Eigenbewegung - Hauptmerkmal des Lebens

Stand: 5. 12. 2017   

Unter Eigenbewegung werden hier ortsverändernde Bewegungen thematisiert, die mit Hilfe körpereigener Muskeln durchgeführt werden. Das reicht von zu Fuß gehen über Rad fahren bis zum Skaten. Es geht um Eigenbewegung in interessanten natürlichen, kulturellen und sozialen Alltagswelten. Die Wertschätzung der Eigenbewegung gilt aber für alle Eigenbewegungen und des Selbsttuns, sei es im Hause, im Garten, in der Stadt,  Werkstatt, Fabrik oder in der Landschaft.  Man kann die Bedeutung der Eigenbewegung gar nicht hoch genug einschätzen: Leben ist Eigenbewegung. Wer nicht lebt, wird höchstens noch bewegt, d. h. er befindet sich im Zustand der Fremdbewegung. Die erste Eigenbewegung des Neugeborenen oder des Schwerkranken zeugen von seinem  Leben. Erst durch Eigenbewegungen entstehen Beziehungen zur Welt und zu sich selbst. Es ist also kein menschlicher Fortschritt, wenn immer mehr Eigenbewegungen durch Fremdbewegungen ersetzt werden. Der Begriff "Eigenbewegung"  bündelt wie kein anderer die notwendigen Alternativen, um  Welt und Mensch zu retten. Eigenbewegung steht für den notwendigen Paradigmawechsel.
Die hier vertretene Eigenbewegung basiert auf einer  kinästhetischen Theorie des Aufbaus der Persönlichkeit und der Welterkenntnis. Ich gehe von Rezeptoren aus, die Muskelveränderungen anzeigen und an das Nervensystem weiterleiten. Diese Ebene wird von weiteren Sinneswahrnehmungen überlagert und durchdrungen, die insgesamt das Material für geistige Tätigkeiten bereitstellen. Ich bin aber kein antimetaphysischer Materialist (wie z. B. Ernst Mach), denn ich lasse die Möglichkeit offen, dass der Mensch ( und andere Lebewesen) über Empfangsorgane für Metaphysisches verfügt und/oder in der Lage ist, aus dem sinnlich Empfangenen Metapyhysisches zu erschließen. Ich verabsolutiere also nicht den sinnlichen Zugang zur Welterkenntnis. Ich habe übrigens keine Faszination für das Muskelsystem an sich, wie es vielleicht Mediziner oder Biologen haben. Nein, mir geht es um die zumeist vergessene und verdrängte Einsicht, dass die Muskeln eine notwendige, aber beileibe nicht hinreichende Bedingung für die Begegnung  mit Teilen der Welt sind. Ich bin übrigens der begründbaren Meinung, dass das Entscheidende der Geist ist, der  allerdings körperlich fundiert ist und ständig von körperlichen Bewegungen gespeist wird und Impulse erhält.  Die Akzentuierung auf die Muskeln ist also eine notwendige Reaktion auf diese Verdrängungsprozesse. Pointiert: Die Eigenbewegung ist ein anthropologischer  und damit ein politisch-ökologischer Begriff. Eigenbewegung  ist  aus meiner Perspektive der zentrale Oppositionsbegriff zur gegenwärtigen "Lebens"weise, die zunehmend Eigenbewegung durch Fremdbewegung ersetzt, so dass das Leben in allen Gebieten drastisch reduziert wird und nur noch in Schwundformen und Inszenierungen anzutreffen ist. Unter Fremdbewegung werden hier das Transportiertwerden und nicht fremde Eigenbewegungen verstanden.
Angemerkt werden muss noch, dass in jeder Eigenbewegung eine körperliche, geistige und seelische Dimension in je unterschiedlicher Größe und Intensität  vorhanden ist.  Die bestehenden Wechselbeziehungen werden in den hier vorgestellten Aussagen primär und damit einseitig aus der Perspektive der Muskeln  behandelt. Warum? Weil diese Richtung theoretisch und praktisch bisher stark vernachlässigt wurde.  
Das Wort "Gehen" steht exemplarisch für Eigenbewegung. In der Literatur wird Eigenbewegung auch unter Selbstbewegung verhandelt. Ich ziehe den Begriff „Eigenbewegung“ aus folgendem Grund vor:  In „selbst“ ist stark das Moment der unveränderlichen Identität enthalten, während in „eigen“ das Moment des Besitzes dominiert. Besitz ist eine Relation, die sich ständig ändern kann, was bei der Eigenbewegung (als die von mir so betonte Einheit von Mensch und Umwelt)  der Fall ist, unabhängig davon, was davon als relativ ständiger Besitz in die Erinnerung eingeht. Eigenbewegung zielt mehr auf die Bewegung selbst, ist somit das „Dritte“ zwischen Subjekt und Welt. Der Begriff „Selbstbewegung“  legt meines Dafürhaltens nach den Akzent zu sehr auf das Subjekt. 
Das hier sich entfaltende Konzept der  Eigenbewegung umfasst wesentlich mehr als nur  Ortsveränderung: Es steht real und beispielhaft für körperliche und geistige Eigenbewegung ist viel mehr als Bewegung. Autonomie. Autonomie setzt individuelle Freiheit und relative Unabhängigkeit von fremder Hilfe voraus. Eigenbewegung als Ortsveränderung ist die grundlegende Form. Aber Vorsicht ist geboten: Man kann alles überfrachten bzw. überdehnen, d. h. Versprechungen geben, die nicht eingehalten werden können. Das gilt auch für den Begriff der  Eigenbewegung. Selbstkritik und Erfahrungen sammeln sind  hier sinnvolle Korrektive.  
Es gibt inzwischen viele Bereiche, in denen  aus fachspezifischer oder allgemeiner Perspektive die Vernachlässigung, ja Abwesenheit der Eigenbewegung begründet konstatiert und kritisiert wird. Aber von meiner Arbeit abgesehen gibt es keine ausgearbeitete Theorie, die das generelle Zurückdrängen bis Verschwinden der Eigenbewegung in den Blick genommen hat.

Johann Gottfried Seume (1763 - 1810) hat es vielleicht am überzeugendsten ausgedrückt: "Ich halte den Gang für das Ehrenvolleste und Selbständigste in dem Manne, und ich bin der Meinung, dass alles besser gehen würde, wenn man mehr ginge. Man kann fast überall bloß deswegen nicht recht auf die Beine kommen und auf den Beinen bleiben, weil man zu viel fährt. Wer zuviel in dem Wagen sitzt, mit dem kann es nicht ordentlich gehen,"

Fundierende Einsichten zur Eigenbewegung,  die insbesondere  dem Aufsatz „Enaktivismus – verkörperte Kognition“ von Francisco Varela,  Evan Thomson und Eleanor Rosch entnommen wurde und zu verdanken ist:
·        Enaktivismus basiert auf der Vorstellung, daß intelligentes Verhalten sich  aus der Interaktion von Lebewesen mit ihrer Umwelt entwickelt. Das ist eine lebendige Interaktion, die auf Eigenbewegung beruht.
·        Die Fähigkeiten des Verstehens wurzeln in den Strukturen unserer biologischen Verkörperung.
·        „Bedeutung schließt Muster verkörperter Erfahrung und vorbegriffliche Strukturen unserer Sinnlichkeit (d. h. unsere Weisen der Wahrnehmung, der Orientierung und der Interaktion mit Objekten, Ereignissen und Personen) ein“ (Mark Johnson).
·        Hermeneutik im gegenwärtigen Verständnis ist das Hervorbringen (enactment) von Bedeutungen (meaning) vor einem Hintergrund des Verstehens.   D. h. Erkenntnis hängt von dem In-der-Welt-sein ab, das wiederum untrennbar von unserem Körper ist.
·        Verkörperte Intelligenz schließt an Reflexe, Instinkte und Triebe direkt an, aus denen sich wiederum komplizierte kognitive Fähigkeiten entwickeln. Aber alle diese Fähigkeiten müssen nicht überwunden werden, sondern müssen erhalten bleiben, weil sie für einen lebendigen Körper und Geist unverzichtbar sind. So auch die körperliche Eigenbewegung. Sie ist kein überflüssiges Relikt.

·        Eigenbewegung in Form des Gehens und Radfahrens ist eine individuelle und politische Bewegung gegen die Abstraktion von  Lebensräumen und von sich selbst.
·        Fremdbewegung in motorisierten Transportmitteln ist hohe Abstraktion. Sie eliminiert Umwelt- und Selbsterfahrungen, die jenseits des jeweiligen Transportmittels liegen. 

·         Der Begriff "Humane Technik" ist  in diesem Zusammenhang ein sehr wichtiger Unterscheidungsbegriff. Humane Technik beruht auf metabolischer (körpereigener). motorisierte Technik auf externer Energie (Ivan Illich).

In vorliegenden Ausführungen liegt der Akzent der Eigenbewegung auf die bisher vernachlässigten Füße. Die kulturstiftende Leistungen der Hände habe ich bisher noch nicht thematisiert.

 

     

  1. Kein Mensch kommt auf die Idee, Sexualität ohne Leib als einen Geschlechtsakt zu bezeichnen. In Analogie dazu gibt es keine Erlebnisse ohne (einen sich bewegenden) Leib.

  2. Nur die subjektive Tatsächlichkeit führt authentisch  in das interessante Innere.

  3. Eigenbewegung ist die Bewegung des Leibes (Körper und Geist/Seele) als Einheit) und damit des Lebens.

  4. Argument für Eigenbewegung: Ein Nobelpreisträger hatte seine bahnbrechende Idee in dem Moment, als er die Stufen des Busses erklomm.

  5. In der Eigenbewegung gibt es immer eine subjektive Seite, die oft nicht thematisiert wird

  6. Drei Situationen vergleichen, um die Differenz von Eigenbewegung und Fremdbewegung zu erfassen: In die Stadt gelangen: a) zu Fuß, b) mit dem Bus, c) mit dem Auto.

  7. Faulheit entsteht heute oft aus falschen Signalen.

  8. Vermutung: Subjektivität ist primär im Leib als Fühlen verortet.

  9. Die Bequemlichkeit ist der Feind des Leibes.

  10. Er gibt keine Straßenkindheit mit umfangreichen selbst jbestimmten  Bewegungsabläufen mehr (Christa Berg).

  11. Das aufrechtes Gehen und das aufrechte Stehen haben das „Aufrechte“ (orthote =  aufrecht, wahr) gemeinsam. Hier wirkt in beiden die Energie bzw. Kraft positiv.

  12. Nietzsche: Traue nie einem Gedanken, der nicht beim Gehen in der Natur entstand.

  13. Wenn man geht, ist das bereits eine gelungene Bearbeitung der Umwelt. Die Distanzbewältigung  ohne körperliche Beteiligung, so im Auto, erreicht das nicht.

  14. Wenn man krank ist, hat der Wille auf den kranken Körper keine Kraft mehr. Muss man daraus schließen, dass nahezu alle Bürger (selbstverschuldet) krank sind?

  15. Ohne aktiven Leib wird man selbst zu einer Art starrem Bild.

  16. Eigenbewegung im Alltag vermindert den Druck auf die Umwelt.

  17. In der Gegenwart müssen wir die Bequemlichkeit eher meiden als suchen.

  18. Wer malt, auch eine Form der Eigenbewegung, aktiviert seine Subjektivität.

  19. Wir müssen auf unsere inneren Prozesse achten, was wir beim Gehen, Radfahren und Autonutzung fühlen und denken. Einen Bildungsprozess kann man aus der subjektiven oder objektiven Perspektive beschreiben.

  20. Kinästhetik thematisiert das Wechselspiel, die gegenseitige Abhängigkeit und die gegenseitige Beeinflussung von körperlicher Bewegung und Wahrnehmung

  21. Die Seele äußert sich insbesondere, in den Bewegungen, im Blick und in der  Haltung des Leibes. Hier haben die Bewegungen Rhythmus, der Motor hat Takt.

  22. Zum Erleben behört ein Leib. Zum Leib gehört Eigenbewegung. Leibloses Reisen ist kein Reisen. Zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Auto. Das ist die Differenz.
  23. Kein Auto zu haben, fördert die Eigenbewegung. Wenige Zwischenstationen auf einer Busllinie fördert die Eigenbewegung.

  24. Heinrich Heines Ermordung des Raumes bezieht sich nicht auf den Raum, sondern auf die Dinge innerhalb des Wahrnehmungsraumes. Gehen reduziert auch, aber potentiell viel weniger. Gehen ist die höchste Stufe der Wirklichkeitsaneignung. Mehr geht nicht im Alltag.

  25. Leben = Eigenbewegung, nicht gekaufte Fremdbewegung. Das kann man gar nicht oft genug betonen.

  26. Haupteinsicht und Hauptforderung: Die Eigenbewegung stärken und den Motoreneinsatz auf das notwendige Maß minimieren.

  27. Meine Position: Ein Ziel ohne einen Weg ist kein Ziel. Wege ohne Eigenbewegung sind keine Wege.

  28. Mit dem Auto nach X zu fahren, ist nicht meine Leistung. Alles, was mit Fremdenergie  erreicht wird, ist an sich für den Betroffenen nicht wertvoll, oft schädlich.

  29. Beim Denken und anderen psychischen Funktionen fließt körpereigene Energie. Beim TV-Konsum, schätze ich, übernimmt der Fernsehapparat bis zu  90 Prozent der Arbeit. Deswegen können Permanentseher problemlos ohne Unterbrechung zehn Stunden vor dem Fernseher sitzen bzw. liegen, ohne einzuschlafen.

  30. Beim Gehen und so auch im sexuellen Akt ist man dem Sein näher.

  31. Beim Laufen langer Strecken und Lesen schwieriger Texte bemerkt man schnell und deutlich seine Grenzen. Nicht beim Autofahren und Konsum von Unterhaltungssendungen in elektrischen Medien.

  32. Leib und Eigenbewegung bilden eine untrennbare Einheit. Der Leib in diesem Sinne ist nicht hinreichend, aber notwendige Bedingungen für ein geglücktes Leben. Der Philosoph Hermann Schmitz spricht in diesem Zusammenhang von der Leibvergessenheit.
  33. Auf den Knopf drücken oder ein Buch aufschlagen, ist nicht genug. Es muss noch etwas hinzukommen.
  34. These: In der Eigenbewegung (Gehen, Radfahren) erreicht der Mensch langfristig eher ein „richtiges“ Bewusstsein als allein durch reines, apriorisches, leibvergessenenes Denken.

  35. Der verhängnisvolle Irrtum der meisten Menschen besteht in diesem Zusammenhang  darin zu meinen, dass es für Menschen (und übrigens auch für Lebewesen) keinen Unterschied macht, ob sie Eigenbewegungen durchführen oder Transportiert werden (Fremdbewegung), ob sie zu Fuß oder mit dem Auto eine Distanz zurücklegen.

  36. Zitat eines Freundes:  „Die Eigenbewegung hat nur Vorteile.“
  37. Es geht um die Entwicklung lebendiger Kräfte und nicht um die Bewunderung technischer Systeme, die mit Fremdenergie arbeiten.
  38. Je mehr Eigenenergien eingesetzt werden,  desto intensiver die Einheit mit der jeweiligen Umwelt.
  39. Gehen und Lesen bzw. Schreiben haben strukturelle Ähnlichkeit. Jeder Schritt muss mit Eigenenergie bestritten werden. Bei jedem Schritt betritt man Neuland, das man beim nächsten Schritt verlassen muss.
  40. Die große Treppe vor dem Bahnhof St. Charles in Marseille ist die Einheit von EB und Schönheit. Man würde sie im Zeitalter der Bequemlichkeit nicht mehr bauen, denn sie wäre nicht durchsetzbar.
  41. Zwischen Eigenbewegung und Stillstand liegt ein Optimum.
  42. Verzicht von Eigenbewegung  ist Verzicht auf Autonomie.
  43. Es gibt ein Naturrecht auf Gehen. Autofahren ist kein Naturrecht, sondern ein „Recht“ der Herrscher.
  44. Gehen und Laufen sind natürliche Tätigkeiten wie die von Tieren
  45. Körperliche Anstrengung über einen längeren Zeitraum erhöht den Sauerstoffgehalt im Körper, was wiederum konzentriertes Arbeiten ermöglicht.
  46. Gehen und Stehen, Sitzen und Liegen gehören zusammen. Im Liegen kann Faulheit, aber auch geistige Aktivität entstehen
  47. Beim Gehen entsteht denkbar größte Einheit zwischen Mensch und Raum.
  48. Wer Fahrrad fährt, ist und wirkt lebendig.
  49. Kinästhetik ist die Synthese von inneren  Erfahrungen des eigenen Leibes in der Eigenbewegung
  50. In der  äußeren Bewegungslosigkeit kann gleichzeitig große innere (geistige) Beweglichkeit herrschen, aber nicht von langer Dauer.
  51. Wer nicht über Bedeutungen verfügt, kann nicht Eigenbewegungen im eigentlichen Sinne durchführen.
  52. Dass die Rückeroberung der Straßen für Fußgänger und Radfahrer ein harter Kampf ist, sieht man in „autofrei leben“
  53. Wandern i. w. S. ist die eine Form sinnhafter Mobilität.
  54. Wandern oder Eigenbewegung im Alltag sind genau das Gegenteil von Transportiertwerden. Beide belasten nicht die Umwelt, sondern intensivieren das Leben.
  55. Distanzen im Auto oder Motorrad zu überwinden, ist keine Leistung, auf die man stolz sein könnte.
  56. Beim Wandern erkennt man die eigenen Grenzen.
  57. Aktivität ist der  Einsatz von Körperenergie und nicht von Motorenenergie.
  58. Die Nichtnutzung von leibeigener Energie zerstört langfristig den Körper und mindert die geistigen Fähigkeiten.
  59. Zwischen Wahrnehmung und Bewegung besteht ein Wechselspiel: Jede Bewegung ergibt eine andere Wahrnehmung und umgekehrt.
  60. Eigenbewegung hat  mit Besitz zu tun, Selbstbewegung ist näher am Prozess der Eigenbewegung, die ohne  Fremdhilfe auskommt. In „selbst“ wird also soziale Situation mitthematisiert.
  61. Beim Gehen und beim Schreiben entstehen oft neue Gedanken.
  62. Atmen ist eine innere Bewegung und damit  die Voraussetzung für äußere Bewegungen. Atmen ist die Medizin des Lebens.
  63. Die Mitte ist von äußerster Wichtigkeit, aber sie sie ist nicht empirisch darstellbar. Auto- und Fernsehsysteme haben keine Mitte. Die Mitte ist kein Punkt, sondern ein Gebiet,  auch ein soziales.

Zur Bequemlichkeit:

  1. Auto und Fernsehen funktionieren auf Basis von Fremdenergie, während die Nutzer denken, es sei ihre Körperenergie. Aber das ist ein großer Verlust.

  2. In der Eigenbewegung entstehen zwangsläufig Bedeutungen.

  3. Das Wesen des Sports ist Eigenbewegung.

  4. Das große Potential der Eigenbewegung erschließt sich erst, wenn sie in der inneren Perspektive des Leibes und nicht in der äußeren des Körpers gesehen wird

  5. Eigenbewegung im Alltag ersetzt vollkommen das Fitnessstudio.

  6. Eigenbewegung in Form von Gehen und Radfahren gehört  wesentlich zur Lebensqualität.  

  7. Wandern kann man auch als Philosophie mit Füßen begreifen.

  8. Der Bewegungsraum für Fußgänger ist sehr eng. Die Straße gehört dem Auto, nicht Menschen – Kindern schon gar nicht.

  9. Eigenbewegung, insbesondere das Gehen ist relativ langsam, deshalb sieht und erlebt man mehr. Im Gehen hat man die optimale Geschwindigkeit für ein Maximum des Sehens.
  10. Fremdbewegung ist eine  Bewegung ohne mich.
  11. Das Wort Automobil ist etymologisch gesehen Eigenbewegung.
  12. Sport ist mit der Motorenwelt und mit den Ansprüchen des Kapitals kompatibel.  Gleiches gilt für Fitnessstudios. Noch pointierter formuliert:  Sport ist die Eigenbewegung, die  dem Wirtschaftswachstum nicht nur nicht entgegensteht, sondern es massiv fördert.
  13. Marx stellt Hegel vom Kopf auf die Füße, d. h. die Basis bildet die körperliche Eigenbewegung.
  14. Eigenbewegung ist  die Entscheidung für das Leben und gegen Entfremdung von sich selbst und der Welt.
  15. Zwischen Eigenbewegung  und Fremdbewegung  besteht  ein kategorialer Unterschied. Ihr  Gemeinsames ist lediglich die Distanzüberwindung, so dass es nicht sinnvoll ist, sie mit einem gemeinsamen Stamm „Bewegung“ zu bezeichen.
  16. Wie ich zwischen Geburt und Tod leben will, so auch zwischen Abfahrt und Ziel. Der einzige Lebensinhalt besteht nicht darin,  Distanzen zu überwinden.
  17. Gehen muss sich von den  Normen des Autos befreien.
  18. Ohne Eigenbewegung keine Welterfahrung.
  19. Auch körperliche Liebe ist reine Eigenbewegung, die auf metabolische Energie beruht.
  20. In der Eigenbewegung erfährt man Wirklichkeit, aber diese Räume sind kleiner als  er-fahrene (wortwörtlich) Räume. Auch hier gilt: Weniger ist mehr.
  21. Der Raum zwischen Flughafen A und Flughafen B, zwischen Haustür A und Haustür B sind irgendwie flüchtig, ja substanzlos.  
  22. Kinder wollen Eigenbewegung.
  23.  Ein Toter macht keine Raum- bzw. Dingerfahrungen. Leben wir nicht in einer nekrophilen Zivilisation wie Erich Fromm vermutete?
  24. Anspruchsvolle Literatur kann erinnerte Raumerfahrungen  wecken bzw. in der Phantasie auslösen.
  25. Zwei Pole der Bewegung: mit dem einen Bein Verbindung mit der Erde, mit dem anderen Freiheit, Noch-nicht-Entschiedenes, offene Zukunft

  26. Eine Bewegung ist immer unvollständig und verhindert Vollständigkeit, die man aber auch als Chance begreifen kann.

  27.  Mein Denken ist momentan lockerer als mein Gehen.
  28. Beim Wandern ist man der ganzheitlichen, lebendigen Wirklichkeit meistens  sehr nahe, weil beide Pole, Ich und Umwelt, eine intensive lebendige Einheit bilden.

  29. Körperliche Subjektivität verkommt im Sport. Hier herrscht  Individualismus oder begrenzter Kollektivismus (Mannschaft) unter Absehung der Umwelt.

  30. Sprache ist bereits eine Übersetzung: Reales Außen und reales Inneres wird in Sprache übersetzt – und damit auch verändert.

  31. Beim Verlassen verliert man Bestehendes, während der Fahrt und Ankunft gewinnt man Neues.

  32. Eine Bewegung schafft im Bewegenden, aber auch in dem Gebiet, wo die Bewegungen stattfinden, Veränderungen.

  33. Eigenbewegung ist wesensmäßig relativ langsam, deshalb sieht und erlebt man mehr. Im Gehen hat man die optimale Geschwindigkeit. Im Auto sieht man fast nichts, deshalb kann man in ihm nach Draußen sehen verzichten.
  34. Sport ist allein  Selbstzweck bezüglich des eigenen Körpers, Eigenbewegung im Alltag hat zusätzlichen Sinn wie Einkaufen, überhaupt in Konrakt mit der Umwelt zu kommen.
  35. Eigenbewegung macht Medien, wenn man sich nicht selbst als eines versteht, überflüssig. Vielleicht ist nur das Ich medienfrei. Das Auto, die Bahn und bedingt das Fahrrad sind Medien, die die Wahrnehmung beeinflussen.
  36. Die Dominanz des Inneren, die Subjektivität, ist der entscheidende Wert  der Eigenbewegung Subjektivität ist  die subjektive Seite des Lebens.

  37. Naturerleben ist relativ  statisch, es fehlt ihm die substantielle Bewegug. Bewegungsempfindung heißt Bewegungen der Körperteile unbewusst zu kontrollieren und zu steuern.

  38. Seine Eigenbewegung kann man auch von außen betrachten und beschreiben wie den Blick auf eine Fremdbewegung.
  39. Es gibt auch eine Bewegung von Außen nach Innen. Das ist eine wichtige Dimension des Gehens.
  40. In der Eigenbewegung stecken viel mehr Dimensionen, als man denkt: a) eigene Gesundheit, b) soziale Kontakte, c) autonome Entscheidungen.
  41. Der Sinnlichkeitserziehung, insbesondere dem Naturerleben, fehlt um 1990 eine explizite Beziehung zur Bewegung. Man bewegte sich zwar, aber es fehlt dazu eine Theorie
  42. Es geht doch: In Sils gibt es fast nur gehende Menschen.
  43. Eigenbewegung kostet nichts.
  44. Im Zug und Bus gibt es mehr Möglichkeiten der Eigenbewegung
  45. Nach einem Spaziergang zum Gletscher im Fextal träumte ich von zwei wertvollen Gemälden in einem Kunstgeschäft. Zufall?
  46. Dem Kapital ist es gelungen, gesundheitsfördernde Bewegungen und funktionale Bewegungen in Eigenbewegung und Fremdbewegung zu trennen.
  47. Zur Eigenbewegung gehören auch die Selbstheilungskräfte.
  48.  „Eigen“ ist im Gegensatz zu „selbst“ weniger stark philosophisch „belastet“.
  49. Eigenbewegung und Verzicht auf Werbung jeder  Art ist wesentlicher Widerstand gegen den Kapitalismus, d. h. Wirtschaft als Selbstzweck.
  50. Auf der Isola bei Sils: In und vor dem Restaurant Lagrev sind Hunderte von Gästen. Alle sind zu Fuß oder mit auf Langlaufskiern unterwegs. Es herrscht Stille und gute Luft.
  51. Gehen ist mit den Füßen greifen, also eine besondere Form des Begriffs.
  52. Auch die  Eigenbewegung darf man nicht verabsolutieren, aber auf jeden Fall muss man die Fremdbewegung reduzieren.
  53. Erst der Leistungsport lässt Doping entstehen. Leistungssport ist perverse Eigenbewegung.
  54. Events sind Teilnahme an Ereignissen ohne körperliche und geistige Anstrengung der Besucher.
  55. Vor unserer Ferienwohnung in Sils führt ein öffentlicher Fußweg vorbei. Man hört Kinderfragen und die Antworten der Erwachsenen.
  56. Vielleicht gibt es im Leib bzw. menschlichen Körper mehrere Steuerungszentren. Kommt dieses zentristische Denken vom Monotheismus.
  57. Jeder Mensch weiß letztlich doch, wie schön es ist, nach einer längeren Phase der Bewegungslosigkeit sich zu bewegen. Und trotzdem tun es nicht viele.
  58. Vergleiche den David von Michelangelo mit einem Autofahrenden und Fernsehenden – und vieles wird klar.
  59.  Über den Leib,  über seine Bewegungen oder Ernährung kann man direkt Einfluss auf sein inneres Sein  nehmen. Wirkliche Erfahrungen müssen verkörpert werden, d. h. der Leib „verzwirbelt“ (vermengt)  sich mit seinem Ich und seiner jeweiligen Umwelt.
  60. Schnelligkeit kann ja nach Situation sinnvoll oder sinnlos , ja zerstörerisch sein
  61. Ich entnehme meinem Komposthügel Erde. Es riecht nach Erde. Erst jetzt meine ich, die tiefere Bedeutung des Wortes Erde zu verstehen.
  62. Die effektivste Methode Gewicht abzunehmen ist die, alle Alltagsbewegungen zu Fuß oder mit dem Rad zu machen. Aber für diese Methode macht natürlich  kein Unternehmen  Werbung.
  63. Meine Sehnsucht nach Eigenbewegung war schon immer vorhanden. Aus dem Auto mit den Eltern habe ich immer sehnsüchtig auf die Berge geschaut, um sie zu besteigen oder die hochgelegenen Burgen zu besuchen.
  64. Schnelligkeit, auch mit dem Auto fahren statt zu Fuß zu gehen, ist zumeist Verlust. Langsames Essen macht erst den Wert der Nahrung bewusst.
  65. Zur guten Eigenbewegung gehört tiefes Atmen.
  66. In anthropologischer Perspektive war Bewegung immer Eigenbewegung. Aber Bewegung ist kein Selbstwert, sondern muss dem Humanen und der Ökologie dienen.
  67. Die Newtonsche Raum- und Zeitbestimmung ist sicherlich in vielen Situationen praktisch, so im Links-Rechts-Verkehr oder bei der Verabredung von Treffen. Aber Vorsicht vor zu großer Präzäsion und Verabsolutierung zum Ideal.
  68. Im Fernsehen Sport zu sehen, ist keine sportliche Tätigkeit, auch nicht, ins Stadion zu fahren. Beim Sport zuzuschauen ist körperlos, also kein Sport. Körperlich eine verlorene Zeit.
  69. Dynamismus ist die Faszination der Bewegung als Selbstwert.
  70. Kleine Kinder schieben gerne Autos, fahren aber nicht gerne wie Erwachsene.
  71. Eigenbewegung ist immer eine lebendige Bewegung.  Fremdbewegung mit Hilfe von Motoren  ist mechanisch, das partielle Gegenteil von Leben
  72. Eigenbewegung ist wichtiger Teil der ökologischen Praxis und Theorie. Eigenbewegung ist auch eine politische Kategorie.
  73. Gesundheit hat viel mit Eigenbewegung zu tun. Modifikation: „Sich regen bringt Gesundheit“

  74. Singen ist auch eine Art Atemübung.
  75. Stehen wird oft mit Sitzen und Liegen, mit Passivität und Stillstand gleichgesetzt..  Physiologisch ist das falsch, Stehen ist eine hoch aktive Leistung. Stehen und Gehen verlangen vom Körper und Geist gleich viel.
  76.  Erst in der Eigenbewegung wird diese Umwelt zu meiner Umwelt im Sinne von Max Stirner, aber nie vollkommen, sondern immer unvollkommen und nie auf Dauer, deshalb oft auch flüchtig.
  77. Zu Fuß entsteht die größtmögliche Einheit von Mensch und Umwelt.

  78. Im Verb „fahren“ sind alle Stufen der Intensität, aber auch Entfremdungen  enthalten, von fahrenden Studenten bis Auto fahren.

  79. Auto und Flugzeug (wegen der jeweiligen Relativitätsauffassung) haben ein anderes Raumbewusstsein als das vom Fußlaufen. Man läuft nur noch in kleinen Räumen,  innerhalb von Geschäften und des Büros, wenig draußen.  Welche Folgen ergeben sich daraus?

  80. Die Selbsterhaltung, und dazu gehört Eigenbewegung,  ist erstes und legitimes Lebensziel.

  81. Wir denken den Geist noch viel zu sehr intellektuell, denn er wirkt auch in habitualisierten Bewegungen.
  82. Die Entscheidung für Eigenbewegung  und Verzicht auf Fremdbewegung verlangt heute schon einen starken Willen und setzt Autonomie voraus.  
  83. Nur in der autonomen und reflektierten Bestimmung des Kurses ist man Subjekt. Nach der Entscheidung beginnt ihre Habitualisierung. Die reine Entscheidung ist zeitlich punktuell. Sie findet immer im Spannungsfeld von Notwendigkeit und Freiheit statt. Anpassung an Fremdbewegung  ist keine reflektierte, sondern eine Anpassung ohne Freiheit.
  84. Eigenbewegung ist das Gegenteil vom physischen newtonschen Bewegungsbegriff. In der Eigenbewegung ist der Mensch Subjekt, d. h. er kann bejahen oder verneinen.
  85. Früher mussten die Menschen zu Fuß laufen, sie hatten keine andere Wahl, was nicht immer ein Nachteil war.
  86. Das fünfjährige Mädchen erlahmt immer dann im Laufen, wenn der Weg eintönig wird.
  87. Gehen ist ein Tempo, das unserer Seele entspricht.
  88. Wie beschädigt muss die Lebenskraft eines Menschen sein, wenn er nicht mehr den Drang und Wunsch nach Eigenbewegung in sich hat? Wenn er beim schönsten Wetter am Sonntag mit Auto zum nahe gelegenen Bäcker Brötchen holt oder jeden Abend ab 19 Uhr vor dem Fernseher sitzt.
  89. Das Wesen bzw. der dominierende Trend der gegenwärtigen Zivilisation ist die Ersetzung der Eigenbewegung  durch Fremdbewegung, d. h. durch  Motore.
  90. In der Eigenbewegung ist der Mensch in den vielfältigen Entscheidungssituationen Subjekt, aber nicht in der Ausführung
  91. Sexualität ist eine Eigenbewegung, die tief in Körper, Seele und Geist verankert ist.
  92. Nur durch körperliche und geistige Eigenbewegung entsteht individuelle Identität, d. h. Eigenes. In der Nutzung von exogener Energie (= Fremdenergie)  entsteht qua dieser Energie nichts Eigenes.
  93. These: Alle geistigen Fähigkeiten beruhen auf zeitlich vorher liegenden körperlichen Erfahrungen in der Eigenbewegung.
  94. "Die Magie des Gehens" (aus dem Wanderdörferkatalog).

  95. Eigenbewegung hat eine strukturelle Offenheit gegenüber der jeweiligen Umwelt.

  96. Eigenbewegung ist modernitätsresistent. Moderne heute hat viel mit Kapitalverwertungsinteressen zu tun und Übersättigung aus Oberflächlichkeit.

  97. Eigenbewegung ist die einzige ehrliche, solide Basis für Identität. Der aufrechte Gang

  98. Wer auf seine Eigenbewegung verzichtet, verzichtet auf sein Leben.

  99. Eigenbewegung  setzt Freiheit voraus.

  100. Im Modus der Eigenbewegung ist man in der Wirklichkeit, Auto und Unterhaltungsmedien sind ein Leben im Modus des Als-Ob, also im Schein. Aber der Schein ist nicht  nichts, deswegen gehört er auch zum Leben, wenn auch drastisch reduziert. Aber man darf  den Schein nie mit dem Leben gleichsetzen und damit verwechseln.  Es gibt verschiedene Intensitäten des Scheins,  die aber alle eine Abstraktion des Lebens sind.

  101. Eigenbewegung realisiert ein eigentliches, aktives Leben.

  102. Im funktionalen Alltag trennt sich der Mensch oft unbewusst von der jeweiligen Umwelt. Aber diese wirkt immer ganzheitlich auf ihn.
  103. Wer zu Fuß geht nimmt mehr wahr (Betram Weisshaar).
  104. Im Wandern verfolge ich eine Sehnsucht.  
  105. Setzt man Bewegung mit Fremdbewegung gleich, ist man durch die Sprache verhext.

  106. Eine nekrophile Zivilisation funktioniert ohne Eigenbewegung. Transportiert werden ist keine Eigenbewegung.

  107. Wandern ist die Idealform der Eigenbewegung  als Selbstzweck, Eigenbewegung im Alltag ist die Idealform der funktionalen Bewegung.
  108. Beim  Atmen ist die Seele beteiligt. Beim Atmen ist man auch im Ursprung der Seele. Atmen ist die Urform der Eigenbewegung.
  109. Mit wie viel Jahren ist einem Kind sein Bewegungsdrang, genauer nach Eigenbewegung, abdresssiert worden?
  110. Eigenbewegung ist in Anspruch genommene Autonomie. Selbst bestimmte Eigenbewegung ist Freiheit.

  111. Bis vor hundert Jahren war die große Mehrheit der Bevölkerung aus technischen und/oder ökonomischen Gründen zur Eigenbewegung gezwungen, heute „zwingt“ nur noch die Ethik.

  112. Das Lob der Eigenbewegung und die Kritik des Autos sind  zwei Seiten derselben Medaille.

  113. Die Eigenbewegung bündelt viele isolierte Tätigkeiten zu einer Einheit auf der Basis der Eigenenergie. Wie Newton mit der Gravitationskraft für viele wissenschaftliche Tätigkeiten eine gemeinsame Basis für seine Theorie fand, so heute die Eigenbewegung.
  114. Ziel ist, Eigenbewegung mehr für Alltagsfunktionen durchzuführen, den Rest mit Motoren – und nicht umgekehrt.
  115. Um einen Ort zu lieben, bedarf es in der Regel Zeit. Rundreisende haben keine Zeit, sich emotional zu verwurzeln. Deswegen haben sie auch nicht den Wunsch, die Reisen noch einmal zu wiederholen.
  116. Beim Gehen und Lesen und hat man mehr Freiheitsräume als beim Fernsehen und Autofahren, denn man kann sich besser selbst steuern und eigene Gedanken  entwickeln.
  117. Wandern ist eine Teilmenge von Eigenbewegung.

  118. Eigenbewegung ist auch Überwindung von Widerständen und damit Lernfeld.

  119. Nur Lebewesen sind zur Eigenbewegung fähig. Wenn Fremdbewegung zurückgefahren werden soll, dann müssen entweder die  Bewegungen reduziert oder die Eigenbewegungen aktivieren werden. Eigenbewegung ist ökologisch.
  120. Eigenbewegung ist der kraftvollste und authentischste Ausdruck des Lebens.
  121.  Oft verlangt Eigenbewegung am Anfang Anstrengung, um in die Spur zu kommen
  122. Die Bewegungen des Leibes sind oft die Quelle schöner Gefühle.
  123. Sexualität ist wahrscheinlich die schönste, weil tief gefühlte Eigenbewegung.
  124. Auch innere Eigenbewegung will sich objektivieren.
  125. Motto: „Wandern in Alltagssituationen!“

  126. Nicht der Weg an sich ist die Wirklichkeit, sondern erst der von mir begangene.

  127. "Der erste Wagen war  ein rostiger alter Käfer mit Loch im Bodenblech, der letzte ein neuer schwarzer Polo. Dazwischen ein jahrzehntelanger Reifungsprozess. Genau weiß er’s nicht mehr, aber irgendwann im Jahr 2009  stellte Boje Maaßen sein nagelneues Auto bei einem benachbarten Speditionsbetrieb in der Absicht ab, es nie wieder zu benutzen. Dabei ist es geblieben. Ohne Auto, finden Boje Maaßen (77) und Frau Eveline (77), kommen sie einfach besser voran.Ganz überraschend kam das nicht. Boje Maaßen war Ende der 70er Jahre Mitbegründer, Anführer und Spitzenkandidat der Grünen Liste Schleswig-Holstein, eine der Stammzellen der heutigen Bündnisgrünen. Später, als Erziehungswissenschaftler an der Universität Flensburg und als Fachautor, hatte sich Maaßen intensiv mit dem Thema „Eigenbewegung und Sinnlichkeit“ beschäftigt. Seine Arbeit zu diesem Thema gilt in der deutschen Pädagogik als grundlegend.Wie der theoretische Überbau auf der Spielstraße nebenan in der Praxis  funktioniert,  können die Nachbarn des Ehepaares im ländlich geprägten Flensburger Ortsteil Tarup täglich vor der Haustür betrachten.Unterwegs zur Bushaltestelle, mit dem Trolley auf  dem Weg zum drei  Kilometer entfernten Supermarkt, auf Radtour in die ländliche Umgebung. Was sie nicht sehen, sind die beiden als Europareisende. Boje und Eveline Maaßen sind gerne unterwegs und zwar mit der Bahn. „Auch als wir ein Auto hatten, wurden es im Jahr nie mehr als 3000 Kilometer“, sagt der Dozent im ständigen Unruhestand.Eine Beschränkung? Nein, meint Maaßen. Der  Verzicht auf motorgetriebene Auto-Mobilität hat neue Momente erschaffen, und auf die wollen beide Eheleute nicht verzichten. „Bewegtwerden durch eigene Bewegung ersetzen erschließt neue Welten“, behauptet er. Ganz kleine, manchmal. Etwa die Rückmeldung des Untergrunds an den Körper beim Gehen, optisch die  Umwelt entlang des Weges, soziale Momente, Sinneserfahrungen,  Gespräche mit Fremden, Erfahrungen,  die so völlig isoliert im Automobil unmöglich sind. „Da flüchtet die Welt vorbei, ist das Auto ein Kontaktvernichter. Nur über Eigenbewegung können wir uns ins Leben weben“, das ist seine Überzeugung.Ein Begrenzung ist der selbstgewählte Lebenszuschnitt nicht. „Slow Motion“ für die Seele eröffnet vielmehr ungewöhnliche Horizonte, davon sind beide überzeugt. Ob’s als Glücksgarant taugt – da ist Maaßen eher skeptisch. „Glückstheorien halte ich für Unsinn. Glück ist wie Quecksilber. Das kann man nicht erzwingen. Es ist besser, wach zu sein für das Schöne.“ (shz  digital v. 24. 2. 17).

  128. Es klingt abends um acht Uhr, eine junge Lehrerin besucht uns mit dem Rad. Es regnet und es ist kalt. Ihre Frische dringt mit ihr in unser Haus ein.
  129. Wenn ich eigenständig materiell und geistig produziere (dazu gehört auch die Eigenbewegung), bin ich  eigentlich.

  130. Erst wenn die Bürger aus Straßen und Plätzen gehen, gibt es die Möglichkeit der Kommunikation, Im Auto zu sitzen, verunmöglicht Kommunikation.
  131. Die fast unbekannte Tiefe und Schönheit, sich in der Dunkelheit durch Tasten zu orientieren:  Diese Erfahrung und Einsicht ist im Zeitalter des elektrischen Lichts nahezu verschwunden. 
  132. Transportiertwerden (Fremdbewegung) ist eine körperlose Distanzbewältigung. Beim Gehen oder Radfahren bildet man die Topographie des Weges muskulös, analog einzueins ab.

  133. Auto und Flugzeug (wegen der jeweiligen Relativitätsauffassung) haben ein anderes Raumbewusstsein als das vom Laufen. Übrigens: Man läuft nur noch in kleinen Räumen, Haus und Garten, innerhalb von Geschäften und des Büros.

  134. Nur das Gehen rhythmisiert die Wahrnehmung und damit den ganzen Leib.
  135. Sein Schreiben entstehe immer zur Hälfte im Gehen, erläuterte Kappacher weiter. " Wenn ich tagelang nicht gegangen bin, würde ich schwerlich am Schreibtisch anfangen können, Sätze zu schreiben".

  136. Eigenbewegung i. w. S. ist die reale Alternative zum Niedergang der Erde.

  137. Selbst wenn man am Bahnhof oder an der Bushaltestelle angekommen ist, muss immer noch EB stattfinden. Das ist kein Nachteil, sondern ein Vorteil.

  138. Sport, der diesen Namen verdient, ist Eigenbewegung in seltenen Formen.

  139. Meine Maxime: „So weit die Füße tragen“ und danach  erst motorisierte Verkehrsmittel nutzen.

  140. Nur Eigenbewegung ist echtes Leben.

  141. Wenn ich in der Eigenbewegung bin, bin ich, wenn ich transportiert werde, bin icht nicht.

  142. Es gibt einen Autoblick, Flugzeugblick, Fernsehblick und den Eigenbewegungsblick.

  143. „Spazieren gehen vertreibt den Winterblues. Es ist trüb, dunkel und kah - in der dunklen Jahreszeit geht es vielen Menschen psychisch nicht so gut. Zwei Prozent der Deutschen entwickeln sogar eine saisonal abhängige Depression (SAD). Sie fühlen sich erschöpft, sind niedergeschlagen und haben ständig Appetit. Gegen die schlechte Stimmung kann es helfen, täglich eine Stunde spazieren zu gehen, erklärt die Psychologin Julia Arnhold. Tageslicht und frische Luft wirken sich positiv auf die Stimmung aus“ (Flensburger Tageblatt  v. 12. 1. 17).

  144. Zum Widerstand der materiellen Dinge:

    ·   Man kann den Kern technologischen Entwicklung als die zunehmende Beseitigung von  Widerständen begreifen. Auto, Medien, Indoorleben, Abwesenheit von Eigenbewegung usw. Aber es gibt auch Widerstände, wobei Widerstände als solche geschätzt werden. So Wanderer und  Geher, so Kinder, die toben und sich wehren sich, wenn sie im Auto eingesperrt werden.

    ·   Widerstandüberwindung kann auch mit schönen Gefühlen begleitet sein wie beim Tanz, Spielen, in gewissen Arbeitsphasen,

    ·  Jegliches Fehlen von Widerständen verhindert Leben. Dazu gibt es übrigens Experimente

    ·   Bilder, Filme usw. leisten keinen Widerstand gegenüber den Nutzern, weil sie zweidimensional sind, d. h. nicht materiell, sondern  Geist.Ihre Aneignung, wenn man sie denn so bezeichnet, beschränkt sich auf den visuellen und akustischen Sinn.

    ·   Vermutung: Die Kritik der Kritik des Fernsehens und Unterhaltungsmedien (wie sie von Neil Postman und Manfred Spitzer geleistet wird) ist die Rationalisierung der eigenen Schwäche oder Angst vor Popularitätsverlust.

    ·   Unterhaltungsmedien und motorenbetriebe Maschinen, insbesondere Autos, überwinden den Widerstand der Dinge i. w. S. Sie lassen keine Dingerfahrung mehr zu.

  145. Aneinander vorbeigehen ist viel reizvoller als aneinander vorbeifahren (=reizlos).

  146. „In der Natur läuft es sich allein
  147. Vita activa ist kein Selbstwert.

  148. In dem Restaurant mit regionaler Küche habe ich Gesundheit geschmeckt.
  149. Wir haben nie  Gewichtsprobleme gehabt. Mögliche Gründe:  kein Auto und kein Nahversorger.

  150. Überwindung von Distanzen im Auto oder Flugzeug  erzeugen  ein anderes Raumbewusstsein als beim Laufen. Man läuft nur noch  im Haus, im Garten, in Geschäften und in Büros.

  151. Wenn ich zu Fuß die Treppe hinauflaufe oder die Rolltreppe benutze,  entsteht wegen der anderen Perspektive ein  anderer Raum, aber auch eine anderes Selbstgefühl und –wissen.

  152. Man kann nicht sinnvoll Körper und Geist trennen, beide bedingen und durchdringen einander.

  153. Spontaneität ist eine geistige Eigenbewegung.

  154. Transiträume entstehen durch den Blick aus Transportmitteln.

  155. Wir brauchen gar nicht so viele „exotische“ Bewegungsübungen, Eigenbewegung  in natürlichen Umgebungen, aber auch Tanzen und Spiele haben den gleichen Effekt.
  156. Zentral wichtig ist die Unterscheidung zwischen „Ich bin mobil“ und „Ich bin beweglich“ in der Sprache durchzusetzen. Thematisiert man nicht diesen Unterschied, dient man der Verhexung durch Sprache, weil Sprache auch unser Verhalten steuert.
  157. Ein Leben gänzlich ohne Eigenbewegung ist nicht möglich – und trotzdem besteht die Logik des so genannten Fortschritts, der eben kein Schreiten ist, das Leben möglichst bewegungslos zu machen. Das geschieht unter dem Deckmantel der Bequemlichkeit.
  158. Wenn man für die Eigenbewegung mehr Zeit braucht als für das Auto, dann ist es trotzdem ein ganzheitlicher Gewinn. Also nicht  die Zeit verabsolutieren. Das müssen nur Rettungsdienste tun.
  159. Bequem ist bewegungslos – Fremdbewegung ist hier nicht gemeint.

  160. Die synaptischen Verknüpfungen sind Wege für Geist und Gefühl. Wenn nicht genutzt, verfallen die Wege und damit auch die Gedanken. Das gilt für alle Eigenbewegungen.
  161. Bewegte Bilder, also Filme, sind keine Bewegung von Lebewesen, sondern eine technologisch erzeugte Illusion.

  162. Zwischenräume (Transiträume) werden nur durch Eigenbewegung zu Räumen, wenn nicht, bleiben sie Transiträume.

  163. „Das habe ich allein mit meinem Körper und Geist zustande gebracht“ ist eine Art der Aneignung, die Ich-Stärke hervorbringt.

  164. Die Wahrnehmung ist nur kinästhetisch zu begreifen, also als Bewegung.

  165. Körperliche und geistige Bequemlichkeit verhindert Entwicklung, ja führt zu Rückentwicklungen. Hoffentlich findet man bald für diese Einsicht offene Ohren.

  166. Die Wirklichkeit wirkt auf mich. Das kann mir bewusst oder nicht bewusst sein. Wenn es mir bewusst ist, wirke ich auch auf die Wirklichkeit und das Ganze wird zu einer lebendigen Wirklichkeit.
  167. „Gute“ Eigenbewegung ist immer die Einheit von Eigenbewegung mit einer sinn- und sinnenvollen Umwelt. Sport ist zwar auch Eigenbewegung, aber eben keine Einheit von Subjekt und Objekt.
  168. Ein Spaziergang heißt, sich unbegrenzt den Wirkungen der Wirklichkeit auszusetzen und diese Wirkungen teilweise bewusst wahrnehmen.
  169. Die Schönheit des Gehens und Radfahrens ist tiefste Kritik an den motorisierten Individualverkehr. Mögliche Welten wirken  im Gegensatz zur Wirklichkeit nicht – und das ist ihre einzigartige und durch nichts zuersetzende positive Eigenschaft
  170. Die Einfachheit der Natur bei einem Spaziergang zu erfahren beruhigt.
  171. Eigenbewegung ist eine wichtige  ökologische Alternative.
  172. Die häufig gehörte Aussage „Ich bin beweglich“ ist ein Beleg von der sogenannten Gleichwertigkeit von Eigenbewegung und Fremdbewegung. Aber beide sind eben nicht gleichwertig.
  173.  Gegenwärtige Bedeutung von Fahren ist  Distanzüberwindung ohne Eigenbewegung. Fahren bezog sich  ursprünglich auf das Gehen. In Radfahren ist implizit die alte Bedeutung im Sinne der Eigenbewegung enthalten. Deswegen: Ich fahre mit dem E-bike, aber ich benutze  das Rad. Ohne Eigenbewegung keine Erfahrung. Was ist übrigens aus der Idee des Fahrens der Jugendbewegung geworden?
  174. Die schönen Orte auf der Welt sind nur noch schön auf Postkarten und Hochglanzbildern, ihr Kontext ist kaputt, allein wegen der vielen Besucher mit Autos. Eigentlich dürfte man dorthin nur zu Fuß.

  175. Wenn man eine komplizierte Busverbindung erst einmal gefahren ist und internalisiert hat, ist dieses Thema als schwieriges erledigt.

  176. Wandern, Gehen,  Radfahren, Rudern, Segeln, Reiten  sind die ökologischen Möglichkeiten, Distanzen zu überwinden. Idealiter: Von zu Hause loslaufen, wenn die Autostrukturen  noch erträglich sind.

  177. Gegenwärtige Bedeutung von Fahren = Distanzüberwindung ohne Eigenbewegung. Fahren bezog sich  ursprünglich auf das Gehen (Fahrende Gesellen). In Radfahren ist implizit die alte Bedeutung im Sinne der Eigenbewegung enthalten, deswegen: Ich fahre mit dem E-bike, aber ich benutze  das Rad.

  178. Schade ist, dass der Begriff Erfahrung heute neutral ist und nicht allein die ursprüngliche Bedeutung hat. Denn die Erfahrung im Auto ist keine.
  179. Ohne Eigenbewegung keine Erfahrung.
  180. Was ist aus der Idee des Fahrens der Jugendbewegung geworden?
  181. Wanderschuhe ermöglichen Kontakte mit der Natur, Naturfilme beispielsweise nicht

  182. Ein Schleichweg verkürzt und ist autofrei.
  183. Eigenbewegung ist eine  Naturkraft, genauer: die eigene Naturkraft
  184. Das Wegeschema ist universal, es wirkt in jedem Denken und Handeln. Selbst die Materie hat eine begrenzte Anzahl von Wegen.
  185. Sehen ist nicht Erfahren.  Erfahren ist ganzheitlich, Natur erfährt man nur ganzheitlich.
  186. Eigen ist nie absolut Eigenes, immer ist Äußeres beteiligt bzw. integriert. Für uns Menschen gibt es kein rein Eigenes und auch kein rein Äußeres. Beim Gehen ist es primär der Weg
  187. Fahren und Gehen waren ursprünglich in der Bedeutung identisch, nämlich Eigenbewegung.
  188. „Nur die  ergangenen Gedanken haben Wert“ (Friedrich Nietzsche).

  189. Eine Untersuchung, die an der Universität Harvard an 48 Probanden durchgeführt wurde, hat gezeigt, dass das Gehen die Kreativität bei 81 Prozent der Probanden fördert (aus „philosophie magazin“ Nr. 06/2016).

  190. Dana Gricocea aus ihrer Jugendzeit: „Man ging von Haus zu Haus, um die Freunde zum Spaziergang abzuholen, und dann ging die Gruppe, gemächlichen Schrittes, durch die Straßen. Und heute:  Meine Kinder lieben es, mit Tram und Bus zu fahren: die Fahrt hat, obwohl für sie alltäglich ist, stets den Charakter einer Belohnung“ („Mein Zürcher Spaziergang“ FAZ v. 27. 10. 16).

  191. Beobachte kleine Kinder beim Spielen, und du weißt, was Eigenbewegung ist.

  192. Es ist für private Zwecke zumutbar, die Distanzen in einer Stadt oder Dorf zu  Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen zu müssen. Genau besehen ist es ein Gewinn.

  193. Nur in der Eigenbewegung, nicht im Transportiertwerden, hat man wirklichen Kontakt zu sich selbst und zur Umwelt.

  194. Eigenbewegung bedarf metabolischer Energie. Fremdbewegung externer Energie
  195. Geistige Prozesse und Ergebnisse haben vielleicht viel mehr Ähnlichkeit mit Bewegungen des  Körpers, als wir denken.
  196. Wer geht, kann viel sehen, wer mit dem Auto fährt, sieht nicht viel,  wenn man nicht vorbei fliegende Dinge nicht als echte Wahrnehmungen bezeichnet.
  197. Wie Sport eine Sonderform der Eigenbewegung ist, so ist Laufen eine Sonderform des Gehens.
  198. Wege entstehen durch Eigenbewegung. Individuell-subjektiv und kollektiv-objektiv.
  199. In den Muskeln oder im Gehirn entwickeln sich bestimmte Bewegungsmuster, die dann automatisch ablaufen.
  200. These: Die Grenze der Heimat, ist, was zu Fuß begangen oder mit Rad befahren wird

  201. Bei Eigenbewegung fokussiere ich mich zu sehr aus Distanzüberwindung, aber dazu gehören alle intensiven Tätigkeiten wie  Schreiben, Singen, Lesen, Basteln, Weinlese usw.
  202. In der Fremdbewegung lebe ich nicht, genauer: mein Leib „lebt“ nicht, aber die geistige Tätigkeit und Kommunikation, die parallel stattfinden, können lebendig (= Eigenbewegung) sein.
  203. Ich werde nie ohne Not, meine geistige und körperliche Eigenbewegung durch Motore ersetzen.
  204. Eigenbewegungen, die nicht  Distanzen überbrücken wie z. B. die Bewegungen der inneren Organe, sind nicht hier das Thema. Mir geht es um Eigenbewegungen in der Welt. Hier gibt es wie in der Phänomenologie keine Trennung von Subjekt und Objekt. Deswegen rede ich von der „Eigenbewegung in Alltagswelten“, um die unlösbare Einheit zu betonen.
  205. „motoren“ als Verb nehmen  wie „Ich motore“. D. h.  ich nutze zur Überwindung von Distanzen einen Motor, sei es Auto, Zug, Bus, Flugzeug.     
  206. sitzende Lebensweise = halb-lebendig
  207. Körperbewegungen sind Ausdruck von Lebendigkeit
  208. Wenn ein Lebewesen nicht mehr in der Lage ist, Eigenbewegungen  durchzuführen, ist es tot. Dann nützt auch Fremdenergie nichts mehr.
  209. Genuss ohne vorhergehenden  körperlich-geistigen Einsatz ist oft keiner.

  210. Die Eigenbewegung sollte auf Oberbegriffe wie Bewegung oder Mobilität verzichten, denn dann verkehrt sie sich u. U. in ihr Gegenteil.
  211. Eigenbewegung ist wesentlicher als  als motorisierte Bewegungen.

  212. Wir brauchen „ein positives Verhältnis zur Langsamkeit“, auch deswegen, weil wir dann  mehr erfahren.

  213. Eigenbewegung gehört zur analogen Lebensweise.

  214. Is depression a state of body - not mind? Mit „body“ ist nicht das Gehirn, sondern potentiell der gesamte Körper oder Teile von ihm gemeint. Körper und Eigenbewegung  bilden eine untrennbare Einheit. Es gibt keinen Körper ohne Eigenbewegung und keine Eigenbewegung ohne Körper. Eigenbewegung ohne Körper sind schlechte Abstraktionen und umgekehrt.

  215. Wenn Einzelteile des Körpers wie das Herz sich hin- und herbewegen, dann ist das Eigenbewegung, aber kein  Ortswechsels. Das ist erst der Fall, wenn der Körper als Ganzes seine Ortslage substantiell verändert.

  216. „Zu Fuß siehst du besser. Und: Nur wo du zu Fuß warst, warst du wirklich“ (Ulrich Grober, Der leise Atem der Zukunft).

  217. Heimat hat viel mit körperlicher und geistiger Eigenbewegung zu tun und nichts mit Medien, Motoren und Abstraktionen.

  218. Nur körperliche und geistige Eigenbewegung ermöglicht die Erfahrung der Selbstwirksamkeit (Ulrich Grober).

  219. Die Fähigkeit eines Menschen zum Eigenen darf er sich nicht nehmen lassen. Wir dürfen die Subjektivität nicht diskreditieren oder zurückdrängen, sondern müssen sie stärken und kultivieren.

  220. Aus analytischen Gründen trenne ich zwischen körperlichen und geistigen Eigenbewegungen, obwohl sie sich mehr oder weniger stark gegenseitig beeinflussen: a) Beim Lesen ist die geistige Eigenbewegung sehr groß, da mit Hilfe der Einbildungskraft aktiv aus Wörtern Bilder geschaffen werden; die körperliche Eigenbewegung geht gegen Null, b) beim Fernsehen geistig minimal, körperlich ebenfalls gering, c) in der natürlichen Wahrnehmung geistig oft groß, körperlich auch, weil Wahrnehmung in der Regel mit Gehen verbunden ist.

  221. Mit Eigenbewegung ist gemeint a) die körperlichen und geistigen Bewegungen eines Lebewesens und b) die Spiegelung dieser EB im Subjekt, d. h. als Subjektivität.

  222. Der moderne Mensch nähert sich dem Gottesbegriff des Aristoteles „Gott, der unbewegte Beweger“. Der Unterschied besteht nur darin, dass der Mensch ebenfalls bewegt wird. Genauer: der unbewegte Beweger, der alles in Bewegung setzt, auch sich selbst, dabei sich aber selbst nicht bewegt.

  223. Das Fahrrad ist Instrument und Ausdruck der heutigen Gegenkultur.

  224. „Das Leben ist wie Fahrrad fahren. Um die Balance zu halten, muss man in Bewegung bleiben“ (aus einer Werbe-Broschüre). Wohl bemerkt: Eigenbewegung.

  225. Beim Gehen und Wandern hat man ununterbrochen Kontakt mit dem Boden.  

  226. Denken beruht auf körperliche Eigenbewegung!

  227. Eigenbewegung erfordert Vertrauen in die eigenen gewachsenen Fähigkeiten.

  228. Zur Seeseite hin sind die Kaiserbäder auf Usedom ein Modell für Eigenbewegung.
  229. Den eigenen Körper durch Nichtbewegung zu bestrafen, führt zur Selbstentfremdung, ja Selbstzerstörung.

  230. Durch Medien gewinnen wir die Welt im Schein, in der Eigenbewegung real. Heimat entsteht übrigens nur in der Eigenbewegung. Deswegen werden reale Heimaten immer kleiner.

  231. Eigenbewegung hat eine physiologische Dimension, ist aber auch eine Haltung, die den ganzen Menschen betreffen.

  232. Dem Kleinkind hilft man, das Gehen zu lernen, dem Achtzehnjährigen hilft man durch einen Autokauf, das Gehen zu verlernen.

  233. autofrei leben! e.V. Theorie dazu von unserem Mitglied Markus Schmidt: "Doch wenn die "freie Beweglichkeit des Einzelnen" tatsächlich "Fundament unseres Wohlstandes, ja unserer Lebenskultur" ist, dann muß ein Privileg des Automobilismus in Frage gestellt werden: Die Eingebaute Vorfahrt. Der enorme Erfolg des Automobils basiert nicht alleine auf seinem technischen Grundprinzip, sondern vor allem auf der dahinterstehenden Gesinnung von Staat und Gesellschaft."

  234. Nicht nur aus formalen Gründen wichtig: Zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren sind zwar zwei verschiedene Tätigkeiten, haben aber so viel Gemeinsamkeiten, dass es Sinn macht, nicht zuletzt aus strategischen Gründen, beide Tätigkeiten unter einem Begriff zusammen zu fassen: Ob unter Eigenbewegung (wie ich tue) oder unter Eigenmobilität, ist nicht entscheidend. Vielleicht gibt es einen noch besseren Oberbegriff (in "autofrei leben". 

  235. In bestimmten  Situationen muss man die Widerstandskräfte des Menschen  aktivieren und damit stärken, also nicht nur die Umgebung ändern. Das ist jetzt bereits eine  konservative Strategie.

  236. Man sollte nicht mehr von Erfahrung sprechen, weil die originären Erfahrungen immer weniger werden, sondern von „Ergehungen“.

  237. Man muss Stressoren auch als Chance verstehen.

  238. Zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren sind zwar zwei verschiedene Tätigkeiten, haben aber so viel Gemeinsamkeiten, dass es Sinn macht, nicht zuletzt aus strategischen Gründen, beide Tätigkeiten unter einem Begriff zusammen zu fassen: Ob unter Eigenbewegung (wie ich tue) oder unter Eigenmobilität, ist nicht entscheidend. Vielleicht gibt es einen noch besseren Oberbegriff.
  239. Eine spekulative These, um die Eigenbewegung zu stärken: Materie besteht letztlich aus Energie.  Angewandte Energie ist immer  Bewegung. Leben = Bewegung = Energie.
  240. Die Bedingung für gutes Denken ist ein gut atmender Körper. Atmen ist die Basis allen Lebens. Das Atmen gestaltet die Qualität des Lebens. Intensives Atmen findet nur in der Eigenbewegung statt.

  241. Verhausschweinung“ (Konrad Lorenz)  ist ein Sonderfall des Indoor-Lebens auf niedrig geistigem Niveau.

  242. Das Lesen von anspruchsvollen Texten hat viel Gemeinsamkeiten mit Eigenbewegung in interessanten Umwelten. Beide Aktivitäten verlangen Anstrengung,  werden aber reich belohnt.

  243. Eigenbewegung ist  Basis des Lebens und eine Metapher für Existenz.

  244. erweiterter  Straßenbau und Parkplätze. Dazu Energieverbrauch und entsprechende Emissionen. Aber auch der Wanderer muss u. U. Selbstkritik üben, wenn er nämlich mit dem ICE zum Zielort fährt.

  245. Der Mensch ist fundamental und  essentiell ein Eigenbeweger. Die Eigenbewegung ist  fundamentaler Ausdruck des Lebens.

  246. Alle schätzen die Eigenbewegung im allgemeinen Sinne, aber sie darf nicht anstrengend sein. Deswegen hat es Eigenbewegung als Überwindung von Distanzen so schwer.  

  247. Bei der Eigenbewegung (Selbst-Mobilität) ist das Subjekt nicht nur als Entscheidender, sondern in der gesamten Durchführung konstitutiv. Das ist nicht nur Freude, sondern oft auch Anstrengung. Bei der Fremdbewegung spielt das Subjekt körperlich und geistig fast keine Rolle. Genauer:

    In dem Berliner Straßenmagazin „motz“ fand ich in der Ausgabe 07/16 den Begriff „Selbst-Mobilität“. Hier wird zum ersten Mal unabhängig von meinem Begriff „Eigenbewegung“  der Unterschied ausgedrückt, des bisher zu wenig Beachtung fand, aber auf den alles ankommt. Der abstrakten Oberbegriff Bewegung (bzw. Mobilität) verdeckt den  Unterschied zwischen Eigenbewegung (Selbst-Mobilität) und das vorzugsweise im Auto Transportiertwerden komplett: Im Modus der Fremdbewegung ist der Mensch körperlich und geistig fast unbeteiligt, also passiv, im Modus der Eigenbewegung ist er  in der gesamten Durchführung körperlich und geistig konstitutiv, also aktiv. Erkennt man diesen Unterschied, begreift man erst die großen und wichtigen Implikationen des Begriffs Eigenbewegung in Bezug auf den Körper,  auf die Seele  (Identität, Kognition, Emotion, Wahrnehmung, Wirklichkeitsverständnis), auf das Soziale (Kommunikation, reale Öffentlichkeit), auf Verkehrsstrukturen, auf den Energie- und Rohstoffverbrauch und last but not least auf das  Klima.

  248. Der Radius in der Eigenbewegung ist relativ klein, der Radius im Modus der  motorisierten Fremdbewegung wird immer größer in Richtung  Unendlichkeit. 

  249. Bequemlichkeit macht hässlich.

  250. Theorie der Eigenbewegung ist the missing link der ökologischen Politik.

  251. Ich behandele Eigenbewegung primär als Ortsveränderung.  Eigenbewegung ist höchste  Subjektivität.

  252. Wir sollten das Wort „erfahren“ durch „ergehen“ ersetzen. Fahren allein für Transportiertwerden verwenden, gehen allein für Eigenbewegung.

  253. Eigenbewegung ist von autotelischer Natur. Sie macht das Subjekt stark gegen das System. Eigenbewegung will auch eine Art von Herrschaft, aber nur über sich selbst, nicht über andere. Die negative Seite des Subjekts: Die Bestrebungen des Subjekts können nur dann akzeptiert werden, wenn das Subjekt „an sich selbst baut“, also nicht die Umwelt i. w. S. beherrschen will oder  beherrscht. Das ist die Lösung des Subjektproblems im Sinne von Heidegger.

  254. Zwei Weisen von Urlaubsmobilität nach Südfrankreich: a) mit dem Zug mit zwei mittelgroßen Koffern, b) mit einem großen Wohnwagen, der von einer großen Limousine gezogen wird.

  255. Wir müssen eine Theorie und Praxis raumzeitlicher Eigenbewegung entwickeln. Wir dürfen Eigenbewegung  nicht von der Sportwissenschaft her sehen, und erst recht nicht von der Motorentechnik, denn von hier aus sieht Eigenbewegung antiquiert aus.

  256. Explizit auf einen differenzierten Bewegungsbegriff zu verzichten zwingt, den Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer als gleichwertig unter dem Abstraktum „Mobilität“ zu fassen, was aber physiologisch und umweltethisch sich als Missgriff erweist.

  257.  Auf einer Veranstaltung zur Bewegung müsste man die Anwesenden fragen, wer von ihnen mit dem Auto gekommen sei und wer  zu Fuß, mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln.

  258. Warum ist Sache und das Wort Eigenbewegung so wichtig? Bewegung ist jede Distanzüberwindung eines Körpers oder Ortsveränderung eines seiner Teile. Ein Sonderfall dieses allgemeinen Bewegungsbegriffs ist die Eigenbewegung mit Hilfe eigener Körperkräfte (= metabolische Energie). Nur die Eigenbewegung schafft selbst gegründete Subjektivität, die wiederum Basis für Selbstbewusstsein ist.

  259. Eine Ursache für die verhängnisvolle Gleichsetzung „Eigenbewegung = Sport“ hängt auch damit zusammen, dass die Eigenbewegung keine eigene Disziplin ist, sondern sie wird vom Sport her gesehen und bearbeitet.

  260. Durch Auto, Flugzeug, Rad oder Fuß entstehen verschiedene Erfahrungswelten.

  261. Wieder verschwindet in Flensburg-Tarup ein zu Fuß erreichbarer Laden: Tante Emma.

  262. Die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln dient Stadt und Land, dem Klima und sozialen Bedürfnissen („sehen und gesehen werden“). Auch ist der Anteil des Gehens nicht zu unterschätzen.

  263. Sport ist nicht die große Lösung. Auf das Bevölkerungsganze gesehen ist und bleibt Sport  aus nachvollziehbaren Gründen nur eine Teilmenge  der Eigenbewegung  Aber zwischen sportlich Aktiven und Sportmuffeln gibt es eine dritte Position, die problemlos von allen Bürgern, seien sie jung oder alt, verwirklicht werden kann:   Im Alltag zu Fuß oder mit dem Rad sich bewegen, sei es einkaufen, den Arbeitplatz erreichen, Freunde besuchen oder ins Kino oder Theater gehen. Das Auto muss dann stehen bleiben. Das ist kein Rückschritt, sondern wortwörtlich ein Fortschritt. Das fällt leicht, weil hier Bewegungen eine notwendige und  selbstverständliche Funktion haben. Nebenbei  dienen diese Bewegungsarten dem Klima, aber machen Klima auch erfahrbar,  kostet nichts, erhöhen die Zahl der Augen-blicke, stärken  die Identität und öffnen die Augen für die Schönheit der normalen Umgebung. Dass das gut für Geist und Körper ist, weiß ich nicht nur aus theoretischen Überlegungen, sondern aus jahrelangen Erfahrungen."

  264. Ein Versuch zu erklären, warum meine Forderung „Eigenbewegung im Alltag“ relativ wenig begriffen und deswegen wohl auch nicht genügend Widerhall findet: Das Auto ist inzwischen - wie (früher) die Füße - ein Teil des Menschen. Ein Leben ohne Auto ist inzwischen für viele undenkbar. Aber schon allein aus Gesundheitsgründen, will und kann ein Mensch  nicht auf Eigenbewegung verzichten, die dann allerdings als Sport in eine Nische, die das Auto zulässt, verdrängt wird. Eigenbewegung im Alltag und Auto widersprechen kategorial einander, aber nicht Auto und Sport. Man sehe nur die parkenden Autos vor Sportstadien. Fazit: Die absolute Abhängigkeit vom Auto verhindert  Eigenbewegung in interessanten natürlichen, kulturellen und sozialen Alltagswelten. Diese Weise der Fortbewegung  wäre übrigens gleichzeitig umfassender Schutz dieser Welten.   

  265. Übrigens: Jeder Gang macht schlank! 

  266. Das Ziel der modernen Zivilisation entspricht objektiv den  Anforderungen, die der Zustand der Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) erzwingt: Alle muskulären Bewegungen werden zunehmend durch Motore ersetzt. Als negative Utopie: Wenn plötzlich die gesamte Bevölkerung an der Amyotrophe Lateralsklerose in der mittleren Phase  erkranken würde, wäre die Selbsterhaltung problemlos möglich, da alle technisch-motorisierten Voraussetzungen bereits vorhanden sind oder schnell hergestellt werden könnten. Zugespitzt: Bereits viele Menschen realisieren ihr Leben so, als ob sie bereits an der Amyotrophe Lateralsklerose erkrankt seien, denn ihre Eigenbewegung geht gegen Null.

  267. Lasst nicht ab vom aufrechten Gang - körperlich, geistig, moralisch.

  268. Ohne inneren Halt, der in der Eigenbewegung sich entwickelt,  entsteht Schwindel. Unnötiges Sitzen zerstört den  inneren Halt.

  269. Frage an Doris Dörrie: „Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier? Antwort: Am freiesten fühle ich mit einem Fahrrad.“

  270. Der Vorteil, mit dem Zug zu fahren, besteht darin, dass man hier abschalten kann und diese Zeit für „fahrtfremde“ Aktivitäten wie Lesen, in den Gängen laufen, Schlafen usw. widmen kann, während man beim Autofahren, auch als Bei- und Mitfahrer irgendwie mitfährt und sich den Plattitüden des Fahrens unwillkürlich widmet.

  271. Maxime: So viel Eigenbewegung wie möglich, so wenig Fremdbewegung wie nötig!

  272. Begrüßenswert ist, dass heute die Notwendigkeit von Bewegung breit diskutiert und gefordert wird. Die  große Schwäche der Diskussion um Bewegung besteht darin, dass Eigenbewegung auf Sport reduziert wird. Es ist genau umgekehrt: Sport ist ein Sonderfall der Eigenbewegung. Das zu verwechseln erkläre ich mir damit, dass die Autoren zumeist selbst Sportler sind und dass Sport kompatibel mit dem motorisierten Individualverkehr ist.

  273.  Ortsveränderungen haben sich praktisch  auf zwei  Möglichkeiten verengt: individual motorisierte Verkehrsmittel oder Sport (verkürzt: Auto mit oder ohne Sport).  Eigenbewegungen im Alltag können nicht mehr gedacht und werden damit auch nicht mehr praktiziert.

  274. In der Eigenbewegung sind große Grade der Freiheit enthalten.

  275. Atmen = Leben = reine Eigenbewegung.

  276. Im Verb  „erfahren“ hat „fahren“ noch die die Bedeutung von Gehen, nicht Ortsveränderungen in Wagen.

  277. Ilija Trojanow nennt das Gehen zu Recht eine „subversive Lebensform“.

  278. Motorenbetriebene Bewegung ist technisch, Eigenbewegung ist biologisch.  

  279. Sport an sich findet idealiter  auf dem Hometrainer im Keller statt. Eine  qualifizierte Umwelt hat im Sport keine systematische Stellung. 

  280. „Bewegung“ als Oberbegriff für körpereigene Eigenbewegung und technisch fundierte Fremdbewegung zu nehmen, ist schlechte Abstraktion, weil der entscheidende Unterschied weggedacht wird, so dass die Fremdbewegung widerstandslos die Eigenbewegung ersetzen kann.    

  281. "Viele Fußgänger bedeuten aber auch eine Belebung eines jeden Stadtviertels. Sie sind Frequenzbringer für Geschäfte und versprechen urbane Vitalität statt reiner Wohnghettos – ganz abgesehen vom individuellen Gefallen, den sich jeder durch mehr Bewegung tut" (aus autofrei leben).
  282. Man muss strukturelle Bedingungen und Normen schaffen, die zum Laufen, Radfahren und Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel  zwingen.
  283. Metabolische Energie für Ortsveränderungen spielt für viele keine Rolle.
  284. Zwei etwas weiter von uns wohnende Nachbarn fahren wohl das erste Mal mit dem Bus mit der Begründung, dass ich  die Notwendigkeit in einem Leserbrief beschrieben hätte. Einer meiner größten Erfolge. 
  285. Von den fünf Essentials des Lebens kann sich der Mensch nur von der Eigenbewegung vollkommen „befreien“ – und das realisiert er.

  286. Ideale Eigenbewegung: Mit allen Sinnen und geistiger Konzentration auf den Gegenstand oder auf die Situation.

  287. Eine Mitte hat jeder, aber er kann sie zusperren bzw. wegsperren und durch Unterhaltungsmedien ersetzen. Genau dazu führt ein Leben ohne Eigenbewegung.

  288. In der Eigenbewegung entsteht eine Mitwelt, beim Autofahren eine reduzierte Umwelt.
  289. Gehen mit weit ausholenden Schritten löst weit reichende Gedanken aus.

  290. Die Kräfte, die sich im Gehen und Radfahren entwickeln, entfalten ihre Potenz, ihre Schönheit oft erst Stunden später. 

  291. Könnte es nicht sein, dass das so genannte Faultier gar nicht faul ist, sondern das Optimum der Eigenbewegungsgeschwindigkeit gefunden hat, um möglichst viel wahrzunehmen? Dass die Bezeichung Faultier also eine Diskriminierung ist.

  292. Die Geschwindigkeit der Eigenbewegung sollte vielleicht das grundsätzliche Modell für sinnvolle Geschwindigkeit sein – von Ausnahmen natürlich abgesehen. Geschwindigkeit ist kein Selbstzweck.

  293. In der körperlichen Eigenbewegung entsteht ein Schwung, der sich auf geistige Inhalte und Einstellungen  erstreckt.  

  294. Ob die Abschaffung der Eigenbewegung im industriellen Produktionsprozeß ein sinnvolles Ziel ist, lasse ich offen.

  295. eine Mitte kann man  nur durch Eigenbewegungen gewinnen. Dazu eine These: Seit das Tier „Mensch“ versucht, aufrecht zu gehen, muss es, später er, eine funktionale Mitte entwickeln, die erst einen aufrechtes Gehen ermöglicht.   Diese Mitte ist äußerst kunstvoll, sehr fragil, stets in Gefahr, sich zu verlieren, stets auf Stabilisierungsleistungen angewiesen.  Alles Eigenschaften, die dem empirischen Ich eines Menschen entsprechen.  Die Mitte, durch Eigenbewegung entstanden und stabilisiert,  ist der Kern des Menschen.

  296. Eigenbewegung frisst Langeweile. Allerdings nicht Eigenbewegung im weitesten Sinn, d. h.  nur auf einen Knopf oder Gaspedal drücken.

  297. In der Eigenbewegung steckt ein riesiges körperliches, geistiges und seelisches Potential, das ohne Not nicht aktiviert wird. Das volle Potential der Eigenbewegung wird dann freigesetzt, wenn sie in Alltagssituationen stattfindet.

  298. Eigenbewegung ist diejenige Geschwindigkeit, um intensiv wahrnehmen zu können. Das ist auch ein Modell für das Denken.  

  299. These: Die Intensität der Apperzeption (die Wahrnehmung der Wahrnehmung) ist abhängig von der Stärke der Eigenbewegung.  

  300. Wer auf Eigenbewegung verzichtet, verzichtet auf Gesundheit und geistiges Wachstum.  ein großes Erstaunen: Warum verzichtet der Mensch so freudig auf seine Eigenbewegung?

  301. Es drängt sich die Vermutung auf, dass zwischen der  Zunahme von Alzheimer und der Zunahme von Bewegungsmangel ein Zusammenhang besteht.  

  302. Nicht die Bewegung an sich, sondern die Eigenbewegung ist das Fundament und Quelle des Lebens und der Persönlichkeit.

  303. Dass Eigenbewegung in den meisten Publikationen auf Sport reduziert wird und nicht auf Eigenbewegungen im Alltag, kann ich mir nur aus dem Druck der interessierten Industrie erklären.  

  304. Wenn Wirklichkeit die aktive Einheit von Mensch und seiner Umwelt  und  Eigenbewegung das entscheidende Merkmal des Lebens ist, dann entsteht Wirklichkeit nur in der Eigenbewegung im umfassenden Sinne. Wirklichkeit ist nicht fertig Vorgegebenes, sondern eine Hervorbringung durch den Menschen.

  305. Radfahrer, wenn sie kein E-Bike haben, und Fußgänger erzeugen keine Abgase. Deswegen besteht kein Grund, sie rechtlich gleichzusetzen.
  306. Eigenbewegung  ist Leben aus erster Hand.

  307. Nach einer anstrengenden Radtour ist nach einer kurzen Ruhepause der Geist zupackend und ausdauernd.  

  308. Nur in der Eigenbewegung ist man eigentlich (wortwörtlich im Sinne von „bei sich sein“).

  309. Der entscheidende und in der Regel verdrängte Unterschied ist der zwischen aktiver Eigenbewegung und passivem Transportiertwerden. Das ist ein Hiatus, ein Enten-Eller liegt vor.

  310. Nach längerer Wanderung oder Spazierengehen entsteht eine wohlige Ruhe.

  311. Ist jede zweckorientierte Bewegung des Körpers schon eine technische?

  312. Eigenbewegung richtet sich gegen die absolute Herrschaft des Allgemeinen. Auf der vierspurigen Autobahn herrscht das Allgemeine und ist für jeden einzelnen Autofahrer verbindlich. Eigenbewegung eröffnet viele Freiheitsgrade, und sie erfordert keine materiell-organisatorischen Voraussetzungen. 

  313. Intimität (größtmögliche Vertrautheit)  zum Ort und Region entsteht in der EB. Intimität kann nur im Nahbereich, im direkten Kontakt entstehen, wenn es keine Ausbeutung ist.

  314. Eigenbewegung ist genuin anthropologisch und im guten Sinne  konservativ.

  315. Aus der Außenperspektive sind nur Menschen im Modus der Eigenbewegung interessant.

  316. Eigenbewegung geht nicht in Sport auf. Nur Mannschaftssport ist sinnvoll und wertvoll.

  317. Die Logik des Autos fördert die Zweidimensionalität als homogene Unterlage und damit Leere. Die Logik des Fußgängers fördert die Dreidimensionalität mit vielen Dingen.

  318. Subjektlose Wirklichkeit ist keine Wirklichkeit. Ein Ding muss auf Menschen wirken, um Wirklichkeit zu werden.

  319. Bolivien feiert den „Tag des Fußgängers“. An diesem Tag muss von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr mit stark eingeschränkter Mobilität im ganzen Land gerechnet werden. Es ist verboten, die Straßen mit Autos zu befahren.  Wann wird dieser Tag in Europa eingeführt? Hier wird übrigens der Begriff der Mobilität, wie ich ihn verstehe,  angewendet, nämlich allein für die motorisierte Bewegung.

  320. Eine Eigenbewegung hat in ihrer Durchführung viele Räume der Selbstbestimmung, allerdings nicht beim Marschieren.  

  321. Nur die innere und äußere  Eigenbewegung ist

  322. Mit Bewegung ist in der Biologie mit Sicherheit nicht Transportiertwerden, sondern Eigenbewegung gemeint, also die Negation des Transportiertwerdens. So ist das Auto keine Verstärkung menschlicher Fähigkeiten, sondern deren Schwächung.

  323. Mit der Hand schreiben oder mit den Füßen sich fortbewegen ist unendlich differenzierter im Bewegungsablauf als auf einen Knopf oder Gashebel drücken. These: Handschrift und Gehen  ist näher an seelischen Bewegungsabläufen.

  324. Ein wesentliches Merkmal des Lebens ist die Bewegung, aber damit ist nicht die motorisierte, sondern die Eigenbewegung gemeint. Das wird heute sehr häufig gleichgesetzt.

  325. Wenn wir nicht zu Fuß oder mit dem Rad fahren, um zur Innenstadt zu kommen, gehen wir zu der 300 Meter entfernten Bushaltestelle. Das summt sich. Deswegen der Vorschlag: Autos nicht direkt am Haus, sondern auf einem 300 Meter entfernten Parkplatz parken.

  326. Eine Fähigkeit, so auch Gehen, besteht nur im Prozess (wie eine Theateraufführung). Dann verschwindet sie, bleibt aber in der Erinnerung.

  327. Eigenbewegung an sich wäre höchster Subjektivismus. Deswegen Eigenbewegung im Alltag.  

  328. Spekulation: Tiere haben aus evolutionärer Sicht bewegliche Wurzeln. Deswegen hat Gehen auch viel mit Erdbindung zu tun.

  329. Die freie Eigenbewegung ist immer schön.

  330. Eigenbewegung ist ein autopoietischer Prozess.

  331. Wie viele Raucher zu Nichtrauchern wurden, weil für sie Hindernisse aufgebaut wurden, so können vielleicht auch aus Autofahrern Geher und Radfahrer werden.   

  332. Er (schon etwas älter) ist mit dem Rad gestürzt. Danach hat er es sofort verschenkt. Wenn er beim Laufen fallen sollte, verschenkt er dann seine Füße?

     Die Eigenbewegung ist auch eine Praxis der Liebe zur Umwelt und sich selbst.

     Ziel ist, die inneren und äußeren Bedingungen und Anteile des Lebendigen stärken.

  333. Nur in der Eigenbewegung entsteht eine reale Einheit von Mensch und Umwelt.   In der Fremdbewegung, sei es im Auto oder vor dem Fernsehapparat,  entsteht zwischen Mensch und Umwelt keine sinnliche Beziehung, sondern nur im Scheine der Logik oder Phantasie, wenn überhaupt, sonst herrscht Leere.

    Im Auto entsteht die Scheinbewegung dadurch, dass der Mensch motorisiert bewegt  wird, vor dem Fernsehapparat dadurch, dass die symbolisierten Inhalte motorisiert bewegt werden und so in beiden Situationen die Täuschung von realen Bewegungen erzeugt wird.

  334. Die Freiheit hat in den Naturwissenschaften keinen systematischen Ort, aber wesenhaft in der Theorie der Eigenbewegung. 

  335. Das körperliche und geistige Leben ist immer unruhig, allerdings in verschiedenen Intensitätsgraden. Nun führen nicht Muskeln, sondern  Motore die Bewegungen aus. Auch aus den Handwerkern werden tendentiell Motoren-Werker.

  336. Körperliche und geistige Bewegungen müssen idealiter  eine Einheit bilden.

  337. Die in sich ruhende Bewegung ist das Ziel, nicht Bewegungslosigkeit. Zwischen paradiesischer Unbewegtheit und motorischer Bewegung gibt es ein Drittes: geistige und körperliche Eigenbewegung.

  338. Körperliche und geistige Bewegungen sind gute Bewegungen. Bewegungen im Modus des Transportiertwerdens sind grundsätzlich  schlecht.

  339. Fortschritt ja, aber wenn damit primär Eigenbewegung gemeint ist.
  340. Eigenbewegung allein ist nicht die Lösung aller gegenwärtigen Probleme, aber das wichtigste Element der Lösung.
  341. Zum Erlebnis gehören Umwelt und der sich bewegende Mensch. Der begangene Weg ist die Synthese.

  342. Eigenbewegung  ist der Kontakt zu sich selbst in Stärken und Schwächen.
  343. Den Begriff der Bewegung verwenden wir zunehmend in der physikalischen, nicht in der biologischen Bedeutung.  Fremdbewegung ist eine physikalische Bewegung, Eigenbewegung ist eine biologische Bewegung.

  344. Vorschlag zur Terminologie: Mobilität gehört ausschließlich  zur Fremdbewegung, Gehen und Radfahren gehören zur Eigenbewegung, die ich in diesem Kontext verkürzt  als Bewegung bezeichne.  

  345. Die tiefste Begründung der Eigenbewegung besteht darin, dass sie letztlich das einzige Mittel gegen die Transformation der Erde in ein technisch-motorisiertes System ist. Nur die Eigenbewegung kann sich erfolgreich gegen das sich durchsetzende Anthropozän wehren, in dem Technik das Leben ersetzt.

  346. Eigenbewegung kann man nicht kaufen.

  347. Meine Vermutung: Zwischen Pfadfindern und meiner Theorie der Eigenbewegung gibt es eine große Schnittmenge.  

  348. Große Distanzen überwindet man mit Hilfe von motorisierten Verkehrsmitteln in kürzester Zeit. Aber mit welchen Verlusten! In meiner Jugend habe ich meine Heimatstadt  nur zu Fuß erfahren. Das sollte man immer mitbedenken und nicht vergessen.

  349. Eigenbewegung im Alltag heißt bezieht sich auf die Erledigung alltäglicher Funktionen wie Einkaufen, zum Arbeitsplatz fahren oder ins  Theater gehen.  

  350. Innere und äußere Eigenbewegungen sind gleichwertig.

  351. Fremdbewegung hat weder mit meiner Physis noch mit meiner Psyche zu tun.  Nur Eigenbewegung  formt meine Physis und Psyche.

  352. Aufgabe: Untersuchen, wo noch Lebendes sich in den technologischen Strukturen sich regt und vielleicht auch behauptet.
  353. Bei Sportlern ist das Ich auf den muskulären Körper reduziert. 
  354. Bestehende Wege schaffen Läufer und Radfahrer, bestehende Autostraßen Autofahrer.  
  355. Sport ist Eigenbewegung ohne Umwelt, eine Umwelt, deren Wahrnehmung keine Funktion hat. Das hat es in der Evolution nie gegeben, Bewegung und Umwelt waren immer eine untrennbare Einheit. 

  356. Wenn man bedenkt, mit welcher Energie und Tapferkeit kleine Kinder das Gehen erlernen, dann wird unbegreiflich, wie schnell diese Errungenschaft aufgegeben wird.  

  357. In-der-Welt-Sein = Eigenbewegung im Alltag

  358. Die kognitiven Fähigkeiten sind intrinsich verkörpert und in die Umwelt eingebettet. Instrinsisch heißt hier in etwa  primärursächlich.

  359. Leben = Eigenbewegung als aufrechter Gang = Überwindung der Gravitation.  

  360. Wir brauchen nicht mehr motorenauslösende Knöpfe, sondern mehr Erfahrungen im Modus der Eigenbewegung.  

  361. Zugespitzt: Lesen ist Eigenbewegung, elektronisch bewegte Bilder sind Fremdbewegungen.

  362. Eine echte Frage ist Ausdruck einer inneren, aber auch äußeren Bewegung. 

  363. Lebewesen, nicht  Maschinen,  beobachten, beruhigt ungemein.

  364. "Glücklich auf dem Rad. Gesund, schnell, öklogisch: Besser leben mit Bike" - ein grundsätzlich erfreulicher Beitrag im Fokus.

  365. Eigenbewegung im Alltag ist ein Gebot der Vernunft

  366. Mobilität sagt bloß aus, dass eine Distanz von A nach B überwunden wird. Der Unterschied  der Wirkungen von Fremdbewegung und Eigenbewegung auf den Sichbewegenden und die Umwelt bleibt ausgespart.

  367. Leben ist mit eigener Kraft sich gegen die Gravitationskraft behaupten. Diese Kraft ist Eigenkraft, die Eigenbewegung ermöglicht.

  368. Eine echte Frage ist Ausdruck einer Eigenbewegung. 

  369. “Ich laufe zu jeder Jahreszeit” sagt eine an Osteoporose erkrankte 74-jährige.  

  370. Eigenbewegung ist auch ein wirksames   Mittel gegen Drogensucht und Bequemlichkeit.

  371. Zukunftspolitik: Nicht aufgegebene Bahntrassen,  sondern benutzte Autostraßen in Rad- und Fußwege umwidmen und die Bahntrassen reaktivieren.

  372. IP is a street installation inspired by the amsterdammertjes and the dutch bike’s culture. Zip aims to activate street as a place to enjoy. Zip encourages people to rest, meet, chat and play. Zip invites us to consider the importance of the street as a social space instead of a mere traffic domain.

  373. Der entscheidende Unterschied ist der zwischen  mechanischer (Fremdbewegung) und lebendiger Bewegung (Eigenbewegung). Ein Sonderfall der mechanischen Bewegung ist die motorisierte Bewegung. Im Griechischen steckt übrigens in „mechane“ Täuschung, denn eine  mechanische Bewegung ist keine lebendige Bewegung.

  374. Eigenbewegungen beginnen  in Mikrobereichen.
  375.  „Wenn auch diese Untersuchungen mühsam und anstrengend scheinen mögen, so ergeht es manchen Geistern so wie einigen Leibern: sind sie voll Kraft und blühender Gesundheit, verlangen sie nach anstrengenden Übung und finden Vergnügen an dem, was den meisten Menschen beschwerlich und mühselig erscheinen mag“ (David Hume).  

  376. Wir können uns Eigenbewegungen vorstellen, ohne uns einen Millimeter zu bewegen. Bilder und laufende Bilder (Filme) als solche entstehen erst im vorstellenden Bewusstsein. Beispiel: Ich fahre Auto und denke, dass ich mich bewege. In der Vorstellung „rauscht“ die Umwelt  scheinbar genau so an mir vorbei, wie wenn ich liefe.
  377. Das Leben, genauer die Lebenskraft ist der höchste, wertvollste Besitz eines Lebewesens.
  378. Falsches Bewusstsein entsteht auch durch Sprache, so, wenn man Autofahren und Radfahren gleichermaßen mit dem Verb fahren bezeichnet. Besser schon vom Radeln sprechen, auch wenn es für norddeutsche Zungen blöde klingt.
  379. Reale Tiere und Menschen bewegen sich mit körpereigener lebendiger (metabolischer) Energie. Tiere und Menschen in Filmen werden von exogener Energie bewegt, sind also nicht lebendig.

  380. Präferenz der Eigenbewegung im Alltag würde auch kleineren Läden in der näheren Umgebung eine Existenz sichern.

  381. Bewegungsabläufe müssen nicht immer im Makrobereich liegen, sondern auch im Mikrobereich. Hier kann man viel von Kindern lernen.

  382. Zur Eigenbewegung bei Störungen: Mit Mikrobewegungen beginnen. Diese Bewegungen kennen keine innere Überwindung wie Sport. Erst in der Situation über Steigerungen entscheiden. Die Stadt hat übrigens keine kurzen Wege mehr.
  383. Wir sitzen zu viel (GfK). Sport ist bestenfalls eine (1) Alternative.
  384. Eigenbewegung stabilisiert physisch und psychisch das Ich.
  385. Der Genuss,  sich zu Fuß oder mit dem Rad oder dem Bus  der Innenstadt zu nähern.    
  386.  „Wenn du durch die Hölle gehst, bleibe nicht stehen“ (Churchill). Wohlgemerkt gehen, nicht fahren. 
  387. Eine echte Frage ist Ausdruck einer Bewegung. Eine Bewegung will etwas wissen – auch über sich selbst. Das gilt auch für das Gehen.  Ein Autofahrer fragt nicht, denn er sieht nicht den dreidimensionalen Weg, er will so schnell wie möglich zum Ziel gelangen.
  388. Gehen zerstört nicht.   
  389. Die Vierjährige erzählt jedem, dass sie nun auf Inline-Skatern fahren kann. Das ist ein Beleg dafür, wie wichtig tatsächliches  und nicht gekauftes und damit  müheloses Können ist.

  390. Viele Deutsche wünschen sich mehr Wege für Fahrräder und Fußgänger (aus einer Umfrage).
  391. Beim Gehen ist immer auch ein Vor-Blick (=Zukunft) notwendig.
  392. Gehen = poiesis, Autofahren = un-eigentlich, nichts Eigenes. Deswegen  imponiert mir ein Flug nach xy und sei es einmal um die Erde überhaupt nicht. Poiesis ist übrigens immer auch ein Darstellen, kann also der Kommunikation dienen.
  393. Ohne Eigenbewegung entsteht kein „wirkliches“ Sein, keine innere Realität.
  394. Reale Ortsveränderungen gibt es nur, wenn wir unseren Standpunkt per Eigenbewegung verändern, d. h. wenn wir uns selbst bewegen.
  395. Wenn man sich bewegt,  ist man überwiegend Natur.  
  396. Überwiegend durch Eigenleistung bzw. Eigenbewegung überwindet man eigene Probleme.

  397. Ein Ausdruck von etwas  Anderem hat nicht die Identität von Verb und Subjekt. Wenn Identität, wie beim Gehen, dann ist das eine authentische Expression.
  398. Bewegungen werden gesteuert, indem eine Kopie (Idealbild) der Bewegungsabsicht mit der tatsächlichen Bewegung in korrektiver Absicht verglichen wird. Was ist, wenn es kein Idealbild von Eigenbewegung gibt?
  399. Radeln statt Eltern-Taxi“, eine Initiative in Flensburg.  
  400. Leben (und das ist wesentlich Eigenbewegung) ist das Sein dieses Seienden – und nicht auf anderes Wesentliches zurückführbar.
  401. eere Sprache?

  402. Die innere Realität verändert man nur durch Aneignung. Durch Aneignung  macht man Fremdes zum Eigenen und wird durch diese Addition verändert bzw. verändert sich.
  403. Schwere Texte lesen bzw. aufheben ist höchste Aktivität bzw. Eigenbewegung
  404. Gehen ist eine Selbstrelation.
  405. Gehen wirkt immer stabilisierend, auch wenn man es nicht bemerkt.
  406. Das Gehen entsteht erst im eigenen Gehen. Man kann es nicht kaufen, nicht leihen  und auch nicht geschenkt bekommen.

  407. Gehen schafft innere Realität. Autofahren und Unterhaltungsmedien schaffen keine innere Realität, denn  zu ihrer Entstehung braucht es in der Regel Zeit. Ein Mensch ohne nennenswerte innere Realität ist ein abstrakter Mensch.Autofahren und Unterhaltungsmedien schaffen keine innere Realität, denn  zu ihrer Entstehung braucht es in der Regel Zeit. Ein Mensch ohne nennenswerte innere Realität ist ein abstrakter Mensch. Man kann sie  nicht kaufen, nicht stehlen und auch nicht geschenkt bekommen.  

  408. Giacometti feiert in seinen Skulpturen den aufrechten Gang.

  409. Wenn ich nicht mehr gut laufen kann, muss ich meinen Radius verkleinern un intensivieren - und nicht  mehr Technik anschaffen bzw. nutzen.  

  410. Vieles und Entscheidendes  hängt heute von der Differenzierung der Bewegung  in Eigenbewegung und Fremdbewegung, also zwischen Gehen und Radfahren einerseits, und Transportiertwerden in Autos andererseits, ab. Es ist ein fundamentaler Fehler, Motorenbewegungen als eigene zu interpretieren.

  411. Bewegung, genauer Eigenbewegung,  ist das entscheidende Merkmal des Lebens. Es ist zu fragen, ob es überhaupt Sinn macht, die Bewegungen von Motoren als Bewegung zu bezeichnen. Sollte man nicht besser für diese Art der Bewegung das Wort „mobil“ reservieren?     

  412. In der Eigenbewegung ist die Einheit von Leib und Seele, von Körper und Geist verwirklicht. Fremdbewegung dagegen ist schlechte Abstraktion.

  413. Ohne eine wirksame körperliche und geistige Mitte kann man nicht länger Gehen oder Radfahren. In passiven Sitzen und Liegen ist keine Mitte vonnöten.

  414. Bewegungslosigkeit erzeugt  (subjektive) Zeitlosigkeit und Leere.

  415. Die verhängnisvolle Gleichsetzung von Sport mit Aufgaben verbundene (funktionale) Eigenbewegung im Alltag muss durchbrochen werden. 

  416. Für die Bestimmung der Eigenbewegung sind der sich bewegende Mensch und das Verb entscheidend: Ich gehe. Gehen ist ein intransitives Verb.  Ich werde gegangen ist sprachlich nicht möglich. Das gilt für alle Verben der Eigenbewegung. Ein Sonderfall bildet das transitive  Verb fahren, das aktiv und passiv gebraucht werden kann:   Ich fahre Auto und Ich fahre Rad. In Ich fahre Auto  ist fahren ein  primär passives Verb mit einem Minimum an Eigenbewegung. Aber in Ich fahre Rad ist fahren ein aktives Verb.  D. h. das Verb mit dem Auto fahren  aktiv im Sinne von Eigenbewegung zu gebrauchen, ermöglicht heute sprachlich die verheerende große Täuschung, die Verhexung durch Sprache, weil sie die Passivität des Transportiertwerdens verdeckt: In Ich fahre Auto bewegt sich nur das Auto, nicht die Insassen. Wie sollte denn Fahren als Verb der Eigenbewegung überhaupt funktionieren?

  417. Ein Ziel haben und die dafür notwendige Bewegung mit Hilfe von körpereigener Energie zu realisieren, bilden eine Einheit, auch in dieser Reihenfolge. Das gilt für die meisten körperlichen und geistigen Bewegungen gleichermaßen. Aber Eigenbewegung im Modus  des Gehens und Radfahrens wird von den meisten Bürgern nur noch als funktions- bzw. zielloses Fortbewegungsmittel, vom Gesundheitsaspekt abgesehen, genutzt. Man geht nicht mehr einkaufen, sondern fährt mit dem Auto zum Einkaufen. Explizite Ziele werden nur noch per Auto angefahren.  

  418. Giacometti feiert in seinen Skulpturen den aufrechten Gang (diesen Hinweis verdanke ich Ulrich Grober).
  419. Wenn ich gehe, ist das mit Sicherheit meine eigene Leistung.
  420. Mit der Motorentechnik wickelt sich nicht nur der Fuß, sondern auch die Fähigkeiten der Hand (Handwerk) zurück.

  421. s schein die Maxime zu gelten: Je länger die Distanz, desto attraktiver. Diese Maxime hat aber nur für Eigenbewegung Geltung.

  422. Gerecht wäre ein Recht auf autofreie Straßen. Warum? Fußgänger und Radfahrer sind im Gegensatz zu Autos umweltneutral.

  423. Gehen und Radfahren stärken sich  selbst, Autofahren schwächen sich selbst und ihre Umwelt.  

  424. Zu Fuß gehen, mit dem Rad fahren oder öffentliche Verkehrsmittel in Anspruch zu nehmen, ist heute ein Gebot der Vernuft.  

  425. Die Eigenbewegung ermöglicht auch Erfahrung von Nichtidentität, denn mit jedem Schritt ist man in einer anderen Situation und einen anderen inneren Zustand.

  426.  Im Gehen erlebt man körpernah Zeitlichkeit. Die Zeitlichkeit steht für die Transzendenz des Weitergehens (Ferdinand  Fellmann), die das Leben von allen anderen Zufälligkeiten unterscheidet.

  427.  Wenn Leben im Kern Bewegung ist, und diese Bewegung durch Transportiertwerden, also Bewegungslosigkeit, ersetzt wird, ist der Betreffende in dieser Zeit in einem tieferen, geistig-körperlichen Sinn nicht lebendig. 

  428. Es gibt Hand-, Fuß, Körper und Kopfwerker. Alle vier Formen sind Bewegungsmenschen.

  429. Individualsport ist eine unnötige Reduktion der Eigenbewegung. Die Eigenbewegung ist dann vollwertig, wenn sie in interessanten und dynamischen Umwelten stattfindet. Interessant und dynamisch sind andere Menschen Tiere und Pflanzen und Naturbewegungen wie fließendes Wasser.  

  430. Substantielles Gestalten, also nicht nur auf Knöpfe drücken, vertreibt das Gefühl, nur zu existieren. So ist Wandern, Schreiben, aber auch Lesen im Sinne von Auflesen ein Gestalten.  

  431. Appell an die Kommunalpolitiker: Baut nicht Autostraßen, sondern Menschenwege für Füße und für Räder.

  432. Gehen, Wandern und Radfahren sind  eine Widerstandsbewegung gegen die motorisierte Normierung jeglicher  Ortsveränderung.

  433. Die Vernachlässigung der Hand und der Füße sind für den einzelnen Menschen und für die Kultur fatal.
  434. Gehen und Begehen mit dem Fuß, Greifen und Begreifen mit der Hand sind zwei notwendige Bedingungen, um  Welt zu erfahren. Gehen und Greifen sind das Fundamentum der Erkenntnis - wenn man platonische Gedanken außen vor lässt.

  435. Werden ist ein Merkmal des Lebens. So auch jedes Handeln. Das gilt – oft nicht erkannt – insbesondere für das Gehen und alle Formen der Eigenbewegung.

  436. Die Wiederentdeckung der Eigenbewegung ist die entscheidend notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für die Erhaltung der Erde und damit des Menschen.

  437. Selbst die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln ist mit mehr Eigenbewegung verbunden als mit  dem Auto  von Haus zu Haus.

    Das ist ein Argument gegen das Autofahren und damit gegen die drastischer Reduzierung von Lebensqualität aus Gründen der  Faulheit.
  438. Echte Bewegungen im Sinne der Biologie sind immer Eigenbewegungen. Eigenbewegung arbeitet ausschließlich mit körpereigener (metabolischer) Energie, die die Tätigkeiten von Menschen (und Lebewesen) erst ermöglichen. Das ist eine notwendige, wenn auch nicht hinreichende Bedingung für die Erfahrung von (wirklicher) Wirklichkeit.

  439. Körperliche Bewegungslosigkeit muss nicht geistige Bewegungslosigkeit heißen. Aber körperliche Bewegungslosigkeit  hat  langfristig doch negative Auswirkungen auf den Geist.

  440. Muskuläre Aktivität ist eine notwendige, wenn auch nicht hinreichende Bedingung für ganzheitliche, für „wirkliche“ Erfahrungen.  

  441. Die Gesellschaft  begreift langsam, dass ein Mangel an Eigenbewegung dem Menschen nicht gut tut und zu physischen und psychischen Krankheiten führt. Als Heilmittel dazu gilt allein der Sport, nicht Eigenbewegung im Alltag wie Einkaufen, zu Fuß oder mit dem Rad zur Arbeit fahren oder ins Theater gehen..  Eigenbewegung im Alltag in diesem Sinne würde aber massiv den Kapitalverwertungsinteressen entgegenstehen, hier ist nichts zu verdienen,  und  es entstehen auch keine zusätzlichen Arbeitsplätze.  

  442. Werden Körper und Geist unterfordert, schrumpfen sie.  

  443. In der Mechanik Newtons gibt es keine Eigenbewegung der Körper. Der Autofahrer realisiert diese Theorie in der Gegenwart. Eigenbewegung ist deshalb Widerstand gegen Newtons Mechanik, die heute das Bewusstsein fundiert und dominiert (ausgearbeitet in "Die beschleunigte Ersetzung  lebendiger  durch mechanische Körper in der Realität und im Denken. Newtons zweiter Sieg" in "Elementare Bausteine" in dieser Homepage).  

  444. Sie hat vier Kinder, ist Mitte Dreißig und nimmt mit großer Selbstverständlichkeit öffentliche Verkehrsmittel in Anspruch, obwohl sie ökonomisch (der Mann ist Arzt) ständig ein Auto in Anspruch nehmen könnte. Sie ist ein erstaunlich zupackender Mensch. Später erfahre ich, dass sie Radrennfahrerin war, ihr Mann Marathonläufer. Besteht da ein Zusammenhang? 

  445. Eigenbewegung ermöglicht  in der Ortsveränderung größtmögliche Autonomie. Verzicht auf Eigenbewegung ist teilweiser Verzicht auf Subjektivität.

  446. Vermutung: So wie ich mit Selbstverständlichkeit das Haus zu Fuß oder mit dem Rad verlasse, so die anderen mit dem Auto. Die Entscheidung dafür ist vorher gefallen.  

  447. Wenn ein Mensch lebendig ist, betrifft diese Lebendigkeit seinen Körper und seinen Geist. Dann ist er also behände und scharf im Geist. Das Bewusstsein ist dann mit dem eigenen Leben verbunden.  

  448. Die Energie für die Eigenbewegung ist letztlich auch externen Ursprungs (die Nahrung). So gesehen ist auch die Eigenbewegung relativ, sie ist nur potentiell autonom vom Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme bis zur ausgeführten Bewegung. In diesem Bereich liegen die Möglichkeiten der Eigenbewegung.

  449. Wenn Menschen Institutionen, Orte usw. verlassen, sich nicht mehr in ihnen bewegen, wird es unendlich traurig.

  450. Geheimnisse,  zumindest die  Individualität einer Ortes,  erfährt man nicht beim Autofahren, sondern  zu Fuß. 

  451. Bewegung muss differenziert werden  in aktive Eigenbewegung, wie sie nur Lebewesen möglich ist, und passive Fremdbewegung, in der die Energie von Tieren, Naturkräften oder Motoren eingesetzt wirdLeben = Eigenbewegung.

  452. Der Bezugsrahmen der Bewegungskraft ist bezüglich ihres Ursprungs  in der Biologie und in der Newtonschen Mechanik diametral verschieden. Alle Lebewesen und alle Menschen bis in die Gegenwart hinein sind nahezu nicht transportiert worden, zumindest war  dieser Anteil äußerst gering.

  453. Sport ist nur akzeptabel, wenn man ihn selbst ausübt.

  454. Ich gehe, also bin ich.

  455. Der Wald (und Natur überhaupt) ist ein  Kraftort, nicht der laufende Fernsapparat im Wohnimmer. Das ist ein „Entsauger“.  Eine Kultur ohne Eigenbewegung ist keine.

  456. Alles was Eintritt kostet oder nicht zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar ist, taugt nichts zum Spielen.  

  457. Körperliche Bewegungen sind  immer schon mehr oder weniger vom Geist durchdrungen – und umgekehrt.
  458. Eigenbewegung und Fremdbewegung sind verschieden.  Wegen einer Gemeinsamkeit, der Ortsveränderung, beide gleichzusetzen, reicht aus meiner Sicht nicht aus.  Die zerstörerische Kraft der motorisierten Bewegung darf nicht  mit der schonenden Bewegung der Eigenbewegung gleichgesetzt werden. Dieser Unterschied macht Humanität und Umweltschutz aus.
  459. Materie ist uns nicht direkt zugänglich, aber sie wirkt auf uns. Das gilt uneingeschränkt für Erfahrung in der Eigenbewegung. Hierin liegt der eigentliche, oft unerkannte Wert der Eigenbewegung.
  460. Das einzige Gemeinsame von Eigenbewegung  und Fremdbewegung  ist die Ortsveränderung. Aber dieses Merkmal hat in meiner Theorie zu wenig Substanz, um unter dem gemeinsamen Begriff „Bewegung“ zusammengefasst zu werden.
  461. Nur Siege über die eigenen körperlichen und geistigen Schwächen sind legitim und schaffen dadurch neue Kraft. Aber ein Sieg bedarf Zeit und Ausdauer.
  462. Gefühle aus Muskeln und Gelenken nutzen wir alle aus, aber nur ein Teil von ihnen wird uns bewusst, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf sie lenken. Das erklärt auch etwas, warum die Eigenbewegung  es so schwer hat: Wir bemerken nicht ihre vollen Vorteile.
  463. Das Verb „bewegen“ besteht aus Vorsilbe „be“ und dem Nomen „Weg“. Es heißt eben nicht „be-straßen“.
  464. Flanieren ist nur im Modus der Eigenbewegung sinn- und sinnenvoll.
  465. Im Urlaub waren wir einige Stunden in Gordes und Roussillion mit einem Reisebus, nach  Bormes les Mimosas sind wir zu Fuß gelaufen. Nur letztere ist mir lebhaft in Erinnerung geblieben. Liegt es an dem langen Fußmarsch?
  466. Zum Körper gehören untrennbar typische Formen von Bewegungsabläufen. Gibt es hier keine Erfahrungen, sind  der Körper (und der Geist) schnell defizitär.
  467. Bewegungsstörungen  kann man am besten durch Eigenbewegung heilen, also nicht durch Fremdbewegung.
  468. Es gibt eine Reihe von ermutigenden Zeichen der Entdeckung  der Eigenbewegung.
  469. Die Eigenbewegung stärkt die Zuversicht, dass alles gut ist bzw. gut wird.
  470. Immer ist zu Erreichung eines Zieles auch eigene Anstrengung nötig. Aber Anstrenung ist in der Regel kein Verlust, sondern Gewinn. 
  471. Eigenbewegung ist ein universeller anthropologischer Begriff. Sie ist ein wesentliches, wahrscheinlich das entscheidende  Merkmal des Lebens. 
  472. Ich reduziere in diesen Aufzeichnungen Eigenbewegung zumeist auf größere Ortsveränderungen.
  473. Sport, außer Mannschaftssport, individualisiert.
  474. Eigenbewegung nicht nur aus der Sicht der Nützlichkeit, z. B. Gesundheit, sondern auch als Selbstzweck um seiner selbst  sehen.
  475. Sich zu sehr schonen, erzeugt psychische und physische Dissonanzen bis Krankheiten.
  476. Sie hat ein neues Knie bekommen. Die Therapie beginnt gleich nach wenigen Tagen mit Bewegungsübungen. Früher setzte man allein auf Schonung. Im Alltag leben wir hier noch immer in der überholten Denkungsart.
  477. Wer nicht zu Fuß geht oder mit dem Rad fährt, lebt außerhalb des Realitätsprinzips.
  478. Die Selbstsucht hat sich auf das Haben von Waren verengt. Deswegen hat es die Eigenbewegung  so schwer, denn sie ist eben keine Ware. 
  479. Im Akt des Gehens – wie in allem Handeln – ist man immer in der Gegenwart.
  480. Jeder gefahrene Kilometer mit dem Auto ist für Mensch und Umwelt ein Verlust, jeder zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegte Weg ist für Mensch und Umwelt ein Gewinn.
  481. Der Einkauf in Einzelgeschäften findet in der  Einheit von Mensch mit anderen Menschen und Dingen  statt.  Internetkauf ist dagegen die große Abstraktion von anderen Menschen und materiellen Bedingungen.
  482. Eigenbewegung i. w. S. ist die Alternative für eine andere Zivilisation und Kultur. Es geht die Ermöglichung von  körperlichen, geistigen und seelischen Fähigkeiten des Menschen. „Trau Dich was“
  483. Ein neues Gespenst geht um die Welt „Eigenbewegung im Alltag“. Eine große  Gefahr für die auf Wachstum orientierte Wirtschaft ist die Besinnung auf Eigenbewegung im Alltag. Deshalb hat der Sport in der Gesellschaft eine so hohe Bedeutung. 
  484. Das Problem der Eigenbewegung ist, dass es eben kein knappes Gut auch keine Ware  ist. Es kostet eben nichts.
  485. Es ist falsch, Eigenbewegung allein auf den Gesundheitsaspekt zu reduzieren im Sinne von „Mache Sport und du bleibt gesund“. Das auch, aber noch wichtiger ist der Aspekt der eigenständigen Welterschließung. Das kann man gut an kleinen Kindern und Kind gebliebenen Erwachsenen sehen.
  486. Vielleicht ist die Fähigkeit, sicher und gekonnt auf seinen Beinen stehen und gehen zu können, die entscheidende Grundlage für geistige Weiterentwicklung.
  487. Nur in der Eigenbewegung kann man Freundlichkeit und situative Hilfsbereitschaft  zeigen, nicht im Auto.
  488. Kinder, die in einer fernsehfreien Umwelt aufwachsen, leben und empfangen.
  489. Festgestellte Bewegungen sind  der eigentlichen Eigenbewegung beraubt.  Letztlich sind es keine Bewegungen.
  490. Medien nehmen den Nutzern die wohl grundsätzlich schwere Aufgabe ab, selbst innere Bilder aufkommen zu lassen bzw. zu entwickeln, was wiederum der Kern allen Gestaltens ist.
  491. Gestalten ohne materielle und geistige  Arbeit und Engagement geht nicht. Sprechen ist aktives Gestalten, Autofahren und habitueller Medienkonsum von Unterhaltungsinhalten ist ein Minimum an Gestalten. Die Möglichkeiten des Gestaltens haben sich für viele Bürger drastisch verringert.
  492. Fußgänger und Radfahrer verpesten nicht die Luft. Diese Mobilität ermöglicht Zukunft. Sich für sie  einzusetzen,  wäre Vernunft, die diesen Namen verdient.  
  493. Eigenbewegung im Alltag ist die entscheidende Lösung für die Energieproblematik in Form der Klimaverschlechterung und Energieausbeutung der Erde.
  494. Es muß ein Recht auf Fuß- und Radwege geben, insbesondere an Seen und Flussufern. Das verlangt aber auch  ein angemessenes Verhalten der Nutzer.
  495. Das Bedürfnis nach Eigenbewegung ist grundsätzlich nicht totzukriegen – aber dieses Bedürfnis drückt sich in verschiedenen Formen aus.
  496. Gehen und Radfahren, die besten Mittel gegen Stress.
  497. Maxime: Energieverbrauch minimieren, Eigenbewegung maximieren.
  498. These: Anstrengungslosigkeit ist die intensivste Form der Anstrengung.
  499. Gehen zu können ist Lebensqualität, Autofahren nicht.
  500. Durch Laub schlürfen, welch ein schöner Klang.
  501. Viele Autofahrer bräuchten einen lebendigen Hund, zumindest einen „internalisierten Hund“ um wieder auf die Beine zu kommen.
  502. Der Feldweg lässt Raum für Pflanzen und Tiere zu, auch für verschiedene Formen.
  503. Zum „weg“ (im Sinne von Entfernen) gehört immer ein Weg, den man nicht immer leicht findet. 
  504. Gehen ist eine elementare Form des Gestaltens.
  505. Es geht doch:  „Coping with anorexia in America's thinnest city. The healthy living lifestyle of Boulder, Colorado, is well-known across America. Everywhere you go in the town people are cycling, or hiking, or skateboarding. Restaurants and cafes are full of gluten-free, organic produce, and every supermarket has a bewildering array of supplements and vitamins“ (BBC-News v. 19. 10. 14).
  506. Wenn man wandert, ist auch nach langer Zeit die Umgebung immer noch interessant.  Wird man gefahren, sei  es im Auto, Zug, Flugzeug oder Schiff ermüdet der Blick in die umgebende Landschaft sehr schnell.
  507. Von dem Reichtum der Natur auf der Alm, dessen Intensität paradoxerweise erst die Leere zu ermöglichen scheint: „Hier geh ich raus, wenn mir beim Schreiben nix mehr einfällt oder wenn einfach nichts funktioniert. Manchmal hilft das Gehen enorm. Und manchmal ist es besser, einfach nur dazusitzen und ruhig auf den See schauen, wie er so daliegt. Nach einer Weile geht´s dann wieder. Das macht der See einfach so mit einem, der kann das“ (Birgit Lutz in FAZ v. 16. 10. 14).
  508. Eigenbewegung beeinflusst positiv den ganzen Menschen. Die Ersetzung der Eigenbewegung durch Motore beeinflusst negativ die gesamte Umwelt.
  509. Leben ist bzw. schafft  Wirklichkeit für das jeweiligen Lebewesen.
  510. In der Welt der Zeichen und des Transportiertwerdens gibt es kein Leben, das diese Bezeichnung verdient. 
  511. Eigenbewegung im Alltag ersetzt Sport – und natürlich auch das Auto. Alltag meint hier: zumutbare Entfernungen.
  512. Eigenbewegung im Alltag ist vielleicht der wichtigste Baustein ökologischer Politik.
  513. Wie ich mit Selbstverständlichkeit zumutbare Entfernung zu Fuß oder mit dem Rad zurücklege, so wird für viele Menschen das Auto das einzige Mittel für Ortsveränderungen über hundert Meter. Das Auto hat in der Dimension Bewegung also den Menschen ersetzt.
  514. Jaron Lanier, der  Friedenspreisträger 2014, endet seine Dankrede mit den Worten: „Lasst uns die Schöpfung lieben.“ In meinen Worten: Die Schöpfung bzw. die Natur  ist das Höchste, was der Mensch hat. Keine Technologie kann diese in ihrem Wert ersetzen. Das gilt auch für die Urfunktionen des Lebens, so auch für die Bewegung – das Zentrum meiner Überlegungen. Kein Auto, kein Flugzeug, keine Technologie, auch kein E-Bike ist so wertvoll, um für sie die Eigenbewegung aufzugeben. Konkret: Ein Spaziergang durch den Wald, eine Wanderung über Almwiesen oder ein Gang durch die lebendige Innenstadt ist durch keinen  Porsche, Großraumlimousine, Motorrad, Motorboot oder Privatjet zu toppen.  

  515. Entscheidend wichtig zum Verständnis meiner Beiträge:  Ich entwickle nicht primär eine Theorie der Eigenbewegung, sondern eine „Theorie der Eigenbewegung im Alltag“. Es geht um die Einheit von Mensch und seiner jeweiligen Umwelt.
  516. Es gibt  mehrere Gründe, sich für die  Eigenbewegung zu entscheiden, so den Umweltschutz i. w. S. und Gesundheit. Die psychische Dimension kann man treffend mit dem Begriff „Qualia“ beschreiben. Unter diesem Begriff  versteht man den subjektiven Erlebnisgehalt eines mentalen Zustandes. Und genau dieser und nur dieser mentale Zustand während  der Eigenbewegung  schafft  ihren einzigartigen Wert für Identität und Lebensbejahung. Diesen Erlebnisgehalt kann man letztlich nicht beschreiben, sondern man muss ihn selbst erleben.
  517. Sie macht nun Sport. Gut, das ist die halbe Miete. Ihre nächste Aufgabe besteht  darin, ihre Eigenbewegungen in  Aktivitäten wie Einkäufe mit dem Rad zu  realisieren und zu  Veranstaltungen zu Fuß zu gehen.
  518. Vorschlag zum Sprachgebrauch:  mobil für  motorisierte Bewegungen, beweglich für (metabolische) Eigenbewegung wie Gehen und Radfahren.
  519. Eigenbewegung, die diesen Namen verdient, ist eine freie Bewegung.
  520. Ich fasse Gehen und Radfahren wegen des metabolischen Energieeinsatzes mit Eigenbewegung zusammen. Trotzdem muss auch das Gemeinsame von Radfahrer und Auto erwähnt werden:  das „Bedürfnis“ nach möglichst glattem Untergrund und die Abhängigkeit von äußerer Technik.
  521. Füße von Lebewesen wollen einen natürlichen, das Auto einen planen Untergrund wie Asphalt. Deswegen läuft auch der Mensch über längere Strecken lieber auf natürlichem Untergrund. 
  522. Die not-wendende Maxime der Eigenbewegung im Alltag: Alle Ortsveränderungen unter vier Kilometer möglichst zu Fuß oder mit dem Rad. Falls dann noch Kräfteüberschüsse bestehen, sind sportliche Tätigkeiten neben Spazierengehen und Sport sinnvoll.
  523. Der Wille muss sich u. U.  gegen den Körper, der schwächelt, durchsetzen – solange es eben geht.
  524. Am Wochenende eine Wanderung oder eine Autotour machen. Bestimme danach den Unterschied.
  525. Die entscheidende Forderung nach Eigenbewegung im Alltag muss von direkten Maßnahmen (Fuß- und Radwege) und indirekten Strukturveränderungen (Stärkung der Innenstädte und der Quartiere) begleitet werden. Das ist die Zukunftsaufgabe von Kommunalpolitik.
  526. Ich fahre mit dem TGV durch Frankreich an die Mittelmeerküsten. Dort angekommen gibt es, von kleinen, dreimalig in Anspruch genommenen  Strecken  abgesehen, nur Eigenbewegung. Die Region, in der wir Urlaub machen, ist ein Ort des Bleibens und nicht des ständigen Verlassens.
  527. Nur in der Eigenbewegung habe ich die Möglichkeit, „wirkliche Wirklichkeit“ relativ umfassend zu erfahren.
  528. Beim Gehen und Radfahren verändert sich  die  körperliche, begrenzt auch die  geistige und vielleicht auch die äußere Dimension des Menschen.
  529. Ich will keinen Porsche, sondern fähige und kräftige Füße, ein gutes Rad und ein sinnvolles Angebot von öffentlichen Verkehrsmitteln, wobei die Haltestellen auch einen halben Kilometer von mir entfernt sein können.
  530. Die Eigenbewegung im Alltag dauert oft etwas länger als mit dem Auto, aber das ist keine Verlust, sondern Gewinn an Stärkung und Erfahrung.
  531. Es gibt körperliche und eine geistige Beweglichkeit, oft bilden beide eine Einheit.
  532. Objektiv heißt, ohne Subjekt. Deswegen ist  Autofahren objektiv, wobei übrigens die Objektivität  höchste Subjektivität ist.
  533. Beim Autofahren ist der Körper  bewegungslos, er ist still gestellt, kennt nahezu keine  muskuläre Tätigkeiten. Deswegen fühlt  der Körper fühlt  in dieser Situation nichts. Der Geist bzw. Bewusstsein kann dösen und  auch in andere Welten wechseln. Beim Gehen oder Radfahren ist der Körper  ständig in Bewegung. Das löst ein Körpergefühl bzw. Körperbewusstsein aus. Aber auch hier kann der Geist bzw. Bewusstsein in andere Welten von Dingen am Wegrand bis hin zu Phantasien wechseln.
  534. Vielleicht sind Amish-People  „motorentechnisch“ gesehen interessant.
  535. Eigenbewegung befriedigt genuine  Bedürfnisse und die  Suche nach Sinnhaftem. Dazu gehört auch das Bedürfnis nach der Begegnung mit wirklicher Wirklichkeit.
  536. Eigenbewegung fand ursprünglich ausschließlich  im Alltag statt. Beides auseinander zu reißen,  ist in jeder Beziehung kontraproduktiv. Der Alltag ist die Heimat der Eigenbewegung. 
  537. Zuerst müssen die Möglichkeiten der Eigenbewegung im Alltag verwirklicht werden. Bleibt noch ein Überschuß nach, kann man ja Sport betreiben. 
  538. Die in meiner Theorie der Eigenbewegung und Motorenkritik geäußerten Forderungen entsprechen menschlichen Bedürfnissen. Sie sind nicht konservativ.
  539. Moderne Menschen haben einen Körper, aber er ist  in der motorenorientierten Zivilisation überflüssig wie ein Kropf. Die Hauptaufgabe des Körpers besteht nur noch darin, mehr oder weniger erfolgreich, die Schönheit des jeweiligen Besitzers zu repräsentieren.
  540. Viele Rehabilitationsmaßnahmen bestehen aus Eigenbewegungen, also in Bewegungen, die vor dem Ausbrechen der Krankheit sträflich vernachlässigt wurden.
  541. Geistige und soziale Funktionen sind auf sensomotorische Prozesse, also auf Eigenbewegung,  aufgebaut.
  542. Wir müssen die Vorteile der Anstrengung erkennen. Das weiß übrigens jeder Fußballspieler.
  543. Wer Eigenbewegung im Alltag durchführt, tut sich und der Umwelt etwas Gutes. 
  544. Füße stehen für  „wirkliche“ Subjektivität. So der aufrechte Gang.
  545. Die Inanspruchnahme von Fremdenergie zum Urlaubsort reicht, dann ist Eigenbewegung angesagt.
  546. Mannschaftssport und Individualsport haben zwei verschiedene Motive.  Der  Mannschaftssport hat wohl etwas mit gemeinsamem Kampf zu tun.
  547. Ob Anstrengungen einem gut tun, können nicht Geist und Gefühle beantworten, sondern nur der Körper, der nach dem Tun entscheidet, ob es ihm  gut oder eben nicht gut getan hat.
  548. Die natürlichen  Phase der Eigenbewegung: Anstrengung – Ermüdung – körperliche und geistige Behendigkeit. Deshalb auch die Sinnhaftigkeit der Anstrengung und der Ermüdung.
  549. Körperliche und/oder geistige Verspanntheit aufzubrechen, kann schmerzvoll sein.
  550. Die Seele, wie immer man sie auch versteht,  durchwaltet und bestimmt den  Körper. Aber umgekehrt wird die Seele auch vom Körper bestimmt.
  551.  Die Übungen der Humanistischen Psychologie sind primär  ortsgebunden.  Eigenbewegung dagegen wechselt ständig den Ort, ist in ständiger ortsverändernder Bewegung.
  552. Bewegungsmangel gefährdet die  Nation. (aus einem Artikel der Times).
  553. Dem Menschen stehen drei Formen der Energie zur Verfügung: a) metabolische Energie, b) exogene Energie, c) erneuerbare Energien von Wind, Wasser und Sonne, die man strukturell auch als metabolische bezeichnen könnte.
  554. In einer autofreien Siedlung in Klein-Borstel in Hamburg sind die Einzelhäuser und die Reihenhäuser normal groß, aber der private Außenbereich  minimal.  Dafür sind die öffentlichen Räume wie Rasenflächen, Gräben, Teiche und Wege sehr groß.
  555. Eine junge Turnerin am Strand, die die Einheit von geistiger Konzentration und körperlicher Bewegung  realisierte. So habe ich es noch nie gesehen.
  556. Energie ist das Fundament für ein gelingendes Leben. Die Energie „beherrscht“ die Materie und äußert sich in Form von Eigenbewegungen. Ein Teil der Energie geht in den Körper, ein Teil in den Geist. Geist ist in diesem Zusammenhang sublimierte Energie.  Zuallererst müssen wir uns um das Fließen der  Energie in uns kümmern.
  557. Metabolische und exogene Energie haben mehr Differenzen als Identitäten, so dass man sich fragen muß, ob „Energie“ der geeignete Oberbegriff ist.
  558. Ich mache keinen Sport. Eigenbewegung im Alltag und zusätzlich einige Spaziergänge und Wanderungen genügen – so hoffe ich.
    Sport als Mannschaftssport ist eine gute Sache, Individualsport zur Förderung individueller Leistungsfähigkeit lehne ich ab, er sollte durch Eigenbewegung im Alltag ersetzt werden.
  559. Als ich auf mein Fahrrad mit Anhänger stieg, um zum Einkaufen zu fahren, sagte mein wohlbeleibter Nachbar „Du bist nicht zeitgmäß“ und stieg nach diesen Worten selbstgefällig in seine Limousine.
  560. Weg heißt grundsätzlich, nicht stehen bleiben, sondern zielorientiert sein. Der Weg selbst ist wichtiger als die Dinge, die am Rande des Weges stehen. Aber das darf man nicht verabsolutieren.
  561. Körperliche und geistige Anstrengung erzeugt Menschsein, Bequemlichkeit entfernt sich von ihr.
  562. Früher war die Anstrengung unvermeidlich, heute muß man sich willentlich für sie entscheiden.
  563.  Eigenbewegung im Alltag ersetzt Sport.
  564. Der aufrechte Gang ist letztlich entscheidend für die Gesundheit des Skeletts.
  565. Wer kein Gespür für das Leben hat, hat natürlich auch keine Beziehung zu Eigenbewegung und deren Werte.
  566. In der Humanistischen Psychologie gibt es viele Argumente für die Eigenbewegung.
  567. Irgendwann trat der große Irrtum ein, das externe und metabolische Energie identisch seien.
  568. Eigenes Tun (Eigenbewegung) verändert mich äußerlich und innerlich. Beim Lesen verändere ich mich nur innerlich, beim Sport nur äußerlich.
  569. Hegels Knecht hat Eigenenergie, dem Herren steht  Fremdenergie zur Verfügung. Die Folge ist, dass die Unterdrückung des Knechts nicht von langer Dauer ist.
  570. Ich fordere ein Ende der Diskussion, die im Sport das einzige Mittel  gegen Bewegungsmangel sieht. Es gibt nämlich eine einfachere Lösung: Auto und Fernsehen zu reduzieren oder gar abzuschaffen.
  571. Eigenbewegung ist nicht nur die höchste Form der Mobilität, sondern die wichtigste Form der Fortbewegung.
  572. "Nach dem Scheitern nicht liegen bleiben. Statt den Kummer in Alkohol zu ertränken, steigen Arbeitnahmer besser auf das Fahrrad" (Flensburger Tageblatt v. 20. 9. 14)
  573. Eigenbewegung ist nicht käuflich.
  574. Eigenbewegung gibt es nur im Leben. Momentaufnahmen: am Strand, in kleinen Geschäften , im Zug , in alten Hotels. In Massenveranstaltungen verblasst die lebendige Begegnung.
  575. In der Eigenbewegung ist man eigentlich, d. h. ganzheitlich bei sich.
  576. Wenn der Mensch geht, herrscht in ihm Natur.  
  577. Internet- und Medienwelt können problemlos ihre Inhalte jederzeit reproduzieren, das gilt aber nicht für die Eigenbewegung.
  578. Ein Berg muß bestiegen, nicht mit der Seilbahn oder gar mit dem Auto er-fahren werden.
  579. Eigenbewegung hat viel mit Bescheidenheit und Einsicht in die eigenen Möglichkeiten zu tun.
  580. Eigenbewegung i. w. S. hat immer natürliche  enge Grenzen, aber sie ist ganzheitlich, real  und intensiv.
  581. In der Eigenbewegung ist man in der Wirklichkeit.
  582. Die Nutzung der Einbildungskraft und der Eigenbewegung ist praktischer Widerstand gegen die nahezu absolute Herrschaft der Motore. 
  583. Körperliches und geistiges Wachstum erreicht man durch Anstrengung und Aktivität, nicht durch Bequemlichkeit.
  584. In der Eigenbewegung werden menschliche Maße und ökologische Möglichkeiten realisiert. Eigenbewegung ist der Widerstand gegen virtuelle Welten und Eigenbewegungen in Alltagswelten ist ein Beitrag zur Erhaltung dieser Welten.
  585. Ortsveränderungen durchzuführen, ist  eine Form des Handelns. Wer bequem ist, setzt sich ins Auto. Wer sich etwas Gutes antun will, geht bei zumutbaren Entfernungen zu Fuß oder nimmt das Fahrrad, ist die Entfernung zu groß, nimmt er öffentliche Verkehrsmittel. Natürlich ist Autofahren auch ein Handeln, aber welch  eine dürftige Variante. Übrigens: Intensives Handeln verändert den Handelnden und das Behandelnde gleichermaßen. 
  586. Gerade beim  Besuch von Sportveranstaltungen ist den Besuchern ein Minimum an Eigenbewegung zuzumuten.
  587. Eigenbewegung ist eine Form der Selbstermächtigung. Eigenbewegung wendet sich gegen die universelle Herrschaft der Motore.
  588. Sport, außer Mannschaftssport, ist weltlos.
  589. Philosophieren ist immer eigenes Tun. Dem entspricht die Eigenbewegung.
  590. Bisher hatte ich zwei Gruppen für Eigenbewegung im Auge: Geher und Radfahrer. Nun haben wir Besuch von drei jungen Männern bekommen, die in drei Tage auf ihren Skate-boards 150 Kilometer zurückgelegt haben. Kündigt sich hier eine dritte Gruppe an? Ihre Theorie, Praxis   und Zukunftspläne in diese Richtung klangen vielversprechend.
  591. Gegen die Sprachverwirrung. Der lebende, sich bewegende  menschliche Körper ist ein Leib, nicht ein Körper. Auf diese Differenzierung zu verzichten, heißt, den entscheidenden Unterschied nicht wahrzunehmen und zu artikulieren. 
  592. Eigenbewegung kommt allein aus dem Eigenen, d. h., man lässt sich auf sich selbst ein.
  593. Ein Ja zur Eigenbewegung  heißt auch ein Ja zur Schönheit, aber auch zur Anstrengung.
  594. Zur Eigenbewegung  gehört zwingend Eigenverantwortung .
  595. Ein Lob der Treppe, denn sie fordert kluge Füße
  596. Fahrradkultur im Gegensatz zur Autokultur, die sich nur noch mit gigantischem Reklameeinsatz am Leben gehalten wird, ist eine „junge“ Kultur. Junge Menschen, die sich auf ihre eigene Energie verlassen, die die Schönheit der Eigenbewegung und der jeweiligen Umwelt genießen.
  597. Wenn in Kobenhagen viel Rad gefahren wird, warum dann auch nicht in Ländern, die südlich von Dänemark liegen?
  598. „Ab  30 ist Sport Pflicht (in einer Werbung). Nein: Eigenbewegung im Alltag ist nicht nur Verantwortung für sich, sondern auch für die Umwelt.
  599. Die Notwendigkeit der Eigenbewegung  für sich selbst und für die Umwelt ist nicht in Frage zu stellen. . D. h. motorisierte Zivilisation als Selbstzweck ist ein doppelter Fehler gegen sich selbt und gegen die Umwelt.
  600. Sich bewegen, nicht bewegt werden!, ist das wesentliche Merkmal des Lebens. Deswegen: Verzichtet nicht auf körperliche und geistige Eigenbewegung.
  601. Eigenbewegung ist das Gegenteil von Egoismus. Sie geschieht aus Liebe, Neugierde und Rücksichtsnahme zu sich selbst und der Umwelt. 
  602. Von Ausnahmen abgesehen ist man in der Eigenbewegung ein Ich. 
  603. Eigenbewegung gehört sicherlich zu den höchsten Möglichkeiten, in der Wirklichkeit zu sein.
  604. Zur Terminologie: Die Eigenbewegung (Gehen oder Radfahren) braucht Bewegungsräume;  die Fremdbewegung mit Auto, Motorrad, Zug oder Flugzeug) braucht Mobilitätsräume. (zu autofrei leben). Daraus folge „Ich bin mobil“ heißt, dass  ich z. b. ein Auto habe, während „Ich bin beweglich“ heißt, dass ich mich ohne Hilfsmittel mit eigener Kraft fortbewegen kann. Ohne diese Unterscheidung entsteht Konfusion zugunsten der Fremdbewegung.
  605. Ich brauche keinen Sport machen wenn ich meine Bewegungen im Alltag zu Fuß oder mit dem Rad zurücklege. 
  606. Sport ist bestenfalls ein Sonderfall der Eigenbewegung. Psychisch-motivational liegt er  nahe an industriellen Tätigkeiten.
  607. Nur Lebendes hat Eigenbewegung. Objektiviertes Leben ist kein Leben, sondern ein  totes Objekt.
  608. Nur wer sich bewegt, bewirkt etwas.
  609. Eigenbewegung ist für Städte und Dörfer eine Bereicherung, motorisierte Fremdbewegung ist für sie eine Belastung. 
  610.  Ich frage einen Einheimischen nach dem Weg und bekommt eine hilfreiche Antwort. Das ist ein Geschenk.
  611. Kraft liegt in der Einfachheit und in der Eigenbewegung.
  612. Leben = Ausdruck. Medien verhindern meinen Ausdruck.
  613. La beauté est dans la rue.
  614. Aus der Perspektive der Eigenbewegung sind Autofahrer hochgradig bewegungslos, meinen aber, sehr  lebendig zu sein. Ist diese Selbsteinschätzung nicht von der Werbung bestimmt?
  615. Eigenbewegung ist  Kraftanwendung mit Wirkungen nach außen und nach innen.
  616. These: Der mit der Seilbahn erschlossene Berg ist kein richtiger Berg.
  617. Der Weg ist das Ziel, und das Ziel ist der Weg.
  618. Ohne Auto und Fernseher entsteht auch kein Paradies, aber ein Stück Lebensqualität wird gewonnen, d. h. Freiheit und Schönheit.
  619. Eigenbewegung ist die Aufhebung der Subjekt-Objekt-Spaltung.
  620. Es gibt keine totale Fremdbewegung, immer ist direkt oder indirekt ein Minimum an EB notwendig. So entsteht folgendes Kontinuum: Fernsehen – Autofahren – Sport -  Eigenbewegung in Alltagssituationen.
  621. Wenn Eigenbewegung Sinn hat, durchwaltete er alles.
  622. Sport, außer Mannschaftssport, ist eine entfremdete Form der Eigenbewegung.
  623. Durch angemessene Eigenbewegung entsteht  Freude.
  624. Das Ganze ist uns zeitlich und räumlich nicht zugänglich, es ist transzendent. Immer liegt in der Begegnung unvermeidlich eine Reduktion vor. Alles kommt deshalb auf den Umfang der Reduktion statt: Während der Autofahrt herrscht maximale, beim Gehen minimale Reduktion vor.
  625. Geistige und soziale Funktionen sind auf sensomotorische Prozesse aufgebaut, die sich in  Auseinandersetzung mit der Umwelt entwickelt haben. Das ist Eigenbewegung im weitesten Sinn. Vom Anfang an ist es die Bewegung des Leibes.
  626. Der Fuß hat keine Funktion mehr, auch nicht als Informationsquelle (Untergrund). Das gilt zunehmend  auch für die Hände und den Leib. In diese Lücke strömen Bilder, die in zweifacher Hinsicht körperlos sind: a) sie selbst, b) von ihrer Quelle.
  627. Hand, Fuß und Leib empfangen  ständig Empfindung von der jeweiligen Umwelt (sei es der Wald oder das Innere eines PKWs), die aber längst nicht alle im Bewusstsein „landen“, aber sie wirken.
  628. Es gibt ein Optimum der Bewegungsgeschwindigkeit.
  629. Meine Erfahrung: Ohne Auto wird das Leben reicher. Ein autoloser Tag stärkt Seele, Körper und Geist.
  630. Eigenbewegung im Alltag macht Jogging und Sport überflüssig.
  631. Leben ist Kräfteanwendung, nicht deren Vermeidung.
  632. In der Einfachheit liegt eine Kraft. Gehen ist die einfachste Weise der Fortbewegung.
  633. Auf den Bürgersteigen und Radwegen laufen und fahren aktive Bürger,  in den vielen Autos sitzen! passive Konsumbürger. Deswege die Forderung: Erweitert die Bürgersteige zu Bürgerstraßen für Bürger. 
  634. Eigenbewegung ist auch Natur- und Umweltschutz.
  635. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren erfordert im Vergleich zur Autonutzung relativ viel Eigenbewegung: Zur Haltestelle oder zum Bahnhof laufen, den Bus bzw. Zug  seinen Platz suchen. Das und der direkte und indirekte Kontakt zu Menschen machen sie so reizvoll.
  636. Eigenbewegung ist Aktivität, so  im Garten gestalten, Kochen, Tanzen, Wörter kombinieren, Musik machen, Gehen und Radfahren. 
  637. Leben ist die konstruktive Kraft, etwas anzupacken, etwas mit Zuversicht zu beginnen.
  638. Nichtasphaltierte Wege wie im Stillen Winkel zwischen den Bauernhöfen oder im Schwarzwald zwischen zwei Dörfern. Hier gilt es, Spurensuche zu betreiben.
  639. Der Trampelpfad ist der Urweg. Wege für Fußgänger und Radfahrer, asphaltierte Straßen und Autobahnen für den motorisierten Individualverkehr.
  640.  Früher kannten Kinder 150 Spiele, die nahezu keinen Aufwand erforderten.
  641. Man sehe einen jungen Hund auf einer Wiese toben, und man weiß,was Eigenbewegung ist.
  642. Dekadent ist zu glauben, man sei Sportler, wenn man bei Profis zuschaut.
  643. Wer bei schlechtem Wetter trotzdem losgeht, gewinnt nur. 
  644. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren erfordert im Vergleich zur Autonutzung relativ viel Eigenbewegung.
  645. Vita activa versus vita contemplativa? Nein! Vita activa und  vita contemplativa gemeinsam gegen vita passiva. Vita contemplativa ist eine Teilmenge der vita activa.
  646. Der Anteil der Eigenbewegung ist entscheidend für den Wert eines Ereignisses.
  647.  Die Eigenbewegung kann körperlich sein, hier ist die Intensität von Natur aus immer relativ groß. Sie kann aber auch nur geistig sein, hier ist der Grad der Intensität sehr unterschiedlich (vom Schreiben bis Unterhaltungssendungen).
  648. Kommt die Welt in Bildern zu mir, ist fast keine Eigenbewegung nötig. Kommt die Welt in anspruchsvollen Wörtern zu mir, müssen sie erst mühsam „gelesen“ werden (im Sinne von aufheben), d. h. intensive Eigenbewegung ist erforderlich Werde ich zu einem Weltteil gefahren, wie mit dem Flugzeug über den Canyon oder mit dem Bus zur Trinkstelle von Wildtieren, dann wenig Eigenbewegung vonnöten.
  649. Solange man lebt, ist zumindest ein Minimum an Eigenbewegung vorhanden.
  650. Wenn ich einen Weg zum ersten Male begehe, entsteht in meinem Bewusstsein ein neuer Weg.
  651. Wenn ich gehe, berühren meine Füße Erdoberfläche, wenn ich mit dem Auto fahren, berühren meine Füße entweder einen Gashebel oder den Autoboden.
  652. Meine Interpretation des Verhältnisses von Herr und Knecht bei Hegel Der Herr sucht die Fremdbewegung und meidet die Eigenbewegung, der Knecht muß seine Eigenbewegung für den Herrn einsetzen.
  653. Zu Fuß gehen, mit dem Rad fahren oder selbst denken sind keine Sklavenarbeit. 
  654. Die Differenz Rad - Auto entspricht ganau der Differenz von Technik und motorisierter Technik.
  655. Nur in der Eigenbewegung nähert man sich der „ganzen Wirklichkeit“.
  656. Noch vor einigen Jahrzehnten war der Fuß der Maßstab für Entfernungen, heute ist es das Auto.
  657. Alle intentionalen Bewegungen des Menschen müssen wie jede Technik erlernt werden – so auch die verschiedenen Formen der Eigenbewegung.
  658. Technik im Sinne von Können ist  ein menschliches Existenzial.
  659. Eigenbewegung ist eine existenzielle Teilmenge des Handelns. Wir handeln ständig,  aber in unterschiedlichen Intensitäten. Tod ist die Abwesenheit vom Tun. Eine motorechnologisch orientierte Gesellschaft ist nekrophil. 
  660. Das Leben wird nicht mehr geliebt, weil es ein  Modus des Aktiven ist. Das strengt u. U. an.
  661. In den Einkaufszentren und erst recht beim Internetkauf ist das Leben abwesend. Man vergleiche dagegen das Leben auf einem Wochenmarkt.
  662. In Autos sieht man  wenig. Aber beim Wandern, im Unterwegssein „alles“.
  663. Eigenbewegung hat Verlangsamung und  Entschleunigung zur Folge. D. h. Gewinn in Form von  Intensität und Tiefe, Verlust an Breite und Substanz.
  664. Fremdbewegung schafft  Abstraktion und so mehr Welt im Schein; in der Eigenbewegung entsteht wirkliche, sinnlich vermittelte  Welt, also wirkende Welt.
  665. Auf der Straße sich als Fußgänger zu begegnen, ist aus evolutionären Gründen zwangsläufig: Man hat allles, was sich bewegt, im Blick.
  666. Eigenbewegung legt den Schwerpunkt auf den Weg, Fremdbewegung auf das Ziel. Eigenbewegung und Weg bilden eine enge Verbindung, während in der Fremdbewegung der Weg selbst  eine vernachlässigende Größe  und nur noch als Distanz von Interesse ist. . 
  667. Die Kraft liegt in der Einfachheit (Heidegger). Eigenbewegung ist die elementarste und einfachste Art und Weise der Fortbewegung.
  668. Mir genügen Feldwege, ich brauche – zumindest nicht direkt  – Autobahnen.
  669. Ich liebe meine und anderer Lebendigkeit und bin traurig, wenn sie nicht „wirkt“. Ich liebe nicht die Motoren, aber akzeptiere sie, wenn sie sinnvoll und notwendig sind. 
  670. Bezüglich der Quantität, der Geschwindigkeit, kann die Eigenbewegung mit der motorisierten Fremdbewegung nicht konkurrieren, hier ist sie hoffnungslos antiquiert – aber nicht bezüglich der Qualität: Die Eigenbewegung gehört zum Wesen des Menschen. Verzichtet er auf sie, verliert er sein Wesen.
  671. Bei Ortsveränderungen ist man nur  in der Eigenbewegung potentiell autonom.
  672. Eigenbewegung im Alltag ist nahe liegender, sinnvoller, leichter umsetzbar, vernünftiger, schonender für Umwelt, Stadt und Kommunikation  als Sport, Jogging oder Spazierengehen. Für Mannschaftssport gilt diese Aussage nicht.
  673. Ich bin Tausende Kilometer in meiner Stadt  zu Fuß gegangen, mit dem Rad gefahren und gelegentlich öffentliche Verkehrmittel. Das ist mein Beitrag zu ihrem Erhalt.
  674. Im Zustand der Eigenbewegung lernt der Körper ständig, wobei das Gelernte zuallererst Vorbegriffliches ist – quer durch den Wald lernt der Körper  mehr als auf einem breiten Forstweg oder gar auf einer asphaltierten Straße durch eine monotone Landschaft.
  675. Das Newtonsche System kann Eigenbewegung nicht denken, es hat dafür keinen Begriff.
  676. Nur die Eigenbewegung vermag sich selbst zu reflektieren.
  677. Die große Bedeutung für die Zukunft ist nicht die Eigenbewegung an sich, sondern Eigenbewegung im Alltag. 
  678. Körperliche Eigenbewegung  kann, wenn zuwenig, zu Dummheit und Seinsvergessenheit führen. Während die Erweiterung geistiger Eigenbewegung nicht schadet.
  679. Der Atem ist die erste und im weiteren Leben fundamentale Bewegung. Ohne Atmen kein Leben. Deswegen setzten die Griechen mit Recht das Atmen mit der Seele gleich. 
  680. Wir brauchen einen Paradigmawechsel zu einem Leben in Eigenbewegung: Es tut sich dann eine neue, einer bessere  Welt auf.
  681. "Im Vergleich zu 1980 nehmen die Briten heute pro Tag rund 600 Kalorien weniger zu sich und werden trotzdem immer dicker. Grund dafür sind vor allem sitzenden Tätigkeiten (wenn man Fernsehen und unnötiges Autofahren als Tätigkeit betrachtet, bm). Eine britische Ernährungsstudie zeigt, dass sich der Bewegungsmangel nicht mit Diäten wettmachen lässt" (ADFC Radwelt  2. 14).
  682. Der erste Beweger bei den Griechen bewegte sich selbst, er wurde nicht transportiert.
  683. Ja, die Eigenbewegung ist die Wesensbestimmung des Lebendigen überhaupt bei den Griechen, wobei die Bewegung vierfach ist: nach was, wie, wie viel und wo.  Und der Kernbegriff der Aristotelischen Ontologie der Bewegung ist _energeia_ bzw. _en-erg-eia_, d.h. das Am-Werk-sein einer Kraft, eines Potentials (_dynamis_) = die Bewegung selbst. Also besinnen wir uns darauf, daß wir wesenhaft Sich-selbst-bewegende sind, und was die Energie eigentlich d.h. Aristotelisch, bedeutet. (Diesen Hinweis verdanke ich Michael Eldred).
  684. Während der (anstrengenden) Eigenbewegung sind körperliche Glücksgefühle selten, aber diese Gefühle  stellen sich fast mit Sicherheit nach der körperlichen Anstrengung ein. Nach der Beendigung einer langen Autofahrt kennt der Körper dieses Glücksgefühl nicht.
  685. Wer nicht das innere Bedürfnis verspürt, im Alltag zu laufen, neugierig durch die Stadt zu durchstreifen oder sich aufs Rad zu schwingen,  dem müssen die Alarmglocken läuten: Denn das ist ein starkes Indiz dafür, dass seine Lebenskraft  stark reduziert ist.
  686. In der Eigenbewegung gibt es in der Binnenperspektive nur ein Jetzt, nur Gegenwart. These: Beim Gehen kommt kein erkenntnistheoretischer Zweifel an der bestehenden Wirklichkeit. 
  687. Eigenbewegung ist zwar immer auch mit Anstrengungen verbunden, aber vielleicht liegt gerade in der Anstrengung der Kern für kognitiven, emotionalen und physischen Gewinn.
  688. Eigenbewegung im Alltag macht Sport und Diäten überflüssig.
  689. Die tiefste Begründung für die „eigene“ Eigenbewegung entsteht, wenn der Mensch in sein Inneres hineinhorcht. Dort entdeckt er seine genuinen Bedürfnisse.
  690. Begründung für den Primat der Eigenbewegung: Ich laufe in die Stadt, weil es mir gut tut, ich fahre mit dem Rad zur Arbeit, weil es mr Spaß macht, ich fahre mit dem Zug, weil ich mich auch bewege, und es interessant finde – all das tue ich aus einem inneren Bedürfnis heraus. Das Argument „Um Energie zu sparen und die Umwelt nicht zu belasten“ ist zwar ein richtiges und wichtiges, aber es ist in meinem Fall ein sekundäres. D. h. Eigenbewegung ist ein Selbstzweck. Deswegen setzt  mein Ansatz der Eigenbewegung tiefer an als ökologische und ernergiesparende. Ich will primär den Mensch körperlich und geistig stärken. Aber die ökologische und die Energieproblematik sind in der Theorie der Eigenbewegung implizit enthalten.
  691. Der Blues hat mich in meiner Jugend sehr stark fasziniert, wohl auch, weil die Musiker sich rhythmisch mit großer Natürlichkeit zu ihrer Musik  bewegten. 
  692. Dinge lerne ich primär mit der Hand, Landschaften mit dem Fuß kennen.
  693. Walking is a key mode of transport and should be considered in the planning and management of the transport network (Walk 21)
  694. In der Eigenbewegung  entsteht das Gefühl „Ich habe etwas geschafft“. Ich habe die Landschaft nicht belastet, sondern gepriesen. 
  695. Ich gehe aus Egoismus. 
  696. Schmale Fußwege gegen breite Autostraßen. 
  697. Gerade Wege reduzieren Erfahrungsmöglichkeiten und Perspektiven.  Sie führen an viele Dinge vorbei, d. h. diese  sind für den Nutzer unsichtbar. 
  698. Wege liefern  viele Impulse für Reflexion und Phantasie. 
  699. Der Weg steht für relative Langsamkeit
  700. Auf dem Weg stehen Verharren und Ferne in einem lebendigen Verhältnis. Auf dem Weg kann man stehen bleibt. Hier ist man Subjekt. Man wird nicht von äußeren Bedingungen getrieben, höchstens von inneren
  701. Gehen durch Landschaften ist ein weiches Vorhaben. 
  702. Radfahrer und Fußgänger haben keinen Auspuff - von natürlichen Ausgängen abgesehen. 
  703. Autobahnen haben keinen Bahnhof, wo man auf Menschen trifft.
  704. Ein Fußgänger ist ein Freund der Landschaft und der Stadt, der Autofahrer deren Feind.
  705. Realisierte Eigenbewegung schafft das Potential für zukünftige Eigenbewegung.
  706. Eigenbewegung ist ein Sinn—Generator. Für diese Aussage gbit es insbesondere in der  Logotherapie Viktor Frankls überzeugende Belege.
  707. Erst in der Eigenbewegung entsteht die subjektive Sicherheit, wirklich zu sein und in der Wirklichkeit zu leben. Das ist der Unterschied, in einer Stadt zu gehen  und in den Google Maps in einem virtuellen Wagen durch dieselben Straßen zu fahren.
  708. Sie kennt und praktiziert  chinesische Fingerübungen, auch deren theoretischen Hintergründe sind ihr bekannt. Lernenswert! Wehrt sich aber kategorisch gegen jede Kritik des Autos. Das Auto ist für sie Lebensmittel. Eigenbewegung wird nur noch im Mikrobereich, nicht im Makrobereich ausgeübt.
  709. Das Leben ist das beste, weil effektivste  Lernmedium
  710. Die Eigenbewegung kann keiner einem abnehmen. passiert es, wird Eigenbewegung zur Fremdbewegung.
  711. Eigenorientierung ist auch eine Form der  Eigenbewegung. Diese Einsicht erklärt übrigens auch meine Abneigung gegen Navigatoren. 
  712. Vollkommener Unbeweglichkeit, d. h. keine Eigenbewegung, ist der Tod.  
  713. Eigenbewegung ist eine lebendige Bewegung, Fremdbewegung ist eine Bewegung ohne eigenen körperlichen  Einsatz. 
  714. Erst die Eigenbewegung im Alltag und dann als Addition sportliche Bewegung. 
  715. Ich schätze Sport nur als Mannschaftssport.
  716. Meine Zuversicht: Das Leben und damit die Eigenbewegung wird nach einer Phase der Faszination für  motorisierte Maschinen sich stärker als diese  erweisen. Ermutigende Zeichen gibt es schon.
  717. Wer sich bewegt, lebt auf hohem Niveau, wer sich transportieren lässt, auf niedrigem. 
  718. Sich bewegen ist eine zentrale Lebensäußerung. 
  719. Maxime: Den Körper für den Alltag stark machen (Studio Kieser), nicht schwächen. Gleiches gilt für den Geist.
  720. Gegen Stressoren im Sport haben  Sportler und die Gesellschaft keinen Einwand, wehren sich aber oft gegen  Eigenbewegung im Alltag - zumindest praktizieren sie nicht diese Form der Bewegung. 
  721. Die Natur heilt auf ihre Weise. Eigenbewegung ist eine natürliche Fortbewegung. 
  722. Naturerfahrungen sind wertvoll und kosten nicht viel. So Eigenbewegung im Alltag.
  723. Eigenbewegung ist Eustreß. Eigenbewegung ist das Gegenteil von Bequemlichkeit. Motore ermöglichen Bequemlichkeit.
  724. Der große Fehler im gegenwärtigen Denken besteht darin, den physischen Körper als ein Modell für die Beschreibung eines lebendigen Körpers, dem Leib, zu nehmen. So verläuft die Gesamtenergiebilanz in einem lebendigen Körper nicht linear, sondern erst steigend und dann fallend, d. h. zu Beginn entsteht mehr Energie als verbraucht wird, also ein Überschuss.
  725. Man sollte zusehen, dass man sich in "Schwierigkeiten" bringt, die aber nicht lebensbedrohlich und gesundheitsschädlich sein dürfen (Nassim Nicholas Taleb). Selbst zu gehen oder aufs Rad zu schwingen  und nicht ins Auto zu steigen, heißt, sich in Schwierigkeiten bringen - und damit zu wachsen.
  726. Kontextunabhänigkeit: Wer im Einkaufszentren laufen kann, kann auch zum Einkaufszentrum laufen.
  727. Stressoren haben innerhalb bestimmter Grenzen positive Wirkung. So auch im Regen laufen. 
  728. Bei ständigem Regenwetter ist das beste Mittel gegen Niedergeschlagenheit Regenzeug anziehen und loslaufen. Nach kurzer Zeit beginne man vielleicht sogar zu singen. Vita activa.
  729. Bereits durch mein eigenes Tun und Fühlen weiß ich mit Sicherheit von dem großen Wert der Eigenbewegung. Dazu brauche ich zusätzlich keine empirischen Befunde, die ja in diesem Fall  letztlich auch „nur“ auf der  Summe von subjektiven Aussagen beruhen. 
  730. Du erlebtst Wichtiges und Schönes, wenn du unter Menschen bist und direkter Kontakt möglich ist.
  731. Ein  paläontologisches Argument: Eigenbewegung über größere Distanzen war immer sinnvoll, d. h. man hatte ein Ziel. Deswegen plädiere ich vehement für Eigenbewegungen im Alltag. 
  732. Eigenbewegung ist auch ein Einsatz für das Besondere und für Individualität.
  733. In der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln steckt mehr Eigenbewegung als die des Autos: Hin zur Haltestelle, eventuell Umsteigen, Verlassen des Bahnhofs, selbst sich bewegen zum Sitzplatz in dem Waggon oder Bus.
    Der Mensch tendiert, wie jedes Lebewesen  zur Energieeffizienz.  Menschen, die dieses Prinzip verabsolutieren, verlieren ihr Menschsein. Sie ordnen sich total der Bequemlichkeit unter.  Kinder kümmern sich übrigens auch nicht immer um dieses Prinzip. 
  734. Die geistige Vielfalt und hohe kognitive Leistungen entsprechen  der körperlichen Bewegungsvielfalt.
  735. Um eine Stadt kennen zu lernen, muss man sie durchlaufen, nicht durchfahren.
  736. Johnann-Günther König spricht in seinem lesenswerten Buch "Zu Fuß. Eine Geschichte des Gehens"  von "Körperkraftmobilität" statt von "Eigenbewegung".
  737. Ein lebendiger Körper ist immer ein bewegter. Der menschliche Körper einschließlich seiner Bewegungen beeinflusst bzw. bestimmt direkt den Geist. Der Geist wiederum beeinflusst bzw.  bestimmt den Körper und seine Bewegungen. Die verschiedenen Beeinflussungsgrade kann man sinnvoll und fruchtbar  durch Vektoren darstellen.  Aber das sind natürlich Abstraktionen.
  738. Das Auto oder die  Eigenbewegung  erzeugen zwei verschiedene  Weltanschauungen und Logiken
  739. Beim Gehen ist Selbstvertrauen in das eigene körperliche und geistige Können  notwendig. Dieses Selbstvertrauen ist wahrscheinlich das Fundament für alle Fähigkeiten.
  740. Eigenbewegung im Alltag und abends mäßig essen ist ein erfolgreiches Vor-gehen (Mittel) gegen Übergewicht.
  741. Die Emanzipation vom Auto erfordert die Stärkung der Eigenbewegung.
  742. Gehen oder Radfahren erhöht die Möglichkeit, „Funken aus dem Alltag zu schlagen.“ 
  743. Erst die  Fähigkeit des Fußes ermöglichte die Fähigkeit der Hand. Der Fuß ist die Voraussetzung für die Hand. Heute werden zunehmend Hand und Fuß überflüssig.
  744. Der aufrechte Gang ist Voraussetzung für und Stärkung der  Ethik, Erkenntnis, Selbstbewusstsein. Verschwindet das Gehen, werden diese Fähigkeiten (natürlich statistisch) geschwächt.
  745. Körperkraft ist die Voraussetzung für Eigenbewegung.
  746. Müsste man nicht in Analogie zur Handlungstheorie eine „Fußlungstheorie“ entwickeln?
  747. Die wenigen Fußgängerstraßen, meistens nur eine Straße, sind die modernen Ghettos für Fußgänger in einer Stadt.
  748. Es geht in der Eigenbewegung bezüglich Ortswechsel allein um einen Radius – sagen wir – von fünf bis zehn Kilometer. Darüber hinaus sind öffentliche Verkehrsmittel angesagt.
  749. Gehen ist heute eine Restkategorie. Gehen ist nur noch in  Wohnungen, Einkaufszentren, öffentlichen Gebäude, Großveranstaltungsräumen und ausgewiesenen Naturräumen möglich und gestattet.
  750. Wie viel Prozent machen in Flensburg und in anderen Städten die Fußgängerstraßen im Gesamtstraßennetz aus?
  751. Geistige Regsamkeit und intensives Gehen stehen oft in einer Wechselbeziehung.
  752. Gehen verhindert bzw. vermindert schlechtes Denken (im Sinne von Thomas Bernhard) und zerstört nicht die Umwelt, sondern ehrt diese.
  753. Fuß und Rad stehen für eins humane, natur und –kulturverträgliche Mobilität.
  754. Gehen ist schöpferisches Tun, denn es entsteht  eine jeweils neue Welt. Schöpferisch, weil ganzheitlich, aus sich selbst heraus ohne Fremdhilfe und viele Möglichkeiten des Handelns können in Anspruch genommen werden. 
  755. Motorenkritik erzwingt Eigenbewegung, Eigenbewegung erzwingt Motorenkritik.
  756. Wer zu Fuß geht hat keine, wer mit dem Rad fährt hat geringe Parkplatzprobleme - und mehr Geld.
  757. Realer Fortschritt ist eben kein Schreiten, sondern zunehmende Motorisierung der  Lebenswelt.
  758. In  der Eigenbewegung bin ich  ein Teil der Welt, ich gehöre zu ihr, bin in ihr.  Beim Autofahren oder vor dem Fernsehapparat stehe ich unüberbrückbar vor ihr. 
  759. In den meisten Siedlungen gibt es keine Geschäfte und öffentlichen Orte mehr   - deswegen entfällt für viele „Bürger“ der Grund, sinnvoll ihre Füße zu nutzen.
  760. Leben ist im Kern körperliche und geistige Produktivität und das ist ganzheitliche Eigenbewegung.
  761. Walking is good for solving problems - it´s like the feet are little prychoiatrists (Peer Geardino).
  762. Jeder Mensch muss seine Räume erst schaffen. Das geschieht durch Gehen, Autofahren oder Betrachten von Filmen, so dass drei verschiedene Räume entstehen. Der „Geh-Raum"  ist von den drei Räumen das Original und der gehaltvollste.

  763. Der aufrechte Gang ist körperlich und geistig eines der hohen Güter, die dem Mensch geschenkt worden sind  - und er ersetzt das Gehen durch das Auto.
  764. In der Eigenbewegung gibt es Phasen, wo sie auch anstrengend, ja schmerzhaft werden können. Das wäre dann körperliches Selbstbewusstsein.
  765. Wenn ich durch die Straßen unseres Viertels gehe, werde ich relativ häufig von vorbeifahrenden Autofahrern freundlich gegrüßt. Das ist nett, aber weil ich sie oft nicht erkenne, wäre ich ihnen lieber ganzheitlich, gewissermaßen Aug´ in Aug´ begegnet.

  766. Hundehalter sind vielleicht die letzten Menschen, die zu Fuß gehen.
  767. These. Erst vom Standpunkt eines autofreien Lebens kann man die ungeheuren Verluste eines autozentrierten Lebens und die damit einhergehenden Zerstörungen erkennen.
  768. Es ist schon erstaunlich, wie innerhalb des Zeitraumes einer Generation Dialekte nahezu verschwinden, und wie aus der alltäglichen Eigenbewegung jede etwas größere Ortsveränderung nur noch mit dem Auto durchgeführt wird.  
  769. Auf der Erde bewirkt die Gravitation, dass alle Körper, auch die der Lebewesen,  nach unten, d. h. zum Erdmittelpunkt fallen, sofern sie nicht durch andere Kräfte daran gehindert werden. Zu den „anderen Kräften“ gehören nicht nur die physikalischen Kräfte, sondern auch die spezifische Kraft der Lebewesen, die es ihnen ermöglicht, in Freiheit ein Stück aus den physischen Determinationen idealiter selbst bestimmt  zu handeln. Zumindest auf der Ebene der körperlichen Eigenbewegung wird  diese Form der Bewegung zunehmend durch eine  sitzende Existenzweise ersetzt, egal ob im Fernsehsessel, Autositz oder Bürostuhl. Die Fähigkeit zur Eigenbewegung wird überflüssig und verkümmert.  Anders formuliert: Die sitzende Lebensweise ist eine Kapitulation gegenüber der Gravitation.
  770. Es macht Sinn, Radfahren Fahrrad und Gehen vom Antrieb her gesehen  gleichzusetzen, aber natürlich nicht von der Form.
  771. Schreiben ist geistige Eigenbewegung in schwierigem Gelände.

  772. Die öffentliche Diskussion  um Bewegung leidet immer noch zu sehr daran, dass Eigenbewegung mit Sport gleichgesetzt wird. Eigenbewegung im Alltag muss die Maxime sein.
  773. Eigenbewegung ist eine sinnvolle und  zumutbare Forderung, die fördert Sie ist vita activa.
  774. Ein bequemes Leben fördert die Bequemlichkeit. Unerklärliche Müdigkeit kann man nur durch Eigenbewegung beseitigen.
  775. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass nach einer  körperlich sehr anstrengenden Phase ich Stunden später in eine Phase hoher Klarheit im  Denken komme.
  776. The bicycle, an amazing tool for change. People all over the world are moving towards a new system. Will the economic power allow it? (Fredrik Gerrten)
  777. Eigenbewegung stärkt die körperlichen und geistigen Fähigkeiten des Menschen. Sie ist ein essentielles Lebensmerkmal. Es ist schon erstaunlich, dass immer mehr Menschen tendenziell auf sie verzichten, ja, diesen Verzicht genießen.
  778. Beim Gehen und Radfahren ist man ganz auf sich allein gestellt - und gerade das ist das Faszinosum.
  779. Beim Gehen und Radfahren kommt die Seele  mit Sicherheit mit.
  780. Nur in der Eigenbewegung wie im Gehen und beim Radfahre, aber auch im Schmerz wissen wir mit Sicherheit, dass wir einen Leib haben. Wir spüren ihn.  
  781. Eine organisierte Radtour führt in acht Tagen von Florenz nach Rom. Alle Mitglieder einer größeren Gruppe verschmähen die angebotenen E-Bikes. Eine Entscheidung  für die Eigenbewegung. 
  782. Meine Erfahrung: Im Gehen ist die Möglichkeit, Umwelt zu erfahren, am größten und am intensivsten.
  783. In der Eigenbewegung entstehen nicht nur Glücksgefühle, sondern es gibt auch Phasen der Gleichgültigkeit und auch das Gefühl des Fremden als leibliches Widerfahrnis.
  784. Der Unterschied: Er schwärmt davon, mit seinem Mercedes über die Autobahn zu brausen, ich schwärme davon, lange Strecken zu Fuß auf Feld- und Waldwegen zu gehen.
  785. Zwischen körperlicher und  geistiger  Eigenbewegung besteht keine Kausalität, sondern eher eine Perturbation im Sinne Luhmanns, d. h. ein System verfügt über eine mehr oder weniger große Autonomie, auf fremde Impulse zu reagieren.
  786. Eigenbewegung verbraucht Energie, schafft aber auch Kraft.
  787. Ein guter Arzt fordert auch die „Mitarbeit“ seiner Patienten. Alleine vermag er wenig. Mitarbeit ist Eigenbewegung.
  788. Die Sphäre des Tauschs ist der Eigenbewegung fremd: Eigenbewegung kann man weder kaufen noch verkaufen.
  789. Im Modus der Eigenbewegung gibt es nicht den Zustand der Langeweile.
  790. Ideal, wenn geistige und körperliche Vigilanz gleichzeitig vorhanden sind.
  791. Forderung der Vernunft: Keine Gleichberechtigung für  Autofahrer, sondern Vorfahrt für Fußgänger, Radfahrer und öffentlichen Verkehrsmittel.

  792. Körperliche Anstrengungen für Ortsveränderungen werden fast nur noch als Sport akzeptiert. Im Alltag gelten sie als unzumutbar.
  793. Eigenbewegung ist eine faszinierende Lebensqualität.
  794. Nicht nur Rousseau erklärte den Spaziergang zu Fuß zur natürlichsten und besten Form der Fortbewegung: Sie bringen den gehenden Menschen in Kontakt mit der Natur und mit anderen Menschen, sie stärkt seine Kraft und seine Gesundheit (nach Andreas Mayer).
  795. Auch nicht abwegig: Ich  gehe, also bin ich.
  796. Es ist für meine Identität ein kategorialer Unterschied, ob ich einen Kuchen sehe, den ich gebacken habe, oder der von einem Bäcker hergestellt wurde.
  797. Urbanität muss den Schwerpunkt auf Fußläufigkeit setzen. 
  798. „Der ritterliche, heldenhafte Geist, der einst die Reiter auszeichnete, scheint heute dem Fußgänger innenzuwohnen oder vielleicht in ihn eingesunken zu sein; fahrender Fußgänger statt fahrender Ritter“ (Henry David Thoreau). Ich kann das Empfinden gut nachvollziehen und beobachte es auch bei anderen Menschen.
  799. An der Eigenbewegung ist der Mensch äußerlich und innerlich konstituierend involviert, in der Fremdbewegung ist er bestenfalls steuerndes Moment.
  800. Neugierig sein und Reichtum genießen: Zwei bekannte Autoren treffen sich  in Bonn auf dem Hauptbahnhof. Beide wollen zu einem Kongress nach Bad Godesberg, der erst in drei Stunden beginnen sollte. Statt nun ein öffentliches Verkehrsmittel oder eine Taxe dorthin zu nehmen, beschließen sie, die Strecke wahrnehmend und diskutierend zu Fuß zu gehen. Das hat zwar zwei Stunden gedauert, aber den Gewinn muss man zumindest in Wochen berechnen. Das nenne ich gelebte Autonomie. 
  801. Die außersportliche Eigenbewegung bietet keinen Ansatz, mit ihr Geld zu machen. Deswegen erfordert es Charakterstärke, sie  intensiv einzusetzen.
  802. Erfahrung: Eigenbewegung frißt Langeweile.
  803. Eigenbewegung kann man nicht kaufen. Vielleicht hat sie es deswegen so schwer, wird immer weiter zurückgedrängt und durch Motorenbewegung ersetzt.
  804. Praktisches Wissen beruht auf einer Handlung, die der Wissende selbst vollbringt, d. h. sie beruht auf Eigenbewegung. Diese Erfahrung aus sich selbst ist ein großer und einzigartiger Wert.
  805. Die  beste Medizin gegen viele Krankheiten ist das Sichbewegen. 
  806. Eigenbewegung besteht für sich selbst und wächst aus sich selbst (in Anlehnung an einer Formulierung Heideggers).
  807. Basis  und Quelle des Lebens ist die Eigenbewegung. Auf körperliche Eigenbewegung bauen geistige auf. Eigenbewegung als Gehen  ist elementar, autonom,  konkret, erdverbunden, eigen. Geistige Eigenbewegungen bilden wie bei den Peripatetikern eine  Einheit mit  dem Gehen oder haben im sitzenden  oder stehenden Denken nur noch vergessene Spuren des Gehens.  
  808. Das Plädoyer für Eigenbewegung und die Kritik der sitzenden Gesellschaft, insbesondere die des Autos, der Motore und des passiven Medienkonsums sind zwei Seiten derselben Medaille.
  809. Wandern heißt, sich der Natur anzupassen, Autofahren funktioniert nur, wenn die Natur dem Menschen angepasst wird. 
  810. Gehen und Autofahren verhalten sich wie schwierige Texte lesen zum gewohnheitsmäßigen Fernsehkonsum. 
  811. Es gibt keine reine Fremdbewegung und keine reine Eigenbewegung: Jede Handlung ist immer ein Gemisch von beiden, allerdings mit verschiedenen Anteilen. So hat Lesen schwieriger Texte und Radfahren wesentlich mehr Eigenbewegungsanteile, oberflächliche Bilderbetrachtung und  Autofahren wesentlich mehr Fremdbewegungsanteile.
  812. In meiner  Eigenbewegung hat alles seinen Grund in meinem  Leib und Geist.
  813. Nach meinen Erfahrungen und  Überlegungen wird dem  Sport als Antwort auf die Entwicklung zur sitzenden Gesellschaft eine Aufgabe zugewiesen,  die dieser grundsätzlich nicht  bewältigen kann.  Nur Eigenbewegung im Alltag ist die nachhaltige Lösung: Möglichst zu Fuß, mit dem Rad, selbst die Nutzung von  öffentlichen Verkehrsmitteln ist immer mit Eigenbewegung verbunden. Solch eine Lebensweise dient nicht nur dem Körper, sondern erschließt  die Schönheit der natürlichen und sozialen Umwelt und schont diese. Nur diese Form der Bewegung vermittelt primären Sinn und fällt deshalb relativ leicht.“ 
  814. Die ideale Eigenbewegung ist körperliche und geistige Intensität in einem.
  815. Ein gutes Zeichen: Alternative Lebensweisen werden heute oft auf Zeit gewissermaßen experimentell praktiziert wie Radfahren im Urlaub, mit dem Zug fahren, durch Innenstädte laufen, …
  816. Platon, Aristoteles  und auch die Aufklärung erkennen im Erkenntnisprozess nur die Arbeit und die Ergebnisse der Vernunft an. Insbesondere  im letzten Jahrhundert wurden dann auch die Leistungen der Sinnesorgane anerkannt und dann die des  Leibes, der mehr ist ein reiner Träger von Mentalität. Jetzt gibt es erste Anzeichen, allerdings mehr praktisch aufzeigend als theoretisch argumentierend, dass die Bewegungen des Leibes für Denken, Fühlen, Handeln und Identität konstitutiv sind. Auf die letzte Aufgabe sind  meine Überlegungen ausgerichtet. 
  817. Ich lehne E-Bikes und Pedelecs ab, weil sie den kategorialen Unterschied zwischen Fahrrad und Motorrad scheinbar überwinden. Damit zerstören sie das gar nicht hoch einzuschätzende Verdienst der Fahrradbewegung als Plädoyer für Eigenbewegung.
  818. Die wichtigste Einsicht: Der Leib eines Lebewesens  ist immer ein sich bewegender. Wenn er sich nicht bewegt, ist er ein toter Körper. Wenn wir von Leib sprechen, wird in der Regel primär die Eigenbewegung thematisiert.  
  819. "Walking is good for solving problems - it´s like the feet are little psychiatrists" (Peter Giardino).
  820. These: Nichtmotorisiert zu sein, ist heute ein Ausdruck von Luxus.
  821. Die Eigenbewegung muss aus sich selbst heraus beginnen und durchgeführt werden. Die Eigenbewegung ist eine eigene Leistung, keiner und keines kann einem dabei helfen, auch nicht Motore.

  822. Wer rastet, rostet. Immer mehr Menschen werden "Raster". 

  823. Meine Wahrnehmung: In Berlin-Mitte haben Radfahrer ihre andressierte Unterwürfigkeit abgelegt. Dort findet auf den Straßen eine Entschleunigung statt. 

  824. Die positiven Folgen von großen Anstrengungen treten erst späterr ein. 
  825. Die Eigenbewegung im Mikrobereich wird in meinen Aussagen viel zu wenig berücksichtigt.
  826. Sinn entsteht im Leben. Das Leben ist immer auch an einen sich bewegenden Leib gebunden, d. h. Leben  ohne Leib ist nicht möglich. Der  individuelle Leib in der Eigenbewegung ist der eigentliche Ort, wo Werte und Erfahrungen entstehen.
  827. Der  individuelle Leibe in der Eigenbewegung ist der eigentliche Ort, wo Werte und Erfahrungen entstehen.
  828. Bewegungslosigkeit ist ein Spezialfall der Bewegung. Wir sind dabei, den Spezialfall zur Norm und Normalität zu machen. Das ist dann die sitzende Gesellschaft.
  829. Zu wachsen ist etwas Schönes, auch wenn man erwachsen ist“ (Malu Dreyer). Diese Wachsen kann man nicht kaufen, denn es ist auch eine Art der Eigenbewegung.
  830. „Doch obwohl Wnendts Film sich keinem Pornographieverdacht  sich aussetzt, wirken sein Bilder schockierender als die des Romans, weil man sich ihrer als Zuschauer nicht erwehren kann. Als Leser behält man stets die Kontrolle über seine eigenen Imaginationen, kann unbehagliche Stellen erst gar nicht an sich heranlassen, die umblättern oder das Buch weglegen. Diese Möglichkeit zur inneren Distanzierung lässt das Kino nicht zu“ (Felicitas von Lovenberg, FAZ v. 12. 8. 13,  in der Rezension des Romans „Feuchtgebiete“).
  831. In einer Zugfahrt (von Bahnhof zu Bahnhof) stecken viel mehr Eigenbewegungen und Erfahrungsmöglichkeiten als eine Autofahrt (von Haus zu Haus. Von Sessel zu Sessel bzw. von Bett zu Bett ist eine der großen Zukunftsaufgaben.
  832. Körperliche und geistige Eigenbewegung schafft Festigkeit.
  833. Das Strampeln eines Babys ist seine Methode, seine Energie in Form zu bringen. Lasst ihn strampeln. Übrigens sollte auch die Erwachsenen ihrem Alter  angemessen „strampeln“.  Und Strampeln im Sinne von Eigenbewegung ist immer auch ein geistiger Ausdruck.
  834. Ein Lächeln ist wie eine schöne Landschaft, die mich aufnimmt.
  835. Die Aufbabe: Die Physiologie der Eigenbewegung von außen und  von innen zu beschreiben.
  836. Eigenbewegung ist nicht käuflich.
  837. Auf einem Musikinstrument spielen zu können, ist  natürlich Eigenbewegung pur.
  838. Um ein Ziel zu erreichen, muß man sich körperlich und/oder geistig bewegen.
  839. Beim Sport ist die Bewegung Selbstzweck, bei Eigenbewegungen im Alltag entsteht gewöhnlich eine Synthese aus Selbstzweck und Zielbestimmung.
  840. Vielleicht sind Grenzerfahrungen diejenigen, die nur bis zur Grenze gelangen, diese aber nie überschreiten.  Zum Wesen der Eigenbewegung gehören unaufhebbar Grenzen, die allerdings verschiebbar sind.
  841. Kein Auto, weniger Sorgen,  mehr Eigenbewegung  und wesentlich höhere Lebensqualität.
  842. "Utopia wird voller Redwege sein" (H. G. Wells).
  843. Zweitausend Menschen folgten einem Aufruf der kanadischen Organisation „World Naked Bike Ride“ und sind  durch das Zentrum von Mexiko-Stadt geradelt, um für den Abschied von Auto und Erdöl zu werben. Ich frage mich aber, welcher Zusammenhang zwischen nackt und Rad besteht.
  844. Eigenbewegung gehört eindeutig zur Lebenswelt, sie ist genuiner Ausdruck des Lebens.
  845. Papst Franziskus fährt mit dem Bischofsbus mit der Begründung „Ich will unter Menschen sein“.
  846. Mein Leib und somit auch meine eigenen Bewegungen (Eigenbewegung) sind unvertretbar
  847. Nur in der Eigenbewegung bin ich in der Welt. Im Auto, Zug oder Flugzeug bin ich im Auto, Zug oder Flugzeug,d. h. nicht unmittelbar in der Welt.
  848. In der Eigenbewegung ändern sich die Bedürfnisse.
  849. Eigenbewegung kann man problemlos  aus der Außenperspektive beschreiben, die Beschreibung der inneren, subjektiven Seite kann bestenfalls nur eine Annäherung sein.
  850. Ein Leben im Modus der Eigenbewegung erzeugt im Bewusstsein  eine andere Welt als im Modus der Fremdbewegung. Später wird auch die reale Welt gemäß den Werten der Fremdbewegung umgestaltet. Das erklärt, dass Eigenbewegung auch eine genuin politische Kategorie ist. 
  851. Die Eigenbewegung ist kein Zugefügtes, sondern Wesentliches.
  852. Nur im Modus der Eigenbewegung kann man - wenn man denn will - stolz auf eine größere Ortsveränderung sein, sonst ist es Selbstbetrug.
  853. Leben ist, die innen und außen wirksame Schwerkraft in der Eigenbewegung zu überwinden. Die in diesem Prozess entstehenden körperlichen, geistigen und seelischen Eigenschaften machen den Menschen aus. 
  854. Nur in der Eigenbewegung spüren wir die Schwere des eigenen Körpers und der Dinge.  Erst dadurch bekommen Dinge (und wir selbst) Realität.
  855. Wie man der Demenz davonläuft. Körperliche Fitness schlägt alle anderen Präventivmaßnahmen für Demenz. Erklären können Forscher den Effekt allerdings noch nicht“ (FAZ v. 29. 5. 13).
  856. Das Problem ist, dass das Wort „fahren“ die Ortsveränderung mit einem Auto oder mit dem Rad undifferenziert thematisiert,  obwohl zwischen beiden Arten der Fortbewegung  Welten liegen.
  857. Das Wesen der Eigenbewegung besteht darin, einen eigenen Weg zu finden und ihn dann zu begehen: Wenn du nicht selbst deine Entscheidungen entscheidest, tun es andere Menschen und Mächte für dich.
  858. Wenn man sich als eine Funktion der wirtschaftlich machbaren Technik versteht, ist Eigenbewegung antiquiert bzw. nicht zeitgemäß.
  859. „Italiener wollen beim Einkauf flanieren“ (FAZ v. 21. 5. 13).  Das gehört zur Lebensqualität - auch wenn das seinen gerechten Preis hat.
  860. Eigenbewegung ist der Gegner des moralischen Nihilismus und der Langeweile, denn in ihr und durch sie entsteht fast zwangsläufig Sinn.
  861. "Du bist frei zu gehen" (aus einem Kirchenlied).
  862. Die Bewegungen des Geistes sind immer Eigenbewegungen. 
  863. Die Evolution spricht eindeutig dafür, dass der Mensch ein sich selbst bewegendes Lebewesen ist. Das heißt, dass Eigenbewegung ein essentielles Vermögen des Menschen ist. Gibt er sie auf, nimmt er als Mensch Schaden.
  864. Autofrei leben ist eine Lebenseinstellung, die sich aus einem bestimmten Selbstgefühl speist.
  865. Eigenbewegung setzt Freude an sich selbst,  die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel die Neugierde und Interesse an anderen Menschen voraus.  
  866. Rückenleiden – unvermeidlich? Die Aussage des Präventivexperten Michael Tiemann, dass „körperliche Belastungen den Rücken stärken, während Schonung ihn schwäche“ ist die entscheidende Ursache der zunehmenden Rückenleiden. Im Schnitt läuft ein Bundesbürger täglich nur noch 650 Meter außerhalb von Gebäuden und sitzt drei Stunden vor dem Fernsehapparat.  Wir sind zu einer sitzenden Gesellschaft geworden, teilweise unvermeidlich, teilweise ohne Notwendigkeit. Die Therapie? Eigenbewegungen im Alltag: mit dem Rad zur Arbeit und zum Einkaufen fahren, zur nächsten Busstation laufen, abends zu Fuß ins Theater oder Kino gehen, einen Spaziergang machen und Kindern die Chance geben, draußen zu spielen  (aus einem  nicht veröffentlichten Leserbrief im shz).
  867. Eigenbewegung schont die Umwelt.
  868. Ein Radfahrer fährt zügik an unserem Haus vorbei, es wirkt auf uns  wie ein hingehauchtes Zeichen. Ein schnell vorbeifahrendes Auto lässt Gestank, Krach und Fahrtwind hinter sich.
  869. Eigenbewegung schafft Einheit mit der Umwelt, Fremdbewegung trennt von der Umwelt.
  870. Nach Aristoteles bewegt sich ein Körper nach seiner Natur. Jeder Körper hat ja nach Art seinen Ort, zu dem er strebt. Nach Newton dagegen sind Trägheit und Schwere die Haupteigenschaften aller Körper (Massen). Deswegen werden die Bewegungen eines Körpers von der auf sie  einwirkenden Gravitation und aktuellen anderen Kräften bestimmt. Die Eigenbewegung ist deshalb angemessen mit dem aristotelischen, die Fremdbewegung  mit dem Bewegungsbegriff Newtons beschreibbar.
  871. Ein Sonderfall: Der Konstrukteur und Ingenieur von Motoren sind im Prozess der Herstellung im Modus der Eigenbewegung, aber ihre Produkte erzwingen Fremdbewegung.
  872. Äußere Ruhe als Abwesenheit von elektronischen Unterhaltungsmedien ist hilfreich, um innere Bewegungen zu ermöglichen.
  873. „Die Aufgabe, Flügel zu schaffen“ (Wilhelm Lehmann) gilt nicht nur für die Pädagogik, sonder auch für die Bewegung. Aber es geht um eigene Flügel, keine gekauften. 

  874. Eine (unvollständige) Traditionslinie: Schopenhauer > Nietzsche > Humanistische Psychologie > Eigenbewegung.
  875. In der Eigenbewegung erlebt und erkennt man das menschliche Maß.
  876. Die naturwissenschaftlich ausgerichtete Medizin hat mit dem Sport die Präferenz für exakte Zahlen gemeinsam. Deswegen hat Medizin  bei Bewegungsfragen überwiegend den Sport, nicht die Eigenbewegung im Alltag im Fokus. 
  877. Der Ausdruck „Meide die bequemen Wege“ ist nicht gemeint in dem hier entwickelten Sinn, denn immerhin geht man einen Weg, wenn auch bequemen. Deswegen: „Meide die Bequemlichkeit um ihrer selbst willen“. Muße im Sinne von innerer Ruhe wäre übrigens der Gegenbegriff zu Bequemlichkeit.
  878. Der Weg i. w. S. und die körperlich-geistige Eigenbewegung bilden eine untrennbare Einheit. Der Weg i. w. S. umfasst seine Materialität, die Menschen, die Bauten, die Pflanzen und Tiere am seinen Rändern  und  seine Geschichte - oder er ist entleert.
  879. "Wir nutzen das Auto kaum. Es steht in der Garage. Die  Metro-Station ist ums Eck, und wenn wir reisen, fahren wir mit dem Taxi zum Flughafen. Ich persönlich mag keine Autos" (Patricia Urquiola, Designerin).
  880. Eigenbewegung kann letztlich nur aus der Binnenperspektive gespürt und erkannt werden. Die Eigenbewegung ist deshalb auch gefährdet, weil ihr unverzichtbarer Wert nicht mit anderen geteilt werden kann.
  881. Eigenbewegung im Alltag erspart den Gang ins Fitnessstudio und sportliche Aktivitäten (außer Mannschaftssport!). 
  882. „Wer rastet, der rostet.“ Autofahren ist aus der Perspektive der Eigenbewegung Rasten und damit Rosten.  Ein Gegenargument dazu lautet „Stimmt, aber dafür mache ich Sport.“  Dazu mein Einwand „Warum dieser Umweg, der Zeit und Geld kostet?“
  883. "Ich fahre total gern mit dem Fahrrad zur Arbeit, weil ich das Urlaubsfeeling auf dem Drahtesel einfach liebe" (Finn Jensen, Flensburg Fjord Tourismus).
  884. Kurze Wege zu Fuß oder mit dem Rad - im Gegensatz  zum Auto - nehmen relativ wenig Platz in Anspruch. Deswegen sind sie auch „stadtkompatibel“.
  885. Eine echte Frage ist Ausdruck einer Eigenbewegung.
  886. Das Rad hat im Freizeitbereich einen  begrüßenswerten Aufschwung vorgelegt. Es fehlt immer noch die breite Anwendung im Alltag.
  887. Wer Eigenbewegungen durch motorisierte ersetzt, wird letztlich selbst ersetzt: Die Logik und die Bestrebungen eines Selbst werden zunehmend zu denen eines Motors.
  888. Im Modus der Eigenbewegung hat man große Möglichkeiten,  vom Leben direkt etwas aus der Binnenperspektive zu erleben (ich schreibe hier absichtlich nicht "erfahren").
  889. Jede Eigenbewegung hat ihr Tempo. So halte ich jede Art von Rennsport für unnatürlich.
  890. Eigenbewegung heißt: Es ist meine Bewegung, in der mein Leib, mein Geist und meine Seele konstitutiv beteiligt sind. Eigenbewegung ist ganz mein Ding. In der Eigenbewegung bin ich in meinem eigenen Maß. 
  891. Meine Zivilisationskritik wird wesentlich von der Nichtbefriedigung  physiologischer  und sozialer Bedürfnissen des Menschen  in dieser Zivilisation abgeleitet.
  892. Im Gegensatz zu Autos und Motorrädern haben Fußgänger und Radfahrer  keinen Auspuff.
  893. In der Eigenbewegung im Alltag erhöht  sich beträchtlich die Zahl möglicher sozialer Kontakte.
  894. Je schwächer die Lebenskraft bzw. das Zutrauen, sie zu aktivieren, desto mehr werden Motore aller Art in Anspruch genommen.
  895. Beim Gehen und Radfahren lebt der Leib des  Menschen, beim Autofahren ist er still gestellt, fast tot.
  896. Der Fortschritt der Gegenwart hat wenig mit Schreiten, sondern viel mit dem Fahren i. w. S. mit Hilfe von Motoren zu tun.
  897. Karl R. Popper unterscheidet drei Universen: „erstens die Welt der physikalischen Gegenstände oder physikalischen Zustände; zweitens die Welt der Bewusstseinszustände oder geistigen Zustände oder vielleicht der Verhaltensdispositionen zum Handeln ); und drittens die Welt der objektiven Gedankeninhalte, insbesondere die wissenschaftlichen und dichterischen Gedanken und der Kunstwerke.“ Die zweite Welt nenne ich die "subjektive Welt", die in der Eigenbewegung ein besonderes Gewicht erlangt.

  898. Eigenbewegung fordert und fördert in mehreren Hinsichten.
  899. "Heideggers Anliegen besteht in der grundsätzlichen Unterscheidung von menschlichem Sein und Dingen. Während die Tradition in ihrer Bestimmung des Menschen auf Kategorien zurückgegriffen hatte, sieht Heidegger in der Existenz des Menschen dessen herausstechendes Merkmal. Kategorien sind allgemeinste und grundlegendste Beschreibungen von Eigenschaften von Dingen; deren Qualität, Quantität, Relation und auch deren Substanz. Das Grundproblem besteht nun darin, ob der Mensch als Ding unter anderen Dingen betrachtet werden solle oder nicht"(aus Wikipedia "Existenzialien"). Eigenbewegung ist ein Existenzial.
  900. Eigenbewegung ist selbst tun, nicht machen lassen. „Man macht wieder lebendige Erfahrungen (Pastorin Dorothee Svarer). 
  901. Lebendige Erfahrungen sind Erfahrungen, die nicht durch Teilnahme an motorisierten Bewegungen entstehen.
  902. Wirklichkeit und Zahlen über die  Wirklichkeit  sind nicht identisch. Gleiches gilt für Eigenbewegung und Fremdbewegung.
  903. Leben = Eigenbewegung
  904. Deine Eigenbewegung ist nicht meine.
  905. Eigenbewegung sichert und stärkt die Ahnung bis das Wissen des eigenen Könnens.
  906. Nach Thomas von Aquino ist  die Seele nicht ein Teil des Körpers, die  den Restkörper lenkt  wie ein Kapitän  sein Schiff, sondern dieses tiefste Eigene ist im ganzen Leib wirksam. Wenn das stimmt, wovon ich überzeugt bin, dann ist Eigenbewegung ein Ausdruck der Seele.  Findet dieser Ausdruck nicht statt, verümmert sie.
  907. Eigenbewegung ist ein aktiver, Fremdbewegung ist ein passiver Modus. Der aktive Modus schließt Welt auf, der passive verdunkelt sie.  Eigenbewegung ist ein gefährdetes Existential.
  908. Eine sitzende Lebensweise verzichtet auf Eigenbewegung.
  909. Eigenbewegung ist die unaufhebbare Einheit von Körper, Seele und Geist, die gleichwertig und gleich stark beteiligt  sind. Beim Autofahren sind alle drei Vermögen unterfordert. 
  910. Bildung beruht auf geistiger Eigenbewegung. Bildung = Reichtum.
  911. Im Gegensatz eines Lebens an der Oberfläche erschließt die  Eigenbewegung tiefere Schichten des Seins.
  912. Das, was in und durch die Eigenbewegung entsteht, kann man nicht kaufen.
  913. Maxime: Gehe zu Fuß und fahre Rad – und du lebst und erlebst.
  914. Im Rahmen der internationalen WALK-21-Konferenzen wurde eine Erklärung abgestimmt, die Einzelpersonen und Institutionen online unterzeichnen können.
    Ziel ist die Schaffung von gesunden, leistungsfähigen und nachhaltigen Städten und Dörfern, in denen Menschen gerne zu Fuß gehen. Im Einzelnen geht es um Mobilität für alle, gut gestaltete und gepflegte Räume und Plätze, Wegnetzentwicklung, unterstützende Raumplanung, Verkehrssicherheit, Vermeidung von Angsträumen, behördliches Handeln und eine "Kultur des Gehens"
  915. Die Muskeln sind der physiologische Kern der körperlichen Eigenbewegung. Bewegen sie sich, fließt Energie.
  916. Informationen kann man nahezu ohne muskuläre Tätigkeiten erwerben. Erfahrungen ohne Muskeln sind keine Er-fahr-ungen. „Fahren“  hier im Sinne von fahrenden Studenten, die liefen nämlich.  
  917. Da Krankheit zuallererst eine Empfindung und  Gesundheit wesentlich ein Urteil ist, ist es so schwer, die Zufriedenheit in der Eigenbewegung zu beschreiben.
  918. Geistige und soziale Funktionen sind auf sensomotorischen Prozessen aufgebaut. Die Eigenbewegung gehört zu den sensomotorischen Prozessen.
  919. Ausdrücke wie „Es geht“, "Es geht voran“ oder "Mir geht es gut" zeugen von der Wichtigkeit des Gehens. Auf dieser Ebene hat man noch nicht Gehen durch Fahren ersetzt. 
  920. Vermutung: Man spürt bei der Eigenbewegung nicht die  Muskeln, sondern die in unterschiedlichen Konzentrationen und Schüben durch sie fließende Energie, die von hormonalen Prozesses begleitet werden.  Die Schwierigkeit das zu verstehen, besteht darin,  physiologische Prozesse in psychologische, d. h. Verstehensprozesse zu transformieren. Dieser Umwandlungsprozeß verfehlt das Gemeinte auch immer mehr oder weniger. Es entstehen Identitäten, aber auch Differenzen.
  921. Alle medizinischen Befunde sprechen für Eigenbewegung. Trotzdem gibt es immer noch viele Menschen, die einseitig gegen ihre Interessen die Fortbewegung mit dem Auto vorziehen. Wieso ist diese menschenfeindliche Konditionierung so wirksam?
  922. Eigenbewegung ist Lebenslust. 
  923. Eigenbewegung ist aus der Sicht des technischen Fortschritts überflüssig, ineffizient, antiquiert.
  924. Die Muskeln generieren  indirekt Sinn: Aus muskulären Aktivitäten entsteht über den kinästhetischen Sinn Sinn. 
  925. Die Eigenbewegung ist eine Tat, die wesentlich hilft, die eigene Existenz zu konstituieren und zu stärken. Fremdbewegungen, wie Autofahren in Gang zu setzen,  sind dagegegen Schwundformen einer Tat -  Tätchen. 
  926. Die notwendige Bedingung für die Emanzipation vom Auto ist ein existentielles  Ja zur Eigenbewegung.
  927. Die Muskeln ermöglichen a) körperliche Veränderungen und b) vermitteln die Gewissheit der eigenen Existenz = Selbstbewusstsein, das  im fundamentalen Bereich das Selbstbewusstsein stärkt.
  928. Die Eigenbewegung  ist der Gegner des Scheins. Der sich bewegende Leib verkörpert eine einzigartige Wahrheit.
  929. Muskuläre Tätigkeit stärkt sich selbst.
  930. Zur Eigenbewegung gehört Freiheit.
  931. Nur Eigenbewegung ist wirkliche, ist menschliche  Bewegung. Überall, wo wir  im Modus der Eigenbewegung waren, ist tiefere Bedeutung entstanden.
  932. Heimat, Städte und Landschaften im eigentlichen Sinne entstehen nur durch Eigenbewegung.
  933. Die Verdrängung der Eigenbewegung steht im Einklang der mit der bereits im Platonismus und frühen Christentum beginnenden Körperverdrängung.
  934. In der Philosophie (Vaihinger, Wiesing u.a.) gibt es die Auffassung, die allein der Empfindung den Status der wirklichen Wirklichkeit zugesteht. Ich sehe in der Eigenbewegung das Fundament der Wirklichkeit. Von hier aus konstruiert der Mensch seine Umwelt und sein Selbst.
  935. "Das Gehen ist das große Abenteuer, die erste Meditation, eine Übung der Herzlichkeit und der Seele - die ursprüngliche Erfahrung des Menschen. Das Gehen ist die ausgewogene Balance von Geist und Demut. Beim Gehen bemerkt man, wo Nahrung ist" ( Gary Snyder "Lektionen der Wildnis"). Auf dieses Zitat bin ich von der Autorin Bettina Hartz aufmerksam gemacht worden, dafür Dank).
  936. Sich selbst bewegen ist Leben. Ohne Eigenbewegung ist ein Mensch un-eigen-tlich.
  937. Wenn es keine Freiheit gibt, verliert die Eigenbewegung an Substanz.
  938. Bergdörfer von unten zu sehen, fasziniert mich. Ich vergesse nie das hochgelegene Vinci, dem Geburtsort von Leonardo da Vinci. Wir fuhren mit dem Rad vorbei, ohne hinaufzugehen, was ich bis heute bedaure. Aber dieses Bedauern ist vielleicht unberechtigt, denn es musste sein Geheimnis nicht preisgeben.
  939. Alles Können und alle Fähigkeiten des Menschen beruhen auf angeborene Anlagen. Es gilt, diese Anlagen zu erhalten. Man darf sie nicht einfach ungenutzt in ihrer ursprünglichen Ausprägung hinter sich lassen. 
  940. Faktisch verhält sich zunehmend der Mensch, als ob er zur Eigenbewegung nicht mehr fähig sei, als ob er gelähmt sei. Wir  lassen es zu, eine  Gesellschaft von Gelähmten zu werden. 
  941. Jede Berührung eines Lebewesens berührt letztendlich dessen Seele. Materielle Gegenstände wie Maschinen haben keine Seele.
  942. Ein Heilpraktiker wirbt mit dem Slogan „Die Schritte zur Heilung“. „Schritte“ ist hier sicherlich metaphorisch gemeint, aber Schritte selbst heilen auch. 
  943. Beim Gehen (eine Form der poiesis) schaffe ich durch mein Gehen Neues, beim Autofahren entsteht für mich in der Regel nichts Neues.
  944. Zu den sechs elementaren Merkmalen des Lebens gehört die Bewegung, aber damit ist immer unverständlich und eindeutig Eigenbewegung gemeint. In dieser Definition wird  Fremdbewegung nicht thematisiert. Teile der Waren produzierenden Industrie sind intensiv bemüht, genau diesen Unterschied zu verwischen: Es ist  danach egal, ob der Mensch sich mit Eigenkraft oder Fremdenergie bewegt – und immer mehr Menschen übernehmen diese Position. 
  945. Eigenbewegung ermöglicht elementare Selbsterhaltung
  946. Man kann  die sechs Merkmale des Lebens (Bewegung,   Wachstum,   Stoffwechsel,   Reizbarkeit,  Fortpflanzung und  Aufbau aus Zellen)  minimalisieren, aber nicht eliminieren. Tut man es trotzdem, erlischt das Leben. 
  947. Gehen bzw. Laufen sind  kategorial eine andere Bewegungsform als die Bewegung des Rades. Das ist der Unterschied zwischen Leben und Technik, zwischen Gleichmäßigkeit und Rhythmus, zwischen Eigenbewegung und Fremdbewegung. Gehen und Laufen basiert auf  metabolischer Energie, Radbewegungen zunehmend auf exogener Energie.  Radfahren oder Pferdewagen beruhen auf  einer Synthese von metabolischer Energie  und Rad, motorenbetriebene Fortbewegungsmittel wie Auto oder Zug beruhen auf einer Synthese von exogener Energie und Rad. 
  948. Die Gleichmäßigkeit des Rades fasziniert den Menschen ungemein, vielleicht empfindet er sie als eleganter und  perfekter als seine rhythmischen Bewegungen. Wenn mit exogener Energie angetriebene  Räder sich sehr schnell bewegen, werden und wirken sie aggressiv.
  949. Die Reduzierung bzw. Minimalisierung der Eigenbewegung hat Auswirkungen auf anderen Merkmale des Lebens.
  950. Körperliche und geistige Eigenbewegung ist das, was den Menschen auszeichnet. Und gerade sie befindet sich in allergrößter Gefahr, weil immer mehr Menschen ihre Beseitigung nicht nur nicht bemerken, sondern sogar nach Kräften fördern.
  951. Eigenbewegung ist das gemeinsame Prinzip vieler bedrohter Aktivitäten des Menschen.
  952. Der Autor dieser Notate ist auch in anderen Feldern tätig, so hat er eine Genossenschaft auf Gegenseitigkeit mit folgendem Geschäftsmodell gegründet: Autofahrer bekommen für jede Fahrt fünf Euro Schmerzensgeld, während Radfahrer für den damit zusammenhängenden Lustgewinn fünf Euro in die Kasse einzahlen. Wenn ein zahlenmäßiges Gleichgewicht  erreicht ist, an dem noch gearbeitet werden muss, beginnt die Genossenschaft zu arbeiten.
  953. Newtons Physik kennt nur "Fremdbewegung" (die dynamische Wirkung der Kraft auf einen Körper).  Eigenbewegung ist in dieser Perspektive indirekte  Fremdbewegung und wird erst sekundär durch Bearbeitung zur Eigenenergie. Deswegen hat sie es in unserem von den Naturwissenschaften geprägten Weltbild so schwer. Der Wert der Eigenbewegung liegt primär im subjektiven Erleben und im Umweltschutz.
  954. Für den Schriftsteller Carlo Levy waren  nicht die Materie von Lebewesen, sondern die Energie, die Lebewesen in ihren Bewegungen ausstrahlen, die entscheidend wichtige Dimension.  Ohne Energie ist Materie tot. Das ist ein starkes Argument für die Eigenbewegung. 
  955. Gehen und Wandern sind  nachhaltig, weil der ganze körperliche, seelische und geistige Mensch aktiviert wird. Autofahren, außer in Unfällen, hinterlässt wenig in der Erinnerung. Zu diesem Zwecke lasse eine Wanderung und eine längere Autofahrt vor deinen Augen Revue passieren.
  956. Grundsätzlich gilt: Das eigene Tun ist prinzipiell wertvoller als dessen Ersetzung durch Technik.
  957. Offensichtlich gilt immer mehr Menschen Gehen und Laufen als antiquiert
  958. Ortswechsel mit Eigenenergie durchgeführt spart Fremdenergie und  geht beim Gehen oder Radfahren behutsam mit der unmittelbaren Umwelt um.
  959. Müdigkeit durch Gehen ist eine zufrieden stellende Müdigkeit.
  960. Zumindest der Fortschritt des Menschen ist ein körperliches und geistiges Fortschreiten, nicht Fahren.
  961. Die Schönheit, in der Winterlandschaft  an Feldern vorbei einen Spaziergang zu machen – kostet übrigens nicht, wohl auch ein  Grund, dass das so wenige machen. In diesem Zusammenhang fand mein Vorschlag, vor dem Betreten dieser Landschaft drei Euro in eine aufzustellende Sparbüchse  einzuzahlen und ebenfalls vor den großen  Einkaufszentren drei Euro Schmerzensgeld in Empfang zu nehmen, wenige  offenen Ohren. 
  962. Das Eigene hat viel mit Wesen, also mit dem inneren Kern zu tun. Das gilt auch für Eigenbewegung.
  963. Je größer der Radius mit Hilfe von Fremdenergie wird, desto dünner werden die Lebenserfahrungen. Lebenserfahrungen sind immer eigene körperliche und geistige Erfahrungen, nicht die Erfahrungen, die auf Fremdenergie beruhen. Natürlich ist in der Fremdbewegung auch  noch menschliches Leben beteiligt, aber in sehr verdünnter Form, nämlich genau so viel, wie körperliche und geistige Eigenbewegung beteiligt ist.
  964. Das innere Erleben der Eigenbewegung ist  Poesie.
  965. Zu Beginn der Fünfziger des letzten Jahrhunderts  war die Stadt für uns Kinder real eine Spielwiese und in der Phantasie der abenteuerlichste Ort der Welt - obwohl wir nicht einmal ein Rad hatten. 
  966. Zwischenstationen, von Autofahrern gemieden, ersetzen  Sport. Mit öffentlichen Verkehrsmittel und Bahn von Berlin-Zehlendorf nach Hamburg-Barmbeck erfordert viel Eigenbewegung.
  967. Gebrauche Dein körperliches und geistiges Potential „wirklich“ (im Sinne von wirken). Sorge dafür, dass es nicht still gelegt wird oder in Pseudoaktivitäten wie Autofahren und Fernsehen scheinbar (im Sinne von irrealem Schein)  verkümmert. Erst im Tun sind wir eigentlich (im Sinne von eigen). 
  968. Die Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“ können wir nur in der körperlichen und geistigen Eigenbewegung beantworten.
  969. Eigenbewegung  ist eine Basiskompetenz, die der ständigen Erneuerung bedarf. 
  970. Körperliches Tun will auch eine gedankliche Gestalt annehmen, vielleicht sogar ein Projekt werden. 
  971. Die  hier vorgestellte Theorie und Praxis der Eigenbewegung ist im Kern anthropologisch und ökologisch ausgerichtet. Die Eigenbewegung vermittelt zwischen beiden Bereichen.
  972. Ich will mit meinem Konzept der Eigenbewegung ermöglichen, an Poesie teilzunehmen. Es geht darum, Poesie und Prosa im Leben den gleichen Platz zuzusichern.
  973. Welche Anzahl von Muskeln bewege ich, wenn ich a) auf einen Baum klettere oder b) im Fernsehen sehe, wie jemand den Baum erklettert? Das ist der Unterschied, von dem Vieles abhängt. Was geht in meinem Kopf vor in der ersten, was in der zweiten Situation? 
  974. Tendenziell verkümmern im Alltagsleben die Muskeln.
  975. Auch Singen ist eine Eigenbewegung.
  976. Muskuläre und sinnliche Unterforderung führt zu Krankheiten.
  977. Radfahren und Laufen wird von vielen unter Sport rubriziert. Auf die Idee, dass diese Fortbewegungen eine Funktion im Alltag haben könnten, kommen sie nicht. 
  978. Beim Gehen und Radfahren ist man im Leben, beim Autofahren ist man stillgestellt in der Technik, die ein Leben im Schein vermittelt. Gleiches gilt übrigens auch für laufende Bilder. Eigenbewegung intensiviert das Leben.
  979. Die  Eigenbewegung ist die unaufhebbare  Einheit von   Anstrengung, Genuß und körperlichen und geistigen Wachstum. Wenn das nicht geschieht,  wird sie zu einer Ideologie.  
  980. Mangel an Sinnes- und muskulären Reizen kann das Gehirn selbst bei gesunden Erwachsenen fast stillstellen,  so nach langer Autofahrt. Dagegen analysiere man die vielfältigen Bewegungsabläufe beim Erklettern eines Baumes, beim Tanzen, beim Holzhacken usw. 
  981. Meine Erfahrung: Eigenbewegungen erzeugen dann spürbare positive Effekte, wenn sie Momente der Anstrengung enthalten. Also nicht nur zehn Minuten spazieren, sondern zwei Stunden.
  982. Nach dem sonntäglichen Essen bei Regen und Wind einen zweistündigen Spaziergang gemacht. Danach fast so frisch wie der Morgenwind. 
  983. In der Eigenbewegung findet nicht nur eine Entschleunigung statt, sondern es werden  auch die Möglichkeiten  intensiver Wahrnehmung der Umwelt  geschaffen.
  984. Beim Autofahren bin ich Beobachter, beim Gehen und Radfahren bin ich Teilnehmer. Beim Beobachten stehe ich vor der Welt, in der Teilnahme bin ich in der Welt.
  985. Eigenbewegung wendet sich dagegen, Distanzüberwindung allein zu einem technischen Problem zu machen.
  986. Die Eigenbewegung verliert ihren Wert mit dem Siegeszug mechanischen Denkens, so dass problemlos Eigenbewegung und Fremdbewegung in der Überwindung von Ortsdistanzen gleichgesetzt werden. Man  sieht dann nicht die entscheidende  Differenz. 
  987. Das Plädoyer für Eigenbewegung ist vergleichbar mit den Bemühungen der Romantik und des Deutschen Idealismus, sich gegen den mechanischen Materialismus zu wehren. 
  988. Eigenbewegung sperrt sich gegen die eigene Motorisierung und die der Welt. 
  989. Bei Eigenbewegung ist zumindest der Leib wach, präsent und intensiv, in der Fremdbewegung ist es zu schlaff.
  990. Verzicht auf Eigenbewegung ist   Verzicht auf eigenes Leben, zumindest Verlust von Lebensqualität. 
  991. Nur in der Eigenbewegung, nicht in der Fremdbewegung tritt man mit sich selbst in Beziehung.
  992. Eigenbewegung ist ein Ausdruck der Lebenskraft und Lebensfreude.
  993. Der Begriff Eigenbewegung enthält eine Beschreibung und Kritik vieler Bereiche der Gegenwart als auch Alternativen. 
  994.  Das Fahrrad  ist eine gelungene Synthese von Leben und Technik.
  995. Ein anthropologisches Gesetz: Man muß sich letztlich  aus sich selbst heraus stablisieren. Das ist vielleicht die tiefste Bedeutung der Eigenbewegung.
  996. Ein Projekt, das Schüler wieder an die reale Welt heranführt "I think it forced everybody to get to know everybody on more of a personal level, instead of just checking their Facebook pictures," said Keifer,  Was früher selbstverständlich war, muß heute erst wieder erfahren und gelernt werden. 
  997. These; Die Differenz zwischen Teilnahme und Beobachtung liegt zur Hauptsachen in der muskulären Tätigkeit.
  998. Verlauf anstrengender Eigenbewegung: Anstrengung > Müdigkeit > nach einer Stunde der Ruhe  sehr wach im Kopf und gestärkt im Körper.
  999. Wahre Selbstverwirklichung beruht auf körperliche und geistige Eigenbewegung.
  1000. Mit geschlossenen Augen auf dem Sofa liegen und die Gedanken kommen lassen – wenn sie denn kommen. Das ist wichtig, denn diese Situation ist ein innerer Dialog, in dem Eigenes entsteht. Auch das ist Eigenbewegung.

  1001. Eigenbewegung heißt auch, der eigenen Poesie wieder einen Platz im Leben zu geben.
  1002. Ohne Eigenbewegung kein Leben.
  1003. "Hier herrscht jetzt wieder mal Glatteis, so gehe ich zu Fuß, wunderschön im Schnee, die Kinder sind so fröhlich mit Schlitten und Schneebällen" (aus einem persönlichen Brief).
  1004. Draußen Schneeregen, es wird dunkel. Ich sitze auf dem Sofa, lese und bin irgendwie müde. Dann raffen wir uns auf, ziehen uns warm an und laufen eine halbe Stunde. Danach wie neugeboren.
  1005. Freies Wandern auf nicht festgelegten Wegen impliziert  immer auch die Möglichkeit des Irrens. Deswegen lieben die ängstlichen Menschen auch die immer fester werdenden Straßen und dort halten sie sich möglichst im festungsähnlichen Auto auf.
  1006. Wenn es nicht Hundehalter gäbe, wären auch die wenigen autofreien Wege in Stadtnähe menschenleer. 
  1007. Vita activa versus Bequemlichkeit. Vita activa ist an körperliche und geistige Eigenbewegung gebunden.
  1008. "Eine Monatskarte für Bus und Bahn ist heute - ganz anders als früher - ein Ausweis von Modernität" (FAZ).
  1009. „Vorübergehender Stress lässt sich offenbar einfach weglächeln. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Lächeln echt oder aufgesetzt ist“ (Flensburger Tageblatt). Das gilt erst recht für Gehen und Radfahren. Wenn du das nicht glaubst, probier es aus.
  1010. Ins Kino gehen verlangt mehr Eigenbewegung, als zu Hause den Fernseher umzuschalten.
  1011. Eigenbewegung ist Teilnahme am Leben. Wenn ernsthaft betrieben, ist Mediennutzung Beobachtung des Lebens, ansonsten ist es Ablenkung von sich und der Welt.
  1012. Eigenbewegung im Alltag ist die wichtigste Form der Mobilität. Leider wird dieser Aspekt in dem  höchst informativen und mutigen Leitartikel  von Kerstin Schwenn „Neue deutsche Mobilität“ in der FAZ v. 24. 11. 12 ausgespart. Zu Fuß und mit dem Rad zur Arbeit, zum Einkaufen und ins Theater sind  unter dem Strich für einen selbst, für andere und die Umwelt Gewinn. Wer diese Erfahrungen nicht mehr machen will, fährt  (wortwörtlich) am Leben vorbei.
  1013. So wie der Tod  ein Existential, ein unaufhabbares Moment des Lebens ist (ist und klingt paradox), so auch die Eigenbewegung. Eigenbewegung  ist die Quelle und Stärkung von Subjektivität und Autonomiefähigkeit.
  1014. Wir verschwenden unser genetisches Potential durch körperlichen und geistigen Nichtgebrauch. Dazu der Anthropologe Gerald Crabtree: "Unsere Intelligenz erodiert unbegrenzt. Das begann mit der Sesshaftigkeit. Die Erbanlagen werden  einfach nicht mehr in diesem Umfange gebraucht. Entsprechend fielen fatale Mutationen in diesen Genen kaum mehr ins Gewicht. Und wenn wir weiter so bequem und faul in den Tag hineinleben und uns hinter dem Laptop und Meriten der früheren Hochkulturen ausruhen, werden in weiteren dreitausend Jahren  ein bis zwei weitere fatale Genveränderungen verankert sein."
  1015. Eigenbewegung beseitigt  das Gefühl, eigentlich nicht zu existieren.
  1016. Subsidarität heißt:  Man nimmt die nächst höhere Ebene erst dann in Anspruch, wenn die vorhergehende das Bedürfnis nicht erfüllen kann. Angewandt  beim Einkauf: Nachbarschaft (so viel wie möglich, auch wenn es etwas teuerer ist), dann Innenstadt, dann Einkaufszentren, dann erst  Internetkauf. Angewandt bei Ortsveränderungen: Nahentfernungen zu Fuß, mittlere Distanzen zwischen vier und acht Kilometer per Rad, wenn mehr, dann öffentliche Verkehrsmittel und erst als letzte Option das Auto.
  1017. „Ich freue mich auf den Weg“ sagt eine Frau auf dem Wege zu einem Handballspiel der Bundesliga. Hier äußert sich zumindest der Versuch, der Eigenbewegung eine Nische zu gewähren, d. h. sich nicht nur passiv unterhalten zu lassen.
  1018. Eigenbewegung ist, wie übrigens die Seele auch, aktiver Selbstvollzug.
  1019. Am Anteil der Eigenbewegung im Alltag und Urlaub kann man – mit Abstrichen – den Grad der Autonomie eines Menschen bemessen, weil gelebte Autonomie.
  1020. Lesen schwieriger Texte ist Eigenbewegung. 
  1021. Erst durch Eigenbewegung wird eine genuin eigene Welt erschaffen. Fremdbewegung ersetzt die Eigenbewegung und damit das Leben.
  1022. Nimmt man Schopenhauers Wille und Vorstellung zur Grundlage, dann kann man die Eigenbewegung dem  Willen zuordnen, während  die Fremdbewegung  Vorstellungen erzeugt.  Eigenbewegung ist echt und authentisch,  weil  sie direkte, noch unreflektierte Schöpfung und Ausdruck  und keine zufällige  Eigenschaft wie Kleidung, Urlaubsort oder Auto ist. 
  1023. "Wenn du durch die Hölle gehst, bleib nicht stehen“ (Churchill). Dieses Zitat drückt auch das Wesen der  Eigenbewegung aus: Sie ist primär eine Haltung, eine Einstellung, ja vielleicht ein Existenzial.
  1024. Eigenbewegung ist viel mehr als Distanzen  überwinden. Die Eigenbewegung ist in relativ große Übereinstimmung und Harmonie mit der Umwelt, entfaltet also keine Zerstörungen wie durch motorisierte Transportmittel.  
  1025. Angrenzende und implizite  Begriffe zur Eigenbewegung wären: Intensität, Kleinformatigkeit, Subjektivität, Produktivität, Authentizität, Autonomie, Subsistenz,  „wirkliche“ Wirklichkeit, jedes Ding hat seine Zeit und seinen Raum,  …..
  1026. Montaigne: "Unsere Seele vermag ihre Bahn um die eigene Mitte zu ziehn; sie kann sich selbst Gesellschaft leisten, sie hat genug anzugreifen und zu verteidigen, genug sich zu geben und von sich zu empfangen" (Montaigne). Das ist aus meiner Sicht ein überzeugendes Argument, den Akzent stärker auf geistige Eigenbewegung zu legen.
  1027. Selbsterfahrung ist nur durch Eigenbewegung erreichbar. 
  1028. Vier  Modi der Eigenbewegung a) mit dem Fuß (zur Distanzüberwindung), b) mit der Hand (zur Herstellung eines Produkts), c) mit dem Körper (schwere körperliche Arbeit) und d) mit dem Geist (zum Bedenken).
  1029. Die gegenwärtig dominierende Reduktion des Fortschritts  auf Technik und Wirtschaft  ist in Bezug auf Schreiten,  Gehen und Laufen kein Fortschritt - im Gegenteil, wahrer Fortschritt fördert die körperliche und geistige Eigenbewegung. 
  1030. In Eigenbewegung sind viel mehr Möglichkeiten der Gestaltung  (man beobachte hüpfende Kinder)  und  der Kontaktaufnahme mit der Umwelt als in motorisierten Fortbewegungsmitteln. 
  1031. Ein Lob der Langeweile: Aus ihr  entsteht der Zwang, Inneres zu schaffen, d. h.  den Modus der geistigen und körperlichen Eigenbewegung einzunehmen.
  1032. Der Unterschied von Mobilität und Eigenbewegung ist entscheidend, wird dieser Unterschied als unwesentlich eingeschätzt, ist die condition humaine bedroht.  Mobilität ist eine motorenangetriebene Bewegung mit technischen Fortbewegungsmitteln, Eigenbewegung beruht auf körpereigene Energien.  Das Gemeinsame ist das Was, nämlich die Distanz zwischen A und O zu überwinden, die Differenz ist das Wie, nämlich mit Eigenkraft oder fremder Motorenkraft eine räumliche Differenz zu überwinden. Mobilität hat im Bewusstsein Züge des Medienkonsums. Mobilität und Medienkonsum sind ir-real, d. h. nicht real. 
  1033. Bin ich mobil, bin ich unbeweglich. Bewege ich mich, bin ich nicht mobil. Wenn man  von den Bewegungsmöglichkeiten im Zug absieht, gibt es kein Drittes.
  1034. Unter dem Konzept und der Theorie der Eigenbewegung können viele der gegenwärtigen Kritiken an unserer gegenwärtigen Lebensgestaltung einschließlich deren praktischer und theoretischer Alternativen als Einheit aufgefasst werden, die oft nichts von ihrem gemeinsamen Fundament wissen: So  Ökologiebewegung, Technikkritik, gesunde Ernährung,  körperorientierte Therapien, hin zum Fahrrad, Abkehr vom Fernsehen, Zunahme der Nutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln,  Wiederentdeckung des Wanderns…
  1035. Das Fundamentum, das Primäre der Eigenbewegung ist die Präsenserfahrung, die vor der vor der sinnlichen Wahrnehmung und begrifflichen Erkenntnis liegt. Präsenserfahrung, ist räumliche Präsens, die  zuallererst vom eigenen Körper empfunden wird. Sie ist gestaltos und relativ unpräzise, also nicht sinnlich und auch nicht begrifflich.
  1036. Es gibt für den Menschen  drei mögliche Zugänge zur Welt und zu sich:  Muskuläre, sinnliche und geistige Erfahrungen. Alle drei Formen gibt es in unterschiedliche Niveaus.
  1037. Wenn die Physiognomie nicht für die Kommunikation in Anspruch genommen wird, verkümmert die Seele.
  1038. Die Lust und die Notwendigkeit, sich mit Eigenkraft fortzubewegen, gerät mit der zunehmenden Ausbreitung motorisierter Technik aus dem Repertoire alltäglicher Tätigkeiten. Sich bewegen wird zu etwas Besonderem, zu einem Event, zu einer sportlichen Veranstaltung. Gehen und Radfahren  als selbstverständlicher Tätigkeit im Alltag  wie Essen oder Schlafen gehören der Vergangenheit an. 
  1039. Der Geist ist (fast) raumlos wie das Gehirn oder ein PC, auch wenn dort symbolisch die ganze Welt vorhanden ist. Hier dominiert die raumlos-abstrakte Sinnkultur.  Der Raum dagegen bestimmt die Präsenzkultur, denn nur das Körperliche ist präsent. Geist ist Sinnerfahrung,  Stimmung ist Präsenzerfahrung, die wir in meiner Theorie nur in der Eigenbewegung machen können.  Alles kommt darauf an, zwischen Sinn- und Präsenzerfahrungen  angemessen zu unterscheiden. Wenn ich beispielsweise mit dem Auto eine Landschaft durchfahre, kann ich u. U. Sinnerfahrungen, aber keine Sinnen- und Präsenzerfahrungen machen. Bestenfalls macht das Auto, nicht der Autofahrer  Präsenzerfahrungen. Sinnen- und Präsenzerfahrungen "geschehen" nur in der Eigenbewegung.  
  1040. Raumerfahrungen kann man nur mit dem mit Sinnen und Bewegungsorganen ausgestatteten Körper machen. Macht man sie mit dem Geist, sind es Sinnerfahrungen (Bedeutungserfahrungen), die von grundsätzlicher anderer Qualität sind. Sinnerfahrungen sind  abstrakt, uneigentlich, körperlos, während Raumerfahrungen direkt aus der Raumerfahrung durch den sich bewegenden Körper entstehen. Der Raum ist gewissermaßen im Körper präsent, deswegen auch Präsenzerfahrung genannt.
  1041. Ästhetik bezieht sich primär auf Körper und Sinnesorgane, die als lebendige per definitionem immer in Bewegung, nicht im Modus der Fremd-, sondern in dem der Eigenbewegung sich befinden.  
  1042. Heimat ist nur das, was wir uns in der Kindheit beim Laufen und Spielen angeeignet haben. Alles andere ist Ideologie.
  1043. Abgeordnete der Piraten heben in Sitzungen nie den Blick von ihren Laptops (so in einem Kommentar in der FAZ), suchen also nie den Augenblick. Genau deswegen, nicht wegen der Inhalte,  lehne ich die Piraten ab.
    Die Zahl der Augenblicke, wo also zwei Menschen sich gegenseitig in die Augen schauen, nimmt drastisch ab. Sieht mich im Film ein Mensch an, ist das kein Augenblick, huschen den Gesichert beim Autofahren, wenn überhaupt, an mir vorbei, sind das keine Augenblicke.
  1044. Ereignisse sollten verkörpert sein.
  1045. Eigenbewegung, wenn sie nicht mechanisch abläuft, verlangt Subjektivität in unterschiedlichen Stärken.
  1046. Man kann es gar nicht häufig genug wiederholen und betonen: Eigenbewegung bezieht sich auf körperliche und auf geistige Bewegungen, wobei zwischen beiden wechselseitige Beeinflussung besteht.
  1047. Das „noch nicht“ ist sowohl beim Wandern als auch beim Lernen eine Verheißung.
  1048. Atmen ist Eigenbewegung. Es gibt gutes und schlechtes Atmen.
  1049. Ohne Eigenbewegung, ohne  körperlichen Einsatz, die immer auch geistige Anteile haben, entsteht eine Art von Virtualität.
  1050. Körper entstehen immer aus der Außenperspektive. Ob ein Körper bewegt wird oder nicht, ist aus dieser Perspektive einerlei. Der Mensch ist aber primär Leib. Ist er  der Meinung, einen Körper zu haben, ignoriert er sein  genuin Eigenes, seine  Subjektivität.
  1051. Techniker,  Konstruktivisten und Konsummenschen  sagen, dass es egal sei, wie man eine Distanz von A nach B überwindet. Das sehe ich fundamental anders.
  1052. Für die geistige Arbeit vom Wandern lernen: Es braucht Zeit, Durchhaltekraft und Wissen,  um ein Ziel zu erreichen. 
  1053. Auch die asiatischen Körpertherapien gehören  zur Eigenbewegung.
  1054. Platz schaffen für das Lebendige: Lebendige Bewegungsfreiheit für freie Bürger.
  1055. Bequemlichkeit ist das Gegenteil von körperlicher und geistiger Eigenbewegung.
  1056. Ich denke, meine Theorie der Eigenbewegung ist von allergrößter analytischer und konstruktiver Fruchtbarkeit; ich bin mir allerdings auch ziemlich sicher, dass ihre Umsetzung in sprachlicher Form zumindest verbesserungsfähig ist. 
  1057. Ein Argument gegen Konstruktivisten: Laufe fünf Tage hintereinander jeden Tag zwanzig Kilometer - und du weißt zweifelsfrei, was Wirklichkeit ist.
  1058. Die Form ist bloß Schein, der in Wirklichkeit von Materie ausgelöst wird, d. h. Materie erscheint in unseren Augen. Das Erscheinende nennen wir Form, obwohl es real Materie ist. Da wir also nur „Formen“ sehen, können und müssen wir uns den realen Inhalt gedanklich erschließen, die als Ding an sich sicherlich real sind. Wir stehen also immer nur vor den Dingen. Der Inhalt ist das Ding an sich. Nur in der Eigenbewegung sind wir im Ding an sich, nämlich in uns selbst.
  1059. Das Gehirn ist nicht mehr durch Eigenbewegung geerdet.
  1060. Nur in der Eigenbewegung vermag der Mensch, seine Selbstentfremdung ein beträchtliches Stück aufzuheben. Als Formel: Ohne Eigenbewegung Selbstentfremdung.
  1061. "Autowandern" ist die Inversion des Wanderns.
  1062. Eigenbewegung verändert den Menschen positiiv. Sie zentriert Körper, Geist und Seele und steigert somit ihre  Kräfte.
  1063. "Jede zusätzliche Minute draußen in der Natur ist ein Gewinn für unsere seelischen und körperliche Hygiene. Der innere Schweinehund oder schlechtes Wetter sind da nichts als bequeme Ausreden" (Joachim Müller-Jung in der FAZ v. 22. 9. 12).
  1064. Ein Versuch, die Frage zu beantworten, was Wirklichkeit sei:  Die Einheit von äußerer Realität und Mensch im Modus der  Eigenbewegung. In der Eigenbewegung gibt es nur eine (1) Welt und die nennt man Wirklichkeit. 
  1065. Ich denke, dass das „Ich bewege mich, also bin ich“ tiefer das Ich gründet als das  „Cogito, ergo sum“. 
  1066. Meine Theorie der Eigenbewegung ist im Kern materialistisch fundiert. Erst mit dem Materialismus ist eine humanistische und naturalistische Kritik möglich. Aber ich berücksichtige die Binnenperspektive der Handelnden. 
  1067. Ein Weg gewährt Gewinne in der Gegenwart und Zukunft, aber auch Verluste, nämlich in Form von Vergangenheit. 
  1068. Bedeutsame Orte entstehen im Bewusstsein nicht durch das Befahren mit dem Auto, sondern durch Begehen, d. h. Eigenbewegung. 
  1069. Auch in meiner unkritischen Autozeit hat mich das Auto nicht beherrscht. Bin immer schon gerne und viel gelaufen. Die Theorie kam später.
  1070. Eine Begegnung, die diesen Namen verdient, erfordert immer Eigenbewegung von beiden Seiten.
  1071. Erst in der Eigenbewegung wird die zu Fuß begangene oder mit dem Rad befahrene Umwelt zu einer wirklichen. Nur in der Eigenbewegung lebe ich wirklich in einer wirklichen Welt. 
  1072. Das gegenseitige Bedingungsverhältnis von Eigenbewegung und geistigen Aktivitäten: In der Eigenbewegung ist praktisches Denken enthalten. Denken beruht auf Erfahrungen in der Eigenbewegung.
  1073. Treppen sind die Feinde des Autos und die Freunde des Gehens. Baut also überall Treppen.  Treppen zwingen zur Eigenbewegung. 
  1074. In Wahrnehmungen werden Bilder und als Dinge wahrgenommen. Das ist eine Konstruktion: Sie bleiben Bilder. Anders in der Wahrnehmung von Dingen:  Das   Raumding als wahrgenommenes ist immer ein in seiner Leibhaftigkeit Gegebenes.
  1075. Der einzigartige Wert der ganzheitlichen Wahrnehmung mit Geist, Seele und sich bewegendem Körper eines „ganzheitlichen“ Objekts, das alle Sinne anspricht.
  1076. Nach Husserl gibt es eine kinästhetische Verflechtung mit den Dingen. Diese Verflechtung ist aus meiner Sicht der Grund aller onto- und phylogenetischen Erkenntnisse und jeder Ich-Identität.
  1077. An einem ruhigen Sonntagvormittag: Vor dem Essen fahren wir mit dem Rad eine kleine Tour. An der Chaussee steht ein Baum voller rotwangiger Äpfel. Ich halte an und verliere mich in „der Leibhaftigkeit bewußtseinsmäßig Gegebenes“ (Husserl). In dieser Situation ist dieser Satz meine ich, den Satz zu verstehen, und er ist Wahrheit für mich.
  1078. Auch Denken  ist eine  Eigenbewegung. 
  1079. Ein Argument für die Nutzung der Bahn: Was lernen Kinder  alles auf einer Zugfahrt!
  1080. Gehen ist die Fortbewegungsform, die allein aus dem menschlichen Potenzial sich speist. 
  1081. Ein  phänomenologisch und theoretisch gewonnene Einsicht:  Erfahrungen  entstehen, wenn der Mensch eine handelnde  Einheit mit seiner Umwelt bildet. Deshalb verhindert das gegenwärtig mit Abstand das weitaus  am häufigsten  benutzte Verkehrsmittel,  das Auto, Erfahrungen – bis auf eine: die Erfahrung, keine Erfahrungen zu machen. Ein erfahrungsloser Mensch ist enteignet im tiefsten Sinne. 
  1082. Alle inhaltlichen Argumente gegen das Gehen sind „gehfremde“ wie Schnelligkeit, Bequemlichkeit, Ungestörtheit, ….
  1083. Ich fahre mit dem Zug von Baden-Baden nach Freiburg oder ich laufe die gleiche Strecke auf dem Ortenauer Weinwanderweg. Das ist genau der Unterschied zwischen subjektloser und subjekterfüllter Fortbewegung.
  1084. "Gehen ist die natürlichste Form der Fortbewegung. Früher war es in den Städten die dominierende Verkehrsart. Mit zunehmender Motorisierung sind die Bedürfnisse von Fußgängern jedoch vernachlässigt worden. Auch bei der Entwicklung von Verkehrssystemen wird das Gehen in vielen Fällen kaum berücksichtigt. Dabei könnten fußgängerfreundliche Räume in Städten einer Reihe von Problemen entgegen steuern: etwa Klimawandel, Luftverschmutzung oder mangelnder Bewegung.
    Der neue OECD-Bericht “Pedestrian Safety, Urban Space and Health” zeigt, warum der Fußverkehr eine wichtigere Rolle in der Verkehrspolitik einnehmen sollte. Der Bericht liefert Leitlinien für die Entwicklung eines sicheren Umfelds für Fußgänger. So werden unsere Städte lebenswerter – schließlich beginnt und endet jede Reise zu Fuß!"
  1085. In meiner Theorie der Eigenbewegung gibt es keine subjektunabhängige Realität. Realität ist hier immer die Einheit von Mensch und Welt.„Energize your life“ (aus der Werbung für ein Getränk). Aber so einfach ist das nicht, sein Leben zu intensivieren
  1086. Die Eigenbewegung ist der legitime Fluchtort, um  relative Autonomie zu verwirklichen. 
  1087. Ob ich im Bus, Zug oder Auto sitze, gewissermaßen von innen den Verkehr beobachte, oder von außen als Fußgänger oder im Cafe sitzend, ist ein kategorialer Unterschied. 
  1088. Eigenbewegung ist Verzicht auf Motorenkraft.
  1089. Motorenkraft und falsch verstandene Selbsterhaltung sind heute zu einer unhinterfragbaren Einheit geworden. 
  1090. Entfernungsbestimmungen  sind von der jeweiligen Technik abhängig. Nur Eigenbewegung ist ein rein menschliches Maß.
  1091. Erst Motore ersetzen Eigenbewegung durch Fremdbewegung. Daraus folgt: Hälst  Du die Eigenbewegung für sinnen- und sinnvoll, reduzieren Deinen Motoreneinsatz auf das wirklich Notwendige.
  1092. Die einzige Möglichkeit mit großer Wahrscheinlichkeit an „wirkliche Wirklichkeit“ heranzukommen, besteht  im Modus der Eigenbewegung.
  1093. Reales Wachstum findet nur im Lebenden statt, das reicht vom Acker bis zum menschlichen Bewusstsein. Dieses Wachstum ist eine zentrale Form der Eigenbewegung. 
  1094. Alles fließt,  alles ist Bewegung. Und wir setzen alles dran, selbst bewegungslos zu werden.
  1095. Überlegungen zum Weg: Jede Tätigkeit im Raum hat eine Struktur, die man auch als Weg bezeichnen kann. Die Begehung eines Weges ist ambivalent: Einerseits vermittelt er die Möglichkeit der Realisierung eines Ziels und damit Befriedigung, andererseits ist sein Durchlaufen oft mit Mühen verbunden. Weil man von diesen Anstrengungen weiß, versucht man oft, diese aus dem Weg zu gehen, also  gar nicht erst zu beginnen. Aber der Weg selbst bietet ein Erleichterungspotenzial: Je mehr von dem Weg zurückgelegt wurde, desto geringer wird der Mühecharakter, um gegen Ende sogar sich vollkommen aufzulösen. Fazit: Geht los!  Übrigens, diese Überlegungen gelten auch für Denkwege. 
  1096. Erfreuliches aus den USA: Immer weniger junge Amerikaner erwerben einen Führerschein. 24 Prozent mehr Menschen in jener Altersklasse fahren Rad und 16 Prozent mehr erreichten ihre Ziele zu Fuß. Zudem haben die mit öffentlichen Verkehrsmittel gefahrenen Kilometer um 40 Prozent zugenommen (Transportation Research Institute der Universität Michigan).
  1097. Der Bauer verlässt sich im Kern auf das natürliche Wachstum in der Natur, der Landwirt auf seine Technik. Meine eigene Naturkraft und die fremde technische Kraft.
  1098. Eigenbewegung ist eine Naturkraft, keine technische. Wer geht oder mit dem Rad fährt, ist in seiner Natur. Das ist doch was.
  1099. Gehen und Radfahren - insbesondere in Alltagswelten - sind Möglichkeiten, den technischen Weltbezug (Heidegger) durch eine lebendige Lebensform zu ersetzen, so dass die Welt in hellerem  Licht erscheint.
  1100. Ein Trampelpfad wird meistens mit der Zeit mehr oder weniger befestigt, so dass ein Weg oder gar eine Straße entsteht. Dieser Weg nenne ist   ein objektiven Weg, weil er unbhängig von mir besteht.  Wenn ich diesen Weg begehe, entsteht ein einzigartiger indvidueller Weg im objektiven Weg. Diesen individuellen Weg bezeichnet ich als subjektiven Weg, der durch erstmaliges Begehen entsteht und bei mehrmaligen Wiederholungen  modifiziert wird. Subjektive Wege entstehen allein im Modus der Eigenbewegung, also insbesondere beim Gehen und Radfahren. Fortbewegung mit Hilfe von Motoren verhindert nahezu die Entstehung von subjektiven Wegen, so dass man diesen Zustand auf subjektiver Ebene als wegelos bezeichnen kann. Den subjektiven Weg teilt man mit niemandem.
  1101. Vita activa ist im Kern Eigenbewegung.
  1102. Dem maßlosen Motoreneinsatz setze ich die "füllende" Eigenbewegung entgegegen.
  1103. Inzwischen sterben mehr Menschen durch Mangel an Eigenbewegung als durch Rauchen (BBC-News).
  1104. „Das Potential der Gebirge bleiben die Stille, die Gefahr, die Erhabenheit: Sie zwingen den Menschen, mit sich allein sein zu können, abzuwarten, Umwege zu suchen, Maß zu halten“ (Reinhold Messner). Diese Aussage gilt meiner Ansicht nach nicht allein für das Gebirge und sie erfordert Gehen. 
  1105. Eigenbewegung als Realität entsteht erst, wie alle Aktivitäten, im Tun. Vor ihrer Ausführung ist sie positive oder negative Erinnerung oder Phantasie. Erst während und nach ihrer Realisation kann sie bedacht und bewertet werden. 
  1106. Gehen und Radfahren sind gegenwärtig die zwei  Hauptarten  im Modus der Eigenbewegung. Wegen der Transformation der Lebenswelt mit Nahdistanzen in eine Autowelt für Ferndistanzen ist das Rad für die Lösung praktischer Aufgaben unverzichtbar. 
  1107. Bewegung und Ruhe bilden einen komplementären Zusammenhang. Es geht um ein sinnvolles Verhältnis zwischen beiden. 
  1108. Beim Autofahren und Medienkonsum hat  der sich bewegende Körper keine notwendige Funktion.  Der Beobachter zweiter Ordnung ist grundsätzlich körperlich bewegungslos. Deswegen nimmt Gehen auch den Geruch des Überflüssigen an.
  1109. "Musik ist zuerst und vor allem Musik. Wer sich darauf einlässt, kann fliegen lernen. Aber vorher muss er ein wenig bergauf gehen" (Holger Noltze).
  1110. Es geht um dingliche Erfahrungen und Einsichten, die  Welt, Düfte, Formen und Farben enthalten. Erfahrungen, die Symbole, Zeichen und Bilder nicht ganzheitlich vermitteln und auch im Auto nicht erfahrbar sind. Nein, wir müssen schon gehen.
  1111. Jeder Bürger, wenn er denn einer sein will, sollte aus nehreren Gründen täglich durch seine Stadt gehen.
  1112. Wieviel Realerfahrungen braucht der Mensch? Wo liegt das Minium?  
  1113.  Landschaften verlierten  an Wert, weil sie nicht mehr begegangen werden.
  1114. "..., was man nicht mit dem Kleingeld der Schritte bezahlt hat, nicht gesehen hat" (E. Kästner).
  1115. Leben enthält Mechanik und Technik, aber Mechanik und Technik enthalten kein Leben.
  1116. Ich fahre mit dem Zug und sehe dann zufällig aus dem Fenster: Landschaften und Städte rasen an mir vorbei. Bloß die  entfernteren  Dinge bleiben etwas länger in meinem Blick. Welche ein Unterschied zum Wandern. Hier ist die Umwelt ständig wirksam, auch wenn das Bewusstsein manchmal woanders ist. Leider ist die Auto-Umwelt auch wirksam.
  1117. Eigenbewegung ist  aus physikalischer Sicht ein unmöglicher Begriff. Wird er deswegen so wenig geschätzt?
  1118. Eine echte Erfahrung ist immer an Eigenbewegung gebunden.
  1119. „Jedes natürliche Sein … hat in sich selbst ein Prinzip von Veränderung und von Bestand, …während kein fabriziertes Ding das Prinzip seiner Fabrikation in sich hat“ (Aristoteles). Diese Unterscheidung entspricht der von Eigen- und Fremdbewegung, wobei letztere erstere zunehmend ersetzt. 
  1120. Nur durch eigenes Tun entsteht reale Welt.
  1121. Die eigentliche, die ortsverändernde Eigenbewegung beginnt evolutionär mit dem Fuß und differenziert  sich später beim Menschen über die Hand zu geistigen Bewegungen aus. Aber der Fuß steht nicht nur am Anfang, sondern er speist ständig  Körper und Geist mit Strukturen, Ideen und Kraft.
  1122. Nur was in Eigenbewegung erschlossen wird, findet im weitesten Sinne wirklich statt.
  1123. Eine Stadtwanderin: „Ich bedaure alle, die im Auto sitzen müssen“.
  1124. In der Eigenbewegung entsteht Prozessbewusstsein, d. h. für den oft schwierigen Anfang, für die Schönheit, aber auch Anstrengung des Weges und für das Glück, das Ziel vor Augen zu haben und anzukommen.  Alle Prozesse auf Knopfdruck vermitteln dieses Wissen und Gefühle nicht.
  1125. "Feel the earth under your feet" (aus einer Werbung für Malaysia).
  1126. In der Eigenbewegung ist die natura naturans (die selbstverursachende Aktivität, Spinoza) tätig, deren Wirksamkeit aus der Binnenperspektive wahrgenommen werden kann.
  1127. Auch wenn viele Bürger noch nicht die großen und vielfältigen  Vorteile der Eigenbewegung sehen, wird ihnen in Zukunft allein aus ökonomischen Gründen nichts anderes übrig bleiben, als den Anteil der Fremdbewegung merklich zurückzufahren und den der Eigenbewegung zu stärken.
  1128. Die lebendige Kraft kommt von innen, sie ist eine Art von Selbstinduktion.
  1129. Aus einer Buchrezension zu "Auf dem Rad" von Bettina Hartz: In der Stadt gibt es kein einfacheres, schnelleres, kostengünstigeres, gesünderes und umweltfreundlicheres Transportmittel als das Fahrrad. Tag für Tag schwingt Bettina Hartz sich auf ihr lautlos dahingleitendes Gefährt, eilt von Termin zu Termin, zum Einkaufen, zu Freunden, ins Theater. Von Kindesbeinen an ist ihr diese Fortbewegungsart die vertrauteste, während das Auto ein selten gebrauchtes, ungeliebtes Vehikel bleibt. Bettina Hartz erzählt von den Abenteuern des Radfahrens, vor allem in der Großstadt, wo man als Radler nicht nur Wind und Wetter ausgesetzt ist, sondern regelrecht umbrandet wird von Verkehr. Und sie berichtet vom Gefühl der Freiheit und des Glücks, das sie empfindet, sobald sie auf dem Sattel sitzt: Radfahren ist für sie nicht nur eine besonders anmutige Form der Fortbewegung, es ist auch und vor allem ein Lebensgefühl.
  1130. Es mehren sich die Argumente für die Eigenbewegung in Alltagswelten. Vielleicht stehen wir vor einem Paradigmawechsel.
  1131. Das kleine Mädchen hat gerade das Laufen erlernt. Laut lachend läuft sie nun bereits das zwölfte Mal um einen Küchenblock. Nicht, weil sie Neues sieht, sondern weil sie ihre Kraft, ihren Leib und ihren Willen  spürt. Ein Gespür, dass ihr später abdressiert wird. 
  1132. Man muss seinen Leib pflegen, aber anders wie eine Maschine: sich viel bewegen mit Ruhephasen, gesunde Nahrung, lebendige Umgebung und sinnvolle Tätigkeiten.
  1133. Enten - eller: Entweder man hat ein technisches Faible für Motore oder ein Lebensgefühl für Gehen und Radfahren.
  1134. Empfehlenswerter Dreierschritt: sich intensiv  bewegen – ausruhen – geistig arbeiten.
  1135. Minimalforderung: Fuß- und Fahrradwege als sinn- und sinnenvolle Parallelwelt zum Autoverkehr.
  1136. "Das Glück zu Fuss erobern. Es lauert nicht nur hinter jeder Wegbiegung, es manifestiert sich gleichsam im Regen, unter sengender Sonne, im Hochgebirge oder mitten in der Stadt" (Rene P. Moor). Zumindest ist Eigenbewegung eine Voraussetzung für eine Art des Glücks.
  1137. Zweifelsfrei war heute  mein Mittagsschlaf zu lang, denn ich werde einfach nicht richtig wach. Fahre deswegen mit dem Rad schnell zum Bäcker. Nach 15 Minuten wieder zu Hause – und wach.
  1138. Eigenbewegung ist eine Lebensform, ein Lebensgefühl und eine politische Kategorie.
  1139. These: Die gesamte (verdienstvolle) Literatur zur Entfaltung der Sinne zwischen 1980 bis in die Gegenwart hat die konstitutive Bedeutung der Eigenbewegung für die sinnliche Wahrnehmung nicht angemessen berücksichtigt und integriert.
  1140. Ich suche beim Schreiben nach dem Namen eines Autors. Deshalb gehe ich  in den Keller, wo ein Buch von ihm steht. Beim Hinuntersteigen fällt mir der Name  ein. Ich vermute, dass körperliche Bewegungen dieselben synaptischen Verbindungen nutzen wie das Denken. 
  1141. Der Intellekt wird seit Anselm von Canterbury als ein Fortbewegungsmittel verstanden - ich verstehe das buchstäblich:
    Lernen beruht auf intensive Eigenbewegung
  1142. Beim Wandern und Gehen wird der Radius, innerhalb dessen man Erfahrungen machen kann,  mit Sicherheit kleiner, aber dafür substantieller und intensiver.  
  1143. Eigenbewegung fördert eine realistische Sicht auf das Leben. Hier kann man sich nichts vormachen.
  1144. Der existentiell  fundamentale Unterschied zwischen Eigenbewegung und Fremdbewegung: Die  beobachtenden Außenperspektive kann zwischen beiden Bewegungen keinen qualitativen  Unterschied wahrnehmen, beide überwinden die Distanz von A nach B. Insbesondere das auf Technik angewiesene Bewusstsein macht hier keinen Unterschied. Aus der erlebenden Binnenperspektive dagegen ist dieser Unterschied fundamental. Erst in der Eigenbewegung wird die Überwindung einer Distanz durch Gehen oder Fahren eine ganzheitliche Erfahrung, die den Unterschied zur Fremdbewegung sehr deutlich werden lässt.  

  1145. Eine mögliche Beschreibung: Eigenbewegung ist eine Eigenschaft, die mental-körperliche  Zustände wie Spannkraft, Freude, Zuversicht usw. hervorruft.
  1146. Der Ausdruck  "Das geht gar nicht“ beschreibt buchstäblich die gegenwärtige Situation des Gehens.
  1147. Im Handeln werden Subjekt und Objekt, Mensch und Teile der Welt zu einer Einheit, die aus der subjektiven Perspektive „Wirklichkeit“ genannt wird. Objektiv kann man minimalistisch bestenfalls nur von einem "Daß" sprechen, aber selbst das wäre bereits zuviel. Nur in der körperlichen und geistigen Eigenbewegung entsteht Wirklichkeit. Eigenbewegung ist Handeln, das Umgekehrte gilt auch: Handeln ist Eigenbewegung. Eigenbewegung = Leben. 
  1148. Wer zunehmend Eigenbewegung durch Motorenbewegung ersetzt, verzichtet zunehmend auf  Leben.
  1149. Eigenbewegung = ganzheitliches Leben,  Fremdbewegung = Partizipation an Technik und damit partieller Verlust von Leben. Leben ist das Höchste, was wir haben. Verzichte nicht auf es ohne Notwendigkeit. Mein Denken und Tun orientieren  sich am Leben - zumindest bemühe ich mich darum. 
  1150. Jedes Ding und jeder Prozess hat zwei Werte: einen  Eigenwert und einen strukturellen Wert. Das gilt auch für die Eigenbewegung.
  1151. Kohlendioxid ist das Produkt der Reaktion zwischen Sauerstoff und Kohlenstoff. Die Verbindung entsteht bei der Verbrennung von Kohlenstoff unter ausreichender Anwesenheit von Sauerstoff. Der Anteil der Kohlendioxid-Produkt durch Motore ist das ökologische Hauptproblem. Hier liegt ein wichtiges Argument für die Eigenbewegung.
  1152. Wegen des Mißbrauchs des Begriffs Erfahrung sollte man nach einem Spaziergang oder einer Wanderung besser von  „Ergehung“ oder „Erlaufung“ sprechen.
  1153. Hätten habituelle Autofahrer doch nur etwas von meiner willensstarken Enkelin, die sich mit aller Kraft wehrt, wenn sie in die Karre soll.
  1154. Beobachte ein Kleinkind beim Spielen, und du erkennst das  Potential der Eigenbewegung - und was wir ohne Not aufgegeben haben. 
  1155. „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ (Hermann Hesse), was nicht für Fremdbewegung, aber für Eigenbewegung und für das Betreten von öffentlichen Verkehrsmitteln gilt.
  1156. In meinem Geburtsort, einer Kleinstadt, waren um 1950  in jeder größeren Straße mehr Menschen zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs als heute in jeder Straße einschließlich der Hauptgeschäftsstraße in einer mittleren Großstadt.
  1157. Der Begriff Erfahrung ist heute eine große Quelle für falsches Bewusstsein, weil hier ein eklatanter Fall von Verhexung durch Sprache (Wittgenstein) vorliegt. Warum? Fahren war ursprünglich mangels Alternativen  ein Gehen, d. h. eine Fortbewegung im Modus der Eigenbewegung. Mit dem Aufkommen von Kutschen, Zügen  und massiv  dem Auto wurde der Begriff „fahren“ ausschließlich für diese Art der  Überwindung von Distanzen verwendet. Dagegen hat der Begriff  Erfahrung diesen Wandel nur teilweise mitgemacht: Erfahrungen im heutigen Sprachgebrauch macht  man gleichwertig per Fuß, per Rad und eben  auch mit dem Auto.  Ortsveränderungen mit Hilfe von (motorenangetriebenen) Autos, Zügen und Flugzeugen ermöglichen aber keine Außenerfahrungen im umfassenderen und tieferen Sinn, sondern verhindern diese. Es sind keine Erfahrungen, nicht einmal Begegnungen, sondern Wahrnehmungen ohne die aktive Aneignung durch ein Subjekt.    
  1158. Wer geht, fährt nicht. Wer fährt, geht nicht.  Das sind  Nullsummenspiele.
  1159. Weg und Eigenbewegung bilden eine Einheit, auf  Autostraßen ist diese Einheit eine Ausnahme und auf  Autobahnen  ist Eigenbewegung faktisch und rechtlich gänzlich ausgeschlossen.
  1160. Wohl der Landschaft, die nur Wege hat.
  1161. Eigenbewegung heißt, zuallererst auf sich selbst bauen und sich selbst vertrauen. 
  1162. Nach Heraklit wird Harmonie aus der Antithetik und Dissonanten erschaffen und als Bewegung realisiert. Damit würde vielleicht die Schwierigkeit und Anstrengung des Anfangs und Realitsation  der Eigenbewegung ein Stück erklärt. 
  1163. Das Wort Methode (meta-hodos bedeutet zweierlei: a) „auf dem Wege“, aber auch „jenseits des Weges“ (T. Sedlάček, Die Ökonomie von Gut und Böse, S. 141). Der Weg ist nicht ein linear sich ausbreitendes schmales Band, sondern ist in der Wahrnehmung und Reflexion mehrdimensional und prinzipiell unbegrenzt.
  1164. Bewegt Euch selbst, denn wer sich nicht selbst bewegt, sondern nur transportieren lässt, verliert in diesen Situationen sein wirkliches Leben. 
  1165. Zumindest wenn man wandernd Nationalgrenzen überschreitet, werden einem deren Sinnlosigkeit, Willkür  und Aufgeblasenheit bewusst. 
  1166. Als Fußgänger und Wanderer wird man bescheidener in seinen materiellen Ansprüchen.
  1167. Welch ein Unterschied in der Lebendigkeit, wenn der eine Nachbar kräftig in die Pedalen tretend von zu Hause wegfährt oder wenn der gegenüber wohnende Nachbar sich schwerfällig in den Autosessel fallen lässt und mit scheinbar letzter Kraft den Zündschlüssel umdreht.
  1168. Ein absolutes Ja zur  Bewegung, aber es sollte schon  Eigenbewegung sein.
  1169. Eigenbewegung und Wahrnehmung bedingen einander: Wer sich nicht selbst  bewegen mag, verzichtet auf Originalbegegnungen.
  1170. Wo Bewegung ist,  wird Energie freigesetzt. Im Fall der metabolischen Energie entsteht Leben, im Fall der exogenen Energie Lärm, Scheinleben, Täuschung, Stillstand, ja Tod. 
  1171. Die Eigenbewegung ist eine Urbewegung. Man sollte nicht ohne Not auf sie verzichten.
  1172. Die eigene Tat stärkt und überzeugt das Ich.
  1173. Nach dem Wunsch nach Eigenbewegung stirbt zwangsläufig die Neugierde
  1174. Wie kann es geschehen, dass immer mehr Menschen die Freude an der Eigenbewegung abhanden kommt?
  1175. Eigenbewegung  steht für eine neue Bewegungskultur.
  1176. Eigenbewegung ermöglicht relativ Autonomie gegenüber inneren und äußeren Determinanten. 
  1177. Auf dem Titelblatt der Apotheker-Umschau ist eine attraktive, junge, sportliche Frau abgebildet. Darunter steht „Ich bewege mich“.  Bewegung wird nicht nur hier  auf Jungsein, gut Aussehen und Sport reduziert. 
  1178. In der „normalen Fernsehhaltung“ bin ich nur noch ein vernachlässigtes Epiphänomen ohne jeglichen Einfluß auf das Programm. Da hilft auch nicht die Einschaltquote.
  1179. Man kann meiner Ansicht nach den Unterschied zwischen lebendiger Eigenbewegung und von Motoren angetriebener Fremdbewegung gar nicht hoch genug einschätzen, zumindest wird er sträflich vernachlässig bzw. ausgeblendet. Die Einsicht in diesen Unterschied ist der wichtigste Schlüssel zum Verstehen der Gegenwart und der in ihnen stattfindenden Veränderungen der Menschen, ihres Zusammenlebens und dem Zustand der Erde.
  1180. Eigenbewegung ist eine (ganzheitliche) Kategorie, in der Mensch und Erde als eine untrennbare Einheit gesehen werden. Die Eigenbewegung ist das eigentliche Subjekt. Die Eigenbewegung wirkt deshalb nach innen und nach außen.
  1181. Grün ist für mich eine Metapher für Eigenbewegung,  Autonomie und Selbstverantwortung.
  1182. „Ich bewege mich“ wird im schlimmsten Fall auf Fremdbewegung, im günstigen Fall auf Sport reduziert.
  1183. Der zeitgemäße Sportler führt mit seinem zeitgemäßen Auto zu den Ort, wo er seine sportlichen Aktivitäten durchführt.
  1184. Wenn ich gehe oder mit dem Rad fahre, bin ich zumindest in meiner eigenen Natur.
  1185. Meine drei Monate alte Nachbarstochter wird von allen nur Outdoor-Mia genannt. Warum?  Ihre Großeltern schieben sie im Kinderwagen bei jedem Wetter stundenlang durch die Gegend. Mia genießt das offensichtlich sehr. Auch Oma und Opa profitieren davon, sie sind fit wie Turnschuh.
  1186. Zumindest im Urlaub sollte man intensiv der Eigenbewegung frönen.
  1187. „Langsam“ bzw. „Langsamkeit“ sind relative Begriffe, die  ich zur Charakterisierung des Gehens ablehne. Abgesehen, wenn ich bewusst langsam gehe, habe ich noch nie mein Gehen als langsam bewertet. Das Gehen hat nicht nur seinen Eigenwert, sondern auch sein eigenes Tempo.
  1188. Es gab, gibt und wird auch in Zukunft keine Paradiese  auf Erden geben, aber es gibt gelungene, aber auch weniger bis misslungene Lebenssituationen. Mein Konzept der Eigenbewegung stellt den Anspruch, die individuellen und allgemeinen Lebenssituationen nachhaltig ein Stück zu verbessern, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Diese Behauptung stützt sich auf theoretische Auseinandersetzungen, auf Beobachtungen und auf eine Praxis der Eigenbewegung.
  1189. Eigenbewegung verlangt Eigensinn - zumindest heutzutage.
  1190. Eine substantielle  Lebenswelt erfordert Eigenbewegung. 
  1191. Eigenbewegung stärkt den Atem und damit  Psyche und Leib.
  1192. Eigenbewegung im Alltag ist Bewegungskultur der einfachen, aber höchst effektiven Art. 
  1193. Es gilt, die Potentialitäten der Wege zu erschließen. Gehe ich zu Fuß, erschließe ich das gesamte Potential, fahre ich mit dem Zug, erschließe ich zumindest das Potential des Bahnhofs und des sozialen Umfeldes  im Zug, fahre ich mit dem Auto, geht die Potentialität des Weges gegen Null, er wird entleert. Letzte Variante erklärt auch den vorherrschenden Zwang,  die jeweiligen Ziele emotional so stark anzureichern, dass sie Eventcharakter bekommen.  
  1194. Vom Glück, im Freien zu sein (Jakob Augstein).  Eine erhellende  Formulierung.
  1195. Das Ding an sich ist nicht erkennbar, aber es wirkt. Das zu wissen, ist wichtig für die Entscheidung, in welcher Umwelt man sich bewegen will.
  1196. Eigenbewegung steht für vita activa, Fremdbewegung  für vita passiva. Übrigens darf Rezeption nicht mit Passivität gleich gesetzt werden.
  1197. Sinnvolle und notwendige Stadtentwicklung wäre: Vom Stadtzentrum aus strahlenförmig  zu den umliegenden Stadtteilen Fuß- und Radstraßen anzulegen bzw. zu solchen zu erklären, also auch ggf. Straßen für den Autoverkehr sperren.
  1198. Es ist falsch,  sein Ich als eine hermetisch abgeschlossene Einheit zu denken, das gegenüber dem eigenen Tun und äußeren Einflüssen  autonom und damit unveränderlich  sei. Das Gegenteil ist der Fall. Ein Beispiel: Nähere ich mich einem mir unbekannten Ort per Fuß, per Rad, per S-Bahn, per Auto oder gar per Flugzeug, entstehen fünf verschiedene Orte und fünf verschiedene zusätzliche Bestimmungen meines Ichs.
  1199. Ein Wesensmerkmal des Lebens ist der sich bewegende Leib. „There is not sprightliness in the mind´s productions if there is none in the body at the same time” (Montaigne nach Toulmin).
  1200. Jemand ist nicht aktiv, wenn er auf Knöpfe drückt oder Gaspedale durchdrückt, sondern wenn er körperlich-geistig tätig ist. Letztere Aktivität darf nicht mit motorenbetriebene Vertretungsbewegungen verwechselt werden. 
  1201. Eigenbewegung ist zuallererst eine genuin biologische, dann eine die Anthropologie konstituierende und damit auch ein fundamental  politische Kategorie
  1202. Das gegenwärtige Alltagsdenken und die gegenwärtige Philosophie denken  die Eigenbewegung nur von ihrem Träger her, d. h. ein sich bewegender  Leib ohne Gesellschaft: Der Leib und seine Bewegungen werden weder von der Gesellschaft (mit)bestimmt noch wirken sie auf die natürliche, soziale und kulturelle Umwelt. Das konkret auszubuchstabieren, ist fast verpönt.
  1203. Eigenbewegung ist reale  und nicht scheinhaft-gekaufte vita activa.
  1204. Überlegung zur Entstehung der Eigenbewegung: Sie  entsteht, indem externe Energie  im Leib der Lebewesen zu  metabolischer Energie assimiliert wird, die dann der Seele als psychische Kraft nicht nur zur  Verfügung steht, sondern von der Seele inhaltlich bestimmt werden kann. Diese Energie gehört dann gewissermaßen zum Eigenen der Seele. Mit Seele ist hier das immaterielle Ganze gemeint.
  1205. Wer seinen Leib still stellt, macht seine Welt  zu einer Schattenwelt und sich selbst zu einem Teil von ihr.
  1206. Inzwischen hat überall das strukturelle Denken die Oberhand gewonnen. Die Position der Eigenbewegung räumt dem Individuellen das Primat ein.
  1207. Jede gelaufene Strecke dient der Gesundheit, jede gefahrene fördert Krankheit. 
  1208. Eine Aufgabe: Differenz von konzentriertem und schweifenden Bewusstsein nach einer Wanderung oder mehrstündigem Fernsehkonsum an sich selbst reflektieren.
  1209. "Wer geht, sieht am Durchschnittt anthropologisch und kosmisch mehr, als wer fährt. ... Ich halte den Gang für das Ehrenvollste und Selbtständigste in dem Manne und bin der Meinung, daß alles besser gehen würde, wenn man mehr ginge" (Johann Gottfried Seume (1763-1810).
  1210. Vita activa “Body and soul are to  be exploited for a maximum return – not, however, in money, but in experience, intensity, felt life, action, creativity” (Marshall Berman).
  1211. Eigenbewegung ist  Autonomie.
  1212. Gehen und Laufen als Ortsveränderungen werden  heute von der großen Mehrheit der Bevölkerung nur in sportlicher Form  positiv bewertet: Man joggt durch den Wald, geht  aber nicht zur Arbeitsstelle oder ins Theater.
  1213. "Das Motto von Ilse Pleuger, die mit 88 Jahren noch aktiv Sport treibt "Wir werden nicht unbeweglich, weil wir alt werden. Sondern wir werden alt, weil wir uns nicht mehr bewegen".

  1214. Physikalische Bewegung bzw. Fremdbewegung wird durch äußere Kräfte verursacht. Nur Lebewesen sind fähig, Eigenbewegungen mit Hilfe von assimilierten Energien und spezifischen inneren Bedingungen durchzuführen. Bei Menschen bestehen die Bedingungen aus Fähigkeiten wie Wahrnehmen, Erinnern,  Fühlen, Denken, Selbstbewusstsein und Handeln nach eigenen und fremden Werten.  Diese Bedingungen werden bei Ortsveränderungen mit Hilfe von (motorenbetriebener) Fremdbewegung nahezu überflüssig, von den Reduktionen  natürlicher, sozialer und kultureller Umwelterfahrungen ganz zu schweigen. Pointiert: Fremdbewegung reduziert drastisch Subjektivität.

  1215. In den Medien wird erfreulicherweise vermehrt auf die große Bedeutung der Eigenbewegung hingewiesen. Aber es werden nicht, was notwendig wäre, die zwei großen, nichtnotwendigen Verhinderer der Eigenbewegung, das habituelle Autofahren  und Fernsehkonsum, thematisiert. Offensichtlich ist das das große Tabu der Gegenwart.
  1216. Eigenbewegung ist viel mehr als Bewegung. Eigenbewegung ist vita activa. Eigenbewegung ist auch ein Stück Unabhängigkeit. 
  1217. „So wie sich die Mehrheit unserer westlichen und zunehmend westlich geprägten Gesellschaft ein Leben ohne Auto nicht mehr vorstellen kann, kann ich mir seit eh ein Leben ohne fußgängerische Mobilität nicht vorstellen“ (René P. Moor, Freischaffender Fußgänger, www.wanderwerk.ch).
  1218. Primäre Wirkungen zu erzeugen, erfordert Eigenbewegung
  1219. Die Biologie spricht von fünf essentiellen Merkmalen, die allen Lebewesen gemeinsam sind. Eines davon ist das Merkmal „Leben“, womit Eigenbewegung gemeint ist. Nicht, wenn das Rind zum Schlachthof transportiert wird oder Herr X mit dem Auto in das Einkaufszentrum fährt, das wären nämlich Fremdbewegungen. Diese Differenzierung ist heute unverzichtbar, weil in der Alltagssprache inzwischen beide Bewegungsarten vermischt werden.
  1220. Arm ist auch der, der keine Eigenbewegung ausführen kann oder will. 
  1221. Wir haben uns zumindest seit der Steinzeit genetisch nicht verändert., Deshalb sollten wir uns,  wann immer es möglich ist, den Belastungen, die bereits damals herrschten,  aussetzen, und ihnen nicht konsequent aus dem Wege gehen. Das heißt übrigens nicht, auf ein zeitgemäßes Leben, allerdings kritisch modifiziert, zu verzichten. 
  1222. Lebewesen und damit der Mensch ist Eigenbewegung, er hat sie nicht. Fremdbewegung hat man, z. B. ein Auto, aber man ist keine Fremdbewegung, man ist kein Auto. 
  1223. Die Physik kann Eigenbewegung nicht denken, da aber unsere Wahrnehmung und unser Denken immer stärker von der Physik geprägt wird, wird sie zunehmend vernachlässig.
  1224. Die Agenda der überall sich durchsetzenden Motoren-Technologie besteht darin, die Widerstandskraft und Schwere der Materie zu überwinden. Aber die konkrete Auseinandersetzung mit der Materie ist unverzichtbarer Teil ganzheitlicher Humanität.
  1225. Meine Maxime, wenn möglich: Für das Leben, gegen das Pseudo-Leben oder Reduktionsleben.
  1226. Ich finde  die romantische Kleinstadt Klingenberg am Main wohl auch deswegen so schön, weil ich sie und ihre Umgebung mehrere Tag zu Fuß durchstreift habe.
  1227. Das Ich und seine geistig-seelischen Merkmale werden von seiner Leiblichkeit zumindest sehr stark bestimmt. Der Leib wiederum ist per definitionem ein sich bewegender – ohne Bewegung wäre er ein toter Körper. Zu diesen Bewegungen gehört aber auch wesentlich, Ortsveränderungen mit Hilfe von Eigenenergie ausführen zu können. Wird auf diese Fähigkeit verzichtet, nimmt der Mensch Schaden. Die Eigenbewegung stärkt also nicht nur den Körper, sondern auch Geist und Seele des Menschen. Alle drei  Dimensionen bilden dabei eine untrennbare Einheit.
  1228. In der Eigenbewegung spürt man auch die Schwere des eigenen Leibes. Das erklärt einerseits die mit der Zeit steigende Anstrengung, andererseits die Stärkung von Körper, Geist und Seele durch eben diese Anstrengung. 
  1229. Der Leib wird häufig  sowohl in der Eigen- als auch Fremdwahrnehmung  auf einen abstrakten  und statischen Träger von Schönheit reduziert. Dass Schönheit und Leib zusammen gesehen werden, ist Ausdruck von Lebendigkeit, aber problematisch ist eben, wenn vereinseitigt.  
  1230. Beim Autofahren, Fernsehen und beim Lesen ist der eigene Körper überflüssig, der Unterschied zwischen diesen Tätigkeiten  besteht darin, dass in den zwei ersten Aktivitäten permanent körperliche und geistige Unterforderung vorliegt, bei letzten aber - wenn man nicht nur Trash liest – geistiges Wachstum gefördert wird.
  1231. Leibliche Eigenbewegung ist der Ursprung und ständiger Quell des Lebens. Die darauf ruhende Kultur ist Sublimation.
  1232. Eigenbewegung verhilft der eigenen und fremden "Materie" wieder zu ihrer Würde.  
  1233. Was die Sinnenwelt, in der wir leiblich leben, von einer bloß virtuellen Welt unterschiedet, ist ihr Stofflichkeit oder ihre Materie (Meyer-Abich). In dieser Aussage stecken implizit fundamentale Argumente für die Eigenbewegung.
  1234. In der Position von Newton und Descartes gibt es in der Materie nur die Bewegungen der Naturgesetze, die die Mechanik beschreibt. Und diese Bewegungen werden von außen bewirkt.  In diesem Sinne  kann man von Bewegungen von starren oder toten Körpern reden. Wer seine Eigenbewegungen durch  Fremdbewegungen ersetzt, ist so gesehen ein totes Objekt.   Wer auf Eigenbewegung verzichtet, macht sich selbst zu einem Objekt. Wenn ein Lebewesen nicht mehr lebt, wird es auch Materie - auch wenn es hin und her transportiert wird.
  1235. Gehe, und Du bist!
  1236. Innere und äußere Bewegungen sind zwei Seiten desselben Prozesse, der Eigenbewegung.
  1237. Modernisierter Dualismus: "Wenn Menschen beispielsweise telephonieren, während sie irgendwo hin gehen, entziehen sie sich der leiblichen Bewegung auf diesem Wege, in sie ihren Körper sozusagen wissen lassen: Ich habe gerade noch mal etwas zu besprechen, geh´ du nur schon voraus bis zu dem Café an der Ecke - da gönnen wir dann etwas, woran wir gemeinsam Freude haben" (K. M. Meyer-Abich in Scheidewege 40).
  1238. Das Leben und damit die Eigenbewegung ist ein Sonderfall der Kosmologie. Diese einzigartige Fähigkeit des Lebens zur Eigenbewegung ersetzen wir jetzt durch Motore. Das ist der Skandal der Moderne. 
  1239. Der große Fehler der biologischen Begrifflichkeit besteht darin, eines der fünf Merkmale des Lebens mit Bewegung zu bezeichnen. Nein, es ist Eigenbewegung. Das ist der entscheidende Unterschied. 
  1240. Nur wer sich intensiv selbst bewegt oder denkt, ist bei sich, ist eigentlich.
    Sonnenklar: Nur im Gehen und etwas begrenzter beim  Radfahren eignet man sich Welt an, nicht durch Autofahren. Der Wanderer eignet sich  den Schwarzwald an, der Autofahrer, der ihn durchfährt,  eben nicht.  Nur in der Eigenbewegung entsteht die wirkende Einheit von Mensch und Umwelt.
  1241. Eigenbewegung im w. S. ist bei der Mehrheit der Bürger nicht mehr „in“. Aber es gibt Zeichen hoffnungsvoller Gegenwehr.
  1242. Wer Auto fährt, lebt zwar, aber er ist in dieser Situation nicht lebendig. Der Radfahrer und Fußgänger sind qua Radfahrer und Fußgänger  lebendig, zumindest körperlich, aber zumindest später stellt sich auch geistige  Lebendigkeit ein.
  1243. „Ganz sicher ist Gehen nicht die schlechteste Voraussetzung, um nachzudenken. „Ich habe mir meine besten Gedanken angelaufen, und ich kenne keinen Gedanken, der so schwer wäre, dass man ihn nicht beim Gehen los würde“, schrieb der dänische Philosoph Sören Kierkegaard. Und es gibt sogar eine Theorie, wonach der Rhythmus des Gehens einen Rhythmus des Denkens hervorbringt, und dass unser Bewusstsein eine Art Landschaft ist, durch die wir uns denkend bewegen, geradeso, wie wir zu Fuß eine Landschaft durchqueren. Und vielleicht entsteht ja immer dann ein Gefühl von Zufriedenheit, wenn die innere und die äußere Welt einen Moment zur Deckung kommen“ (Freddy Langer).
  1244. Der freiwillige Verzicht auf Eigenbewegung interpretiere ich als Ausdruck unbewusster Todessehnsucht, denn Tod ist  Bewegungslosigkeit.
  1245. Fast alle Bewohner meiner Straße kommen an unserem  Haus vorbei, aber keiner zu Fuß oder mit dem Rad, sondern ausschließlich mit dem Auto.
  1246. Mich kennen viele Menschen unseres Viertels vom Ansehen her, ich aber nicht sie. Warum? Als laufender und Rad fahrender Mensch bin ich sichtbar, die Auto Fahrenden sind hinter getönten Autoscheiben für mich unsichtbar.
  1247. Durch ständige und ausdauernde Eigenbewegung wird die Widerstandskraft gegenüber eigener körperlicher und geistiger Schwäche gestärkt.
  1248. Der Bewegungsmangel hinterlässt Spuren. Deutlich wird dies am Gangbild, der Körperwahrnehmung, beim Greifen (Dr. Gudrun Philipp).
  1249. In der Humanistische Psychologie, insbesondere bei Perls, Reich und Feldenkrais, findet man tiefgründende Argumente für die Eigenbewegung. 
  1250. "So haben etliche Untersuchungen (zur Demenz, bm)  ergeben, dass Rauchen und wenig Bewegung den Abbau des Denkvermögens fördern, während regelmäßige körperliche Aktivität und mediterrane Ernährung davor schützen" (FAZ v. 14. 12. 11).
  1251. Argumente für  Ballettunterricht: Der beste Grund ist jene tiefe Befriedigung, die aus ihm resultiert, jenes überschäumende Vergnügen, das dem Ausübenden dieser Praxis erwächst. Es geht darum, den Kindern ein Weg in ein Tun zu ebnen, in dem sie sich intensiv spüren, ihren ganz eigenen Platz einnehmen können – das aber, indem sie kommunizieren: mit anderen, mit der Musik (aus der FAZ v. 14. 12. 11).
  1252. Es ist im dominierenden Sprachgebrauch missverständlich, wenn in der Biologie Bewegung als ein essentielles Merkmal bezeichnet wird. Eindeutiger wäre es, hier von Eigenbewegung zu sprechen.
  1253. Ich will mich, wie ein Mensch  bewegen, denken, fühlen und werten und nicht, wie ein Auto funktionieren.
  1254. Eigenbewegung hat viel mit Autonomie zu tun  - auch mit geistiger und moralischer. Übrigens wird der Verlust an Autonomie häufig gar nicht bemerkt.
  1255. Eine Erfahrung: Am Tag intensiv geistig arbeiten, abends einen langen und anstrengenden Weg zu Fuß machen - am nächten Tag  ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass man gut denken kann, aber in den  Bewegungsabläufen etwas steifer  ist. 
  1256. Eigenbewegung fördert Lebendigkeit.
  1257. Rilkes Leopard ist ein Beispiel, dass Tiere sehr wohl den Verlust ihrer Bewegungsfreiheit empfinden. Und der Mensch? Die Mehrheit lechzt nach diesem Zustand.
  1258. Es gibt Menschen, die würden sehr viel dafür geben, gehen zu können. Es gibt aber auch sehr viele Menschen, die gehen können, die es aber  nicht tun.
  1259. Selbst der habituelle Autofahrer und Fernsehkonsum lebt, aber er in diesen Tätigkeiten nicht lebendig. Auf diesen Unterschied zwischen lebend und lebendig kommt mir in dieser Homepage alles an: Ich möchte mich selbst und meine soziale Umwelt als lebendige erfahren. 
  1260. Die genetische Ausstattung des Menschen hat sich seit Jahrtausenden nicht verändert. Jahrtausende hat sich der Mensch täglich mehr als zehntausend Meter auf eigenen Füßen fortbewegt, Jetzt hat der Fortschritt, den man hier eigentlich Rückschritt nennen müsste, es mit sich gebracht, dass sich der Durchschnittbürger in den USA weniger, der Deutsche etwas mehr als fünfhundert Meter  außerhalb von Gebäuden  bewegt. Diese Kluft kann man auch nicht allein im Urlaub und wohl nur schwerlich durch Sport ausgleichen. Angesagt ist deshalb: Eigenbewegung im Alltag. Übrigens bringen alle Tätigkeiten Spaß, die genetisch fundiert sind - das gilt nicht nur für das Gehen. 
  1261. Eigenbewegung = Lebensqualität.
  1262. Eigenbewegung verlangt die volle Selbstorganisation, auch das macht ihren Wert aus. 
  1263. Eine Vermutung: Der Liebesakt wird vielleicht in Zukunft die letzte Tätigkeit sein, die den größten Widerstand gegen die vollkommene Ersetzung der Eigenbewegung durch motorengestützte Fremdbewegung entfalten wird.
  1264. Eigenbewegung aktiviert gegebenenfalls Selbstheilungskräfte.
  1265. Maxime: Ohne Auto mobil.
  1266. Zu Fuß gehen sollte eigentlich an erster Stelle zum Verkehr gezählt werden. In München sind es 29 % der Wege, die wir so zurücklegen (aus "Standpunkte", Münchener Forum).
  1267. Wer seine Stadt (und sich selbst)  liebt, geht zu Fuß, fährt mit dem Rad oder benutzt öffentliche Verkehrsmittel.
  1268. Im eigenen Blick ist viel Freiheit und wenig Algorithmus, beim Bild und erste recht im Film verhält es sich umgekehrt. 
  1269. Hermeneutik thematisiert das Verstehen. Verstehen ist eine Eigenleistung, ja eine Eigenbewegung. 
  1270. Eigenbewegung = Ich, Fremdbewegung = System, in dem ich eine Funktion als notwendiger Teil bin.
  1271. Das Leben kommt fast ohne Körper und Eigenbewegung aus (ja, scheint sogar das Ziel der Moderne zu sein), aber nicht das Lebendige.
  1272. Eigenbewegung und Fremdbewegung entspechen  tendentiell eigentlich und uneigentlich bei Heidegger.
  1273. Zugreifen und Begreifen sind Ausdruck von Lebendigkeit.
  1274. Maxime: Das Leben lebendiger machen.
  1275. Fazit: Man kann die Differenz „Ich lebe“ und „Ich bin lebendig“ nicht vollkommen ohne Widersprüchen klären.
  1276. Was ist lebendig? Der  Zustand des Lebendigseins besteht aus der Einheit von Algorithmus und Freiheit (auch Selbsttätigkeit im Sinne von Spontaneität). So gesehen ist Eigenbewegung wesentlich lebendiger als Fremdbewegung. Hier gibt es nur komparative Unterschiede, denn solange etwas lebendig ist, sind Freiheit und Algorithmus gleichermaßen vorhanden, allerdings in verschiedenen Mischungsverhältnissen. 
  1277. Leo Pruimboom MSc - Wissenschaftlicher Direktor der Natura Foundation, Therapeut für klinische Psychoneuroimmunologie, Physiotherapeut, Physiologe und assoziierter Professor der Universität Girona: Um so gesund zu werden, wie wir es einmal waren, müssen wir uns wieder bewegen, wie wir uns schon immer  bewegt haben. Wenn wir unseren Genen die seit Zehntausenden Jahren vertrauten Existenzbedingungen wiedergeben, dann regeneriert sich der Körper innerhalb weniger Tage.
  1278. Eigenbewegung ist eigentliches Leben, weil ganzheitlich.
  1279. Mein  sich bewegender Leib befindet sich immer in einer bestimmten realen Umwelt, die immer auf ihn wirkt, auch wenn er es nicht bemerkt. Auch dann ist die Umwelt wichtig für uns Menschen.  Mit anderen  Worten:  Man darf die Wirkwelt nicht mit der Merkwelt gleich setzen bzw. sie auf Merkwelt reduzieren. 
  1280. Lesen verlangt intensive Einsetzung von Lebenskraft, Fernsehen ein Minimum. Lesen hat viel mit Eigenbewegung, Fernsehkonsum viel mit Fremdbewegung zu tun. 
  1281. Bewegung gilt als ein essentielles Merkmal des Lebens. Hier müsste aber nur von Eigenbewegung gesprochen werden, denn auch ein totes Lebewesen kann transportiert werden, befindet sich dann also in Bewegung, aber eben nicht in Eigenbewegung.
  1282. Eine Forderung sinnvoller Fahrradpolitik: Bestehende Autostraßen in Fahrrad- und Fußgängerstraßen umwidmen, die letztlich ein Netzwerk innerhalb einer Stadt, aber auch zu anderen Städten und Siedlungen bilden. D. h. Verzicht auf Radwegen, die parallel zu Autostraßen angelegt sind.
  1283. Eigenbewegung ist ein selbstgeschaffenes, eigenständiges Werk, d. h. keine Ware. 
  1284. Der Mensch sollte ein beweglicher Mittelpunkt und kein transportiertes Abstraktum sein. 
  1285. Losgehen heißt, Primärerfahrungen von sich und der Umwelt machen.
  1286. Wer geht, sieht mehr.
  1287. Selbst in der Materie findet ständig Bewegung statt, im Grunde ist die Materie Bewegung. In der Bewegung entstehen Beziehungen, Muster, Wege.
    Atem = Seele = Leben. Nur in der Eigenbewegung atmet man tief und intensiv.
  1288. Wer auf seine äußeren Eigenbewegungen verzichtet bzw. minimalisiert, läuft große Gefahr, sein eigenen Kern zu verlieren.
  1289. Ein habitueller Autofahrer – so meine Vermutung – hat einen anderen Blick auf Welt als Fußgänger, Radfahrer und Nutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln.
  1290. Leben ist immer eine Mischung von Spontaneität und Technik im weitesten Sinne.
  1291. "Ulrich Wickert fährt lieber Fahrrad als Porsche" (Flensburger Tageblatt).
  1292.  Im Gehen verbindet man viel mehr Dinge durch eigenes Handeln als man denkt. 
  1293. Beim Arzt sollte man mehr fragen „Was kann man mit mir tun?“,  sondern „Was ich kann ich für meine Gesundheit tun?“
  1294. Die Verabsolutierung des  Begriffs  Sinnlichkeit ist irreführend, als ob das bewegungslose Wahrnehmen wie vor dem Fernsehschirm oder aus dem Busfenster schon genügt.
  1295. Meine Theorie der Eigenbewegung ist wesentlich ein Segment von  Qualia.
  1296. "Den gleichmäßigen Boden, auf dem wir gehen, beachten wir überhaupt nicht, und eben dieses Gehen läßt uns anderes denken" (Paul Valery). Aber dieser Boden wirkt auf uns.
  1297. Viel Bewegung am Arbeitsplatz schützt vor Verspannung“ (Flensburger Tageblatt v. 29. 10. 11).  Mit „Bewegung“ ist hier  – und das ist entscheidend –  nicht Autofahren gemeint.
  1298. Nietzsche und andere Denker verkörpern den Geist, d. h. sie verlegen Ursprung und die ständige Quelle des  Geistes in den Leib – und der ist immer ein sich bewegender. Und in der Bewegung vermitteln sich viele Erkenntnisse. Und auf die verzichtet man in der Fremdbewegung. Und das feiert man als Fortschritt. Da frage ich mich, ob nicht mit der erfolgreichen Stillstellung des Leibes gleichzeitig existentielles Denken ausgeschaltet wurde. 
  1299. Natura naturans ist die schöpferische Kraft des Lebens. Bewegungen  kann man auf ein Kontinuum mit den Polen natura naturans und natura naturate einfangen und einordnen. Diese Pole entsprechen Eigenbewegung und Fremdbewegung. In der Eigenbewegung ist noch viel vom Werden vorhanden. 
  1300. Im Modus der Eigenbewegung ist man lebendig.  
  1301. „Kopf an: Motor aus. Für null CO2 auf Kurzstrecken" (Schild an einer Fahrradstation in Karlsruhe).
  1302. Nur in der Eigenbewegung findet eine relativ intensive  Kommunikation zwischen Körper, Geist und Seele statt. Keiner dieser drei Bereiche liegt brach.
  1303. "Auf dem Gipfel ihres Erfolgs begannen die modernen Reiseformen ihren Reiz  zu verlieren. Die sommerliche Autofahrt  nach Kärnten  oder Rimini galt nicht länger als Inbegriff von Freiheit, sondern als das, was sie immer schon war - eine Strapaze für Körper und Geist, die man so schnell wie möglich hinter sich bringen wollte. Auch dem Luftverkehr blieb diese Entzauberung nicht erspart. Mit der Selbstverständlichkeit, mit der er Jahr für Jahr praktiziert wurde, hatte der Urlaubsflug seinen emotionalen Mehrwert eingebüßt - schließlich waren die weltweiten Destinationen immer austauschbarer geworden. So erlebte genau das eine Renaissance, was noch als vorsintflutlich verlacht worden war: die Fortbewegung mit eigener Muskelkraft. Das weiträumige Zufußgehen versprach jene Intensität, die im Zeitaler des Massentourismus über Bord gegangen war" (Gerhard Fitzthum in der FAZ v. 20. 10. 11).
  1304. Kategorien und Anschauungsformen sind deshalb unbegreifbar, weil sie über keine Veränderungen in der Zeit  verfügen, also keine Unterschiede bilden. Erst in der Veränderungen schaffenden Zeit, die Bewegung ist, ist Erkenntnis möglich.
  1305. Ein Weg, je ausgestalteter er ist,  nimmt viele Entscheidungen ab - im Gegensatz, wenn man weglos, querfeldein läuft. Wege gehen, hat  Gewinne, aber auch Verluste. 
  1306. Vergleiche die hier beschrieben Architektur mit monotonen Autostraßen: „Wir erleben die Architektur im Durchschreiten, nicht als Betrachter, der sich von einem festen Standort aus in die bildhaften Aspekte der Architektur versenkt, sondern als handelnde Person, die Raum und Volumen des Bauwerks benutzt. Nun ist die Abfolge, in der sich die Architektur erschließt, nicht ein Nacheinander gleichwertiger Eindrücke, sondern hier ist zu unterscheiden zwischen Raumfolgen, die gewissermaßen vorbereitenden Charakter haben, und dem plötzlichen Eintreten in einen Bereich, in dem sich der dem Ganzen zugrunde liegende Baugedanke in einem kurzen Augenblick erschließt“ (Jan Pieper, „Architektonische Augenblicke“ in „Augenblick und Zeitstruktur“).
  1307. Entwickeln wir doch eine Zivilisation  der Eigenbewegung.
  1308. Ein Phasenodell der Veränderungen der Gefühle während eines mühevollen  Weges: Wenn ich morgens die  Dusche trocken wischen muss, habe ich einen Weg vor mir mit folgenden Phasen: Phase A: Da ich diesen schwierigen „Weg“ kenne, habe ich keine Lust und aktiviere Fluchtgedanken, die ich schließlich verwerfe. Phase B: Ich fange an, habe aber im Hinterkopf den Gedanken „Heute kürzt Du den Weg ab.“. Phase C: Langsam schleicht sich in meine Seele Befriedigung, vielleicht sogar Lust ein, die zunehmend  größer wird.  Phase D) In der Mitte des Weges dominiert die Freude, wohl auch deswegen, da ich  nun ein Ende des Weges sehe. Phase E: Die Arbeit ist beendet, also ich bin  am Ziel angekommen. Ich bin sehr zufrieden begleitet von dem Gedanken „Es war doch gar nicht schlimm“. Ich denke, dass man diese Episode verallgemeinern kann.
  1309. Was geht beim Wandern mit?  „Es ist eben nicht nur das Wandern allein, das einen fesseln kann, sondern die Geschichte und Geschichten der Landschaft, die man durchwandert" (Die Andrack-und-Grober-Story im Wandermagazin 11/12, 2011).
  1310. "Das Denken ist ernsthaft allein durch den (sich bewegenden, bm) Körper (Paul Valery).
  1311. Tips zur Eigenbewegung im Mikrobereich: Stellen Sie das Telefon außer Rechweite, Verabreden Sie sich zu einer bewegten Pause, Arme aktiv mitschwingen. Park & Go, Steigen sie eine Haltestelle früher aus, Nehmen Sie zwei Stufen, ....(aus einem Flyer von Gunnar Hansen).
  1312. Empirisch ist der Hauptverhinderer von Eigenbewegung das Auto. Diesen Befund zu benennen, ist das große Tabu in unserer Gesellschaft.
  1313. Städtebau und Architektur zielten auf den Bewegungssinn der Bürger: entweder laden Straßen und Gebäude zum Gehen oder zum Autofahren ein.
  1314. Es gibt inzwischen viele Menschen, bei denen durch lange „Übung“ das Vermögen, mit eigener Körperkraft sich fortzubewegen, nahezu gänzlich versiegt ist. Gehen zu können ist ein Vermögen, also Reichtum.
  1315. „Den gleichmäßigen Boden, auf dem wir gehen, beachten wir überhaupt nicht, und eben dieses Gehen läßt uns anderes denken (Paul Valery). Das stimmt, aber  der Weg wirkt auf uns.  Und ebenfalls von Paul Valery: „Ich vermochte nie etwas zu lernen, es sei denn auf dem Wege über mich selbst“. Dieser Weg ist  durch aktive Mobilität aus eigener Körperkraft gewonnen! Das macht den Unterschied zum Transportiertwerden.
  1316. Nach Goethe zielt gelungene Baukunst (und Städtebau, bm) auch physiologisch auf den Bewegungssinn des menschlichen Körpers. Dieses Kriterium ist - von wenigen Ausnahmen abgesehen – sowohl bei den Erbauern als auch bei den Nutzern bis zur Unkenntlichkeit aus Wahrnehmung und Bewusstsein zurückgedrängt worden. 
  1317. Goethe: "Baukunst sei nicht bloßer Augenschmaus, sondern beruhe auf der Materialswahl als Formprinzip und ziele physiologisch auf den Bewegungssinn des menschlichen Körpers. Sein Bild vom tanzenden Blinden: Der Körper, wie wir im Tanzen sehen, fühlt eine angenehme Empfindung, wenn er sich nach gewissen Gesetzen bewegt. Diese Empfindung sollte ein Blinder haben, der durch ein wohlgebautes Haus geführt würde" (FAZ, Goethe war nie in Paris v. 8. 10. 11).
  1318. Erich Fromms „Haben und Sein“ entspricht Fremdbewegung und Eigenbewegung. In der Fremdbewegung "ist" man nicht, sondern wird transportiert. Beide Formen der Mobilität  haben sowohl in der Binnenperspektive als auch aus der Außenperspektive sehr verschiedene Wirkungen. Zeitpunkt und Augenblick entsprehen  ebenfalls dieser Dualität.
  1319. Das Problem bei der Verwendung des Verbs „fahren“ besteht darin, dass bei dem  Fahren mit  einem Rad der Eigenbewegungsanteil unterschlagen wird, während Autofahren reine Fremdbewegung ist.
  1320. „Ich sehe, dass ich nur das als erworben betrachte, was ich selber erworben habe, durch Vorantasten und Fehlschläge“ (Paul Valery). Das gilt auch für die Eigenbewegung.
  1321. Das Netzwerk „slowmotion“ spricht treffend und elegant  von der „aktiven Mobilität aus eigener Körperkraft und den verschiedenen Formen passiver Mobilität mit Fremdenergie“. Diese Formulierung deckt sich mit den von mir verwendeten Begriffen „Eigenbewegung und Fremdbewegung“.
  1322. Die offensichtlich unaufhebbare Differenz, dass ich meine Wunde aus der Außenperspektive entweder als Wunde sehe oder in  der Binnenperspektive als Schmerz empfinde, hat natürlich unterschiedliche Auswirkungen auf  meinen Körper, mein Bewusstsein und meine Gefühlswelt. Dieses gilt ebenso für die Eigenbewegung und Fremdbewegung. Aus der Außenperspektive bekommt  die Eigenbewegung ihren Wert  im medizinisch-gesundheitlichen Bereich.  In der Binnenperspektive entfaltet sie ihren Wert im Selbstbewusstsein in Form seelischer Stärkung und im tieferen Wissen um das eigene Ich. In der Fremdbewegung  wird aus der Außenperspektive der Wert im Erreichen des Ziels gesehen,  während in der Binnenperspektive die Auswirkungen der Fremdbewegung auf das Ich nicht zufälligerweise  als gegen Null interpretiert werden - was meine kritischen Einwände in dieser Homepage  zu widerlegen versuchen. 
  1323. Das Wie der Begegnung ist genau so wichtig wie das Was. Es macht  aus meiner Sicht einen  fundamentaler Unterschied aus, ob ich einen Berg ersteige oder mit dem Auto hinauffahre.
  1324. Die Vertreter der Künstliche Intelligenz suchen  verzweifelt nach einem (lebenden) Leib, denn der Computer hat  nur einen (materiellen) Körper.
  1325. "Vom Körperbau her müßte der Homo sapiens täglich 30 Kilometer rennen. Heutige Zivilisationsmenschen bewegen sich oft nur wenige hundert Meter am Tag" /Spiegel Nr. 40/1. 10. 11).  Diese Differenz muss aus Egoismus verkleinert werden und das am einfachsten durch Eigenbewegung im Alltag. Und: Warum  ist es nur so hammerschwer, für diese notwendende Maxime theoretisch  Verständnis  und praktisch Verwirklichungen  zu erreichen?  
  1326. Wir sind dabei, unser angeborenes  Vermögen, sich selbst zu bewegen, durch Nichtinanspruchnahme verkümmern zu lassen.
  1327. In der Eigenbewegung verankert man die Bewegung in sich selbst. Daraus entsteht ein Recht, das man selbst erworben hat.
  1328. Eigenbewegung ermöglicht äußere Erfahrungen und gleichzeitig eine unmittelbar innere Aneignung, die neben Kognition, auch Wollen, Bewerten, Fühlen umfasst
  1329. Wie viele Bewegungen, Augenblicke und Worte wechselt man auf einer längeren Zugfahrt und sie mit  einer Autofahrt von gleicher Distanz vergleicht?
  1330. Ein Argument für die Eigenbewegung: Die jeweilige Umwelt wirkt immer ganzheitlich (Wirkwelt), auch wenn wir sie  nicht in toto oder im Detail bemerken (Merkwelt).
  1331. Der Leib ist der eigentliche Kern  des Individuums. Zum Leib gehören wesentlich Eigenbewegung, Wahrnehmung, Stoffwechsel, Sexualität, Wachstum und darauf aufbauend Gefühle und Denken. Zum Denken gehören die Möglichkeit des Selbstbezugs sowie das Nichts und damit die Negation denken zu können. 
  1332. Der Leib schafft objektive Begrenzungen, während der Geist grenzenlos ist. Der Leib verleiht die Sicherheit des Bei-sich-Seins. 
  1333. Auf seine Eigenbewegung zu verzichten, heißt, auf eine fundierte Autonomie zu verzichten. Der sich bewegende Leib ist die notwendige Bedingung des Subjektseins. 
  1334. Ein Bewusstsein ohne aktiven Leib ist ein anderes als mit einem aktiven Leib. Genau um diesen Unterschied geht es mir.
  1335. Eigenbewegung kann in einer allgemeinen Lesart mit Leben,  Fremdbewegung mit  Determinismus gleich gesetzt  werden.
  1336. Erfahrungen ohne den sich bewegenden Leib sind in der Regel langweilig.
  1337. Ein Argument für die Originalbegegnung:  Das Ding an sich ist ein rein sinnlich Gegebenes. Wir können das sinnlich Gegebene nicht bestimmen, denn die Artikulation der Stimme ist gelernt, ist also etwas Geistiges im  weiteste  Sinne. Im Ergreifen und Begreifen steckt bereits Geist. Aber das Ding wirkt, auch auf uns, obwohl wir es nicht erkennen können. 
  1338. Im  Erleben wird das Element des Bewegens und der Bewegung zu wenig berücksichtigt, obwohl es existenziell am Entstehen eines Erlebnisses beteiligt ist. Der Akzent liegt zu sehr auf Sinnlichkeit. Man sollte nicht von sinnlicher, sondern von sinnlich-sich bewegender Wahrnehmung sprechen.
  1339. Intensives Leben bewegt sich.
  1340. In der sitzenden Gesellschaft leben die Menschen ein Leben mit einem still gestellten, bewegungslosen Leib.
  1341. Der Leib spielt nicht nur in den bekannten Philosophien  eine Nebenrolle, sondern als sich bewegender auch zunehmend in der modernen Lebenswelt.
  1342. Ich muss nicht Joggen und anderen  Individualsport treiben, denn meine täglichen Bewegungen in Alltagssituationen genügen dem Bewegungsbedürfnissen meines Leibes. So sind wir gestern Abend zum Theater gelaufen, eine Strecke von insgesamt acht Kilometern. Das genügt.
  1343. Viel Essen und wenig Bewegung schwächen den Geist, wenig Essen und viel Bewegung stärkt ihn. Der jeweilige positive Effekt auf den Geist ist allerdings zeitlich und vom Umfang her nicht mit Sicherheit prognostizierbar.
  1344. Bei Descartes ist der eigene Körper lediglich Träger des Geistes, der autonom ist. Der Körper hat keinen Einfluss auf den Geist, egal z. B., ob er sich bewegt oder ob er bewegt wird oder ob er still gestellt ist. Diese Position dominiert inzwischen das Alltagsbewusstsein.
  1345. Das Konzept der Eigenbewegung ist viel mehr als eine Theorie der Bewegung, denn es erhebt den Anspruch,  gegenüber den dominanten Entwicklungsprinzipien im Kern eine fundamentale Alternative zu sein, durch die und nur durch die eine lebenswerte Zukunft möglich sein wird. Dass die in dieser Homepage und in anderen Veröffentlichungen geäußerten Gedanken theoretisch und praktisch  weiter entwickelt werden müssen, ist wegen der Größe der Aufgabe zwingend. Die Menschheit hat zweihundert Jahre gebraucht, um das gegenwärtige einseitige System zu dieser Allmacht zu entwickeln. Viele Jahrzehnte werden notwendig sein, um diese Einseitigkeit in eine Ausgewogenheit zu überführen, um die oben bereits angedeutete lebenswerte Zukunft zu ermöglichen.
  1346. Wenn der sich bewegende und wahrnehmende Leib einen Raum im Modus der Eigenbewegung durchläuft, entsteht unweigerlich eine Einheit von diesem Leib und diesem Raum. Dieser Raum hat nun für den  sich Bewegenden Qualitäten, die er vorher nicht hatte. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese  Qualitäten beim Autofahren oder gar beim Fernsehen entstehen, ist viel geringer. Diese Einsicht ist der entscheidende Punkt meiner Arbeit.
  1347. Die große Schwierigkeit besteht darin, Wahrnehmen nicht als eine rein geistige Funktion zu interpretieren, sondern als eine Funktion einer untrennbaren Geist-Materie-Einheit, des Leibes, zu verstehen. D. h. die Materie ist in diesem Prozess konstitutiv beteiligt. Zugespitzt: Die Materie beteiligt sich zusammen mit dem Geist an der Wahrnehmung. 
  1348. Die theoretische und zunehmende im Alltag gewinnende Auffassung, dass der Leib in Wirklichkeit eine Art Maschine sei, ein Körper, den man so oder so behandeln kann, was aber keinen Einfluss auf das geistige Ich habe, gilt es zu widersprechen. So hat eine sitzende Lebensweise nicht nur körperliche Krankheiten durch Nichtnutzung zur Folge, sondern auch seelisch-geistige negative Folgen.
  1349. In der Eigenbewegung sind Gehende bzw. Rad Fahrende und deren Umwelt eine ganzheitlich Einheit, also  nicht abstrakt. Die Umwelt  im Bewusstsein ist  offensichtlich nie ganzheitlich, sondern mehr oder weniger abstrakt im Sinne von Reduktion. Letzteres hat viel mit Bedeutung zu tun. Bedeutungen haben in der Regel  immer Selektionen zur Folge.
  1350. Embodiment bedeutet in der schwachen Form „Vergehirnung“, in der starken Form „Verleiblichung“.
  1351. Zuschauer haben ein Minimum an Aktivität, die sich umgekehrt proportional zur Aktivität der Akteure auf der Bühne oder im Stadium verhält. 
  1352. In jeder Handlung sind äußere und innere Bewegungen enthalten. Autos ersetzen primär äußere, Fernseher primär innere  Eigenbewegungen. 
  1353. Ein Weg muss begangen, nicht befahren werden. Fahren ist Reduktion von Erfahrungen.
  1354. Äußere Bewegungen verlangen muskuläre Tätigkeiten, innere Bewegungen biochemische.
  1355. Wenn Mobilität abstrakt heißt, zum Ziel zu gelangen, egal wie, dann lehne ich diesen Begriff ab, weil zu undifferenziert. Warum? Der existenzielle Unterschied von Eigenbewegung und Fremdbewegung wird eliminiert. Entweder man besteht darauf, dass mit dieser Wort nur Formen der Eigenbewegung verstanden werden oder bezeichnet damit ausschließlich Fremdbewegung. Tertium non datur.
  1356. Wer seinen Leib still stellt und primär einer sitzenden Lebensweise frönt, verzichtet auf einzigartige Lebenserfahrungen.
  1357. Ein Mensch ohne größere Eigenbewegungen ist ein halbierter.
  1358. Eigenbewegung dient der Selbst- und Umwelterhaltung.
  1359. Eigenbewegung, ob im Mikro- oder Makrobereich, kommt mit einem Minimum an Energie und Materie aus. Das gilt für alle Lebensfunktionen.
  1360. Leben ist Bewegung und zwar nur als Eigenbewegung, d. h. mit eigener Energie und nicht mit Hilfe von Motoren durchgeführt. Diesen fundamentalen Unterschied zu unterschlagen, ist einer der großen Irrtümer der Gegenwart.
  1361. Erst in und durch die Eigenbewegung entstehen Orte, Heimat, Vertrautheit.  Der Autofahrer hat nur noch einen mathematisch bestimmbaren Ort, im ganzheitlichen Sinne ist er ortslos.
  1362. Der eigene Körper wird erst durch Eigenbewegung zum Leib.
  1363. Die für die Eigenbewegung so wichtige Qualia-Perspektive ist aus naturwissenschaftlicher Sicht  keine wissenschaftliche Position.
  1364. Die Ergebnisse, die durch langfristiges Beobachten als Gesetze zusammengefasst werden, sind eine Art Zwitter, d. h. sie haben eine innere und äußere Wirklichkeit: Wer unter einem Gesetz steht, kann sich ihm nicht entziehen. Dessen Inneres aber nur auf gesetzmäßiges Verhalten reduzieren, heißt, Freiheit zu leugnen. Das ist ein hoher Preis. Die Erfahrungen der Eigenbewegung setzen einen anderen Akzent. 
  1365. Das Leben aus der Selbstperspektive thematisiert entweder seine äußere Form (gewissermaßen als Selbstbild) oder seine innere Kraft. Das entspricht Außen- und Binnenperspektive oder Körper und Leib oder Form und Inhalt, die sich aber beide wechselseitig beeinflussen. Inhalt hat etwas mit Qualia zu tun, Form mit dem äußeren, gewisssermaßen naturwissenschaftlichen  Blick auf sich selbst.  Übrigens verstärkt sich  der äußere Blick auf  sich selbst  immer mehr.
  1366. Die Umwelt ist ein  Ermöglichungsgrund für den sich bewegenden Leib und der bewegt sich zwischen freier Selbstbestimmung und innerer bzw. äußerer Determination.
  1367. Die  Differenz zwischen Eigenbewegung  und Fremdbewegung  entspricht der zwischen Originalbegegnung mit einem Gegenstand und dessen Abbildung.
  1368. Ich sitze in einem stehenden Zug auf dem Bahnhof. Auf dem andere gleich steht ebenfalls ein Zug. Plötzlich fährt einer der zwei Züge, aber welcher?  Gehe ich, entsteht erst gar nicht dieses Erkenntnisproblem. Das ist die Sicherheit, die nur die Eigenbewegung vermittelt. Diese Gewißheit "Ich bin es, der sich bewegt" durchdringt nicht nur meine Wahrnehmung und Denken, sondern fundiert meine Persönlichkeit.
  1369. Sich auch über Eigenbewegung zu definieren, macht Sinn, nicht aber über Fremdbewegung. 
  1370. Der Leib ist immer ein sich bewegender, sei es im Mirko- oder Makrobereich. Und erst in der Bewegung nimmt er wahr.
  1371. In der Eigenbewegung finden Wissenserwerb über die Umwelt sowie  über sich selbst und Willensbildung statt.
  1372. Eigenbewegung ist viel mehr als körperliche Bewegung. Eigenbewegung ist geistig und körperlich durch und durch etwas Eigenständiges. 
  1373. Die Transformation von Leibesbewegungen in psychische Prozesse nur über die Muskeln zu beschreiben und erklären (wie ich es bisher versuchte), ist unvollständig. Es gilt auch, die hormonalen Prozesse zu berücksichtigen.
  1374. Beim Wandern herrscht das menschliche Maß und Können.  Im Wandern gibt es keine Sprünge mit Hilfe von technischen Apparaten.  Beim Wandern gibt es kein Schummeln, Schritt für Schritt müssen selbst durchgeführt werden. 
  1375. "Eigen" hat mehr eine physische, "selbst"  mehr eine reflexive Konnatation.
  1376. Nach einer zwangzig Kilometer langen Wanderung entsteht  wohl  zwangsläufig Zufriedenheit.
  1377. Geistige und körperliche Eigenbewegungen können gleichzeitig, aber auch zeitlich verschoben stattfinden.
  1378. In jeder Situation gibt es verschieden Grade der Möglichkeit der Eigenbewegung. Beim Gehen hat man mehr Freiheitsgrade  als im Zug oder gar im Auto.
  1379. Das Leben ist ein Gemisch aus Genuss und Anstrengung, so auch die Eigenbewegung - anders bzw. einfacher ist das Leben nicht zu haben.
  1380. Wenn Du den konstitutiven Beitrag der Eigenbewegung nicht anerkennst, mache folgende zwei Erfahrungen und vergleiche sie: a) fahre mit dem Auto in das zwölf Kilometer entfernte Cafe oder b) wandere dorthin.
  1381. Wollen Sie Autor oder Schauplatz Ihres Erlebnisses sein?“ (Peter Bieri)
  1382. These: Das konstitutive Moment der Eigenbewegung im Erkenntnisprozeß und in der Bildung der Identität wird  in in der wissenschaftlichen Literatur nicht in der nötigen Tiefe und Umfang dargestellt. 
  1383. Eigenbewegung ist eine unverzichtbare Möglichkeit des Leibes, sich auszudrücken und darzustellen.  Expressivität  ist übrigens ein essentielles Merkmal des Menschen.
  1384. Die Umwelt wird leibräumlich erlebt. Im Er-leben ist immer Bewegung enthalten. Wie ein Lebewesen  nicht auf  die vier essentiellen Merkmale des Lebens (Wahrnehmung, Stoffwechsel, Fortpflanzung, Wachstum) verzichten kann, so auch nicht auf das fünfte Merkmal „Bewegung“ (womit eindeutig „Eigenbewegung“ gemeint ist. nicht ein Transportiertwerden). Empirische Befunde belege, aber, dass  genau dieses essentielle Merkmal marginalisiert wird.
  1385. Neurobiologie deutet die geistigen Repräsentationen materialistisch: „Den Baum, den du  dort siehst, besteht real nur aus Gehirnprozessen". Ein autonomes Subjekt gibt es nach dieser Auffassung nicht, es zu denken ist  überflüssig. Aber Eigenbewegung ist Ausdruck eines Subjekts. Wenn das stimmt, dann  ist der sich bewegende  Leib das große revolutionäre Hindernis gegen die Mechanisierung der Welt.  Mit der Eigenbewegung beginnt diser Widerstand.
  1386. In unserer Region gibt es ein „Motion-Certer“. Ich lehne diese Bezeichnung ab, weil ich meine, dass Eigenbewegung  sich nicht auf eine bauliche oder organisatorische Institution beschränken sollte, sondern  ein Mittel der Fortbewegung ist, wo immer man sich befindet.
  1387. Ein Leib ist immer ein sich bewegender. Um ein Problembewusstsein für die Prägekraft der Sprache zu erzeugen, sollte man nicht von dem „sich bewegenden Leib“, sondern von der „leibenden Bewegung“ sprechen. Zugegebenerweise ist diese Sprechweise sehr befremdlich, aber als Provokation vielleicht hilfreich. 
  1388. Letztlich dürfte man gar nicht von Seele bzw. Geist und vom lebendigen  Körper reden, sondern nur vom sich bewegenden Leib als dem eigentlichen Subjekt im Sinne von „Mein Leib will dieses oder jenes“. Mit "Ich" wäre also immer „mein bewegungsfähiger Leib“ gemeint, nie mein Geist, meine Seele oder gar allein mein Körper.
  1389. Eigenbewegung und Fremdbewegung als Formeln: S = S („Ich bewege mich“) und   S = O („Ich werde bewegt“).
  1390. Die Einheit von Körper und Seele bemerke ich immer unmittelbar, wenn ich versuche zu balancieren. Da schwankt nicht allein nur meine Seele und auch nicht allein mein Körper. 
  1391. Auch die abstraktesten Gedanken haben ihren Ursprung im sich bewegenden Leib. Ob dieser Ursprung wiederum bedingt ist, vermag ich und will ich nicht hier zu beantworten. 
  1392. Die Isolierung aller Prozesse auf Gehirn bzw. Seele ist ein mereologischer Fehlschluß, der zwar falsch, aber verständlich ist, denn das Ganze wird sprachlich dargestellt, was wiederum dem Geist zugeordnet wird.
  1393. Ermutigend: In zehn Jahren soll sich die Zahl der Wanderer um 70 Prozent erhöhen.(
  1394. Der Leib hat das Vermögen, sich zu bewegen, aber er muss diese Potenz aktualisieren, also ausleben,  sonst verkümmert sie. Wir sind eben keine Pflanze, die sich nicht bewegen kann und auch nicht muss.
  1395. Der Körper selbst hat nach Descartes keine Seele. Descartes darf den Begriff Leib nicht verwenden. Übrigens ist der Leib immer ein sich bewegender.
  1396. Eine schöne Landschaft: Bitte nehmen Sie nicht Platz.
  1397. Eigenbewegung ist Leben in Reinform, Fremdbewegung ist massiv reduziertes Leben.
  1398. Jedes Lebewesen, jeder Mensch hat von Geburt an  bis ins hohe Alter einen intensiven Bewegungsdrang, den er wegen bestimmter gesellschaftlicher Normen nicht ausleben darf und wegen vorhandener technischer Möglichkeiten nicht mehr ausleben will. Die Folge: Der Körper und indirekt die Seele erstarren.
  1399. Im Wort „Fortschritt“ steckt „schreiten“. Die Basis des Fortschritts ist  also das Gehen.
  1400. Zur Eigenbewegung gehört auch, unnötige Stützen aller Art zu meiden.
  1401. Nach Platon bewegt sich die Seele selbst  - im Unterschied zu allen Objekten, deren Bewegungen von außen verursacht werden. Setzt man Seele mit Person gleich, dann gehört die Eigenbewegung zu diesen, die Fremdbewegung zu den Objekten. Der  Autofahrer aus sich selbst ein Objekt.  Aber die Eigenbewegung ist eine einzigartige Qualität, auf die nicht verzichtet werden darf.
  1402. Ein Vermögen wie z. B. die Fähigkeit des Gehens,  muss ständig aktualisiert werden, sonst bildet es sich unaufhaltsam  zurück.
  1403. Eigenbewegung ist Nahrung für Körper, Geist  und Seele. Und diese "Nahrung" kostet nichts. 
  1404. Der zeitgemäße Mensch wird nicht nur in Bezug auf Eigenbewegung im Makrobereich, sondern auch im Mikrobereich enteignet bzw. entmündigt sich selbst. Im Mikrobereich meide Rolltreppen, Fahrstühle, ja Geländer. Lege nicht alle Auslöser für Wege zusammen. Es ist ein Genuss, in den Keller oder in die Gartenhütte zu laufen, um irgendetwas zu holen. Gewinne deine Fähigkeit zur Eigenbewegung zurück.
  1405. In öffentlichen Verkehrsmitteln wie Zug und Bus ist man von der Außenwelt genauso hermetisch getrennt wie im Auto, aber nicht in sozialer Hinsicht, denn in den öffentlichen Verkehrsmitteln  gibt es in der Regel ein reiches soziales Leben.
  1406. Durch Eigenbewegung wird nicht nur der Leib, sondern die Identität gestärkt.
  1407. Fußläufigkeit und sich gegenseitig ins Angesicht schauen können (Face-to-Face-Begegnung) sind unverzichtbare Bedingungen für Urbanität (geht auf Tede Boysen zurück).
  1408. Ein Psychologe rät: Trotz Nässe raus gehen! Also nicht ins Auto setzen. 
  1409. Eine längere Strecke zu Fuß zu gehen oder mit dem Rad zu fahren,  heißt auch, Widerstände überwinden. Mit diesem Überwinden findet gleichzeitig eine Stärkung des Körpers, Seele und Geist statt, was oft erst nach einer Ruhepause bemerkt wird.
  1410. Der Begriff „bewegen“ im Sinne von Eigenbewegung ist kontextabhängig. Die Reduzierung bzw. Abstrahierung  von Bewegung bzw. Mobilität auf reine Ortsveränderung, ist das Einfallstor für die Gleichsetzung von Eigenbewegung und Fremdbewegung: Es ist egal, ob ich zu Fuß oder mit dem Auto von A nach B komme.
  1411. Trotz inzwischen guter Ansätze in der Bewegungstheorie „Bewegt – täglich und überall“ wagt sich keiner substantiell, die Zerstörer der Eigenbewegung, Auto und Motorrad, zu benennen oder gar zu kritisieren. 
  1412. Beim Fühlen finden immer Bewegungen statt. Beim Fühlen besteht auch im Bewusstsein immer eine Einheit von Tun (Verb) und Gegenstand (Objekt), der befühlt wird. Beim Bewegen dagegen wird nur das Bewegen herausgestellt, der Weg und die Art und Weise seiner Bewältigung „schwingen“ nicht mit, diese Bedingungen verbleiben vollkommen unthematisiert. Genau über diese Unbestimmtheit entsteht die Identität von sich bewegen und bewegt werden (Aktiver und passiver Bewegung, Eigenbewegung und Fremdbewegung).
  1413. Es führt immer wieder zu Mißverständnissen, wenn man den Leib nicht explizit als sich bewegeden definiert.
  1414. Eigenbewegung ist gesund: Im Salk Institute in San Diego wurden 120 ältere Menschen über 55 Jahre, die als träge galten, untersucht. Die Hälfte von ihnen wurden daraufhin ein Jahr lang zu regelmäßigem Bewegungstraining – am Ende etwas vierzig Minuten Spazierengehen täglich – angehalten. Resultat: Fast alle Bilder aus dem Kernspintomographen, die Blutwerte für neurotrophe Hormone und die Gedächtnistests zeigten: Menschen, die sich bewegten, vergrößerten offensichtlich ihren Hippocampus und auch die Aktivität der neuronalen Stammzellen, und sie verbesserten ihr Gedächtnis (FAZ v. 10. 8. 11).
  1415. Das Gehirn ist ein Teil des Leibes wie andere Teile des Leibes. Der Leib ist ein Körper, der von Seele und Geist durchdrungen ist. So finden z. B. im Gehirn und in der Hand die gleichen Prozesse statt, die sich nur  in  Intensität von Klarheit und Deutlichkeit unterscheiden.  Der Leib ist lebendig, d. h. er ist sowohl im Mikro- als auch im Makrobereich in ständigen Bewegungen. Die Bewegungen im Makrobereich nenne ich explizit Eigenbewegung, die zunehmend von motorengesetzte Fremdbewegung ersetzt wird, so dass der moderne Mensch sich in einen „halben“ lebendigen Leib und einen „halben“ toten Körper aufteilt. 
  1416. Ein Lob dem Widerstand und eine Kritik der Bequemlichkeit: Der Blick trifft auf einen Stein, das wäre eine leichte Form des Widerstandes. Ich hebe einen schweren Stein, das wäre eine schwere Form des Widerstandes. Welt entsteht erst durch  Widerständiges. Je geringer der Widerstand ist, desto unwirklicher die Welt.  Der Schein entsteht durch ein Minimum von Widerstand.Deswegen ist ein Bild nur eine Schein-Welt und d eswegen haben  Bilder fast keinen Realitätsgehalt.  Wer Eigenbewegung durch Fremdbewegung ersetzt, minimiert Widerstände.
  1417. Ein gesunder Leib will sich bewegen und nicht festgestellt  oder transportiert werden.
  1418. Eigenbewegung und Leib sind  Oberbegriffe, die  Körper, Geist und Seele umfassen. Der Leib-Seele-Dualismus ist unlogisch, weil im Leib bereits Seele und Geist vorhanden sind.
  1419. Der Begriff „Leib“ und somit Eigenbewegung stehen für  eine anti-materialistische Gegenposition. Es geht um die Erhaltung von Subjektivität, von Qualia, von einer halben Welt. Die Eigenbewegung des eigenen Leibes kann man von außen beobachten und von innen erleben. So sind Schönheit, auch Bewegungsschönheit des eigenen Leibes,  und Leid nur als subjektive Erlebnisgehalte eines mentalen Zustandes erfahrbar.
  1420. Ermutigend: Wandern wird immer beliebter: 35 bis 40 Millionen Deutsche wandern.
  1421. Ein Informationsblatt trägt den Titel „Bewegt im Alter – täglich und überall“ (Seniorenbüro und Kreissportverband Neumünster).  Ich begrüße es zutiefst, dass endlich das „Überall“, das entscheidende Moment der Eigenbewegung nun doch das öffentliche Bewusstsein erreicht hat. Ich nenne es Eigenbewegung im Alltag.
  1422. Spekulation: In der Eigenbewegung bin ich anwesend, d. h. wesentlich.
  1423. Erst wenn eine Wahrnehmung durch intensive Eigenbewegung „unterfüttert“ ist, bekommt sie Qualität.
  1424. In Medien und beim Autofahren macht man keine Erfahrungen. Wegen der semantischen Änderungen des Begriffs "fahren" sollte man statt von Erfahrungen genauer von "Ergehungen" sprechen.
  1425. Selbstbeobachtung: Gestern Abend zum Besuch insgesamt zweieinhalb Stunden zügig gelaufen. Heute fühle ich mich physisch und psychisch stark, zupackender und zuversichtlicher.
  1426. Die Schönheit des Weges selbst  und die Schönheit, ihn begehen zu dürfen und das zu können, ist aus dem Alltagsleben verschwunden.
  1427. Für Ludwig Klages ist der Leib die Erscheinung der Seele, und die Seele bringt den Sinn der Leibeserscheinung zum Ausdruck. Daraus folgt: Wenn man den Leib still stellt wie in der sitzenden Gesellschaft, dann stellt man gleichzeitig die Seele still.
  1428. Eigenbewegung gehört noch genuin zum Bereich der Natur und nicht zu der immer sich weiter ausdehnenden Technik.
  1429. Durch ortsverändernde Eigenbewegung entstehen in der Regel wesentlich intensivere Bedeutungen von der Umwelt, als wenn ich gefahren werde.
  1430. Nach Schopenhauer ist der Wille der   unhintergehbare Grund unseres Lebens. Alles Denken, Fühlen, Wollen und Bewerten ist eine Funktion dieses Willens. Nur über den Leib haben wir einen direkten Zugang zu ihm. Jeder Akt des Willens drückt  sich auch als  eine Bewegung des Leibes, d. h. Eigenbewegung aus. Erzwungene Einschränkungen der Bewegungen (Gefängnis) oder selbst auferlegte Reduktionen der  Bewegungen (Motore in Anspruch nehmen) beschädigen das Leben. Fazit: Der sich selbst bewegende Leib ist unverzichtbare Bedingung menschlichen Lebens. Es lohnt sich, für ihn zu kämpfen.
  1431. Wenn ich gehe oder laufe,spüre ich meinen Willen, d. h. mein Leben.
  1432. Der Kern meiner Einsicht: Leben = Bewegung. Technik ersetzt Bewegungen und damit Leben. Die Ersetzung kann jeweils sinnvoll sein, aber eben nicht immer. Das muss genau überlegt und  entschieden werden.
  1433. Es geht doch! Ein echter Fortschritt, wenn auch nur für kurze Zeit: Das Seineufer in Paris ist auf beiden Seiten von autobahnähnlichen Straßen  eingekerkert und damit zerstört. Seit zehn Jahren wird ein Teil dieser Straßen  während eines Monats  für den Autoverkehr gesperrt und durch Sandaufschüttungen zu Stränden umgewidmet. Diese Umwidmung findet breite Unterstützung.
  1434. Wer telefonierend durch die Stadt spaziert, lässt seinen Körper sozusagen wissen; "Ich habe gerade noch mal etwas zu besprechen, geh du schon mal voraus bis zu dem Cafe an der Ecke" (Klaus Michael Meyer-Abich).
  1435. Wenn man den subjektiven Leib als objektiven Körper aufasst, wird man nicht den Wert und das Wesen der Eigenbewegung verstehen.
  1436. Der still gestellte Leib ist die Vorstufe der Leiblosigkeit – und damit des Todes.
  1437. Jeder Leib, sei es der von Erwachsenen, Kindern oder Tieren, hat ein Recht auf Eigenbewegung.
  1438. Wir nehmen  unseren Leib zunehmend nur wahr, wenn er Schmerzen hat. Der Leib als Quelle der Freude und des Genusses wird fast nicht mehr erfahren Warum nicht? Wir bewegen uns nicht mehr genug selbst.  Das ist der Fall, wenn andere für uns tanzen, lieben, Sport treiben, laufen und wandern und wenn Motore unsere Bewegungen ersetzen. 
  1439. Die Eigenbewegung des Mitmenschen verrät uns viel über seine inneren Prozesse und Zustände.
  1440. Wie Vögel, die in Käfigen geboren werden, erst durch ein Auswilderungsprogramm auf ein Leben in freier Natur vorbereitet werden müssen, so auch menschliche Sitzenbleiber, die nicht mehr willens oder nicht mehr in der Lage sind, größere Strecken zu laufen, ausgewildert werden. 
  1441. Der Leib bewegt sich, auch um räumliche Distanzen zu überwinden. Der still gestellte Leib ist keiner, sondern ein materieller Träger von Eigenschaften. Das ist  der Fall, wenn man denkt, dass es keinen Unterschied macht, ob man eine bestimmte Strecke mit dem Auto oder zu Fuß zurücklegt. Die Auto-Variante wird oft damit begründet, dass man ja am Ziel sich bewege, was aber gar nicht oder nur minimal passiert.
  1442. Statt von "unserem Körper" sollten wir eher von "unserem Leib" sprechen, aber real behandeln wir unseren Leib wie einen Körper, den man nur in der Außenperspektive wahrgenehmen kann. Das erklärt auch, warum wir unseren Leib zunehmend in der Außenperspektive sehen, nämlich als Bild oder als Skulptur, die man ständig "verbessern" kann und muss.
  1443. Der zeitgemäße Mensch verzichtet zunehmend freiwillig auf den Aufrechten Gang. Im Modus des aufrechten Ganges ist der Mensch weitgehend immun gegen Konsumimpulsen. Der aufrechte Gang ist die Bedingung der Möglichkeit, Charakter zu entwickeln und stärken – aber leide gibt es dazu auch Gegenbeispiele.
  1444. "Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch". Wenn man für Gefahr Anstrengung setzt, gilt dieser Satz Hölderlins  auch für die Eigenbewegung.
  1445. Eigenbewegung ist volles Leben, Fremdbewegung ist Minimalleben.  
  1446. Die Produktion eines Rades verbraucht natürlich auch Material und Energie, wenn es aber benutztucht wird, bedarf es es nur noch der Eigenenergie, die übrigens keine schädlichen Emissionen erzeugt.
  1447. Auf Dauer erzeugt Eigenbewegung mehr Energie als sie verbraucht.
  1448. Vorwort zu Oxfordshire, On your bike:"Cycling is much more than a way of getting from A to B. Journeying by car, bus or train you exist in a state of limbo, places rushing past too fast to experience them and only the start and distination having any solid reality.  By bicyle, travelling becomes a complete sensory experience. You see, hear, smell and sometimes even touch your environment. You travel slowly enough to interakct with your surroundings, to wave a greeting, to exchange a smile and to see those small details which help to define each place as unique. Yet you travel quickly enough to see the subtle chances in land use, architecture and contours which mark out one area from the next" (ellen Lee and John Broughton).
  1449. "For the first time government health experts are issuing advice to parents on exercise for children under five. They say the amount of time babies and toddlers spend strapped in buggies or car seats should be cut down. Instead, toddlers should be allowed to move around or be physically active for at least three hours a day. The new guidance reflects growing concern over children who do not exercise enough, which can be linked to obesity and brain development" (BBC News v. 10. 7. 11).

  1450. Eigenbewegung kann man nicht kaufen, höchstens Bedingungen für die Ermöglichung von Eigenbewegung.
  1451. Wer nicht geht oder Rad fährt, wird nie  die Schönheit der Eigenbewegung von innen her erfahren. Über diese innere Erfahrung kann man kommunizieren, ist aber dann außerhalb dieser eigen-artigen Erfahrung, nämlich in der Sprache.  Anders ausgedrückt: die Beschreibung ist nicht die Erfahrung.
  1452. Eigenbewegung ist eine Medizin für Körper, Geist und Seele ohne unerwünschte Nebenwirkungen.
  1453. Einfach von zu Hause loszugehen,  kennen offensichtlich nur noch Hundebesitzer.
  1454. Zwei von  acht Regeln gegen den Krebs: 1. Bewege dich so oft wie möglich, 2. Sorge für genug Tageslicht. Neben empirischen Befunden spricht auch noch folgende Überlegung für diese Maximen: "Trotz industrieller und kultureller Revolution unterscheidet sich der heutige Mensch nicht wesentlich von seinen urzeitlichen Vorfahren. Unser Organismus  ist im Grunde noch auf das Leben des Jägers und Sammlers ausgerichtet" (Johannes Coy in "Die  8 Anti-Krebs-Regeln"). Ich denke, dass auf dem Hintergrund dieser anthropologischen Aussagen der große  Sinn  des metabolischen Energieeinsatzes (Ivan Illich) als  Eigenbewegung  für Mensch und Umwelt  deutlich werden müsste. 
  1455. Muss denn jede Neuerung mit ökonomischen Argumenten begründet werden? Wäre es nicht vernünftiger statt "Im Radtourismus ist ein großes Wachstumspotenzial für die Wirtschaft enthalten.“ zu sagen "Im Radtourismus steckt ein großes Zukunftspotenzial für eine zukunftsermöglichende Gesellschaft." 
  1456. Radfahren -  die lautlose Fortbewegung.
  1457. Du hast eigentlich keine rechte  Lust am Sonntagnachmittag eine Radtour zu machen. Müde steigst du auf den Sattel – und kommst positiv gestimmt als neuer Mensch zurück.
  1458. Gesundheitsmaxime: Iß  und kauf nicht alles, was auf den Markt kommt, und bewege dich (nicht dein Auto).
  1459. Licht am Ende des Tunnels? In Berlin geht die Autonutzung stetig zurück.
  1460. Die Fähigkeit zur Eigenbewegung ist eine Potenz, die es zu entfalten und zu üben gilt. Ohne Übung versiegt eine vorher erlangte Eigenbewegung. Dieser Rückentwicklungsprozess findet gegenwärtig epidemisch statt.
  1461. Eigenbewegung wird mit Hilfe körpereigner (metabolischer) Energie  durchgeführt. Es bedarf keiner zusätzlichen externer Energie. Da wir nur selten mit dem Bus oder Zug fahren, ist unser  Energiebedarf für die Mobilität nur sehr gering.
  1462. Ein   Mensch und seine jeweiliges Umwelt  bilden eine untrennbare Einheit. Deshalb sind einen Weg mit dem Auto oder zu Fuß zurückzulegen durch und durch Verschiedenes.  
  1463. "Man muss sich die Wege zu Fuß suchen" (Jessica Schwarz, Filmschauspielerin).
  1464. Von den Primärerfahrungen kommt alles, sie speisen Körper, Geist und Seele, sie sind unverzichtbar.  Primärerfahrungen sind Originalbegegnungen. Eigenbewegung gehört zu den Primärerfahrungen.
  1465. Ich argumentiere für die Eigenbewegung primär aus anthropologischen Gründen, vermute aber, dass die Zeit nicht fern ist, wo sie  existenziell zur Selbsterhaltung unverzichtbar sein wird.
  1466. Beim Gehen oder Radfahren ist der Bewegungshorizont relativ klein, aber dafür sind die Intensitätsgrade des Erlebens viel größer.
  1467. Wir sind mit dem Rad 60 Kilometer durchgängig gegen einen starken Wind gefahren. Das war für uns sehr anstrengend, aber irgendwie sind Körper, Geist und Seele nach einer Stunde Ruhepause in einem wunderbaren Zustand der Ruhe, der Zufriedenheit und der Offenheit. Das ist eine Anstrengung, die am Ende befreit. In "Per aspera ad adstra"  steckt Wahrheit. Widerstände überwinden bringt körperlichen und geistigen Gewinn. Ein bequemes Leben  zerstört  Lebensqualität.
  1468. Ich fahre mit dem Auto und erfahre fast nichts. Ich fahre mit dem Rad oder gehe zu Fuß und erfahre viel.
  1469. Heideggers überraschende Erklärung „ Wir können nicht „sehen“, weil wir Augen haben, vielmehr können wir nur Augen haben, weil wir unserer Grundnatur nach sehende Wesen sind“ kann man ebenso  auf das Gehen beziehen:  Wir sind unserer Grundnatur nach gehende Wesen. Die Folgerung: Wenn wir nicht gehen, verletzen wir massiv unser Wesen. 
  1470. Wer nicht in einer Fußgängerzone wohnt (Wer wohnt dort schon?), hört keine Schritte, kein Gespräch, kein Lachen von vorbeigehenden Passanten.  
  1471. Der Mensch ist idealiter ein offenes Wesen. Er gehe also. Im Auto ist er hermetisch von der Umwelt ausgeschlossen.
  1472. Für das Gehen sind Füße, für das Handeln sind Hände, für das Denken ist das Gehirn unverzichtbar. Stimmt diese Aussage noch?  Werft diese Organe nicht auf den Misthaufen der Geschichte.
  1473. Eigenbewegung ist eine Mimesis, d. h. eine Nachahmung des realen Untergrunds durch eigene Bewegungen. Fremdbewegung ist eine Abstraktion von realen Raumbedingungen. 
  1474. In unserem Leib ist Geist und Liebe, deren Eigenschaften vorwiegend aber nur in der Eigenbewegung freigesetzt werden.
  1475. Es wäre schon hilfreich, wenn zumindest kurze Fahrten mit dem Auto durch Gehen und Radfahen ersetzt und Urlaubsfahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigt werden würden. 
  1476. Eine kleine Maus huscht über den Weg und verschwindet im Gras. Das kann ich nur in der Eigenbewegung wahrnehmen.
  1477. Ich kritisiere nicht sportliche Tätigkeiten, sondern die Engführung von Eigenbewegung auf Sport. Sport ist eine Teilmenge der Eigenbewegung.
  1478. Nur beim Gehen und Laufen haben wir Fühlung mit wirklichem  Untergrund.  
  1479. Wie wir keine Primärliteratur mehr lesen, so haben wir  fast keine Primärbewegungen bei „außerhäusigem“ Ortswechsel. Der moderne Mensch läuft durchschnittlich 500 Meter am Tag außerhalb von Gebäuden. 
  1480. In der Eigenbewegung entsteht eine „Erfahrung des Primären“ (Georg Steiner), eine Erfahrung realer Gegenwart, die nicht inszeniert, nicht reduziert, nicht virtuell ist. 
  1481. Intensive Eigenbewegung in interessanten Umwelten erzeugt Kraft für andere Aufgaben.
  1482. Gestern Abend im Mai noch eine Stunde mit dem Rad durch eine intakte Landschaft gefahren. Danach gelesen und ein Glas Wein genossen. Das „erfahrene“ Grün wirkte in uns nach bis wir ins Bett gingen.
  1483. Strukturell und genetisch bestehen  zwischen äußerer körperlicher und innerer geistiger Eigenbewegung Identität. Dieser Hinweis ist außerordentlich wichtig und kann gar nicht oft genug wiederholt werden. 
  1484. "Am Ziele deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern zum Ziel" (Marie von Ebner-Eschenbach).
  1485. Zum Niedergang eines Lebensmerkmals oder der letzte Sinn des Gehens: Eine Mutter holt jeden Tag ihren achtjährigen Jungen mit dem Auto von  der nah gelegenen Schule ab. Auf die Frage, warum sie ihren  Sohn nicht nach Hause gehen lässt, antwortet sie in vollem Ernst: Wir gehen nur, wenn wir abnehmen wollen.
  1486. Aus einer Werbung “E-bike  = Energie erleben". Das ist eine Irreführung: Erleben wird allein durch metabolische Eigenenergie gespeist.
  1487. Mir geht es nicht primär um das spektakuläre Gehen durch die USA oder mit dem Mountainbike  die Alpen zu überqueren, sondern um das Gehen und Radfahren im Alltag zur Arbeit, zum Einkaufen, ins Theater oder zum Naherholungsgebiet.
  1488. Im Naturerleben konzentriert man sich auf das Besondere. Dadurch verliert die Sprache ihre zentrale Rolle.
  1489. Wenn du dich selbst bewegst, lebst du.
  1490. Den Einwand „Man sitzt hier wie auf einem Präsentierteller“ lasse ich nicht gelten, halte ihn auch für unredlich: Sehen und  Gesehenwerden  gehören  zur menschlichen Kultur.
  1491. Gegen Verkehr an sich kann man nichts haben, sondern nur gegen Autoverkehr. Deswegen ist die positive Konnotation vom Begriff „Verkehrsberuhigung“ nur dann gerechtfertigt, wenn sich diese Maßnahmen auf den Autoverkehr beziehen. Ich bin übrigens der Meinung, dass nur diejenigen ein Anrecht auf Wohnungen und Häuser in verkehrsberuhigten Zonen haben, die ihr Auto nur in Notfällen benutzen. Das Anrecht auf das ruhigste Haus hätte natürlich der Mensch, der gar nicht mit dem Auto fährt, sondern seine Mobilität mit Hilfe der Füße, des Fahrrads oder öffentlichen Verkehrsmtteln "auslebt" (bewusst eingesetztes Wort).
  1492. Der Lesenden umweht ein Geheimnis, dem Fernsehenden nicht.
  1493. Was bleibt eigentlich nach der Ersetzung von Eigenbewegung durch motorisierte Maschinen vom Menschen übrig?
  1494. Nur in der Eigenbewegung bin ich in der Wirklichkeit, nicht wie im Autositz vor der Wirklichkeit und beim Medienkonsum im Schein von Wirklichkeit.
  1495. Die Grundidee des Gefängnisses besteht darin, den Radius von Eigenbewegung, um Ortsveränderungen durchzuführen, drastisch einzuschränken. Die Grenzen sind entweder Fesseln oder statische (Gebäude) oder dynamische Mauern (Autos). Daraus ergibt sich die Maxime: Erkenne Gefängnisse!
  1496. Es ist angemessen, unsere Zivilisation in Bezug auf Eigenbewegung als nekrophil (Erich Fromm) zu charakterisieren.
  1497. Die ersten phylogenetischen und ontogenetischen Bedeutungen  verkörpern sich in Eigenbewegungen.
  1498. Freiheit  =  körperliche und geistige Bewegungsfreiheit, ohne die Freiheit  Menschen und möglichst die von Lebewesen einzuengen.
  1499. Eigenbewegung schafft starke, Fremdbewegungen schwache Bedeutungen.
  1500. Kant thematisiert die Sinnlichkeit als eine der zwei Quellen der Erkenntnis. Die Sinnlichkeit des Menschen selbst thematisiert er meines Wissens nach in diesem Zusammenhang nicht, also so etwas wie Deprivation und deren Folgen. Die Sinnlichkeit wird  auch in der technischen Lebenswelt zunehmend neutralisiert: Es interessiert nur, dass und was sie wahrnimmt, egal ob original oder Modell, wo, wie und in welcher Verfassung. Die Wahrnehmung könnte ebenso in vitro stattfinden. Aber das ist genau das Thema der Eigenbewegung. 
  1501. Das Recht auf Eigenbewegung ist ein Grundrecht. Nutzt dieses Recht!
  1502. Die Fähigkeit zu Eigenbewegungen  ist ein teurer Besitz. Sie ist ein Vermögen.
  1503. Das Subjekt muss Welt und Weltlichkeit in der Eigenbewegung sich aneignen, sonst hat er keine eigene Welt.
  1504. Eigenbewegen ist Leben.  Leben in und mit der Technik ist ein stark reduziertes. Das kann in bestimmten Situationen sinnvoll sein, ist es heute in der Regel aber nicht.
  1505. Der Übergang von autonomen Eigenbewegungen zu technisch induzierten Fremdbewegungen  sind  mechanische Eigenbewegungen, aus der Perspektive des Menschen Fremdbewegung.
  1506. Mit dem Rad jeden Tag „volle Pulle“ fünf Kilometer hin- und zurückfahren ist eine Quelle der physischen Gesundheit und des psychischen Glücks.
  1507. Hegels allgemeiner Arbeitsbegriff beinhaltet das konkrete Sich-Auseinandersetzen mit Welt. Das endet mit der Maschine, denn sie ist nicht mehr Werkzeug, sondern eröffnet einen indirekten, abstrakten Weltbezug. Die primäre Welt ist dann die Maschine.  Das ist genau der Unterschied, den ich mit den Begriffen Eigenbewegung und Fremdbewegung beschreibe. Mir geht es um das konkrete Sich-Auseinandersetzen mit sozialen, natürlichen und kulturellen Alltagswelten.
  1508. Konkrete Eigenbewegung ist ein Basismodell für alle Lebenstätigkeiten und –aufgaben: anfangen, wollen, zwischen richtigen und falschen Wegen wählen,  Hindernisse  bewältigen und ggf. Hilfen suchen, Schwächen überwinden, ...
  1509. Es macht einen Unterschied aus, ob ich einen Zielort zu Fuß, mit dem Rad, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto erreiche. Das gilt sowohl für mich als auch für den Ort, denn auch hier findet Dialektik statt.
  1510. Wirklichkeitsverlust oder Stationen meiner  Fußballkarriere: vom Spieler zum Zuschauer zum Sportsendung Hörender zum Liveticker Hinsehender. 
  1511. Es bedarf schon des Zusatzes "ohne Auto" um die gewollte Konfusion um das Wort und Begriff "mobil" zu entgehen, also Mobil-ohne-Auto.
  1512. Es gibt ein bisher nicht kodiertes Grundrecht auf autofreie Straßen, d. h. auf nicht-gesundheitsschädigende Luft, auf ästhetische und ungefährliche Umwelt. 
  1513. Warum sind kraftvoll laufende oder Rad fahrende Menschen in der Regel schöner als im Auto sitzende? Sie sind aktiv, sie sind lebendig,  sie sind in der Eigenbewegung.
  1514. Radfahren und Gesundheit: Je länger gestrampelt wird, umso mehr Bereiche werden positiv angeregt. Ab zehn Minuten Radfahren werden Muskeln kräftiger, die Durchblutung verbessert und Kniebeschwerden werden vorgebeugt. Ab 20 Minuten wird zusätzlich das Immunsystem gestärkt und nach einer halben Stunde auch die Herzfunktionen gekräftigt (Schleswig-Holstein Journal v. 2. 4. 11).
  1515. Die Ersetzung des Sports durch Eigenbewegung in Alltagswelten hätte die Lösung vieler Probleme zur Folge. 
  1516. Jede sportliche Betätigung hat eine Umwelt, die aber für den sportlich Aktiven keinen Selbstwert hat. Eigenbewegungen im Alltag haben ebenfalls immer eine Umwelt, aber diese hat für den Sich-Bewegenden in der Regel immer einen Selbstwert.
  1517. Der sich bewegende Körper generiert Bilder und Sprache. 
  1518. Zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren ist etwas ganz anderes, als mit dem Auto transportiert zu werden. Das gleich zusetzen ist die Lüge des ADAC.
  1519. Intensive Eigenbewegung setzt Einbildungskraft in Bewegung. 
  1520. Emotionen hängen real und etymologisch eng mit Eigenbewegung zusammen.  
  1521. Der Blick wird wesentlich auch von dem sich bewegenden Körper bestimmt.
  1522. Wenn Eigenbewegung nicht mehr stattfindet, entwickeln  Spiegelneuronen ebenfalls nicht die Fähigkeit zur Eigenbewegung. Wer auf Gehen und Radfahren verzichtet, schadet sich nicht nur sich selbst, sondern ist auch kein "Bewegungs-Vorbild". 
  1523. Welt entsteht beim oder durch Tun. Je intensiver das Tun, desto „eindringlicher“ die Welterfahrung. Zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren sind intensive Tätigkeiten.
  1524. Heute Morgen um 7 Uhr bringt ein Vater seine kleine Tochter zur Schule. Beide fahren mit dem Rad. Sicherlich hätten sie auch mit dem Auto fahren können. Hier herrscht offensichtlich Vernunft.
  1525. Der Mensch will gestalten. Die meisten Waren werden als fertige gekauft, nicht gestaltet. Deswegen erlischt die Faszination für sie sehr schnell - zumindest bei lebendigen Menschen. 
  1526. Hundehalter sind besonders bewegungsaktiv. Warum löst die eigene innere Natur nur bei  wenigen Menschen den Wunsch nach  Eigenbewegung aus?
  1527. Ein Ehepaar kennt nahezu alle Gebirgstäler in Graubünden - nicht mit dem Auto, sondern ausschließlich auf Langlaufskiern. Super!
  1528. In einem Leserbrief in der FAZ: "Das wichtigste Problem der Gegenwart ist die zunehmende Verteuerung des Benzins." 
  1529. These: Die Dominanz des Autos ist auch ein Ausdruck von Fremdenphobie
  1530. "Nur wo du zu Fuß warst, warst du wirklich" (Titel eines Vortrags von Ulrich Grober).
  1531. Wenn ich mich nicht selbst bewege, brauche ich ein Auto, eine Rolltreppe, einen Fernsehapparat.
  1532. Ich beobachte Kinder, die balletartig Geschichten erzählen. Ich vermute,  dass ihre Geschichten sich erst aus ihren Bewegungen ergeben. Die Bewegung schafft die Geschichte und nicht umgekehrt. Die Bewegung ist Fundament, Auslöser und „Gestalter“ des Dargestellten.
  1533. Der Bewusstseinszustand der gleichzeitigen An- und Abwesenheit gilt auch für die Eigenbewegung. Grundsätzlich ist aber hier die Dimension der Anwesenheit stärker, hängt aber natürlich von den Intentionen und der Situation ab.
  1534. Wer schnell läuft, lebt länger - so eine Studie.
  1535. Ein irisch-britisches Forscherteam kommt zu dem Ergebnis, dass auch das Kleinhirn, eigentlich zuständig für die Kontrolle von Bewegungen, offensichtlich einen wesentlichen Anteil an der Intelligenz hat. Wenn das stimmt, wäre auch gehirnphysiologisch die Beziehung zwischen körperlichen Bewegungen und Intelligenz belegt.
  1536. Die substantielle Eigenbewegung ist die Ortsveränderung. Diese Art der Ortsveränderung ist weitgehend aus dem Alltag verschwunden. Es herrscht eine primäre Bewegungslosigkeit vor, die von der sekundären Bewegung, d. h. Fremdbewegung, ersetzt wurde.
  1537. In Sils-Maria ist der Kern  verkehrsberuhigt. Dort machen wir Urlaub.  Man sieht, hört  und begegnet überall laufende, gehende und stehende Menschen. Ein Geschenk. Das ist Lebensqualität
  1538. Eigenbewegung ist Widerstand gegen die Welt des Scheins und gegen  unnötige Vermittlung der Welt durch Technik.
  1539. Eigenbeswegung ist gleichzeitig Metapher und Maxime für: das eigene Leben  leben.
  1540. Ein menschlichen Körper ohne nennenswerte äußere  Bewegungen ist ist das Ergebnis entweder von Zwang (Gefängnis) oder von Krankheit oder von selbstzerstörerischer Faulheit (sitzende und liegende Lebensweise).
  1541. Die Strecke zwischen A und B wird im domierenden Bewusstsein zunehmend zu einer rein quantitativ bestimmte Maßeinheit, z. B fünf Kilometer. Das Wie, also wie wir die Strecke zurücklegen, blenden wir zunehmend aus. Deswegen sind Gehen, Rad-, Zug- und Autofahren gleichwertig. Da es mit dem Auto meistens schneller geht, wird dieses ohne Verlustempfinden in Anspruch genommen. Diese Reduktion macht das Bewusstsein von Eigenbewegung aber nicht mit.
  1542. In der Eigenbewegung ist man ganz bei sich. 
  1543. Erfahrungen haben eine bestimmte Dimension, die nur demjenigen zugänglich sind, der diese Erfahrung macht. In der Erkenntnistheorie wird diese Dimension auch als Qualia bezeichnet. Eigenbewegung hat ebenfalls diese Dimension. Verzichtet man auf sie, verliert man wesentlich Lebensqualität.´
  1544. Eigenbewegung ist auch ein Stück Selbstverwirklichung.
  1545. Der Anteil „eigen“ im Wort „Eigenbewegung“ soll auch darauf hinweisen, dass sie  für Massenbewegungen nicht geeignet ist.
  1546. Mediziner raten, jeden Tag zehntausend Schritte zu machen und nicht täglich hunderttausend Meter mit dem Auto zu fahren. Das verwechseln immer mehr Menschen. 
  1547. Von Natur, von lebendigen Menschen, Tieren und Pflanzen umgeben zu sein, verhindert  Schwermut.
  1548. Wandern, nicht Transportiertwerden, ist die Metapher für das Leben.


  1549. Der folgende Teil B ist abgeschlossen, so dass sich ab hier die Nummerierung nicht mehr verändert.


  1550. Gehen stiftet eine Einheit von Untergrund und Gehendem. Gehen auf Asphalt ist bereits erste  Auflösung dieser Einheit. Autofahren trennt endgültig den Untergrund vom Fahrenden.
  1551. Mein Geist rührt sich nicht, wenn sich die Beine nicht bewegen, schrieb Montaigne im 16. Jh.
  1552. Immer weniger Menschen können noch die Möglichkeit des eigenen Gehens denken und  realisieren.
  1553. Eigenbewegung ist eine  Funktion, Distanzen zu überwinden, und/oder  sie ist Selbtzweck. Als Selbstzweck ist sie ein Erlebnis, vielleicht, weil sie eine Ahnung vom Sein vermittelt bzw. sogar eine Möglichkeit der Teilnahme am Sein ist. .
  1554. Eigenbewegung ist immer eine Einheit von Geist, Seele und Körper, allerdings je nach Tätigkeit in verschiedenen Anteilen. Durch das Kriterium des Eigenen ist sie vita activa und Praxis.
  1555. Gedächtnisleistung hängt vom Immunsystem ab. Das Immunsystem wiederum von intensiver Eigenbewegung in frischer Luft . Das kann jeder sofort an sich selbst verifizieren.
  1556. Die Stärkung der Eigenbewegung ist auch ein politisches Ziel, denn durch durch die Stärkung der Eigenbewegung werden viele Forderungen an Staat und Gesellschaft gegenstandslos.
  1557. Eigenbewegung verbindet mit einem Segment der Wirklichkeit.
  1558. Wenn Eigenbewegung nur der Selbsterhaltung, wie  der Gesundheit dient, verfehlt sie ihr eigentliches Sein.  
  1559. Eine verhängnisvolle Entwicklung: Real und in den öffentlichen Diskursen verengt sich Eigenbewegung immer mehr auf  Sport. So gesehen ist der Sport der Gegner der Eigenbewegung in alltäglichen Umwelten. Diese Entwicklung liegt eindeutig im Interesse der Wirtschaft und wird auch von ihr entsprechend gesteuert: Das Bewusstsein folgt hier deutlich erkennbar dem gesellschaftlichen Sein. D. h., die Wirtschaft kann und will die Eigenbewegung nicht eliminieren, aber lenkt sie in ihre Bahnen. 
  1560. Leben ist wesentlich Eigenbewegung. Je weniger die Eigenbewegung, desto schwächer das Leben.
  1561. "Jedes Redlichen Schritt redet" (Nietzsche). Wo wird auf Straßen und Plätzen noch in dieser Manier noch geredet?
  1562. Mediennutzung ist nur dann sinnvoll, wenn sie primär  dem  Wachstum dient. Ansonsten sucht die Originalbegegnung,  sei es die Landschaft auf der  Wanderung, einen Menschen im Gespräch oder den Wein im Restaurant.
  1563. Einkaufen war bisher für mich immer eine nervige Aufgabe, die ich möglichst schnell hinter mich bringen wollte. Jetzt habe ich zu dieser Tätigkeit eine neue Einstellung gefunden. Ich fasse die Fahrradfahrt dorthin und selbst das Einkaufen als eine schöne Tätigkeit auf, die man genießen kann. Und das klappt. Und da wir kein Auto haben, ist der positive Anteil  schon durch das Radfahren relativ groß.  Verallgemeinert: Sich auf die positiven Anteile einer unangenehmen Tätigkeit konzentrieren und diese genießen.
  1564. "Schritte zur Heilung" (aus der Werbung eines Heilpraktikers). Diese Aufforderung sollte man zuallererst wortwörtlich nehmen.
  1565. Wann stellt google-maps endlich Karten für Fuß- und Radwege her?
  1566. Eigenbewegung ist umweltsensibel, Fremdbewegung wie Autofahren dagegen unsensibel-egoistisch gegenüber der Umwelt.
  1567. Ermahnung: Beseitigt nicht alle Widerstände. Wie wollt ihr ohne sie wachsen?  Man kann übrigens Widerstände spielerisch oder im Modus der Arbeit überwinden. 
  1568. Der individuell verursachte carbon footprint wird durch Eigenbewegung  beträchtlich verkleinert.
  1569. Siehe nicht ständig auf den Navigator, sondern halte an, steige aus und gehe in die Welt.
  1570. Eigenbewegung gehört physioloigsch gesehen in den Bereich der Natur und kann daher die Natur nicht schaden.
  1571. Im guten Gehen sind immer zwei Dimensionen gleichzeitig enthalten:  einerseits das konkrete, sich stets verändernde Gehen, wobei die Veränderung sowohl den Gehenden als auch die wahrgenommene Umwelt betrifft, andererseits ist man in die Idee des Gehens eingebettet, die man allerdings nur dann vernimmt, wenn man sich (für das Sein) öffnet  bzw. von der Gesamtsituation geöffnet wird.
  1572. Ich bleibe dabei: Ein gut belegtes  Zugabteil oder ein gut besuchtes Restaurant zu betreten,  vermittelt immer etwas Festliches.
  1573. "Nahmobilität“  betrifft  kurze Wege, die man ohne Auto, Bus oder Bahn bewältigen kann. Diesen interessanten  und fruchtbaren Begriff fand ich in „Standpunkte 1 / 2011“, einem Online-Magazin des Münchner Forums e.V. Dieses Magazin  enthält eine Fülle von Informationen und Hinweisen, die Grundpositionen der von mir entwickelten Homepage konkretisieren. 
  1574. In Kopenhagen radeln bereits 35 Prozent zur Arbeit oder Ausbildung. Warum ist das bei uns nicht möglich? Am Wetter kann es nicht liegen, denn bekanntlich liegen wir südlicher.
  1575. Fortschritt heißt aus meiner Position zuallererst, selbst schreiten bzw. Eigenbewegung.
  1576. Gehen aktiviert Körper, Geist und Seele, also den ganzen Menschen. Dagegen verlangt Autofahren  im Vergleich zum Gehen sehr wenig vom Menschen.  Aber gerade wegen  dieser Unterforderung  scheint das Auto so attraktiv zu sein.
  1577. Zu Fuß in die Stadt zu laufen, um etwas einzukaufen, ist die gelungene Synthese von Genuss und Zweck.
  1578. Eine Ergänzung: Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kömmt drauf an, sie zu verändern - und zwar in Richtung Eigenbewegung und Humanität.
  1579. Im Zeitalter der Kontingenz (S. Baumann) ist die Eigenbewegung vielleicht die Tätigkeit, die die überzeugendste Selbstgewissheit ermöglicht. 
  1580. Nicht die Hoffnung aufgeben: "Die jüngste Fußgängerbrücke in Paris ist ein filigranes Bau- und Kunstwerk. Die Menschen lieben es" (FAZ v. 4. 1. 11).
  1581. Die Erfahrung, die du in der Eigenbewegung macht, ist durch keine andere Bewegung ersetzbar. Du bist im Kern und real die Summe deiner Handlungen. Wenn du  im Fernsehen einen Marathonlauf siehst, bist du ein Fernsehzuschauer, aber kein Stadionbesucher und erst recht kein Marathonläufer. 
  1582. In der Eigenbewegung steckt ein großes notwendiges Veränderungspotenzial, das leider immer noch nicht von den meisten Bürgern als solches erkannt wird.
  1583. Eigenbewegung ermöglicht, wesentliche Bereiche der Autonomie abzudecken.
  1584. Eigenbewegung in Alltagswelten hat es auch deswegen schwer, weil hinter ihr keine wirtschaftlichen Interessen (vielleicht minimal das Schuhgewerbe) stehen - im Gegensatz zum Sport.
  1585. Im Modus der Eigenbewegung vergrößern sich die Möglichkeiten spontaner und ungeplanter Kontakte mit Belebtem und Unbelebtem beträchtlich. Setze Dich also nicht ins Auto, sondern gehe einfach los - und Du wirst belohnt.
  1586. Durch das Zimmerfenster in den Garten zu schauen, ist bestenfalls eine sehr schwache Form der Naturbegegnung.

  1587. Immer mehr Menschen nähern sich der Trashkultur, die, wenn immer möglich, körperlichen und geistigen Anstrengungen aus dem Wege geht. Menschen, die auf Eigenbewegungen verzichten.
  1588. "Wer das Tiefste gedacht, liebt das Lebendigste" (Hölderlin). Und Leben ist unverzichtbar auch Eigenbewegung. 
  1589. Mein Stolz, die Griechen sprachen von thymos als einer Grundmotivation, verbietet es mir (leider nicht immer!), Hilfen in Anspruch zu nehmen, wenn ich sie nicht  benötige. 

  1590. Ein Lob der Anstrengung: Gestern herrschte auf den Straßen „Schneechaos“. Da wir kein Auto haben und unser Kaufmann um die Ecke aufgegeben hat, musste ich per Rad den umfangreichen Weihnachtseinkauf tätigen. Rad schieben war angesagt, denn Fahren war unmöglich. Da war richtig anstrengend, aber heute morgen bin ich körperlich und geistig gut drauf.
  1591. Durch  länger andauernde und letztlich anstrengende Bewegungen  des Leibes  wird der Geist nach einer kurzen Ruhepause sehr produktiv - wenn  in diese Richtung geleitet.
  1592. Fahren hat im Gegensatz zum Gehen keinen Selbstzweck:  „Ich gehe, also bin ich.“ statt  „Ich fahre, also bin ich.“ ist sinnen- und sinnvoll. Das Fahren ist eine riesige Schwundform des Gehens.
  1593. Ich habe bisher noch nie einen Menschen nach einer mehrstündigen Fernsehstrapaze frohgelaunt aufstehen sehen, aber sehr wohl nach einer Wanderung
  1594. Das Diktum von Robert Musil `Der Zug der Zeit wirft seine Schienen vor sich her´ gilt auch für die Evolution, für jedes individuelle Leben, ja für jede Handlung. Wir kennen ein Lebewesen bzw. erkennen ein Ding erst, wenn wir ihre Bewegungen i. w. S. erfahren haben. Je mehr Bewegungen ich von etwas wahrnehme, desto besser erkenne ich es. Übrigens gilt das auch für die Selbsterkenntnis, denn je mehr ein Mensch sich körperlich und geistig selbst bewegt, desto mehr erfährt er über sich selbst. 
  1595. Mit meinen Ausführungen versuche ich, das Gehen in Alltagswelten, das Wandern und Radfahren so begrifflich zu fundieren, dass sie nicht zu Moden verkommen.
  1596. Dem Gehen (wie aller Fortbewegung) ist immer ein transitorisches Moment eigen, d. h.  in der Anwesenheit ist  gleichzeitig ihr  Verlassen enthalten.  Das kann schon melancholisch stimmen.
  1597. Im Gehen hat der Mensch wesentlich mehr  Möglichkeit, seine Freiheitsgrade zu verwirklichen als z. B. beim Autofahren.  Aber diese Chance wird nur  von wenigen Menschen in Anspruch genommen. Warum? Weil wirkliche Freiheit  immer auch mit Anstrengungen verbunden ist.
  1598. Wenn ich gehe, findet zwischen mir und dem begangenen Untergrund eine Kommunikation statt, deren Pole aus jeweils einem Körper bestehen, deswegen spricht man hier von  Körperkommunikation. Meine Füße „kommunizieren“ mit dem Untergrund.  Mit Körperkommunikation, die oft nicht ins Bewusstsein dringt, arbeitet z. B. auch die Autoindustrie, wenn sie das Interieur der Nobelmarken mit wertvollen Materialien ausstatten.
  1599. Die romantische Überzeugung, dass “wandering is more noble than belonging” (Roger Scruton) interpretiere ich als ein Plädoyer für körperliche und geistige Eigenbewegung. In der Eigenbewegung bin ich ganz ich und frei.
  1600. Ein dreijähriges Mädchen aus der Ukraine ist in Deutschland erfolgreich am Fuß operiert worden. Dazu in einem Leserbrief von einem offensichtlich selbst  jungen Mädchen: „Ich persönlich finde, dass es eine großartige Sache für Anna ist, denn nur durch diese OP wird sie jemals laufen können." Meine Frage dazu lautet: Welche Art von „psychischer Operation“ muss durchgeführt werden, damit gesunde Bürger sich wieder eigenständig fortbewegen?
  1601. Alle Befunde sprechen dafür, dass zwischen körperlicher und geistiger Eigenbewegung eine hohe Korrelation besteht.
  1602. Die Logik der Moderne besteht im Kern darin, die Eigenbewegung im Alltag überflüssig zu machen -und fast alle machen dabei mit.
  1603. Wenn man die Eigenbewegung durch Technik ersetzt, reduziert man nicht nur die Zeit für Eigenbewegung, sondern auch deren Fähigkeit und Kraft.  Es gibt einen dynamischen Punkt, hinter dem vermehrter technischer Einsatz  die körperliche und geistige Kraft schwächt. 
  1604. Da wir weder ein  Auto fahren noch besitzen, ist unsere Bewegungsfreiheit auch bei starkem Schneefall nicht eingeschränkt, so dass wir die angebliche Schneekatastrophe dank unserer Füße als ästhetische Bereicherung erfahren.
  1605. Ein Leib besteht aus einem sich bewegenden Körper, vielleicht besser aus einer körperlichen und geistigen Bewegung, d. h. die Bewegung ist das entscheidende Moment. 
  1606. Wenn in Kopenhagen Schnee fällt, werden zuerst die Fahrradwege freigeräumt. Das wird mit dem gesunden Menschenverstand und den Vorschriften begründet. Widerstand von Seiten der Autofahrer gibt es offensichtlich nicht. Übrigens radeln 40 Prozent der Kopenhagener bei normalen Wetterverhältnissen zur Arbeit. Warum eigentlich nicht in Deutschland, das doch südlicher liegt?
  1607. Die positiven Effekten beim Sport sind schon gut erforscht, so z. B., dass  das Nervenzellwachstum im Gedächtniszentrum  schon nach drei Monaten moderaten Sport extrem angeregt wird. Meine These ist, dass bei Bewegungen im Alltag in anregenden natürlichen, sozialen und kulturellen Umwelten, insbesondere, wenn hier Interaktionen stattfinden, die Effekte noch wesentlich größer sind. Wann und wo finden hier die notwendigen Vergleichsuntersuchungen statt?
  1608. Nicht die Bewegung an sich, sondern die Eigenbewegung ist ein Merkmal des Lebens. Verzichtet man auf die willkürlichen Eigenbewegungen, verzichtet man auf einen wesentlichen  Teil des Lebens. 
  1609. Die Merkmale des Lebens, also Eigenbewegung,  Ernährung (Wasser und Nährstoffe), Fortpflanzung, Atmung, Temperatur und  Wachstum, bilden zusammen eine untrennbare Einheit. Die Eigenbewegung gesondert hervorzuheben, ist nur dann gerechtfertigt, wenn man ihre willkürlichen Formen in den Mittelpunkt seiner Überlegungen stellt. 
  1610. Eine Überlegung zum konkurrierenden Begriff der Selbstbewegung: "Selbst" hat starke reflexive Anteile, während "eigen" mehr ein Verhältnis und eine "Alltagsfähigkeit" anzeigt.
  1611. Die  rhythmischen Hin- und Herbewegungen des Oberkörpers beim Denken und Sprechen, wie ich sie bei orthodoxen Juden  wahrnahm, haben auch eine auf Körper und Geist stärkende Wirkung. Probier es einmal selbst.
  1612. Der Verzicht auf körperliche und geistige Eigenbewegung erzeugt Kraftlosigkeit  und schwächt die Widerstandskraft gegen überrumpelnde Fremdeinflüsse.
  1613. Die Gedanken zur Eigenbewegung thematisieren die positiven Möglichkeiten des Menschen.
  1614. Die Fähigkeit zu gehen, ermöglicht auch, unliebsame Situationen zu verlassen.
  1615. Den Körper als Quelle des Wohlseins nehmen wir oft nicht wahr, während er als Quelle des Krankseins im Bewusstsein sehr präsent ist. Gleiches gilt für die Eigenbewegung. 
  1616. Ich sage nicht, dass die Muskeln mein letzter und nicht hinterfragbarer Grund meiner Argumentation sei, sondern nur, dass auf der Beschreibungsebene allen Eigenbewegungen Muskeln zueigen sind,  und Muskeln eine wesentlich größere Bedeutung hätten, als in Theorie und Praxis gedacht.
  1617. Geist und Körper bilden immer eine Einheit: Der Geist setzt das Ziel und gibt dem Gehen i. w. S. die Form, was besonders im Tanz oder Sport offensichtlich ist.
  1618. Erst in der lebendigen Eigenbewegung offenbart sich die ganze menschliche Schönheit – nicht im Bilde, das hier täuschen kann.
  1619. Eigenbewegung über längere Distanzen festigt das Eigene, erweitert das Ich und stärkt die Widerstandsfähigkeit gegen unzumutbar Fremdes.
  1620. Die menschliche Eigenbewegung ist die angemessene Bewegung,  um  die Lebendigkeit anderer Lebewesen wahrzunehmen und die eigene auszudrücken.
  1621. Mein Stolz (thymos) verbietet es mir, ohne Notwendigkeit auf meine Eigenbewegung zu verzichten.
  1622. Fahren mit öffentlichen Verkehrsmiteln hat nebenbei den funktionalen auch auch einen Unterhaltungswert.
  1623. Schönheit entsteht und erhält sich nicht im Sitzen, sondern im Gehen!
  1624. Eigenbewegung ist Ausdruck des Lebens. Jedes Lebewesen hat ein Recht auf diesen Ausdruck – und sollte dieses Recht auch in Anspruch nehmen.
  1625. In der Eigenbewegung entsteht eine einzigartige Welt, die man mit keinem teilt.  Deswegen sind Menschen interessant.
  1626. Zu den Orten gehen! „Die ästhetische Erfahrung von Öffentlichkeit in Zeiten des digitalen Networking  verändert sich schleichend, aber gewaltig: Immer mehr Menschen machen simultan individuell an verschiedenen Orten gemeinsame Erfahrung“ (aus der Besprechung des  Projekts von Michaela Melián v. 18. 11. 10).  Der letzte Satz ist mehrdeutig: Er kann einmal bedeuten, dass Millionen Fernsehzuschauer  eine bestimmte  Sendung gemeinsam sehen, aber getrennt in  dem je eigenen Zimmer. In diesem Fall müsste man das beschönigende  Wort „individuell“ durch das sozialkritische „atomar“, das  eine schlechte Tendenz anzeigt,  nämlich  die Aufgabe eines lebendigen Dialogs, ersetzen. Hier korrigierend zu wirken, wäre übrigens eine genuin konservative Aufgabe. Werden aber verschiedene Orte,  wie in dem besprochenen Projekt  aufgesucht, so dass Fremdinformationen und individuelle Erfahrung zu einer  Einheit sich entwickeln können, haben die eingesetzten Medien eine sinnvolle Funktion. Ein solcher  Gebrauch wäre zukunftsweisend.  
  1627. Man muss vorsichtig sein, körperliche Bewegungen mit geistigen gleich zu setzen, also eine motorische Theorie des Denkens einseitig und umstandslos zu favorisieren.  Zwar gibt es starke Vermutungen für diese Position, aber der Dualismus, den ich ja auch vertrete, spricht gegen eine Eins-zu-eins-Analogie
  1628. Es wäre hilfreich,  „mobil“ nur auf Fremdbewegung, „beweglich“ nur auf Eigenbewegung anzuwenden.
  1629. These: Die  bevorzugte  Musik ist Ausdruck der Auseinandersetzung mit seinen aktuellen Bewegungsformen. Ist man vom Auto still gestellt, bevorzugt man lautere und stark rhythmisierte Musik, ist man von einem Buch still gestellt,  bevorzugt man leisere und differenziertere Musik.
  1630. Ein Lob der Bahn: Mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, ist weniger umweltbelastend, verlangt, wenn auch nicht viel,  Eigenbewegung und eröffnet reiche Möglichkeiten der spontanen Kommunikation und  des Beobachtens, aber auch der Selbstbildung. 
  1631. Erst in der Eigenbewegung und durch sie entsteht eine Lebenswelt, die diesen Namen verdient: Die Welt wird lebendig angeeignet.
  1632. Selbst Sport zu treiben,  ist eine abstrakte Tätigkeit, Sportler bei ihrem Tun zu beobachten und ggf. zu bewundern, ist Sport ohne Subjekt. 
  1633. Aber auch Sportler (und Liebe Suchende) wollen letztlich nicht den Ersatz  eigenen Lebens  durch fremdes. Hier ist noch Widerstand zu finden.
  1634. Wer wandert, vertraut seiner Fähigkeit und Kraft, sich eigenständig  von Ort zu Ort zu bewegen. Davon müßte es mehr geben. 
  1635. Es ist ein dunkler Novembernachmittag. Es nieselt bereits den ganzen Tag. Wir ziehen uns entsprechend der Witterung an und laufen zum zwei Kilometer entfernten Bäcker. Wir sind die einzigen Fußgänger. Für den  Rest des Tages ist unsere Stimmung hell. 
  1636. Wer geht, Rad fährt und/oder eigenständig denkt, will sich selbst spüren und sich seiner selbst versichern. Das hat auch etwas mit Suchen zu tun.  Habituelles Autofahren und Fernsehen sind  ein Abschied vom eigenen Ich durch die Ersetzung von inszenierten anderen Iche.
  1637. Auch Sportler, wie kritisch man ihnen auch gegenüber steht,  und Liebessucher, denen man nur positiv gegenüber stehen kann,  wollen nicht den Ersatz des eigenen Leben durch fremdes, sie insistieren auf Eigenbewegung
  1638. Gestern habe ich drei Stunden im Garten intensive Handarbeit verrichtet. Gegen frühen Morgen geistig sehr klar  aufgewacht und für meine Verhältnisse Gutes notiert. 
  1639. Alle aus gesundheitlichen Gründen durchgeführten  Bewegungsübungen und sportlichen Tätigkeiten könnten problemlos gestrichen werden, wenn die Betroffenen auf ihr Auto verzichten:  Zur Arbeit mit dem Rad, in die Stadt zum Einkaufen und abends ins Theater oder  Kino zu Fuß genügen vollständig, um den Körper fit zu halten.  
  1640. "Passiver Sport" in  Form des Zuschauens, sei es im Stadion oder vor dem Fernsehapparat, ist keine sportliche Betägigung.   
  1641. Wege zu begehen ist elementare Lebenserfahrung, zumindest phylogenetisch Urerfahrung - und wir verzichten auf diese Erfahrungen. Denn man mache sich keine Illusionen: Einen Weg zu befahren, d. h. in einem Fahrzeug zu sitzen, ist keine Weg-Erfahrung.  Der Autoinsasse sitzt im Auto, er fährt nicht, sondern das Auto fährt.
  1642. Es gibt keine Bewegung ohne einen Weg und selbst in dem Wort „Be-weg-ung“ ist als Bestandteil „Weg“ enthalten und trotzdem wird alle Aufmerksamkeit bei Benutzung dieses Wortes einseitig auf den Verursacher der jeweiligen Bewegung gelenkt. 
  1643. Nahezu jede Eigenbewegung schließt eine Weg-Erfahrung ein (Dirk Westerkamp). Nur der begangene Weg ermöglicht eine „ganze“ Erfahrung, die wiederum Ausgangspunkt einer fundierten Kritik sein kann.
  1644. Im Gehen unterhält und  bestimmt man die Bewegung   viel differenzierter  als im Auto, Zug oder gar im Flugzeug, so dass es Sinn macht, hier von Eigenbewegung zu sprechen.
  1645. Die Eigenbewegung hat zumindest Auswirkungen in  zwei Dimensionen:
    a) in der physiologischen Dimension, die von der Medizin und Biologie naturwissenschaftlich beschrieben wird  und
    b) auf  der  subjektiv- psychologischen Dimension der Erlebnisseite, die auch unter dem Begriff „Qualia“ diskutiert wird. Diese subjektiven Erlebnisse können das Bewusstsein selbstreferentiell, also ohne äußeren Einfluss verändern, wobei  eine erfolgte Veränderung der psychischen Inhalte und eventuell auch Strukturen  zu Verhaltensänderungen führen kann, die wiederum  Veränderungen in der physiologischen Dimension zur Folge haben können. 
  1646. Leben = Eigenbewegung. Die Gleichung „Leben = Bewegung“ kann zu Irrtümern führen, denn mit Bewegung kann sowohl „Eigenbewegung“ als auch „Fremdbewegung“ im Sinne von passivem Transportiertwerden  gemeint sein. Eine Leiche verfügt per definitionem über keine Eigenbewegung, aber sie könnte sagen, „Ich bin beweglich“, wenn sie transportiert wird.
  1647. Der Kern meiner Bemühungen: Der Gegenstand einer sinnlichen Wahrnehmung sollte so sinnenreich wie möglich sein. Natürlich sind alle materiellen Gegenstände, die wir wahrnehmen, per definitionem sinnlich, aber es gibt ein Kontinuum von  Reduktionen. Ein Zeichen ist gegenüber dem Gemeinten sinnlich eine große Reduktion, ebenfalls Fernsehbilder oder Wahrnehmung aus dem Auto. Eine vollkommene sinnliche Wahrnehmung ist uns Menschen wegen unserer  Perspektivität und zeitlichen Begrenzung, alle Perspektiven einzunehmen, unmöglich. Deshalb kommt alles darauf an, die unvermeidliche Reduktion so gering wie möglich zu halten. Pointiert: Eine lebendige Kuh mit allen Sinnen wahrzunehmen ist sinnen- und sinnvoller als ein Foto von ihr. Nach Lichtenberg ist übrigens das menschlicht Antlitz die interessanteste Oberflächen auf Erden. 
  1648. Die Hand, aber auch der Fuß sind zwei hervorgehobene Schnittmengen von Geist und materieller Umwelt. 
  1649. Anson Rabinbach beschreibt in "Motor Mensch" überzeugend, wie im 19 Jh. der menschliche Körper in Analogie zur Arbeitsmaschine modelliert wurde - und die große Aufgabe bestand nach damaliger Ansicht darin, ihn in diese Richtung zu optimieren. Weil Motore massenhaft vorhanden sind und den menschlichen Körper weit übertreffen, spielt er eine immer geringere Rolle. Das erklärt also, warum die Eigenbewegung es in der modernen Gesellschaft so schwer hat.
  1650. Eine tolle Entwicklung: Seitdem er jeden Tag mit dem Rad zu Arbeit führe, hätte er bereits zehn Kilogramm abgenommen. Und - er verstehe es selbst nicht richtig -, sei er süchtig nach Radfahren geworden.
  1651. Eine US-Studie: "Wer jede Woche mindestens rund zehn Kilometer zu Fuß geht, unterstützt offenbar sein Gehirn" (Flensburger Tageblatt v. 15. 10. 10).
  1652. Eigenbewegung ist auch eine erfolgreicher Kampf gegen die eigene Schwerkraft.
  1653. Die durch Eigenbewegung entstehende Müdigkeit zeugt nach einer Ruhepause eine produktive Wachheit, die beispielsweise nicht entsteht, wenn man im Zug geschlafen hat.
  1654. Eine Frage, die sich beim Vorbeiziehen von Landschaften während einer Zugfahrt einstellte: Wann bin ich das letzte Mal über ein Feld gegangen?
  1655. Dreierschritt: körperliche Anstrengung – Erschöpfung – Geistige Wachheit. 
  1656.  In der Eigenbewegung ist man nolens volens lebendig, in der Fremdbewegung ist das Leben auf das nötige Minimum beschränkt. 
  1657. Das Fundament der Gedanken zur Eigenbewegung ruht wesentlich auf der Lebensphilosophie.
  1658. "Der Sinn des Reisens ist, an ein Ziel zu kommen, der Sinn des Wanderns, unterwegs zu sein, ..(Theodor Heuss). Beide Funktionen der Eigenbewegung sind legitim und wichtig.
  1659. Definiert man Motivation mit " sich für etwas in Bewegung setzen", dann ist mit Bewegung immer Eigenbewegung gemeint.
  1660. Die Bewegungen von nichtmenschlichen Lebewesen sind meiner Eigenbewegung viel näher als die mechanisch-technischen Bewegungen – und seien sie noch so subtil. 
  1661. Die im Film gezeigten Bewegungen sind  und werden  nie wirkliche Bewegungen.
  1662. Nachhaltige Bedeutungen entstehen erst in der lebendigen Interaktion und Kommunikation.
  1663. Ein körperloses Leben fördert Grenzen- und Maßlosigkeit.
  1664. Später als Erwachsener muss man sich Heimat erarbeiten, indem man geht,  beobachtet und liest. 
  1665. Die Augenbewegungen beim Gehen sind eine Bewegung in der Bewegung, teilweise vom Subjekt bestimmt, teilweise von der Umwelt bestimmt.
  1666. Ernst Bloch dachte die Natur als den erweiterten Leib des gesellschaftlichen Menschen, d. h. die Natur ist nicht das Andere. So bin ich in der Eigenbewegung nicht nur in meiner Natur, sondern befinde mich im Einklang mit der Natur schlechthin.
  1667. Das Wesen des Lebendigen ist ständiges Schaffen. Das merkt man insbesondere bei Kindern. Der Autofahrer und der TV-Konsument schaffen auf minimaler Ebene.
  1668. Radfahren und Gehen schaffen Gesundheit, Autofahren nach innen und außen Krankheit.
  1669. Eigenbewegung ist  eine Entscheidung gegen die Möglichkeit und für die Wirklichkeit. Man gewinnt einen (1) realen Weg und verliert viele mögliche Wege. Verallgemeinert: Jede "Entscheidung für" ist gleichzeitig eine "Entscheidung gegen". 
  1670. Musik ist viel näher am Gehen als am Autofahren, aber alle drei sind Bewegungen.
  1671. Ein Beitrag zur notwendigen Auswilderung: 46 Hamburger Grundschulen mit rund 14 000 Schülern wollen sich an der weltweiten Aktion "Zu Fuß zur Schule" am 24 September 2010 beteiligen.
  1672. Eigenbewegung ist  aus Autoperspektive anachronistisch.
  1673. In der Eigenbewegung werden neuronale Bahnungen geschaffen. Die  Frage ist, in welchem (auch zeitlichen) Bedingungsverhältnis  die durch Eigenbewegung verursachten Bahnungen zu denen der geistigen Tätigkeiten stehen. 
  1674. Es ist schwer, aus einer bestimmten Eigenbewegung, wenn einmal für sie entschieden, räumlich entscheidend auszubrechen.  Das kann man aber auch als einen Sieg der Wirklichkeit über die Möglichkeit interpretieren. Im Auto und in den Medien kann ich in kürzester Zeit meine jeweilige Wirklichkeit verändern, d. h. die Möglichkeit dominiert über die Wirklichkeit.
  1675. Die jeweilige Eigenbewegung ist eine  Entscheidung für die jeweils bestehende "wirkliche  Wirklichkeit" und nicht für den  Zustand des Offenhaltens von möglichen Welten.
  1676. Eigenbewegung ist, kann und sollte  nicht das Ganze sein, aber sie ist ein notwendiger Teil eines erfüllten Daseins.
  1677. In der Eigenbewegung besteht zumindest die Möglichkeit des Sich-Offenhaltens für die gesamte sinnliche Fülle der Welt. In der Fremdbewegung besteht diese Möglichkeit nicht.
  1678. Was bewirken meine muskulären Aktivitäten? Sie intensivieren das Eigene im Sinn von: "Das ist meine Leistung". Sie sind notwendige Bedingung für ein Erlebnis, und sie sind ein Moment der Aktualität. 
  1679. Es besteht ein entscheidender Unterschied zwischen "Ich sehe einen Baum" und "Ich besteige diesen Baum".
  1680. Wenn ich aufstehe und ich noch nicht recht weiß, wo und wer ich bin, hilft energisches Strecken der Arme und Füße, hier Klarheit zu schaffen.
  1681. Eigenbewegung ist eine Art Epoché im Sinne von Husserl, in der alle technischen Hilfsmittel ausgeschlossen sind.
  1682. Es gibt in der Eigenbewegung keinen  Dualismus zwischen Mensch und Umwelt.  Es gibt auch keinen Dualismus  im Auto und vor dem Fernsehapparat, denn die reale Einheit besteht  hier zwischen Mensch und Auto bzw. und Mensch und Fernsehapparat. Aber es besteht ein Dualismus zwischen ihnen und der Welt - aber das erkennen die Autofahrer und Fernsehmenschen nicht.
  1683. In "bewegen" und "Bewegung" ist immer ein "Weg" enthalten. Das ist eine Erkenntnis, zu der man  apriorisch gelangen kann. Da es langweilige und interessante, unterfordernde und fordernde Wege gibt, entscheide Dich für letztere.  
  1684. Nur im Gehen ist höchste Wirklichkeitserfahrung möglich.
  1685. Beim Sport sind nur diejenigen Umweltelemente relevant, die  wichtig sind für die Lösung der sportlichen Aufgabe. Ansonsten ist die Umwelt kein Gegenstand des Interesses. Ich habe jedenfalls noch keinen sportlichen Wettkampf miterlebt, wo ein Läufer plötzlich stehen blieb, weil er etwas Schönes sah. 
  1686. Mir ist kein habitueller Autofahrer bekannt, der sagt: "Heute lass ich mein Auto stehen, um  mehr zu sehen und zu erfahren".
  1687. Man kann das Gehen auch als eine Art Bildung oder Gestaltung interpretieren.
  1688. Spielerische Momente haben in meinem Begriff von Eigenbewegung einen genuinen Platz, nicht aber sportliche Aktivitäten, wenn sie nicht Mannschaftssport sind.
  1689. Die  wichtigste Einsicht, weil sie meiner Ansicht nach den Sinn der  Eigenbewegung am tiefsten begründet:  Eigenbewegung ist eine Handlung. Zu jeder Handlung gehören  immer ein Handelnder und eine Situation. Auf unser Thema bezogen: „Ich gehe durch die Stadt"  oder „Ich fahre mit dem Auto durch die Stadt. Die Entscheidung, ob ich zu Fuß gehe oder mit dem Auto fahre, treffe ich ganz allein. Hier bin ich der Chef, bin ich ein autonomes Subjekt. Allgemein ausgedrückt: In der Entscheidung bestimmt der Handelnde die Handlung. Aber während der eigentlichen Handlung kehrt sich das Verhältnis um: Die Handlung bestimmt nun den Handelnden. An meinem Beispiel. Wenn ich zu Fuß durch diese Stadt laufe,  entsteht ein anderes Ich als wenn ich mit dem Auto  fahre. Und es entsteht gleichzeitig ein Zweites, eine Welt: entweder eine „Fuß-Stadt" oder eine „Auto-Stadt“, d. h.  zwei verschiedene Städte, zwei verschiedene Lebenswelten: D. h. wenn ich laufe, lerne ich eine wesentlich andere Stadt  kennen, als wenn ich sie mit dem Auto durchfahre. Auf den ganzen Menschen gewendet: Die Summe meiner Handlungen ergibt mein  Ich und meine Welt, die immer eine subjektive Lebenswelt ist. D. h. eine Handlung erzeugt immer einen subjektiven Pol und einen objektiven Pol.
  1690. Einfach losgehen –  und Du leistet einen Beitrag nicht nur zum urbaner Lebendigkeit, sondern auch zur  Erhaltung der Schönheit der Architektur, der Straßen und  der Plätze. Du verursachst keinen Krach und keinen Gestank. Wenn Du losgehst, um in Deinem Viertel einzukaufen (= ganz wichtig), liefert Du einen Beitrag zur Erhaltung eines vielfältigen Angebots.
  1691. Der Begriff "Weg" enthält große subjektive Anteile. Beim Autofahren ist er mehr Linie, beim Gehen mehr ein Schlauch von unterschiedlichem Durchmesser, der abhängig ist von den jeweiligen Intentionen des Unterwegseins.  
  1692. Man kann Eigenbewegung als Widerstand gegen ein Leben in Symbolen und abstrakten Welten verstehen.
  1693. Konzentriere Dich auf die Auswirkungen  von Eigenbewegung und Fremdbewegung auf  Dich und auf Deine soziale, natürliche und kulturelle Umwelt.
  1694. Der wesentliche Unterschied zwischen Eigenbewegung im Sport und Eigenbewegung in alltäglichen Situationen besteht im Folgenden: Beim Sport sind die äußeren Bedingungen insoweit be-merkens-wert, wie sie die Bewegung ermöglichen bzw. behindern, d. h. der Objektpol besitzt im Gegensatz zu Eigenbewegungen im Alltag keinen Eigenwert. 
  1695. Man staunt über die technische Neuerungen, aber nicht über seine eigene und anderer  Seele, Geist und Körper.
  1696. Durch Erfindungen wie Kutsche, Auto, Zug und Flugzeug hat sich die Semantik des Verbs "fahren" stark verändert.
  1697. Eigenbewegung dient der Gesundheitswiederherstellung und der Gesundheitsvorsorge. Das auch, aber Eigenbewegung ist viel mehr: wirkliches und erfülltes Leben.
  1698. Im Zug ist man oft Zeuge von menschlichen Gesten und Blicken.
  1699. In der Eigenbewegung entsteht eine Geschwindigkeit, die der Seele gut bekommt.
  1700. Fahrradtourismus ist nach meinen Beobachtungen die letzte ökonomische Chance von vielen Gaststätten in alten Städten. So beträgt ihr Anteil im gemütlichen "Fränkischer Hof" in Klingenberg am Main in den Sommermonaten über sechzig Prozent.  
  1701. Sport = Eigenbewegung ohne relevante Welt. Übrigens liegt kein Sport vor, wenn Motore Muskeln ersetzen (z. B. "Motorsport") oder wenn die Muskeln minimal beansprucht werden ("Schachsport").
  1702. Muskuläre Tätigkeiten schaffen größtmögliche  Nähe zum Sein; Sein im Sinne von "Ich bin".
  1703. "Eigenbewegung durch die Umwelt ist eine der grundlegenden Verhaltensweisen von Mensch und Tier für eine aktive Exploration der Umgebung" (Niemann, Tobias: Zur Objekt-, Raum- und Bewegungsanalyse während Eigenbewegung bei Menschen).
  1704. Die autogerechte Stadt ist nicht naturwüchsig. Wir sind sehr wohl in der Lage, eine "urbane Bewegungskultur" (Imogen Buchholz) zu gestalten.
  1705. Eine Handlung wirkt zumindest genau so stark auf den Handelnden wie dieser auf die Handlung. Und zudem entsteht erst in der Handlung bedeutsame Welt, d. h. Umwelt, Mitwelt, Lebenswelt. Die Handlung „Gehen“ verändert also gleichzeitig den Gehenden und dessen Bewusstsein von seiner Lebenswelt. Alles kommt also auf die Qualität der Fortbewegung einschließlich ihrer Umgebung an. Aus einer anderen Perspektive: Die grammatikalische S-P-O-Regel suggeriert ein aktives Subjekt und ein passives Objekt. Aber die genaue Analyse ergibt, dass das Objekt sehr wohl aktiv sein kann und damit den Status eines Subjekts einnimmt, d. h. auch hier gibt es kein "Reines". 
  1706. Wort und Begriff „E-Sport“ bilden einen höchst denkbaren Widerspruch in sich, weil Sport durch muskuläre Anstrengungen bestimmt ist, hier aber gerade die Muskeln durch Elektromotoren ersetzt werden. Es rächt sich übrigens, dass die Vertreter des Sports keinen Widerspruch einlegen, wenn z. B. Auto- und Motorradrennen sich selbst als Sport bezeichnen. Merke: Nicht jeder Wettbewerb ist Sport.
  1707. Die hier vertretene Position, den Akzent auf Eigenbewegung in interessanten Unwelten zu legen und nicht auf Sport, hat neben den bereits genannten Gründen auch den Vorteil, auf kämpferische Motive verzichten zu können bzw. nicht zurückgreifen zu müssen.
  1708. Im Modus der Eigenbewegung besteht  die größte Chance,  konkrete Wirklichkeit sich anzueignen.
  1709. Eine notwendende Maxime der  Gegenwart: Stärkt den Wunsch nach und die Bedingungen für Eigenbewegung und schwächt den Wunsch nach und die Bedingungen für Autofahren.
  1710. Eigenbewegung  hat viele Dimensionen, aber zuallererst und fundamental ist sie sinnlich-muskulär, d. h. nicht allgemein.
  1711. Es stimmt einfach nicht, wenn man sagt, man sei unbeweglich, weil man kein Auto habe. Das Gegenteil ist richtig: Man ist bewegungslos, wenn man Auto fährt.
  1712. Die Fähigkeit und Realisation von Eigenbewegung ist wichtig für den Aufbau einer Persönlichkeit. Für meine  Eigenbewegung bin ich alleinige Ursache. Eigenbewegung kann man sich nicht kaufen. 
  1713. Die Hände und Füße, wenn sie nicht absichtlich Böses tun, sind behut- und achtsamer als Maschinen.
  1714. "Hol dir neue Laufpower" lautet die Überschrift einer  Werbebroschüre eines Sportgeschäfts. Aber Kraft und Fähigkeiten lassen sich nicht kaufen.
  1715. In der Eigenbewegung wie im Selbstbewusstsein (Schmidinger) ist der Mensch in einer unableitbar ursprünglichen Weise mit sich selbst vertraut.
  1716. Man mache sich aber keine Illusionen: auch Eigenbewegung bewegt sich in einer Spannung, in der Lust und  Unlust sich nicht gegenseitig ausschließen. Aber auf Dauer überwiegt die Lust - zumindest nach meinen Erfahrungen. 
  1717. In dem Konzept der Eigenbewegung ist das Moment der Eigenverantwortung sehr stark. 
  1718. Ein konkreter Bewegungsablauf eines Menschen ist genau betrachtet so individuell wie sein Körper. Aber obwohl angemessen, verbietet es die Sprache nahezu, von einer ´verkörperten Bewegung` statt von einem ´bewegten Körper` zu sprechen. Es ist also sehr schwierig, die größere Relevanz der Bewegung gegenüber dem Körper sprachlich auszudrücken. Metaphorisch: Die Seele eines Menschen drückt sich eher in seinem Gang und seinen Bewegungen als in seinem (bewegungslosen) Körper aus.
  1719. "Eigenbewegung durch die Umwelt ist eine der grundlegenden Verhaltensweisen von Mensch und Tier für eine aktive Exploration der Umgebung. So sind Standortveränderungen zum Beispiel notwendig für das Auffinden neuer Nahrungsquellen, Beutefang, Flucht oder auch zur Identifikation von dreidimensionalen Objekten. Sensorische Systeme zur Orientierung, Kontrolle der Navigation und Objekterkennung sind hierfür essentiell" (Thomas Niemann: Zur Objekt-, Raum- und Bewegungsanalyse während Eigenbewegung bei Menschen).
  1720. Grundsätzlich entstehen beim Gehen und Radfahren tiefere und umfassendere Bedeutungen als im Modus der Fremdbewegung.
  1721. Die Begriffe Eigenbewegung und Fremdbewegung sind keine Entgegensetzungen, sondern Unterscheidungen, d. h., sie haben Gemeinsamkeiten. Entgegensetzungen hier zu behaupten, wäre Dogmatismus,  Unterscheidungen  hier deutlich zu machen, ist Stärkung des Lebens und der Kultur.
  1722. Erfahrungen kann man bekanntlich nur selbst machen, egal, ob man stundenlang vor dem Fernsehapparat sitzt oder zu Fuß in die entfernte Innenstadt geht. Aber beide Erfahrungen unterscheiden sich in der Qualität und in der Tiefenstruktur  beträchtlich. Und auf diese Differenz kommt es mir an.
  1723. Natürlich können Anstrengungen belasten und nervig sein, aber sie sind oft  auch notwendige Bedingung für Wachstum in unterschiedlichen Bereichen.  Anstrengungen sind also nicht per se zu vermeiden.
  1724. Ein lebender Hund ist „wirklicher“ als ein Spielzeughund, auch wenn dieser noch so sehr mit dem Schwanz wedeln kann. Ein Spaziergang ist "wirklicher" als eine Autofahrt.
  1725. In der Eigenbewegung entstehen  eine Gegenwart und Wirklichkeit, die genuin nur die meinigen sind. 
  1726. Geistige und körperliche Gesundheit wird durch wenig Essen und viel Eigenbewegung gefördert. Ein leerer Magen (natürlich innerhalb von Grenzen) erleichtert das Gehen und Denken.  
  1727. Sich bewegen = Ich bewege mich.  Es handelt sich hier um einen aktiven Vorgang, der als Objekt den Handelnden selbst hat. Das Subjekt und Objekt verändern sich als eine Einheit gleichermaßen. Im Gegensatz dazu "Ich fahre Auto". Hier sind  Zustand und die Tätigkeit des Subjekts  eine vollkommen andere als die des Objekts (des Autos).
  1728. Das Wesen des Weges ist (leider), sich mehr oder weniger dem Ziel zu unterwerfen und nicht auf das zu führen, was links oder rechts von ihm liegt. Hier muss man gegensteuern.
  1729. Ein im Büro arbeitender junger Mann erzählte mir, dass er mit Hilfe eines "Schrittmessers" herausgefunden hätte, dass er am Tag  nicht mehr  als zweitausend Schritte vollziehe.
  1730. Heimat entsteht nur im Modus der Eigenbewegung. Erst dadurch werden aus Raum-Zeit-Gebilde Orte, wird aus Umwelt Mitwelt. 
  1731. Sexualität ist offensichtlich die letzte Domäne der Eigenbewegung, wo sie unumstritten herrscht.
  1732. Stillgestellte Muskeln halbieren das Leben.
  1733. Eigenbewegung ist natura naturans, d. h. ein produktiver Prozess, der relativ unbegriffen und „ergebnisoffen“ abläuft.
  1734. Mögliche Basis für eine  Theorie der Eigenbewegung: Die Handlung ist das eigentliche "Subjekt". Erst in der Handlung wird ein Ich und Welt erzeugt- und zwar mit jeder Handlung neu. Ich und Welt sind das Nachgängige. Allein in der Entscheidung, diese oder jene Handlung durchzuführen, befindet sich das Subjekt im Zustand zumindest relativer Autonomie. Hier ist dann das Subjekt das Vorgängige.
  1735. Im sinnen- und sinnvollen Gehen ist auch ein Ausgriff auf das Ganze enthalten. In der Eigenbewegung besteht die größte Chance,  die Einheit zwischen sich und der Welt zu erlangen. 
  1736. Nur im Gehen erschließt sich uns die Schönheit der Alltagswelt.
  1737. Die positiven Effekte der Eigenbewegung kann man nur unvollkommen symbolisch "einfangen", sie müssen erfahren werden.  Fahren war übrigens ursprünglich primär Eigenbewegung.
  1738. Lebenskraft zeigt sich in der Bejahung von Eigenbewegung. 
  1739. "So wenig als möglich sitzen; keinem Gedanken Glauben schenken, der nicht im Freien geboren ist und bei freier Bewegung, in dem nicht auch die Muskeln ein Fest feiern" (Friedrich Nietzsche).
  1740. These: Auch beim scheinbar rein geistigen Ausdruck ist immer der gesamte Körper beteiligt, aber oft wird die körperliche Dimension unterdrückt.
  1741. "Warum steigt ihr auf die Berge?  Um dem Gefängnis zu entrinnen"  (Ludwig Hohl).
  1742. Eigenbewegung wirkt in zwei Richtungen, aber je nach Situation in sehr unterschiedlichen Intensitäten: nach innen und nach außen - idealiter intensiv in beide Richtungen
  1743. Wer genießt eigentlich noch die Möglichkeit,  morgens im Sonnenschein zum Bäcker zu gehen oder mit dem Rad zu fahren?  Ich befürchte, sehr wenige Menschen.
  1744. Der geniale Mensch: der, der Augen hat, für das was ihm vor den Füßen liegt (Johann Jakob Mohr).
  1745. Meine Cousine fährt seit ihrem achtzehnten Lebensjahr jede Strecke mit dem Auto. Vor gut sechs Wochen  musste sie allerdings wegen zu schnellen Fahrens einen Monat ihren Führerschein abgeben und das Auto durch ein Fahrrad ersetzen. Das war für sie sehr ungewohnt, die sie mit zwei Unfällen bezahlte. Nun hat sie den Schein wieder und will nie mehr ein Rad besteigen. Auf die Idee, durch  Üben und Praxis ihre Radfahrkompetenz (wieder) zu erlangen, kommt sie allerdings nicht.  
  1746. Enten - eller/entweder - oder: Sich selbst bewegen oder bewegt werden, Eigenbewegung oder Fremdbewegung, zu  Fuß gehen bzw. mit dem Rad fahren oder das Auto nehmen? Bedenke es wohl, denn Motore ersetzen  Leben.
  1747. Auch wenn man zielorientiert einen Weg entlang läuft und damit seinen Reichtum nicht wahrnimmt, wirkt dieser unbemerkt: Es macht also immer einen bedeutsamen Unterschied, ob man durch einen Wald läuft oder neben   einer Autotsraße geht oder Rad fährt. 
  1748. Viele Stecken lassen sich in Wege umformen.
  1749. Wenn man den philosophischen Begriff der natura naturans mit "schaffender Natur" und natura naturata mit "festgestellter Natur" übersetzt, macht es Sinn, Eigenbewegung dem erste, und Fremdbewegung dem zweiten Begriff zuzuordnen.
  1750. Der moderne  Mensch gibt zunehmend ohne Notwendigkeit seine Fähigkeit zur Eigenbewegung an motorenbetriebene Maschinen ab - und meint,  das sei sehr klug.  
  1751. Naturnahe Fuß- und Radwege sind immer sinnen- und sinnvoll, asphaltierte Autostraßen sind nie sinnenvoll und oft sinnlos. 
  1752. Bewege Dich im Alltag und mäßige Dich im Essen und Du hast keine Gewichtsprobleme.
  1753. In der Eigenbewegung besteht eine primäre vorbegriffliche Einheit zwischen Mensch und jeweiliger Umwelt, die gegebenenfalls begrifflich überformt wird. So umfasst  die Eigenbewegung stets mehr Sinn als dem Sichbewegenden bewusst ist.  
  1754. In Bezug auf Eigenbewegung sind Auto- und Bahnfahrten gleichermaßen defizitär. Ein Zugabteil ist aber ein sozialer Raum, den zu betreten, fast jedes Mal ein Erlebnis und eine Riesenchance für spontane Kommunikation und Beobachtungen bietet, dagegen steht das Auto Vereinzelung (und Vereinsamung)  par excellence.
  1755. Die ganze Schönheit eines Menschen erschließt sich erst in seinem Gang.
  1756. Es ist ein Fehler der Gesundheitspolitik oder der privaten Gesundheitsvorsorge, einseitig auf Sport zu setzen. Die meisten Menschen sind keine Sportler und auch nicht längerfristige Freizeitsportler. Machbar und realistisch ist, Eigenbewegungen zu Fuß oder mit dem Rad im Alltag zu intensivieren und zumindest auf kurzen Strecken auf das Auto zu verzichten.
  1757. Ein Weg an sich ist eine Abstraktion. Die jeweilige Breite, die immer eine subjektive ist,  hebt die Abstraktion ein Stück auf.
  1758. Ich bin davon überzeugt, dass zum richtigen Leben Eigenbewegung in ausreichendem Ausmaße und Intensität gehört. 
  1759. Eigenbewegung ist ein Beitrag zur Überwindung unnötiger Abstraktion und Entmaterialisierung der Welt.
  1760. Eigenbewegung stärkt Selbst- und Seinsgewißheit.
  1761. Eigenbewegung ist `natürlich´ ein Hybrid, d. h. eine unlösbare Einheit von Natur und Geist.  Wenn man  die gesellschaftliche bzw. symbolische Ordnung als die Quelle der Unfreiheit, die Natur aber als den Freiraum des Subjekts ansieht, macht es Sinn, sich intensiv auf seine eigene Natur in Form von Eigenbewegung und der äußeren Natur, in der die Eigenbewegung stattfindet, einzulassen.  
  1762. Der Sinn des Lebens und damit der Eigenbewegung besteht nicht darin, von einem Sofa aus verschiedene Knöpfe zu drücken, um Apparate in Gang zu setzen. 
  1763. Interpretiert man den Menschen als materiellen Signifikanten und die Umwelt als immaterielles Signifikat (oder umgekehrt)  und geht man zusätzlich , wie Derrida, nicht von dem Primat der Bedeutung   aus, sondern von einer gleichwertigen Wechselwirkung zwischen beiden aus, dann bekommen einerseits die Eigenbewegung, andererseits interessante Umwelten allergrößten Wert.
  1764. Warum ist offensichtlich jede Kommune verpflichtet, jedes Haus mit einem Autostraßenanschluß auszustatten?
  1765. Adorno bezeichnet Natur als das Nichtidentische, das sich in den ontischen Residuen der Begriff oder den körperlichen Erfahrungen der Subjekte niederschlägt (Julia Weber). Diese körperlichenb Erfahrungen sind fast immer Erfahrungen im Modus der Eigenbewegung.  Das Nichtidentische erklärt  übrigens auch, warum Eigenbewegung grundsätzlich nicht befriedigend definiert (finis = die Grenze) werden kann. 
  1766. Natürlich kann man der Auffassung sein, dass Geist, Seele und Körper des Menschen Instanzen sind, die zwischen ihm und Welt vermitteln. Diese Indirektheit  wäre unaufhebbar. Aber ich denke, man sollte ohne Not auf zusätzliche Vermittlungsinstanzen verzichten, also möglichst das anstreben, was man naiverweise als Originalbegegnung bezeichnet. 
  1767. Es besteht immer die Gefahr, dass die Schätze eines Weges nicht wahrgenommen werden, weil entweder das Ziel absolut gesetzt wird oder der Weg  in seiner möglichen Breite nicht genossen wird bzw. im Bewusstsein tendenziell zu einer Linie  geschrumpft und  damit ´dinglos´ geworden ist. Fazit: Der Weg ist eine Bewusstseinsleistung.
  1768. Eigenbewegung ist eine Entscheidung für intensiv erlebte Langsamkeit.
  1769. "Die Natur war für Goethe ein Abbild der Muße, weil die Natur nichts will, nichts bzweckt, sondern aus sich heraus vollkommen ist" ((Susanne Beyer: `Leben im Stand-by-Modus, Spiegel Nr. 29, 2010
  1770. Zur Schönheit des Wohnens: In Nähe ihrer Wohnung befinden sich ein Lebensmittelgeschäft, ein kleines Cafe, die Post, eine Bank und  die Schule, alles problemlos zu Fuß zu erreichen. An ihrem   Arbeitsplatz und in der  Innenstadt sind sie mit dem Rad in zehn Minuten. Wegen dieser günstigen Situation scheint auch der Autoverkehr in diesem Stadtteil nicht so dicht zu sein. 
  1771. Beim Gehen entsteht eine Spur, aus der u. U. ein Weg entsteht. Die Spur ist eine Einheit  von Geist (als Ziel und Kraft zur Verwirklichung)  und  Natur. Beim Entstehen von Spuren und  Wegen besteht eine ständige  Wechselwirkung zwischen Ziel und Natur. Ein Weg durch schwieriges Gelände ist an dieses angepasst.  Neuzeitlicher Autobahnbau hat diese Dialektik nahezu still gestellt, da  Natur in Abwesenheit jeglicher Ethik  als beliebig veränderbar behandelt wird. Anders gesagt. Der Weg ist eine Vermittlung von Geist und Umwelt und er vermittelt zwischen beiden. Daraus folgt: Auf den Weg kommt sehr viel an. 
  1772. `Eigenbewegung´ ist in der Realität ein Hybrid, ein Zusammengesetztes aus Subjekt und Objekt, aus Mensch und Umwelt bestehend. Diese Einheit kann man sprachlich nicht mit einem Wort ausdrücken, immer wird hier der eine oder der andere Pol unterschlagen. Spricht man von Eigenbewegung muss man immer den Weg mit bedenken - und umgekehrt.  
  1773. "Niemals werden uns das fundamentale Signifikat, der Sinn des repräsentierten Seins und noch weniger die Sache selbst leibhaftig, außerhalb eines Zeichens oder eines Spiels gegeben sein" (Derrida). Genau aus dieser prinzipiellen Unsicherheit resultiert auch die Abwertung der Eigenbewegung und ihre nicht als Verlust und Schmerz empfundene Ersetzung durch Fremdbewegung.  Aber sich selbst zu bewegen, zu Fuß zu gehen oder mit dem Rad zu fahren, ist die erste und beste Möglichkeit, den Bruch zwischen Mensch und Welt, Subjekt und Objekt ein Stück rückgängig zu machen bzw. zu überwinden. Aber wir werden wohl nie absolute, sondern nur relative Seinsgewissheit erlangen, auch selbst wenn man wie ich von dem Sein des Seins ausgeht. 
  1774. Auf einer Photographie vom Gendarmenmarkt und umliegenden Straßen von 1895 sehe ich bis auf eine Kutsche nur Fußgänger: Es ging also. Warum "geht" es heute nicht?
  1775. Trau Dich zur Eigenbewegung und Du wirst belohnt: 20 Kilometer mit dem Rad - natürlich auf Schleichwegen - zu einer Musikveranstaltung auf dem Land. Obwohl man ja nicht vergleichen soll, war die Rückfahrt gegen Mitternacht  noch eindrucksvoller als die Hinfahrt gegen die Abendsonne. 
  1776. Mein bisher ausschließlich auf das Auto fixierter Verwandter entwickelt nun Vernunft:  Nach Feierabend oder an Wochenenden unternimmt er fast jeden Tag  mit dem Rad Fahrten durch die schöne Landschaft Angelns. Nun muss er nur noch lernen, dass es möglich ist, mit dem Rad auch zur Arbeit und zum Einkaufen zu fahren. Wenn er das schnallt, ist er in meinen Augen perfekt in Bezug auf Mobilität.
  1777. Wenn Du die hier vertretene Position begreifen und teilen willst, muss Du schon selbst in die Puschen kommen. Fahre morgen mit dem Rad zur Arbeit!
  1778. Du hast morgens oben im Schlafzimmer etwas vergessen: Nimm zwei Treppenstufen auf einmal  - und Du erfährst die Schönheit der Eigenbewegung. 
  1779. Leben  ist stark abhängig von Technik:  meine Uhr, mein Rad, meine Internet-Kontakte, meine Kleidung, meine Wohnung, meine Straße  wurden  mit Technik hergestellt.  Es kann also nicht um Ablehnung von Technik gehen, sondern  um die Bestimmung der Räume, wo sie angemessen ist oder eben nicht. Das heißt auch, technikunabhängige Bewegungen, eben Eigenbewegungen, in interessanten Umwelten durchzuführen.
  1780. Die körperliche Eigenbewegung selbst ist  Natur, auch wenn sie kulturell überformt ist. 
  1781. In der Eigenbewegung entstehen nicht nur Informationen über die jeweilige Umwelt, sondern auch Informationen über sein körperliches, geistiges und seelisches Selbst. Zumindest letzteres findet fast nicht im Modus des Transportiertwerdens statt.
  1782. Leben ist innere und äußere autonome Bewegung = Eigenbewegung.
  1783. Lebensmaxime: Sich körperlich und geistig in interessanten realen und symbolischen Räumen bewegen.
  1784. Beschäftigt man sich mit Eigenbewegung, thematisiert man  implizit oft auch den Naturbegriff.
  1785. Dass Fernsehsendungen wie die Fußballweltmeisterschaft nun an öffentlichen Plätzen gezeigt werden (public viewing), ist ein begrüßenswerter Prozess gegen die Vereinzelung. Noch besser fände ich es allerdings, wenn, sagen wir tausend Zuschauer nach dem Spiel die Übertragungsanlage abstellten, sich halbierten und zwei Mannschaften a 500 Menschen bilden würden, die dann selbst auf dem nächsten freien Platz gegeneinander spielten. Das wäre dann nicht nur die Wiedergewinnung der sozialen, sondern auch der körperlichen Dimension 
  1786. Denkt oder glaubt man im Ernst, dass gemachte oder unterlassene Eigenbewegungen tatsächlich keinen Einfluss auf das Denken, Wahrnehmen, Fühlen und Handeln der  Akteure bzw. Nichtakteure haben?
  1787. In der Eigenbewegung finden Lernprozesse überwiegend auf vorbegrifflicher Ebene statt und betreffen gleichzeitig sowohl die Umwelt als auch das  Selbst. Diese Einheit von innen und außen ist z. B. beim Autofahren nicht vorhanden, hier sind Selbst und Umwelt hermetisch durch Stahl und Glas getrennt.
  1788. Lernen ist ein aktiver Vorgang, der idealiter Geist, Seele und den sich bewegenden Körper umfasst.
  1789. Man kann es gar nicht oft genug wiederholen und betonen: Es gibt  keine Eigenbewegung an sich, sie ist eine Abstraktion und nur analytisch möglich. Sie findet immer an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit statt, wobei zwischen Ort, Zeit und Eigenbewegung immer eine wechselseitige Beeinflussung stattfindet. Das macht  einsehbar, dass die   Qualität  der Umwelt, in der die Eigenbewegung stattfindet, so außerordentlich wichtig ist. Grundsätzlich ist das Ziel, der Weg und die Art, wie er "bewältigt" wird, von gleicher Wichtigkeit. Im Modus des Transportiertwerdens (Fremdbewegung) nähert sich das Erleben des Weges einer Abstraktion und zwar je schneller, desto abstrakter.
  1790. Er muß wegen  zu schnellem Fahren für einen Monat seinen Führerschein abgeben. Nun ist er gezwungen, mit dem Rad fahren bzw. zu Fuß gehen. Seine Nachbarn kommentieren diese ungewöhnlichen Anblicke mit "sportlich, sportlich". An dieser Situation erkennt man deutlich, dass Eigenbewegung in Alltagssituationen im Bewusstsein der Leute nicht mehr als Selbstverständlichkeit, sondern als etwas Besonderes, nämlich Sport interpretiert wird.
  1791. Ein entfernter Verwandter von mir ist Sportlehrer. Er fährt jeden Tag mit dem Auto zu seiner Schule, obwohl sie nur 500 Meter von seinem Wohnhaus entfernt liegt und dorthin ein wunderschöner Fuß- und Radweg führt. 
  1792. Sport kann eine sinnvolle Teilmenge von Eigenbewegung sein, aber er kann sie nicht ersetzen. Die Hauptsache und der eigentliche Wert der  Eigenbewegung ist,  sich in interessanten natürlichen, sozialen und kulturellen Umwelten zu bewegen. 
  1793. Es geht darum, die Schönheiten und interessanten Gegebenheiten im Alltag  zu entdecken - und dazu bedarf es in der Regel der Eigenbewegung. Man muss schon selbst aktiv werden. Fahre mit dem Rad von Hamburg-Dammtor durch das Schanzenviertel zu den Landungsbrücken und von dort entlang der Elbe bis nach Blankenese, überquere die Elbe mit der Fähre nach Cranz und von dort entlang der Este auf einer von Autos fast nicht frequentierten Straße bis nach Buxtehude - und du kannst fünf Stunden voller Begeisterung davon erzählen. Fährst du von Haus zu Haus  ermordest du, um mit Heinrich Heine zu sprechen, den Raum und bist in der Birne leer.  Aber aufpassen: Du sollst jetzt nicht nach Hamburg-Dammtor fahren, sondern Deinen Weg in Regensburg, Duisburg oder Zwickau finden. 
  1794. Obwohl Eigenbewegung ein Existenzial, ein Wesenselement des Menschen ist, ist ihre Bedeutung als Ganzheitsphänomen im Alltagsleben und in der Theorie vollkommen unzureichend.
  1795. Die Eigenbewegung stärkt das Selbst.
  1796. Nur im Modus der Eigenbewegung ist eine Kommunikation im externen Raum von Angesicht zu Angesicht möglich.
  1797. Eigenbewegung in dem hier vertretenen idealen Sinn ist  resistent gegenüber der Vereinnahmung als Ware.
  1798. Warum besitzt die Fremdbewegung eine so starke innere Legitimation
  1799. Ziel: Motorenfreie Zonen schaffen. Kandidat Nummer eins wäre der Garten.
  1800. In der Eigenbewegung geht es auf dem ersten Blick nur um die Erhaltung und den Gebrauch der Fähigkeit, selbständig Ortsveränderungen vorzunehmen. Aber Eigenbewegung betrifft letztlich den  "ganzen" Menschen in einer bestimmten Umwelt und Zeit. Zum Subjekt gehört idealiter immer ein sich bewegender Körper. Die Substitution des Körpers beschädigt die Gesamtpersönlichkeit. 
  1801. Erst in der Eigenbewegung wird aus der reinen Distanz ein Weg. Im Weg werden Subjekt und Welt zu einer lebendigen Einheit. 
  1802. In der Eigenbewegung entstehen keine Umweltbelastungen.
  1803. Nach einer längeren Fahrradtour durch eine  zauberhafte Landschaft  zwischen Stade  und Buxtehude machen wir Rast  in freier Natur. Ein Apfel, ein gekochtes Ei, geschmierte Brote und Leitungswasser bilden einen nicht zu überbietenden Genuss. Danach auf  Regenzeug als Unterlage gedöst, die Sonne auf den Pelz scheinen lassen und den Wind  leise im Gras wahrgenommen. 
  1804. Erst Füße und Fahrräder machen aus Raumdistanzen Wege - nicht Autos, Züge oder gar Flugzeuge.
  1805. Freiheit, Geschichtlichkeit, Sprache und Leiblichkeit (= Eigenbewegung ) bilden nach Eugen Fink  die vier Existenzialien des Menschen. ´
  1806. In der Anthropologie, Kognitionswissenschaft und Physiotherapie wird als Eigenbewegung eine aktive Veränderung der eigenen räumlichen Position (oder der Position eines Wahrnehmungsorgans) bezeichnet, die für die Umwelt- und Selbstwahrnehmung von entscheidender Bedeutung ist. Die Eigenbewegung und die ausgeblendete jeweilige Umwelt  bilden eine unaufhebbare Einheit, beide sind gleichwertig. Die  einseitige Funktionalisierung der Eigenbewegung auf körperliche und mentale Stärkung entspricht nicht ihren Möglichkeiten. Die Eigenbewegung  entfaltet  ihren Wert und ihr Potenzial erst in sinnen- und sinnvollen natürlichen, kulturellen und sozialen Umwelten. Sie stärkt und schont gleichzeitig diese Umwelten, so dass sie auch als eine ökologische und ökonomisch-politische Kategorie aufgefasst werden kann. 
  1807. Was von der  Bedeutung und der Sache nach  Eigenbewegungen sind, werden in der Literatur aber unter Benennungen wie  Wandern, Sport,  Bewegung,  Langsamkeit  Flüchtigkeit, Technikkritik, verinselte Kindheit, Nachhaltigkeit, sanfter Tourismus, Tod der Stadt, Verschwinden der Wirklichkeit, veränderte Wahrnehmungs- und Bewusstseinsstrukturen, Regionalismus, Kritik des Autos,  Entschleunigung, Cittaslow usw. isoliert und  spezifisch definiert dargestellt. Die folgenden Ausführungen führen die bereits bestehenden Theorieelemente zu einer vereinheitlichenden Theorie der Eigenbewegung  zusammen.
  1808. Im Begriff Eigenbewegung sind Dimensionen enthalten, die in diesem Wort nicht zum Ausdruck kommen:  So die nicht aufhebbare Einheit von Mensch und Umwelt und die positiven Effekte  des Sich-Bewegens in sinnen- und sinnreichen  natürlichen, kulturellen und sozialen Umwelten. Wahrscheinlich kann man dieses Problem nur mit Hilfe eines Ensembles von Wörtern lösen wie "alltägliche Eigenbewegung", "genetische Wege"  oder "begangene Wege". Unter dieser Einseitigkeit leiden übrigens fast alle der hier ausgedrückten kritischen Aussagen. Um meine Position noch einmal zu verdeutlichen: Eigenbewegung ist eine notwendige, wenn auch nicht hinreichende Bedingung für ein erfüllteres Leben.  
  1809. Optisch gesehen sind unsere Städte und Dörfer menschenleer. Die Bewohner halten sich  unsichtbar in ihren Häusern oder Autos auf.  Eine lebendige Siedlung braucht keine Autofahrer, auch nicht unbedingt Sportler, aber  Fußgänger und Radfahrer, die die meisten ihrer Bedürfnisse vor Ort Wirklichkeit (im Sinne von wirken) werden lassen und  die Straßen und Plätze beleben. 
  1810. Jeder Begriff, aber auch jeder Oberbegriff schließt ein und schließt aus. So auch der Begriff  Eigenbewegung, denn er thematisiert nicht explizit die jweilige Umwelt. Eigentlich müßte ich immer "Eigenbewegung in Alltagswelten" schreiben.
  1811. In der Eigenbewegung ist man nahe der natura naturans (der schaffenden Natur).
  1812. Die Eigenbewegungen des Menschen umfassen den ganzen Menschen: seine  äußeren Bewegungen wie die von Organen, Händen und Füße und  seine inneren Bewegungen wie   Bewusstsein, Wahrnehmung, Denken, Kognition, Gefühle, Wollen, Werte, Subjektivität und die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Alle diese Prozesse haben zwei verschiedene Seinsweisen von denkbar höchster  Verschiedenheit, einer subjektiven und einer objektiven: Die subjektive Seinsweise heißt hier: Die jeweilige Eigenbewegung erscheint  im Bewusstsein eines Ichs, in der ersten Person Singular  und wird ausschließlich nur hier  erlebt. Dieses phänomenale Bewusstsein ist eines der zentralen Probleme der Philosophie des Geistes und wird dort unter dem Begriff Qualia behandelt worunter man  den subjektiven Erlebnisgehalt eines mentalen Zustandes versteht.   Dieses Erleben  der Quantität und Qualität der eigenen Bewegungen ermöglicht erst das, was man als Identität bezeichnet. In diesem Erleben besteht der eigentliche und nicht ersetzbare Wert der Eigenbewegung.
  1813. Für  Original- oder Primärerfahrungen bzw. Erlebnisse, die diesen Namen verdienen, genügt es nicht, in einer  Realität zu sein wie auf der Endstation  der Bergbahn oder  im Bus an einer  Wildtier-Tränke, sondern gleichwichtig ist der lebendige, d. h. in äußeren und inneren Eigenbewegungen erfüllte Mensch. Erst wenn  dieser Ganzheit besteht,  sollte man von Originalerfahrungen sprechen.
  1814. "Zu unserer Natur gehört die Bewegung, die vollkommene Ruhe ist der Tod" (Blaise Pascal).
  1815. Die richige Art und Weise: "Jede Bewegung zählt … ! Bewegungsförderung für ältere Menschen in Kommune und Stadtteil" Titel einer Veranstaltung der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V.
  1816. Es erfordert unter Umständen große Willenskraft, in Zeiten der Schwäche, seine gewohnheitsmäßigen Eigenbewegungen aufrecht zu erhalten. Hier nicht einzuknicken, lohnt sich.
  1817. Führe  Deine täglichen Ortsveränderungen im Umkreis von fünf Kilometern zu Fuß oder mit Rad  durch, und Du  kannst  mit ruhigem Gewissen auf Sport verzichten.
  1818. Dass so viele Menschen immer mehr ihre möglichen Eigenbenbewegungen durch Motore ersetzen,  ist Ausdruck einer großen existenziellen Skepsis gegenüber den eigenen körperlich-geistigen Fähigkeiten
  1819. Von dem Tenor Fitz Wunderlich wird erzählt, dass er vor anstrengenden Aufführungen größere Wanderungen durchgeführt habe, um körperlich und mental sich zu stärken - und das offensichtlich mit Erfolg.
  1820. Offensichtlich scheinen insbesondere junge  Tiere und Kinder Freude an Bewegungen an sich zu haben, bei ihnen haben sie noch einen Selbstwert. Ist die häufig anzutreffende Bewegungsfaulheit bei Erwachsenen naturwüchsig oder anerzogen?
  1821. Vor kurzem hatte ich eine ziemlich heftige Prellung im Rücken, die meinen Bewegungsradius massiv einschränkte. War es Vermeidungsangst oder Bequemlichkeit, dass ich ganze Bewegungsabläufe ausließ? Erst als ich über Nachdenken diese Konstruktion  erkannte, bin ich willentlich gegen Vermeidungen und Bequemlichkeit angegangen (wortwörtlich). Ich denke, diese Überlegungen sind nicht nur im Fall von Krankheiten, sondern generell sinnvoll und notwendig.
  1822. Es macht einen großen Unterschied für den Garten und für mich aus, ob ich behutsam mit der Hand im Garten arbeite oder dort motorenbetriebene Maschinen einsetze.
  1823. Füße sind primär zum Laufen geschaffen und  nicht zum Bedienen eines  Gaspedals.
  1824. Erkennen und Wertschätzung setzt Bewegung voraus: Als Goethe 1787auf seiner Italienreise  Paestum besuchte und von weitem die drei griechischen  Tempel sah, war er zunächst gar nicht begeistert, was sich erst  änderte, als er sich um die Tempel und Säulen  herum und  durch  sie bewegte. Erst dann "teilt man ihnen das eigentliche Leben mit; man fühlt es wieder aus ihnen heraus, welches der Baumeister beabsichtigte, ja hineinschuf."
  1825. Ein Vorschlag: Wenn  Du  irgendwie müde bist und mehr oder weniger herumhängst, unternehme etwas Schönes mit einer starken körperlichen Bewegungskomponente. Danach fühlst Du Dich wohl und behände.
  1826. Eigenbewegung ist ein hoch abstrakter Begriff. Als Oberbegriff er umfasst Physiologie, Psychologie und Welt. Physiologie umfasst insbesondere Muskeln und Nerven, Psychologie umfasst Empfindungen, Wahrnehmungen, Gefühle, Wille  Verstand und das Unbestimmbare schlechthin, die Freiheit, während Welt potenziell alle  Einflüsse aus Raum und Zeit beinhaltet.
  1827. Intuitiv versteht man die „Sprache“ des Geistes, die sich in Bewegungen des Leibes ausdrückt. Deshalb  interessiert einem letztlich nicht der Körper, sondern der Geist, der sich in dem sich bewegenden Leib ausdrückt. Geist spricht in den leiblichen Bewegungen und in den geistigen Bewegungen. Wahrscheinlich handelt es sich um zwei Seiten desselben Prozesses.
  1828. Wenn Eigenbewegung überhaupt in den Medien thematisiert wird (vom Sport abgesehen), dann nur als ein spektakuläres Ereignis wie „Zu Fuß im Himalaya“ oder „In zehn Tagen über die Alpen“. Aber das ist nicht der Kern: Es geht es um ganz gewöhnliches Laufen in die Innenstadt oder mit dem Rad zur Arbeit. Es geht um das Spektakuläre im Unspektakulären.
  1829. Es rechnet sich zeitlich günstiger, wenn Du Deine Fremdbewegung  im Auto durch alltägliche Eigenbewegung in Form von Laufen oder Radfahren ersetzt, statt zu der Fremdbewegung noch sportliche Eigenbewegung   hinzufügst.
  1830. Ich teile die Position, dass Sinnlichkeit und Verstand  die zwei Quellen der  Erkenntnis und Wissen sind. Aber diese Begrifflichkeit kann zu fatalen Missverständnissen führen, weil ein Teil als Ganzes gesetzt wird.  Aber   Sinnesleistungen sind  ohne Muskelleistungen nicht möglich. Beide, Muskeln und Sinne, sind hier gleich wichtig und gleichwertig. Statt "Sinnlichkeit" sollte man deshalb als Oberbegriff angemessener   "Eigenbewegung" einsetzen.  Eigenbewegung ist gleichermaßen auf Sinnlichkeit sowie Muskeltätigkeit und natürlich auf Verstand elementar angewiesen. Durch die Fokussierung auf die Sinne  sind die Muskeln in der  Erkenntnistheorie sträflich vernachlässigt worden. In Theorie und Praxis der, so in Medizin oder Sport,  sind die Muskeln nur als isolierte Einheiten von Interesse.  
  1831. Nicht nur im Handeln, sondern auch im Erkenntnisakt sind Muskeln konstitutiv.  
  1832. These: Sinne und Verstand sind für kognitive Leistungen Ursache.  Werte und Gefühle haben ihren Ursprung in den Muskeln, Nerven machen sie nur bewusst. 
  1833. Eigenbewegung kann man als eine Objektivierungsleistung des Geistes auffassen, so dass ein Mensch sich seiner selbst objektiv versichern kann.
  1834. "Nur wo sich der Mensch am Menschen stößt und reibt, entzündet sich Witz und Scharfsinn, nur wo sich der Mensch am Menschen sonnt und wärmt, entsteht Gefühl und Phantasie, nur wo der Mensch zum Menschen spricht, nur in der Rede, einem gemeinsamen Akt, entsteht die Vernunft." Daraus folgt die Maxime: Ersetzt den Menschen nicht durch Technik!
  1835. Forderung: Von jedem Stadtteil muss direkt ein breiter Fuß- und Radweg in die Innenstadt führen. Wir brauchen Fuß- und Radfahrstraßen mit Autowegen.
  1836. Die zugefrorenen Oberengadiner Seen im Winter sind so genussvoll, weil auf ihnen nur Menschen im Modus der Eigenbewegung sind.  Autos und  entsprechende Infrastrukturen findet man dort nicht. Dort gibt es nur Natur und "unbewaffnete" Menschen. 
  1837. Wenn wir den Menschen aus  physiologischer Perspektive bedenken, sind die Nerven das eigentliche Subjekt. Aber das ist falsch: Muskeln und Nerven sind gleichermaßen an der Subjektbildung beteiligt. 
  1838. Hauptthese: Muskeln stehen für Körper. Werte und Gefühle haben ihren Ursprung in den Muskeln, nicht in den Nerven. Nerven machen sie nur bewusst. Pointiert: Ohne Muskeln gäbe es keine Werte und Gefühle.
  1839. Just five minutes of exercise in a "green space" such as a park can boost mental health, researchers claim (BBC News). Ein Befund, der die Wichtigkeit des Wo der jeweiligen Eigenbewegung betätigt. 
  1840. Insbesondere in der klassischen  griechischen Philosophie  und im  Christentum hat man den Geist in den Mittelpunkt der Lösung gestellt, in der Aufklärung hat man mit dem Empirismus und Sensualismus die Sinne gewürdigt, mit Pragmatik wurde die Hand reflektiert, aber der Fuß, d. h. die Bewegung im Makrobereich, wird immer noch stark vernachlässigt.
  1841. Die Bedeutungen bestimmen nicht als absolute Herrscher die materiellen Zeichen, aber das Umgekehrte gilt auch nicht, sondern es liegen immer gegenseitige Bestimmungsprozesse vor. Gleiches gilt für die äußere Eigenbewegung:  auch sie beeinflusst den Geist wie umgekehrt der Geist die Eigenbewegung bestimmt. 
  1842. Es gibt immer noch Ansätze wie "how the body shapes the way we think", die von einem Körper (Leib) isoliert von seiner Bewegungsfähigkeit und seinen Bewegungsrealisationen ausgehen. Oder werden da schon bewegungslose Leiber antizipiert?
  1843. Eigenbewegungen werden zunehmend durch Fremdbewegung ersetzt. Dadurch entstehen wesentliche Probleme der Gegenwart. Ein Motor ist immer auf Fremdenergie angewiesen, eine Maschine kann, muss es aber nicht sein. Wenn eine Maschine durch Eigenenergie angetrieben wird, (Fahrrad, handbetriebene Maschinen usw.) gehört sie zur Eigenbewegung.
  1844. Eine elementare  Begründung für Eigenbewegung ergibt sich aus folgendem Widerspruch zwischen Körper und Lebensweise: Einerseits haben wir uns  zu einer sitzenden Gesellschaft verändert, so läuft der durchschnittliche Deutsche nur noch täglich 650 Meter außerhalb von Häusern mit entsprechenden  negativen Folgen für Mensch und Umwelt. Andererseits ist der männliche  Körper und seine Organe auf täglich bis zu 35 Kilometer Laufen ausgelegt, um den Energiebedarf seiner Sippe zu decken -  Frauen mussten ebenfalls beträchtliche, aber doch geringere Distanzen zurücklegen.
  1845. Die Bedeutung der Eigenbewegung kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Die Eigenbewegung gehört zu den Existenzialien des Menschen: Eigenbewegung,  Freiheit, Sprache und Geschichte kann man nicht vom Menschsein trennen. Und es gibt gute Gründe, die Eigenbewegung als Ur-Grund und Wesens-Grund aufzufassen.
  1846. Wenn Reisen nicht massiv aus  Eigenbewegung (wandern, Rad fahren usw.) besteht, verdient es nicht dieses Wort.
  1847. Muskeln ermöglichen Eigenbewegung, Sinnesorgane ermöglichen Weltwahrnehmung. Da unsere Muskeln zunehmend ruhig gestellt werden (Stichwort: sitzende Gesellschaft), machen wir tendenziell keine primären, unvermittelten Welterfahrungen mehr. Daran ändert auch   sportliche Betätigungen nichts, denn diese dienen  ausschließlich der Selbststeigerung, nicht der Weltwahrnehmung. 
  1848. Für die Eigenbewegung gibt absolut keinen Ersatz.
  1849. In der Eigenbewegung sucht man Ort auf, die einem etwas geben. Das ist der eine Anspekt. Der andere Aspekt, der vielleicht wichtigere, sind die Veränderungen, die im Körper, Geist und Seele stattfinden. So werden Erstarrungen und Verpanzerungen gelöst, eingesperrte Kräfte freigesetzt und es entsteht Zuversicht.  
  1850. Existenzielle Sicherheit entsteht im Besonderen im Gehen und im Allgemeinen in der Eigenbewegung.
  1851. Unter "plastische Kraft" versteht  Jacob Burckhardt die Fähigkeit, jede Störung der inneren Harmonie wieder auszugleichen bzw. zu beseitigen.  In der Eigenbewegung ist diese Kraft auch  nach meinen Erfahrungen am wirksamsten.
  1852. Man spricht doch von einem Lebensweg: Wenn immer es geht, gehe  diesen Weg selbständig -  ohne fremde, insbesondere technische Hilfen.
  1853. Mensch, Du gehörst zu den Lebewesen, bewege Dich -  mit den Füßen!
  1854. Eigenbewegung = Selbstgestaltung und enthält damit ein Moment wirlklicher (im Sinnne von Wirken) Freiheit.
  1855. In meiner Perspektive gewinnt die Eigenbewegung erst dann den Status einer politischen Kategorie, wenn sie sich nicht als Sport, sondern als Eigenbewegung im Alltag versteht. 
  1856. Die Freundin fährt mit dem Auto zu ihrer zwölf Kilometer entfernt wohnenden Freundin,  um gemeinsam mit ihr zu joggen.
  1857. Nur in der geistigen und körperlichen Eigenbewegung entsteht lebendige Kraft. Im Zustand dieser Kraftfülle bereichert man auch die soziale Umwelt mit ihr.
  1858. Gehen kann man als ein Fahren ohne technische Hilfsmittel verstehen - nur Eigenes wird genutzt.
  1859. Wenn ich gehe, bin ich sinnlich mit der jeweiligen Umwelt verbunden, wenn ich Auto fahre, bin ich sinnlich mit dem Innenraum des Autos verbunden.
  1860. Fähig zu sein, eine lange Strecke zu gehen entspricht der Fähigkeit, einen längeren anspruchsvollen Text zu verstehen
  1861. Platon spricht von der Selbstbewegung der Seele, diese Selbstbewegung ist ihr Wesen. 
  1862. "Nichts ist das dich bewegt / du selber bist das Rad / das auß sich selbsten laufft / und keine Ruhe hat" (Angelus Silesius). Ich behaupte, nur in der äußeren und inneren  Selbstbewegung ist man eigentlich, ist man im (Da-)Sein.
  1863. In der Eigenbewegung wird die Leistung nicht nur bedacht, sondern auch leiblich gefühlt. Die erfolgreiche Muskelkraft wirkt grundsätzlich nicht anders als das erfolgreiche Denken:  wo sie etwa einen Widerstand überwindet, bestimmt sie eine Situation; die bewältigten Kräfte oder Lasten erscheinen in ihrem Licht (vgl. Günter Figal "Nietzsche. Eine philosophische Einführung", S. 239).
  1864. Eine Muskelspannung "enthält" eine Bereitschaft, ja Willen,  sich zu entspannen, d. h. sich zu bewegen.  Findet diese Bewegung nicht statt, entsteht diffuses Unwohlsein, das oft nicht auf seine Ursachen zurückgeführt wird.  Mit anderen Worten:  Unwohlsein äußert sich auch in einem Muskelgefühl. Wenn wir uns bewegen, verschwindet es. Wir aber sind auf dem Wege zu einer sitzenden, bewegungslosen Gesellschaft.
  1865. Muskeln haben -  innerkörperlich gesehen - auslösende Fähigkeiten, die einfachen Regeln gehorchen.
  1866. Der Wert des Lebens vollzieht sich erst im Vollzug.
  1867. Es spricht vieles dafür, dass aus dem Gehen sich  Gedanken, Gefühle, Werte, Einstellungen, geistige Strukturen heraus entwickeln. 
  1868. Wege entstehen dadurch, dass man sie geht - und nicht fährt!
  1869. Wenn jemand mit mir redet, sind  für mich in der Regel nicht die Bewegungen des Mundes wichtig, sondern der Inhalt des Gesagten. Vielleicht verhält es sich so mit  allen Körperbewegungen: Ich muss versuchen, die Botschaften der Seele, die in diesen Bewegungen stecken,  zu verstehen. Das gilt übrigens auch für die Bewegungen während des Sexualaktes. Aber Vorsicht: In dieser Analyse wird wieder der Dualismus stark gemacht, nämlich die Einheit von Körper und Seele aufgehoben. 
  1870. Ich teile die Auffassung, die davon ausgeht, dass die Ursache von Rückenschmerzen primär im Bewegungsmangel und damit geschwächter Muskulatur liegt.
  1871. Meine Beobachtung: Eine sitzende Gesellschaft bringt tendenziell gleiche Bewusstseinstrukturen und - inhalte hervor - auch wenn die Betroffenen dieses weit von sich weisen.   
  1872. "Das Sitzfleisch ist gerade die Sünde wider dem heiligen Geist". Nur die ergangenen Gedanken haben Wert". (Götter-Dämmerung, Nietzsche)
  1873. Ein Argument gegen den Primat des Körperlichen: Bei mir dominiert nicht selten die geistige Beweglichkeit zeitlich vor der körperlichen.
  1874. "Ich kann noch gehen" (Ein 90jähriger Herr, wobei ein berechtigter Stolz sehr wohl herauszuhören ist).
  1875. Gegen Frühjahrmüdigkeit hilft nur Bewegung in der frischen Luft, nicht ins Auto steigen.
  1876. Man verliert Energie, wenn man vertikal oder horizontal gefahren wird.
  1877. Eigenbewegung wird nicht immer als genussvoll erlebt, sondern auch als Anstrengung - aber immer ist sie Eigenes.
  1878. Forderung: In sensiblen kulturelle Orten oder Landschaften mit großem Naturanteil dürften nur Menschen wohnen, die auf die Nutzung des Autos verzichten.
  1879. Wer prinzipiell auf Eigenbewegung verzichtet, nimmt ohne Notwendigkeit die Haltung eines Kranken ein. 
  1880. Körperliche und geistige Anstrengungen erhöhen die Konzentrationsfähigkeit beträchtlich, also nicht die Bequemlichkeit. Und körperliche Bewegungen eröffnen oft verschüttete geistige Quellen. 
  1881. Nur wenn ich mich intensiv körperlich bewege, atme ich tief. Psyche wird auch von Atem abgeleitet.
  1882. Es ist eine Sucht, auf den zwei schmalen Rädchen durch die Welt zu schießen, nahezu geräuschlos, den Wind im Gesicht und die Sonne im Nacken. Manchmal vergisst man zwischendurch, dass man süchtig ist. Aber sobald man wieder im Sattel sitzt und die ersten Meter hinter sich lässt, ist alles wieder klar, und man weiss: Das ist es. Man spürt etwas - nämlich nichts anderes, als  dass man existiert, dass man lebendig ist, dass Blut in einem pulsiert. Auch ist das Velo eine permanente Erinnerungsmaschine. Es erinnert uns mit jeder Kurbelumdrehung an die eigene Kindheit, an das Erleben erster Freiheit, an kleinste Fluchten und grosse Abenteuer - vielleicht auch an so etwas wie Unschuld (Max Küng  in der Berner Zeitung vom 20. 3. 10 mit höchst ansprechenden Bildern, die teilweise der "copenhabencyclechic.com" entnommen sind und die Aussage "Es gibt nichts Schöneres, als eine Frau auf einem Velo"  fast zu einer unumstösslichen Wahrheit werden lässt).
  1883. Wandern macht glücklich (82, 7 Prozent von mehr als viertausend befragten Wanderern).
  1884. "Unser Spielplatz war die Straße"  (Ein Rückblick von Dr. Karl Kowalewski).
  1885. Wenn man Sport und Arbeitsweg zusammenlegt, spart man Zeit. Mit anderen Wort: Nutzt man das Potenzial der Eigenbewegung im Alltag, kann man den Sport weglassen und spart zudem noch Zeit.
  1886. Nach einer sechswöchigen starken Prellung: Ich kann mich fast wieder wie früher bewegen.  Das erste Mal wieder ein Stück mit dem Rad gefahren, den Widerstand der Pedalen spüren, aber gleichzeitig ein gutes Stück vorankommen, hätte fast vor Dankbarkeit  geheult. Welch ein Geschenk die Fähigkeit zur Eigenbewegung!
  1887. Wenn man sich selbst bewegt, muss man tiefer atmen als sonst. "Richtiger", also tiefer Atmen ist ein Bestandteil des Lebens.
  1888. Von den Vorsokratikern wie Empedokles, Anxagoras und Demokrit ist belegt, das sie den Geist  und das Denken als körperliche Vorgänge ansahen. Wahrend Platon und Aristoteles die Tätigkeit des nous, das Denken, als einen nicht-körperlichen Vorgang begriffen. Diese Auffassung in der  Vulgärform führt heute dazu, dass ein bewegungsloses Leben als unproblematisch empfunden wird. 
  1889. Die Eine von einem materiellen Zeichen, z. B.  „Kuh“ ausgelöste Bedeutung ist identisch mit der durch die Wahrnehmung einer realen Kuh ausgelösten Bedeutung. Die Differenz besteht darin, dass die Wahrnehmung ständig meine Bedeutung mehr oder weniger stark verändern kann, zwischen beiden, Wahrnehmung und Bedeutung, besteht eine lebendige Wechselbeziehung, die nicht zwischen Zeichen und Bedeutung besteht. .   
  1890. Der Eigenbewegung ist ein innerer Schwung eigen, den man von außen nicht sieht, aber der die Bewegung leichter macht und vielleicht auch ihre Schönheit erklärt. Das merkt man erst, wenn z. B. eine ernsthafte Rückprellung diesen Schwung zunichte gemacht hat.
  1891. Auszüge aus dem Artikel "Diese Musik muss ertastet werden" von Julia Spinola in der FAZ v. 20. 2. 10. Dieser Aufsatz enthält meiner Ansicht wichtigste Aussagen für die Begründung der muskulären Eigenbewegung: Ligetis Frage: Besitzen die Finger so etwas wie eigene Intelligenz? Ligeti hatte beobachtet, dass ihm seine Etüden-Einfälle am Klavier kamen. Die Finger wurden dabei nicht vorweg durch einen Formgedanken angeleitet, sondern die Werke nahmen umgekehrt unwillkürlich in der Berührung mit den Tasten Gestalt an. - Ein Chopinsche Melodiewendung oder Begleitfigur fühlen wir nicht nur mit unserem Gehör, sondern auch als taktile Form, als eine Sukzession von Muskelanspannungen. Der wohlgeformte Klaviersatz erzeugt körperlichen Genuss. - Die Motorik der Finger steht dabei ebenbürtig neben der des Sprechens: In beiden Fällen hat man es mit einer Grammatik aus Bewegungselementen zu tun. - In dieser einzigartigen motorischen Intelligenz, nicht aber in der Kognition, liegt Gerhard Neuweiler (Neurobiologe) zufolge der Schlüssel zur Menschwerdung.
  1892. Einsicht aus einem Sturz mit ziemlich schweren Prellungen im Rückenbereich: Auf Dauer und unter normalen Bedingungen entwickelt ein Mensch  relativ identische Bewegungsmuster. Diese Muster sind aber nicht nur eine Ableitung aus körperlichen Bedingungen, sondern in ihnen sind auch gesellschaftliche Normen, Familiengeschichten und  individuelle Verarbeitungsmuster verkörpert. Kurz: Das Bewegungsmuster ist wesentlich eine geistige Gestalt. Auf meine gegenwärtige Situation gewendet: Aus Angst vor Schmerzen durch bestimmte Bewegungen, habe ich ein stark reduziertes Bewegungsmuster entwickelt, das sich nun verselbständigt hat.  Das rückgängig zu machen, ist nun meine Aufgabe - wie es Aufgabe von habituellen Autofahrern ist, ihre Deformationen zu korrigieren.  
  1893. In der Humanistischen Psychologie oder in  den östlichen Bewegungsübungen geht es mit Recht um das Bewusstwerden von Bewegungsabläufen, um eventuelle Fehlentwicklungen zu erkennen und zu  beseitigen. Die primäre Problematik der Gegenwart aber,  die Zurückdrängung der Eigenbewegung aus nichtinszenierten Alltagssituationen, wird ausgeblendet. 
  1894. Passt auf, wenn Ihr umstandslos Füße und Hände durch Räder ersetzt.
  1895. In der Eigenbewegung bilden mein Geist,  mein Körper und die jeweilig begangene Welt eine untrennbare Einheit. Es ist falsch, weil inhuman, wenn der Geist ohne Not  auf seinen Körper und seine Lebenswelt verzichtet, sich tendenziell verabsolutiert.
  1896. In der Phänomenologie versteht man unter Epochè die Enthaltung von jedem Urteil und damit von Theorie, Modell, Interpretation und auch Sprache. So erscheint im Bewusstsein die Sache selbst, nicht die jeweiligen  Vermittlungssysteme, die  mehr oder weniger die Sache ersetzten und fälschlicherweise für diese  gehalten werden. Diese Einsicht der  Phänomenologie lässt sich auch fruchtbar zum Verstehen der Eigenbewegung  machen, wenn als  Epochè die Enthaltung des Einsatzes jeglicher Fremdenergie und damit motorenangetriebener Maschinen gesetzt wird. Ich gehe und lasse das Auto stehen. In Analogie zur Phänomenologie: Wenn ich gehe erscheint die Sache: mein Gehen in dieser Lebenswelt.  Beim Autofahren erscheint  zunehmend das Auto, nicht Welt und ein Ich. Sicherlich kann ich meine Begegnung mit dem Auto einer phänomenologischen Epochè unterziehen, aber dann wäre die Sache Auto und nicht Gehen.
  1897. Eigenbewegung verzichtet auf äußere Mittel  sowie auf innere Ver-mitt(e)lungen.
  1898. Beim Gehen und Radfahren drückt Äußeres sich ein und gleichzeitig sind diese Aktivitäten Ausdruck von Innerem.   
  1899. Es ist schön, auch einmal in der Gruppe zu gehen.
  1900. Eigenbewegung ist immer ein Hybrid aus Geist und Körper.
  1901. Die wahrgenommene Umwelt des gegenwärtigen Menschen besteht einerseits zunehmend aus materiellen Zeichen und Bildern. andererseits wird die Auffassung nahezu universell vertreten, dass das Bewusstsein von der Welt und sich selbst durch und durch vermittelt sei. Kurz: Es gibt keine Unmittelbarkeit, sie als möglich  zu behaupten, sei ein Mythos. Ich vertrete dagegen  die Meinung, dass die Eigenbewegung und insbesondere das Gehen die höchste Sicherheit bieten, sich in "wirklichen Wirklichkeiten" aufzuhalten: Beim Gehen steht man nicht vor der Welt, sondern ist in ihr, man ist anwesend (Wesen). Darin liegt einzigartig große Wert der Eigenbewegung. 
  1902. Wirklichkeit entsteht erst in der Einheit von Subjekt, Prädikat, eventuellen Objekten und Umständen.
  1903. Wenn es stimmt, dass die Handlung, die  durch ein Verb sprachlich dargestellt wird, das eigentliche "Subjekt" ist, dann bin ich die Summe meiner Handlungen, d. h. nicht ich bestimme die Handlung, sondern die Handlung bestimmt mich. Zumindest liegt keine einseitige Gerichtetheit vom Subjekt zum Prädikat vor, sondern eine Wechselbeziehung: Ob ich zu Fuß gehe oder mit dem Auto fahre, bestimmt jeweils mein Ich. Es ist  heute ein grassierender Irrtum zu glauben, das Subjekt sei autonom gegenüber seinem Handeln. Die hier geäußerte Perspektive geht primär von den Folgen, nicht vom Entstehen von Handlungen aus.  
  1904. Haupteinsicht: Vor der endgültigen Entscheidung dominiert das Bewusstsein des Entscheidenden. Nach der Entscheidung und damit im Handlungsvollzug dominiert die jeweilige  Handlung  und das ehemalige entscheidende Bewusstsein wird zu einer Funktion der Logik dieser Handlung, d. h. diese Handlung wird zum eigentlichen Souverän. Ist diese Handlung eine gute, ist das ok, ist sei eine schlechte, ist sie nicht ok.  
  1905. Ein sich fortbewegender Körper einschließlich der Füße sind für die Lebensvollzüge überflüssig geworden, lediglich die Finger müssen sich noch bewegen können, um hauptsächlich Knöpfe zu bedienen.
  1906. Zumindest bei Schneeböen  und -verwehungen ist der Fußgänger dem Auto überlegen.
  1907.  Die Muskeln ermöglichen den Sinnen, neue Erfahrungen zu machen.
  1908. Wenn ich die Hand unbewegt auf die Decke lege, entsteht ein anderer Ein-druck als wenn ich die Hand bewege. Verallgemeinert: In der Eigenbewegung entsteht eine andere Welt als im unbewegten Zustand. 
  1909. "Seit Jahrzehnten verschiebt sich der Schwerpunkt in der Gesellschaft von der Förderung des Geistes zur Förderung des Körpers. Begriffe wie Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Schönheit sind wichtiger geworden als Bildung" (Julia Zeh).  Alles kommt auf die innere (=Geist) und äußere (=Körperbewegung) Bewegung als Einheit an.
  1910. Zu Fuß gehen, damit es wirklich vorwärts geht. Das bezieht sich auch auf die innere Entwicklung.  
  1911. Zur Stadt gehören Fußgänger, Radfahrer und Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel. Alle anderen Mobilitätsarten stören.
  1912. In dieser Homepage wird sehr viel vom Wert der Eigenbewegung geredet. Aber Vorsicht ist geboten: Eigenbewegung ist zwar unverzichtbar notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für Humanität.  Bewegung lässt sich schnell für inhumane Ziele instrumentalisieren. Aber die Möglichkeit des Missbrauchs  der Eigenbewegung kann gerade in unserer (eigen-)bewegungslosen Zeit nicht von der Aufgabe entbinden, sich für sie massiv einzusetzen.

  1913. Ich begreife einfach nicht, wie man es ständig genießen kann, sich nur vom Bett zu einem Fernsehsessel oder Autositz zu bewegen. 

  1914. Gehen = Entschleunigung, d. h. Einhaltung des natürlichen Tempos, wenn Natur sich nicht im Ausnahmezustand  befindet. 
  1915. "Eigenbewegung schafft laufend Differenzen (Selbst - Umwelt), die wesentlich zu unserer Identitätsbildung beitragen. In der Differenz zwischen Zustand/Punkt A und Zustand/Punkt B - oder auf diesem Weg entstehen Unterschiede, die für uns Identität bedeuten.  In dieser Differenz oder über diese Differenz erleben, erkennen und erfahren wir uns selbst als Unterschied zur Umwelt. Wesentlich ist, dass es in einem ersten Schritt ein körperlich-bewegungsabhäniger Prozess ist." Diese im wahrsten Sinne fundamentale Aussage verdanke ich dem Neurophysiologen Klaus J. Korak, füge aber hinzu, dass "der erste Schritt" durch ständig nachfolgende Schritte stabilisiert wird. 
  1916. Gehen ist eine der wenigen Urhandlungen. Es verlangt Fähigkeiten und Fertigkeiten wie viele andere Tätigkeiten. Man stärkt diese, wenn man geht. Natürlich entsteht auch Welt beim Autofahren, aber sie wird längst nicht so intensiv erlebt und erkannt wie beim Gehen. 
  1917. Zum Gehen gehört, über angemessene Kleidung zu verfügen, im Sinne von "Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur falsches Anziehzeug." 
  1918. Wer sich ständig selbst bewegt, baut eine Kraft und Erfahrung auf, auch andere Sachen anzupacken: Man geht eine längere Strecke - und man kommt an. 
  1919. Wer geht, verändert substantiell Perspektiven.
  1920. Zehn Zentimeter Schneefall: für Menschen kein Problem, für Autofahrer eine Katastrophe.
  1921. Eigenbewegung kann körperlich oder geistig sein, beide Bewegungsarten bedingen einander. Was passiert mit der geistigen Bewegung, wenn die körperliche auf Dauer nahezu wegfällt?
  1922. Wir sollten die Welt mehr begehen als befahren.
  1923. Beim Gehen entsteht aus der map ein territory. Aus dem Zeichen (ein Bild ist auch ein Zeichen) entsteht beim und durch Gehen Wirklichkeit.
  1924. Gestern Abend kam ich  spät von einer Zugfahrt am Bahnhof an. Es war dunkel und nieselte leicht, also ziemlich ungemütlich. Da wir keinen Wagen haben, aber auch kein  Bus fuhr, und ich keine Taxe nehmen wollte, lief ich in gut einer halben Stunde durch stille Straßen,  einen Schrebergarten und Feldweg nach Hause. Ob Ihr es glaubt oder nicht, es war wesentlich  schöner und erfüllter als zu fahren. Probiert es zumindest einmal.  
  1925. Sucht gute Wege aus,  die nicht bequem sein müssen. 
  1926. Wer im Alltag seine Wege im Nahbereich (bis vier Kilometer) zu Fuß oder mit dem Rad bewältigt, braucht keinen Sport zu machen. 
  1927. Gehen hinterlässt Spuren, auf Feldwegen mehr als auf Asphalt. Und der Mensch will Spuren hinterlassen.
  1928. Was die meisten Menschen nicht mehr begreifen: Objektiv entstehen Wohlgefühl und Gesundheit durch Überwindung von Hindernissen. Es regnet heute seit sechs Stunden. Ich fahre mit dem Rad zu einem zwei Kilometer entfernten Laden. Sturm und Regen peitschen in mein Gesicht. Beim Treten der Pedalen muss ich mich anstrengen. Zurück wird das Fahren noch  schwieriger, weil ich vier lange Baguettebrote unter meinem Regenumhang schützen muss, zudem habe ich am Lenker eine Einkaufstasche. Aber ich schaffe das alles souverän und - ich war den ganzen bisherigen Tag nicht so gut drauf wie nach dieser Tour. 
  1929. Welt entsteht erst in der Eigenbewegung.
  1930. Vermutung: Eine bestehende Sucht lässt sich nur durch eine stärkere Sucht überwinden, so die Autosucht durch die Sucht nach des Sich-Selbst-Bewegens.
  1931. Das Ende der Eigenbewegung: Eine Stadtrundfahrt in  Lissabon, die während einer  Kreuzfahrt angeboten wird, ist hoch gefragt: "Da muss man nicht laufen, kann vom Bus aus knipsen, und hie und da wird vor einem Souvenirshop gestoppt" (FAZ v. 3. 12. 09).  
  1932. Grundsätzlich enthält das Gehen wesentlich mehr subjektive Freiheitsmomente als alle anderen Fortbewegungen: Stehen bleiben, Unscheinbares betrachten, sich im Kreis bewegen, die Zeit dehnen, ja vergessen, Unsinniges tun, ...d. h. beim Gehen kann man sich weitestgehend von der Rationalität des Mainstreams befreien und sich selbst bestimmen. 
  1933. Beim Gehen entsteht eine Geh-Wirklichkeit, beim Autofahren entsteht eine Auto-Wirklichkeit und beim Fernsehen eine Fernseh-Wirklichkeit. Die erstere Wirklichkeit ist ungleich reicher als die beiden anderen Wirklichkeiten. 
  1934. Eine Kleinigkeit, die für mich  ein Stück Schönheit ist: Wir haben ein Rollo bekommen, das man Hilfe einer "Rollschnur" auf- und runtergezogen wird. Das knattert leise  und erinnert mich an einen Flaschenzug, den ich früher oft bedienen musste. Um kein Geld der Welt, möchte ich diese Einrichtung durch eine elektrische ersetzen. 
  1935. Ich gehe davon aus, dass beim Gehen die größtmögliche Nähe zur Wirklichkeit erreicht wird, wissend, dass die Wirklichkeit an sich für uns Menschen prinzipiell nicht direkt und im Ganzen zugänglich ist. Aber es gibt Unterschiede der Annäherung: Wenn ich einen Berg besteige bin ich näher an seiner Wirklichkeit als wenn ich im Film sehe, wie jemand einen Berg besteige. Auf diese Differenz kommt alles an, um sie lohnt es sich zu streiten.
  1936. Durch Gehen haben wir elementaren Zugang zur Welt und zu uns - aber er ist un- bzw. vorbegrifflich.
  1937. Wir brauchen mehr Fort-schreiten und weniger Fort-rollen.
  1938. Ich definiere den Menschen als sich Bewegenden. Die Fähigkeit zur ausgreifenden Eigenbewegung ist das Fundament seines Daseins. Der still gestellte Mensch ist eine Deformation. Alle seine körperlichen und  psychischen Fähigkeiten leiten sich aus dieser Grundfähigkeit ab: Das Cogito folgt dem Moveo, anders betrachtet: Das Cogito ist eine Teilmenge des Moveo, wobei das Moveo der Ursprung ist. Und: Eine Bewegung ist immer intentional, d. h. sie hat immer einen "Inhalt", das auch ein Ziel mit einschließt. Die Ganzheitlichkeit des Sich-Bewegenden beschränkt sich also nicht nur auf Körper, Seele und Geist, sondern schließt immer und grundsätzlich die jeweilige Umwelt gleichwertig mit ein. Wird die Umweltdimension ausgeblendet, entsteht von der Eigenbewegung falsches Bewusstsein. Das wird auch von der Sprache unterstützt, die entweder nur vom Körper oder nur von der Umwelt sprechen kann und über keinen beide Dimensionen umfassenden Oberbegriff verfügt. Ich behaupte also, alle vorhandenen Körpertheorien leiden an dieser Trennung. Ich will diese Verkürzung  beseitigen und  damit die untrennbare Einheit von Körper und Umwelt einschließlich der  Einheit von Handeln und Erdzerstörung  zumindest  thematisieren, vielleicht sogar in Richtung  einer einheitlichen Theorie  entwickeln. 
  1939. Um Missverständnisse zu vermeiden: Wenn ich gehe, drücke ich mich aus, wenn ich Auto fahren, drückt sich das Auto aus. Nicht der Fahrer hat 90 PS, Höchstgeschwindigkeit  200km/h usw., sondern das Auto. 
  1940. Bin Ende Oktober zu einer Feier auf dem Lande eingeladen. Das Dorf liegt ca. sechs Kilometer von uns entfernt. Ich bin zu Fuß hingegangen und abends gegen zwölf  per pedes wieder zurück. War warm angezogen, aber es war nicht besonders kalt, und es war windstill. Die Landschaft lag im Vollmond wie hin gegossen vor mir. Was sah ich alles? Kleine Wälder  wie dunkle Inseln, fahle Alleebäume, einsam Bauernhöfe mit  ganz wenigen Lichtquellen und eine einzigartige Ruhe. Alles unbeschreiblich schön, das Laufen war anstrengungslos. Eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.   
  1941. Die Evolutionsmedizin liefert meiner Ansicht nach einen relativ objektiven Maßstab für die Bestimmung von Gesundheit und für das Potenzial des Körpers.
  1942. Platon lehnt die Wirklichkeit überhaupt als Schein  ab. Die Ideen seien  das Eigentliche. Schopenhauer behauptet, die Wirklichkeit als Vorstellung sei nur „halbwirklich“, deshalb  Schein, denn es müsse der Wille dazukommen. Erst Vorstellung und Wille als Einheit konstituieren ganzheitlich wirkende  Wirklichkeit. Dem stimme ich zu, wenn man  den Willen mit dem sich bewegenden Leib gleichsetzt.
  1943. Es ist sinnlich und macht Sinn, zu Fuß zu gehen oder mit dem Rad zu fahren.
  1944. Man kann Gehen wortwörtlich als eine ausgreifende Bewegung verstehen, die es ermöglicht, den kleinen Radius des Greifens zu überschreiten und somit Zugang zur weiteren Welt zu erlangen.
  1945. Bewegung, vom menschlichen Herzschlag bis hin zu Raketenmotoren,  ist meiner Ansicht nach eine Kategorie, die  wesentliche positive und negative Entwicklungen in der Gesellschaft erklären kann. Hier liegt ein Desiderat vor, weil bei weitem noch nicht tief und systematisch bedacht. 

  1946. Gehen in der Natur ist Einheit mit ihr: Diese Art der Fortbewegung greift nicht ein, sondern lässt die Natur, so wie  sie ist. 

  1947. Man sollte das Wort "Fortschritt" endlich wieder wortwörtlich verstehen, um es somit von seinen negativen Dimensionen zu befreien.
  1948. Ein Leserbrief:  "Sport ist Mord an der Umwelt durch Ausblendung:  In dem Artikel "Training für die Seele" lautet das Fazit, dass Sport gut sei für Körper und Geist. Dem stimme ich (BM) nicht zu: Sport trennt den Menschen von der Umwelt. Sport ist also nicht das Ganze, sondern eine Reduktion. Es ist eine Tätigkeit, die an der Umwelt insofern nur interessiert ist, inwieweit diese Hindernisse bereit stellt, deren Überwindung den Körper und die Ich-Identität stärken. Aber die Umwelt hat es nicht verdient, ausgeblendet zu werden, sie verdient eine Antwort im Sinne von Verantwortung. Nicht nach New York zum Marathonlauf fliegen, sondern mit dem Rad zur Arbeit fahren, mit dem Korb zum Einkaufen gehen, nach dem Theatererlebnis zu Fuß nach Hause gehen wären Alternativen, die Geist und Körper wirklich gut täten."

  1949. Mit dem Rad fahren oder zu Fuß gehen  belastet nicht die Umwelt. Eigenbewegung dient der Gesundheit - und nicht zuletzt auch der Figur.
  1950. Wenn Kinder sich nicht täglich mindestens vier Stunden draußen bewegen, läuft etwas schief. Gleiches gilt übrigens auch für Erwachsene. 
  1951. Sport trennt den Menschen von der Umwelt. Sport ist also nicht das Ganze, sondern eine Reduktion. Eigenbewegung ist von Natur aus grundsätzlich kein Selbstzweck, sondern in Ziele und Zwecke eingebunden, die außerhalb des sich bewegenden  Menschen liegen - das reicht vom  Einkaufengehen bis sich zur Rosenblüte neigen, um an ihr zu riechen.   Der Sport kann übrigens nie den Part der Eigenbewegungen im Alltag übernehmen.

  1952. Vielleicht macht es Sinn, das Ich im Sinne von Schopenhauer auf den Willen zu verkürzen. Wenn der Leib sich bewegt, setzt sich der Wille mit der Umwelt auseinander. Wille wäre dann das Übergreifende von Leib und Seele, während der Geist auf  die Vorstellungen beschränkt bliebe. 
  1953. Ich habe einen Leib, der von vielen Körpern (Tische, Bäume, Gebäuden, Kälte usw.) umgeben ist. Übrigens ist Dein Leib für mich ein Körper. 
  1954. Lichtblick:  RAD FAHREN IST COOL (auf einem T-shirt).
  1955. Sehr oft kommen gute Ideen während des Laufens. Das erklärt übrigens, dass sie weniger werden.
  1956. Die Rechnung geht nicht : Zwei Wochen in die Sonne fliegen und den Rest des Jahres sitzend und fahrend zu verbringen.
  1957. "Wirklich erleben lässt sich der Zauber der griechischen Landschaft nur zu Fuß" (Merian, Pepoponnes).
  1958. Wenn ich zu Fuß gehe oder mit dem Rad fahre, minimiere ich negative Eingriffe in die Umwelt, und viele der zerstörerischen  Eingriffe wären gar nicht nötig gewesen.
  1959. Lichtblick: "Nicht nur die Einheimischen steigen immer zahlreicher in den Sattel, so dass an manchen Kreuzungen rund um die Tiergarten gelegentlich schon mehr Rad- als Autofahrer auf die grüne Ampel warten" (ein  Artikel in der FAZ zu Wolf Schoen, der Touristen auf Fahrrädern durch Berlin führt).
  1960. Lichtblick: "Fahrradfahren schont nicht nur die Umwelt und das Klima, es hält auch fit und gesund. Zudem vermeidet man langes Im-Stau-stehen und die Suche nach einem Parkplatz" (aus  DANKE City-Bike).
  1961. Ein kommunalpolitisches Muß: Von der Peripherie jeder Stadt müssen  strahlenförmig geführte Fuß- und Radwege in die Innenstadt bestehen, wobei sie grundsätzlich gegenüber den Autostraßen den Primat haben sollten.  
  1962. Da ich kein Auto und keinen Fernsehapparat habe, brauche ich auch nicht in einen Sportverein oder Fitnessstudio zu gehen.
  1963. Erst durch eine Pilgerwanderung habe ich entdeckt, welch schöne Wege und Landschaften es südlich von Flensburg gibt. 
  1964. Die Eigenbewegung vermittelt nicht, sondern ist direkt Qualia, Präsenz, leibliche Teilnahme
  1965. Schon als Junge wollte ich am liebsten, wenn ich im Bus oder Zug saß, jeden Hügel oder jede Wiese, an denen wir vorbeifuhren, betreten
  1966. Eine Wahrnehmung ohne eines sich bewegenden Leibes nimmt Schattencharakter an.
  1967. Der Sportbetrieb stellt die Dominanz des Autos nicht nur nicht nicht infrage, sondern stärkt das System des Individualverkehrs. Übrigens ist der  Begriff  "Individualverkehr" wieder ein Beispiel der Verhexung durch Sprache, denn auch Fußgänger und Fahrradfahrer bewegen sich individuell, zudem ist "individual" positiv konnotiert. 
  1968. Der Kern der Krisis der Eigenbewegung besteht darin, dass in der durch Technik geprägten Zivilisation der sich bewegende Leib in größerem Ausmaße nahezu funktionslos geworden ist.  Der moderne Mensch  bräuchte eigentlich seinen Leib nicht mehr. Er wird über Körperpflege und Sport künstlich am Überleben erhalten.  Nur noch in der Sexualität scheint er nicht ohne Rest ersetzbar zu sein. 
  1969. Ein beschädigtes Ich stärkt sich am besten durch Handlungen, wozu auch die Eigenbewegung gehört.
  1970. Inzwischen wird nicht mehr ernsthaft bestritten, dass ein gesundes Maß an Eigenbewegung unverzichtbar ist und dass dieses Maß im Durchschnitt bei weitem unterschritten wird. Ärgerlich ist aus meiner Sicht, dass Eigenbewegung nahezu ausschließlich auf sportliche Tätigkeiten beschränkt wird und somit  der Pol originäre "Welterfahrung" gegen Null gefahren wird. 
  1971. Zumindest mein Leib ist materiell gesehen immer in einer bestimmten Umwelt:  in einem mit Zigarettenrauch gefüllten Zimmer oder im Wald, während mein Bewusstsein die Möglichkeit hat, sich aus der jeweiligen materiellen Umwelt zu entfernen.
  1972. Eigenbewegung hat zwei Dimensionen oder Zustandsformen, die man mit Präsenz und Sinn beschreiben kann: Sie ist einerseits pures Sich-präsent-Machen, ein Gefühl meines Seins, das nur ich für mich allein haben kann und das damit unbeschreibbar und kommunizierbar ist, das, was in der Psychologie mit Qualia bezeichnet wird,  andererseits ist die Eigenbewegung zweckgerichtet, mit einem Bewegungsziel "ausgestattet".  Gleiches lässt sich von der Stimme, ja von allen Handlungen, die ein Mensch durchführt, sagen. Das Problem besteht darin, dass die Eigenbewegung (noch?) nicht über eine eigene Sprache verfügt. 
  1973. Eigenbewegung ist die Rückgewinnung der leiblichen Teilnahme, die die ursprüngliche Weise der Weltaneignung war. Das ist eine Weise der  Begegnung und Aneignung, die durch den sich bewegenden Leib vermittelt wird, und viel tiefer und intensiver ist als die des sitzenden Menschen.  Leibliche Teilnahme ist wohl auch eine unverzichtbare Dimension der Liebe.  Bild und Wort wären ebenfalls Modi der Teilnahme. 
  1974. Der eigen-tümliche Zustand bzw.  der subjektive Erlebnisgehalt des mentalen Zustandes (Qualia) in der Eigenbewegung verschwindet sofort, wenn diese Bewegung beendet ist. Dieser Zustand entsteht natürlich nie, wenn man sich nicht selbst bewegt.
  1975. Lichtblick: Hinweis der Deutschen Herzstiftung anlässlich des Weltherztages: "Sinnvoll sei daher, körperliche Bewegung in den Tagesablauf einzubauen: Berufstätige könnten ihre Pause für einen Spazierung nutzen, öfter die Treppe statt des Aufzugs nehmen oder mit dem Rad zur Arbeit fahren.
  1976. Eine sitzende Lebensweise in einer sitzenden Gesellschaft tut dem Menschen nicht gut. Selbst  beim Philosophieren gingen die Schüler des Aristoteles, die Peripatetiker, in den Säulengängen. Es gibt viele  Möglichkeiten, sich bewegend die Umwelt anzueignen.
  1977. Unser Nachbar erhält eine Steinbrücke. Ein älterer Mann legt sie ihm. Seit sieben Uhr hört man das unregelmäßige Hämmern. Ich höre es gern, es erinnert mich entfernt an Vogelgezwitscher. Warum? Vielleicht deswegen, weil sein Leib und Geist direkt über das Bearbeiten der Steine in mein Inneres dringt. Hier äußert sich Eigenes. Ich gehe zu ihm hin und erzähle von meinen Gedanken. Er versteht mich sofort.
  1978. Den Geist pflegt man, indem man denkt, die Seele, indem man Schönes erlebt, den Leib, indem er sich bewegt, sich bewegt, sich bewegt.  Geist, Seele und Leib pflegt man als Einheit, indem man sich in interessanten Umwelten bewegt.
  1979. Maxime: Wenn ich materielle Welt sinnlich optimal erfassen will, muss ich meinen sich bewegenden Leib intensiv einsetzen. Die materielle Welt sitzend im Auto oder vor dem Fernseher  erleben zu können, ist eine Täuschung. Wenn ich aber Abwesendes im Bewusstsein präsent mache oder wenn ich reflektiere, kann es hilfreich sein, (muss es aber nicht) den Körper still zu stellen, Geist und Seele gewissermaßen vom Leib zu isolieren.  
  1980. Das Bewusstsein ist immer Bewusstsein von etwas, es ist also intentional. Gleiches gilt für die Wahrnehmung und  für die Eigenbewegung. Deswegen darf der Objektpol nicht unausgesprochen, vage gehalten bleiben, sondern muss klar und deutlich benannt werden. Denn auf die hier möglichen Unterschiede kommt alles an.
  1981. Wenn Fußgänger und Radfahrer an unserem Haus vorbeifahren und wir im Garten sitzen, hört man sie nur, wenn sie sprechen oder lachen. Wenn Autos oder Motorräder vorbeifahren, hört man nur sie, nicht die Menschen, die sie bedienen. 
  1982. Es ist ein großer Unterschied bezüglich eigener Freiheitsgrade, ob ich eine motorenlose Maschine (= externer  Algorithmus wie ein Fahrrad) mit körpereigener Energie (metabolische Energie) oder eine motorenbetriebene Maschine (wie ein Auto) mit Fremdenergie (externer Energie) nutze.   
  1983. Auch wenn die jeweilige Umwelt noch so natürlich, noch so vielfältig und  noch so mehrdimensional ist, wird sie von einem Subjekt ohne Eigenbewegung und damit ohne einen aktiven Leib nur noch als Schatten wahrgenommen. Das gilt für das Sitzen vor dem Fernseher und  im Auto gleichermaßen.
  1984. In den Begriffen Eigenbewegung, Tun und Handeln wird nur der Pol "Subjekt" genauer bestimmt und beleuchtet, der Pol "Welt" bleibt gänzlich unbestimmtund  verdunkelt.  Aber es ist ein signifikanter Unterschied, ob ich in einer Turnhalle Runden drehe oder durch einen Wald laufe.
  

Der folgende Teil ist abgeschlossen, so dass sich ab hier die jeweilige Nummerierung nicht mehr ändert.


  1. Ein durchgeführtes Experiment: Auf einen Ziehwagen wird eine neugeborene Katze „befestigt“, vor den Wagen wird eine andere, neugeborene Katze gespannt, so dass sie diesen ziehen kann/muss. Nach einer Zeit wird die gefahrene Katze auf den Boden gesetzt: Sie kann nicht laufen, hat kein Orientierungsvermögen, während die andere Katze sich in dieser Hinsicht normal entwickelt hat. Zusatz: Wir leben zunehmend das Leben der Katze auf dem Wagen. 
  2. Vermutung: In der Gegenwart führen Kindern im Verhältnis von Kindern vor fünfzig Jahren höchstens nur noch ein Viertel  der Ortsveränderungen im Modus der Eigenbewegung durch.
  3. Eigenbewegung ist immer auf einen Leib angewiesen, aber - leider - ein Leib nicht auf ortsverändernde Eigenbewegung. 
  4. Eigenbewegung im Alltag löst  bzw. erleichtert die viele, wenn nicht die meisten Probleme der Gegenwart. Umgekehrt schafft die sitzende Gesellschaften viele, wenn nicht die meisten Probleme der Gegenwart.
  5. Gerade weil wir im Alltag unseren Leib zunehmend still stellen, genügt es nicht, nur vom Leib oder Körper zu sprechen, sondern das Moment der Bewegung muss explizit ausgedrückt werden. So statt "leiblicher Teilnahme"  besser von "selbstbewegender Teilnahme" sprechen. 
  6. Bilder und "Autoerfahrungen" entbinden von leiblicher Teilnahme. Das erklärt ihre eigentümliche Uneigentlichkeit.  
  7. Selbstgewissheit  ist eine entscheidende Qualität der Eigenbewegung.
  8. Wenn eine autofreie Situation wie an der Seeseite der Kaiserbäder auf Usedom mit Ihrer Promenade und Fahrradweg  vorliegt, fahren sehr viele Menschen aus unterschiedlichsten Schichten und Alter  mit dem Rad oder gehen zu Fuß. Das ist für einen Autokritiker schlicht überwältigend. 
  9. Ohne Zweifel ist eine körperliche Behinderung eine Belastung. Schon deswegen ist es absolut unverständlich, dass inzwischen die meisten Menschen eine sitzende Lebensweise im Auto und vor dem Fernsehapparat nicht nur widerwillig ertragen, sondern sie - zumindest in der Begründung - freudig bejahen.
  10. Es ist gegenwärtig notwendig, die Freiheitsgrade menschlicher Bewegungen im Alltag zu realisieren, und  die Bewegungen von  den Fesseln  zu befreien, von denen sie unbemerkt und oft nicht sichtbar unnötig eingeengt werden.
  11. "Das Leben besteht in der Bewegung" sagt der Peripatetiker Aristoteles (griech. peripatein, „umherwandeln“).
  12. Eigenbewegung beginnt bereits mit der Wahrnehmung: Ich fixiere das, was ich wahrnehmen will. Ich bestimme selbst den Standpunkt und die Perspektive, wobei ich mit Eigenkraft diesen Standpunkt einnehme.
  13. In der Eigenbewegung  bewegt sich der eigene Leib, nicht ein Körper. Dieser Unterschied ist ein entscheidender. Warum? Der Geist vermag nur in den eigenen Leib (in seine  „leiblichen Materie“) hineinzuwirken, d. h. den Leib so zu be-stimmen, wie der Geist es will. Der vom Geist bestimmte Leib wirkt wiederum, also indirekt, auf leibfremde Materie (z. B. auf Bäume wie ein Holzfäller oder auf verschiedene Materialien wie ein  Maschinenbauer. Ein Teil der Artefakte erlangt relative Autonomie, nämlich als Maschinen, die aber letztlich - um es zu wiederholen - immer von einem menschlichen Leib gebaut wurden. Das ist eine  absolut neue Qualität, ein Paradigmawechsel in der Evolution. Deswegen ist es falsch, zumindest irreführend, in der Intelligenzforschung vom  Körper bzw. body zu sprechen. Nein, für den Roboter muss ein Leib geschaffen werden, der Eigenschaften des menschlichen Leibes hat. Dazu die negatative These: Wenn man den Körper des Roboters mit noch so vielen algorithmischen Funktionskreisen ausstattet, hat er  immer noch keinen Leib, bleibt Körper,  denn ein Leib ist durch sein reines Dasein auch ein Bewohner des Normativen, was ihn wesentlich vom Körper unterscheidet.
  14. "Wenn Leute sich im Alter kaum noch bewegen können, weil ihre Halsmuskulatur verkürzt ist, sind auch die Konzentrationsfähigkeit und sogar die Denkfähigkeit eingeschränkt. Muskelverkürzung macht dumm" (Uli Eicke, Heilpraktiker, Diplom-Sportlehrer und ehemaliger Olympiasieger).
  15. Lichtblick: "Radfahren als gesunde und umweltfreundliche Fortbewegungsart soll noch populärer werden. Aber dann muss man dem Radverkehr auch besser den Weg ebnen" (Artikel in der FAZ v. 11. 8. 09).
  16. Lichtblick: "9 Milliarden Euro Umsatz unterm Sattel. Radfahrer müssen nicht mehr die Autoabgase einatmen. Jenseits der Straßen sind 80 000 Kilometer Radwege entstanden, auf denen Hunderttausende ihrem Ziel entgegenstrampeln (FAZ v. 8. 8. 09).
  17. Der Eigenbewegung fehlt eine sie transzendierende Vision
  18. Die (neue) Einsicht, dass Intelligenz immer eine verkörperte (embodiment) ist, ist richtig.  Die Intelligenzforschung muss aber den Körper als den sich bewegenden nehmen. Warum? Der Körper ist höchste Abstraktion. Den  Körper an sich gibt es nicht in der empirischen Welt, denn der Körper "tut" immer etwas: er läuft, er sitzt, er liegt, er steht, er steht und arbeitet mit den Händen, er trägt leicht oder schwer, er steigt Treppen, er springt, er ist in Spannung usw. Natürlich gibt es eine Dialektik zwischen Körper und Bewegung, aber die riesige Menge  von Bewegungsformen (vom Reiter über den Maler und Fußballspieler bis hin zur balinesischen  Tempeltänzerin und was noch auf uns zukommt)zeigt meiner Ansicht nach, dass von den Bewegungen ausgegangen werden muss.
  19. Das Konzept "Körper" akzentuiert zu stark den subjektiven Pol, ist zudem zu statisch, läuft Gefahr, die kulturelle Prägekraft zu unterschätzen.  In der Eigenbewegung entsteht eine einzigartige Welt: "Performative Bewegungen zwischen Subjekt und Objekt sind so zu verstehen, dass beide Seiten in der Verbindung erst zu dem werden, was sie sind" (Eva Schürmann, Autorin des Buches "Theorie des Sehens").  
  20. Flanieren ist  eine Form der Eigenbewegung, die sehr stark den Objektpol akzentuiert. Der Flaneur ist ein Mensch, der im Spazierengehen schaut, genießt und schweigt.
  21. Lichtblick: "Ich habe keinen Führerschein. Mit dem Fahrrad bin ich mobil genug". Paul Biedermann, Doppelweltmeister im Schwimmen.
  22. Eigenbewegung überzeugt am tiefsten, wenn sie primär funktional mit der  Fähigkeit, Ortsveränderungen durchzuführen und während dieses Vorgangs Erfahrungs zu sammeln,  begründet wird, d. h. nicht den subjektiven Pol  in den Mittelpunkt stellt.
  23. Die Fähigkeit zur eigenständigen Ortsveränderung ist wie Stoffwechsel, Fortpflanzung, Reize beantworten ein Kennzeichen von Lebewesen und damit auch des Menschen. Wir sind nun in der Lage, die Eigenbewegung durch  technische Apparate wie Autos und Motorräder zu ersetzen - und tun es kategorisch. Da aber bei einigen Menschen noch ein Bedürfnis nach Eigenbewegung besteht, wird dies in einer besonderen Form, des regulierten Sports, befriedigt. Der Sport ist heute die einzig praktizierte anerkannte Form der ortsverändernden Eigenbewegung.   
  24. Eigenbewegung war in der menschlichen Entwicklung immer auf die jeweilige Umwelt ausgerichtet, um dort etwas zu erreichen, nicht auf den eigenen Körper (Sport) und Psyche (Psychosomatik). 
  25. Wenn ich ein Problem habe, z. B von gesundheitlicher Art, muss ich zuerst versuchen, es selbst zu lösen, auch wenn es länger dauert. Und erst, wenn ich es nicht schaffe, darf ich Fremdhilfe anrufen. Aber zunehmend wird sofort nach Hilfe gerufen, was m. A. n. oft die Folge der Aufgabe von Eigenbewegung ist.
  26. From Locomotion to Cognition (aus Pfeifer/Bongard: how the body shapes the way we think).
  27. Nur durch Eigenbewegungen entstehen Primärerfahrungen.
  28. Kritik der gegenwärtigen theoretischen und praktischen Behandlung der Bewegung:  Die Sprache liegt noch zu sehr auf Körper und nicht auf Bewegung, denn die Bewegung ist das Fundamentale. Man sollte eher von  verkörperten Bewegungen statt von bewegten Körpern sprechen.  Bewegung ist eine Synthese von Subjekt und Objekt (= Umwelt), beide sind gleichwertig, so dass die Qualität der jeweiligen Umwelt die halbe Miete ist. Damit hängt meine relative Ablehnung des Individualsports zusammen, der letztlich die Umwelt nur als ein Hindernis zur Steigerung der persönlichen Fähigkeiten sieht. Warum diese Hartnäckigkeit? Ich behaupte, ein Sportplatz bildet drastisch weniger als die bevölkerten Straßen einer Altstadt. Ich denke, die Aufmerksamkeit  in der Eigenbewegung muss sich gleichermaßen auf den eigenen Körper UND auf die jeweilige natürliche, soziale und kulturelle Umwelt beziehen. Mit dieser Ausrichtung bekommt die Eigenbewegung u. a. auch einen großen politischen Impuls, für mich ist sie eine genuine politische Kategorie.
  29. Wer ja zu lebendigen Städten sagt, muß auch ja zur Eigenbewegung sagen. 
  30. Verzicht auf Eigenbewegung ist real Verzicht auf Leben.
  31. Eigenbewegung ist ein Vollzug, durch den  gleichzeitig (Lebens-)Welt entsteht. In der Fremdbewegung findet für den Menschen nur Vollzug statt, es entsteht keine eigene, selbst erfahrene Welt. 
  32. In der Eigenbewegung verschmelzen das Ich und die Welt zu einer dritten Form der Existenz, die jenseits von Subjekt und Objekt besteht.
  33. In der Regel erkennen selbst Grünen-Politiker nicht das kritische und zukunftsweisende Potential einer Kultur der Eigenbewegung.
  34. Wenn in der Bewegungsdiskussion der sportliche und Fitnessspekt dominiert, handelt es sich  um einen defizienten Ansatz. Warum? Weil die Qualität des objektiven Pols, der jeweiligen Umwelt  ausgeklammert wird. Ziel muss die Eigenbewegung in interessanten natürlichen, sozialen und kulturellen Umwelten sein - um diese Ganzheit, um die Aufhebung des Subjekt-Objekt-Dualismus geht es. 
  35. Die jeweilige Umwelt, in der ich mich bewege, bildet mich: der  Sportlplatz  anders als die belebten Straßen der Altstadt.
  36. Eine mehrtägige Wanderung ist auch ein Gesundungsprozess.
  37. Schafft bewegungsfreundliche Quartiere, d. h. gestank- und lärmfreie Wege, die die wichtigen Zentren des Alltagslebens miteinander verbinden. 
  38. Trittfestigkeit und begriffliche Kompetenz  entsprechen einander. 
  39. Eine Ahnung vom Sein entsteht erst am dritten oder vierten Tag einer Wanderung, wobei diese Ahnung  sich von selbst einstellt.
  40. Barfuß gehen ist ein wichtige Dimension der Eigenbewegung, das  ich noch zu wenig reflektiert habe.
  41. Natürlich gibt es auf längeren Wanderungen Phasen, wo Geist, Seele oder Körper revoltieren. 
  42. "Wo man nicht zu Fuß war, ist man nie gewesen" (aus einem Prospekt).
  43. Ein fünfjähriges Mädchen schlägt Rad, sie hat einen schönen, ja stolzen Gang - das hat sie nicht im Auto gelernt.
  44. Jedes Sinnesorgan erkennt eine je spezifische Schönheit. So gibt es neben der visuellen auch eine olfaktorische Schönheit. 
  45. Warum haben Pflanzen kein Gehirn? Weil sie sich nicht bewegen. 
  46. Wenn zwei Menschen im Modus des Gehens sich begegnen, haben sie Zeit und Gelegenheit, voneinander zu lernen.
  47. Muskeln, die nicht bewegt werden, verkümmern - und mit ihnen der Mensch.
  48. Lichtblick: "Am Tiber gehört Rom den Radlern" (FAZ, 16. 7. 09)
  49. Begreift es doch endlich: Abends noch schnell mit dem Rad zum Kaufmann, nicht mit dem Auto! Das ist Lebensqualität.
  50. Eigenbewegung im Alltag enthält eine gesellschaftsverändernde Dimension.
  51. Die Gleichsetzung von Bewegung und Sport ist irreführend und hat fatale Folgen, denn  Eigenbewegung geht nicht in sportlichen Aktivitäten auf. Sport ist eine (1!) Form der Eigenbewegung. Erklären sich Sport bzw. Sportwissenschaftler  implizit oder gar explizit selbst  als das Ganze, leisten sich selbst einen Bärendienst (auch wenn diese Auffassung von anderen Einrichtungen oder Personen an sie herangetragen werden). Sport und Sportwissenschaft  müssen  sich in diesem Fall einer Selbstkritik, ja Ideologiekritik (im Sinne von krinein = unterscheiden) unterziehen  und  exakt bestimmen,  was der Sport  leistet und was nicht. 
    Im Gegensatz zur Theorie und insbesondere zur Praxis des Sports sehe ich die Mensch-Umwelt-Einheit als die „Vollform“ der Eigenbewegung an, wobei beide Pole, Mensch und Umwelt,  gleichwertig sind.
  52. Empirischer Befund: Aus einem habituellen Autofahrer einen habituellen Fernsehkonsumenten bzw. aus einem habituellen Fernsehkonsumenten einen habituellen Autofahrer zu machen ist, wenn sie es nicht schon längst sind,  problemlos, aber aus ihnen Fußgänger oder Radfahrer zu machen, ist nahezu unmöglich.
  53. Im Modus der Eigenbewegung stärke ich gleichzeitig den Subjektpol und den Objektpol. Es findet also ein Nullsummenspiel  statt, so dass beide Pole gewinnen.
  54. Wer die Fähigkeit zur Eigenbewegung verliert oder nicht mehr in Anspruch nimmt, verliert Autonomie in elementarem Sinn. 
  55. Geht jemand zu Fuß oder fährt mit dem Rad, entsteht die notwendige Bedingung der Möglichkeit spontaner Kommunikation. Wenn Autos aneinander vorbeifahren, entsteht zwar Krach und Gestank, aber kein Gespräch.
  56. Meine Erfahrungen in eine Empfehlung gemünzt: Vor einer Prüfung lerne nicht bis zur letzten Minute, sondern mache relativ schnell einen  Spaziergang von mittlerer Länge, ruhe Dich dann fünf Minuten konzentriert aus und gehe danach direkt ins Prüfungszimmer.
  57. Wer ohne Not auf seine Eigenbewegung verzichtet, reduziert sein Menschsein:  Eigenbewegung bewirkt viel mehr als allein  eine Ortsveränderung. 
  58. Wiesbaden wirbt mit dem Slogan "Stadt in Bewegung", aber damit ist nicht gemeint, dass Kinder und  Erwachsenen, Einheimische und Gäste die Straßen und Plätze bevölkern, indem sie sich selbst bewegen, sondern die Förderung von Profi- und Breitensport.  Wann kapiert man endlich, dass Bewegung nicht in Sport aufgeht, dass Sport nur  eine (1!)  besondere Form der (Eigen-)Bewegung ist. 
  59. Im Modus  der Eigenbewegung werden "externe Bedürfnisse" radikal zurückgedrängt, nur noch die unmittelbaren Bedürfnisse des Körpers und der Seele in dieser Situation zählen. Man kann diesen Zustand sehr gut bei intensiv spielenden Kindern auf dem Spielplatz beobachten. Keines sagt: Ich will ins Kino oder ein Überraschungsei kaufen.  
  60. In Österreich ist der Radverkehr um 25 Prozent im Vergleich zum April des Vorjahres gestiegen.
  61. Robert Walser hat  sich in seinem Werk mehrfach  zum Spaziergehen geäußert. Davon einige Sentenzen:  Spazieren muß ich unbedingt, um mich zu beleben und um die Verbindung mit der lebendigen Welt aufrechtzuerhalten. Ohne Spazieren wäre ich tot. Ohne Spazieren würde ich ja gar keine Beobachtung und gar keine Studien machen können. Zu Hause eingeschlossen, würde ich elendiglich verkommen und verdorren. Ein Spaziergang ist immer voll sehenswerter und fühlenswerter bedeutender Erscheinungen. Höchst liebevoll  und aufmerksam muß der, der spaziert, jedes kleinste lebendige Ding, sei es ein Kind, ein Hund, eine Mücke, ein Schmetterling, ein Spatz, ein Wurm, eine Blume, ein Mann, ein Haus, ein Baum, eine Hecke, eine Schnecke, eine Maus, eine Wolke, ein Berg, ein Blatt studieren und betrachten. Uneigennützig und unegoistisch muß er seinen sorgsamen Blick überallhin schweifen und herstreifen lassen. Der Spaziergänger heißt alle sonderbaren, eigentümlichen Erscheinungen willkommen, befreundet und verbrüdert sich mit ihnen, weil sie ihn entzücken, macht sie zu gestalthaften wesensvollen Körpern, gibt ihnen Bildung und See, wie sie ihrerseits ihn beseelen und bilden (aus: Der Spaziergang, 1985, S. 50 -54).
  62. Zumindest aus evolutionärer Sicht kann man die Füße als die anderen zwei Hände bezeichnen. Es gilt: Mit den zwei Händen und "den anderen zwei Händen" entstehen die direktesten und intensivsten Kontakte mit der jeweiligen Welt. 
  63. Für die reale Lebensbewältigung wurden in den letzten hundert Jahren die Füße zunehmend wert- und bedeutungslos, heute sind die Hände "dran". Was bleibt nach? Ein Mensch mit einem überflüssigen Leib.
  64. Für die Nomaden, die wir einst auch waren, sind die Füße sicherlich entscheidend für ihr Überleben. Was heißt das eigentlich für unser Bewusstsein und unsere Identität, dass die Füße tendenziell zur Bedeutungslosigkeit absinken, dass die eigenen Füße durch fremde, motorenangetriebene Räder zunehmend ersetzt werden? 
  65. Oft fördert langes und schnelles Gehen neue Gedanken.
  66. Natürlich bin ich beim Spazierengehen nicht immer intensiv mit allen Sinnen und Gedanken in der jeweiligen unmittelbaren Umwelt, was aber nicht heißt, sie wirke nicht. Natürlich wirkt und bewirkt sie dann auch.
  67. "Himmlisch schön und gut und uralt einfach ist es ja, zu Fuß zu gehen" (Robert Walser).
  68. Das Gehen ist einfacher, wenn man ohne Schuhe läuft. Ich spüre den Boden intensiv. Nicht  mehr schmerzhaft, sondern als eine Art Streicheln. Die Fußflächen berühren die  Dinge  der Erde mit Neugier. Gräser streifen meine Beine. Ich ahne, was das ist: Gehen. Ein zärtlicher Kontakt mit dem Grund (Klaus Modick: Die Klugheit der Füße). 
  69. Die geistig-seelischen Funktionen des Menschen wie Wahrnehmen Fühlen, Denken und Wollen sind untrennbar mit seinem Leib, der im Wesen ein sich selbst bewegender ist, verbunden. Die Reichweiten und Intensitäten der jeweiligen Eigenbewegungen können und müssen sehr unterschiedlich sein, von der Gestik bis zum Marathonlauf.  Bewegungen im Mikrobereich sind nicht weniger wichtig als die im Makrobereich. das Wie nicht weniger als das Was, also wie ich aus dem Bett komme (=das Was), die Treppe hinuntergehe, die Schranktüre öffne, den Spaziergang oder die Wanderung durchführe.  
  70. Nur in der Eigenbewegung sind Körper, Herz und Kopf als eine Einheit ernsthaft gefordert.   
  71. Die Art und Weise des Gehens eines Menschen sagt viel über dessen Lebensweise aus. 
  72. Wenn  Lebensstil die milieuspezifischen ästhetischen Präferenzen der Selbst- und Alltagsinszenierung ist, und man die Eigenbewegung verstärkt in den Alltag integrieren will, muss man vielleicht verstärkt auf der Ebene dieser Inszenierungen ansetzen. Aber wie? Mir stehen nur  Vorbild und Aufklärung zur Verfügung. 
  73. In der Eigenbewegung dominiert nicht allein der Sehsinn, sondern auch die anderen Sinnesorgane können sehr wohl aktiviert werden.  Die Sehtätigkeit steht nicht unter den Vorzeichen einer herrschaftsförmigen Präsenzmetaphysik, sondern ist eine Weise sehenden und sichtbaren In-der-Welt-Seins (Merleau-Ponty nach Eva Schürmann "Sehen als Praxis). In der Eigenbewegung kommen die anderen Sinnesorgane zur Geltung, so dass oft Ganzheitlich vor Präzision kommt.  
  74. Aus einem Wanderbuch "Toscana - Latium von Christopf  Henning: "Der Wanderer wird entdecken, dass sein Zugang sich auch im geistigen Sinn verändert, wenn er zu Fuß zu Kirchen und Klöstern, Palästen und Gräberstädten gelangt. Er nähert sich ihnen in angemessener Weise. Solche Bauten sind ja in einer Welt ohne Motoren errichtet worden; Jahrhundertelang gelangt man zu ihnen zu Fuß oder zu Pferde. Wie ihre Orte gewählt wurden, in welcher Beziehung zur Landschaft sie stehen - das erfaßt der Fußgänger mit allen Sinnen. ...Das Beispiel Latiums zeigt, wie eine ganze Region, welche den Fußwanderern vergangener Jahrhunderte als eine der schönsten - wenn nicht die schönste - Italiens galt, aus der Perspektive des Autofahrers als uninteressant erscheint."  Eigenbewegungserfahrungen sind gegenüber Fremdbewegungserfahrungen unvergleichlich reicher, da sich in ersterer das Subjekt mit einbringt, ja einbringen muss. Im Auto werden die körperlichen und geistigen Fähigkeiten nahezu gegen Null in Anspruch genommen. Zugespitzt: Die Erfahrung beim Laufen und die Erfahrungen beim Autofahren sind derart verschieden, dass man von zwei verschiedenen Subjekten ausgehen kann, deren Identität faktisch für diese Zeit nicht vorhanden ist.   
  75. Nur die Eigenbewegung bietet die Möglichkeit, sich eine Landschaft oder  eine Stadt  "wirklich" anzueignen
  76. Nur in  und durch Eigenbewegungen können reale Erfahrungen entstehen, nicht durch Zeichen, Bilder und passive Weltdurchquerungen in  Autos, Zügen  und Flugzeugen. "Reale Erfahrungen" heißt, dass die subjektiven Anteile nicht eliminiert werden, sondern in ihrer lebendigen Ganzheit akzeptiert und gefördert werden. Landschaft wird erlebt und nicht durch Navigatoren vermittelt zur Kenntnis genommen.  
  77. Wer zu Fuß geht oder mit dem Rad fährt ist als Mensch und nicht als Maschine sichtbar. Ich jedenfalls sehe mir lieber Menschen  statt Porsches an.
  78. Der Leib bewegt sich immer mit Hilfe von Muskeln und seien es nur die inneren Organe. Aber auch Sehen ist ohne Bewegung der Augäpfel, die ja durch einen Muskel bewegt werden, nicht möglich. Von Krankheitsfällen abgesehen kommt bis  dahin wohl kein Mensch auf die Idee, diese Muskeltätigkeiten zu reduzieren oder durch Maschinen zu ersetzen. Nach dieser gewissermaßen pyhsiologischen Grenze setzt die Passivizierung der Muskeltätigkeit und damit der Eigenbewegung massiv ein. Jede neu erworbene motorenangetriebene Maschine wird enthusiastisch begrüßt.   
  79. Die Dominanz der vermittelten Welt insbesondere durch Bilder und Auto "machen das leibliche Vertrautsein mit der Welt als einem vortheoretischen, bedeutungsvollen Kontext" (E. Schürmann) zunehmend überflüssig - aber dafür wird ein  hoher Preis bezahlt, den der sich bewegende Leib ist nicht nur ein Gegenstand neben anderen, sondern die Bedingung dafür, dass etwas anderes originaler Gegenstand für mich werden kann. 
  80. Die Wahrnehmung des eigenen sich bewegenden Leibes ( = Eigenbewegung) erfordert eine unteilbare Erste-Person-Perspektive. Auf dieser Erfahrungsbasis entsteht Selbstbewusstsein im doppelten Sinne: a) sich seiner selbst als Primärerfahrung bewusst werden und b) dieser Basis vertrauen und auf ihr aufbauen zu können.  
  81. Durch Fremdbewegung wird die materielle und geistige Welt radikal geändert, in der Eigenbewegung primär nur der eigene Körper und das Bewusstsein.
  82. Gestern habe ich abends noch etwas am anderen Ende der Stadt abgeben müssen; auf dem zehn Kilometer langen Weg war ich körperlich nicht immer souverän, aber heute bin ich wirklich "gut drauf".   
  83. Eigenbewegung kann entweder instrumentellen Charakter haben (...., um nach x zu kommen, dann bin ich im Modus des Körper-Habens) oder selbstzweckhaften Charakter (spazieren gehen oder joggen, dann bin ich im Modus des Leib-Seins). Anzustreben ist  die Synthese
  84. In der Eigenbewegung ist der Mensch mit seinem ganzen Selbst, mit seiner ganzen Leiblichkeit und mit seiner ganzen Sozialisation "dabei".  In dieser Tätigkeit erfährt der Mensch sehr viel über sich selbst, Positives, aber auch Negatives.
  85. Das Sichtbarsein unter den Augen der Öffentlichkeit macht die Eigenbewegung zu einer praktischen Angelegenheit von sozialwirksamer Tragweite. Natürlich gilt das auch, mit entgegen gesetzten Folgen, für den "unsichtbaren" Autofahrer.
  86. "Laufen tut den Augen gut" (Lawrence National Laboratory, Berkeley). "Kinder, die viel im Freien spielen,  sind seltener kurzsichtig. Zwei bis drei Stunden natürliches Licht senken das Risiko für die Sehschwäche" (Australian National University). Beide Angaben sind der der ApothekenUmschau entnommen. 
  87. Gehen kann ein Ereignis sein, in dem Anmut erscheint, nicht als Metapher, sondern in den Effekten (nach Hans Ulrich Gombrecht). 
  88. Jedes Handeln, selbst das Sprechen und Sehen sind im Leib fundiert und der Leib wiederum in Geschichte, Gesellschaft, in Welt. Es ist ein fundamentaler Irrtum zu meinen, man könne vom Leib abstrahieren. Auch der nahezu unbewegte bleibt immer Leib, wenn auch ein defizitärer. Erläuterung: Insbesondere transitive Verben können zu falschen Wahrnehmungen und Schlüssen zwingen. Wenn ich sage "Ich fahre einen BMW", dann fährt - real gesehen - der BMW auch mich. Letzteres blendet aber die Aussage "Ich fahren einen BMW" aus. 
  89. Man kann die Eigenbewegung in instrumentelle und selbzweckhafte Eigenbewegung unterscheiden. Zweifellos ist die Einsicht in den Wert der selbstzweckhafte Eigenbewegung auch außerhalb sportlicher Tätigkeiten in den letzten Jahren gewachsen, während ihr instrumenteller Wert in der Überwindung von Distanzen im Makrobereich, sagen wir ab 100  Meter, immer weniger gesehen wird. Idealiter sollte man  Eigenbewegung nicht in instrumentelle und selbzweckhafte trennen, sondern als Einheit in  nicht plan- und prognostizierbaren  unterschiedlichen  Mischungsverhältnissen sehen: Ich hole mit dem Rad Brötchen, plötzlich stellt sich ein hoher Genuss ein.  Oder: Ich fahre nonstop  mit dem Auto über Autobahnen von Hamburg nach Mailand und lediglich an der Tankstelle huscht an mir eine hübsche Frau vorbei.   
  90. Eine Langzeitstudie der Universität Pittsburgh zum Fernsehkonsum kommt zu dem Ergebnis "Je mehr sich Jugendliche vom Fernsehen berieseln lassen, desto wahrscheinlicher entwickeln sie später eine Depression." Warum? Es fehlt meiner Ansicht nach die Eigenbewegung im weitesten Sinne als aktive, ganzheitlich geführte Auseinandersetzung mit dem realen Leben. Ein Leben im Modus des Als-Ob ist langfristig schlecht oder gar nicht durchzuhalten.
  91. "Nur durch sein eigenes  Bild hindurch hat das Ich ein Bild von Welt und Wirklichkeit und damit ein Weltbild" (J. G. Fichte in Eva Schürmanns lesenswerte Habilitationsschrift "Sehen als Praxis"). Dazu meine Überzeugung: Ein Selbstbild, das auf wesentliche Erfahrungen der Eigenbewegung beruht, ist resistenter gegenüber Fremdbestimmungen.
  92. In der Eigenbewegung sind ein Leib und ein Köper  gegenwärtig und wirksam: a) der Leib des Sich-Bewegenden und b) die  dreidimensionale Umwelt, die mit  organischen und anorganischen Körpern gefüllt ist. 
  93. Äußere und innere Eigenbewegungen, die immer  ungeschiedene Ganzheiten bilden, sind nicht nur ein Merkmal des Lebens,  sondern   Lebensäußerungen schlechthin. Die Urformen der Eigenbewegung zeigen sich als körperliche Veränderungen insbesondere in Tätigkeiten  be- und zugreifenden Hand und der ständig in eine Richtung des Raumes sich setzenden Füße, so dass eine Ortsveränderung  stattfindet. Werden diese Bewegungen nicht erlernt, ist Reduktion vorhanden, werden sie nicht praktiziert, verkümmern sie. Die Maxime unter gegenwärtigen Lebensbedingungen kann nur lauten:  Mensch, mache selbst Gegenstände und Situationen  und  bewege Dich mehr. Kaufe nicht nur  Fertiges  und sitze weniger!.    
  94. In den allermeisten Fällen stärkt sich die Eigenbewegung psychisch und physisch selbst im Vollzug, um dann am Ende des Prozesses natürlicherweise schwächer zu werden.  
  95. In der Eigenbewegung entsteht kein Krach.
  96. Beim Gehen kann ich die Natur ganzheitlich mit allen Sinnen erfahren: Ich sehe Details, ich rieche den Duft des Weißdorns, ich höre das Glucksen des Baches, ich fühle  die Glätte des Buchenstammes, ich schmecke die Walderdbeere, ich intensiviere den Gleichgewichtssinn beim Übersteigen des Walls und bei fast all diesen Tätigkeiten ist der kinästhetische Sinn beteiligt. Dagegen ist die  Natur, die das Autofahren in irgendeiner Weise behindert, eliminiert: Auf der Autostraße wachsen keine Blumen, natürliche Höhenunterschiede sind eingeebnet, gehende Menschen auf kleinste periphere Bereiche zurückgedrängt.   
  97. In der Eigenbewegung drückt sich auch Unsagbares aus, es sind oft nicht kommunizierbare Erfahrungen, zu denen nur ich Zugang habe.
  98. Unter "qualia" versteht man  subjektive Erlebnisgehalte von mentalen Zuständen. In der Eigenbewegung entstehen  spezifische Qualia, die  es nur in dieser  Tätigkeit gibt und die für die Entwicklung eines Menschen von größter Bedeutung sind.
  99. Die modernen Wander- und Pilgerbewegungen haben tiefe Einsichten über das Gehen gewonnen. Es gilt nun, Wandern und Pilgern aus dem Status eines speziellen Raum- und Zeitevents (Spanien und Urlaub) zu befreien und ihre Einsichten in den Alltag zu übertragen, d. h. zu universalisieren. Denn diese Erfahrungen, Erkenntnisse, Gefühle über sich, über die Natur und Gott lassen sich natürlich auch tagtäglich mit dem Rad zur Arbeit, zu Fuß zum Einkaufsladen, auf dem gemeinsamen Spaziergang zu Freunden oder nachts von einer Feier durch leere Straßen laufen ebenso gewinnen, ja hier bieten sich noch mehr "Lernsituationen" des Lebens an - das sind zumindest meine Er-fahrungen.
  100. Hoffnungsschimmer bzw. späte Einsicht: Vor kurzem sagte ein  Bekannter zu mir, den ich immer als prinzipiellen und offensiv bekennenden Autofahrer wahrgenommen hatte: "Ich habe inzwischen begriffen, dass Du mit Deiner Eigenbewegungs-Arie recht hast."  Allerdings muss man wissen, dass er vor zwei Monaten einen Herzinfarkt hatte.  Ich frage mich, ob denn Einsicht erst über Schmerzen entstehen muss, der Mensch ist doch ein Vernunftwesen.
  101. "Welt- und Selbstbezug gehören wirklich unabdingbar zusammen und beides wird "sich-bewegend" und zugleich entwickelt" (Prof. Ehrenhard Skiera). ´
  102. Warum trauen wir unserem Körper nichts mehr zu? Warum sind wir bloß so dumm-stolz, wenn wir seine Bewegungen durch Motoren ersetzen?
  103. Der Mensch  kann nicht nicht handeln. In jedem Handeln steckt Eigenbewegung, aber in unterschiedlicher  Quantität und Qualität. Auf diese Differenz kommt alles an.
  104. Wer meint, er sei klug, weil er alle elementaren Bewegungen durch Motoren ersetzt, schadet sich selbst.
  105. Die vollkommen unbekannte und wuchtige Schönheit, morgens um fünf mit dem Rad durch die leere Stadt zu fahren. 
  106. Wenn man davon ausgeht, dass innere Bilder unabgeschlossenen und offenen Prozesscharakter haben, dann wäre es pure Ideologie zu behaupten, in der Eigenbewegung entständen immer klare und deutliche Bilder. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass sie intensiver sind, ist groß.
  107. Die jeweilige Methode bestimmt bekanntlich das Ergebnis wesentlich mit.  Eigenbewegung bzw. Fremdbewegung sind ebenfalls Methoden (übrigens enthält Methode gr. hodos = Weg), die zu gänzlich verschiedenen Ergebnisse, hier Wahrnehmungen führen.
  108. Maxime: So viel Eigenbewegung wie möglich.
  109. Eigenbewegung ist ein Vollzug, der etwas stiftet, d. h. es entsteht ein Mehr an Stärke, Behändigkeit, Festigkeit, Offenheit, Zuversicht, Einsichten.  Dieses Mehr entsteht in der Regel nicht sofort beim Laufen oder Fahrrad fahren, sondern oft erst später nach einer Ruhepause oder am nächsten Tag. 
  110. Das Wie der Ortsveränderung, ob ich also mit dem Auto fahre oder zu Fuß gehe, und die jeweilige Umgebung (Autobahn, Sportplatz, Wald, Altstadt) sind  entscheidend für das, was im Kopf entsteht.
  111. Es ist gar nicht so selten, dass ich mich morgens beim Aufstehen schwer tue: alles ist irgendwie steif, die Gedanken, wenn überhaupt, fließen spärlich. Da gibt es nur ein Gegenmittel: sich bewegen. Je intensiver, desto reichhaltiger wird die Welt.  
  112. Geht man davon aus, dass das Sehen weder  subjektive Konstruktion noch objektive Abbildung, sondern eine Tätigkeit sei,  dann bekommt die Eigenbewegung als Praxisdimension eine große konstitutive Bedeutung - und zwar nicht nur für das Gesehene, sondern für alle sinnlichen Wahrnehmungen. Auf Basis dieser erkenntnistheoretischen Position wird erklärbar, dass z. B. eine mit dem Auto erfahrene Landschaft keine Erfahrung im eigentlichen Sinne sein kann. 
  113. These: Nur in der Eigenbewegung entsteht lebendiger Kontakt mit der jeweiligen Umwelt.
  114. Man sollte Kindern viel mehr Platz lassen zum Gestalten und dafür sorgen, dass im Hausgarten ein Stück Rasen zum Kinder-Beet wird -  so lange die Kinder noch verführbar sind. Verführbar zu Liebe zur Natur, zur Pflanze, zum Gestalten (John Langley). Mit Gestalten  wird hier eine Hochform der Eigenbewegung angesprochen.
  115. Im Gegensatz zur anschwellenden Thematisierung der  Bewegung, in der eindeutig die  Bewegung selbst in den Mittelpunkt gestellt  und  in ihr selbstreferentiell einen Wert an sich gesehen wird, akzentuiere ich die unverzichtbare Funktion der Eigenbewegung für intensive und authentische Begegnungen - insbesondere im Alltag.  Eigenbewegung ist eine Relation.
  116. Offenheit: "Ich muss nicht bis Santiago wandern, um den Pilgersegen zu erhalten. Was auch immer ich suchte, eines war eindeutig: Gott war mit mir diesen Tag, wie jeden Tag, aber hier hatte ich offene Augen und ein offenes Herz dafür" (Pastor Friedemann Magaard).
  117. Eigenbewegung verbraucht zwar Energie, schafft aber gleichzeitig neue, auch zukünftige in From von Motivation.
  118. Ein großes Problem, das auch zentral die Darstellung der Eigenbewegung betrifft, besteht darin, dass es kein einfaches und prägnantes Wort für die unaufhebbare  Einheit von Eigenbewegung und der jeweils erfahrenen Umwelt gibt, beide Dimensionen  sind zwei Seiten derselben Medaille Jede sprachliche Darstellung  betont oder akzentuiert  - schau man genauer hin - entweder den Subjektpol oder eben den Objektpol. . Entweder - wie bei den vielen "Bewegungsbüchern"  -  liegt explizit das   Schwergewicht der Argumente auf  dem sich bewegenden Menschen oder wie , bei den vielen "Umweltbüchern" auf  der jeweiligen ökologischen, architektonischen, sozialen Umwelt. Ausdrücke wie "bewegte Grundschule" oder "Bewegung im Alltag" sind  Versuche,  diesem Dualismus zu entrinnen, was aber nie ganz gelingt. Selbst der Begriff "Phänomen" kippt je nach Betrachtungsperspektive entweder auf die Seite des Subjekts oder die Seite des Objekts. 
  119. Geistige Flexibilität und Eigenbewegung stärken sich wechselseitig.
  120. Eigenbewegung korrespondiert auf eine schöne Weise mit "Eigen-Sinn". Und das wurde ja nach 68 hervorragend von Habermas, Negt und Kluge hervorragend nobilitiert (diesen Hinweis verdanke ich Ulrich Grober).
  121. "Eigentlich wird mir die Fahrerei heute zu lang, .....Wir genehmigen uns einen Imbiß nahe der Autobahn. Wenn ich den Mut aufbrächte und einfach loswanderte, querfeldein, mit einem Brotbeutel über der Schulter, ...., dann bräuchte ich mir keine Sogen mehr zu machen, was war und was sein wird, weil sich eine grundlegende Bedeutung in mich gesenkt hätte, von der ich mein restliches Leben lang, zehren könnte" (Sibylle Lewitscharoff, Apostoloff, S. 218).

  122. Die Eigenbewegung ist ein Merkmal des Lebens und dient der Selbsterhaltung. Im weitesten Sinne ist  Eigenbewegung die Haltung, möglichst viel selbst zu machen, sie ist eine Abwehr gegenüber einer Welt der universellen Herrschaft der  Fertigprodukte. Das Verhältnis zwischen Eigenbewegung ( = Leben) und Fremdbewegung ( = Technik) ist aus den Fugen geraten. Deshalb muss heute die Devise sein: Möglichst selbst laufen, Instrumente spielen, kochen, sich unterhalten, lieben. So ist der Einkauf per ebay -  zumindest sinnlich und kommunikativ  gesehen  - kein Einkauf im eigentlichen Vollsinne. 
  123. Man mache sich aber keine Illusionen: Auch die Eigenbewegung ist kein Garant für die permanente Einheit von Körper, Geist und Welt Auch in der Eigenbewegungen treten unweigerlich Brüche auf, aber sie werden in der Regel minimalisiert und ggf. erträglicher.
  124. Bisher hatte ich Vorbehalte gegenüber der neuen Bewegung des  Pilgerwanderns. Dachte, sie wäre eine Art Marketing-Werbung, die für ganz andere Ziele stände. Nun habe ich selbst eine (kleine) mitgemacht und bin nun der Meinung, dass die Pilgerwanderung eine hohe Form der Eigenbewegung darstellt.  Sie ermöglicht viele Seinszustände: bei sich sein, mit anderen sprechen,  sich auf die Natur einlassen, sich für Höheres öffnen.
  125. Geht man davon aus, dass das Subjekt zumindest geschwächt ist, bekommt die Eigenbewegung höchsten Wert, denn sie heilt und stärkt das Subjekt.
  126. Ich habe für mich ein neues Gebiet der Eigenbewegung entdeckt, nämlich den  Einsatz eines  Handrasenmähers: Kein Krach, kein Gestank,  kein schlechtes Gewissen. Der Schnitt entspricht nicht ganz den Vorgaben der Werbeplakate, d. h. er ist naturnaher und damit - so meine ich - auch schöner anzusehen. Obwohl auch mit diesem Verfahren Lebewesen umgebracht werden, herrscht bei dieser Arbeit - zumindest aus meiner Sicht -  eine Art Stille und Frieden, denn das Klappern dieses Gerätes hat nichts Aggressives an sich. 
  127. In diesem Abschnitt geht es um die entscheidende Differenz von Eigen- und Fremdbewegung: In der Eigenbewegung findet eine ichdurchtränkte Wahrnehmung , im Sitzen, sei es im Auto oder vor dem Fernsehapparat, findet eine ichlose Wahrnehmung statt. Im Folgenden sollen unsystematisch,  „stakkatoartig“ einige Merkmale dieser im Resultat grundverschiedenen Wahrnehmungen aufgezählt werden, um eine Annäherung dieser nicht endgültig auf den Begriff zu bringenden Unterschiede zu erreichen:

    Merkmale der  ichdurchtränkten Wahrnehmung: Das Bewusstsein, zumindest das Gefühl des Eigenen dieser Wahrnehmung  ist durch meine Aktivität entstanden, sie ist lebendig, sie ist, wenn ich will,  veränderbar, ich bestimme die Perspektive, Dauer, Intensität. Sie ist qua Wahrnehmung nichts Fremdes. Mein Ich und das Wahrgenommene sind eine untrennbare Einheit. Sie ist kein Traum, sondern hat höchst möglichen Realitätsgrad. Sie ist potentiell ganzheitlich. Übrigens gut zu beobachten beim wachen Handwerker, wie er zupackt. Im Begreifen ist Zielgerichtetheit. Alles Wahrgenommene hat positive oder negative Wertigkeit. Alle Begriffe und Dinge werden tendenziell in Kontexte, in Geschichten  gestellt, sie lösen Assoziationen aus. Der eigentliche Anfang ist bei und in mir, ebenfalls alle Entscheidungen. Sie hat viel vom dionysischer Ton und viel mit Kinästhetik zu tun. 

    Merkmale der  ichlosen Wahrnehmung. Eine filmartige Abfolge, die, abgesehen davon, dass der Film registriert wird, nichts mit dem wahrnehmenden Ich zu tun hat. Es ist eine ichlose Wahrnehmung, was nicht ausschließt, dass sie sehr intensiv sein kann wie beim Actionfilm. Hier bin ich eine willenslose Substanz, die Eindrücke empfängt und je nach deren Stärke reagiert. Aufregung ist nicht intensive Wahrnehmung. Der Weg der Aufregung geht von außen nach innen. Die ichlose Wahrnehmung hat scheinartigen Charakter, der mich letztlich nicht existenziell  berührt, sie hat keine realen Konsequenzen für mich, sie ist virtuell. Es entsteht für mich keine  Verantwortung. Sie ist ein Mittelding zwischen Traum und Film, sie kennt keine Mühen, kein Scheitern, keinen innerer Kampf, keinen Willen, kein eigentliches Leben. Man selbst ist körperlich mehr oder weniger passiv, der Körper und der Geist sind eigentlich funktionslos; das passive Bewusstsein lässt sich schnell durch andere Bewusstseinsinhalte ersetzen. Der Gegenstand der Wahrnehmung ist blass, konturenlos, dringt nicht in mich hinein, Tendenziell hat das Gehirn die Aufgabe der einfachsten Bestimmung wie „Ja, das ist eine Kuh“, d. h. die Bestimmung und Bejahung des Vorhandenen. Das vollzieht sich im Modus der Gleichgültigkeit. Die Dinge und Begriffe verkapseln und isolieren sich. Das Innen ist dann eine Art Spiegel, eine  Projektionsfläche, die keine Subjektivität, keine eigene freie Entscheidung kennt. Die ichlose Wahrnehmung hat viel mit dem apollinisches Bild und viel mit dem Fernsinn „Sehen“ zu tun.

  128. Langsamere Ortsveränderung ist die Bedingung dafür, dass bestimmte Wahrnehmungen erst möglich werden. Schnelle und schnellste Ortsveränderungen verringern zunehmend die Gegenstände der äußeren Wahrnehmungen bis nahezu Null. 

    Es macht aber  aber einen entscheidenden Unterschied, ob die Ortsveränderung mit eigener Körperkraft vollzogen wird oder ob sie passiv geschieht, indem man z. B. mit dem Auto fährt. Dadurch  entstehen zwei verschiedene Qualitäten der Wahrnehmung: a) eine ichdurchdrungene Wahrnehmung und eine ichlose Wahrnehmung, die man mit einer erlebnishaften Originalbegegnung und einem Filmabend vergleichen könnte. 

  129. „Mit großer Freude und Zustimmung  habe ich (BM) den Leitartikel "Nicht einmal Ostereier" von Franz Josef Görtz (F.A.Z.) vom 11. April)  genossen. Obwohl nicht zu toppen, hätte ich für interessierte Leser noch einige ergänzende Gedanken in meiner Homepage zum Thema Eigenbewegung. Ich lege den Akzent auf Eigenbewegung im Alltag, um eine größtmögliche Nähe zu sich selbst sowie zur  Umwelt herzustellen und um diese gleichzeitig zu entlasten. Man kann die Bedeutung der Eigenbewegung gar nicht hoch genug einschätzen, denn Leben ist Eigenbewegung. Wer nicht lebt, wird höchstens noch bewegt, das heißt er befindet sich im Zustand der Fremdbewegung. Die erste Eigenbewegung des Neugeborenen oder des Schwerkranken zeugt von seinem Leben. Erst durch Eigenbewegungen entstehen Bedeutungen zur Welt und zu sich selbst.  Es also kein menschlicher Fortschritt, wenn immer mehr Eigenbewegungen durch Fremdbewegungen ersetzt werden. Der Begriff „Eigenbewegung“ bündelt wie kein anderer die notwendigen Alternativen, um Welt und Mensch zu retten. Eigenbewegung steht für den notwendigen Paradigmawechsel“ (dieser Leserbrief erschien am 17. 4. 09 in der F.A.Z.). 
  130. Unsere erwachsenen Kinder kommen von einer ganztägigen Fahrradtour zurück und hören gar nicht auf, von ihren Erlebnissen  zu erzählen. Vorgestern dagegen kamen sie aus Berlin mit einem müden "Auf der Autobahn war nichts los" bei uns an. Ich schließe daraus verallgemeinernd: Der Mensch befindet sich immer in einem bestimmten Raum zu einer bestimmten Zeit, d. h. Mensch und jeweilige Umwelt (Subjekt und Objekt) bilden immer eine untrennbare Einheit.  Die Intensität dieser Einheit wird allein von der Stärke der körperlichen und geistig-seelischen Aktivität, sprich Eigenbewegung, des jeweiligen Menschen bestimmt. Der  Intensitätsgrad des erlebenden Menschen bestimmt also auch die "Intensität der von ihm erfahrenen Welt.  Beim Wandern wird die Landschaft, beim Gehen wird die Straße, beim Tanzen wird der Tanzpartner  deswegen intensive, lebendige Wirklichkeit, weil das Ich aktiv ist.  Umgekehrt werden während der Autofahrt und beim oberflächlichen  Medienkonsum das Ich und  das, was ihm begegnet, unlebendig, uneigentlich, schattig, fade. Das gilt grundsätzlich für alle Aktivitäten: Wenn nicht Gehirn und Körper von dem Gelesenen oder Bearbeiteten ergriffen werden - vergisst Du es. Es findet also ein wechselseitiger  Rückzug statt: Das Ich zieht sich aus der Welt zurück und die Welt aus dem Ich. Das Ich wird tendenziell zu einem Wahrnehmungspunkt reduziert.    
  131. In der Eigenbewegung in Alltagssituationen gewinnen Mensch und wahrgenommene Welt gleichermaßen, d. h. beide steigern ihre Intensität, Umfang und Authentizität. Die Eigenbewegung ist eben kein Nullsummenspiel, wo entweder der eine oder andere Pol gestärkt wird, sondern beide.
  132. Intensive Bewegungen schaffen  gleichzeitig Ich-Stärke und klare Vorstellungen von dem jeweils Wahrgenommenen. Der biegsame und sich bewegende Körper ermöglicht  große Nähe zur jeweiligen Umwelt. 

  133. In  dem Konzept der Eigenbewegung steckt auch das Potential für Autonomie, eine Fähigkeit, die in Zukunft von lebenserhaltender  Wichtigkeit sein wird. 

  134. These: Das Wollen ist  primär im sich bewegenden Leib "verkörpert".  Wenn der Körper still gestellt ist, verlieren Wollen, Bedürfnisse und Ziele ihr Fundament und werden widerstandslos durch externe Werte ersetzbar.  
  135. Welche Differenzierungsmöglichkeiten an Annäherungen bestehen, wenn zwei junge Menschen "miteinander gehen",  statt "miteinander zu fahren".
  136. Wenn keine Primärerfahrungen da sind, ist auch nicht die Welt vorhanden.
  137. Die Eigenbewegung ist meiner Ansicht nach wesentlich eingebettet in die Einsichten der Lebensphilosophie, die auch vehement auf der Einheit von Subjekt und Objekt besteht: Die Welt ist im Subjekt eingehüllt, und das Subjekt interagiert mit der Welt. Es gibt "objektiv" keine Objektivität. Objektivität ist ist reines Gedankenkonstrukt und ermöglicht den Irrtum, Herrschaft über die Welt ohne Verantwortung zu übernehmen zu können.  In der Fremdbewegung unterwirft sich das Subjekt einseitig den gesetzten, scheinbar objektiven Prozessen und  nähert sich damit in seinem Verhalten dem eines  Objekts an.
  138. "Der Gang zu Fuß muss wieder zu Ansehen, wenn nicht zu Ehren kommen. Es wäre doch buchstäblich sein Untergang, wenn ihm zu ungezwungener Entfaltung nur solche Reservate übrig blieben, die man nicht ohne den kurzatmigen Stolz von Kleinstädtern landläufig einschmeichelnd als Fußgänger-Zonen bezeichnet" (Franz Josef Görtz in der FAZ).
  139. Eigenbewegung ist ein Merkmal des Lebens. Wer lebendig ist, bewegt sich. In der Eigenbewegung entsteht höchst mögliche Selbstgewißheit, sie ist die Urwahrnehmung und die körperlich-geistig-seelische Basis der Persönlichkeit.
  140. Der effektivste und sinnvollste Weg, sein Übergewicht zu reduzieren, ist  sich bewegen - bei jeder Gelegenheit: Gehe zum Kaufmann, besuche Deine Freunde zu Fuß oder mit dem Rad. Meide aber vielbefahrene Straßen, sonst belastest Du Deine Bronchien mit gesundheitsschädigenden Emissionen. 
  141. In dieser Homepage findest Du viele Argumente für die Eigenbewegung, aber in die Gänge kommen musst Du selbst, das kann Dir keiner abnehmen. 
  142. Das entscheidend Neue besteht in der Eigenbewegung im Alltag,  Alltag, und noch einmal Alltag.
  143. Zuerst geht man nicht mehr, dann unterlässt man auch das Denken. Vielleicht gilt auch das Umgekehrte.
  144. Notwendige Bedingung für Autonomie besteht darin, die Lebenskraft zu stärken.
  145. Jede Eigenbewegung im Alltag entlastet die durch Verkehrsinfarkte lebensbedrohte Stadt.
  146. Die Eigenbewegung (Ich bewege mich) ist aus erkenntnistheoretischer Sicht gegenüber dem Sehen (Ich sehe) täuschungsfrei. Die bekannte Unsicherheit über die Frage, ob mein Zug oder der gegenüberstehende Zug fährt, entsteht nur bei der visuellen Wahrnehmung.  Dagegen bin ich absolut sicher,  ob ich mich bewege oder der neben mir sitzende Mitfahrer.
  147. Eigenbewegung steht für Leben, Fremdbewegung für das Anorganische, für das Leblose, für den Tod. Aber auch hier geht es nicht um einen zu überwindenden Dualismus auf Kosten der einen oder der anderen Seite, sondern um für den Menschen angemessene Proportionen. Die Verabsolutierung des Pols Eigenbewegung hieße, Möglichkeiten des Menschseins zu verhindern, die Verabsolutierung des Pols Fremdbewegung, auf die die Gegenwart setzt, heißt ebenfalls, die Möglichkeiten des Menschseins zu verunmöglichen. 
  148. "Keine Metapher bildet unser Leben überzeugender ab als das Gehen...In keiner anderen Tätigkeit ist man auch mehr bei sich selbst" (Freddy Langer).
  149. Wenn Identität und Wissen wesentlich durch Handlungen entstehen, ist es absolut nicht nachvollziehbar, wenn immer mehr Menschen auf Eigenbewegung verzichten.
  150. Durch ständige  Eigenbewegung verändert man sich physisch und psychisch nachhaltig positiv. Eigenbewegung ist die aktive Umgestaltung des Menschen durch sich selbst. Es geht um die Tiefe und Breite des Menschen und Fülle der Lebenswelt und  gegen seine zunehmende Reduzierung auf bloße Erfüllung von Impulsen der Bewusstseinsindustrie. Aber "Reduzierung" ist immer eine aktuelle Reduzierung, denn der Mensch  kann nicht grundsätzlich und auf Dauer auf Konsum, Nationalismus, Fanatismus, d. h.  auf eine bestimmte Verengung konditioniert werden.   
  151. Eigenbewegung ist Bedingung und Teil der Humanität
  152. Eigenbewegung, auch die im Alltag,  kann Poesie sein, Fremdbewegung ist immer Prosa und grundsätzlich Entfremdung. 
  153. Wenn ich mich bewege, weiß ich wegen des kinästhetischen Sinns, dass ich es bin, der sich bewegt. Diese Sicherheit scheint mir noch sicherer zu sein als die des allgemeinen Cogitos. 
  154. Wenn der Mensch sich aus der Wirklichkeit herauszieht, erstarrt diese, wird kalt und leblos. Langfristig hilft da auch nicht der Schein von Wirklichkeit, denn das Leben bemerkt diese Täuschung.
  155. Warum ist es nicht eine Selbstverständlichkeit, dass Berufstätige innerhalb einer zumutbaren Distanz mit größter Selbstverständlichkeit mit dem Rad zu ihrem Arbeitsplatz fahren?
  156. Eigenbewegung ist eine Quelle der physischen und psychischen Gesundheit. Sie ist die einzige Bewegungsart, die das Immunsystem stärkt. 
  157. Wir müssen sehr oft den Menschen von vier Rädern auf die Füße stellen.
  158. Lebendiges ist in Bewegung, nur als isolierte geistige Tätigkeit darf es sitzen oder liegen.
  159. Aus dem gewohnheitsmäßigen Autofahrer muss ein "gelegentlicher" Fahrer werden, aus dem "gelegentlichen" Radfahrer muss ein gewohnheitsmäßiger Radfahrer werden. Gleiches gilt für den Fußgänger. 
  160. In der Eigenbewegung äußert sich ein Ich, das nicht nur auf Wahrnehmung und Rezeption reduziert ist, sondern lebendig-produktiv wirkt.  
  161. Beim Gehen hat man wesentlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten wie beim Autofahren.
  162. Tiefe Gedanken entsteht oft nach einem mehrstündigen Fußmarsch und anschließender Ruhepause.
  163. Man setzt die Gesundheit aufs Spiel, wenn man sie nicht aufs Spiel setzt. 
  164. Der junge Tieck macht auf seinen Gang zur Schule Umwege, um die Wahrscheinlichkeit von Begegnungen zu erhöhen. Und wir?
  165. Wer in der Ortsveränderung nur noch ein technisches Problem sieht, nämlich  die Überlegung "Wie komme ich von A so schnell und bequem nach B", hat keinen Zugang zu meinem  Ansatz der Eigenbewegung. 
  166. "Nach Eigenbewegung kann man süchtig werden", eine Nachbarin, die die falschen Versprechungen durchschaut hat.   Übirgens entsteht diese Sucht nicht sofort, sondern bedarf  - wie  alles Gute - der Zeit.
  167. Die Lebenskraft eines Menschen ist in seiem Körper gespeichert und wird erst in der Eigenbewegung befreit. Deshalb: Bewegt Euch im Alltag. Es geht (wortwörtlich genommen).  Das Auto geht nicht, es rollt. Verzichtet auf es, denn wir könen gehen. So haben wir beispielsweise unser Auto sechs Wochen lang nicht bewegt, obwohl wir im Urlaub waren,  das Theater besucht haben, unsere täglichen Einkäufe tätigten, zum Arbeitsplatz fuhren und auch spazieren gingen. 
  168. Wer geht, lebt intensiver. In der Eigenbewegung zeigt sich zwar kein ewiges Glück, aber momentanes. 
  169. In der Eigenbewegung erfährt und erlent man zweierlei: a)  Seine aktuellen physischen und psychischen Grenzen und b), dass diese Grenzen veränderbar sind. Und man erfährt und lernt,  dass man nur das von der Welt aufnimmt, was man sich anverwandeln,  d. h. aneignen kann.  Alles andere rauscht vorbei, vergeht im Kurzzeitgedächtnis. 
  170. In der Eigenbewegung bestehen im Vergleich zum Autofahren viel mehr Möglichkeiten, sich  frei auszudrücken.  Diese Freiheit bezieht sich auch auf  die Gegenstände, auf die man sich konzentrieren will - so auf  Inneres, auf dieses Haus oder jenen Menschen. 
  171. In der Eigenbewegung drückt sich der Mensch aus, wobei er sich gleichzeitig selbst erkennt, d. h. er erlangt Selbst-Bewusstsein. In diesem Vorgang  bestimmt der Ausdruck auch das Innere, das ausgedrückt wird.  
  172. Bei der Eigenbewegung geht es um einen intensiven und umfangreichen Austausch mit der Umgebung.
  173. Man könnte sich auch bei der Eigenbewegung  in die Person des Schmids versetzen und „fühlen, wie die Dinge der lebendigen Kraft, die man auf sie verwendet, Widerstand entgegensetzen auf ihre Art und dass diese Hineinversetzung nötig ist, um die Eigenschaft der Dinge zu erfassen“ (S. 25). Aber Schapp zieht das genaue Hinsehen vor, also zwei Zugänge. Aber das klappt nur bei der Veränderung (Bearbeitung“), beim Betrachten eines Berges schon weniger.
  174. Wir kommen abends von einem Familienbesuch nach Hause: mit  der Fähre von Finkenwerder nach Hamburg-Landungsbrücke, von dort mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof und dann mit der Bahn nach Flensburg. Viel Bewegung im Mikrobereich, Interessante Beobachtungen gemacht, zwei gehaltvolle Gespräche geführt, einen schwierigen Text gelesen und verstanden!, einige Takte geschlafen. Wie hätte die Alternative mit dem Auto ausgesehen? Am Haus der Familie eingestiegen, von dort ohne Unterbrechung in der regnerischen Nacht bis vor die Haustür. Einfach und schrecklich!
  175. Wenn vom Leib oder Körper die Rede ist, sollte man immer mitbedenken, dass die Körper von Lebewesen  sich immer bewegen, so auch der menschliche Leib. Tun sie es nicht, sind sie tot.
  176. Die Unterscheidung von Leib und Körper ist für die Eigenbewegung von größter Wichtigkeit. Dazu folgende Erläuterungen: Körper gibt es nur in der Außenperspektive, den Leib nur in der Binnenperspektive. Dazu ein Beispiel: Wenn ich meinen rechten Daumen  wie ein Mediziner aus der Außenperspektive betrachte , ist er Teil eines Körpers, betrachte ich ihn aus der Binnenperspektive, ist er Teil meines Leibes.  Im  Leib  bilden Körper und Geist eine unaufhebbare Einheit, beim  Körper sind Geist und Körper getrennt.  Die  Einheit  von Körper und Geist im  Leib ist physiologisch begründet im Nervensystem, wobei das Gehirn auch ein Teil des Leibes ist.  Der ganze Leib ist durch-geistigt. In diesem Zusammenhang - so meine These - macht es keinen Sinn, das Gehirn, auch wenn es wesentlich komplexer ist als die Fingernerven, besonders hervorzuheben, ihm eine besondere Qualität zuzuschreiben, denn Gehirn und Fingernerven bilden einen notwendigen Systemzusammenhang, wobei das Gehirn nicht ohne Fingernerven - um bei dem gewählten Beispiel zu bleiben - auskommt und umgekehrt natürlich die  Fingernerven nicht ohne das Gehirn auskommen. Die Eigenbewegung als Erkenntnisorgan ist nur im Modus des Leibes möglich. 
  177. Meine physiologischen Aussagen können und sollen nicht dazu dienen, zu belegen, dass Geist letztlich auf Materie zurückzuführen ist, sondern diese Aussagen sollen das Verhältnis von Geist und Materie ein Stück plausibler und damit verständlicher machen.
  178. Arbeiten ist eine Teilmenge der Eigenbewegung. 
  179. In der Konsumgesellschaft dominieren das Visuelle und Auditive, die  kinästhetischen Sinne werden im Alltag nur  minimal betätigt - vom Sport abgesehen.
  180. Wenn man zu Fuß geht oder mit dem Fahrrad fährt, fühlt man, "wie die Dinge der lebendigen Kraft, die man auf sie verwendet,  Widerstand entgegensetzen auf ihre Art und dass diese Hineinversetzung nötig ist, um die Eigenschaft der Dinge zu erfassen“ (Wilhelm Schapp, Beiträge zur Phänomenologie der Wahrnehmung, S. 25). 
  181. Bewegungsmangel und intensive Autonutzung bedingen einander und bilden eine untrennbare Einheit. Aber selbst die einschlägige Literatur und Gesundheitsengagierte verdrängen diese elementare unbestreitbare Wahrheit. Hier Ross und Reiter ungeschminkt zu nennen, gilt als taktlos und grobschlächtig. Indirekte und verniedlichende Begriffe verdecken oft hier mehr als sie offenlegen. 
  182. Gehen ist rational. Es ist eine der frühesten und elementaren Form rationaler Tätigkeit. 
  183. Eigenbewegung im Alltag (!)  und im Spiel sind elementare und einfachste Formen  des Willentrainings.
  184. Der Geist ist verkörpert, fehlt der Körper, entsteht Wahnsinn, weil alles möglich wird, denn es fehlt die Haftung.  Das stimmt, aber nach meinem Verständnis verpasst der Begriff "Körper" das Wesentliche, denn es geht um den sich bewegenden Körper, nicht den still gestellten. Kurz: "Körper" ist nur eine Abkürzung für "sich bewegender Leib"
  185. Durch Gehen entsteht höchst mögliche Wirklichkeit. Nur in der lebendigen Eigenbewegung ist  Begegnung mit der Welt wirksam.
  186. Hoher Arbeitsdruck, Konkurrenzkampf oder Angst vor dem Jobverlust läßt die Zahl seelischer Erkrankungen bei Arbeitnehmern nach Aussagen der Krankenkassen dramatisch zunehmen. Durch mehrstündigen Fernsehkonsum und ständiges Autofahren werden diese Symptome noch verschärft. Ich bin fest davon überzeugt, dass intensive Eigenbewegung im Alltag die Widerstandskraft kräftigt, was nicht heißt, dass die Situation nicht geändert werden muss. Übrigens habe ich einen Beruf, keinen Job, auch dieser Unterschied ist auf das Problem bezogen nicht unerheblich.   
  187. Was bei Descartes die Zirbeldrüse leistet, leisten in meiner Theorie die kinästhetischen Sinneszellen, denn beide vermitteln zwischen Geist und Körper. Bei Descartes allerdings nur in eine Richtung, nämlich vom Geist  zum Körper, ich gehe von einer Wechselwirkung aus mit einer leichten Tendenz zur stärkeren Stellung des Körpers. Hier liegen Sinne und Sinn sehr nahe beieinander bzw, treffen aufeinander.
  188. In der Theorie der Eigenbewegung ist der kinästhetische Sinn der primäre und bedeutendste. 
  189. Nietzsche: Wenn jemand  "zugrunde geht, physiologisch degeneriert, so folgen daraus Laster und Luxus (das heißt das Bedürfnis nach immer stärkeren und häufigeren Reizen, wie sie jede erschöpfte Natur kennt)." Gegen physiologische Degenerierung  hilft nur Eigenbewegung. An einer anderen Stelle: "die leichten Füße (sind) das erste Attribut der Göttlichkeit."
  190. Die Bräune, die man durch Eigenbewegung in der Sonne bekommt, ist gesunde Bräune
  191. Wer nicht geht, lebt zwangsläufig ein Leben im Schein.
  192. Wir gehen zu jedem Treffen in unserer Stadt zu Fuß. Das wirkt auf die anderen absurd und hinterwäldlerisch. Manchmal sagen sie es auch. 
  193. Der moderne Mensch ist, obwohl er es nicht wahrhaben will, zutiefst leibfeindlich, und das heißt immer der sich selbst bewegende Leib.
  194. Nietzsche entwickelte seine Gedanken auf langen Spaziergängen und immer hatte er Schreibwerkzeug bei sich. Es ging ihm  um lebendige Vergeistigung, wobei Leben immer Eigenbewegung impliziert: Wahr ist, was erlebt wird. Er wußte die Landschaft in sich, er verkörperte sie - und das geht nur durch Eigenbewegung. 
  195. Die Metapher "Er hat noch nicht Fuß gefaßt" verweist auf die elementare Bedeutung der Bewegung.
  196. Äußere Bewegung ist immer auf  Denken, zumindest auf habituell gewordenes Denken angewiesen. Dieses "Bewegungsdenken" ist die Basis allen Denkens. 
  197.  "Ich schreibe nicht mit der Hand allein, der Fuß will stets mein Schreiber sein" (Friedrich Nietzsche).
  198. Zwischen innerer und äußerer Bewegung besteht ein gegenseitiger Wirkungseinfluss, der aber zeitlich auseinander liegen kann. 
  199. "Körperliches mit geistigem Unterwegseins zu verbinden - dies ist die Grundidee der von uns angebotenen Kulturwanderungen" (KUBUS - Kulturbüro Sils/Segl).
  200. "Ich habe gehen gelernt; Seitdem lasse ich mich laufen" (Friedrich Nietzsche).
  201. Es lohnt sich, eine Situation, ein Problem, einen Bericht  nachzugehen.
  202. Beobachtung in Bozen: Je größer die Fußgängerzone, desto mehr akzeptieren die Menschen  die Eigenbewegung, sei es zu Fuß oder mit dem Rad.
  203. Lebendes will und muss sich bewegen. Warum halten so viele Menschen denn die Bewegungslosigkeit aus? Liegt es daran, dass sie sich bewegen und bewegt werden fälschlicher Weise gleich setzen?
  204. Wer am oder auf dem Berg wohnen will, muss zu Fuß hinaufgehen, sonst wohnt er nicht dort. 
  205. Bäume haben Wurzeln, Menschen hatten Beine, d. h. sie haben ihre Beine durch Räder ersetzt. 
  206. Die Position der Eigenbewegung, die ich ja vertrete, ist  aus der Sicht der Autofahrer sicherlich  eine nicht zeitgemäße, ja böse  Position - aber das kann sich bereits in der nahen Zukunft ändern.
  207. Gehen und Weg bilden eine unaufhebbare Einheit, wobei der  Weg wiederum mehr oder weniger fließend in die Umwelt führt. "Mehr" bei Feldwegen, "weniger" bzw. gar nicht bei Autobahnen. 
  208. Ein  Ich entsteht nur in der Eigenbewegung. Die Eigenbewegung stellt eine reale Beziehung zwischen Ich und äußerer Wirklichkeit her. 
  209. Es gibt jetzt elektronische Spiele, die reale Bewegungen verlangen, wenn z. B. Boxen oder  Tennis simuliert werden. Ist das der endgültige, überzeugendste  Weg in die virtuelle Welt?
  210. Gehe oder fahre mit dem Auto in die Stadt.  Nur das Letzteres erzeugt massiv schädliche Emissionen.
  211. Nach Maturana und Varela wird Wirklichkeit durch die verkörperte Erfahrung eine Organismus hervorgebracht. In  dieser Aussage muss man "verkörpert" sehr ernst nehmen, denn Verkörpern ist kein passiver, sondern ein aktiver Prozess: Wenn man ein Buch liest, vor dem Fernsehapparat sitzt oder mit dem Auto durch die Gegend fährt, findet keinerlei Verkörperung statt.
  212. Entscheidend ist der kinästhetische Sinn, er ist die conditio sine qua non der Eigenbewegung, er ist ihr Fundament. Der kinästhetische  Sinn konstituiert die Differenz zwischen Primär- und Sekundärerfahrungen, zwischen Erfahrung und Vorstellung. 
  213. Sucht Eure Gesundheit in der Eigenbewegung im Alltag - die Chance ist sehr hoch, dass Ihr sie dort findet.
  214. In bestimmten Bewegungsabläufen bemerke ich sehr intensiv eine unhinterfragbare  Einheit mit meinem verstorbenen Vater.
  215. Heute richtig hart zwei Stunden im Garten gearbeitet, dann zehn Minuten auf dem Sofa gelegen, nun sehr wach und gut gestimmt.
  216. "Die Bevölkerung zieht die Einnahme von Tabletten einer unbequemen Änderung des gewohnten Lebensstils vor" (Dr. Henning Schmidt, Neurochirurg).
  217. Es schneit leicht. Wir machen  gegen 19 Uhr  unseren fast obligatorischen Abendspaziergang. Nach einer Stunde kehren wir  in unsere Straße zurück. Die Fußabdrücke im Schnee sind die unserigen, neue sind nicht hinzugekommen.  
  218. Nach Schopenhauer entsteht das primäre Weltverhältnis nicht durch Wahrnehmungen, die  Vorstellungen erzeugen, sondern indem Gegenstände als Ziele oder Hindernisse menschlichen Tuns erfahren werden. Diese Erfahrungen  werden in der bewegungslosen Auto- und Knopfdruckgesellschaft nicht mehr gemacht. Die Einheit von Mensch und seiner Umwelt löst sich auf, so dass die Welt zum Schein wird. 
  219. Erst der sich bewegende Leib macht das Subjekt zu einem Teil der Welt, zum In-der-Welt-Sein. Man beobachte sich nur selbst in zwei verschiedenen Situationen: a) man fährt mit dem Auto in die Stadt und b) man geht zu Fuß in die Stadt. Alles klar?
  220. Ich denke auch, dass Wille und Eigenbewegung sehr nah beeinander sind, wenn sie auch nicht identisch sind, so beeinflussen sie sich aber sehr stark gegenseitig.  Man mache bei kaltem Wetter einen längeren Spaziergang. Welch´ Kraft spürt man nach einer kurzen Ruhepause danach in sich aufsteigen.  
  221. Ich denke, dass der Wille immer im Zustand der Selbstbewegung sich befindet. In Analogie dazu konstituiert nicht der Leib, sondern erst der sich bewegende Leib Welt, die immer eine Lebenswelt ist. Dieser Aspekt des sich bewegenden Leibes ist - so weit ich es sehe -  von Schopenhauer nicht deutlich genug herausgearbeitet worden. 
  222. Es klappt letztlich doch nicht, Alter, Krankheit, Häßlichkeit, Schwäche mit Hilfe des Autos, möglichtst einem teuren,  zu kaschieren: In dem Moment, wenn man aussteigt, wird die Wirklichkeit offenbar.
  223. Momentan gibt es sehr viele Artikel, Aktionen, direkte und indirekte Hinweise zum Gehen, zum Wandern, zur Eigenbewegung, die sich vielleicht in näherer Zukunft zu einer größeren, zusammenhängenden Bewegung verdichten.
  224. Die Biologin Dr. Heidi Lehnmal führt momentan ein hochinteressantes Projekt durch, um u. a. auf die Beziehung zwischen Gehen und Gesundheit hinzuweisen. Man kann sich an diesem Projekt beteiligen. Genaueres unter:  http://www.10000000schritte.de/
  225. Wie alles, ist auch die  Eigenbewegung ambivalent, zumindest von verschiedenen Wertigkeiten. Wenn äußere und/oder innere Eigenbewegung fremdbestimmt wird, kann sie  problematisch werden.
  226. Auf  Eigenbewegung setzen ist auch eine Haltung, eine Lebenseinstellung..
  227. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand krank und dümmer wird, wenn er sich nicht selbst bewegt, ist sehr groß. Und wenn man sich selbst bewegt, sollte man es gleich in anregenden Umgebungen tun.
  228. Muskelkraft ist eine  erneuerbare Energie (Ulrich Grober).  Sie sollten wir wieder revitalisieren,  denn die Muskelkraft ist aus äußeren und inneren Gründen nicht obsolet.
  229. Schopenhauer unterscheidet ja bekanntlich Welt als Vorstellung und Welt als Wille, wobei der Wille dafür "sorgt", dass die vorgestellt Welt meine Welt wird. Der Wille drückt sich als Leben aus und ist im sich bewegenden Körper "beheimatet".  Die Frage ist nun: Was passiert mit dem Menschen, der sich (fast) nicht mehr körperlich bewegt? Ich denke, dass zuallerst die Vorstellungen zunehmend nicht mehr an den eigenen Körper gebunden sind, sondern frei flotierend  sich bewegen bzw. bewegt werden. Letzteres wird von den jeweiligen gesellschaftlich dominierenden Mächten, heute die Konsumwirtschaft, bestimmt. Der Mensch wird also zunehmend manipulierbar. Gegen diese Auffassung spricht, dass die wahnsinnige Ideologie der Nazis sich durchsetzen konnte, obwohl die Menschen sich damals relativ viel bewegten. Hier muss das Denken weiter fortschreiten.
  230. Ein Wesensgesetz des Reisens: Je größer des mitgenommene  Gepäck, desto geringer der Sind und Wert einer  Reise. Das Auto oder gar das Wohnmobil sind denkbar größte Gepäckstücke, denn es ist letztlich das mitgenommene eigene   Haus, von dem man sich nicht lösen kann, für das man ständig Verantwortung trägt, das bindet. Es ist deswegen ein entscheidender Unterschied, ob ich, um in das Reisegebiet zu gelangen,  den Zug, Bus, Flugzeug, ein Taxi  benutze oder ob ich mit  dem eigenen Wagen losfahre. Reisen ist materiell und auch geistig  Loslassen. Pointiert: Wer im  Auto verreist oder im Urlaub seine Fernsehprogramme sieht, verreist  im eigentlichen Sinne nicht. Auf diesem begrifflichen Hintergrund verstehe ich übrigens meinen  Genuss, den ich habe, wenn ich zu Beginn der Reise auf dem Bahnhof stehe und in einen Zugwaggon trete. Es ist gleich zu Beginn eine neue Welt, die sich vor mir öffnet.
  231. In der Eigenbewegung sind innere und äußere Bewegung eine unaufhebbare Einheit, wobei der Akzent entweder mehr auf dem einen oder auf dem anderen Pol liegt. Das hier nicht im Mittelpunkt stehende autonome Lernen ist deshalb auch eine Form der Eigenbewegung. 
  232. Welche Freude, einen neuen Weg zu entdecken und damit sich neue Möglichkeiten zu erschließen. Das kann z. b. ganz banal ein Weg in die Stadt sein.
  233. In der Eigenbewegung sind grundsätzlich alle Sinnesaktivitäten mehr oder wenig aktiv beteiligt: Man spürt die Muskeln, muss  ständig sein Gleichgewicht finden, aufmerksam sehen, da man ständig seinen Standpunkt ändert, oft tasten, sei es mit den Händen oder Füßen  z. B. bei unebenem Untergrund, zumindest außergewöhnliche Geräusche wahrnehmen, ggf. schmecken und riechen.
  234. Ich beschreibe primär materiell-physiologischen Grundlagen der Eigenbewegungen. Eigenbewegungen lösen "reale" Empfindungen aus, die zu Gefühlen und Erkenntnissen im  Bewusststein weiterverarbeitet werden können.  Diese Gefühle und Erkenntnisse können die Wirklichkeit angemessen wiedergeben oder eben nicht, so, wenn die Fahrt mit dem Auto als Autowandern empfunden und bezeichnet wird.
  235. "Selbsterfahrung ist ein Vorgang, der Bewegung in unser Leben bringt" (Ferdinand Fellmann).
  236. Wohl wissend, dass jede Unterscheidung immer auch mit Willkür verbunden ist, führe ich folgende zwei Trennungen durch, so dass meiner Ansicht nach einige  theoretische und praktische Vorteile entstehen. Die erste Trennung unterscheidet menschlichen Körper und menschlichen Geist, wobei der Geist in den folgenden Überlegungen unberücksichtigt  bleibt. Der menschliche Körper befindet sich entweder im Zustand der Eigenbewegung oder im Zustand der Ruhe (Stehen, Sitzen,  Liegen). Deswegen gehört beispielsweise auch das Autofahren zur Bewegungslosigkeit des menschlichen Körpers. Den Zustand der Eigenbewegung fasse ich  auf als "in der eigenen Natur" oder "in einem natürlichen Zustand"  sein. Kurz: Der Körper in Eigenbewegung ist Natur und Leben.  Die zweite Trennung unterscheidet Naturräume  von Zivilisationsräumen (Siedlungen bis hin zu Wohnräumen).  Wenn der Mensch sich in Naturräumen zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewegt, sind die körperliche eigene Natur und die Naturräume als optimale Einheit verwirklicht. Wenn er sich in Zivilisationsräumen bewegt, ist das Ganze nur eine "halbe" Natur. Wenn er im Auto sitzend durch die Natur fährt, ist keine Natur vorhanden (weil nur noch höchste Reduktion, die Scheinhaftigkeit  erzeugt). Wenn er im Auto durch Zivilisationsräumen bewegt wird, ist er im Minusbereich. Um es zu wiederholen: Der Geist und damit die Einbildungskraft bleiben in dieser analytischen Bestimmung ganz außen vor, so dass z. B. eine sogenannte "Autowanderung"  nur aus dieser materiellen Perspektive kritisiert werden kann, denn subjektiv kann der Betreffende  tatsächlich glauben, er wandere. Warum diese komplizierte Analyse? Sie dient eminent praktischen Zielen: Wenn ich also zum Kaufmann laufe, bin ich selbst Natur, wenn ich mit dem Auto dorthin fahre eben nicht.
  237. Eigenbewegung ist intensives Leben, Fremdbewegung ist Leben  auf  kleinster Sparflamme.
  238. Schillers Satz "Leicht beieinander wohnen die Gedanken, doch hart im Raum stoßen sich die Sachen"  kann auch als Beschreibung des Dualismus von Fremdbewegung und Eigenbewegung  interpretiert werden - aber positiver, dann das "hart stoßen" macht gerade das Wachstum, die Überwindung von Schwierigkeiten und die Schönheit der Eigenbewegung aus. 
  239. Gegenstand und Auslöser des  Bewegungssinns (der kinästhetische Sinn)  sind die Muskeln. Die Muskeln bilden direkt ihren Tätigkeitsbereich, z. B. die begangene Treppe, eins zu eins ab. Die Muskeltätigkeiten sind so real wie die entsprechenden äußeren Gegenstände. Die Muskeln täuschen nicht. Zwar kann auch der  kinästhetische Sinn täuschen, aber diese Möglichkeit ist sehr gering. Dieser Sinn verbindet Mensch und Umwelt am dichtesten, am intensivsten, am "realsten". 
  240. Gehe  eine große Strecke, sagen wir fünfzehn Kilometer, und Du merkst, dass Du nach innen und außen wirkend lebst.
  241. Michael Rensing, Torwart bei Bayern München, in einem Gespräch: "Der Jacobsweg war eine tolle Erfahrung. ...Man hat nichts dabei außer einem Rucksack, kein Handy und pilgert durch die pralle Sonne. Irgendwann liegt alles hinter einem, und man macht sich über die wichtigen Themen im Leben Gedanken. Man braucht ja nicht viel, um glücklich zu sein." Kommentar: Es muss ja nicht immer gleich der Jacobsweg sein und diese Einsicht lässt sich verallgemeinern.
  242. Ein Hausschwein, das im  LKW  in einen anderen Schweinestall gefahren wird wird, würde nie  sagen "Ich bewege mich". 
  243. Bewegungslosigkeit  ist nicht nur ein Merkmal der Erwachsenenwelt, sondern auch Normalität im Kinderleben.
  244. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die Gänge in Gebäuden und in Zügen mit Laufbändern ausgestattet werden, um den Zustand der Bewegungslosigkeit perfekt zu machen.  
  245. Der Fortschritt besteht heute wesentlich darin, dass das Schreiten, also die Schritte durch Maschinen ersetzt wird. Bewegungslosigkeit und gleichmäßige Raumwärme sind die Erfolgsmerkmale von Tiermästereien. Nicht gewollt, aber gleiche Effekte erzeugt der Fortschritt, dessen Motor die Bequemlichkeit ist.  
  246. Eigenbewegung =  Leben; Fremdbewegung = Pseudoleben, Leben als Täuschung.
  247. Intensives Leben entsteht erst, wenn zwei Lebewesen sich begegnen, ja eins werden, sei es im Gespräch, im Augen-blick, im Tanz oder im Spiel mit einem Tier. 
  248. "Heilen" enthält Ganzheit. Deshalb: Bewegt Euch ganzheitlich, mit dem Körper, Herz und Kopf. Zum Körper gehören die Füße.
  249. Ersetzt die Fremdbewegung durch Eigenbewegung. Das heißt:  Brötchen an einem kalten Wintermorgen mit dem Fahrrad holen. Mit dem Rucksack von Wyk auf Föhr nach Oldsum laufen (14 km).  
  250. Muskelveränderungen sind die Folge der Auseinandersetzung mit der jeweiligen Umwelt. Sie bietet das relativ sicherste Wissen von der Umwelt. 
  251. "Wir tasten nicht Oberflächen von einem Ding, sondern wir ertasten das Ding mit seinem Stoff. Das Tasten besteht auch nicht in einem bloßen Handauflegen auf das Ding, sondern es enthält in sich ein Drücken, wenn auch in vorsichtigster Weise, ein Gleiten, ein Greifen, ein Anfassen" (Schapp, W.: In Geschichten verstrickt. Zum Sein von Mensch und Ding).  Diese differenzierte Betrachtungsweise kann man auch auf das Gehen anwenden - und diese Tätigkeit gewinnt an  Wert und Tiefe.
  252. Nach Hegel zeichnet Knechte gegenüber Herren aus, dass sie sich an der Welt zu schaffen machen. Sie setzen sich mit den  Dingen auseinander,  überwinden auch die eigenen Widerstände und  erweitern somit ihre Fähigkeiten und ihr Wissen. Wer sich für die die  Bequemlichkeit entscheidet, auf Eigenbewegung verzichtet, wird weder Herr noch Knecht im obigen Sinne, sondern ein hilfloses Objekt, das immer hilfloser wird.  
  253.  Eine Konditionierung fand nicht statt: Ich kenne  viele Hundehalter, die, als noch ihr Liebling lebte, oft mehrmals am Tag über größere Zeitabstände liefen. Ab dem Moment, als ihr Hund verstarb, stellten sie diese Tätigkeit vollkommen ein und wurden über Nacht zu absoluten Autofahrern.
  254. Die Fähigkeit zur Eigenbewegung bleibt nur bestehen und wird nur gestärkt, wenn sie ständig ausgeübt wird. Je weniger sie ausgeübt wird, desto schwieriger wird es, sie zu aktivieren.
  255. Man vergleiche die Eigenbewegungsanteile: a) Die Fahrt mit dem Bus in die Stadt besteht aus 200 Metern zur Haltestelle gehen, zwei Minuten in der frischen Luft stehen, 300 Meter von der Haltestelle zum Ziel laufen und b) die gleiche Tour mit dem Auto besteht aus vier Metern in die Garage laufen, zehn Meter von der Tiefgarage zum Fahrstuhl und sechs Meter vom Fahrstuhl zum Ziel. Also 5OO Meter gegen 20 Meter. Und das jeden Tag.
  256. Ein gravierender Mangel in der gegenwärtigen Bewegungsdiskussion besteht darin, dass die subjektive Sinnhaftigkeit bei weitem nicht genug berücksichtigt wird. Damit ist gemeint, dass die Eigenbewegung nicht nur um ihrer selbst willen, sondern mit einer Funktion oder  mit einer Aufgabe zusammenfallen sollte, die sich aus der jeweiligen Lebenswelt  ergeben, also mit dem Rad zur Arbeit fahren, zu Fuß zum Einkaufen oder ins Theater gehen (diese Aktivitäten wiederholen sich in diesen Notaten, weil sie aus meiner Praxis entspringen).  Sportliche Bewegungen laufen Gefahr, dass ihre Ziele (u. U. auch der Weg) nicht in sich selbst sinnenvoll  sind, weil  das Ziel  oft zu einer  Zahl geworden ist. Beim Wandern dagegen ist es ein sinnlich wahrzunehmendes Ziel, z. B. eine Stadt. 
  257. Die Macht der der bunten Bilder über uns erklärt sich auch daraus, dass Umwelterfahrungen zunehmend nicht mehr im Modus der Eigenbewegung stattfinden. Die dadurch entstehende Leere wird eben durch diese Bilder ausgefüllt. 
  258. Man mache sich keine Illusionen, auch der Urlaub ohne Eigenbewegung nimmt bildhaften Charakter an. 
  259. Der Verzicht auf Eigenbewegung ist immer ein Verlust. Ein Verzicht ist nur dann gerechtfertigt, wenn die Eigenbewegung die Kräfte wesentlich überfordert, so in der harten Arbeit oder in der Überwindung großer Distanzen. Letztere sollte besser kollektiv durchgeführt werden, damit man am sozialem Potential der Gruppe teilnimmt, also mit dem Zug fährt statt mit dem Auto. 
  260. Holz hacken ist eine elementare sinnvolle Art der Eigenbewegung. Ich vermisse die Kommunikation zwischen Holzstück und mir, und ich vermisse den Geruch des Holzes.
  261. An einem windigen, grauen Dezembertag auf dem Gendarmenweg einen Spaziergang gemacht, der noch heute in seiner Schönheit nachklingt. Der Gendarmenweg befindet sich auf dänischer Seite der Flensburger Förde. Er ist unbefestigt. Von dort sieht man entweder auf das Wasser oder auf Landschaft mit weniger oder mehr verstreuten Häusern, im Hintergrund eine nicht wenig befahrene Autostraße.  Natürlich ist das keine reine Natur, aber man fühlt sich durch und durch  in ihr geborgen. Ein wesentlicher Grund für dieses Gefühl liegt darin, dass der Weg ein Weg ist und  direkt den Formen der jeweiligen Landschaftsteilen folgt und selbst die unterschiedlichsten Formen annimmt: Enger und breiter, trocken und matschig, mit Kräutern unregelmäßig bewachsen, über Stege und kleine Brücken, manchmal direkt am Wasser, manchmal durch einen Buchenwald oder kleinen Siedungen  führt. Die These lautet also: Der Weg ist der Grund, der wesentlich den Gesamteindruck mitbestimmt - man ersetze in Gedanken diesen sich schlängelnden Weg durch eine schnurgerade asphaltierte Straße und man weiß, was in diesem Notat  gemeint ist.  Das moderne Straßensystem ist vielleicht das Grundmodell der Geometrisierung unserer Gedanken und der Welt. 
  262. Der portugiesische Regisseur Manoel de Oliveira wird hundert Jahre alt - und dreht schon wieder. Vor zwei Jahren, nach einem Interview, bestand er darauf, allein durch die frische Winterluft Lissabons nach Hause zu laufen (FAZ v. 11. 12. 08). Dieser Mann weiß um die  Schönheit und Anregungskraft der Eigenbewegung in Alltagswelten. 
  263. Eine Vermutung nach einer Werbewirkungsbefragung : Sport hat eine derartig große Akzeptanz von Seiten der Wirtschaft, weil der Sport  die lukrative Ersetzung durch technische Prozesse nicht nur nicht stört, sondern oft fördert, sei es durch die Beachtung der Trikotwerbung oder durch die Autofahrt zum Fitnesscenter.
  264. Eigenbewegungen im Alltag sind keine Belastung für die Umwelt und nützen dem Mensch zumindest in drei Bereichen:  a) seinem Körper, Seele und Geist und  b) zur Bewältigung von Aufgaben wie Einkaufen, die Arbeitsstätte erreichen, Veranstaltungen besuchen usw. und c) Eigenbewegung kostet nichts (ein Argument, das doch heute verhaltensändernd wirken müsste).
  265. Eine Haupteigenschaft des Lebens ist die Fähigkeit zur  und die Realisierung (!) von Eigenbewegung.
  266. Eigenbewegung ist auch permanentes Training des Willens, denn man muss ständig, also nicht nur am Anfang, Eigenenergie aktivieren und die Entscheidung aufrecht erhalten - bis zum Ziel muss man sich ohne Unterbrechung mit Körper, Seele und Geist  einsetzen.
  267. Die elementare Logik der Freiheit lernt man in der Eigenbewegung - nicht umsonst wird in Gefängnissen die Bewegungsfreiheit eingeschränkt.
  268. Alle Lebewesen wandern durch sinnlichen Welten oder befinden sich in ihnen. So auch der Mensch, aber warum hält er sich so gerne in hässlichen und reizlosen Umwelten auf, d. h. auf Autobahnen, Einkaufszentren und vor den Fernsehschirmen. Es gibt immer mehr Menschen, die sich am Tage nicht eine Minute in natürlichen oder naturnahen Gebieten  aufhalten. Wohlgemerkt, wer mit dem Auto durch einen Wald fährt, hält sich nicht im Wald, sondern im Auto auf.  
  269. "Vita activa" meint zuallererst Eigenbewegung im elementaren Bereich. Hier wäre eine sitzende Lebensweise widersprüchlich.
  270. "Wellness" radikalisiert die Bewegungslosigkeit auf einem hohen ästhetischen und energieaufwendigen Niveau. 
  271. Håndens vœrk er åndens spor ("Der Hände Werk ist des Geistes Spur", eine dänische Redeweise, die ich durch Herrn Prof. Winkler kennengelernt habe).  Von meinem Ansatz aus ist es sinnvoll, "der Hände Werk" durch "Eigenbewegung" zu ersetzen: Jede Eigenbewegung erzeugt ein geistiges und/oder materielles Werk. 

  272. Es gibt innere Eigenbewegungen (Denken, Fühlen, Wahrnehmen) und äußere Eigenbewegungen (Gehen, Fahrradfahren). Beide Bewegungsarten sind immer mehr oder weniger bewusst von einem "Ich bin es, der sich bewegt" begleitet. Über diese "Fähigkeit" verfügt z. B. ein Auto oder Zug nicht.  Das ist ein sehr wichtiger Unterschied.
  273.  Mit dem Zug fahren enthält noch relativ viel Eigenbewegung: Zum Bahnhof und durch ihn laufen, in den Zug einsteigen, im Zug einen Kaffee holen, aussteigen, durch den Zielbahnhof laufen, Menschen aus dem Weg gehen, eine Zeitung kaufen usw. In einem Bahnhof gibt es viel Bewegung, und ich bin ein Teil davon. Das ist schön.
  274. Wer soll sich bewegen? Du selbst! Wer sonst?
  275. Eigenbewegung stärken ist keine Selbstbeschneidung, sondern Selbsthilfe, Stärkung des Ichs.
  276. Im Alltag der Eigenbewegung trauen ist gleichzeitig eine fundamentale  Gegenmaßnahme, sich ständig als Opfer zu betrachten. Ein Opfer ist  nicht in der Lage, sich selbst zu bewegen und zu wehren, als ein Objekt wird es bewegt. So gesehen ist der Autofahrer ein Opfer bzw. macht sich selbst zu einem Opfer. Anders argumentiert: Wer jede Ortsveränderung im Alltag mit dem Auto zurücklegt und jeden Tag durchschnittlich drei Stunden vor dem Fernsehapparat verbringt, bringt sich in eine selbstverschuldete Unmündigkeit.  
  277.  Es geht um Vermehrung von aktiver Bewegung ( = Selbstbewegung) und um Verminderung von passiver Bewegung ( = Fremdbewegung). Nur die Eigenbewegung ist eine echte Bewegung. 
  278. Wenn Gedanken und Gefühle geäußert werden, müssten  a) die dahinter stehenden inneren Prozesse, aber auch b) die noch dahinter liegenden äußeren Bewegungen  in Mimik, Gestik und Körperbewegungen idealiter sichtbar werden. 
  279. Wer lange geht, weiß auf elementarer Ebene viel von Grenzen und vom Maß. Vielleicht zu heutiger Zeit gar nicht so unwesentlich.
  280. Vielleicht ist der Tanz die intensivste Form des Gehens. In dem Dokumentarfilm "Rhythm Is It" kann man viel über die Eigenbewegung im Tanz viel erfahren. 
  281. "Wieder ein paar Schritte gehen, würde mir schon reichen" (eine 43-jährige Frau, die plötzlich gelähmt war und  nun an einen Rollstuhl gefesselt ist).
  282. Gehen und Musik haben sehr viel Ähnlichkeit: Wie ein Musikstück verglichen mit anderen Stücken und in sich einzigartig ist und sich ständig verändert, aber auch wiederholt, so auch das Gehen. Beim Fahrradfahren sind diese Möglichkeiten schon eingeschränkt und erst recht beim Autofahren. Und auch in der Musik wie beim Gehen gibt es anspruchsvollere und weniger anspruchsvolle  Formen. 
  283. Beim Gehen teilt man sich dem Mitmenschen direkt mit, dagegen  beim Autofahren nur indirekt und  hinter Eisen und Glas verborgen - , während die Autoinsassen meinen, mitten in der Welt zu sein. Dass das eine Illusion ist, wird ihnen klar, wenn sie merken, dass nicht sie selbst, sondern nur ihr Auto Reaktionen bei den Menschen außerhalb des Autos hervorrufen.  
  284. Sebastian Kneip sagte: "Wer nicht jeden Tag etwas Zeit für seine Gesundheit aufbringt, muss eines Tages viel Zeit für die Krankheit opfern."  Sich selbst bewegen, aber nicht nur etwas, wäre ein Beitrag für die Gesundheit.
  285. Im Ausdruck "vom Begreifen zum Begriff" kann Begreifen auch durch Gehen ersetzt werden, also "vom Gehen zum Begriff". 
  286. Nach Georg Kerschensteiner wird durch die Arbeit induktiv-praktisch Logik gelernt. Gleiches kann das Gehen für sich beanspruchen.  
  287. In der Eigenbewegung ist auch viel implizites Wissen vorhanden und wird auch gewissermaßen unbemerkt erzeugt.
  288. Solange der Mensch lebt, hat er eine Umwelt. Das ist banal, deswegen kommt alles darauf an, sich in einer guten, d. h. anregenden, gesundheitsfördernden, vielfältigen Umwelt aufzuhalten  und sich möglichst  in Modus der Eigenbewegung zu bewegen.
  289. Bei sportlichen Bewegungen liegt der Fokus auf  dem Sporttreibenden, die jeweilige Umwelt ist uninteressant, man hat an ihr kein Inter- esse (dazwischen sein).  
  290. Keine Erkenntnis ohne ein Subjekt und keine Erkenntnis ohne ein Objekt.  Zum Subjekt gehören Verstand und Vernunft sowie der sich mit Muskeln bewegende Körper, der auch  mit Sinnesorganen ausgestattet ist, die Welt abbilden bzw. dem Verstand und der Vernunft Material zum Bearbeiten anbieten. Alle diese "Teile" konstituieren im Zusammenspiel eine  Erkenntnis. Wird ein Teil nicht aktiviert, z. B. die Muskeln, wird die Erkenntnis reduziert, d. h. beschädigt.
  291. Fähigkeiten kann man nicht kaufen, sie entstehen nur durch innere und äußere Eigenbewegung.
  292. Gehen und ein Leben haben die gleiche lineare Struktur, und man kann nur immer einen (1) Weg gehen.  Übrigens gilt Gleiches für das Schreiben.
  293. Eigenbewegung ist immer auch Einsparung von Fremdenergie. Das wäre in Zeiten steigender Energiepreise auch ein Argument für die Eigenbewegung.
  294. Es gibt eine besondere Stille in Straßen und in Landschaften, die man nur im Gehen erfahren kann.
  295. Einsicht nach einer zwanzigminütigen Fahrradfahrt bei kaltem, aber sonnigem Wetter: Die Bewegungen der Natur, insbesondere  des Windes, vereinen sich mit den durch das Fahrradfahren initiierten Eigenbewegungen zu einer lebensbejahenden Einheit.
  296. Fernsehkonsum ist äußere und innere, also doppelte Bewegungslosigkeit: Man sitzt vor dem Apparat und man ist  kognitiv nahezu  bewegungslos.
  297. Ich suche immer noch nach einem Begriffspaar, das den Dualismus Eigenbewegung versus Fremdbewegung griffiger ausdrückt. Einige Vorschläge: Bewegte Menschen vs. unbewegte Menschen, Bewegte vs. Motorisierte, sich bewegende vs. sitzende Menschen. Hast Du einen besseren Vorschlag? Dann schreibe mir. 
  298. Sportlehrer, die buchstäblich jede Ortsveränderung mit dem Auto durchführen, sind  von der Bewegungsfreude der Schüler her gesehen kein Vorbild - im Gegenteil.
  299. Ich werde mich mit einem Fachmann für Bewegung treffen, um mich mit ihm auszutauschen. Er wohnt in einem dreißig Kilometer von mir entfernten Ort. Wir treffen uns in der Mitte, wohin wir beide mit dem Rad hinfahren.  Das ist eine Alternative im Kleinen. 
  300. Sehr oft spricht  man vom Pilgern statt Wandern. Wie soll man sich das erklären?
  301. Eigenbewegungen werden durch angemessene Strukturen erleichtert und unterstützt: Fahrradwege, verkehrsberuhigte Straßen, Läden, ein Stadtpark im eigenen Stadtviertel gehören dazu.
  302. Aus mir unerfindlichen Gründen scheint die Überzeugung zu bestehen, dass die Ankunft am Arbeitsplatz oder  zu einem gesellschaftlichen Ereignis zu Fuß bzw. mit dem Rad  anstatt mit dem Auto als stigmatisierend betrachtet wird: Wer zu Fuß kommt, fühlt sich metaphorisch gesprochen als nackt und wird auch als nackt angesehen. .
  303. Mein Credo: Ich will mich, wenn irgendwie möglich und zumutbar, selbst bewegen und selbst an meiner  natürlichen, kulturellen und sozialen Umwelt wahrnehmend teilnehmen, Welt nicht im Bilde, sondern so weit wie möglich im Original  begegnen.
  304. Beim Wandern und Spazierengehen ist das Verhältnis zur Umwelt, sei  sie mehr natürlich oder kulturell geprägt, potentiell am innigsten und  intensivsten, was wohl auch daran liegt, dass dieses Verhältnis zweckfrei ist.
  305. Eigenbewegung verleiht Festigkeit.
  306. Wege selbst und was an den Wegen sich befindet und was vom Weg aus sichtbar ist, werden erst im Begehen bemerkt und interessant.  Autostraßen sind in der Regel entleert, was der Autofahrer allerdings nicht als Verlust, sondern als Gewinn einstuft.
  307. Äußere und innere Bewegungen stehen in Wechselverhältnissen. Idealtypisch verabsolutiert ergeben sich drei verschiedene Welten: die des Sportlers, die des Philosophen und die des reflektiert Beobachtenden und Handelnden.
  308. Wissensvermittlung geschieht durch Begriffe und Bilder, dazu werden Verstand und Sinnlichkeit aktiviert. Verstand und Sinnlichkeit sind neuronal gestützte Tätigkeiten. Ob beim Wissenserwerb  muskuläre Tätigkeiten stattfinden oder nicht, spielt hier  keine Rolle.  Der  moderne Mensch, der fast nur sitzt, universalisiert  ein Leben (nahezu) ohne muskuläre Tätigkeit.  Aber muskuläre Tätigkeiten sind wesentlicher Grund für die Entwicklung geistiger Fähigkeiten (Piaget). Wie mag wohl dieser grundlose  Geist in Zukunft aussehen, was vermag er, was eben nicht. Das sollten wir bedenken, bevor wir uns endgültig von den Muskeln verabschieden  bzw. wo sie  in bzw. als hoch bezahlte Spezialleben allein in Sportarenen überleben.
  309. Entweder hat man bisher die Muskeln nur als passive "Helfer" oder als reine Mittler  von Antriebskräften gesehen, aber nicht als notwendige, mitkonstituierende Faktoren im Erkenntnisprozess und in der Persönlichkeitsentwicklung. 
  310. Einen Weg begehen heißt, Teil von ihm werden, heißt Aneignung. Ein  Austausch zwischen materieller Umwelt und  Körper findet immer statt, sicherlich immer auch eine unbewusste Wahrnehmung der Umgebung, während die bewusste Wahrnehmung Offenheit, Gestimmtheit  und Hinwendung verlangen. 
  311. Eigenbewegung aktiviert den lebendigen Grund des Menschen. Wenn dieser still gestellt wird, verringert sich aktives  Potential - übrigens für beides, für gutes oder für schlechtes Tun. Kraft und Lebendigkeit bedürfen  immer einer ethischen Reflexion und einer  eventuellen Korrektur. 
  312. Ist erst einmal der Zustand der  vollständigen Automation erreicht, ist Eigenbewegung (und damit der Mensch im humanistischen Sinne) überflüssig.
  313. Das Fundament der Freiheit ist Bewegungsfreiheit des Körpers.
  314. "Der Appell der Sportlehrer, dass sich die Schulkinder mehr bewegen sollen, ist aus mehreren Gründen nur zu unterstützen.  Als Ursache für den Bewegungsmangel wird die zu lange Aufenthaltsdauer vor den Bildschirmen gesehen.  Das stimmt, ist aber nur die Teilwahrheit. Der empirisch belegbare, direkte  Hauptgrund für den Bewegungsmangel ist die nahezu komplette Ersetzung der Eigenbewegung  im Alltag durch das Auto. Die Erwachsenen sind hier das Gegenteil von Vorbildern. Der Sport ist übrigens  maßlos überfordert, wenn er den durch das Auto verursachten Bewegungsmangel kompensieren soll. Nein, wir müssen endlich  lernen, vernünftig mit dem  Auto umzugehen und das heißt,  mehr zu Fuß oder mit dem Rad zu fahren" (ein Leserbrief zu einem entsprechenden Zeitungsartikel).
  315. Eine Entwicklung: Für Strecken bis zu ca. zehn Kilometer gehe ich zu Fuß oder nehme das Rad ohne innere Zwänge, ja ich freue mich auf diese Touren, längere Strecken fahre ich mit dem Zug, auch darauf freue ich mich. Innere Schwierigkeiten habe ich noch, wenn ich mir  Aufenthalte an Seen, Wälder oder Moore verkneife, weil sie nur mit dem Auto erreichbar sind.
  316. Nach dem Essen gehen wir in unserer unmittelbaren Umgebung spazieren: Wir sehen einen badenden Dompfaff und am Himmel Gänse auf dem Heimflug.
  317. Wenn ich atme, gehe oder  körperlich tätig bin, bin ich zuallererst Seele, wenn ich  mir das vorstelle und bedenke, bin ich Geist. Das heißt, ohne Eigenbewegung keine Erfahrung der eigenen Seele. 
  318. Nach Charlotte Selver sind es vier  Fähigkeiten, die sich der Mensch in der Auseinandersetzung mit der Schwerkraft erobert: Liegen, Sitzen, Stehen und Gehen.  Das Gehen ist also die letzte und höchste Fähigkeit, wobei zu bedenken ist: "Ich gehe nicht nur, jetzt weiß ich auch, was dabei geschieht und in mir vorgeht, ich spüre den Gang, weiß, wie sich das anfühlt."
  319. Nur Lebewesen verfügen über die Fähigkeit der Eigenbewegung. Der Mensch verzichtet zunehmend freiwillig  auf Ortsveränderungen im Modus der Eigenbewegung -  mit entsprechenden negativen Folgen auf ihn und auf seine Umwelt. 
  320. Wenn man Saussures Zeichentheorie auf die Bewegung projiziert, also die Muskeln als Signifikanten und die geistige Anteile  als Signifikate betrachtet,  bekommt man ein tieferes Verständnis von der relativen Eigenständigkeit der Muskeln. 
  321. Es ist schon merkwürdig, ja widersprüchlich, wenn Leute, die im Namen von Verantwortlichkeit  für das eigene Leben und Selbsterhaltung gegen Sozialismus und Sozialstaat argumentieren bzw. polemisieren, aber gleichzeitig dieses Selbsttun auf elementarer Ebene gar nicht mehr denken können bzw. vehement theoretisch und praktisch ablehnen:  Der universelle Einsatz von Motoren und damit die Ersetzung von Eigenbewegung durch Fremdbewegung ist für diese Leute  ein unhinterfragbares Ziel  des Fortschritts, dessen Herz das Automobil ist.  
  322. ich denke, dass das asketische Moment der protestantischen Ethik nur eine Teilwahrheit ist, da sie den anderen Teil, den nach der Arbeit verdienten Genuss,  ablehnt. Apollinische und dionysische Phasen im Wechsel  sind das Geheimnis eines guten Lebens. Wellness ohne vorherige intensive Eigenbewegung  ist eine Ruine des Genusses.
  323. Paradoxe Therapie: Wenn Du wegen einer Sache stark emotionalisiert bist,  laufe mehrere Kilometer, sei es in die Stadt oder in den Wald, und deine Unruhe fällt von Dir. "Paradox" deswegen, weil sowohl in Emotionen als auch in Mobilität das lateinische Verb movere enthalten ist. (Innere) Bewegung wird also mit (äußerer) Bewegung geheilt
  324. In die Stadt hinunterlaufen oder eine Wanderung machen ist auch die Erde liebkosen.
  325. Wissen und Bildung beginnt und gründet auf  Muskel- und Sinnestätigkeiten. 
  326. Eigenbewegung verbraucht zwar auch Energie, ist aber gleichzeitig ein Kraftgenerator. 
  327. Ich behaupte, dass es spezifische Erfahrungen und Zustände gibt, die eine Nähe zu sich selbst erzeugen, die nur in der Eigenbewegung entstehen können. 
  328. Ich fahre mit dem Rad in die Stadt und sehe die Türen eines "Armaturenschranks" der Stadtwerke offen im 'Winde auf- und zugehen. Ich rufe an, damit kein Schaden entsteht. Im Auto hätte ich diesen Zustand nicht gesehen. 
  329. Ich gehe zu Fuß und fahre mit dem Rad. Ich sehe und erlebe vieles.
  330. Aus mehreren Gründen hat es der moderne Mensch schwer, über längere Zeit intensiv bei den Dingen und bei sich zu verbleiben. Wandern hilft, diesen Zustand ein Stück zu überwinden.
  331. Beim Wandern  muss man aufpassen, muss eine Art der funktionalen Neugierde haben, muss die Sinne schärfen, sonst verläuft man sich schnell. 
  332. Wenn in der Eigenbewegung im Bewusstsein das Ziel dominiert, verliert die Eigenbewegung an Wert.  Die Eigenbewegung ist  strukturell in der Gegenwart und in der Nähe.
  333. Zwei Anmerkungen zum Weg: a) Der Weg ermöglicht, einen Ort zu erreichen, an dem man momentan nicht ist.  Lebewesen verfügen über die Fähigkeit der Eigenbewegung, um Ziele zu erreichen, die im weitesten Sinne der Selbsterhaltung dienen:  Lebewesen sind existenziell auf Wege angewiesen.  Der jeweilige Modus der Bewegung bestimmt die Ausprägung des Weges. Wege sind Eingriffe von Lebewesen, insbesondere von Menschen in die Natur - als Feld- und Waldweg oder Gasse gering, als Autobahn umfangreich.  Hier ist zu entscheiden, ob die großen Versionen notwendig und gerechtfertigt sind. Und man kann b)  den Weg auch als eine Aneinanderreihung von Standpunkten (hier wortwörtlich) verstehen, der ständig neue Ausblicke auf die jeweilige Umwelt erlaubt. Wer auf dem Weg ist, verändert ständig seine Wahrnehmungen - bewusst oder unbewusst. Geht er zu Fuß oder fährt mit dem Rad sind die Wahrnehmungsmöglichkeiten qualitativ und quantitativ ungleich größer, als wenn man  mit dem Auto, Zug oder Flugzeug Im Modus der Fremdbewegung transportiert wird. Der Weg ist grundsätzlich also nicht nur ein Mittel, um räumliche Ziele zu erreichen, sondern auch eine Möglichkeit,  Erfahrungen  (auch im Alltag) zu machen.  Aber diese Möglichkeit wird zunehmend weniger in Anspruch genommen. 
  334. Ein bekannter Vertrieb von Kaffee bietet auch "außergewöhnliche Rad- und Wandererlebnisreisen" an.  Ich frage mich, warum diese Touren "außergewöhnlich" und so entfernt von uns sein müssen, nämlich von Sizilien bis China. Und ich frage mich weiter, ob diese Angebote dem Wandern mehr nützen oder schaden. 
  335. Die Eigenbewegung ist in dem Sinne ganzheitlich, weil sie das Phänomen ungeschieden in seinen essenziellen (allgemeinen) und akzidenziellen (besonderen)  erfasst. Aus dieser Ganzheitlichkeit können dann die allgemeinen Begriffe herausgefiltert werden.
  336. Breite und Zustand der Bürgersteige sagt etwas über die Stadt und über die physische und  psychische Gesundheit seiner Bürger aus.
  337. Bei mir stellt sich erst dann ein durchgehendes Wanderfeeling ein, wenn  wir mit leichtem Gepäck von Ort zu Ort wandern - und seien es nur einige Tage.
  338. In der Eigenbewegung bin ich real  mit allen Sinnen und allen Muskeln im Wald, in der Stadt, am See, was aber nicht heißt, dass der jeweilige Wald, Stadt oder See vollkommen in meinem Bewusstsein vorhanden ist. Das hängt ganz von meiner seelischen und geistigen Offenheit und Ausgerichtetsein ab. Die jeweilige Umwelt wirkt immer, auch wenn ich es nicht bemerke.
  339. Zumindest die materielle Welt wird allein über die Sinne vermittelt, wobei der Lagesinn, Kraftsinn und Bewegungssinn (kinästhetischer Sinn) im Erkenntnisprozess eigentlich die größte Bedeutung haben sollten, weil sie mit Abstand am wenigstens täuschungsanfällig sind. Zwar kommen die Informationen  zuallererst aus dem Körper, aber sie sind  das Ergebnis von körperlichen Auseinandersetzungen mit der äußeren  materiellen Umwelt.  Die Umwelt wird direkt in dem  sich bewegenden Körper abgebildet: Eigenbewegung vermittelt in der tiefstmöglichen Bedeutung  materielle Wirklichkeit.
  340. Aus der hier vertretenen Sicht ist die Eigenbewegung das Fundamentum der Begegnung mit  der jeweiligen Umwelt. Im Modus der Eigenbewegung werden Mensch und Umwelt  im Idealfall mit allen Sinnen und Muskeln  vermittelt. Sinne und Muskeln sind nie reine Sinne und reine Muskeln, sondern immer bereits von Geistigem in Form von Wissen, Können, Wünschen, Wollen durchdrungen, die wiederum von den durchgeführten Eigenbewegungen beeinflusst, ja neu entstehen können. Fazit: Ein Leben ohne Eigenbewegung ist ein reduziertes.  Und: von Motoren angetriebene Bewegungen sind keine Eigenbewegungen des Menschen, sondern Verhinderung seiner Eigenbewegung.
  341. Wer geht, respektiert  den Untergrund und kommuniziert mit ihm, wer fährt, ignoriert ihn und sorgt dafür, dass er im Zustand der Zerstörung verbleibt.
  342. Er hat während der olympischen Spiele zu lange  vor dem Fernsehapparat gesessen, so dass er jetzt heftige Rückenprobleme bekommen hat. Wäre er doch nur selbst ein Stück gelaufen.
  343. Es gilt, es zur Selbstverständlichkeit, zur Gewohnheit  werden zu lassen,  Strecken unter vier Kilometer "ohne inneren Dialog", gewissermaßen automatisiert, zu Fuß oder mit dem Rad, also im Modus der Eigenbewegung zurückzulegen.  Nach einer Zeit wird diese Art der Fortbewegung zu einer Quelle der Lebensqualität.
  344. Zwischen zwanzig Kilometer pro Tag Laufen, um den Energiebedarf der Sippe zu decken,   und durchgängig sitzender Lebensweise, sei es auf dem Autositz, Schreibtischstuhl oder Wohnsofa, gibt es eine dritte Position: fünf Kilometer zu  Fuß in der Alltagswelt zurücklegen (oder in Analogie dazu mit dem Rad).
  345. Innere und äußere Eigenbewegungen bilden eine Einheit, die je nach Tätigkeit verschieden akzentuiert ist.  Eigenbewegungen sind anspruchsvoller als Fremdbewegungen. Es gibt Anzeichen, dass die Eigenbewegung eine Renaissance erlebt, sei es als Akzentuierung Wandern oder als Akzentuierung anspruchsvoller, geistiger  Bildung.  Die populistische Forderung eines politischen Beamten aus meiner Region,  auf den Bau einige Radwege zugunsten von Investitionen in  Bildungseinrichtungen  zu verzichten, verkennt vollkommen diesen Zusammenhang.  
  346. Ein zehnjähriger Junge quält sich offensichtlich mit dem Rad, ohne abzusteigen,  den Berg hinaufzufahren und schafft es. Das war nicht umsonst. 
  347. Wenn das Rad erst einmal ganz selbstverständlich auf den alltäglichen Kurzstrecken genutzt wird, fühlt man sich fitter und wohler - und will auf diese Fahrten kaum noch verzichten" (aus einer Fahrradzeitung des ADFC). Das ist genau meine Erfahrung: Man muss aus seiner Eigenbewegung eine Gewohnheit machen. Seit Jahren gehe ich Strecken unter vier Kilometer prinzipiell zu Fuß und fahre mit dem Rad. Nicht für Geld würde ich in ein Auto steigen.
  348. In der technologisch geprägten Konsumwelt ist die Eigenbewegung das Fremde. Nur in der Form des Sports ist sie anerkannt. Das hängt sicherlich damit zusammen, dass der Sport für Betreiber und Verwender große finanzielle Möglichkeiten bietet.  
  349. In der Philosophie wird Eigenbewegung oft als ein Existenzial bestimmt. Was passiert, wenn dieses Existenzial nicht mehr existiert?
  350. Eigenbewegung und "wirkliche" Wirklichkeit bilden eine untrennbare Einheit.
  351. In der lebendigen Natur bewegt sich alles. In der Eigenbewegung befinde ich mich zumindest körperlich in einem Naturzustand. Die Chance, dass Seele und Geist folgen, ist groß. 
  352. Der große Einwand: Er wurde 1911 geboren. Seine Kindheit und frühe Jugend verlebte er tobend, spielend, mit vielen anderen Kindern zusammen in einem beschaulichen Dorf.  Er sah alles und hat sich vieles von den Erwachsenen abgeschaut, denn nahezu alles war sichtbar. Eine ideale Kindheit? Oder waren da doch Verrenkungen und Schmerzen? Jedenfalls wurde er bereits in frühen Jahren Nazi.
  353. In der Eigenbewegung bin ich in der Endlichkeit, in der Begrenzung, darüber kann ich  mich  hier nicht täuschen.
  354. Eigenbewegung stärkt im doppelten Sinn das Selbstbewusstsein: Einmal "Das kann ich wirklich selbst, das kann mir keiner nehmen, da bin ich zufrieden mit mir", andererseits kenne ich dadurch meine Möglichkeiten und meine Grenzen.
  355. In technologischen Lebenswelten (ist das überhaupt noch eine Lebenswelt?) ist die Eigenbewegung in weiten Bevölkerungskreisen nur noch in  Form sportlicher Bewegung  anerkannt. 
  356. Bewegungen im Alltag ist ein realer Beitrag zur Nachhaltigkeit.
  357. Natürlich kann der Mensch nicht 16 Stunden am Tage auf den Füßen stehen, was auch ungesund wäre, er kann aber (und tut es immer häufiger)  16 Stunden am Tage sitzen, was übrigens auch ungesund ist.
  358. Auf dem Europäischen Kardiologenkongress in München fordern die Mediziner, die Bewegung in den Alltag zu integrieren, und empfehlen Treppensteigen statt Fahrstuhlfahren. Die naheliegende Aufforderung, zu Fuß gehen statt Autofahren, steht offensichtlich unter einem Tabu. 
  359. Seit einem Monat haben wir einen Handrasenmäher. Es dauert zwar etwas länger, aber es bringt schlicht Spaß: Kein Krach, kein Gestank, dafür die Schönheit der körperlichen Bewegung.
  360. Eine neue Situation  entsteht wesentlich nur durch die Eigenbewegung. "Wesentlich" deshalb, weil Körper und Geist aktiv sind. 
  361. Der Weeeeeeeg ist das Ziel. Die Länge des Wortes soll die entscheidende Bedeutung des Weges  spiegeln. 
  362. Die Insel Porquerolle vor Toulon ist be-wegt, nicht be-straßt, d. h. viele nur zu Fuß begehbare bzw. mit dem Rad befahrbare schmale Wege durchziehen die Insel. Deshalb sieht man nur aktive Menschen, sie suchen eben nicht die absolute Bequemlichkeit - und das ist gerade kein Verlust an Lebensqualität. Es geht also. 
  363. Innere und äußere Bewegungen kann man trennen, aber intensiv und effektiv sind sie meistens als eine Einheit. Sie befruchten und "helfen" sich dann gegenseitig.
  364. Du gehst zu Fuß und siehst von Gesamtlandschaft wenig, fährst du  Auto,  siehst du real gar nichts. 
  365. Man kann nur denken und fühlen, was man ist. Ein Leben im  Modus der Eigenbewegung oder im Modus der Fremdbewegung zeitigt zwei verschiedene Bewusstseine, so auch zwei verschiedene Bedürfnisstrukturen oder zwei verschiedene Problemlösungsstrategien. 
  366. In der Eigenbewegung kann man von der jeweiligen Umwelt viel explizit und implizit erfahren (man ist in der Welt), im Modus der Fremdbewegung erfährt man sehr wenig, es sei denn die  Erfahrung, dass man nichts lernt. Übrigens war es ein folgenschwerer Fehler der sprachlichen Entwicklung, die Ortsveränderung mit dem Auto als Fahren zu bezeichnen, ursprünglich war das Fahren ja ein Gehen (fahrende Studenten). Wenn diese ursprüngliche Bedeutung nicht wieder durchgesetzt werden kann, sollte man zumindest den Begriff "erfahren" durch  "er-gehen" ersetzen.
  367. Wenn man mit der Phänomenologie der Meinung ist, dass der unhinterfragbare und nicht analysierbare Anfang aller Erkenntnis das Phänomen und damit auch die Wahrnehmung ist, dann bekommt die Eigenbewegung auch entscheidenden erkenntnistheoretischen Wert. Warum? Weil das Phänomen erst in der Bewegung entsteht, nicht aus der Position der Statik. Zwar werden auch Phänomene in der Fremdbewegung  (z. B. während der Autofahrt) erzeugt, aber sie sind grundsätzlich von niederer Qualität.
  368. Der lebendige Körper und der lebendige Geist  bilden mit der Eigenbewegung eine untrennbare Einheit.  Fremdbewegung ist kein essentieller Teil des lebendigen Körpers und des lebendigen Geistes.
  369. In der Eigenbewegung  bin ich aus mir heraus selbst: Die aus dem sich bewegenden Leib aufsteigende Freude, Anstrengung,  Schmerz, Hinwendungen, aber auch Widerstände sind keine Täuschungen oder Ideologien.
  370. Nur der sich innerlich und äußerlich bewegende Körper hat Ausstrahlung, der Körper ist dann Leib.
  371. Ahme nicht den Zustand einer Leiche nach, indem Du Dich ständig bewegungslos transportieren läßt oder auf dem Stuhl vor irgendwelchen Geräten sitzt. Auch noch so teure Outfits  und Autos können nicht lange den Zustand des körperlichen und geistigen Verfalls kaschieren. Nein, Ausstrahlung, Wachstum, Fülle, Freude, Zufriedenheit entstehen nur in der Eigenbewegung. 
  372. Ich wußte nicht genau, was "Dinkel" ist, wollte es aber seit einer Woche wissen. Heute morgen habe ich mich endlich im Lexikon  informiert, d. h. ich mußte in Bewegung kommen, nämlich meine  Neugierde zu einem Entschluß formen und diesen umsetzen. Diese Aktivitäten bestehen alle aus inneren und äußeren Eigenbewegungen, die nur ICH, also kein Stellvertreter durchführen kann.
  373. Natürlich ist jede Eigenbewegung eine Einschränkung in Raum und Zeit. Geht man aber davon aus, dass jegliche Form von Leben und Erkenntnis überhaupt erst durch Grenzen, Ein- und Beschränkungen ermöglich wird, dann gewinnt Eigenbewegung einen unbestreitbaren Eigenwert. Um hier gleich einem berechtigten Einwand entgegenzutreten: Konkrete Grenzen dürfen  nur auf Zeit gelten, denn es ist ein Merkmal des Lebens, Grenzen zu verschieben. Insbesondere beim Gehen gibt es prinzipiell keine objektiven festen Grenzen, sondern hier sind sie ständig Setzungen des Gehenden. 
  374. Man muss wohl dem Konsummenschen die Schönheit der Eigenbewegung und der Naturbegegnung mit den Wörtern der Werbung wie "Schnäppchen", "Sonderangebot"  oder " kostenlos" schmackhaft machen, denn nur noch so sind sie ansprechbar.
  375. "Tankst du noch? Oder fährst du schon" oder "Ride against Global Warming - Mehr Fahrrad, weniger C02" (Initiativen vom ADFC  zusammengestellt).
  376. Der menschliche Leib ist die absolute Bedingung, mit der Welt in Kontakt zu treten. Aber der Leib ist immer ein sich bewegender, auch wenn das nicht immer explizit gesagt wird: Es gibt keinen bewegungslosen Leib. Das Transportiertwerden ist ein Hin zur Bewegungslosigkeit. 
  377. Körperliche und geistige Bewegungen bedingen einander.
  378. Es gibt eine Phase, in der man den Muskeln mißtrauen sollte, nämlich vor einer anstrengenden Tour im Modus der Eigenbewegung, sei es zu Fuß oder mit dem Rad. Fragt man sie nämlich, ob sie dazu Lust haben, antworten sie oft negativ, allerdings nach der Tour befragt, fällt die Antwort immer (!) positiv aus. Auch scheinen die Muskeln ihre Meinung zu ändern: Wenn ich jetzt - ganz im Gegensatz zu früher - ins Auto steige,  stöhnen und murren sie, weil ich ihnen nichts zutraue; ja sie sprechen sogar von Vergewaltigung. 
  379. Nur Subjekte sind zur Eigen- bzw. Selbstbewegung fähig.  Wer seine Subjekthaftigkeit bejaht, minimiert sein Bewegtwerden.  Abwesenheit von Selbstbewegung = Verlust des Subjektseins und damit unter fremder Kontrolle stehend. 
  380. Bezüglich der Eigenbewegung liegt heute eindeutig eine Unterforderung vor.
  381. Es lässt sich doch etwas bewegen in Richtung Selbstbewegung: Das Pariser Leihfahrrad "Velib" ist ein voller Erfolg. Etwa 3,6 Millionen Nutzer haben die robusten grauen Leihfahrräder per Tageskarte ausgeliehen, 200 000 Nutzer haben ein Jahres-Abonnement.
  382. "Spaß an der Bewegung ist Lebensfreude" (Reinhard Husen, Organisator des OstseeMan).
  383. Eigenbewegung ist eine Form des Dichtens: Subjektivität, Zweckfreiheit, Verdichtung der Gefühle und oft des Denkens wären einige Gemeinsamkeiten.
  384. Eine Situation ist eine Sinn-Konstruktion eines Subjekts, die von anderen Subjekten geteilt werden kann: Bestimmte äußere Elemente werden zu einer Sinneinheit integriert.  Ein Stadtviertel wäre beispielsweise eine Sinneinheit, wenn sie denn durch Eigenbewegung erschlossen und durch mannigfache Geschichten geistig fundiert wäre. Die bloße Straßenkarte und  das bloße Durchfahren schaffen noch keine Situation im lebendigen Sinn. 
  385. Vita activa heißt auch - und vielleicht zuallererst - Eigenbewegung.
  386. Ich denke, dass man jedes Wollen auch als eine  Sucht auffassen kann, so dass man eine niedere Sucht wie Autofahren nur durch  eine höhere, weiterbringende, stärkere  Sucht wie Eigenbewegung  zum Verschwinden bringen kann.
  387. "Energiesparen wird zur Pflicht" (Überschrift eines Zeitungsartikels): Eigenbewegung im Alltag wäre dazu ein Beitrag.
  388. Der Unterschied zwischen Gehen und Auto fahren verhält sich wie Struktur/Ziel zu Nuance/Vielfalt: ".....die Dinge sind, wie wir wissen, technisiert, rationalisiert, und das Besondere findet sich heute nur noch in den Nuancen" (Walter Benjamin nach Roland Barthes, Die Vorbereitung des Romans 2008, S. 93)). Und an gleicher  Stelle  Barthes selbst: "Die Nuance wird von  der heutigen Herdenzivilisation zensiert, verdrängt. Man kann sagen, dass sich die Medienzivilisation durch die (aggressive) Ablehnung aller Zwischentöne (nuances) definieren lässt."  Auch deswegen hat es die Eigenbewegung so schwer. 
  389. Um was geht es konkret? Dazu noch einmal Roland  Barthes: "Den morgendlichen Gang (zum Krämer, zum Bäcker, während das Dorf noch fast menschenleer ist) würde ich um nichts in der Welt  versäumen."  Eigenbewegung  ist gelebte Poesie. Erklärender Zusatz: Wenn hier von dem Besonderen gesprochen wird, sind damit  Eigenschaften von  primär alltäglichen Dingen gemeint, also nicht im Sinne von einmalig oder selten, Knappheit,  Event, ausgefallen, inszenierte Herausstellung usw. 
  390. "Von der eigenen Haustür (!,bm)  losgehen" ist das Motto einer Pilgerfahrt durch Schleswig-Holstein.  
  391. "Erst die Fußgänger verwandeln die von der Stadtplanung  als Ort definierte Straße in einen Raum" (aus einem kritischen Artikel zum Auto).
  392. Flensburgs Fußgängerstraße ist sehr schön neu gestaltet worden. Es  ist ein Genuß, in ihr einzukaufen. Wer noch ein Rest an Ästhetik in sich hat und noch ein Gespür für das besitzt, was man gemeinhin als Urbanität bezeichnet, müßte eigentlich jedes Motiv verloren haben,  in Zukunft die sterilen Einkaufzentren auf der grünen Wiese zu frequentieren.
  393. Die erneute Hinwendung in der Erkenntnistheorie und in der Literatur zum Subjekt entspricht der körperlichen Hinwendung zur Eigenbewegung. Auf eine Formel gebracht: Eigenbewegung ist die Rückgewinnung von Subjektivität. Autofahren wäre aus dieser Perspektive eine objektivierte Form der Fortbewegung, d. h. eine Fortbewegung, in der das Subjekt bis auf die Zielbestimmung keine konstituierende Funktion hat. 
  394. In dem Konzept der Eigenbewegung geht es um  das Selbstmachen  in dem Sinne, wie kleine Kinder es von den Eltern verlangen: "selber machen".  Heute hat die Technik die Eigenbewegung weitgehend ersetzt. 
  395. Ich fahre nicht selbst, sondern mein Auto fährt selbst. Aber ich selbst gehe. Vielleicht sind  das Gehen und das Radfahren  die zwei letzten Domänen der Selbstbestimmung.  Das Denken kann, muss aber nicht autonom sein.
  396. Es muss in Analogie zum Schauen Goethes auch eine spezifische, nichtintentionale Form  der Eigenbewegung geben. Eine Bewegung, die nicht vom Wollen des Subjekts, sondern von der Situation geleitet wird, um sie zu vernehmen.
  397. Aus der Eigenbewegung ist der menschliche Geist entstanden und wird von ihr ständig gespeist - wenn man sich überhaupt noch selbst bewegt.
  398. Gehen und mit dem Rad fahren verursachen keinen Lärm - übrigens auch Lesen nicht. 
  399. Eigenbewegung (in Grenzen natürlich) macht den Menschen nicht nur zufrieden, sondern auch schön (wobei diese Art von Schönheit nicht unbedingt die eins Models sein muss, sondern von anderer Art ist).
  400. Vieles, was man kauft, ist lebenswichtig, aber inzwischen kauft man vieles, was eigentlich nicht kaufbar ist, sondern nur durch eigenes Tun angeeignet werden kann. So kann beispielsweise Eigenbewegung nicht gekauft werden. Selbst die frechste und das Blaue vom Himmel versprechende Werbung hat sich bisher noch nicht erdreist, Eigenbewegung als Ware anzubieten. Übrigens ist Bildung auch nicht kaufbar.
  401. In Kultur stecken etymologisch  Landbau und  Pflege des Körpers und Geistes, also aktive Prozesse und nicht auf Knöpfe drücken oder ins Auto steigen.
  402. Zukunft für die  Menschen  und für die Erde ist nur dann möglich, wenn wir eine Kultur der Eigenbewegung entwickeln.
  403. Eigenbewegung gibt Festigkeit.
  404. Die Attraktivität des habituellen Fernsehens und Autofahrens besteht  neben der geistigen Anspruchslosigkeit auch darin, dass  diesen Tätigkeiten nahezu ohne muskuläre Betätigungen auskommen.
  405. Bei langandauerndem Gehen oder Fahrradfahren lernt man, mit Momenten der Schwäche umzugehen und eintretende Faulheit relativ leicht zu überwinden, so dass ein Transfer auf andere Situationen (oft, aber nicht immer) stattfindet.
  406. Beim Gehen entsteht die möglichst tiefste und intensivste  Aneignung der jeweiligen Umwelt. 
  407. Es kann gar nicht deutlich genug betont werden: Die Muskeln sind notwendig, aber nicht hinreichend für Eigenbewegung. Die Eigenbewegung reicht weit in die geistige Sphäre hinein. Wenn in den hier vorliegenden Gedanken sehr häufig, ja überproportional  die Muskeln thematisiert werden, dann allein nur deswegen, weil sie in der Praxis und Theorie  der Eigenbewegung als Einheit von Geist und Muskeln stark vernachlässigt werden. Die einseitige Konzentration auf die Muskeln lehne ich ab. 
  408. Spiegelneuronen sind Nervenzellen, die beim Betrachten eines Vorgangs innere Prozesse auslösen, der denen entsprechen, die aktiviert werden, wenn dieser Vorgang real abliefe. Die Spiegelneuronen   scheinen eine bedeutende Rolle für das Erlernen von Bewegungsabläufen zu spielen. d. h. Vorbilder werden wichtig und unverzichtbar. Die überwiegend sitzenden Erwachsenen sind ein schlechtes Vorbild.
  409. Mehrere Tage Wandern mit wenig Gepäck lehrt auch, zwischen wahren und falschen bzw. notwendigen und überflüssigen Bedürfnissen zu unterscheiden.
  410. "Den Körper vermittels einer rhythmischen Formel zu erregen oder zu beruhigen heißt, ihn in eine Natur einzubetten, ihn zu versöhnen, seine Abgetrenntheit aufzuheben, ihn zu ent-entwöhnen" (Roland Barthes). Das ist hier auf Literatur gemünzt, gilt aber gleichermaßen für längere Perioden der Eigenbewegung wie des Wanderns. Es dauert, bis diese "Internalisierung des Rhythmus" sich ereignet.
  411. Intensive und länger andauernde Eigenbewegung ist zumindest die beste Körpertherapie.
  412. In der Regel, soweit mir bekannt, thematisieren Körpertherapien von Carl Rogers bis Eugene Gendlin primär körperliche Beschwerden, hinter denen  unerkannte belastende Gefühle und seelische Blockaden stehen. Aber auch kann meiner Erfahrung nach schlicht Bewegungslosigkeit  die Ursache sein.  Wie auch immer, ich denke, dass es an der Zeit ist, sich nicht nur den  negativen, sondern auch den positiven Körpergefühlen zuzuwenden: Warum diese Leichtigkeit beim Laufen, warum so ruhig und tief atmen, warum sich im Sinne Nietzsches so behände fühlen, woher die Sicherheit, mit diesem Weg eine Einheit zu sein?
  413. "Das Wichtigste ist der Weg (Tao), das Fortschreiten auf dem Weg, nicht das, was man am Ende findet."  Wie kann man das bloß den habituellen Autofahrern plausibel machen?
  414. Der Strukturalismus hat die Einheit von Subjekt und Objekt auseinandergerissen und die so gewonnenen Objekte allein zum Gegenstand der Erkenntnisgewinnung gemacht. So wenn man beispielsweise die Wörter (die materiellen Zeichen) eines Textes alphabetisch. unabhängig von den Bedeutungen des Textautoren, neu ordnet.  Dazu schreibt Roland Barthes, einer der Väter des Strukturalismus, in seiner letzten Arbeit "Lieber die Trugbilder der Subjektivität als der Schwindel der Objektivität". Statt Subjektivität und Objektivität könnte man auch Eigenbewegung und Fremdbewegung einsetzen. 
  415. Durch intensive Eigenbewegung wird der Willen nachhaltig gestärkt, der auch in der geistigen Arbeit wirksam werden kann. Es bestehen also Transfermöglichkeiten.
  416. Ich schlage folgendes kleines Eigenexperiment vor: Du fährst den ganzen Auto, oder Du fährst den ganzen Tag mit dem Rad bzw. wanderst.  Am Abend bist Du in beiden Situationen total müde. Aber es sind zwei verschiedene Arten von Müdigkeiten, eine ausgelaugte und eine, die das Wissen um zukünftige Stärke enthält.
  417. Schlappheit, Bequemlichkeit und Fettleibigkeit sind bekanntlich nicht nur ein Problem von Kindern und Jugendlichen, sondern auch von Erwachsenen. Abhilfe von diesem Notstand durch Sport zu erhoffen, hat sich in der Vergangenheit nicht erfüllt und wird es auch nicht in der Zukunft.  Der Schwerpunkt der Gegenmaßnahmen kann und muss in der Eigenbewegung in Alltagswelten liegen, der Sport kann dabei flankierend in dem einen oder anderen Fall hilfreich sein, mehr nicht.
  418. Angesichts der hohen technologischen Ausstattung der Privathaushalte und der Arbeitsstätten wird es Zeit, dass zumindest achtzig Prozent der Bürger das Wort "Bequemlichkeit" als Handlungsbegründung aus ihrem Wortschatz streichen. Bequemlichkeit wird zunehmend kontraproduktiv.
  419. Jeder Akt des Willens ist nach Schopenhauer unaufhebbar auch eine Bewegung des Leibes. Was ist, wenn der Leib sich nicht bewegen kann, weil er wie im Auto gefesselt wird?
  420. Ich hatte drei relativ leichte Operationen hinter mir, war danach trotz Gegenmaßnahmen körperlich geschwächt und vor allem verunsichert. Sind nun eine Woche von Ort zu Ort jeden Tag etwas über zwanzig Kilometer gewandert. Es entstand eine partielle Einheit von Mensch und Natur in der Bewegung.  Das hat geholfen. 
  421. Die  Fortbewegungsmittel der Stadt sind Fuß und Rad, gegebenenfalls öffentliche Verkehrsmittel. Das Auto zerstört die Stadt. 
  422. Vielleicht vermittelt  intensive Eigenbewegung das tiefste und sicherste Gefühl und Wissen von sich selbst.
  423. Es geht um ein sinnvolles Verhältnis von Eigenbewegung und (technischer) Fremdbewegung.
  424. Die muskuläre und geistige Antiquiertheit des Menschen ist mit der Zerstörung der Erde direkt kausal verknüpft.
  425. In Zeiten hoher Ölpreise sollte man lieber Kräfte und Energien statt in sportliche Aktivitäten sinnvoller in Alltagsbewegungen investieren.
  426. Der Mensch ist die Summe seines Handelns (eine Form des Handelns ist die Eigenbewegung).  Man kann übrigens nicht nicht handeln, d. h. solange ein Mensch lebt, handelt er. Deshalb kommt alles auf die Qualität (und Quantität) des Handelns an, so, ob der Mensch ständig Auto fährt, vor dem Fernsehapparat sitzt, im Garten arbeitet, Kataloge wälzt, schwierige Texte liest, anderen Menschen  hilft, ......, all das macht den Unterschied aus. Zusammengefasst: Der Mensch schafft sich selbst. Zu dieser Selbstschaffung gehören auch, negative Bestimmungen und Einflüsse so weit es geht abzuwehren.
  427. Eigenbewegung ist  nicht ein abgeschlossenes Anfangsstadium oder einmaliger Anstoß, sondern sie muss ständig da sein, so dass sie zu einem Grund wird, der ständig auf den ganzen Menschen wirkt. Eigenbewegung ist ein Lebensprinzip, sie zu vernachlässigen heißt, das Leben beschädigen.
  428. Die Rückbesinnung auf Eigenbewegung ist auch eine Revolte gegen die gewaltsame Reduzierung der Welt und des Menschen auf ein vermeintlich rein Vernünftiges. Es geht um "die Wiederherstellung der dreifach-einheitlichen Welterschlossenheit aufgrund unseres noetisch-pragmatischen, poetisch-mythischen, numinos-religiösen Existierens  im ´Angang` der Dinge und Begebenheiten" (Wolfgang Janke).  Es geht um das menschliche Wohnen auf dieser Erde.  So gesehen ist Eigenbewegung i. e. S. notwendige, wenn auch nicht hinreichende Bedingung für Überschreitungen. 
  429. Ein Ehepaar in mittleren Jahren erzählen wir in  einer Pension beim Frühstück, dass wir eine mehrtägige Wanderung von Ort zu Ort  machen. "Das stelle ich mir toll vor, aber das könnte ich nicht", bemerkt die Ehefrau, und er nickt zustimmend.  Welche innere Schere wirkt in ihren Köpfen und wer hat sie implantiert?
  430. Frühmorgens ruhig im Garten stehen oder mit dem Rad durch Schrebergärten zur Arbeit fahren - nur so finden Naturbegegnungen statt. Wer sich stattdessen ins Auto setzt, um eine kurze Strecke zu fahren, verzichtet auf Naturbegegnung und auf die Begegnung mit seiner eigenen Natur, er wird zu einem isolierten Objekt. 
  431. "Spazierengehen ist die einzig angemessene Fortbewegungsart, um eine Stadt zu erkunden. Besonders schön ist es auf der ´Traversee de Paris` - zwanzig Kilometer quer durch Frankreichs Hauptstadt" (FAZ v. 15. 5. 08).  Eine solche Route (oder mehrere)  mit entsprechenden Kennzeichen  müßte es in jeder Stadt geben, die sich auf Vieles  in ihren Mauern einbildet.
  432. Auf Eigenbewegung zu verzichten, heißt Aufgabe von Subjektsein und Autonomie.
  433. Beziehungen entstehen durch Handeln im weitesten Sinne. Oft liegen Handlungen, die eine bestimmte Beziehung konstituieren, in der Vergangenheit  und werden nicht erinnert, was zeigt, dass die Entstehungen von Beziehungen (oft) der Zeit bedürfen.
  434. Nur in der Eigenbewegung entstehen substanzielle Beziehungen zu den Dingen der Umwelt, die Gegenstände der Liebe, der Sorge und der Verantwortung  werden (können). Beziehungen  entstehen sofort, oft aber müssen sie sich in der Zeit erst entwickeln. 
  435. Die Dinge der Umwelt bilden ein Gedächtnis-System, aber nur wenn sie im Modus der Eigenbewegung "erfahren" werden. Autos und Fernsehen schaffen Gedächtnissysteme, die nichts oder sehr wenig mit der Wirklichkeit zu tun haben
  436. Mimesis lebt von der Voraussetzung, daß die jeweilige Wirklichkeit zweifellos so ist, wie sie erscheint.  Auch in der Eigenbewegung lebt man in einer solchen Wirklichkeit.
  437. Die Wechselwirkung zwischen Muskeln und Geist muss ständig stattfinden.
  438. Wenn ich mich zu Fuß oder mit dem Fahrrad in öffentlichen Räumen bewege, bin ich ein wirkender Teil dieses Raumes, leiste einen Beitrag zu seiner Lebendigkeit.
  439. Das Konzept des "Shared space"  eröffnet für Fußgänger und Fahrradfahrer vielleicht die Chance, strukturell tatsächlich gleichberechtigt zu werden.
  440. Eigenbewegung ist der Anfang und die stetige Kreativitäts- und Kraftquelle aller Kultur. Das gilt für die Individualentwicklung (Ontogenese) als auch für die Gattungsentwicklung (Phylogenese). Daraus folgt, dass eine (eigen-)bewegungslose Kultur keine lebendige Kultur sein kann.
  441. Ich fahre morgens um Sechs mit dem Fahrrad  zum vier Kilometer entfernten Krankenhaus, um mich einer Operation zu unterziehen. Die Angst ist fast verschwunden.
  442. Aus einer Rückantwort: "Wir danken für die interessanten Gedanken über "Muskuläre Tätigkeiten ...". Das ist für mich eine neue, aber einleuchtende Sicht der Fortbewegung zu Fuß und per Fahrrad. Ich betrachtete die Mobilität bisher hauptsächlich von der Umweltbelastung her. Das führt zu Forderungen nach mehr Effizienz und Suffizienz. Das letztere hat einen negativen Anstrich, weil es mit Verzicht verbunden ist. Deine Ueberlegungen zeigen, dass man einer teilweisen Abkehr von der "Technik" zugunsten des menschlichen "Könnens" erstaunlich viele positive Seiten abgewinnen kann. Begriffe wie die "2000 Watt-Gesellschaft" oder die Verringerung des Ressourcen-Verbrauchs, wie es das Konzept des ökologischen Fußabdrucks nahelegt, erscheinen dann weniger einschränkend, was ja für deren Akzeptanz sehr erwünscht wäre."
  443. Zwei Kulturen: Der erste schöne Frühlingstag. Wir sind mit dem Rad ins Angeliter Land gefahren, der Freund hat seinen Wohnwagen aus dem Winterquartier geholt. 
  444. In den sich bewegenden Muskeln bilden die Muskeln die materielle, die Bewegung die geistige Dimension. Beide bilden eine untrennbare Einheit. 
  445. Stehenbleiben, zurückblicken, sich hochrecken oder sich bücken - diese Weltzuwendungen sind nur im Modus der Eigenbewegung möglich. 
  446. Wer auf Eigenbewegung verzichtet, trennt Seele vom Leib und Seele vom Geist bzw. umgekehrt.  In der Eigenbewegung bin ich zuallererst bei mir und in der Situation.
  447. Jeder sitzende Zustand oder jede Eigenbewegung findet in einer bestimmten Umwelt statt: Ich sitze im Auto, vor dem Fernsehapparat, im Gespräch, beim Lesen oder ich bewege mich auf dem Hometrainer im Keller, laufe im Wald oder gehe in die Stadt. Deswegen sollten wir schon  interessante und  reizvolle Umgebungen, wann immer es geht, bevorzugen.
  448. Ich gehe wie Merleau-Ponty von der Leiblichkeit des Menschen aus. Ein anderer Ausdruck dafür ist eben Eigenbewegung. Zum Leben gehört immer ein sich bewegender Körper, daraus folgt, dass man im Modus der passiven Fremdbewegung nur  noch eingeschränkt lebt.
  449. Lebendiges will sich ausdrücken, eine authentische Form des Ausdrucks ist die Eigenbewegung, in der Fremdbewegung drückt sich das gekaufte Auto aus.
  450. Im Zustand der Eigenbewegung ist der Mensch mit all seinen körperlichen, geistigen und seelischen Anlagen und Fähigkeiten ganzheitlich in der jeweiligen Umwelt, im Modus der Fremdbewegung ist er stark reduziert - Teilmensch.
  451. Eigenbewegung fördert Nachhaltigkeit, weil sie zumindest einen Teil der Ursachen des Klimawandels  und  der zunehmenden existenziellen Armut in der Welt beseitigt.  Im Bild: eine Autofahrt entspricht  einer bestimmten Menge Brot.
  452. Der sich bewegende Körper ist Ausdruck und Grundlage von Gesundheit. Oder: Wer sich nicht mehr selbst bewegen kann, ist krank, wer sich nicht mehr selbst bewegen  mag, hat ein psychisches Problem
  453. Eigenbewegung hat strukturell viel mit Natur, viel mit natürlicher Kraft  zu tun.
  454. Das etwas heruntergekommene, aber doch noch sehr schöne  Hotel aus dem vorvorigen Jahrhundert  hat im Eingangsbereich eine breite,  "herrschaftliche" Treppe, die bis in den vierten Stock führt. Es ist einfach ein Bewegungs- und Wahrnehmungsgenuss, sie zu benutzen. Aber fast alle Hotelgäste zwängen sich in den kleinen Lift, selbst diejenigen, die im ersten Stock ihr Zimmer haben.
  455. Sowohl in der Eigenbewegung als auch in der Fremdbewegung verändern sich mein Ich und mein  Körper, aber auch die Umwelt jeweils verschieden.
  456. Wir müssen die Beziehung zwischen  muskulären und geistig-seelischen Fähigkeiten uns viel  enger und aufeinander bezogener vorstellen als  bisher.
  457. Versuch eines Beleges bzw. Beweises, dass die muskuläre Tätigkeiten konstituierenden Einfluss auf Wahrnehmung, Denken, Gefühle, Werte und Wollen haben: Wenn ich denselben Weg per Fuß oder mit dem Auto - auch in der gleichen Geschwindigkeit - zurücklege, entstehen zwei verschiedene Wege bzw. Umwelten. Diese Differenz kann man nur mit Hilfe der Muskeln erklären.  Und: diese spezifischen Erfahrungen und Tönungen können durch nichts, auch  nicht durch technisch aufwendigste Simulationen, ersetzt werden. 
  458. Die Eigenbewegung ermöglichenden Muskeln sind auch eine Metapher für Leben und Lebendigkeit. 
  459. Im Modus der Eigenbewegung bemerke ich, dass die Dinge einen Eigenwert haben, die sich unserer gewissermaßen bemächtigen.
  460. Dieser tendenziell vollständige Verzicht auf Eigenbewegung heißt Aufgabe des  Menschseins. Die Muskeln sind Ursprung, Bedingung  und Vermittler  von Kultur. Es gilt, der Eigenbewegung eine wesentliche Funktion, nicht nur als Nischenfüller, im Lebensvollzug zuzugestehen.
  461. Während der Eigenbewegung will man den Dingen und sich selbst nahe sein -  und nicht Zeichen.
  462. Befindet man sich im eigentlichen Modus der Eigenbewegung, z. b. beim Wandern, ist man "in der realen Umwelt mit ihren vielfältigen Dingen und nicht in imaginierten Zahlen, Maßen und Gewichten.
  463. These: Wahrnehmen, Denken, Erinnern, Fühlen, Wollen sind zwar psychische Fähigkeiten, aber sie kommen aus dem Körper. Sie sind vom Ursprung und Können muskulär. Muskuläre und geistige Tätigkeiten  haben mehr Gemeinsames als Trennendes.  Lob den Hindernissen und Widerständen, die ich beseitigen kann. Dazu brauche ich Muskeln. Sie stehen für Aktivsein.
  464. Ich will so viel wie möglich selbst machen.
  465. Eigenbewegung ist gelebte Kultur und beruht auf Können.
  466. Durch Eigenbewegung kommen (wieder) Werte in Landschaften, Dörfer und Städte. 
  467. Für die  Eigenbewegung müssen Landschaften, Dörfer und Städte nicht verändert werden.
  468. In der Eigenbewegung entstehen rekonstruierbare Kontinua.
  469. Denken ist eine Form der Eigenbewegung.
  470. Mit der Eigenbewegung ist eine Art des Wahrnehmens und Denkens verbunden, die tief in der Menschheitsgeschichte eingelassen ist - und sich wesentlich vom Wahrnehmen und Denken beim Autofahren, Fernsehen oder Lesen unterscheidet.
  471. Nur in der Einheit von Eigenbewegung und Bildungserwerb in dieser Situation entsteht für beide Nachhaltigkeit. 
  472. Kognition ist ein sich bewegender  Prozess.
  473. Prof. Gerd Kempermann "Bewegt euch und ihr werdet klüger" in der FAZ v. 19. 3. 08: "Wenn adäquate intellektuelle Stimuli fehlen (die ein Käfiglaufrad jedenfalls nicht bietet), werden aus diesen aktivierten Stammzellen keine neuen Nervenzellen. Das Potential wird also nicht genutzt.  Man braucht mutmaßlich beides. Der Fernsehschirm vor dem Laufband im Fitness-Studio geht in die richtige Richtung, verkennt aber die Notwendigkeit der Aktivität auf kognitiver Seite."  Diese Aussagen begründen gehirnphysiologisch meine Forderung nach "Eigenbewegung in interessanten natürlichen, kulturellen und sozialen Alltagswelten", während Sport, von Mannschaftssport abgesehen, mehr der Bewegung in Käfiglaufrad nahe kommt. 
  474. Die Eigenbewegung ist eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung erfüllten Lebens: Hinzukommen muss eine interessante Umgebung, die geistig anregt.
  475. "Die Gehirne von Musikern sehen anders aus als die von Laien" - und  - alles spricht dafür - die von habituellen Autofahrern und Fernsehkonsumenten anders als die von Gehern oder Fahrradfahrern. Ich vermute, dass auch die jeweilige Umgebung der aktiven Fortbewegung Einfluss auf das Gehirn hat. 
  476. "Lieber jetzt anstrengen als später leiden" (aus einer Tageszeitung).
  477. Wenn es stimmt, dass die einst stummen Urmenschen für die Entwicklung der Sprache vermutlich einen Teil ihres Gehirns umgebaut haben, der die Bewegung steuerte, dann wäre meine Behauptung, dass Kognition und Gehen neurobiologisch gleiche Ursprünge haben, belegt.
  478. Eigenbewegung schafft elementare Bindungen zur natürlichen, sozialen bzw. kulturellen Umwelt und zu sich selbst.
  479. Sinngemäß sagt Thomas Hobbes (1588 - 1679), dass unser Gedankengang von Worten abhängt, die Wörter wiederum von der Einbildungskraft und diese wiederum von den Bewegungen der Körperorgane. Damit wäre eine (1!) plausible Erklärung für die von mir  vertretene Position der wechselseitigen Beziehung von Bildung und Eigenbewegung geliefert. 
  480. "Goethe reagierte geradezu allergisch auch auf die Einführung von "Apparaten", von Instrumenten, die sich zwischen den Menschen als erkennenwollenden Subjekt und Natur als Gegenstand seiner Neugier schieben. Er glaubte darin keine Erweiterung, sondern vielmehr eine Verengung der menschlichen Sinne und ihrer Wahrnehmungsfähigkeit zu sehen" (Ekkehart Krippendorf:  Goethe. Politik gegen den Zeitgeist).  Das Recht auf  und der Wunsch nach Eigenbewegung ist Ausdruck dieser Haltung.
  481. Sitzende Menschen bekommen Haltungsschäden. Ein Grund ist eine gestörte Wahrnehmung für den eigenen Körper.
  482. Bewegung mit Genuss". Noch  besser: "'Eigenbewegung ist Genuss".
  483. Der Zustand des Müdeseins entsteht entweder durch Überforderung oder durch Unterforderung. Letzteres dürfte heute die häufigere Ursache sein.
  484. Die Zeichen mehren sich, dass immer mehr Menschen und die Gesellschaft es begreifen, welche großen psychischen und körperlichen Schäden die sitzende Lebensweise mit sich bringen. Der Fernsehkonsum geht langsam zurück, hoffentlich auch der des Autogebrauchs.
  485. In funktionalen Alltagsbewegungen ist der Körper genau so wie im Sport beansprucht, aber er steht mental nicht im Mittelpunkt. Deswegen fallen hier die Eigenbewegungen leichter.
  486. In der Eigenbewegung erfahren wir auch Wirklichkeit, ohne das wir es bemerken oder vielleicht erahnen in Form von Sich-gut-Fühlen.
  487. Die Kultur beginnt mit körperlicher Arbeit, so dass  Kultur aus Natur entsteht. "Cultura" bedeutete ursprünglich Landbau. Körperliche Arbeit ist eine besondere Form der Eigenbewegung. Unser Körper bestimmt sind durch diesen Anfang bestimmt, sicherlich auch noch wesentliche Teile unseres Geistes und Seele. Das dürfen wir nicht vergessen.
  488. Ein Mensch ohne substanzielle Eigenbewegung  ist keine Ganzheit. In "whole" steckt übrigens das Moment des Heiligen.
  489. In der Eigenbewegung entsteht innere Ruhe - übrigens ist sie auch eine stille Art der Fortbewegung. Auch ist sie eine hohe Form des Selbstausdrucks.
  490. In der Eigenbewegung bin ich in (!) den Dingen, nicht vor, hinter, über oder gar jenseits von ihnen.
  491. Nerven- und Muskelgewebe konstituierend entscheidend körperliche und geistige Bewegungsabläufe, beide bedingen einander und ein optimaler Zustand ist erreicht, wenn jede von ihnen  im Zusammenspiel zu ihrem Recht kommt  (ausführlich in meinem Buch dargestellt). Nerventätigkeiten von der Wahrnehmung bis hin zum Denken können sich auf  Nahwelten, aber auch auf Fernwelten jenseits vorhandener Räume und gegenwärtiger Zeiten beziehen. Muskeltätigkeiten dagegen stehen für Gegenwart und konkrete Umwelten,  für das Realitätsprinzip, für Grenzen menschlicher Möglichkeiten, sie sind u. U. ein Korrektiv gegen wuchernde Phantasie. Beim Autofahren, Fernsehen oder Lesen sind Muskeltätigkeiten auf ein Minimum reduziert -  das ist ihr strukturell unaufhebbares Defizit.

  492. Denken ist internalisierte Eigenbewegung.
  493. In der Eigenbewegung können Selbstzweck, Fremdzweck und Zweckfreiheit zu einer guten Synthese gelangen.
  494. Beim Autofahren und  Fernsehen finden keine Verkörperung statt,  sondern Phantombewegungen laufen ab, d. h. man vermeint, sich selbst zu bewegen, tut es aber nicht.

  495. Die positiven Energien  der Eigenbewegung entfalten sich  in Alltagssituationen  und werden dort erst fruchtbar.

  496. Sich  morgens auf das Rad zu schwingen oder zur Bushaltestelle zu laufen, d. h. sich in der kühlen Morgenfrische zu bewegen, sind wunderschöne Erlebnisse. Den Abend  mit einem kleinen Spaziergang beschließen ebenfalls.

  497. Es ist ein verhängnisvoller  Fehler, Sport mit Eigenbewegung gleich zu setzen. Der Sport ist eine Teilmenge der Eigenbewegung. Der Sport ist eine Bewegung mit eigentümlichen Bedingungen und Zielen.
  498. "Bewegung in Alltagswelten fällt leichter! Amerikanische Untersuchungen sehen den Hauptgrund für Fettleibigkeit nicht in den Eßgewohnheiten, sondern im Bewegungsmangel. Um diesen Mangel zu beseitigen, wird immer zuallererst und oft allein auf die Notwendigkeit sportlicher Aktivitäten verwiesen. Das ist falsch, weil hier Eigenbewegung allein  auf Sport reduziert wird. Langfristig Sport durchzuführen, verlangt sehr große Willensanstrengungen. Viel leichter fällt es, in Alltagssituationen  entweder  zu Fuß oder mit dem Rad  zur Schule, zum Arbeitsplatz, zum Kaufmann oder ins Theater zu gelangen. Das ist ohne große Überwindung und Mühe zu verwirklichen, schont die Umwelt und dient der Gesundheit" (Leserbrief  im Flensburger Tageblatt).
  499. In der Eigenbewegung erreicht man zu sich selbst große Nähe, im Auto große Ferne.
  500. "Gehende Menschen verzweifeln nicht" (Jacques Réda)
  501. Die Sehnsucht nach Authentizität ist unbestritten da: In der Eigenbewegung ist man ihr nahe.
  502. Jede Tätigkeit kann von einer bewussten Zeitvorstellung begleitet sein, bei Alltagshandlungen dominiert die Zukunft, bei Gesprächen oft die Vergangenheit. Von der Zukunft und Vergangenheit eingeengt,  hat die Gegenwart fast kein Sein. Nur beim Gehen bzw. Radfahren ist man  gewissermaßen gezwungen, häufig in der Gegenwart zu sein, weil man aktuell auf seinen Körper und seine Umgebung reagiert. Aber man ist es auch dann freiwillig in der Gegenwart,  weil Geist, Seele und Körper vom Gefühl des Wohlseins und der Schönheit durchdrungen wird, die nur in der jeweiligen Gegenwart in ihrer ganzen Fülle wahrgenommen werden. 
  503. Eigenbewegung ist das wirksamste Mittel gegen Übergewicht. Lass das Auto stehen und gehe stattdessen. Übrigens belegen dies amerikanische Untersuchungen an ihren Landsleuten, denn durchschnittlich wird dort nicht mehr gegessen als früher, trotzdem steigt dort ständig das Körpergewicht. Manchmal hat man den Eindruck, dass dort (aber nicht nur dort) eine neue Menschenrasse entsteht.
  504. Fundamental lerne ich beim Gehen (und mit kleinen Einschränkungen auch beim  Radfahren), dass es nur auch mich ankommt, auf meinen Willen, auf meinen Körper, auf meine Freude und  nicht auf technische Ausrüstungen und Hilfen. Dieses Lernen vermittelt und stärkt das Bewusstsein von der Möglichkeit der Autonomie in der Ortsveränderung. So gesehen ist Eigenbewegung eine politische Kategorie mit der Kernaussage: Wir brauchen gar nicht so viele Sachen, wie uns tagtäglich eingeredet wird. 
  505. Eigenbewegung in Alltagssituationen ist ein Geschenk. Aber selbstverständliche Eigenbewegungen in Alltagssituationen finden weitestgehend nicht mehr statt. Sie  müssen wieder eingeübt werden. Ich schlage jedem Bürger vor, der auf das Auto konditioniert ist, in einem Selbstexperiment ein viertel Jahr auf das Auto in der Stadt zu verzichten. Ich garantiere, er wird nach vollendeter Zeit die Autosucht durch die Gehsucht ersetzt haben und aus dem Experiment wird eine lebenslange Lust.
  506. Vernachlässigt nicht den Weg, es gibt dort viel zu entdecken. Aber ihr müsst ihn gehen.
  507. Es regnet seit Tagen.  Endlich raffen wir uns auf, ziehen Regenkleidung an und laufen los. Nach zwei Stunden kommen wir zurück und unsere Stimmung ist eine helle geworden.
  508. Es ist - denke ich, der gerade Rembetiko hört - nicht angemessen, bei Musik nicht zu tanzen - wie gut auch immer. 
  509. Zuallererst ist Eigenbewegung - wie das Leben -  Selbstzweck. Sie ist an sich sinnvoll. Auf sie zu verzichten,  ist der Tod.  Menschen brauchen Eigenbewegung zum Leben wie Luft zum Atmen.  Erst sekundär darf man sie für Gesundheit, Sport, Arbeit,  Umweltschutz, Gesellschaftskritik usw. instrumentalisieren.  
  510. Eigenbewegung ist eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für die  Stärkung des Geistes im traditionellen kulturellen Sinne.
  511. Nur in der Eigenbewegung und im (relativ) autonomen Denken kann  man zu einem selbstbestimmten Standpunkt gelangen. Hierzu  ist Freiheit vonnöten und unverzichtbar.
  512. Einige Gründe, Eigenbewegung im Alltag zu realisieren, also mit dem Rad oder zu Fuß einzukaufen, ins Theater zu gehen oder seine Bekannten zu besuchen:  a) man kann sich leichter selbst motivieren, denn die Ortsveränderung ist unmittelbar mit Sinn erfüllt (im Gegensatz zum Sport), b) es kann gleich ohne große Vorbereitungen losgehen, höchstens einen Mantel und andere Schuhe anziehen, c) man nimmt vieles mit allen Sinnen wahr, d) vielleicht gibt es auf dem Weg ein kleines Gespräch, e) es belastet die Umwelt nicht, f) es kostet nichts.
  513. Wenn man im Urlaub eine Wander- oder Fahrradtour macht, darf man nicht viel mitnehmen. Das fällt anfangs ziemlich schwer, später merkt man, dass man gar nicht mehr braucht - und trotzdem sehr glücklich sein kann. Idealiter transformiert man diese Einsicht auch auf das tägliche Leben.
  514. Die Forderung, den Körper und den Geist in anspruchsvoller Bewegung zu halten, ist auf Dauer gesehen leichter gesagt als getan. Bewegung löst Freude aus, ist aber auch mit Anstrengung verbunden. Am besten ist diese Forderung zu verwirklichen, wenn man die körperliche und die geistige Bewegung gleichzeitig (beim Spazierengehen sich Gedanken machen oder mit einem Partner angeregt unterhalten) oder zeitlich nur kurz verschoben durchführt. Wobei beide Tätigkeiten grundsätzlich die Flachheit, Oberflächlichkeit, Bequemlichkeit wie beim gewohnheitsmäßigen Autofahren oder Fernsehen meiden sollten.
  515. Geht man davon aus, dass die sogenannte objektive, messbare Zeit  letztlich eine Setzung ist, dann ist es kein Wunder, dass wir sie je nach Situation als äußerst präsent, aber auch als flüchtig, ja gar nicht wahrnehmen. Ihre Dauer ist schwer einzuschätzen, während der Arbeit mit dem PC vergeht sie schnell, im Warteraum des Arztes, wenn man sich nicht durch Lesen ablenkt, schnell. Beim Radfahren, Wandern oder Spazierengehen ist nach meinen Erfahrungen das Bewusstsein bzw. das Gefühl für Zeitdauer gewissermaßen quasiobjektiv, weil dieser Dauer  der  Zeit  mit dem sich bewegenden Körper vereint hat. In der Eigenbewegung ist man also in der Lage, die ge- und verbrauchte Zeit an seinem  Körper "abzulesen", muss sie sich also nicht nur im Bewusstsein vorzustellen.          
  516. Sich nicht bewegen heißt, einen wesentlichen Teil seines Lebens aufzugeben. Leben ist  sich bewegen. 
  517. Motorik und Kognition bedingen einander. Kognition ist eine Sonderform der Motorik. Eigenbewegungen sind das Fundament des Lernens. Eigenbewegungen  beeinflussen wesentlich nicht nur die Funktion, sondern auch die Struktur des Gehirns bezüglich seiner synaptischen Verknüpfungen. Mit anderen Worten: Eigenbewegung dient der Verbesserung der Gehirnfunktionen und dessen Strukturbildung. 
  518. Das Bewusstsein ist intentional, d. h. immer Bewusstsein von etwas. Dieses Etwas ist weitestgehend der jeweiligen natürlichen und kulturellen Umwelt entnommen. Das kann, muss aber nicht eine 1:1-Abbildung sein, da der Mensch sich auf Grund seiner Reflexionsfähigkeit zur Umwelt bejahend oder verneinend verhalten kann. Grundsätzlich wird das Wahrgenommene aber in der Mehrzahl bejaht. 
  519. Wenn es stimmt, dass die Inhalte des  Bewusstseins intentional sind und eine neurophysiologische Entsprechung haben, dann wird die jeweilige Umwelt zu einem wichtigen Faktor der neuronalen und geistigen Bildung. Konkret: Ob  ich auf dem Sportplatz allein meine Runden drehe oder ich gehe durch reizvolle Landschaften und Siedlungen, macht  die Differenz aus. Die Frage ist, ob die durch körperliche Bewegungen entstandenen synaptischen Verknüpfungen mit denen, die durch kognitive Leistungen entstanden sind, identisch oder teilidentisch sind. Die vollkommene Trennung des kognitiven vom motorischen   System ist offensichtlich von den Befunden nicht mehr zu begründen.       
  520. Historisch und global gesehen hat es niemals eine Zeit gegeben, in der so viele Menschen eine sitzende Lebensweise verwirklichten, in der Regel nicht erzwungen, sondern gewollt und bejaht, so dass der Körper tendenziell keine gesellschaftliche sinnvolle Funktion mehr hat. Er wird unnötig, funktionslos, überflüssig, hinderlich, verfettet  und kann nur noch halbwegs als Objekt großer sportlicher und ästhetischer Anstrengungen existieren. Die vielfältigen negativen Folgen dieser  Antiquiertheit des Körpers insbesondere im psychischen Bereich sind meines Erachtens erschreckend, werden aber weitestgehend in der wissenschaftlichen bzw.  öffentlichen Diskussion und in der Selbstreflexion ausgeblendet.   
  521. Der sich bewegende Leib ist eine wesentliche Quelle unserer Identität und unseres Glücks.
  522. Im Vollzug der Eigenbewegung entsteht Energie, erhöht sich das Energiepotenzial. Ob diese Energie für gute oder schlechte Zwecke (direkt oder sublimiert) genutzt wird, ist die entscheidende folgende  Aufgabe. 
  523. Ich teile nicht die neurophysiologische Position, dass das Gehirn die geistigen Leistungen (vollkommen) determiniert, denke aber, dass das Gehirn einen ungleich größeren Anteil an geistigen Leistungen hat, als die traditionellen Geisteswissenschaften behaupteten oder (wie übrigens ich auch) vermuteten.  Das Gehirn ist als Teil unseres Körpers direkt mit der jeweiligen Umwelt verbunden, ja bildet eine Einheit mit ihr. Die Umwelt bedient  idealiter alle Sinne, also nicht nur das Sehen und Hören, sondern auch das Schmecken, Riechen und Fühlen. Befindet sich der Mensch im Modus der  Eigenbewegung, kommen noch Gleichgewichtssinn und der kinästhetische (Bewegungsempfindung) Sinn hinzu. Auch gehe ich von einem Sinn für Atmosphären aus. Eigenbewegung in reizvollen Umwelten gibt dem Gehirn ein Optimum an Reizen, Sitzen in reizarmen  Umgebungen  gibt dem Gehirn ein Minimum an Reizen.  Der mögliche Einwand beispielsweise, Fernsehsendungen von Landschaften mit ihren Tieren, Pflanzen und romantischen Dörfern und Städten wäre doch ebenfalls reizvoll, sticht nicht, weil diese Bilder auf dieser Analyseebene keine Bilder, sondern  verschiedene Lichtwellen sind, die der Fernsehapparat aussendet. Die Reize, die eine Landschaft aussendet, sind  grundsätzlich von denen verschieden, die ein Bild aussendet.
  524. Fußgänger und Fahrradfahrer müssen die Fähigkeit haben, autofreie Schleichwege zu entdecken, damit die Schönheit der Eigenbewegung voll zum Tragen kommt. 
  525. Und es ist gut, auf eigenen Füßen zu laufen!! (aus einem Brief eines Freundes)
  526. Eigenbewegung in größeren Ausmaßen gibt es nur noch im Sport, im Alltag wird sie immer weiter zurückgedrängt und durch technische Apparaturen ersetzt bzw. überflüssig gemacht.
  527. Move your body not your car (eine leicht umgewandelte Aussage eines amerikanischen Freundes)
  528. Ich halte es nicht nur für falsch, sondern sogar für gefährlich, Eigenbewegung auf Sport zu reduzieren. Aber nahezu in allen Massenmedien wird Bewegung mit sportlicher Betätigung gleichgesetzt. So oder ähnlich heißt es dann: “Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass sportliche Aktivität den Alterungsprozess verlangsamt.” Die Aufforderung, täglich einen einstündigen zügigen Spaziergang zu machen, ist in jeder Hinsicht einfach (auch mental) zu realisieren und in unserer Gesellschaft eigentlich auch ein bekanntes und lang bewährtes Vorgehen. Jedenfalls bekomme ich in meiner Verwandtschaft keinen der älteren Menschen dazu, in einen Sportverein zu gehen oder im Trainingsoutfit zu joggen, dann bleiben sie garantiert zu Hause im Sessel sitzen. Aber die Aufforderung, zu Fuß zu gehen, hätte die größte Erfolgsaussicht, umgesetzt zu werden.
  529. Ich denke, dass ich mich meiner selbst aus drei verschiedene Binnenperspektiven versichern kann: a) In einem vorbegrifflichen, gefühlten, intuitiven Zustand bin ich mir sicher, das ich es bin, der dort denkt, fühlt und handelt. Diese Perspektive kann man mit intuitivem Selbstbewusstsein bezeichnen. b) Ich bin mir selbst als Objekt bewusst, d. h. ich habe Vorstellungen und Begriffe von mir, die ich durch eigene Erfahrungen mit mir selbst und durch Bedenken meiner selbst im Laufe meines Lebens angesammelt habe. Diese Perspektive kann man mit rationalem Selbstbewusstsein bezeichnen. c) Wenn ich Beschreibungen über mich von Ärzten, Prüfungen, Gesprächspartnern , also von anderen, übernehme und annehme, dann kann man diese Perspektive mit internalisierter Fremdzuschreibung bezeichnen. …. Im Zustand der Eigenbewegung stärke ich insbesondere das vorbegriffliche, gefühlte, intuitive Selbstbewusstsein (a), das auch  eine ich-stärkende, ja selbsttherapeutische Dimension hat. Zumal am Zustandekommen dieser Art von Selbstbewusstseins nicht allein Seele und Geist, sondern auch der sich bewegende Körper konstitutiv beteiligt ist, wobei dieser Körper wiederum konkret direkt und indirekt mit anderen organischen und anorganischen Körpern in Beziehung steht. Es besteht Ganzheitlichkeit.
  530. Im Modus der Eigenbewegung bilden Sinnlichkeit, Gefühl, Verstand, Vernunft und Wille eine nicht auflösbare Einheit.
  531. Bildung und Eigenbewegung bedingen einander.
  532. Amerikanische Firmen entdecken, dass es viel produktiver und angenehmer ist, die wenigen Schritte zum anderen Schreibtisch zu gehen und die Fragen direkt zu besprechen, statt sich ständig über E-Mails auszutauschen. Sind das die ersten konkreten Schritte eines Wandels in Richtung humaner Kommunikation, wo Menschen unvermittelt auf Menschen treffen?
  533. Der Weg ist für die Selbständigkeit des Menschen ambivalent einzuschätzen: einerseits gibt er Orientierung, andererseits schließt er alles aus, was nicht am Wege liegt. Ich favorisiere nicht die Weglosigkeit, sondern benutze nur in Notfällen Wege, die keine Erfahrungen ermöglichen oder die zerstörerisch wie Autobahnen sind. Letztere zerstören oft zusätzlich das Ziel, z. B. die Stadt, wohin sie führen.
  534. Im Erkenntnisprozess sind zwei verschiedene Quellen der Sinnlichkeit wirksam: a) der materielle Gegenstand und b) der materielle Leib des Erkennenden. Geht man davon aus, dass es keine Materie ohne Bewegung und keine Bewegung ohne Materie gibt, dann befindet sich auch das erkennende Subjekt immer in Bewegung - allerdings ist der Spielraum der Bewegungen sehr unterschiedlich, er reicht vom Herzschlag des Sitzenden bis zum Marathonläufer. In der Eigenbewegung werden beide Quellen der Sinnlichkeit gleichzeitig gestärkt.
  535. Unser Gast erklärte sich bereit, einige Stücke auf der Geige zu spielen. Plötzlich war der Raum festlich erfüllt und ausgefüllt. Eine Fülle, die ich nicht mit Worten angemessen treffen kann. Ähnlich verhält es sich mit der Eigenbewegung: Wenn ich laufe , bin ich von mir und der Welt erfüllt - eine Zustand, der nicht zu übertreffen ist
  536. Wir haben in unserer Nähe ein Lebensmittelgeschäft von mittlerer Größe, wie man sie immer noch in einigen Stadtteilen findet. Aber sie sind gefährdet, denn die Mehrzahl der Bewohner dieser Stadtteile kauft nur noch in Großmärkten. Wie auch immer, wir jedenfalls nicht - allein schon aus Zeitgründen: zu Fuß sind es fünf Minuten, mit dem Rad zwei. Wenn viel eingekauft wird, nehmen wir das Rad - also auch vom Tragen her keine Probleme. Zumindest unterm Strich wird es auch nicht teurer.
  537. “The average American walks less than 75 miles a year - about 1, 4 miles a week, barely 350 yards a day” (Bill Bryson in “A Sedentary Nation”). Ein yard entspricht 0,914 Meter.
  538. Das Wort “Bürgersteig” verweist auf eine Blüte der Eigenbewegung. Heute sind die Bürgersteige weitgehend unbegangen, denn die Bürger sitzen in den Autos. Wer das für übertrieben hält, gehe durch unsere Städte, insbesondere Vorstädte.
  539. Der moderne Mensch - natürlich statistisch gesehen - traut sich körperlich nicht mehr viel zu. Diese Einschätzung ist nicht nur eine Selbsteinschätzung, sondern wird von allen gesellschaftlichen Gruppierungen geteilt und zur wahren Norm erhoben.
  540. “Nur wo man zu Fuß war, war man wirklich” (Wer kennt den Autoren?)
  541. Der Mensch kann viel mehr als in der Selbst- oder Fremdzuschreibung für möglich gehalten wird, z. B. einen zwei Meter hohen Weihnachtsbaum fahrend mit dem Rad vom Markt nach Hause zu transportieren. Es entsteht übrigens aus mehreren Gründen ein gutes Gefühl.
  542. Mein sich innerlich und äußerlich bewegender Körper unterliegt ständig den Einwirkungen anderer Körper (Klima, Dinge, mit denen ich mich in direktem Kontakt befinde). Grundsätzlich gilt: Je bewegter ich bin, desto mehr Einwirkungen auf mich, die wiederum mein mentales Bild von der Welt grundieren und ständig beeinflussen.
  543. Fußgänger begegnen sich, Autofahrer fahren aneinander vorbei.
  544. Aus einer Anzeige für eine gute Sache: “Und immer gibt es noch Millionen Menschen, die nicht laufen können.” Hinzu kommt, dass es bereits Milliarden Menschen gibt, die nicht mehr laufen wollen.
  545. “Alles ist vereinzelt” (Rilke). Eigenbewegung schafft Beziehungen zu Dingen, Pflanzen, Tieren, Menschen, Kultur.
  546. Im Modus der Eigenbewegung lernt, übt und realisiert man elementar aktiv zu sein und selbstverantwortlich zu handeln.
  547. Eigenbewegung bildet das Fundament der Subjektivität. Durch Eigenbewegung versichert man sich seiner selbst. Die Eigenbewegung ist der Anfang von allem, sie ist das unhintergehbare konkrete Apriori.
  548. Recht bedacht und angewendet, ist Eigenbewegung eine politische Kategorie.
  549. Mimesis ist die Grundfähigkeit allen Lernens. Was passiert, wenn ein Kind in seiner Umgebung keine handelnden Kinder und Erwachsene mehr sieht, sonder nur noch sitzende Menschen im Auto und vor Bildschirmen? Die Gefahr, dass es lesende Menschen sieht, ist heutzutage gering.
  550. Erst stirbt die Eigenbewegung, dann die Bildung.
  551. Durch Eigenbewegung erhalten wir unseren Körper, über Eigenbewegung erhalten wir einen Teil unserer Natur, durch Eigenbewegung nehmen wir autonom wahr, über äußere Bewegung (Eigenbewegung) und innere Bewegung (Reflexion) kann man, wenn man es denn will, der jeweils dominierenden Weltanschauung entkommen. Das wäre heute der Konsumismus.
  552. Im Wort “Motivation” ist “Bewegung” enthalten. Aus der Bewegung entsteht eine Motivation. Zwischen Bewegungs- und Motivationsmangel besteht eine Korrelation. Man merkt es, wenn man “herumhängt”.
  553. “Meine Gedanken schlafen, wenn ich sie hinsetze. Mein Geist bewegt sich nicht allein, wie wenn die Beine ihn in Schwung setzen” (Montaigne).
  554. Muße ist kategorial etwas anderes als Faulheit und Bequemlichkeit. Bequemlichkeit verhindert Autonomie, Subjektentwicklung und ist ein Gegner der Eigenbewegung.
  555. Mehr Fuß- und Radwege - das wäre schon etwas.
  556. Der Mensch ist mehr als ein sitzender Wahrnehmungsapparat.
  557. Die mich umgebende Umwelt fließt unfiltriert über die Sinnesorgane in meinen sich bewegenden Körper. Nur ein Bruchteil dieser Einflüsse nehme ich bewusst wahr. Bei der Bildwahrnehmung dagegen ist der Einfluss des Bildes und der bewusssten Wahrnehmung nahezu identisch. Der Fehler besteht darin, dass man die bewusste Wahrnehmung absolut setzt und damit die nicht wahrgenommenen Einflüsse, die in der Regel sehr groß und vielfältig sind, nicht schätzt. Eigenbewegung setzt sich dieser ganzen Wirklichkeit aus und das ist einer ihrer großen Gewinne.
  558. Entscheidend ist die internalisierte Bewegungsstruktur, über die man verfügt: Eigenbewegung oder Fremdbewegung. Innerhalb der Stadt gehe ich grundsätzlich zu Fuß, fahre mit dem Rad oder nehme den Bus. Nur wenn ich krank bin, nehme ich das Auto.
  559. Sinnlich Gegebenes vermittelt objektiv bloße Unterscheidungen, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Der Verstand ist an dieses sinnlich Gegebene gebunden. Ansonsten kann er nach eigenem Gutdünken dieses Gegebene in unterschiedlich Allgemeines, d. h. Begriffe einbetten. Dieser sinnliche Anteil verbindet den Menschen mit der Welt. Verzichtet er auf Eigenbewegung, verzichtet er auf diese Welt.
  560. Wenn Du unabgeschirmt in der natürlichen Umwelt bist, wirkt diese auf Dich objektiv ein, unabhängig davon, ob Du sie wahrnimmst oder nicht, ob Deine Gedanken in ihr oder anderswo sind. Wir müssen also streng zwischen physiologischer und psychischer Ebene unterscheiden. Aufforderung: Geh in natürlichen Umwelten spazieren, bewege Dich dort. Gleiches gilt für Kinder. Die Wahrnehmung eines Filmes vom Wald im Sessel ersetzt nicht den wirklichen Wald, den man im Modus der Eigenbewegung durchwandert. Übrigens steckt in Wirklichkeit Wirkung.
  561. Das Gemeinsame von Eigenbewegung und Bildung besteht in der Lebendigkeit, im Modus des Seins (im Sinne von Erich Fromm, Fremdbewegung wäre in diesem Kontext “Haben”).
  562. Nur in der Eigenbewegung werden Bewegungsstrukturen erlernt und modifiziert - wie Bildung immer Selbstbildung ist.
  563. Nach der Santiago-Theorie wird Wirklichkeit durch die verkörperten Erfahrungen eines Organismus hervorgebracht. Verkörperte Erfahrungen beruhen immer auf der Einheit von Sinnlichkeit und Eigenbewegung.
  564. Nur im Tode gibt es die materielle Einheit von Mensch und Umwelt. Aber es gibt verschiedene Modi der Nähe und Ferne. Hier gibt es nur zeit- und situationsabhängige Optima. Ich denke, die Eigenbewegung ermöglicht eine optimale Beziehung zwischen Mensch und Umwelt. Das ist nicht sozialromantische Authentizitätsträumerei, sondern erfülltes Leben im wortwörtlichen Sinne.
  565. In der Eigenbewegung ist der Weg, wenn ich ihn denn wahrnehme, potentiell vierdimensional, in der Fremdbewegung wird er zur Linie - genau, wie der Raum in Straßenkarten reduziert wird.
  566. In der Eigenbewegung verändere ich äußerlich meine Position, innerlich mein Bewusstsein, u. U. mein Wesen.
  567. Das Kleinkind krabbelt rückwärts die Treppe runter. Es probiert, es schaut, es denkt ständig offensichtlich nach, holt sich Bestätigung von Erwachsenen. Es befindet sich in seiner Eigenbewegung. Man vergleiche diese Situation mit der im Auto, wo er auf dem Rücksitz in einem Gestellt gefesselt ist.
  568. Eigenbewegung ist eine Quelle flexiblen Denkens und Fühlens.
  569. Schlechte Laune beruht häufig auf körperliche Verspannungen: Bewege Dich selbst, die dunklen Wolken werden verschwinden.
  570. Das Wissen von der Welt, das ein Mensch hat, ist durch sein Handeln im weitesten Sinne, nämlich durch Eigenbewegung entstanden. Ohne Eigenbewegung keine Welterfahrung.
  571. Über Eigenbewegung mache ich bestimmte Erfahrungen, die nur durch Eigenbewegung zu erlangen sind. Was ist mit bestimmten Erfahrungen gemeint? Damit sind über Eigenbewegung ermöglichende sinnliche Empfindungen gemeint, die man ausschließlich im Modus der Ersten Person Singular machen kann. Diese Empfindungen sind noch nicht vom Verstand in Form von Begriffen und Relationen bestimmt, es handelt sich um reine Sinnlichkeit, die wiederum direkt, unvermittelt das Empfundene, also Welt, “ist”. Dazu ein Beispiel: Ich nehme vorbegrifflich zwei farblich verschiedene Oberflächen wahr. Weil vorbegrifflich, kann ich sie noch nicht als weiß und schwarz identifizieren, aber ich bin ganz sicher, dass dort ein Unterschied besteht und jeder von ihnen eine unverwechselbare Qualität besitzt. Dieser Unterschied ist objektiv vorhanden. Diese vom Verstand unbearbeitete Sinnlichkeit ist Welt, sie verbindet mich zumindest mit der außer mir seienden (Um-)Welt. Diese Welt ist keine Einbildung, kein Phantasiegebilde, keine Sinnestäuschung, keine Fata Morgana. Aber wenn ich diese Sinnlichkeit bedenke, von ihr spreche, ist sie nicht mehr “rein”, sondern von meinem Verstand bestimmt. Und diese Bestimmung durch den Verstand - das ist jetzt der entscheidende Punkt - ist im allgemeinen Bewusstsein derart dominierend, dass die Sinnlichkeit zunehmend sinn- und wertloser wird. Der Beleg für diese Einschätzung ist der Siegeszug des Ersatzes, so z. B. in Form von Bildern: Es wird nicht mehr bemerkt, dass die sinnliche Empfindung, die ein Baum bewirkt, eine ganz andere ist als die eines Photos dieses Baumes. Im letzteren Fall bewirken Papier und gestaltete Farbpartikel die gedankliche Vorstellung eines Baumes. Sie sind die reale Welt. Man glaubt zunehmend, dass dieser qualitative Unterschied vernachlässigenswert sei, weil Original und Ersatz die gleiche Vorstellung bewirken.
  572. Die reine Sinnlichkeit, die durch sie vermittelte Welt, ist das grundlegende Material, das vom Verstand bearbeitet wird. Wahre Erkenntnis abstrahiert nicht von ihr, sondern nimmt sie in ihrer konstituierenden Wirkung ernst. Eigenbewegung in natürlichen, sozialen und kulturellen Umwelten ist mit Natur, Menschen und Kultur eins, Bewegung im Auto ist mit dem Auto eins.
  573. Nach Baumgarten (in seiner Metaphysica von 1739) vermag sich eine natürliche Begabung eines Menschen nicht einmal für kurze Zeit auf derselben Stufe halten. Wenn daher ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten nicht durch fortwährende Übung gehoben werden, sinken sie um einiges ab und erlahmen (vgl. S. Majetschak, Ästhetik). Baumgarten bezieht sich hier auf Sinnvermögen, Gleiches gilt aber sicherlich auch für die Eigenbewegung.
  574. Wenn man zu Fuß durch die Straßen geht, sollte man möglichst die linke Straßenseite benutzen, so dass die Autos einem entgegenkommen. Warum? Man atmet etwas weniger Abgase ein.
  575. Zu Fuß gehen ist die fundamentale und originäre Weise der Fortbewegung des Menschen. Wir sollten unseren gesamten Bewegungsapparat so oft wie möglich nutzen - und nicht umstandslos aufgeben. Eigenbewegung ist der Urzustand des erfüllten Lebens. Fülle entsteht nur durch körperliche und geistige Eigenbewegung - nicht durch Stehenbleiben bzw. - wie im Auto - Sitzenbleiben.
  576. In der Eigenbewegung des Neugeborenen und in den folgenden Jahren wird das Fundamentum für Eigene-Wege-Gehen, einen Anfang-Setzen und Etwas-Beenden, für Wollen, für Ausdauer, für Kreativität, für Denken und Fühlen gelegt. Werden die Eigenbewegungen, von denen aus sich diese Ausprägungen entwickelt haben, nicht ständig aktiviert, verkümmern und verändern sich auch die Ausprägungen.
  577. “Ich lebe, wenn ich gehe.” Ein junger Vater mit seinem Sohn beim Spazierengehen, bekleidet mit Regenzeug und Gummistiefeln, denn es regnet leicht.
  578. Wer sich selbst bewegt, besitzt noch eine ungebrochene Neugierde.
  579. Es gibt nicht wenige Orte und Situationen, die man nur durch Eigenbewegung aufsuchen kann.
  580. Man muss Natur und Eigenbewegung gar nicht metaphysisch begründen, vielleicht überfrachten, Es genügt allein der evolutionäre Blick, der zeigt, dass unser Körper schlicht an Natur angepasst und auf Eigenbewegung angewiesen ist. Richtig ist, dass diese Anpassung und dieses Angewiesensein sich allein auf seinen “materiellen” Anteil bezieht, während er im geistigen sehr wohl frei entscheiden kann - begrenzt auch bezüglich einer natürlichen Lebensweise.
  581. Erst über Eigenbewegung erschließt sich sinnlich die Schönheit des eigenen und fremden Lebens.
  582. “Ein Wesen ist der Mensch, kein Projektil. Der Radtourismus erlebt einen Boom. Doch es ist kein modischer Trend, sondern eine Rückbesinnung der Gesellschaft auf den Reiz des Unterwegsseins - ein Loblied auf die Schönheit der Langsamkeit zum Ende der Saison” (Gerhard Fitzthum in FAZ vom 1. 11. 07).
  583. Bildung ist letztlich immer Selbstbildung. Dazu in Analogie: Echte Bewegung ist immer Eigenbewegung.
  584. Wirkliche Welt ist die dynamische Einheit von Subjekt und Welt. Also auch das Subjekt muß sich bewegen und nicht bewegt werden.
  585. Wenn die zeitliche Reihenfolge “Ich sehe einen Löwen” - “Ich laufe weg” - “Es entsteht das Gefühl der Angst” lautet, also das Gefühl eine Folge der Eigenbewegung ist und nicht umgekehrt, dann muss der moderne Mensch zunehmend gefühllos werden bzw. zunehmend über frei flottierende Gefühle verfügen.
  586. Der Anfang ist wichtig: Wenn ich mich zu Fuß auf den Weg mache, muss ich weiterlaufen, wenn ich erst einmal mich ins Auto setze, muss ich weiterfahren.
  587. Eigenbewegung erweitert die Möglichkeit von Erfahrungen: Das achtjährige Kind und die achtundachtzigjährige Dame aus unserer Straße kommen mir entgegen. Ich sage: “Mir kommen zwei Schulkinder entgegen”. Die Dame schmunzelt und fragt: “Und wohin geht das dritte Schulkind (achtundsechzig)?”.  Das ist ein Glücksfall, denn in der Regel sind die Straßen menschenleer, wenn man die in den Autos sitzenden einmal ausklammert. Eine andere Situation: Bei uns in der Nähe gibt es Äpfelbäume, keiner kennt sie, weil man dort nur zu Fuß vorbeikommt. Seine Äpfel schmecken besser als die im Supermarkt gekauften.
  588. Der Fußgänger oder der Radfahrer bewegt sich in den autodominierten Straßen von der Luft und Lärm her gesehen in einer Mülllandschaft.
  589. Ein langer Spaziergang durch eine herbstlich gestimmte Landschaft, kann von keiner Schnäppchenjagd - und sei sie noch zu erfolgreich- übertroffen werden
  590. Meine Differenz zu der großen Mehrzahl gegenwärtiger Bewegungsbefürworter auf den Punkt gebracht: Jörg Blech (und entsprechende andere Autoren) beschreiben die direkten Folgen der (Eigen-)Bewegungslosigkeit auf die Sich-nicht-Bewegenden. Ich dagegen untersuche primär in überwiegend phänomenologischer Vorgehensweise die Folgen der (Eigen-)Bewegungslosigkeit auf die soziale, kulturelle und natürliche Umwelt und dann natürlich sekundär deren negativen Auswirkungen auf die Sich-nicht-Bewegenden. Das scheint offensichtlich eine Perspektive zu sein, die im heutigen Diskurs nicht anschlussfähig ist, weil an zentrale Tabus der gegenwärtigen Gesellschaft (so das Auto) gerührt wird.
  591. Man kann wie David Hume Freiheit als Abwesenheit von äußerlichen Hindernissen bei einer Bewegung verstehen. Aber dabei ist immer Materielles im Spiel, das konstruktiv die Eigenbewegung erst ermöglicht und als positiv empfunden wird.
  592. Die Altstadt von Nafplion belegt es: Auf einem Gebiet von ca. 900 x 400 Meter können alle Grundbedürfnisse des Menschen nach Konsum und Kommunikation problemlos zu Fuß realisiert werden. Von der Peripherie gehen Busse in alle Richtungen, so alle halbe Stunde nach Athen.
  593. Der “motorenfreie” Syntagmatos-Platz in Nafplion ist eine "freie Schule" für Kinder. Zwanglos und mit großer Freude lernen sie von Jüngeren, Gleichaltrigen, Älteren, Erwachsenen. Menschen treffen auf Menschen, das reicht vollkommen. Ein einfacher Kubus im Mittelpunkt des Platzes ist Ort vielfältigster Kletterbewegungen. Jedes Kind bestimmt selbst die Intensität der Interaktion, d. h. es bestimmt in Freiheit seine Eigenbewegungen.  Die Erwachsenen sitzen auf Bänken oder in den Cafes des Platzes - so immer für jedes Kind erreichbar.
  594. Eigenbewegung ist die elementare Form von Autonomie. Du bist, was du tust.
  595. Nach Epidaurus pilgerten im Altertum viele Menschen, um Gesundheit zu erlangen. Henry Miller vermutete, dass die Pilger aufgrund ihrer Pilgerreise bereits gesund waren, ehe sie eintrafen.
  596. Welch ein Verlust stellt die Einweg-Kommunikation dar. Der Empfänger müsste rational gesehen von jeglicher Mimik, Gestik und Proxemik absehen - er müsste erstarren. Der erstarrte Mensch - der zukünftige Mensch? Körpersprache ist elementare Eigenbewegung.
  597. Es gibt nicht den Raum an sich, sondern er entsteht durch Erfahrungen oder durch Konstruktion. Ein Auto-Raum unterscheidet sich wesentlich von einem Fußgänger-Raum.
  598. Musik ist Tanz, also Bewegung.
  599. Es gibt kein Leben ohne Bewegung - und wir setzen alles daran, nicht nur die Bewegungen von Hausschweinen (Konrad Lorenz), sondern auch unsere Eigenbewegungen zu minimieren.
  600. In vielen Städten sind unterstützungswürdige Projekte gestartet worden, die Bewegung in öffentlichen Räumen zu fördern. Sie bestehen aus innovativen, alternativen, witzigen Verhaltensabläufen und neuen Infrastrukturen. Mir geht es dagegen primär um die ganz normale, nicht eventmäßige Eigenbewegung in der Stadt, sei es zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
  601. “Freiheit ist nur in der `Reibung´ mit dem Faktischen möglich” (T. Buchheim). In der Eigenbewegung findet Reibung mit der Welt und sich selbst statt - beim Autofahren reibt sich nur das Auto.
  602. Ich bin nicht der Meinung, dass Askese an sich sinnvoll sei, denn dann wäre sie sinnenfeindlich. Nein mir geht es um Askese und Genuss, beide getrennt, nicht zu einem lauen Brei vermischt.
  603. Der Täter, hier das Subjekt der Bewegung, ist nach Nietzsche dem Tun zugedichtet. Ich bin also das, was ich körperlich und geistig tue. Das Ich ist Tätigkeit. Bewegt Euch!
  604. Bismarck behauptete von den Deutschen, dass sie nicht reiten könnten, weil ihnen das nötige Gleichgewicht fehle. Ist das der Grund dafür, dass sie nicht Rad, sondern nur noch mit dem Auto fahren?
  605. Es gibt kein körper- und bewegungsloses Denken.
  606. Wandern und Rad fahren in nicht “aufgepeppten” Landschaften und Siedlungen sind für “moderne” Konsummenschen uninteressant, weil in einer bestimmten Zeitspanne relativ wenige starke Reize “geboten” werden. Für sie ist Disneyland und Fernsehen nicht zu toppen.
  607. Wer sich bewegt, weist zugleich eine höhere Hirnleistung als ein Sitzenbleiber (um zwanzig Prozent) auf.
  608. “Les Parisiens conquis par la revolution du velo” (zentraler Artikel auf der Hauptseite von Le Figaro vom 14. 8. 07).
  609. Genieße Dein Leben, indem Du es selbst lebst. Wahrer und nachhaltiger Genuss entsteht durch anspruchsvolle geistige und körperliche Tätigkeiten.
  610. Warum laufen immer weniger Menschen in den Straßen, warum wird nicht mehr Rad gefahren, warum spielen nicht viel mehr Kinder gemeinsam im Freien?
  611. “Zurück in die Stadt” ist ein kleiner, aber doch feststellbarer Trend. Die Stadt ist Lebensqualität, aber nur dann, wenn auf die direkte Verfügbarkeit des Autos verzichtet wird. Warum ist es eine Zumutung, wenn der Parkplatz 300 Meter von der Wohnung entfernt liegt? Im Gegenteil, auf dem Weg dorthin gäbe es viel zu sehen, und Gehen ist übrigens auch ein Wachmacher.
  612. Selten gehen Menschen an unserem Haus vorbei - und wenn doch, dann sind es überwiegend Frauen. Haber wir ein Männerproblem?
  613. Anklänge zur Eigenbewegung beim Lesen eines Artikels zur Literatur von Hans Ulrich Gumbrecht (in der FAZ vom 27. 6. 07): Um welche Werte und Erfahrungen geht es? - um Ebenen der Imagination und der affektiven Teilnahme,  darum, in verlorene oder auch vertraute Welten des Konkreten einzutauchen, - um Konfigurationen von Farben, Gerüchen, Formen, Klängen. Wiedergewinnung der Selbstreferenz, - um das Phänomen der Stimmung, - um die Vermittlung zwischen Sinnlichkeit und Verstand, - auch um die Reaktion auf die Entsinnlichung unseres Alltags. Immer mehr Leute verbringen ihre wache Zeit vor Computer-Bildschirmen, d. h. in einer Situation von Bewusstsein und Software, die vor alle physischen Aspekte unseres Daseins ein Vorzeichen von Dysfunktionalität und Schein setzt. Wir haben deshalb das Bedürfnis, in die Materialität der Welt einzutauchen.
  614. Beim Gehen und Fahrradfahren entsteht ein „Produkt“, so die eben zurückgelegte Strecke. Es entsteht ein ständiges positives Feedback: Das hast Du geschafft.
  615. In der Eigenbewegung entsteht auch neue Energie.
  616. Ich möchte gerne in einer Straße wohnen, wo nur Fußgänger und Fahrradfahrer an unserer Wohnung vorbeikämen und Kinder spielten. Es könnte auch ein Sandweg sein, auch hätte ich nichts gegen Pfützen.
  617. Beim Gehen bekommt der Tastsinn, der auch in den Fußsohlen vorhanden ist, eine große Funktion und erzeugt substantielle Bedeutungen.
  618. Die ständige gewohnheitsmäßige Nutzung von Fremdenergien (insbesondere das Auto) hat uns unmündig gemacht, uns unserer eigenen Kraft zu bedienen: Wir trauen uns selbst nichts mehr zu.
  619. Natürlich geprägte Landschaften sind notwendige Bedingung für Bewegungen, aber sie determinieren sie nicht.
  620. Wandern ist Selbstzweck im Sinne von Schillers Spielen.
  621. Der “rechte” Weg ist mühsam, wie rechte Wege es zu sein pflegen (Erich Auerbach).
  622. Hatte eine Bronchitis. Danach viel gelaufen: körperliche und geistige Festigkeit stellten sich wieder ein.
  623. Wirklichkeit im eigentlichen Sinne erfahren wir primär über das Gehen.
  624. Wenn Du tief atmest, ist es gut, denn Du bewegst Dich.
  625. Zum Leben gehört Eigenbewegung. Bist Du heute schon gegangen?
  626. Jede denkende Durchdringung eines Themas gleicht einer Wanderung durch unbekanntes Terrain. Auch hier gibt es Sackgassen, Unbegehbares, kurz: Irrtümer.
  627. Auf der Suche nach “Schnappschüssen” des Alltags fuhren die beiden vermögenden Aristokraten (die Gebrüder de Goncourt) Omnibus, gingen in Bordelle, besuchten Krankenhäuser und Elendsviertel (FAZ v. 23. 7.07). Nur so erlangten sie direkte Kontakte von der Welt im Modus der Eigenerfahrung.
  628. Eigenbewegung ist für mich der Inbegriff für eigene, selbstgemachte Erfahrungen und für Autonomie.
  629. Es liegt im Wesen der menschlichen Kraft, dass sie sich nur bei Anwendung vergrößert und verfeinert.
  630. Die Erkenntnis von Hans Blumenberg, dass das Weniger-wahrnehmen-Müssen ganz in den Dienst des Mehr-wahrnehmen-Könnens träte, ist allgemeingültig, trifft also auch auf die Eigenbewegung zu.
  631. Erkenntnisse über sich selbst und der Umwelt liegen bei der Eigenbewegung oft im vorbegrifflichen Bereich.
  632. Eigenbewegung ist nicht nur als Gehen und Wandern lebenswichtig, sondern auch eine fundamentale Weise realer Weltaneignung. Das wäre vielleicht das Feld einer wahrhaft konservativen Anthropologie in humanistischer Absicht.
  633. Autonomie auf elementarer Ebene konstituiert sich durch Eigenbewegung.
  634. Thomas Gottschalk will sich bald von seiner Harley-Davidson trennen. Sein Motto lautet jetzt: “Lieber langsam laufen als schnell fahren.” Wenn man bedenkt, dass Gottschalk Ausdruck und Verstärker von gesellschaftlichen Hauptströmungen ist, liegt hier eine hoffnungsvolle Aussage vor.
  635. Es geht auch um die Befreiung der Eigenbewegung aus den Fesseln des Sports und um ihre Ersetzung durch die Fremdbewegung.
  636. Eigenbewegung ermöglicht Erfahrungen mit anderen und anderem. Eigenbewegung in interessanten natürlichen, kulturellen und sozialen Umwelten erhöht wesentlich die Chance, Alterität zu erfahren.
  637. Obwohl öffentliche Verkehrsmittel Eigenbewegung im Sinne der Ortsveränderung mit Hilfe von Eigenenergie einschränken, lassen sie überraschende soziale Erfahrungen zu und sind allein aus diesem Grunde individuellen Verkehrsmitteln weit überlegen.
  638. In der Eigenbewegung ist man im Zustand der Wahrheit.
  639. Maxime: So viel Eigenbewegung wie möglich, so wenig Fremdbewegung wie nötig.
  640. Jeder Spaziergang kann, muss aber nicht zu einem „event“ werden.
  641. Es könnte sich als fruchtbar erweisen, Schopenhauers Begriff des Willens, der ursprünglichen Lebenskraft, systematisch mit der Eigenbewegung in Verbindung zu setzen. Muskeln sind nicht nur passives Transformationsmedium, sondern auch der physiologische Quellgrund der Kraft.
  642. Nur in der stillen Beobachtung und in der Eigenbewegung ist man offen für Schönheit, aber auch für die Fragilität der Natur.
  643. Eine anregende und befriedigende soziale, kulturelle und natürliche Umwelt unterstützt und erleichtert Eigenbewegung. Das Gegenteil erfährt man leicht, wenn man eine längere Strecke an einer vielbefahrenen Straße gehen muss.
  644. Eigenbewegung schont die Umwelt und verbessert den Zustand von Körper, Geist und Seele. Fremdbewegung entfremdet.
  645. Der Wunsch nach Ortswechsel ist ein legitimes Grundbedürfnis des Menschen. Aber nur im Modus der Eigenbewegung schafft er sinn- und sinnenvolle Erfahrungen, nur sie öffnet Wege und nachhaltige Erinnerungen.
  646. Ich las, dass Paul Gerhardts Sprachrhythmus viel mit dem Rhythmus des Gehens zu tun habe. Das erklärt vielleicht, dass er heute fast nicht mehr verstanden wird.
  647. Eigenbewegung ist eine Handlung. Ein spezifisches Bestimmungsmerkmal der Eigenbewegung ist die Tätigkeit und der Einsatz von Muskeln.
  648. Jede Eigenbewegung ist eine Selbstvergewisserung. Einen Schritt kann man mit einem Gedanken gleichsetzen.
  649. Im Urlaub laufen wir viel. Ernst nach ca. einer Woche gibt mein Körper seinen Widerstand auf und wird behände. Er scheint sich offensichtlich, dieses Zustandes zu erfreuen.
  650. Der Aufwand für eine mehrtätige Wanderung ist von der “materiellen” Vor- und Nachbereitung her gesehen gering. Auch eine Erleichterung.
  651. Die Chance, dass Seele, Geist und Körper eine lebendige Einheit bilden, ist beim Gehen relativ groß.
  652. Frühere “Straßenkindheit” war emotional leichter zu bewältigen, weil die Ortsbewegungen der Kinder autonom von ihnen gestaltet wurden. Auch gab es damals wesentlich mehr soziale Kombinationsmöglichkeiten, da es “draußen” immer Kinder gab.
  653. In der Eigenbewegung entstehen im Mikro- und Makrobereich Kraft und Energie, die die Verbindung zu der jeweiligen Umwelt und zu sich selbst ermöglichen. Man beobachte ein Kind auf der Straße: Es kommuniziert mit seinem ganzen Körper aktiv mit allen möglichen Elementen seiner Umwelt, sei es eine Blume, eine Pfütze, ein Stein, ein Hund oder ein anderes Kind.
  654. In der Eigenbewegung kann ich potentiell Kontakt mit jedem Element meiner Umwelt aufnehmen, in der Fremdbewegung bin ich nahezu vollkommen hermetisch von ihr getrennt.
  655. Laufen = Denken und Handeln. Eine allgemeine Renaissance der Eigenbewegung würde die Umwandlung von Naturlandschaften in ferienindustrielle Gebiete drastisch einschränken.
  656. Grundsätzlich steht die Eigenbewegung für situative Offenheit, das Auto dagegen für Abgeschlossenheit gegenüber den Dingen.
  657. Wie das Haus das größte Reservoir für Energieeinsparungen ist (vgl. Spiegel Nr. 7, 2007), so liegen entsprechende Ressourcen in der Eigenbewegung.
  658. Gehen und Autofahren erzeugen zwei verschiedene Erfahrungswelten - auch wenn die Stadt oder Landschaft identisch ist.
  659. Ich muss gehen, um Neues zu entdecken. Das gilt auch für Bewusstseinsprozesse.
  660. Eigenbewegung ermöglicht sichere Erfahrung.
  661. Wandern ist ein Kräfte”schaffer” und -bildner.
  662. Der Eigenbewegung fehlt es an Vorbildern. Die Eltern fahren ständig - was lernt das Kind? Da muss in ihm schon ein kräftiger Eigensinn vorhanden sein, wenn es sich diesen Zwängen widersetzen kann.
  663. Lebendige und wertvolle Potenzen, die in der “Tiefe” des Körpers vorhanden sind, werden teilweise erst im Modus der Eigenbewegung frei.
  664. Die vernünftige Mobilitätsregel lautet: Alle Ortsveränderungen zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln durchführen - nur den notwendigen Rest mit dem Auto.
  665. Meide Orte, die nur mit dem Auto erreichbar sind.
  666. “Wer im Theater nur auf Monitoren etwas sehen kann, dem wird das Ausmaß unseres Ausgeliefertseins an die mediale Reflexion der Welt erst spürbar. Aufspringen, die Perspektive wechseln, sich seines Status als Durchgangsreisender in der Welt bewusst zu werden, statt sich bequem in die Polster der Unterhaltungsindustrie fallen zu lassen, dazu forderte Forsythes Arbeit stets auf” (Wiebke Hüster in der FAZ vom 3. 2. 07).
  667. Ich bin fest davon überzeugt, dass intensive körperliche Eigenbewegung und intensive geistige Bewegung sich gegenseitig stützen. Überhaupt sollte immer ein intensives und gehaltvolles Leben angestrebt werden: Eine Mahler-Sinfonie hören und (nicht “oder”!) eine anspruchsvolle Wanderung bzw. Spaziergang heißt die Devise.
  668. Emersons Gedanke, dass Wohltun die Endabsicht der Natur sei, hat etwas Überzeugendes. Im Modus der Eigenbewegung wird diese Einsicht zur sicheren Erkenntnis.
  669. Eigenbewegung in Form des Wanderns heißt Maximum an Selbst- und Umwelterfahrung und Minimum an Umweltbelastung.
  670. Nach Schopenhauer besteht zwischen dem Willensakt und der Leibesaktion Identität, d. h. Stärkung der Eigenbewegung ist Willensstärkung wie umgekehrt die Willensstärkung die Wahrscheinlichkeit zur Eigenbewegung vergrößert - wenn die rechte Einsicht vorhanden ist.
  671. Dass wir durch bestimmte Körperhaltungen und Gestik Einfluss auf unsere Gefühlen nehmen können, wissen wir seit Pascal. Das gilt auch für Ortsveränderungen im Modus der Eigenbewegung. Es entsteht Lebensmut.
  672. Meine Musikbegegnung ist ausschließlich von konsumtiver Art - und ich leide nicht wirklich. Vielleicht kann man einen Analogieschluss ziehen: Habituelle Autofahrer und Fernsehsehkonsumenten leiden schlicht nicht am Verlust von Eigenbewegung. Konsequenz: Ich müsste endlich ein Musikinstrument spielen lernen, der Autofahrer und der Fernsehkonsument müssten sich selbst bewegen.
  673. Eine Möglichkeit, Einheit mit Welt zu stiften, bieten östliche Übungen wie Tai-Chi, wo der Subjektpol mit inneren Bildern verbunden wird.
  674. Eigenbewegung und Bildung gehören zusammen. Eigenbewegung ist Handlung und damit das Fundament der Bildung, sie ist die Lektion des Bei-der-Sache-Bleibens, des Hier-und-Jetzt. 
  675. Eigenbewegung, wenn selbst bestimmt, geschieht im Modus der Freiheit.
  676. Die Fähigkeit zur Eigenbewegung ist ein Geschenk. Jeder Kranke weiß es - und trotzdem nehmen wir dieses Geschenk nicht an.
  677. Eigenbewegung ist grundlegende Ausdrucksform der Gefühle, dient als Medium für Heilungsprozesse. ist die Sprache des Körpers und zeigt die innere Welt des Menschen. Auch dient sie zur Kontaktaufnahme zur Welt und zu anderen Menschen. Veränderte Bewegungsmuster weisen auf Veränderungen der Lebens- und Beziehungsmuster. Eigenbewegung unterstützt Menschen in ihren persönlichen und kreativen Wachstumsprozessen und öffnet den Zugang zum eigenen Lebenspotential. Bewegung hilft, innere Strukturlosigkeit zu überwinden bzw. neue Strukturen zu schaffen oder verdrängte zu revitalisieren. Die Offenheit von Eigenbewegung veranlasst dazu, sich auf die Komplexität und Dynamik von Situationen einzulassen. Die Bewegung ermöglicht  das Wahrnehmen anderer Sichtweisen, so dass gewohnte Konstruktionen aufgehoben werden und das Finden und Erfinden neuer Wirklichkeiten möglich wird. Der Mensch wird wieder handlungsfähig, um eine gesteigerte Lebenszufriedenheit zu erzielen. (Diese Sätze sind leicht verändert dem Artikel "Tanzen als Psychologie" im Flensburger Tageblatt vom 6. 1. 07 entnommen, wobei ich "Tanzen" und "Eigenbewegung" aus guten Gründen gleichgesetzt habe.)
  678. Wenn ich mich selbst nicht bewege, findet die Vernichtung "meiner" Räume statt. Mit körperlicher Bewegung ausgefüllte Räume sind auch immer geistige Räume.
  679. In der Eigenbewegung sind Körper, Geist und Seele eins. In der Fremdbewegung ist der Körper nahezu funktionslos, Geist und Seele sind reduziert.
  680. Am Sonnabend vormittag sind wir zu Fuß zum Markt in die Innenstadt gelaufen (4 km). Zurück nahmen wir den Bus, waren fünf Minuten zu früh da, hatten also Zeit zum müßigen Beobachten. Auch das gehört zur Lebensqualität. Wie reduziert dagegen dieselbe Strecke mit dem Auto. Um den Verlust durch Fremdbewegung zu erkennen, sollte man gelegentlich die Anzahl der getauschten Augen-blicke mit anderen Menschen in den verschiedenen Modi der Bewegung zählen - vielleicht führt das zu einer Veränderung der eingefahrenen (wortwörtlich!) Gewohnheiten.
  681. Eigenbewegungen ermöglichen Energieeinsparungen - und das ist heute kein unwichtiges Argument.
  682. Insbesondere die Stadt ist wesenhaft untrennbar mit der Eigenbewegung verbunden - beide stehen in einem komplementär-konstitutiven Wechselverhältnis.
  683. Provence- und Toskanafilme sind beliebt, weil in ihnen Natur, direkte menschliche Kontakte und der Mensch dominieren. Also Werte, die zunehmend in der heutigen Welt verschwinden.
  684. Heute sollte vor dem delphischen "gnothi seauton" (Erkenne Dich selbst) das "Bewege Dich selbst" stehen.
  685. Das eine Kind hüpft auf dem Bordstein rauf und runter, das andere sitzt und starrt auf den Fernsehschirm. Die Differenz? Die Schönheit der eigenen Bewegung spüren -  aber auch die der anderen genießen.
  686. Die sichtbare Wiederkehr der Nachbarin - sie hat einen kleinen Hund bekommen.
  687. "Jeder Schritt ein Gedanke und jeder Atemzug ein Gedicht" (von Robert Walser, gefunden in einem lesenswerten Essay von Brigitte Kronauer in der FAZ vom 29. 12. 06)
  688. Nur noch im Urlaub greifen die Menschen - aber auch dort immer weniger - auf die Möglichkeit der Eigenbewegung zurück. Warum?
  689. Wir müssen uns um unseren Körper bemühen, uns um sein Wohlergehen kümmern - und das heißt heute primär sich bewegen.
  690. Beim Gehen kann ich jederzeit stehen bleiben und Dinge der Umwelt betrachten, sie in Ruhe bedenken und in ein Gespräch mit ihnen eintreten.
  691. Ein Argument gegen die sitzende Lebensweise: "Körper und Geist können unmöglich elastisch werden, wo nicht starke Wechsel stattfinden" (Hippokrates).
  692. Die Eigenbewegung in sozialen Alltagswelten führt häufig zum Aufeinandertreffen mit anderen Menschen - und das ist gut so. Hier ist eben nicht alles perfekt geregelt. Heute hat Ordnung primär die  Funktion, Menschen aneinander vorbeizuführen.
  693. Erstaunte und bewundernde Ausrufe wie "Das könnten wir nie" oder "Das trauen wir uns nicht zu" hören wir auf unserer Wandertour vom Königssee zum Spitzingsee mehr als einmal. Dabei sind wir keine Sportler, keine habituellen Wanderer, sondern gehören eher in die Kategorie Spaziergänger im fortgeschrittenen Alter. Aber es stimmt, wir gehen gerne. Im Rucksack ist alles Notwendige, er ist zwar nicht ganz leicht, aber dadurch bekommt die ganze Tour einen Touch von Ernsthaftigkeit und Professionalität. Vom Norden über München kommt man problemlos mit Hilfe eines vorzüglichen Nahverkehrssystems nach Berchtesgaden. Wir sind jeden Tag nie mehr als 20 Kilometer gelaufen. Von den durchwanderten Orten hat uns Bayrischzell am stärksten angerührt. Ich habe das Ensemble von Kirche, Rathaus, Ortsgasthaus und Zellerhof noch ständig vor Augen. Beispielhaft sei der letzte Tag unserer Wanderung von Bayrischzell zum Spitzingsee etwas genauer beschrieben: Am Waldrand ca. drei Kilometer bis nach Osterhofen, von dort dann hoch zur Rotwand (1884 m) vorbei am Soinsee, ein sehr stille, und idyllisch gelegener See, in dem einige Jugendliche baden und an dessen Ufer viele Wanderer und Spaziergänger rasten. Über die Großtiefenthal-Alm der ultimative Anstieg zum Rotwandhaus. An einer Hütte bekommen wir klares Quellwasser zu trinken. Insgesamt ist der Anstieg sehr anstrengend, aber auch unbeschreiblich schön. Das Rotwandhaus ist draußen voller Menschen, alle sind offensichtlich gut drauf, viel Lachen und glückliche Gesichter. Auch junge Eltern mit Kinderwagen, überhaupt viele Kinder. Sitzen zwei Stunden bei großer September-Hitze (!) entspannt an der Hüttenwand. Dann fast wieder topfit in zweieinhalb Stunden bequem auf der Via Alpina zum Spitzingsee. Abends im Arabella-Hotel übernachtet. Kein Problem mit Übernachtungen, die Palette reicht vom Bauernhaus bis zum edlen Hotel. Die Karten sind sehr hilfreich, zumal die Strecken gut ausgeschildert sind. Es gibt keine realen Hindernisse, die bestehen offensichtlich nur in den Köpfen. Das kann jede und jeder. Auf einer solchen Tour erfährt man viel von der Welt und sich selbst. Viel mehr als in einer All-Inklusivtour nach Lanzerote oder mit dem Wagen von Hamburg nach Sizilien.
  694. Wir sind abends in ein drei Kilometer entferntes Restaurant eingeladen worden. Es regnet. Wir laufen in Regenkleidung und festen Schuhen dort hin. In einem Rucksack sind leichte Schuhe und ein Handtuch. Auf der Toilette ziehen wir uns um - und können, was Eleganz betrifft, sehr wohl mit den Anwesenden mithalten.
  695. Autos fahren aneinander vorbei, Fußgänger treffen aufeinander - tauschen Augenblicke aus, sprechen miteinander oder weichen ggf. aus. Beim Gehen entstehen kommunikative Möglichkeitsräume.
  696. Bewege Dich, und es geht Dir schon besser- zumindest meistens.
  697. Es geht hier nicht um Abkehr von Zivilisation, Kultur und Gesellschaft - im Gegenteil: um Welt- und Selbstintensivierung.
  698. Zum wirklichen Erlebnis und zur Weltbegegnung muss muskuläre Tätigkeit dabei sein. Muskeltätigkeit ist Indikator und Garant für das menschliche Maß. Aber Muskeltätigkeit muss in ,,guter" Umgebung stattfinden. Muskeltätigkeit ist Eigenes, Quelle der Freude und Selbstgewissheit.
  699. Beim Gehen und Fahrradfahren entdeckt man auch das Fremde in sich und das Fremde in den Dingen, d. h. deren Autonomie.
  700. Wenn wirkliches Merken nur muskulär geschieht, dann merkt man nicht die Bewegungslosigkeit. Die Bewegungstheoretiker verlassen nicht den Gegenstand ,,Bewegung", sie können deshalb  „Nicht-Bewegung" eigentlich nicht denken. Das können nur Mediziner.
  701. Guckt Euch die muskulären Tätigkeiten an und ihr habt eine reale Grundlage für die Bestimmung von Ideologien und Werbung.
  702. Mein Ansatz geht mit Sport zusammen, weil beide die muskulären Tätigkeiten als wichtig erachten. Folglich ist der Motorradsport kein Sport und mit Recht nicht auf der Olympiade vertreten.
  703. Laue Sommernacht: Das Geräusch des Getreidemähers eines Bauern durchdringt den Abend, dann heulen Motorräder auf und beschallen den ganzen Stadtteil. Ersteres ist in Ordnung, letzteres nicht. Die wertende Differenz liegt im Unterschied von Notwendigkeit und Nichtnotwendigkeit.  
  704. Autofahren erzwingt immergleiche Bewegungen, in diese Struktur kann auch das Denken geraten.
  705. Eigenbewegung vermittelt das Konkrete und das Materielle und nicht das Allgemeine und den Begriff.
  706. Es ist ein großer Unterschied, ob ein Mensch oder Dinge bzw. Informationen transportiert werden.
  707. Ein Körper, der keinen Muskel betätigt, hat keinen Kontakt zur Umwelt und zu seinem eigenen materiellen Körper. Wer sich nicht bewegt, spürt nichts. Muskelbewegung ist notwendige, wenn auch nicht hinreichende Bedingung des Lebens.
  708. Muskellose  Tätigkeit ist nur beim Lesen, Betrachten und natürlich Schlafen sinnvoll.
  709. Mit dem sich bewegenden Körper kritisieren heißt: Unbeweglichkeit mit Beweglichkeit kritisieren, nicht mit Begriff und Reflexion; dann werden auch gespeicherte Erfahrungsspuren, Gedanken, Gefühle und Vorstellungen in Bewegung gesetzt. Das ist auch ein Sinn meines Selbstexperiments und eine Quelle und Fundament meiner Gedanken.
  710. In der Bewegung verkörpern wir das Unsichtbare, d. h. vielleicht Alles in uns, zumindest unsere Potentialität. Bewegungen haben einen aristokratischen Charakter, sie sind eine hohe Form des Menschseins, zumindest viel mehr als in der Fremdbewegung. In der Fremdbewegung ist der Mensch grundsätzlich reduziert.
  711. Erst in der taktilen Auseinandersetzung bemerke ich ein Ich, bringe ich mich ganzheitlich ein. Nicht das Cogito, sondern das Taktile gibt größte Sicherheit.
  712. Es gibt  ein anthropologisches Bedürfnis nach Eigenbewegung - wenn man nicht schon innerlich gestorben ist.
  713. Gehdiskurs ist in Praxis transformierter Aufklärungsdiskurs.
  714. Gehen ist sich selbst wahrhaftig zum Ausdruck bringen. Zur Humanität gehört unabdingbar Eigenbewegung.
  715. Unter Eigenbewegung werden hier ortsverändernde Bewegungen verstanden, die mit Hilfe körpereigener Muskeln durchgeführt werden. Das reicht von zu Fuß gehen über Rad fahren bis zum Skaten. Es geht um Eigenbewegung in interessanten natürlichen, kulturellen und sozialen Alltagswelten.
  716. Doris Bachmann-Medick beschreibt in ihrem informativen Buch ,,Cultural turns. Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften" (Reinbek 2006) die sogenannten ,,Wenden" in den Kulturwissenschaften. Im Spatial Turn wird der Raum ,,zu einer zentralen Analysekategorie, zum Konstruktionsprinzip sozialen Verhaltens, zu einer Dimension von Materialität und Erfahrungsnähe sowie zu einer wirkungsvollen Repräsentationsstrategie" (S. 42). Eigenbewegung und der jeweilige Raum bilden eine untrennbare, sich wechselseitig beeinflussende Einheit. Achtet auf die Räume! 
  717. Eigenbewegung ist Leben, Bewegungslosigkeit ist letztlich der Tod. 
  718. Psychische Widerstände erscheinen oft als körperliche Restriktionen und Schmerzen. Es sind gewissermaßen Rationalisierungen. Sie werden am effektivsten in der Eigenbewegung aufgebrochen. 
  719. Sport ist Bewegung im Zwangsrahmen. 
  720. Ich wünsche mir eine Stadt, in der sich die Menschen in Eigenbewegung, sei es zu Fuß oder mit dem Rad, fortbewegen. Öffentliche Verkehrsmittel wären für ,,Restbewegungen" zuständig. 
  721. Im Modus des Wanderns ist die Einheit von Subjekt und Objekt wohl noch am lebhaftesten gegenwärtig. Ulrich Grober gelingt es in ,,Vom Wandern. Neue Wege zu einer alten Kunst." Frankfurt am Main 2006 (Zweitausendundeins) in einzigartiger Weise, diese Einheit zu vermitteln, dass man zeitweilig sogar meint, nicht zu lesen, sondern zu wandern. 
  722. Sich in interessanten sozialen Umwelten zu bewegen, heißt auch, in Kontakt mit Menschen zu sein, auch mit solchen, die einem nicht so geheuer sind - aber auch das gehört zu einem nicht-reduzierten Leben. 
  723. Gehen ist nicht Energieverlust, sondern Energiegewinn - natürlich innerhalb von Grenzen. Wie regsam ist man während und nach einem Spaziergang. 
  724. Gehen und Fahrradfahren stärken das Soziale und die Gesellschaft, denn hier herrscht reale Öffentlichkeit im Sehen und Gesehenwerden, im Blick und antwortenden Blick, im Gewahrwerden und Intervention. 
  725. In der Eigenbewegung verringert sich Täuschung bzw. Selbsttäuschung, während die Möglichkeiten der Selbstbestimmung wachsen. 
  726. Die Angehörigen hoher und höchster Stände liefen nicht in der Stadt, sondern ritten, fuhren in der Kutsche oder ließen sich in der Sänfte tragen. Rousseau war wohl der erste, der auf die damit verbundenen Verluste hinwies. Heute ist Rousseau ,,überwunden", nahezu keiner geht mehr zu Fuß. Der aufrechte Gang im Sinne von Ernst Bloch  ist keine Option mehr. 
  727. Gehen oder Rad fahren bedeutet Wachstum und kostet nichts. Ist dieses ökonomische Argument der Grund für das tendenzielle Verschwinden dieser Fortbewegungsmöglichkeiten aus dem Alltag? 
  728. Beim Gehen sehe ich alles, was ein Mensch überhaupt sehen kann.