Hier findet man Anregungen, Verständnishilfen, Positionen zu
0. Gedanken zu den Gedanken (Metaebene)
A. Philosophie/Anthropologie
B. Pädagogik
C. Bild und Wort bzw. Fernsehen
D. Mögliche Module und Elemente zur politischen Ökologie und Technikkritik
E. Riskante Aussagen
F. Unkommentierte Exzerpte
G. Literaturempfehlungen
H. Kleine Veröffentlichungen
O. Gedanken zu den Gedanken (Metaebene)
Das Verhältnis zwischen begründetem, auf Veränderungen drängendes Engagement und veränderungsunwilliger Umwelt ist immer spannungsreich und problematisch, weil die Veränderung nicht eo ipso sinnvoller und humaner sein muss. Und es gibt auch keine Metainstanz, die dieses Problem sicher und eindeutig beurteilen kann.- Jede beschreibende und insbesondere jede normative Aussage sollte nie kategorisch explizit oder implizit ihre Negation ausschließen.
- Natürlich weiß ich, dass Dualismen wie Individuum vs. Gesellschaft bzw. Struktur in der Analyse zu überwinden sind. Es stimmt aber auch, dass in meiner Position der Pol Individuum in der Beschreibung und in den Lösungsansätzen stärker betont wird. Das hängt vielleicht auch mit meiner Biographie zusammen.
- Sehen ist genau so auf Veränderung zielendes Handeln wie Rezeptivität. In Rezeptivität steckt immer auch ein aktives Moment, auch hier handelt es sich nicht um eine Gegenüberstellung, sondern um eine Unterscheidung. Wenn man das nicht sieht, entsteht auch hier Verhexung durch Sprache, denn es gibt keine absoluten Dualismen zumindest nicht hier auf Erden.
- Nicht gegen das Ganze sich abschirmen, sondern sich öffnen, ist ein gutes Leben.
- Meine Kritik richtet sich nicht gegen Technik an sich, sondern primär gegen motorenangetriebene Maschinen.
- Der Begriff „Umwelt“ ist problematisch, weil er letztlich auf ein Subjekt zielt bzw. vom Subjekt her definiert wird - und dadurch oft drastisch An Eigenwert verliert.
- Hans Blumenberg zur Begriffsbildung: „Immer wieder erweist sich als eine der Illusionen im Umgang mit Theorien aller Art, dass von dem Bestimmtheitsgrad der Begriffe, die sie einführen und verwenden, ihre Qualität schlechthin abhinge.“ Wogegen er die Einsicht in Stellung bringt, „dass die Strenge bei Bildung oder Zulassung von Begriffen eher Sterilität begünstigt als präzisen Fortgang“ bewirkt, und für eine „Tugend verminderter Strenge“ plädiert. (aus FAZ v. 26. 7. 10)
- Denken, Sprechen, Schreiben und Fühlen finden ständig über einen Abgrund statt, in den man jederzeit stürzen kann. Ein anderes Bild wäre: Denken, Sprechen, Schreiben und Fühlen sind höchst fragile Konstruktionen, die jederzeit zusammenstürzen können.
- `Hybrid´ ist ein formaler Begriff, der eine Zusammensetzung thematisiert, die man nicht mit einem Wort ausdrücken kann.
- Ich will das Leben stärken und die Ausbreitung von technischen Surrogaten, die das Leben ersetzen und imitieren, zurückdrängen.
- Information genügen nicht, Leben zu verstehen. Auch wenn man mich selbst noch so genau und vieldimensional von außen beschreibt, wird nicht mein Ich erreicht.
- Es gibt nichts Reines, sondern nur Mischungen bzw. Hybride. Selbst, wer 12 Stunden fernsieht oder jede Ortsveränderung mit dem Auto vornimmt, ist noch in dieser Welt. Nicht absolute, sondern nur relative Aussagen sind sinnvoll: A ist nach den Kriterien XY besser als B.
- Geäußertes, gesagt oder geschrieben, hat allein wegen ihres Seins, größeres Gewicht und Bedeutung als rein Gedachtes. Ja, es kann der Verdacht entstehen, dass die dadurch entstandene Einseitigkeit genau das Denken spiegelt. Deswegen muss ich immer den Unterschied von Entgegensetzen und Unterscheiden zumindest erwähnen.
- Eine Stärke des Bildes soll darin liegen, dass in ihm - im Gegensatz zum sprachlichen Ausdruck - Gegensätzliches gleichzeitig thematisiert werden kann. Stimm das im Grundsatz? Der Entstehungsprozess eines Bildes verläuft ebenfalls linear und selbst die Wahrnehmung ist ein lineares Abtasten des Bildes - allerdings äußerst schnell, so dass der Eindruck der Gleichzeitigkeit entsteht.
- Die Kunst der Kritik besteht darin, Festigkeit in der inhaltlichen Position mit Offenheit und Toleranz zu einer Einheit zu verbinden.
- Genau besehen vertrete ich eine negative Theorie: Ich negiere die Dominanz der Fremdbewegung und bestimme nicht die Eigenbewegung, denn alle Konkretionen sind nur als Beispiele zu verstehen.
- Ich vermute, dass die in dieser Homepage geäußerten Gedanken zumindest eigenständig und nicht dem Mainstream angepasst sind, da wir kein Auto und Fernsehen haben, so dass unsere Lebensweise sich wesentlich von den meisten Menschen unterscheidet. Denn die Lebensweise bestimmt entscheidend das Fühlen, Denke und Handeln
- Ich muss mich noch mehr auf den Übergang analysieren, wo Form sich in Materie ausprägt, wo Geist sich materialisiert.
- Ich versuche, das zu benennen und zu kritisieren, was dem Leben entgegensteht.
- Ich kann für mich in Anspruch nehmen, dass ich die Normen, die ich für gut und richtig erachte, auch ein Stück selbst praktiziere. Ich teile, wie mehrfach in dieser Homepage thematisiert, die (soziologische) Einschätzung, dass das Auto und der Fernsehapparat die zwei Hauptkontaktvernichter zur sozialen, natürlichen und kulturellen Umwelt sind. Deswegen habe ich auch kein Auto und keinen Fernsehapparat.
- Ich bestimme das Auto, aber das Auto bestimmt auch mich. Verallgemeinert: Zwischen den zwei Polen einer Beziehung besteht immer eine Wechselbeziehung, eine gegenseitige Einflussnahme, in jeweils verschiedenen Stärken in die eine und in die andere Richtung. Wenn ein Pol verabsolutiert wird, entsteht immer Täuschung.
- Soweit ich es erkennen kann, ist mein Grundmotiv des Bedenkens und Handelns, die Möglichkeiten des Lebens zu gewähren, vertiefen und und zu verbreitern.
- Die hier geäußerten Gedanken sind sicherlich aus der Perspektive der bestehenden Parteien Hybride und entbehren eines vereinheitlichen Prinzips.
- In unserer Küche irrt eine vereinzelte Ameise hin und her. Ich bringe sie zu ihren Artgenossen auf unserer Veranda. Habe ich ihr einen Gefallen getan? Nun bin ich mir zumindest nicht mehr so ganz sicher.
- Eine existenzielle Handlungstheorie, die Theorie der Eigenbewegung und die Forderung nach einer vita activa speisen sich aus derselben Quelle.
- Ich konzentriere mich auf die Aufgabe, die Irrationalismen der Gesellschaft und des Menschen in Alltagssituationen aufzuspüren.
- Meine Position ist klar: Ich halte die Fähigkeit zur Eigenbewegung für ein hohes Gut des Menschen, auf das man nicht ohne Zwang verzichten sollte, wie es in der Gegenwart durch die zunehmende Technisierung in immer mehr Lebensbereichen geschieht. Andererseits hüte man sich vor unausgewiesenen Verallgemeinerungen: Eigenbewegung führt nicht automatisch zu mehr Glück und macht auch nicht automatisch den besseren Menschen, auch hier gibt es keine Kausalitäten - aber sie verbessert die Wahrscheinlichkeit für diese Entwicklungen. So kenne ich z. B. habituelle Autofahrer, die in Punkto Hilfsbereitsschaft vorbildlich sind.
- Meine Auffassung von Philosophie: Alle Aussagen haben einen lebensweltlichen und leiblichen Hintergrund, so auch die Philosophie. Es ist eine Aufgabe des Philosophen, diese Hintergründe ins Bewusstsein zu heben, d. h. den Aussagen das Leben zumindest in symbolischer Form zurückzugeben
- Ich kritisiere und lehne Dinge, Zustände und Prozesse ab, die unnötiger Weise Leben hindern oder schmälern.
- Für ein Phänomen, für einen Prozess oder Zustand eine Ursache finden, ist noch keine Garantie dafür, dass diese Ursache tatsächlich die richtige ist. Diese Einsicht auf mich gewendet: Ich muss sehr achtsam sein, nicht zu vorschnell das Kapital oder das Auto als Ursache für Missstände einzusetzen.
- Was leisten die in dieser Homepage geäußerten Gedanken? 1. Sie begründen, warum Eigenbewegung so wichtig für die Menschen ist. 2. Sie beschreiben, wie es gegenwärtig um die Eigenbewegung steht. 3. Sie erklären, warum es die Eigenbewegung gegenwärtig so schwer hat.
- Um nicht unnötige Widerstände aufzubauen, sollte man z. B. nicht von der "Kritik des Autos", sondern von "Eine andere Sicht auf das Auto" sprechen.
- Die hier geäußerte Kritik richtet sich nicht gegen diesen oder jenen Menschen, sondern bezieht sich auf dieses oder jenes Verhalten, dessen Träger zwar ein bestimmter Mensch ist, der aber als solcher nicht gemeint ist. Wenn ich also einen habituellen Autofahrer kritisiere, dann nur diesen und nicht die Person Peter, die das Auto fährt. Es geht also nur um das Autofahren.
- Die auf dieser Homepage geäußerten Gedanken sind, wenn es sich nicht um Zitate handelt, auf dem ersten Blick meine Gedanken, aber ich weiß natürlich, dass ich sie direkt oder indirekt (auf-)gelesen habe. Kurz: Ich bin ein Vermittler.
- Zumindest in wissenschaftlichen Aussagen empfinde ich es oft als unschicklich, von mir selbst zu sprechen. Warum empfinde ich das Ich hier als problematisch? Der Grund liegt darin, dass es verschiedene Iche gibt, aber die Sprache nur ein Wort anbietet, eben "Ich". Die Semantik des Ichs kann man aber als ein Kontinuum lesen. Der eine Pol ist das verschlossene, in sich gefangene, "nur" seine körperlichen und seelischen Bedürfnisse verfolgende, "egoistische" Ich; am anderen Pol steht ein Ich, dass sich zwar selbst sieht, aber gewissermaßen aus einer neutralen, außer-ich-lichen Mehrperspektivität, die auf das Ganze zielt. Man könnte auch von einem Über-Ich sprechen, aber nicht als eine Außeninstanz im Sinne der Psychoanalyse, sondern als eine, die das Ich mit einschließt. Beide Pole, egoistisches Ich und Über-Ich und die jeweiligen Mischformen sind notwendig, legitim und machen den ganzen Menschen aus. Wissenschaftliche Aussagen sind immer direkt oder indirekt Aussagen eines Über-Ichs. Das kann und sollte man gegebenenfalls explizit machen. Auch kann das Über-Ich Aussagen über das egoistische Ich und seine jeweilige Lebenswelt machen. Dieses Verfahren ermöglicht zwar immer noch nicht absolute Objektivität, aber doch eine Annäherung, wobei auch die Verständlichkeit gefördert wird.
- Gleiche sprachliche Problematik wie beim Ich liegt beim Begriff Zeit vor. Auch hier gibt es nur ein Wort für verschiedene Bedeutungen. Die Zeit wird nur noch als lückenlose Ereignisfolge verstanden, die absolut auf die Zukunft ausgerichtet ist. Zeit ist aber auch der Ermöglichungsgrund eines einzigen, isolierten Ereignisses; hier gibt es keine (kausale) Kette, kein Vorher, kein Nachher, keinen Anfang und kein Ende (und damit Tod), sondern nur erfüllte Gegenwart. D. h. also, es gibt zumindest zwei verschiedene Zeiten, die mit demselben Wort beschrieben werden, was unakzeptabel ist.
- Ich übernehme viele Aussagen Heideggers indirekt von Autoren wie Silvio Vietta, Wilfried Kuckartz oder Heinz Dieter Kittsteiner nicht, weil ich nicht weiß, ob deren jeweilige Gesamtbewertung Heideggers die "richtige" ist (Kittsteiner ist wesentlich kritischer als Vietta), sondern weil ich die von mir zitierten Aussagen in ihrer isolierten Form für wertvoll, mitteilungswert, ja unverzichtbar halte, denn sie benennen und deuten die destruktiven Prozesse der Moderne. Auf Grund meiner Ambivalenz zu Heideggers Verhalten im und zum Nationalsozialismus würde ich am liebsten ganz auf eine explizite Bezugsnahme auf ihn verzichten, aber das wäre unredlich. Das Problem besteht also darin, dass man an Heidegger einerseits nicht vorbei kommt, andererseits aber zu ihm Distanz halten muss, da seine mögliche positive Beziehung zum Nationalsozialismus nicht aus der Welt ist, und er die unverzichtbaren Errungenschaften der Demokratie nicht würdigt.
- Ein guter Gedanke ist, so wie er ausformuliert erscheint, an sich wertvoll und sollte als solcher reflektiert werden, egal, ob eigener oder übernommener, selbst, wenn der übernommene Gedanke nicht angemessen interpretiert oder gar inkorrekt wiedergegeben wurde. Letztere zu kritisieren, ist ebenfalls sinnvoll, ist aber ein anderes Thema.
- Es gibt unaufhebbare existenzielle Entfremdungen und notwendige Zerstörungen, wie der Begriff Dekonstruktion anzeigt. Ich glaube nicht an ein durchgängiges Paradies hier auf Erden; aber zum Menschsein gehört der Wille, nichtnotwendige Zerstörungen und Entfremdungen zu beseitigen und zu überwinden.
- Viele der hier kritisierten Einstellungen und Handlungen sind in mir selbst vorhanden- zumindest ansatzweise: Auch ich bin natürlich ein Kind meiner Zeit.
- Es ist ein großer qualitativer Unterschied, ob ich mein Gefühl, meine Wahrnehmung, meinen Gedanken zu etwas Bestimmten beschreibe oder mich zu Gefühlen, Wahrnehmungen und Gedanken im Allgemeinen äußere. Beide Formen haben je eine Wahrheit für sich.
- Die meisten meiner kritischen Anmerkungen beziehen sich auf den konsumptiven Bereich, weil ich hier die rapide zunehmende Mechanisierung nicht nur nicht als überflüssig, sondern letztlich als inhuman erachte. Im produktiven Bereich habe ich diese Bedenken grundsätzlich nicht, denn ich halte dort eine Mechanisierung der Prozesse für sinnvoll, wenn es ökologisch vertretbar ist.
- Der kritischen Theorie verdanke ich die Einsicht, dass die Möglichkeit besteht, das Leben zu verfehlen
- "Ideologisch, das sind immer die anderen" (Roland Barthes). Ich glaube, dass Mannheims universelle Ideologieunterstellung stimmt, was aber nicht heißen muss, zu verzichten, verschiedene Ideologien zu unterscheiden und dort verschiedene Ausprägungen und Grade festzustellen.
- Alles ist relativ: Viele der in dieser Homepage geäußerten Gedanken mögen radikal klingen, sind es aber nicht, wenn man sie von den vorherrschenden Werten und Normen löst und von den Notwendigkeiten einer ökologisch-humanen Politik ausgeht.
- Die gegenwärtigen Bestimmungsfaktoren der vorherrschenden Lebenswelt zu kritisieren muss nicht heißen, Lebenswelten zugunsten dahinterliegenden "eigentlichen" Welten aufzugeben. Mir geht es zu allererst um die Ermöglichung einer human-ökologischen Lebenswelt.
- Mein Verhältnis zur Realität ist ambivalent: Einerseits wehre ich mich vehement gegen ihre umstandslose Ersetzung durch den Schein, andererseits sehe ich die Realität nicht als etwas absolut Feststehendes, sondern als etwas Dynamisches und für uns Menschen Interpretationsnotwendiges.
- Fakten oder Informationen werden erst durch eine Grundlegung zu Wissen und Erkenntnis, d. h. sie bekommen ihre Erkennbarkeit durch einen Grund bzw. durch ein sie umfassendes und damit gestaltendes System. Jeder Mensch hat einen Grund, der ihm häufig unbekannt ist. Was bei Newton die Mathematik, bei Kant die Freiheit, bei Dilthey das Leben ist, ist bei mir die Erhaltung der Erde, was als Bedingung die Entfaltung des Menschen zum Guten, Schönen und Wahren hat. Das beschränkt sich auf das, was hier schriftlich entfaltet wird. Mit Sicherheit können nicht alle meine Gedanken, Wünsche und Handlungen auf diesen Grund hin interpretiert werden. Das ist eben so.
- Im ökologischen Denken und Handeln ist nicht Radikalität, aber Konsequenz gefordert, d. h. Widersprüche zu erkennen und zu bearbeiten.
- Das Leben ist schön, es darf nicht verschüttet werden. Vorliegende Kritiken dienen allein dem Ziel, dem Leben Raum und Zeit zu geben. All das ist gar nicht utopisch gemeint, sondern richtet sich gegen nichtnotwendige Verletzungen des Lebens.
- Für mich besteht zwischen der Forderung nach Immanenz und Transzendenz kein Widerspruch.
- Nach der Sinnlichkeit erscheint Geist - oder sonst gar nichts.
- Es stimmt schon und beunruhigt mich manchmal: In der hier verhandelten Thematik nehme ich die Rolle des Besserwissers und des “Besserhandelnden” ein. Das ist darin begründet, dass ich mich intensiv mit dieser Thematik auseinandersetze und mein Handeln sich zumindest in einigen dieser Felder vom Normalverhalten unterscheidet. So führe ich Ortsveränderungen fast ausschließlich zu Fuß, mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln durch - andererseits ist beispielsweise mein Kauf von Büchern im Sinne des Habens nicht vertretbar. Aber nur über gegenseitige Kritik kann es gelingen, Widersprüche zumindest zu verringern.
- Zwischen Natur und Kultur gibt es keine gleichwertige Gegenüberstellung, sondern zwischen beiden Begriffen gibt es nur Inklusionsbeziehungen und zwar jeweils doppelt entweder auf Bewusstseinsebene oder auf Dingebene: 1a) Alles Denken und Fühlen ist Kultur, so auch das Sprechen über die Natur. 1b) Alle Natur, alle Naturdinge sind kulturell geformt und bestimmt, d. h. es gibt keine Natur mehr. Umgekehrt: 2a) Alles ist Natur, so auch das Sprechen über die Kultur. 2b) Alle Kultur, alle Kulturdinge sind und bleiben im Wesen Natur, d. h. es gibt keine eigenständige Kultur. Zwischen der kulturalistischen und naturalistischen Position gibt es hier keine vermittelnde Position.
- Grundposition: Wenn Du das Wort „Miszellaneen“ nicht kennst, werde aktiv und schlage das Fremdwörterbuch auf. Unterforderung, nicht Überforderung ist heute oft das Problem. Deswegen erscheinen in dieser Homepage auch schwierigere Passagen und Begriffe, die nicht erklärt werden, sondern Eigenaktivität auslösen sollen.
- Die hier geäußerten Gedanken, Situationsbeschreibungen und Alternativen sind zum einen in sich abgeschlossene Einheiten, zum anderen sind sie als Ausgangspunkt für weitere Arbeiten gedacht.
- Die eigentliche Aufgabe meiner Aussagen besteht darin, wie in einem Spiegel sich selbst und seine Fähigkeiten zu erkennen, zu bejahen und ihnen zu vertrauen sowie dieses Vertrauen in Handlungen umzusetzen - so in Eigenbewegungen.
- Selbstproblematisierung: In diesen Texten wird von der “Subjekt-Objekt-Einheit” gesprochen. Dieser Ausdruck ist zum einen in sich problematisch, weil das Subjekt primär Freiheit und Selbstreflexion ist, als exzentrisches Wesen sich gerade aus der Einheit entfernt. Zum anderen ist totale Einheit mit der konkreten Welt Stillstand, ein Leben ohne Werden. Trotzdem ist auf die Subjekt-Objekt-Einheit als ein allgemeines Ziel. als zeitlich begrenzter Zustand nicht zu verzichten. Der Mensch gehört mehreren Welten an.
- Die von mir geäußerten normativen Aussagen wollen und dürfen nicht positiv bestimmen, man müsse so oder so leben und handeln. Es geht um die Abwehr von lebenshinderlichen bis lebenszerstörenden Prozessen, um Aktivitäten, die den Lebensrechten anderer Menschen, Lebewesen und Naturdingen ohne hinreichende Begründungen schaden. Da reicht die Erklärung, man habe eben “Bock” darauf, nicht aus.
- Es besteht die Gefahr der Verdinglichung der Verdinglichung, d. h. man sollte kritische Begriffe wie Verdinglichung, Entfremdung, Tauschwert usw. nicht überspannen und verabsolutieren, denn in ihnen ist auch immer das Andere enthalten. Selbst der verdinglichte Mensch ist Mensch und fühlt sich als Mensch. In mir selbst ist sicherlich Verdinglichtes am Werke.
- Es geht um das Bemühen von Erkenntnissen in der Perspektive Wahrheit - ob auf niedrigem, mittlerem oder hohem Niveau kann und will ich nicht beurteilen. Es sind wohl alle drei Ebenen vertreten und die Einordnung ist eine subjektive.
- Jede Disziplin, wenn sie denn auf Wahrheit aus ist, muss schließlich über sich selbst hinausgehen und sich der Philosophie zuwenden und von dort zu Gott kommen - oder resignieren.
- Wenn ich Plutarchs Auslassungen zu griechischen und römischen Helden lese, wenn ich auf den Irak schaue oder gar den Rassismus der jüngsten deutschen Vergangenheit bedenke, werden Begriffe wie Humanität, Moral und Wert unverzichtbar.
- Ich fokussiere die Eigenbewegung auf Ortsveränderung. Hier habe ich eine humane und ökologisch orientierte Praxis entwickelt, die “sich sehen lassen” kann. Aber auf anderen Feldern sind gravierende Defizite festzustellen, so im Bereich des Musizierens, das ja auch eine Form der Eigenbewegung ist. In diesem Feld lebe ich in absoluter Fremdbewegung: Ich bediene lediglich Knöpfe.
A. Aussagen zur Philosophie/Anthropologie
- Eine Perspektive ist als ein Standpunkt in der Vergangenheit entstanden oder entsteht aus einem Wollen, das aus der Zukunft auf das gegenwärtige Denken, Fühlen und Handeln einwirkt.
- Zwei Arten von Wissen: a) inhaltlich Wissen wie es im Lexikon steht, b) zu wissen, warum etwas Wissen ist = reflexives Wissen.
- Wenn Sprache Schwierigkeiten hat, etwas zu fassen und darzustellen, ist das vielleicht ihr Problem und muss kein Problem des "Etwas" sein.
- Die zumeist impliziten (ontologischen) Voraussetzungen wissenschaftlichen Denkens blenden Leben kategorisch aus.
- Mich hat es immer irritiert, dass man in der Philosophie von der Gattung "Mensch" spricht. Ich vermute, dass es daran liegt, dass man in der griechischen Philosophie bzw. im Mittelalter und frühen Neuzeit noch nicht den biologischen Artbegriff kannte. Aber auch heute wird meines Wissen nach in der Philosophie noch immer von der Gattung "Mensch" gesprochen
- Theologie ist beantwortete Metaphysik.
- Es gibt meiner Ansicht nach mehr bejahende als ablehnende Gründe, von der Existenz von Metaphysik auszugehen. Aber: Wir können (und sollten) in den metaphysischen Raum hineinfragen, aber wir werden keine sicheren Antworten bekommen.
- Definiert man Schmutz bzw. Dreck als Materie am falschen Ort, dann sind die realen Machtverhältnisse in dem Adjektiv "falsch" enthalten: Wer dieses "falsch" definiert, hat die Macht.
- Die traditionelle Grammatik suggeriert, dass in einem Aussagesatz das Subjekt das Prädikat und, falls gegeben, das Objekt bzw. die Objekte bestimmt. Ein Beispiel: „Der Chor singt ein Lied“. Aber ein genauer Blick zeigt, dass hier keine einseitige Bestimmung, sondern eine Wechselbeziehung vorliegt: Prädikat und Objekt bestimmen auch das Subjekt, so müssen auch die Chorsänger als Chorsänger sich der Situation anpassen. Also auch in der Realität gibt es keine absolute Herrschaft des Subjekts. Zugespitzt: Das Subjekt ist eine abstrakte Konstruktion und wird in seiner Wirkmächtigkeit sehr überschätzt. Erst als in der Welt handelnd, wird aus dem Subjekt ein Mensch. Die jeweilige Welt, sei es ein Wald oder ein Auto, bestimmt entscheidend den Menschen, und es bedarf einer großen Kraft, wenn man denn will, sich ihr zu widersetzen.
- Jede Gewissheit wird angesichts des Unbegreiflichen zur Ungewissheit - zumindest zu einem vorläufigen Nichts.
- Bedeutungen sind wie Wolken, sie können stehen bleiben oder weiterwandern - unabhängig von den Realitäten auf der Erde.
- Ich habe sehr darunter gelitten, wenn meine Mutter mit meinem Vater auf existenzieller Ebene stritt. Vielleicht deshalb, weil ich doch beide Seiten, Mutter und Vater, in mir vereine.
- Das Du ist die Anerkennung des Menschseins des anderen. Nähere Nähe ist nicht möglich. Wir dürfen das Du nicht ver-Ichen. Wenn ich mich über ein bestimmtes Handeln eines anderen, mir unbekannten Menschen ärgere, duze ich ihn. Nicht um ihn zu diskreditieren, sondern um seine Würde, trotz dieser Kritik, gleichzeitig zu betonen.
- In dem Wort "Sehnsucht" ist Sucht" enthalten. Ein Mensch hat immer Sehnsüchte, schon allein wegen seiner Endlichkeit. Es kommt darauf an, körperlich, geistig und moralisch wachstumshemmende Süchte durch wachstumsfördernde zu ersetzen. Das ist unser einziger Weg.
- Man müsste den Dualismus "Naturwissenschaften versus Geisteswissenschaften" durch "Materiewissenschaften versus Geisteswissenschaften" ersetzen. Beides wären Abstraktionen, die es so in der Realität nicht gibt. Die reale Synthese wäre dann die Naturwissenschaft bzw. Lebenswissenschaft.
- Die Negation des Individuums ist ebenso falsch wie seine Verabsolutierung. Der Mensch ist Teil des Ganzen und existiert gleichzeitig außerhalb dieses Ganzen.
- Der Subjekt-Prädikat-Dualismus liegt der Sprache unhintergehbar zugrunde. Jeder sprachliche Versuch, den Subjekt-Objekt-Dualismus, wie z. B. im "Ereignis", zu überwinden, zerfällt sofort wieder in Subjekt und Prädikat.
- Dass Natur und Welt beherrscht werden, ist für eine bestimmte erkenntnistheoretische Richtung Beleg dafür, dass Natur und Welt erkannt worden seien. Als ob ich bereits eine Kuh kenne, bloß weil ich sie beherrsche.
- "Ein wohlgeratner Mensch, ein "Glücklicher", muss gewisse Handlungen tun und scheut sich instinktiv vor andren Handlungen, er trägt die Ordnung, die er physiologisch darstellt, in seine Beziehungen zu Menschen und Dingen hinein" (Nietzsche, Götzen/Dämmerung, S. 972) . Als Formel: seine Tugend ist die Folge seiner Physiologie. Ich schließe daraus: Wenn Nietzsche Recht hat und wenn wir uns ändern wollen, dann nur auf der Ebene unserer Physiologie, der Rest ist nur Folge als Tugend, Tüchtigkeit, Optimismus, Zuversicht Behändigkeit und Menschlichkeit. Wenn man in sich hineinhört und sein bisheriges Leben kritisch bedenkt, dann bekommt die Aussagen, dass das Tier und das Tier im Menschen nicht schlecht seien, Plausibilität.
- Im Nietzsche-Haus in Sils Maria waren viele junge Menschen, was mich nicht verwunderte, denn seine Lebens- und Leibphilosophie muss doch gerade jungen Menschen ansprechen.
- Ein Beispiel für "apriorisch". Bevor Scott und Amundsen den Südpol erreichten, also empirische Gewissheit von seiner Existenz erlangten, wusste man bereits vorher mit absoluter Gewißheit, dass er dort vorhanden sei.
- Leben- Wissen - Leben, d. h. Wissen muss aus dem Leben entstehen und dort wiederum z. B. als Orientierungswissen zurückfließen
- Im Phänomen ist schon immer Allgemeines wirksam.
- Man darf nicht den Praktiker kritisieren, weil er nicht die reine Lehre realisiert.
- Thesenartige Anmerkungen zum Roman "Feuchtgebiete und zur Moral": Die denkbar größte Nähe von Lust und Ekel in Form von Sexualität und Entleerung des Magens zwingt zur absoluten Unterscheidung der Werte. Moral hat dualen Charakter, gut und böse, ein Drittes gibt es nicht. Hier gibt es keine akzeptablen Hybriden, darf es nicht geben. - Dieser Gedanke muss mit großer Vorsicht gedacht werden, denn er kanln sehr schnell in die Starre, ja Inhumanität führen.
- Ich vermute, dass wir das Unbewußte in der Folge von Siegmund Freud zu homogen sehen. Es stimmt zwar, dass es von Trieben, insbesondere dem Lebenstrieb beherrscht wird und logisch paradox denkt, aber das Unbewusste enthält auch rationale Strukturen (vielleicht im Sinne von Lacan). Ich stelle mir vor, dass alle diese Gebilde und Fähigkeiten als verschiedene Ressourcen zugänglich sind, wobei man über die Art des steuernden Zugriffs wohl nichts Genaues sagen kann. Kurz: Ich behaupte, dass es sehr wohl die Möglichkeit des "Es denkt" statt des "Ich denke" gibt, dass der Satz "Wo Es ist, soll Ich werden" nicht immer eine Transformation des Irrationalen in Rationales ist, sondern auch eine Bewusstmachung rationaler Strukturen sein kann.
- Es gibt für uns Menschen keine vollkommene Immanenz, immer ist auch Transzendenz vorhanden, aber auch für uns Menschen keine vollkommene Transzendenz, denn etwas müssen wir schon von ihr wissen bzw. erahnen, um zumindest von ihr zu sprechen zu können.
- Selbst in allen Dingen ist Ambivalenz, Polarität, vielleicht Dialektik, ja Streit (Ding und Thing sind gleichen Ursprungs).
- Handeln hat immer auch eine Bewusstseinsebene, das gilt auch für destruktives Handeln.
- Die wünschenswerte Kritikfähigkeit darf den Kritiker nicht ausblenden bzw. die Kritik muss auch auf das "Kritikinstrument" angewendet werden.
- Die negative Folge des (absoluten) Konstruktivismus besteht darin, dass die "wirkliche Wirklichkeit", die Referenz an Glaubwürdigkeit und Wert verliert: Sie ist letztlich eben auch nur Sprache. Einen Ausweg bietet Gottlob Frege mit seiner Unterscheidung von Sinn (der Abendstern ist ein Planet) und Bedeutung (Abendstern und Morgenstern sind identisch, nämlich die Venus). Ein gut geformter Satz hat immer einen Sinn, aber nicht immer eine Bedeutung (der jetzige König von Frankreich). Wissenschaftliche Aussagen haben den Status von Bedeutungen, obwohl es auch hier keine absolute, beweisbare Sicherheit oder Wahrheit gibt. Trotz dieser Unsicherheit sollten wir an dieser Unterscheidung festhalten und - paradox formuliert - daran glauben, ja behaupten und danach handeln, dass es eine außer uns seiende Realität gibt. Mit dieser Auffassung nähert man sich dem Essentialismus.
- Natürlich ist die jeweilige Bestimmung eines Satzes immer auch ein Stück Willkür.
- Begriffe sind Fest-legungen, sie stellen das Gemeinte still, so dass es sich nicht verändert. Aber das machen entweder der Rezipient und/oder die Zeit nicht mit. Das kann dazu führen, da der Begriff sich inhaltlich so weit verändert hat, dass ein neues Wort gefunden werden muss. Ein Beispiel: Konsum im Sinne von consumere (verbrauchen) ist eine Notwendigkeit allen Lebens. Wenn Konsum zum Selbstzweck, zum übersteigerten Konsum wird, ist es sinnvoll, diese neue Situation unterschiedlich zu benennen, in diesem Fall mit Konsumismus zu bezeichnen.
- Es gilt, den Sinn des Seins zu erfüllen. Dieser ist natürlich schwer bzw. gar nicht bestimmbar, aber mit Sicherheit ist ein Leben als Funktion des Konsums keine Seinserfüllung.
- Der Dualismus Objektivität und Subjektivität führt meiner Ansicht nach zu falschen Schlüssen, denn beide haben ihren Ursprung im Subjekt. Man sollte also umständlicher von "objektiven Subjektivismus" und "subjektiven Subjektivismus sprechen. Objektiver Subjektivismus meint dann mit Kant die Kategorien und Anschauungsformen, die wir den Phänomenen hinzufügen, subjektiver Subjektivismus meint dann die Aneignung, die vom Ding an sich ausgehen, aber von uns nicht auf den Begriff gebracht werden, sondern vorbegrifflich als sinnliche Erfahrung erahnt oder gefühlt oder ..... wird. Man kann beide Modi der Aneignung auch als Erkennen und Erleben unterscheiden, die einerseits das Allgemeine, andererseits das Besondere zum Gegenstand haben.
- Kant betont ausdrücklich die konstituierende Leistung der Sinnlichkeit im Erkenntnisprozess. Aber durch das Konstrukt des Ding an sich verbietet es sich, wahre Aussagen über die jeweiligen sinnlichen Ausprägungen und Ausformungen von bestimmten Dingen machen zu können. Der Status der sinnlichen Wahrnehmung bleibt fragil. Das einzelne Phänomen verliert an Wert und Sicherheit, die man erst im Gesetz erlangt.
- Die Sinnlichkeit bzw. das sinnlich Gegebene im Sinne Kants geht vom Ding an sich aus. Zu dieser Sinnlichkeit gehören "gleichwirksam" und untrennbar der sich bewegende Körper. Statt also die Sinnlichkeit herauszuheben, könnte man ebenso den Körper und seine Eigenbewegung zum Leitbegriff machen.
- Jede Präzision geht auf Kosten des Lebens - also vorsichtig und sparsam mit diesem Instrument umgehen.
- Das Sein bestimmt das Sein, aber nicht kausal im Verhältnis eins zu eins, sondernals Richtung.
- Spekulative Gedanken: Die Welt ist von Gott geschaffen. Wir leben in einer Idee Gottes. Erst langsam im Laufe seiner Entwicklungsgeschichte beginnt der Mensch, die Konstruktionsprinzipien Gottes zu ahnen und zu begreifen. Aber die menschlichen Aktivitäten des Menschen gefährden und zerstören die Erde nicht nur in Teilen, sondern nun auch als Ganzes. Liegt es daran, dass sie die Konstruktionsprinzipien falsch verstehen oder dass Egoismus das richtige Verstehen überlagert? Kann es in diesem Zusammenhang nicht sein, dass Gott seine Schöpfung verlassen hat, vielleicht nicht freiwillig, sondern mit brutaler Gewalt aus ihr vertrieben worden ist? Merken wir das nicht oder wollen wir es nicht bemerken?
- Erst wenn man etwas Unrechtes in autonomer Entscheidung nicht tut, handelt man moralisch. Also jenseits jeglicher Nutzungserwägungen und Gefahrenabwehr.
- Das Gute und das Schöne an sich sind uns Menschen nicht deutlich zugänglich. Gleiches gilt wohl auch für die Wahrheit, auch ihr können wir uns nur annähern. Die Aussage "Das ist ein Zaunkönig" kann wahr sein, aber das ist noch nicht die Wahrheit.
- Moral ist immer auf Kognition angewiesen und Kognition immer auf Moral.
- Wenn man wie Kant den Menschen als Endzweck der Schöpfung ansieht, allerdings nur in moralischer Hinsicht, dann sind Wirtschafts- und Technikentwicklungen nur Hilfsmittel, wobei diese Mittel sehr schnell auch zu Bremser und Verhinderer von Moralität werden können.
- Ich denke, dass die gegenwärtige Bewegungslosigkeit wirksam nur auf zwei Wegen unterlaufen werden kann: einmal durch die Analyse der herrschenden Prinzipien, die das Verhalten in unserer Gesellschaft bestimmen und b) durch konkretes Vorleben
- Spekulativ oder Lösung? Sicherlich hat jeder Gedanke eine neuronale Dimension, aber diese ist nicht das Ganze. Das Neuronale ist ein Signifikant, ein materielles Zeichen, das erst von einem Subjekt gewissermaßen innen gelesen werden muss. Dieses materiefreie Subjekt man kann auch Seele nennen. Aber auch diese duale Lösung wirft neue Fragen auf.
- Es gibt gute und schlechte, lebenshelfende und lebensverhindernde Abstraktionen.
- Zu sehen, wie ein kleines Kind einem Erwachsenen vollständig vertraut, ist ein Blick ins Paradies.
- Ein erfülltes Leben besteht aus Physis und Metaphysik. Eine rein innerweltliche Vervollkommnung ist nicht möglich, aber auch nicht eine rein außerweltliche.
- Leben sind intensive Beziehungen zu sich selbst, zu anderen Menschen, zur Natur, zu …..
- Metaphysische These: Das Ganze (oder gar die Ganzheit) ist empirisch nicht fassbar, uns Menschen nicht zugänglich, ist immer absent - und trotzdem unsichtbar wirksam, so dass wir das Ganze als eine Art Vorwissen ahnen bzw. spüren.
- Einerseits vertragen Begriff und Sache des Humanismus keine Einschränkungen, andererseits muss Humanismus insbesondere in konkreten Situationen immer wieder interpretiert und begründet werden. Ohne Zweifel stärkt der Bezug auf Eigenbewegung und Ökologie eine konservative Orientierung, gesetzt, dass die Moderne das körperliche (und geistige) Subjekt zunehmend enteignet.
- Es geht hier um die kultivierte Freiheit. Sie zu verwirklichen, ist ein durch und durch schweres Unterfangen, dass auch einen ständigen selbstkritischen Blick verlangt.
- Geisteswissenschaften müssen sich für die Existenz des Begriffs einsetzen, um die Zahl in Grenzen zu halten.
- Technik hat nicht die Aufgabe, ad infinitum zu immer neuerer Technik zu führen, sondern sie soll Leben und Kultur ermöglichen.
- Nein zu sagen, ist eine Bedingung für die Möglichkeit der Freiheit und für die Realisation von Verbesserungen.
- Die Unterscheidung Zivilisation und Kultur, die es meines Wissens nach nur in der deutschen Sprache gibt, war bekanntlich ein konstituierendes Moment deutscher Überheblichkeit. Trotzdem denke ich, sollten alle Gesellschaften nicht auf diese Unterscheidung verzichten, sie aber durch einen dritten Bereich Demokratie ergänzen und die Bereiche Zivilisation und Kultur umwerten: Zivilisation als unverzichtbare Bedingung des Lebens und Kultur als die Sphäre des Zweckfreien, der Sublimation, des Humanen. Alle drei Bereiche sind gleich notwendig und gleichwertig.
- Eine Seele stellt metaphysische Fragen und bewegt sich im Raum der Zweckfreiheit, während der Selbsterhaltungstrieb in der Immanenz verbleibt, der in seiner pervertierten Form auf Konsumerwerb beschränkt ist. Seele und Selbsterhaltungstrieb im Sinne von Immanenz sind gleichwertig.
- Gegen ein Vorurteil: Gute Philosophie erfindet nicht, sondern beschreibt Bestehendes. So rekonstruiert Kants Transzendentalphilosophie plausibel unser Erkenntnisvermögen. In einem Bild: Wie es bereits Amerika vor Columbus gab, so auch das Erkenntnisvermögen vor Kant.
- Weil Gott an seine eigenen Gesetze zurückgebunden wurde, genügt es vielen Menschen, die Gesetze zu kennen.
- Setzt man das Allgemeine als das Obere und seine Konkretionen unter ihm liegend, so gibt es vom Begriff her gesehen eine Erkenntnisgrenze nach oben in Richtung Abstraktion und nach unten in Richtung Konkretion. Nach oben fehlt ein überzeugendes Allgemeines, nach unten fehlt eine überzeugende Konkretion. Beide, Begriff und Gegenstand, werden zunehmend formloser und unbestimmbarer. Was wäre das Allgemeine zu Gott, was das Konkrete zu Quark (bzw. zu einer noch kleineren Einheit)?
- Jede Konkretion, am Ideal gemessen, ist defizitär. Daraus folgt, dass man nur Konkretionen miteinander vergleichen darf.
- Ich bevorzuge das Wort Philosoph im Sinne von “Freund der Wahrheit” eher als das Wort Sophist im Sinne von “weiser Mensch”.
- Natürlich ist jedes sprachliche Werk Konstruktion, unabhängig davon, ob wissenschaftliche Beschreibung oder Roman. Der entscheidende Unterschied besteht in der Einstellung, ob Wille und Absicht herrschen, wahrhaftig abzubilden, darzustellen, zu rekonstruieren oder fiktiv Welt zu gestalten.
- Ob Materie überhaupt Materie ist, ob Geist überhaupt Geist ist, das zu wissen, ist uns Menschen prinzipiell nicht möglich, weil unser Erkenntnissystem ein Gemisch aus “Materie” und “Geist” ist und das Ergebnis des Erkenntnisprozesses ebenfalls immer ein Gemisch aus beiden ist.
- Bei der Lektüre von Egon Friedell, der beim Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich Selbstmord beging, kam mir der Gedanke, den Opfern von Unrecht eine Internetadresse einzurichten, um so zu ihnen reden zu können.
- Der Philosoph bewegt sich ausschließlich im System der Sprache, der Techniker im Reich der gemachten Gegenstände.
- Vor und bei jedem Handeln steht die Destruktion, dann folgt die Konstruktion. Handeln ist also immer Dekonstruktion.
- Man zwinge keinen Menschen zu seinem Glück, aber erst recht nicht zu seinem Unglück.
- Wenn die beschreibenden Kategorien nicht mehr der Wirklichkeit entsprechen, wenn sie einander überlappen und nicht mehr homogen sind, muss man sie ändern oder eben die Wirklichkeit normativ wenden.
- Ist Metaphysik etwas ganz anderes als Physik oder nur eine andere Physik?
- Aus Prinzipien entstehen System, Struktur, Ordnung und Gefüge im vorhandenen Material bzw. Elementen.
- Ordnung ist entweder die Ordnung des Kosmos oder die der Mechanik. Die Ordnung der Mechanik ist ambivalent: lebensfördernd, aber auch lebenshinderlich.
- Das Subjekt ist „nur“ ein Platzhalter, eine „leere Mitte“. Es wird durch noch so viele und tiefsinnige Prädikate immer nur vorläufig bestimmt - Prädikate umkreisen das Subjekt wie eine hungrige Katze den heißen Brei.
- Der Mensch „hat“ Finalität, d. h. er bestimmt sein Denken und Handeln durch Zwecke, die Natur „hat“ dagegen Kausalität. Finalität setzt Freiheit voraus. Aber dieser kantische Dualismus darf meiner Ansicht nach nicht absolut gesetzt werden.
- Was die deutsche Romantik über die tiefer liegenden Sinnstrukturen der Sprache an sich und über die deutsche Sprache gesagt haben, stimmt. Falsch war zu denken, dass dieser tiefere Sinn gewissermaßen automatisch wirksam und begriffen wird. Ich denke dagegen, dass gar nichts passiert, wenn nicht entsprechendes Wissen und Enthusiasmus für diese Tiefe vorhanden sind. Zumindest Enge, oft auch Leid entstehen dann, wenn die Sprache, die man spricht, bloß, weil man sie spricht, gewissermaßen als beste, sinnvollste verabsolutiert und ideologisiert wird. Das ist eine Falle, in die man fast zwangsläufig tappt.
B. Aussagen zur Pädagogik
- Wenn die Sehnsucht nach Bildung nicht besteht, greift keine der Schulreformen.
- Versucht man, Bildung exakt zu bestimmen, verfehlt man das Wesen der Bildung. s
- Ein Lehrer darf bezüglich seiner pädagogischen Fähigkeiten nicht isoliert von bestimmten Schülern betrachtet und bewertet werden, denn Lehren ist immer eine Relation.
- Erziehungssysteme können deviante Kinder erzeugen.
- Das eigentliche Ziel des Lehrers besteht darin, seinen Schülern ihr eigenes Potenzial bewusst machen - und das geht nur über das Fordern. Potenziale ragen immer auch in die Zukunft.
- Pädagogik heißt, den Schülern einen für sie begehbaren Weg des Wissenserwerbs aufzuzeigen. Gehen müssen sie diesen Weg allerdings selbst.
- Generell geht die Didaktik von dem "fertigen" Gegenstand aus und ignoriert die Erkenntnisprobleme, die in dem "fertig" stecken.
- Vielleicht sollte man den Gedanken fördern, dass Lernen als Bemühen um Wahrheit wenig oder nichts mit dem Lernenden zu tun hat. Das Gelernte ist ein autonomes System, hat eine eigene Existenz. Wenn ich lerne, bin ich nicht ich, sondern Träger und so eine Art Motor des Lernens. Ich folge nicht meinen Gesetzen, sondern die des Lernens und des jeweiligen Lerngegenstandes unabhängig von meinem eigenen Nutzen und Wollen. Ich bin dann außerhalb zumindest meiner eigenen Zeit.
- Jede (pädagogische) Maßnahme bringt (hoffentlich) großen Gewinn, aber auch Verluste hervor. Verluste entstehen immer, wenn man die Elle des Idealen anlegt.
- Forderung an das Lernen in der Schule und anderswo: Hauptsache ist, dass gelernt wird, d. h. hier Qualität vor Quantität. Das gilt übrigens bis für den letzten Tag des Lernens. Das quantitative Ziel, wie es z. B. in Lehrplänen festgelegt ist, kann für das Lernen hinderlich, ja schädlich sein.
- Die gegenwärtigen Bildungsbemühungen werden nur dann erfolgreich sein, wenn sie nicht systematisch durch eine generelle Konsumorientierung behindert werden.
- Eine These: Schüler müssen jeden Tag in eine ihnen mehr oder weniger fremde Gedankenwelt eindringen. Das ist sehr, sehr schwer, das ist so, als wenn ich in ein mir bisher unbekanntes Gedankengebäude eindringen will. Ich muss den Text zumindest zweimal lesen, um erste Vertrautheit und Verständnis aufzubauen. Das erfordert Zeit, Durchhaltevermögen, Anstrengung, Mut. Wenn ein Lehrer - das wäre meine These - nur noch ihm bereits Bekanntes wiederholt, wenn er nicht ständig qualitativ und quantitativ sein Wissen erweitert und verbessert, wenn er nur noch Fernsehen und Zeitungen konsumiert, oberflächlich und anstrengungslos lebt, dann muss er den Schüler verpassen, sei es, dass er nicht dessen Schwierigkeiten versteht, sei es, dass er für den Schüler kein Vorbild ist, sei es, dass sein vermitteltes Wissen ein totes ist.
- "Quand on me demande quel sport je pratique, je reponds l´enseignement" (die franzöische Schriftstellerin Mara Goyet).
- Warum wird es von vielen als störend empfunden, wenn sie in einem Text Wörter oder Schwierigkeiten vorfinden, die sie nicht kennen bzw. verstehen und deshalb gezwungen sind (oder nicht), diese aus einer anderen Informationsquelle sich anzueignen bzw. durch Nachdenken zu erschließen. Das ist doch ein zusätzliches Lernen.
- Bildung und das Streben nach ihr ist ohne metaphysische Prämissen nicht möglich.
- Erziehung und Bildung beschreibt nicht ein leeres Blatt, sondern es sind immer bereits Strukturen, Dispositionen, Transzendentalien, Ideen, Urbilder, Anlagen ... vorhanden.
- Zweierlei ist für unseren Gehirnspeicher wichtig: a) die Qualität der Inhalte und b) seine quantitative Kapazität, wozu eine längere Aufmerksamkeitsfähigkeit gehört.
- Die jeweilige Bildung ist immer unvollständig. Wenn das Streben nach Bildung aufhört, stirbt nicht nur diese Bildung, sondern auch deren Träger.
- Nietzsche hat Recht: Das Wiederkäuen schwieriger Textpassagen tut not. Dazu muss man beinahe Kuh und jedenfalls nicht moderner Mensch sein.
- Selbst denken und selbtverantwortlich handeln sind sicherlich nicht leicht, weil fehleranfällig, und enthalten auch leidvolle Phasen. Aber das "Selbst" zeichnet das Menschsein aus. Erziehung im Elternhaus und Schule berücksichtigt nicht genügend diese Einsicht.
- "Sekundärliteratur? Niemals!" Diese Maxime der Universität von Santa Fe ist vielleicht eine wesentliche Antwort auf das Bildungsproblem - auch wenn sie nur als Richtung des Bildungserwerbs verstanden werden kann: Primärquellen sind das Telos. Tiefer als in das "Great Books Curriculum" kann man seine Bildung nicht gründen. Über deren Aussagen zu "brüten", einsehen, sie nie ganz erhellen können, weil immer etwas prinzipiell Unaufschließbarers bleibt, ist das Wesen der Bildung.
- Habituelles Autofahren und Fernsehen einschließlich eines konsumorientierten Lebens ist dem Bildungsprozess nicht zuträglich.
- In der gegenwärtigen Bildungsdiskussion wird weitestgehend unterschlagen, dass zweckfreie Bildung für viele Menschen keine Selbstaufgabe mehr ist. Lediglich Funktionswissen für bestimmte Aufgaben wie Bedienung von Maschinen und Organisation von Problemen sind gefragt. Aber beides, Bildung und Wissen, gehören zum menschlichen Leben.
- Meine Beobachtung: Visuell geprägte Mediennutzer sind nicht mehr in der Lage, sich auf längere anspruchsvolle Texte zu konzentrieren.
- Im 18. Jh. hat es eine Kritik des Lesens von (Ritter-)Romanen gegeben, aber nicht - wie heute oft suggeriert - gegen das Lesen selbst.
- Wenn die Welt zunehmend von realen Dingen und Menschen entleert wird, dann sind die Möglichkeiten der Mimesis stark eingeschränkt. Aber gerade diese Lernform ist wahrscheinlich das Fundament allen Lernens. Selbst das Verstehen von Theorien hat Merkmale der Mimesis.
- Kulturelle Verarmung ist eine schwere Form der Verarmung.
- Die Fähigkeit, selbst zu entscheiden, findet nicht nur im geistigen, sondern auch im Modus der Eigenbewegung statt.
- Doris Lessing behauptet, dass die lange Erzählung der Ordnung des menschlichen Gehirns entspräche. Wie auch immer, auf jeden Fall gehört das längere zusammenhängende Bedenken einer Sache oder eines Problems zur Grundausstattung eines gelungenen Lebens.
- Vermutung: Die Feststellung Wittgensteins, dass die Bedeutung eines Wortes sein Gebrauch sei, lässt sich produktiv für Lernprozesse (im Unterricht) verwenden. Beispiel: Unser knapp vierjähriger Enkel sagte, als die Katze im Keller war: “Tini ist im Teller”. Daraufhin holte ich einen Teller aus dem Schrank, guckte ihn an und sagte: “Tini ist nicht auf, in oder unter dem Teller”. Der Enkel stutzte, fing dann aber, sich etwas peinlich windend, laut zu lachen an. Er hatte es begriffen, hatte für Laute grundsätzlich ein erstes (phonologisches) Bewusstsein erlangt, hörte zu, als ich ihm noch einmal den Unterschied erklärte, was vielleicht gar nicht nötig war.
- Kinder bauen zunehmend keine eigene Welt mehr auf. Der objektiv schlechte und der subjektiv gut gemeinte Fremdeinfluss dominiert.
- Wenn ich einen französischen Text lese, ist (leider) 95 % für mich neu, bei einem schwierigen Text sind es oft 60 %, bei einem Roman vielleicht 40 %, bei einer anspruchsvollen Tageszeitung 10 %. Sehe ich einen Krimi im Fernsehen im Höchstfalle 2 %.
- “Solange Kinder geboren werden, müssen wir weiterspielen, dann sie haben die Fünfte von Beethoven noch nicht gehört” (James Levine zitiert George Szell).
- Wenn in der Unterrichtsvorbereitung die Phasen Sachauseinandersetzung, didaktische Analyse i. e. S. und methodische Strukturierung inhaltlich und zeitlich voneinander getrennt durchgeführt werden, ist das - metaphorisch ausgedrückt - der Tod der Lehre. Warum? Die Sache ist nie abgeschlossen, was ständig implizit und explizit zum Ausdruck gebracht werden muss. Nicht: “Ich habe im Studium gelernt - Schluss!.” Jede neue Erkenntnis, jeder Einwand oder Frage oder Erstaunen der Schüler führt und muss zu einem Bedenken und u. U. Umdenken der Sache führen. Wenn der Lehrende nicht lebenslang lernt, auch in seinen Fächern, dann ist Schule beschädigt. Pointiert: Nur der Irrtum ist das Leben, das Wissen ist der Tod.
- Ein Begriff, der nicht “in sich arbeitet”, ist keiner bzw. ein toter.
- “Hast du drei Tage kein Buch gelesen, werden deine Wort seicht” (chinesisches Sprichwort).
- Höherentwicklung, Selbststeigerung, lebenslanges Lernen usw. sind Aufgaben, die jedem Menschen aufgegeben sind. Wie “hoch” er kommt, ist immer eine offene Frage.
- Erziehung ist heute faktisch Konsumerziehung, aber nicht kritisch, sondern affirmativ.
- “Der rechte Weg ist mühsam, wie rechte Wege es zu sein pflegen” (Erich Auerbach). Es ist unredlich gegenüber Schülern, dieses Moment des Lernens nicht ausdrücklich zu nennen.
- Die gegenwärtige Bildungsdiskussion berücksichtigt entschieden zu wenig, dass Bildung eine individuelle Leistung im Medium der Selbstreflexion ist. Bildungserwerb kann nur vom Subjekt selbst gesteuert werden. Gesellschaft vermag und soll hier unterstützen. Wenn aber nur von der Gesellschaft her gedacht wird, werden Schüler zu Objekten bzw. zu Rohmaterial, das nach vorgegebenen Zielen bearbeitet wird. Das ist weder ethisch noch realistisch.
- Die Ziele der Selbstbildung positiv zu bestimmen, ist anmaßend, ja gefährlich. Aber was Bildung behindert oder verunmöglicht, kann und muss öffentlich benannt und diskutiert werden - nämlich das Leben ausschließlich als Funktion von Konsumimperativen zu führen. Konkrete Formen eines solchen Lebens im falschen sind: täglicher mehrstündiger Fernsehkonsum, Literatur auf Boulevardblätter zu beschränken, Weltbegegnung im Modus des Autofahrens zu verabsolutieren.
- Ich finde es richtig, dass im NDR-Kulturradio die vorgelesenen Gedichte nicht interpretiert werden, sondern dass der Hörer eigene Interpretationen und Bilder entwickeln muss.
- Eine wichtige pädagogische Frage ist, ob Erziehung gegen den Willen des zu Erziehenden sinnvoll und effektiv ist.
- Worin besteht der Unterschied, ein Buch oder eine Blume zu verschenken? Eine Blume erfreut durch ihren Anblick, verliert ihre Schönheit aber sehr schnell. Ein Buch kann im Beschenkten, wenn er es denn liest, Prozesse auslösen, die ihn verändern, weil sie ihn über sich selbst hinausführen.
- Die Vermittlung von Bildung macht den Empfangenden an geistigem Gute reich und den Gebenden doch nicht ärmer. Diese Aussage, auf Lorenz von Stein zurückgehend und bei R. Koselleck „Begriffsgeschichten“ (S. 129) gefunden, führt direkt in das reale Glück des Lehrenden – wenn denn gelernt wird.
- Zwar ist abfragbares Wissen eine unverzichtbare Voraussetzung für das Verständnis von Gesamtzusammenhängen und für eine eigenständige Urteilsfähigkeit, aber niemals Endziel von Bildung.
- Inzwischen glaube ich, dass jeder normal begabte Mensch gut beraten ist, ein Drittel der Lernzeit mit Wiederholung, ein Drittel mit Neulektüre und ein Drittel mit Eigenformulierungen auszufüllen.
- Es liegt im Wesen der menschlichen Kraft, dass sie sich bei Anwendung vergrößert und verfeinert.
- „Um ein Kind zu erziehen, ist ein ganzes Dorf nötig“ (Pröbstin Jutta Gross-Ricker).
- An die Eltern: Stellt das Kind nicht in den Mittelpunkt Eurer Zeit und Eures Tuns, sondern stellt es in eine vieldimensionale Struktur, in und mit der es sich selbst entwickeln und bilden kann und muss. Ihr seid ein Teil - nicht mehr, aber auch nicht weniger - dieser Struktur.
C. Aussagen zu Bild und Wort bzw. Fernsehen
- Ein Film ist ein Film ist ein Film - selbst wenn er ausschließlich Naturwunder thematisiert.
- Der Fernsehapparat kann auch als eine motorenbetriebene Maschine angesehen werden, die Schein-Wirklichkeiten produziert.
- Wer jeden Tag fünf und mehr Stunden fernsieht, muss doch die Inhalte abschwächen, ausblenden, filtern, abwehren, um seine Seele zu schützen.
- Bilder, insbesondere aus Massenmedien und Werbung, sind schlechtes Material für das Denken, das Wahrheit finden will.
- Die Realität eines Bildes ist sein Materielles, also Farbpigmente, belichtetes Fotopapier, Lichtpunkte usw. Die Bedeutung des Bildes ist allein eine geistige Leistung des Betrachters. In dieser Relation ist eigentliche Welt ausgeschlossen.
- "Das Fernsehen schläfert uns ein, nicht die Politik" (eine Überschrift in einem Zeitungsartikel).
- "Ein Problem der bewegten Bilder sehe ich darin, dass der Zuschauer nicht das Tempo und die Pausen zur Reflexion selbst bestimmt.
- Die Wahrnehmung von Wirklichkeit und von Bildern ist identisch im Wahrnehmungsakt, aber different im Objektbereich (=ontologische Differen
- Wahrnehmungen und Vorstellungen sind identisch im Objektbereich, egal ob Wirklichkeit oder Bild, aber different im Bewusstseinsakt. Die Wahrnehmung ist ein rezeptiv-reproduktiver Vorgang, das Vorstellen ein aktiv-produktiverer Vorgang.
- Man erwägt, Radio- und Fernsehgebühren für jeden Haushalt zusammenzufassen, auch wenn kein Fernsehapparat vorhanden ist. Ich wäre nur dann damit einverstanden, wenn Basis der Berechnungen die jeweilige Einschaltzeit wäre, d. h. wer viel sieht, zahl viel, wer weniger sieht, zahlt weniger und wer gar nicht sieht, zahlt nichts. Vielleicht macht es Sinn, die verwendete Zeit progressiv zu belegen, so die Gebühren pro Stunde zu verdoppeln. Wozu? Um Vielseher vor sich selbst zu schützen. Gleiches müsste meiner Ansicht nach auch beim Internetanschluss erfolgen.
- Bilder fressen in der Regel wichtige Informationen, die in den Wörtern stecken.
- Natürlich ist auch die Wahrnehmung nicht die Realität, sondern, wenn man so will, eine Verdünnung, Abschwächung, Entmaterialisierung. Eine Bildwahrnehmung ist eine Verdünnung, Abschwächung, Entmaterialisierung des Verdünnten, Abgeschwächten, Entmaterialisierten.
- Das Bild wird immer häufiger mit der Wirklichkeit gleichgesetzt und ersetzt diese problemlos. Das ist unzulässig, da der Unterschied zwischen beiden riesig ist. Bilder sind nur dann wertvoll, wenn sie etwas zeigen, was wir nicht sehen können oder was es so in der Wirklichkeit nicht gibt (Kunstgemälde und Visibilisiertes). Wenn ansonsten eine Originalbegegnung mit der Wirklichkeit möglich ist, ist es ein Fehler, sich mit ihrer Abbildung zufrieden zu geben. Wenn man wie z. B. Kant von der Sinnlichkeit spricht, meinte man immer materielle Dinge, erst in neuerer Zeit bezieht man sich auf Bilder. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass wir so viele Dinge vernichten, so dass nur noch Bilder übrig bleiben. Die reale Welt wird durch Abbildungen von ihr ersetzt. Bereits das Wort „Abbildung“ ist eine kleine Kapitulation und selbst Deixis scheint nur noch für Bilder reserviert zu sein.
- Menschen, die täglich stundenlang vor dem Fernseher sitzen, verändern sich nach meinen Beobachtungen in zwei Richtungen: Entweder werden sie schweigsam oder sie reden ohne Unterlass.
- Wie bei allen Handlungen findet auch beim Fernsehen gleichzeitig Prozesse des Bestimmens und Bestimmtwerdens statt. Wer meint, er müsse sich jeden Tag vor den Fernseher setzen, hat eine bestimmte Einstellung, die er aktiv realisiert: Ich will mich entspannen, nicht anstrengen, es bequem haben usw.
- Die Welt, die das Fernsehen vermittelt, ist unbestreitbar undinglich. Auch deswegen kann man sagen, dass sie keine Referenzen haben, sondern sie präsentieren eine eigene Welt, eben eine Fernsehwelt.
- Innere Bilder sind unabgeschlossene Prozesse, die mit Möglichkeiten, Erinnerungen und Phantasien interagieren.
- Bilder erzeugen falschen Schein. Aus dem fahrenden Auto heraus entstehen Wahrnehmungen, die im Vergleich zur Wirklichkeit stark reduziert sind.
- Habituelle Fernsehnutzer sind nicht mehr in der Lage, aus diesem System der Bilder zu entkommen und es zu transzendieren.
- Nach einem Filmbesuch (Buddenbrooks), teile ich Lessings Auffassung von Kunst: Bildende Kunst (Plastik, Malerei einschließlich der modernen Bildmedien) steht unter dem Gesetz der Schönheit. Äußerster Schmerz und Leid gehören dort nicht hin, sondern in die Dichtkunst. Bei leidvollen Darstellungen werde ich gezwungen, sie mir anzusehen, obwohl ich sie gar nicht sehen will. Das ist nicht der Fall bei "schönen" Bildern, denn die will ich sehen und werde dazu nicht gezwungen. In der bildenden Kunst wird - im Gegensatz zur Dichtkunst - das Spiel der Einbildungskraft außer Kraft gesetzt, weil bestimmt
- Ist eigentlich schon untersucht worden, welche psychischen Strukturen und Weltsichten Menschen entwickeln und einnehmen, die jahrzehntelang täglich acht und mehr Stunden vor dem Fernsehapparat verbringen?
- Die meisten der Bilder, die in Form von Filmen, Werbung, Photos auf uns einstürmen, sind überflüssig, oft sogar schädlich. Auch weil die vom Produzenten geschaffenen Bilder die eigene Einbildungskraft schwächen
- Der reale Gegenstand von Bildern und Filmen, sind nicht die wahrgenommenen Gegenstände, sondern Leuchtpunkte, Fotoschwärze, Malfarben, die erst im Kopf zu Bildern werden. Ich sehe also keine Bilder. Zudem wird der visuelle Sinn verabsolutiert, Hören, Schmecken, Riechden, Tasten findet nicht statt. Reale Gegenstände liefern in der Regel Anregungen für alle Sinne, die aber nicht immer bewusst wahrgenommen werden.
- Wenn heute ein bestimmtes Gebäude im Gesamtensemble stört, erklärt man es flugs zu einem Motor des Dialogs zwischen Verschiedenem.
- Radikale These:. Es gibt weder äußere noch innere Bilder: Sogenannte (äußere) Bilder sind Materie, die von einer besonderen Materie (= Rahmen) umgeben ist, sogenannte innere Bilder sind Gedanken nach einem bestimmten Konstruktionsprinzip. Geistiges ist jenseits von Bildern. Wenn wir Geistiges objektivieren, nennen wir einen Teil dieser Objektivationen einfach Bilder.
- Wenn man ein Gemälde sieht, weiß man, dass es sich schon wegen des Rahmens um ein Bild handelt. Wenn man vor dem Fernsehapparat sitzt, weiß man ebenfalls, dass das dort Gezeigte Bilder sind, aber früher oder später wird der Verstand müde, diese Denkleistung "Das ist ein Fernsehapparat" durchzuführen mit der Folge, dass die Bilder subjektiv zur Realität werden.
- Während des normalen Fernsehkonsums gibt es (fast) keine Kontrollen, ob man das Gesehene überhaupt verstanden hat, denn es gibt immer niedrigere Bedeutungsebenen wie Häuser, banale Handlungsabäufe) die man selbst im Halbschlaf noch versteht. Zudem hat man keine Zeit, sein jeweiliges Verständnis zu überprüfen, denn die Bilder, d. h. die Karawane zieht weiter.
- Ein Film ist bestenfalls nur beim ersten Sehen faszinierend, später nicht mehr. Warum? Weil er eben nicht in die Kategorie des Lebens gehört, denn es gibt keine Entwicklungen, Veränderungen, Spontaneitäten. Beim mehrfachen Sehe entsteht Langeweile. Und wenn das schon vorher bedenkt, verschwindet u. U. auch das Interesse an nicht-künstlerischen Filmen und Serien
- Wahrnehmungen und Vorstellungen sind kategorial verschieden von Gegenständen, die wir mit dem Wort "Bild" bezeichnen. Man sollte deshalb auch nicht von inneren Bildern und äußeren Bildern sprechen, denn diese Begrifflichkeit führt zu mehr Mißverständen als zu Klarheiten. Die Wahrnehmung eines Realgegenstandes und das Bild desselben sind ebenfalls kategorial verschieden. Statt von inneren Bildern sollte man von Wahrnehmungen, Vorstellungen, Phantasie und Einbildungskraft sprechen und das Wort Bild nur für bestimmte "äußere" materielle Gegenstände reservieren.
- Ein Problem bei der Betrachtung eines Bildes, z. B. eines Porträts, besteht darin, dass man es räumlich und zeitlich für das Ganze hält, also vergisst, dass es es sich um eine Momentaufnahme aus einer ganz bestimmten Perspektive handelt.
- Eine große Anzahl von Wahrnehmungen und Vorstellungen ist grundsätzlich wünschenswert, eine große Anzahl von Bildern ist schädlich. Zu viele Bilder, z. B. täglicher mehrstündiger Fernsehkonsum, verhindern die Wahrnehmung von Realgegenständen.
- Für Thomas Hettche läuft die mediale Bilderflut auf eine Rebarbarisierung des öffentlichen Raumes hinaus.
- Der Ausschluß von Begriffen, ist das Ende des Denkens.
- Ein Bild ist ein Bild ist ein Bild. Es ist nie Wirklichkeit. Was für die (mehrdimensionale) Wirklichkeit gilt, dass wir sie nie vollkommen erkennen und in ihr leben können, gilt erst recht für das (visuelle) Bild. Das anspruchsvolle und verdichtete Bild kann allerdings Hinweise auf etwas enthalten, das sich in der Wahrnehmung nicht zeigt. Aber es bedarf keiner ständigen Wiederholungenn dieser Möglichkeiten im Bilde, um sie zu erkennen.
- Wie funktioniert das Faszinosum der Bilder? Identifikation, große Möglichkeitsräume, keine realen Gefahren, maximale Bequemlichkeit, der versprechende Schein, ....
- Fernsehen und Autofahren faszinieren, weil sie permanent scheinbar Neues erfahren lassen, obwohl es sich tatsächlich um die Wiederholung des Ewiggleichen handelt. Denn beim genauen Hinsehen erweisen sich die hier gemachten Erfahrungen weder als Wirklichkeit noch als nachhaltige und systematische Informationen.
- Fernsehbilder von aktuellen Anlässen dulden keinen zeitlichen Aufschub, weil Fernsehen als ein aktuelles Medium begriffen wird. Aufzeichnungen sind deshalb auch nicht attraktiv und setzen sich auch nicht durch. Dagegen kann man sich beispielsweise Gemälde zu jeder gewünschten Zeit ansehen.
- Bei der Bildbetrachtung wird nur der visuelle Sinn mit Hilfe der Netzhaut aktiviert, alle anderen Sinne werden nicht genutzt. Zudem bestimmt der Bildproduzent, nicht der Wahrnehmende die Perspektive.
- Ein Bild ist nur ein (1!) mögliches Element eines Begriffs, sie dürfen nicht mit dem Ganzen verwechselt werden
- In welchem Verhältnis stehen heute quantiativ Ding-, Zeichen- und Bilderfahrungen? Wenn Dingerfahrungen, insbesondere von Naturdingen, immer geringer werden, was heißt das für die Seele?
- Fernsehapparate an jedem Krankenhausbett halte ich kontraproduktiv für den Heilungsprozess. Gerade hier braucht die Seele Ruhe und Zeit für sich selbst
- Die riesengroßen Fernsehschirme verlangen genau dieselben psychischen Tätigkeiten wie ein Normalbild. Der Überraschungseffekt der Größe müßte doch eigentlich schnell erebben.
- Begriffe machen aus Wirklichkeiten der Welt Möglichkeitsräume, dagegen verdoppelt das Bild die Wirklichkeit im Scheine. Es gibt aber gute Argumente, die eine Verdoppelung bestreiten: Das Bild, auch das Photo, ist eine autonome Wirklichkeit.
- Merkwürdig: Es gibt die gegenstandslose Malerei, aber meines Wissens nicht gegenstandslose Photographien.
- Äußere Bilder machen unsere Einbildungskraft und Phantasie überflüssig.
- Eine Vermutung: Auf der Retina lässt sich zwischen der Wahrnehmung des Bildes eines Hundes und der Wahrnehmung dieses realen Hundes kein Unterschied ausmachen. Das würde erklären, warum so viele Menschen dem Mediensog erliegen, da sie Bild und Wirklichkeit als gleichwertig betrachten. Von der Mühelosigkeit des Bilderwerbs ganz abgesehen.
- Der gegenwärtige Hunger nach immer neuen Bildern ist ein Beleg dafür, dass entweder die Bilder nicht angeeignet werden oder dass sie trivial sind. Somit wird ein Bewusstsein erzeugt, dass nie ankommt, nie etwas "behält", dem alles nach kurzer Zeit zum Müll wird.
- Ein gutes Bild verdichtet eine Aussage - wie man es mit Wörtern nicht kann.
-
Dass viele Engländer Churchill für eine Sagengestalt halten, ist ein Beleg für die Auflösung der Realität durch die Medien.
- Bilder sind zur Hauptsache deswegen so attraktiv, weil man sie, wenn man es denn will, ohne Anstrengung stundenlang ohne viel Nachdenken konsumieren kann und dabei der Täuschung unterliegt, man hätte viel gelernt. Das ist kein Argument gegen das Bild schlechthin, sondern gegen deren Verwendung.
- Dass Inhalte von Bildern nicht in diesen objektiv vorhanden, sondern Projektionenen sind, möge folgendes kleine Gedankenexperiment aufzeigen: Ich lege Menschen mit verschiedenen Bildungshintergründen Fotos von berühmten, aber auch "normalen" Männern und Frauen vor, wobei allerdings diese Fotos nicht als bedeutsame Menschen von ihnen selbst oder dem Fotografen inszeniert wurden, sondern alltägliche Situationen entnommen sind. Hinzu muss kommen, dass die Betrachter die berühmten Männer und Frauen nicht kennen. Die dazu gehörige Hypothese lautet: Die Betrachter sind nicht in der Lage, jenseits des Zufalls berühmte von berühmten Menschen zu unterscheiden.
- Die Wahrnehmung hat im Gegensatz zum Bild keinen Rahmen und auch keinen undurchdringlichen Grund aus Pappe, ist also nicht festgestellt, sondern dynamisch -mit der Welt verbunden.
- Beim zweiten oder mehrfachen Sehen wird das laufende Bild zu einem stehenden - es verändert sich nämlich nichts. Interpretiert: der Film ist nichts anderes als eine Aneinanderreihung von stehenden Einzelbildern.
- Der Begriff umfasst einen Möglichkeitsraum, das Bild eine (1!) realisierte Möglichkeit. Bilder bestätigen, Begriffe flexibilisieren.
- Bild und Wahrnehmung haben im Erkenntnisprozess die gleiche Funktion. In einigen Fällen (z. B. in der Kunst oder in der technischen Darstellung) ist das Bild wertvoller, in der Regel ist die autonome, ganzheitliche Wahrnehmung von größerem Wert.
- Vielleicht kann man den Gebrauch des Staubsaugers mit der habituellen Nutzung des Fersehapparates vergleichen: Beide sind innen letztlich leer und saugen aggressiv die Umwelt in sich hinein. D. h. wir werden nicht gefüllt, sondern entleert. Ich denke, jeder kennt dieses Gefühl der Leere nach langem Fernsehkonsum, was nicht der Fall beim Bücherlesen ist.
- Beim Fernsehen verlernt man die Anstrengung des Begriffs.
- Was passiert mit all den schrecklichen Bildern in Geist und Seele? Was passiert mit all den zusammenhanglosen Fragmenten?
- Die auf uns einstürzenden Bilderfluten zwingen die Bildbetrachter, sich selbst zunehmend aus der Außenperspektive als Bild zu interpretieren. Ob das Bild ein wahres ist, möchte ich stark bezweifeln. Die Folge ist, dass die Außenarbeit an sich immer mehr zuungunsten des inneren Wachstums und Strukturierung voranschreitet und damit zu eigentlichem Wert und Aufgabe wird.
- Wo und wann muss man sich beim Fernsehen anstrengen? Körperlich sowieso nicht, aber ich behaupte, auch geistig nicht. Die Inhalte werden so einfach wie möglich präsentiert; sollten doch Denkanforderungen notwendig sein, hat man keine Zeit, sich mit ihnen auseinander zu setzen, denn es folgen ja die nächsten Bilder. Es werden zwar Probleme gestellt, aber nicht der Zuschauer, sondern andere lösen sie für ihn. Das Fernsehen vermag zwar Fakten zu transportieren, aber es verhindert Denken.
- Der angesehene Erziehungswissenschaftler Prof. Peter Struck verlangt Ganztagsschulen u. a. deswegen, “weil wir durchweg immer noch Halbtagsschulen haben, also den Nachmittag dem zufälligen Lernen im multimedial vernetzten Kinderzimmer, der Fußgängerzone, der Clique oder im Kaufhaus überlassen, obgleich junge Menschen zwischen 14 und 16 Uhr eine zweite Hochleistungs-Lernphase im Laufe eines Tages haben.” Die Schule soll es richten. Eine Änderung der richtig beschriebenen Strukturen kommt überhaupt nicht in den Horizont des Möglichen.
- Was passiert eigentlich in unseren Gehirnen, wenn wir in kürzester Zeit eine Sendung, einen Artikel, einen Werbespot nach dem anderen an uns vorbeizieht, ohne dass wir sie bedenken? Gleiche Frage gilt für die schnelle Raumdurchquerung.
- Ein Bild ist die erstarrte Einbildungskraft des Produzenten. Diese Veräußerung ist für den Produzenten generell wertvoll, für den Konsumenten oft nicht, weil seine eigene Produktivität verkümmert.
- Ein Film ist nur bei der ersten Betrachtung “lebendig” und spannend, beim zweiten und mehrfachen Sehen wird die Täuschung offensichtlich: Der Film ist eben nicht das Leben.
- Ich fahre mit der Fähre nach Griechenland. Überall laufen laute Fernseher, deren Sprache ich nicht beherrsche. Ich setze mich mit dem Rücken zu den Bildschirmen, um zu lesen. Dabei wird mir klar: Das Akustische ist noch aggressiver als das visuelle: ständiger Wechsel, Überspielungen, raunende Sprache abgelöst durch grelle Schreie, mystische Musik, Denotationen, Krach…. = inszenierte Nervenerregung und das jeden Tag mehrere Stunden: grauenerregend.
- Filme und Bilder erzeugen in der Regel (nach den “Regeln” der Produzenten, aber auch der Konsumenten, denn letztere wollen ja die Illusion) das falsche Bewusstsein, nicht im Film, sondern in den dargestellten Situationen zu sein. Davon leben auch die so geschätzten Naturfilme, die durch und durch ästhetisch sind, einschließlich der einschmeichelnden Begleitmusik. Ich sehe in diesen Filmen die Gefahr, dass in der nicht inzenierten Originalbegegnung Enttäuschung sich breit macht. Hinzu kommt, dass die Originalbegegnung in der Regel auch Anstrengung verlangt. Selbst, wenn man diese Art Filme als eine Art Einstieg oder als Motivation auffasst, in die Natur zu gehen, muss bedacht werden, dass der Film nur einen Teil des Visuellen und Auditiven wiedergibt, während alle anderen Sinne nicht aktiviert werden. Wenn der Film als Modell für Wirklichkeit genommen wird, werden diese ausgeblendeten Dimensionen nicht oder nur schwerlich wahrgenommen.
- Das Fernsehen für die älteren, das Youtube für die jüngeren Menschen sind die modernen moralischen Anstalten der Gesellschaft. Sie sind gegenüber Schule und Universität so attraktiv, weil in ihnen problemlos ein kontrollierter Kontrollverlust jederzeit möglich ist.
- Ein Photo reißt eine Situation aus lebendigen Prozessen heraus. Sie wird zeitlos und ist damit tot. Aber auch der Film ist trotz der Veränderungen real zeitlos. Er läuft determiniert ab. Deswegen sieht man sich in der Regel einen Film auch nicht zweimal an.
- Nach Pascal sind Langeweile und Unterhaltung (durch Medien, bm) zwei Seiten desselben Prozesses.
- Jeden Abend sitzen Menschen wie Puppen erstarrt und ausdruckslos vor den Fernsehapparaten - besonders häufig von der Form her Übergewichtige.
- Wenn Informationen in die Welt kommen, materialisieren sie sich überwiegend in der Fläche (Buch- und Zeitungsseiten, Monitore, Bilder, Werbetafeln, Armaturenbretter, Navigationssysteme usw.). Bedenkt man, wie oft man sich in diesen Flächen am Tag aufhält, wird die Aussagen “Die Welt wird flach” wahr.
- Der Fernsehschirm wird metaphorisch als ein Fenster nach außen hin aufgefasst. Aber das ist eine Illusion, denn man sieht nach innen in den Fernsehapparat auf Produkte, die in den Fernsehanstalten hergestellt werden. Der Fernsehschirm ist ein Schaufenster, vor dem wir stehen, und in dessen Auslage mediale Produkte zum Begaffen ausgestellt sind. Fernsehen ist Abwendung von der Welt. Man schaltet ein, um abzuschalten.
- Ich verweise auf eine Sendung. Mein Ansprechpartner geht selbstverständlich davon aus, dass ein Fernsehsender und nicht ein Radiosender gemeint ist.
- Bilder, auch laufende, sind real ohne Leben. Deswegen erzeugen sie keine Nachhaltigkeit, wie es eine Berührung mit einem Lebewesen vermag.
- In einem Hotelzimmer ist an der Wand dem Bett gegenüber in ca. zwei Metern Höhe ein Fernseher installiert. Bevor ich einschlafe, gilt ihm mein letzter Blick, und wenn ich aufwache, mein erster. Ich fand es bedrückend.
- Ob mein Zug oder der gegenüberstehende fährt, kann ich erst dann entscheiden, wenn ich den Blick auf ein drittes Objekt, z. B. ein Bahnhofsgebäude zur Bestimmung heranziehe. Der Zeitraum des Noch-nicht-Entschiedenen “Fährt mein Zug oder der gegenüberliegende?” entspricht genau dem Unterschied von Bewegungen im fahrenden Auto (mein Zug fährt) und Bewegungen auf dem Fernsehbildschirm (der gegenüberliegende Zug fährt). Die Gemeinsamkeit ist die, dass der Mensch in beiden Situationen immer sitzt, d. h. sich selbst nicht bewegt. Im Auto entsteht “wirklicher” Schein, im Fernsehen entsteht virtueller Schein von Bewegungen.
- Wenn mein Auge einen Gegenstand, z. B. ein Gebäude, wahrnimmt, tastet es dieses in einer Bewegung ab und leitet die Informationen zum Gehirn zur Verarbeitung. So gesehen führt das Gebäude auf meiner Netzhaut und in meinem Gehirn eine Bewegung durch.
- Bild und Film sind fremde Wahrnehmungen, die ich wiederum wahrnehme, also eine Wahrnehmung der Wahrnehmung. Das im Bild und Film Wahrgenommene ist immer Vergangenes.
- Meine Kritik richtet sich selbstverständlich nicht gegen Bilder an sich, ich bin kein Ikonoklast, sondern gegen die Bilderschwemme, die nicht mehr verarbeitet werden kann und so Denken verhindert.
- Bilder ersetzen zunehmend Wirklichkeit und das nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich, denn die Bildschirme werden immer größer, so dass es bald möglich sein wird, Zimmerwände oder Häusermauern in Bildschirme zu verwandeln. Ist diese Transformation vollendet, leben wir in der totalen Bilderwelt - ohne Ausgang bzw. ohne Abschaltknopf.
- Der Mensch lebt in drei Welten: a) mit seinem Körper ist er mit seiner direkten Umwelt unmittelbar verbunden wie Klima, Untergrund, von ihm angefassten Geräten, von ihm berührten Menschen. b) Mit seinen Fernsinnen Sehen und Hören (und bedingt Riechen) erfährt er seine Umwelt, so weit eben die jeweiligen Sinnesorgane reichen. c) Mit dem Geist gelangt er in Zeiten, Räume und Phantasiewelten jenseits der sinnlich erfahrbaren Welt. Das Bild ist eine Art Zwitter zwischen der zweiten und dritten Welt. Wenn das nicht sauber im Bewusstsein getrennt wird, kann ein Problem entstehen.
- Es ist ein fundamentaler, ja ontologischer Unterschied, ob ich im Film oder auf der Straße einen Bettler sehe. Im Kino- bzw. Fernsehsessel macht es keinen Sinn, die dort dargestellte Situation direkt durch eine Handlung beeinflussen zu wollen. Von Sportsendungen abgesehen, hat man gelernt, still zu sitzen. Aber man verlernt dabei auch einiges, nämlich die Fähigkeit zum Entscheiden, Verantwortung zu übernehmen und mit Freiheit umzugehen, kurz zu handeln. Es gibt Hinweise, dass die damit einhergehende Persönlichkeitsveränderung bis hin zur Entpersönlichung Haupteffekt des inflationären Konsums von Bildern ist. Nur in Realsituationen lerne ich Handeln.
- Das Zeichen bezieht sich auf das Allgemeine, die Wahrnehmung auf sinnlich Gegebenes. Dinge und Bilder selbst sprechen nicht, falls dem Wahrnehmenden kein (allgemeiner) Begriff zur Verfügung steht. Umgekehrtes gilt ebenso. Achtet also auf die Proportionen!
- Bildschirme sind entwickelt worden, die einen Diagonalmaßstab von 2,75 Metern haben - aber es bleibt immer ein Fernsehapparat. Ab welcher Größe wird der Trug nicht mehr bemerkt?
- Die Bildschirme der Fernsehapparate sind flach und verflachen. “Verflachen” in dem Sinne, dass das Bild dominiert und der Begriff auf ein Minimum reduziert wird, so dass keine Tiefe entsteht. Diese Verflachung verdoppelt sich durch die Veränderung der Art und Weise der Wahrnehmung.
- Vom vielen Bildersehen haben wir zur Welt überwiegend einen Kamerablick, der sich von der natürlichen Wahrnehmung unterscheidet: Dieser Blick mischt sich nicht in das Leben ein, man steht vor dem Leben.
- Im Spiegel wird der dreidimensionale Körper zu einem zweidimensionalen, körper- und bildlosen Bild - wird aber als Körper wahrgenommen. Nach diesem Prinzip funktionieren alle Bilder, die den Anspruch auf Abbildung erheben.
- Dreidimensionale Wirklichkeit in zweidimensionale Bilder zu transponieren kann Gewinn sein, weil man der Metaphysik näher ist, kann aber auch Verlust sein, weil Abschied von der diesseitigen Wirklichkeit. Heute favorisiert man Bilder im Modus des habituellen Konsums aus Faulheit heraus.
- Der Bildschirm des Fernsehers wird mit einem Fenster verwechselt, das sich zur Welt hin öffnet. Aber das ist eine Täuschung, ein trompe l´oeil - denn das Fenster ist blind. Es besteht aus einer Projektionsfläche, auf die konstruierte Welten geworfen werden. Die Täuschung gelingt, weil Sichtbarkeit mit Anwesenheit gleichgesetzt wird.
- Es ist eine schwierige Aufgabe, überzeugend den Unterschied von Bild und Wirklichkeit zu bestimmen. Die folgende Interpretation entstand in der Auseinandersetzung mit dem Buch “Bild-Anthropologie” von Hans Belting, wobei meine Deutung nicht den Anspruch erhebt, Belting angemessen wiederzugeben: Äußere Bilder haben immer ein Trägermedium, beim Gemälde sind es Farben und Leinwand, beim Photo der empfindliche Film, beim Fernsehbild der Monitor. Die Wirklichkeit hat kein Trägermedium, sie kommt ohne es aus. Der ein Bild oder Realding wahrnehmende Mensch ist selbst ein Trägermedium, nämlich sein lebendiger Körper und damit haben auch innere Bilder ein Trägermedium. In dem Moment, wenn der Mensch ein äußeres Bild wahrnimmt, findet ein Tausch der Trägermedien statt: Das Medium des äußeren Bildes wird im Wahrnehmungsakt sofort durch den Körper des Wahrnehmenden ersetzt. Mir kommt es hier auf Folgendes an: Der Unterschied zwischen Wirklichkeit und Bild besteht darin, dass die Wahrnehmung eines Bildes von zwei zeitlich folgenden, verschiedenen Medien, während die Wahrnehmung eines Realdings nur von einem (1) Medium, eben dem lebendigen Körper, abhängt. Diesen Unterschied halte ich für gravierend.
- Wenn diese Beschreibung stimmt, dann zieht die Bilderfahrung auch eine veränderte Körpererfahrung nach sich, d. h. die Täuschung wirkt sich auch auf die Körpererfahrung aus. Wem Welt tendenziell ausschließlich im Modus der Bilder begegnet, “vergisst” seinen lebendigen Körper.
- Es ist schon paradox: Wir sehen Bedeutungen und nicht Farben und Leinwand, also Materie. Wir sehen nicht die materiellen Medien. Das ist wohl der Grund, dass wir die Wirksamkeit von Medien nicht bemerken. Sie verstecken sich gewissermaßen in den Bildern. Das erzeugt z. B. den Irrtum, dass zwischen dem winzigen Bildchen auf einem Handy und dem entsprechenden 11×17-Photo kein Unterschied besteht.
- Es gibt im objektiven und subjektiven Sinne wenige wertvolle Bilder, aber im objektiven Sinne viele wertlose Bilder
- Optimisten halten den Fernsehschirm für ein Fenster, das sich zur Welt hin öffnet. Aber die dort zu sehenden Bewegungen sind keine Bewegungen in der Welt, sondern finden auf dem Bildschirm statt: reale Zweidimensionalität statt vermeintlicher Dreidimensionalität. Der Blick aus dem Autofenster dagegen lässt eine Mischung aus Realität und Schein entstehen. Der Schein der Dinge liegt hier in den Bewegungen, die sie im Wahrnehmenden annehmen: Ruhende Objekte, wenn sie denn groß genug sind, um aus dem fahrenden Auto gesehen zu werden, ziehen an unseren Augen vorbei und werden deshalb als Bewegung wahrgenommen. Sich bewegende Objekte erfahren aus dem fahrenden Auto heraus eine zusätzliche Bewegungsbeschleunigung, die real nicht existiert. Weder im Fernsehsessel noch im Autositz ist man in der Welt, sondern in einer Scheinwelt. Das ist natürlich auch beim Lesen der Fall, aber da ist man vor der Illusion, real in der Welt zu sein, gefeit. Aktiv muss man erst einen Schein vom Gelesenen in seinem Bewusstsein erzeugen, d. h. konstruieren.
- Vermutung: Die Bilder von einem dreidimensionalen Realobjekt und einem zweidimensionalen “äußerlichen” Bild dieses Objekts sind auf der Netzhaut objektiv ohne Unterschied. Wenn dem so ist, wäre wesentlich die große Faszination des (Fernseh-)Bildes erklärt, nämlich Welt authentisch ohne Eigenbewegung und damit ohne Anstrengung sich anzueignen. Das begründet die humane Notwendigkeit, durch Denken sich von dieser Täuschung zu befreien.
- Die Inflation physischer Bilder in unserer Lebenswelt führt dazu, dass nicht mehr genügend Zeit und Bedingungen für die Entstehung von eigenen inneren Bildern zur Verfügung stehen.
- Beim Verstehen des Begriffs gibt es keine Illusion: Alles, was das Verstehen ermöglicht, kommt aus dem Kopf, und diese Hervorbringungen sind in der Regel mit Mühe verbunden. Beim Bild herrscht dagegen die Illusion, direkten Zugang zur Wirklichkeit zu haben - und zwar mühelos.
- Bilder frieren Leben ein, stellen es fest, fesseln es. Das gilt auch für Filme, denn die Sequenzen sind immer gleich, weil auch sie festgestellt sind. Erst geistige Aktivitäten, wenn sie denn stattfinden, ermöglichen ihnen Leben
- Das Verhältnis von Bild und Wort verändert sich – zumindest aus quantitativer Sicht – immer mehr zugunsten der Bilder. Welche Verluste und Gewinne sind damit verbunden?
- Es gibt eine Reihe von guten Gründen, die bezweifeln, dass Photos und erst recht Bilder Wirklichkeit abbilden, sondern eine Wirklichkeit sui generis bilden. Wenn die Betrachter sich dessen bewusst sind und dieser Täuschung nicht unterliegen, wäre viel gewonnen. Der große Wert der Bilder besteht darin, dass sie in Bereiche führen, in die der Mensch nicht sehen kann.
D. Mögliche Module und Elemente zur politischen Ökologie und Technikkrit
- Die Technik ist nicht neutral. Die heutige Ideologie bzw. das falsche Bewusstsein besteht darin, dass die Nutzung von Technik den Menschen nicht selbst verändere, sondern Technik verändere nur die äußere Situation des Menschen im Sinne des angestrebten Zieles. Aber der Mensch selbst sei im Kern unveränderbar. Genau das erkennt und anerkennt der Technik nutzende Mensch nicht.
- Es ist falsches Demokratieverständnis zu meinen, man dürfe das Verhalten der Bürger nicht kritisieren, insbesondere, wenn es von der Mehrheit der Bürger geteilt und realijsiert wird. Nein, Mehrheitsverhalten kann, muss aber nicht richtig sein. Selbst politische Entscheidungen sind nicht einem Kritiktabu unterworfen, sondern sie gelten nur auf Zeit.
- Die Brutalität siegt über das Filigrane, das Besondere und das Sensible, zumindest die Technik über die Kunst. Der Jugendstil wollte listig über die Form den Inhalt der Technik bändigen. Es klappte nicht.
- Grundsätzlich ist Technik eine fremde Macht über den lebendigen Menschen, auch wenn sie ihm hilft, was aber nicht immer der Fall ist.
- Der rein technisch denkende Mensch vermag nicht, die Technik zu bedenken und u. U. kritisch zu reflektieren. Wenn der Techniker nicht willens ist, diese prinzipielle Blindheit zur Kenntnis zu nehmen, aber von der Welt sprechen will, bleibt ihm nichts anderes übrig, als die Welt (und auch den Menschen) als rein technisch zu interpretieren.
- Die Logik der Technik und damit der Maschinen ist menschengemacht, also ein Teil von uns. Aber als objektiviertes Denken kann sie eine gewisse Eigenständigkeit erreichen, die sich auch gegen uns richten kann.
- Es macht schon einen Unterschied aus, ob eine Maschine durch Körperkraft oder durch Motoren in Gang gehalten wird.
- Demokratie als eine politische Form und Wirtschaft standen und stehen immer in einem Wechselverhältnis, aber beide sind grundsätzlich autonome Systeme. Demokratische Institutionen können und sollten die Wirtschaft fördern, aber nicht mit Wirtschaft identisch werden. Aber genau von einer solchen Identität geht vorherrschende Meinung aus, d. h., man vermag nicht mehr zwischen politischem und wirtschaftlichem System zu unterscheiden. Zwar lässt sich historisch aufzeigen, dass in einer Demokratie die Wirtschaft am effektivsten ist, aber das muss und ist nicht immer so, denn auch in einer Demokratie kann die Wirtschaft stottern. Wenn sie nicht prosperiert oder gar stagniert, werden die Gründe nicht primär im wirtschaftlichen (Global-)System gesucht, sondern sehr schnell der Politik zum Vorwurf gemacht. Genau das ist heute der Fall und erklärt die absolut überzogene Politikerschelte. Unsere Demokratie wird erst dann ihre Bewährungsprobe bestanden haben, wenn sie trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten nicht in Frage gestellt wird.
- In dem Moment, wo der Mensch instrumental denkt, ist er "Techniker", wozu natürlich auch die Objektivierung des instrumentellen Denkens in Form von Maschinen i. w. S. gehört. Es wäre anthropologisch vollkommen verfehlt, dem Menschen diese Fähigkeit absprechen zu wollen oder gar zu entwerten. Bedacht werden müssen allerdings Qualität und Quantität der jeweiligen Technik für Mensch und Welt, also deren Sinnhaftigkeit und damit deren Grenzen.
- Eine Technik setzt sich immer dann durch, wenn sie entweder körperlichen und geistigen Einsatz reduziert (das Leben "bequemer" macht) oder etwas herstellt, das der Mensch mit seinem gegebenen Körper und Geist nicht herstellen kann.
- Jede konkret gewordenen Technik hat ein Design, das nicht von ihr absolut bestimmt wird. In dem Design drücken sich Werte, Moden, Selbstzuschreibungen, ja Weltanschauungen aus. Technik transportiert also immer mehr als nur Technik.
- Die Möglichkeit, dass Technik selbst direkt Entfremdung und Heimatlosigkeit hervorruft, wird heute nicht mehr bedacht, ja darf es nicht. Wenn Technik kritisiert wird, dann nur bestimmte Technologien wie die Atomtechnologie oder die falsche Nutzung von Technik
- Wenn die durch Technik entstandenen Probleme und Destruktionen wiederum nur mit Technik beseitigt werden, hat zur Folge, dass das technische, sekundäre System weiter ausgebaut wird und somit das Gefahrenpotenzial wächst.
- Technik ist materialisiertes menschliches Können. auf dieser Ebene besteht Identität zwischen Können und Technik. Wenn ich allerdings diese Technik nutze, ersetzt sie mein Können in diesem Tätigkeitsbereich. Aber auch hier ist mein Können nicht ganz ausgeschlossen - und sei es nur, dass ich einen Knopf drücken oder einen Suchnamen eingeben muss. Es gibt also zwei Arten von Können: a) ohne oder nahezu ohne technische Hilfsmittel etwas herzustellen (poiein) oder im sozialen Bereich zu wirken (prattein) und b) Technik zu entwickeln und zu nutzen. In jedem Handlungsablauf (z. B. Backen) kann man genau die Phasen unterscheiden, wo mein Können oder die eingesetzte Technik dominiert .
- Seitdem der Mensch ein homo faber ist, seitdem setzt er Technik ein. Auch Können nimmt mehr oder weniger Technik in Anspruch. Selbst der Kugelschreiber ist Technik, vom Rechner, den ich gerade nutze, ganz zu schweigen. Grundsätzlich ersetzt Technik menschliches Können, aber der Mensch kann nicht alles und verfügt nur über begrenzte Zeit. Wenn ich hier tätig werden will, ist Technik unverzichtbar. Aber ansonsten ist vom Primat der Selbsttätigkeit auszugehen, bei dem Können und Technik in einem angemessenen Verhältnis stehen, das heute aus dem Gleichgewicht geraten ist (siehe meine exemplarische "Kritik des Autos").
- "In allen Bereichen des Daseins wird der Mensch immer enger umstellt von den Kräften der technischen Apparaturen und der Automaten." Heideggers Beobachtung aus den fünfziger Jahren gilt heute mehr denn je, so dass man vielleicht heute bereits von einer Fesselung sprechen sollte. Ich denke, wir haben den entscheidenden Übergang von humanitätsfördernd zu humanitätshindernd verpasst. Mehr Technik heißt nicht immer mehr Lebensqualität.
- Man kann Technik als geronnenen Geist interpretieren. Der Mensch hat sie gefunden um entwickelt, um seine physischen Grenzen zu überschreiten und seine psychischen Bedürfnisse zu befriedigen. So weit so gut. Aber es gibt ein gravierendes Problem, das darin besteht, dass sinnvolle Erleichterung in sinnlose Bequemlichkeit umschlagen kann und zur Zeit massiv umschlägt. Auch ist zu berücksichtigen, dass Machterhalt und -erweiterung offensichtlich entscheidend von der Technik abhängt.
- Ich bin nicht gegen Maschinen, zumal man zwischen motoren- und körper/handbetriebene unterscheiden kann.
- Technik ersetzt Leben, in manchen Fällen, die immer weniger werden, ermöglicht Technik Leben.
- Das moderne Subjekt ist davon überzeugt, dass Technik, weil sie von Menschen erzeugt wird, unablöslicher Teil von ihm sei und sich niemals von ihm lösen könnte. Das Subjekt kann nicht denken, dass Technik zumindest in Teilen sich nicht nur von ihm emanzipieren, sondern den Menschen zu ihrer Funktion machen könnte, so dass die Technik zum Subjekt wird. Mit anderen Worten: Das sich als omnipotent interpretierende Subjekt lässt kategorial die Möglichkeit nicht zu, dass sich Technik in Teilen von ihm löst und Macht über ihn gewinnt.
- Wer grundsätzlich nicht von seinem Wahlrecht Gebrauch macht, entscheidet sich zumindest faktisch gegen die Demokratie.
- Grundsätzlich gehen ökologische Politik und gegenwärtige Sparbemühungen zusammen.
- Die Tatsache der Armut ist eine viel zu schwerwiegende und menschenunwürdige Situation als man fahrlässig und populistisch damit umginge. So wären folgende Anmerkungen bedenkenswert: a) die Senkung des bisherigen Konsumniveaus heißt nicht automatisch Armut, b) Sparen und Sich-Einschränken-Müssen heißt nicht automatisch Armut, c) die individuelle Situation muß zusammen mit den Leistungen, die die Gesellschaft bereitstellt, gesehen werden, d) die Opposition von reich kann, muß aber nicht arm sein. So bin ich zwar nicht (materiell) reich, aber mir geht es materiell gut.
- Dass neue Technik fasziniert, kann ich gut nachvollziehen, aber diese Faszination verfliegt natürlicherweise mit der Zeit. Warum? Sie kennt, bis auf das Nichtfunktionieren, keine Überraschungen, wird also langweilig. Sie ersetzt die eigenen menschlichen Fähigkeiten, und das ist langfristig frustrierend.
- Es ist ein großer Unterschied, ob jemand etwas Technisches entwickelt oder ob er sie nur benutzt. Diese Differenz ist wesentlich kleiner, wenn es sich um das Verfassen und das Lesen eines Buches oder um das Spielen und Hören von Musik handelt.
- Zwischen lebendigem Organ und technischem Apparat besteht ein beträchtlicher Unterschied, auch wenn sie oberflächlich gesehen die gleiche Funktion erfüllen.
- Im Gegensatz zu allen historischen normativen Bewegungen verlangt die politischen Ökologie keine bestimmte weltanschaulichen Position, sondern nur den sparsamen und vernünftigen Umgang mit der Natur.
- Das hübsche Mädchen im Wartezimmer ist real. Diese Realität hat eine polititsche Dimension in Angesicht der vielen Bilder in den Illustrierten, die die wartenden Patienten lesen.
- Die Beherrschung und die jederzeit gerechtfertigte Zerstörung von Natur verlangen kategorisch die Aufhebung der Natur als einen Wert. Dieser Prozess der Wertzerstörung bleibt aber nicht nur bei der Natur stehen, sondern erodiert zunehmend alle Werte, die der wirtschaftlichen Expansion im Wege stehen.
- Jeder Kaufakt hat direkt oder indirekt eine politisch-ethische Dimension und muss deshalb auch verantwortlich entschieden werden. Er ist eben nícht neutral und folgenlos.
- Die Produktivkräfte erzeugen wiederum Maschinen, die produzieren.
- Es ist an der Zeit, dass wir politisch, aber auch im privaten Handeln von dem Primat der Ökologie ausgehen.
- In der Regel ist jeder wirtschaftliche Erfolg direkt oder indirekt eine ökologische Verletzung.
- Zuallererst ist Technik nicht mein Können, sondern das Können der Technik und das ihrer Konstrukteure. Die Bedienung der Technik könnte man als sekundäres Können bezeichnen, aber dieses Können ist etwas ganz Anderes als das Können der jeweiligen Maschine.
- Wir empfangen von der Natur so viel Gutes und Schönes - und verletzen sie ständig.
- Ich befürchte, dass es wohl nur eine Frage der Zeit ist, bis das Rauchen wieder in öffentlichen Räumen gestattet ist. Der Druck ist einfach zu groß. Ich befürchte weiter, dass diese Kampagne die letzte erfolgreiche größere Kampagne war, die es geschafft hat, Normen gegen das Kapital durchzusetzen. Das Problem besteht darin, dass die große Mehrheit der Bürger Freiheit mit Konsumfreiheit gleichsetzen: Wer die Aktivitäten der Wirtschaft im produktiven oder konsumtiven Bereich wenn auch mit noch so überzeugenden ökologischen oder humanen Gründen in bestimmten Fällen einschränken will, gilt als ein ein Feind der Freiheit - zumindest des Fortschritts.
- Ich halte nichts davon, wenn Politik Wirtschaft inhaltlich bestimmen will, aber es ist ihre Aufgabe, Rahmenbedingungen aufzustellen und auf ihre Einhaltung zu dringen.
- Die wirtschaftsorientierte Rechte fordert explizit und die ausschließlich lohnorientierte Linke fördert implizit den Bau von neuen Atomkraftwerken. Beide Lager wollen den Konsum erhöhen und keine Änderungen im Konsumverhalten einfordern, so dass der Energieverbrauch ständig steigt.
- Die Sklaven sind nicht abgeschafft, sondern menschliche durch technische Sklaven ersetzt worden - und zwar in einer ungeheuer großen Zahl. Diese neuen Sklaven sind Motoren, die Energie verbrauchen. Die dazu benötigte Materie und Energie werden letztlich dem Gesamtsystem Erde entnommen und als Müll und schädliche Emissionen ihr wieder zugefügt. Geht man davon aus, dass die Erde insgesamt ein lebendes System ist, dann sind so gesehen Motoren und Maschinen aus Leben entstanden. Das ist unvermeidlich, aber man sollte bedenken, wie viele Maschinen und Motoren wir eigentlich benötigen, um nicht umsonst Leben zu zerstören.
- Die Mehrheit entscheidet. Das ist Demokratie. Aber das heißt nicht, dass die Mehrheitsentscheidungen immer die besten sind. Deswegen muss mit der Entscheidung nicht die Diskussion enden. Grundsätzlich müssen Entscheidungen auch revidierbar sein.
- Primär geht es um die Kritik der Techniknutzung, was aber nicht ausschließt, das Verhältnis von Technik und Mensch grundsätzlich zu reflektieren und hin auf Erweiterung bzw. Hinderung menschlicher Möglichkeiten zu bewerten. Das andere Verhältnis, das thematisiert werden muss, ist das zwischen Technik und Umwelt.
- In der Gegenwart haben Maschinen selbstreferentiell nur sich selbst und ihre Vermehrung im Sinn. Der Mensch wird - ohne es zu bemerken - zu ihrer Funktion, bestenfalls führen sie noch eine Nischenexistenz in dieser Maschinenwelt.
- Technik - wenn fertig gestellt - ist bewusstlos, kennt insbesondere keine Freiheit und lässt sie auch nicht zu. Wenn ich Auto fahre, bin ich (fast immer) Auto, zumindest auf der Ebene der Logik und des Handelns.
- Was heißt “Die Technik ersetzt den Menschen”? Natürlich heißt das nicht, dass der Mensch verschwindet, sondern, dass seine körperlichen und handwerklichen Fähigkeiten, sein nichtfunktionales Wissen und vor allem seine Moralität und seine Empathie nicht mehr gebraucht werden, ja u. U. als kontraproduktiv vom herrschenden Mainstream bewertet werden und somit verkümmern. Günther Anders spricht hier von der Antiquiertheit des Menschen. Deswegen die Maxime: Nur dann Technik einsetzen, wo nötig und nicht: Einsatz von Technik wo immer möglich.
- Der große Irrtum besteht darin, zu meinen, dass die moderne Technik keine negativen Auswirkungen auf den Menschen und auf seine soziale, kulturelle und natürliche Umwelt hätte. Dieser Irrtum bewirkt, dass die negativen Auswirkungen nicht gesehen bzw. verdrängt werden.
- Eine konservative Position hätte ihre Berechtigung, wenn sie nicht sozial, rassisch, vergangenheitsorientiert ist, sondern human-ökologisch ausgerichtet wäre.
- Einige Erfahrungen sagen mir, dass gegenwärtig in traditionellen ländlichen Gebieten mehr ökologisches Handeln vorhanden ist als in der angepassten städtischen Bevölkerung der Vorstädte und Schlafdörfern.
- Die modernen Monaden sind auf Konsum konditioniert, was ihr Verhalten, Denken und Fühlen bestimmt und erklärt.
- Wenn alternative Politik nicht die Frage nach der Qualität der zugelassenen Qualitäten aufwirft und nur quantitative Vermehrung dieser Qualitäten fordert, ist m. E. nicht alternativ.
- Der Herzschlag eines Lebewesens und die Mechanik einer Maschine sind vielleicht von der Form, aber nicht dem Inhalt nach identisch. Der entscheidende Unterschied ist die lebendige und die mechanische Kraft, die die Bewegungen verursacht. Ein Hammer, der Nägel ins Holz zwingt, erzeugt andere Geräusche als der gleichmäßig laufende Motor. Die Mechanik kann für das Herz auch Impulse liefern, so, wenn das Musikstück auf der CD den Herzschlag verändert, beeinflusst, beschleunigt.
- Die von Max Weber konstatierte Entstehung und Übereinstimmung von bürgerlicher Lebensführung und den Funktionsbedürfnissen des modernen Kapitalismus (vgl. Lichtblau) scheint mir einleuchtend zu sein. Neu und theoretisch “störend” ist das Moment des systemerhaltenden Konsums. Vielleicht ist die alle Klassen und Schichten erfassende universelle Konsumorientierung der Ausdruck und die Form des modernen Sklavenaufstandes im Sinne Nietzsches. Neu hinzugekommen sind hier Menschen, die gewissermaßen freiwillig auf ihre Autonomie verzichten.
- Ich laufe Gefahr, das zu Kritisierende zu stark in den Vordergrund zu rücken. Auch müsste ich mehr beschreiben und weniger explizit kritisieren: Beschreibungen statt Entfremdungsdiskurs.
- Mir geht es um das Leben, das Wichtigste, was wir haben, mit dem wir schonend und freudig umgehen sollten.
- Wenn ich es recht verstehe, stellt der transzendental-pragmatische Ansatz von Karl-Otto-Apel überzeugende Argumente zur Verfügung, um von der absoluten Beliebigkeit aller Werte, von ihrer absoluten Gleichheit oder von ihrer Nichtsein Abstand zu nehmen. Für die politische Ökologie ist die Anerkennung von überindividuellen Werten die conditio sine qua non ihrer Existenz.
E. Riskante Aussagen?
- Ich wende mich gegen einen Ursprungsmonismus, so haben wir vielleicht einen Ursprung im Tier und einen in Gott.
- Stammtische müssen nicht an sich schlecht sein, denn sie sind ein Ort des Austauschs.
- Gott kann man nicht anlügen.
F. Unkommentierte Exzerpte
en ist das Gegenteil von Reisen: Du durchquerst einen Sprung im Raumkontinuum, eine Art Loch im Raum, verschwindest im Leeren, bist eine Weile, die gleichfalls eine Art Loch in der Zeit ist, an keinem Ort, nirgendst; dann tauchst du wieder auf und befindest dich in einem Dort und Dann ohne jeden Zusammenhang mit dem Wo und Wann, aus dem du verschwunden bist. Was tust du inzwischen? Wie füllst du diese deine Abwesenheit von der Welt und der Welt von dir? Du liest" (Italo Calvino, Wenn ein Reisendner in einer Winternacht).- "Größe des Menschen" von Wolf Biermann: Nimm nur die Berge, die abträgt der Regen/Und schwemmt sie flußwärts ins Meer wie nichts// Oder das Meer selbst, das schiffemordende/In der Sturmflut, wie es die Inseln wegleckt// Oder wenn aufbrechen die Wunden der Erde/In Vulkanen, städtebegrabenden Massen// Oder auch, von denen wir wieder hörten:/Den länderzertrümmernden Erdbeben// - sie alle übertrifft der Mensch/in seiner Zerstörungskraft. (Ich füge hinzu: Und das geschieht still, durch in der Regel alltägliches und legales Handeln).
- "Die für das moderne Bewußtsein charakteristische “Subjektivierung der Werte” richte sich demgegenüber gegen die Anerkennung der Existenz einer “objektiven Wertordnung”, wie sie Scheler jenseits aller historischen Verfälschungen als apriorisch gültig gegeben sah. Und die den “Ethos des Industrialismus” schlechthin kennzeichnende “Erhebung des Nützlichkeitswertes über den Lebenswert” habe schließlich zu einer Unterwerfung aller Lebenserscheinungen unter das Prinzip der Mechanik geführt, wodurch die Maschine an die Stelle des Menschen getreten sei und alle vitalen Lebensäußerungen beherrsche" (Klaus Lichtblau, 1996, 168).
- "Fliegen ist das Gegenteil von Reisen: Du durchquerst einen Sprung im Raumkontinuum, eine Art Loch im Raum, verschwindest im Leeren, bist eine Weile, die gleichfalls eine Art Loch in der Zeit ist, an keinem Ort, nirgendst; dann tauchst du wieder auf und befindest dich in einem Dort und Dann ohne jeden Zusammenhang mit dem Wo und Wann, aus dem du verschwunden bist. Was tust du inzwischen? Wie füllst du diese deine Abwesenheit von der Welt und der Welt von dir? Du liest" (Italo Calvino, Wenn ein Reisendner in einer Winternacht).
G. Literaturempfehlungen (meine Auswahl)
Apel, K.-O.: Auseinandersetzungen in Erprobung des transzendentalpragmatischen Ansatzes. Frankfurt am Main 1998 (Suhrkamp).
Barthes,
Roland: Die Vorbereitung des Romans. Frankfurter am Main 2008
(Suhrkamp). Für mich das wichtigste Buch der letzten Jahre, da es
überzeugend die Potenz des Subjekts darstellt.
Blech,
J.: Bewegung. Die Kraft, die Krankheiten besiegt und das Leben
verlängert. Frankfurt am Main 2007 (S. Fischer). Eine wahre
Fundgrube von Argumenten, die - in meiner Terminologie - den Subjektpol
betreffen. Dagegen bleibt die Beziehung
Mensch-konkrete
Umwelt nahezu unthematisiert, auch wird Eigenbewegung zu sehr mit Sport
identifiziert.
Blumenberg. H.: Theorie der Unbegrifflichkeit. Frankfurt am Main 2007 (Suhrkamp). Wegen seiner unpreziösen Klugheit.
Buchheim, T.: Unser Verlangen nach Freiheit. Hamburg 2006
(Felix Meiner Verlag)
Burckhardt, L.: Warum ist Landschaft schön. Die Spaziergangswissenschaft. Berlin o J. (Martin Schmitz Verlag). Hier lernt man Wahrnehmen.
Gietinger, K.: Totalschaden. Das Autohasserbuch. Frankfurt am Main 2010 (Westend Verlag). Hier wird Tacheles geredet. Informativ, erfrischend, witzig.
Görner, R.: Nietzsches Kunst. Annäherung an einen Denkartisten. Frankfurt am Main 2000 (Insel Verlag). Sehr lesenswert, nicht zuletzt wegen der vielen direkten und indrekten Anregungen zum Leben, Kunst und Eigenbewegung.
Grober, U.: Vom Wandern. Neue Wege zu einer alten Kunst. Frankfurt am Main 2006 (Zweitausendeins). Wegen seiner Fähigkeit, auch nicht-spektakuläre Landschaften in ihrem sinnlichen und kulturellen Reichtum für den Leser zu erschließen.
Grober, U.: Die Entdeckung der Nachhaltigkeit. Kulturgeschichte eines Begriffs. München 2010 (Verlag Antje Kunstmann). Ein Muss!
Illouz, E.: Gefühle im Zeitalter des Kapitalismus. Frankfurter Adorno-Vervorlesungen 2004. Frankfurt a. M. 2007. Der Titel sagt es.
Koselleck, R.:
Begriffsgeschichten. Frankfurt am Main 2006 (Suhrkamp). Wegen des
inhaltlichen Reichtums und der Klarheit.
Krippendorff, E.: Goethe. Politik gegen den Zeitgeist.
Frankfurt am
Main und Leipzig 1999 (Insel Verlag). Für mich öffnet
Krippendorff den Zugang zu einem genuin "ökologischen" Goethe
der
Zukunftsperspektiven.
Lichtblau, K.: Kulturkrise und Soziologie um die Jahrhundertwende. Zur Genealogie der Kultursoziologie in Deutschland. Frankfurt am Main 1996 (Suhrkamp). Während dieser materialreichen und gut strukturierten Lektüre ist mir erst recht klar geworden, inwieweit in nicht unerheblichem Maße die ökologische Bewegung ihre Argumente und Werte aus dieser Zeit (und aus der Romantik) übernommen hat.
Picht, G.: Der Begriff der Natur und seine Geschichte. Stuttgart 1990 (Klett-Cotta) . Die Unverzichtbarkeit der Metaphysik wird begründet herausgearbeitet. Nach der Lektüre wurden mir einige zentrale Begriffe wesentlich klarer.
Schürmann, E.: Sehen als Praxis. Ethisch-ästhetische Studien zum Verhältnis von Sicht und Einsicht. Frankfurt am Main 2008 (Suhrkamp). Als Bewusstseinsleistung ist Sehen eine gleichsam janusköpfige Tätigkeit im Zwischenraum von Geist und Welt.
Ullrich, W.: Haben wollen. Wie funktioniert die Konsumkultur? Frankfurt am Main 2006 (S. Fischer). Wegen seiner elaborierten Argumentation, die hohe Anforderungen an eine Kritik dieser Kritik stellt
Weber, A.: Alles fühlt: Mensch, natur und die Revolution der Lebenswissenschaften. Berlin 2007 (Berlin-Verlag). Wegen seiner Leistung, Voraussetzungen zu schaffen, in rationaler Weise vom Leben zu sprechen.
Weber, J.: Umkämpfte Bedeutungen. Natur im Zeitalter der Technoscience. Frankfurt am Main 2003 (Campus). Sehr aufschlußreich, um die Fragilität des Naturbegriffs zu erkennen.
Wiesing, L.: Das Mich der Wahrnehmung. Eine Autopsie. Frankfurt am Main 2009 (Suhrkamp). Zwischen Subjekt und Objekt liegen die Handlungen und damit das Gehen und Radfahren, die wesentliche Teile der Autonomie bilden.
G. Kleine Veröffentlichungen
Der
Tod des Autos wäre das Ende vieler Krankheiten
| ||||
Im Onlinemagazin "Illey" im Ferbruar 2009