute eben keine private Entscheidung mehr, ob man Umweltschutz betreibt oder nicht.
  349. Alles kommt darauf an,  kollektiv und individuell sehr genau zu überlegen und zu entscheiden: Ist der Einsatz von motorenbetriebener Technik in diesem Fall notwendig und sinnvoll oder eben nicht? Die Müllwerker müssen ihren Lastwagen haben, der zum nahen Bäcker fahrende Nachbarsein Auto dafür eben nicht.
  350. "Wir flogen mit Ryan-Air nach Dublin und mieteten dort ein Auto", berichtete mir mit größter Selbstverständlichkeit ein ungemein sympathischer und gebildeter Mann von seinem letzten Urlaub. Diese Haltung ist inzwischen fast universell geworden und verstärkt entsprechend die Erdzerstörung - von den befahrenen Landschaften ganz abgesehen.  
  351. Ich vermute, dass die dominierenden Topoi in Alltagsgesprächen folgende sind: Wo kann ich A  am billigsten en erwerben? Wie komme ich am schnellsten nach B? Wie lang ist das Frühstücksbuffet in C? Wie fanden Sie gestern die Fernsehsendung D?
  352. Unsere geplanten Urlaubstouren laufen fast immer wie folgt ab: Wir wollen mehrere Gebiete besuchen, die zwar nicht zusammen liegen, aber mit öffentlichen Verkehrsmitteln relativ schnell erreichbar sind. Mindestens beim "zweiten Gebiet" entdecken wir so viel Interessantes, dass wir hier "stecken"  bleiben.  
  353. Eine junge Frau steht auf dem Marktplatz und ist minutenlang in ein multifunktionales Handy vertieft, das auch das Straßennetz dieser Stadt zeigt. Sie  schaut nicht auf. Offensichtlich genügen ihr die Zeichen, zu denen ja auch die kleinen Bildchen gehören. Sie ist unabhängig von der realen Welt einschließlich der vorbeigehenden Menschen, die sie ja nicht mehr befragen muss. 
  354. Motorisierung statt Sensibilisierung (Philipp Blom).
  355. iIn den Wassermassen des Ozeans oder  in der klaren Luft  kann man keinen Ort ausmachen. Warum nicht? Es gibt dort keine sinnlich wahrnehmbaren Unterschiede, sondern man sieht nureinheitliches Wasser oder fühlt nur einheitliche Luft. Zunehmend einheitlich wird die Welt, seien es Städte oder Landschaften, so dass auch sie zu Un-Orten werden.
  356. Das Waren-haben-Wollen  ist der Kern gegenwärtiger Ich-Identität, so dass nur das von Wert ist, was Warenform hat. Das erklärt auch, warum Eigenbewegung in unmittelbarer Umgebung nicht in Anspruch genommen wird. Das erklärt auch, warum Kinder in Spielsachen und Events förmlich ersticken, aber nicht mehr schlicht draußen spielen. Auch sportliche Betätigung hat  - in der Regel  unbemerkt -  diesen Warencharakter. 
  357. Zehn Kilogramm Mirabellen am öffentlichen Wegrand zu pflücken und zu einzigartiger Marmelade zu verarbeiten, enthält wesentlich mehr individuelle Emanzipation als ein seltenes oder besonders teures Auto zu fahren. 
  358. Direkt kommunizieren wir tendenziell  nur noch mit Autos, Fernsehapparaten, Maschinen, Waren, bestenfalls indirekt mit Menschen, Pflanzen, Tieren, Landschaften, Städten, Dingen. 
  359. Man muss die Wahrnehmung von originaler Wirklichkeit einerseits vor dem platonischen Idealismus retten, andererseits gegen die Bilderwelt verteidigen, die behauptet, sie sei gleichwertig und damit austauschbar mit der Realität. Das Bild ist nicht die Wirklichkeit - auf diese Differenz kommt heute alles drauf an. Das Bild ist ein Zeichen, ein Zeichen steht für etwas anderes.
  360. Der Mensch hat schon manchen lebensverneinenden Pfad eingeschlagen, aber der materielle Wachstumspfad ist wahrscheinlich der verhängnisvollste. In diesem Stadium ist der Begriff "Erdzerstörung" treffender als der Begriff  der "Umweltzerstörung".  Inzwischen ist letzterer fast verniedlichend. 
  361. Wer in Nachhaltigkeit lebt, lebt angemessen und erreicht tiefere  Sicherheit bezüglich des Sinns seiner Existenz. .
  362. Unser materieller Wohlstand beruht auf der Plünderung der Erde: Wir befinden uns in einem bisher einseitigen Kriegszustand mit der Erde – und verdrängen das vollkommen.
  363. Zu folgender Aufgabe gibt es keine Alternative:  Wir müssen uns sofort an die  zugegebenermaßen schwierige und auch gefährliche Aufgabe machen, zwischen notwendigem und nicht notwendigem Konsum zu unterscheiden. So ist das sinnlose Hin- und Herfahren mit dem Motorrad eindeutig nicht notwendig. Ob ich Apfelsinen essen muss, ist schon nicht so eindeutig. Lass uns deshalb mit den eindeutig nicht notwendigen Bedürfnissen beginnen. Waren müssen kritisierbar gemacht werden. 
  364. Der Ausdruck „konsumistische Indifferenz“ heißt so, weil gegenüber den Waren keine normativen Aussagen gemacht werden dürfen, das widerspricht der political correctness. 
  365. Sinn und Bedeutung entstehen erst in  der Kommunikation und im Diskurs durch bessere Argumente. Da aber über den Sinn der einzelnen Waren nicht diskutiert werden darf (politisch inkorrekt), gibt es in diesem Bereich auch keinen Sinn, zumindest keinen kollektiven Sinn, der rational begründet wird. Der jeweilige Sinn einer Ware ist kein Gegenstand der politischen  Kommunikation, die immer auch eine kontroverse ist. Die Produktion und der Konsum von Waren sind prinzipiell unkritisierbar, wenn sie nicht bestehendes Recht tangieren.
  366. Der hohe Energieverbrauch ist die Hauptursache für die Zerstörung der Erde. Übrigens auch Begründung für die erneute Hinwendung zur Atomenergie. Und all das ohne innere und äußere Notwendigkeit. Diese höchste Irrationalität ist zum Heulen. 
  367. Wenn heute etwas schlecht ist, werden nicht die bestehenden Defizite behoben,  sondern die Homepage wird verbessert, die dieses Etwas repräsentiert.Wann entdecken die Menschen endlich, dass ein Leben in Scheinwelten auf Dauer nicht durchzuhalten ist? 
  368. These: Ökologie = nachhaltige Ökonomie.
  369. Folgendes muss klar sein: Es geht mir nicht um eine prinzipielle Ablehnung der "Graubereiche"  Auto, Fernsehen und Konsumrausch, sondern um ein gesundes und vernünftiges Verhältnis von ihnen zu Lebensweisen, die geistiges, seelisches und körperliches Wachstum fördern. Vereinfachend konkret ausgedrückt für den außerberuflichen Bereich: Eine halbe Stunde Fernsehen und drei Stunden Lesen von anspruchsvoller Literatur; nur im Krankheitsfalle das Auto nutzen; einmal im Monat das Einkaufszentrum auf der grünen Wiese betreten; jeden Tag sich  mindestens drei Stunden lang draußen aufhalten in Form von Gartenarbeit oder in die Stadt gehen oder einen Spaziergang machen. Übrigens sind Tätigkeiten im Graubereich keine Entspannung und gehören nicht zu Muße, denn sie verhindern den Weg ins Innere. 
  370. Die Amaryllis gehört strukturell zur Eventkultur, d. h. nur Auffälliges darf existieren.
  371. Am Wegesrand stehen Mirabellenbäume, die jetzt im Spätherbst von unzähligen  rot leuchtenden Früchten übersät sind. Auch die wenigen Fußgänger, die an ihnen vorbeigehen, erhören nicht ihre Bitte, sie zu genießen
  372. Etwas abzuwerten, allein weil es "nicht zeitgemäß" sei, zeugt zumindest von Denkfaulheit.
  373. Es gibt sinnvolle und sinnlose Grenzen. Zu Letzteren gehören die Grenzen von Nationalstaaten, denn gerade dort gibt es sinnvolle Übergänge.
  374. Wer bedingungslos über Jahre alle   Konsumimpulse erfüllt wie viel Essen,  Rauchen, Auto fahren, Alkohol trinken, vor dem Fernseher sitzen, verschlechtert  nachhaltig seine Gesundheit.
  375. "Jedes Tier, das vergeht, jede Art Lebewesen, das ausstirbt, verdünnt das Weltvokabular, bringt uns weiter zurück von der Wahrheit, die nur aus dem Zusammenklang aller Wesen sich herausarbeitet" (Wilhelm Lehmann).  Die Zurückdrängung von nichtmenschlichem Leben hat sich  seit den zwanziger Jahren, als Lehmann diese Aussage formulierte,  exponentiell beschleunigt. Die fundamentale Ursache liegt darin, dass Fortschritt allein auf menschliche Lebensbedingungen bezogen wird:  Bruttosozialprodukt, Lebenserwartung, Bildung sind  hier die wichtigen Indikatoren. Der Titel  "Human Development Index" (HDI, Menschlicher Entwicklungs-Index) zeigt das mit aller wünschenswerten Deutlichkeit. Auf dieser Basis ist die Entwicklung des Lebens bestenfalls ein Nullsummenspiel: Was der Mensch gewinnt, abgesehen von allen Differenzierung in Ländern und Schichten, geht zu Lasten nichtmenschlichen Lebens. Hinzu kommt, dass Begriffe wie "Entwicklung" und "Fortschritt" kategorial nur zum Menschen passen.   
  376. Der jeweilige Wert oder Unwert eines Systems liegt darin, wie dieses mit denjenigen Bürgern umgeht, die seine Werte nicht teilen.
  377. Welch ein ästhetischer Unterschied, wenn ein öffentliches Gebäude nur von Fußgängern und Radfahrern  im Gegensatz zu Autofahrern besucht wird. Das gilt heute auch für die meisten privaten Häuser. 
  378. Reduktion menschlicher Möglichkeiten: Ohne Moos  (=Mittel) ist nichts los.
  379. These: Bilder sind Zeichen, sie müssen gelesen, ihr Wert liegt nicht in der Sichtbarkeit, denn man sieht nur sehr wenig.  
  380. Mit viel Mühe und finanziellem Aufwand befestigt er eine Sattelitenschüssel an sein Haus, d. h. er baut an sein Gefängnis, nimmt das aber vor lauter Fernsehen nicht wahr. 
  381. Meine Frage: Wie will man den ökologischen Strukturwandel ohne  entsprechende Veränderungen des individuellen Konsumverhaltens verwirklichen? Struktur und Individualverhalten sind zwei Seiten derselben Medaille, das eine geht nicht ohne das andere. 
  382. Nicht wenige Bürger kommen wegen der vielen Konsum- und Eventanforderungen  nicht mal mehr zum Wählen.
  383. Die hohe Wertschätzung des Guinessbook ist Ausdruck der zunehmenden Dominanz der Zahl über die Qualität.
  384. Immer weniger gelangen lebendige, also nicht technisch vermittelte  Stimmen in unsere Ohren. Wo finden noch ein  spontanes Gespräch, ein Zuruf, ein Namensaufruf, ein aufmunterndes Guten Tag statt?
  385. Ich dachte schon, es sei ihnen etwas passiert, denn seit drei Tagen lief ihr Fernseher nicht mehr. Aber falscher Alarm, sie waren verreist.
  386. Ich vermute, dass die Absolvierung der üblichen Eventangebote nicht weniger Aufwand an Kraft und Zeit verschlingt als die berufliche Tätigkeit.
  387. Wir müssen unser begriffliches Inventar, mit dem wir unsere heutige Zeit analysieren und bewerten, zumindest teilweise neu bestimmen. So denke ich inzwischen, dass die Bequemlichkeit die  zentrale wirklichkeitsverändernde  Haltung der Gegenwart ist, die die wesentlichen Probleme der Gegenwart relativ plausibel erklärt. Die Bequemlichkeit hat natürlich ein Vorher und ein Danach. Das Vorher sind  Ursachen und Bedingungen wie Faulheit, Antriebsschwäche, reduzierte Ich-Stärke, aber natürlich auch Auswirkungen der Globalisation i. w. S.  Das Nachher sind die Folgen, die  einerseits die rasante Entwicklung von motorbetriebenen Maschinen, antreiben und zwar nicht so sehr im Namen der Bequemlichkeit, sondern in den "neutralen" Begriffen wie Schnelligkeit, Effektivität,  Billigkeit, Verkürzung, andererseits die  negativen Folgen auf Geist, Seele und Leib. 
  388. Der hegemoniale Diskurs der Gegenwart speist sich nicht aus einer bestimmten Ideologie, sondern er besteht aus der reduzierten  Sprache der Kaufimperative vermittelt durch Preise.
  389. Wenn ich Motorrad fahre, bin ich akustisch Krach, wenn ich im Garten liege und keine Motoren höre, bin ich akustisch Vogelgezwitscher. Diese Interpretation geht davon aus, dass die Wahrnehmung dem Subjekt, d. h. dass das Subjekt nicht vorgängig ist. Zusatz: Besonders auf dem Land hatten Bewohner oft neben ihren offiziellen Namen noch einen "Beinamen", der sich nach ihrer Haupttätigkeit richtete, die wiederum die primären Wahrnehmungsfelder bestimmte. So hieß unser lieber Nachbar nur Otto-Sütjer (Schuster) oder Benne-Kuupmaan. Einen sehr regen Mann nannte man "Drittes Programm", weil er seine Hauptargumente aus diesem Programm bezog und einer hieß "Fiete-ruch" (unordentlich), was er auch wirklich war. 
  390. "Mit immer neuen Instrumenten beklagen The Low Anthem den Verlust der Stille" (FAZ). Gibt es überhaupt noch Menschen, die ihre Klage verstehen?
  391. Heute hat sich in den meisten Fällen das zeitliche Verhältnis von Wirklichkeitsbegegnung und entsprechender Bildbegegnung umgekehrt: Erst sehe ich das  Bild von etwas, dann u. U., aber längst nicht immer, kommt es zur Originalbegegnung. Die Bildbegegnung ist die "Normalform" der Begegnung. Es ist abzusehen, dass es zur einzigen Form wird.
  392. Wenn ich Motorrad fahre, bin ich akustisch Krach, wenn ich im Garten liege und keine Motoren höre,  bin ich akustisch Vogelgezwitscher. Diese Interpretation geht davon aus, dass die  Wahrnehmung dem Subjekt vorangeht bzw. dass das Subjekt nicht vorgängig ist. 
  393. Es ist leider so: Nicht in wenigen Fällen verhindern gerade  Bürger, nicht die Verwaltung, Lebensqualität erhöhende Veränderungen in den Städten.   
  394. Kleiner Erfolg: In Restaurants wehre ich mich, mein jeweils ausgewähltes Gericht mit einer entsprechenden Nummer zu bestellen, also zu sagen:  "Ich nehme die 44".  Das wurde in der Regel als  abwegig oder skuril  interpretiert. Aber gestern Abend bekam ich von einer jüngeren Bedienung volle Unterschützung: "Genau das haben wir bei uns zu Hause diskutiert und festgestellt, dass alles zu Zahlen wird, bald auch wir selbst". Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen. 
  395.  Die   Mediatisierung der wahrgenommenen Welt hat die überall  stattfindende massenhafte Zerstörung von Heimaten auf dem ganzen Globus zur Folge. Man sucht das Schöne und  Geborgenheit anderswo. Früher war Heimat ein geschlossener Kosmos, der grundsätzlich alle Bedürfnisse befriedigte - wenn nicht Wellen des Nationalismus, Fundamentalismus usw. die jeweilige Heimat durchtobten.
  396. Eine Studie zeigt, dass gewaltbereite Jugendliche Regeln als starke und unnötige Einschränkungen einordnen und sich deshalb berechtigt fühlen, gegen diese sich aufzulehnen und gegen diese Gewalt anwenden zu dürfen, ja zu müssen. Ich denke gleiche Muster findet man auch bei vielen "normalen" Bürgern in Form von Steuerkriminalität, Geschwindigkeitsüberschreitungen, Übertretung von Natur- und Umweltschutzgesetzen. Das soll kein Plädoyer für unbedingte Gesetzestreue sein, eine solche Forderung verbietet sich allein aus den Gräueltaten während der nationalsozialistischen Zeit, die auch häufig gesetzlich abgesichert waren. Nein es geht um die kantische Einsicht, dass ein Gesetz, wenn es denn gut und begründet ist, eingehalten werden muss.   

  

Der folgende Teil ist abgeschlossen, so dass sich ab hier die jeweilige Nummerierung nicht mehr ändert.

  1. These der Ökologin und Philosophin Eileen Crist: Der Klimawandel ist gar nicht das Problem, sondern ein Symptom. Die zugrundliegende Ursache sind unsere Muster zu produzieren, konsumieren und wegzuwerfen.
  2. Der Konsum ist das eigentliche Subjekt.
  3. Die Anwendung des Worts "zeitgemäß" gilt nur im moralischen Bereich, in anderen Bereichen ist es ein Gefängnis der Gedanken.
  4.  Zivilisationskritikern wie Boje Maaßen sei ins Stammbuch geschrieben: Es ist ein Natur- und Lebensgesetz, dass Verluste immer durch Gewinne kompensiert werden. Dazu ein Beispiel: Eine Untersuchung zeigt eindeutig, dass die Fähigkeiten und Fertigkeiten von Kindern, Rad zu fahren, sich wesentlich verschlechtert haben. Das wäre der Verlust. Andererseits hat sich die Fähigkeit der Kinder, ohne Hilfe die Hintertür eines Autos zu öffnen, sich elegant auf den Hintersitzt zu setzen und in Sekundenschnelle sich selbst anzuschnallen in bewundernswerter Weise  zugenommen. Das wäre der Gewinn. Man sieht, ein Nullsummenspiel.
  5. Selbst bei den fleischgewordenen Technikfreaks ist das Bedürfnis nach Leben noch nicht ganz zum Verstummen gebracht. Das erklärt beispielsweise, dass sich das Autokino nicht durchgesetzt hat, dass man zumindest noch in den Supermärkten flaniert, dass man noch Großevents besucht.
  6. Eine ewige Gefahr, die ständig in neuem Gewande daherkommt: Die Subjektivität vollendet sich als Objektivität. Das ist immer der Fall, wenn das Ganze verabsolutiert wird. Wenn es stimmt, dass das Ganze der Gegenwart der Konsumkosmos ist, dann besteht hier die zusätzliche Gefahr, dass niemand diese Transformation bemerkt, da dieser Konsum scheinbar nur eine Sache des Subjekts ist. Das Subjekt bemerkt nicht, dass es eine Funktion der Konsumindustrie geworden ist, wo sich der Konsum verselbständig hat.
  7. These, die sich nur auf Europa bezieht: Das  Ausmaß der Aggressionen hat sich in der Geschichte bis in die Gegenwart nicht wesentlich verändert. Verändert haben sich  ihre  Anwendungsgebiete und Formen. Einerseits haben individuelle und kollektive Aggressionen gegen Menschen  erfreulich abgenommen. Das ist eine große Errungenschaft, die gar nicht hoch genug einzuschätzen ist. Andererseits haben sich die Aggressionen  vom Menschen in die Maschinen verlagert: Nicht Menschen, sondern motorisierte  Maschinen sind aggressiv. Diese „neue“ Aggression  richtet sich nicht direkt gegen Menschen, sondern primär gegen die Natur (Landschaften, Klima, Stille)  und gegen gebaute Kultur (Dörfer und Städte) - letztlich gegen die Erde.
  8. Ein Leben in der Auto-Fernseh-Konsumwelt ist eine derartig große Reduktion menschlicher Möglichkeiten, dass man dagegen argumentieren muss.
  9. Wir  denken, wir verändern uns, aber meistens ist es so, dass wir verändert werden - und wir bemerken es oft nicht, insbesondere wenn es um tiefgreifende Veränderungen geht. 
  10. Wir müssen den gegenstandsbezogenen, auf Originale gerichteten Blick quantitativ und qualitativ stärken.
  11. Sprechen und Hören sind zwei Seiten desselben Vorgangs. Zumindest die deutsche Sprache verfügt bezüglich des Sehvorgangs nicht über diese Differenzierung, denn  auch das Sehen verfügt über eine aktive Dimension der Ausrichtung und einer passiven Dimension des Empfangens. Bei Bild- und Filmbetrachtungen ist die Ausrichtung weitestgehend vom Produzenten übernommen worden.
  12. Ich denke, wir können uns die gegenwärtige Verarmung der außerhäuslichen  direkten Umgebung der Kinder gar nicht drastisch genug vorstellen und zwar objektiv und in den Bewusstseinen der Kinder, aber auch der Eltern. Der Zwang zum Shoppen, zu Events, zu Spielscheunen usw. ist offensichtlich unvermeidbar.   
  13. Wer glaubt, man müsse nur jedem Konsumimperativ  folgen, um glücklich zu werden, täuscht sich bzw. wird getäusch. Nein, man muss schon selektieren und oft sich auch verweigern. 
  14. Eine Anmerkung zu den "aufgesetzten" Veranstaltungen in den Innenstädten: Im Hafen müssen  nicht – übrigens auch nicht in der Innenstadt – inszenierte Veranstaltungen stattfinden, damit „im Hafen überhaupt etwas los“ ist, sondern das Leben im  Hafen selbst ist interessant, in ihm ist immer „etwas los“. Aber man muss dafür schon einen Blick haben, der nicht der Blick der Eventkultur, des Spektakulären, der Gigantomanie, des Einmaligen, des Außergewöhnlichen,  des Scheins ist. Nein, es gilt die Schönheit des Alltags und  des „Normalen“,  zu sehen und ggf. neu zu entdecken: der Zusammenklang der Segelschiffe, die Fassaden der Häuser, die ruhig dahin ziehenden Schwäne, die begeisterten Kinder auf dem Spielplatz, die Cafebesucher, die genussvoll  ihre Getränke schlürfen, die zwei hübschen Joggerinnen, der stolze Jagdhund, der melancholische Blick eines alten Menschen, die Spaziergänger. Kurz: Ich meine: Das ist Leben pur.  Wesentlicheres  gibt es nicht. Das ist die Haupt-Sache.
  15. Die neue Qualität der menschlichen Entwicklung besteht darin, dass das Warensystem mit seinen Werten und  Strategien zunehmend von allen Menschen internalisiert und verabsolutiert  wird. 
  16. Bilder,  Filme, Illustrierte,  Autos sind so beliebt wie Fertiggerichte. Warum? Sie verlangen keine nennenswerten Anstrengungen und verhindern damit geistiges und körperliches  Wachstum. 
  17. Es gibt nicht wenige Kinder, die ihre außerhäusliche Freizeit ausschließlich mit ihren Müttern in Einkaufszentren verbringen - einschließlich mehr oder weniger langer Autofahrten.
  18. Immer mehr Menschen verwechseln Lautstärke und Krach mit Sinn und Leben.
  19. "Die Umgebung von Lodz ist scheußlich und ausdruckslos. Sie macht den Eindruck eines frühkapitalistischen Heerlagers. Die Zahl der Werbeplakate, Reklameschilder, Anzeigen und Hinweisschilder .....All das  ist bundscheckig, geschmacklos, hastig, provisorisch hingehauen ....Hinter diesem gigantischen Marketing-Fresco ist die normale Welt kaum noch zu erkennen" (Andrezj Stasiuk in der FAZ v. 17. 8. 09).  Diese Transformation findet man konzentriert an den  Rändern  einer jeden Stadt.  Transformiert haben sich auch  die Bewusstseine der Menschen bzw. sind transformiert worden, sie sind tendenziell eine Funktion dieser Warenwelt. Dass das keine abgehobene Kulturkritik ist,  kann man nahezu an jedem  Alltagsgespräch belegen. Pointiert: Die zunehmende äußere Verhäßlichung der Welt entspricht der inneren Entleerung. 
  20. Zumindest im Alltag verliert der Weg radikal an Wert, denn er wird zu einem Hindernis, das es möglichst schnell und anstrengungslos zu überwinden gilt. Der Weg wird tendenziell im Bewusstsein, aber auch immer mehr real zu einem leeren Zwischenraum. Deswegen sind wir einen Teil eines langen Weges zu Fuß gelaufen, nämlich von den Landungsbrücken in Hamburg-Altono nach Blankenese.
  21. Natürlich schafft auch die Zugfahrt "leere Zwischenräume", aber nicht in sozialer Hinsicht. Im Zug kann man Kontakte knüpfen oder schlicht auch nur beobachten. 
  22. Solange Formel-1-Rennen gefahren werden, solange Flugschauen stattfinden, solange auf den Seen und Flüssen Motorboote preschen, solange Motorräder auf den Straßen aufheulen, solange hat die Gesellschaft  noch kein ökologisches Niveau im Denken und Handeln erreicht.
  23. Demjenigen, dem  die Welt zur Warenwelt geworden ist, muss jede Einschränkung in dieser Welt als schlechthin widersinnig erscheinen bzw. als ein Anschlag auf die Freiheit.  
  24. Faule, bequeme und veränderungsunwillige Menschen werden - wenn überhaupt -  beim Umweltschutz einseitig auf technische Lösungen setzen.
  25. "Die Neugier auf  die zu lesende Kunst hat in einem beängstigenden Maße nachgelassen. Genauer. es findet eine Verschiebung statt, Techno und Rap, Pop, Glamour Fun schieben sich vor das Ernstere. Zerstreuung, Abenteuer, Fantasy, Selbsterfahrung, Internet verbauen den Blick auf das Wesentliche, das wir eines Tages wieder benötigen, wenn viele dieser Phänomene ihre Anziehungskraft verloren haben" (der Verleger Georg Ammann).
  26. Warum interagieren immer mehr Menschen lieber mit Maschinen jeglicher Art als mit ihren Mitmenschen? Weil  der Mitmensch zumindest potentiell über Freiheit verfügt und damit unberechenbar ist.
  27. Die Apotheose der Zahl  in der Aufklärung (mathesis universalis) war sicherlich gut begründet, aber ihr gegenwärtiger  Niedergang ist nicht mehr vernünftig nachvollziehbar. Dieser Niedergang besteht in einer zweifachen Reduktion: Erste Reduktion: Das Sein besteht nur noch aus Waren. Zweite Reduktion: Die Waren werden zunehmend entqualifiziert, verlieren jeglichen Gebrauchswert und werden nur noch als Preis, der in Zahlen ausgedrückt wird, wahrgenommen.
  28. Durch habituelles Fernsehen lernt man zuallererst Bequemlichkeit: Ich brauche nur auf den Kopf zu drücken, und die Welt kommt im Scheine ohne Anstrengung zu mir.
  29. Es gibt eine konsumorientierte Linke und eine kulturkritische Linke. 
  30. Die Herrschaft durch Waren, nicht die Eigentumsfrage ist das Hauptproblem.
  31. Hoffnung: "Regional und saisonal einkaufen. Bei Verbrauchern wächst das Bewusstsein für nachhaltigen Konsum und Hersteller und Händler stellen ihre Sortiments um. Auch unnötige Verpackungen sind ein Thema" (Reflex Verlag).
  32. These: Die drastische Reduktion menschlicher Kontakte bei Internet-Käufen hat negative Auswirkungen auf die Fähigkeit überhaupt, Kontakte zu Mitmenschen zu wollen und herzustellen.
  33. Das Streben nach Bequemlichkeit und das Versprechen, wesentliche Ziele ohne Anstrengung zu erreichen (was natürlich nicht in Erfüllung geht), bestimmen seit  ca. fünfzig Jahren   das Denken, Wollen und Handeln des Menschen. Dadurch unterfordert ein  Mensch sich ständig und riskiert, reduziert, ja verliert sein Wesen.  
  34. Die Durchsetzung der Bequemlichkeit hat heute in weiten Teilen der Welt das Bemühen, den Mangel zu beseitigen, ersetzt.
  35. Wenn „Grüne Technik“ nur dazu dient, das Energieproblem besser zu lösen ohne Änderung  des Ziels, ein Leben in  Bequemlichkeit zu verwirklichen,  dann ist das zu wenig. 
  36. Nachhaltigkeit und Anstrengungsbereitschaft sind Zukunftspfade.
  37. Erbarmungslos funktionalisieren und verändern wir die Welt für unsere Zwecke.
  38. These: Zweifelsfrei sind unsere Oberflächen größer geworden, aber auf Kosten von Intensitäten, d. h. Tiefe.
  39. Offensichtlich ist der  Aufenthalt in einer unübersichtlichen Altstadt für viele Menschen bereits eine Überforderung. Deswegen präferieren sie einfach strukturierte  Einrichtungen wie Einkaufszentren.
  40. Mit den zwei kleinen Enkeln Picknick auf dem naheliegenden Spielplatz mit großem Naturanteil = Lebensqualität ohne zusätzliche Kosten.
  41. Wie  körperliche und geistige Bewegungen einander stärken, so  fördern geistige Bequemlichkeit körperliche und  körperliche geistige.
  42. Wenn physikalisch gesehen die Ruhe ein Spezialfall der Bewegung mit Geschwindigkeit Null ist, dann ist unsere jetzige dominante sessile Lebensweise, d. h. die sitzende Gesellschaft, eine Spezialfall, der für immer mehr Menschen naturwüchsige Normalität ist. 
  43. Wer immer und überall das Billigste kauft, verkauft gleichzeitig Lebensqualität
  44. Moderne Nachbarschaft: Wenn wöchentlich der Rasenmäher angeworfen wird, täglich mehrmals das Auto die Garage verlässt und abends das Licht unruhig im Wohnzimmer flackert, dann weiß ich, dass die Nachbarn zu Hause sind.
  45. Motoren brauchen externe Energie, Lebewesen brauchen diese Energie auch, aber sie wandeln sie um in  metabolische Energie, um sich so selbst, autonom bewegen zu können.  Deshalb kann man die moderne Zivilisation als die gigantischen Prozess beschreiben, die Anwendung  metabolischer Energie zu minimieren und den Einsatz von externer Energie zu maximieren. Aus einer anderen Perspektive: Wir ersetzen zunehmend lebendige Bewegungen durch mechanische Abläufe, die uns wiederum fest-stellen. 
  46. Es ist sicher, dass die gegenwärtige globale Zivilisation ohne das Auto wesentlich anders aussähe. Das Auto ist das zentrale prägende Element der Moderne.
  47. Zehn Tage ohne Auto und Medien, indem man von Oberstdorf nach Garmisch wandert. Es geht. Jeder kann es.
  48. Die Tragik der Allmende gilt nicht nur für Gemeindeland, sondern auch für die individuellen "Beiträge" der  Umweltbelastungen im Sinne von: Mein kleiner Beitrag zum Ganzen ist vernachlässigenswert.
  49. Man muss sich entscheiden: Viele Dinge und Zustände oberflächlich oder wenige Dinge und Zustände intensiv erfahren. Und das ist die Entscheidung zwischen Fremdbewegung und Eigenbewegung. 
  50. Parallel zur  Zerstörung von Wirklichkeit entwickelt sich entsprechend eine ikonische und symbolische Zweite Welt.
  51.  Die Gesellschaft spaltet sich: Die Zahl der Wanderer nimmt zu, aber ebenfalls die der motorisierten Fahrer.
  52. Moderne Informationstechnologien sind nur dann sinnvoll, wenn sie nicht-triviale Informationen transportieren.
  53. Das Ende der Kaufhäuser ist der Aufstieg der Discounter. Ihr Siegeszug verändert das Gesicht unserer Innenstädte, unser Gefühle für Ware und Wert, für Arbeit und Ästhetik. Eine Reise ins Billige (FAZ, 4. 7. 09). Der Käufer geht nicht in diese Läden, um etwas Bestimmtes zu erwerben, sondern um billig einzukaufen. Das Entscheidende liegt im Billigsein, nicht im Gebrauchswert. Diese Läden zeigen dem Kunden, was er für wenig Geld alles kriegt. Der niedrige Preis,  nicht eine erwünschte Waren ist Ausgangspunkt des Kaufaktes. Der Tauschpreis hat sich endgültig vom Gebrauchswert emanzipiert. 
  54. Wenn die Reise ins Billige sich universalisiert, muss ich  nicht überrascht sein, wenn ich eines Tages nur noch auf Käufer treffe, die meine eigene  Arbeit dem Billigkeitsdiktat unterwerfen.     
  55. Die Verabsolutierung des niedrigsten Preises entmenschlicht den Käufer und  die realen Hersteller dieser Produkte. Warum? Der Käufer wird zu einer Rechenmaschine reduziert, die Preise wahrnimmt und sie miteinander vergleicht, in der ethische und sozial verantwortliche Überlegungen systemfremd sind und keinen Platz im Denken, Fühlen und Handeln haben dürfen und zunehmend nicht mehr haben (man verfolge aufmerksam die Gespräche auf einer Feier und registriere, wie oft dort von günstigen Preise erzählt wird). Die Hersteller in China oder die Verkäuferinnen und Aushilfekräfte in den Läden arbeiten für niedrige Niedriglöhne, wobei hinzukommt, dass diese (wie immer mehr Menschen)  fast zwangsläufig selbst durch ihre Arbeit die Warenwelt als Bedürfnisziel verabsolutiert haben. 
  56. Nach Karl Polanyi  muss ein Kapitalismus, der das Prinzip des Marktes allen Lebensbereichen unterwirft, notwendigerweise die gesellschaftlich gewachsene Ordnung zermalmen. Die Wirtschaft hat sich zum Schaden der modernen Menschheit von der realen Welt entfernt und zugleich mit imperialem Gestus alle Lebensbereiche dem Prinzip des Ökonomischen unterworfen. Erst wenn die Wirtschaft wieder in das Leben eingebettet werde, kann die Entfremdung der Moderne geheilt werden (FAZ, 4. 7. 09).
  57. Die Bedrohung meiner Freiheit hat heute andere Inhalte und Formen angenommen als in der Vergangenheit. Mein Freiheitsraum ist nicht durch politische Normen einschließlich finanzieller Spielräume zum Erweb von Gebrauchswerten besonders eingeengt, sondern durch die negativen Auswirkungen von Waren: der zunehmende Lärm von Autos, Motorrädern, Rasenmähern, Lautsprechern aller Art;  die Verhäßlichung der Welt durch  Autostraßen, Einkaufszentren; die Zerstörung der öffentlichen face-to-face-Kommunikation; die rasante Zunahme des Artensterbens;  die Verdüsterung der Zukunft durch Klimawandel, Überschuldungen.
  58. Die allmähliche Transformation der natürlichen, sozialen und kulturellen Welt  in Waren ist offensichtlich bei der großen Mehrheit der Bürger kein Thema kritischer Reflexion - im Gegenteil: Alle Kraft ist auf die Beschleunigung und Stabilisierung dieses Trends gerichtet.  Einwände werden nicht zur Kenntnis genommen.  Übrigens ist das Auto die entscheidende Bedingung für die Realisation dieses  Trends. 
  59. Wir ordnen ständig theoretisch und praktisch Welt, wobei die Ordnung selbst nicht von dieser  Welt und dieser Natur ist. Wir sollten vielleicht das Lassen für uns entdecken, aber dann genau gucken, wann es angebracht ist und wann nicht. 
  60. Das Zeitalter der ortsgebundenen Sesshaftigkeit ist beendet und durch eine motorisierte Sesshaftigkeit  ersetzt worden.
  61. Nach einer längeren Diskussion kommt eine Studentin zu dem Schluss "Ich bin die Summe meiner Handlungen". Da ist etwas dran:  Jedes Ich sollte sich befragen, woraus seine Handlungen bestehen. 
  62. Schöne Menschen  in Werbebroschüren lenken oft ab von der Sinnleere der angepriesenen Waren.
  63. Freie Zeit verkommt zur Ablenkung und Zerstreuung.
  64. Wer Gleichheit will, ohne die Frage nach den Inhalten zu stellen, ist nicht fortschrittlich im guten Sinne.
  65. Verbesserung des eigenen Lebens oder der Gesellschaft ist heute nur noch in den Kategorien des grenzenlosen Mehr von Konsum denkbar.
  66. Wie man das Verhalten von Hunden problemlos mit Hilfe von Leckerlis steuern kann, so kann man problemlos das Konsumverhalten der  Menschen über Events und Billigangebote bestimmen. Allerdings wirkt diese "Menschenbestimmung" weit über das Kaufverhalten hinaus, nämlich sie verändert nachhaltig die Inhalte und Weise des Wahrnehmens, Denkens, Fühlens und  Wertes der Betroffenen.  
  67. Immer mehr Sachen verhindern Kontakte zu anderen Menschen und zur Natur, statt diese zu ermöglichen.
  68. Fähigkeiten, Können, Gesundheit,  bis Glück entstehen immer über den Umweg der Anstrengung, die übrigens immer auch ein Moment des Risikos  in sich trägt. Das ist kein Plädoyer für ständige Askese, sondern  für Genuss, der nur im Wechsel von persönlichem Gewinn und Selbstüberwindung entsteht. Alle, die das Gegenteil behaupten, auch linke Populisten, sind objektiv in der Logik der Konsumversprechungen.
  69. Ein Grund, dass so schwer Verhaltensänderungen in Richtung Ökologie sich durchsetzen, liegt in der Normalität: Man fährt bei jeder Gelegenheit selbstverständlich  Auto, man fliegt selbstverständlich in den Urlaub, man mäht selbstverständlich zumindest zweimal im Monat den Rasen, man  kauft zu Weihnachten Erdbeeren, man  ......
  70. Der Kritischen Theorie gegenüber werde ich immer dafür dankbar sein, dass sie mich zumindest teilweise gegenüber den Konsumimpulsen immunisiert hat, dass ich ihnen gegenüber ein Stück Freiheit habe, dass ich durch sie nicht feststellbar bin. 
  71. Die Autobrücke (ich wehre mich, ihren offiziellen verniedlichenden Namen zu benutzen) über die Elbe bei Dresden belegt: Die Kultur und Schönheit  haben keine sich selbst erhaltene Kraft, keinen Eigenwert mehr, sondern fristen nur noch ein Nischendasein. Sie stehen grundsätzlich immer zur Disposition für andere Zwecke. 
  72. Wenn man nur über  Begriffe eines bestimmten Systems verfügt, kann man dieses unmöglich grundsätzlich kritisieren. Wer nur über Begriffe wie billig, Schnelligkeit, Bequemlichkeit und nicht über Begriffe wie Systemimmanenz, Fremdbestimmung, Gebrauchs- und Tauschwert verfügt, kommt aus der geschlossenen Konsumwelt weder im Denken noch im Handeln raus.
  73. Jedes kleines Wort und  jeder bejahende Blick schafft für den Fremden ein Stück Heimat. 
  74. Gegen Oberflächen ist grundsätzlich nichts zu sagen, aber unter ihnen muss Substanz sein.
  75. Bilder von der Realität haben in unseren Gehirnen die jeweilige Realität ersetzt.  
  76. Menschen, die nur noch rechnen, werden zu Rechnern und verlieren gleichzeitig ihre Subjekthaftigkeit.
  77. "In dieser Woche haben Klimaforscher in Brüssel ein neues Papier vorgelegt: Die Erde könnte sich demnach stärker erwärmen als befürchtet. Die Alpen, die wir kennen, wird es bald nicht mehr geben, die Klimaerwärmung zerstört ihre Gletscher." Am selben Tag in derselben Zeitung (FAZ) ein älterer Mann mit einem Sportwagen in einer achtseitigen Reklame eines Autoherstellers. Unter dem Bild folgender Text: "Freude weckt das Kind in uns. Sie wartet hinter jeder Ecke, jeder Kurve. Wenn wir sie erst einmal entdeckt haben, lässt sie uns nicht mehr los. Dann wird jeder Kilometer zu einem Abenteuer."  Wie geistig anspruchslos, unreif und  moralisch skrupellos muss dieser Mann sein, wenn der Text denn von ihm kommt?
  78. Zwischen Menschen und zwischen Mensch und Natur drängen sich zu viele Waren, die nicht notwendig sind.
  79. Die Reduktion der Eigenbewegung auf Sport dient einerseits den Herstellern von Transportmitteln, insbesondere von Personenkraftwagen, andererseits der Sportindustrie.
  80. Nach dem Kauf beginnt sofort der Verfall -  zumindest sehr oft und immer häufiger.
  81. Wenn der ästhetische Blick mit dem realistischen verwechselt wird, wenn man nicht mehr den ästhetischen Blick als ästehtischen erkennt, dann droht Gefahr für das Leben.
  82. Man sieht die Prinzipien einer Gesellschaft nicht direkt, man kann sie nicht sinnlich wahrnehmen,  sondern man muss sie sich erst denkerisch erschließen. Deswegen gilt das Gesetz: Je visueller die Kultur einer Gesellschaft ist, desto resistenter wird sie gegen Kritik.
  83. The map is the territory. d. h. heute sind Bilder oft wichtiger (und zumindest aus subjektiver Perspektive schöner)  als das Ereignis, dass sie darstellen.
  84. Aber the map is not the territory, das Bild ist nicht das Abgebildete. Aber selbst das Sehen bildet den jeweiligen Ausschnitt der Welt nicht ab.
  85. Ein wirk-endes Geschenk: Ich sitze im Garten und eine Amsel hüpft in meiner unmittelbaren Umgebung suchend umher. Sie ängstigt sich offenbar nicht vor mir.
  86. Die Konsumforschung beobachtet, dasss die Zahl der ver- und gekauften Bücher zwar unaufhaltsam steigt, die der (pro Jahr und Person) gelesenen  Bücher jedoch abnimmt (H. Rosa, S. Lorenz: Schneller kaufen! Zum Verhältnis von Konsum und Beschleunigung). Dieses Phänomen lässt sich auf viele andere Kaufakte anwenden: Es fehlt schlicht die Zeit, die erworbenen Waren angemessen zu nutzen. Der Konsument ist "gefangen in selbsterzeugten Welten" (Armin Nassehi). 
  87. Eigene und fremde Erfahrungen sowie theoretische Überlegungen lassen mich zu dem Schluß gelangen, dass die gegenwärtigen Konsumstrukturen wesentlich mehr Zeit benötigen als die "überwundenen" kompakten Strukturen in Innenstädten und im Nahbereich.
  88. Individuen bilden eine  Gesellschaft  und  umgekehrt bildet diese Gesellschaft die Individuen, beide bedingen und konstituieren sich wechselseitig. In der gegenwärtigen vorherrschenden Analyse werden die geleisteten oder nicht geleisteten Aktivitäten der einzelnen Individuen, seien sie  konstruktiv oder destruktiv, nicht angemessen berücksichtigt.
  89. Wenn ein Grüner über Ökologie redet, ist er ein Grüner, wenn er über soziale oder wirtschaftliche Probleme redet, ist er kein Grüner, sondern ein Sozialist bzw. ein Ökonom. Ökologie, Soziales und Wirtschaft sind drei verschiedene Systeme, die nicht in einer Perspektive wahrgenommen und reflektiert werden können. Die Integration aller drei Bereiche ist bei genauerer Betrachtung immer eine Addition. 
  90. Nach welcher rechtlichen Logik werden Handlungen, die zur Schmelzung  der Polarkappen beitragen,  als rein privat  bezeichnet? In "idiotes" ist übrigens "Privatmann" enthalten. 
  91. Wir haben unser Alltagsverhalten, insbesondere unsere Kaufakte, vollkommen ent-ethisiert. Das Davor und Danach der gekauften Waren sind ausgeblendet, werden nicht thematisiert und reflektiert.
  92. Der abstrakte Blick, der auch der des Alltags ist, sieht eben nicht das Individuelle und Besondere.
  93. Der Konsument muss endlich begreifen, dass längst nicht jede angebotene Ware die Lebensqualität erhöht, sondern oft verringert, ja verhindert.
  94. Das leckere Hähnchen, das auf dem Photo in dem  Kochbuch abgebildet ist, ist nach dem Phototermin nicht mehr genießbar. Das gilt nicht nur für Hähnchen. 
  95. Sommerzeit ist entweder Rasenmäherzeit oder Reisezeit. 
  96. Zwei Beispiele für Tätigkeiten, die jenseits gegenwärtiger Normalität liegen: Eine junge Familie besucht die Großeltern. Die Eltern wandern von dort vier Tage Richtung Norden einfach los, der zurückgebliebene zwölfjährige Junge und die vierzehnjährige Tochter streiten sich, wer morgens aus dem nächsten Dorf mit dem Fahrrad die Brötchen holen darf. 
  97. Geringerer Energieverbrauch und Maschineneinsatz sind  heute in der Regel eine Stärkung des Subjekts.
  98. Bevor wir versuchen, auf die  großen Fragen der Gegenwart wie Wirtschaftskrise, Arbeitsplätze, Armut, Klimawandel, internationale Beziehungen, Bequemlichkeitszuwachs  und soziale Gerechtigkeit eine Antwort zu finden, müssen wir uns zuallererst die Frage stellen, wie wir idealiter unser materielles Leben gestalten wollen. Ist es denn richtig, dass das Mehr, das Größer, das Schneller, das Billiger  für alle Zeiten die bestimmenden Werte all unserer individuellen und kollektiven Anstrengungen sein müssen? Diese  Werte, die implizit oder explizit  von allen gesellschaftlichen Kräften geteilt und gefordert werden, gilt es zu hinterfragen und ggf. durch neue zu ersetzen.  Das ist die erste und entscheidende Aufgabe der Gegenwart, darin liegt die Notwendigkeit und Chance der Krise. Übrigens werden diese Werte fälschlicherweise unter dem Begriff "Wachstum" zusammengefasst, aber Wachstum ist ein biologischer Begriff, der wiederum Begrenztheit und Ausgleich beinhaltet. 
  99. "Entwaffnet die Industrie": Zwanzig Nobelpreisträger, vom Physik- bis zum Wirtschaftslaureaten, fordern in einem Memorandum die radikale industrielle Abrüstung, die "Dekarbonisierung" der Wirtschaftssysteme, und das alles nicht in Zeiträumen von Generationen, sondern in wenigen Dekaden, ja in Jahren (FAZ v. 30. 5. 05). Wenn diese Analyse stimmt und die daraus abgeleiteten Forderungen  ebenfalls richtig sind, dann ist  die von allen Seiten unterstützte Forderung nach Erhaltung von allen gegenwärtig bestehenden industriellen Strukturen und Einrichtungen schlicht gespenstisch.  Nein, wir müssen jetzt umdenken, und dazu gehört zentral auch die Frage nach den Arbeitsplätzen.  Stellen wir jetzt nicht diese Fragen und finden keine Lösungen, wird diese Aufgabe in wenigen Jahren unvergleichlich größer und die Folgen härter sein. Hinzu kommt, dass Fragen nach dem Sinn und dem jeweiligen Gebrauchswert  der industriellen Produkte und Dienstleistungen offensichtlich einem Tabuverbot unterworfen sind. Die Möglichkeit, dass hier ein Mehr statt ein Verlust von Lebensqualität entstehen  könnte, ist jenseits allen Denkens und Fühlens. Dass z. B.  das Nichthaben von Auto und Fernsehapparat ein fundamentaler Gewinn ist, ist nicht nur eine theoretische, sondern eine praktische Einsicht, die ich gewissermaßen in einem Selbstexperiment gewonnen habe.  
  100. Für die Sicherung der Arbeitsplätze müssen neue Konzepte und Wege gefunden werden. Blockade dieser notwendigen Diskussion verhindert nicht nur die Sicherung von Arbeitsplätzen, sondern Zukunft schlechthin.  Leider zementiert die berechtigte Sorge um die Arbeitsplätze bestehende Verhältnisse - und damit ist keinem gedient, weil Verhältnisse sich nicht auf lange Sicht einzementieren lassen. 
  101. Kompakte Siedlungen, die für ihre Bewohner materielles und geistiges Zentrum ihres Lebens sind, nehmen rasant ab. Es  gibt  nur noch Zentren im Plural, die räumlich oft weit auseinander liegen. Deswegen sind  Kleinteiligkeit, Fußläufigkeit, Überschaubarkeit Prinzipien, die nur noch wenig gefragt sind. Mit anderen Worten: Lebensräume nehmen die Struktur von Landkarten an. 
  102. Die konkrete leibliche Sichtbarkeit ist die Bedingung sozialen Sichtbarseins. Daraus folgt zum Beispiel, dass alle Autoinsassen und  alle "verbildlichten"  Menschen für mich keine  soziale Realität haben. Mit dem Verschwinden der  Wirklichkeit verschwindet also tendentiell auch der Mensch. 
  103. Zur Aktualität des Gebrauchswerts: Wer sich nicht mehr  beim Kauf von Waren und Dienstleistungen ernsthaft die Frage nach deren jeweiligem Gebrauchswert stellt bzw. nicht mehr stellen kann,  hat in einer Gesellschaft, in der Waren und Dienstleistungen der Mittelpunkt sind, jegliche Autonomie verloren, jegliche Chance verspielt,  autonomes Subjekt zu sein. Ich halte es für ideologisch, zynisch und letztlich inhuman, wenn Helmut Mayer, Rezensent der FAZ, spöttelnd   das kritische Potential der Kategorie des Gebrauchswertes  in die Rumpelkammer des Denkens  und Handelns stellt, wenn er kommentiert, dass das Sein nie im Angebot sei und dass wir, so betrachtet,  aus ontologischen Defiziten beständen.  Nein, wir sollten uns nicht der normativen Kraft des Faktischen beugen, wenn das jeweilige Faktische dem Menschen und der Erde nicht bekommt.
  104. "Die offene Gesellschaft 2009: Cabrios für alle. Es geht mit neuen und alten Cabrios um die Rückkehr zur Freude am Fahren" (FAZ). Wenn das keine Zukunftsperspektive ist!? Jetzt weiß ich endlich, warum es sich lohnt, die Ärmel aufzukrempeln.
  105. Ich vertrete nicht den Standpunkt, dass die gegenwärtigen Verhältnisse durch und durch schlecht seien, sondern meine, dass wir nach dem Kriege in  politischer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht  in einer Phase leben,  die die beste zumindest in der deutschen Geschichte ist. Gleichzeitig bin ich aber auch der Meinung,  dass es in der gegenwärtigen Gesellschaft kritikwürdige Momente gibt, die nicht nowendig sind, weil sie die Entwicklung des  positiven Potentials der Menschen erschweren, ja verhindern. Und trotzdem: Damit das Kind nicht mit dem Bade ausgegossen wird, bedarf es der Evolution, nicht der Revolution.  
  106. Die Kritik der politischen Achtundsechziger war bedenkenswert und meiner Ansicht nach  weitgehend berechtigt. Ihr Fehler bestand aber darin,  das konkret Kritisierte ungeprüft  auf das Ganze auszudehnen, d. h. hier nicht differenzieren zu können bzw. zu wollen.  
  107. Das  Bedenken und  die  Analyse  gegenwärtiger Verhältnisse sollte man möglichst radikal und konsequent durchführen. Die  Umsetzung der Denkergebnisse ín die Praxis dagegen verlangt sehr wohl auch Multiperspektivität, Toleranz und Kompromißbereitschaft.    
  108. Welt ist uns Menschen offensichtlich nicht direkt zugänglich, so dass  der Mensch selbst als ein  Medium interpretiert werden kann.  So gesehen sind Erfahrungen aus dem Auto heraus oder beim Fernsehen  mediale Erfahrungen von medialen "Erfahrungen", es liegt also eine doppelte Medialität vor. Aber es bestehen zwei große Unterschiede: a) die Medialität des Menschen im Gegensatz zu der der Medien ist unvermeidlich und  b) die angeeignete  Wirklichkeit durch das Medium Mensch ist unvergleichlich  "wirklicher" als die Aneignung von medial produzierten "Wirklichkeiten". Allgemein formuliert: Das modale Wie bestimmt das semantische Was. 
  109. Die Aussage "Stadt statt Energie", d. h. kompakte urbane Strukturen reduzieren den Energieverbrauch, stimmt nur dann, wenn deren Bewohner die Stadt in Anspruch nehmen und nicht ständig ausweichen auf Einkaufszentren an der Peripherie und auf weit entfernte Freizeiteinrichtungen. 
  110. Bequemlichkeit ist grundsätzlich  ein Segen, eine Errungenschaft, ein herrlicher Zustand - aber nur nach einer Phase der Anstrengung. Wenn Bequemlichkeit um ihrer selbst willen gesucht wird, als Dauerzustand angestrebt und realisiert wird, dann ist das Leben ein reduziertes, dem Tode nahes  Existieren. Das Ziel, so bequem wie irgendwie möglich zu leben, das ja die unterschwellige Logik unserer Kultur bildet und als Technik unser Leben überwuchert,  ist zutiefst lebensfeindlich.  Der Grund des Lebens ist Aktivität, Neugierde, Gutes tun, vita activa.
  111. Es gibt bereits einige wenige Formen des Überflusses, die nahezu von allen bemerkt werden: So werden sicherlich mehr als 500 Fernsehprogramme nur noch von ganz wenigen Menschen als  Erhöhung der Lebensqualität bewertet. Aber in den meisten Feldern geht das rat-race nach Mehr ungebremst weiter.  
  112. Eigenbewegung ist konstitutiv für das Handeln, sie ist eine Teilmenge des Handelns. Wer nicht mehr handelt, sondern nur noch Funktion ist, ist Opfer, wird physisch und psychisch krank, weil keine Stärkung des Ichs mehr stattfindet. Eigenbewegung ist Lebensqualität und u. U. Medizin. 
  113. Wenn die These stimmt, dass Bilder keine Fenster zur Welt sind, sondern überwiegend nur innere Bestände aktivieren, dann versteht man in Anbetracht des Verschwindens der Wirklichkeit, dass kein Mensch diese Täuschung bemerken will, sie buchstäblich ausblendet. Denn wer würde bewusst ein welt-loses Leben, was ja ein mediales ist, aushalten?
  114. Was ist ein BILQUEM, manchmal auch  BIBE genannt? Es sind  Menschen, die ihre Kaufentscheidungen allein nach den Kriterien der Billigkeit und der Bequemlichkeit ausrichten. 
  115. Bei der Beantwortung der  Frage, ob die Individuen das Ganze oder die  Gesellschaft die Individuen bestimmt,  lege ich in dieser Phase der gesellschaftlichen Entwicklung den Akzent auf die erste Interpretation. Warum? In der demokratischen Gesellschaft hat der Mensch Entscheidungsmöglichkeiten. So habe ich beispielsweise mich frei entschieden,  keinen Fernsehapparat und  kein Auto zu haben.
  116. Aus einem Kommentar in der FAZ vom 15. 5. 09:  "Roms Legionäre, die im Siegesrausch die altehrwürdigen Tempel in Jerusalem plünderten und verbrannten, waren Barbaren - wie die Taliban, die 2001 die zwei 1500 Jahre alten Buddhas von Bamyan sprengten. Nüchtern betrachtet aber, taten beide hirnlose Horden, was in friedlichen Zeiten brave Arbeitertrupps vollbringen." Beispiele sind  Projekte wie die Waldschlößchenbrücke (welch ein Hohn diese verniedlichende Benennung) im Elbetal und die drohende Rheinüberquerung bei St. Goarshausen. "Gegen das überzeitliche Bündnis aus Profitgier, Pragmatismus, Adhocismus und Engstirnigkeit ist nirgends ein Kraut gewachsen - und bleibt Kultur immer eine blaue Blume."
  117. Eine geplante Rheinbrücke bei St. Goarshausen wird begründet mit besserer Anbindung der Region und der Zufahrt zum Flughafen Hahn. Hier kann man exemplarisch folgende Struktur ablesen:   Massive Defizite in der Eigenbewegung >  Wünsche nach Paradiesen >  deren billige und anstrengungslose Realisierung ist,  mit dem Auto von zu Hause zum Billigflugplatz Hahn zu fahren und von dort loszufliegen. Diese welt- und kulturzerstörende Logik wird weder von linker noch von rechter Politik kritisiert, denn das hieße, das Verhalten der Bürger massiv infrage zu stellen - und das gilt als unsozial. 
  118. Linke Politik kritisiert massiv das Kapital, will aber deren Produkte qualitativ und quantitativ ohne Einschränkungen erhalten und  erweitern.
  119. Das Verhältnis zwischen knopfdrückender Zivilisation und schaffender Kultur hat sich zuungunsten letzterer dramatisch verschlechtert.
  120. Es geht immer sehr gut ohne Fernsehapparat und in vielen Fällen auch ohne Auto. Auf beide zu verzichten, hat  gleichzeitig eine Erhöhung der Lebensintensität zur Folge - zumindest ist das meine Erfahrung und inzwischen vieler anderer. 
  121. In einer algorithmisierten Welt hat spontan-situative Neugierde keine Chance mehr - und stirbt langsam ab.
  122. In "Wissen" steckt ahd. "wizzan" = gesehen haben. Das erklärt vielleicht die ungeheure Sucht nach Bildern und Akzeptanz von Bildern als einzige Quelle von Wahrheit.
  123. Eine Lebensform ist ein normatives System, das die Erfahrungs-, Denk- und Vorgehensweisen regelt. Das Problem besteht darin, dass man eine Lebensform nicht sieht, sondern durch Reflexion erschließen muss. Das erklärt, dass so viele Menschen sich kritiklos den Konsumimperativen ergeben, denn das Sehen wird zunehmend als einzige Quelle für Erkenntnis und damit  Wahrheit akzeptiert. 
  124. Das Problem der Gegenwart besteht darin, dass das pragmatisch-zweckorientierte Handeln das praktisch-ethische nahezu ersetzt hat. Aber Zwecke sind zwar nicht eo ipso unethisch, aber auch nicht ethisch. Um das zu entscheiden, bedarf es zusätzlicher Überlegungen.  
  125. Wenn ein Mensch nicht handelt, lebt er nicht: Man kann nicht nicht handeln. So gesehen ist Handeln ein Selbstzweck. Aber trotzdem kommt alles auf die Qualität der Inhalte und die Intensität des Handelns an.
  126. Das gegenwärtige "durchschnittliche" Kinderzimmer kann man als Spiegel des Alltagslebens der Erwachsenen betrachten: Neben nützlichen und notwendigen Sachen ist es voll gestellt mit überflüssigem, langweiligem, teilweise aggressivem Spielzeug, das Lebendigkeit, Kreativität, Entwicklung der Intelligenz und sozialer Kompetenz nicht fördert, sondern verhindert. Auch die Erwachsenen sind vollgemüllt mit Waren, auch hier wird dadurch mehr  verhindert als ermöglicht. 
  127. Wie mit  Hilfe von Leckerlis das Verhalten der Hunde bestimmt werden kann, so das Verhalten von Menschen  durch  Billigpreise und Sonderangebote.
  128. Wenn nicht zwischen dem Sehen von realen Dingen und dem Sehen von Bildern unterschieden wird, entstehen fundmentale Fehlschlüsse und falsche Bewertungen.
  129. Je weniger Gesichter wir im Alltag aus verschiedenen Distanzen und Perspektiven sehen, desto mächtiger werden die Bildmedien, d. h. der Hunger nach Bildern.
  130. "Alles, was die stressfreie Erziehung braucht, ist eine Wiese: keine Schaukeln, keine Klettergerüste, keine Neonbälle" (FAZ-Bildunterschrift  zur Rezension "Leitfaden für faule Eltern" von Tom Hodgkinson).  Strukturell gilt das tendenziell  auch für Erwachsene.
  131. Ein Subjekt verfügt über einen Wachheitsraum, beim  moderne Konsument  reduziert sich dieser Raum zu einem Registrierungspunkt (und der ist eindimensional).
  132. Dass die zentralen Werte in unserer Gesellschaft zunehmend von der Wirtschaft bestimmt werden, kann man gut am Urlaubsverhalten ablesen: Die Oberschicht, wenn sie denn keine Finca auf Mallorca haben, fahren nach Dubai, die Mittelschicht auf die Kanaren und die Unterschicht, wenn es denn noch geht, in die Türkei. (Relativ) Unabhängige fahren mit dem Rad zu den zweihundert Kilometer weit  entfernt wohnenden  Verwandten. 
  133. Ich will für ein Produkt oder für eine Leistung einen  gerechten Preis bezahlen bzw. bekommen. Der jeweilige Marktpreis kann, muss aber nicht gerecht sein. Wenn er nicht gerecht ist, sei er zu hoch oder zu niedrig, versuche ich, ihn zu korrigieren. So kaufe ich z. B. keine Milch für 48 Cent.
  134. Die Struktur darf nicht ihre Elemente vergessen – und umgekehrt die Elemente nicht ihre Struktur. D. h. strukturelles und individuelles Bewusstsein müssen auf gleicher Höhe sein, wenn nicht, entsteht mit Sicherheit Unrecht.
  135. Die not-wendende Maxime: Gegen das verdinglichte und das von sich selbst entfremdete Denken, Fühlen und Handeln in Form von billig Einkaufen, Autofahren und  tagtäglichem Fernsehkonsum, wobei alle diese Tätigkeiten  als subjektive Leistungen interpretiert werden, d. h. die Fremdsteuerung nicht bemerkt  wird.
  136. Wir bemerken nicht, dass das Neue heute oft - genau besehen - eine Wiederholung ist, erkennen nicht, dass das Neue  rar ist. Gleiches gilt für eine kritische Haltung, denn auch diese ist  rar.
  137. Die Schriftstellerin Andrea Paluch stellt mit staunendem Erschrecken fest, dass die Städte alt geworden seien, die Radwege verfallen, die Kinos geschlossen, die Kirchen kaputt. Ihr Blick richtet sich auf Sachen. Hätte sie diesen, aber das war nicht das Ziel ihrer Betrachtungen, auf die Menschen, genauer: auf die kaum  mehr vorhandenen Menschen in der Stadt gerichtet, wäre noch eine zusätzliche Dimension hinzugekommen: Die Ursache dieses Alterungsprozesses besteht nun prosaisch ausgedrückt eindeutig darin, dass die Stadt stirbt, weil die Menschen sie meiden, letztlich  aufgegeben haben. Sie ist zu einem Ort von Events verkommen.  Das wirkliche Leben - und das ist ein Konsum-Leben - findet in den Einkaufzentren, auf den Autobahnen und vor den Fernsehschirmen statt  (mit den entsprechenden Bewusstseinsinhalten). Das ist die Haupttendenz. Schwache Gegentendenzen und Ausnahmen sind glücklicher Weise vorhanden.
  138. In einer Untersuchung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie zeigte sich, dass Kinder schon im Alter von zweieinhalb Jahren spontan und ohne Aufforderung ihre Bewegungen einem akustischen Beat anpassen. Signifikant besser   gelingt das, wenn ein menschlicher Partner statt eines "drum computers" den Rhythmus vorgibt (aus GEO 05/2009, S. 155).  Und der moderne Mensch ersetzt zunehmend lebendige Prozesse durch technische - und nimmt dabei nicht die tiefgreifenden Verluste wahr. Aber genau diese Differenz ist der humane Wert der Originalbegegnung, des Theaterbesuchs, des Aufenthalts im Fußballstadium, des Gesprächs in der Kneipe, der Naturgeräusche beim Wandern .... gegenüber technisch vermittellten "Medienerlebnissen". 
  139. Das zeitangepasste Subjekt verwandelt sich von einem Wachheitsraum zu einem Registrierungspunkt. Für mehr als Registrieren verbleibt keine Zeit.
  140. Der gegenwärtige Liberalismus macht es sich zu leicht, wenn er Gesetze und Regeln undifferenziert als Ausdruck  allgemeiner Regulierungswut von Staat und Gesellschaft anprangert. Warum macht er es sich zu  leicht? Weil er auf dieser abstrakten Ebene ausklammert, dass diese Gesetze und Regeln zum Ziel haben, Schäden für  andere Menschen, auf Natur, auf Funktionsabläufe zu verhindern. Daraus entsteht schnell eine Ablehnung jeglicher Gesetze und Politikverdrossenheit. Dass in konkreten Fällen  über das Ziel hinaus geschossen wird und dass dieses diskutiert und abgestellt werden muss, versteht sich in der Demokratie von selbst. Ich bin jedenfalls froh, um zwei sinnvolle Begrenzungen individueller Freiheit zu nennen,  dass man zumindest am Sonntag nicht Rasen mähen darf oder rassistische Parolen lauthals vertreten darf. 

  141. Ich halte es für fundamental falsch, wenn die Realisierung bestimmter wirtschaftspolitischer Forderungen mit möglichen sozialen Unruhen begründet wird, wobei implizit mitgesagt wird, dass diese Unruhen zu undemokratischen Entwicklungen wie  am Ende der Weimarer Republik führen werden. In dieser Argumentation werden politisches und wirtschaftliches System unzulässig identisch gesetzt: Eine Aufgabe des demokratisch-politischen Systems  ist natürlich, für wirtschaftliches Auskommen bis Wohlstand zu sorgen. Gelingt das unter einer bestimmten Partei nicht, muss sie durch eine andere oder neue per demokratischer Wahl und Bedingungen  ersetzt werden. Gelingt das grundsätzlich nicht, dann darf das nie heißen, das demokratische System abzuschaffen. Meint jemand, das fordern zu müssen oder zu wollen, muss dieser  - nicht zuletzt wegen unserer gespenstischen Vergangenheit -  mit allen demokratischen Mitteln auf den  demokratischen Boden zurückgeholt werden.  Die Subjekte der sozialen Unruhen müssen diese Position akzeptieren und müssen auf diesen Sachverhalt explizit hingewiesen werden, ansonsten erfahren Argumentationsmuster wie "Wir hatten 1933 sechs Millionen Arbeitslose und deswegen haben wir Hitler gewählt"  eine sicherlich ungewollte, aber wirksame  nachträgliche Legitimierung.

  142. Wir erschauen nicht   mehr die Ideen der platonischen Metaphysik,  noch leben wir   in der Sinnlichkeit des Aristoteles. Die entfremdete, künstliche Welt wird zur universalen.  
  143. Technik ist ein Mittel, Ziele zu erreichen. Technik zu bedienen, nimmt  zumindest zeitlich gesehen, tendenziell die gesamte wache Lebenszeit ein.  Die Chance, außertechnische Ziele zu erreichen, wird also immer kleiner.  
  144. Es gilt zu begreifen, dass Technik und Leben Oppositionsbegriffe sind - auch wenn die Werbung und Menschen, die die entsprechenden Aussagen der Werbung übernommen haben, Gegenteiliges behaupten.
  145. Die gesetzten Anfänge sind entscheidend, ob das Folgende gut oder schlecht  wird.  Setzt man, dass der Garten ein geometrischer und  artenhomogener zu sein hat,  dass Geschwindigkeit und Bequemlichkeit Werte an sich seien,  sind Rasenmäher, aufheulende Motorräder und volle Autobahnen zwangsläufig.
  146. Bilder und Filme sind Schein, Autos, Züge usw. erzeugen Schein.
  147. Theodor Lessing wandte sich gegen die Naturzerstörung durch die sich ausbreitende Industrialisierung und gründete bereits 1908 einen  Anti-Lärm-Verein. Was müsste man heute zumindest gegen den unnötigen Lärm tun, der ständig zunimmt?

  148. "Wenn der Boden, die Erde, unter der Herrschaft des Asphalts verschwindet, versuchen die traurigen Stadtbewohner ein paar Blumen in Töpfe zu pflanzen. Je mehr sich unser Industriezeitalter ausbreitet, umso mehr verwandelt sich die Erde der Gesellschaft und der Boden des Menschen in einem Asphalt der Gesellschaft und in einen Beton des Menschen. Wo kann der Same des Schöpfers noch eingepflanzt werden, damit er Wurzeln schlägt?" (Mikis Theodorakis). Kontrastiert man diese Aussage mit der von Christian Lindner (Generalsekretär der FDP in NRW): Ökologische Politik "instrumentalisiert die Staatsgewalt, um ihre gesellschaftspolitischen Vorstellungen bis in den privaten Lebensvollzug durchzusetzen", dann sieht man deutlich, dass liberale Politik sich darauf beschränkt, absolute Freiräume für die Produktion und Konsumtion zu schaffen, wie destruktiv diese auch immer sein mögen. Natürlich reichen Produktion und Konsumtion substanziell in  den "privaten Lebensvollzug" hinein, aber  das  ist kein hinreichender Grund,  hier ein axiomatisch gesetztes Kritikverbot zu fordern. Genau gesehen, dient dieses Kritiktabu dazu, der Wirtschaft keinerlei Grenzen vorzugeben. Um Missverständnisse vorzubeugen: Diese Aussagen richten sich nicht gegen die Wirtschaft oder gegen den Kapitalismus, sondern gegen die in diesem Fall indirekt geäußerte Forderung, sie nicht begrenzen zu dürfen, weil das immer eine Einschränkung von Freiheit sei. Menschliche  Freiheit ist keine absolute, sondern immer eine gebundene. Nur so gesehen ist sie ein fundamentales und unverzichtbares Gut.     
  149. These und Hoffnung: Der primäre politische Dualismus wird in Zukunft  Eigenbewegung versus Fremdbewegung sein müssen. Vertreter der Fremdbewegung ersetzen, wann immer es geht, Leben durch Technik, Vertreter der Eigenbewegung beharren grundsätzlich auf ihrer Fähigkeit, etwas selbst tun zu können und setzen nur dann Technik ein, wenn sie notwendig ist und hilft, eigene Wachstumsprozesse zu ermöglichen.
  150. Genuin privat sind nur solche Handlungen, die andere Menschen oder die Umwelt nicht belasten. Im Restaurant zu rauchen oder mit dem Motorrad ganze Stadtviertel zu beschallen, um zwei Beispiele zu nennen, sind eben nicht privat, sondern werden von den Akteuren als solche falsch definiert.
  151. Inzwischen denke ich, dass die zumeist großen und überbordenden Frühstückbuffets in den Hotels  Ausdruck des grenzenlosen Wachstums oder der Wirtschaftsblase sind. Ist ein Frühstück bestehend aus Brötchen und Schwarzbrotscheiben, zwei Sorten Marmelade und Honig, vielleicht noch zwei Scheiben Mettwurst und Käse einschließlich Tee oder Kaffee,  freundlich serviert  an einem Tisch mit weißer Tischdecke, gelegen an einem sonnige Platz mit schönem Ausblick nicht der Inbegriff des Beginns eines schönen Ferientages? 
  152. Geht man davon aus, dass die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise ein Umdenken und "Um-handeln" in  Richtung Steady-State-Economy notwendig macht, dann wird die Eigenbewegung der wesentliche Faktor im Mikrobereich (Distanzen bis   vier Kilometer) der Ortsveränderung sein.
  153. Technik hat heute in der Regel (früher war das anders gelagert) nicht der Schnelligkeit, Bequemlichkeit, Macht usw., sondern dem geistig-ethischen Wachstum des Menschen zu dienen.  In diesem Sinne habe ich mich für ein Internetradio entschieden,  um  mit dessen Hilfe Fremdsprachen zu erlernen und verschiedene Perspektiven auf das Weltgeschehen zu bekommen. Allgemeiner formuliert: Technik schafft neue Wege, die zu begehen sinnvoll, aber auch nicht sinnvoll sein können. Es geht hier letztlich um das anzustrebende, aber nie erreichbare Ziel, ein Subjekt zu werden, das für sich und für sein Tun Verantwortung übernimmt.  
  154. Herauszubekommen, wo man eine Ware am günstigsten bekommt, ist noch kein Beleg für Subjektivität
  155. Wenn Dingen überhaupt noch Bedeutungen zugeordnet werden, dann sind sie dem Warenkosmos entommen. 
  156. Ein Urteil, das Hoffnung macht: Einer Eigentümerin eines Hausgrundstückes, das am Flußufer liegt, kann aufgetragen werden, künstliche Nisthilfen für Mehlschwalben anzubringen. Leider nur dann, wenn in der Vergangenheit Vögel dieser Art dort gebrütet haben.
  157. These:  Wer natur- und kulturnahe lebt, ist konsumresistenter.
  158. Rücksichtslosigkeit beruht auf ethischer Primitivität.
  159. Je weniger Leben, essentielle Inhalte, Bildung, Pläne, Engagement  in den Gehirnen vorhanden sind, desto länger läuft täglich der Fernsehapparat.
  160. Wir müssen uns entscheiden: gutes Leben oder angepasste Existenz. Fällt die Wahl auf gutes Leben, ist auch Reflexion, Selbsterfahrung, Aktivität  und Festigkeit verlangt.
  161. Die Prägekraft der Umwelt, d. h. die Orientierung am Mainstream  scheint in den Neubaugebieten am größten zu sein: Die Unterschiede der Häuser, der Gärten, der ausschließlich auf Autos basierenden Mobilität, die Art und Weise der Deckung des Konsumbedarfs, in der Fernsehorientierung und Urlaubsgestaltung " ab in die Sonne" sind minimal und beschränken sich auf unterschiedliche Markenprodukte.  Substantielle Abweichungen von diesen "Werten" sind dort nicht vorhanden. Der außengelenkte Mensch (David Riesman) ist keine Option mehr, sondern die einzige bestehende Lebensform. Der außengelenkte Mensch ist per definitionem kein Subjekt. Und alle, die Freiheit mit der Wahlfreiheit zwischen Waren gleichsetzen, bermerken diesen fundamentalen Ich-Verlust nicht. 
  162. Es ist nicht notwendig, nicht wünschenswert und auch nicht machbar, die Natur des Menschen vollständig durch andere Systeme zu ersetzen.
  163. Grundsätzlich nehmen die Impulse zu, dass das Subjekt für sich selbst aktiv Eigenverantwortung übernehmen muss. So z. b. in Teilbereichen der Gesundheitspolitik.
  164. Es gehört zum Wesen der Warenproduktion (nicht polemisch gemeint),  alles Natürliche, was ja  nichts kostet und was man nicht kaufen muss,  abzuwerten: das reicht vom Vogelgesang in unserem Garten  über die Funktionsfähigkeit des eigenen Körpers und der  Eigenbewegung bis hin zu sich selbst entwickelnden  Gesellungsformen. Fazit: Nur noch Waren sind wertvoll. Der häufig zu hörende Satz "Ohne Moos nichts los" ist Ausdruck der Verabsolutierung des Warenwertes. Das zu durchschauen, ist übrigens die Lehre  des neuen Buches von  Eric-Emmanuel Schmitt "Als ich noch ein Kunstwerk war". Das würde auch meine zentrale Frage beantworten, warum mein Nachbar bei schönstem Sommerwetter zum Brötchenholen mit dem Auto zum nahegelegenen Bäcker fährt. 
  165. Der "wahre" Preis einer bestimmten Ware ist ja nur in Relation zu allen anderen zu bestimmen. Es verlangt viel Zeit und Energie, das dynamische  Universum der Preise  sich anzueignen, Zeit und Motivationskraft, die dann für andere Wissensgebiete fehlen.
  166. Zumindest aus ökologischen, langfristig aber auch aus volkswirtschaftlichen Gründen wäre es sinnvoller gewesen, die fünf Milliarden Eruo statt in die Abwrackprämien in öffentliche Verkehrmittel zu investieren.
  167. Der direkte und indirekte größte Zerstörer von äußeren, materiellen Werten ist das Auto, von inneren Werte das im Massen inszenierte und konsumierte Bild. Äußere und innere Zerstörungen stehen in einem Wechselbezug - wie übrigens auch positive Prozesse.
  168. Technik ist nichts anderes als kausal-algorithmisches Denken, das zu äußeren materiellen Apparaturen geronnen ist. Es ist absolut unsinnig, gegen die Technik an sich zu polemisieren. Sie gehört zum Wesen des Menschen. Aber diese grundsätzliche Anerkennung der Technik darf nicht heißen, jede ihrer Ausprägungen, bloß weil sie Technik ist, zu akzeptieren. Nein, wir müssen schon darüber streiten, welche Technik uns nützt und welche nicht. Technik ist ein Teil des Menschen, aber wehe, wenn es zum Ganzen des Menschen wird. 
  169. Wenn das Internet der Zerstreuung dient, dient es nicht - wie das habituelle  Fernsehen - dem Menschen.
  170. Warum versucht der "zeitgemäße"  Mensch möglichst  viele Orte unerträglich zu machen, indem er die Straßen mit Krach und Gestank erfüllt, die Zimmer mit Medien vollstopft, die Gärten mit motorisierten Maschinen quält?
  171. Außengelenkte Entscheidungen dominieren, während die autonomen immer rarer werden. Auch deswegen, weil schlicht keine freie Zeit und kein freier  Raum  mehr vorhanden ist.
  172. Man merkt nicht, dass das Neue in den meisten Fällen einfache Wiederholung ist, während das Potential, das  in der reflektierten und offenen Wiederholung liegt,  entweder nicht in Anspruch genommen wird oder  als rückwärtsgewandt abqualifiziert wird.  
  173. Wer meint, modern und weltoffen zu sein, weil er Weltreisen macht oder  international anerkannte Markenprodukte besitzt, denkt zu kurz. 
  174. Bilder, Symbole und Zeichen sind virtuell, d. h. das, was sie vorgeben, hat keinen materiellen Körper, sondern besteht aus reiner Oberfläche. Zunehmend werden reale Dinge durch virtuelle ersetzt und offensichtlich scheint dieser Prozess, von immer mehr Menschen nicht als Verlust empfunden zu werden. Dieser Verlust betrifft auch den eigenen Körper, der zwar für seinen Inhaber keine Virtualität annehmen kann, aber durch das systematische Verringern von Eigenbewegung aus dem Bewusstsein verschwindet. Allerdings gewinnt seine Oberfläche als Produktionsort von Mode und Schönheit  höchste Bedeutung.  
  175. Vor lauter Planungen und algorithmisierten Handlungsabläufen  haben wir das große Erkenntnispotential von kontingenten  Begegnungen aus den Augen verloren.  
  176. Wenn man bestimmte Prozesse und Phänomen wie die Amokläufer oder die gegenwärtige Wirtschaftskrise nicht mehr versteht und deshalb nicht angemessen handeln kann, dann muss das Wissen reflexiv werden, d. h. die bisherigen Methoden Instrumente und Erklärungsmuster  der Erkenntnisgewinnung (in kantischer Sprache: die Bedingungen der Möglichkeit der Erkenntnis, nämlich die Setzungen des Geistes) müssen überprüft und u. U. neu gestaltet und formuliert werden. Die im schlechten Sinne Konservativen machen einfach weiter.  Das eigentliche Problem besteht darin, den "richtigen" Zeitpunkt des Wechsels vom Sachwissen zum reflexiven Wissen und zurück zu bestimmen. Auch ist zu bedenken, dass es weder reines Sachwissen noch reines reflexives Wissen gibt, sondern nur verschiedene Mischungsverhältnisse vorliegen.  
  177. "Eine Begegnung ist nicht auf einen symbolischen Tausch reduzierbar" (Slavoj  Žižek). Bilder gehören auch zu den Symbolen.
  178. "Der erste schöne Sonnentag Anfang April und zwei verschieden Reaktionen: Die Familie des Nachbarn sitzt in ihrem Garten, trinkt und isst, liest und genießt, macht also den Garten zu einem Lebensort, der andere Nachbar holt seinen Rasenmäher hervor, geht nach getaner Arbeit ins Haus zurück und wird erst eine Woche später wieder gesehen, als der nächste Rasenschnitt ansteht.
  179. Woran kann man heute merken, dass schönes Wetter herrscht? Am zunehmenden Lärm
  180. Es ist so: Wenn ich Fußball spiele, bin ich Fußballer, wenn ich lese, bin ich ein Leser, wenn ich einkaufe, bin ich Einkäufer usw. Alles kommt darauf an, die verschiedenen Tätigkeiten angemessen zu bewerten und sie insgesamt in ein Verhältnis zu bringen, das menschliches Wachstum  ermöglicht.  Mit Sicherheit gelingt dieses nicht, wenn die Tätigkeiten sich auf Fernsehen, Autofahren und Konsum beschränken. Er muss aufpassen, dass er nicht alle Eigenschaften und Impulse der Waren übernimmt, seine Identität mit denen der Waren tauscht, aus eigenem Willen zu einer Ware wird. Die Welt darf nicht zu einem Universum der Waren werden.
  181. In der  modernen Lebensweise stimmt nicht mehr das Verhältnis von äußerem Erleben und innerer Verarbeitung. Beim Autofahren, beim Fernsehen, beim Einkauf und in der Regel auch bei der Arbeit bleibt keine Zeit und Raum für Reflexion. Die Karawane zieht weiter. Zunehmend wird aus dem relativ autonomen Subjekt ein Gefäß, das gefüllt wird, wobei dieses Füllen fälschlicher Weise als selbstbestimmt empfunden wird. 
  182. Konsumentismus und sich falsch verstehende Wissenschaften sind moderne Formen des Aberglaubens. Eine Wissenschaft muss ihre Grenzen anerkennen und darf deshalb keine Aussagen jenseits dieser Grenzen machen über das, was ist oder nicht ist.
  183. Die Wirtschaftstheorie und -praxis hat, wenn ich es recht sehe,   für einen stabilen, unveränderlichen, konstant gleichen  Zustand keinen positiv konnotierten Begriff, denn Begriffe wie Null-Wachstum oder Stagnation sind negativ wertend und gehören zu der Kategorie des Niedergangs. Die duale Logik Aufstieg oder Niedergang müsste also durch einen dritten,  beschreibenden Begriff zu einer Triade erweitert werden.   In der amerikanischen alternativen Ökonomie gibt es den Terminus "steady-state-economy" (Hinweis von Ulrich Grober).  
  184. Wenn man nicht ausgesprochen konsumorientiert ist, werden die Themen der beiläufigen Alltagskommunikation wie "Das habe ich für zwei Euro erstanden" oder "Wir fliegen in die Sonne" immer nerviger.
  185. Vieles, was heute als unverzichtbar gilt, ist eben keine Lebensqualität, sondern das Gegenteil, Belastung für die Gesundheit und Umwelt. Dass z. B. die  Raumtemperaturen der gesamte Wohnung bzw. Wohnhauses in den kälteren Jahreszeiten gleichmäßig mindestens zwanzig Grad betragen müssen, ist falsch, denn gerade unterschiedliche Temperaturverhältnisse regen zahlreiche physische und psychische Prozesse an und stärken Körper und Geist. Auch hier gilt, dass der Unterschied ein Wert an sich ist.  So beruht eine Information immer in einem Unterschied und der Wärmetod ist die Folge des thermischen Gleichgewichts eines abgeschlossenen Systems. Kurz: Der Wechsel macht es. 
  186. Fakt ist, dass viele kleine Geschäfte oft nicht  mehr in der Lage sind, das qualitative Niveau der  großen Ketten immer zu überbieten bzw. zu halten. Wer kleine und übersichtliche Strukturen favorisiert, muss hier als Verständnis aufbringen und ggf. auch auf das eine oder andere Produkt verzichten.   
  187. "Rund um Deutschland herum entstehen neue Kernkraftwerke, so dass die deutsche Energiepolitik auf die Stromkonzerne wie ein Anachronismus wirkt" (FAZ v. 28. 3. 09). Ist denn das ein Argument für Atomkraftwerke?
  188. Genau besehen konzentriert sich der gegenwärtige Liberalismus nicht auf politische Freiheiten, sondern auf die Freiheit der Produktion und Konsumtion. Wenn der Staat in diesen Bereichen Inhumanität und Schaden beschränkt, richtet sich die liberale Kritik gegen diese Maßnahmen, die formal zwar  politische, aber inhaltlich von  wirtschaftlicher Natur sind.  
  189. Mensch sei kritisch, denn nicht selten entpuppt sich eine Ware als ein trojanisches Pferd, das sich gegen deine körperliche und geistige Gesundheit wendet. 
  190. Die körperliche und geistige  Nachhaltigkeit des Menschen ist die wichtigste Ressource, die es zu schützen und zu stärken gilt. Ich fundiere diese Nachhaltigkeit physiologisch.
  191. Vom Standpunkt der Eigenbewegung gesehen unterscheiden sich Zug und Auto nicht wesentlich, vom Standpunkt des Sozialen gravierend. Dazu ein Beispiel:  Schräg gegenüber von mir sitzt in einem Großraumwagen ein sehr junges Pärchen chinesischer Herkunft.  Offensichtlich hochgradig ineinander verliebt, tauschten sie ständig Wörter, Gesten und Körperbewegungen in großer Anmut aus. Ästhetisch und sozial für mich ein Erlebnis, das noch sicherlich lange in mir nachklingen wird.   
  192. Es fällt auf: Im Zug wird viel gelesen und - soweit ich es mitbekomme - in der Regel anspruchsvolle Lektüre und keine Boulevard-Zeitungen.
  193.  Mehrstündiger Fernsehkonsum ist strukturell reflexionslos.
  194. Ein Slogan eines deutschen Medienkonzerns lautet "The Spirit to Create".  Warum dieser amerikanische Umweg?  Es gibt wohl keine Philosophie, die den inneren Reichtum des Subjekts so differenziert beschrieben und begründet hat wie der Deutsche Idealismus.  Wer also den oben genannten Slogan zumindest in Annäherungen verstehen will, sollte sich der ergiebigsten Quelle zuwenden - und die liegt in diesem Fall sehr nahe. 
  195. Ich bin gegen die Evaluation aller Lebensbereiche aus folgenden Gründen; a) Pestalozzi forderte schon, nicht Kinder zu vergleichen, aber das gilt auch für Erwachsene, b) eine Evaluation ist immer eine Konstruktion,  keine Rekonstruktion, keine Wahrheit des Gegenstandes. Aber das ist den Bewerteten in der Regel nicht klar, sondern es beginnt eine Prozess der Selbststigmatisierung.
  196. Die Technik auf das Notwendige zu beschränken und damit zurückzudrängen ist eine Forderung wider den Zeitgeist - trotzdem sinnvoll, weil human.
  197. Seit Tagen regnet es und Stürme toben über das Land. Geht man davon aus, dass das ein Teil des Klimawandels ist, fragt man nach den Ursachen und kommt darauf, dass Faulheit, Bequemlichkeit und konsumorientierte Identitäten hier wesentlich sind. Welch ein Preis für diesen Wahnsinn. 
  198. Ein Beleg für die zunehmende Ersetzung von Eigenbewegung durch Fremdbewegung: „Das erste, was ich morgens mache, ist, ich drücke auf fünf Knöpfe“ (Aussage eines Bekannten). Aber damit keine Missverständnisse aufkommen, auch ich drücke auf Knöpfe, wenn auch nicht so oft.   
  199. Der Kern der gegenwärtigen Kultur (hier im weitesten Sinne verstanden) besteht aus dem einheitlichen System von Wirtschaft und Technik.
  200. Es  besteht die Möglichkeit, dass wir die Imperative der Werbung und nicht uns selbst verwirklichen - auch wenn wir es meinen.
  201. Eine notwendige Bedingung der Umweltzerstörung ist die Entzauberung bzw. Entgöttlichung der Natur.
  202. Der Ausdruck "interessant" ist viel sinn- und sinnenvoller, als er heute gebraucht wird:  Inter-esse ist zuallererst  real dazwischen sein.
  203. Die zerstörerischen Auswirkungen  menschlichen Handelns können durch Verhaltensänderungen  und durch technische Maßnahmen reduziert  werden. Keiner der beiden Ansätze genügt für sich allein, sondern beide bedingen einander.  Es wäre unsinnig, beide Strategien gegeneinander auszuspielen.  
  204. Entscheidende Änderung: Der moderne Konsummensch sieht in der Alltagswirklichkeit keine Glücksmöglichkeiten, keine Geheimnisse, keine Wachstumsmöglichkeiten, so dass sie ihn nicht mehr primär interessiert. Die primäre Welt ist jetzt die inszenierte Welt mit großen Momenten des Scheins. Das heißt, die reale "normale"  Nachbarschaft, Straße, Innenstadt, Naherholungsgebiet usw. sind radikal entwertet. Die  angeblich schöne Welt liegt entweder  in weiter Ferne (auf den Kanaren oder in Dubai),  oder sie existiert als Scheinwelt  in den Bilderwelten des Fernsehens und Werbebroschüren oder die Nahwelt muss zumindest zum Event hochstilisiert sein.  Aber es gibt auch Gegenbeispiele: Bei uns in der Nähe gibt es einen Sportplatz, auf dem in der Regel  vierte und fünfte Mannschaften eines viertklassigen Fußballvereins spielen. Alle, die 22 Akteure, der Schiedsrichter und die zwölf Zuschauer sind mit denkbar höchster Konzentration und Intensität bei der Sache - als  ob es um die deutsche Meisterschaft ginge. 
  205. Natürlich kannten auch früher Kinder (und Erwachsene) Phasen der Langeweile, aber diese wurden nicht als problematisch angesehen. Heute klingeln die Alarmglocken der Eltern, und sie sehen es als ihre Aufgabe an, mit animateurartigen Angeboten die Kinder schnell aus dieser Phase herauszuholen. Sie wissen nicht, dass objektiv  in der Langeweile eine Chance des Wachstums liegt, sich  mit eigenen Mitteln und eigener Kraft in eine Phase des Engagements zu transformieren. 
  206. Was passiert mit der Seele, mit dem Geist und mit dem Leib eines Menschen, der faktische den ganzen Tag vor dem Fernsehapparat sitzt?  
  207. Gesetzesaussagen sind nur mit Hilfe von essentiellen Eigenschaften möglich. Gesetzesaussagen, auch in ihrer schwachen Form von Erfahrungssätzen ermöglichen,  durch Handlungen Wirklichkeit zu verändern. Da wir in einem pragmatischen Zeitalter leben, wo die Änderung zu einem Selbstzweck geworden ist, verlieren akzidentielle Eigenschaften zwangsläufig an Wert. Das Besondere ist, wenn überhaupt, nur noch vom individuellen Wert. Mit den besonderen Eigenschaften verschwinden aber die (gewachsenen) Dinge. 
  208. "Durch Verzicht zum Reichtum gelangen" ist eine Devise, die sicherlich für Teilbereiche des Lebens gilt.
  209. Ich kritisiere die Phänomene, Zustände und Prozesse, die in der Gegenwart direkt oder indirekt Leben be- und verhindern.
  210. Die Ursache für den Niedergang der Innenstädte liegt wesentlich tiefer, als bisher angenommen. Entscheidend sind nicht Preise, Angebotsbreite, auch nicht ausreichende Parkmöglichkeiten, sondern die Unlust, größere Strecken zu Fuß zurückzulegen. Wenn es nicht gelingt, hier im Bewusstsein nachhaltig eine Änderung  im Sinne von "Gehen ist schön", "Flanieren ist Lebensqualität" zu erreichen, wird der Niedergang nicht aufzuhalten sein. Übrigens meine ich, dass die Gestalter der Innenstädte das große Potential, das für sie in den Fahrrädern liegt, in der Regel bei weitem nicht ausschöpfen. Hier muss noch viel geschehen in Form von Fahrradständern (auch vor den Läden), bewachte Fahrradstationen, Fahrradwegen, Fahrradverleih in Analogie von Velib in Paris,  überhaupt -das Fahrrad sichtbar machen und herausheben.  
  211. Reale Dinge werden zunehmend durch Bilder von ihnen ersetzt.
  212. Kapitalismuskritik ist nur dann sinnvoll, wenn sie argumentativ an  kritikwürdigen  Phänomenen, Zuständen und Prozessen konkret aufgezeigt werden kann, denn nicht alles Schlechte ist auf die kapitalistische Verfasstheit unserer Wirtschaftsordnung zurückführbar.  Mit dieser Einschränkung ist auch der Satz "Wir verwirklichen das Kapital, nicht uns selbst" zu verstehen. 
  213. Zuerst drifteten die Funktionen Wohnen und Arbeit auseinander, seit relativ kurzer Zeit  verselbständig sich geographisch auch der Konsumerwerb.
  214. Ich kenne Auotsüchtige, und ich kenne Fernsehsüchtige - oft auch beide Süchte in einer Person.
  215. Nur wer sich bewusst entscheidet, sein Leben im Konsum aufgehen zu lassen, kann ohne Ideologie sagen, dass er frei sei.
  216. Wer über Länder fliegt oder mit dem Zug bzw. Auto ohne Anzuhalten durch  Landschaften und  Siedlungen fährt und nicht Trauer empfindet, versteht mich nicht.
  217. Goethe richtet sich   in "Wilhelm Meisters Lehrjahre" vehement gegen die Ersetzung des Nahen durch das Ferne und setzt auf die Kraft, die durch die Begrenzung entsteht. Diese Position wäre heute sicherlich zu einseitig, aber die herrschende Gegenposition, dass nur das Ferne interessant sei,  ist sicherlich auch falsch. Nein, das Naherholungsgebiet, Nachbarn, das Theater vor Ort, diese Innenstadt usw. dürfen nicht übergangen, genauer: überfahren werden.   
  218. Einfamilienhäuser haben, soweit Kinder vorhanden sind, fast immer ein großes Trampolingerät, das oft den gesamten Garten ausfüllt. Überhaupt werden Kinder in den meisten Famlien mit Geschenken überschüttet. Die Ursache liegt nicht - wie ich bis jetzt vermutete - in einer missverstandene Liebe zum Kinde, sondern diese Eltern erliegen schlicht den massiven Konsumimpulsen der Industrie - aber das erkennen sie nicht. 
  219. In jedem Garten steht ein Trampolingerät, aber der gemeinsame Spielplatz ist kinderleer.
  220. Ein Gleichnis: Seit dem fünften Lebensjahr bin ich auf eine bestimmte Fußballmannschaft konditioniert. Obwohl ich inzwischen erkannt habe, dass der Profifußball reines Geschäft ist, kann ich mich von dieser Bindung nicht lösen. Pervers zusätzlich ist daran,  das mich nicht das jeweilige Spiel  als Ganzheit interessiert, sondern nur das Ergebnis und der daraus resultierende Tabellenplatz.  Alles spricht dafür, dass diese Haltung, nämlich die Verabsolutierung von Zahlen, auf immer mehr  Menschen und Lebensbereiche übergreift. Man muss schon verdammt wachsam sein, um von diesem Trend nicht erfasst zu werden.
  221. Das Eis der Pole schmilzt, und nahezu keiner von uns ist bereit, seinen Konsum und die gegenwärtigen Konsumstrukturen in Richtung Nachhaltigkeit zu verändern. Wer kann mir das erklären?
  222. Maxime: Nur dann Motoren einsetzen, wenn unumgänglich. Faulheit und reine Bequemlichkeit sind hier keine Argumente.
  223. Ein Eindruck erzeugt a) sofort und nicht willentlich einen Ausdruck und b) u. U. eine  reflektierte Be- und Verarbeitung des Eindrucks und c) selten einen Flow. Da wir bewusst oder unbewusst einer ungeheuer großen Reizüberflutung aussetzt sind, müssen wir diese reduzieren und der  reflektierte Be- und Verarbeitung von Eindrücken wesentlich mehr Platz einräumen und intensivieren. Das gilt übrigens auch für die schulische Arbeit. 
  224. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Fernseher läuft, wenn das Auto vor der Tür steht, nimmt ständig zu.
  225. Weltweit wurde und wird die materielle Produktion mit ungeheuren Anstrengungen erfolgreich angekurbelt, weltweit wurde der materielle Konsum mit ungeheuren Anstrengungen erfolgreich angekurbelt, so dass immer mehr Leben eine Funktion des Konsums sind. Kann ein Mensch das auf die Dauer aushalten? Inzwischen habe ich auch begriffen, dass diejenigen Menschen, die diesen Job ernst nehmen, zu nichts anderem mehr, auch wenn sie noch so gebildet oder kreativ sind, kommen können. Ihr Wachstum, der allerdings sich ständig vergrößert, konzentriert sich auf Preise und Bedingungen für günstigen Konsumerwerb. Kurz: Nicht nur die Produktion, sondern heute ist auch das Konsumieren einschließlich des Erwerbs und der Beseitigung harte Arbeit. Ich bin übrigens der aufklärerisch orientierten Meinung, dass mit Hilfe systematischen und intensiven Denkens diese Zwänge erkannt werden können. Das ist ein relativ sicherer Weg, ob das der einzige Weg ist, will und kann ich nicht behaupten.
  226. Wir müssen lernen, uns mehr für die Schönheit, Sinnen- und Sinnhaftigkeit der Dinge, Zustände und Prozesse zu öffnen, die eben nicht von der Konsumindustrie als Events  angeboten werden. So, wie gerade geschehen,  vor Morgenanbruch in kühler Luft durch den Garten laufen und die Zeitung aus dem Postfach holen.
  227. Meine Konsumkritik hat auch das Ziel, deutlich zu machen, dass in  nicht wenigen Fällen gerade die Abwesenheit von bestimmten Waren erst Schönheit und Glück erzeugen. Diese Möglichkeit zu denken, ist vielleicht das Tabu der Gegenwart schlechthin.
  228. Die kritiklose Übernahme von jeder auf dem Markt angebotenen  Technologie  ist die Reduzierung des eigenen  Lebens und  des Subjektseins. Aber eine noch umfassendere Verneinung des Menschseins ist die Transformation der Freiheit in eine verinnerlichte Technologie, d. h. sich allein dem kausalen Denken zu unterwerfen.  Mit anderen Worten: Wenn der Mensch maschinenartig gestellt wird.
  229. Es ist an der Zeit, dass alle Gemeinden und Regionen verpflichtet werden, ein funktionales und zusammenhänges Netz für Fußgänger und Fahrradfahrer einzurichten, das weitestgehend von den vielfältigen schädlichen Auswirkungen des Autoverkehrs abgeschirmt ist.
  230. In Abwandlung von Platons Aussagen zur Willensschwäche. die durch die Bedingungen der Konsumgesellschaft gefördert wird. Warum? Weil diese Gesellschaft Freiheit auf Konsum reduziert und diesen zumindest  im Scheine grenzenlos zugänglich macht, begünstigt sie die Begierden, unterläuft  so die Kraft der Vernunft, destabilisiert den Willen und bringt so einen entsprechenden haltlosen Menschen hervor.  Diese Aussage kann und darf nur statistisch verstanden werden, denn hier herrscht keine Kausalität. 
  231. Warum faszinieren habituelles Autofahren und Fernsehen? Diese Menschen halt es es nicht bei sich aus und auch nicht im Hier und Jetzt. Sie haben nicht genug innere Substanz, keinen ausreichenden inneren Reichtum. Oberflächliche Außenorientierung und innerer Besitz verhalten sich umgekehrt proportional
  232. Auto fahren und die negativen Auswirkungen des Autos erleiden stehen in einem kategorischen Gegensatz zur Lebensqualität.
  233. Nach meinen  Erfahrungen ist es den Kanton Graubünden gelungen, eine sicht- und erfahrbare Alternative zum Individualverkehr zu entwickeln. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind derart gut ausgebaut, dass zumindest der Feriengast auf das Auto verzichten müsste - und viele tun es bereits.  
  234. Ich vermute, dass mindestens drei Viertel aller erwachsenen Deutschen jede Ortsveränderung über hundert Meter mit dem Auto zurücklegen. 
  235. Ich fände es gut, wenn es keine Sonderpreise, Schnäppchen, Outletverkäufe usw.  mehr gäbe, sondern jedes Produkt und jede Dienstleistung ihren festen und gerechten Preis hätte. Ein inzwischen riesig gewordenes Denkvolumen würde dann für gute Gespräche, Bildungserwerb,  sinnvolle Arbeit usw. freigesetzt werden.
  236. Bild und Filme haben auch deswegen Konjunktur, weil mit ihrer Hilfe Hässlichkeit ausgeblendet werden kann. Denn die Schönheit suchende schweifende Wahrnehmung wird ständig von Hässlichkeit gestört, denn es gibt keine "großflächige" Schönheit mehr.
  237. Rationalität hat sich in der Gegenwart auf Logik verkürzt.
  238. Der Mensch entsteht nach Hegel durch Arbeit. Wenn alle Arbeit durch Maschinen ersetzt wird, was entsteht dann?
  239. Wirtschaft hat auch Verantwortung für das Ganze, und das heißt auch, gegebenenfalls etwas nicht zu realisieren, obwohl es für die Wirtschaft förderlich wäre. Die Wirtschaft muss also auch außerwirtschaftliche Werte realisieren. 
  240. Wir müssen unsere gesamten Bedürfnisse kritisch abklopen, hören, ob sie nicht hohl sind.
  241. Die zeitgenössische Existenzweise schwächt das Leben - ohne Notwendigkeit.
  242. Bereits die Tatsache, dass nahezu jeder Arbeitsplatz von dieser Wachstumswirtschaft abhängig ist, lässt die Kritik dieser Wirtschaft als zynisch erscheinen. 
  243. Das Anthropozän ist eine Bezeichnung für dasjenige Erdzeitalter, in dem die Einwirkungen menschlicher Aktivitäten auf die Umwelt eine mit natürlichen Einflüssen vergleichbare Dimension erreicht haben (aus Wikipedia). Ist das der richtige Weg? 
  244. In Bezug auf Energie und Materie ist der Bürger nach 1950 einem riesigen Umerziehungsprogramm in Richtung Verschwendung unterworfen worden. Die Mächtigen in Staat und Gesellschaft taten das schon immer, wenn oft auch nicht im privaten Konsum, aber in Form von Kriegen, Großprojekten usw. 

  245. Der notwendige ökologische Strukturwandel heißt auch eine stärkere Hinwendung zu immateriellen Werten wie Dienstleistungen, Soziales, Bildung, Erlebnisse, Qualität, ....
  246. Trotz aller gegenteiligen Behauptungen gehen Ökologie und Leben in Form von Lebensbejahung und Lebendigsein  zusammen.
  247. Vieles, was man heute wissen "muss", ist überflüssig wie Preise, Sport, Unterhaltungssendungen....., wichtig dagegen sind Anthropologie, Wirtschaft, Ökologie, das Konkret-Nahe.
  248. Sollte man  heutige Kindheit nicht präziser mit  Auto- und Medienkindheit bezeichnen?
  249. Die Antwort auf  Fragen wie, wo man billig tanken kann und dieses gleichzeitig mit einem billigen Einkauf verbinden kann, bildet für immer mehr Menschen die zentrale Aufgabe des Verstandes.
  250. Lust und Unlust bilden eine untrennbare spannungsreiche Einheit. Dass es eine reine Lust ohne Beifügungen von Unlust gäbe, ist das uneinlösbare Versprechen der Konsumindustrie. Wer diesem Versprechen auf den Leim geht, lebt in ständiger Unruhe, weil er etwas sucht, was es nicht gibt.
  251. Aus ökologischer Sicht muss man die gegenwärtige  massive Wirtschaftshilfe ablehnen, wohl wissend, dass damit große Härten verbunden sind, die wiederum, wenn nötig, von der Gesamtgesellschaft aufgefangen werden müssen. Dass die GRÜNEN die Wirtschaftshilfen auch unterstützen, ist ein Beleg dafür, dass es Ende 1970 ein Fehler war, auf Begriff und Wort "Ökologie" im Parteinamen verzichtet zu haben.
  252. Was früher das Militär war, ist heute die Wirtschaft, nämlich das zentrale Thema der Gesellschaft. Beide "Aufgaben" können zweckrational gelöst werden.
  253. Das gegenwärtig meist gelesene Symbolsystem sind nicht Texte, sondern Preisschilder.
  254. Ein rein passives Empfangen gibt es zumindest für uns  Menschen nicht, denn immer ist auch eine aktive  Bereitschaft,  Hinwendung und Anpassung gegenüber dem Empfangenen notwendig. Beim Kauf von Waren ist  keinerlei Anpassung nötig,  aber  beim Gebrauch läuft ohne sie nichts. Deswegen, weil Anpassung aktiv ist und damit auch anstrengend, landen anspruchsvolle Waren oft in der Abstellkammer oder stehen nur rum.   
  255. Solange das Preis-Nutzen-Verhältnis oder gar reine Billigkeit die Kaufentscheidungen bestimmt, sind ökologische  Selbsterhebungen falscher Schein.
  256. Wenn zwischen mir und der Natur eine Fensterscheibe ist, dann bin ich nicht (!) in der Natur. Das gilt übrigens auch für die Mattscheibe. Man muss die Kälte und den Wind fühlen, die Amsel hören, den Geruch der Minze riechen, die Bewegungen der Muskeln spüren .....
  257. Es mehren sich die Zeichen, dass zunehmend die kalte und berechnende Beziehung zu materiellen Dingen und  Waren auch auf die Beziehung zu anderen Menschen und zu seinem eigenen Körper übertragen wird. Sie sind technisch beherrschbar und werden als solche behandelt.  
  258. Das Leben ist  süchtig, zum Leben gehört unlösbar die Sucht. Die Negation der Sucht ist  äußere und innere Bewegungslosigkeit. Es ist aber sinnvoll und auch notwendig, zwischen lebensfördernden und lebenszerstörenden Süchten zu unterscheiden. In "Sucht" steckt übrigens "sich sehnen". 
  259. Technik entwickeln ist eine intensive geistige Tätigkeit mit starker Ausrichtung auf ein Ziel, denn Technik dient der äußeren und, was oft nicht gesehen wird, auch der inneren Naturbeherrschung. Deswegen muss mit gleicher geistiger Intensität wie bei der Entwicklung, auch der Einsatz oder Nichteinsatz von Technik reflektiert werden. 
  260. Wer mehr Geld haben will, will mehr Waren haben, um damit  mehr geformte mehr Materie und Energie zu haben. 
  261. Wir müssen erkennen: In ihrem Wesen ist die Naturwissenschaft gegenüber  ihrem Gegenstand, der Natur, von höchster Unbarmherzigkeit und Mitleidlosigkeit. Die Naturwissenschaft selbst hat kein ethisches Organ. Dass die Natur zerstört wird,  berührt sie nicht als Naturwissenschaft, sie beschreibt und erklärt die Zerstörung. Das ist aber nicht wertlos, wenn ihre Erkenntnisse  als Ausgangspunkt von gutem Handeln genommen werden.  
  262. Wer unreflektierter Teil  des Konsumkosmos ist, verliert sein Ich, auch weil dieses keine Funktionen mehr hat. 
  263. Wir leben in einem sitzenden und in einem rollenden Lebensmodus. "Rollen" verlangt radikale Durchsetzung von Homogenität und das heißt, Abschaffung, zumindest Abschwächung des Lebens. 
  264. Wenn von "Natura sanat" gesprochen wird, meint man zuallererst die individuellen Heilkräfte, die in jedem Menschen stecken, vielleicht auch Natur-Medizin.  Immer seltener wird die Heilkraft der Natur im Alltag genutzt, die schlicht wirkt,  indem man sich in ihr tätig aufhält. 
  265. Wir sind immer Teil einer Umwelt, wir sind - zumindest wenn wir leben - nie umwelt-los, egal ob wir im Bett, in der Wohnstube, im Einkaufszentrum, im Auto, in der Kneipe oder im Wald sind.  Deshalb kommt alles auf die Qualität der jeweiligen Umwelt an.
  266. Von jedem Neubaugebiet muss es einen Weg für Fußgänger und Radfahrer geben bzw. gebaut werden, der relativ autofrei  direkt in die Innenstadt führt -  bevor sie sich endgültig in Nichts auflöst.
  267. Der optische Sinn dominiert über alle anderen Sinne. Im Auto, vor dem Fernsehapparat, im Buch, in der Illustrierten erscheint eine rein  visuelle Welt, die geruchs- und gefühllos ist, in der Regel nicht getastet wird und nur noch produzierte Geräusche enthält.
  268. Reale Menschen werden zunehmend durch Symbole ersetzt. So entsteht für jedes Individuum eine Gesellschaft ohne Menschen. 
  269. "Am Sonnabend war Gottschalks Stinke-Wette  Quotensieger über die Serie Dschungelcamp", die ähnliche Inhalte transportiert. Insgesamt  sahen  17, 8 Millionen Menschen diese Sendungen. Auch eine Form der Armut, die im öffentlichen Diskurs von allen Seiten ausgeblendet wird.
  270. Wikipedia setzt auf das Wissen und Können grundsätzlich aller Menschen - und das klappt. So gesehen kann man Wikipedia als Hinweis auf eine mögliche wünschenswerte Zukunft deuten
  271. Der  beabsichtige Streik bei der Bahn hilft objektiv der Autoindustrie.
  272. Es gibt tendenziell kein Draußen mehr. Ein Leben in Räumen bzw. die  Indoor-Existenz:  das eigene Haus, die Arbeitsstätte, die öffentlichen Gebäude, die  Einkaufszentren und die Autos bilden ein geschlossenes System, das  universell geworden ist.  Die Räume sind  in der Regel nahtlos miteinander verbunden. Sind diese doch noch durch ein Draußen getrennt, was immer seltener vorkommt, zudem werden diese Distanzen immer kleiner, man durchquert man dieses Draußen  huschend, so dass man zumindest im Bewusstsein gar nicht draußen ist. Übrigens kann man diese Entwicklung sehr gut an der Veränderungen Bekleidung ablesen: selbst im Winter dominiert die leichte Freizeitkleidung.        
  273. Folgende Überlegungen wollen  allein strukturell und absolut nicht ethisch verstanden werden: Wie es falsch ist, den einzigartigen Zivilisationsbruch  von 1933 - 1945 allein auf Hitler und seiner Clique zurückzuführen, so es auch falsch, die gegenwärtige Wirtschaftskrise auf einige raffgierige Manager zu reduzieren. Hitler war nicht allein und auch nicht die Manager, sie waren immer "nur" die Spitze eines Eisberges, die auf dem großen Fundament der Zustimmung und des unterschiedlichen Mitmachens beruhte.
  274. Ein Hinweis im Radio: "Auf der Bundesstraße x werden sie vor dem Ortsanfang y geblitzt. Fahren Sie vorsichtig."
  275. Grundsätzlich stehen  Tradition,  die Präferenz von menschlichem Maß ("small is beautiful") und Nahstrukturen dem Wirtschaftswachstum im Wege.
  276. Beim Autofahren wird die sinnliche Wahrnehmung der jeweiligen Außenwelt drastisch reduziert, im  Bild und Film ist die Welt nicht vorhanden, sondern sie wird ersetzt.
  277. In der linken eine halbleere Coladose, in der rechten Hand eine Zigarette, aus der hinteren Hosentasche lugt ein Handy hervor, in den Ohren Stöpsel mit  Musikanschluss - so kommt mir der jungen Mann entgegen -  schlechthin eine Perfektion des Zeitgeistes
  278. Wir sehen uns alle nach direkter Kommunikation und schaffen doch ständig Bedingungen und Änderungen, die diese Art der Kommunikation verhindert bzw. ihre Möglichkeiten verringert. .
  279. Wenn es stimmt, dass das Bild gar kein Bild ist, dass es  (nahezu) keine Ähnlichkeit zwischen Bild und Abgebildetem gibt, dann machen noch so große Bildschirme buchstäblich keinen Sinn.
  280. Nicht warenförmige Dinge verlieren ihren Wert, weil sie im Bewusstsein nicht mit Waren konkurrieren können und/oder weil das gegenwärtige Subjekt und damit das Neugierdeverhalten grundsätzlich geschwächt sind. 
  281. Der Fehler, der zur  gegenwärtigen Wirtschaftskrise geführt hat, liegt immanent vielleicht schlicht darin, dass man das bisherige Wirtschaftswachstum in die Zukunft prolongiert hat. Man hat diese Zukunft materiell als sicher gesetzt und damit auch die zukünftigen Gewinne. Man hat nicht  gesehen, dass diese Zukunft nur eine mögliche war, die allein auf der Zuversicht aller beruhte. Wirtschaft hat also viel mit Geist und Psychologie zu tun.  Der Kern: Man hat der Zukunft den gleichen Wirklichkeitsstatus gegeben wie der Gegenwart und der Zukunft 
  282. Unser Körper wird in den Existenzvollzügen zunehmend überflüssig, weil er keine Funktion mehr hat. Als bloße Erscheinung, insbesondere als Bild, hat er noch eine letzte, aber überwältigend große Bedeutung. 
  283. Wir haben in der Gegenwart ein Zuviel an Technik, denn Technik stellt das äußere und innere Leben still - Leben ist aber Bewegung. Natürlich hat es in der Vergangenheit  geisttötend repetitive und  körperzerstörende Bewegungsabläufe gegeben, deren Ersetzung durch die Technik nur als Segen zu bewerten ist. Aber zwischen Eigenbewegung und Fremdbewegung (=Technik) gibt es immer ein spezifisches Optimum, dass statistisch gesehen weit zuungunsten der Eigenbewegung entwickelt worden ist.  Ich bin nicht der Auffassung, dass Ludwig Klages Einschätzung des Geistes als Widersacher der Seele richtig  ist, bin aber der Meinung dass ein Zuviel an Technik der Widersacher von Seele und Geist ist.
  284. "Die Frage ist, ob die Steigerung des Güterwohlstands überhaupt noch etwas mit Lebensqualität zu tun hat" (Ulrich Grober). Ich beantworte diese (rhetorische) Frage mit einem eindeutigen Nein.
  285. Da beißt keine Maus den Faden ab: Die gegenwärtige Zivilisation, an der wir alle mehr oder weniger intensiv teilnehmen, ist die Ursache für die weltweiten ökologischen Zerstörungen. Damit meine ich, morgens bei schönem Wetter mit dem Auto Brötchen zu holen,  Dubai gesehen zu haben, den Gabentisch zu Weihnachten mit noch mehr Doppeltem und Überflüssigen zu beladen.
  286. Die Produktion  ist kein Selbstzweck, denn sie hat dem Leben und der Entfaltung sozialer Beziehungen und geistiger Fähigkeit zu dienen. Es geht um immaterielles Wachstum.
  287. Die radikalen Änderungen auf der Ebene der Konsumbeschaffung in Form von Internetverkäufen, Konzentration auf wenige Einkaufszentren und Outlet-Einrichtungen ergänzt durch Massenveranstaltungen mit Eventcharakter wird die traditionelle Unterscheidungen von Stadt und Land, zwischen Innenstadt und  Stadtteilen überflüssig machen: ein gleichmäßiger Brei von isolierten Häusern wird strukturlos die Landschaft überziehen. Das ist keine negative Utopie, sondern bereits heute in großem Umfange realisiert. 
  288. Es ist sinnvoll, Institutionen, die auf einem guten Weg sind, zu helfen, wenn sie schwächeln, damit sie ihre Aufgaben erfüllen können. Diese Einsicht auf die gegenwärtige Wirtschaftskrise gewendet:  Der Weg, den die Wirtschaft eingeschlagen hat,  ist aus verschiedenen Gründen nicht zukunftsfähig. Deshalb müssen wir nun teilweise (!) neue Ziele und damit neue Wege denken und realisieren. 
  289. Wenn man das jeweilige Ideal an Situationen, Handlungen, Lösungen usw. anlegt, entstehen immer unweigerlich Verluste. Deswegen gilt es,  Ideal und die jeweilige Potenz zusammen zu denken.  
  290. Knöpfe haben Bedeutung. Wörter werden zunehmend durch Knöpfe ersetzt.
  291. Institutionen, Medien und Menschen,  die tendenziell vom Gesamt der Bürger, Käufer usw. abhängig sind, haben Schwierigkeiten, sich allein dem Diktat der Wahrheit zu unterstellen.
  292. Wenn ich Wilhelm Schapp richtig verstanden habe, ist der Mensch  in der Lage, ja verurteilt, jede materielle Situation in Geschichten einzubetten. Geschichten sind dann subjektiv alles, objektiv nichts.  Und es kommt auf die Qualitäten der Geschichten an.
  293. Parallel zur Vermindung der physischen und psychischen Stärke der Menschen geht einher die Verbreitung und Intensivierung von Sorgestrukturen: Man traut sich nichts mehr zu. Dieser Vertrauensverlust zu sich selbst wird kompensiert durch äußerliche Stützsysteme wie Konsum, Versicherungen, innere und äußere Verpanzerungen Ausblenden von Zufällen, Spontaneität, Überraschungen und Forderungen, Forderungen, Forderungen.
  294. Realprozesse sind zuvörderst nicht bewusst. Sind sie bewusst geworden, ist zu hinterfragen, ob sie  wesentlich bestimmt worden sind oder ob Täuschungen vorliegen. Die vorliegenden Aphorismen und Notate haben die Aufgabe, bei der Bewältigung dieser Aufgabe zu helfen - mit dem Ziel, das Leben "wahrer", "guter" und "schöner" zu machen.
  295. Offensichtlich ist der doch so erklärungsfähige und handlungsorientierende Begriff der Entropie vollkommen aus der öffentlichen Diskussion verschwunden. Wer hat das zu verantworten?
  296. Der Mensch ist weder reines Naturwesen noch reines Kulturwesen, immer liegt ein Mischungsverhältnis vor, das wegen seiner Komplexität schwer zu bestimmen ist. Und noch schwerer ist zu entscheiden, wo zwischen Natur und Kultur das Optimum liegt. Ich bin aber sicher, dass wir uns grundsätzlich von dem Pol Natur zu weit entfernt haben, sei es in der Ernährung, sei es in unserem Bewegungsverhalten, sei es bezüglich unserer Aufenthaltsorte. 
  297. Der Einfluss von Nationalsprachen (hier die materiellen Zeichen) auf  spezifische Bedeutungen und Inhalte geht mit  der globalen Angleichung von Lebenswelten und dem Zurückdrängung nationaler und regionaler Kulturen drastisch zurück. Die französischen und die deutschen Wörter in den Einkaufszentren beispielsweise lösen identische Bedeutungen aus. Ganz anders sieht es aus, wenn man mit der jeweiligen nationalen Literatur und sprachlichen Ausdrücken vertraut ist.  
  298. Es gibt Situationen und Aufgaben, die man vereinfachen kann, ohne den Sinn zu reduzieren. Aber in der Mehrzahl der Fälle ist Vereinfachung Reduzierung bis hin zur Verfälschung. Der ständige Ruf nach Vereinfachung, hinter dem oft pure Bequemlichkeit steckt,  ist also mit Vorsicht zu begegnen.
  299. Dinge, sei es der Hund, sei es ein Tisch, sprechen, aber sie sprechen nicht die Sprache der Menschen. Wenn wir meinen, ihre Sprache zu verstehen, ist die Wahrscheinlichkeit, sie nur unvollständig bzw. falsch zu verstehen, sehr groß. 
  300. "Die Landschaft bestimmt das Wohnen  und nicht das Wohnen die Landschaft" (das Motto der Waldsiedlung Tremmerup in Flensburg).
  301. Je besiedelter eine Gegend ist, desto nerviger wird  schlechtes Wetter. Je naturnaher eine Landschaft ist, desto unwichtiger wird das Wetter.
  302. Im Internet merkt man endgültig, dass Bilder fast nichts mit der Realität gemeinsam haben.
  303. Wirtschaften ist primär ein geistiger Prozess, der sich mehr oder weniger stark in  Materie verwirklicht. Da der Geist keine Grenzen kennt, ist es prinzipiell unmöglich, die Wirtschaft oder bestimmte Erscheinungen der Wirtschaft systemimmanent zu kritisieren.
  304. These: Ein äußeres Bild ist geformte Materie. Die in ihm  enthaltenen Formen haben mit dem  gemeinten äußeren Gegenstand oder Situation  nur ganz wenig gemeinsam.  Ähnlichkeiten sind nicht  real, sondern  überwiegend "Kopfgeburten", die erlernt worden sind. Dies Erlernte wird bei der Bildbetrachtung aktiviert. Fazit: Bei der Bilderwahrnehmung lernt man über den dargestellten Gegenstand nichts Neues. Neues von der Außenwelt lernt man nur in der Originalbegegnung. Hier kann der Anteil der sinnlichen Wahrnehmung sehr groß sein.  Pointiert: Für das Bild ist nicht die Wahrnehmung, sondern der Verstand im weitesten Sinne zuständig. Je weniger im Verstand vorhanden ist, desto weniger sieht man. Und: Je weniger der Verstand aktiviert wird (z. B., weil ihm keine Zeit zur Verfügung steht, aktiv zu werden), desto weniger sieht der Mensch. Beim Lesen kann man sich übrigens diese Zeit nehmen, die Karawane (wie beim Film) sieht eben nicht weiter. 
  305. Die Anzahl spontaner, d. h. nicht geplanter Kommunikation nimmt rapide ab. Wie oft hast Du spontan mit Dir unbekannten Menschen ein Wort gewechselt?
  306. Die Wirtschaft hat zwei Aufgaben: a) den Bedarf der Menschen zu decken und b) Strukturen zu schaffen, die den Verbrauch von Materie und Energie reduzieren.  Es ist hier sinnvoll, zwischen materiellem Bedarf und geistigen Bedürfnissen zu unterschieden.
  307. Der moderne Kritiker geht nicht aufs Ganze, sondern verrichtet sein Geschäft nur noch in einem einzigen Segment. 
  308. Ein dänischer Betreiber einer Wohnanlage  erzählte mir, dass er keine deutschen Gäste mehr aufnähme, da diese alles, aber auch alles in ihren großen Limousinen aus Deutschland mitbrächten und außer dem Wohngeld keinen Pfennig in Dänemark ließen. Seine Analyse stimmt,  meine Zustimmung hat er.
  309. Warum eigentlich kein Aufschrei, kein Mitleid, kein Appell, wenn Menschen täglich zehn Stunden vor dem Fernsehapparat sitzen in der Hoffnung, aus ihm käme die Verheißung.
  310. Die bestehende DDR-Nostalgie kann ich mir nur "warentheoretisch" erklären:  Die Versprechungen  der Waren  sind weit überzogen, so dass zwangsläufig Getäuschtsein in zweierlei Formen entsteht: a) die Waren sind nicht bezahlbar oder b) ihr Täuschungscharakter wird durchschaut, so dass eine existenzielle  Leere entsteht, falls andere Werte nicht mehr geteilt werden. 
  311. Für die spanische Schauspielerin Penelope Cruz sei Hollywood "kein realer Ort".  Wenn wir so weitermachen. wird endgültig jeder Ort Hollywood, d. h. zu einem Un-Ort. Dazu folgende Hypothese: Je umfangreicher und differenzierter das Straßennetz wird, desto mehr verschwinden feste, systemische Orte, d. h.  geologische definierte Siedlungen  mit einem Kern und auf ihn bezogene Teile und nicht eine willkürliche Addition von Gebäuden, die nur noch mit dem Auto zu erreichen sind.  
  312. Es liegt immer dann ein demokratisches Missverständnis vor, wenn jemand meint, dass sein Anteil am Ganzen wegen der Winzigkeit vernachlässigenswert sei, dass er diesen winzigen Teil nicht zu verantworten habe.
  313. Die Städte sollten endlich beginnen, in ihrer Stadt ein (nahezu) autofreies System von Straßen und Wegen zu verwirklichen, das nur von Fußgängern und Radfahrern belebt wird.
  314. Argument eines jungen Mannes, der in und für die Atomindustrie arbeitet: " Wenn wir unseren Standard halten wollen, brauchen wir AKWs". Zumindest wenn man die Steigerungen im Energiesektor mitrechnet, ist meiner Ansicht nach diese Position realistisch. Realistisch gesehen gibt es nur eine Alternative und die heißt Sparen. Wir müssen eine alternative Zivilisation entwerfen, die die Eigenbewegung stärkt. Eine solche Zivilisation wäre nicht das absolut Neue, sondern eine Akzentverschiebung von der Fremdbewegung zur Eigenbewegung, zur Ganzheitlichkeit, zum konkreten (lat. concrescere = zusammenwachsen) Menschen. Auch denke ich, dass in dieser Alternative weniger Verzicht als Gewinn enthalten ist.
  315. Wenn der Irrtum wesentlich darin besteht, etwas Nichtwirkliches für wirklich zu halten, dann ist der Konsummensch meistens im Zustand des Irrtums.
  316. Wer ständig den bequemsten Weg wählt, verliert ständig an körperlicher Gesundheit, geistigem Wachstum und  seelischer Ich-Stärke.
  317. Wirtschaftliche Engpässe bis hin zur neuen Armut in privaten Haushalten  erklären sich auch daraus, dass man sich  vorbehaltlos, ja freudig auf energieintensive und materialaufwendige Strukturen  wie Einkaufen mit dem Auto, Wegwerfartikel, überheizte Räume, Ersetzung vieler Tätigkeiten durch Motoren usw. eingelassen hat.
  318. Die ungeheure Vermehrung der Bilder erweitert die Welt im Scheine, behindert aber wegen ihrer Suggestionskraft und  aus Zeitgründen das Denken.
  319. Der Prozess der Entropie verläuft gewissermaßen von selbst, er bedarf keine Anstrengungen und Mühen.  Verglichen mit anspruchsvollen Tätigkeiten verlaufen  Autofahren und Fernsehen entropisch, wobei im Benutzer reduzierter bzw. falscher Schein entsteht.  
  320. Die Pädagogin Maria Montessori legte Wert darum, dass die verschiedenen Arbeitsmaterialien in nur  je einer (1) Ausführung den Kindern einer Klasse zur Verfügung stand. Sie wollte damit erreichen, dass, falls mehrere Kindern dasselbe Material gleichzeitig haben wollen, sie sich einigen müssen, wer ihn wann bekommt. Dieser soziale Gedanke hat in der Konsumgesellschaft weder faktisch noch normativ Gültigkeit. Nicht nur jedes Kind bekommt alles, sondern Gleiches gilt auch für  die Erwachsenen. Die Folge ist: Man leiht sich nichts mehr vom Nachbarn und damit verschwinden Gesprächsgelegenheiten und Dankbarkeit. 
  321. Der moderne Mensch wird heute wesentlich über technische Geräte bestimmt. Diese Bestimmung kann man als Beherrschung auffassen.
  322. Wir müssen ein Paradigmawechsel einleiten: Weg von der einseitigen materiellen Konsumorientierung hin zu geistigen und sozialen  Interessen, Bedürfnissen, Projekten. Es gibt einfach zu viele Haushalte, in die materiell nichts mehr hineinpasst.
  323. In Anlehnung an Heinrich Heine: Das habituelle Autofahren ist die Ermordung des Raumes und der tägliche Fernsehkonsum ist die Ermordung der Zeit. Und ein Leben ohne Raum und Zeit ist keines.
  324. Das Leben kann vielfach bedroht sein, das zeigt die Vergangenheit. Lebenspolitik in der heutigen Gesellschaft heißt primär, die Verteidigung des Lebens gegen die Überwucherung durch Technik, d. h., wenn die Ersetzung von Leben durch Technik nicht gerechtfertigt ist.
  325. Rauchen und Autofahren sind von den schädlichen Emissionen her gesehen prinzipiell gleich. Und beide Tätigkeiten werden als Genüsse hingestellt, d. h. sie werden rationalisiert.
  326. Die große Mehrzahl der gegenwärtigen Probleme sind keine existenziellen,  sondern bewegen sich auf der Ebene von überflüssigem, ja destruktivem Konsum.
  327. Modernes Leben findet immer mehr sitzend in  warmen Räumen (Betrieb, Wohnen, Auto) statt. Räume verhindern Kontakte zur Außenwelt bzw.  schützen vor spontanen und unerwünschten Außenkontakten. 
  328. Überlegungen zum Bild und Film
    Colin McGinn (Das geistige Auge. Von der Macht der Vorstellungskraft. Darmstadt, 2004) unterscheidet das einfach empfangene, nicht vom Willen gesteuerte Wahrnehmen und das aktive, spontane, vom Willen gesteuerte Vorstellen. Wobei das Vorstellen eine Willenshandlung ist, unterrichtet es uns eben nicht über die Außenwelt. Über die Außenwelt erfahren wir nur etwas über die Wahrnehmung (Wittgenstein).
    - Das  Wahrnehmen selbst bzw. an sich ist passiv, ist empfangend, aber die Ausrichtung kann vom Willen gesteuert werden, so der Standpunkt und damit die Entfernung, die Konzentration auf Details oder mehr auf den Überblick, auf die Dauer der Wahrnehmung,  auf  mein Involviertsein, auf die Beeinflussung des Umfeldes der jeweiligen Wahrnehmung, auf meine Bereitschaft, mich anzustrengen usw.   - und natürlich die „dazugehörigen“ Gedanken. Es findet beim Bild und Film eine Enteignung statt. Denn der Bildmacher oder Regisseur übernimmt alle Aktivitäten, ersetzt meinen Willen durch seinen, er inszeniert eine (Bild) oder mehrere (Film) Wahrnehmungen. In dieser Beziehung, aber nur hier, ist das Theater dem Film strukturell ähnlich, Übrigens tun die  Schauspieler alles, was der Regisseur will.. So entsteht die Wirklichkeit durch den Bildmacher bzw. Regisseur, nicht durch mich und damit eine andere Wirklichkeit.  Aber gerade in dieser Eigentätigkeit liegt ein großes Bildungspotential.
    - Deshalb sind Bilder und Filme beliebt wie Fertiggerichte (natürlich nicht Kunstwerke) und so schlecht wie diese. Sie sind bequem und ohne Anstrengung zu konsumieren, strukturell entspricht das auch dem Autofahren.  
    - Entscheidend: Die Wahrnehmungen sind  das Fenster zur Welt, aber sie sollten,  wenn irgendwie möglich,  meine Wahrnehmung sein.
    - Aber beim Fernsehen – so lautet der Einwand - lernt man doch. Das stimmt, aber was lernt man? Starke Reize, man lernt nicht, größere  Zusammenhänge herzustellen. Ein Film dauert maximal zwei Stunden, mit einem Buch kann ich mich tagelang auseinandersetzen. Haupteinwand  ist aber, dass es nicht meine Realität ist. Es macht einen entscheidenden Unterschied aus, ob ich im Bergwerk arbeite oder ob ich einen Film über die Arbeit im Bergwerk sehe. Diese Realitätsdimension vermag der Film prinzipiell nicht wiederzugeben. Das ist der große Verlust, wenn man auf eigene Wahrnehmungen, auf Originalbegegnung verzichtet.
    - Diese Enteignung erzeugt Passivität, erzeugt Opfer und damit Opfermentalität.
    - Beim Lesen findet übrigens auch keine Originalbegegnung statt. Was passiert dort?  Beim Lesen muss ich die Buchstaben wahrnehmen, aber, um die Buchstaben zu verstehen, auch Vorstellungen aktivieren. Diese Vorstellungen „ernähren“ sich von erinnerten Wahrnehmungen bzw. müssen durch Eigenkonstruktionen hergestellt werden. Aber für die Vorstellungen muss Zeit vorhanden sein. d. h., man muss die Wahrnehmungen verlassen, z. B. den Fernseher ausschalten oder die Zeitung beiseite legen. Erinnern und Konstruieren sind aktive Vorgänge, die u. U. anstrengend sind, aber wortwörtlich Spuren hinterlassen. 
  329. Nicht warenmäßige Wirklichkeit zu genießen, kostet nichts: Zu Fuß in die Stadt gehen, sich mit Nachbarn unterhalten, sich an der  Blume erfreuen,  in dem Fluß baden ... es gibt hier viel mehr Möglichkeiten, als man denkt.
  330. Da sage noch einer, die einseitige Orientierung auf Preise sei erlebnisarm: Voller Stolz erzählt sie, dass sie schon beim Einkauf  bemerkt hätte, dass die Ware beschädigt sei und deshalb fünf Euros Ermäßigung bekommen hätte. 
  331. Den Kapitalismus zu kritisieren, ihn gar als Raubtier zu bezeichnen,  ist nachvollziehbar, aber nur dann, wenn ausdrücklich gesagt wird, dass wir alle mehr oder  weniger stark von ihm profitieren und damit  auch Ursache für seine Destruktionen sind.
  332. Einkauf im Internet heißt zumindest auch: Verzicht auf Eigenbewegung im Alltag, Verzicht auf  Kontakt mit Menschen, Verzicht auf Zufall, Verzicht auf Sinnlichkeit.  
  333. Ich will mich nicht ohne Grund von anderen unterscheiden. Das Anderssein ist für mich kein Wert an sich. So fahre ich kein Auto, um mich von anderen zu unterscheiden, sondern weil ich es für schädlich halte.
  334. These: Die großen Zerstörungen in den Bereichen Klima, Landschaften und Tiere hat seine letzte Ursache in dem Prinzip der Billigkeit, d. h. global ist der günstigste Preis einziges Entscheidungskriterium für den Erwerb von Waren und Dienstleistungen.  Wenn es keine gerechten Preise gibt, wird der dadurch entstehende Druck entweder auf Menschen oder auf die Umwelt geleitet und dieser Druck ist zerstörerisch.
  335. Die Forderung, dass die Strukturen einer Stadt ein Bild ergeben sollen (wie ein moderner Trend der Stadtgestaltung es propagiert), halte ich einerseits tendenziell für Kitsch, andererseits sagt ein solches Bild noch nichts über die Lebensqualität einer  Stadt aus, zumindest wenn man der Überzeugung ist, dass der Blick aus einem Flugzeug oder Hochhaus nur wenig mit Lebensqualität zu tun hat. 
  336. Wenn ein Huhn nie außerhalb seines Käfigs war, wird es wahrscheinlich  seinen Käfig nie als Begrenzung oder gar als Gefängnis  bewerten. Ähnlich verhält es sich offensichtlich auch bei Ideologien, so auch bei der „meist verbreitesten Krankheit der Gegenwart,  dem Konsumentismus“.
  337. In einem Zeitungsartikel zur Armut  ist ein großes Farbfoto zugeordnet, auf dem vor einem Schaufenster eines Spielzeugladens vier "durchschnittlich" gekleidete Kinder stehen. Die Botschaft lautet offensichtlich "Wer sich nicht alles kaufen kann, ist arm."
  338. Alternative Lebensformen toben sich hauptsächlich auf symbolischer Ebene aus, so dass die materiellen Lebensabläufe nicht berührt werden, die weitestgehend dem gängigen Konsumverhalten entsprechen.
  339. Die Dinge, die Elemente der Natur werden durch zwei umfassende Prozesse bedroht, die eine Entdinglichung und Entleerung der Lebenswelt  zur Folge haben. Erster Prozeß: Die konkreten Dinge werden ersetzt durch mathematische Größen, durch Gesetze, durch elementarste Materie wie Atome. Zweiter Prozeß: Die Dinge werden zu Waren, die als sinnhafte Dinge nur eine kurze Verweildauer haben, so dass sie sehr schnell zu Müll werden. Auch hier ist die Zahl mit Macht wirksam, nämlich als Preis, so dass die Identität eines Dinges hier zum Preis wird. 
  340. Insbesondere in den  letzten zwanzig Jahre hat es die große Mehrheit der Bevölkerung durch ihr Kauf- und Mobilitätsverhalten geschafft, Stadt und Land nachhaltig in großem Ausmaße zu schädigen, indem sie ihr Kaufverhalten allein nach den  Prinzipien Billigkeit und Großauswahl ausrichtete, ihre Mobilitätsverhalten allein auf das Auto beschränkte und damit die zurückgelegten Kilometer exorbitant erhöhte. Es ist, als ob eine fremde Macht in die Gehirne der Menschen gedrungen ist, und so ihre Herrschaft und ihr Zerstörungswerk unbemerkt und äußerst effektiv durchführt. 
  341. Ich möchte nicht in einer  autogerechten Stadt leben, sondern  in einer Stadt, in der ich  leben und mich bewegen kann, ohne ständig von Lärm, Abgasen und Häßlichkeit der Autos belästigt und eingeschränkt zu werden. Auch will ich in vielen unterschiedlichen Läden einkaufen und nicht in drei Supermärkten. Für dieses Mehr an Lebensqualität will ich dann gerne auch etwas mehr bezahlen, falls das zwangsläufig mit einer solchen Struktur verbunden sein sollte, was ich noch nicht einmal glaube. Das ist übrigens für ein Plädoyer für ungleiche Lebensbedingungen. 
  342. Unsere historische Altstadt ist in jeder Beziehung ein Genuss. Ich brauche da überhaupt  keine zusätzlichen Events.
  343. Wenn Verantwortlichkeit gegenüber uns selbst und der Natur ein untrennbarer Teil der Mündigkeit ist, dann sind  wir unmündig.
  344. Die Hauptleistung des  Fernsehens besteht nicht darin zu informieren, sondern die Menschen zu  triebgesteuerten Konsumenten zu erziehen. Das führt auch  zur Zerstörung der Aufmerksamkeit als psychosozialer Fähigkeit.  (vgl. auch Bernard Stiegler, Die Logik der Sorge).
  345. Fazit eines Gesprächs mit einem klugen und sensiblen Freund: Der Umfang der inneren Zerstörungen an Geist, Lebendigkeit, Humor ist nicht geringer als die der äußeren Zerstörungen an Natur und urbanen Strukturen. Dieses Fazit ist nicht aus einem Vergleich mit irgendeiner Vergangenheit gewonnen worden, sondern aus der Analyse der Potenzen der Gegenwart, die teilweise gegen das Leben realisiert werden
  346. Gekauftes ist nicht automatisch Angeeignetes. Aneignung ist ein weit aktiverer Prozess als an der Ladenkasse zu bezahlen.
  347. Entweder Herr oder Frau  "Autosen" verlassen  an einem arbeitsfreien Sonnabend  im Laufe des Tages  mindestens zehnmal mit einem ihrer Autos für relativ kurze Zeit das Haus. Zumindest wirken sie sehr gestresst und sagen es auch. Welche Werte und Erreichungsstrategien mögen bei ihnen vorliegen, um solch ein Leben führen zu müssen.    
  348. Zu jedem Ding der Welt haben wir, oft auch unbewusst und verdrängt, ein wertendes Verhältnis, das wiederum stark die Kognition und Argumentation bestimmt. Kurz: in jedem Begriff stecken  immer zwei  sich selbst  widersprechende Werte, bejahend und verneinend, wobei der eine  oder andere Wert in den Mittelpunkt eines Argumentierenden rücken kann. Das kann man beispielsweise am Wiederaufbau des Berliner Schlosses festmachen:  Man kann  im Wiederaufbau des Berliner Schlosses eine symbolische Weiterführung des preußischen politischen Systems sehen und ihn berechtigt ablehnen. Oder  das Schloss, unabhängig von den damaligen gesellschaftlichen Verhältnissen, als  einen gelungenen ästhetischen Ausdruck der damaligen  Zeit ansehen. Dann ist der Wiederaufbau berechtigt, was übrigens meine Position ist.  Wenn ich den ersten Standpunkt konsequent vertrete, hätte nahezu kein Kunstwerk eine Daseinsberechtigung.  So kostet doch beispielsweise ein Werk von Gerhard Richter mehrere Millionen, die letztlich von Arbeitern erarbeitet wurden.
  349. Wegen der monatelangen Bauarbeiten zur (geglückten) Verschönerung der Fußgängerzone waren die Kunden, obwohl der Laden immer zugänglich war, in dem kleinen Laden ausgeblieben. Die Stadt muss nun den Schaden ersetzen. Ich halte dieses Urteil für falsch: Nicht die Stadt, sondern die ausgebliebenen Kunden, die sich nicht mit der schwierigen Lage des Besitzers identifizierten, sollten bezahlen - und erst recht diejenigen, die die Innenstadt prinzipiell meiden. Warum eigentlich nicht Sondersteuern auf  die Einkaufszentren auf grüner Wiese.
  350. Welcher Politiker ist  dann in der Lage, den  großen  Druck von  ungerechtfertigten oder gerechtfertigten Interessen  mit der Notwendigkeit und Begründung des Sparenmüssens zu widerstehen? Da ist doch der Weg des Schuldenmachens auf Kosten zukünftiger Generationen der einfachere.
  351. Aus einer Tageszeitung: "Am 24. Dezember lohnt es sich, mit der Bescherung um 20.15 fertig zu sein: Sat. 1 zeigt mit dem Kriegsmelodram `Merry Christmas´ eine bewegende Premiere...".  Wir müssen uns wohl doch noch einen Fernseher anschaffen.
  352. Bis zu einer bestimmten Untergrenze ist die Reduzierung des Einsatzes von Fremdenergie kein Verlust, sondern im Gegenteil ein Gewinn von Lebensqualität.
  353. Es ist ja nicht so, dass vernünftige Lösungen immer "von oben" verhindert werden, sondern auch von unten, sei es in Form von Privatinteressen, sei es am Festhalten von  destruktiven Strukturen.
  354. In der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise sehr ich auch die Chance für private und öffentliche Haushalte, ihre Aufwendungen nach den Kategorien  "notwendig", "überflüssig" und "schädlich" zu durchforsten.
  355. Für jede Gesellschaft ist eine funktionierende Wirtschaft unverzichtbar, aber sie ist kein Selbstzweck, sondern hat gegenüber den Bürgern eine dienende Funktion.
  356. Demokratie muss sich von der Wirtschaft emanzipieren bzw. von der Wirtschaft abgekoppelt werden. Es darf einfach nicht sein, dass in wirtschaftlich schlechten Zeiten Demokratieverdruss und prinzipielle Politikerschelte sich breit machen. 
  357. Wir müssen unsere Stärken stärken und unsere Schwächen schwächen.
  358. Ich wundere mich immer wieder darüber, dass gut situierte Menschen die    aller Großmärkte und Einkaufszentren der Stadt im Kopf haben, um dann da oder dort dieses oder jenes am günstigsten einzukaufen. Warum? Meine These dazu: Sie legitimieren damit ihre ständigen Autofahrten, d. h. sie geben diesen Fahrten einen Sinn. 
  359. Zugespitzt kann man wohl die Behauptung aufstellen, dass die deutschen Mittelgebirge für die große Mehrheit der Bevölkerung  nicht mehr als längerer Urlaub in Betracht kommen. Woran liegt das? Sie bieten nichts Extremes und Spektakuläres, sie sind zu nahe, sie sind nahezu als Urlaubsorte nicht in den Medien vertreten, Ihre Attraktionen wie  Natur, Wandermöglichkeiten, gewachsene Städte sind nicht mehr Attraktionen für die Masse der Urlauber. Hinzu kommt, dass durch das Ausbleiben der Urlauber viele dieser Orte sich in einem traurigen Zustand befinden.
  360. Für nicht wenige Menschen sind die Energiepreiserhöhungen auch eine Chance, nämlich ernsthaft über unnötigen Energieverbrauch nachzudenken und diesen einzustellen. Übrigens gilt das auch für unseren eigenen Haushalt, denn auch hier bestehen noch Möglichkeiten der Energieeinsparung  - ohne Verlust an Lebensqualität.
  361. Man liegt wohl nicht falsch, wenn man das Ding an sich  als eine formale Größe, als einen leeren Referenzpunkt betrachtet: Was die Dinge an Eigenem haben, verdanken sie dem Subjekt, schreibt  Kant.  Es bleibt dem Menschen nichts anderes übrig, als sich eine eigene Welt so oder anders zurechtzuzimmern. So gesehen ist auch die Natur eine Konstruktion. Und so gesehen, findet in der Gegenwart nicht die endgültige Transformation von Natur in  Kultur, d. h. in eine universell vom Menschen gemachte Welt, sondern lediglich die Transformation einer Konstruktion in eine andere statt. Damit erklärt sich auch die Leichtigkeit, wie Natur problemlos in Straßen, Kanäle, Siedlungen, Fabriken, industriellen Anbauflächen usw. sich durchsetzen kann. Friedrich Jacobi spricht hier vom Nihilismus. Die Gegenwart ist also in dieser Hinsicht durch und durch kantisch geworden - eine Position, die ich nicht teile: Diese Birke vor meinem Zimmer und dieser kleine Kater Maxi sind im Kern nicht meine Schöpfungen.
  362. Der Raum zwischen zwei Orten wird immer entleerter: Entweder real, so zwischen den Vorstadtsiedlungen und den Einkaufszentren auf der grünen Wiese oder zumindest im Bewusstsein, wenn in modernen Verkehrsmitteln die Distanz zwischen Hamburg und Frankfurt zurückgelegt wird. Die Straßenkarte wird tendentiell universell.  
  363. Der Kern der gegenwärtigen ökologischen und  anthropologischen Probleme besteht meiner Ansicht  nach darin, dass  Wirtschaft und Gesellschaft tendenziell identisch geworden sind und die Wirtschaft in diesem Prozess Priorität und Selbstzweck gewonnen hat. Damit hängt zusammen, dass wir im materiellen Bereich maß-los geworden sind: immer größer werden die Autos, immer länger die Reisen (nicht die Aufenthaltsdauer), immer schneller die Verkehrmittel und Abläufe, immer zahlreicher die Fernsehprogramme, immer aufnahmefähiger die Sportarenen ... , dazu umgekehrt proportional werden Geist und  Bildung immer eindimensionaler  bzw. enger, die Straßen immer leerer, ....... Die Fähigkeit zur Selbstbegrenzung muss gelernt werden, die Frage "Tut es mir und meiner Umwelt gut"  muss  in ihr Recht gesetzt werden.
  364. Werte und Realität haben sich so weit entfernt, so dass die Werte nahezu unabhängig von der Realität geworden sind. Die Bankenkrise hat diese Entwicklung gebremst
  365. Das Was und das Wie jeder Kaufhandlung  hat eine politische, zumindest eine kommunalpolitische Dimension. Dazu folgender Absatz aus einem Artikel von Volker Viehoff "Die neue Vollmacht: Wir sind das Geld"  im Flensburger Tageblatt v. 22. 11. 08: Als mündiger Demokrat entscheide ich, wem ich mein Vertrauen schenke - ob ich zum  Beispiel diesem oder jenem Lebensmitteldiscounter Rekordumsätze verschaffe, oder ob ich es vorziehe, auf dem Wochenmarkt, im lokalen Einzelhandel einzukaufen und so Handelsstrukturen zu unterstützen, die mit Chance für Regionalität, Fair Trade, gerechte  Bezahlung und Nachhaltigkeit stehen." 
  366. Wenn man die Einheitlichkeit und Ausgerichtetheit des Kaufverhaltens auf Billigkeit und Großauswahl bei der großen Mehrheit der Bevölkerung  bemerkt, scheint es zwingend zu sein, eine unsichtbare totalitäre Macht vorauszusetzen, die dafür sorgt, dass jegliche Vernunft und Ethik im  Kaufakt ausblendet wird.  
  367. Ich denke, bestimmte sprachliche Ausdrücke sagen viel  über Ernst und Verantwortlichkeit aus, dazu gehören:  Kids statt Kinder, Banker statt Bankiers, Job statt Beruf.
  368. Die globale Wertschätzung und Sehnsucht nach  der Retortenstadt Dubai ist für mich Ausdruck von Substanzlosigkeit und damit Manipulierbarkeit. In ihr dokumentiert sich auch Wirtschaft als Selbstzweck. Die dortigen Bauwerke, soweit sie in den öffentlichen Medien im Mittelpunkt stehen, halte ich übrigens für Kitsch.
  369. Ich bin immer wieder in Diskussionen überrascht, wie schnell von Menschen gemachte Dinge zu  Naturdingen, die nicht mehr beeinflussbar sind, interpretiert werden.  Dahinter steckt meiner Ansicht nach folgende "Logik":  Von Menschen gemachte Dinge sind Hybride, d. h. sie  bestehen aus Natur (nicht gemachte Dinge) und menschlichem Geist. Wenn dieses Hybridsein der gemachten Dinge  ausgeblendet wird und der Pol "Natur" verabsolutiert wird,  entsteht zwangsläufig  die Ideologie der Naturalisierung menschlicher Produkte im Sinne von "Das ist so" und "Das kann man nicht ändern".  
  370. Die Forderung,  Schwerter zu Pflugscharen zu machen" ist leider aktueller denn je, kann und muss aber auf destruktive Produktionen ausgedehnt werden, z. B.  Autos in öffentlichen Verkehrsmitteln konvertieren.
  371. Heute (21. 11. 08) feiert  man den Weltfernsehtag. Ich denke angesichts der ungeheuren psychischen und sozialen Verwüstungen, die das Fernsehen angerichtet hat, ein Grund zu trauern. 
  372. Die große Zunahme und Akzeptanz von Spielscheunen ist Ausdruck und Symbol der Ersetzung von herkömmlichen Lebenswelten durch Kunstwelten, die sich durch Reizüberflutung, durch Konzentration von Highlights, (die sich wiederum oft auf Fernsehsendungen beziehen),  durch innerhäusliche Wärmeverhältnisse, durch Überwachung von Seiten der  Erwachsenen, durch fertig gestellte, inszenierte Vorgaben auszeichnen. Wie soll da ein "normaler" Wald, eine "normale" Situation im Bewusstsein der Kinder  noch mithalten können. Die Eventkultur hat nun alle erreicht.   
  373. Wir schonen uns zwar nicht zu Tode, aber bis in die Krankheit, in die Zerstörung von Siedlungen und Landschaften, in die Klimakatastrophe, in die Hässlichkeit.
  374. Ich kann noch nachvollziehen, wenn jüngere Menschen, die im Wohlstand, ja im übertriebenen Wohlstand aufgewachsen sind, diesen als normale  Selbstverständlichkeit betrachten. Ich verstehe nicht ältere Menschen, die noch die  wirtschaftlichen schweren Zeit während  des Krieges und danach kennengelernt haben, nun bei kleinsten materiellen Einschnitten erst in höchsten Tönen klagen und dann aggressiv auf die Barrikaden gehen wollen.
  375. Wir müssen endlich das Unerhörte, aber Notwendige denken, aussprechen und verwirklichen: Den Energie- und Materiebedarf auf eine bestimmte Größe festzulegen, für Deutschland könnte das der Bedarf von 1960 sein.  Der dazu nötige Umbau der Gesellschaft müsste und sollte dann auch nicht  eine Reproduktion der von 1960 sein, sondern kann sehr wohl  auf der Erscheinungsebene verschieden sein.
  376. Die Transformation der Natur in Waren  ist kein lohnenswertes Ziel weder für die Natur (drohende Klimakatastrophe, drastische Reduzierung der Artenvielfalt) noch für die Menschen (Gesundheitsschäden, Zerstörung der direkten Kommunikation, unbewohnbare Städte).  
  377. Die Gier  nach Geld und materiellen Gütern ist nicht nur eine Eigenschaft der Reichen, die gesamte Gesellschaft ist  auf  dieses Ziel ausgerichtet worden bzw. hat sich ohne Widerstand in diese Haltung aktiv eingerichtet.  Die allgemeine Norm aller ist doch "So viel wie irgendwie mitzunehmen". Die Gefahr der Doppelmoral ist hier groß. 
  378. Mein Ding ist  nicht, durchgängig ein einfaches Leben zu führen, aber Einfachheit ist ein sinnvolles und unverzichtbares Element im Leben. Gestern gab es bei uns zum Mittag "Armer Ritter" oder zu  Fuß ins Theater oder ein Buch lesen oder  im Harz Urlaub machen - alles hohe Genüsse trotz des materiell relativ geringen Aufwandes.  
  379. Einerseits fällt es den Menschen grundsätzlich wohl schwer, aus dem Prokrustesbett des jeweiligen Mainstreams zu kommen, andererseits ist der moderne Mensch sehr flexibel gegenüber Normen.
  380. Aus den Wohnvierteln sind Leben und Geist verschwunden, man sieht keine Menschen mehr, weil diese entweder ans Auto oder an den Fernsehapparat gefesselt sind.  Die Chancen, sich gegenseitig anzulächeln oder in die Augen zu schauen, werden zunehmend kleiner. 
  381. Wir haben ca. 200 m von uns entfernt einen Kaufmann, bei dem man seinen täglichen Bedarf  an Lebensmitteln gut decken kann. Wir kaufen nur bei ihm ein. Nachbarn sieht man dort so gut wie gar nicht.
  382. Zum vernünftigen Konsum gehört nicht nur das Was, sondern gleichwertig das Wie.  Es macht schon einen Unterschied aus, ob ich die Milch bei meinem Kaufmann um die Ecke mit dem Rad oder zu Fuß hole oder mit dem Auto erst einmal fünf Kilometer fahre.
  383. Grundsätzlich wird in der Fremdbewegung und im Bildersehen die Wirklichkeit entwirklicht.
  384. In Alltagsgesprächen findet man oft folgende fatalistische Position, wenn auf Missstände, Fehlentwicklungen und Gefahren hingewiesen wird: "Sie haben Recht, aber die Zeiten haben sich geändert" oder "Die Zeit ist nun mal so".  Die so reden sehen keinen Grund, ihr bisheriges eigenes Verhalten oder bestimmte gesellschaftliche Verhältnisse zu ändern. 
  385. Der Wohnort schrumpft zum Wohnhaus, in dem gegessen, ferngesehen, geschlafen wird. Die Bereiche  Arbeit, Konsum,  Freizeit, Freundschaft  finden in der Regel in Orten statt, in denen man nicht wohnt. So entsteht übrigens schlechte Abstraktion, wozu auch der E-Bay gehört.
  386. Die immer schneller wachsende und immer größer werdende Wirtschaft  kann man im Bild  einer explodierenden Staubwolke, die alles durchdringt, auffassen.
  387. Auch wenn der Mensch sich noch sehr auf Handlungs-, Denk- und Gefühlsebene bemüht, sich den Maschinen anzugleichen, bleibt er letztlich  unaufhebbar ein verletzliches Lebewesen. 
  388. Dass selbst das Aufgehen in technischen Funktionen und Strukturen sinnvoll sei, beruht  auf der falschen Überzeugung, dass der Kern des Menschen gegenüber diesen Anpassungen letztlich autonom sei, immer ihr Herr sei, sie immer steuern könne.
  389. Die ungeheuren weltweiten Anstrengungen und Intelligenz, die in die Produktion von überflüssigen Konsumgütern investiert werden, gilt es auf Sinnvolles umzuleiten. Überflüssiger Konsum ist ein Mittel, das zum Selbstzweck geworden ist. Überflüssiger Konsum ist wie eine Sucht, die nur durch Mittel befriedigt werden kann, die nichts mit der hinter der Sucht stehenden Sehnsucht zu tun hat.  
  390. Die technischen Apparate werden nicht deswegen hauptsächlich geliebt, was sie leisten, sondern um ihrer selbst willen. 
  391. Der materielle Aspekt der Bildung wird in der Regel maßlos überschätzt.
  392. Er lässt alle seine elektrischen Geräte prinzipiell im Zustand des Standbys mit der Begründung, dass es praktisch wäre. Darauf hingewiesen, dass das doch Energieverschwendung sei, antwortet er, dass sei seine Angelegenheit, denn er habe ja bezahlt.
  393. Haupteinsicht: Klimawandel, die  Reduktion der Biodiversität und das Verschwinden der menschlichen Eigenbewegung, dem Hauptmerkmal des Lebens,  ist der Preis für eine konsumorientierte und sitzende Existenz
  394. Folgen der sitzenden Gesellschaft: Rückenschmerzen wird zu einer Volkskrankheit, zwei Drittel der Deutschen leiden darunter. Die Zahl der Patienten mit chronischen Beschwerden hat sich im Vergleich zu 1998 sogar annähernd verdoppelt, von 17 auf 30 Prozent. 
  395. Insbesondere in den breiten, dicht befahrenen  Einfahrtsschneisen in die Städte erreicht der Grad der Hässlichkeit durch Tankstellen, Einkaufszentren, Baumärkte, Parkplätze usw. ein Ausmaß, das unerträglich ist. Aber offensichtlich stößt das keinen auf. Warum nicht?
  396. Den modernen Menschen im Sinne von Konsumorientierung erkennt man in der Regel daran, dass er auch bei  kaltem Wetter leicht bekleidet ist.  Warum? Alle Räume sind gut durchgeheizt, ebenfalls die Hausgarage, das  Einkaufszentrum, die Spielscheune der Kinder, der Arbeitsplatz, d. h. er  hält sich nicht mehr im Freien auf.  Übrigens erkennt man ihn auch oft daran, dass er bei kaltem Wetter den Motor seines  Autos im Stand  warmlaufen lässt, denn es ist nicht zumutbar, gleich  ins kalte Auto einzusteigen. 
  397. Die  Technik ist vom Menschen geschaffen und ein Teil von ihm. Sie ist verdinglichtes Denken. Als solche kann sie sich aber gegen den lebendigen Teil des  Menschen richten.  Sie schiebt sich zwischen den lebendigen Teil des Menschen und  der jeweiligen Umwelt. Damit wird die Welt kalt. Das muss  dann in Kauf genommen werden, wenn die Technik  schwere und geisttötende Arbeit übernimmt. Aber sie darf nicht den Menschen ersetzen, wie es bereits in Ortsveränderungen der Fall ist.  
  398. Die Transformation bzw. der Stoffwechsel von Natur in Kultur findet auf zwei Ebenen statt: a) auf der geistigen und b) auf der materiellen. Natürlich bestehen  zwischen beiden Ebenen Wechselprozesse und Bedingungsverhältnisse. Während auf geistiger Ebene für den Transformationsprozess keine Grenzen bestehen oder bestehen müssen, ist auf materieller Ebene die Transformation bereits zu weit gegangen.
  399. Ein wesentliches Merkmal des modernen Menschen ist, ohne innere Einwände  je nach Situation  entgegen gesetzte Positionen einnehmen zu können, so  bezeichnen sich einerseits alle als Umweltschützer, andererseits werden von denselben Menschen Auto und Flugzeug als naturwüchsige Fortbewegungsmittel ständig in Anspruch genommen. 
  400. Autos, Fernseher, Motoren laufen fast ohne Unterbrechung - nur der Mensch läuft nicht, er sitzt.
  401. Man sollte nicht immer von Preisen sprechen und schon gar immer an sie  denken.
  402. Diese junge Hausfrau ist vorbildlich preisbewusst: Für den Geburtstag ihrer Tochter fehlen noch zwei Tüten mit Knabberzeug. Da dieses Produkt im naheliegenden Einkaufsmark etwas teuerer ist, fährt sie konsequent mit ihrem  kleinbusartigen PKW zum entfernt liegenden Großmarkt.  Zwar muss sie dort eine Viertelstunde  an der Kasse warten, aber dafür  hat sie wirklich günstig eingekauft.  Das nenne ich ein zeitgemäß sinnhaftes Leben.
  403. Ich will eine Zeitschrift abonnieren mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass ich keinerlei zusätzliche "Geschenke" haben will. Das geht offensichtlich nicht: Die Zeitschrift wird mit einer modernen Tasche geliefert.
  404. Die modernen  Nomaden, die zwischen New York, Dubai und Sidney pendeln, sind real auch Bauern, d. h. sie sind wortwörtlich auch seßhaft. 
  405. Heute gingen wir gegen 19 Uhr  durch eine Siedlung mit ca. zweitausend Einwohnern.  Wir  sahen keine Menschen.
  406. Bis in die 60er-Jahre fanden Ortsveränderungen in Mittel- und Kleinstädten überwiegend innerhalb der Stadt statt. Man ging zu Fuß, fuhr mit dem Rad, nahm selten öffentliche Verkehrsmittel in Anspruch, Autos hatten, wenn überhaupt, Geschäftsleute. Die Bewohner umgebender Dörfer und  Siedlungen fuhren nur zu gegebenen Anlässen in die Innenstadt. Heute werden fast  alle Ortsveränderungen mit dem  Auto durchgeführt, wobei die Bewegungen nicht mehr von außen nach innen in  die Innenstadt, sondern von innen nach außen auf  die Einkaufszentren und die Geschäfte  entlang den Autobahnen und Bundesstraßen zwischen den Städten ausgerichtet ist.  Die  Landschaft ist dort zu einer grellen  Einkaufsmeile geworden, die nur noch mit dem Auto erreicht werden kann. 
  407. Wenn man nicht mit Sicherheit wüßte, dass in den fahrenden  Autos Menschen sitzen, müßte man vermuten, dass ganze Landstriche und  Vorstädte von allen Menschen verlassen worden seien, da man sie nicht mehr sieht. .  
  408. Meine Kindheit  nach dem Kriege auf dem Lande und in der Kleinstadt.  Auch im Nachhinein vermisse ich nicht das Fernsehen, Autos, gekauftes Spielzeug, Bananen, Urlaubsreisen.  Wir  hatten stattdessen Kinder, mit denen wir spielten, freundliche Eltern, die ständig arbeiteten,  ausgebombte  Häuser, deren Keller abgesoffen waren, Freiflächen, wo wir Höhlen buddelten und  Gärten, wo wir Äpfel klauten und die Besitzer hinter uns her waren. Zwei Jahrmärkte und der jährlicher Zirkus waren die einzigen Ereignisse, die echt Geld kosteten. Nein, ich vermisse nichts.
  409. "the transformation of Homo sapiens into a user species" (Eileen Crist), "homo consumus" wäre vielleicht eine Annäherung an  den Ausdruck "user species".
  410. Entgrenzung ist ein Merkmal der Gegenwart. Cross-over ist beliebt.  Aber dieses an sich sinnvolle Prinzip darf nicht verabsolutiert werden. Grenzen haben ggf. auch eine ermöglichende und konstituierende Funktion. Eine  Mischung aus Regel des Fußballspiels und des Hockeyspiels muss nicht unbedingt eine bessere Sportart ergeben. Der Markt, der ständig auf Neues aus ist, unterstützt natürlich diese Entgrenzungstendenzen. 
  411. Heimat ist auch immer innere und äußere Gestaltung. Wenn diese Gestaltung misslingt, verschwindet Heimat.
  412. Die Zerstörung, bevor sie real wird, muss bereits vorher im Kopf bestehen. Zwar nicht immer explizit als Zerstörung, sondern heute oft  implizit  an legale  Handlungen gebunden.
  413. Es ist offensichtlich kein Nullsummenspiel: Sie fahren oft  mehrmals am Tage mit dem Auto in das Einkaufszentrum, aber gleichzeitig hält der Paketdienst täglich vor ihrem Haus, um eBay-Käufe abzuliefern. 
  414. Alltägliche Geschehen und Ereignisse müssen heute als Events  stilisiert werden, damit sie überhaupt wahrgenommen und geschätzt werden. 
  415. Man muss sich nur die catching-words von Werbung und  Bücherumschlägen ansehen, um den Zeitgeist zu verstehen.
  416. Nicht  übertriebener Konsum, sondern Bildung stiftet Identität, ja ist Heimat. 
  417. Wirklicher Urlaub ist wohl nur noch als  Flugurlaub realisierbar.  Sie haben eine Woche frei. Was machen sie? Eine Woche Gran Canaria all inclusive.
  418. Ein  konsumorientiertes Leben  führt  zur Verflachung der  Sprache  und  verhindert,  tiefere  Gedanken zuzulassen. Der Konsummensch  denkt wie eine "denkende Maschine" (Alan Turing), allerdings  nur  in dessen  einfachsten Prozessen.
  419. Die Ferne dominiert heute  eindeutig über die Nähe. Eine Woche Gran Canaria ist Urlaub, dagegen gelingt es nahegelegene Feriengebiete immer schwerer, Gäste anzuziehen.  Die eigene Innenstadt, der nahegelegene Wald oder das nächste Strandbad  sind zu Un-Orten geworden, sie liegen nicht mehr im Horizont des Wünschenswerten. Warum? Ist es das Mühelose, denn man gelangt dort ohne Eigenbewegung hin und alles (all inclusive) ist organisiert? Ist es einfach eine Frage der Medienpräsens und der Werbung?  Werden da Allmachtsträume ausgelebt?  Es geht mir nicht um die Ablehnung der Ferne, die Sehnsucht nach ihr scheint eine anthropologische Konstante zu sein. Es geht mir um ein angemessenes Verhältnis von Nähe und Fremde. Ständig in der Fremde zu sein heißt, sie zu beseitigen. 
  420. Modernes Leben ist  tendenziell ein himmelloses. Was heißt das? Man befindet sich ständig in Räumen, sei es  die Arbeitsstätte, das Wohnhaus, die Tiefgarage, die Einkaufspassage und natürlich das  Auto. Weder Sonne, Wind oder gar Regen berühren den Körpers. Die Natur ist bestenfalls noch durch Fenster sichtbar oder als Naturfilm im Fernsehen zu erfahren. 
  421. Hape Kerkeling und  Wanderangebote in Afrika oder Asien  bedienen Träume und Phantasien von Ferne, die ohne Risiko und Anstrengung  realisiert werden können. Sie lösen also keine Nachahmung aus.
  422. Wenn immer mehr Wildtiere und –pflanzen nicht mehr leben können, dann ist auch der Mensch in höchster Gefahr.  Nur wer  glaubt, dass die Technik alle gegenwärtigen und zukünftigen Probleme und deren Folgeprobleme problemlos lösen wird, sieht diese Gefahr nicht.
  423. Es ist ein Glücksfall für  Siedlungen oder Landschaften, die an einem See, Fluß oder Meer liegen, ohne von diesen durch Autostraßen getrennt zu sein. Man sollte diese zurückbauen und durch Stichstraßen ersetzen.
  424. Der Übergang von Ereignis und event ist fließend. Grundsätzlich ist die lebendige Stadt, wie sie sich in der Alltäglichkeit zeigt, oder der Wald ein Ereignis und bedarf keiner zusätzlichen events in Form von monatlichen Stadtfesten oder von Märchenwäldern.  Diese Gegenüberstellung deswegen, weil auch  die Stadt oder der Wald organisierende Momente enthält, aber eben nicht in dem Ausmaße wie ein Event. Es handelt sich hier um fließende Übergänge, die von Fall zu Fall auch verschieden sind.  Mögliche Ereignisses: Der vierjährige Enkel geht morgens ins Wohnzimmer, um dort seinen erworbenen Dingen (das müssen längst nicht immer Spielsachen sein) wieder zu begegnen. Ich sehe im Zug einen Menschen und wir tauschen einander aus. Ich habe Hunger, ich  stehe vor dem gedeckten Tisch. Sie  lächelt mich an. Am Ende des Monats bekomme ich mein Gehalt.  Von diesem Essay habe ich etwas, dieses Musikstück und ich werden zu einer Einheit. 
  425. Die Geräte ständig im Zustand des stand-by zu halten, ist Ausdruck von Egoismus und Unverantwortlichkeit. Übrigens habe ich eine kleines batteriebetriebenes Radio und schaffe es bis jetzt nicht, es durch eine "normales" zu ersetzen. 
  426. Zähle einmal, wie oft Du am Tage benzin- oder elektrisch betriebene Geräte anstellst, Du wirst Dich wundern.
  427. Platons Höhlengleichnis sagt aus, dass die Menschen an Höhlenwänden  gekettete Wesen glichen, die von der wirklichen Welt nichts sehen könnten und auch nicht wollten. Sie hielten die Schatten von künstlichen Gegenständen, die eine Lichtquelle an die Höhlenwand malt, für die Wirklichkeit. -  Genau dieses Höhlenleben ist offenbar das konkrete Ziel gegenwärtiger Veränderungen, nämlich die Umwandlung der lebendigen Lebenswelt in eine Medienwelt, in eine sitzende Gesellschaft: Man sitzt (angeschnallt = gefesselt)  im Auto bzw. vor dem Fernseher, in beiden Situationen wird die Welt subjektiv bzw. objektiv zum Schein.  Wir verlassen freiwillig, freudig und mit viel Aufwand Natur und Kultur, um uns in einer virtuellen Welt, in einer der Konsumwelt, in ein Leben aus zweiter Hand einzurichten. Hier  liegt ein  großes Missverständnis vor, denn  Platon wollte  die  Höhlenexistenz  als  kritikwürdig, nicht als  nachstrebenswertes Vorbild verstanden wissen.
  428. Ein Weltbürger ist nicht derjenige, der ständig um den Erdball fliegt,  um an allen möglichen Orten zu arbeiten oder Urlaub zu machen, sondern Weltbürger zu sein ist ein Bewusstseinsphänomen: Alle Menschen mit gleichen Rechten und Pflichten ausgestattet zu sehen, jedem Menschen freundlich und bejahend  zu begegnen und von der Einheit der Welt auszugehen, was auch heißt, Fremdheit zu ertragen. Kant, um ein Beispiel zu nennen, war sicherlich ein Weltbürger, obwohl er in seinem Leben bekanntlich nicht über dreißig Kilometer jenseits von Königsberg gekommen ist.
  429. Nicht nur aus ökologischen (Klimawandel),  energiepolitischen (Ende der Ölzeit),  ästhetischen (Eintönigkeit) und kommunikativen (das Verschwinden der Menschen von Straßen und öffentlichen Plätzen)  Gründen, sondern auch aus dem Anliegen, Lebensqualität herzustellen und zu gewährleisten, sollten relativ  kompakte Stadtteile und Siedlungen gefördert werden, in denen die Grundbedürfnisse zu Fuß oder mit dem Rad realisiert werden können. Das heißt aber auch, in Konsumfragen sich von Einseitigkeiten wie absoluter Billigkeit und Riesenangeboten zu befreien. 
  430. Sprache und  verbildlichte Körperhaltungen, Gestik und Mimik in der Werbung einer bekannten Medienverkaufskette  be-stechen (wortwörtlich) durch ihre Wahrhaftigkeit: diese Werbung  bekennt sich ungefiltert zu ihrer Aggressivität, d. h. sie verschleiert nicht die Tendenz der Werbung von der Information zum aggressiven Kaufbefehl. 
  431. Peter, in besten Jahren, führt ein verdammt aktives Leben - aber es ist ein vermotorisiertes. Letzten  Sonnabend, um ein Beispiel zu nehmen, holt er nach dem Frühstück die Kettensäge aus dem Schuppen und sägt mehrere armdicke Äste von seinem im Garten stehenden großgewachsenen Ahorn  ab, danach fährt er mit dem Auto ins zwei Kilometer entfernte Fitnesszentrum zum Krafttraining, den Abend bis tief in die Nacht verbringt er vor dem Fernsehapparat (, der ja auch nicht von selbst läuft).
  432. Wir müssen endlich von der Logik der quantitativen Steigerung, also der Logik des  Immer-Schneller-Weiter-Größer-Mehr Abstand nehmen. Abgesehen von den nicht übersehbaren negativen Folgen, handelt es sich hier um eine äußerst einfallslose Logik.  
  433. "Die Arche ´Erde` wird immer leerer" (eine Zeitungsüberschrift), aber dafür werden unsere Straßen und Häuser immer voller. 
  434. Zunehmender Konsumismus geht mit zunehmender geistiger Entleerung zusammen.
  435. Die Einsicht, dass das Auto und der Fernseher, wenn habituell geworden,  die dominierenden  Kontaktzerstörer zur Umwelt sind, setzt sich zunehmend durch. Autofahren und täglich vor dem Fernseher sitzen ist Flucht aus der Welt. Aber die  Nutzer verlieren nicht nur den Kontakt zu ihrer Umwelt, sondern auch zu sich selbst. 
  436. Die Erde wird durch zwei sich wechselseitig verstärkende Prozesse zunehmend zerstört: a) durch materielle Eingriffe und b) durch ein Bewusstsein, das einerseits zunehmend abstrakt wird und in dem andererseits konkrete Eigenerfahrungen  durch elektronisch erzeugte Bilder ersetzt werden.
  437. Wenn aus den Dörfern und Stadtvierteln die Kaufleute, die Post, die Schulen, die Gastwirtschaften verschwinden, verschwindet auch das Leben.
  438. Mir ist kein Mensch bekannt, der von sich behauptet, er liebe nicht die Natur, aber immer mehr Menschen halten sich in immer kürzer werdender Zeit in der Natur auf. Die Liebe zum Auto und zu den elektronischen Medien hat auf Handlungsebene die Liebe zur Natur ersetzt.
  439. Ich halte es für eine problematische Errungenschaft, Rhythmen des Lebens durch Gleichmäßigkeit, die auch aus Gleichzeitigkeit der Verfügbarkeit von allem besteht, was der Mensch will, abzuschaffen.
  440. Eine These: Durch die Zunahme der Bewegungen im Modus der Fremdbewegung  zeigt sich Individualität in der Architektur nur noch in der großen Form:  Bauwerke haben die Form von Ziffern, Schiffen, biologischen Formen wie Muscheln usw., wenn sie das nicht haben, werden sie nicht mehr wahrgenommen.  Die Architektur entwickelt immer weniger eigene Formen.
  441. Wer Politik macht, die zur Hauptsache darin besteht, sich auf die Vergrößerung und die gerechtere Verteilung der gegenwärtig produzierten Waren und Dienstleistungen zu beschränken, ohne diese also zu hinterfragen, macht keine Politik für Bürger und erst recht keine ökologische Politik.
  442. Die Negation von Tiefe und die Abwesenheit von Fragen ist Oberflächlichkeit. 
  443. Eine offene Frage: Wer ist das Subjekt der notwendigen Veränderungen?  Mit Sicherheit nicht ein bestimmtes Volk, auch nicht das Proletariat, auch nicht bestimmte Menschen, sondern die Summe aller guten Vorstellungen. 
  444. Wenn die unteren Sozialschichten (natürlich auch die anderen Schichten) ihre Forderungen auf mehr Lohn beschränken,  stabilisieren sie objektiv die bestehende Dominanz der wirtschaftlichen Strukturen. 
  445. Das Prinzip "Immer-größer-schneller-billiger-weiter-mehr" ist offensichtlich an seine Grenzen gekommen.
  446. Zumindest in Mitteleuropa gibt es nur noch wenige Orte, wo die Stille das Normale und der Krach das Seltene ist - das Umgekehrte ist die Normalsituation. 
  447. Nichts gegen Präzisierung von Wissen, von Handlungen und anderen Abläufen, unmenschlich wird es dann, wenn Präzisierung zum alleinigen Ideal erhoben wird.
  448. Die mathesis universalis des Descartes ist auf das Niveau eines Wissens gefallen, das sich allein auf Preise beschränkt. 
  449. Es ist schon erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit und Kritiklosigkeit  auch sogenannte gebildete Leute  von Flugreisen, Autofahrten, überhaupt Motoreneinsatz immer noch reden und  im Handeln einsetzen.
  450. Eine These: In dem Maße, wie die Finanzwirtschaft sich immer weiter von den Realwerten entfernt hat,  so haben sich Produktion und Konsumtion immer weiter von den Belastungsgrenzen der Natur entfernt.  
  451. Sieht  man sich viele Appelle und Forderungen nach Freiheit genauer an, stellt man fest, dass sich  die meisten von ihnen auf die Freiheit der Waren und den Umgang mit ihnen beziehen.
  452. Die Aggressivität der Gegenwart äußert sich nicht so sehr direkt, sondern indirekt, insbesondere über Motoren.
  453. Eigenbewegung und "wirkliche" Wirklichkeit bilden eine untrennbare Einheit.
  454. Vielleicht zeigt sich heute Spießertum im Kleide des rechnenden und preisvergleichenden Konsumbürgers. 
  455. Kultur geht aus dem Grund hervor, den man kultiviert. Grund kann sein Natur, Bildung, Macht, Haben von Waren, ....
  456. Die Geschichte der Neuzeit als Verfallszeit zu beschreiben, heißt, die Augen vor ihren vielen Errungenschaften zu schließen. 
  457. Je raumumgreifender eine Reise innerhalb eines bestimmten Zeitumfangs wird, desto weniger sieht man.
  458. Eine zugegebenermaßen phantastische These: Dinge, wenn als Waren gekauft und als solche behandelt werden, bemerken diese entfremdete Art der Aneignung und sind darüber verärgert und enttäuscht. Sie stellen daher alle ihre Bemühungen ein, für den Käufer attraktiv zu sein. Dieser bemerkt das aber nicht, sondern meint, sein kurzzeitiges Interesse und die darauf eintretende Langeweile sei durch ihn selbst verursacht.  Er bemerkt also nicht die Rache der Waren.
  459. Im Zeitalter der Konsumorientierung ist es vonnöten, einen Teil des subversiven Denkens auch gegen sich selbst zu richten. 
  460. Die meisten der sogenannten privaten Handlungen haben eine politische Dimension: Ob ich ich beispielsweise meinen Alltagsbedarf in Läden der Stadt oder in Einkaufszentren auf der grünen Wiese decke,  macht einen große unterschiedliche Wirkung auf die Stadt aus - und das ist ein Politikum.
  461. Der hier kritisch gemeinte Begriff "Konsum" richtet sich natürlich nicht gegen den Konsum an sich, wir alle müssen "verzehren", sondern gegen unnötigen Konsum, der beträchtliche Schäden nach innen und/oder außen bewirkt.  
  462. Ab 1950 fing das Zeitalter des Autos an. Das Auto wurde wirtschaftlich, verkehrstechnisch und vor allem in den individuellen Bewusstsein Mittelpunkt des Fühlens, Wollens und Denkens. Dieses Zeitalter neigt sich dem Ende zu. Die Gründe: der große Aufwand an Energie und  Materialien,  die negativen Auswirkungen auf das Klima,  die dadurch entstandene Häßlichkeit der Städte, Dörfer und Teil der Landschaften, die Zurückdrängung der direkten  Kommunikation, die körperliche und geistige Unterforderung der Autofahrenden und der damit zusammenhängenden Verschlechterung der körperlichen und seelischen Gesundheit.
  463. James Lovelock spricht von den drei zerstörerischen Aktivitäten des Menschen mit Hilfe der drei C´s: cars, cattle, chainsaws.
  464. Zahlen, genauer Preise, ersetzen im Bewusstsein zunehmend die Sachen. Die Jagd nach dem günstigsten Preis und den größten Gewinn ist universell geworden.  "Universell", weil nicht nur Manager (wie so oft behauptet), sondern alle Bevölkerungsschichten von diesen Prinzipien erfasst worden sind. Wo gibt es denn noch Menschen, die sagen: "Ich kaufe bei X, obwohl er etwas teurer ist, denn er ist freundlich, hilfsbereit, ist geschäftlich gefährdet, wichtig für mein Stadtviertel, gibt es schon seit Ewigkeiten"?
  465. Immer mehr der ganz einfachen Tätigkeiten werden materiell und energetisch aufwendiger. So zum Wasser-Jogging mit dem Auto zum acht Kilometer entfernten Schwimmbad, statt einfach loszulaufen oder Butter vom naheliegenden Kaufmann holen (solange er sich noch halten kann), statt zum weitentfernten Einkaufszentrum.
  466. Wellness  ist offensichtlich nur mit einem großen energetischen und materiellen Aufwand zu realisieren.  Offensichtlich hat dieser Begriff einen einen großen Einfluss auf  unser altes Sich-wohl-Fühlen, denn auch diese (Un-)Tätigkeit wird immer aufwendiger. 
  467. Es ist letztlich eine Katastrophe, dass  von Abraham Maslow entwickelte Bedürfnispyramide keine von allen Bürgern geteilte normative Potenz mehr hat. Das Bürgertum selbst hat  der Mehrheit davon Abschied genommen.  Das sinnvolle Ziel der Selbstverwirklichung  hat eine starke Umformung in Richtung Konsum genommen.
  468. Nach Eileen Crist ist die industrial-consumer-civilisation der Hauptgrund für die gegenwärtige Krise. In diesem Zusammenhang bezieht sie sich ausdrücklich auf Marcuse und Adorno. Ich denke, diese Denker sind nach wie vor aktuell - wenn man sich ihnen undogmatisch nähert.
  469. Die Flohmärkte, die ja in der Regel an Sonntagen stattfinden, sind deswegen auch so populär, weil sie faktisch den Erwerb von Waren zeitlich universalisieren: Einkaufen in Permanenz. Umgehung der langweiligen Sonntage. Ich kaufe, also bin ich.
  470. Es ist - leider - nicht auszuschließen, dass die in meinen Arbeiten gefordert Hinwendung zur Eigenbewegung einschließlich ihrer quantitativen (Ausdauer) und qualitativen Fähigkeiten sowie der entsprechenden Infrastrukturen und Einstellungen  nicht nur eine ideelle Forderung bleibt, sondern real notwendig sein wird. "Notwendig", weil die Natur, die  Erde das bisherige Ausmaß der  Ausbeutung an Energien und Rohstoffen einfach nicht mehr hergibt.  "Leider" deswegen, weil dann der notwendige Wandel wieder nicht durch einsichtiges Handeln, sondern durch den schieren Zwang der Situation realisiert werden wird. Übrigens werden die Gesellschaften und die Individuen es  am leichtesten haben, die frühzeitig den Akzent von der Fremdbewegung zurücknehmen und die Eigenbewegung und die immateriellen Werte stärken. 
  471. Wir sollten endlich anfangen  zu fragen, was wir für die natürliche, soziale und kulturelle Umwelt tun können, und es dann auch im Handeln bzw. Nichthandeln umsetzen, statt sie ausschließlich so zu gestalten, dass sie allein unserer Bequemlichkeit, Schnelligkeit und  Reichtum dient. 
  472. Das eigentliche Problem, mit dem die Konsumkritik zu kämpfen hat, besteht darin, dass offensichtlich offensichtlich  ein strikter Dualismus die Bewusstsein beherrscht: jetziger Standard oder Armut, ein Drittes gibt es nicht. 
  473. Der moderne Konsument macht reflexionslos aus Freiheit Kausalität. Das funktioniert auch deshalb, weil das Wesen der Freiheit nicht in Ansätzen erkannt, sondern als Wahlfreiheit zwischen Waren verkannt wird.
  474. Flensburgs Fußgängerzone ist von Grund auf  erneuert worden. Aus meiner Sicht ist die Innenstadt nun ein Kunstwerk. Trotzdem lässt sich die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung dort nicht sehen, sucht man sie, findet man sie in den großen Einkaufszentren an den Autobahnen und Ausfallstraßen. Vielleicht sollte man für die Innenstadt Eintrittsgeld nehmen, um so direkt ihren Wert auszudrücken. 
  475. Die Anzahl der Internetkäufe hat weiter zugenommen, keine Bewegung, keine Erfahrungen, keine Gerüche, kein Lächeln, kein Zufall, nur anonyme Übergabe und viel Verpackungsmaterial, so dass die vorhandenen Tonnen durch größere ersetzt werden müssen. l
  476. Die neuen Spieler unserer bekannten Mannschaft stellen sich nicht in der Innenstadt, sondern in einem nur mit dem Auto erreichbaren Einkaufszentrum  an der Peripherie der Stadt vor.  Nicht zufällig, denn  hier ist  das neue Zentrum der Stadt. 
  477. Ich bleibe dabei: Der bei fast allen Leuten zu beobachtende, aber auch in deren Selbsteinschätzung bestehende Zeitmangel ist zum großen Teil auf deren Alltagsorganisation zurückzuführen - so wenn das Konsumverhalten  durch zeitfressende Prinzipien wie Billigkeit und  große Auswahl bestimmt wird.
  478. Im wissenschaftlichen, aber auch im Alltagsbewusstsein wird die Welt zunehmend entqualifiziert: aus individuellen organischen und anorganischen Dingen  werden immer abstrakter werdende Begriffe und Zahlen, aus Peter und Anke werden Hamburger, aus der Region zwischen Hamburg und Bremen werden 100 Kilometer. Aber auch die wahrnehmenden, erlebenden und  erfahrenden Menschen selbst reduzieren ihr Leben zunehmend:  Die Autofahrt reduziert tendenziell die Landschaft und die in ihnen wohnenden Menschen zu einer eindimensionalen Linie,  der Einkauf im Supermarkt wird zu einer Aneinanderreihung von Preisen. Das Leben verkommt zu einem schlechten Idealismus.
  479. Unsere moderne Lebensweise hat zumindest zwei gravierende Nachteile: Sie beruht auf einem riesigen Schuldenberg, für den die nachkommenden Generationen aufkommen müssen, und sie hinterlässt eine zerstörte Erde.
  480. Wie viel Energie könnte gespart werden, wie viel weniger schädliche Emissionen, wie viel mehr Kommunikation, wie viel mehr Gesundheit, wieviel mehr Schönheit gäbe es in der Stadt, wenn ihre Bürger ihre Ortsveränderungen innerhalb eines Radius von vier Kilometern grundsätzlich zu Fuß, mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigten? Auch wäre zu überlegen, ob es nicht sinn-, sinnen- und lustvoller ist, der oben genannten Alternative zu folgen, statt isoliert Sport zu treiben. 
  481. Seit Tagen schlechtes Wetter. Um meine entsprechende Stimmung etwas aufzuhellen, hole ich mit dem Rad von unserem Bäcker ein Stück Pflaumenkuchen. Ich bin der einzige Kunde, obwohl mir auf dem Hinweg mindestens zwanzig Autos begegneten offensichtlich in Richtung des weit entfernten Einkaufszentrums.
  482. Der Gebrauchswert von gekauften Waren wird zunehmend eingeschränkt von zwei Prinzipien: a) vom  Tauschwert, d. h. die Ware wird primär vom Preis her, nämlich als günstig, im Extremfall als Schnäppchen bewertet und b) von der Faszination der Technik bzw. des Designs her, d. h.  beide sind so beeindruckend, dass darüber der Gebrauchswert  (fast) keine Rolle mehr spielt.
  483. Immer mehr Erwachsene und Kinder wissen es nicht, wie es ist, wenn Regen die Haut berührt oder wenn Regen auf die Regenkleidung oder auf den Regenschirm plattert. Sie steigen in der Hausgarage direkt in das regensichere Auto, von dort entweder in die Tiefgarage des Bürogebäudes oder unter die "Alles-Überdachung" des Einkaufszentrums. Schlechtes Wetter ist für diese Menschen kein lohnenswertes Thema mehr, sie führen eine regenlose Existenz.
  484. Werkzeuge, Institutionen, Handlungen usw.  ermöglichen und verhindern gleichzeitig. Es gilt jeweils zwischen Ermöglichung und Verhinderung die optimale Balance zu finden. Der Einsatz der Technik hat dieses Optimum längst überschritten, denn sie erstickt zunehmend das Leben.
  485. Entfremdung ergibt sich in großem Ausmaße aus der Tatsache, dass wir in einer Warenwelt eben. Aber selbst, wenn wir diese überwunden haben, bleiben zwei andere Arten der Entfremdung bestehen: a)  nicht-notwendige Entfremdung aus anderen Quellen, die von Neid bis Müdigkeit reichen kann, und b) nicht aufhebbare Entfremdung, die sich aus der Tatsache unserer Endlichkeit existenziell aufgegeben ist. 
  486. Wenn Dinge als Waren aufgefasst werden, haben sie im Scheine, aber real keinen sinnhaften Mittelpunkt bzw. ihr Mittelpunkt ist das Nichts. Man merkt es, wenn sie man sie zu Hause endgültig wegpackt. Die Welt der Waren ist trist, traurig, leer, so dass der Verkauf gezwungen ist, diese Leere mit Riesenhaftigkeit, Buntheit, scheinbarer Bewegtheit zu übertünchen. Die Haupttragik besteht darin, dass der absolute Konsument selbst die Eigenschaften der Ware annimmt.
  487. Grundsätzlich gilt: Die Hinwendung zum Bild, wie es im Fernsehen sich manifestiert, und die Abwendung vom Wort, wie es sich in anspruchsvollen Texten zeigt, ist Ausdruck einer generellen Denkfaulheit. Viel wäre gewonnen, wenn zumindest das erkannt werden würde.
  488. Die großen Kreuzfahrtschiffe können auch als Sinnbild der Moderne aufgefasst werden:  Mit großem Aufwand und großer Belastung für die Umwelt wird eine zweite, künstliche Welt en miniatur  gebaut, die vorgibt, die wirkliche Welt zu sein, diese aber nie erreicht. Der Golfplatz, die Laufanlage, der Swimmingpool, die Einkaufspassage usw. sind  kläglicher Ersatz der Originale. So haben wir bei uns eine sehr hübsche Einkaufsstraßen, warum soll ich für viel Geld die im Schiff nachgebaute als ein Erlebnis bestaunen?  Genau besehen sind die Menschen nicht von den Einrichtungen an sich fasziniert, sondern von der Tatsache, dass der Mensch in der Lage ist,  die Welt  an "unmöglichen" Plätzen mehr oder weniger, aber niemals ganz,  nachzubauen.
  489. Der konsumorientierte Mensch bewegt sich nahezu ausschließlich real und in Gedanken in der Welt der Waren einschließlich der Strukturen und Werte, die sie bilden.
  490. Die Waren an sich und die Strukturen, die sie bilden, sind genaugenommen trist, traurig, leer, so dass die Warenindustrie gezwungen ist, mit riesigem Aufwand Farbigkeit, Schönheit, Nähe usw. vorzutäuschen. Wenn die Lichter ausgegangen sind, bemerkt jeder diese Täuschung.
  491. "Äußere", materielle Bilder sind qualitativ etwas vollkommen anderes als (innere) Wahrnehmungen und Vorstellungen. Man sollte beide nicht durch das Wort "Bild"  zu einer Klasse zusammenbringen. Auf diesen Unterschied kommt alles an, denn nur in der Wahrnehmung oder beim Gehen bin ich unvermittelt in der Welt, Teil der Welt.
  492. Der Existenzmodus M - T - W: Mensch und Welt sind heute überwiegend technisch vermittelt. 
  493. Wir wollen im Spätsommer - wie so viele Menschen - nach Südfrankreich in den Urlaub fahren. Welche Imperative mögen wohl für Südfrankreich  wirken?
  494. "Immer  häufiger ist zu erleben, dass Produktionsstätten von Konsumgütern in den USA oder Westeuropa geschlossen und nach Fernost verlagert werden. Die beiden Filmemacher Hendrick Smith und Rick Young stellen einen Zusammenhang her zwischen dieser Wanderungstendenz von Produktionsstätten und dem Verlangen der Verbraucher nach preiswerten Waren" (aus einer Fernsehbeilage).
  495. Der Grund des Lebens ist die Bewegungslosigkeit, mit anderen Worten der Tod. Warum streben so viele Menschen tendenziell dem Zustand der Bewegungslosigkeit zu? Ist hier der Todestrieb wirksam?
  496. Man kann sein Leben ins Meer, aber auch in den Fernsehapparat versenken. Beides ist nicht zu empfehlen.
  497. Ob man denn einen wahrhaftig erfüllenden  Sinn zumindest in Phasen und Bereichen seines Lebens gefunden hat, ist schon eine Frage, die man sich häufiger ernsthaft stellen sollte. Sich allein als eine Funktion des technischen Fortschritts, des Kapitals oder Spaßes zu verstehen, ist meiner Ansicht nach zu wenig.
  498. Eine Reise ins Innere ist eine Reise, die ihren Weg erst selbst bahnen muss. Deswegen hat das Bilden der  Bildung es heutzutage besonders schwer. Es ist zwar schön, aber eben auch anstrengend.  Man kann sie eben nicht kaufen oder durch Knopfdruck herstellen.
  499. Nicht Konsum, sondern die Natur heilt.
  500. Man kann natürlich den Raum zwischen zwei wichtigen Orten nicht an sich zerstören, sondern nur verhäßlichen, nach einem Zweck hin umbauen,  von allen "unnötigen" Dingen entblößen, verwüsten usw. - aber man kann Zwischenräume in sich zerstören, d. h. nicht mehr zur Kenntnis nehmen, ihre Existenz leugnen.  Beide Prozesse, die äußerlichen und die innerlichen,  finden heute intensiv statt.  
  501. Je "raumumgreifender" eine Reise ist, desto weniger sieht man. 
  502. In "Konsum" sind "verzehren" und "verbrauchen" enthalten. Um etwas zu verzehren, muss man es heute aber in der Regel kaufen. In Konsum steckt  heute also auch der Kaufakt. Die Bezeichnung "Konsumgesellschaft" hat nur dann einen Sinn, wenn man sieht, dass der Akzent auf den Kaufakt gelegt wird. Und in der Tat wird  für  immer mehr Menschen der Kaufakt  zum Selbst- und Hauptzweck oder zum bloßen Haben-Wollen, während  der Verzehr des Gekauften zum Nebenzweck wird, zumindest lange nicht die Faszination ausübt wie der Kaufakt. Pointiert zusammengefasst: Der Sinn hat sich  vom Verzehr und Gebrauch in den Kaufakt verlagert. Zum Beweis gucke man in die Kleiderschränke, in die Kinderzimmer, auf die nichtgepflückten Pflaumen in  aufgelassenen Gärten. Verhexung durch Sprache entsteht wie auch in diesem Fall dadurch, dass nicht die notwendige begriffliche Differenzierung vorgenommen wird: So meint Konsumkritik selten den Gebrauch und  den Verzehr  von Sachen, sondern zuallererst den Kaufakt als Selbstzweck. Aber natürlich muss man ggf. die Differenzierung fortsetzen, so ist sicherlich zwischen dem Verzehr von Brot und Zigaretten zu unterscheiden. 
  503. Die "Raserei des Bestellens", von der Heidegger in philosophischer Absicht sprach, ist heute in Zeiten des Kaufens im Internet und der Großeinkäufe konkret-buchstäblich geworden. 
  504. Zwei mögliche Erklärungen: Entweder haben wir gegenüber technischen Neuerungen eine Art masochistischer Unterwerfungssucht oder wir glauben tatsächlich, dass die Summe der technischen Neuerungen  uns ein Stück dem Paradies näherbringt. 
  505. Demokratie als eine politische Form und Wirtschaft standen und stehen immer in einem Wechselverhältnis, aber beide sind grundsätzlich autonome Systeme. Demokratische Institutionen können und sollten die Wirtschaft fördern, aber nicht mit Wirtschaft identisch werden. Aber genau von einer solchen  Identität geht  vorherrschende Meinung aus, d. h., man vermag nicht mehr zwischen politischem und wirtschaftlichem System zu unterscheiden. Zwar lässt sich historisch  aufzeigen, dass in einer Demokratie die Wirtschaft am effektivsten ist, aber das  ist  nicht immer so, denn auch in einer Demokratie kann die Wirtschaft stottern.  Wenn sie nicht prosperiert oder gar stagniert, werden die Gründe nicht primär im wirtschaftlichen (Global-)System gesucht, sondern sehr schnell der Politik zum Vorwurf gemacht. Genau das ist heute der Fall und erklärt die absolut überzogene Politikerschelte. Unsere Demokratie wird erst dann ihre Bewährungsprobe bestanden haben, wenn sie trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten nicht in Frage gestellt wird. 
  506. Auf Technik beruhende Tätigkeiten und Lebensweise sind  universell geworden.  Alle anderen Möglichkeiten sind ausgeschlossen oder befinden sich massiv auf dem Rückzug - von einigen zumeist spektakulären Ausnahmen abgesehen.
  507. Freiheit ist nicht mehr das Gegenteil von Sklaverei, sondern bezieht sich auf  Probleme wie Ladenöffnungszeiten (Jürgen Kaube) oder auf die Freiheit des Rauchers, den neben sich sitzenden Restaurantbesucher, auch wenn es Kinder sind,  zum Mitraucher zu machen.  
  508. Das Wesen des Alltags ist etwas anderes als der Alltag selbst. Das Wesen des Alltags ist längst über die Sicherung der Reproduktion hinausgelangt und gehorcht ganz anderen Imperativen wie die der Technik und des Kapitals. Aber die Betroffenen bemerken und wissen davon (fast) nichts, obwohl ihr Handeln, Denken und Fühlen von diesen Imperativen durchtränkt ist.  
  509. Münchhausen hat sich bekanntlich am eigenen Schopfe aus dem Sumpf gezogen. Wer glaubt, den Konsum durch mehr Konsum zu retten, ja zu vergrößern, bedient sich der Logik dieses unsterblichen Mannes. 
  510. Ein Problem der Sprache, das stets zu großen Missverständnissen führt, besteht darin, dass die jeweiligen Eigenschaften eines Begriffs alle möglichen Quantitäten annehmen können. Nehmen wir beispielsweise den Begriff  "Konsum" und betrachten die Eigenschaft "Preis", so kann dieser die Größe von  Cents bis  Millionen annehmen, betrachten wir die Eigenschaft "Sinnhaftigkeit", dann kann das vom täglichen Brot  bis  zur Riesenyacht reichen. Die Tatsache, dass auch hier die Natur nicht springt ("Natura non lipset") nehmen die Kritiker der Kritik zum hinreichenden Argument, zu verlangen, jegliche Kritik - zumindest im Konsumbereich - sei zu unterlassen. Ich denke dagegen, wenn wir auf Differenzen wie "notwendig" und "nichtnotwendig", auf "sinnvoll" und nichtsinnvoll" verzichten,  sind Ziele wie Menschlichkeit, intakte Umwelt, Bildung nicht mehr erreichbar. Nicht als absolute Aussagen, sondern als relative: "Brot ist notwendiger und sinnvoller als eine Riesenyacht".
  511. Das Zweit-, Dritt- oder Viertwichtigste zu unterlassen, weil das Wichtigste nicht gemacht werden kann oder gar das Ganze falsch ist, ist unverantwortlich. So haben wir es geschafft - wohl wissend, damit nicht viel getan zu haben -, den von uns produzierten "Außen-Lärm" drastisch zu vermindern: Das Auto benutzen wir oft wochenlang nicht, der Rasenmäher ist durch einen Handrasenmäher ersetzt, andere motoren- oder elektrisch betriebene Geräte setzen wir im Hof und Garten nicht ein.  Diesen guten Wert erreichen wir in anderen Feldern (noch?) nicht. 
  512. Früher litten insbesondere ärmere Leute an kleinen Gärten  weil sie nicht genug anbauen konnten, heute leiden insbesondere Eltern, weil für die immer größer werdenden Spielgeräte nicht genügend Platz vorhanden ist.
  513. Wir müssen zur Technik ein freies Verhältnis erlangen. d. h. die Kraft haben (und die braucht man schon heutzutage), die jeweilige Technik ggf. nicht in Anspruch zu nehmen.  Ge-lassen-heit  wird dann zur Lebensqualität. 
  514. Dauerhafte Liebe ist immer wechselseitig. Waren lieben nicht, deshalb verwelkt die einseitige Liebe zu ihnen. 
  515. Das Leben wird punktuell. Die Räume zwischen den Punkten werden uninteressant, langweilig, müssen schnell und unbemerkt  durchfahren werden. Damit dieses Desinteresse (inter-esse) nicht auf die Punkte/Orte überspringt, müssen diese zu künstlichen Events erhöht werden.  Das ist falsch, sondern mache den Weg zum natürlichen Event! 
  516. Zumindest wenn Du ernsthaft krank bist, hört die Faszination der Waren auf. Das noch so teure Auto kann dann nicht die liebende Hand ersetzen. Gleiches gilt übrigens für jede zwischenmenschliche Beziehung, so auch insbesondere für die zu Kindern. 
  517. In einer von uns besuchten Kleinstadt gibt es einen idealistischen Buchhändler, der es wirtschaftlich sicherlich nicht leicht hat. Um ihn zu unterstützen, suche ich nach einem Buch und finde es auch, nämlich "Consumed. Wie der Markt Kinder verführt, Erwachsene infantilisiert und die Demokratie untergräbt" von Benjamin R. Barber. Bei der Gelegenheit kaufen wir  in einem Geschäft nebenan zwei Auflagen für unsere Liegen, obwohl wir welche haben, die zugebenerweise etwas anders aussehen. 
  518. Husserl spricht von der Epoche, Sartre und Heidegger von der Rückkehr zu den Sachen oder zur Faktizität. Gemeint ist damit die Ausklammerung aller Bedeutungen, seien sie aus wissenschaftlicher, gesellschaftlicher oder  nützlicher Perspektive. Ich denke, wir sollten diesen bedeutungslosen-losen Blick auf Dinge und Menschen ein Stück lernen und praktizieren.
  519. Marx findet die Selbstentfremdung in der Gesellschaft, Heidegger in der Existenz. Beide Positionen schließen sich meiner Ansicht nach nicht aus. 
  520. Wer, zumindest in seinem Privatleben, darauf aus ist, ein Maximum an Technik zu realisieren, verliert alles:  Die Technik  spricht die negativen, schwachen, destruktiven, unlebendigen  Seiten des Menschen an. 
  521. In unserer Gesellschaft gibt es Gerechtigkeits- und Verteilungsprobleme, aber keine Armutsprobleme im Sinne von absoluter materieller Notdürftigkeit.  
  522. Längst nicht alle Probleme lassen sich durch ein Mehr von materiellen Gütern lösen, im Gegenteil, dieses Mehr kann die Probleme noch verstärken. 
  523. Achte einmal darauf: Die Anzahl der Motoren steigt ständig und damit Lärm und viele andere negative Folgen.
  524. Bereits seit mehreren Stunden ist heute Abend in unserer Stadt der Strom ausgefallen. Hauptopfer sind zweifellos die Fernsehbenutzer: Ein Teil hat sich auf der Straßen zusammengerottet und schimpft voller Zorn auf die Verantwortlichen, der andere Teil  hat sich verkrochen und versteht buchstäblich die Welt nicht mehr. Aber doch ist es ein Glück im Unglück. Denn, nicht auszudenken, der Stromausfall passiert während der Übertragungen der Olympischen Spiele. 
  525. Ein großer Teil des Lärms und der Verschmutzung der Welt ist nicht notwendig. Warum wird es trotzdem gemacht?
  526. Das jeweilige Wetter auf sich einwirken lassen, die Jahreszeiten bewusst genießen sind Einstellungen, die zunehmend schwächer werden und verschwinden. Das Wetter spielt nur noch eine wesentliche Rolle, wenn es zum Hindernis für den Autoverkehr wird.
  527. Inszenierte und herausgehobene Ereignisse gehören zur menschlichen Kultur, aber man sollte aufpassen, dass sie sich nicht allein auf  gekaufte Events reduzieren.
  528. Der Schuldenberg und  radioaktiver Abfall haben zumindest Folgendes gemeinsam: Sie dienen der gegenwärtigen  Bequemlichkeit i. W. S.  und belasten in unverantwortlicher Weise zukünftige Generationen.
  529. Ich will, wenn es die Situation zulässt, kein Leben aus zweiter Hand. Hauptproduzenten eines solchen sekundären Lebens sind heute das Auto und  das Fernsehen. 
  530. Die  fortgeschrittene Technik erzeugt immer auch  spezifische Formen  der Entfremdung und Heimatlosigkeit.  Wer diese Lebensformen  nicht will, muss nicht mit mehr, sondern mit weniger Technik reagieren.
  531. Wir müssen in unserer Stadt, in unserem Dorf, in unserer Region wohnen. In der Wohnung geht man umher und  durchquert sie nicht mit dem Auto.
  532. Es gibt viele Ausprägungen der Eigenbewegung als  selbständige  Bewegungseinheiten wie Joggen, Wandern, Leichtathletik, Pilgern, Bergsteigen, die alle in sich einen unbestreitbaren großen  Wert besitzen, die aber nicht explizit auf das Ganze hinzielen und hinarbeiten - es  gar nicht können. Das "Ganze" heißt, die Eigenbewegung hin zum universalen Fortbewegungsmittel innerhalb zumutbarer Distanzen zu entwickeln und zu realisieren - und das heißt primär EIGENBEWEGUNG IM ALLTAG. Durch diese Universalisierung bekommen Gehen und  Radfahren eine eminent politische Wendung, nicht zuletzt deswegen, weil sie Klimaschutz, Energieverknappung, Gesundheit, Stadterneuerung und noch einiges mehr (siehe meine Beiträge) zusammenführen. Gegen diese Universalisierung und Politisierung liegt ein Denktabu (insbesondere gegenüber der Negation der Eigenbewegung, dem Auto) vor, das bei allen genannten selbständigen Bewegungseinheiten mehr oder weniger vorhanden ist. Ich vermute auch deswegen, weil mit dem universalisierten Begriff der Eigenbewegung sich keine Kapitalinteressen irgendwelcher Art sich verbinden lassen. 
  533. Das Wort "Paradies" enthält ja bekanntlich "Garten". Zum Paradies, d. h. Garten gehört schlechterdings nicht Krach und  u. U. Gestank von motorenbetriebenen Geräten, sondern Ruhe, Behutsamkeit, pflegendes Handeln (Hand!), Genuß in Form des gemeinsamen Essens , des Lesens und des Schauens  und Betrachtens von Pflanzen und Tieren. Gottseigedank gibt es ja bei  immer noch die Sonntagsruhe, fragt sich nur: Wie lange noch? Nicht wenige Individualisten und Freiheitskämpfer  "mähen" dran.
  534. Heute erzeugen Nuancen und Besonderheiten Leere, weil sie keinen Wert mehr haben und deshalb höchstens als unsinnige Hindernisse wahrgenommen werden  Nur noch überdimensionale Zeichen oder Preise dringen in das Bewusstsein ein.
  535. Einkaufen als Selbstzweck, das Autoradio laut einstellen, den Fernseher nicht ausstellen oder noch ein Glas trinken sind Anzeichen für ein versiegendes Leben.
  536. Als entfremdetes Leben bezeichne ich dasjenige, das seine Bedürfnisse ausschließlich auf  die Angebote des Warenmarktes ein- und beschränkt - ja, diese Angebote  als Gebote auffasst. In diesem hermetisch abgeschlossenen System hat substanzielle Eigenbewegung im Alltag keinen Platz. 
  537. Es geht! Bis vor kurzem bestand unser  Beitrag, den durch Rasenmäher verursachten Lärm zu reduzieren,  zum einen darin, den Mäher  jährlich nur dreimal einzusetzen, zum anderen die Blumenrabatten zu vergrößern, so dass die Rasenfläche kleiner wurde. Nun las ich, dass in den Vereinigten Staaten auch handbetriebene Rasenmäher wieder benutzt würden. Jetzt haben wir auch einen, und  es ist nicht wie früher  Schwerstarbeit, sondern ihn zu bedienen, macht sogar Spaß  und stimmt friedlich.  Kann ich nur empfehlen.
  538. Der französische Soziologe Jean Fourastier ging davon aus, dass, im Gegensatz zu den produktiven Sektoren, im  Dienstleistungssektor keine wesentlichen Steigerungen durch Technikeinsatz   erfolgen könnten  und damit größerer  Personalabbau hier möglich wäre. Im Nachhinein zeigt sich aber, dass einerseits diie Technik viel differenziertere Einsatzmöglichkeiten entwickelt hat  als erwartet und andererseits der Mensch viel williger, ja freudig bereits ist, sich technischen Prozessen zu unterwerfen und sich ihnen anzupassen. 
  539. Nach wie vor ist Erich Fromms Unterscheidung von Sein und Haben gültig und hilfreich: Der Kauf einer Ware stellt sich dann als sinnvoll heraus, wenn sie angeeignet wird, wenn sie sich als unverzichtbar herausstellt, wenn sie das innere und äußere Wachsen fördert, kurz: wenn sie zum Sein des Käufers wird. 
  540. "Wir kaufen nur noch alles im Internet"  sagt eine Bekannte. Ob sie weiß, dass damit der Tod der Stadt in ihren traditionellen Funktionen eingeschlossen ist, bezweifle ich, denn für so brutal halte ich sie nicht.
  541. Du meinst, den Unterschied zwischen naturnahem und industriell erzeugtem Essen gäbe es nicht, er sei eine Ideologie? Dann empfehle  ich Dir, eine Soße aus frisch geschälten Tomaten mit Tomatenmark aus der Dose geschmacklich zu vergleichen - und sofort wirst Du Deine Meinung korrigieren.
  542. Es ist wohl fast das Normale, dass Menschen ihr eigenes Gefängnis vehement verteidigen - allerdings muss man ihnen zugute halten, dass sie ihr jeweiliges Gefängnis nicht als Gefängnis erkennen, denn sie sehen fälschlicherweise Fernsehgeräte, Autos usw. Plato spricht hier bekanntlich von Höhlen.
  543. Sicherlich gab und gibt es eine Ästhetik des Schreckens, die Menschen fasziniert. Das reicht von Militärparaden über entsprechenden Filmsequenzen bis hin zum Formel-1-Rennen.  Wer vom Schrecken fasziniert wird, muss Selbstaufklärung treiben und Gegenmaßnahmen treffen. 
  544. "Der Kampf um die Seelen des Fernsehpublikums".  Diese Überschrift eines Zeitungsartikels trifft es: Es geht nicht um Informationen, sondern um Seelen. 
  545. Wohnen heißt auch Schonen. 
  546. Wer nur in der Zukunft oder Abstraktion lebt, hat keine Heimat. 
  547. Ausschließliche Konsumorientierung ist eine Art von Götzendienst, d. h. man huldigt einem falschen Gott. 
  548. Man kann sich fragen, ob in Angesicht der rasanten Änderungen das Festhalten am Begriff des Menschen nicht eine Ideologie ist.
  549. Es ist noch lange nicht ausgemacht, dass durch Begreifen eines Dinges die tiefste Art  des Verständnisses erwächst. Im Begreifen steckt auch Herrschaft. Also Vorsicht!
  550. Eine Sucht kommt nur zum Verschwinden, wenn etwas Stärkeres das Gefühl und das Bewusstsein besetzt.  Dieses Stärkere muss selbst erworben sein, sonst wird es wiederum zur Sucht. Das ist ein Plädoyer für Könnensentwicklung und Selbsttun  im weitesten Sinne.
  551. Nicht das Sein der materiellen Welt, sondern das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein.
  552. Viele Deutsche sind kaufsüchtig. Kaufsucht ist eine psychische Erkrankung, die sich in zwanghaftem Kaufen unnützer Dinge äußert. Es handelt sich  nicht um gelegentliches, sondern um habituelles Verhalten. 
  553. Die Forderung nach  Wiedereinführung der Pendlerpauschale steht für mehr und ist Ausdruck eines schlechten Konservativismus, nämlich: Weitermachen wie bisher, nicht auf neue Bedingungen reagieren, keine ethischen Überlegungen zulassen, die normative Kraft des Faktischen absolut setzen, Denkfaulheit, ...
  554. Technische Apparate sind grundsätzlich nicht fähig, einen Dialog zu führen. Aber oft erwecken sie den Eindruck. Je  mehr ein Mensch von diesen Apparaten, vom Fernseher, PC bis hin zum Auto, umstellt ist,  desto weniger lebendige Antworten erhält er, wer er sei.  Auf lange Sicht führt das zum Verlust einer sozial fundierten Identität und muss durch Eigenkonstruktionen ersetzt werden, die oft ins Irreale gleiten, ohne dass das bemerkt wird. Es kommt also auf das rechte Verhältnis  zwischen technischer und natürlicher Umgebung an.
  555. Die einzige wirksame Weltanschauung, die heute übrig geblieben ist, ist die wissenschaftliche. Innerhalb dieser gibt es zwei Ausprägungen: a) die ernsthaft betriebene Wissenschaft und b) die allein rechnende Beziehung zu Waren und Dingen der Welt, wobei diese Haltung gar nicht weiß, dass sie ein mißratenes Kind der wissenschaftlichen Weltanschauung ist. Beiden aber ist das rechnende Denken gemeinsam, in dem Nachdenklichkeit im Sinne eines Einhaltens nicht gefragt ist. 
  556. Die sinnlichen Fähigkeiten des modernen Menschen sind quantitativ und qualitativ stark reduziert, schlicht deswegen, weil er sie nur noch in reduzierter Form in seiner Lebenswelt  mehr braucht. Diese Einschätzung habe ich auch an mir selbst wahrgenommen. 
  557. Die Natur ist  zu einem subjektlosen Objekt geworden. mit dem jeder Mensch machen kann, was er will. Kein Straßenbauer würde einen Wald befragen, ob er durch ihn eine Autobahn bauen dürfe, kein Motorradfahrer würde die Luft und die Vögel fragen, ob er sie mit seinem laut aufheulenden Motor aufschrecken dürfe. Um nicht der Lächerlichkeit anheim zu fallen: Mit "fragen" ist hier ein innerer Monolog gemeint.
  558. Moderne Existenz-Probleme: "Angst  vor totalem Park-Chaos am Flughafen Fuhlsbüttel: Vor den überfüllten Parkhäusern und in den Terminals spielen sich chaotische Szenen ab. Urlauber werden ihre Autos nicht los und fürchten, ihre Maschinen zu verpassen" (aus einer Tageszeitung).
  559. Vermutlich sind die  mit Superlativen arbeitenden Events  selbst nur oberflächlich, gewissermaßen vorgeschoben,  interessant und attraktiv; tatsächlich sind es die zumeist unbewussten Erwartungen, dort attraktive Menschen zu finden. Die Chancen, dort zufällig  Nachbarn zu treffen, sind jedenfalls wesentlich größer als  in unserer Straße.
  560. Das Ende der Eigenbewegung: "Wohnen, Arbeiten, und das alles unter einem Dach. Wer in so einem multifunktionalen Hochhaus lebt, der muss nicht mehr vor die Tür" (FAZ , 16. 7. 08)
  561. Ein bestimmter Ausschnitt der äußeren Welt kann  nur dann mit Hand, Herz und Kopf, also im weitesten Sinne wahrgenommen,  werden, wenn es  eine wie auch immer geartete innere Entsprechung im Bewusstsein und Gefühl gibt. Diese Entsprechung kann  man auch als eine bestimmte Form der Bildung bezeichnen. Das inflationäre fluchtähnliche  Reisen, das keine Zeit lässt vor, während oder nach  der Reise Bildung für den bereisten Teil der Welt zu entwickeln, ist sinnen- und sinnlos. 
  562. Es ist im Wesentlichen die Summe der "normalen" Handlungen (vom Autofahren über Rasenmähen bis hin nichtnotwendigen Konsum)  der Bürger, insbesondere die der wohl situierten, die die ökologische Krise verursachen.
  563. In Angesicht geringer werdender Energie müssen wir (wieder) lernen, zwischen sinnvollem und unnötigem Energieverbrauch zu unterscheiden: Der Energieverbrauch eines Zahnarztes ist sinnvoller als ein Urlaubsflug nach  Thailand, einer Holzfabrik sinnvoller als der wöchentlichen Rasenschnitt.  Unter Umständen muss also von einem solchen Urlaub oder einer solchen Ästhetik des Rasens Abstand genommen werden,
  564. Haupttätigkeiten des modernen Menschen: sitzen, auf  Knöpfe drücken und auf Bildschirme  starren. Das ist in der Regel  im Produktionsbereich unvermeidbar, weil sinnvoll, aber in der Freizeit  nicht als allein als  Lebensmodus anzustreben.
  565. Etwas selbst anzufertigen ist ein entscheidender Liebesbeweis: Die  Lust am Produkt löst ein Begehren nach der Produktion aus (sinngemäß Roland Barthes in seinem überaus lebenswerten Buch "Die Vorbereitung des Romans", S. 72).  Aber das ist wohl eine inzwischen historisch gewordene, obsolet  Einstellung: Wir  kaufen nur noch Produkte, die Herstellung überlassen wir Fachleuten  So kaufen wir beispielsweise, das Produkt "Ortsveränderung", "produzieren" aber nicht die Ortsveränderung als Eigenbewegung. Leider lassen sich hier immer mehr Beispiele nennen, die man zusammengefasst als eine Enteignung menschlicher Fähigkeiten begreifen kann. 
  566. Etwas zu tun, weil es subjektiv Spaß macht, was aber objektiv unnötig die Welt zerstört, muss unterlassen bleiben. 
  567. Allgemeine Begriffe sind notwendig, um zu einer Perspektive außerhalb der gegenwärtigen Lebenswelt zu gelangen und damit seine Zeit (besser) zu verstehen.
  568. "Der Weg ist das Ziel"  klingt banal, ist es aber nicht bei genauerer Betrachtung. Übrigens wäre die Formulierung "Der Weg ist ein Teil des Ziels" sinnvoller.   Der moderne Mensch besteht im Bewusstsein aus Zielen; die konkreten Wege dorthin gelten als hinderlich, müssen vom Aufwand her, insbesondere von der Zeit, minimiert werden. Die Wegräume werden als Zwischenräume auf die Ziel hin nahezu eliminiert.  Das ist kein Plädoyer gegen Ziele, sondern ein Plädoyer für ein angemessenes Verhältnis zwischen Ziel und Weg. 
  569. Ich bin gegen das in Warenform inszenierte Ersatzleben, das ein Schattenleben ist, weil durch und durch fremdbestimmt. Es geht mir gleichzeitig einerseits um Nähe zu Menschen und  Dingen, andererseits um Distanz, um zu Erkenntnis ermöglichenden Begriffen zu gelangen.
  570. Eine These: Begriffe explodieren, Bilder implodieren. 
  571. Es gibt kein durchgängiges Paradies auf Erden, aber es gibt es als Augenblick, in wenigen Beziehungen. Vielleicht sollte man zwischen unaufhebbares existenzielles Fremdsein und nichtnotwendiger Entfremdung unterscheiden. Das ist möglich.
  572. Ein Gaspedal- und Knopfdruckleben ist keine vita activa.
  573. Die Fundierung des modernen Subjekts: Ich kaufe, also bin ich.  Von daher leitet sich (fast) der Rest ab.
  574. Zumindest historisch gesehen haben wir - und das sind mindestens achtzig Prozent der Bevölkerung - einen  unvergleichlich hohen Lebensstandart, den  die älteren von uns und unsere Vorfahren nicht im Entferntesten hatten. In einem Bild gesprochen: In materieller Hinsicht ein Leben in einem Vier- bis Fünfsternehotel. Wenn dieser Standard nicht zu halten ist, und wir in ein Zwei- bzw. Dreisterneetablissement umziehen müßten, wäre das auch keine Katastrophe, denn die beginnt in tieferen Kategorien.
  575. Der nationale und internationale Energieverbrauch ist nicht nur an Grenzen gekommen, sondern muss auch in den Industrieländern gesenkt werden.  Wenn es gelingt, die notwendigen Einschnitte "richtig" zu legen, dann sind diese nicht nur verkraftbar, sondern würden eine Steigerung der Lebensqualität nach sich ziehen. Geht man von den Energieverbrauchsfeldern Mobilität, Beleuchtung, Wärme und mechanische Arbeit aus, so sehe ich insbesondere in den ersten drei Feldern problemlose Einsparmöglichkeiten.  Die Bürger und die Gesellschaft, die sich rechtzeitig auf die notwendigen Veränderungen einstellen, werden den Übergang natürlich am besten meistern. 
  576. Das  Verhalten der Menschheit gegenüber der Erde hat die Sensibilität  eines Panzers in einem Kleingarten.
  577. Franz Kafka hasste Lärm, ich unnötigen Lärm - und davon gibt es sehr viel.
  578. Die modernen Gesellschaften ahnen  und wissen nicht bzw. wollen  nicht wissen, in welch großem Ausmaß sie auf Energie, konkret auf Öl, angewiesen sind. Nahezu alle Aufgaben und Probleme, auch soziale, werden heute mit Hilfe von Öl real oder scheinbar gelöst.  Moderne Techniken dehnen sich also  immer weiter aus (sie ersetzen zunehmend  Hände und Beine, den menschlichen Körper als Bewegungserzeuger, die Sinnesorgane und schließlich das Gehirn) und das heißt: mehr Ölverbrauch.  Der Gebrauch und die Entwicklung neuer Technologien sind bisher  wegen des Energieverbrauchs nicht ernstlich beeinträchtigt  worden. Die Energiekosten waren bisher faktisch  eine vernachlässigende Größe.  Aber es kommen  auf uns unvorstellbare große Kosten  zu. Ein bizarr klingendes Beispiel: In einigen Teilen der USA erhebt die Polizei gegenüber Autorasern eine zusätzliche Gebühr, die durch  ihre Verfolgungsjagd entstanden ist. Ein anderes Beispiel: Die technikintensiven Großwäschereien stehen nahezu vor unüberwindlichen Problemen.  Moderne Gesellschaften sind auf diese Prozesse  nicht vorbereitet. Alternativen werden in ausreichendem Ausmaß nicht gedacht, geschweige realisiert, sondern als Spinnereien abgewehrt und verdrängt. Aber die Faktenlage spricht  eindeutig für den notwendigen Wandel (im Sinne von: die zukünftige Not abwenden). Die Hinwendung zur Eigenbewegung (die in dieser Homepage und in meinen Veröffentlichungen vertreten wird) ist eine wichtige Alternative, vielleicht die Basisalternative überhaupt. Übrigens heißt Tacheles reden nicht automatisch im Besitz der Wahrheit zu sein, sondern nur klar und deutlich das Problem benennen.  
  579. Politik, aber auch individuelles Verhalten ist  unverantwortlich, ja dumm, wenn sie sich nicht auf die fundamental  neue Energie-Situation einstellt.
  580. "Hohe Öl- und Nahrungsmittelpreise treiben die Teuerung in der Europazone auf ein Rekordniveau", so die Überschrift einer Zeitung. Das ist  falsch, weil von Ursache und Wirkung abgesehen wird, denn die hohen Ölpreise sind die Ursache für die hohen Nahrungsmittelpreise. 
  581. Die materiellen und energetischen Infrastrukturen sind kein Selbstwert, sondern haben ermöglichende Funktionen. Werden die jeweiligen Infrastrukturen zu groß und zu bedeutend, verhindern sie individuelle und kollektive Möglichkeiten.
  582. Man kann nur das verteilen, was vorhanden bzw. durch Arbeit geschaffen wurde. Die populistische Linke vermittelt, dass es möglich sei, das bestehende Konsumniveau zu halten bzw. zu vergrößern  und gleichzeitig den Druck, der  u. a. von der Globalisation ausgeht, zu verringern. Die wirtschaftsorientierte Rechte sieht das Verhältnis von Produktion und Konsum realistisch, blendet aber das Problem der Ökologie ganz und das der  Verteilungsgerechtigkeit zu sehr aus. Die von mir favorisierte dritte Position will ökologische und Gerechtigkeitsmomente stärken, wohl wissend, dass dadurch die Produktionskraft der Wirtschaft sinkt. Sie glaubt eben nicht, dass man alle Faktoren optimieren kann.
  583. Wegen eines Fußballspiels mußte der Tag der Hochzeit verschoben werden. Alle Betroffenen und Gäste waren - soweit ich es beobachten konnte - mit dieser Entscheidung vollkommen einverstanden.
  584. Ich kenne viele Leute, die kaufen, kaufen und kaufen, sei es direkt in den Einkaufszentren oder indirekt über Internetkäufe. Die reine Fülle verhindert meiner Ansicht nach, dass das Gekaufte selbst noch gebraucht bzw. genossen werden kann. Ich vermute, dass die reine Tatsache des Habens das entscheidende, aber unbewußte Motiv des Kaufens ist. Der Akt des Kaufens hat sich verselbstständigt. Er ist Mittelpunkt des Lebens und Kern der Identität.
  585. Habituelles Fernsehen entwertet die jeweilige konkrete Umwelt, seien es Menschen, Natur oder Dinge. Das gilt insbesondere für den Urlaub.
  586. Erste Einsicht: Die Technik ist der entscheidende Faktor der gesellschaftlichen Veränderungen auf regionaler, nationaler und globaler Ebene. Zweite Einsicht: Die Nutzung der jeweiligen Technik determiniert  im großen Umfange Bewusstsein und das Zusammenleben der Menschen.  Kurz: Die jeweilige Technik ist unser Schicksal.  Wenn das stimmt, dann kommt alles darauf an, das Ausmaß der Technik nach dem Maß des Lebens autonom zu bestimmen und zu befragen: Welche Technik hilft mir, welche Technik behindert mich? Auf jeden Fall kann ich mir diese Fragen im privaten Bereich stellen und dort konkret entscheiden. 
  587. Die Technologien der Simulation stellen die traditionelle Differenz  zwischen Realem und Imaginären in Frage, so der Medienwissenschaftler Norbert Bolz. Ich teile diese Auffassung nicht und bestehe auf die Autonomie des Wirklichen. Das Wirkliche ist die Einheit, das gegenseitige Durchdringen  von Materie und Schein. Ein Bild entsteht, wenn der Schein von  Materie A gelöst und auf Materie B fixiert wird. Dadurch  wird  Materie B vom Wahrnehmenden auf eine reine Trägerschaft reduziert und der Schein wird reine, reduzierte Oberfläche. Beide sind in der Regel Verlierer, denn sie "wirken" nur in der Einheit. Diese Auslassungen gelten nicht für das Kunstwerk. 
  588. Einiges wäre schon gewonnen, wenn habituelle Süchte wie Autofahren und  Fernsehen nicht als Freiheit und Bildungsanstalt ideologisiert würden, sondern realistisch eben als Süchte erklärt werden, denen man sich (noch nicht) entziehen könne.
  589. Die Welt des Fußgängers oder die Welt des Autofahrers unterscheiden sich wesentlich, auch wenn sie sich auf dasselbe Gebiet entziehen. Beim Gehen entsteht Heimat, beim Autofahren abstrakte Netze.
  590. Die Tatsache des zunehmenden Ölmangels oder des Klimawechsels oder  der  Verschlechterung der physischen und psychischen  Gesundheit durch massiven  Technikeinsatz allein oder zusammengenommen verlangt, dass das individuelle und gesellschaftliche Handeln bezüglich des Energieverbrauchs in Richtung Reduktion sich  verändert.
  591. Falls eine faschistoide Breitenbewegung sich entwickelt, und dafür spricht einiges, wird sie - so meine Vermutung - nicht im Namen von Rassismus und Nationalismus auftreten, sondern sich von der Sicherung des gegenwärtigen hohen Energieverbrauchs her  begründen. So werden beispielsweise zukünftige Aufstände Benzinaufstände sein. 
  592. Wenn eine Gesellschaft und ihre einzelnen Bürger sich bereits jetzt auf die notwendige Einschränkung des Energieverbrauchs einstellen und entsprechende Maßnahmen und Verhaltensänderungen durchführen, haben sie die größten Chancen in der Zukunft. Wenn sie im Status quo des gegenwärtigen Energieverbrauchs verharren, haben  sie keine Zukunft.  Gegen die Uneinsichtigkeit in die Notwendigkeit der Reduzierung des Energieverbrauchs wird es rationale Politik sehr schwer haben, denn die unverhältnismäßig großen Energiebedürfnisse sind zu tief in die Strukturen der Persönlichkeit, der Gewohnheiten und der Organisation des Alltags eingedrungen.
  593. Technik ist geronnener Geist. Das Verhältnis zwischen technischem und  lebendigem Geist stimmt  meines Erachtens nicht mehr. Wir müssen die Eigenbewegung gegenüber der Fremdbewegung stärken. 
  594. "Ölförderung im Naturpark: Bush will die letzten Tabus brechen" (Überschrift zu einem Artikel in einer Tageszeitung)
  595. Vermutung: Der traditionelle bürgerliche Spießer ist durch den Konsumbürger ersetzt worden.
  596. Es gilt, die tiefer liegenden Ursachen und den verborgenen Zusammenhang der destruktiven Prozesse, auch die der Alltagswelt, freizulegen und zu benennen, damit sie diskutiert werden können.
  597. Schönheit wird zunehmend durch Funktion ersetzt. Selten geht beides zusammen. Funktion für mich hat viel mit Herrschaft zu tun. 
  598. Die Entfremdung wird nicht mehr bemerkt. Kritisiert wird allerdings die jeweils individuell geringen Möglichkeiten, an dieser Entfremdung teilzunehmen.
  599. Zumindest im Sommer ist es oft in Industriebezirken leiser als in den motorenaufgerüsteten Wohngebieten. 
  600. Die reduktionistischen Tatsachenwissenschaften haben inzwischen das Alltagsbewusstsein erreicht. Jenseits der Selbsterhaltung durch Konsum besteht nichts. Das entspricht nicht den realen Schönheiten und menschlichen Möglichkeiten. 
  601. Nichts gegen  Präzisierungen in bestimmten Bereichen, aber alles gegen die Präzisierung der Welt. 
  602. In den Straßen ist es ruhig. Es ist Fußballtag. 
  603. Radikal denken muss nicht heißen, entsprechend radikal zu handeln.
  604. Sinnliche Erfahrungen werden zunehmend ersetzt durch abstrakten Schein in Form von Bildern und Zahlen, während das autonome Wort stagniert. 
  605. Die Konsumeinheit "Begehren - Erwerben - Gebrauchen - Verwalten - Beseitigen" frisst viel mehr Zeit als man in der Regel vermutet. Sie kann ein Leben ausfüllen.
  606. Und es gibt doch den Unterschied: Situationen, Dinge, Menschen usw., die in Wahrheit sind und leben, und Seiendes, das nur dem Schein nach seiend ist, d. h. täuscht, indem es Leben als Schein darstellt. 
  607. Gestern Abend kamen wir an einem  alten  Haus vorbei, das gerade renoviert wird -  und zwar so, wie es ursprünglich aussah. Die  Besitzerin sagte, dass sie froh sei, dass das Denkmalschutzamt hier vorschreibe, was eine Hilfe für sie eine Hilfe sei - und sie auch vor mögliche Geschmacklosigkeiten anderer Hausbesitzer in der Straße  schütze.
  608. Versuch einer Erklärung, warum große Rasenflächen in den Gärten so beliebt sind: Ein Rasen ist Ausdruck von Herrschaft und  aggressive Durchsetzung von Ordnungsvorstellungen;  Präferenzen für Homogenität, Berechenbarkeit, Übersichtlichkeit und Ästhetik von Massenaufmärschen;  Ablehnung der  Autonomie von  Pflanzen und damit von Geheimnissen und Unverfügbarkeit. Alternativen wären Vielfalt und Wachsenlassen. Vorteile: kein Krach, wenig Ölverbrauch und weniger entfremdete Arbeit.
  609.  Im Kern heißt ökologische Politik: die materielle Produktion zumindest nicht erhöhen und die sozialen und geistigen Potenzen steigern.  
  610. Staatliche Eingriffe in Fehlentwicklungen werden einerseits generell als "Regulierungswut" diffamiert und abgelehnt, andererseits soll selbstverständlich der Staat automatisch und umstandslos dafür sorgen, die negativen Folgen von Fehlverhalten (wie Bewegungsarmut und falsche Ernährung)  - deren Ursachen sie ja nicht abstellen darf - zu beseitigen.
  611. These: Je präzisierter die Auffassung vom Leben ist, desto stärker die Neigung, lebendiges Eigenhandeln durch motorisierte Technik zu ersetzen. Diese Ersetzung wird dann nicht zumindest als partieller Verlust, sondern nur als Gewinn bewertet.
  612. Ich war und werde wohl nicht mehr in meinem Leben Teilnehmer eines Stammtisches sein. Aber ich denke, dass er eine einseitig negative Bewertung nicht verdient.  Warum nicht?  Zumindest sind alle Mitglieder formal gleich und man spricht miteinander. Der Stammtisch ist  ein Stück lebendiger Öffentlichkeit. Wie alles Lebendige, kann sich ein Stammtisch  gut oder schlecht entwickeln - das ist das Risiko.
  613. In einer Fußnote (Böhme, H.:Fetischismus und Kultur) fand ich die Information, dass um 1800 in bäuerlichen und teilweise in städtischen Haushalten sich ca. 100 - 300 Objekte befanden, heute  sind es mehrere zehntausend Dinge. Ich vermute, dass diese Vermehrung der warenförmigen Dinge  der entscheidende Faktor der gesellschaftlichen,  individuellen  und ökologischen Veränderungen ist. Das systematisch umfassend zu reflektieren und darzustellen, scheint mir  unter einem - in der Regel unbewussten - Denktabu  zu stehen.  
  614. Für Anschaffung, Erhalt und Beseitigung der Warendinge wird zunehmend viel mehr  Zeit, Energie und Geld als nötig investiert.  Das  ist  schade, da die betroffenen Menschen oft über ein großes Verantwortungsgefühl verfügen, rastlos tätig, hilfsbereit  und verläßlich sind. Sie sollten sich sinnvolleren Aufgaben zuwenden. 
  615. Wir lassen nun  die Gräser zusammen mit Ringelblumen und Gänseblümchen wachsen. Rasenmähen ist erst einmal abgesagt.  Es entsteht eine neue Schönheit, wenn die Gräser sich sanft im Winde hin- und herbewegen. Schaut man dem in Ruhe eine längere Zeit zu, erahnt man vielleicht das, was die Philosophen mit Sein bezeichnen.
  616. Die massive Verdichtung der Freizeit  zu events bewirkt, dass Kinder und Erwachsene das Staunen über alltägliche Dinge und Menschen verlernen. Events, allerdings hat es immer gegeben, nur unter anderen Namen. Grundsätzlich  sind sie auch lebensförderlich. Aber man muss sparsam mit ihnen umgehen, sonst verlieren sie ihren Wert. Zudem sind sie für den Produzenten und Konsument in der Regel sehr arbeitsaufwendig. 
  617. Man kann es drehen, wie man will: Die weltweit steigende Produktion materieller Güter heißt nichts anderes, als  die Zitrone, hier die Erde, immer weiter auszuquetschen bis sie schließlich leer ist, nichts mehr hergibt. Was das bedeutet, mag und will ich mir nicht vorzustellen.
  618. Eine notwendige, wenn sicherlich auch unpopuläre Aufgabe besteht darin, unnötige Destruktionen im Alltag zu benennen und zu diskutieren.
  619. Versuch einer Bestimmung einer Hauptlinie wirtschaftlicher Entwicklung: a) die Ölförderung stagniert, b) die Nachfrage nach Öl steigt weltweit, c) die Preise  für Öl steigen  primär als Ausdruck dieser zunehmenden Knappheit, c) unsere  Volkswirtschaft vermag nicht, die steigenden Ölpreise durch Subventionen aufzufangen, täte sie es, wäre sie bei weitem überfordert; auch eine Senkung der bestehenden Steuern ändert grundsätzlich nichts an diesem Sachverhalt, da ihr Umfang gemessen an den Preissteigerungen zunehmend unbedeutender wird,    e) daraus folgt: wir müssen sparsamer mit Öl  umgehen und es nur noch für wichtige Zwecke verbrauchen, f) diese Notwendigkeit zum Wandel wird nur von einer kleinen Minderheit gesehen, allerdings äußert sich der notwendige Wandel bereits in wahrnehmbaren Größen, ohne dass immer ein ausdrücklicher Bezug zu den realen Prozessen formuliert wird oder bewusst ist. Dieser  Wandel in Form von Wandern, Fahrradfahren, sanftem Tourismus, Lebensstilwandel usw. ist also  bewußter oder bewusstloser Ausdruck der oben beschriebenen objektiven Prozesse. Claudia Langers Internetportal für strategischen Konsum wäre ein Beispiel  für Veränderungen aus Einsicht, g) das  in dieser Homepage skizzierte Menschenbild meint einen Menschen, der  seine geistigen und körperlichen Eigenkräfte  entwickelt und im Handeln verwirklicht - soweit das Schicksal es ermöglicht. Für Faulheit und Bequemlichkeit  ist das Schicksal allerdings nicht verantwortlich. 
  620. "Bequemlichkeit" scheint mir der zentrale Ausdruck für die dominante Lebenslogik vieler  Menschen zu sein - und zwar in allen Gesellschaftsschichten.
  621. "Motorenmenschen" sind für mich diejenigen Menschen, die es immer begrüßen, wenn Eigentätigkeit durch Motorentätigkeit ersetzt wird. In diesem Zusammenhang entsteht die Frage, was wird aus einem Menschen, der nicht mehr selbst handelt, sondern handeln lässt?
  622. Im Wort "Garten" sind Anklänge von Paradies, Wonne und Lust enthalten. Aber Gartenaufenthalt beschränkt sich zunehmend auf Gartenarbeit, wobei  zunehmend Motoren  (und immer häufiger Gifte) zum Einsatz kommen.
  623. Wer denkt, dass das eigene Handeln wegen seiner relativ geringen Wirkung im Guten wie im Bösen uninteressant und vernachlässigungswert sei, hat Demokratie nicht verstanden.
  624. Zwischen materiellem  Wohlstand und  Zerstörung natürlicher Systeme (Ökologie) besteht  in der Regel  ein unaufhebbarer Zusammenhang. Diese  Zerstörungen bedrohen auch  die materiellen Existenzbedingungen zukünftiger Generationen - selbst  auf einem niedrigeren Niveau.  Das ist die harte Realität, die man nicht verdrängen sollte. Das müßte ständig und überall als individuelle und politische Aufgabe thematisiert werden.
  625. "Rasen ist Sünde" (aus einer Buchbesprechung)  kann  für zwei Bedeutungen gelten: a) für überschnelles Fahren und b) für  Gärten, die überwiegend aus Rasen bestehen.
  626. "´Kritik` besagt Scheidekunst und beansprucht das Vermögen, durch Unterscheiden etwas Verdecktes und Verstelltes sichtbar machen zu können. Im Blick auf die Krise der modernen Welt und der europäischen Wissenschaft ist zu scheiden, was richtig  und förderlich an der Einrichtung der präzisierten Welt und was abträglich und unwahr ist" (Wolfgang Janke in "Kritik der präzisierten Welt").
  627. Ein französischer Fremdenverkehrsort mit ca. 2000 Einwohnern rühmt sich, dass er einen (1) Bäcker und einen (1) Tante-Emma- Laden in seinen Mauern hat. Wie lange noch?
  628. Man tut dem konsumorientierten Bürgertum Unrecht, ihm zu unterstellen, dass es faul sei - das Gegenteil ist der Fall: Ständig wird zum Einkaufen gefahren, günstige Kaufmöglichkeiten werden aus Anzeigen, Werbebroschüren,  Internet usw.  eingeholt, unzählige Preise mit Akribie verglichen, Wagen gewaschen, Rasen wöchentlich gemäht, auf Paketdienste gewartet, Wohnwagen geholt und weggebracht, Verpackungsmaterial in den Container verstaut, Autos zur Werkstatt gebracht und wieder abgeholt, ..... und all das muss innerhalb der Familie abgesprochen und koordiniert werden. Spät abends dann noch einige Stunden vor dem Fernsehapparat, um "abzuspannen" - so dass für Lesen und kritisches Bedenken keine Zeit mehr bleibt. 
  629. Die drastische Reduzierung der Fähigkeit zur  Aufmerksamkeit  dient der Warenwelt, denn dort sich zu entscheiden, erfordert ein Minimum an Aufmerksamkeit.
  630. Die Dinge sprechen als die jeweiligen Dinge nicht mehr zu uns, so dass wir auch nicht mehr antworten und keine Verantwortung für sie übernehmen.  Deswegen werden die Müllberge immer größer.
  631. Das Signum unserer Zeit ist die Zerstörung der Aufmerksamkeit, was dazu führt, dass entweder die bestehende Gesellschaft kritiklos bejaht wird oder wildesten Schmähungen ausgesetzt ist. Eine differenzierte Analyse findet tendenziell in der breiten Öffentlichkeit nicht mehr statt.
  632. "Die Konsumgesellschaft wird sich verabschieden. Damit noch Status zu gewinnen, ist vorbei. In Zukunft müssen noch andere Elemente hinzukommen, wie zum Beispiel ein ökologisches oder ethisches Bewusstsein. Durch bewussten Verzicht kann ich einen Insider-Status erlangen, indem ich z. b. mit dem Rad zur Arbeit fahren" (David Bosshart, Leiter des Gottlieb Duttweiler Instituts).
  633. Heute fast  naturwüchsige Einheiten: Sonnenschein und Rasenmäherlärm sowie lauer Sommerabend und aufheulende Motorräder.
  634. "Kurz, das (christliche) Prinzip der subjektiven (persönlichen) Freiheit hat sich nach und nach in die objektive Ordnung der Dinge einverleibt, bis zu dem Punkt, wo dieses Prinzip schließlich als der eigentliche Kern der Rechtsordnung erscheint" (J.-F. Kervegan in DZPhil 56 (2008) 2, 230).  Die Freiheit des Subjekts ist gleichermaßen die Freiheit des Eigentums. Eigentum bezieht sich nicht nur auf Unternehmereigentum, sondern heute insbesondere auf die Waren, die man besitzt. Konkret: Mein Auto darf fahren, wo es will, mein Rasenmäher darf mähen, wenn er will, meine Zigarette darf rauchen, wann und wo sie will. Wenn der Staat hier begrenzend auftritt, übertritt er seine Befugnisse, er ist dann vom Regulierungswahn befallen. Sie stehen offenbar jenseits der Forderung, dass Eigentum eine Verpflichtung sei. Ich denke dagegen, wir sind gut beraten, wenn wir zwischen menschlichem Handeln und den Waren einen kategorialen Unterschied machen.  Waren sind nicht nur eine Funktion des Menschen, sondern können sehr wohl zumindest partiell eine Eigenlogik entwickeln. So kritisiere ich primär Autos, nicht Menschen. So sollte man in solchen Fällen  nicht Menschen bestrafen, sondern destruktive Waren still stellen und aus dem Verkehr ziehen. 
  635. These: Die Logik der Moderne ist negativ im Auto, positiv im Computer  real gworden, d. h. auch, dass wir die Technikdebatte neu eröffnen müssen. Konkrete Synthesen: Der Computerfachmann, der gleichzeitig einen ökologisch orientierten Bauernhof bearbeitet; mit dem Fahrrad zur Arbeit. 
  636. Entweder fahren sie Auto oder sie sehen fern. Sie sind nicht mehr von dieser Welt.
  637. Sie haben alles überdimensional groß: die Autos, der Wohnwagen und die Fernsehschirme sind riesig, nur die Garage ist normal groß geblieben - aber das muss  sich bald ändern. 
  638. Und wenn die Bildschirme und die Autos noch so große werden, sie  bleiben Bildschirme und Autos. Worin liegt also der Gewinn?
  639. Um 1970 gab es ein sehr erfolgreiches Buch mit dem Titel "Small is beautifull". Heute wäre es sicherlich ein Ladenhüter
  640. Warum muss der Urlaubsort immer tausend und mehr Kilometer entfernt liegen? Warum nicht im Harz oder Fichtelgebirge?
  641. Die warme Jahreszeit ist ja überall hörbar  Rasenmäherzeit. Dazu ein Wunsch: Erfindet  Rasenmäher oder rüstet alte um, die leise arbeiten, die  höchstens einmal eine halbe Stunde innerhalb von  drei Wochen eingesetzt werden können und  die sich  automatisch bei Sonnenschein oder an lauen Sommerabenden  abschalten. Das wäre ein Beitrag zur Steigerung von Lebensqualität.
  642. Das gegenwärtig vorherrschende Modell, möglichst  alles mit Hilfe von Fremdenergie  bewältigen zu lassen, hat aus mehreren Gründen keine Zukunft mehr. 
  643. Wenn Dinge zu Zeichen werden, verändern sie sich nicht materiell, aber sie verlieren an Bedeutung und Wert.
  644. Vielleicht ein ästhetisches Prinzip: Traditionelle und moderne Formen schließen sich nicht aus,  aber man sollte sie räumlich trennen und nicht direkt nebeneinander stellen.
  645. Die Ethik ist im konkreten Alltagsverhalten längst durch rationale Preisvergleiche ersetzt worden. Das ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen.
  646. Die Forderung, die Energiepreise  generell  zu subventionieren, ist aus ökologischer Sicht das gänzlich falsche Signal.
  647. Die Aktivitäten der gesellschaftlich linken Hand sind  mit denen der gesellschaftlich rechten Hand  nicht nur nicht abgestimmt, sondern widersprechen in der Regel einander: Einerseits Formel-1-Rennen, andererseits Aufrufe zur Energieeinsparung. Es ist offensichtlich ein Strukturmerkmal des gegenwärtigen privaten und öffentlichen  Denkens und Handelns: das Nicht-zusammen-Denken des Zusammengehörigen. 
  648. Die Anzeichen mehren sich, dass wir zum Primat  ökologischer Politik übergehen müssen.  
  649. Naturschutz und Denkmalschutz zwingen mich, geistige Werte in ihrer materiellen Präsenz ständig zu berücksichtigen.  Das ist Kultur, eine Bereicherung gegen meinen Egoismus.
  650. "Cape diem" ist heute eine oft gehörte Maxime. Wenn dem Augenblick jegliche Nachhaltigkeit fehlt, schlägt er ins Negative um. 
  651. Bischof Huber vermutet, dass Einsamkeit vielleicht die verbreitetste Krankheit der Gegenwart ist. Dass dieses Phänomen auch (oder zur Hauptsache) materiellen Faktoren wie   Auto und   Massenmedien geschuldet ist, wird in diesen Diskussionen nicht thematisiert.
  652. Der Vorgang "Es hat sich rumgesprochen" findet nicht mehr statt: Es gibt keine spontane öffentliche face-to-face- Kommunikation mehr. 
  653. Grundsätzlich schützen uns Gesetze vor zerstörerischem Handeln. Natürlich gibt es an den Grenzen der jeweiligen Gesetze Unschärfen und  Uneindeutlichkeiten: Natura non lipset. Aber das ist kein Grund, sie grundsätzlich als ungerecht  in Frage zu stellen.
  654. Ein Reisebüro bietet eine organisatorische Großleistung an:  New York, London und Athen in drei Tagen  genießen und erleben. Und all das ohne  Eigenbewegung. Super! 
  655. Um 1800  besaßen bäuerliche und sogar städtische Familien oft nur 100-300 Objekte. Heute mehrere Zehntausende. Sollte das Ziel nicht eher ein Optimum statt eines Maximums sein?
  656. In meinem sozialen Umkreis gibt es immer mehr Menschen, die zwanghaft für jeden Erwerb immer betonen müssen,  nicht, wie teuer, sondern wie sensationell billig er sei. Das reicht vom Schmelzkäse über den Pullover und  Urlaubsreise bis zum Hauskauf. Dabei werden in der Regel mehr Worte über den Preis als über den Gegenstand selbst ausgesprochen.  Bis jetzt sind nur die jeweiligen Ehepartner von dieser Preiszuschreibungsmanie ausgenommen - aber vielleicht ändert sich das auch noch.
  657. Warum freuen sich nicht die betroffenen Menschen, wenn bei ihnen ein Naturschutzgebiet eingerichtet werden soll? Ist es denn wirklich Freiheit, alles, aber auch alles zum persönlichen Nutzen haben zu wollen?
  658. Früher hatten wir zwar viel Schnee im Winter und in der Regel heiße Sommer, dafür haben wir aber heute zumindest zwei  Autos, mehrere Fernsehapparate, und wir kommen zu einem Spottpreis in die Dominikanische Republik. Wer  möchte da mit früher tauschen?
  659. Der unübersehbare riesige Fernsehschirm an der Wand macht endgültig aus dem privaten Wohnzimmer eine Platonische Höhle.
  660. Im Kaufakt haben ethische Überlegungen prinzipiell keinen Platz. Da Konsumtätigkeiten i. w. S. zunehmend  zum Lebensmittelpunkt der Menschen werden, wird die Ethik und die Religion immer weiter zurückgedrängt. 
  661. Der Befund "Armut macht dick" verlangt eine neue Definition von  Armut, die bisher immer mit Hunger zusammen gesehen wurde. In diesem Fall liegt in der Armut ein Zuviel. Armut ist ein derartig schwerwiegender existenzieller Zustand, dass man genau überlegen muss, wenn man ihn auf sich und andere anwendet. Nur absolute Armut ist Armut, "relative Armut" hat viel mit Ungerechtigkeit zu tun und sollte deswegen unter einem anderen Wort thematisiert werden.  Auch ist zu bedenken, dass relative Armut weitestgehend am Maßstab von Konsumgütern definiert wird.   
  662. Die vierzehntägige Müllabfuhr reicht nicht mehr: Vor dem Haus türmen sich die entleerten Kartons aus den Internetkäufen. 
  663. Unbezweifelbar haben viele Menschen einen Sammeltrieb. Aber warum müssen es lebenslang die letztlich immer gleichen Konsumgüter sein? Gibt es nichts etwas anderes?
  664. Ein Kennzeichnen der Moderne: die zunehmende Enteignung bzw. Ersetzung des Körpers durch technische Apparate.
  665. Dass Wirtschaft, ihre Produkte und deren Konsum  ständig Natur zerstören, ist das eigentliche Tabuthema der Gegenwart. Die Frage, was braucht der Mensch zum Leben, ist hoffnungslos veraltet. Die menschlichen Bedürfnisse werden von der Wirtschaft weitestgehend geschaffen, zumindest moduliert. Diesen Zusammenhang ökologisch zu gestalten, ist einen Riesenaufgabe - zumal zumindest der Konsum so wie er ist vom weitaus größten Teil der Weltbevölkerung gewollt und als unverzichtbar angesehen wird. 
  666. Ein hoffnungsloses Zeichen, wenn der Direktor eines berühmten Hotels sagt: Im Engadiner Tourismus gibt es einen Trend zurück zur Ursprünglichkeit.
  667. Der (billige) Preis einer Ware oder Dienstleistung ist ein absoluter Wert. Der Preis ist jenseits aller ethischen Einwände. 
  668. Früher weinten die Fensterscheiben nach einem Regenguss, heute ständig. 
  669. Zumindest im Ferienort ist ein Fernseher auf dem Zimmer nicht nur überflüssig, sondern entwertet zudem diese Region.
  670. Ein engagierter Gerichtsvollzieher beschrieb mir die vorherrschende katastrophale soziale Bindungslosigkeit seines Klientels, die sich auch auf die Sachen erstreckt. Eine wesentliche Ursache dafür sind dafür der große Medienkonsum und der Individualverkehr. Beide  trennen Menschen voneinander.
  671. Der moderne Nationalismus hat sicherlich viele positive Leistungen insbesondere in Kunst und Wissenschaft hervorgebracht, aber insgesamt überwiegen die negativen Seiten. Dass der Mensch sich für größere Einheiten einsetzen will,  ist gut und sollte gefördert werden. Heimat bzw. Region wären sinn- und sinnenvolle Einheiten, die aber immer auch das ganze Ganze, die Erde und die Menschheit, bezogen sein müssen. 
  672. Der Satz "Wer das Tiefste gedacht, liebt das Lebendigste" (Hölderlin)  ist aktueller denn je. 
  673. In den Medien, aber auch in persönlichen Gesprächen wird oft über die Höhe der Steuern geklagt. Das halte ich für wenig fruchtbar, wenn man sie nicht in Relation setzt zu den Leistungen setzt, die man dafür bekommt.
  674. Die Welt der Waren wird immer bunter, die Natur immer grauer. Das Verhältnis ist umgekehrt proportional.
  675. Eine recht verstandene ökologische Lebensweise ist weniger zeitaufwendig und lustvoller als eine konsumorientierte.
  676. Natürlich holt der ethnologische, psychologische oder soziologische Blick sehr viel aus einem Fußballspiel oder Boxkampf im Fernsehen  heraus – aber nicht das gewohnheitsmäßige Sehen.
  677. Gegen das graue Leben in der Fremdbewegung, das real auch das graue Wetter erzeugt.
  678. Es wäre bereits viel gewonnen. wenn die Bürger habituelles Autofahren und Fernsehen als das einschätzten, was sie sind: Süchte.
  679. Beim habituellen Fernsehen und Autofahren entstehen reduzierte, nicht verdichtete  Bilder und Wahrnehmungen. Diese Art der Weltaneignung strengt nicht an und  ist gänzlich ungefährlich. Aber es ist nicht die ganzheitlich wirkende Welt, d. h. Wirklichkeit.
  680.  Für das Leben haben Naturwissenschaften und Konsumorientierung keinen Sinn.
  681. Ich denke, Kants Ethik hat auch den Sinn, mich vor bestimmten Handlungen anderer Menschen, wie andere Menschen vor meinen Handlungen, wenn sie gefährden,  zu schützen.
  682. Heute sollte man zeitgemäß und unzeitgemäß zugleich sein, um eine wechselseitige kritische, aber auch bejahende Spiegelung zu ermöglichen.
  683. Wir leben immer weniger in der augenblickserfüllten Gegenwart, sondern nur in einer Gegenwart des Scheins oder in der Zukunft.
  684. Mit dem Begriffspaar „apollinisch-dionysisch“ beschreibt Nietzsche zwei  gegensätzliche Prinzipien, das Helle des klaren Geistes und das Wollen des Leibes, Reflexion und Rausch,  Abstraktion und Konkretion. Wie immer man auch diesen Dualismus inhaltlich fasst, gibt er eine kritische Orientierung für das abstrakte Leben in der modernen Medienwelt: Suche sowohl das Apollinische als auch das Dionysische, meide, wenn immer auch möglich, die uneigentlichen grauen Zwischenwelten wie beispielsweise die universalisierte Nutzung von Auto und Fernsehen.  
  685. Generell heißt outsourcing die Auslagerung von strukturierter Eigenenergie in Fremdenergie.
  686. Der moderne Mensch versteht unter "Übermensch" nicht Selbststeigerung, sondern seine Ersetzung durch technische Apparaturen.
  687. Modernes Leben wird mehr und mehr sinnenlos. So  beschränkt sich das Fühlen zunehmend in der Dingwelt auf das Drücken von  Knöpfen.
  688. Die wirksamen handlungsleitenden Prinzipien der Gegenwart sind Billigkeit, Bequemlichkeit, Schnelligkeit.
  689. Wer das Prinzip "ich-kaufe-nur-dort-wo-es-am-billigsten-ist"  durchgehend verwirklicht, muss sich nicht wundern und dürfe sich eigentlich nicht beklagen, wenn er selbst Gegenstand dieses Prinzips wird, wenn er also selbst "nokiasiert" wird.
  690. Die erfüllte Gegenwart darf nicht mit events gleich gesetzt werden. Eine erfüllte Gegenwart stellt sich oft ohne großen Aufwand ein: ein empfangenes, aber auch gebendes  Lächeln, ein freundliches Wort,  einen Augen-blick, die Schönheit eines Gegenstandes bemerken. 
  691. Die Härte der Diskussion um ein Verbot des Rauchens in öffentlichen Räumen (also nicht um ein generelles Rauchverbot !) ist ein Indikator für die Höhe egoistischen Fühlens und Denkens in unserer Gesellschaft.
  692. Eine kluge Dame: "Ich habe keinen Fernseher, mir ist die Zeit zu kostbar." Man kann es drehen wie man will, vom Fernsehkonsum  bleibt  neben einigen wenigen starken visuellen oder auditiven Reizen nichts hängen. Fernsehen stellt grundsätzlich keine Anforderungen, man kann es in jeder Verfassung ohne Anstrengungen nutzen, ist dabei immer davon überzeugt, alles verstanden und behalten zu haben. 
  693. Man achte einmal auf eigene und fremde Verlautbarungen und eigenes und fremdes Handeln: Die Beziehung zur Natur als eine zweckfreie, ästhetische und genießende wird immer mehr durch eine beherrschenden und  benutzende ersetzt. 
  694. Je schwächer die Menschen in geistiger und körperlicher Hinsicht werden, desto mehr technische Hilfen werden benötigt - oder umgekehrt.
  695. Der moderne Bürger ist in Bezug auf Gebrauchsgegenstände autonom. er muss nicht mehr zum Nachbarn, um eine Leiter oder Stühle zur Feier auszuleihen oder eine gemeinsam gehaltene Zeitung auszutauschen. Wenn diese funktionalen Notwendigkeiten entfallen, stirbt auch die Nachbarschaft. 
  696. Der Prozess des Wirtschaftens  verläuft wie folgt: Aus Rohstoffen werden Produktionsanlagen und Konsumwaren, die wiederum letztlich zu Müll im umfassenden Sinn werden. Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte betraf das Wirtschaften nur begrenzte Teile der Erde, nun hat dieser Prozess  in der Phase „Müll“ als Klimawandel bereits den gesamten  Erdball  erfasst. An der Bestimmung der gesamten Erde zu Rohstoffen und deren Transformation zu  Produktionsanlagen und Konsumwaren  wird erfolgreich gearbeitet. Es ist nur noch eine Frage der kurzen Zeit, wenn dieser Prozess vollendet ist. Das wäre wirklich - ganz anders, wie Hegel, Marx oder Fukuyama es sich dachten - das Ende der Menschheitsgeschichte. 
  697. Das Prozess "Erde - Konsumwaren - Müll" ist  kein Kreislauf, sondern unaufhebbar linear. 
  698. Wer immer aus edlen oder unedlen Motiven die Produktion von Konsumgütern fördert, beschleunigt den Transformationsprozess der Erde in Müll.
  699. Auf der "Boot"-Ausstellung  haben die Besucher großes Interesse an  kraftvollen Motoren. "Eine  Kohlendioxid-Diskussion gibt es nicht" sagt der Geschäftsführer des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft.  Und wir verlangen von den Entwicklungsländern, ihren Kohlendioxidausstoß zu vermindern.
  700. Über "Ich kaufe, also bin ich"  definieren sich zunehmend immer mehr Menschen. Dass man sich über etwas definiert, ist  m. E.  unvermeidlich und menschliches Schicksal. Deswegen kommt alles darauf an, sich über dieses jeweilige Etwas Gedanken zu machen, um sich selbst nicht zu verpassen und das Ganze zu ruinieren. 
  701. Wenn ich mir eine Hose in einem Geschäft in der Innenstadt kaufe, leiste ich einen Beitrag zur Erhaltung dieses Geschäftes und damit der Innenstadt. Wenn ich dieselbe Hose über einen Internetkauf erwerbe, .........
  702. Von den noch existierenden 4000 Buchläden wird im nächsten Jahr die Hälfte verschwinden, weil wir nicht mehr bei ihnen kaufen.
  703. Der jeweilige Zustand der Erde ist die Summer aller bisherigen Handlungen aller Menschen.  Wenn uns dieser Zustand Sorge bereitet, müssen wir bestimmte  gegenwärtige und zukünftige Handlungen ändern - ggf. eines jeden Menschen.
  704. Wenn das Hauptziel einer Gesellschaft ist, führende Wirtschaftsmacht zu sein,  dann muss sie viel, wenn  nicht sogar alles  tun, dass sie international wirtschaftlich konkurrenzfähig und dominierend ist. Alle anderen gesellschaftlichen Praxen verlieren tendenziell ihren Selbstwert und müssen sich diesem Ziel unterordnen, sonst verlieren sie ihre Existenzkraft - und Teile ihres Wesens. Da muss man sich entscheiden, einseitige Konsumausrichtung oder allseitiges Leben. Beides gleichzeitig  haben zu wollen, ist eine Illusion.
  705. Nicht zuletzt aus ökologischen Gründen ist es ganz wichtig, in der gegenwärtigen Diskussion zwischen absoluter und relativer Armut zu unterscheiden und beide Formen inhaltlich zu bestimmen. Es wird sich dann zeigen, dass die relative Armut keine Armut, sondern Ungerechtigkeit  ist. Auch dieser Unterschied ist wichtig.
  706. Im Zeitalter der Simulakren verschwindet alles Authentische, Einmalige, Originale. Damit auch die Trauer, denn sie verliert alle ihre Gegenstände. Auch das  Subjekt selbst verschwindet, indem es zu einem  Produkt  wird, zwar nicht vollkommen, denn zumindest ahnt es von diesem Prozess.  
  707. Die Erfüllung der Konsumimperative erfordert derartig viel Zeit, dass für Bildung keine Zeit mehr ist.
  708. Konsumorientierte Menschen müssen nicht nur umfassend über Preise Bescheid wissen, sondern auch noch über  Fähigkeiten des platzsparenden Wegpackens und des Verstauens verfügen, um die großen Mengen des tagtäglich selbst Eingekauften  oder des über das Internet Bestellten in ihren oft nicht übergroßen Häusern unterbringen zu können.  Vor zwanzig Jahren wurden die neuerbauten Häuser noch nicht auf diese Entwicklung hin ausgelegt. 
  709. Sich beschränken ist ein Zeichen von Klugheit und Verantwortung. Dieser Vorgang kann zur Beschränktheit führen, wenn  nicht die natürlichen oder selbst erstellten Schranken erkannt werden.
  710. Befreiung von der Natur mit Hilfe von Fremdenergie heißt, die Natur zu zerstören und sich selbst abhängig machen, was wiederum heißt, sich selbst in seinen Möglichkeiten reduzieren.
  711. Der moderne (Konsum)Mensch verbraucht ständig  mehr Fremdenergie und immer weniger Eigenenergie (= metabolische Energie). Keiner Wunder, dass der Ruf nach Atomenergie wieder zu hören ist. 
  712. Alle wollen alles zum niedrigsten Preis haben. Das Prinzip des Billigsten ist universell geworden. Jeder ist zu einer Heuschrecke geworden.  Auch dem Normalbürger kümmert  es  nicht, wenn das alteingesessene Lebensmittelgeschäft um die Ecke mangels Kunden schließen muss und der Besitzer verzweifelt ist.   Allerdings gibt es eine einzige Ausnahme: Dieses Prinzip darf nur nicht auf den individuellen Konsumenten selbst angewendet werden.  Geschieht es trotzdem, wird plötzlich ethisch argumentiert.
  713. Es gibt zwei Möglichkeiten, Bedürfnisse zu befriedigen: a) Durch ständige Zufuhr des Gewünschten oder b) das Bedürfnis kritisch hinterfragen, es ggf. ändern bzw. es ganz aufgeben.
  714. "Warum haben wir eigentlich so große Mühe, sinnvoll zu leben und zu handeln? Alle Grundlagen dazu sind vorhanden" (aus einem Leserbrief).
  715. Jede Zeit hat ihre spezifischen Defizite und Inhumanitäten gehabt. Deswegen ist der sehnsuchtsvolle Blick zurück meistens verklärt und selektiv. Kritik an gegenwärtigen Zuständen sollte deswegen systemimmanent sein und aufzeigen, dass die kritisierten Phänomene nicht naturwüchsig sind. Ein Beispiel:  Der soziale Autismus der Gegenwart ist als Massenphänomen neu und konnte und kann sich nur auf der Grundlage einer technisch hochentwickelten Infrastruktur, die die kommunikative Versorgung und Entsorgung sichert, entwickeln.  Es entstehen Scheinwelten und  Abhängigkeiten. Wie Abhilfe schaffen? Einerseits die Eigenbewegung im Alltag stärken und ausweiten, andererseits alle strukturellen Maßnahmen fördern, die  die Bedingungen der  Eigenbewegung verbessern. Das Wichtigste: Heute losgehen bzw. auf das Fahrrad steigen.  Es "geht". 
  716. Der soziale Autist verlernt, sich einzubringen, die Schönheit des Augenblicks (wortwörtlich)  und  Lächelns des Anderen zu genießen, Frustrationen auszuhalten, Balancen zu schaffen, situativ gebundene Beiträge zu leisten, die ungeschriebenen Regeln lebendiger Kommunikation und Interaktion zu beherrschen. Kurz: Das Fremde kennenzulernen und  als Gewinn zu betrachten.
  717. ich vermute, dass die "neuen" Schläger in U-Bahnen und öffentlichen Plätzen  in ihrer Mehrzahl eine bisher unbekannte  Qualität haben: Sie schlagen nicht, wie die Neonazis, Fremde, weil sie fremd sind, sondern ausschließlich Menschen, die sie in ihrem Verhalten kritisieren. "Wer uns kritisiert, beschränkt unsere Freiheit, deswegen schlagen wir zu" ist ihre Rechtfertigung. Sie vollziehen damit von allen unbemerkt eine immanente Logik der Konsumgesellschaft: "Konsumakte dürfen nicht kritisiert werden" ist das ungeschriebene Gesetz, das nahezu universell befolgt wird. Innerhalb der bestehenden Gesetze - und das wäre die Differenz zu den Schlägern - meint der Konsument machen zu können, was er will. Wenn der Staat aber destruktives Verhalten per Gesetze oder Maßnahmen ändert (Beispiel Rauchverbot in Gaststätten, nicht das Rauchen an sich!), dann wird das als Einschränkung der individuellen Freiheit interpretiert - und nicht selten ist Widerstand angesagt.  Die Lektion, die der Bürger nun endgültig  lernt, ist, sich nicht einzumischen - zumal Einmischung  auch an Blockwarte aus dunkler Vergangenheit erinnert. Es bedarf also einer Kultur der Einmischung. Ich befürchte, dass diese Vorgänge die Schwächung der Kritik, auch gegenüber schlimmen und schlimmsten Verhalten, befördert. Bis jetzt kann ich von mir sagen, dass ich bei offensichtlichem gravierenden Fehlverhalten immer eingeschritten bin,  nun hoffe ich, dass mich in Zukunft dieser Mut des Einmischens nicht verlässt. 
  718. Der versteckte Lehrplan von Fernsehen und Autofahren enthält die Lektion: Ich kann ohne Anstrengungen  und Gefahren  die Welt kennenlernen.  Warum soll ich mich also noch direkt mit Menschen auseinandersetzen oder Orte mit Hilfe der Eigenenergie aufsuchen? In diesen "Medien" dominiert inhaltlich und formal die variierende Wiederholung, was oft nicht bemerkt wird. Eine substanzielle Weiterentwicklung geistiger Funktionen, insbesondere die der begründeten und begründenden Kritikfähigkeit,  findet nicht statt.  
  719. Von der Poesie zur Prosa. Ein Beispiel: Von "Und ewig singen  die Wälder" zum permanenten Lärmteppich.
  720. Warum unterfordern sich die meisten Bürger zumindest im Freizeitbereich?  Der Mensch ist doch neugierig. Die angeblich  hier wirkende Bequemlichkeit ist meiner Ansicht nach nicht naturwüchsig, sondern ist direkt und indirekt anerzogen: Der Konsumbürger kann sich nicht transzendieren.
  721. Die Gesellschaft besteht aus der Summe aller früheren, gegenwärtigen und antizipierten Handlungen ihrer einzelnen Mitglieder. Sieht man in jedem  Mitglied einen  relativ autonomen, sein  Tun zu verantwortenden Bürger, dann macht es auch Sinn, den einzelne Bürger für schädliche Handlungen zu kritisieren.  Das gilt für mich, für Dich, für ihn und sie. 
  722. In der Raucherdiskussion, aber nicht nur dort, wird rücksichtsloses Verhalten mit Freiheit gleichgesetzt. 
  723. Nicht um das Überleben zu sichern oder um die Erreichung eines humanen Lebensstandards gefährden wir hauptsächlich die Erde, sonder um alle Tätigkeiten möglichst mühelos und bequem zu machen.  Reicht das tatsächlich als Legitimation gegenwärtiger Lebensweise aus, die letztlich auch für das Aussterben zahlreicher Arten aufgrund des Klimawandels verantwortlich ist?  
  724. Je mehr Tinnef, desto größer die Zerstörung.
  725. Bequemlichkeit heißt faktisch, sich von der  Umwelt abzuschotten. Aber der moderne Mensch will nicht isoliert leben, er sucht die Begegnung, aber eine, die bequem herzustellen ist, die mit möglichst geringen Körper- und Geisteseinsatz realisiert werden kann. Die bevorzugten Mittel, Bequemlichkeit und Weltbegegnung in einer Einheit zu verwirklichen, sind das Auto und der Fernsehapparat. Beide verbrauchen Energie, von der Umweltzerstörung durch das Auto gar nicht zu reden. Moderne Bequemlichkeit ist so gesehen keine individuelle Kategorie, sondern eine gesellschaftlich-politische. So wird im Irak zumindest nicht nur die Demokratie, sondern auch die Bedingungen für die Ermöglichung von Bequemlichkeit erkämpft. Vielleicht hat heute die uneingestandene Bequemlichkeitspolitik die offene Großmachtspolitik ersetzt.
  726. Einkaufszentren sind die modernen Tempel, allerdings wird man in ihnen nicht geistig erleuchtet, sondern das Licht richtet sich ausschließlich auf die angebotenen Waren und kaufwilligen Konsumenten - weiter reicht das Licht nicht.
  727. Wir leben materiell und damit auch geistig nicht mehr in Kreisläufen, und wir wollen es auch nicht. Selbst elementare Kreisläufe wie Tag und Nacht oder Jahreszeiten werden eliminiert. Deswegen gibt es kein Maß mehr. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Es geht um das Maß an sich, bestimmt nicht um die Erhaltung aller Maße und Werte der Vergangenheit und Gegenwart.
  728. Wenn es stimmt, dass Lebewesen ihr Energiepotential nur durch ständige Anwendung nachhaltig halten und vergrößern können, dann sieht die Zukunft der sitzenden Gesellschaft nicht gut aus. Zumal sehr viel dafür spricht, dass grundsätzlich zwischen körperlicher und geistiger Energie ein enger Zusammenhang besteht. Die sitzende Gesellschaft kann nur dann überleben, wenn immer mehr Fremdenergie zur Verfügung steht.
  729. Offensichtlich ist die Erde folgenden Entwicklungsschritten unterworfen: Von der Natur über Konsumwaren zum Müll. Wie weit muss dieser Prozess fortschreiten, bis wir unsere Lebensweise ändern?
  730. Die in dieser Homepage vertretene Position wird nach meinen bisherigen Erfahrungen in Diskussionen und Rückmeldungen von ca. 20 Prozent in der Theorie geteilt, praktisch allerdings von sehr wenigen realisiert.
  731. In den meisten Fällen fühlen sich Menschen für schlechte Strukturen nicht verantwortlich, auch wenn sie an deren Entstehung und Funktionieren beteiligt sind. Entweder leugnen sie den Zusammenhang zwischen individuellem Handeln und Struktur oder interpretieren ihren Anteil als derartig gering, das man ihn vernachlässigen kann - wie man aus der Geschichte das Argument “Ich war nur ein kleines Rädchen” kennt. Heute findet man diese Haltung genau wieder, wenn man z. B. nach den Ursachen des Klimawandels fragt.
  732. Die objektiv bestehenden Potentiale an menschlichem Wachstum werden bei weitem nicht ausgeschöpft. In diesem Zusammenhang sind heute Modernisierungen kein Garant für wirklichen, d. h. menschlichen Fortschritt.
  733. Soziologismen als Erklärungsstrategien sind nur von begrenztem Wert. Sie ersetzen nicht die Analyse und Bestimmung von Inhalten und Methoden. So die Ökologiebewegung zu erklären mit dem Hinweis, dass ihre Träger überwiegend der bürgerlichen Mittelschicht entstammen, genügt nicht.
  734. Werte werden zunehmend direkt in Form von Waren definiert oder indirekt in Fähigkeiten umgesetzt, die es ermöglichen, an diese Warenwerte heranzukommen. Werte wie Bildung, Sinn für Schönheit, Ethik, Gerechtigkeit spielen zunehmend eine geringe Rolle im Alltagshandeln.
  735. Isoliertheit ist höchster Horror. Wir tun alles, um diesen Zustand zu erreichen. Um sich über diese Tendenz hinwegzutäuschen, gewinnen die Bildmedien und der Individualverkehr umgekehrt proportional an Einfluss. Die isolierte Einheit ist das Factum brutum. Das sind prosaische Tendenzen, denn die Poesie will die Vereinigung.
  736. Der Mensch schafft sich selbst (in vielen Bereichen), zumindest ist er für sich verantwortlich. Diese Einsicht wird heute durch die dominierende soziologische “Brille” häufig vernachlässigt. Ich muss eben nicht mein Leben zum Konsummenschen machen.
  737. Es gehört zur Demokratie, allgemeine Anforderungen in individuelle umzusetzen.
  738. Die Gefahr der Moderne in der Erkenntnisgewinnung, der Weltwahrnehmung und des Besitzes besteht darin, dass die Oberfläche, also das Äußere verabsolutiert wird und nur noch zählt, statt Äußeres und Inneres als gleichwertig in der Balance zu halten. Deswegen besteht die Aufgabe der Gegenwart darin, die individuelle und kollektive Expansion nach innen zu richten, d. h. die innere Welt zu gestalten und qualitativ und quantitativ zu erweitern. Diese Aufgabe kann man auch mit relativ zweckfreier Bildung bezeichnen.
  739. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine ausschließliche Orientierung auf Konsum auf lange Sicht eine stabile Persönlichkeit und haltende Beziehungen sichern kann. l
  740. Was David Riesman vor Jahrzehnten mit Außenlenkung durch die Erwartungen und Wünsche anderer Personen beschrieb, bekommt in der Konsumgesellschaft zunehmend universellen Charakter. Eine umfassendere Kritik dieser Lebensweise kann sich allein deswegen nicht entwickeln, weil, nimmt man den Medienkonsum dazu, schlicht die Zeit dafür nicht vorhanden ist. Denn Kritik und Persönlichkeitsbildung bedürfen Freiräume.
  741. Die neue “Qualität” der Geschichte besteht darin, dass einerseits mit der Erfindung der kriegerischen und zivilen Nutzung der Atomkraft das Leben auf der Erde mit einem Schlag, andererseits durch die dominierende Art des Wirtschaftens und Konsums zeitlich gestreckt ausgelöscht werden kann.
  742. “Wir sind ein übersättigter Haufen, wir in unserer Welt - unserer bedrohten Welt” (die Nobelpreisträgerin Doris Lessing).
  743. Es ist falsch, wenn in der Diskussion um soziale Gerechtigkeit die finanzielle Dimension verabsolutiert wird, so dass entweder große Teile der Bevölkerung als bedürftig eingestuft werden oder in der Oberschicht Verdienst sich allein in der Einkommenshöhe ausdrückt. Statt zu gucken, wo Sättigung, wo Übersättigung und wo tatsächlich materielle Armut vorliegt.
  744. Der moderne Mensch beschränkt sich zunehmend auf visuelle und auditive konsumausgerichteter Wahrnehmungen. Eigenbewegungen werden massiv eingeschränkt.
  745. Die Kirchen haben sich für die meisten Menschen in die Konsumkathedralen auf der grünen Wiese verwandelt. Von daher erklärt sich vielleicht auch der enorme Druck, sie an Sonn- und Feiertagen zu öffnen.
  746. Der beschränkte Blick, nur auf den eigenen Nutzen zu achten, geht am Menschsein vorbei. Gute Entscheidungen bestehen eben nicht immer aus Triebbefriedigung und Fremdbestimmung.
  747. Zum Klimawandel lassen sich momentan drei Positionen idealtypisch herausfiltern:
  748. Die Auffassung, dass die Zeitstruktur nicht zirkulär, sondern linear aufsteigend sei und zu einem hohen Ziel führe (Gott), begann mit der israelitischen und christlichen Religion. Hegel und Marx verlegten dieses Ziel ins Diesseits. Heute hat sich dieses Ziel faktisch in die Transformation von Natur in Konsumgüter i. w. S. verselbständigt und zwar weltweit.
  749. Einkaufszentren auf ehemals grünen Wiesen sind stark reduzierte Parallel-Innenstädte. Sie haben Quasicharakter, sie erscheinen im Modus des Als-ob, sie täuschen Urbanität vor. Aber die Unterschiede sind beträchtlich: Sie haben nur eine Funktion: Verkaufen. Sie sind trennscharf durch ein Meer parkender Autos und breiter Zubringerstraßen bzw. Autobahnen vom Rest der Stadt getrennt.
  750. Betrachtet man Kindheit heute allein nach dem Kriterium der gebauten und natürlichen Umwelt, muss man eine gigantische Fehlentwicklung konstatieren.
  751. Symbole und Zeichen, nicht Wirklichkeit, sind die Wirklichkeit.
  752. Die hochgelegenen und damit noch schneesicheren Wintersportorte profitieren von dem Klimawandel: Sie ziehen zunehmend alle Gäste auf sich.
  753. “Nicht das Bestehende muss verändert werden, sonder das Verkehrte” (Joachim Fest).
  754. Das Streben nach Freiheit wird immer mehr auf den Einsatz freien Gebrauchs von Konsumgütern beschränkt. Als Beispiel möge das Verbot dienen, in öffentlichen Räumen zu rauchen. Freiheitskämpferische Robin-Hood-Attitüden sind hier ganz unangebracht, denn es geht um die Gesundheit von Passivrauchern, nicht um die der Raucher, obwohl die sich auch um ihre eigene kümmern sollten. Der Zusammenhang von Rauchen und Krebserkrankung ist bewiesen. Hier ist das Argument der Süchtigen, sie fänden Rauchen so gemütlich und wohltuend fehl am Platze. Es würde mich nicht wundern, demnächst Initiativen zu vernehmen, die Gammelfleisch für Bürger oder dioxinvergiftete Spielsachen für Kinder im Namen der Freiheit verlangen. Denn, wenn die Vernunft zu schweigen beginnt, wird alles möglich.
  755. Das Wahre, Schöne und Gute haben es schwer. Diese Werte verschwinden zunehmend aus der Welt und werden durch Surrogate ersetzt. Das ist der wahre Nihilismus. In der blanken Konfusion unendlicher Möglichkeiten verliert sich aller Sinn für substanzielle Werte.
  756. Werte stiften Zusammenhänge. Ohne Werte dominieren die Vereinzelungen von allem.
  757. Es geht mir um die Annäherung (mehr kann es nie sein) an eine Existenz in Wahrheit, Schönheit und Moral - und nicht um ein Leben in Schein und Täuschung.
  758. Im Rahmen der Globalisation werden Räume immer stärker homogenisiert - und damit immer vergleichbarer und damit individuell immer uninteressanter.
  759. Historisch gewachsene Orte sind in der Regel interessanter und anziehender als rational geplante Siedlungsstrukturen, die das Auto voll integrieren.
  760. Alle, wirklich alle, arbeiten mit großer Zähigkeit an der Verhäßlichung und Zerstörung der Welt. Ich denke, der einzige wirkliche Ausweg aus diesem Prozess ist die relative Hinwendung zum Immateriellen in Form von Bildung, Sozialem, Schönheit, Spiel.
  761. Das begriffslose Reisen hat (fast) nichts mit Bildung, Erkenntnis und neuen Erfahrungen zu tun.
  762. Die Schlagersängerin Mireille Mathieu plädiert für einen disziplinierten Lebensstil, Disziplin nicht von Konsumzwängen und Institutionen auferzwungen, sondern autonom gesetzt. Das müsste es sein.
  763. Der Mensch enteignet zunehmend die Natur, d. h. die Prozesse innerhalb der Natur laufen nicht mehr unbeeinflusst vom Menschen ab. Der Mensch instrumentalisiert die Natur für seine Zwecke, ersetzt ihre Zwecke durch seine. Das ist in bestimmten Bereichen unproblematisch, in anderen riskant bis hochriskant. Bei riskanten und hochriskanten Handlungen dürfen wir nicht blind handeln und unsere Zwecke an künstliche Subjekte wie Wirtschaftswachstum oder Technikentwicklung abgeben- wie es jetzt zunehmend geschieht. Wir (!) haben die Verantwortung.
  764. Mich nervt die Ideologisierung von Trash- und Niederkultur zu Hochkultur: Boulevardblätter, Schlager, Liebesromane, habitualisierter Fernsehkonsum, Autofahren usw. sind schlicht einfacher, anspruchsloser und weniger wachstumsfördernd als Zeitungen, klassische Musik, Literatur, Sachbücher oder Wandern, um einige Beispiele zu nennen. Natürlich kann man sich aus verschiedensten Gründen für kurze Zeit in den erstgenannten Medien aufhalten, aber man sollte das nicht mit Bildung, Sinnhaftigkeit usw. verbinden, sondern als das benennen, was es ist: Uneigentlichkeit und Zeitzerstreuung.
  765. Rauchen gehört zu den schlechten niederen Verhalten des Mensche - auch wenn ich es tue, wird es dadurch nicht geadelt.
  766. Wahrscheinlich ist der Umschlag vom Logos zur Tat das entscheidende Kennzeichen der Neuzeit und insbesondere der Moderne. Heute muss die Nicht-Tat sich gegen die Tat richten.
  767. Mein Cousin abstreitet vehement, dass der gegenwärtige Klimawandel auch von Menschen verursacht sei. Er muss diese Position einnehmen, denn er verbraucht viel Energie, um seine unzähligen Maschinen in Gang zu halten. So habe ich ihn noch nie auf dem Fahrrad gesehen oder zu Fuß gehen sehen. Er meint, ein moderner Mensch zu sein.
  768. Wenn Modernisierung dem Menschen dient, wenn dadurch seine körperlichen, geistig-emotionalen und reflexiven Fähigkeiten gesteigert werden, wenn mehr Gerechtigkeit realisiert wird, dann bin ich ein entschiedener Modernisierer. Wenn damit aber mehr Autos, mehr Fernsehprogramme, mehr Konsum gemeint ist, gehöre ich nicht zu ihren Verfechtern.
  769. Moderne Modernisierer realisieren in der Regel das, was für das Kapital notwendig ist. Wer das kritisiert und ökologische, soziale und andere Korrekturen fordert, aber gleichzeitig den gleichen bzw. noch größeren Warenkorb verlangt, argumentiert grundsätzlich unrealistisch.
  770. Es wird aus (pseudo-)liberaler Sicht oft von der Gängelung durch den Staat gesprochen. Das sehe ich nicht so: Die bestehenden Gesetze finde ich in der Regel hilfreich für meine Lebensqualität. Mich stören vielmehr bestimmte Verhaltensweisen einiger Mitbürger wie Rauchen in öffentlichen Räumen, die Zerstörung von Landschaften, Dörfern und Städten durch die “freiheitlichen” Autofahrer, laute Musik, die zu hören ich gezwungen werde, unästhetische Zumutungen.
  771. Ich denke, dass die positiven Möglichkeiten, die uns in unserer Gesellschaft offenstehen, bei weitem nicht genutzt werden.
  772. Wir haben schon mehrere Wanderungen im bayrischen Voralpengebiet gemacht. Mein Eindruck: Ästhetik ist dort vorhanden und wird gegen Lobbyisten verteidigt. Die betriebene Landschaftspflege und Siedlungspolitik wird dort im guten Sinne konservativ wesentlich konsequenter durchgesetzt als in den Bundesländern, die ich sonst noch kenne.
  773. In der Hamburger Morgenpost (17. 11. 07) sind zwei Kinder großformatig abgebildet. Ein Mädchen in Designerausstattung steht für Reichtum, ein Junge in Pullover, Jeans und Turnschuhen für Armut. Reichtum wird allein über teuren Konsum definiert, von der sozialen und kulturellen oder von einer lebenswerten Umwelt wird völlig abstrahiert. Welch ein Druck wird auf Eltern ausgeübt, die nicht dieser Logik folgen wollen oder können.
  774. Veräußerlichung ist eine der dominierenden Prozesse der Gegenwart. Das gilt für alle Bereiche des Lebens, sei es in der Erkenntnistheorie, Wissenschaft oder in der Alltagswelt. Die Möglichkeit von inneren Werten, von Bedeutungen oder überhaupt von Innerem wird zunehmend als unrealistisch, als Ideologie, als Täuschung entlarvt. Nur das Äußere zählt, zumal man nur Äußeres messen und zählen kann. Behaviorismus, Positivismus, Strukturalismus, “Signifikantismus”, Markenartikel, Haben statt Sein wären Äußerungsformen dieses Prozesses. Die Kritik richtet sich natürlich nicht gegen Veräußerung an sich, sondern gegen deren Verabsolutierung. Jede Produktion ist Veräußerlichung, aber es gute und schlechte, notwendige und überflüssige.
  775. Jedes Vorhaben, jedes Werk, das Geld machen oder hohe Zahlen erreichen will, dient nicht der Wahrheit, sondern deformiert sie.
  776. “UN: Den Klimawandel zu leugnen ist kriminell” (FAZ v. 15. 11. 07). Dieser Satz gefällt mir von seiner Diktion her nicht, denn er erstickt Argumente. Aber er macht deutlich, dass man sich schon sehr ernsthaft überlegen soll, wenn man die Veränderungen bewusstlos natürlichen Prozessen zuordnet im Sinne von “Das gab es schon immer”.
  777. Zwischen Bildung und ökologischer, d. h. weniger umweltbelastender Lebensweise besteht grundsätzlich eine positive Korrelation, weil Bildung viel mit Sein und wenig mit Haben zu tun hat. Der Seinsmodus ist primär ein geistiger.
  778. Maxime für eine relativ natürliche Lebensweise: Technik ja, aber so wenig wie nötig und nicht: So viel Technik wie möglich! Gleiches läßt sich vom Erwerb von Konsumgütern sagen.
  779. Plädoyer für die Möglichkeit von Kulturkritik: In der Besprechung des gehaltvollen Buches “Eine Geschichte der Kulturkritik” von Georg Bollenbeck behauptet der Rezensent, dass zum erreichten historischen Bewusstsein die Einsicht gehöre, für “große kritische Gesten” bestehe kein Raum mehr. Aber - das wäre meine Frage - verbietet gerade unser historisches Bewusstsein nicht diese Behauptung? Kann denn nicht auch das historische Bewusstsein irren und in Ideologien und Rationalisierungen gründen? Müsste man beispielsweise eine Technikkritik, die sich nicht auf die Technik selbst, sondern auf deren Einsetzung in immer mehr Lebensbereiche und auf die damit einhergehenden Zerstörungen richtet, nicht auch als Kulturkritik bezeichnen und als solche grundsätzlich gelten lassen, weil sie umfangreiche Veränderungen verlangt? Aber auch hier gilt: Jede Kulturkritik kann und muss Gegenstand von kritischer Reflexion sein.
  780. Die gegenwärtige Kritik bewegt sich primär auf struktureller Ebene, während das Verhalten der einzelnen Bürger weitgehend einem Kritiktabu unterworfen ist. Aber in den meisten Fällen gehen heute Strukturen und entsprechende Individualwünsche bzw. -verhalten beider Seiten problemlos zusammen. Das gegenwärtige Konsumsystem wird qualitativ nicht infrage gestellt, kritisiert wird nur die Begrenzung der Quantitäten, dass man statt zwei drei Handys, Autos, Urlaube usw. haben wolle.
  781. Es ist gar nicht so abwegig, wenn Brigitte Kronauer in ihrem neuen Werk als Zusatz “Das Ende der Demokratie” setzt. Sie meint offensichtlich damit, dass das Praxisfeld Wirtschaft über alle anderen Felder dominiert. Schönheit, Natur, Kultur, Ethik, Soziales, Kommunikation haben hier nur dann Existenzrecht, wenn sie die wirtschaftlichen Abläufe einschließlich deren Expansionen nicht stören. Tun sie es, müssen sie verschwinden. Das ist aber nicht nur das Wollen bestimmter Interessenmächte, sondern wird von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung in ihrem konkreten Denken, Wollen und Handeln unterstützt. Am deutlichsten wird dieser Sachverhalt am System “Auto”.
  782. Der Mensch verschwindet als aktiv gestaltendes reales Gesellschaftswesen.
  783. “Die Welt wird flach”. Was heißt das? Natürlich behalten die Dinge der Erde ihre Dreidimensionalität: die Häuser, die Berge, der Plastikbaum, der Fernsehapparat, das Auto sind nicht flach. Aber die Dinge der Erde begegnen uns zunehmend über die Medien als Bilder, als Graphiken, als Schemata. Zudem verschwinden immer mehr Dinge hinter Bildern: die Butter hinter Bildern von heilen Landschaften, die Stadtkirche hinter größtformatigen Bildern mit Modells für Kleiderwerbung. Und, befürchte ich, dass unsere Wahrnehmung zunehmend in Analogie zu Bildern flach wird, d. h. unsere Wahrnehmung wird im doppelten Sinn bildhaft, unvermeidlich auf der Retina und vermeidlich in der Struktur des Blickes.
  784. Wenn man von den umfangreichen und intensiven Reizen, die von den Medien ausgehen, absieht, ist unser Alltagsleben ausgesprochen sinnesarm.
  785. Es besteht die Tendenz, zu meinen, sein wirkliches, nicht entfremdetes Leben nur noch im Urlaub verwirklichen zu können. Da müssen doch die Alarmglocken läuten.
  786. Lernen (auch in Form von Arbeit) und Genießen sind das Geheimnis eines erfüllten Lebens: Lernen ohne Genießen verhärmt, Genießen ohne Lernen verblödet. Alles meistens zeitlich verschoben.
  787. Jede Handlung besteht aus Destruktion und Konstruktion, deswegen der Ausdruck “Dekonstruktion”. Idealtypisch gesehen richtet der Konservative den Blick auf die Destruktion, der Progressive auf die Konstruktion.
  788. Das Subjekt wird tendenziell zum homo oeconomicus. Die Wirtschaft ist das eigentliche Subjekt. Von ihr gehen (nahezu) direkt und indirekt alle Normen aus.
  789. Materielle Produktion schließt immer Zerstörung ein. Vergrößern wir also die immaterielle Produktion.
  790. Es stimmt: In den Medien werden oft Normalprobleme zu Katastrophen aufgebauscht. Aber das darf nicht zu dem Bewusstsein führen, dass das immer so sei. Es gibt auch den umgekehrten, allerdings viel selteneren Fall, dass reale Katastrophen durch die Medien zu Normalfällen “aufgebauscht” werden. Das konnte man bis vor kurzem in einem beträchtlichen Teil der Medien bezüglich des Klimawandels beobachten: “Klimaänderungen hat es schon immer gegeben” war der Tenor. Quellen und Darsteller dieser Position waren aber überwiegend nicht mit dieser Thematik beschäftigte Wissenschaftler, sondern einige Wissenschaftsjournalisten von unterschiedlichem wissenschaftlichem Niveau.
  791. In einer von uns weit entfernten Kleinstadt wird eine mehrere Meter lange Riesenwurst (oder etwas in dieser Art) gebraten. Plötzlich fahren viele Menschen zu diesem außergewöhnlichen Ereignis in diese sonst eher gemiedene Stadt. Dieses Phänomen verallgemeinert: Events bestimmen das Freizeitverhalten. Eine herkömmliche Altstadt, eine lebendige Einkaufsstraße, der Stadtwald oder der jährlich stattfindende Jahrmarkt tun es nicht mehr. Aber die Individualität ist nur möglich innerhalb des bestehenden Warenangebots. Zwei Tage später lese ich in der FAZ: Jürgen Kaube beschreibt in seinem Buch “Otto Normalabweicher” wie unsere Gesellschaft ihre Mitglieder unter ständigen Zwang zur Abweichung, zu Neuheit, Individualität und Übertreibung setzt.
  792. Folgende Frage zu beantworten ist die Voraussetzung für die notwendigen Veränderungen: Welches sind die dominierenden Werte, Spielregeln, Ziele, Zwänge in unserer globalisierten Gesellschaft?
  793. Es ist zutiefst undemokratisch zu meinen, der Einzelne könne nichts ausrichten, so dass es letztlich egal sei, was er tatsächlich tue.
  794. Sie fahren in den Urlaub ins Ausland und aus ihrer Großlimousine quellen die in den Großmärkten und aus Internetkäufen erworbenen Waren heraus.
  795. Die Mehrzahl von uns erstickt an Dingen, die wiederum, um erworben zu werden, hochkomplizierte und aufwendige materielle und geistige Infrastrukturen bedürfen.
  796. Der Aktualitätswahn (Doris Lessing) verhindert analysierendes Denken.
  797. Es gibt auch eine nicht notwendige Erfahrungsarmut, die nicht unbedingt etwas mit Geld zu tun hat - oft im Gegenteil. Geld ist u. U. notwendige, aber mit Sicherheit nicht hinreichende Bedingung für eine Verbesserung von Verhältnissen. Geld ist kein Mechanismus, der automatisch Verbesserung bewirkt.
  798. Wer seine (zumindest deutschen) Bücher über das Internet kauft, spart kein Geld, leistet aber einen aktiven Beitrag zur Verarmung seiner Innenstadt.
  799. Warenflüsse finden heute “idealiter” ohne menschliche Begegnungen statt.
  800. Als besonders irritierend, ja nervig empfinde ich es, wenn Menschen genau das vehement verteidigen und als höchste Errungenschaften loben, was sie objektiv zu Atomen und Monaden macht: die Kontaktvernichter Auto und Fernsehen.
  801. Menschsein heißt, sich selbst zu erheben.
  802. Während Städte, wie sie auf uns zugekommen sind, sich auflösen, werden sie in Glaspalästen und selbst auf riesigen Kreuzschiffen nachgestellt - und dort offensichtlich genossen.
  803. Etwas Humanes von einem Teil der Gesellschaft nicht zu verlangen, weil es von einem anderen Teil nicht geleistet werden kann, ist das Ende der Politik.
  804. Ein Problem besteht darin, dass immer mehr Menschen sich selbst nahezu allein über Konsumgüter definieren.
  805. Wir befinden uns zunehmend in Zuständen der systematisch inszenierten “Nervenerregung”. Das ist grundsätzlich nicht neu, denn jedes Fest, Theater, Ausstellung beruht auf Nervenerregung. Momentan wird die gesamte Umwelt auf dieses Prinzip umgebaut. Eine “normale”, unaufgeregte Innenstadt, Landschaft oder auch Mensch wird zunehmend uninteressant. Gleiches gilt für Filme, Homepages, Werbung usw. In diesem Zusammenhang könnte man auch von einer universellen “Schaufensterästhetik” sprechen.
  806. Es ist erstaunlich: Der moderne Mensch unterwirft sich freiwillig und freudig auf Konsumebene den Funktionsbedürfnissen der Wirtschaft. Hier gibt es faktisch keine generelle und spezielle Entscheidungsfreiheit.
  807. Je entsinnlichter das Leben, desto leichter und häufiger wird es durch Autos und Medien ersetzt.
  808. Die Zeitung oder das Buch haben nur dann eine Überlebenschance, wenn sie Zeitung bzw. Buch bleiben. Gleiches gilt für den Menschen: Der Mensch muss Mensch bleiben.
  809. Kritik hat bei vielen Intellektuellen einen hohen Stellenwert, wehe aber, die Kritik will konkret werden, dann ergießen dieselben Intellektuellen Spott und Unverständnis über diese Versuche. Das liegt einfach darin begründet, dass grundsätzlich jede Realisation defizitär ist.
  810. Offensichtlich hat jeder Welt- und Lebensbereich seine eigene Logik: die Mathematik, die Natur, der Konsum, die Liebe…..
  811. Die emotionale Verarmung der Kinder ist nicht allein auf Mangel an Geld zurückzuführen.
  812. “Nervig” ist, was zerstört und stört, aber nicht notwendig ist.
  813. Argumente für umfassenden geistigen und körperlichen Humanismus sind schwer vermittelbar und fast nicht mehr anschlussfähig.
  814. Meine Präferenz für die Eigenbewegung ist auch ein Beitrag zur Lösung des Klimaproblems. Zu der Position, dass der Klimawandel auch durch menschliche Tätigkeiten verursacht worden ist, der ganzseitige Artikel von Prof. Stefan Rahmstorf in der FAZ vom 31. 8. 07, nachzulesen unter www.faz.net/Rahmsdorf
  815. Wenn es richtig ist, dass Individualität heute nur über Konsumartikel erreichbar ist, dann hätten Diogenes, Wilhelm Genazino, Albert Einstein keine Individualität.
  816. Passivität ist Ausfluss universeller Daseinsvorsorge. So gesehen ist die intensive Inanspruchnahme von Fremdenergie die konsequente Folge.
  817. Was leider heute ausgeblendet wird: Handeln hat nicht nur eine Zielfunktion, sondern darüber hinaus nicht beabsichtigte Wirkungen. Dafür ist die Ethik zuständig.
  818. Auch wenn nicht wenige Menschen politisch anders als die amerikanische Politik denken, dominiert weltweit der American way of life. Dass zwischen der amerikanischen Politik und Lebensweise eine enge Beziehung besteht, wird nicht reflektiert.
  819. Wenn (selbst) Akademiker wider- und umstandslos ihr Leben als eine Funktion des Konsums ausrichten, haben auch sie versagt.
  820. Die bestehenden Strukturen des Konsums müssen in Richtung einer ökologischen Nachhaltigkeit verändert werden. Viele sehen diese Forderung ein und trotzdem folgen keine entsprechenden individuellen Handlungen. Ständig wird diese Aufgabe an die Anderen delegiert. Offensichtlich dient die Vernunft primär der Rationalisierung eigener Versäumnisse. Warum müssen erst Katastrophen eintreten, um Notwendigkeiten zu realisieren?
  821. Die Tendenz, die Erde nicht zu lieben, wird größer: Gärten werden zu Arbeitsplätzen mit motorgetriebenen Geräten, Landschaften und Städte werden mit Autos durchfahren. Konkret-sinnliche Welt wird nur noch punktuell (wortwörtlich) erlebt.
  822. Nichts gegen graue Haare, aber vieles gegen ein graues Leben, d. h. ein Leben im Modus des Ersatzes, des Sekundären, des Scheins. 
  823. Bei  Georg Simmel lese ich: "Unsere Aufgabe ist nicht anzuklagen oder zu verzeihen, sondern allein zu verstehen." Wenn es um Unrecht geht, darf man meiner Ansicht nach diese Position nicht einnehmen.
  824. Häufig hört man die Kritik, dass heute zu viel reguliert wurde. Diese Kritik greift zu kurz, wenn sie nicht die Inhalte der Regulation reflektiert. Wenn das Gesundheitsamt durch Auflagen verhindert, dass Gammelfleisch auf den Tisch kommt, ist Regulierung notwendig.
  825. Die hier vorgetragene Kritik richtet sich natürlich nicht gegen den Energieverbrauch an sich, sondern gegen energieaufwendige Aktivitäten, die nicht notwendig sind und zudem die Lebensqualität verringern.
  826. Ein Gesetz: Je schöner der Tag, desto mehr privater Motorenlärm.
  827. Endlich schönes Wetter, um in den Garten zu gehen - und den Rasenmäher anzuwerfen.
  828. Vor zwei Tagen herrschte abends in unserer Stadt ein Unwetter, wie wir es bisher nicht kannten. Überall wassergeflutete Straßen
    und vollgelaufene Keller. Nicht wenige sprachen es laut aus: Das ist der Klimawandel. Am nächsten Tag Sonnenschein und Windstille. Aber nach meiner Beobachtung wurde keine einzige Auto- bzw. Motorradfahrt unterlassen und  die Rasenmäher beherrschten unangefochten den akustischen Raum.
  829. Aus dieser Perspektive ist es dann nicht der Stadt anzulasten, dass sie das Abwassernetz nicht auf diese extremen Wetterlagen ausgelegt hat. Wenn wir unser Verhalten nicht ändern, müssen aber zwangsläufig die Netze erweitert werden - und das kostet viel Geld.
  830. Dass die Feuerwehr grundsätzlich erst den Betrieben hilft, halte ich für vollkommen in Ordnung, denn schließlich wird dort unser Geld verdient. Aus diesem Grund haben wir übrigens erst gar nicht bei der Feuerwehr angerufen, obwohl insbesondere viele meiner Bücher wassergeschädigt sind.
  831. John F. Kennedy hat einmal sinngemäß gesagt, man solle nicht immer fragen, was der Staat für mich machen müsse, sondern überlegen, was ich für den Staat machen könne. Wir sollten uns endlich auch fragen, was wir für das Klima machen können.
  832. Technik in ihrer fortgeschrittenen Form beherrscht nicht nur die Natur, sondern auch ihre Anwender.
  833. Die Einsicht "natura sanat" ist heute nicht mehr praxisrelevant.
  834. In der modernen Lebenspraxis werden reale, selbstwertige Dinge immer häufiger durch Zeichen i. w. S. ersetzt. Die Folge ist: Wir kommen vor lauter Zeichen nicht mehr zu den Dingen - und die Sehnsucht nach ihnen wird immer größer.
  835. Ästhetik dient tendenziell ausschließlich dem Verkauf. Das ist eine schlimme Instrumentalisierung.
  836. Nach Nietzsche hätten die letzten Menschen das Glück erfunden, weil sie sich nicht mehr dem eigentlichen tragischen Ernst des Lebens aussetzen würden bzw. wollten.  Das muss meiner Ansicht nach nicht gleich so tragisch und ernst zugehen, aber sich mit dem Leben real auseinander zu setzen, ist schon sinnen- und sinnvoll. Übrigens sollte man Spaß nicht mit Glück verwechseln.
  837. Ich esse einen Pfirsich. Wenn  ich  ihn nicht mit der Hand zum Mund geführt hätte, wüsste ich nicht, dass es ein Pfirsich ist – er schmeckt nach allem, bloß nicht nach Pfirsich.
  838. Viele Mitbürger bräunen ihre Haut nur noch in südlichen Urlaubsgefilden oder auf der Sonnenbank. Sie gehen ansonsten  nicht mehr nach draußen oder fahren Rad oder trinken Kaffee, lesen oder dösen im Garten.
  839. Es gilt, den Geist und den Körper zu stärken. Das heißt, selbst leben, nicht sein eigenes Leben mittels Identifikation durch Stellvertreter leben lassen. Ein Leben im Graubereich heißt heute Autofahren und Zerstreuung vor elektronischen Medien. Aber gerade ein solch "graues" Leben ist sehr maschinen- und energieaufwendig, denn es wird genau die Energie gebraucht, die man selbst nicht ins eigene Leben bringt. Die daraus resultierende Bedürfnishaltung ist sicherlich eine wesentliche Ursache der gegenwärtigen ökologischen Problematik.
  840. Die Schönheit der Natur und die des Alltagslebens  werden nicht mehr wahrgenommen. Sie überlebt  nur noch in Inszenierungen.
  841. Es stimmt: Substanzen werden durch Funktionen ersetzt. Funktionen gibt es nur im Kopf, aber wir vermeinen, sie zu sehen - auf Kosten der Substanzen. Man sieht gewissermaßen durch die Substanzen hindurch.
  842. Es stimmt, es werden Situationen gesucht und bevorzugt, in denen möglichst große Anteile des Lebens vorhanden sind. Wenn diese nicht da sind, werden sie durch Scheinleben ersetzt.
  843. Jeder Kaufakt ist auch eine politische Handlung. Die Summe unserer Kaufentscheidungen schafft entweder eine lebendige Innenstadt oder die Einkaufszentren auf der grünen Wiese.
  844. Die modernisierte Version des Spießbürgers: Er fährt jede Strecke mit dem Auto, sitzt jeden Abend vor dem Fernsehapparat, mäht alle vierzehn Tage seinen Rasen, im Urlaub fliegt er in die Sonne. Sein geistiges Hauptinteresse gilt der Zahl, aber nicht die der Mathematik oder der Naturwissenschaften, sondern die der aktuellen Preise Waren und Dienstleistungen: Was kostet wo wie viel?
  845. Die insbesondere in den westlichen Industrieländern große Zahl von produzierten Dingen übt über uns Herrschaft aus. Der Logik der Dinge zu genügen, nimmt einen immer größer werdenden Platz in unserem Alltag ein.
  846. Immer mehr Zwecksetzungen der Menschen werden gegen die Natur durchgesetzt. Will man diesen Prozess aufhalten, muss man diese Zwecke einschränken.
  847. Heute gegen die massiven Zerstörungen an allen Orten der Welt Widerstand zu leisten, grenzt schon an Donquichotterie, wenn da nicht das schöne Lutherwort wäre.
  848. Zwischen Widerstand leisten und nicht Mitmachen besteht ein Unterschied. Letzteres könnte man von jedem erwarten.
  849. Die Dominanz des Jugendkults erklärt sich auch mit der Dominanz der visuellen Massenmedien.
  850. Wir Menschen werden immer durch Dinge und Umstände unaufhebbar determiniert. Hier kommt alles auf Unterschiede an. Die Wohnung in der monofunktionalen Vorstadtsiedlung übt eine andere Determination aus als die in der Innenstadt.
  851. Viele Events in den Innenstädten sind grell, laut, kurz unästhetisch.
  852. Diejenigen Menschen, die stets auf der Höhe des jeweiligen Konsumangebots sind, sind Funktion dieser Gebote. In der Regel wird diese Abhängigkeit vehement abgestritten. Allerdings gibt es auch Zyniker, die diesen Tatbestand nicht nur nicht abstreiten, sondern lächelnd begrüßen. Der Konsument folgt der Logik der Wirtschaft, er hat sie internalisiert.
  853. Umfassend Bequemlichkeit zu suchen und zu finden heißt, den Körper und den Begriff außer Kraft zu setzen.
  854. Eine Maschine bedarf anderer Maschinen, die wieder anderer Maschinen bedarf, die wiederum …usw.
  855. Der Satz, dass wir die Natur beherrschen, indem wir sie bedienen, hat den fürchterlichen Revers, dass wir ihr dienen, indem wir sie beherrschen (Georg Simmel). Meine Interpretation: Wir beherrschen die Natur mittels Technik, aber gleichzeitig    beherrscht uns die Technik, indem wir sie be-dienen, eine Funktion von ihr werden. Durch dieses "Dienen" werden wir  derart deformiert, dass wir die Früchte unseres Dienens nicht mehr genießen können und wollen. Ein Beispiel: Der mit    der Technik "Auto" beherrschte Raum interessiert uns nicht mehr.
  856. Demokratisches Missverständnis: Das Kapital nivelliert alle Werte bzw. lehrt, alle Werte seien wert-gleich. Werte  existierten nur noch in einzelnen Individuen, seien von rein subjektiv-willkürlicher Natur. Wer auf objektive Werte besteht sei, so das Missverständnis, elitär, ja antidemokratisch. Wer diesen Standpunkt teilt, unterliegt der repressiven Toleranz.
  857. Wir verstehen eine Gesellschaft nur, wenn wir ihre Phänomene auf ihre Axiome zurückführen. Die Prägekraft und das   Überzeugungspotenzial der Axiome werden lediglich in die Konklusionen transferiert, wobei die Konklusionen hier die    gesellschaftlichen Phänomene sind. Diese Axiome sind für die große Mehrheit der Gesellschaft unhinterfragbar, was    erklärt, das eine trotzdem durchgeführte kritische Hinterfragung größte Widerstände hervorruft. Gegenwärtige Axiome    sind Schnelligkeit, Billigkeit, Einfachheit, Dominanz der Quantität und Oberfläche. Dass die Axiome und die jeweiligen    gesellschaftlichen Phänomene nicht identisch sind, versteht sich von selbst, auch bestehen zwischen beiden  Wechselwirkungen, die es genau zu rekonstruieren gilt.
  858. Nach einer langen Schlechtwetterperiode springen sofort überall Rasenmäher an. Schönheit, Stille, Frieden zerbrechen.    Es entsteht Stadtteil überdeckender Krach, aber kein schlechtes Gewissen - im Gegenteil Stolz und Genugtuung.
  859. Zum Thema Klima lässt sich folgender Entscheidungsbaum gestalten und man kann sich fragen, welche Position man selbst einnimmt: Erste Ebene: Das Klima verändert sich oder es verändert sich nicht. Zweite Ebene: Die Veränderungen sind vom Menschen verursacht oder die Veränderungen, auch deren Geschwindigkeitsrate, sind natürlich. Dritte Ebene: Man kann dagegen etwas tun oder man kann nichts dagegen tun.
  860.  Die zu beantwortende Frage! Natürlich  lässt sich gegenwärtig keine endgültige Antwort auf die Klimadiskussion geben. Trotzdem stellt sich aber unabwendbar folgende Frage: Macht es nicht Sinn, verlangen es nicht die Verantwortung und Pflicht von uns, ökologisch zu handeln, wenn mit achtzigprozentiger oder selbst wenn mit "nur" dreißigprozentiger Sicherheit menschliche Tätigkeiten die Ursache des drastischen Klimawandels sind?
  861. Die Reduktion auf ein Leben im Konsum scheint subjektiv von höchster Sinnhaftigkeit zu sein. Es basiert auf elementaren Urtrieben, ist konkret, man sieht also den ,,Erfolg".
  862. Moderne, ein Konsumgefängnis? Das heißt: dreimal am Tag in das Einkaufszentrum fahren, dreimal Paketdienste empfangen, zwei Stunden tägliche Autofahrt und dreistündiges Fernsehen.
  863. Die Wirtschaft ist die gegenwärtige Religion. Wir müssen die Freiheit vor der Wirtschaft schützen, ohne ihre sinnvollen Funktionen zu gefährden.
  864. Werbung, Kino, Fernsehen agieren auf der Ebene der Schönheit, die allein auf den Distanzsinnesorganen Auge und Ohr beruhen. Kaufe ich das Angepriesene, berühre es also mit dem Tastsinn, verschwindet die Schönheit. Der Tastsinn vermittelt Genuss, aber auch deren Negation, nämlich Schmerz und Hässlichkeit.
  865. Eine ältere Dame verpasst in einem vielbesuchten Cafe in der Hamburger Innenstadt ihre Freundin und verlässt enttäuscht den Ort. Einige Augenblicke später kommt diese Freundin. Der junge Kellner läuft unaufgefordert der alten Dame hinterher und "erwischt" sie tatsächlich. Beide kehren freudestrahlend in das Cafe zurück. Dieser junge Mann ist ein Vorbild.
  866.  Vielleicht ist ein Paradigmawechsel nötig: Vom materiellen zum geistigen Besitz. Hier geht es um ein Optimum.
  867. Massenkommunikation wird universelle Kommunikation. Für den konkreten Empfänger gibt es keinen konkreten Sender und umgekehrt.
  868. Ich unterhalte mich gerne, aber nicht über Preise, standardisierte Urlaube. populäre Fernsehsendungen und Automarken.
  869. Moderne Blasiertheit besteht in der Abstumpfung gegenüber Dingen und Menschen, die nicht medial vermittelt werden.
  870. Qualitäten werden zunehmend in Zahlen ausgedrückt: im Alltag in den Preisen, in der Wissenschaft in Statistiken.
  871. Die Welt ist flach (Thomas L. Friedman): die dreidimensionale Welt wird zu einer zweidimensionalen Landkarte. Eigene Erfahrungen haben dort keinen Platz mehr. Informationen bedürfen flacher Medien.
  872. Wer meint, die Angst vor dem Nichts mit vermehrtem materiellem Tun abwenden zu können, schafft erst recht die reale Katastrophe.
  873. Die Möglichkeit, dass das Klima sich aufgrund menschlicher Tätigkeiten drastisch ändert, wird von vielen Menschen geleugnet, nicht, weil es so ist, sondern weil sie nicht bereit sind, einen Deut ihrer Konsumgewohnheiten zu ändern.
  874. An der zentralen Kirche in einer Großstadt ist ein riesiges Werbeplakat eines Unternehmens angebracht, das offensichtlich mit Energie handelt. Im Vordergrund befinden sich zwei Lichtgestalten, eine davon ist Beckenbauer, im Hintergrund eine moderne Großstadt a la Dubai, die sich in der Dämmerung in ein elektrisches Lichtermeer verwandet hat, zu reinem Licht. Diese Lichtmetapher ist eindeutig religiös konnotiert. Sie ersetzt das Paradies. Merkt die Kirchengemeinde, die diese Werbefläche verkauft, das eigentlich nicht?
  875. „So sind denn auch die verrückten Landstreicher,  viele Frauen  darunter, mit  prallgefüllten Tüten - die listigen unter ihnen haben einen Einkaufswagen aus dem Supermarkt an sich gebracht, was die Menge der mitgeführten Tüten freilich nur steigert - die wahren Realsymbole unserer Existenz. Wie sie schleppen wir eine Unzahl von Gegenständen durchs Leben und unterwerfen uns der Last, unablässig scheinbar dringend benötigtes Zeug anzuhäufen, es durchs Land zu fahren, es mit Mühe und Not unterzubringen und alle Lebenssorgen auf sie zu verschwenden (Martin Mosebach ). Das in der Regel überdimensionierte Auto ersetzt hier den Einkaufswagen und die Entsorgung des schnell Veralteten geschieht geregelt und legitimiert über Müllabfuhr und Sperrmüll.
  876. Individualität realisiert sich nur noch im Konsum, ist also systemimmanent. Wohl verstandene Individualität richtet sich nicht gegen die Massen, sondern entscheidet sich autonom für das von ihr erkannte Wahre, Gute und Schöne, egal ob sie es mit vielen teilt oder eben nicht. Einzigartigkeit und Unverwechselbarkeit an sich sind hier nicht am Platze.
  877. Nicht "Ich wünsche Dir viel Spaß", sondern "Ich wünsche Dir einen erfüllten Tag".
  878. Es gilt, konkretes und abstraktes Leben in ein angemessenes Verhältnis zu bringen. Und: Abstraktes Leben muss sinnvoll sein.
  879. Toleranz anderen Kulturen, Religionen, Rassen und Weltanschauungen gegenüber muss uneingeschränkt gelten und darf nicht in Frage gestellt oder problematisiert werden, sondern bedarf gegebenenfalls des aktiven Eingriffs und Einsatzes für die Angegriffenen. Das gilt grundsätzlich auch für Lebensstile, falls sie nicht die verfassungsgarantierten Freiheiten, die Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Mitbürger gefährden. Das Akzeptieren von unnötigem Lärm, von Zerstörungen in der Natur, Kultur und Sozialem ist allerdings kein Ausdruck von Toleranz, sondern Ausdruck von Wegsehen, Geschehenlassen, Passivität. Zerstörerische Verhaltensweisen müssen  im privaten Gespräch oder öffentlichen Diskurs problematisiert und wertend diskutiert werden.
  880. Der Amerikaner Ralph Martin fragt die Deutschen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (14. 4. 07) in einem Artikel "Warum wollt ihr immer nur billig?" Dieses Phänomen kann ich mir damit erklären kann, dass den Deutschen der substanzielle Sinn und Aufgaben menschlichen Lebens abhanden gekommen sind und sie diese Leerstellen mit Konsum vergeblich  auszufüllen versuchen. Die Deutschen sind zu Amerikanern geworden, besser zum American Life, wie ich es mir als schlechtes Klischee vorstelle. Das, was Deutschland zur Weltkultur beigesteuert hat, ist in Deutschland fast verschwunden und lebt in China oder Osteuropa - und wohl auch partiell in Amerika fort. Allgemein:  Je weniger substanzieller Sinn in einem Menschenleben vorhanden ist, desto um- und erfassender fällt die Konsumorientierung aus.
  881. Der Garten ist nicht mehr Ort des Genusses, auch wird in ihm nicht mehr geerntet. Er ist heute ein Objekt, das mit Motoren in Form von Rasenmähern, Vertikutierern, Blattstaubsaugern usw. aggressiv traktiert wird, um Homogenität und Linearität herzustellen. Seine einzige Funktion dient Repräsentationszwecken. Er löst nur noch Genuss aus, wenn er der Repräsentation dient.
  882. Ein wohl unvermeidliches Modell der Stille für die Zukunft: "Der laufende Motor des riesigen Wagens (ein Hummer-Jeep der Erbauer des Skywalks, BM) konkurriert mit dem Lärm der an- und abfahrenden Busse und dem Geknatter der Helikopter in den Canyonschluchten. `Wissen Sie', sagt Charles Vaughn mit optimistischem Blick auf den Skywalk, `das ist alles eine Einstellungssache. Wenn ich wirklich innere Stille suche, kann ich sie auch genau unter diesem Generator dort finden“ (FAZ v. 24. 3. 07, S. 42).
  883. Nach dem Schriftsteller Robert Wagner ist gegenwärtig die Faulheit ein gemeinsames Kennzeichen West- und Osteuropas. Das ist zumindest im Freizeitbereich an der exorbitanten Nutzung des Autos und Fernsehers abzulesen.
  884. Ich  will einfach nicht akzeptieren, dass z. B. ein Fußgänger und ein Motorradfahrer, der an einem lauen Sommerabend mit seinem aufheulenden Motor Stadtteile und Landschaften unerträglich laut beschallt, gleichwertig seien und damit gleiche rechtliche Bedingungen einfordern können.  Alles gleichwertig zu nehmen, ist natürlich einfach, wären aber das Ende der Ethik und gleichzeitig der Wärmetod der Kultur. Kritik darf sich nicht auf die Kritik der Kritik beschränken.
  885. Supermärkte sind attraktiv, nicht, weil sie billige Angebote machen, sondern weil man ohne Peinlichkeiten Waren in riesigen Mengen in großen Kisten und Kartons kaufen kann. Hier werden archaische Triebe des Hortens befriedigt und damit wohl eine Urangst des Menschen abgebaut.
  886. Wir haben nicht zu wenige Autos, Fernsehapparate, Zigaretten, Boulevard-Zeitungen, sondern zu viele.
  887. Die Hoffnung und Anknüpfungspunkte in der Konsumwelt bestehen darin, dass der dominierende Tauschwert nicht in der Lage ist, Spuren und Erinnerungen an Gebrauchswerte vollkommen zu eliminieren.
  888. Magisches Denken liegt vor, wenn man den gegenwärtigen Warenkorb in quantitativer und qualitativer Hinsicht erhalten und gleichzeitig der (globalisierten) Wirtschaft umfassendere Grenzen von sozialer und/oder ökologischer Art auferlegen will. Da müssen Präferenzen statuiert werden.
  889. Armut und Reichtum zwingen meiner Meinung nach erst dann unabdingbar zum politischen Handeln, wenn die Armut sich inhaltlich als solche erweist - und das zerstörerische Potenzial des Reichtums nicht mehr hingenommen werden darf.
  890. Menschen und Kulturen sind gleichwertig. Aber nicht alle Produkte, die Menschen herstellen.
  891. Der Grundirrtum der modernen Menschen besteht darin, mit Hilfe eines Knopfdrucks ins Eigentliche zu springen. Der ,,andere" Weg hat sicherlich auch etwas mit Prinzipien, Disziplin und Askese auf Zeit zu tun.
  892. Ich lasse nicht davon ab: Grundsätzlich ist eine lebendige Umwelt, ob Menschen oder Natur, nicht zu übertreffen.
  893. Wer den modernen "way of life" für nicht verhandelbar erklärt, lebt im Widerspruch zu seinen Bedürfnissen. .
  894. Immer wird unser Handeln von Prinzipien bestimmt. Im Alltagsleben lenken sie uns meistens unbewusst, zumindest unreflektiert und unkritisiert. Bequemlichkeit, zeitliche und räumliche Allerreichbarkeit, Schnelligkeit und Billigkeit sind die herrschenden Prinzipien der Gegenwart.
  895. Wenn der Markt alles lösen könnte, wäre die menschliche Vernunft überflüssig (R. A. Musgrave) - aber er kann es nicht. Deswegen ist Kants Forderung, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, nach wie vor aktuell.
  896. Ein Appell an die Politiker zum Klimawandel: Forscht - das auch, aber tut auch etwas Sinnvolles dagegen - und zwar sofort, z. B. Tempolimit auf Autobahnen.
  897. Der Tauschwert ist heute der reale Gebrauchswert.
  898. Sie arbeitet auf einer halben Stelle, hat eine relativ kleine Wohnung, die Kinder sind bereits ausgeflogen, liest, wenn überhaupt, Anspruchsloses, ehrenamtliche Tätigkeiten hat sie keine aber sie ist rastlos tätig: das Konsumieren frisst all ihre Zeit.
  899. Wenn man davon ausgeht - und vieles spricht dafür -, dass durch menschliche Aktivitäten der Klimawandel verursacht wurde und dass dieser Wandel eine Bedrohung für die Menschheit darstellt, dann geht es nicht darum, individuelle und kollektive Schuldzuweisungen zu führen, sondern endlich mit problemlösendem Denken und Handeln zu beginnen. Durch Handeln ist das Problem entstanden, durch Handeln kann es nur beseitigt werden und nicht durch Lamentieren - und erst recht nicht durch Hinweise, dass man nicht verzichten, sich nicht ändern, nicht zurück könne.
  900. Vielleicht ist die Motivation des Menschen zu ständigen inneren und äußeren Veränderungen darin begründet, dass der Mensch sich als ein Zeichen ohne Bedeutung empfindet oder gar interpretiert. Deswegen muss er diese Leere mit Prädikaten und Handlungen füllen - leider oft auch mit sinnlosen, ja zerstörerischen. Sie nicht zu füllen, gilt als unverzeihlich.
  901. Der Begriff des Second Life in der Computerwelt ist ein Euphemismus, denn diese Art des Lebens ist tendenziell bereits das primäre.
  902. Der Tod des Subjekts als das eigentliche Ich ist eingetreten. Alles wird zum Äußeren und Äußeres ist bestimmend als Generator aller Normen und Moral.
  903. Der Mensch, weil Mensch, muss Realität und Werte konstruieren. Dieses anthropologische Faktum sollte als Chance verstanden werden. "Chance", weil bereits bestehende Konstruktionen in Teilen und im Ganzen neu konstruiert werden können. Mit der Serie "Die Erfindung der Deutschen" im Spiegel wird Geschichte aus der Naturwüchsigkeit befreit und einer offenen und lebendigen Diskussion zugänglich gemacht. Das macht Geschichte interessant und zwingt zu überzeugenden Begründungen.
  904. Je größer der Aktionsradius eines Menschen wird, desto "dünner", oberflächlicher und zeitlich kürzer werden die Begegnungen mit Menschen und Dingen. Globalisation ist der Endpunkt dieser Entwicklung.
  905. Wirtschaftliches Verhalten, d. h. möglichst viel für wenig Geld zu erhalten, ist universelles Verhalten geworden - und überschwemmt alle Bereiche menschlicher Entscheidungen und Beziehungen.
  906. Trotz des schlechten Winterwetters kann ich mich nicht so recht auf die Sonnentage im Sommer freuen: die dann ganztägig betriebenen und wie durch eine unsichtbare Hand zeitlich hintereinander geschalteten Rasenmäher werden mich wieder ins Hausinnere treiben.
  907. Der Tod der Referenz, also die Referenzlosigkeit, ist auch das Ende eines nachhaltigen Niveaus.
  908. Das Problem besteht darin, dass ein Teil des realen Wahnsinns in Alltagsgewohnheiten versteckt ist. Zwei Beispiele: Er holt die Sonntagszeitung selbstverständlich mit dem Wagen, und das junge Pärchen, das wirklich hart arbeitet und sich nur eine Woche Urlaub abzwacken kann, fliegt in die Sonne, genauer in die Türkei - all inklusive - zu einem Spottpreis.
  909. Die Entwirklichung und Entwertung der Wirklichkeit findet bereits fundamental in der medialen Wahrnehmung statt: Hier wird Wirklichkeit im Scheine in einer Vollkommenheit und Attraktivität präsentiert, mit der die normale (im Sinne von Durchschnitt) Stadt, Wald  oder Mensch wie du und ich nicht konkurrieren können. Die Begegnung mit ihnen ruft in der Regel Enttäuschung hervor. Der Kern dieser Täuschung, nämlich der Tausch von Wirklichkeit in Schein, wird nicht bemerkt und erst recht nicht kritisch reflektiert.
  910. Der Klimawandel stellt nach Stephen Hawkings für die Welt eine ebenso große Gefahr dar wie der internationale Terrorismus und ein Atomkrieg. Natürlich sind alternative "gutredende" Szenarios denkbar und werden auch immer noch vertreten - aber ihre Überzeugungskraft, obwohl sie von den stärksten Kräften unserer Gesellschaft unterstützt werden, wird auf Faktenebene immer geringer. Deswegen ist es ein Gebot der Klugheit, auf struktureller und individueller Ebene Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Hier stellt sich die Frage, wo denn die Grenze liegt, ab wann gehandelt werden muss.
  911. Ich halte die gegenwärtige fundamentale Politiker-Schelte für nicht angemessen, ja ehrverletzend. Allerdings finde ich es keine "Kleinigkeit", dass im Bundestag selbst das Verbot zu rauchen, nicht durchgesetzt werden kann. Dass es einem Raucher schwer fällt, entsprechende Einschränkungen zu akzeptieren, verstehe ich. Aber ein Volksvertreter muss gegen seine eigenen irrationalen Neigungen stimmen.
  912. Das Wesen der Politik kann doch nicht sein, umstandslos bestehende Strukturen und Verhaltensweisen eins zu eins zu zementieren. Die Aufgabe der Politik besteht vielmehr darin, das zu erhalten oder zu realisieren, was vernünftig ist, was den Bürgern und dem Ganzen dient und das abzuwehren, was ihnen schadet.
  913. Von Atomkraftbefürwortern wird oft stereotyp die Forderung nach unideologischen Entscheidungen erhoben. So weit, so gut - aber der Begriff" unideologisch" wird selbst ideologisch, wenn er mechanisch angewandt, d. h., wenn nicht auf die Einwände und Argumente der Gegenseite eingegangen wird. Das heißt konkret, zumindest Antworten auf die Frage nach der Atommüllentsorgung und die Betriebsrisiken zu geben sowie die gegenwärtigen Formen von Energieverschwendung zu begründen.
  914. Die Diskussion um das Rauchen hat vielleicht Pionierfunktion in dem Sinne, dass endlich alle unsere Verhaltensgewohnheiten auf den Prüfstand der Sinnhaftigkeit für Mensch und Welt gestellt werden.  
  915. Ein befreundetes Ehepaar hat sich wie folgt kennengelernt: Sie will am Bahnschalter Fahrkarten kaufen, hat aber ihr Geld vergessen, ein hinter ihr stehender junger Mann leiht es der hübschen Frau. Das ist der Anfang. Beim Internet-Shopping hätte das nicht passieren können, dort gibt es keine Zufälle.
  916. Mit der durch Fremdbewegungen ermöglichten Bequemlichkeit sterben Können und Neugierde.
  917. Die entscheidenden Fragen der Gegenwart lauten: "Was ist Wirklichkeit?" und "Wollen wir sie?".
  918. Ab 1892 reiste Burton Homes jeweils im Sommer durch die ganze Welt und fotografierte. Im Winter zeigte er seine Bilder einem großen Publikum - gewissermaßen als stellvertretender Reisender. Heute ist dieses Publikum selbst unterwegs. Von einigen Kreuzfahrtschiffen wird berichtet, dass die Passagiere nicht mehr an Land gehen - ein Blick vom Deck auf Landschaften und Städte genügt.
  919. Ich frage mich: Warum beugen sich so viele gute und/oder kluge Leute bereitwillig dem jeweiligen Mainstream, heute der Konsumwelt? Warum stellen sie sich nicht die Frage: Was hilft, was hindert?
  920. Baudrillards Diktum, dass die Bilder die Mörder des Realen seien, ist dann richtig, wenn die Bilderfluten als Realität oder als akzeptabler Ersatz oder gar als höherwertiger als die Realität aufgefasst werden. Letzteres ist inzwischen auf Handlungsebene die Norm: Die "wirkliche Wirklichkeit" wird gemieden.
  921. Man achte einmal auf eigenes und fremdes Alltagsreden: Fast in jedem Satz kommen Preise vor: Der Preis wird das entscheidende Definitionsmerkmal einer Sache.
  922. "Ein Gentleman kann sich nur einer verlorenen Sache annehmen" (Jorge Luis Borges). So gesehen sind die hier geäußerten Gedanken - fürchte ich - Gedanken eines Gentlemans.
  923. Moderne: Man drückt auf einen bestimmten Knopf und Menschen, Landschaften, Abenteuer, Kunst und Liebe erscheinen wie von Zauberhand vor unseren Augen.
  924. Das Leben ist schön. Ein Vergehen dieser Schönheit muss verhindert werden.
  925. Die Entäußerung des Körpers in der sitzenden Gesellschaft muss gegen die körperliche Spontaneität durchgesetzt und eingeübt werden. Das ist die eigentliche Funktion der fesselnden Gurte im Auto.
  926. Zumindest seit den letzten hundert Jahren hat eine massive Ersetzung von Eigenbewegung durch Fremdbewegung in nahezu allen Tätigkeitsbereichen stattgefunden.
  927. Je grauer der Himmel wird, desto länger laufen die bunten Bilder im Fernseher.
  928. Der Auto- und Fernsehmensch ist selbst zum Zeichen geworden und zwar zu einem Zeichen ohne existenzielle Referenz. Er nimmt nur noch am endlosen Spiel der Zeichen teil, ohne jemals in und auf das Leben zu treten und zu treffen.
  929. Hohes und höchstes Konsumniveau schafft Gewohnheiten, die in bestimmten Bereichen inhaltlich ohne Abstriche von Lebensqualitäten anders sein könnten. Müssen wir nicht emanzipiert und erwachsenengemäß überlegen, was zumutbar ist und was nicht? Ist denn das Verbot, in Gebäuden mit Publikumsverkehr zu rauchen und auf der Autobahn "nur" 120km/h fahren zu dürfen, eine Verletzung der Menschenrechte?
  930. Der Zyklus endlosen Verlangens besteht aus den Phasen: Wollen - vorübergehende Befriedigung - Langeweile - weiteres Wollen. Dieser Zyklus ist nach Schopenhauer menschliches Schicksal. Im Konsum hat sich dieser Zyklus vollendet und müsste eigentlich von jedem durchschaut werden.
  931. Der Ministerpräsident von Niedersachsen beklagt sich, dass immer weniger Bürger Zeitung lesen und unpolitischer würden. Auf der anderen Seite fordert er, dass der Wirtschaft keine Hindernisse in den Weg gestellt werden dürfen bzw. diese beseitigt werden müssen. Mit anderen Worten: Er plädiert für den entfesselten Kapitalismus - aber dieser produziert genau die oben beklagten Phänomene. Eine Politik, die sich auf Wirtschaftspolitik reduziert bzw. Wirtschaft zu einer kritikfreien Tabuzone erklärt, fordert die Politikverdrossenheit. Diese Verdrossenheit wird zumindest dann irrational, wenn sie wiederum den gegenwärtigen Konsumstandard, ja dessen permanente Steigerung, als einziges Ziel der Politik verabsolutiert und jeder Zeit als machbar denkt. Der Unterschied von Wirklichkeiten, die sich einerseits durch die Subjekt-Objekt-Einheit und andererseits durch die Verabsolutierung des Subjektpols oder Objektpols bilden, ist entscheidend. Ob ich mir die Welt als Fußgänger, Autofahrer, Zeitungsleser, Fernsehsehender, Lesender aneigne, lässt verschiedene Wirklichkeiten und Welten entstehen. In diesen Ausführungen wird von dem hohen Wert der Subjekt-Objekt-Einheit ausgegangen. Es gilt, diese Wirklichkeit zu beschreiben und stark zu machen.
  932. So sieht die tendenzielle Linearisierung der Lebenswelt aus: Alle räumlichen Punkte werden real und mental durch Linien verbunden. Es werden keine dreidimensionalen Erlebnisräume durchschritten, sondern zweidimensionale Funktionsstränge durchfahren.
  933. Die Welt wird semiotisch: Alles wird zum Zeichen - selbst die realen Objekte der Wahrnehmung.
  934. Ich nehme zwei Bereiche davon aus: die Bildung und die Sexualität, wenn letztere in das Wesen des Geschlechts und in die Individualität des Partners eingebettet ist.
  935. Ich behaupte: Die auf dieser Homepage und in dem Buch zur Eigen- und Fremdbewegung entwickelten Gedanken und Argumente enthalten wesentliche und nachhaltige Lösungspotentiale für gegenwärtige und zukünftige Fundamentalprobleme.
  936. Bezugs- und Mittelpunkt aller Bemühungen in diesen Ausführungen ist das Leben. Wer das Leben vollkommen durch Maschinen und nachgeahmtes Leben ersetzt, verliert es.
  937. Die Neugierde stirbt, nur noch die Gier lebt weiter. Wenn die Neugierde sich ausschließlich auf bekannten Straßen bewegt, kommt sie nie ans Ziel.
  938. "Die Globetrotter (heute Welt- und Weitreisende, BM) sind häufig gerade die stumpfsten und gewöhnlichsten Menschen" (Egon Friedell).
  939. Lasst Euch nicht zu einer Funktion der Warenwelt machen, die deren Imperative im Verhältnis eins zu eins umsetzt. Dann wären wir wieder beim Subjekt im Sinne von Untertan angelangt.
  940. Der moderne Mensch erträgt die Ruhe und Stille nicht mehr. Die Bewegung liebt er nur in ihrer paradoxen, in ihrer passiven Form: entweder im Auto oder vor dem Fernseher.
  941. Es gibt heute zwei bequeme Wege, die Begeisterung für die Natur zu realisieren: den sessilen (von sedere = sitzen) Rousseauismus und den motorisierten Rousseauismus. Bei Vertretern der sessilen Form äußert sich dieses Engagement in Sätzen wie "Ich sehe im Fernsehen am liebsten Tierfilme", bei Vertretern der motorisierten Form: "Ich fahre mit meinem Rover am liebsten durch Feld- und Waldwege, denn da bin ich der Natur am nächsten". Den Ausdruck "motorisierter Rousseauismus" habe ich übrigens dem gleichnamigen Beitrag von Ludger Lütkehaus in der lesenswerten Jahresschrift für skeptisches Denken, "Scheidewege", entnommen. Dieser Ausdruck ist deswegen erhellend, weil hier zwei gegensätzliche Strömungen zusammengefasst werden, die mit Sicherheit von Rousseau kritisch kommentiert worden wären.
  942. Der wohl nur in der deutschen Sprache so behauptete Gegensatz "Zivilisation versus Kultur" war zumindest in der Vergangenheit ideologisch aufgeladen, da die politische Stoßkraft im lateinischen und englischen Sprachgebrauch ausgeblendet wurde. Wenn unter "Zivilisation" aber unideologisch die Befriedigung von Grundbedürfnissen zum Lebenserhalt verstanden wird, macht der Differenzbegriff „Kultur" zwar einen Sinn - ist aber allein aus etymologischen Gründen - schwer durchsetzbar. Schade.
  943. Zwischen der Nutzung des Internets und der Nutzung des Fernsehers ist die Differenz wesentlich größer als deren Identität. Man sollte beide nicht in einem Atemzug nennen.
  944. Tägliches mehrstündiges Fernsehen ist die Verlagerung der Konsumzwänge in das Private.  Natürlich war schon immer die Kategorie des Privaten eine problematische und auch ideologische Konstruktion, denn immer ist Gesellschaftliches gegenwärtig. Trotzdem ist das Private als Ort der Entstehung und Erhaltung von Eigenem unverzichtbar.
  945. Ich wohnte in einem Wohnblock. Zumindest in drei Wohnungen lief der Fernseher Tag und Nacht.
  946. Inzwischen denke ich, dass Schönheit und der Sinn für Schönheit immer mehr zurückgedrängt werden - mit Sicherheit aus der realen Lebenswelt. Fundamentaler Vorgang ist: Funktion ersetzt Schönheit.
  947. Fischer wehren sich gegen die Beschränkung von Fangmengen gefährdeter Fischarten, obwohl die langfristige Existenz der Fischer von der langfristigen Existenz der Fische abhängt. Gleiche Verblendung und gleiche blinde Abwehrmechanismen findet man nahezu bei allen substanziellen Verbesserungsvorschlägen von realen Lebenssituationen.  So momentan auch aktuell in der Raucherdiskussion.
  948. Möglichkeit einer Erklärung für die universelle, exorbitante und zwanghafte Konsumorientierung, die im Scheine so viel Lust verspricht und real so trist und enttäuschend ist und keinerlei materielle und geistige Nachhaltigkeit hat: "Wir beten an, was uns hinunterzieht". Vielleicht sind hier Thanatos und eine übermächtige Erdanziehung am Werke.
  949. Meine Kritik an einer bestimmten inhaltlichen und formalen Ausprägung der Moderne soll dazu dienen, nicht nur das Apollinische, sondern auch das Dionysische im Leben zu ermöglichen und zu stärken.
  950. Der Tauschwert ist heute der wahre Gebrauchswert.
  951. Die Auffassung, dass Konsumgüter Wesentliches für die Seelenlage leisten, mag empirisch nicht falsch sein, ist aber von einem humanistischen Standpunkt aus gesehen gefährlich. Waren halten in der Regel nicht ein, was sie versprechen. Und wenn - wie Wolfgang Ullrich in seinem lesens-, aber auch kritikwürdigen Buch "Haben wollen" - einen Nike-Turnschuh formal mit dem Nibelungen-Lied gleichsetzt, weil gleiches Prestige, liegt, gelinde gesagt, Einseitigkeit vor. Natürlich hat mein Interesse an Kant oder an Mahler auch irgendetwas mit Prestige zu tun, aber die Auseinandersetzung mit ihnen bedeutet zuallererst Wachstum und nachhaltige Befriedigung - und darauf kommt es an. 
  952. Ist Konsum Arbeit? Den Gepäckraum der Limousine oder des Großraumwagens vor der Einkaufsfahrt erst einmal leer räumen, die Kinder in die Kindersitze bugsieren und dann fixieren, aus der Garage und der langen Auffahrt rückwärts raus fahren, dann bei Regen mit Hunderten anderen Wagen in das sieben Kilometer entfernte Einkaufszentrum, einen freien Parkplatz finden, die anstrengende Suche nach den verschiedenen Orten der Waren, ständige Preisvergleiche und Kämpfe, etwas nicht zu kaufen, obwohl es doch angeblich so günstig sei, das lange Warten vor den Kassen, dann mit dem vollgeladenen Einkaufswagen über den voll gestellten Parkplatz zu seinem Wagen - es regnet übrigens immer noch. Zu Hause alles aus- und einräumen. Ist das nicht Arbeit? Übrigens gibt es in der Nähe ein mittelgroßes Lebensgeschäft, das gut zu Fuß oder mit dem Rad zu erreichen ist.
  953. Ein undemokratisches Bewusstsein liegt dann vor, wenn man aus der Tatsache, ein (1!) Mensch unter ca. 6 Milliarden zu sein, schließt, dass der Anteil der eigenen Handlungen an der Unweltzerstörung so gering sei, dass man ihn vernachlässigen könne: ein Sechsmilliardstel sei eine quantite negligeable. So einfach darf man es sich nun doch nicht machen.
  954. Schönheit zeigt sich tendenziell real und in der Wahrnehmung nur noch an Waren.
  955. Zeitlich begrenzte Askese ist die Voraussetzung für Wachstum und Glück. Das setzt voraus, dass man sich als Selbstbildner versteht.
  956. Vielleicht wird das Wandern auch in Zukunft deshalb attraktiv, weil der Schnee ausbleibt.
  957. Zwanghafter Konsum ist eine Form falsch verstandener religiöser Betätigung. Man ist überzeugt, Erlösung von Mühen und Hindernissen einerseits und Glück andererseits kaufen zu können. Spätestens zu Hause bemerkt man in der Regel die Täuschung.
  958. Modernität definiert sich heute am Grad der Teilnahme an den neuen und neuesten technischen Produkten. Emanzipation von dieser Art Modernität wäre eine Selektionsaufgabe: Welche Technik nutzt mir bzw. der Welt und welche nicht?
  959. Das Fatale besteht darin, dass es dem Kapital gelungen ist, uneingeschränkt Menschenströme zu leiten und dort zu konzentrieren, wo es in dessen Interesse liegt.
  960. Die Frage, ob tägliches mehrstündiges Fernsehen, Internetspiele, Konsumfahrten dumm machen, braucht man nur an sich selbst zu studieren, d. h. empirische Untersuchungen bestätigen nur das, was man ohnehin schon weiß  und wovon man überzeugt ist.
  961. Mehrstündiges Fernsehen ist nur scheinbar ein Informationsmedium, primär ist es ein Steuerungs- und Disziplinierungsmedium. Sitzende, bewegungslose und passive Lebensweise wird gelernt - selbst wenn revolutionäre Inhalte behandelt werden:  Der Zuschauer bleibt sitzen und wartet auf die jeweilige Fortsetzung der Fortsetzung der Fortsetzung ....
  962. Wir dürfen uns nicht mehr nach eigenen Gesetzen und Prinzipien überschreiten - und wollen es auch nicht mehr. So gesehen ist der moderne Mensch konservativ.
  963. Das Kapitel zerstört zusammenhängende und auf das eigene Leben bezogene Erinnerungen, Traditionen und Bildung. Die vielfältige Vergangenheit wird real und mental in großem Umfang zerstört, so dass nur noch unbegriffene Zukunft offen bleibt, die leicht von Projektionen, Wünschen und Bedürfnissen einseitig ausgestaltet werden kann.
  964. Humanität ist untrennbar mit ,,wirklicher Wirklichkeit" verbunden. Sie ist vielfältig bedroht und in Frage gestellt. Natürlich ist Wirklichkeit immer vermittelt, aber dieses Wissen begründet nicht, ihre ,,wirkende" Existenz grundsätzlich zu leugnen. Mit der Wirklichkeit verhält es sich wie mit der Wahrheit, der Liebe, dem Wissen: Sie sind nie ganz und ständig erreichbar, aber immer vorhanden.
  965. Das Kapital braucht den sitzenden Konsumenten und Produzenten- auch in der Freizeit: Bald gibt es 10 Millionen Zuckerkranke in Deutschland. Nach Berechnungen der Deutschen Diabetes-Union leben schon heute 7,5 Mill. mit der Zuckerkrankheit, die durch Bewegungsmangel, falsche Ernährung und Übergewicht verursacht wird. Letztes Jahr starben 25 000 Menschen daran (vgl. Flensburger Tageblatt, 14. 11. 06). Die schleichende Stoffwechselkrise verdankt sich zum großen Teil dem üppigen Lebensstil, falscher Ernährung und Bequemlichkeit (vgl. FAZ, 4. 12. 06). 
  966. Immer mehr Landschaften und Siedlungen haben keine Geschichte und Geschichten mehr. Sie sind reine Transitstrecken. Das ist ein sehr großer Verlust.
  967. Welt wird heute überwiegend in Bildern wahrgenommen. Zwischen der Wahrnehmung einer realen Kuh und dem Wahrnehmen eines Bildes von dieser Kuh besteht der Unterschied, der eine wesentliche Dimension der Humanität ist.
  968. Ich denke, es macht keinen Sinn, die kapitalistische Produktionsweise grundsätzlich abzulehnen und ihr keine positiven Effekte zuzugestehen. Es geht um Begrenzungen und zwar des ,,Zuwenigs" und des ,,Zuviels". Ich thematisiere nur die Seite des Zuviels und damit die negativen Folgen auf die Umwelt, auf die Gesellschaft und auf Menschen, die im Zuviel leben.
  969. Konsumverhalten ist Politik - zumindest Kommunalpolitik.
  970. Wir leben in einer binären Welt, die immer nur aus Ausgängen und Zielen besteht. Deswegen gelten Zwischenräume nichts mehr, sind nicht Gegenstand der Aufmerksamkeit. Aber Zwischenräume muss man als Übersetzungsräume erkennen, in denen etwas stattfindet. Übersetzen ist ein hochinteressanter Vorgang. Moderne ist nicht räumlich, weil sie die Zwischenräume mental und real vernichtet. Es geht um die Wiederentdeckung der Zwischenräume und damit um Selbstübersetzung.
  971. Moderne ist der Kampf um die Bestimmung bzw. um die Semantik des Freiheitsbegriffs. Der Begriff und die Sache der Freiheit müssen aus dem Konsumkosmos gelöst werden.