Miszellaneen

Stand: 17. 10. 17

 

0. Gedanken zu den Gedanken (Metaebene)

A. Philosophie/Anthropologie

B. Pädagogik und Bildung

C. Mögliche Module und Elemente zur politischen Ökologie und Technikkritik

D. Unkommentierte Exzerpte

E. Spekulatives

F. Literaturempfehlungen

 

O. Gedanken zu den Gedanke

  1. Von der eigenen Doppelmoral: Ich mag keinen Krach. Nun haben wir den Maler, der beim Abschleifen Krachmacht. Das stört mich aber nicht.

  2. Nicht  Menschen kritisiere ich, sondern ein bestimmtes Verhalten. Dieses Verhalten auf die Person auszudehnen, wäre schlechte Verallgemeinerung.
  3. Meine Hoffnung: Meine Theorie dient allen Menschen.
  4. Die Analyse dient mir der Synthese. Die Synthese ist das Ziel.
  5. Die soziale und bauliche Struktur aus der Kleinstadt Elmshorn und dem Dorf Averlak hat mich bis 1955 geprägt.
  6. Bequem ist meine Position bestimmt nicht, obwohl es eigentlich gegen meine Natur ist, unbequem zu sein, im Gegenteil, ich sehne mich nach Harmonie, was ich auch belegen kann. Bin aber unbequem, wenn es die Situation verlangt.
  7.  Meine Kritik bezieht sich nicht auf die Wirtschaft, sondern auf die auf das Kapital ausgerichtete. Unserem politischen System und auch deren Realisation stehe ich positiv gegenüber.
  8. Merkwürdig: Kritik hat immer die anderen zum Gegenstand, selten sich selbst.
  9. Meine Kapitalismuskritik ist eine andere als die traditionelle, die zu ihrer Zeit weitgehend berechtigt war.
  10. Ich bin nur in den Prozessen engagiert, in denen ich Verantwortung habe, auch wenn es wie bei der Ökologie nicht explizit ist.
  11. Vor allen Entscheidungen sollte man bilanzieren und das Ergebnis nicht vergessen.
  12. Ich bediene das gute Allgemeine, Trump den Egoismus.

  13. Ist es für mich überhaupt möglich, entscheidend den Zeitgeist zu transzendieren?

  14. Meine Sicht wird sicherlich nicht von der Mehrheit geteilt.
  15. Mein Horizont ist nicht das Ende der Welt, auch nicht die gegenwärtige Erkenntnis.
  16. Mein Nachbar  arbeitet intensiv an der Veränderung seiner materiellen Umwelt, und damit indirekt an sich selbst. Ich arbeite direkt an der Veränderung meines Geistes, damit ich besser erkenne und bewerte.

  17. Eigenbewegung ist der herrschende Mittelpunkt meines Systems.
  18. Ich kann nicht objektiv belegen, dass meine Gedanken wahr und richtig sind, aber das muss ich beim Schreiben denken.

  19. Im Finden von relevanten gesellschaftlichen Strukturen bin ich relativ erfolgreich.

  20. Ich bin ein zweiter männlicher Cassandrus.

  21. Ein PC kann sich nicht selbstkritisch reflektieren, letztlich kann er gar nicht reflektieren – und maschinenähnliche Menschen auch nicht. hp Aber auch Mensch tun sich substantieller Selbstkritik sehr, sehr schwer, ja es schein fast unmöglich zu sein. Selbst Nazis bewerteten sich selbst als unschuldig. Nicht Selbstkritik, aber andere und Umstände kritisieren können wir sehr gut. Selbstkritik ist der Blinde Blick des Menschen. Das bezieht sich auf individuelle und kollektive Selbstkritik. Maxime: Ich darf nicht einen Menschen an sich kritisieren, sondern nur bestimmte Eigenschaften und Haltungen von ihm. Schwerpunkt müssen die Sachen sein, die allerdings von Menschen gemacht wurden.

  22. Meine Hoffnung: Ich werde immer von Gott gehalten.

  23. Man kann entweder konkret arbeiten oder allgemein reflektieren. Tertium non datur. Das ist der Hiatus zwischen konkret und allgemein.

  24. Meine „normalen“,  netten und hilfsbereiten Nachbarn sind auch mein Untersuchungsfeld über den Zustand und Tendenzen in unserer Gesellschaft ranzukommen. Alle drei vertreten einen Typus; der Techniker, der Akdademiker, die Resignierende. Übrigens betrachte ich mich selbst als Nachbar.

  25. Ich bin nicht mit dem Status meines Wissens zufrieden, er ist immer nur eine Zwischenstation.

  26. Oft ist meine Position inzwischen im Denken der konsumorientierten Bürger nicht mehr anschlußfähig.
  27. Man darf nicht nur an sich denken, sondern ist auch für das Ganze verantwortlich, zumindest für einen Teil.
  28. Was wir 1978 ökologisch dachten, ist heute ebenfalls nicht mehr anschlußfähig, hatte damals für viele Menschen aber große Plausibilität. Deswegem muss ökologische Politik aus strategischen Gründen thematisch so eng wie möglich  vertreten werden.
  29. Der geflochtene Weidenzaun am Pastorat in Kropp löst sofort in mir Modellgedanken aus.

  30. Diese Homepage soll allein den Interessen der Menschen und der Erde dienen. Das Internet ermöglicht das.

  31. Ich habe in dieser Homepage einen bedenkenswerten Lösungsweg entwickelt.

  32. Ich bin bescheiden aus der Einsicht, dass menschliche, individuelle und kollektive Wahrheitsbestimmung gemessen an der ganzen Wahrheit sehr begrenzt ist. Und: Der Irrtum lauert immer.  

  33. Es gibt eine tiefe Übereinstimmung, die jenseits der jeweiligen Differenzen liegt.

  34. In eigner Sache Werbung betreiben ist immer misslich und peinlich.

  35. Zumindest für mich gilt: Ökologische Theorie ist auf Praxis, und Praxis ist auf Theorie angewiesen.

  36. Ich mag und will  nicht vorschreiben, sondern Argumente liefern, die ggf. übernommen und angeeignet werden können. Alle meine normativen Aussagen  verstehe icht nicht absolut, sondern als Orientierung, als Angebote.

  37. Faktenerwerb ist Wissen in die Breite, aber Fakten sind gemacht, deswegen muss man auch ihre jeweilige „Produktionsmethode“ kennen.

  38. Ist es legitim, Nachbarn ungefragt zu Gegenständen der Forschung zu machen?

  39. Ein Ziel: Der Gegenwart den Narrenspiegel vorhalten.

  40. Ich setze auf Evolution, nicht auf Revolution. Demokratie ermöglicht Evolution.

  41. Ein Teil meiner Nachbarn, Verwandten, Freunde,  aber auch ich selbst, liefern mir Material zum Bedenken.

  42. Formal bin ich in Rente, faktisch nicht, denn ich arbeite weiter, allerdings nun ausschließlich im Modus des Home Office.
  43. Ich muss  gegenüber meinen drei extrem unökologischen Nachbarn  dankbar sein, denn durch sie gewinne ich viele Einsichten über die konsumorientierte Industriegesellschaft.
  44. Könnte ich doch mit Tieren wie mit Menschen sprechen.
  45. Ich weiß nicht, welches Potential in mir steckt.
  46. „Wenn die Menschen nicht darauf achten, was sie tagtäglich in den Mund nehmen, werden sie abgespeist mit Dutzendware und minderwertigem Allerweltszeug. Das ist beim Brot genauso wie bei der Sprache. Die einheimische Mundart stellt einen über Jahrhunderte gewachsenen Schatz dar, dessen Schmuckstücke immer wieder poliert und benutzt werden müssen, damit sie ihren einzigartigen Glanz entfalten und behalten können. Das Althergebrachte gilt es zu kennen, zu pflegen und zu erneuern, sonst wird es vergessen und geht verloren“ (auf einer Tüte des Feibäckers Arnd Erbel). Deswegen empfinde ich es als Bereicherung, dass ich Plattdeutsch und Friesisch spreche. Wohnte ich in Graubünden, würde ich sofort Rätoromanisch lernen.  Nicht nur in den Sprachen ist Vielfalt ein Wert an sich.

  47. Ich hoffe, dass meine Beiträge helfen, sich der Wahrheit zu nähern.

  48. Meine Argumente gehen von den körperlichen und geistigen Fähigkeiten des Menschen aus, die von der motorisierten Technik ersetzt wird.

  49. Ich bin grünes Urgestein, das nicht eingeknickt ist. Ist das überheblich? 

  50. Dass ein guter Gedanke im Bewusstsein erscheint, ist ein Geschenk. Dessen Veröffentlichung ist sinnvoll, aber nicht die Hauptsache.

  51. Im Kern habe ich zwei Themen, die Ökologie und Antwort auf die Frage zu bekommen, wie es zum Holocaust kam? These: Beide Themen haben strukturelle Ähnlichkeit, denn die Natur ist wie die Juden damals schutz- und wehrlos.
  52. Böse Interpretation: Instrumentalisiere ich die Verbrechen der Nazis in meiner Kritik, um selbst als Gutmensch dazustehen. Aber das ist nicht der Fall, da bin ich mir ziemlich sicher.  
  53. Vermutung: Ich bin für große Dinge zu klein und für kleine Dinge zu groß.

  54. Mein größter Widerspruch: Die Begeisterung und Engagement für den HSV.

  55. Manchmal denke ich in einem Anflug von Größenwahn, dass ich der einzige bin,  der eine realistische Ist-Analyse des Ganzen leistet und der einzige bin, der den einzigen Aus-Weg aufzeigt.  

  56. Wenn der Akzent auf Wirtschaftswachstum liegt, spreche ich vom Kapitalismus, sonst neutral von Wirtschaft als ein Existenzial des Menschen. Wenn bei der Produktion von Waren und Dienstleistungen der Gewinn Ausgang und Mittelpunkt ist, dann nenne ich dieses Wirtschaften Kapitalismus, wenn primär die Befriedigung von Bedürfnissen im Mittelpunkt steht, dann nenne ich das Wirtschaften.

  57. Sich täuschen lassen heißt zumindest objektiv,  sich schuldig machen.                                                            

  58. Die Liebe zur Beständigkeit finde ich aus der Sicherheit des Todes verständlich.  
  59. Warum verstehen sich die nationalen Kulturen nicht bereits auf dem ersten Blick als komplementär?
  60. Der Wert von Möglichkeiten wird oft überschätzt, oft sind sie überflüssig. Im Bereich der Mobilität genügen Fuß, Rad und öffentliche Verkehrsmittel (außer Fernbusse, die ich für schädlich erachte).
  61. Das Problem: Wir sind alle entfremdet und damit auch unsere Analyseinstrumente. So mein HSV-Engagement.

  62. Ich bin ein Reflektierender, ob wesentlich, lasse ich offen.

  63. Eine ökologische Kassandra bzw. Kassandrus bekommt auch kein Lob.

  64. Meine Bezugsgröße ist der Mensch bzw. das menschliche Maß.

  65. Wenn denn unbedingt eine Schublade gefordert wird, würde ich mich als wertkonservativen Ökologen bezeichnen.
  66. Ich habe zwei  Schwerpunkte in meinen Überlegungen: einerseits auf die großen Zerstörungen der Natur, der Kultur und Humanität durch den motorisierten Individualverkehr, andererseits das Augenmerk auf die Schönheiten der Erde und des menschlichen Lebens lenken. Diese Schönheiten liegen in der Regel, von Ausnahmen abgesehen, außerhalb des kapitalistischen Verwertungsinteresses. Also erweiterter Gebrauchswertbegriff.
  67. Ich kenne jemand, die ständig auf „pauschalisierten“ Weltreisen ist, aber trotzdem die AfD wählt. Sie reist offenbar ohne das Bereiste bewusst zu betreten und zu erleben.
  68. Eine Mitteilung hat das Ziel, den anderen frei zu machen, d. h. weiterbringen (nach Odo Marquard). So verstehe ich auch meine Beiträge.

  69. These: Meine Lebendigkeit ist ein Argument für meine Theorie.

  70. Was spricht eigentlich gegen meine Theorie der Motore, d. h. die Ersetzung des Lebens? Mir fallen keine Argumente ein, wenn es sie überhaupt gibt.

  71. Allmacht trägt den Kern seiner Ohnmacht in sich.

  72. In meinem Selbstverständnis habe ich strukturell Gemeinsames mit Kassandra, die mit Recht vor den Griechen warnte. Ich warne vor dem universalen Motoreneinsatz.

  73. Die notwendigen ökologischen Korrekturen dürfen nur innerhalb demokratischer Strukturen realisiert werden. Denn: auch eine Ökodiktatur ist eine Diktatur.
  74. Die Unterscheidung zwischen Natur und Kultur ist schwer zu bestimmen. Aber der Unterschied zwischen lebend und  nichtlebend ist  eindeutig bestimmbar.
  75. Es gibt eine Logik der Dinge, die wir geistig  wegen der Wechselwirkungen und nichtlinearen Reaktionen. Wahrscheinlich nie durchdringen werden können.

  76. Da die  Wirtschaft, außer Subsistenzwirtschaft, immer kapitalistisch verfasst ist, benutze ich in Zukunft vorwiegend den Begriff Wirtschaft.

  77. Mein Motiv, mich primär mit Erkenntnistheorie zu beschäftigen, ist nicht, zu sicheren Erkenntnissen zu gelangen, was – so glaube ich – gar nicht möglich ist, sondern so viele Einflussgrößen  wie möglich kennen zu lernen, die Erkenntnis konstituieren.

  78. ass ein wesentlich geführtes Leben sinnvoller sei als ein oberflächliches, konsumorientiertes ist letztendlich nicht zu beweisen. Das kann man nur glauben und hoffen.

  79. Der entscheidende Punkt der Mitteilung besteht gerade darin, den anderen frei zu machen (O. Marquardt).

  80. Robert Walser versuchte stets, Geschriebenes und Leben in Einklang zu bringen. Übrigens auch in ökologischer Hinsicht.

  81. Ohne Berücksichtigung der metaphysischen Dimension wird Wissen schnell unvollständig, ja falsch.

  82. In der Demokratie passe ich mich nicht an, sondern respektiere demokratische Entscheidungen.

  83. Von Natur aus und auch aus erkenntnistheoretischen Gründen bin ich kein Dogmatiker –hoffe es zumindest. In ökologischen Fragen bin  ich es allerdings, nicht aus Neigung, dogmatisch, weil es hier keine Wahlmöglichkeiten mehr gibt.

  84. Ich weiß, welch utopisches Denken ich den Lesern zumute, um meinen Ansatz „Eigenbewegung im Alltag“ als politisches Programm zu verstehen.

  85. Alles, was ich kritisiere, ist auch zumindest in Spuren in mir vorhanden. Deswegen ist meine Kritik immer auch ein Stück immanente Selbstkritik - oft nicht bemerkt.

  86. Es gibt auch auf der Wertebene nicht das absolut Gut und wohl auch nicht das absolut Schlechte.  Das müsste Kritik ständig berücksichtigen und möglichst auch thematisieren.

  87. Süchte versteht man am ehesten über die Kategorie „subjektiver Sinn“. Diesen Ansatz  muss man in der Analyse konsequent durchhalten, bevor man weiter denkt.

  88. Berechtigte Kritik, die nicht zu den notwendigenVeränderungen führt, muss solange wiederholt werden, bis die schlechte Wirklichkeit sich im Sinne der Kritik verändert.  

  89. Als politischer Ökologe bin ich  höchst kritisch gegen die Ausrichtung des zugerichteten modernen Zeitgeistes (Ziele, Bedürfnisse, Wirtschaftswachstum, Warenorientierung usw.). Aber gleichwohl bin ich genau so davon überzeugt, dass es zur Demokratie keine Alternative gibt (und geben darf). Nur in einer Demokratie ist eine lebendige Dialektik möglich, weil strukturell in ihr eingebaut.

  90. "Die Seiten sind noch leer, doch da ist dieses wundervolle Gefühl, dass die Wörter schon da sind, geschrieben mit unsichtbarer Tinten, und danach verlangen, sichtbar gemacht zu werden“ (Nabokov). Daran  muss ich noch arbeiten, damit sich dieses Gefühl bei mir einstellt.

  91. Eine Kultur und ein Individuum sind nie ohne Schuld (Wolfgang Kubin). Das zu bedenken, schützt gegen Selbstherrlichkeit und Überheblichkeit.

  92. Eine vielleicht etwas geschönte Selbstbeschreibung: Ich bin ein Bauer mit philosophischen Interessen.

  93. „Bei der Schwarzen-Hefte-Debatte um Heidgger in neuester Zeit z.B. wird auf die "Humanität" (Marten) des Subjekts gern gepocht, um dieses moderne Subjekt gerade vor jedwedem versuchten Neuentwurf zu bewahren. Wo kämen wir denn hin, wenn das moderne Subjekt infrage gestellt werden würde?!! Unsere humane Moralität wäre dahin!! O Schreck!! Das ist der nicht-so-geheime Konsens heute unter den Heidegger-Hassern -- und nicht nur bei denen, sondern überall. Deshalb ist heute im Westen denkerisch nichts los“(Michael Eldred). Dem stimme ich zu und bin der Meinung, Heidegger nicht zu studieren, ist ein großer Fehler. Die zweite große Aufgabe, die  insbesondere ein  Deutscher sich stellen muss, ist zu ergründen, wie Heidegger zu einer bestimmten Zeit das verbrecherische Tun der  Nazis massiv  unterstützen konnte. Übrigens eine Aufgabe, der  sich auch Eldred stellt. Zusatz: Gerade Heidegger selbst hätte doch systematisch und umfassend erklären können und müssen, wie sein Denken  dazu kam, sich so zu irren, und wie es sich daraus befreite. Hat er das überhaupt als Befreiung gesehen?

  94. Wenn man auf das Ganze aus ist, hat man keine Projekte zur Aufgabe. 

  95. Wort- bzw. Begriffsvorschlag: Realität ist sehr artifiziell, Wirklichkeit hat große Naturanteile. Beispiele: Die Realität des Theaters und die Wirklichkeit der Flußaue.

  96. Alles, was ich kritisiere, ist in nuce natürlich, ist in der Natur angelegt. Es gibt keinen absoluten Anfang. 

  97. Gott hat mir ein wertvolles Leben geschenkt. Ich muss dieses Geschenk gut verwalten, etwas aus ihm machen, auch im Sinne der Erhaltung der Erde. 

  98. Ich kann nur in der Wahrheit schreiben, was immer sie sei. Das macht es schwer.

  99. Selbstliebe muß  gegenüber sich selbst kritisch sein.

  100. Meine alles verändernde Pointe: Ich setze Wirklichkeit nicht unbedingt mit Natur gleich, sondern Wirklichkeit ist die aktive Einheit von Mensch und Umwelt. Unter „aktiver Einheit“ verstehe ich nicht den körperlich still gestellten Menschen, sondern den, der sich im Modus der Eigenbewegung in der Umwelt (selbst) bewegt und handelt. Das richtet sich nicht gegen Motore und Autos an sich, sondern richtet sich  gegen die Gleichsetzung  und Gleichwertung von lebendiger Eigenbewegung und motorisierter Fremdbewegung. Diese  Gleichsetzung äußert sich dann  in einer Formulierung wie „Ich bin mobil“. Zwischen Eigenbewegung im weiteren Sinne und Fremdbewegung gibt es fließende Übergänge, deshalb ist eine eindeutige Zuordnung nicht immer möglich.  

  101. Sind Schreibblockaden Ausdruck von übertriebener Selbstkritik?

  102. Meine Theorie verbindet Anthropozän und  Motorenkritik mit  Eigenbewegung.  

  103. Gibt es ein Anderes zu Realität?

  104. Ich gehe nicht von einem automatischen Geschichtsverlauf zum Guten aus. Der Irrtum, ja das Böse erhebt immer wieder sein Haupt. Wir müssen uns um das Gute bemühen. Meine Position ist näher bei Seneca.

  105. Um 1980 war eine ökologische Kultur global im Entstehen. Um eine Partei zu werden, wurden viele nichtökologische Gruppierungen aufgenommen. Das war ein Fehler. 

  106. Ich mag mehr innere als äußere Veränderungen.

  107. Wichtig ist, dass der  ökologische Zustand der Erde analysiert, bestimmt und gesagt wird. Die Umsetzung einer ökologischen Politik ist allerdings dann der größere Schritt.

  108. Ich thematisieree  einseitig die Verluste des Fortschritts. Das ist mir bewusst.

  109. Mir geht es um die Einheit von Demokratie und Ökologie.

  110. In meinen ökologisch argumentierenden Leserbriefen muss ich von der Sache her (leider) hart formulieren. 

  111. Mein Wirklichkeitsbegriff ist  immer die Einheit von Mensch  und Umwelt.

  112. Wir müssen nicht  reflexhaft, sondern reflexiv auf die Probleme reagieren. Die reflexhafte Reaktion ist viel verbreiteter als wir denken.

  113. Nur der „eigene Film im Kopf“, d. h. die eigene Einbildungskraft ergreift und fasziniert.

  114. „Man muss das Paradies immer wieder  neu beginnen“ (A. Gide) – und man kann es.

  115. Ich bin unmodern modern. Wahre Modernität lässt sich nicht auf den Erwerb von Konsumwaren reduzieren.

  116. Vielleicht bin ich der Sklave meiner Ideologie, moderne Konsumsklaven durch Aufklärung. zu befreien
  117. Ich mag nicht in Veröffentlichungen und Vorträgen denken und sagen, was ich schon gedacht und gesagt habe.
  118. Merke:  Wenn du u. U. etwas kritisiert, was die CDU auch kritisiert, hast du automatisch eine einseitig reflektierende Linke gegen dich.  
  119. Versuch einer Beschreibung meines Anliegens: Ich bin erstaunt, ja erschüttert, mit welcher Leichtigkeit große Teile der Menschen ihre Fähigkeit zur Eigenbewegung an Sklaven i. w. S. (Menschen und Motore) abgeben. Ich versuche deshalb ihre Denk- und Handlungsprinzipien und die Folgen (auf Destruktivität und Konstruktivität) daraus herauszufinden und zu bestimmen. Die „Abgabe“ bzw. Übertragung von Eigenbewegung hat es schon immer und überall vorwiegend von der herrschenden Schicht gegeben. Es gibt also auch sinnvolle Gründe für die Abkehr von Eigen- zu Fremdbewegung.

  120. Für mich ist Philosophie primär das Finden der Prinzipien, die Menschen leiten, insbesondere im „normalen“ Alltagshandeln. Das ist besonders wichtig im Zeitalter des Anthropozäns. 

  121. Idealiter sollen meine Einsichten die ganze Gesellschaft durchdringen und dort bedacht werden.
  122. Eine Einsicht mit Einschränkungen: Was für den Lehrer Vergangenheit ist, ist für die Schüler Zukunft.
  123. In meinen Beiträgen versuche ich, bisher nicht Gedachtes oder Vergessenes zu thematisieren.
  124. Ich bin aus Einsicht bescheiden – hoffentlich.  

  125. Es geht nicht um die Eliminierung aller Widersprüche, im Gegenteil, grundsätzlich halte ich Widersprüche für produktiv. Nur einen der Hauptwidersprüche, den   zwischen wachsender Wirtschaft und Ökologie, müssen wir beseitigen.  

  126. Eine Momentaufnahme: Vor längerer Zeit lag ich auf dem Sofa, stellte das Radio an und geriet zufällig in eine Art Rede. Es ging offensichtlich um die Bewertung jüngster deutscher Vergangenheit. Nach einer Zeit des Einhörens geriet ich immer mehr in Ablehnung, denn ich vernahm kein Annahme deutschen Schuld, sondern Abwehr. Wütend schaltete ich ab. Erst einen Tag später erfuhr ich, dass es sich um die Rede Martin Walsers 1998 in der Paulskirche handelte. 

  127. Es gibt eine Aufklärung durch Tun und eine durch Texte.

  128. Ich versuche,  bessere Wege für den Geist zu bahnen
  129. Warum haben die Deutschen mit ihrer Hinwendung zum Nationalsozialismus  diese ewige Schuld auf uns Nachkommenden geladen? 
  130. Eine Wahrnehmung setzt Erkenntnis voraus, d. h. man nimmt nur wahr, was man kennt.
  131. In manchen Situationen ist es sinnvoll, eine Monade zu sein, in anderen ein offenes Fenster.
  132. Eine gute Freundin lobte mich, dass ich mit meinem Thema eine wichtige Nische besetzt hätte.  Das wäre schön, aber leider ist diese Nische  nahezu das Ganze.
  133. Rationalität bzw. Irrationalität beruht auf Vorentscheidungen. Wenn ich beispielsweise im motorisierten Individualverkehr nur nackten Fortschritt sehe, ist jede Einschränkung dieser Verkehrsart irrational. Wenn ich seine großen Nachteile bedenke und ihn ablehne, sind Einschränkungen  rational.

  134. In Diskussionen nach objektiven Aussagen zu streben, ist zumindest schwer zu realisieren und vielleicht kontraproduktiv. Viel ist bereits erreicht, wenn Intersubjektivität entsteht.

  135. Alles Ismen wie  Sozialismus, Nationalismus wollen positiv bestimmen, was die Menschen, die  unter ihrer Herrschaft stehen, Tun und Denken müssen. Mein ökologischer Ansatz bestimmt nur negativ, was nicht gemacht werden sollte.  

  136. Ein Autodidakt zu sein, hat nicht nur Nachteile.  

  137. Von der  abstrakten, nicht wahrgenommenen  Macht der Bilder muss man sich befreien.  

  138. Es ist lange noch nicht abgemacht, dass die Fragen, die man beantworten kann, richtig beantwortet sind. Auch sind nicht alle Fragen sinnvoll.

  139. In den letzten Jahrzehnten meines Lebens habe ich versucht, die Bedingungen, unter denen ich lebe, intensiv und  systematisch zu bestimmen.  

  140. Es gibt überzeugende Argumente für die Einschätzung, dass der von dem Schiff „Menschheit“ eingeschlagene und von allen begrüßte Kurs auf einen  Felsen zusteuert. Deswegen bin ich eine Art Cassandrus.   

  141. Heidegger umfassend abzulehnen und zu  bekämpfen heißt, die Kritik am technologisch-kapitalistischen System zu bekämpfen. Nach meiner Meinung gibt es keinen Denker, der dieses System so überzeugend und systematisch kritisiert hat wie Heidegger. Diese Bewertung  schließt absolut nicht aus, ja erfordert geradezu die Analyse, warum Heidegger 1933 Nazi wurde und es muss genau  untersuch werden, ob in seinem Werk vor 1933 und nach 1936 nazihaltige Strukturen implizit und explizit vorhanden sind, die dann benannt und konsequent verurteilt  werden müssen.   Es ist eine äußerst wichtige Frage, wie ein Denker von diesem Format so schrecklich irren konnte.  

  142. Ich bringe Klarheit in das Denken und Handeln nicht nach der Devise „Macht kaputt, was euch kaputt macht“, sondern „Ignoriert das, was euch kaputt macht“.

  143. Wenn ich ökologisch argumentiere verwende  ich den Ökologiebegriff primär materiell

  144. Ich verdichte alles Böse, was Menschen Menschen angetan, antun und antun werden im Bild des Holocausts. Das ist auch „objektiv“ richtig. 

  145. Primär  kritisiere ich nicht das Auto oder das Unterhaltungsmedium  an sich, sondern die Dominanz  ihrer Nutzung. Die Kritik liegt mehr auf der Quantität als auf der Qualität, auf dem Umschlag von Quantität in Qualität.  

  146. In Gesprächen, auch  mit Freuden, muss man nicht den Mund halten, wenn inhumane und unökologische Positionen vertreten werden. Wenn z. B. jemand mir auf seinem Tablet seinen Porsche unbedingt zeigen will und seine Partnerin flankierend erzählt, sie sie in ihrem Leben noch nie so beachtet wurde, als sie aus diesem Modell ausstieg. In dieser Situation ist Gegenrede nicht nur  angesagt, sondern eine Selbstverständlichkeit.   

  147. Wahrheit, wenn sie sich zeigt, kann man nur kurze Zeit begleiten. Deshalb sind  Aphorismen angemessen.  

  148. Nur über Reflexion kann man die Sprach- und Bewusstseinslogikeit, die aber oft nicht von den Betroffenen bemerkt wird, aufheben. Die Tendenz der Gegenwart: subjektloses Existieren im uneingeschränkten Individualismus. Das klingt arrogant, ist aber Ausdruck von ständigem Bemühen.

  149. In bestimmten Situationen muss man gedanklich und real in eine andere Kausalkette springen, d. h. vom linearen Denken und Handeln sich trennen.

  150. Die erblindete Subjektivität soll, so die Intention meiner Beiträge, wieder zum Sehen gebracht werden. Ähnlich die sprachlose Gesellschaft.

  151. Paradox: Man muss Modernist sein, um anti-modernistische Wahrheiten zu verkünden. Deswegen die Notwendigkeit von ironischen Brechungen.

  152. Meine Aphorismen und Gedanken wollen über Wahrheit und Widerspruchsfreiheit in die Gesellschaft hineinwirken.

  153. Ich bin ein indirekter Antikapitalist. Mein Thema ist die Ökologie.

  154. Philosophie ablehen ist Selbstnegierung. 

  155. Zur Bildung gehören auch Wirtschaftskenntnisse, aber nicht, um an möglichst viel Geld zu kommen, sondern um sich vor unnötigen Zwängen schützen, die von der Wirtschaft ausgehen. Die Wirtschaft setzt zunehmend die Bürger auf eine lebensfeindliche Spur.  

  156. Ohne den metaphysischen Blick ist jedes alte Gebäude abrißwürdig.  

  157. Ein Riß in der Kausalität schafft die Notwendigkeit für Narrative.

  158. Kritik fühlt sich nicht verantwortlich für die notwendigen Folgerungen aus ihr. Schade! Ich versuche es zumindest.
  159. Durch Abstraktionen können  auch falsches Bewusstsein und Irrwege entstehen.
  160. Wenn man eine schöne Landschaft oder Haus betritt, wird man beschenkt - und vielleicht schenkt man dieser Landschaft oder diesem  Haus auch etwas.
  161. Ich bin vielleicht ein bäuerlicher Achtundsechziger. In dieser Position bilden Liberalität, Konservatives und Soziales eine Einheit.
  162. Grundsätzlich könnte man sich mit einem (1) gehaltvollen Begriff sein Leben lang beschäftigen. Vielleicht tut man es sogar, wenn man ersthaft lebt.
  163. Auch meine Theorie hat eine für mich dunkle Außenwelt.
  164. Ich bin eine Art  Brutkasten, der Gedanken statt Eier ausbrütet.
  165. Der Herausgeber der Zeitschrift „Lui“  Beigbeder  und Autor von 99 france sagt von sich, er sei ein Mensch des 20. Jahrhunderts. In motorisierter Hinsicht bin ich oft ein  Mensch des 19. Jahrhunderts.
  166. Ich bin ein Exoteriker, obwohl ich mit aller Macht mich dagegen wehre – aber fast vergebens.
  167. Ein kompetenter Freund schreibt: „ Lieber Boje, Du als Visionär bist Deiner Zeit wie immer weit voraus... .“ Er könnte  leider in einigen Aspekten Recht haben.
  168. Ich arbeite primär an der Sprache.
  169. Ich sage und schreibe nur das, wenn es für mich nach bestem Wissen und Gewissen Wahrheit ist und/oder Hilfe bringt.
  170. Wie es von jedem Teil einen Blick für und auf das Ganze geben muss, so muss umgekehrt das Ganze Verantwortung für jedes seiner Teile übernehmen.
  171. Auch meine Theorie hat eine für mich dunkle Außenwelt..
  172. Aus der Sicht des heutigen Maintreams bin ich ein Radikaler, aber das verhält sich  genau umgekehrt.. 
  173.  Meine politischen Kategorien Eigenbewegung im Alltag und ökologische Politik sagen nichts darüber aus, wie  eine solche Gesellschaft konkret aussehen soll. Sie bilden einen Rahmen, innerhalb deren sich die Gesellschaft und ihre Mitglieder selbstbestimmt entwickeln können und müssen.
  174. Ich bin ein Bürger, der aus Verantwortung gegenüber der Erde  denkt und handelt (das ist etwas idealisiert).  Ich bin kein Ideologe, will keine andere Wirklichkeit und Menschen,  will aber verhindern, dass die Wirklichkeit beschädigt wird. Es geht mir primär um drei Felder: a) individuelle, kollektive und universale Selbsthaltung und Erhaltung der Natur, b) geistiges Wachstum, c) soziales Engagement.
  175. Ich versuche den Kurs des Riesendampfers „Gesellschaft“ bezüglich Ökologie und  Eigenbewegung in Alltagsleben zu korrigieren.
  176. Im  Konkreten ist auch immer Allgemeines enthalten. Eine Kritik muss  sich gegen das Allgemeine (= Theorie) und  gegen die Konkretisierung des Allgemeinen (auch in mir) richten.Konkreten ist auch immer Allgemeines enthalten. Eine Kritik muss  sich gegen das Allgemeine (= Theorie) und  gegen die Konkretisierung des Allgemeinen (auch in mir) richten.
  177. Wer Philosophie ablehnt, fördert die Selbstnegierung.
  178. Wir müssen über uns selbst verfügen, d. h. wir müssen auch Subjekt sein. Uneingeschränkter Individualismus ist kein sinnvolles Ziel.
  179. Ich will kein Herr, aber auch kein Untertan sein. Oder in der Sprache der Mutter von Peter Harry Carstensen: „Ik will keen ööver mii, over uk keen ünner mii hem.“
  180. Gute Gedanken müssen gepflegt werden.
  181. Meine Bildkritik gilt absolut nicht der seriösen Bildanalyse.
  182. Aus der Sicht und Anlage des Menschen ist die Natur etwas Unvollkommenes. Kultur muss für ihn hinzukommen.  
  183.  Meine  Kritik richtet sich immer auf  bestimmte Handlungen und deren Objektivationen, nicht auf den Handelnden.
  184. Die Wahrheit muss gesagt werden, u. U. mit Lautstärke, die hat aber nichts bei deren Realisierung, falls sie nun wirklich keine Wahrheit ist,  zu suchen.
  185. Gute Gedanken müssen gepflegt werden.
  186. Ein Zentrum meines Engagements: Gegen die Dominanz der repraesentatio insbesondere in der sekundären Form, und die Zurückdrängung der reflexio.
  187. Ich kann für mich in Anspruch nehmen, dass ich die Normen, die ich für gut und richtig erachte, auch ein Stück selbst praktiziere. Ich teile, wie mehrfach in dieser Homepage thematisiert, die (soziologische) Einschätzung, dass das Auto  und der Fernsehapparat die zwei Hauptkontaktvernichter zur sozialen, natürlichen und kulturellen Umwelt sind. Deswegen habe ich auch kein Auto und keinen Fernsehapparat. 
  188. Ich bestimme das Auto, aber das Auto bestimmt auch mich. Verallgemeinert: Zwischen den zwei Polen einer Beziehung besteht immer eine Wechselbeziehung, eine gegenseitige Einflussnahme,  in jeweils verschiedenen Stärken in die eine und in die andere Richtung. Wenn ein Pol verabsolutiert wird, entsteht immer Täuschung.
  189. Soweit ich es erkennen kann, ist mein Grundmotiv des Bedenkens und Handelns, die Möglichkeiten des Lebens zu gewähren, vertiefen und  und zu verbreitern.
  190. Die hier geäußerten Gedanken sind sicherlich aus der Perspektive der bestehenden Parteien Hybride und entbehren eines vereinheitlichen Prinzips. 
  191. In unserer Küche irrt eine vereinzelte Ameise hin und her. Ich bringe sie zu ihren Artgenossen auf unserer Veranda. Habe ich ihr einen Gefallen getan? Nun bin ich mir zumindest nicht mehr so ganz sicher.
  192. Eine  existenzielle Handlungstheorie, die  Theorie der Eigenbewegung und die Forderung nach einer vita activa speisen sich aus derselben Quelle.
  193. Ich konzentriere mich auf die Aufgabe, die Irrationalismen der Gesellschaft und des Menschen in Alltagssituationen aufzuspüren.
  194. Meine Position ist klar: Ich halte die Fähigkeit zur Eigenbewegung für ein hohes Gut des Menschen, auf das man nicht ohne Zwang verzichten sollte, wie es in der Gegenwart durch die zunehmende Technisierung in  immer mehr Lebensbereichen geschieht. Andererseits hüte man sich vor unausgewiesenen Verallgemeinerungen: Eigenbewegung führt nicht automatisch zu mehr Glück und macht auch nicht automatisch den besseren Menschen, auch hier gibt es keine Kausalitäten - aber sie verbessert die Wahrscheinlichkeit für diese Entwicklungen. So kenne ich z. B. habituelle Autofahrer, die in Punkto Hilfsbereitsschaft vorbildlich sind.
  195.  Meine Auffassung von Philosophie: Alle Aussagen haben einen lebensweltlichen und leiblichen Hintergrund, so auch die  Philosophie. Es ist eine Aufgabe des Philosophen, diese Hintergründe ins Bewusstsein zu heben, d. h. den Aussagen das Leben zumindest in symbolischer Form zurückzugeben
  196. Ich kritisiere und lehne Dinge, Zustände und Prozesse ab, die unnötiger Weise Leben hindern oder schmälern.
  197. Für ein Phänomen, für einen Prozess oder Zustand  eine Ursache finden, ist noch keine Garantie dafür, dass diese Ursache tatsächlich die richtige ist.  Diese Einsicht auf mich gewendet: Ich muss sehr achtsam sein, nicht zu vorschnell das Kapital oder das Auto als Ursache für Missstände einzusetzen.
  198. Was leisten die in dieser Homepage geäußerten Gedanken?  1. Sie begründen, warum Eigenbewegung so wichtig für die Menschen ist.  2.  Sie beschreiben, wie es gegenwärtig um die Eigenbewegung steht. 3. Sie erklären, warum es die Eigenbewegung gegenwärtig so schwer hat.
  199. Um nicht unnötige Widerstände aufzubauen, sollte man z. B. nicht von der "Kritik des Autos", sondern von "Eine andere Sicht auf das Auto"  sprechen.
  200. Die hier geäußerte Kritik richtet  sich nicht gegen diesen oder jenen Menschen, sondern bezieht sich auf  dieses oder jenes Verhalten, dessen Träger zwar ein bestimmter Mensch ist, der aber als solcher nicht gemeint ist.  Wenn ich  also einen habituellen Autofahrer kritisiere, dann nur diesen und nicht die Person Peter, die das Auto fährt. Es geht also nur um das Autofahren.
  201. Die auf dieser Homepage geäußerten Gedanken sind, wenn es sich nicht um Zitate handelt, auf dem ersten Blick meine Gedanken, aber ich weiß natürlich, dass ich sie direkt oder indirekt (auf-)gelesen habe. Kurz: Ich bin ein Vermittler
  202. Zumindest in wissenschaftlichen Aussagen  empfinde ich es oft als unschicklich, von mir selbst zu sprechen.  Warum empfinde ich das Ich hier als problematisch? Der Grund liegt darin, dass es verschiedene Iche gibt, aber die Sprache nur ein Wort anbietet, eben "Ich".  Die Semantik des Ichs kann man aber als ein Kontinuum lesen. Der eine Pol ist das verschlossene, in sich gefangene, "nur" seine körperlichen und seelischen Bedürfnisse verfolgende, "egoistische" Ich;   am  anderen Pol steht ein Ich, dass sich zwar selbst sieht, aber gewissermaßen aus einer neutralen, außer-ich-lichen Mehrperspektivität, die  auf das Ganze zielt. Man könnte auch von einem Über-Ich sprechen, aber nicht als eine Außeninstanz im Sinne der Psychoanalyse, sondern als eine, die das Ich mit einschließt. Beide Pole, egoistisches Ich und Über-Ich und die jeweiligen Mischformen sind notwendig, legitim und machen den ganzen Menschen aus. Wissenschaftliche Aussagen sind immer direkt oder indirekt Aussagen eines Über-Ichs. Das kann und sollte  man gegebenenfalls explizit machen. Auch kann das Über-Ich Aussagen über das egoistische Ich und seine jeweilige Lebenswelt machen. Dieses Verfahren ermöglicht zwar immer noch nicht  absolute Objektivität, aber doch eine Annäherung, wobei auch die Verständlichkeit gefördert wird. 
  203. Gleiche sprachliche Problematik wie beim Ich liegt beim Begriff Zeit vor. Auch hier gibt es nur ein Wort für verschiedene Bedeutungen. Die Zeit wird nur noch als lückenlose Ereignisfolge verstanden, die  absolut auf die Zukunft ausgerichtet ist. Zeit ist aber auch der  Ermöglichungsgrund eines einzigen, isolierten Ereignisses; hier gibt es keine (kausale) Kette, kein Vorher, kein Nachher, keinen Anfang und kein Ende (und damit Tod), sondern nur erfüllte Gegenwart. D. h. also, es gibt zumindest zwei verschiedene Zeiten, die mit demselben Wort beschrieben werden, was unakzeptabel ist.
  204. Ich übernehme viele Aussagen Heideggers indirekt von  Autoren wie  Silvio Vietta, Wilfried Kuckartz oder Heinz Dieter Kittsteiner nicht, weil ich nicht weiß, ob deren jeweilige Gesamtbewertung Heideggers die "richtige" ist (Kittsteiner ist wesentlich kritischer als Vietta), sondern   weil ich die von mir zitierten Aussagen in ihrer isolierten Form für wertvoll, mitteilungswert, ja unverzichtbar halte, denn sie benennen und deuten die destruktiven Prozesse der Moderne. Auf Grund meiner Ambivalenz zu Heideggers Verhalten im und zum Nationalsozialismus  würde ich  am liebsten ganz  auf eine explizite Bezugsnahme auf ihn verzichten, aber das wäre unredlich.  Das Problem besteht also darin, dass man an Heidegger einerseits nicht vorbei kommt, andererseits aber zu ihm Distanz halten muss, da seine mögliche positive Beziehung zum Nationalsozialismus nicht aus der Welt ist, und er die unverzichtbaren Errungenschaften der Demokratie nicht würdigt.    
  205. Ein guter Gedanke ist, so wie er ausformuliert erscheint, an sich wertvoll und sollte als solcher reflektiert werden, egal, ob eigener oder übernommener, selbst,  wenn der übernommene Gedanke nicht angemessen interpretiert oder gar inkorrekt wiedergegeben wurde. Letztere zu kritisieren, ist ebenfalls sinnvoll, ist aber ein anderes Thema.
  206. Es gibt unaufhebbare existenzielle Entfremdungen und notwendige Zerstörungen,  wie der Begriff Dekonstruktion anzeigt. Ich glaube nicht an ein durchgängiges Paradies hier auf Erden;  aber zum Menschsein gehört der Wille,  nichtnotwendige Zerstörungen und Entfremdungen zu beseitigen und zu überwinden. 
  207. Viele der hier kritisierten Einstellungen und Handlungen sind in mir selbst vorhanden- zumindest ansatzweise:  Auch ich bin natürlich ein Kind meiner Zeit.
  208. Es ist ein großer  qualitativer Unterschied, ob ich mein Gefühl, meine Wahrnehmung, meinen  Gedanken zu etwas Bestimmten beschreibe oder mich  zu Gefühlen, Wahrnehmungen  und Gedanken im Allgemeinen äußere. Beide Formen haben je eine Wahrheit für sich.
  209. Die  meisten meiner kritischen Anmerkungen beziehen sich auf den konsumptiven Bereich, weil ich hier die rapide zunehmende Mechanisierung nicht nur nicht als überflüssig, sondern letztlich als inhuman erachte.  Im produktiven Bereich habe ich  diese Bedenken grundsätzlich nicht, denn ich halte dort eine Mechanisierung der Prozesse für sinnvoll, wenn es ökologisch vertretbar ist.
  210. Der kritischen Theorie verdanke ich die Einsicht, dass die Möglichkeit besteht, das Leben zu verfehlen
  211. "Ideologisch, das sind immer die anderen" (Roland Barthes). Ich glaube, dass Mannheims universelle Ideologieunterstellung stimmt, was aber nicht heißen muss, zu verzichten, verschiedene Ideologien zu unterscheiden und dort verschiedene Ausprägungen und Grade festzustellen.
  212. Alles ist relativ: Viele der in dieser Homepage geäußerten Gedanken mögen radikal klingen, sind es aber nicht, wenn man sie von den vorherrschenden Werten und Normen löst und von den Notwendigkeiten einer ökologisch-humanen Politik ausgeht.
  213. Die gegenwärtigen Bestimmungsfaktoren der vorherrschenden Lebenswelt zu kritisieren muss nicht heißen,  Lebenswelten zugunsten dahinterliegenden "eigentlichen" Welten aufzugeben. Mir geht es zu allererst um die Ermöglichung einer human-ökologischen Lebenswelt.
  214. Mein Verhältnis zur Realität ist ambivalent: Einerseits wehre ich mich  vehement gegen ihre umstandslose Ersetzung durch den Schein, andererseits sehe ich die Realität nicht als etwas absolut Feststehendes, sondern als etwas Dynamisches und für  uns Menschen Interpretationsnotwendiges.
  215. Fakten oder  Informationen werden erst durch eine Grundlegung zu Wissen und Erkenntnis, d. h. sie  bekommen ihre  Erkennbarkeit  durch einen  Grund bzw. durch ein sie  umfassendes und damit gestaltendes System.  Jeder Mensch hat einen  Grund, der ihm häufig unbekannt ist. Was bei Newton die Mathematik, bei Kant die Freiheit, bei Dilthey das Leben ist, ist  bei mir die Erhaltung der Erde, was als Bedingung die Entfaltung des Menschen zum Guten, Schönen und Wahren hat. Das beschränkt sich auf das, was hier schriftlich entfaltet wird. Mit Sicherheit können  nicht alle meine Gedanken, Wünsche und Handlungen auf diesen Grund hin interpretiert werden. Das ist eben so.
  216. Im ökologischen Denken und Handeln  ist nicht Radikalität, aber Konsequenz gefordert, d. h. Widersprüche  zu erkennen und zu bearbeiten.
  217. Das Leben ist schön, es darf nicht verschüttet werden. Vorliegende Kritiken dienen allein dem Ziel, dem Leben Raum und Zeit zu geben. All das ist gar nicht utopisch gemeint, sondern richtet sich gegen nichtnotwendige Verletzungen des Lebens.
  218. Für mich besteht zwischen der Forderung nach Immanenz und Transzendenz kein Widerspruch.
  219. Nach der Sinnlichkeit erscheint Geist - oder sonst gar nichts.
  220. Es stimmt schon und beunruhigt mich manchmal: In der hier verhandelten Thematik nehme ich die Rolle des Besserwissers und des “Besserhandelnden” ein. Das ist darin begründet, dass ich mich intensiv mit dieser Thematik auseinandersetze und mein Handeln sich zumindest in einigen dieser Felder vom Normalverhalten unterscheidet. So führe ich Ortsveränderungen fast ausschließlich zu Fuß, mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln durch - andererseits ist beispielsweise mein Kauf von Büchern im Sinne des Habens nicht vertretbar. Aber nur über gegenseitige Kritik kann es gelingen, Widersprüche zumindest zu verringern.
  221. Zwischen Natur und Kultur gibt es keine gleichwertige Gegenüberstellung, sondern zwischen beiden Begriffen gibt es nur Inklusionsbeziehungen und zwar jeweils doppelt entweder auf Bewusstseinsebene oder auf Dingebene: 1a) Alles Denken und Fühlen ist Kultur, so auch das Sprechen über die Natur. 1b) Alle Natur, alle Naturdinge sind kulturell geformt und bestimmt, d. h. es gibt keine Natur mehr. Umgekehrt: 2a) Alles ist Natur, so auch das Sprechen über die Kultur. 2b) Alle Kultur, alle Kulturdinge sind und bleiben im Wesen Natur, d. h. es gibt keine eigenständige Kultur. Zwischen der kulturalistischen und naturalistischen Position gibt es hier keine vermittelnde Position.
  222. Grundposition: Wenn Du das Wort „Miszellaneen“ nicht kennst, werde aktiv und schlage das Fremdwörterbuch auf. Unterforderung, nicht Überforderung ist heute oft das Problem. Deswegen erscheinen in dieser Homepage auch schwierigere Passagen und Begriffe, die nicht erklärt werden, sondern Eigenaktivität auslösen sollen.
  223. Die hier geäußerten Gedanken, Situationsbeschreibungen und Alternativen sind zum einen in sich abgeschlossene Einheiten, zum anderen sind sie als Ausgangspunkt für weitere Arbeiten gedacht.
  224. Die eigentliche Aufgabe meiner Aussagen besteht darin, wie in einem Spiegel sich selbst und seine Fähigkeiten zu erkennen, zu bejahen und ihnen zu vertrauen sowie dieses Vertrauen in Handlungen umzusetzen - so in Eigenbewegungen.
  225. Selbstproblematisierung: In diesen Texten wird von der “Subjekt-Objekt-Einheit” gesprochen. Dieser Ausdruck ist zum einen in sich problematisch, weil das Subjekt primär Freiheit und Selbstreflexion ist, als exzentrisches Wesen sich gerade aus der Einheit entfernt. Zum anderen ist totale Einheit mit der konkreten Welt Stillstand, ein Leben ohne Werden. Trotzdem ist auf die Subjekt-Objekt-Einheit als ein allgemeines Ziel. als zeitlich begrenzter Zustand nicht zu verzichten. Der Mensch gehört mehreren Welten an.
  226. Die von mir geäußerten normativen Aussagen wollen und dürfen nicht positiv bestimmen, man müsse so oder so leben und handeln. Es geht um die Abwehr von lebenshinderlichen bis lebenszerstörenden Prozessen, um Aktivitäten, die den Lebensrechten anderer Menschen, Lebewesen und Naturdingen ohne hinreichende Begründungen schaden. Da reicht die Erklärung, man habe eben “Bock” darauf, nicht aus.
  227. Es besteht die Gefahr der Verdinglichung der Verdinglichung, d. h. man sollte kritische Begriffe wie Verdinglichung, Entfremdung, Tauschwert usw. nicht überspannen und verabsolutieren, denn in ihnen ist auch immer das Andere enthalten. Selbst der verdinglichte Mensch ist Mensch und fühlt sich als Mensch. In mir selbst ist sicherlich Verdinglichtes am Werke.
  228. Es geht um das Bemühen von Erkenntnissen in der Perspektive Wahrheit - ob auf niedrigem, mittlerem oder hohem Niveau kann und will ich nicht beurteilen. Es sind wohl alle drei Ebenen vertreten und die Einordnung ist eine subjektive.
  229. Jede Disziplin, wenn sie denn auf Wahrheit aus ist, muss schließlich über sich selbst hinausgehen und sich der Philosophie zuwenden und von dort zu Gott kommen - oder resignieren.
  230. Wenn ich Plutarchs Auslassungen zu griechischen und römischen Helden lese, wenn ich auf den Irak schaue oder gar den Rassismus der jüngsten deutschen Vergangenheit bedenke, werden Begriffe wie Humanität, Moral und Wert unverzichtbar.
  231. Ich fokussiere die Eigenbewegung auf Ortsveränderung. Hier habe ich eine humane und ökologisch orientierte Praxis entwickelt, die “sich sehen lassen” kann. Aber auf anderen Feldern sind gravierende Defizite festzustellen, so im Bereich des Musizierens, das ja auch eine Form der Eigenbewegung ist. In diesem Feld lebe ich in absoluter Fremdbewegung: Ich bediene lediglich Knöpfe.

A. Aussagen zur Philosophie/Anthropologie

 

 

  1. Philosophie vertieft die Erlebnisse, also das Leben.

  2. Nicht  Menschen kritisiere ich, sondern ein bestimmtes Verhalten. Dieses Verhalten auf die Person auszudehnen, wäre schlechte Verallgemeinerung.
  3. Meine Hoffnung: Meine Theorie dient allen Menschen.
  4. Die Analyse dient mir der Synthese. Die Synthese ist das Ziel.
  5. Die soziale und bauliche Struktur aus der Kleinstadt Elmshorn und dem Dorf Averlak hat mich bis 1955 geprägt.
  6. Bequem ist meine Position bestimmt nicht, obwohl es eigentlich gegen meine Natur ist, unbequem zu sein, im Gegenteil, ich sehne mich nach Harmonie, was ich auch belegen kann. Bin aber unbequem, wenn es die Situation verlangt.
  7.  Meine Kritik bezieht sich nicht auf die Wirtschaft, sondern auf die auf das Kapital ausgerichtete. Unserem politischen System und auch deren Realisation stehe ich positiv gegenüber.
  8. Merkwürdig: Kritik hat immer die anderen zum Gegenstand, selten sich selbst.
  9. Die Kunst des Möglichen: a) mit den vorgefundenen Möglichkeiten umgehen oder b) die Möglichkeiten erst schaffen.
  10. Naturwissenschaft klammert Existenzfragen aus, aber auch die philosophische Reflexion.

  11. Das Mögliche ist entweder bereits vorhanden (genitivus  subiectivus) oder muss  erst geschaffen werden (genitivus. obiectivus).

  12. Die jeweilige Abstraktionsstufe festzulegen ist extrem wichtig, denn u. U. werden Sachen differenzlos zusammengebracht, die nicht zusammen gehören.

  13. Abstraktion in der Natur ist immer Verlust, also eine Reduktion.

  14. These: Glückliche Menschen ziehen das Glück stärker an als verdrießliche Menschen.

  15. Das Ganze zu vertreten, ist fast unmöglich. Besser ist, das gar nicht zu behaupten.

  16. In einem ursprünglichen Indifferenzfeld führt jede Operation zur Verletzung der Welt – so auch u. U. auch das  Handeln in ökologischer Hinsicht. Also: Wo ist die zumutbare Grenze des Handelns?

  17. Jede Geschichte beginnt konkret in der Gegenwart – im Kopf eines Erzählers oder Schreibers. Der PC (die Maschine) verdichtet oder hypostasiert, was in den Wünschen und Bedürfnissen bereits vorhanden ist.  Der Anfang ist immer im Menschen.

  18. „Ich weiß natürlich, dass der Glaube an die materielle Welt so etwas wie ein Terrorregime ist. Was nicht in die matererielle Welt hineinpasßt, verdient  missachtet zu werden,“ … (B. Russel).  

  19. Gesetze – und seien sie noch so sinnvoll – u. U. verhindern sinnvolle Aktivitäten.  

  20. Man kann den Zerstörungsprozess des Ganzen nur abstrakt darstellen, in der Konkretion nur  punktuell.

  21. Ich muss manchmal  noch lernen, den von mir kritisierten Konsumbürger nicht ihre Würde zu nehmen. 

  22. Die Grundbegriffe der Ontologie haben unbemerkt eine prägende Kraft in ihrer indirekten Verwendung. Sie gehören zum System menschlicher Überzeugungen.

  23. Allen Beschreibungen und Begriffen liegen Vorentscheidungen (images, Setzungen) zu Grunde.

  24. Die Naturwissenschaft ist der effektivste Feind der Natur, weil sie abstrahiert. Technik ist abstrahierte Naturwissenschaft.

  25. Menschen sind metaphorisch gesehen oft von undurchdringlichen Wänden umstellt, einige sind natürlich, andere von anderen Menschen, wiederum andere von uns selbst errichtet.  Aber Wände sind nicht nur negativ, sondern sie geben u. U. auch Schutz.

  26. Die Wirklichkeit ist immer die Einheit von Mensch und seiner jeweiligen Umwelt. Eine Wirklicheit ohne aktiven Menschen nenne ich Realität.

  27. Wer Dualismen negiert, muss gleichzeitig einsehen, dass es nichts Böses und Verbesserungsfähiges gibt.

  28. Ein PC und Maschinen können sich nicht kritisch und schon gar nicht selbstkritisch reflektieren, letztlich kann er gar nicht reflektieren – und maschinenähnliche Menschen auch nicht.

  29. entdecken“ ist  ein eurozentrischer Begriff. Man kann nur etwas für sich entdecken. Die Indianer sind nicht entdeckt worden.

  30. Wenn ein Techniker die ganze Welt technisch sieht und erklärt, ist er dumm, denn er erkennt  nicht seine Grenzen.  Tut er es, ist er schlau. Man muss immer seine Grenzen erkennen, sonst verkennt man sich.  

  31. Demokratie ist die einzige lebendige Form der Politik.

  32. Die Ablehnung der absoluten  Notwendigkeit in den Naturgesetzen ist Voraussetzung für die  Relativität und Öffnung für Phantasie, Kunst usw.

  33. Vernunft ist abhängig von dem sie fundierenden Prinzip. Es gibt gute, aber auch schlechte Prinzipien.

  34. Der Materialismus hat kein Organ für Kunst und Metaphysik.

  35. Fotografieren ist Dekonstruktion: Man konstruiert eine Abbildung, aber gleichzeitig destruiert man eine  Situation, stellt sie still, nimmt ihr die Lebendigkeit.
  36. Im Fernseher versteckt sich die Welt, genauer: In ihm ist keine Welt.
  37. Eine Begegnung ist immer zeitlich begrenzt, dann kommt die Auflösung. Das ist das tragische Lebensgesetz, das aber auch wiederum auf Zeit neue Begegnungen ermöglicht.

  38. Lebenskunst ist, die unaufhebbare Unruhe in Produktivität umwandeln.

  39. Dass der Kulturbegriff auch der Stabilisierung und Legitimation von Herrschaft dient, wissen wir seit den Arbeiten von Veblen (demonstrativer Konsum) und Bourdieu (Der feine Unterschied) - und ist unbestritten. Aber Kultur ist auch der Zustand höheren Menschseins (so bei Cassiodor). Zwischen Bach und einem Tagesschlager  besteht ein qualitativer Unterschied.

  40. Man kann zu einem Begriff ein lebendiges oder totes Verhältnis haben (hier gibt es auch flüssige  Übergänge).
  41. Besuch  vom  Schneider (ein Tier). Welch eine Ehre und welche Schönheit der Bewegungen, man kann von ihm viel lernen.

  42. „Arme Leute und reiche Leute leben auf verschiedene Art in dieser Welt; aber wenn die Sonne des Glücks in ihrer Hütte, Häuser oder Paläste fällt, so vergoldet sie mit dem nämlichen Schein die hölzerne Bank wie den Sammetsessel, die getünchte Wand wie die vergoldete; und mehr als ein philosophischer Schlaukopf will bemerkt haben, dass, was Freude und Leid betrifft, der Unterschied zwischen armen und reichen Leuten gar so groß nicht ist, wie man auf beiden Seiten oft, sehr oft, ungemein oft denkt“ (W. Raabe in Hungerpastor).
  43. Vielleicht der  Hauptfehler: Wir haben die kreisförmigen Bewegungen zu linearen gemacht.
  44. Der große Vorteil und Stärke der Demokratie ist ihre prinziell nie abgeschlossene Offenheit ihrer Debatte um die beste Lösung. Sie kann immer wieder aufgenommen, d. h. entflammt werden.
  45. Als aktiver  Ökologe bin ich traurig, dass die politische Ökologie von 1974 bis 1982 sich nicht weiter entwickelte und durchsetzte, sondern zurückgefahren wurde. Mit ihrer inflationären Nutzung hat sie an Kraft verloren
  46. Auf Bewertung verzichten heißt, nicht zu denken.
  47. Jedes Objekt ist real ein Subjekt, aber ein Objekt ist ein vergewaltigtes Subjekt.
  48. Die Kopernikanische Wende,  das menschliche Subjekt zum alleinigen Schöpfer zu machen – zumindest keinen Schöpfer neben sich zu dulden -, mag  für die Erkenntnis stimmen, aber nicht für das Sein.
  49. Demokratie und Ökologie sind für mich zwei absolute Werte, die ich nicht in Frage stelle und auch nicht von anderen in Frage stellen lasse.
  50. Die Utopie hat es im Zeitalter der Empirie sehr schwer.
  51. Warum sind quantitative Aussagen so „in“? Weil nur sie messbar sind. Und Messbares gilt als höchste Erkenntnis. Qualität ist selbst begrifflich schwer oder gar nicht einzufangen, sondern eher durch ein Ahnen bzw. Gefühl als Annäherung.
  52. Meine Position: Wir können und dürfen uns keine Vorstellung von Gott machen. Aber an den Wirkungen seines Tuns kann man ihn – so hoffe ich - indirekt wahrnehmen und vielleicht erkennen.

  53. Die Dinge in der Wirklichkeit sind dreidimensional. Flächen, weil zweidimensional, sind keine Wirklichkeit.

  54. Wirklichkeit ist eine doppelte Wirkung: a) die Wirklichkeit wirkt auf mich und b9  ich wirke durch  meine Wahrnehmung auf die Wirklichkeit, d. h. ich verändere die Wirklichkeit. Besonders deutlich beim Flirten.
  55. Die Medizin beschäftigt sich nur noch mit  materiellen Prozessen, die subjektive Seite dieser Prozesse, das Wie, blendet sie aus bzw. nimmt sie nicht zur Kenntnis.
  56. Es geht nur um relative Sinnhaftigkeit, die absolute ist uns nicht zugänglich.
  57. Die Wahrheit im Sinn von  Weg ist oft ein langer. Das gilt heute auch für die ökologischen Notwendigkeiten.
  58. Wenn das Subjekt sich auch wahnsinnig selbst überhöht hat, ist das kein Grund, sich grundsätzlich von ihm zu verabschieden. Das Subjekt ist unverzichtbar, allein aus ethischen Gründen.

  59. Kontingenz impliziert, dass die reale Welt keinen höheren Status hat als eine der vielen möglichen Welten.

  60. Im Gegensatz zur Wirklichkeit wirken mögliche Welten  nicht. Das ist die  einzigartige und durch nichts zu ersetzenden positive Eigenschaft der Wirklichkeit. Fernsehen gehört übrigens zu den möglichen Welten.

  61. Ich möchte Heideggers Stimme nicht missen, aber auch nicht die seiner substantiellen Kritiker.  

  62. Wer Sinnvolles für andere macht, macht es auch für sich selbst.

  63. Es liegt in unserer Verantwortung, vernünftig zu sein – oder den Wege der Lüge oder der Täuschung zu betreten. Die Vernunft ist ein bestimmter Weg, den man begehen kann  - oder eben nicht. Nur einer der vielen Wege ist der der Vernunft.

  64. Das Buch „Das neue Deutschland“ von Marina und Herfried Münkler thematisiert  nicht Macht, sondern Menschlichkeit. Das ist ein Paradigmawechsel in der Nationalgeschichte.

  65. Aus evolutionärer Sicht kann man inhaltlich von der Einheit von res und intellectus ausgehen. Gilt das aber noch im Zeitalter der Dominanz der Artefakte?

    Aus evolutionärer Sicht kann man inhaltlich von der Einheit von res und intellectus ausgehen. Gilt das aber noch im Zeitalter der Dominanz der Artefakte?

  66. Das Denken in Dualismen ist oft irreführend.

  67. Das Fundament und Ursprung aller Erkenntnis ist das Subjekt bzw. die Subjektivität.

  68. Der Materialismus hat keinen Begriff für das Leben – von Ernst Bloch abgesehen.  Materialistische Theorie ist übrigens auch eine Metaphysik.

  69. Es ist irreführend  vom Raum zu sprechen, denn der besteht nur aus Dingen. Zum Raum gehören alle Körper, so auch die von Menschen, d. h. alles, was dreidimensional ist. Der Raum selbst ist ein Gedankending.
  70. Die zweiwertige Logik verhindert oft angemessenes Bedenken einer komplizierten Situation.

  71. In der Kategorie des  Seins kann sich Hölderin, aber auch Hitler breit machen. Das ist aber kein hinreichender Grund, auf sie zu verzichten.

  72. Alles Handeln bedarf  Grenzen, die die Ethik „liefert“.

  73. These: Durch die Prägung sind wir grundsätzlich konservativ ausgerichtet. Das erklärt auch die Sesshaftigkeit.

  74. Nichtsichtbares kann wirksam sein.

  75. Ein Tunnelblick kann auch ein geistiger sein.

  76. Die Animalität (Im Sinne von Agamben) hat ebenfalls  Rechte gegenüber der Humanität.

  77. Wir können uns nicht selbst direkt anblicken, das ist der Blinde Fleck in der Erkenntnis.

  78. Ursprünglich gibt es in der lebendigen Welt  keine Kausalität und Orientierungssysteme, weder real noch im Denken. Nur Triebe, Instinkte, Ahnungen. Kausalität und Orientierungssysteme haben wir im Laufe der menschlichen Evolution in Auseinandersetzung mit der Umwelt erst im Bewusstsein entwickelt (im Sinne von Martin Burckhadt). 

  79. Der Mensch glaubt, weil er sich  klug denkt, er könne bedenkenlos  natürliche Prozesse durch künstliche  ersetzen.

  80. Erst eine realisierte (konkretisierte) Norm kann voll, d. h. existentiell beurteilt werden, nicht als abstrakte.

  81. Determinationen reichen oft weit in die Zukunft.

  82.  Das blinde Verlangen, in anderen Bewusstseinen gespiegelt zu werden, scheint universell zu sein, ob als Modell (Sinnlichkeit) oder als Intellektueller (Geist).  

  83. These: Man kann nur genießen, wenn man etwas Sinnvolles getan hat.

  84. Das Streben nach Wahrheit ist ein hohes Gut, das dem Menschen gegeben wurde. Zum Wesen der Wahrheit gehört auch, dass man sie nie eindeutig und endgültig bestimmen kann.

     „Du bist was Besonderes – und das ist normal“. Das Besondere wird in Funktionsprozessen nicht wahrgenommen. Nur in intensiven Beziehungen erscheint das Besondere. Das sind zwei Bereiche, die man nicht verwechseln darf. Andererseits sollte man nicht vorschnell auf das Besondere verzichten.

  85. „Jeder Fremde ist ein Erdengast wie ihr!“ Jeder Fremde ist wahrscheinlich genau so wenig perfekt, wie du es auch nicht bist. 

  86. Es bleibt etwas u. U. unbekannt, auch wenn man es berechnen kann.  

  87. Der Satz vom zureichenden Grund bestimmt die Logik der Neuzeit und nun auch die Alltagslogik. Und wenn man den Grund nicht findet, erfindet  man einen – und das ist das Fatale.

  88. Spekulation: Das uns unbekannte Sein reicht in das irdische Leben hinein und wirkt dort, aber es ist uns nur mehr oder weniger erfahrbar als Schönheit, Natur, Lyrik, Liebe, Musik, Hilfe – aber alles das, kann man nicht bewusst herbeiführen oder gar kaufen.  

  89. Das nackte Resultat ist ein Leichnam.

  90. In der Zahlenwelt gibt es keinen systematischen Platz für die Liebe.

  91. „Jeder Fremde ist ein Erdengast wie ihr!“
  92. Einstein hat der Physik das Geheimnis wiedergegeben (Ernst Peter Fischer).
  93. Theorie schafft Bedeutungen.
  94. Ein Bild enthält bereits Erkenntnis.
  95. Die Hauptaufgabe des Lebens besteht darin, Widerstände zu überwinden, um ein  Leben in der Vertikalität, den aufrechten Gang, ermöglichen. Erst im Tode wird jeglicher Widerstand aufgegeben. Wenn eine Kultur diesen Kampf aufgibt und nur noch nach Bequemlichkeit und Spaß strebt, ist es eine nekrophile Kultur (Ernst Fromm).   
  96. Denkbewegungen verlaufen wie ein mäandrierender Fluss in seiner Entstehung: Meistens weiß er nicht, wie es weitergeht.  

  97. “In der indischen Kultur heiratet man zuerst und verliebt sich dann” (Rani Dhillon).  Das erklärt zumindest, die zunehmende Liebe im Laufe der gemeinsamen Zeit.

  98. Nicht jede Information ist wichtig und bringt weiter.
  99. Auch wenn Gott sich offenbart, ist noch lange nicht ausgemacht, dass wir ihn richtig verstehen. Nicht umsonst gibt es verschiedene Auslegungen.
  100. Die umfassende Vernunft ist im motorisierten Zeitalter durch den verengenden  Verstand ersetzt worden.

  101. Heidegger zu kritisieren, ist notwendig, aber es ist ein Riesenfehler, seine Gedanken prinzipiell im Bewusstsein und Diskurs zu eliminieren.

  102. Der Gegensatz von Idealismus und Materialismus besteht nicht darin, dass jeweils die andere Position geleugnet wird, sondern in der Behauptung eines Vorrangs einer von beiden.

  103. Freiheit ist,  nur aus eigener Einsicht und Zustimmung Determination zulassen.  

  104. Wer Gehirn für Seele einsetzt, hat sich dem naturwissenschaftlichen Denken unterworfen.

  105. Wahrnehmung sind Weisen des Verstehens.

  106. Individualität darf kein Selbstzweck sein, sondern muss sich aus der Situation begründen.

  107. Freiheit ist die Bedingung für Kreativität.

  108. Natürlich ist Theorie von der Form (Begriffe) abstrakt bis höchst abstrakt, aber der Inhalt (das Gemeinte) ist konkret in einer umfassenden Wirklichkeit verwoben. Das sind also zwei verschiedene Dimensionen.

  109. Die Zeit ist der Feind des Augenblicks.

  110. Wenn man geisteswissenschaftliche Themen naturwissenschaftlich bearbeitet, verfehlt man den Geist.  

  111. Freiheit ohne Vernunft ist blind, u. U.  gefährlich.

  112. Der Mensch ist schwach, aber nicht zu schwach, diese Schwäche nicht zu überwinden. Das ist die stoische Morallehre. 

  113.  Verstehen muss nicht Erinnerung implizieren.
  114. Naturwissenschaften sind genau  besehen  Materialwissenschaften. Materie ist teilweise getötete Natur, die durch den Tötungsakt drastisch ihre Qualität ändert.  
  115. Die Theologie stellt Fragen, die man auch als philosophische nehmen kann, aber die Antworten der Theologie sind von dogmatischer Natur.

  116.  Das Schlimmste ist niemals sicher (Hollande).

  117.  Der Zustand der Wirklichkeit ist niemals  ein vollkommener.

  118. Medien bestimmen das Bewusstsein, aber auch den Körper. Aber das Bewusstsein denkt, es sei entscheidend.
  119. Denken ist eine Naturanlage, die durch Übung und Reflexion verfeinert wird.

  120. Wahrnehmen setzt Kennen voraus.
  121. In  primär emotionalen Aussagen hat die Kognition dienende Funktion, umgekehrt hat die Emotion dienende Funktion in kognitiven Aussagen.
  122. Jede Aussage thematisiert einen Teil eines Ganzen und wird auch vom Ganzen bestimmt. Das Ganze kann der Mensch aber nicht erkennen. Deswegen prinzipielle Unsicherheit und Geheimnis.

  123. Leben ist das einzige wirklich trennscharfe Phänomen.

  124.  Begriffe, obwohl sie es per definitionem (Grenze) nicht wollen, erzeugen im Bewusstsein im Gegensatz zu Bildern einen Überfluss.

  125. Die Anstrengung des Verstehens sollte sich überwiegend  auf Gehaltvolles  konzentrieren.
  126. Das Sein ist zumeist verborgen, wirkt aber ständig. Wer dem nicht nachspürt, verfehlt Wesentliches, was auch zum Menschen gehört. Wer hier nicht staunt, dem ist nicht zu helfen.
  127. Absolute Gleichheit schafft man nur durch Abstraktion oder Gewalt. 

  128. Oft sind bei Urteilen Aussagen über den  Urteilenden gehaltvoller als über die Urteile selbst.   

  129. Subjektivität ist  unverzichtbar, aber u. U. höchst gefährlich. Hier gilt es aufzupassen.

  130. Nur Wahrnehmen – und erst recht die Wahrnehmung von Bildern – ist keine Aneignung.

  131. Etwas Neues sehen ist wenig im Vergleich mit einem neuen Gedanken empfangen.

  132. These: Darwin beschreibt kapitalistische Wirtschaft, nicht die Natur, d. h.  er projiziert Wirtschaft in die Natur. Diese Projektion ist gar nicht oder nur am Anfang wahrgenommen worden.

  133. Erfahrung und Empirie sagen uns, dass etwas so oder so beschaffen ist, aber nicht, dass es anders sein könnte. 

  134. Es besteht ein  kategorialer Unterschied, ob eine Norm zwingend aus der Natur (auch aus der eigenen) erwächst oder gesellschaftlichen Ursprungs ist und von der Gesellschaft gefordert wird.  

  135. Große Ähnlichkeit ist meistens die größte Täuschung, dass Identität vorhanden sei. Das ist auch keine Teilidentität: Das Bild ist nicht das Dargestellte.

  136. Nur Lebendiges birgt Geheimnisse, schon deswegen, weil das Leben unergründlich ist.  

  137. Meine Position: Wegen der Begrenzung des endlichen Menschen ist Religion notwendig und unverzichtbar. Allein schafft der Mensch es nicht. Nur zusammen mit Gott schafft man es. 

  138. Die Position der Zweckfreiheit vergrößert beträchtlich den Handlungsspielraum.  

  139. Wir müssen die Natur nicht als das Fremde, sondern als das Ganze, also einschließlich unser selber, erkennen.

    Die Einheit der Natur (der Vernunft) und die Vielfalt der Interpretationen (Stimmen). Natur wird axiomatisch definiert, was aber nicht heißt, es gäbe sie nicht.  

  140. Vermutung: Individualismus ist die Negation vom Subjektivismus. 

  141. Es gibt verschiedene Weltsichten, eine davon ist die metaphysische, die immer abstrakt ist.

  142. Eine perfekt geordnete Bibliothek ist ein falsches Modell für Bildung  und Kreativität.
  143. Das einzige, was uns wirklich vom Tier unterscheidet, ist Bildung als Selbstzweck.
  144. Ständig sich unerfüllte Wünsche sich vorzustellen, bringt nicht weiter.
  145. Einige Menschen sprechen auch im Dialog wie Tonbänder. Sie scheinen das loswerden zu wollen, was sie sich vorher ausgedacht haben. Hoffentlich gehöre ich nicht zu ihnen.
  146. Wir haben das Begehren, die Schwerfälligkeit der materiellen Welt zu überwinden (Joseph Vogl). Aber zu welchem Preis?
  147. Zuerst muss man  einen Teil der Welt qualifiziert haben und erst danach kann man anfangen zu quantifizieren und zu messen. Vorher geht das nicht. D. h. die Basis des Messens gründet in subjektiven Entscheidungen.
  148. Wir müssen die Informationsmenge von gutem Material innerhalb einer Zeiteinheit drastisch verkleinern – sonst behalten wir nichts.
  149. Der Mensch konstruiert real und geistig so lange, bis die Konstruktion (so auch die Erde) für ihn nützlich ist.
  150. Die Natur ist in ihrem Wesen nach für die kausale Betrachtungsweise der Wissenschaft unzugänglich.
  151. Die Technik, um virtuelle Welten zu erzeugen, hat Gegenwart und Wirklichkeit. Deswegen ist die undifferenzierte Verwendung des Begriffs  Wirklichkeit problematisch, denn er eliminiert fundamentale Kritikmöglichkeiten.
  152. Philosophie ablehnen ist Selbstnegierung.
  153. Totale Freiheit hat keinen Halt, keine Perspektiven und keine Widerstände.
  154. Der autonome Mensch sollte sich der Welt öffnen, aber auch verschließen, was nicht selten not-wendend ist. 
  155. Im Gegenstand liegt verkapselt unsichtbares und oft unbemerktes Wissen, das man nur mit Hilfe der Sprache ins Bewusstsein heben kann.  Was vorher stumme Objektivität war, bekommt eine artikulierte Formengestalt.
  156.  Information ist nicht identisch mit Bildung.
  157. Sprachgestalten sind oft Masken. Wittgenstein spricht von der Verhexung durch Sprache.
  158. Die Auswahl und die Kombination der Wörter bzw. Zeichen entscheiden über Neues oder Wiederholung. 
  159.  Ein Individuum kann, muss aber kein Subjekt sein. Ein Subjekt folgt einer reflektierten Vernunft. Aber ein Subjekt ist immer auch ein Individuum.
  160.  Die Axiome der Naturwissenschaften sind letztlich auch problematische Setzungen, was aber per definitionem nicht problematisiert wird.
  161. Der Begriff der Evolution schafft die Überzeugung reiner Diesseitigkeit.
  162. Kategorien bzw. Philosophie führen nicht von der Welt weg, sondern ermöglichen tiefere Welt- und Selbsterkenntnisse.
  163. Wo ist die Grenze zwischen absolutem Idealisten und Kritiker?
  164. Eine Persönlichkeit hat die Ruhe wie die Tiefe eines  Ozeans und die Regsamkeit seiner Oberfläche.
  165. Die Neurophysiologen stehen immer vor dem Problem, materielle Befunde in Sprache und damit in Geist zu übersetzen.
  166. Mit jeder verstorbenen Generation bricht die Erinnerung an Namen, Häuser und Straßen ab.
  167. Wenn der Mensch lebt, begeht er auch Unrecht. Das liegt in dem Wesen der Dekonstruktion. Das ist übrigens ein Argument gegen Hypermoral (Gehlen).
  168. Die Schwäche der  heideggerschen Theorie besteht darin, dass sie die Dimension des Menschen im Plural, den Menschen als Sozialwesen letztlich nicht bedenkt. 
    Im Ereignis gibt es keine wollendes, herrschendes Subjekt, denn „es“ kommt.
  169. In der Handlungstheorie stehen Sinnlichkeit und Muskeln im Mittelpunkt, im Pragmatismus der Nutzen.. 
  170. Der Dualismus Subjekt-Objekt macht zwangsweise aus lebendigen Dingen tote Objekte. Das Subjekt ist nun der absolute Herrscher.
  171. Man müsste den Dualismus "Naturwissenschaften versus Geisteswissenschaften" durch "Materiewissenschaften versus Geisteswissenschaften" ersetzen. Beides wären Abstraktionen, die es so in der Realität nicht gibt. Die reale Synthese wäre dann die  Naturwissenschaft bzw. Lebenswissenschaft.  
  172. Die Negation des Individuums ist ebenso falsch wie seine Verabsolutierung.  Der Mensch ist Teil des Ganzen und existiert gleichzeitig außerhalb dieses Ganzen.
  173. Der Subjekt-Prädikat-Dualismus liegt der Sprache unhintergehbar zugrunde. Jeder sprachliche Versuch, den Subjekt-Objekt-Dualismus, wie z. B. im "Ereignis", zu überwinden, zerfällt sofort wieder in Subjekt und Prädikat. 
  174. Dass Natur und Welt beherrscht werden, ist für eine bestimmte erkenntnistheoretische Richtung Beleg dafür, dass Natur und Welt erkannt worden seien. Als ob ich bereits eine Kuh kenne, bloß weil ich sie beherrsche. 
  175. "Ein wohlgeratner  Mensch, ein "Glücklicher", muss gewisse Handlungen tun und scheut sich instinktiv vor andren Handlungen, er trägt die Ordnung, die er physiologisch darstellt, in seine Beziehungen zu Menschen und Dingen hinein" (Nietzsche, Götzen/Dämmerung, S. 972) . Als Formel: seine Tugend ist die Folge seiner Physiologie. Ich schließe daraus:  Wenn Nietzsche Recht hat und wenn wir uns ändern wollen, dann nur auf der Ebene unserer Physiologie, der Rest ist nur Folge als Tugend, Tüchtigkeit, Optimismus, Zuversicht Behändigkeit und Menschlichkeit.  Wenn man in sich hineinhört und sein bisheriges Leben kritisch bedenkt, dann bekommt die Aussagen, dass das Tier und das Tier im Menschen  nicht schlecht seien, Plausibilität. 
  176. Im Nietzsche-Haus in Sils Maria waren viele junge Menschen, was mich nicht verwunderte, denn seine Lebens- und Leibphilosophie muss doch gerade jungen Menschen ansprechen.
  177. Ein Beispiel für "apriorisch". Bevor Scott und Amundsen den Südpol erreichten,  also empirische Gewissheit von seiner Existenz erlangten, wusste man bereits vorher mit absoluter Gewißheit, dass er dort vorhanden sei. 
  178. Leben- Wissen - Leben, d. h. Wissen muss aus dem Leben entstehen und dort wiederum z. B. als Orientierungswissen zurückfließen
  179. Im Phänomen ist schon immer Allgemeines wirksam. 
  180. Man darf nicht den Praktiker kritisieren, weil er nicht die reine Lehre realisiert.
  181. Thesenartige Anmerkungen zum Roman "Feuchtgebiete und zur Moral": Die denkbar größte Nähe von Lust und Ekel  in Form von Sexualität und Entleerung des Magens zwingt zur absoluten Unterscheidung der Werte. Moral hat dualen Charakter, gut und böse, ein Drittes gibt es nicht. Hier gibt es keine akzeptablen Hybriden, darf es nicht geben. -  Dieser Gedanke muss mit großer Vorsicht gedacht werden, denn er kanln sehr schnell in die Starre, ja Inhumanität  führen. 
  182. Ich vermute, dass wir das Unbewußte in der Folge von Siegmund Freud zu homogen sehen. Es stimmt zwar, dass  es  von Trieben, insbesondere dem Lebenstrieb beherrscht wird und logisch paradox denkt, aber das Unbewusste  enthält  auch  rationale Strukturen (vielleicht im Sinne von Lacan). Ich stelle mir vor, dass alle diese Gebilde und Fähigkeiten als verschiedene Ressourcen zugänglich sind, wobei man über die Art des steuernden Zugriffs wohl nichts Genaues sagen kann. Kurz: Ich behaupte, dass es sehr wohl die Möglichkeit des "Es denkt" statt des "Ich denke" gibt, dass der Satz "Wo Es ist, soll Ich werden" nicht immer eine Transformation des Irrationalen in Rationales ist, sondern auch eine Bewusstmachung rationaler Strukturen sein kann.  
  183. Es gibt für uns Menschen keine vollkommene Immanenz, immer ist auch Transzendenz vorhanden, aber auch für uns Menschen keine vollkommene Transzendenz, denn etwas müssen wir schon von ihr wissen bzw. erahnen, um zumindest von ihr zu sprechen zu können.  
  184. Selbst in allen Dingen ist Ambivalenz, Polarität, vielleicht Dialektik, ja Streit (Ding und Thing sind gleichen Ursprungs).
  185. Handeln hat immer auch eine Bewusstseinsebene, das gilt auch für destruktives Handeln.
  186. Die wünschenswerte Kritikfähigkeit darf den Kritiker nicht ausblenden bzw. die Kritik muss auch auf das "Kritikinstrument" angewendet werden.
  187. Die negative Folge des (absoluten) Konstruktivismus besteht darin, dass die "wirkliche Wirklichkeit", die Referenz an Glaubwürdigkeit und Wert verliert: Sie ist letztlich eben auch nur Sprache. Einen Ausweg bietet Gottlob Frege mit seiner Unterscheidung von Sinn (der Abendstern ist ein Planet) und Bedeutung (Abendstern und Morgenstern sind identisch, nämlich die Venus). Ein gut geformter Satz hat immer einen Sinn, aber nicht immer eine Bedeutung (der jetzige König von Frankreich). Wissenschaftliche Aussagen  haben den Status von Bedeutungen, obwohl es auch hier keine absolute, beweisbare Sicherheit oder Wahrheit gibt. Trotz dieser Unsicherheit sollten wir an dieser Unterscheidung festhalten und - paradox formuliert - daran glauben, ja behaupten und danach handeln, dass es eine außer uns seiende Realität gibt. Mit dieser Auffassung nähert man sich dem Essentialismus. 
  188. Natürlich ist die jeweilige Bestimmung eines Satzes immer auch ein Stück Willkür. 
  189. Begriffe sind Fest-legungen, sie stellen das Gemeinte still, so dass es sich nicht verändert. Aber das machen entweder der Rezipient und/oder die Zeit nicht mit. Das kann dazu führen, da der Begriff sich inhaltlich  so weit verändert hat, dass ein neues Wort gefunden werden muss. Ein Beispiel: Konsum im Sinne von consumere (verbrauchen) ist eine Notwendigkeit allen Lebens. Wenn Konsum zum Selbstzweck, zum übersteigerten Konsum wird, ist es sinnvoll, diese neue Situation unterschiedlich zu benennen, in diesem Fall mit Konsumismus zu bezeichnen.
  190. Es gilt, den Sinn des Seins zu erfüllen. Dieser ist natürlich schwer bzw. gar nicht bestimmbar, aber mit Sicherheit  ist ein Leben als Funktion des Konsums keine Seinserfüllung.
  191. Der Dualismus Objektivität und Subjektivität führt  meiner Ansicht nach zu falschen Schlüssen,  denn beide haben ihren Ursprung im Subjekt. Man sollte  also umständlicher von "objektiven Subjektivismus" und "subjektiven Subjektivismus sprechen. Objektiver Subjektivismus meint dann mit Kant die Kategorien und Anschauungsformen, die wir den Phänomenen hinzufügen, subjektiver Subjektivismus meint dann die Aneignung, die vom Ding an sich ausgehen, aber von uns nicht auf den Begriff gebracht werden, sondern vorbegrifflich  als sinnliche Erfahrung erahnt oder gefühlt oder .....  wird.  Man kann beide Modi der Aneignung auch als Erkennen und Erleben unterscheiden, die  einerseits das Allgemeine, andererseits das Besondere zum Gegenstand haben. 
  192. Kant betont ausdrücklich die konstituierende Leistung der Sinnlichkeit im Erkenntnisprozess. Aber durch das Konstrukt des Ding an sich verbietet es sich,  wahre Aussagen über die  jeweiligen sinnlichen Ausprägungen und Ausformungen   von bestimmten Dingen machen zu können. Der Status der sinnlichen Wahrnehmung bleibt fragil. Das einzelne Phänomen  verliert an Wert und Sicherheit, die man erst im Gesetz erlangt.
  193. Die Sinnlichkeit bzw. das sinnlich Gegebene  im Sinne Kants geht  vom Ding an sich aus. Zu dieser Sinnlichkeit  gehören "gleichwirksam" und untrennbar der sich bewegende Körper. Statt also die Sinnlichkeit herauszuheben, könnte man ebenso den Körper und seine Eigenbewegung  zum Leitbegriff machen.
  194. Jede Präzision geht auf Kosten des Lebens - also vorsichtig und sparsam  mit diesem Instrument umgehen.
  195. Das Sein bestimmt das Sein, aber nicht kausal im Verhältnis eins zu eins, sondernals Richtung.
  196. Spekulative Gedanken: Die Welt ist von Gott geschaffen. Wir leben in einer Idee Gottes. Erst langsam im Laufe seiner  Entwicklungsgeschichte beginnt der Mensch, die Konstruktionsprinzipien Gottes zu ahnen und zu begreifen. Aber die menschlichen Aktivitäten des Menschen gefährden und zerstören die Erde nicht nur in Teilen, sondern nun auch als Ganzes. Liegt es daran, dass sie die Konstruktionsprinzipien falsch verstehen oder dass Egoismus das richtige Verstehen überlagert?  Kann es in diesem Zusammenhang nicht sein, dass Gott seine Schöpfung verlassen hat, vielleicht nicht freiwillig, sondern  mit brutaler Gewalt aus ihr vertrieben worden ist? Merken wir das nicht oder wollen wir es nicht bemerken?
  197. Erst wenn man etwas Unrechtes in autonomer Entscheidung nicht tut, handelt man moralisch. Also jenseits jeglicher Nutzungserwägungen und Gefahrenabwehr.
  198. Das Gute und das Schöne an sich sind  uns Menschen nicht deutlich zugänglich. Gleiches gilt wohl auch für die Wahrheit, auch ihr können wir uns nur annähern.  Die Aussage "Das ist ein Zaunkönig" kann wahr sein, aber das ist noch nicht die Wahrheit.
  199. Moral ist immer auf Kognition angewiesen und  Kognition immer auf Moral.
  200. Wenn man wie Kant den Menschen als Endzweck der Schöpfung ansieht, allerdings nur in moralischer Hinsicht, dann sind Wirtschafts- und Technikentwicklungen nur Hilfsmittel, wobei diese Mittel sehr schnell auch zu Bremser und Verhinderer von Moralität werden können.
  201. Ich denke, dass die gegenwärtige Bewegungslosigkeit wirksam nur auf zwei Wegen unterlaufen werden kann: einmal durch die Analyse der herrschenden Prinzipien, die das Verhalten in unserer Gesellschaft bestimmen und b) durch konkretes Vorleben
  202. Spekulativ oder Lösung? Sicherlich hat jeder Gedanke eine neuronale Dimension, aber diese ist nicht das Ganze. Das Neuronale ist ein Signifikant, ein materielles Zeichen, das erst von einem Subjekt gewissermaßen innen gelesen werden muss. Dieses materiefreie Subjekt man kann auch Seele nennen. Aber auch diese duale Lösung wirft neue Fragen auf.
  203. Es gibt gute und schlechte, lebenshelfende und lebensverhindernde Abstraktionen.
  204. Zu sehen, wie ein kleines Kind einem Erwachsenen vollständig vertraut, ist ein Blick ins Paradies.
  205. Ein erfülltes Leben besteht aus Physis und Metaphysik. Eine rein innerweltliche Vervollkommnung ist nicht möglich, aber auch nicht eine rein außerweltliche.
  206. Leben sind intensive Beziehungen zu sich selbst, zu anderen Menschen, zur Natur, zu …..
  207. Metaphysische These: Das Ganze (oder gar die Ganzheit) ist empirisch nicht fassbar, uns Menschen nicht zugänglich, ist immer absent - und trotzdem unsichtbar wirksam, so dass wir das Ganze als eine Art Vorwissen ahnen bzw. spüren.
  208. Einerseits vertragen Begriff und Sache des Humanismus keine Einschränkungen, andererseits muss Humanismus insbesondere in konkreten Situationen immer wieder interpretiert und begründet werden. Ohne Zweifel stärkt der Bezug auf Eigenbewegung und Ökologie eine konservative Orientierung, gesetzt, dass die Moderne das körperliche (und geistige) Subjekt zunehmend enteignet.
  209. Es geht hier um die kultivierte Freiheit. Sie zu verwirklichen, ist ein durch und durch schweres Unterfangen, dass auch einen ständigen selbstkritischen Blick verlangt.
  210. Geisteswissenschaften müssen sich für die Existenz des Begriffs einsetzen, um die Zahl in Grenzen zu halten.
  211. Technik hat nicht die Aufgabe, ad infinitum zu immer neuerer Technik zu führen, sondern sie soll Leben und Kultur ermöglichen.
  212. Nein zu sagen, ist eine Bedingung für die Möglichkeit der Freiheit und für die Realisation von Verbesserungen.
  213. Die Unterscheidung Zivilisation und Kultur, die es meines Wissens nach nur in der deutschen Sprache gibt, war bekanntlich ein konstituierendes Moment deutscher Überheblichkeit. Trotzdem denke ich, sollten alle Gesellschaften nicht auf diese Unterscheidung verzichten, sie aber durch einen dritten Bereich Demokratie ergänzen und die Bereiche Zivilisation und Kultur umwerten: Zivilisation als unverzichtbare Bedingung des Lebens und Kultur als die Sphäre des Zweckfreien, der Sublimation, des Humanen. Alle drei Bereiche sind gleich notwendig und gleichwertig.
  214. Eine Seele stellt metaphysische Fragen und bewegt sich im Raum der Zweckfreiheit, während der Selbsterhaltungstrieb in der Immanenz verbleibt, der in seiner pervertierten Form auf Konsumerwerb beschränkt ist. Seele und Selbsterhaltungstrieb im Sinne von Immanenz sind gleichwertig.
  215. Gegen ein Vorurteil: Gute Philosophie erfindet nicht, sondern beschreibt Bestehendes. So rekonstruiert Kants Transzendentalphilosophie plausibel unser Erkenntnisvermögen. In einem Bild: Wie es bereits Amerika vor Columbus gab, so auch das Erkenntnisvermögen vor Kant.
  216. Weil Gott an seine eigenen Gesetze zurückgebunden wurde, genügt es vielen Menschen, die Gesetze zu kennen.
  217. Setzt man das Allgemeine als das Obere und seine Konkretionen unter ihm liegend, so gibt es vom Begriff her gesehen eine Erkenntnisgrenze nach oben in Richtung Abstraktion und nach unten in Richtung Konkretion. Nach oben fehlt ein überzeugendes Allgemeines, nach unten fehlt eine überzeugende Konkretion. Beide, Begriff und Gegenstand, werden zunehmend formloser und unbestimmbarer. Was wäre das Allgemeine zu Gott, was das Konkrete zu Quark (bzw. zu einer noch kleineren Einheit)?
  218. Jede Konkretion, am Ideal gemessen, ist defizitär. Daraus folgt, dass man nur Konkretionen miteinander vergleichen darf.
  219. Ich bevorzuge das Wort Philosoph im Sinne von “Freund der Wahrheit” eher als das Wort Sophist im Sinne von “weiser Mensch”.
  220. Natürlich ist jedes sprachliche Werk Konstruktion, unabhängig davon, ob wissenschaftliche Beschreibung oder Roman. Der entscheidende Unterschied besteht in der Einstellung, ob Wille und Absicht herrschen, wahrhaftig abzubilden, darzustellen, zu rekonstruieren oder fiktiv Welt zu gestalten.
  221. Ob Materie überhaupt Materie ist, ob Geist überhaupt Geist ist, das zu wissen, ist uns Menschen prinzipiell nicht möglich, weil unser Erkenntnissystem ein Gemisch aus “Materie” und “Geist” ist und das Ergebnis des Erkenntnisprozesses ebenfalls immer ein Gemisch aus beiden ist.
  222. Bei der Lektüre von Egon Friedell, der beim Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich Selbstmord beging, kam mir der Gedanke, den Opfern von Unrecht eine Internetadresse einzurichten, um so zu ihnen reden zu können.
  223. Der Philosoph bewegt sich ausschließlich im System der Sprache, der Techniker im Reich der gemachten Gegenstände.
  224. Vor und bei jedem Handeln steht die Destruktion, dann folgt die Konstruktion. Handeln ist also immer Dekonstruktion.
  225. Man zwinge keinen Menschen zu seinem Glück, aber erst recht nicht zu seinem Unglück.
  226. Wenn die beschreibenden Kategorien nicht mehr der Wirklichkeit entsprechen, wenn sie einander überlappen und nicht mehr homogen sind, muss man sie ändern oder eben die Wirklichkeit normativ wenden.
  227. Ist Metaphysik etwas ganz anderes als Physik oder nur eine andere Physik?
  228. Aus Prinzipien entstehen System, Struktur, Ordnung und Gefüge im vorhandenen Material bzw. Elementen.
  229. Ordnung ist entweder die Ordnung des Kosmos oder die der Mechanik. Die Ordnung der Mechanik ist ambivalent:  lebensfördernd, aber auch lebenshinderlich.
  230. Das Subjekt ist „nur“ ein Platzhalter, eine „leere Mitte“. Es wird durch noch so viele und tiefsinnige Prädikate immer nur vorläufig bestimmt - Prädikate umkreisen das Subjekt wie eine hungrige Katze den heißen Brei.
  231. Der Mensch „hat“ Finalität, d. h. er bestimmt sein Denken und Handeln durch Zwecke, die Natur „hat“ dagegen Kausalität. Finalität setzt Freiheit voraus. Aber dieser kantische Dualismus darf meiner Ansicht nach nicht absolut gesetzt werden. 
  232. Was die deutsche Romantik über die tiefer liegenden Sinnstrukturen der Sprache an sich und über die deutsche Sprache gesagt haben, stimmt. Falsch war zu denken, dass dieser tiefere Sinn gewissermaßen automatisch wirksam und begriffen wird. Ich denke dagegen, dass gar nichts passiert, wenn nicht entsprechendes Wissen und Enthusiasmus  für diese Tiefe vorhanden  sind.   Zumindest Enge, oft auch Leid entstehen dann, wenn  die Sprache, die man spricht, bloß,  weil man sie spricht, gewissermaßen als beste, sinnvollste verabsolutiert und ideologisiert wird. Das ist eine Falle, in die man fast zwangsläufig tappt.

B. Aussagen zur Pädagogik und Bildung

  1. Der Denkfehler der frühen Pädagogik: Von dem aktuellen Wissen und Können bei Kindern auf zukünftige Entwicklungen zu schließen.

  2. Bildung ist, möglichst ständig aufmerksam sei. Die Inhalte werden durch den jeweiligen Fokus bestimmt. Bildung ist  kein Ganzes. Bildung ist nicht Kreisen, sondern spiralförmig nach oben sich entwickeln.

  3. Es gibt einerseits ein eindimensionales horizontales Wissen und eine mehrdimensionale vertikale Bildung. Beide bilden eine Einheit.
  4. Es kommt entscheidend auf  die Binnenperspektiv ran.
  5. Am Anfang des Lebens gibt es unendlich viele Ähnlichkeiten und Möglichkeiten, die durch Erziehung bis auf einige abdressiert werden.
  6. Meine Jugend war außer Bücher, Zeitungen und Kino medienfrei.  
  7. Ein Handy in der Hand führt nicht zwangsläufig zur Bildung.

  8. Bildung ist im Kern Selbstbildung.  

  9. Alle Bilder sind genau genommen Fakes, wenn sie vorgeben, Wirklichkeit zu spiegeln oder gar zu sein.  

  10. Dinge und Orte sind absolut still bzw. bedeutungslos, wenn man nichts von ihnen weiß. Deswegen ist Wissen so wichtig. Man muß sich also  vor, während oder nach  der Begegnung informieren. In der Regel genügt das vorhandene Wissen nicht.  

  11. Kinder müssen auch die Erfahrung der Werkvervollständigung durch sie selbst machen.

  12. Allgemeingültige Maxime: Lerne, was du lernen kannst.
  13. Zur Bildung gehören auch Wirtschaftskenntnisse, aber nicht, um an möglichst viel Geld zu kommen, sondern sich vor unnötigen Zwängen zu schützen, die von der Wirtschaft ausgehen. Die Wirtschaft setzt zunehmend die Bürger auf eine lebensfeindliche Spur.
  14. "Alle Menschen streben von Natur aus nach Wissen" (Aristoteles). Bildung ist ein Schatz.
  15. In der Pädagogik wird meiner Anicht nach viel zu wenig auf Anerkennung geachtet. Warum nicht alle Leistungen unter einer Fünf loben?
  16. Bildung richtet sich auf das Ganze (= das Heil).
  17. "Die größte Katastrophe ist das  Vergessen" (auf einem Plakat unserer Kirche).
  18. Die wirkliche Bildungskatastrophe besteht in der Kultur- und Seinsvergesssenheit..
  19. Lernen und  Weiterbildung sind (Aus-)Wege..
  20. Begriffe verlangen die Schaffung neuer Beziehungen, Bilder verlangen nur Wiedererkenung.
  21. Ein Lehrer sollte Hirte, sanfter Bauer, nicht Techniker sein.
  22. Versucht man, Bildung exakt zu bestimmen, verfehlt man das Wesen der Bildung. s
  23. Ein Lehrer darf  bezüglich seiner pädagogischen Fähigkeiten nicht isoliert von bestimmten Schülern betrachtet und bewertet werden, denn Lehren ist immer eine Relation
  24. Erziehungssysteme können deviante Kinder erzeugen.
  25. Das eigentliche Ziel des Lehrers besteht darin, seinen Schülern ihr eigenes Potenzial bewusst machen - und das geht nur über das Fordern. Potenziale ragen immer auch in die Zukunft.
  26. Pädagogik heißt,  den Schülern einen für sie begehbaren Weg des Wissenserwerbs aufzuzeigen. Gehen müssen sie diesen Weg allerdings selbst.
  27. Generell geht die Didaktik von dem  "fertigen" Gegenstand aus und ignoriert die Erkenntnisprobleme, die in dem "fertig" stecken.
  28. Vielleicht sollte man den Gedanken fördern, dass Lernen als Bemühen um Wahrheit wenig oder nichts mit dem Lernenden zu tun hat. Das Gelernte ist ein autonomes System, hat eine eigene Existenz. Wenn ich lerne, bin ich nicht ich, sondern Träger und so eine Art Motor des Lernens. Ich folge nicht meinen Gesetzen, sondern die des Lernens und des jeweiligen Lerngegenstandes unabhängig von meinem eigenen Nutzen und Wollen. Ich bin dann außerhalb zumindest meiner eigenen Zeit. 
  29. Jede (pädagogische) Maßnahme bringt (hoffentlich) großen Gewinn, aber auch Verluste hervor.  Verluste entstehen immer, wenn man  die Elle des Idealen anlegt.
  30. Forderung an das Lernen in der Schule und anderswo: Hauptsache ist, dass gelernt wird, d. h. hier Qualität vor Quantität. Das gilt übrigens bis für den letzten Tag des Lernens. Das quantitative Ziel, wie es z. B. in Lehrplänen festgelegt ist, kann  für das Lernen hinderlich, ja schädlich sein.
  31. Die gegenwärtigen Bildungsbemühungen werden nur dann erfolgreich sein, wenn sie nicht systematisch durch eine generelle Konsumorientierung behindert werden.
  32. Eine These: Schüler müssen jeden Tag in eine ihnen mehr oder weniger fremde Gedankenwelt eindringen. Das ist sehr, sehr schwer, das ist so, als wenn ich in ein mir bisher unbekanntes Gedankengebäude eindringen will. Ich muss den Text zumindest zweimal lesen, um erste Vertrautheit und Verständnis aufzubauen. Das erfordert Zeit, Durchhaltevermögen, Anstrengung, Mut. Wenn ein Lehrer  - das wäre meine These - nur noch ihm bereits Bekanntes wiederholt, wenn er nicht ständig qualitativ und quantitativ sein Wissen erweitert und verbessert, wenn er nur noch Fernsehen und Zeitungen konsumiert, oberflächlich und anstrengungslos lebt,  dann muss er den Schüler verpassen, sei es, dass er nicht dessen Schwierigkeiten versteht, sei es, dass er für den Schüler kein Vorbild ist, sei es, dass sein vermitteltes Wissen ein totes ist.
  33. "Quand on me demande quel sport je pratique, je reponds l´enseignement" (die franzöische Schriftstellerin Mara Goyet).
  34. Warum wird es von vielen als störend empfunden, wenn sie in einem Text  Wörter oder Schwierigkeiten vorfinden, die  sie nicht kennen bzw. verstehen und deshalb gezwungen sind (oder nicht), diese  aus einer anderen Informationsquelle sich anzueignen bzw. durch Nachdenken zu erschließen. Das ist doch ein zusätzliches Lernen.
  35. Bildung und  das Streben nach ihr ist ohne metaphysische Prämissen nicht möglich.
  36. Erziehung und Bildung beschreibt nicht ein leeres Blatt, sondern es sind immer bereits Strukturen, Dispositionen, Transzendentalien, Ideen, Urbilder, Anlagen ... vorhanden. 
  37. Zweierlei ist für unseren Gehirnspeicher wichtig: a) die Qualität der Inhalte und b) seine quantitative Kapazität, wozu  eine längere Aufmerksamkeitsfähigkeit gehört.
  38. Die jeweilige Bildung ist immer unvollständig. Wenn das Streben nach Bildung aufhört, stirbt nicht nur diese Bildung, sondern auch  deren Träger.
  39. Nietzsche hat Recht: Das Wiederkäuen schwieriger Textpassagen tut not.  Dazu muss man beinahe Kuh und jedenfalls nicht moderner Mensch sein.
  40. Selbst denken und selbtverantwortlich handeln sind sicherlich nicht leicht, weil fehleranfällig,  und enthalten  auch leidvolle Phasen. Aber das "Selbst" zeichnet das Menschsein aus. Erziehung im Elternhaus und Schule berücksichtigt nicht genügend diese Einsicht.
  41. "Sekundärliteratur? Niemals!" Diese Maxime der Universität von Santa Fe ist vielleicht eine wesentliche Antwort auf das Bildungsproblem - auch wenn sie nur als  Richtung des Bildungserwerbs verstanden werden kann:  Primärquellen sind das Telos. Tiefer als in das "Great Books Curriculum"  kann man seine  Bildung nicht gründen. Über deren Aussagen zu "brüten", einsehen, sie nie ganz erhellen können, weil immer etwas prinzipiell Unaufschließbarers bleibt, ist das Wesen der Bildung. 
  42. Habituelles Autofahren und Fernsehen einschließlich eines konsumorientierten Lebens ist dem Bildungsprozess nicht zuträglich.
  43. In der gegenwärtigen Bildungsdiskussion wird weitestgehend unterschlagen, dass zweckfreie Bildung für viele Menschen keine Selbstaufgabe mehr ist. Lediglich Funktionswissen für bestimmte Aufgaben wie Bedienung von Maschinen und Organisation von Problemen sind gefragt. Aber beides, Bildung und Wissen, gehören zum menschlichen Leben.
  44. Meine Beobachtung: Visuell geprägte Mediennutzer sind nicht mehr in der Lage, sich auf längere anspruchsvolle Texte zu konzentrieren.
  45. Im 18. Jh. hat es eine Kritik des Lesens von (Ritter-)Romanen gegeben, aber nicht - wie heute oft suggeriert - gegen das Lesen selbst.
  46. Wenn die Welt zunehmend von realen Dingen und Menschen entleert wird, dann sind die Möglichkeiten der Mimesis stark eingeschränkt. Aber gerade diese Lernform ist wahrscheinlich das Fundament allen Lernens. Selbst das Verstehen von Theorien hat Merkmale der Mimesis.
  47. Kulturelle Verarmung ist eine schwere Form der Verarmung.
  48. Die Fähigkeit, selbst zu entscheiden, findet nicht nur im geistigen, sondern auch im Modus der Eigenbewegung statt.
  49. Doris Lessing behauptet, dass die lange Erzählung der Ordnung des menschlichen Gehirns entspräche. Wie auch immer, auf jeden Fall gehört das längere zusammenhängende Bedenken einer Sache oder eines Problems zur Grundausstattung eines gelungenen Lebens.
  50. Vermutung: Die Feststellung Wittgensteins, dass die Bedeutung eines Wortes sein Gebrauch sei, lässt sich produktiv für Lernprozesse (im Unterricht) verwenden. Beispiel: Unser knapp vierjähriger Enkel sagte, als die Katze im Keller war: “Tini ist im Teller”. Daraufhin holte ich einen Teller aus dem Schrank, guckte ihn an und sagte: “Tini ist nicht auf, in oder unter dem Teller”. Der Enkel stutzte, fing dann aber, sich etwas peinlich windend, laut zu lachen an. Er hatte es begriffen, hatte für Laute grundsätzlich ein erstes (phonologisches) Bewusstsein erlangt, hörte zu, als ich ihm noch einmal den Unterschied erklärte, was vielleicht gar nicht nötig war.
  51. Kinder bauen zunehmend keine eigene Welt mehr auf. Der objektiv schlechte und der subjektiv gut gemeinte Fremdeinfluss dominiert.
  52. Wenn ich einen französischen Text lese, ist (leider) 95 % für mich neu, bei einem schwierigen Text sind es oft 60 %, bei einem Roman vielleicht 40 %, bei einer anspruchsvollen Tageszeitung 10 %. Sehe ich einen Krimi im Fernsehen im Höchstfalle 2 %.
  53. “Solange Kinder geboren werden, müssen wir weiterspielen, dann sie haben die Fünfte von Beethoven noch nicht gehört” (James Levine zitiert  George Szell).
  54. Wenn in der Unterrichtsvorbereitung die Phasen Sachauseinandersetzung, didaktische Analyse i. e. S. und methodische Strukturierung inhaltlich und zeitlich voneinander getrennt durchgeführt werden, ist das - metaphorisch ausgedrückt - der Tod der Lehre. Warum? Die Sache ist nie abgeschlossen, was ständig implizit und explizit zum Ausdruck gebracht werden muss. Nicht: “Ich habe im Studium gelernt - Schluss!.” Jede neue Erkenntnis, jeder Einwand oder Frage oder Erstaunen der Schüler führt und muss zu einem Bedenken und u. U. Umdenken der Sache führen. Wenn der Lehrende nicht lebenslang lernt, auch in seinen Fächern, dann ist Schule beschädigt. Pointiert: Nur der Irrtum ist das Leben, das Wissen ist der Tod.
  55. Ein Begriff, der nicht “in sich arbeitet”, ist keiner bzw. ein toter.
  56. “Hast du drei Tage kein Buch gelesen, werden deine Wort seicht” (chinesisches Sprichwort).
  57. Höherentwicklung, Selbststeigerung, lebenslanges Lernen usw. sind Aufgaben, die jedem Menschen aufgegeben sind. Wie “hoch” er kommt, ist immer eine offene Frage.
  58. Erziehung ist heute faktisch Konsumerziehung, aber nicht kritisch, sondern affirmativ.
  59. “Der rechte Weg ist mühsam, wie rechte Wege es zu sein pflegen” (Erich Auerbach). Es ist unredlich gegenüber Schülern, dieses Moment des Lernens nicht ausdrücklich zu nennen.
  60. Die gegenwärtige Bildungsdiskussion berücksichtigt entschieden zu wenig, dass Bildung eine individuelle Leistung im Medium der Selbstreflexion ist. Bildungserwerb kann nur vom Subjekt selbst gesteuert werden. Gesellschaft vermag und soll hier unterstützen. Wenn aber nur von der Gesellschaft her gedacht wird, werden Schüler zu Objekten bzw. zu Rohmaterial, das nach vorgegebenen Zielen bearbeitet wird. Das ist weder ethisch noch realistisch.
  61. Die Ziele der Selbstbildung positiv zu bestimmen, ist anmaßend, ja gefährlich. Aber was Bildung behindert oder verunmöglicht, kann und muss öffentlich benannt und diskutiert werden - nämlich das Leben ausschließlich als Funktion von Konsumimperativen zu führen. Konkrete Formen eines solchen Lebens im falschen sind: täglicher mehrstündiger Fernsehkonsum, Literatur auf Boulevardblätter zu beschränken, Weltbegegnung im Modus des Autofahrens zu verabsolutieren.
  62. Ich finde es richtig, dass im NDR-Kulturradio die vorgelesenen Gedichte nicht interpretiert werden, sondern dass der Hörer eigene Interpretationen und Bilder entwickeln muss.
  63. Eine wichtige pädagogische Frage ist, ob Erziehung gegen den Willen des zu Erziehenden sinnvoll und effektiv ist.
  64. Worin besteht der Unterschied, ein Buch oder eine Blume zu verschenken? Eine Blume erfreut durch ihren Anblick, verliert ihre Schönheit aber sehr schnell. Ein Buch kann im Beschenkten, wenn er es denn liest, Prozesse auslösen, die ihn verändern, weil sie ihn über sich selbst hinausführen.
  65. Die Vermittlung von Bildung macht den Empfangenden an geistigem Gute reich und den Gebenden doch nicht ärmer. Diese Aussage, auf Lorenz von Stein zurückgehend und bei R. Koselleck „Begriffsgeschichten“ (S. 129) gefunden, führt direkt in das reale Glück des Lehrenden – wenn denn gelernt wird.
  66. Zwar ist abfragbares Wissen eine unverzichtbare Voraussetzung für das Verständnis von Gesamtzusammenhängen und für eine eigenständige Urteilsfähigkeit, aber niemals Endziel von Bildung.
  67. Inzwischen glaube ich, dass jeder normal begabte Mensch gut beraten ist, ein Drittel der Lernzeit mit Wiederholung, ein Drittel mit Neulektüre und ein Drittel mit Eigenformulierungen auszufüllen.
  68. Es liegt im Wesen der menschlichen Kraft, dass sie sich bei Anwendung vergrößert und verfeinert.
  69. „Um ein Kind zu erziehen, ist ein ganzes Dorf nötig“ (Pröbstin Jutta Gross-Ricker).
  70. An die Eltern: Stellt das Kind nicht in den Mittelpunkt Eurer Zeit und Eures Tuns, sondern stellt es in eine vieldimensionale Struktur, in und mit der es sich selbst entwickeln und bilden kann und muss. Ihr seid ein Teil - nicht mehr, aber auch nicht weniger - dieser Struktur.

C. Mögliche Module und Elemente zur politischen Ökologie und Technikkritik

  1. Es ist falsches Demokratieverständnis zu meinen, man dürfe  das Verhalten der Bürger nicht kritisieren, insbesondere, wenn es  von der Mehrheit  der Bürger geteilt und realijsiert wird. Nein, Mehrheitsverhalten kann, muss aber nicht richtig sein. Selbst politische Entscheidungen sind nicht einem Kritiktabu unterworfen, sondern sie gelten nur auf Zeit. 
  2. Die  Brutalität siegt über das Filigrane, das Besondere und das Sensible, zumindest die Technik über die Kunst.  Der Jugendstil wollte listig über die Form den Inhalt der Technik bändigen. Es klappte nicht. 
  3. Grundsätzlich ist Technik eine fremde Macht über den lebendigen Menschen, auch wenn sie ihm hilft, was aber nicht immer der Fall  ist.
  4. Der rein technisch denkende Mensch vermag nicht, die Technik zu bedenken und u. U. kritisch zu reflektieren. Wenn der Techniker nicht willens ist, diese prinzipielle Blindheit zur Kenntnis zu nehmen, aber von der Welt sprechen will, bleibt ihm nichts anderes übrig, als die Welt (und auch den Menschen) als  rein technisch zu interpretieren.
  5. Die Logik der Technik und damit der Maschinen ist menschengemacht, also ein Teil von uns. Aber als objektiviertes Denken kann sie eine gewisse Eigenständigkeit erreichen, die sich auch gegen uns richten kann.
  6. Es macht schon einen Unterschied aus, ob eine Maschine durch Körperkraft oder durch Motoren in Gang gehalten wird.
  7. Demokratie als eine politische Form und Wirtschaft standen und stehen immer in einem Wechselverhältnis, aber beide sind grundsätzlich autonome Systeme. Demokratische Institutionen können und sollten die Wirtschaft fördern, aber nicht mit Wirtschaft identisch werden. Aber genau von einer solchen  Identität geht  vorherrschende Meinung aus, d. h., man vermag nicht mehr zwischen politischem und wirtschaftlichem System zu unterscheiden. Zwar lässt sich historisch  aufzeigen, dass in einer Demokratie die Wirtschaft am effektivsten ist, aber das muss und ist nicht immer so, denn auch in einer Demokratie kann die Wirtschaft stottern.  Wenn sie nicht prosperiert oder gar stagniert, werden die Gründe nicht primär im wirtschaftlichen (Global-)System gesucht, sondern sehr schnell der Politik zum Vorwurf gemacht. Genau das ist heute der Fall und erklärt die absolut überzogene Politikerschelte. Unsere Demokratie wird erst dann ihre Bewährungsprobe bestanden haben, wenn sie trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten nicht in Frage gestellt wird.
  8. In dem Moment, wo der Mensch instrumental denkt, ist er "Techniker", wozu natürlich auch die Objektivierung des instrumentellen Denkens in Form von Maschinen i. w. S. gehört.   Es wäre anthropologisch vollkommen verfehlt, dem Menschen diese Fähigkeit absprechen zu wollen oder gar zu entwerten.  Bedacht werden müssen allerdings Qualität und Quantität der jeweiligen Technik für Mensch und Welt, also deren Sinnhaftigkeit und damit deren Grenzen.
  9. Eine Technik setzt sich immer dann durch, wenn sie entweder körperlichen und geistigen Einsatz reduziert (das Leben "bequemer" macht) oder etwas herstellt, das der Mensch mit seinem gegebenen Körper und Geist nicht herstellen kann.
  10. Jede konkret gewordenen Technik hat ein  Design, das nicht von ihr absolut bestimmt wird. In dem Design drücken sich Werte, Moden, Selbstzuschreibungen, ja Weltanschauungen aus. Technik transportiert also immer mehr als nur Technik.
  11. Die Möglichkeit, dass Technik selbst  direkt Entfremdung und Heimatlosigkeit hervorruft,  wird heute nicht mehr bedacht, ja darf es nicht. Wenn Technik kritisiert wird, dann nur bestimmte Technologien wie die Atomtechnologie oder die falsche  Nutzung von Technik
  12. Wenn die durch Technik entstandenen Probleme und Destruktionen wiederum nur mit Technik beseitigt werden, hat zur Folge, dass das technische, sekundäre System weiter ausgebaut wird und somit das Gefahrenpotenzial wächst.  
  13. Technik ist materialisiertes menschliches Können. auf dieser Ebene  besteht Identität zwischen Können und Technik. Wenn ich allerdings diese Technik nutze, ersetzt sie mein Können in diesem Tätigkeitsbereich.  Aber auch hier ist mein Können nicht  ganz ausgeschlossen - und sei es nur, dass ich einen Knopf drücken oder einen Suchnamen eingeben muss. Es gibt also zwei Arten von Können: a) ohne oder nahezu ohne technische Hilfsmittel etwas herzustellen (poiein) oder im sozialen Bereich zu wirken (prattein) und    b) Technik zu entwickeln und zu nutzen. In jedem Handlungsablauf (z. B. Backen) kann man genau die Phasen unterscheiden, wo mein Können   oder die eingesetzte Technik  dominiert .
  14. Seitdem der Mensch ein homo faber ist, seitdem setzt er Technik ein. Auch Können nimmt  mehr oder weniger Technik in Anspruch. Selbst der Kugelschreiber ist Technik, vom Rechner, den ich gerade nutze, ganz zu schweigen. Grundsätzlich ersetzt Technik menschliches Können, aber der Mensch kann nicht alles und verfügt nur über begrenzte Zeit.  Wenn ich hier tätig werden will, ist Technik unverzichtbar. Aber ansonsten ist vom Primat der Selbsttätigkeit auszugehen, bei dem Können und Technik in einem angemessenen Verhältnis stehen, das heute aus dem Gleichgewicht geraten ist (siehe meine exemplarische "Kritik des Autos").
  15. "In allen Bereichen des Daseins wird der Mensch immer enger umstellt von den Kräften der technischen Apparaturen und der Automaten." Heideggers Beobachtung aus den fünfziger Jahren gilt heute mehr denn je, so dass man vielleicht heute bereits  von einer Fesselung sprechen sollte. Ich denke, wir haben den entscheidenden Übergang von humanitätsfördernd zu humanitätshindernd verpasst. Mehr Technik heißt nicht immer mehr Lebensqualität.
  16. Man kann Technik als geronnenen Geist interpretieren. Der Mensch hat sie gefunden um entwickelt, um seine physischen Grenzen zu überschreiten und seine psychischen Bedürfnisse zu befriedigen. So weit so gut. Aber es gibt ein gravierendes Problem, das darin besteht, dass sinnvolle Erleichterung in sinnlose Bequemlichkeit umschlagen kann und zur Zeit massiv umschlägt. Auch ist zu berücksichtigen, dass Machterhalt und -erweiterung offensichtlich entscheidend von der Technik abhängt. 
  17. Ich bin nicht gegen Maschinen, zumal man zwischen motoren- und  körper/handbetriebene unterscheiden kann.
  18. Technik ersetzt Leben, in manchen Fällen, die immer weniger werden, ermöglicht Technik Leben.
  19. Das moderne Subjekt ist davon überzeugt, dass Technik, weil sie  von Menschen erzeugt wird, unablöslicher Teil von ihm sei und sich niemals von ihm lösen könnte.  Das Subjekt kann nicht denken, dass Technik  zumindest in Teilen sich nicht nur  von ihm emanzipieren, sondern den Menschen zu ihrer Funktion machen könnte, so dass die Technik zum Subjekt wird. Mit anderen Worten: Das sich als omnipotent interpretierende Subjekt lässt kategorial die Möglichkeit nicht zu, dass sich Technik in Teilen von ihm löst und Macht über ihn gewinnt.
  20. Wer grundsätzlich nicht von seinem Wahlrecht Gebrauch macht, entscheidet sich zumindest faktisch gegen die Demokratie.
  21. Grundsätzlich gehen ökologische Politik und gegenwärtige Sparbemühungen zusammen. 
  22. Die Tatsache der Armut ist eine viel zu schwerwiegende und menschenunwürdige Situation als man fahrlässig und populistisch damit umginge. So wären folgende Anmerkungen  bedenkenswert: a) die Senkung des bisherigen Konsumniveaus heißt nicht automatisch Armut, b) Sparen und Sich-Einschränken-Müssen heißt nicht automatisch Armut, c) die individuelle Situation muß zusammen mit den Leistungen, die die Gesellschaft bereitstellt,  gesehen werden, d) die Opposition von reich kann, muß aber nicht arm sein. So bin ich zwar nicht (materiell) reich, aber mir geht es materiell gut. 
  23. Dass neue Technik fasziniert, kann ich gut nachvollziehen, aber diese Faszination verfliegt  natürlicherweise mit der Zeit.  Warum? Sie kennt, bis auf das Nichtfunktionieren, keine Überraschungen, wird also langweilig. Sie ersetzt die eigenen menschlichen Fähigkeiten, und das ist langfristig frustrierend.   
  24. Es ist ein  großer Unterschied, ob jemand etwas Technisches entwickelt oder ob er sie nur benutzt. Diese Differenz ist wesentlich kleiner, wenn es sich um das Verfassen  und das Lesen eines Buches oder um das Spielen und Hören von Musik handelt. 
  25. Zwischen lebendigem Organ und technischem Apparat besteht ein beträchtlicher Unterschied, auch wenn sie oberflächlich gesehen die gleiche Funktion erfüllen.
  26. Im Gegensatz zu allen historischen normativen Bewegungen verlangt die politischen Ökologie keine bestimmte weltanschaulichen Position, sondern nur den sparsamen und vernünftigen Umgang mit der Natur.
  27. Das hübsche Mädchen im Wartezimmer ist real. Diese Realität hat eine polititsche Dimension in Angesicht der vielen Bilder in den Illustrierten, die die wartenden Patienten lesen.
  28. Die Beherrschung und die jederzeit gerechtfertigte Zerstörung von Natur verlangen kategorisch die Aufhebung der Natur als einen  Wert. Dieser Prozess der Wertzerstörung bleibt aber nicht nur bei der Natur stehen, sondern erodiert zunehmend alle Werte, die der wirtschaftlichen Expansion im Wege stehen.
  29. Jeder Kaufakt hat direkt oder indirekt eine politisch-ethische Dimension und muss deshalb auch verantwortlich entschieden werden. Er ist eben nícht neutral und folgenlos.
  30. Die Produktivkräfte erzeugen wiederum Maschinen, die produzieren.
  31. Es ist an der Zeit, dass wir politisch, aber auch im privaten Handeln von dem Primat der Ökologie ausgehen.
  32. In der Regel ist jeder wirtschaftliche Erfolg direkt oder indirekt eine ökologische Verletzung.
  33. Zuallererst ist Technik nicht mein Können, sondern das Können der Technik und das ihrer Konstrukteure. Die Bedienung der Technik könnte man als sekundäres Können bezeichnen, aber dieses Können ist  etwas ganz Anderes als das Können der jeweiligen Maschine.
  34. Wir empfangen von der Natur so viel Gutes und Schönes - und verletzen sie ständig.
  35. Ich befürchte, dass es wohl nur eine Frage der Zeit ist, bis das Rauchen wieder in öffentlichen Räumen gestattet ist. Der Druck ist einfach zu groß. Ich befürchte weiter, dass diese Kampagne die letzte erfolgreiche größere Kampagne war, die es geschafft hat, Normen gegen das Kapital durchzusetzen. Das Problem besteht darin, dass  die große Mehrheit der Bürger Freiheit mit Konsumfreiheit gleichsetzen: Wer die Aktivitäten der Wirtschaft im produktiven oder konsumtiven Bereich wenn auch mit noch so überzeugenden ökologischen oder humanen Gründen in bestimmten Fällen einschränken will, gilt als ein ein Feind der Freiheit - zumindest des Fortschritts.
  36. Ich halte nichts davon, wenn Politik Wirtschaft inhaltlich bestimmen will, aber es ist ihre Aufgabe, Rahmenbedingungen aufzustellen und auf ihre Einhaltung zu dringen.  
  37. Die wirtschaftsorientierte Rechte fordert explizit  und  die ausschließlich lohnorientierte Linke fördert implizit den Bau von neuen Atomkraftwerken. Beide Lager wollen den Konsum erhöhen und keine Änderungen im Konsumverhalten einfordern, so dass der Energieverbrauch ständig steigt.
  38. Die Sklaven sind nicht abgeschafft, sondern menschliche  durch technische Sklaven ersetzt worden - und zwar in einer ungeheuer großen Zahl. Diese neuen Sklaven sind Motoren, die  Energie verbrauchen. Die dazu benötigte Materie und Energie werden letztlich dem Gesamtsystem Erde entnommen und als Müll und schädliche Emissionen ihr wieder zugefügt. Geht man davon aus, dass die Erde insgesamt ein lebendes System ist,  dann sind so gesehen Motoren und Maschinen aus Leben entstanden. Das ist unvermeidlich,  aber man sollte bedenken, wie viele Maschinen und Motoren wir eigentlich benötigen, um nicht umsonst Leben zu zerstören.
  39. Die Mehrheit entscheidet. Das ist Demokratie. Aber das heißt nicht, dass die Mehrheitsentscheidungen immer die besten sind. Deswegen muss mit der Entscheidung nicht die Diskussion enden. Grundsätzlich müssen Entscheidungen auch revidierbar sein.
  40. Primär geht es um die Kritik der Techniknutzung, was aber nicht ausschließt, das Verhältnis von Technik und Mensch grundsätzlich zu reflektieren und hin auf Erweiterung bzw. Hinderung menschlicher Möglichkeiten zu bewerten. Das andere Verhältnis, das thematisiert werden muss, ist das zwischen Technik und Umwelt.
  41. In der Gegenwart haben Maschinen selbstreferentiell nur sich selbst und ihre Vermehrung im Sinn. Der Mensch wird - ohne es zu bemerken - zu ihrer Funktion, bestenfalls führen sie noch eine Nischenexistenz in dieser Maschinenwelt.
  42. Technik - wenn fertig gestellt - ist bewusstlos, kennt insbesondere keine Freiheit und lässt sie auch nicht zu. Wenn ich Auto fahre, bin ich (fast immer) Auto, zumindest auf der Ebene der Logik und des Handelns.
  43. Was heißt “Die Technik ersetzt den Menschen”? Natürlich heißt das nicht, dass der Mensch verschwindet, sondern, dass seine körperlichen und handwerklichen Fähigkeiten, sein nichtfunktionales Wissen und vor allem seine Moralität und seine Empathie nicht mehr gebraucht werden, ja u. U. als kontraproduktiv vom herrschenden Mainstream bewertet werden und somit verkümmern. Günther Anders spricht hier von der Antiquiertheit des Menschen. Deswegen die Maxime: Nur dann Technik einsetzen, wo nötig und nicht: Einsatz von Technik wo immer möglich.
  44. Der große Irrtum besteht darin, zu meinen, dass die moderne Technik keine negativen Auswirkungen auf den Menschen und auf seine soziale, kulturelle und natürliche Umwelt hätte. Dieser Irrtum bewirkt, dass die negativen Auswirkungen nicht gesehen bzw. verdrängt werden.
  45. Eine konservative Position hätte ihre Berechtigung, wenn sie nicht sozial, rassisch, vergangenheitsorientiert ist, sondern human-ökologisch ausgerichtet wäre.
  46. Einige Erfahrungen sagen mir, dass gegenwärtig in traditionellen ländlichen Gebieten mehr ökologisches Handeln vorhanden ist als in der angepassten städtischen Bevölkerung der Vorstädte und Schlafdörfern.
  47. Die modernen Monaden sind auf Konsum konditioniert, was ihr Verhalten, Denken und Fühlen bestimmt und erklärt.
  48. Wenn alternative Politik nicht die Frage nach der Qualität der zugelassenen Qualitäten aufwirft und nur quantitative Vermehrung dieser Qualitäten fordert, ist m. E. nicht alternativ.
  49. Der Herzschlag eines Lebewesens und die Mechanik einer Maschine sind vielleicht von der Form, aber nicht dem Inhalt nach identisch. Der entscheidende Unterschied ist die lebendige und die mechanische Kraft, die die Bewegungen verursacht. Ein Hammer, der Nägel ins Holz zwingt, erzeugt andere Geräusche als der gleichmäßig laufende Motor. Die Mechanik kann für das Herz auch Impulse liefern, so, wenn das Musikstück auf der CD den Herzschlag verändert, beeinflusst, beschleunigt.
  50. Die von Max Weber konstatierte Entstehung und Übereinstimmung von bürgerlicher Lebensführung und den Funktionsbedürfnissen des modernen Kapitalismus (vgl. Lichtblau) scheint mir einleuchtend zu sein. Neu und theoretisch “störend” ist das Moment des systemerhaltenden Konsums. Vielleicht ist die alle Klassen und Schichten erfassende universelle Konsumorientierung der Ausdruck und die Form des modernen Sklavenaufstandes im Sinne Nietzsches. Neu hinzugekommen sind hier Menschen, die gewissermaßen freiwillig auf ihre Autonomie verzichten.
  51. Ich laufe Gefahr, das zu Kritisierende zu stark in den Vordergrund zu rücken. Auch müsste ich mehr beschreiben und weniger explizit kritisieren: Beschreibungen statt Entfremdungsdiskurs.
  52. Mir geht es um das Leben, das Wichtigste, was wir haben, mit dem wir schonend und freudig umgehen sollten.
  53. Wenn ich es recht verstehe, stellt der transzendental-pragmatische Ansatz von Karl-Otto-Apel überzeugende Argumente zur Verfügung, um von der absoluten Beliebigkeit aller Werte, von ihrer absoluten Gleichheit oder von ihrer Nichtsein Abstand zu nehmen. Für die politische Ökologie ist die Anerkennung von überindividuellen Werten die conditio sine qua non ihrer Existenz.

D.  Unkommentierte Exzerpte

  1. "Fliegen ist das Gegenteil von Reisen: Du durchquerst einen Sprung im Raumkontinuum, eine Art Loch im Raum, verschwindest im Leeren, bist eine Weile, die gleichfalls eine Art Loch in der Zeit ist, an keinem Ort, nirgendst; dann tauchst du wieder auf und befindest dich in einem Dort und Dann ohne jeden Zusammenhang mit dem Wo und Wann, aus dem du verschwunden bist. Was tust du inzwischen? Wie füllst du diese deine Abwesenheit von der Welt und der Welt von dir? Du liest" (Italo Calvino, Wenn ein Reisendner in einer Winternacht).
  2.  "Größe des Menschen" von Wolf Biermann: Nimm nur die Berge, die abträgt der Regen/Und schwemmt sie flußwärts ins Meer wie nichts// Oder das Meer selbst, das schiffemordende/In der Sturmflut, wie es die Inseln wegleckt// Oder wenn aufbrechen die Wunden der Erde/In Vulkanen, städtebegrabenden Massen// Oder auch, von denen wir wieder hörten:/Den länderzertrümmernden Erdbeben// - sie alle übertrifft der Mensch/in seiner Zerstörungskraft. (Ich füge hinzu: Und das geschieht still, durch in der Regel alltägliches und legales Handeln).
  3. "Die für das moderne Bewußtsein charakteristische “Subjektivierung der Werte” richte sich demgegenüber gegen die Anerkennung der Existenz einer “objektiven Wertordnung”, wie sie Scheler jenseits aller historischen Verfälschungen als apriorisch gültig gegeben sah. Und die den “Ethos des Industrialismus” schlechthin kennzeichnende “Erhebung des Nützlichkeitswertes über den Lebenswert” habe schließlich zu einer Unterwerfung aller Lebenserscheinungen unter das Prinzip der Mechanik geführt, wodurch die Maschine an die Stelle des Menschen getreten sei und alle vitalen Lebensäußerungen beherrsche" (Klaus Lichtblau, 1996, 168).

E. Spekulatives

(alle diese Aussagen sind spotan, nicht einmal durch Diskussion "bewiesen")

 

Kant hat partiell Recht: Sinnlichkeit und Verstand müssen synthisiert werden ( = Erste Synthese). Platons Ideen haben bei Kant keinen systematischen Platz, aber die Ideen wirken in der Ersten Synthese, unterstützen, korrigieren und vollende diese. Vielleicht ist die Idee reine Kraft, die die Erste Synthese erst ermöglicht. Daraus folgt: Weder das Subjekt noch die Offenbarung (hier die Idee) dürfen absolut gesetzt werden.

 

 

F. Literaturempfehlungen (meine Auswahl)

Apel, K.-O.: Auseinandersetzungen in Erprobung des transzendentalpragmatischen Ansatzes. Frankfurt am Main 1998 (Suhrkamp).

Barthes, Roland: Die Vorbereitung des Romans. Frankfurter am Main 2008 (Suhrkamp). Für mich das wichtigste Buch der letzten Jahre, da es überzeugend die Potenz des Subjekts darstellt.
Blech, J.: Bewegung. Die Kraft, die Krankheiten besiegt und das Leben verlängert. Frankfurt am Main 2007 (S. Fischer).  Eine wahre Fundgrube von Argumenten, die - in meiner Terminologie - den Subjektpol betreffen. Dagegen bleibt die Beziehung  Mensch-konkrete Umwelt nahezu unthematisiert, auch wird Eigenbewegung zu sehr mit Sport identifiziert. 

Blumenberg. H.: Theorie der Unbegrifflichkeit. Frankfurt am Main 2007 (Suhrkamp). Wegen seiner unpreziösen Klugheit.

Buchheim, T.: Unser Verlangen nach Freiheit. Hamburg 2006 (Felix Meiner Verlag)

Burckhardt, L.: Warum ist Landschaft schön. Die Spaziergangswissenschaft. Berlin o J. (Martin Schmitz Verlag). Hier lernt man Wahrnehmen.

Eldred, Michel: Kapital und Technik. Marx und Heidegger.

Fingerhut, J., Hufendiek, R., Wild, M.: Philosophie der Verkörperung. Berlin 2013 (Suhrkamp). Wichtige Perspektive.

Görner, R.: Nietzsches Kunst. Annäherung an einen Denkartisten. Frankfurt am Main 2000 (Insel Verlag).  Sehr lesenswert, nicht zuletzt wegen der vielen direkten und indrekten Anregungen zum Leben, Kunst und Eigenbewegung.

Grober, U.: Vom Wandern. Neue Wege zu einer alten Kunst. Frankfurt am Main 2006 (Zweitausendeins). Wegen seiner Fähigkeit, auch nicht-spektakuläre Landschaften in ihrem sinnlichen und kulturellen Reichtum für den Leser zu erschließen.

Konersmann, Ralf: Die Unruhe der Welt. Frankfurt a. M. 2015 (Fischer). Aus meiner Sicht ein Muß.

Koselleck, R.: Begriffsgeschichten. Frankfurt am Main 2006 (Suhrkamp). Wegen des inhaltlichen Reichtums und der Klarheit.

Krippendorff, E.: Goethe. Politik gegen den Zeitgeist. Frankfurt am Main und Leipzig 1999 (Insel Verlag).  Für mich öffnet Krippendorff den Zugang zu einem  genuin "ökologischen" Goethe der Zukunftsperspektiven.

Lichtblau, K.: Kulturkrise und Soziologie um die Jahrhundertwende. Zur Genealogie der Kultursoziologie in Deutschland. Frankfurt am Main 1996 (Suhrkamp). Während dieser materialreichen und gut strukturierten Lektüre ist mir erst recht klar geworden, inwieweit in nicht unerheblichem Maße die ökologische Bewegung ihre Argumente und Werte aus dieser Zeit (und aus der Romantik) übernommen hat.

Schürmann, E.: Sehen als Praxis. Ethisch-ästhetische Studien zum Verhältnis von Sicht und Einsicht. Frankfurt am Main 2008 (Suhrkamp). Als Bewusstseinsleistung ist Sehen eine gleichsam janusköpfige Tätigkeit im Zwischenraum von Geist und Welt.

Strauß, Botho: Allein mit allen. Gedankenbuch. Müchen 2014 (Hanser)

Trawny, Peter: Technik - Kapital - Medium. Das Universale und die Freiheit. Berlin 2015 ( Matthes & Seitz)

Ullrich, W.: Haben wollen. Wie funktioniert die Konsumkultur? Frankfurt am Main 2006 (S. Fischer). Wegen seiner elaborierten Argumentation, die hohe Anforderungen an eine Kritik dieser Kritik stellt.

Vogl, Joseph: Das Gespenst des Kapitals. Zürich 2010 (diaphanes)